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Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)LD WolkesEher
\
Ard.
Horkes-BruKK
en C., Vermutete Werke des Païonos fel” la notion pylha67 -gorivienne de mouvement]
: cf. Archéologie grecque.
em.
Horkes-BRuKKER C., Vermutele Werke des Paionios :.BVAB XLII 1967
10-71, | Une étude du style de Paionios permet d’en caractériser trois.éléments ~~~
qui se fondent en une unité remarquable: la notion pythägoricienne de mouvement, un sens linéaire des formes propre à la Grèce du Nord et une manière
de considérer la ligne comme porteuse du mouvement. A la lumière de cette
analyse, examen d’une dizaine de pièces, et reconstitution de la vie et de l’activité de l'artiste.
Er
Una di ani png Le Broeder
XIV
Seite 2
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)Abb. 1. Rekonstruktion der Nike.
VERMUTETE WERKE DES PAIONIOS
À, DER STIL DES PAIONIOS
Nikestatue (Abb. ı)!. Die verschiedenen Bewe-
I. FINFÜHRUNG,
Das Wagnis, Paionios ein ganzes Oeuvre zuzugungsimpulse der Nike wirken sich in den Richtungen ihres Körpers aus: sie ist „leicht vorgeneigt
und schräg zur Seite geneigt”?
Die Beziehung zwischen der vorwärtsgerichteten
schreiben, geht von der Überzeugung aus, dass er
in der Nikestatue einen unverwechselbar eigenen
Stil zeigt. Dessen Merkmale werden unten kurz
zusammengefasst. Die Variationen, derer sich der
Paioniosstil in den Skulpturen des Bassaetempels
fähig zeigt, werden nachher kurz berücksichtigt.
Der offensichtliche Unterschied in den ausführenden Händen des Frieses darf hier ausser Acht gelassen werden. Am weitesten scheinen die Platten
522, 524, 526, $29; $31, 533, 534, 535, 538,
welchen tatsächlich die für den Bassaefries verwendeten Prädikate „wild und derb” zukommen,
sich vom Entwurf zu entfernen. Dennoch gehorchen auch die Figuren dieser Platten den aus der
Nikestatue abzuleitenden Formgesetzen,
Il. Dre NrkesraTue,
Im Körper wirken verschiedene, verselbständigte Bewegungsimpulse, deren Wirkungsbereiche linear gegeneinander abgehoben sind.
Grundlage der Untersuchung bildet die ergänzte
10
Neigung und dem gestreckten, vorgesetzten Bein
springt ins Auge. Aber zu oft wird übersehen, was
schon G. Treu betonte: die Schwenkung seitwärts
hängt mit der ungleichmässigen Stellung der
Schwingen zusammen®, Man könnte noch weiter
gehen: sie ist eine bewusste Handlung. Nachdem
die Göttin in senkrechtem Flug bis zur Adlerhöhe
gelangte, ändert sie die Richtung des Abstiegs zur
rechten Seite hin, offenbar weil sie erst im dargestellten Moment das Ziel ins Auge fasst. Eine kaum
merkbare Ausladung der rechten Hüfte weist auf
die Verlagerung des Körpergewichtes hin. Da die
Schwingen nicht durch Muskeln mit dem Körper
verbunden sind, wird das Heben des linken und
1 Prof. E‚ Kieser, Würzburg, schulde ich für die Korrektur
iles Textes den grössten Dank, — Abb. ı nach Olympia Ergebnisse III, 1894, Taf, 48, ı. Vgl. BABesch. 1963, 73, Anm. 120,
* M, Bieber, Allgem. Lex. der bildenden Künstler,
Paionios, 150.
3 Olympia Ergebnisse UI, 188.
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Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)die Bewegungsimpulse gegeneinander abgehoben.
Die Faltenlinien veranschaulichen die von den Bewegungsimpulsen entfesselren Spannungswellen nicht nur in ihrem
Durchzug durch den Kérper, sondern auch in ihrer Entladung. Die Bewegung scheint den Körper mitzureissen,
Die von der gesenkten Schulter her sich schräg über
die Brust hinzichenden Falten bereiten den Kraltestoss im linken Beine vor, der sich in den weit ausschwingenden Falten entlädt. Die Schwenkung
wird durch die schrägen Mantelfalten, welche die
Armbewegung
begleiten,
veranschaulicht.
Die
gegeneinander abgehobenen Bewegungsimpulse erweitern in den Falten ihren Ausstrahlungskreis.
Abb, 2, Detail der Nike, Olympia.
Ein ornamentales Liniensystem, in welches alle Falten und
die Körperumrisse eingeordnet sind, regt den Betrachter
an, die gegeneinander abgehobenen Bewegungsimpulse
ihrer Bedeutung gemäss zu verbinden.
Nike sind beide Methoden neben einander verwendet (Abb. 2)*,
Die um die Beine ausschwingenden Falten durchkreuzen an der linken Seite die schrägen Mantelfalten. An der rechten Seite gleichen sich alle
Falten einander in der Richtung an. An dieser
Seite findet der aus den verschiedenen Bewegungsimpulsen kombinierte Abstieg statt.
Ill. DER BASSAEERIES,
Die vier Hauptprinzipien des Paioniosstiles lassen
sich Punkt für Punkt an den Figuren des Bassaefrieses belegen. Der weitere Verlauf dieser Abhandlung wird Gelegenheit bieten zu zeigen, in
welcher Beziehung scheinbar verwandte Stile sich
vom Paioniosstil unterscheiden.
Die Faltenlinien sind nicht nur den Bewegungsimpulsen
des Körpers durch den Bedeutungszusammenhang verkoppelt, sondern dieser wird durch einen formalen Zusammenhang unterstützt.
Im Verhältnis der Bewegungsimpulse zu einander
sind verschiedene Variationen möglich. Bei der
Lapithin der Platte 530,5 sind es die Bewegungs-
Im ornamentalen Liniensystem zeichnet sich der
Körper im Umriss ab. Trotzdem stören die Umrissander abgehoben sind. Sie sind also gleichgerichtet
(Abb. 3)°.
Beide Beine sind von cinem vorwärtsgerichteten
Drang erfüllt. Der Oberkörper und die Armbewegung, welche durch die Schleierfalten unterlinien den Verlauf der Falten nie. Gewand und
Körper bilden eine unzertrennliche Einheit, in
welcher jede Komponente zur Geltung gelangt.
Paionios verfügt über zwei Methoden, die Umrisse
im Gewand hervorzuheben. Entweder begleiten
die Falten den Umriss, oder wenn sie sich darüber
hinwegsetzen, verstärkt sich ihre Reliefhöhe genau
auf der Grenze. Zu gleicher Zeit senken sich die
glatten Flächen zwischen den Falten, um sich dem
Umriss anzuschmiegen.
Beim rechten Bein
der
impulse in den Beinen, welche linear gegeneinstützt wird, zeigen den gleichen Drang. Dieser
setzt sich aber nicht in eine Fortbewegung um. Die
Gestalt steht wie am Boden genagelt, überwältigt
durch den Eindruck, den der unnatürliche Tod des
Kaineus in ihr hervorruft.
4 Nach Phot. Drossaart Lulufs,
5 Nach Phot, d, Brit. Mus.
Seite 4
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)LU TA
geben nach, aber der Oberkörper scheint noch
rascher zum Boden zu streben, sodass die Sterbende im Fallen zusammenknickt. Der Mantel sinkt
hinab und knickt, genau wie der todesmiide Körper.
Es war das Gewand dieser Gestalt, das M. Bicber
veranlasste, den Künstler als einen Expressionisren zu
bezeichnen!!.
Die Wirkung des Gewandes ist aus den Begleiterscheinungen zu erklären, die schon aus der Nikestatue erschlossen wurden: der Körperrhythmus,
die Übersetzung der natürlichen Gestalt in ein
Liniengebilde und die alle Linien zusammenschliessende ornamentale Ordnung.
Dieser komplizierte Stil ist der einmalige, persönliche Stil des Paionios. Deshalb haben die verschiedenen Versuche, die Bassaeskulpturen mit
einer bekannten landschaftlichen Tradition zu ver-
Abb. 3. Friesplatre 530: Untergang des Kaineus.
Dic Entladung der Spannung in den frei ausschwingenden Faltenlinien, das ornamentale Liniensystem
und dic Betonung der Umrisse sind mit den entsprechenden Phänomenen bei der Nikestatue identisch.
Die Methode, durch sich hebende doppelgratige
Falten und sich senkende Faltentäler den Umriss
hervorzuheben, ist mit grosser Virtuosität angewandt. Wir sind zu sehr an diese Faltenbildung
gewöhnt, um uns gleich darüber klar zu sein, wie
unmöglich sie in naturalistischer Hinsicht ist.
Sie könnte nur aus einer grossen Stofffülle entstehen, von der sich auf den Beinen keine Spur
zeigt. Sonst müsste der Stoff, dei sich der Rundung
des Beines anschmiegt, aus den Doppelfalten weggezogen werden.
Es besagt schon viel, dass diese Faltenbildung,
ausser bei der Nikestatue und bei dem Paionios aus
anderen Gründen zuzuschreibenden Werken, nirgendwo vorkommt. Wenn in der korinthischen
Toreutik, wahrscheinlich in Anlehnung an den
Bassaestil, ähnliche Faltenbildungen auftreten,
schmiegen sich auch die Falten selbst dem Umriss
ans.
Offenbar empfinder Paionios die Falte nur als Linie
und trägt dem stofflichen Charakter des Gewandes
gar keine Rechnung. Es wird sich zeigen, dass er
sich später der Konsequenzen des sich anschmiegenden Stoffes bewusst wird (S. 58).
Wir haben die Tapithin als erstes Beispiel herausge8 W. Zichner, Griechische Klappspivgel, 1947, 198: KS 68,
Taf. ro und KS 70, Abb. 23.
12
griffen, weil die unterschiedlichen Bewegungsimpulse des Körpers einander nicht entgegengerichtet
binden,
kein allgemein überzeugendes Ergebnis
Schulter in einer vom Arm unabhängigen Bewegung
gehabt. Vielleicht wird es möglich sein, die verschiedenen Elemente, in welche die obige Analyse
den Stil zerlegt hat, jedes für sich zu einer Landschaft oder Schule in Bezichung zu setzen. Dann
wird sich, gewissermassen automatisch, das persönliche Element herausheben. Aus ihm muss die
Wahl der anderen Bestandteile des Stiles erklärt
werden können,
zurück und streckt den linken Arm vorwärts. Der
ausschwingende Mantel begleitet diese Bewegung.
IV. DIE QUELLEN DES PAIONIOSSTILES,
sind, genau so wenig wie bei der Nike. Aber der
Stil verfügt auch über die andere Möglichkeit. Sie
ist überall ausgenutzt, wo kämpfende und ringende Paare die Motive dazu abgeben.
Noch ziemlich ruhig ist der bogenspannende Apollon der Platte 523,2 gehalten?. Er zieht die rechte
Dic Ausschwingung ist kaum motiviert: sie zeigt
fast unverhüllt das Bestreben des Künstlers, „das
Auge des Betrachters in einer gewollten Richtung
mitzureissen"s,
Beim Kentauren der Platte 521,3 ist der ganze
Oberkörper an den auseinanderstrebenden Bewegungsimpulsen beteiligt (Abb.4)9. Die Körperzäsur
und die ausschwingenden Taltenlinien veranschaulichen diese den Körper fast sprengenden Spannungsdiskrepanzen.
!
Die Körperzäsur kann auch dort auftreten, wo die
Bewegungsimpulse nicht entgegengesetzt, sondern
gleichgerichtet sind, wie bei der sterbend hinsinkenden Amazone der Platte 533,4. Die Beine
711. Kenner, Der Fries des Tempels von Bavsae-Phigalia, 1946
(weiter
zitiert
als
Kenner),
Taf.
4;
BABesch,
1959,
19,
Abb. 8.
8 So W. Züchner, Der Berliner Ménadenkraicr, 98. BW 'Prgr.,
Die Auffassung der Bewegung ist mit derjenigen
identisch, welche dem „Rhyrhmus” des Pythagoras
zu Grunde liegt'?: er trägt die Bewegung als einen
sich vollziehenden Prozess vor, indem er die Bewegungsimpulse der verschiedenen Körperteile
verselbstindigt,
Soweit die liickenhafte Kenntnis seiner Kunst uns
hierüber zu urteilen erlaubt, war Pythagoras noch
nicht bestrebt, die verselbständigten Bewegungsimpulse auch gegeneinander abzuheben. Aus Nachklängen in der Kleinkunst — von etwa 430 v. Chr.
ab - ist auf eine jüngere Kunstströmung zu schlies-
Phot. Brit. Mus.
1 Kenner, Taf. 143 BABesch. 1961, 15, Abb. 22.
Die nicht an die Mitte gebundene Beweglichkeit des
pythagoreischen Rhythmus erhält neue Ausdrucksmöglichkeiten. Der Bericht, dass sein Schwestersohn Sostratos von Rhegium sein „Schüler” war's,
berechtigt dazu, die zerstreuten Indizien viner
Weiterentwicklung des Pythagorasstiles auf eine
gemeinsame Quelle, cine Schule” , zurückzuführen.
Ihre Originalwerke, zweifellos in Bronze verfertigt, sind verloren gegangen, aber in der grossgriechischen Kleinkunst kehrt ein ins Auge springendes Stilmerkmal immer wieder: die absichtlich
unorganische Körperzäsur, welche die verschiedenen Bewegungsimpulse gegencinander abhebt.
Erstens für den Apollon Pythoktonos der Statere
von Kroton, der, vorwärtsschleichend, sich seitwarts gegen den Drachen wendet, und zweitens
für die Terrakottafigur einer Europa, die, sitzend
auf dem Rücken des Stieres, sich umwendet, um
sen, die den Rhythmus des Pythagoras in diesem
Sime weiterentwickelt!3. Sie unterbricht den die
Gestalten mitziehenden Bewegungszug an der
Brustkorhgrenze, sie aktiviert also die von Pythagoras schon in den Muskeln hervorgehobene „Reiflinie”,
35 Plinius, NUL, XXXIV, 65.
U Fnrwicklungsgeschichte der griech. Tracht, 1934, 50.
12 BABesch. 1964, 107 ff.
18 BABesch. 1964, 111 FE
zitierten Literatur ist zuzulügen: L. Lacroix, Les Reproductions de
Srarue, 1949, 260, der die Zurückführung auf Pythagoras
1938, 16.
9 Kenner, Taf, >; BABesch. 1963, 95, Abb. 21. = Abb. 4 nach
Abb. 4. Friesplatte 621,3: Kenraur.
4 Über die ,,Reiflinie’': L. Curtius, Jl, 1944J45, 22. Gegen
seine polykletisierende Deutung der Reillinie: BABesch. 1964,
rrr, Anm. 38,
A. de Franci
is. Alearchas, 1940,
24, widerlegt die Thesen, die den Ber ht zu entkräftigen
suchen.
PLR, Franke - M. Hirmer, Die griechische Munze, 1464
(weiter zitiert als Franke-Hirmer), Tal, 93, Nr. 267 R. = Zur
von G. Hafner, Ein Apellonkopf
in Frankfurt, 1962, 18,
ablehnt, ebenso» wie De Franciscis, Kleurchos, 1960, 38.
Anm. 1e,
Seite 5
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)Abb. 5. Sisyphoskrater, München.
nach einem Horn des Stieres zu greifen!?, ist die
Rückführung auf schriftlich überlieferte Werke des
Pythagoras selbst versucht worden. Aber jüngere
Züge stehen dieser unmittelbaren Verbindung im
Wege, ebenso bei der Tonform eines Diskobolen
oder Kriegers in Genf!#,
Die Haltung des lokastos auf Tetradrachmen von
Rhegium liess schon die Beziehung zur an diesem
Ort tätigen Schule des Pythagoras vermuten!?. Das
plötzliche Umblicken, das in dieser Haltung zum
Ausdruck kommt, wurde gewiss beim noch ungedeuteten Heros eines fragmentarischen Medmareliefs durch den svenischen Zusammenhang motiviert?®,
Auch frühitaliotische Vasenmaler bedienen sich
des Ausdrucksmittels der unharmonischen Haltung
um eine Bewegung besonders zu betonen, so der
Amykosmaler für einen angreifenden Lapithen?t,
der Sisyphosmaler fiir den mit Thetis ringenden
Peleus”, und für einen Dioskuren, der mit lebhaftem Interesse den Drachenkampf des Jason verfolgt (Abb. 5325. Seine Aufregung gibt sich sow ohl
17 G, Vallet, Rhigion er Zancle, 1088, Taf. XVIL 1,7. Fr halt es
für möglich, dass die Terrakottafigur vom Vorbilde des Pythagoras abhängt (S. 2365).
