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die ihm vor Allem am Herzen lag. Die Ausführung des Entschlusses war nicht ganz leicht, Gewaltherrseler sind inner misstrauisch.
So suchte man auch damals die Kntfernung junger Männer aus bedeutenden Familien zu verhindern, hunter welcher man allerlei Ver-.
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Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)V. Das Leben des Pythagoras.
In den bisherigen Kapiteln wurde gezeigt, dass bei den Völkerschaften des grauesten Alterthums Spuren von Kunst und Wissenschaft sich deutlich zeigen, die man als viel jüngeren Ursprungs
anzunehmen gewohnt war, dass andererseits manche Erfindungen
als durchaus nicht so einheitlich und plötzlich entstanden sich zeigen, wie man noch heute glaubt. Namentlich die Mathematik, in
ihrer theoretischen Gestalt nicht minder als in ihren Anwendungen,
tritt an den verschiedensten Orten auf, so dass die Frage unlösbar
erscheint, ob wir es hier im Ganzen mit von einander unabhängi- 1
gen gleichzeitigen Erfindungen oder mit Uebertragungen zu thun :
haben. Um so sicherer wird wohl dann behauptet werden können,
dass ein Mann, der an vielen dieser Stätten ältester Kultur Jahre _
lang weilte, und zum Theil mit der ausgesprochenen
: Absicht dort
weilte, sich die Kenntnisse dort zu erwerben, die dort erlangt werder konnten, : dass ein solcher Mann auch seinen Zweck habe erreichen müssen.
Es ist kein blosser Zufall, wenn in seinen Lehren
Spuren dessen vorkommen, was er anderswo sah, es ist vielmehr
Absicht, Nothwendigkeit; und unerklärlich schiene es im Gegentheil, wenn die Erfahrungen nur durch ihn hindurchgegangen wären, wenn der Strom von neuen Ideen, der die ungewohnte Seele
fiberschwemmte, sich entfernt hätte, ohne einen wohlthätigen Niederschlag zurückgelassen zu haben.
Solcher Männer aber, welche die in sich aufgenommene Kultur da und dort Schule bildend verbreiteten, ähnlich, wenn auch
mit umgekehrtem Erfolge, wie ein einziger Baumwollballen Epidemien zu verbreiten im Stande ist, Männer, welche die geistige Copula von ganzen Ländern und Völkern bilden, hat es zu allen Zeien gegeben.
Es kam immer vor, dass Einer oder der Andere des
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Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)engbegrenzten Raumes der Schreibstube überdrüssig die zusammengekauerte Stellung am Studierpulte verliess und den Wanderstab
in die Hand nahm, der freilich im Laufe der Zeiten sich in ein
Eisenbahn- und Dampfschiffbillet verwandelte, um auswärts neue
Scenerien, neues Wissen zu suchen.
Nun wurden solche Reisen
allmälig häufiger und häufiger, des zurückzubringenden Neuen wurde
weniger und weniger, und so hat im umgekehrten Verhältnisse wie
die Mittel grossartiger wurden die persönliche Wirksamkeit des einzelnen Reisenden abgenommen. Pythagoras von Samos war,
wenn auch nicht der Erste, der solche Studienreisen unternahm,
doch einer der Frühsten, und jedenfalls dehnte er sie weiter aus,
als irgend ein Anderer vor ihm. Ich will versuchen, ein Lebensbild dieses unerschrockenen durch Wissensdurst. wie durch Aufopferungsfähigkeit nicht minder als durch Talente ausgezeichneten
Mannes zu geben, indem ich dabei besonders den Untersuchungen
von Röth mich anschliesse.
Heimath 129) des Pythagoras war, wie gesagt, die Insel Samos, wo seine Eltern als angesehene Leute zu der Zeit lebten, da
der ältere Polykrates die Herrschaft eben an sich gerissen hatte.
Der Vater Mnesarchos stammte zwar von der Insel Lemnos, hatte
aber von den Samiern, weil er sie in einer Hungersnoth mit Getreide versorgte, das Bürgerrecht erhalten, und führte bald dort
ein der Kunstbetriebsamkeit gewidmetes Leben, bald nöthigten ihn
seine kaufmännischen Geschäfte zu Reisen nach allen damals bekannten Häfen, wobei seine Frau Pythais ihm stete Gefährtin war, ganz
nach der Weise auch der heutigen griechischen Inselbewohner.
Auf einer dieser Reisen im Jahre 569 v. Ch. Geb. ward Pythagoras
m Tyrus geboren, und auf anderen Reisen nach dem südlichen
Italien wird der zarte Knabe als Begleiter seines Vaters erwähnt.