BABesch. 1961, 8, Abb, 11 mit Anm. oo.
‘4 BABesch. 1960, G3, Abb. 3 und BABesch. 1904, 114, Abb. 8
mit Anm. 45.
"U >, Langlatz, Die Kunst der Westgriechen, 1963, Taf. 125 unten.
21 Jivdria Neapel 3247: Furtwingler-Reichhold, Griech, Vasenmalerei, IH, 1915, 343, Abb. 172. Vel. BABesch. 1064, 112,
Anm. 48,
22 Volatenkrater Warschau: BABesch. 1961, 12, Abb, 18, Anm.
68; B. Schweitzer, Merhiche Hochzeiten, 1961, laf, VIT 1 (vgl.
BABesch. 1964, 112, Anm. 64) ; Carnbitogluu-Trendall, Aperen
redfig. Vase-Painters, 1061, 9 Nr. 2. Hier wird wiederum der
Anfang der Laufbahn vom Sisyphosmaler um 425 v. Chr. datiert.
14
in der durch Körperzäsur betonten, vorgebeugten
Haltung als in der entgegengesetzt gerichteten
Kopf- und Blickwendung Kund.
Der mit dem Löwen ringende Herakles der Statere
von Heraklea gewinnt den festen Stand durch das
Stützen aul das entgegengesetzte Bein. Ein früher
Stempelschneider erfand diese Haltung”!. Seine
Nachlolger tilgen wechselweise die ihnen nicht
gelällige Körperzäsur oder greifen wieder auf sie
Abb. 6. Tetradrachme von Thasos.
zurück®.
Diesc Beispiele mögen genügen, um eine Vorstellung des Stiles der vermuteten Pythagorasschule zu
geben. Er ist in höchstem Grade „anti-klassisch”.
In dieser Kunstströmung muss Paionios das Vorbild
gefunden haben, das seinem Ausdrucksbediirtnis
entgegenkam. Er suchte nach einem Ausdruck der
Bewegung als wirkender, den Körper mitziehender
Kraft. Dies lässt sich aus dem Ausdrucksmittel
ahnen, um welches cr den pythagoreischen Rhythmus bereichert: die Linie in ihrer Fähigkeit, im
streift cr ab’6, Überdies wirkt bei ihm die körperliche Erscheinung durch ihre Umrisse. Line ausgcsprochen ornamentale Begabung und der Wille zur
objektiv geordneten „schönen” Form wandeln den
übernommenen pythagoreischen Rhythmus um.
beziehung des Rahmenrechtecks gefügt.
Wenn wir die nordgriechischen Kunsterzeugnisse — vor
allem die Münzbilder — betrachten, verstehen wir,
dass die Fähigkeit, die natürliche Gestalt zu einem
derung der Gestalt, die fast wie eine tektonische
Betrachter eine bestimmte Bewegungsvorstellung
Liniengebilde umzuformen, Paionios eingeboren
anzuregen.
Es gelingt ihm, wie wir feststellten (S. 11), die
Linie aufs innigste dem Körper zu vermählen, weil
er auch die Gestalt linienmässig erfasst. Den
plastischen Charakter, welcher der Körpergliederung in der grossgriechischen Kunst anhaftete,
war. Dieser Umformungsdrang der nordgriechischen Kunst offenbart sich, sobald sie eigene
Münzbilder prägt — die sogenannten thrakomakedonischen Münzen bäuerlichen Stiles — und behauptet sich, unbeirrt von attischen Finflüssen, bis in
=
2% Volutenkrater München 3268: A. D. Trendall, Frähitoliotische Vasen, 1938, Brg, Taf. 19:5. 22: um 420 v. Chr. datiert;
Cambitoglou-Trendall, 9, Nr. 1. — Abb. nach Phot. d. Mus.
UE, Work, The
carher Staters of Heraclea Lucaniae, 1949, 19, 4,
Taf. 1.4; Franke-Hirmer, ‘laf. 89
„256 R, — Franke setzt
diese Münze in den Anfang der Münzprägung dieser 433/2 v.
Chr. gegründeten Stadt.
25 So z.B. Wark, Taf. I 11; BABesch. 1961, 13, Abb. 19 und
BABesch. 1964, 114, Abb. 11.
aufgeteilt, die Linien werden mit den Umrissen zu
einer neuen, ornamentalen Einheit unter Mitein-
Paionios’ Zeit. Wie diese Umformung vor sich
geht, zeigt eine Tetradrachme von Thasos aus etwa
411 v. Chr. (Abb. 6927. Das Verfahren liesse sich
als ein „Teilen und Fügen” bezeichnen. Der Körper
wird durch Linien - beziehungsweise Faltenlinien
Nicht nur die nordgriechische Formempfindung ist
damit umschrieben, sondern auch der nordgriechische Bestandteil im Stile des Paionios. Die GlieStruktur anmutet,
könnte dazu
verführen,
im
Paioniosstil helladische Elemente zu vermuten?®,
Die Gliederung ist aber eine lineare Oberflichengliederung. Ihr hält nicht die organische Konzentration durch das Widerspicl der Kräfte die Wange,
sondern die bildhafte Einheitlichkeit der ornamentalen Ordnung.
Bei Paionios ist die Gliederung im Figurenaufbau
derart, dass nie ein Widerspiel von auf die Mitte
27 Nach Aulnahow Hirmer: Franke-lliemer, Taf.
R. Das Münzbild giln das archaische Relief d
Thases wieder (G. v. Kaschnitz-Weinberg, Die eurauschen
Grundlagen der antiken Kunst, 1961, Abb. 10), Die lineare Aufteilung in: Münzbild ist noch stärker als im Vorbild.
2 E, Pfuhl, fil. 197%, 160 von der Nike. J. Charbonncaus, fa
2 Dies kann die Zusammenstellung der beiden Abbildungen:
BABesch. 1961, Alb. 17 und 18 darlegen. (Für Abb. 18 vgl.
Anm. 22).
sculprure grecque Classique, U, 1945, 69, sicht in „cette sculpture
musculeuse ct charnue’” Abhängigkeit van polykletischen
Typen.
Seite 6
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)Dadurch ist die Beziehung zwischen Unterkörper
und Beinen enger geworden, der Zusammenhang im
Torso umso mehr geschwächt. Das Verfahren von
„Teilen und Fügen” gibt sich zu erkennen.
Jene Faltenbildung hebt die Stele in Komotini aus
der Liste von ionischen Werken heraus, welche
G. Bakalakis bei der Veröffentlichung dieses
Werkes zusammengestellt hat. Als gemeinsames
Merkmal wählte er „die grosse dreieckige Relieferhebung, die sich unterhalb der Bauchgegend einstellt”80, Dieses Merkmal ist also viel umfassender als die oben beschriebene Faltenbildung, welche den Unterkörper im Anschluss an die Beine
gliedert.
Diese spezielle Bildung teilt die Stele in Komotini
mit keinem einzigen der in der Liste aufgenommenen Werke, ausser der Apollonstatue in Kopen-
-
hagen und der „Aura”, welche aus vielen anderen
Gründen Paionios zugeschrieben werden dürfen.
In allen anderen Fällen umschreiben die Faltenlinien
entweder dic Bauchgegend®! oder die Beine
nicht®. Offenbar ist den ionischen Künstlern, obwohl sie sich zum atektonischen Figurenaut bau
bekennen, dessen linienmässige Betonung fremd.
Diese entspricht dem nordgriechischen Formgefühl und ist also im Paioniosstil ein herkunftbedingtes Element.
Abb. 7. Statuette, Kopenhagen.
bezogenen Kräften entstehen könnte. Der Schwerpunkt ist nach oben verlagert: der Torso ist
durch dic Betonung der Thoraxgrenze in zwei
Halften aufgeteilt.
Die atektonische Gliederung ist sowohl der Pythagorasschule als der nordgriechischen Kunst eigentümlich. Fine Stele
in Komotini (Thrakien) mag die
letztere vertreten?® Der atektonische Charakter
beider Stile ist wohl einer der Gründe, weshalb
Paionios eine Synthese zwischen ihnen vollziehen
konnte. Mit der Pythagorasschule hat er die Beweglichkeit in der Taille gemeinsam, mit der Stele
in Komotini eine Betonung des atektonischen
Gliederungsprinzips durch die Falten. Diese umschreiben in einer ununterbrochenen Schwingung
die Bauchgegend und die Beine an der Innenscite.
Paionios hält sich aber, in Hinsicht auf die Ausdruckskraft der Linie, nicht innerhalb der Grenzen
der Kunst seiner Heimat. Hier zeigt sich kaum cine
Spur von der Auffassung, die stark in Paionios lebt:
die Auffassung der Linie als Anregung zu einer Bewegungsvorstellung.
Nach den Untersuchungen von G. von KaschnitzWeinberg gehört die Linie als Träger der Bewegungskraft schon zum primitivsten Formungsdrang
der eurasischen Völker, der sich aber nur in Orhamenten äussert33, Vielleicht waren gewisse
30 4,a.0., 199.
#1 Bei der Bronzestatuette cines Jiinglings aus Adrianopel, bei
der „Bendis’’ aus Salamis in Dresden, bei der Europa des
chalkidischen Bronzespiegels. Oder es geschicht sehr ungenau,
wie bei der Figur links im Giebel von Xanthos. — Hinzuzufügen
ware die Stele Berlin K 27: C. Bliimel, Kar. Skulpr. Berlin, WE,
1928, Taf, 37.
#2 Bei der Statuette eines spendenden Jünglings im Louvre.
Oder, wenn die Falten den Innenumriss beschreiben, unterlassen
sie es beim Aussenumriss (im Gegensatz zur Stele in Komotini
und zu den Paioniosfiguren), wie auf der Stele in New York.
Die Aphrodite Fréjus stellt einen Sonderfall dar, vgl. unten
28 G. Bakalakis, AM. 1962, Beil. ss. — In BABesch. 1965, 68 f.
wurde auf die Ähnlichkeit der Haltung von Figuren in grossgriechischen und nordgriechischen Münzbildern hingewiesen,
S. 34.
vgl. W. Schwabacher, Schweizer Münzblätter 1966, 38.
48 Die eurasischen Grundlagen der anriken Kunst, 19 ff.
16
Abb.
8. Friesplatte 525: Kentauromachie.
Kompositionslinien der nordgriechischen Gruppenbildung in dieser Weise zu deuten®.
Diese Auffassung der Linie ist in Verbindung mit
der nordgriechischen Einzelfigur nicht entfaltungsfähig, da sie in der Körperhaltung den Ausdruck
einer die Gestalt mitziehenden Bewegung nicht
entwickelt hat. Nicht ohne Grund muss Paionios
diesen aus einem anderen Kunstbercich fertig übernehmen. Aber die Verbindung mit der Linie fand
Paionios in der grossgriechischen Kunst nicht vor.
Die Konzeption der Linie als Träger der Bewegung
muss ein persönliches Element im Stile des Paionios
nicht zu verkennen. Es sind die stilisierten, meistens windbewegten Gewänder der Parthenongiebel und der spätphidiasischen Werke am Zeusthron, welche hinter Paionios’ Gewandwiedergabe
spiirbar werden.
Wahrscheinlich empfand er das Bedürfnis, seine
abstrakten Linien der stofflichen Erscheinung anzunähern. Dabei kamen die stilisierten Falten,
welche schon einen Teil ihres naturalistischen
Charakters abgelegt hatten, ihm auf halbem Wege
entgegen. Er steigert aber den linearen Charakter
der übernommenen Faltenmotive, wie eine Diskonsein.
gruenz, wie die oben festgestellte (S. 12), verrät.
In seinem Stile lassen sich also drei verschiedene
Prinzipien unterscheiden, die zu einer wunder-
Wäre Paionios nie mit dem attischen Stil in Berührung gekommen, oder hätte er sich dessen EinHuss verschlossen, dann ware sein Stil, obwohl
weniger brilliant, eine widerspruchslose Einheit
baren Einheit zusammengewachsen sind: die pythagoreische Bewegungsauffassung, die nordgriechische lineare Formempfindung und das überbrückende Element: die Linie als Träger der Bewegung. An der Formung seines Stiles scheint die
attische Kunst keinen wesentlichen Anteil gehabt zu
haben.
In der reifen Form des Paioniosstiles, wie sie uns
in der Nikestatue und in den Bassaeskulpturen entgegentritt, sind allerdings attische Formelemente
ME, Homann-Wedeking, Antike und Abendland, 1959, 30, sieht
in den Gruppen von Silen und Nymphe auf den Tetradrachmen
von Thasos einheimischen Stiles das ,,Auseinanderstreben der
Kompositionslinien’’, wohl mit Recht, denn es ist auf den
attisch beeinflussten Münzen von Thasos durch eine harmonische
Gruppenbildung ersetzt.
geblieben. Jetzt ist er ein Mischgebilde: die attischen Formen werden Stilgesetzen unterworfen,
welche ihnen innerlich fremd sind (S. 21).
V. EINTEILUNG DES STOTFES.
Von den Stilgesetzen und nicht von den Einzelformen ausgehend mag der Versuch gewagt werden,
auch andere Werke Paionios zuzuschreiben. Dabei
wird sich vielleicht cine Entwicklung in seinem
Stile feststellen lassen.
Die Nikestatue selbst und die Bassaeskulpturen
werden nur als Vergleichsmaterial in die Betrachtung einbezogen. Es handelt sich in der vorliegenden
Seite 7
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)B. DREI FRAGMENTE IN KOPENHAGEN
Die folgenden drei, sich jetzt in der Ny Carlsberg
Glyptothek, Kopenhagen, befindenden Werke
sind bei Frascati gefunden.
I. Ein flüchtendes Mädchen, Inv. Nr. 304.
G. Lippold, BrBr., Denkm., 1926, Nr. 663;
F. Poulsen, Car. ofAnc. Sculpt., 1951, Nr. 304.
Höhe: 0.69 M.
Hier Abb. 7 und 9-11,
Il. Gin sich duckender Knabe, Inv, Nr. 399a.
E. Schmidt, BrBr., Denkm., 1947, Nr. 771;
F. Poulsen, Car., Nr. 399a.
Höhe: 0.37 M.
Hier Abb. 13 und 14.
UL. Ein behelmter Kopf, Inv. Nr. 107.
V. H. Poulsen, Kunstmuseets Aarsskrift 1938, 137,
Abb. 9; Ny Carlsberg Glypt., Antike Kunstvaerker,
1941, Taf. 6.
Höhe: 0.20 M.
Hier Abb. ı5 und ı7.
Alle Stücke sind aus parischem Marmor. Dic jetzt
verloren gegangenen Anstückungen der beiden
erstgenannten Figuren sind im Katalog von F.
Poulsen verzeichnet. Bei ihnen ist im Rücken ein
viereckiges Dübelloch eingehauen, das die Figuren
als Giebelskulpturen kennzeichnet. Die Abbildungen sind nach Photographien des Museums herAbb. 9. Rechte Seitenansicht der Sratuerte,
Abhandlung um die dieser Mittelperiode vorangehenden Werke — mit Ausnahme der Apollonstatuc
in Kopenhagen? — und um die auf sie folgenden
Werke.
Die Mittelperiode liegt durch die Datierung der
Nikestatue um 423 oder 420 v. Chr.3% chronologisch einigermassen fest. Die Metopen des Bassactempels gehen der Nikestatue voraus, ihr Anfang
lässt sich in etwa 426 v. Chr. setzen. Der Fries ist
jünger als die Nikestatuc: er mag um 415 v. Chr.
beendet gewesen sein.
36 Thr galt schon die Einzeluntersuchung: BABesch. 1965, 51 Hf.
36 Die Datierung der Nike wird in der geplanten Monographie
ausführlich erörtert werden. Obwohl die späte Datierung allgemein angenommen wird (eine Ausnalune bildet F. Chamoux,
La civilisation grecque, 1963, 217), entscheidet man sich oft
für das Jahr 420 v. Chr, und Jehnt die Beziehung zur Schlacht
von Sphakteria als Anlass der Weihung ab, weil «lic Naupaktier
in dieser Schlacht nicht mitkämpften. Solange aber die Argumente von H. Pomtoy, Jdi. 1922, 88, nicht widerlegt sind,
scheint es richtiger, dessen Datierung um 423 v. Chr. beizubehalten.
18
gestellt.
1. Das FLÜCHTENDF MÄDCHEN.
Beschreibung und Stilbestimmung.
Das Mädchen hält im eiligen Lauf inne (Abb.7).
Hinblickend auf die Gefahr, vor welcher sie flicht,
wendet sie sich um. Die Fortbewegung ist aulgehoben, aber die Bewegungsschwingung nicht, da es
keine Wechselwirkung der verschiedenen Bewegungsimpulse auf einander gibt. Die abrupte
Körperzäsur verneint absichtlich die Beziehung.
Der Bewegungsrhythmus, dessen Erfindung der
vermuteten Pythagorasschule zuzuschreiben ist
(S. 13), wird von den Faltenlinien verdeutlicht. In
den zügigen Falten zwischen den Beinen wirkt der
37 Weil die Figur sich nicht fortbewegt, spricht L. Alscher, Die
griech, Plastik, II, 1956, 199, Anm. 21a, von einem ,,geschlossenen Körperrhythmus'’; die Rückwendung hebt die Fortbewegung auf. Aber in der Bewegungsschwingung, die durch den
Körper hinzieht, ist der Rhythmus nicht geschlossen. Hier
offenbart sich die Auffassung der Bewegung als ,, Werdegang”
(Alscher, 98) auf andere Weise. Die doppelte Bedeutung von
„Bewegung” veranlasst unvermeidlich eine Vagheit der Begriffe.
vorwärtsgerichtete Bewegungsdrang. An der rechten Körperseite, wo dieser endet, setzt im Oberkörper der rückwärtsgerichtete Bewegungsstoss
ein. Wie der Niederschlag einer Spannungswelle
steigen die Linien bis zur linken Schulter, um von
dorther, der linken Körperseite entlang, wieder
abzusinken (Abb. 10).
Am Knotenpunkt der beiden gegeneinander gerichteten Bewegungsimpulse erhebt sich die Hand
in einer Abwehrgebärde. Sie unterstützt den Ausdruck der Angst, der aus der Bewegungsschwingung
aufsteigt.
Die Veranschaulichung der Bewegungsimpulse
durch Faltenlinien lässt die Hand des Paionios vermuten. Die Vermutung bestätigt sich durch die
Betrachtung der Art, wie die Körperumrisse hervorgehoben sind. Auch die Bauchpartie wird durch
Falten umschrieben. Die Häufung der Falten in der
Mitte könnte durch die Gürtung veranlasst sein,
die hier unter dem Kolpos zum Vorschein kam®®.
Aber das Zusammenfallen des Beinansatzes mit den
Falten ist rein ausdrucksmässig bedingt. Überdies
helfen tiefe Furchen an jeder Seite der Bauchpartie
der Wirkung der Falten nach**, Die für Paionios
typische Körperproportion tritt in Erscheinung
(S. 16). Der Brustkorb wird durch den geblähten
Kolposrand gegen den Unterkörper abgehoben.
Dieser wagerechten Aufteilung fügen sich die Bewegungslinien am Oberkörper. Die einzige senk-
Abb. 10. Linke Seitenansicht der Sratuette.
rechte Falte im Überschlag ist durch die sie beendende Doppellalte des Kolpos besonders betont und wird von der Falte, welche das Bein
umrahmt, wieder aufgenommen. Dieser parallel
verlaufen die Falten, die vom Oberschenkel ausgehen. Faltenlinien und Körperlinien sind mit ornamentaler Gesetzmässigkeit geordnet.
Hier waltet der nordgriechische Drang, die körperliche Erscheinung linienmässig umzuformen ($. 15).
Seine Verbindung mit dem Rhythmus der Pythagorasschule bildet das unverwechselbare Merkmal
des Paioniosstiles.
Die anderen Ansichten vervollständigen das aus der
Vorderansicht gewonnene Bild. An der linken
Körperseite (Abb. 10) kommen in den Falten des
Überschlags zu gleicher Zeit Form und Bewegung
des Körpers zur Geltung. Der Körperumriss
3% Befestigungsspuren deuten auf einen in Bronze eingesetzten
Gürtel.
WE, Schmidt, BrBr., Denkm., Nr. 771, S. 3, macht auf die
Furchen aufmerksam.
wird in der Hohlfläche sichtbar. Die diesen Umriss
begleitenden Falten schwingen aus und ihre
Richtung wird von den Falten an der Aussenseite
des Bcinés aufgenommen. Alle Linien dieser Körperseite sind auswärts gerichtet. Die aus der Bewegung erschlossene Öffnung des Körperrhythmus
wirkt sich in den Falten aus.
In der rechten Seitenansicht (Abb. 9) kündigt sich
die Drehung des Oberkörpers an. Die Falten des
vom Oberarm mitgerissenen Mantelzipfels richten
sich nach denen des Überschlags an der Vorderseite, so dass Mantel und Peplos nicht unterschieden
werden. Der vorwärts gezogene Mantelzipfel ruft in
der Rückenansicht (Abb. 11) eine reizvolle Abwechslung im symmetrisch befestigten Mäntelchen
hervor.
Dic Befestigung des dreieckigen Mäntelchens auf den
Schultern lässt die Zipfel frei. Der linke Zipfel fällt
in Zickzackfalten herab. Indem der rechte Zipfel vorwärts gezogen wird, entstehen die konzentrischen
Seite 8
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)Verwandtschaft. G. Lippold#? und E. Pfuhlt?
haben die Statuette als eine Vorstufe zu den Parthenongiebelfiguren betrachtet, Lippold, weil sie
„noch” keine Bekanntschalt mit deren Gewandbehandlung verrät, Pfuhl, weil „noch” kein cinheitlicher Fluss die Teile verbindet.
Die Körperzäsur ist aber ein wesentliches Element
des Stiles, das nie abgestreift wird. Paionios hilt
noch im Bassaefriese an ihr fest, und sogar noch bei
der „Aura”, einem — wie sich später zeigen wird
attischen Stile zustande kam. Leider ist mit Ausnahme von wenigen Nachklängen der ganze Skulpturenschmuck des Zeusthrons verloren gegangen.
Wir müssen jenc Nachklänge durch cinige den
Parthenongiebeln entnommene Formelemente ergänzen.
Von den Kopien der Niobiden kennen wir dic
doppelgratige, am Ende ausladende Falte, von der
Giebelfigur Ost G die S-förmige Schwingung der
Falten im Gewand zwischen den Beinen. Die
Falten, welche das Bein bedecken und zugleich
seine Form modellieren, kommen bei der Giebelfigur West Q vor49, Diese attischen Formelemente
hat Paionios, wie die Lapithin der Platte 625,3 im
Vergleiche mit der Kopenhagener Statuette zeigt,
seinem Stile einverleibt, ohne dessen Wesen zu
indern®, Die Falten sind noch immer die Träger
(S. 48) — jüngeren Werk seiner Hand. Diese Zäsur
ist bei der „Aura”, der Ansicht von L. Curtius
nach, ein Zeichen manicristischer Aufteilung, das
in der attischen Kunst gleich nach der Jahrhundertwende heimisch ist#t. Obwohl Curtius das Mädchen
in Kopenhagen als eine Vorstufe der Aura erwähnt®S, hat er in beiden Werken nicht das gemeinsame, von der attischen Kunst unabhängige Element
erkannt, vielleicht deshalb, weil er es nicht positiv
der Spannung, die den Körper mitzieht, sie sind
wertet.
Abb, 11, Rückenansicht der Statuctte.
Bogenfalten um die Schulter herum. Zu gleicher
Zeit wird der untere Mantelrand den vom Bein
ausgehenden Falten parallel gezogen.
Die Bewegungsvorstellung, welche dic Falten erzeugen, paart sich der ornamentalen Ruhe. Das
Ausdrucksbedürfnis des Künstlers verbindet sich
harmonisch mit seinem Sinn für ornamentale Ordnung, obwohl jede Tendenz an sich erkennbar
bleibt. Dieser Künstler kann nur Paionios sein.
Das Verhältnis zur attischen Kunst.
Jeder Versuch, dieses Werk des Paionios der
attischen Fntwicklung einzufügen, muss scheitern.
Weder der Stil des Hephaisteiongicbels®, noch
der des Suniongiebels#! zeigen einige wesentliche
4 Der Vorschlag von G. Gullini, Arch. Class. 1949, 35, die
Kopenhagener Figuren den Giebel des Hephaisteions einzuordnen, wird von H, Thompson, Hesperia, 1949, 230, Anm. 1,
abgelehnt. Sein wichtigstes Argument ist die zu geringe Grösse
der Figuren.
LR. Herbig, AM. 1941, 118.
20
Wenn Lippold die Kopenhagener Statuette in die
attische Entwicklung einfügt (Anm, 42), setzt cr
sie „unmittelbar vor die mit den Parthenongiebeln
einsetzende Umbildung der Gewandstilisierung”.
Er vergleicht das Werk im Besonderen mit der
Giebelfigur Ost G 46. Die Zusammenstellung zeigt
aber nicht ein Verhältnis wie zwischen Versprechen
und Erfüllung, sondern wie zwischen Antipoden.
Das Gewand des Kopenhagener Madchens ist ein
dem Körper ebenbürtiges Ausdrucksmittel, weil
die abstrakten Linien eine Bewegungsvorstellung
erzeugen. Die Bewegung ist cine Schwingung der
am Boden haftenden Gestalt. Bei der Figur Ost G
ist sie eine Fortbewegung, welche den Gegenstrom
der Luft erregt. Dieser treibt das Gewand zurück,
das in verschiedenen Wellen über den Körper
schlägt nach den Launen des Windes, bald ihn enthüllend, bald verhüllend. Das Gewand gibt nur
eine beschränkte Vorstellung der Körperform und
eine mittelbare Vorstellung der Körperbewegung.
Aus den Gewandlinien des Kopenhagener Mädchens
sind sowohl die Körperform als die Körperbewegung unmittelbar abzulesen. Es sind aber abstrakte
Linien. Diese Auffassung könnte nie zu derjenigen
der Giebelfigur Ost G führen.
12 Zu BrBr., Denk. Nr. 663.
43 JI. 1926, 140.
Zu BrBr., Denkm. 1947, Nr. 766/7, S. 9.
45 4.a.0., 4. - F. Paulsen, Cat., Nr. 304, schliesst sich Curtius
an, aber Jeugnet die Beziehung der Aura zum Bassacfriese.
46 F‚ Brommer, Parthenongiebel, 1963, Taf. 39.
Abb. 12, Tarentiner Tonstatuctte, Amsterdam.
In einer der attischen parallel gehenden Entwicklung führt sie zum Stile des Bassaefrieses. In der
Lapithin der Platte 525,3 hat Paionios das Motiv
des Kopenhagener Mädchens noch einmal gestaltet
(Abb. 8)%. Die sich mit abrupter Körperzäsur vollziehende Rückwendung wird wiederum durch ein
Linienmuster veranschaulicht, das sich zur rechten
Körperseite hin zuspitzt und zur rückgewandten Seite hin öffnet. Bei der Lapithin konzentriert
sich das Linienmuster in der Körpermitte, wo es
mit der Bewegungszäsur zusammenfällt. Auch in
den einzelnen Elementen hat sich einiges geändert.
Die Falten sind nicht mehr gerade geführt, sondern
haben eine S-förmige Schwingung erhalten. Überdies setzen sie schon auf den Beinen, statt erst beim
Umriss, an48, Sie sind jetzt doppelgratig und laden
am Ende aus. Eine beschwingte Leichtigkeit ist ins
starre Gebilde gekommen. Die Raupe ist zum
Schmetterling geworden : Paionios hat den attischen
Faltenreichtum seinem Stile assimiliert.
Da er die Skulpturen des Bassactempels wahrscheinlich in Olympia geschaffen hat, wird Olympia
der Ort gewesen sein, wo die Berührung mit dem
47 Nach Phot. d. Brit. Mus.
48 Dies zeigt sich beim rechten Unterschenkel der Lapithin
§25,3- Die beschädigte Oberschenkelpartie lässt sich durch die
entsprechende der Lapithin 630,5 (Abb. 2) ergänzen.
noch genau so ornamental regelmässig geordnet.
Aber sie sind ausdrucksvoller und lebhafter. Das
Liniengewebe, in welchem der Körper sich mit
seinen Umrissen abzeichnet, ist dichter und reicher.
Auch dehnt es sich jetzt über die Körpergrenzen
hinaus.
Vielleicht ist dies die wichtigste Neuerung, die
Paionios der attischen Kunst verdankt. An einigen
Giebelskulpturen des Parthenons und an der Nikefigur des Zeus in Olympia schwingt das Gewand
frei vom Körper aus, weil cs plastische Fülle erhält, sobald es den Körper verlässt. Diese „Erfindung” gab Paionios die Möglichkeit, die in den
Falten erhaltene Spannung nach auswärts abzuführen und in schwingenden Kurven zu entladen.
Beim Kopenhagener Mädchen ahnen wir, dass die
Falten voll einer drängenden Spannung sind, bei der
Lapithin der Platte 525,3 sehen wir es. Das sich
nach aussen öffnende Linienmuster über der Brust
wird von Faltenlinien ausserhalb der Körpergrenze
verlängert, nämlich von den Falten des um den
Arm gewickelten und dann frei ausschwingenden
Schleiers.
Auch die ausschwingenden Falten der Nikestatuc
und der anderen Bassacskulpturen sind wohl erst
durch die attische Kunst ausgelöst. Sie erfüllen im
Paioniosstil noch eine wichtigere Rolle als in den
4% Brommer, Parthenongiebel, Taf. 121.
50 Auch G. Q. Giglioli, Arte Greca, I, 1955, 443, stellt eine
Unterwerfung der attischen Faltenwiedergabe unter andere Stilprinzipien fest. Hier und auf S. 471 schreibt er den Bassaefries
Paionios zu,
51 BABesch, 1965, 63, Abb. 16 mit Anm. 84.
Seite 9
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)von Anfang an vergegen wärtigt (S. 12 und 58).
Körper bedecken, erzeugt dic Ersetzung der abstrakten Linien durch wirkliche Falten einen etwas
künstlichen Findruck. Dieser Gefahr ist Paionios
nicht immer entgangen. Beim Mädchen in Kopenhagen betonen abstrakte Linien den Ansatz des zurückgesetzten Beines. Aber wenn bei der Lapithin
der Platte 625,3 wirkliche Lalten auf ähnliche Weise
geführt sind, nimmt der Betrachter an der Unnatürlichkeit dieser Ersc heinung Anstoss. Nur
solange die Falten keine Stolllichkeit prätendieren,
braucht der Künstler keine Rechenschaft über ihre
Entstehung abzulegen. Dies hat Paionios sich nicht
vermissen, welche die attische Kunst uns zu fordern gewöhnt hat. Auch in den Falten, welche den
Ausdruckssprache hinein. Dic ausschwingenden
Gewänder seiner Figuren lassen oft die Motivierung
übernimmt, bringt er cinen Widerspruch in seine
attischen Vorbildern. Im Paioniosstil ist ja der
Kérperrhythinus geöllnet und sind die Ealtenlinien
der unmittelbare Ausdruck der nach auswärts
drängenden Spannung.