$o wurde schon das jugendliche Gemüth mit Wanderscenen genährt,
ein frühes Vorbild seines ganzen Lebens. Was Wunder, dass Pythagoras kaum der Kinerschule entwachsen in seinem 18. Jahre den
Entschluss fasste, sich auswärts jene höhere Bildung anzueignen,
die ihm vor Allem am Herzen lag. Die Ausführung des Entschlusses war nicht ganz leicht. Gewaltherrscher sind immer misstrauisch.
. So suchte man auch damals die Entfernung junger Manner aus bedeutenden Familien zu verhindern, hinter welcher man allerlei Verschwörungsgelüste witterte, und nur’ in nächtlicher Flucht konnte
Pythagoras 551 sich von Samos nach Lesbos begeben, wo bei
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ont
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Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)einem Oheime Zoilos ihm gastliche Aufnahme sicher war. Zudem
fand er dort Pherekydes, den jüngsten aber nicht wenigst bedeutenden Lehrer der damaligen Zeit, welcher mit den beiden Milesiern Anaximander und Thales sich in den Ruhm der Weltweisheit theilte. Und doch war Pherekydes, so viel aus seinen Schriften der Nachwelt überkommen ist, kein origineller Denker. Er war
nur Dolmetscher egyptischer Wissenschaft, welche er an Ort und
Stelle aufgenommen hatte, ähnlich wie vor ihm schon der geistig
viel höher stehende Thales.
Die Frage, wie es kam, dass damals ziemlich plötzlich eine
Reihe griechischer Gelehrten wissenschaftliche Reisen nach Egypten
machten, beantwortet sich aus den politischen Verhältnissen dieses
Landes, Psammetich hatte nämlich nur mit dem Beistande jonischer Hülfsvölker die Dodekarchen besiegt und seine Herrschaft befestigt. Zum Danke dafür gewährte er den friheren Bundesgenossen mannigfache Vortheile, ja er räumte ihnen seit 630 sogar feste
Plätze in Egypten ein, wodurch das ehedem dem Fremden „bittere“
Land für den Verkehr aufgeschlossen war, der gar bald ein wissenschaftlicher wurde, sobald nur Einer der des Handels wegen Uebergesiedelten den Drang in sich fühlte, mit der ihm dort begegnenden höheren Kulturstufe näher bekannt zu werden.
Den unmittelbaren Unterricht des Pherekydes genoss Pythagoras zwei Jahre, innerhalb welcher er besonders dessen religiösen
Ideenkreis in sich aufnahm, und dann wandte er sich 549 weiter
nach Milet zu Anaximander und Thales. Schon dass dieser damals bereits 90jährige Greis des Jünglings Annäherung in
vertraulicher Weise zuliess, beweist, wie sehr bereits Pythagoras
den künftigen grossen Mann verrieth, beweist auf welch günstigen
Boden der Same exacter Wissenschaft fiel, so weit ihn Anaximander und selbst Thales ihm anvertrauen konnten. Es waren die Anfangsgründe einer kosmischen Physik, wobei Thales 3°) die Erde
als eine Kugel dachte, schwimmend in einer Wassermasse, welche
durch den ausgeübten Druck zwischen dem Rande des Erdkreises
und dem Himmelsgewölbe als Meer emporgeschwellt wurde, während
Anaximander
31) bei Ausbildung dieser Lehre wieder einigermassen zu der altgriechischen Ansicht zurückging, welcher die Erde als
Scheibe galt. Bei ihm ist hämlich die Erde wieder eine kurze
Walze, deren obere Schnittfliche den bewohnten Theil bildet.
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Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)Hingegen erhob er sich zu dem Gedanken, die Erde freischwebend in
der Mitte der Weltkugel ruhen zu lassen, weil kein Grund vorhanden sei, warum ein Körper, der in der Mitte einer hohlen Kugel
sich befinde, nach irgend einer Seite hin vorzugsweise sich bewegen solle. Es waren dann ferner astronomisclre und mathematische
Kenntnisse, welche die Geschichte an die Namen der beiden Gelehrten knüpft. Von Thales wissen wir, dass er das Sonnenjahr
aus Egypten mitbrachte, dass er Sonnen- und Mondfinsternisse
vorausbestimmte, dass er die Höhe einer Pyramide aus der Lange
ihres Schattens finden lehrte, endlich dass er geometrische Sätze
von theoretisch ungemeiner Tragweite einführte, wie z.B. den vom
rechten Winkel im Halbkreise und den von den Winkeln an der Basis
des gleichsehenkligen Dreiecks, welcher Röth in seiner sonst so
sorgfältigen Aufzählung entgangen zu sein scheint. Von Anaximander wird berichtet, dass er zuerst eine Himmelskugel zusammensetzte und darauf die zur Bestimmung der Himmelserscheinungen ersonnenen Kreislinien verzeichnete, dass er den Gnomon
kannte, der freilich wie wir früher sahen 6) nicht egyptischen sondern babylonischen Ursprunges ist, dass er ihn zur Bestimmung
der Sonnenhöhe anwandte, ja dass er ihn sogar schon zur Zeiteintheilung als Sonnenuhr benutzte, dass er als neue Wissenschaft
merst Geographie lehrte und auf Erz die ersten Landkarten bildete.
Sowie von allgemeinem Interesse noch ist, dass Anaximander der erste Prosaiker war, während vor ihm auch bei den Griechen die Gewohnheit herrschte, welche wir bei den Indern als am
lingsten andauernd kennen lernten, ihre wissenschaftlichen Werke
inmer in Versen zu schreiben. Thales z.B. fügte sich noch diesem lästigen Gebrauche bei der Abfassung seines Lehrgedichtes über
die Sonnenwende und die Tag- und Nachtgleiche. Astronomischphysikalischen Inhaltes waren also die neuen Lehrgegenstände, welche Pythagoras in Milet sich aneignen konnte und folglich auch antignete, wozu noch weitere eigentlich philosophische und theologische Spekulationen kamen, zu welchen Pherekydes, wie oben bemerkt wurde, ihn schon hinlänglich vorbereitet hatte. Thales wies
nun den strebsamen jungen Geist weiter nach Egypten und sehnsuchtsvoll ward dieser Rath in Ausführung gebracht. Die phönikische Priesterschule zu Sidon sollte als Uebergang dienen 1??) und
dorthin wandte sich Pythagoras 548. Ein ganzes Jahr brachte er
damit zu, sich die Bekanntschaft mit den dortigen Weihediensten
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Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)zu erwerben, und dann erst betrat er 547 gehörig vorbereitet
vielleicht zu Naukratis den egyptischen Boden. 132)
Die politischen Verhältnisse dieses Landes waren den Ausländern gegenüber kaum andere geworden, seit Thales gegen Ende
der Regierung des: Psammetich denselben Boden betreten hatte.
Auf Psammetich waren Necho, der Umschiffer Africas (616—601),
Psammis (600—595), Apries (594—570) gefolgt, und in ihrer Regierungszeit erlebte die egyptische Bildung ihren glanzendsten Aufschwung, während die äussere Macht seit Necho’s Niederlage gegen
Nebucadnezar gebrochen sich nicht wieder aufrichtete.
Zuletzt veranlasste ein ungliicklicher Krieg des Apries gegen Kyrene eine Empörung, die ihn das Leben kostete und Amasis aus plebeischem Stande
entsprossen auf den Thron setzte.
Damit war wieder für den Emporkömmling die Nothwendigkeit gegeben, seine unrechtmässige
Herrschaft durch fremde Waffen und Bündnisse zu schützen. So
zog er jonische Miethstruppen bis in seine Hauptstadt Memphis, so
einigte er sich mit Kyrene in einem durch eine Heirath besiegelten
Frieden, so schloss er Gastfreundschaft mit Polykrates von Samos.
Es kam daher für Pythagoras Alles darauf an, den Regenten seines
Heimathlandes zu versöhnen, und es scheint auch, dass der Name
des erst 22jährigen Jünglings seit seinem Aufenthalte in Milet und
Sidon bereits ein so weithin genannter geworden war, dass die politischen Skrupel wegen seiner früheren Flucht der wissenschaftlichen Berühmtheit weichen mussten. Polykrates empfahl in eigen‚händigem Schreiben den jungen Gelehrten an den König Amasis,
aber selbst mit dieser so wirksamen Unterstützung kostete es noch
Kämpfe genug bis Pythagoras seinen Zweck erreichte, unter die
Schüler der eigentlichen Priesterweisheit aufgenommen zu werden. Denn es war ihm nicht genug, wie seinen Lehrern Pherekydes und Thales, nur das zu erlernen, was ihm Umgang
und gelegentliche Mittheilung der Priester von egyptischer Bildung
zugängich machen konnte. Das wusste er ja schon zum grossen
Theile.