Wenn Paionios mit sciner anderen Aullassuny der
Falten trotzdem die Faltenbildungen des attischen
immerhin noch stofllich empfundenen Gewandes
chen Datierung: 430 v. Chr.
ER. M. Coak, Niobe and her Children, 1964, 43, Nr. 9, kommt
stehungszeit des Mädchens in Kopenhagen und der
mit ihm zusammengefundenen Skulpturen liegt
also zw ischen den Jahren 430 und 426 v. Chr.®2.
vriechischen Kunst findet. Die vermutete Entpen ist der aftische Einfluss schon spürbar. Andererscits kann dieses Frühwerk dem Jahre 430 v.
Chr. nicht viel vorausliegen, da erst von dieser
Zeit ab die abrupte Körperzäsur sich in der gross-
Entstehung der Metopen (8. 18), denn in den Meto-
Paionios’ Berührung mit der attischen Kunst vorhergeht, führt zu cinem Zeitansatz vor dem Jahre
426 v. Chr., dem vermuteten Anfangsjahr der
Verständnis des Paioniosstiles.
Der Umstand, dass die Kopenhagener Statuette
Die Innenumrisse der Beine werden von einer
das F. Poulsen, Cac, Nr. 304, als Beweis für die taren
52 Zu BrBr., Denkm. Nr. 771, 8. 6.
55 BABesch. 196:, 10, Abb. 15, Anm. 71.
23
Herkunft des Kopenhagener Mädchens betrachtet, ist diesem
weniger
ähnlich.
Silberemblem, R. Zahn, Festschr. Loeb, 1530, 133, Abb.
sterdam am ähnlichsten (Abb. 12}%, Doch solort
ihr der Torso einer tarentiner Tonstatuette in Am-
HL, Poulsen, Kunstmuseeis Aarsskrifi, 1938,
— Das
140 £., zum Vergleich herangezogen: S. 136, Abb.
sn 4. Jh. v. Chr.”). Abb. nach Phor. d. Mus. —
son Mus,, Inv. Nr. 10453 Alg. Gids, 1937, 214,
die Kopenhagener Statuette hervorgegangen ist.
Von denen, die man ihr an die Seite gestellt hat, ist
Werken.
mutcten Pythagorasschule in Rhegium schliessen
eigens dazu erfundenen Zickzackfalte verdeckt.
Demgemäss haben die ausschwingenden Falten ihre
Beziehung zur Körperbewegung verloren, Der
nordgriechische und der ausschliesslich persönliche
Bestandteil des Paioniosstiles sind in der Nachahmung abgestossen.
Grossgriechenland ist nicht der Boden, aus welchem
liess (S. 18). Sie wirkte im Gegensatz zu Pythagoras
selbst kaum über die Grenzen Grossgriechenlands
hinaus.
Paionios wird also wahrscheinlich in den der Olympia-Periode vorausgehenden Jahren in Grossgriechenland gelernt und gearbeiter haben. In ihm
lebte herkunftgemäss der nordgriechische Drang,
scheinung auf I
die körperliche
en zurückzubringen. Dadurch unterscheidet die Kopenhagener
Statuette sich von autochthon grossgriechischen
Umstand entspricht aufs schönste die Stilanalyse,
die aul einen engen Zusammenhang mit der ver-
Enthüllen, das dem tarentinischen Tonbildner vorschwebt (Vel. S. 20).
In einer tarentinischen Tonform in Chicago ist von
der Paioniosnike vor allem der Gegensatz zwischen
dem verhüllten und dem nackten Bcinaufgegriffensf,
in Grossgriechenland sehr wahrscheinlich. Diesem
Knaben erweist Marmorknappheit und macht, wie
des attischen Stiles” getadelt. Dic positiven Stilprinzipien, dic den übernommenen attischen Ele-
(allt der Unterschied auf: der Körperumriss wird an
den meisten Stellen vom Gewand verschleiert.
Hängefalten überbrücken die Beintrennung. Fs ist
das attische Zusammenspiel von Verhüllen und
E. Schmidt bemerkt®8, das Entstehen dieser Werke
Der Umfang der Anstiickungen beim Kopenhagener
Madchen und dem mit ihm zusammengefundenen
inenten die ihnen fremde Form aufzwangen, wurden dabei oft übersehen. Sie treten uns ganz rein
im Mädchen von Kopenhagen entgegen. Dieses
Werk ist also von einmaliger Bedeutung für das
In Grossgriechenland entsrandenes Frühwerk.
Die Umformung des attischen Stiles brachte ihm
Abb. 14. Rilckenansicht der Statuette.
also nicht nur Gewinn. Man hat sie als „Entstellung
Abb. 13. Statuette, Kopenhagen.
Seite 10
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)auch im Unterkörper ab, da die Figur nicht, so wie
winkelt. Das Körpergewicht ruht auf der Ferse,
5° E, Schmidt, BrBr., Denkm, Nr. 171,5. 2
E. Schmidt annimmt*s,
geschwungenen Umriss des Rückens fort, wie auch
gehobene rechte Arm wird also nicht zum Rücken
gegriffen haben, sondern lag wohl schützend vor
dem Gesicht. In dieser Weise setzte der Arm den
de Figur ist jetzt bei F. Fichler,
von Gjölbascht-Trsa, 1950, Taf. XV
Prokles ist
Cahn, R so,
5% Über das neue Mc
Chr. (8. 135).
+ Cahn, oz. Der frühere Stempel des
4, Nr. 12 R; IH. A. Cahn, Die Münzen
der sizilischen Stadt Naxos, 1944, R so, Er datiert 420-403 Vv.
iks) abgebitder,
löst,
aus dessen Falten über dem Fllboge
ond leicht gel ht, nach aufwärts gehoben
87 A.a.0.:
Stück sich
wendete, kam die Gelahr von vorne. Der chemals
welcher
der Knabe sich entzieht: wohl dem Schuss eines
Pfeiles oder Wurfspiesses. Da der Kopf sich nicht
Das Ducken deutct auf eine Gefahr,
elastisch duckt der Knabe sich, um sich gleich
wieder zu erheben.
|
linken Armes zeigt, in welche Richtung der Oberkörper drängt, nämlich nach vorwärts. Federnd,
der Kopenhagener Knabe dies tut, auf der Ferse
ruht, das heisst: nicht sich zu erheben im Begriffe
steht.
|
Dieses entscheidende Merkmal kehrt beim Siten
eines für das sizilische Naxos geschnittenen Münzbildes des Prokles wieder3®. Durch das momentane Motiv erneuert Prokles die geläufige, hockende
Stellung des Sitens, die er noch in seinem eigenen,
jenem vorangehenden Münzbild beibehiclts,
wie aus der Rückenansicht hervorgeht (Abb. 14).
Ein kräftiger Bewegungsimpuls hebt den Brustkorb vom Unterkörper ab. Die Bewegung des
Haltung im Oberkörper abweicht. Sie weicht aber
manches cinwenden®8, Er selbst räumt ein, dass die
Gegen den Vergleich von Schmidt mit einer Figur
aus dem Friese von Gjölbaschi-Trysa lässt sich
Stilbestim mung.
Das linke Bein des Knaben (Abb. 13) ist gehoben,
das rechte, ehemals angestückte Bein war abge-
N. DER SICH DUCKENDE KNABE.
Beschreibung und Deutung.
Formempfindung vollzogen, welche die Hasis des
Paioniosstiles bildet.
In ihr ist die Verbindune mit der nordgriechischen
Abb. 15. Behelmter Kopf, Kopenhagen.
der zur Flucht oder zum Angriff, Das Motiv ist in
der bildenden Kunst ungewöhnlich, wie geläulig
es auch Homer ist. Es setzt die Fähigkeit, verschiedene, gegeneinander abgehobene Bewepungsimpulse darzustellen, voraus. Deshalb sind unter
den Erzeugnissen der grossgriechischen Kunst
Parallelen zu erwarten.
7
durchzuckt ihn der Drang sich zu erheben, entweder fragmentarischen Erhaltung klar und überzeugend: dem Schuss ist er durch die blitzschnelle
Reaktion entronnen. Im dargestellten Augenblick
ist,
Die momentane Bewegung des Knaben wirkt trotz
an dieser Stelle hebe5?, Dies würde aber einc
Gegenbewegung zum deutlich dargestellten
Herabgleiten erzeugen, die wenig wahrscheinlich
Schmidt nimmt dagegen an, dass der Mantel sich
weiter abgleitet. In der Rückenansicht wird klar,
dass die Chlamys noch nicht zur Ruhe kam.
breitete, wird durch die Bewegung mitgerissen.
Dies lässt sich aus der Art schliessen, wie sie
gerade noch auf der linken Schulter hält, bevor sic
rechten Schulter her über den linken Arm aus-
In einer anti
ierenden Bewegung greift der linke
Arm weit vor. Die Chlamys, die sich von der
sich aus geduckter Stellung aufrichtet, noch
in Amsterdam: Cahn, 64, Taf. XI P.
nachblicken, erhehen sich nicht.
ı Vergleich herangezogenen Figuren, die dem abge-
52 Kenner, Taf. 13: BABesch. 1950, 28, Abb. 26. Die hier (Abb.
BL Der Kopf ähnelt dem des Silen auf dem tarentinischen Krater
im Knochenbau aufgehoben ist, wird auf ornamentale Weise hergestellt. Die scharfgeschnittenen
Brauen stossen rechtwinklig auf den Nasenrücken,
Der Zusammenhang zwischen Augen und Nase, der
eingebettet. An den Aussenseiten wölben die
Brauen sich nicht vor, sondern befinden sich in der
gleichen Reliefschicht wie die Augenlider. Überdies vermittelt noch eine Hautfalte zwischen Oberlid und Braven. Die breiten, flachen Lider sind nur
eine Gliederung der Oberfläche, sie überschatten
das Auge nicht.
Jochbein zu geben, die Augen sind nicht in Knochen
mengefundene Kopf zeigt den gleichen Stil (Abb.
tg und 17). Wie beim Mädchen das Gewand, beim
Knaben der Körper, ist hier das Gesicht van der
Oberfläche her erfasst und ornamental durchgegliedert. Das Knochengerüst ist nirgends angedeutet. Unter den Wangenflächen scheint es kein
II. Den BEHELMTE KOPT,
Der mit den vorher betrachteten Figuren zusam-
Arm.
Dem Kopenhagener Knaben ähnlich ist das Ruhen
auf der Ferse und das Vornüberbeugen des Oberkörpers mit dem dic Erhebung antizipierenden
gesetzten Fuss gegen einen Stein abstemmend.
einmal verwendet. Dic Amazone der Platte 532,4
hatte nach dem Abschiessen des Pfciles Schutz hinter dem Schilde der Gefährtin gesucht®®, Jetzt
erhebt sie sich, dem Feinde entgegenzugehen, sich
mit der rechten Hand aufstützend und den vordie
ornamentale Angleichung der Linien nicht verkennen. Für beides ist die Rückenansicht am aulschlussreichsten (Abb. 14).
Im Bassaefriese hat Paionios das Motiv der Gestalt,
sich, wic klein das Gewandstiick
geführt. Auch lässt
auch sein mag, die Betonung der Umrisse und die
die Bewegung veranschaulicht. Wir werden unausweichlich auf Paionios als Urheber des Werkes
digten Bewegungsimpulse gesellt sich beim Kopenhagener Knaben eine Gewandwiedergabe, welche
Durch den Kopftypus ist, wie I. A. Cahn bemerkt,
das Werk als autochthon-grossgriechisches gesichert®l.
Dem pythagoreischen Rhythmus der verselbständes Kopfes der
Nike des Paionins,
25
#1 ZB, aus dem Kopf der Lapithin 529,2: L. Alscher, Götter vor
Gericht, 1963, Alb. 47, und aus den Köpfen, abgebildet BABesch.
1961, 21 AL, Abb. 31, 32, 37 und 38.
82 Phot, nach Gab. Fot, Naz.
Die Wangenlläche, in welcher kein Jochbein sichthar wird, ist als allgemein ionisches Stilmerkmal zu
bezeichnen. Man finder es bei einem aul Agorakritos zurückgeführren Kopf, aus dessen Verwandtschaft mit dem Kopf in Kopenhagen Barbara
Durchgliederung.
Diese Beschreibung der Gesichtszüge hätte auch
aus der Kopie Hertz des Nikekopfes (Abb. 16)5%
und aus den erhaltenen Köpfen des Bassaelricses™
gewonnen werden können. Nur sind d esespäteren
Köpfe runder und voller und ist der Ubergang
zwischen Nase und Mund durch die von den Nasenflügeln ansgehenden Hautfalten mehr geschlossen.
Diese Änderungen bedeuten nur eine Steigerung
der beiden eingangs genannten Prinzipien: die
Erfassung von der Oberfläche her und die lineare
lang.
sodass der innere Augenwinkel im tiefen Schatten
liegt. Die senkrechte Linie der Nase wird durch
die betonte Kinnspite fortgesetzt. Da die Stirn
sehr niedrig gehalten ist, sind die sich durchkreuzenden Wagerechte und Senkrechite gleich
Abb. 16. Kopie
Seite 11
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)bestimmt. Die Übereinstimmung mit dem Paioöfters
Rassa friesc7®,
beiwohnte.
auch V. H. Paulsen (vg). Anm, 54) ab.
73 F, Poulsen, Car, Nr. 107: Athena in heftiger Bewegung. B.
g von Ti
dem Unee:
Schlörb, Unters., 38: Athena,
Nr, 73. dazu S. 017. Abb. 18 nach Phot. Hirmer.
58 So Franke in Franke-Hirmer zum in der Anm, sg genannten
Franke-Hirmer, Taf. 139, Nr. 431 Vs West, a.@.0., Taf. 12,
Olvathos, II
Anm. 66.
agener Fragmente
Athen NM, 468, von P, Zancaniff nennt er sie persische Tridrachinen und setzt sie gegen das
hrhundertemle an.
die rümische Ko
Munzbild. A. B. West, Fifth and fourrh century
gold coins from rhe
Thracian Coast, 1924, bildet
ie auf Taf, XII ab, AufS. 115
83 Namlich
Phidias, 1954, 37,
7 ZB, beim Kaineus der Platte 532,2 (Abb. 3) und bei der
Hippolyte der Platte g41,5: Kenner, Taf, 24. Hier weicht der
einander,
Augenhü
Haarkra
perteil, fortgesetzt. Beim Kopenhagener Kopf ist
überdies das linke Helmauge etwas schräger gestellt.
Dies wirkt umso stärker, als der Helm zum
knappsten Ausdruck hingepresst ist, Die Nase des
Kopfes vom Helm, wie von einem lebendigen Kör-
Kopenhagener Fragment, schräg auf den Kopl
gesetzt ist, Dadurch wird die Rückwendung des
noch feststellen, dass der Helm, ebenso wie beim
Der Lapith des Bassaclrieses 525,1 (Abb. 8) gibt
eine Vorstellung der Körperhaltung, die zu einem
derart bewegten Kopfe gehört. Der Kopf des Lapithen ist leider sehr beschädigt. I's lässt sich aber
Der behelmte Kopf gehört wohl einem Jüngling an.
Dieser Ausdruck in Verbindung mit dem Zucken
der Brauen macht die Deutung des Kopenhagener
Kopfes auf Athena’? schr unwahrscheinlich.
Kopfhaltung zeigt eine Amazonc des Heraions??,
Nacken und Kopf der Gestalt verleiht. Erst wenn,
wie bei den Kopien des Nikekopfes, die Umwandlung zur Ilerme den Kopf unbeweglich auf den
gerade gerichteten Nacken setzt, wirkt der leere
Gesichtsausdruck störend.