Er wollte vielmehr als Ausländer, als Unreiner in die innersten, tiefsten Geheimnisse der Priesterwissenschaft eindringen,
also den Widerstand einer Kaste besiegen, welche zu allen Zeiten
die hartnäckigste Vertheidigerin ihrer Vorrechte war, welche sogar
vor deın geborenen Egypter ihre Heiligthümer verschlossen hielt,
wenn er nicht zu ihrem Stamme gehörte. Dazu mussten die mächigsten Hebel in Bewegung gesetzt werden, es musste der König
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Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)Amasis selbst den Fremdling bei der Priesterschaft einführen. Dieses geschah in dem Tempelcollegium zu Heliopolis. Direct abweisen
wollte man den vom Könige Empfohlenen natürlich nicht, man versteckte sich vielmehr hinter dem damals schon bekannten Deckmantel mangelnder Competenz und verwies den Bittenden an das ältere
Collegium in Memphis. Dort ward dasselbe Spiel aufgeführt, und
Pythagoras musste wieder weiter ziehen nach Theben, wo das älteste Priestercollegium seinen Sitz hatte. Eine weitere Verweisung
war jetzt nicht möglich, wenn gleich der Wille dazu nicht gefehlt
haben mag, und so liess man sich hier durch die Rücksicht auf
den König bestimmen, die bedingungsweise Aufnahme zu gestatten.
Aber freilich, welche Bedingungen wurden dem wissbegierigen Jünglinge gestellt! Solche, die jeden Anderen zurückgeschreckt hätten,
wie es auch wohl beabsichtigt war. Waschungen, Scheeren des
ganzen Körpers, Fasten, vor Allem eine Operation, welche bei fast
allen orientalischen Völkern in Gebrauch ebenso schmerzhaft ist,
als sie hellenischer Sitte und Denkweise gradezu als unanständig
galt. 124) Und trotzdem unterwarf sich Pythagoras allen Bedingungen. Seine muthige Beharrlichkeit trug den Sieg über absperrende
Engherzigkeit davon, sein eigentlicher Unterricht begann unter dem
Oberpropheten Sonchis. Es scheint, als ob sein kräftiger Geist die
Schwierigkeiten bald bewältigte, so dass die Priesterkaste ihn ebenso
schätzen lernte, wie sie vorher sich seiner zu erwehren gesucht
hatte. Sein Aufenthalt in Egypten verlängerte sich unter diesen Erfolgen von -Jahr zu Jahr, und möglicherweise wäre sein kolossales
Wissen für Europa verloren geblieben, wenn nicht politische Erägnisse eingetreten wären, die in jeder Beziehung für ihn von Bedeutung waren. Während der 21 Jahre nämlich, welche des Amatis Regierung nach unseres Weisen Ankunft noch dauerte, nahm
Pythagoras, wie bereits angedeutet wurde, nicht bloss die ganze
egyptische Wissenschaft in sich auf, er brachte es auch in dem Tempeldienste selbst zu den höchsten Ehren, und wurde den obersten
Priestern zugerechnet. Da starb Amasis 527, sein Sohn Psamminit bestieg den Thron fast nur, um ihn alsbald mit seinem Leben
wieder zu verlieren. Denn schon im Jahr 526 fiel Cambyses mit
einem Eroberungsheere in Egypten ein, unterjochte das Land, und
wandte in grausamer Klugheit seine ganze Wuth gegen die Priester,
ven deren einflussreicher Kaste er den nachhaltigsten Widerstand
‘ gewartigte. Fast sämmtliche Mitglieder der Priesterschaft wurden
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Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)in die entfernteren Gegenden Asiens verpflanzt, unter ihnen Pythagoras, der sich somit plötzlich als Gefangener in Babylon
sah. 135)
So traurig dieser Wechsel für ihn persönlich war, den aus
dem ruhigen Frieden eines beschaulichen Priesterlebens unzart Herausgerissenen, von so unberechenbarem Vortheile war es für die
Wissenschaft, dass Pythagoras jetzt fast gezwungen wurde, auch die
Kenntnisse sich anzueignen, welche im Besitze der Chaldäer waren. Dass dort genügender Stoff sich vorfand, den es reichlich der
Mühe werth war, sich anzueignen, braucht wohl nach dem, was in
den früheren Kapiteln auseinandergesetzt wurde, nicht besonders
hervorgehoben zu werden. Haben wir doch Babylon bereits als
Mittelpunkt eines grossartigen Handelsverkehrs kennen gelernt, haben
wir doch gesehen wie Baktrer, Inder und Chinesen dort ihren Markt
halten. Damit stimmt überein, was speciell über Pythagoras mitgetheilt wird, er sei dort mit Juden, mit Brahmanen und Kalatiern
zusammengetroffen, ja er sei mit Zoroaster dort in persönliche Berührung gekommen. Ich weiss wohl, dass dieser letzte Punkt an
vielen Orten den meisten Anstoss erregen wird, indem gründliche
Kenner der Zendsprache jeden Gedanken als unvernünftig zurückweisen, der das Leben Zoroasters in so späte Zeit versetzt. Seine
Schriften seien in so alterthümlicher Sprache verfasst, dass daran
‚nicht zu denken sei. Ohne weiter auf diese Frage eingehen zu
können, möchte ich indessen nur daran erinnern, dass der Reformator des Feuerdienstes sehr wohl seine Lehre in alterthümliches
Kostüm verhüllen konnte, um sie desto -wirksamer zu machen, dass
er diesem Zwecke zu Liebe ein Vorgänger des Pseude-Ossian unseres Jahrhunderts werden konnte, ohne dass man ihn desshalb
gradezu einen Fälscher nennen müsste. Im Uebrigen hängt indessen dieser vereinzelte Umstand viel zu wenig mit unserer Aufgabe
zusammen, als dass er nicht allenfalls auch preisgegeben werden
könnte, und so will ich nur für die Polemik über Zoroasters Lebenszeit auf Röth verweisen, der eine grosse Reihe von Gründen
für diese spätere Epoche zusammengestellt hat.1?%) Ein anderer
Zweifel, der hier im Voraus vernichtet werden muss, geht dahin,
ob Pythagoras in seiner Stellung als Gefangener überhaupt in der
Lage gewesen sei, sich wissenschaftlich zu beschäftigen.
Dieser
Zweifel könnte nämlich auftauchen, wenn man an jene Wandskulpturen und Backsteinmalereien denkt, welche die Schutthügel
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Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)von Niniveh und Babylon der staunenden Neuzeit wiedergegeben
haben. Man sieht dort unglückliche Kriegsgefangene, welche unter
der Peitsche eingeborener Aufseher Steine tragen, Statuen ziehen,
Baumaterial aller Art beschaffen müssen, lauter Arbeiten’ wenig geistiger Natur. Allein es erscheint mehr als zweifelhaft, ob auch
die gefangenen Priester zu so niedrigen Diensten in einem Lande
herabgewürdigt wurden, welches selbst einen Mysteriendienst besass.
Bei einem solchen wird der Priesterstand stets ein einflussreicher,
in hohem Ansehen stehender sein, was alsdann gemeiniglich auf
Priester anderer Religionen bis zu einem gewissen Grade sich ausdehnt. Sie sterben als Märtyrer, oder werden "geachtet. Zudem
dauerte die Gefangenschaft des Pythagoras zu lange, als dass nicht
ein so hervorragender Geist sich aus jeder Stellung zu erheben vermocht hätte. Genaueres wissen wir allerdings nicht aus der Zeit
seines 12jährigen gezwungenen Aufenthaltes, und erst die romanhafte Weise, in. welcher er 513 seine Freiheit wieder erhielt, wird
uns näher geschildert. 47)
Am Hofe des Darius, welcher nach der
auf den Tod des Cambyses folgenden kurzen Zwischenherrschaft
des falschen Smerdes seit 521 den persischen Königsthron einnahm, lebte Demokedes, ein aus Kroton gebürtiger Arzt, der, ursprünglich gleichfalls ein Gefangener, sich durch seine Kunst nicht
bloss zum Posten eines königlichen Leibarztes emporschwang, sondern auch
so tief in das Vertrauen des Darius sich einschlich, dass
dieser ihn natürlich gegen das Versprechen der Wiederkehr an die
Spitze einer Expedition stellte, welche auf Kundschaft nach Griethenland geschickt wurde. Wortbrüchig lenkte Demokedes die
Fahrt gegen die Südküste von Italien, wo er in Tarent an’s Land
gog und sich unter den Schutz des dortigen Herrschers stellte.
Die Perser mussten führerlos wieder absegeln, litten Schiffbruch,
kamen so in Gefangenschaft, und wurden das Eigenthum eines gewissen Gillos von Tarent, der sie an Darius gegen verschiedene Beüngungen zurückschickte, unter welchen auch die Befreiung des
Pythagoras eine wesentliche war. Und nun erst sehen wir diesen
in einem Alter von 56 Jahren nach der Heimath zurückkehren,
wo er gerade noch rechtzeitig ankam, um bei kurzem Aufenthalte
auf Delos seinem Lehrer Pherekydes die Augen zuzudrücken. Aber
noch wollte er sich die wohlverdiente Ruhe nicht gönnen.
Er benutzte vielmehr noch ein halbes Jahr zu einer Rundreise durch
Griechenland, dessen ihm lang entfremdeten religiösen und auch
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Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)wohl wissenschaftlichen und staatlichen Zustände er wieder kennen
lernen wollte, bevor er selbst lehrend auftreten mochte.
Hier ist der grosse Abschnitt in dem Leben des Pythagoras, von welchem an der Held romantischer Abenteuer verschwindet, und der Philosoph, der Freund der Weisheit, wie er,
sich selbst zu nennen, bescheiden und stolz genug war, auftritt.