Der Kopenhagener Kopf hat eine stark bewegte
Haltung. Der Hals beugt sich vornüber, der Kopf
beugt und dreht sich zurück. Es sind die gleichen
Bewegungen, welche das Mädchen in Kopenhagen
mit dem Körper vollzieht. Sie deuten wohl auch
beim Kopf auf Angst oder Schrecken. Die gleiche
Ausdruck, den die Beugung und Drehung von
Die von der Oberfläche her erfassten Gesichtszüge
sindgeeignet, vorübergehende Regungen widerzuspiegeln. Fehlen diese, dann scheinen die Gesichter ausdruckslos und leer, denn zum Spiegel des
geistigen Lebens können sie nic werden, wie sich
im Bassaefriese beobachten lässt. Aber nie fehlt der
friese wieder?t,
Montuore, Bolt. Com. 1933. 56, Taf, C, auf Agorakritos zurückgeführt. B. Schlörb, Untersuchungen zur Bildkaurt gener usion nach
8 Der
‚re Gesichtstypus in J. M. F. May, Ainos, 1950, Nr.
67-95, Taf. MAN, Drei Fremplare: Franke-Hirmer, Taf. 136,
Nr. 4ra-g21 V, Das erste Münzbikl der neuen Tetradrachinenreihe:
May, Taf. IL Nr. 004, hierzu $. 107.
deransicht des Kopfes dient es dem Ausdruck der
strahlendes Linienmuster (Abb. +7). In der Vor-
Er hat dafür wohl einen besonderen Grund gehabt.
Dieser là t sich vielleicht aus dem Elfekt folgern,
auf den Paionios mittels des gewählten Ge hes.
typus abzielt. Die lineare Auflassung der Augenbildung erlaubt ihm, auch die Gesichtszüge mit
der bewegungsanregenden Kraft der Linie zu
verlebendigen.
Die Seitenansicht des Kopenhagener Koples lässt
dieses Bestreben deutlich erkennen: das Helmfutter und die st ierten Locken bilden ein auskannten Gesichtsty pus angelehnt hat.
Affektsentladung, wie
Es steigert die Wirkung der schmerzlich zusammengezogenen Brauen. Auch diese kehren im Bassae-
71 Beim Kentauren der Platte 626,4: G. Rodenwaldt, Köpfe von
den Stidmeropen des Parthenons, 1448, Taf. 24, 2. Beim Griechen
der Platte 542,2: G. Becatti, Sculrura Greca, 1, 1463, Abb, 173.
72 H, Kähter, Das griechische Mecopenbild, 1949, Tal. 89. Aber
einer Stilverwandtschaft mit dem Heraion Ichnt
den Gedanken
untersucht werden, ob dies auch für den Gesichtstypus zutrifli.
Die drei grossen Städte an der thrakischen Küste:
Maroneia, Abdera und Ainos, haben in der zweiten
Hälfte des 4. Jhs. v. Chr. vorzügliche Münzbilder
geprägt. Sehr wichtig für unsere Untersuchung ist
Heimat des Paionios aufgedeckt (S. 15). Es muss
sönliche Prägung des Paionios zu halten, Bei der
Körperwiedergabe haben wir aber den Sinn fiir
die lineare Durchgliederung in der Kunst der
selten vor, dass man geneigt wäre, es für eine pergenannten Köpfen vergebens: das Auge, das nicht
in Knochen eingebettet ist und dic nied ge Stirn.
Namentlich das erstgenannte Merkmal kommt so
ntümliche Gepräge geben, sucht man bei den
dass
Paionios sich an einen in seiner Heimat schon be-
Ähnlichkeit mit dem Kopf der Nike sich, Aber
die zwei Züge, dic den Köpfen des Paionios das
ergibt sich aus der Untersuchung,
Gesichtstypus der geläufige dieser Gegend sei. Nur
savicl
Kopf aus Olynthos, in dem FL angloty cine gewisse
statten die Behauptung nicht, dass der beschriebene
niostypus ist auffällig. Wie sie zu deuten sei, muss
fraglich bleiben. Die Münzbilder von Ainos ge-
Schlörb weitgehende Folgerungen zieht". Man
finder die glatten Wangentlächen auch bei einem
dbb. 17. Seitenansicht des Kopfes, Kopenhagen.
Yorschung Tetradrachmen genannt und in die Jahre
430-411 v. Chr. datiert, giplelt in einem prachtvollen Exemplar, das zu würdigen die Aufnahme
von Hirmer ermöglicht (Abb. 18).
Der Lindruck wird durch die gedrungene Gesichtsform und die eigentümliche Augenbildung
hängende Reihe von Münzen, von der neuesten
mit dem Kopfe von Dionysos. Die zusammenist, erscheint aber später in Maroneia, auf Münzen
Der gesuchte Gesichtstypus in jüngerer Fassung,
welcher dem der Paioniosfiguren überaus ähnlich
Typus aufgegriffen, setzt sich aber nicht durch®.
Fassung, nämlich auf den Tetradrachmen aus den
Jahren 455-450
v. Chr. Als die Stadt, nach zwanzigjähriger Unterbrechung 4317 v. Chr. wieder
Tetradrachmen zu prägen anfängt, wird der ältere
den Gesichtstypus von Paionios in einer älteren
Tatsächlich finden wir auf den Münzen von Ainos
war (S. 70).
Ainos, in dessen Nähe das thrakische Mende lag,
das wahrscheinlich der Geburtsort des Paionios
demaköpfen:
ur
chträglich bein: He
24/5, Beil,
27
Ephem. Arch. 1u56, Tal. I
nd E. Paribeni,
nistische Kopie
114 à, b (rémische Kopie eines
Naz. Rom., 1943,
Werkes aus dem 4. Jh. v. Chr.)
74 Nas schutz ohne Spalte bei e
27,
gefundenen Kopf:
selben Giebel zuteilen können. Wenn das Mädchen
und der Knabe zurecht als Niobiden gedeutet werden, gehört der Kopf nicht zum gleichen Giebel,
da Niobiden keinen Helm zu tragen pflegen.
War das Thema des Giebelschmuckes ein anderes,
z.B. die Iliupersis (vgl. Anm. 73), dann spricht
nichts gegen ihre 7.ugehörigkeit zum selben Giebel.
Der verlorene Gegenstand in der Linken des
Es hängt von ihrer Deutung ab, ob wir sie
Die drei betrachteten Werke, das Mädchen, der
Knabe und der behelmte Kopf werden wohl einen
Tempel in Grossgriechenland geschmückt haben.
IV. Deutunc DER KOPENHAGENER FRAGMENTE.
nicht weit von ihm entfernt sind.
schädigten Köpfe der Bassaemetopen, die zeitlich
einen gewissen Frsatz für die vesrlorenen und be-
Köpfen des Paionios erlaubt, auch den Kopenhagener Kopf Paionios zuzuschreiben. Er bieter
die Spalte wurde nur oberflächlich angedeutet.
Diese Ligentümlichkeit kommt auch sanst vor,
ohne dass sie der Steigerung des Ausdrucks dient?*,
Dic Ähnlichkeitim Gesichtstypus mit den späteren
Helmes ist nicht plastisch herausgearbeitet, sogar
Abb. 18. Münze von Maraneia.
Seite 12
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)tun, Taf, ro, ?
75 Vel. Tür die Art, wie die Str
der Hand liegt: Rat
geben, der die Frage entscheiden könnte.
Ausser dem verlorenen Gegenstand in der Hand
des Knaben scheint es keinen Anhaltspunkt zu
fricses.
ganze Statue auf Paionios zurück (Abb. ı9 und
unleugbare Verwandtschaft des Kopfes der Statue
mit der Kopie Hertz des Nikekopfes (Abb. 16), die
Der Körper der Ste
Im Jahre 1906 führte B. Sauer, veranlasst durch die
Römische Kopie in pentelischem Marmor.
Die Abbildungen sind nach Photographicn von B.
Ashmole mit seiner freundlichen Erlaubnis hergestellt. Die Statue befindet sich jetzt in Liverpool.
Phidias, 1964, Taf. ta.
Höhe ohne Basis: 1.53 M.
Hier Abb. 19-22,
Schlörb, Untersuchungen zur Bildhauergeneration nach
B. Ashmole, Cat. of the Ancient Sculptures in Ince
Blundell Hall, 1929, Nr. 15; D. von Bothmer und
C. €. Vermeule, AA. 1999, 157 zu Nr. 15; B.
z.B. ein Bogen, dann könnte er seinen Platz in der
Iliupersis finden. Der jugendliche Wuchs spricht
nicht dagegen, denn er findet sich bei verschiedenen Kricgern in der Amazonomachie des Bassac-
INCF BLUNDELT. HALT.
zeichnet. War es ein kriegerisc her Gegenstand,
©. DER KOPF DES APOLLON IN
Apollon, Ince Blundell Hall.
dann wäre er entschieden als Niobibe gel enn-
Knaben hätte wahrscheinlich diese Frage cutscheiden können. War es ein Reif oder eine Suriailis?s,
Abb, 19 und 20. Srarue des
Übereinstimmung mit
Apollonstatue, die auf
.
gekehrt,
80 Mus. Naz. Rom., g7 zu Nr. os. Das Verhältn
Zurückgeblieber
P.
aber
um‚ Festschr. Rumpf, 1952, 63.
ich diesem Teil v
ardt, AS. 1927, 151
7. 104.
SE]
29
BL Unters.. 73, Anm. 6,
VUE zo, 3-4.
Taf. Xl; bmhoof-Blamer and Gardner, 4
76 B. Sauer, „Fine Apollonstatue des Paionios”, df. vaan, 163 ft.
der Nike: Anm. 35.
die Datie
77 Vel.
78 Phidias, 1924, 183.
ist aber k
Provinzial
1 Jal, 1926, toa.
er stellt die Nike zum Vergleich mit dem Apollon
vertikal auf festen Boden, Damit vergewältigt er
zu setzen, folgt Sauer einer anfechtharen Methode:
die nach dem Bericht des Pausanias später in Megalopolis aufgestellt wurde™, Sie stützte sich auf die
Kolossalstatue des Bassaetempels zu erkennen™,
die Mittelmässigkeit der
Kopie gibt allerdings für die Einsicht in den Stil des
Paionios nichts her.
Um aber auch den Körper zu Paionios in Beziehung
Beziehung zu Paionios®';
wie sie von Sauer verteidigt wird, steht stärkstes
Bedenken entgegen. Der Kopf hat zweifellos eine
erklären. Auch der stilistischen Einheitlichkeit,
klären: E. Pfuhl durch den provinziellen Charakter
des Stiles von Paionios?®, E. Paribeni durch den
Hinweis auf einen ähnlichen Kontrast zwischen
Körper und Kopf bei der Nike®, B. Schlörb durch
die Vermutung, Paionios habe im Körper absichtlich archaisieren wollen.
Sie schlug vor, im Apollon Ince eine Kopie der
Weise den chronologischen Widerspruch zu ersetzt den verhren Fuss vor und lehnt sich mit dem
linken Arm auf eine Säule. Überdies trägt sic lang
herabhängende Locken und Lorbeerkranz.
Die zeitliche Diskrepanz ist nicht befriedigend zu
Der Apollon Ince weicht aber in vielen Beziehungen von der Apollonstatuc der Münzen ab. Diese
kaiserzeitlichen Münzen von Megalopolis abgebildet und wohl zurecht mit der Kolossalstatue
« Bassac identifiziert worden 133
Die Gelehrten, die, obwohl von der Spätdatierung
der Nike überzeugt, doch an der Zuschreibung an
Paionios festhielten, suchten auf verschiedene
er die Nike um 450 v. Chr. ansetzte®”. Noch weiter
ging Il. Schrader: er fand die Frühdatierung der
Nike durch den Apollon bestätigt?®.
reitcte Sauer keine grossen Schwierigkeiten, da
Stand des Körpers und dem Sul des Kopfes be-
20), Die Diskrepanz zwischen dem archaischen
Abb. 21 und 22. Kopf der Statue des Apollon.
Seite 13
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)cher der Kurostypus mit Vorstellungen durchset
wird, die zum polykletischen Kontrapost führen —
die Ansicht von Saucr®8 und Ashmolesæ — oder
aus der Zeit nach der Einführung des polykletischen
Kontrapostes, als diesen zu meistern die provinzicllen Künstler noch nicht fähig sind, wie Pfuhl
es
sich denkt (Anm. 79). Jedenfalls vermag keine
dieser Lösungen cine Beziehung zu Paionios herzustellen,
Auf eine synkretistische Einstellung des Kopisten
lässt der sogenannte Krobylos schliessen. Er weicht
nämlich ab vom richtigen Krobylos, der nach 460
v. Chr. nicht mehr vorkommt. Ursprünglich wird
„die herabhängende Haarmasse durch eine Binde
hochgenommen”®, dic Seirenhaare werden hinter
Apollonkopf, Vatikan,
das Darstellungsmotiv. Denn das Bein, welches das
Körpergewicht zu übernehmen im Begriffe steht,
ist gebeugt: ein sinnvoller Ausdruck des Schwebens
in der Luft. Wenn die Gestalt auf festem Boden
ruht, macht sie einen vom Kiinstler
nicht beabsichtigten widerspruchsvollen Eindruck. Dic oberHlächliche Ähnlichkeit zwischen der auf diese Weise
entstellten Haltung der Nike und dem von sich aus
unsicheren Stand des Apollon, hat also gar
keine
Bedcutung.
I:twas hätte davor warnen sollen, die „weichliche
Unentschiedenheit” des Apollon dem Meister
der Nike zuzuschreiben: „bei der Nike finden wir
klare Sonderung der Teile und Glieder,
stellung ihr nicht hat nehmen können, verbiete
r,
den Körper des Apollon Ince aul ein Vorbild des
Paionios zurückzulühren,
Die Verbindung mit einem Kopf nach Paionios
erweist das Werk als Pasticcio.
Der Stil des Körpers ist verschieden zu erklären
,
Entweder ist die Vermischung des Kurostypus mit
jüngeren Zügen das Werk des römischen Kopisten
— wie Kjellberg und Dohrn®” annehmen -, oder
dieser lehnte sich an ein älteres Vorbild an. Das
Vorbild könnte aus der Periode stammen, in wel#35, M. Bieber, Allgem. Tex. d. bild. Künstler, +50.
SE, Kiellberg, Studien zu den attis hen Relie]s,
7 Kjellberg, 97; Dohrn, Fessschr. Rumpf, 63,
dem Ohr rückwärts geführt. Beim Apollon Ince
dagegen werden auch die Seitenhaare durch die
Binde hochgenommen. Diese Haartracht kommt
ölters bei römischen Kopien vor (Abb. 23)91.
Sic ist offenbar cin Kunsteriff der römischen KoPisten um durch die Um andlung einer weihlichen
Haartracht mit derartig frisierten Seitenhaaren und
einem sich an dem Hinterkopf anschmiegenden
Wulst, einen Krobrlos zu schaffen. Wie einfach
dies vor sich gehen kann, lehrt der Vergleich
der Hinterköpfe des Apollon und der Nike»2,
Dohrn wird also mit seiner Vermutung, dass dem
Kopisten ein Midchenkopf zum Vorbild diente,
recht haben. Auch seine Beobachtung, dass der
Kopf nicht für die Vorderansicht geschaffen war,
trillt wohl das Richrige®,
bei dem
Apollon fliessen diese in einander über"s®. Dieser
wesentliche Zug der Nike, den auch die Vertikal-
1926, 98,
88 Jdl, nea, 169.
59 Im Katalog von 1524. Er betont allerdings die aft überschene
Tatsache, dass sogar fiir den Zeitansatz von 455 v. Chr.
die
Körperhaltung nur als archaisierend verständlich wird, Wie B,
Ashinate mir brieflich mitteilt, hilt er auch jetzt noch an der
früher geäusserten Meinung lest,
“6 So J. Fink, Die Haarrachten der Griechen, 44.
Fr betrachtet
ch den „Krabylos” des Apollon als archaistische
Zutat (S. 54),
ohne den Unterschied zum ric hrigen Krobylos hervorzuheben.
"! Kopf
im Vatikan, Mus. Chiaramonti 391. Abb. nach Phot. des
deutschen arch. Inst. Rom, — W. Amelung, Ket.