Der Anfang dieser zweiten Periode seines Lebens war trübe genug.
Auf Samos, wo er die ersten Versuche seiner Lehrthätigkeit anstellte, missglückten dieselben so sehr, dass er den einzigen Schüler, der ihm nach einigen Vorträgen noch blieb, einen Namensvetter, Pythagoras, Sohn des Eratokles, gar bezahlen musste, um nicht
ganz einsam dazustehen.
138) Dieses Dasein, gegen welches die
Stellung eines beginnenden Lehrers von Nicht-Fach-Gegenständen
an deutschen Universitäten eine beneidenswerthe ist, war ihm unerträglich. Kein Wunder also, wenn er die undankbare Vaterstadt
510 verliess, um in den hochgebildeten Städten von Grossgriechenland eine neue Heimath sich zu gründen. Es war ein glücklicher |
Zielpunkt, den er wählte, als er nach Kroton überzog. Fand er
doch dort einen Staat, welcher den ersten Schritt über die Tyrannis hinaus schon hinter. sich hatte, in welchem ebensowenig die
Gewaltherrschaft eines Einzelnen, als einer unbändigen Ochlokratie
den geistigen Aufschwung hemmte, in welchem aber auch Reichthum
und Ueppigkeit noch nicht so entsittlichend gewirkt hatten, wie
etwa in der Nachbarstadt Sybaris. Fanden sich doch in Kroton
schon vorher körperlich kräftig ausgebildete Naturen ebenso wie |
ein reges wissenschaftliches Leben. Von dem ersten zeugt der häu- |
tige Sieg, welchen Krotoniaten bei den olympischen Spielen: sich :
errangen, von dem zweiten die weitberühmte Aerzteschule, welche :
um denselben Demokedes sich geschaart hatte, mit dem Pythagoras
schon in der Gefangenschaft bekannt geworden war, und der. in so
eigenthümlicher Weise zu seiner Befreiung mitgewirkt hatte. Was
freilich die Zeit betrifft, in welcher die Uebersiedlung stattfand, so
war grade das Jahr 510 jenes Revolutionsjahr, in welchem fast am
selben Tage die Flucht des Tarquinius aus Rom, des Hippias aus
Athen erzwungen wurde, während Aufstandsversuche in Sybaris
gegen den nach früher süditalienischer Gewohnheit auf den Plebs
sich stützenden Tyrannen Telys missglückten. Synchronistische Geschichtsbetrachtung, die allein die richtigen Gesichtspunkte aufdeokt,
weist also hier die Symptome einer und derselben geistigen Be-
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Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)wegung näch, welche die ganze damalige italienisch-griechische Kulturwelt durchlief. Auch die Orte, deren staatlich befriedigende Zustände keine Störung der äusseren Ordnung zuliessen, wurden in
geistige Aufregung versetzt, welche richtig geleitet nach dem Idealen streben musste, vielleicht auch nach dem ihm so nahe liegenden Mystischreligiösen führte. Jedenfalls war damit gegeben, dass
rein Wissenschaftliches kaum Interesse einflössen konnte, und dass
Pythagoras, wenn er sich Gehör verschaffen wollte, zunächst in
einer der beiden angedeuteten Arten vorgehen musste.Von diesem Gesichtspunkte aus wird sein Benehmen in den
ersten Wochen nach seiner Ankunft in Kroton erst verständlich.
Er entfernt sich scheinbar von seinem eigentlichen Ziele, der Gründung einer streng wissenschaftlichen Schule, um es um so sicherer
zu erreichen. Gleich sein erstes Auftreten ist eine öffentliche Rede
an die Jünglinge der Stadt, in welcher er die Pflichten der Jugend
so ernst und zugleich so anziehend darzulegen wusste, dass die
Väter der Stadt ihn aufforderten, auch vor ihnen zu sprechen. Als
er aber in dieser zweiten Rede Gesetzlichkeit und Sittenreinheit als
die Grundlagen des Staatslebens wie der Familie hervorhob, als in
Folge seiner eindringlichen Ermahnungen der Senat den Beschluss
fasste, die schon zur Unsitte gewordene Verbindung mit Nebenweibern aufzulösen, da hatte er eigentlich schon gewonnenes Spiel,
und die beiden folgenden Reden an die Knaben und zuletzt an die
Frauen dienten nur dazu, seinen Triumph zu erhöhen. Die Rede
an die Knaben behandelte so ziemlich dasselbe Thema, welches er
den Jünglingen ans Herz gelegt hatte, nur in einer dem kindlichen
Alter leichter zugänglichen Form. Die Rede an die Frauen ist am
wenigsten genau überliefert „wahrscheinlich, wie Röth sagt, aus unmsammenhängenderen Erinnerungen, wie sie von Frauen zu erwarten sind.“ Doch Kennen wir das schliessliche Resultat derselben,
welches darin bestand, dass viele tausende kostbarer Gewänder in
den Tempel der Here geschenkt wurden, weil keine Frau mehr
wagte sich in einem solchen sehen zu lassen.