A. Furtwängler, „Griechische Originalstatuen in
Venedig”, Abh. Bayr. Ak. 1898, Taf. IV 2; C. Anti,
I} regio museo archeologieo nel Palazzo Reale di Venezia,
1930, Nr. 71, Taf. IV 3; B. Forlati Tamaro, I
musen archeologico del Palazzo Reale di Venezia, 1953,
11, 3; Abb. S. 49.
Höhe 1.10 M.
Der Kopf der Statue.
Abb, 23.
D. DIE STATUETTE VENEDIG
ARCH, MUS, D 207
Varikan |, 1903,
Taf. 59: „geringe Copie eines schönen interessanten Originals
aus dem dritten Viertel des ¢. Jhs. v. Chr.” - Die Anordnung
des Seitenhaares erinnert an die des Haarschopfes, der nach J.
Sieveking, Text zu BrBr., Denkm. Nr, Gas, 1924, 9,
„der Nachfihre des alten Krobylos” ist,
2 JUL. 1906, 166, Abb. 4 und 5. Dazu Sauer, 168: 4...
wie
der... Nackenschopf des Apollon dem aus der Binde
hervorlugenden Stück des Nackemeulstes bei dem Frauenkopf
ent»
Hier Abb. 25-28.
Aus parischem Marmor. Die jetzt verlorenen Anstückungen werden in der obengenannten Literatur
erwähnt. Die Abbildungen Nr. 26-28 sind nach
Photographien des Museums hergestellt.
Beschreibung und Stilbestimmung.
Die Aufnahme in Dreiviertelansicht wird der
Körperschwingung am meisten gerecht (Abb. 2594,
In der Vorderansicht erhält sie etwas xoanonartiges (Abb. 26). Die Gestalt zieht einen auf der
rechten Schulter befestigten Rückenmantel mit der
Linken empor. Der Ähnlichkeit mit der linken
Figur der eleusinischen Brückenbau-Urkunde können wir entnehmen, dass sie Demeter darstellt
Abb, 24. Brückenbau-Urkunde.
(Abb, 243%. Der Künstler hat sich offenbar für
den Auftrag, eine Demeterstatuctte zu schalten,
an cinen älteren statuarischen Typus angelehnt, von
weniger weit in der Zergliederung (Abb. 36). Das
I inienmuster, das die Brust der Furydike bedeckt,
dern wir in der Figur der Urkunde einen Nachklang
ist keine in sich geschlossene Einheit. Dementbesitzen. Nicht nur die Gebärde ist ähnlich, sonsprechend hebt es sic h nicht so 8stark gegen das
Spielbein ab, das seinerseits unauffälliger von den
dern auch die Tracht. Überdies teilt sich in beiden
Fallen der Überschlag in zwei Partien auf: eine
schräge und eine senkrechtgerichtete Partie. |
Die Gebärde des Mantelhebens wird von der Figur
in Venedig mit grosser Emphase vorgetragen. Der
Arm ladet so weit aus, dass noch ein Teil des Mantels auf dem Oberarm aulliegt. Von der Schulter
gehen zwei ausstrahlende Linienmuster aus, das
eine die Brust bedeckend und das andere sich zum
vorgesetzten Knie hin spannend (Abb. 28). Aurfällig ist dic ornamentale Geschlossenheit der Linienmuster und ihre Abhebung gegen dic Umgebung, wodurch die Erscheinung in Untereinheiten
aufgeteilt wird.
Der Künstler des Eurydikereliefs geht bei einer
ähnlichen Gewandanordnung der Eurydike viel
#1 Nach Phot. d. deutsch. arch. Inst, Rom, — Diese Ansicht
Steilfalten des Standbeins abgetrennt ist. Die Einheitlichkeit der Erscheinung wird viel weniger
beeinträchtigt.
Dies hängt zusammen mit der Art der Bewegung,
welche von den Falten begleitet wird. Die Bewegung bei der Furydike folgt dem Prinzip des
polykletischen Kontrapostes, dessen Erklärung
durch E. Hiller die Falten bestätigen. Die Standbeinhüfte hebt sich und ladet aus: die gekränselten
Falten des Kolpos lenken die Aufmerksamkeit auf
diesen Punkt. Durch das Heben der Standbeinhüfte
senkt sich die Beckenachse zur anderen Seite. Das
am Becken Hängen des Spielbeins macht sich in den
Hingefalren des Peplos bemerkbar. Als Reaktion
auf die Senkung der Beekenachse richtet sich der
Oberkörper auf, genau so wie die ihn bedeckenden
auch: G. M.A. Richter, The Sculprure and Sculprors of the Greeks,
Faltenlinien zu tun scheinen.
1950, 453, Abb. 327.
.
85 Dohrn, er. Plastik, 1957, 17: aus den Jahren 422
fi v. Chr.
Vgl. E. Buschor, Fesischr. Amelung, 1928, 55.
% „Zum Kanon Polyklets”, Marb. Winckelmannsprogr. 1465, 9+
Seite 14
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)teilung in lastenden Torso und tragende Beine
durchbricht (S. 16). Der Unterkörper hebt sich
gegen den Thorax ab und schliesst sich der Aufteilung der Beine an. Die Bauchgegend wird
isoliert”,
Die Seitenansicht zeigt Paionios’ Methode, den
Ausdruck von Form und Bewegung zu koordinieren
(Abb. 28). Das gebeugte Bein einer Balustradenike
gestattet einen aufschlussreichen Vergleich (Abb.
29)98, Bei der Statuctte in Venedig schwingen sich
die Falten an der Aussenseite des Beines über den
Beinumriss hinweg, der nur in den Faltentälern zur
Geltung kommt. Bei der Balustradenike dagegen
schmiegen sich auch die Falten selbst dem Umriss
an: der Bewegungsschwung der Falten verläuft
sich in eine Betonung der Körperform. An der
Innenseite des Beines gewinnt der Faltenschwung
das Übergewicht über die Form: der Umriss des
Unterschenkels geht zum grössten Teil in der
Gewandmasse verloren. Bei der Statuette in Venedig zeigen sich auch an der Innenseite des Beines
(Abb. 26) Form und Bewegung gleichberechtigt:
die Falte umschreibt in einer ununterbrochenen
Schwingung den nirgendwo verdeckten Beinumriss.
Die Zusammenstellung mit der Balustradenike lässt
eropfinden, dass Paionios’ Koordination von Form
Abb. 25. Statuette, Venedig.
Das Heben der Hiifte bei der Eurydike crölfnet den
Zyklus der Bewegungen, die ihm mit unausweichlicher Notwendigkeit folgen. Bei der Statuette in
Vencdig gibt es keine ausladende Standbcinhüfte,
Die Bewegungen des Oberkörpers und des anderen
Beines vollziehen sich also aus eigenem Drang und
unabhängig von «inander. Dem entspricht die
Verselbständigung der Linienmuster.
Es kann kein Ausgleich zwischen den Bewegungen
stattfinden, der einen Ruhepunkt herbeifiihrt, wie
bei der Eurydike. Wichtiger ist dem Künstler, auf
die Weise des Pythagoras, die Bewegung in ihrem
Vollziehungsproress zu erlassen. Er veranschaulicht
dieses Wirken der bewegenden Kraft in den ausstrahlenden Linienmustern. fs muss Paionios sein,
der mit den äusserlich übernommenen Elementen
des polykletischen Kontrapostes sein eigenes
Kräftespiel treibt.
Wir erkennen auch seine Gewohnheit, dem Körper
eine Proportion aufzuzwingen, welche die Auf32
und Bewegung eine abstrakte Auflassung sowohl des
Abb. 26 und 27. Vorder- und Rückenansicht der Statsetre.
Körpers als des Gewandes voraussetzt. Der Stil
verleugnct seine Abstammung nicht (S. ı 5).
Trotz der abstrakten Auffassung des Gewandes in
der Statuette von Venedig ist jede Faltenbildung,
weggezogen wird, nämlich durch das Emporzichen
wic künstlich auch anmutend, sorgfältig motiviert.
Diese Bewegung wirkt sich in der Rückenansicht
auf dic ganze Erscheinung aus (Abb. 27). Die
Falten Folgen der Zugkraft der Hand. Eine leise
Dies leuchtet nicht beim ersten Blick ein. Fs mag
sich deshalb die mühsame Analyse der Gewandmotive lohnen. Der gekräusclte Faltenbausch,
welcher die Steilfalten abschliesst, gehört teilweise zum Kolpos und teilweise zum Überschlag,
welche vom Oberarm gegen den Körper gepresst
werden®. Dadurch fallen Kolpos und Überschlag
an dieser Seite weniger tief herab und entstehen die
Zugfalten unter der rechten Brust. Diese erscheint
wie nackt, weil das Gewand auch an der Oberseite
»7 Hierauf macht Furtwängler, Originalstaruen in Venedig, 301,
aufmerksam.
“Abb, nach Phot. Hirmer: Lullies-Hirmer, Griech. Plastik,
1046, Taf, 187 unten; R. Carpenter, The Sculpture of the Nike
Temple Paraper, 1929, Taf. XXV (Master E).
Es ist also hier nicht notwendig, mit C. Anti, 4 regie museo
ia), Nr. pu, für den Künstler das Recht, gegen die Naturtreue verstossen zu dürfen, in Anspruch zu nehmen.
des Rückenmantels.
Dieses Arrangement hat Paionios nicht selbst erfunden. Es kommt schon bei zwei anderen Statuetten etwas älteren Stiles aus dem gleichen Fund
vor™, Beide gehen wohl auf das gleiche Vorbild
guriick!, von
dem
Paionios
das Motiv überder
nommen haben mag. Er dehnte die Zuglalte aber
Mantel sich in der Taille dem Körper anschmiegt.
In der linken Seitenansicht wird deutlich, wie das
Emporziehen des Mantels auch den Peplos mitreisst. Daraus entstehen die Spannfalten zum vorgeauf die Umrahmung des ganzen Beines aus, während
Unregelmässigkeit
entsteht
dadurch,
dass
sctzten Knie hin (Abb. 28). Auf dem Oberschenkel
klingen sie allmählich aus (Abb. 26).
Dic das Bein umrahmende Falte und das über dic
Bauchgegend glattgezogene Gewand werden auch
auf natürliche Weise hervargerufen. Der Faltensteg, der über dem Rist sichtbar wird, entstand,
indem die das Bein umrahmende Falte seitwärts
über den Rist gezogen wurde. Ihr glockenähnliches Ende ist an der Aussenseite des Fusses zu
verfolgen (Abb. 28).
bei den anderen Statuctten der obere Teil des
Beines sich im Gewand birgt.
Die Motivierung, welche Paionios für seine Falten
gibe, ist in allen Fällen die gleiche: der Stoff wird
von cinern festen Punkt aus gezogen. So finder er
einen Ersatz für die Windeskraft, die bei den
Bassaefiguren das Gewand spannt und Falten voller
100 Nämlich bei Venedig D 219, Furtwängler, Originalstatuen,
Tat. UI 1, und etwas schematischer bei Venedig D 310, Furtwängler, Taf. VI 2.
161 G. Lippold, Kopien und Umbildungen, 1993, 11, hält zwei
verschiedene Vorbilder auch für möglich, Das Vorbild - oder
die Varbikler — gchö
wie Lippold zurecht annimmt, der
Zeit vor den Erechtheion aren an.
Seite 15
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)Auge ~ auf die Falten übertrug®, Dadurch schuf
1 Watzinger, Ofh, 1913, 1613 Lippold, 0.0.0,
Gewand die Brust umschreibt, indem es „unten
dem runden Umriss folgt”. Darauf livsse sich entgegnen, dass der Künstler für die Nike, des Motives
Furtwängler, Originaktatuen, 392; €. Watzinger, Öfh. 1913,
51; Lippold, Kopien und Umbildungen, 143 ders, Handbuch d.
1950, zor; C. Anti, Nr
Richter, Se. and se. 1065
des
die
aufgenommen, Vgl.
WW? Vgl, T. Dohrn, Artische Plastik, 1957, sy.
Anm, 32.
« ist deshalb in die Liste vo
> Für die Apollonstatue vel, BAResch, 1965, 5: I.
® Die Vorbilder der neuarrischen Reliefs, 1959, 46, Anm. 67.
für das
Aulfassung
tragenden Funktion zu nehmen, den er -
der
weil er hier nicht die Art vorfand, in welcher das
es
Paionios entspricht, sondern auch gegen das Gewand ab.
Als eine zweite Entlehnung von der Apollonstatue
des Paionios können die Falten erklärt werden,
die bei der Aphrodite Fréjus die Beine trennen!®,
Kallimachos übernahm aber nicht die Aufteilung
des Torso. Diese würde sich auch nicht mit dem
polykletischen Kontrapost der Aphrodite Fréjus
vertragen. Kallimachos hat die beintrennenden
Falten benutzt, um den Beinen einen Teil ihrer
unter der Brust, noch auf dem Spielbein.
wie
Sie brauchen keine Bewegungsvorstcllung im
Betrachter zu erzeugen wie die Falten des Paionios.
Dieser hat in der Statuette von Venedig seinen auf
bewegte Figuren eingestellten Stil dem Vorwurf
einer ruhig stehenden Gestalt angepasst. Seit der
von Furtwängler ausgesprochenen Vermutung wird
die Statuette einstimmig dem Lntwerfer des
Bassaefricses zugeschrieben!®,
Furtwängler wollte sie aber von der Nike trennen,
hervor,
Gewand
Von einer abstrakten Gewandauffassung zeugt auch
die Aphrodite Frejus, die von einigen Gelchrten zum
Vergleich mit der Statuette in Venedig herangezogen wurde108,
W. Fuchs vermutete schon, dass Kallimachos sich
an die Nike des Paionios anlehnte!®!, Vielleicht
aber war das anregende Vorbild eine andere Statue
des Paionias: die Apollonstatue in Kopenhagen
2.B. steht der Aphrodite Fréjus noch näher?’s,
Von solchen Vorbildern kann Kallimachos den
Gegensatz zwischen dem hauchdünnen, anklebenden Gewand und den freifallenden, plastischen
Gewandpartien übernommen haben. Er steigerte
diesen Gegensatz noch, indem er die abstrakte Gewandauffassung des Paionios ausschliesslich den
freifallenden Gewandpartien vorbehielt. Auch verband er diese nicht, wie Paionios, durch einen
linearen Übergang mit dem Körper. So hebt sich
der Körper der Aphrodite Fréjus nicht nur im
Andere Vergleiche.
Genau betrachtet,
Florenz 8:94:73 Abb. nach Phot. d. Mus, — J. D.
Leukippidenhydr
mit dem Parisurteil:
Landen und die Hydria in Karlsruhe 249
ARF2, 13t5,t (a).
wängler, Originalstaruen, 303, zieht zum Vergleich heran: die
Beazles, ARV2, 1963 (weiter zitiert als AANB), a1 2,2. Furt-
WS Hydria
auch die ruhig stehende: Gewandfigur der attischen
Kunst um. Hierin folgt kein einziger Künstler
Paionios nach.
Flug der Nike das besondere Gepräge yab, wandelt
Die gleiche künstlerische Einstellung, welche dem
Bewegung an.
nämlich die leto einer Hydria in Florenz (Abb.
30318, Ausser der schleierhebenden Gebärde entspricht auch die Gewandanordnung mit den gekräuselten Falten des Kolpos und dem locker herabhängenden Zipfel des Überschlags derjenigen der
Statuette in Venedig. Den Gegensatz zwischen
durchscheinenden und beschatteren Körperpartien
ahmt der Meidiasmaler nach: durch mehr oder
weniger dichte Strichführung erzeugt er dunkle
und helle Flächen.
Aber die Linie an sich kommt nicht zur Geltung
wie dies bei Paionios der Fall ist. Der Meidiasmaler
verteilt die kontrastierenden hellen und dunklen
Flächen gleichmässig über die Frscheinung. Demzufolge gleitet der Blick des Betrachters leicht und
beschwingt über die Gestalt hinweg. Dic Figur des
Paionios regt den Betrachter zum Erleben ihrer
vermutet. Den von ihm genannten Bei pielen lässt
sich noch eine Figur anreihen, die fast wie eine
Nachahmung der Statuette in Venedig anmutet,
Vorbildern von der Art der Statuette in Venedig
wängler hat in ihnen den Einfluss von skulpturalen
sogar diese grundsätzlich verschieden. Bei der
Aphrodite Fröjus geht sie harmonisch aus der
Körperhaltung hervor und scheint das Wahrzeichen
lässiger Eleganz. Bei der Statuette in Venedig ist
sie cine energiegeladene Handlung.