Schon aus der dürren Aufzählung des Ergebnisses seiner Reden, die allein ich hier zu
geben im Stande bin, 139%) begreift man die elektrisch zündende Gewalt, mit welcher er eingerostete Vorurtheile zu zermalmen, frivole
Unsitte zu vernichten verstehen musste. So grossartig die plötzliche Sittenreform, so allgemein war die Begeisterung. Jetzt brauchte
er nicht mehr mühsam nach Schüleru zu suchen, ein Strom der
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Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)verschiedenartigsten Hörer ergoss sich zu seinen Vorträgen. Ausser
den Jünglingen, welche den ganzen Tag hindurch seinen Lehren
horchten, waren es nahe an 600 der bedeutendsten Manner der
Stadt, waren es noch Frauen und Madchen, welche seine abendlichen Vorträge erfüllten, und unter den letzteren die geistreiche,
junge, blühende Theano, welche sich glücklich pries des 60jährigen
Lehrers Gattin zu werden.
Es ergab sich aus diesem Zudrange von selbst eine bereits
angedeutete Theilung der Schüler in die eigentlichen Lehrlinge,
die engere Schule, und die blossen Zuhörer, die weitere Schule.
Die ersteren, die Mathematiker, wie sie in der wörtlichen Bedeutung dieses Namens hiessen, waren es also, welchen die strenge
Lehre des Pythagoras als wissenschaftliches Ganzes in logisch-systematischer Aufeinanderfolge von der elementarsten Mathematik bis
zu den subtilsten Speculationen der Philosophie und Theologie mitgetheilt wurde. Sie lernten zugleich, dass nur ein Wissen des
Ganzen zuträglich, ein bruchstückweises Wissen wegen entstehender
Missverständnisse oft gefäbrlich, ja verderblich sei, und daher die
geheimnissvolle Verschlossenheit der Pythagoriker, wie die spätere Zeit sie nannte, gegen Laien, welche so streng gewahrt blieb,
dass die Schriften dieser eigentlichen Schüler des Pythagoras dem
Alterthume bis zur Zeit der Ptolemäer unbekannt waren. #0) Von
den Mathematikern. wohl zu unterscheiden waren die Akusmatiker, aus welchen später die Pythagoräer hervorgingen. Sie
folgten nur den abendlichen populären Vorlesungen, in denen nichts
exact Wissenschaftliches zur Sprache kam. Sittenlehre, Moral, Lehre
von der Unsterblichkeit der Seele und der Seelenwanderung in vorsichtigster Auswahl, das war der Hauptinhalt dieser Vorträge, aus
denen die Zuhörer so viel mit nach Hause nahmen als sie eben,
durch anderweitige Vorkenntnisse theilweise gestört, zu begreifen
fähig waren.
Die Meisten derselben gehörten nämlich der schon
erwähnten Aerzteschule an, und so nur löst sich das Räthsel von
dem in jeder anderen Weise unerklärlichen Gemenge der verschiedenartigsten Vorstellungen aus einander entgegenstehenden Ideenkreisen, welches in deren Schriften sich vorfindet.
Aber die politische Bewegung, von welcher schon gesprochen
wurde, war noch nicht verlaufen. Ihre Wellenkreise zogen sich
noch immer durch die Kleinstaaten Süditaliens, und sie brachten
Pythagoras und seine Schule zum höchsten Gipfel des Glanzes. In
Seite 13
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)Sybaris war, wie gleichfalls schon bemerkt, die Aristokratie gegen
Telys und seine Anhänger unterlegen. Verbannte und Flüchtige
kamen nach Kroton, wo sie freundliche Aufnahme und Fürsprache
fanden, die sich zur förmlichen Partheinahme steigerte, als die krotoniatischen Gesandten schnôde ermordet wurden. Ein Kriegszug
gegen' das mächtige Sybaris wurde unternommen und gelang. Die
feindliche Stadt ward 509 zerstört, das Land in Besitz genommen,
und bei der Gütervertheilung fiel auch dem Pythagoras ein Stück
Landes zu, wohin er mit seinen Mathematikern sich zurückzog. * 4!)
Von da an erfüllte sich an Pythagoras, dass wer einmal in politischen Wirren eine Rolle gespielt hat, nicht leicht von dem öffentlichen Leben sich ganz absondern kann, ohne dieser oder jener
Vermuthung Platz zu machen, die rasch zur Verdächtigung wird.