Nicht viel anders verhält es sich mit den sich entschleiernden Gestalten des Aeidiasmalers. Furtmantelhebende Gebärde.
Bauchpartie angewendet. Sie entspricht der abstrakten Gewandautfassung des Paionios.
Aphrodite Fréjus mit der Statuette in Venedig ist
serst gering. Sie beschränkt sich auf dic
also
Gewand umschrieben, Die Nike kennt die lineare
Umschreibung aber auch: diese wird z.B. für die
Zugkraft hervorruft. Bezeichnenderweise werden
die Falten bei der Eurydike nicht gezogen, weder
Abb. 28, Szitenansicht der Statuctte,
Die Übereinstimmung der
Nike völlig nackt, bei der Statuette in Venedig vom
keine einzige Spur.
wand, der Paionios vollkommen fremd ist.
Von Paionios’ Anliegen, die Körperhewegung
durch die Gewandfalten zu veranschaulichen, zeigt
sich dementsprechend bei der Aphrodite fréjus
er einen Antagonismus zwischen Körper und Ge-
Statuctte in Venedig ziehen sich die zügigen Falten
über die eine Brust hin, während die andere
sich in den Umrissen abzeichnet. Sie ist bei der
Brüste braucht. Sowohl bei der Nike als bei der
wegen, cinen Gegensatz in der Wiedergabe der
35
106 Abb. nach Carpenter, The Paraper, Tat, XXI, 1 (Master D}.
die plastischen Kolposfalten gegen die flächigen
Überschlagfalten abzuheben. Dieser reiche Effekt
stellt die Venczianer Sratuctte in die Reihe der
Balustradeniken (Abb. 3149,
von Kolpos und Überschlag bietet die Gelegenheit,
umschliessen. Der parallele Verlauf der Ränder
zeln hervor, sodass sie einen beschatteten Kern
durch eine lineare Gliederung der zusammenhängenden Schicht entstehen, wölben sich nun ein-
Die Falten des Kulpos, die im Bassaelriese noch
des Bassaefrieses einen Schritt über den der
kestatue hinausgeht.
Die den Zusammenhang auflösende Licht- und
Schattenwirkung drängt nun in jedes Detail ein.
lung. Sie läuft in der Balın, in welcher der Stil
Der Stil, dessen Verwandtschaft mit dem des
Bassacfrieses leicht zu erkennen und allgemein
anerkannt ist, zeigt zugleich eine Weiterentwick-
Zeitliche und örtliche Bestimmung.
Abb. 29. Nike der Balustrade,
Seite 16
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)hinzuzufügen: Carpenter, 4/4, uno, 391.
‚Ar, Plawik, 222, Amn, 48, à
8; Ch. Delvaye, Arch. Cles.
ner
. Plauk, 122, Anm. 48 genannten
L'Erechteion, 44 links, Aum, 1:
1ag4, 211, Anim,
5 (um 405 1. Chr); Wo HL Schue
Schlörb, Unter, 39.
N Den
kp
W. Fuchs, Fe:
Vorbilder, 08,
WO Ausser dl
Tetradrachmen, von Kimon für Syrakus geschnitten, die mit grasser Genauigkeit um 412 v. Chr.
iessuil, Die Mänaden des Kallimachos, die
nach allgemeiner Ansicht der Balustrade ungefähr
gleichzeitig sind, teilen mit ihr die Unsicherheit
der Datierung.
Vielleicht können sichere Daten aus einem anderen
Kunsthereich zur Lösung der Frage beitragen. Dic
Demgegenüber wird geltend gemacht, das der
Stil der Balustrade
enger an den des Frieses
des Niketempels als an den des Erechtheions an-
, sind ein Beleg dafür, dass der
Nr. 277 und 278
Erechtheionstufe (datiert 420-400 v‚ Chr.).
der
er liesse sich ı
33, 233 Picard, Taf
Seitenansicht der gleichen Ralustradenike, Carpenter, Paraper,
D) und einer Frechtheionfigur, Die letztere ist Nr. 1238: AD.
11 Aus dem Jahre 409 v. Chr.: Dohrn, Art. Plastik, 18.
15 Erechtheion Nr, 1074: AD. M 3, Taf. 31, 9; Picard, L'Frechon, Taf. 37.
116
rpenter, Parapet, 33. vergleicht in Taf. XXI, 3 und 4 die
adenike (vom Master
Partie zwischen den Beinen ei
sind die Tetradrachmen Tudeer R 33.
113 Franke-Hirmer, Taf. 44, Nr. 121 R.
112 J, 11. Jongkees, The Kımonian Nekadrachms, 294i, 93. Es
dern cinander ablösen!!7,
Der Ansatz des Balustradenstiles von 470-415
lustradenatil nicht nebeneinander auftreten, sonschwungvolle, echte und der schematisierte Baseite festste
deren Abfolge durch den Stil der Köpfe der Vorderdensti) zu gleicher Zeit im Schwange ist, Noch
unwahrscheinlicher wird diese Annahme durch die
ausgehen.
Leider ist die Darierung der Balustrade
noch immer
umstritten. Der Standpunkt, dass die historischen
. A
gler nimmt an, dass sie aus
93, ist Ausführung durch Athenee anzunehmen.
321 Lippold, Kopien und Umbildunger, » I.
191°,
em Heiligtum auf den g
asiatischen Küste stammen. Gegen A. Frickenhaus, Tirsns |,
Demeter oder Kore
unterlebensgross, aus pa
spanne von weniger als einem Jahrhundert an und stellen
tag. Abb. 174.
im Brit, Mus.: Schrader, Phidias, 190, Abb. 168 gegenü
noch zusammenhingend, sich schon. im Gegensatz zur Ke
LR Bei der Kore der Siidwestecke runden die Falten, obwohl
dass cs sich zum grössten Teil um Künstler zweiten
Ranges handelt, die an berühmte Vorbilder anknüpften. In einigen Fällen ist das Vorbild aus
römischen Kopien bekannt! Lippold hält auch
unsere Statuette für eine solche zeitgenössische
nicht-attischen Stiles. Lippold hat zurecht betont,
nicht in Athen selbst verfertigt. Den Ort zu bestimmen, wird kaum möglich sein.
Hier ist Paionios in die Reihe der attischen Künstler aufgenommen. Seine Statuctte ist die einzige
Künstlern, aber wegen des paris "hen Marmors
ich die Umwandlung sehr deutlich!!®,
Es ist kaum anzunehmen, dass der echte Balustraetwas älter als die Statuctte in Venedig ist, muss
Anschluss an die Balustrade unverkennbar ist, zeigt
Betrachtung der Statere von Terina. Diese Münzen,
muss Olympia gegen einen Wohnort getauscht
haben, wo Athener ansässig waren. Dic Statuette
sondern auch cinen neuen Lebensabschnitt ein. Er
Sie leitet nicht nur cine neue Stilstufe des Paionios,
lockerung des Balustradenstiles tendiert!18, Der
Bassaefries, der durch die enge Rezichung zur Nikestatue um 420-414 v. Chr. datierbar ist (vgl. S. 18),
geht der Balustrade um ein wenig voraus. Die
Statuette in Venedig vertritt die Balustradenstufe
in der Fntwicklung des Paionios.
koren ist cine Entwicklung sichtbar, die zur Aufüber 413 v. Chr. hinausgehen. Die Fünljahresspanne 418-413 v. Chr. könnte im Zeitschema also
der Balustradenstufe zukommen.
Mit dieser Datierung sind die Folgerungen, die aus
den vor 415 v. Chr. vollendeten l'rechtheionkoren
zu ziehen sind, im Einklang. In den Erechtheionansatz, der historischen Ereignisse wegen, nicht
in Venedig gehört zu einem einheitlichen Fund,
der von Grimani angekauft und im Jahre 1586 der
venezianischen Republik vermacht wurde. Es liegt
nicht genügend Anlass vor, um mit Lippold#!® an
der von Furtwängler dargelegten Zusammengehörigkeit des Fundes??® zu zweifeln. Die Statuetten
— Weihgeschenke an Demeter — sind von attischen
auch der Balustrade um eine kurze Zeitspanne vor-
Ereignisse van 411-407 v. Chr. di Daticrung festlegen, wird noch von + en Gelehrten vertreten™,
x. Chr. scheint etwas zu früh, da hierin der immerhin spürbare Zeitabstand vom Nikefries nicht zum
Ausdruck kommt. Andererseits kann der Zeit-
Mänaden des Kallimachos lebt in dieser Form
weiter, Bei einigen Erechtheionfiguren, wo der
noch immer stellenweise am Körper an. Aber die
Erscheinung wird schlichter, die Licht- und
3 hattenwirkung tritt zurück, die rauschenden
Falten werden schematisiert. Auch der Stil der
schon einen anderen Charakter. Hierbei ist nicht
soschr auf
dic neue Gewandwicdergabe zu achten,
div den Körper mit gleichmässigen Falten verhüllt
(Anm. 274), als auf das Weiterleben des Balustradenstiles in erstarrter Form. Wie bei der Athena
der Parthenonsurkunde schmiegt sich da: Gewand
Jahrzehnt besitzen, den Frechtheionfries und die
Parthenon-Rechnungsurkunde (Abb. 56)114, zeigen
Charakter des Balustradenstiles nicht erst im
letzten Jahrzehnt in Erscheinung tritt.
Was wiran sicher daticrten Werken aus dem letzten
Hieraus ist zu folgern, dass der überschwengliche
die Mänaden des Kallimachos kennzeichnend ist,
muschellörmigen Ausladung der Falten, die für
Aufnahme von M. Hirmer crlaubt!!3, ihr ausschwingendes Gewand wölbt sich mit der grossen
anzusetzen sindn2, zeigen oberhalb des Gespannes
eine Nike, deren Einzelheiten zu würdigen erst dic
eine Kopie nach cine
n.
37
Dic folgenden Werke zeigen ihn in Athen selbst
tätig.
tenheit der lohnenden Aufträge am Ort, wo er
vorübergehend verweilte.
Ausführung eines bescheidenen
Die cigenhändige
B
Weihgeschenkes durch Paionios beweist die Selst
mische Kopie cine Vorstellung vom Vorbild gibt,
ist eine ziemlich grosse Unabhängigkeit festzusehr persönlichen St merkmale verloren gedie
gangen. Bei den anderen Statuetten, wo cine rögrösseren Werk ist, muss sie aber cine von der
Hand des Paionius selbst sein, sonst wären gewiss
„Schulkopie”. Wenn sie
Abb. 31. Detail einer Nike der Balustrade.
Seite 17
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)Forbilder, 181, Nr.
In der neuerdings wieder aufgegriff
enen Diskussion
über die Dreifigurenreliefs wird
das Peliadenrelief
nur bciliufig erwähnt, wohl desha
lb, weil ex hierbei um die Deutung geht und die
des Peliadenre-
1 mit der älteren Literatur,
Hier Abb, 34.
4. Fragment mit Kopf‘
der jüngeren Peliade,
Korinth; E. B. Harrison, Hesper
ia, 1964, 76, Anim.
30: späthadrianisch.
Hier Abb. 35.
3. Fragment mit Kopf der Medea
, New York;
Fuchs, Vorbilder, 181, Nr. 33:
hadrianisch,
2. Relief Berlin 186; Luchs
,
Anm. 43: neu-attische Frühgruppe
.
Höhe: 1.08 M
Hier Abb. 32.
t. Relief Lateran; W. Fuchs
, Vorbilder, 133 und
n überliefert:
Das Werk ist in verschiedenen Kopie
E. DAS PELIADENRFLI
EF
das einzige der
r Argumentierung
die Datierung aus-
Ak. der Wiss,
220 Mobius, 24.
zitiert als „Mü
.
™ Hesperia, 1952, 74 ff.
bild”, Abh. Baer,
NE. or, 1966, 22 B, weiter
ureniy© Hesperis
, 1964, 76 N,
1 Hesperia, 1964, gor ff,
121 Die Retiets
der Portl ndvase und das antike
Dreifig
die Jahre kurz nach 415 v. Chr.2
5, wäre wohl
dem etwas früheren Ansatz von
Möbius??6 vorzuziehen. Die Gewandbehandlung
ist vor den Erechtheionkoren kaum denkbar.
genommen. Der Zeitansatz
von 11, Thompson in
möchten wir uns anschliessen,
tragische Deutung einl22, Scine
wagte. Für das Peirithoos- und
das Hesperidenrelief schlägt I. B. Harrison eine
idvilisierende
Deutung vor, für das Orpheusrel
ief M. Owen
Lec128, Hf, Möbius setzt sich dageg
en wieder für die
tragischem Sinne aulzufassen,
sich nicht heranellung in nichtwelches das Bestreben, die Darst
vier zusamm :ngchörenden
Dreifigurenreliefs, an
Luteran,
liefs nie umstritten wurde. Es ist
Abb, 32. Pelicdenrelief, chemals
eigenwilliges
Kompositions-
Analyse bemerkt H.
sol nicht gesagt s
19 ff.
deren drei Reliefs v
bre Unterschiede,
Tradition halten, kann
131 RM, 193%, 31
und 32 mit Anm. 3 auf
S. 32.
he näher eingegangen werden.
So auch R. Carpenter, MAAR., 1941, 62.
140 Retont von Mübius, 3
sich innerhalb des Rahmens der
einem einzigen Meister stammen
' Damit
127 Mübius,
wohl formal als inhaltlich” inniger mit cinander
Götze, dass die jeweils rechten Figurenpaare „so-
In seiner eindringlichen
zutrifft.
Drittes streiten”. Sie schliesst die anderen Dreifigurenreliefs an™, ohne sich dabei aufzuhalten,
dass die Formulierung für das Peliadenrelief nicht
lichkeit der vier Dreifigurenreliefs zu umschreiben,
liegen vor.
Speier geht vom Eurydikerelief aus.
Als dessen Eigentümlichkeit betrachtet sic, dass
„zwei einander entgegengesetzte Kräfte um ein
I. VerGikicH pes Motives Den Dansri LUNG.
Verschiedene Versuche, die motivische Einheitkennzeichnet, ein
prinzip entgegen.
Im Peliadenreliel wird das Prinzip des festverstrebten statischen Gruppenbaus in zwei Hinsichten durchbrochen. Erstens ist die Mitrelfigur
stark aus der Achse und an dic Randfigur heran
gerückt?s, Damit ist der Dreiklang durch einen
Zweiklang ersetzt.
Zweitens lässt die Vorderansicht der älteren Peliade cine ausgewogene Antithese der Randfiguren
nicht aufkommen. Als einzige der zwölf Gestalten
der vier Dreifigurenreliefs wendet sie sich nach
dem Beschaucr hin aus dem Bild heraus!, Das
Peliadenrelief stellt „der klassischen Ausgewogenheit des Dreiklangs”,
welche die anderen Relicfs
EL VerGreten pur KOMPOSITION,
zulegen!28,
und motivischer als in stilistischer Beziehung, dardes Peliadenreliefs, sowohl in kompositorischer
handlung wird aber versucht, die Selbständigkeit
wie sie auch unabhängig von Thompsons ‘These
öfters angenommen wird, In der vorliegenden Abin einen einzigen architektonischen Verband wäre
ein starkes Argument für die Stileinheit der Reliefs,
Sehr überzeugend scheint mir dagegen Mébius’
Verteidigung der These Thompsons, dass die vier
Dreifigurenreliefs dic Umzäunung des Altars der
Zwölfgötter geschmückr haben’. Die Einfügung
:
eine Zusammenfassung seiner Bescl
aa Die
. 1948/49, 92 und 93.