Es lässt sich zudem nicht in Abrede stellen, dass der Schein gegen ihn war.
Mag auch Röth!42) Recht darin haben, zu leugnen,
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dass eine wissenschaftliche Staatslehre, welche zu der bestehenden
Verfassung im Widerspruche war, als letztes Geheimniss der Schule
den Schlussstein bildete; die scharf ausgésprochene aristokratische
Spaltung der Schüler, das monarchische Uebergewicht des Lehrers,
sowie die stolze Abgeschlossenheit der ganzen Schule jedem Uneingeweihten gegenüber genügten vollkommen, um wenigstens eine
derartige Staatsidee auszubilden, und so musste im Laufe der Jahre
af Seiten der Schule Verachtung des Bestehenden, auf Seiten der
Bürger Misstrauen gegen das zu Erwartende sich regen. Zu besimmt ausgesprochenen Conflicten kam es allerdings noch nicht.
Denn wie nach allen Zeiten der Gährung und Revolution war auch
damals eine darauf folgende Epoche der Ruhe und des Stillstandes
eingetreten, welche erst durch einen neuen Anstoss von Osten her
wieder gestört werden sollte.
Seit 493 begannen die furchtbaren Angriffe der Perserkönige
gegen Athen und das in den Zeiten dieser Gefahr mit ihm sich
einigende Festland Griechenlands. Auch dieser Stoss setzte sich |
unaufhaltsam fort. Sicilien und Karthago empfanden ihn und wurden in den Kampf verwickelt. Ebenso wenig konnte die Rückwirkung auf die süditalienischen Staaten ausbleiben, und da sie bei
dem Weltkriege nicht in unmittelbare Mitleidenschaft gezogen wurden, so zerfleischten sie sich selbst in erbitterten Bürgerfehden. 1 48)
So in Kroton, als Hippasos ein aus der Schule als unwürdig Ausgestossener sich 490 an die Spitze der demokratischen Parthei
Cantor, math. Beitr.
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Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)stellte und mit einer formlichen Anklage gegen seine früheren Genossen auftrat.
Die Schule ward zersprengt, Pythagoras selbst unter
Einziehung seiner Güter verbannt, und so musste cr wiederholt zum
Wanderstabe greifen. Die nächsten 16 Jahre verlebte er, wenn
auch angefeindet, doch verhältnissmässig ruhig in Tarent. Allein
auch dort zerbrach 474 das Volk die bisherige Aristokratie, und
Metapont nahm als letzten Zufluchtsort den 95jährigen Greis auf,
der dort etwa vier Jahre eines kümmerlichen Lebens noch fristete.
Als 471 auch in Metapont die Demokratie siegte, da umzingelte man
das Haus, in welchem die Schule ihre Versammlungen hielt, warf
Feuer hinein und die Meisten verbrannten elendiglich. Pythagoras
selbst entkam zwar den Flammen, starb aber kurz darauf in seinem 99sten Lebensjahre. So viel über die Schicksale eines der
grössten Männer aller Zeiten, für deren genauere Verfolgung nur
wiederholt aut das Röth’sche Werk verwiesen werden muss, an
welches die hier gegebene Darstellung sich in den wesentlichen
Punkten anlehnt, wenn sie ihm auch nicht sklavisch folgte, es
mitunter, wie ich wenigstens beabsichtigte, ergänzte.
Es wird leicht sein, jetzt die Aufgabe zu bestimmen, welche
die nächsten Kapitel sich zu stellen haben. Erstlich wird gezeigt
werden müssen, dass die ganze Lebensbeschreibung des Pythagoras,
welche hier vorliegt, kein blosses Fabelmährclren ist, als welches
sie mitunter angefeindet wird.
Und ich glaube, dass dieser Beweis, so weit er für meine Zwecke nöthig, geliefert ist, sobald ich
unter den mathematischen Lehren des Pythagoras und seiner Schule
solche auffinde, deren Ursprung nur an den Orten sein konnte,
welche Pythagoras vorausgesetztermaassen besucht haben soll: Damit ist zugleich der weitere Beweis geliefert, dass Pythagoras auch
Anderes noch von ebendaselbst mitbringen und in Griechenland
verbreiten konnte, mochte nun dort schon Verwandtes vorhanden
sein oder nicht. Dies wird das Zweite sein, welches näher ausgeführt werden muss, insbesondere in Bezug auf die Zahlzeichen.
Die Frage wird also als erste aufgestellt werden müssen, ob die
Mathematik des Pythagoras sichere Spuren fremder Länder zeigt,
und die zweite Frage wird auf die Numerationssysteme und Rechenmethoden der Griechen gehen.