39
verbunden si . Beim Peliadenrelief leiter er dic
inhaltliche Zusammengehörigkeit aus der formalen
ahl3 Es liesse sich einwenden, dass hier — und
nur hier — die lormale und inhaltliche Zusammengehörigkeit einander w idersprechen. Die beiden
Schwestern sind sich ihrer formal stark betonten
Nähe nicht einmal bewusst.
Mobius sicht als das gemeinsame von allen vier
Reliefs, dass zwei Figuren eine Entscheidung treffen, deren Ausgang die dritte gespannt erwartet133,
Dieser Formulierung entzieht sich zwar das Peliadenrelief nicht, aber sie täuscht über
einen wichtigen Unterschied hinweg: in den anderen Reliefs
bezieht sich die Entscheidung der zwei Figuren auf
das Verhältnis zwischen ihnen beiden. Aber die
Entscheidung, um welche die ältere Peliade ringt,
bezieht sich nur auf sie selbst. Dic Herauswendung
Abb. 33. Nike der Balustrade.
Seite 18
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)Wirkung der einen
um den Dreifuss vorwärts zu schicben, Medea
entgegen, die schon die Zauberbüchse öffnet.
in dic Bewenn die verschiedenartigen Beziehungen
40
,
18% Mobius, 14 f.
WS Zurecht von Carpenter, MAAR. 1941, 62, betont
nicht die Erwartung, sondern das
Erzwingen der
Entscheidung
einander ausschliessen. Dies triflt für drei der
vier
Reliefs zu; das Peliadenreliel nimmt jedoch
eine
Ausnahmestellung ein. Hier wird der Konflik
t
nicht durch eine Figur erzeugt, deren Bezich
ungen
zu den beiden anderen sich ausschliessen.
Eben
dadurch verliert die Komposition ihren statisc
hen
Charakter. Die Spannung zwischen Medea und
der
älteren Peliade wird nicht durch die Mittel
hgur
hervorgerufen, sie nimmt daran nicht
einmal
teil. Deshalb bedeuter Medea’s Blick
auch
entsteht,
schiedene Weise verbunden ist. Der Urspru
ng des
Konfliktes liegt damit offen var uns: der
Konflikt
eine, die mit den anderen auf eine
jewcils vertrachtung hineinzieht, in welchen kein Konflik
t
herrscht!3, Zusammenfassend liesse
sich vielleicht so sagen: unter den drei Gestalten
gibt es
cine breitere Basis, indem er diejenigen
s
Haken Oberschenkels scheint noch nie
‚ ist seitdern wieder verloren gegangen.
BA OL Kern, ddl. 1888, 69, beschreibt die Handgebär
te der
ade als cin Heben des Kessels. Die Beobachtung,
dass der
überlegt. Der Mantel muss auf der Höhe der Körpermitte festgchalten werden, indem die oberste
Ecke des einen Seitenrandes um die unterste Ecke
des zweiten Seitenrandes herum in den Wulst der
Taille eingesteckt ist. Diese Stelle wird vom Dreifuss verdeckt.
Der erste Seitenrand fällt in Zickzackfalten herab.
Art, in welcher der Mantel umgeschlagen ist, genau
fältig motiviert ist, gerade so wie bei der Statuette
von Venedig (S. 32). Der Künstler hat sich die
Stolles, das durch die Gewandanordnung
sorgdurch die divergierenden Chitonfalten über der
Brust. Alle Falten entstehen durch cin Zichen des
tels — um Hüfte und Schulter — die zweite
Der Oberkörper beugt sich mit stark nach oben
verlagertem Schwer punkt vorniiber und dehnt sich
auscinander. Diese beiden Bewegungen werden
durch auseinanderweichende Faltenlinien beschrieben: die erste durch die Spannfalten des Mander sich dadurch schon in schräger Lage befindet.
Der Kraftstoss im Unterschenkel ist durch die ihn
umrahmenden Faltenlinien nachzuempfinden. Zugleich greifen die Hände krältig in die Ri ges
Der zurückgesetzte Oberschenkel hebt den Kessel,
Kampfes empfinden, von welchem
die jüngere
Schwester nichts ahnt,
Jetzt muss untersucht werden, ob auch das
Verhältnis zwischen den Randfiguren sich von
dem
der anderen Reliefs unterscheidet. Möbius
stellt
die Untersuchung der Dreihgurengruppen
auf
Die stilistische Untersuchung wird auf Paionios
führen. Die Mittelfigur zeigt die versclbständigten
Ben egungsimpulse, welche seinem Stile geläufig
sind. Überdies werden sie vom Ausdruck der
Faltenlinien unterstützt.
Il. VERGLEICH pes Srtres.
Die Mittelfig
figurenkomposition völlig umformen musste,
aus dem Bilde lässt die Einsamkeit des innere
n
Abb. 34. Kopf der mittleren Peliade, Kor
ist die
Gestalt auf die andere: cin langsam lortschreitender, eben noch unentschicdener Prozess.
Es nimmt nicht Wunder, dass er für dieses eigentiimliche Ausdrucksbedürlnis die statische Dreistellen beabsichtigt,
Der Ausdruckswille des Künstlers greift aber noch
weiter: dem zwingenden Blick von Medea entspricht das Schwinden des Widerstandes in der
Peliade. Deren Zögern ist offensichtlich bloss ein
nach Zögern: sie hält das gezogene Schwert schon
in der Hand. Was der Künstler anscheinend darzuansparent drapery over leg
Verwandtschaft des Masters B mit Painnios,
trennende Falte an die Nike des Paionios, auf S. 35 betont er die
Parapet, Taf. XI. Auf S. 31 erinnert Carpemer für die die Beine
and thigh, with sharply edged ridges in very
di
ve pattern”.
13° Nach Phot. d. deutsch, arch. Inst. Athen. — Carpenter, The
15 Carpenter, 4.5.0, 62: „the
Faltenlinien des vorgesetzten Beines werden in
ihrem Taufe durch die Falte, welche die Beine
trennt, unterbrochen, wiederum, weil der Stoll’
sich dem Beine anschmiegt. Tatsächlich muss der
Stoff sich nach innen falten, damit eine Mittelfalte
entstehen kann. Den „Master B" reizt cs, dies
deutlich zu zeigen.
Das Gewand ist also viel stofflicher empfunden als
bei den Figuren des Paionios, wo alle Falten in
einem ungebrochenen Schwunge verlaufen (vgl.
immer bei Paionios. Sie schmiegen an den Stellen,
wo sie das Bein bedecken, sich diesem an. Die
linig über das zurückgesctzte Rein hinweg, wic
33)'%#. Hier schwingen die Falten sich nicht gradelemente zeigt, bietet sich zum Vergleich an (Abb.
„Master B”, die am meisten paioniosartige Formauf die Uberein: timmung mit dem Stile des Balustrademeisters B hin, da auch hier die Falten des
durchsichtigen Gewandes die Beine mit einem
liniengewebe überziehen!®. Der Unterschied
beider Stile kann aber einer sorgfältigen Betrachtung nicht verborgen bleiben. Die Nike vom
Carpenter weist, anlässlich der jüngeren Peliade,
hängt in einem Bausch herunter. So bildet sich ein
ausstrahlendes L'inienmuster über der Brust, welches der Auseinanderdehnung durch dic Armbewegung korrespondiert. Die Fähigkeit, durch die Faltenlinien das Auge des Betrachters „in einer gewollren Richtung mitzureissen” (vgl. Anm. 8),
hebt den Paioniosstil gegen alle anderen Stile ab.
löst hat, gleitet von der rechten Schulter ab und
führt. Der Oberarm presst die Endung gegen den
Körper. Dadurch wird der Stoff um die Schulter
straff gespannt. Das Aufwärtsziehen des Mantels
erzeugt die Spannfalten bei der Hülte und beim
Unterschenkel, Mit ihrer S-Form gliedern die drei
Partien von Spannfalten die Erscheinung und betonen den Kräftestoss des Beines und des Oberkörpers.
Durch das Ziehen des Mantels entstehen auch die
schrägen Falten im Chiton über der linken Brust.
Der Chiton, dessen Befestigung sich zum Teil gekörpers entlang, um die linke Schulter herumge-
Der zweite Seitenrand wird erst nach aufwärts um
die linke Hüfte, dann, der Rückseite des Ober-
41
159 By,
K
sl, Kat. Skulpt., IV, 1031, Taf. 38.—
Nach Phot. der Staatlich
= Der Zweig in
der Hand der rechten F
ve Erg
fusses, ebenso wie ihre Begründung durch den
Peliade der vorwärtsgerichtete Drang. Er wird
noch durch die Beugung des Kopfes und die
Schrage des Dreifusses gesteigert. In der Berliner
Replik (Abb. 35)?
fehlt die Schrage des Drei-
S. ur). Auf diese doppelte Weise wirkt bei der
wollten Richtung mitzureissen. Dem „Master B”
fehlt dieser Ausdruckswille: seine Faltenlinien
bekleiden durch ihre Brechung und Durchkreuzung
die Oberfläche mit einer schillernden Hülle.
Aus jenem Ausdruckswillen des Paionios erklärt
sich das nur ihm eigentümliche Verhältnis zwischen
Körper und Gewand. Das Ergebnis des zwischen
der Statuette in Venedig und einer Balustradenike
vom „Master E” durchgeführten Vergleiches ($. 32)
gilt auch für die Peliade. Paionios nimmt die Körperformen mittels der Umrissc in das einheitliche
Liniengewebe auf. Die Eindrücke, welche der Betrachter durch die Einfühlung in die Körperbewegung und durch die visuelle Anregungskraft der
Linien empfängt, schliessen sich zusammen (vgl.
$. 11). Dieser Auffassung entlehnen die Falten ihre
Fähigkeit, das Auge des Betrachters in der ge-
Abb. 35. Peliadenrelief, Ber.
Seite 19
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)Die Augen-
Der Findruck einer
Kenner,
65, Abb.
1965,
Tal, 18, RABesch. saga, 2, Abbot und RABesch.
rg
chsweise, dass
as Original voraussetzt
115,
Anm. 46,
das GeKopist „ungenau gearbeitet und
nu,
kompliziert geschen. Nach der Ansicht
+ 420 v. Chr:
r Pyxis
die Frau (inks v. d. Säule) auf
York Priv. Cell, 19är, Nr.
D. v. Botlimer, Ancient art fro New
243.
Kolpos bietet
e Parallete für die Übergürtung des tangen
Simon hat der
wandmotiy ver
vandmotiv v
kl
N
1941, 68. Als das stati
11: Carpenter, MAAR.
Th elda: 63 H., Taf.
sr das Original der
betrachtet Car
These,
die
Gram. 1464, 21°, wendete sich gegen
se, E. Simon,
al im 5. Jh. v. Chr. entstanden sein künnte,
lass dieses OF
haben das
gur fi
UB Sawohl Carpenter, 6%, Ms Simon,
1060: Mébius, 18. — E. Sime
1154; Ho Götze, RM. 1938, 20
1952, 62, Anm. 423 W Fuchs i
HR W, Amelung in Helbig, Führer durch
Ri 3,1, 1913, Nr.
H. Thompson, Hesperia,
+ ührer!, 1, 1963 Nie
greifen der
lich übergürtet war!"®. Durch das Hinein
Stoffschichten ;
Hand teilt sich der Kolpos in zwei
greift in den langen Kolpox hinein
, der wahrscheingung unterwelcher Paionios die Körperbewe
dnung sorgstützt. Wieder ist die Gewandanor
diesmal ein
fältig überlegtl#?. sie erzeugt auch
Ziehen dur Falten (vgl. S. 32 und 41).
sich stützt,
Die Hand, auf welche der Ellbogen
hat.
linien, mittels
Dies erhellt aus den Falten
„über den
3 " OQ. Kern, ful. 1888, 69: die rechte Hand hänge
auf S. 45
Ring weg schiff herunter”. Die Handlung wurde
und 637,3:
M2 Nimlich bei der Amazone 637,4 (vg). An m. 52)
st nachgestrebt
ter dem getadelten Ergebnis bewus
Wie dem auch sei, soviel ist sicher
, dass der Künst-
Gruppenfigur
eines statuarischen Vorbildes in eine
:
erklärt wurdet##.
te Umwandlung
rechnet, die durch die ungeschick
sie die Schrägstellu
.
erklärt,
Literatur bei FE. B.
Lt Nach Phot. d. Mus. Korinth, — Alle
diese Autorin hat
Harrison, Hesperia, 1964, Tire Anm. 1. First
im Kopf cine Replik der Pelisde erkannt.
schwer aul
zweiter Unterdie Seite der Steilfalten stützt. Ein
gten Beincs,
gebeu
des
ung
Richt
die
t
betriff
schied
auch noch
rn
sonde
ts,
vorwär
nur
das sich nicht
seitwärts bewegt.
e ist bis jetzt
Die Labilitit der sinnenden Peliad
et oder dem
entweder nicht ausreichend beacht
keit angenglich
Unzulä
als
als
Origin
de:
fer
Schöp
rn sich
einen Ausgleich schaflt, sonde
Bewegung des
\abilen Haltung wird durch die
wie bei der
nicht,
der
n,
gerufe
hervor
Oberkörpers
bewegung
Statuette in Venedig durch die Gegen
sig in die Länge gezogen ist.
den
lassen die Schrägstellung der ganzen Figur für
Augenblick ausser Betracht, da sie allgemein dem
Kopisten zugeschrieben wirdt3,
vanze
Auch ohne die Schrägstellung zeigt sich dic
handelt es sich
jetzt um einen Drang seitwärts. Wir
Die ältere Peliade.
der MitDiese schliesst sich dem Bewegungsdrang
ene
telfigur zur Bildmitte hin auf mehr verhalt
Weise an. Da die Gestalt in Vorderansicht steht,
rieses
bildung entspricht derjenigen des Bassacf
Schopf
(vgl. Anm. 64). Die Haare sind zu einem
des
aufgebunden, wie bei einigen Amazonen
langen,
Frise, Die Stilisierung der Haare in
|
parallelen Wellen ist auch die gleiche.
tung der Köpfe in der Kopie Lateran.
en
Griff. Auch alle anderen, bis jetzt betont
oder
Züge sind in dieser Kopic entstellt, verunklärt
verschliffen.
34)?"
Die Kopie des Kopfes in Korinth (Abb.
Frhalentschädigt einigermassen für die schlechte
Rom.
Abb. 36. Ei rydikerclief, Villa Torlonia,
einen Beines, ohne
dazu verandass die Senkung der Beckenachse es
einhüfte
Standb
n
dende
ausla
der
n
Fehle
Das
lat.
Steilnde
fgche
hinau
hoch
durch
wird wiederum
wirkt bei der
falten hervorgehoben. Dieses Mitrel
körper übermiäsPeliade noch stärker, da der Unter
gestellt wurde, die Beugung des
26). Das Eigenvon Venedig bekannt ist (Abh.
($. 32) festtümliche jener Haltung ist, wie oben
aus der Statuetle
kletischen Kontrapostes, die uns
Paionios benützte hierfür die Variat
ion des polyng bestimmt,
Haltung durch die Seitwärtsbewegu
tändigen die Umr
rarmes.
leistet
Gezogenwerden. Ihm
phattes Zusammenhaldas Mädchen durch ein kram
nd.
rsta
ten den letzten Wide
her Griff des Künstlers,
Es ist gewiss ein glücklic
Kampfes mit der der
„die Gebärde des inneren
inden”. Dieser Umverb
74
ng
mlu
Sam
ren
inne
Peliade schliesst G.
der
ung
Halt
der
ng
schreibu
die Peliade „unter
dass
an,
ung
Deut
Neumann die
den Kopf zur
fes”
Kamp
ren
den Qualen des inne
sondern das magische
bei der älteren Peli
der Beine
zu hande
zum Vorschein kommt,
aber um einen Roel enmantel
. Bildwerken,
rerationen von sechs griech
117 Wenn L. Curtius, Inzerp
Eurydike den
mit der Annahme, dass
hätte
recht
94:
te
1947,
Schleier auf dem Haup
Peplasüberfall wie ei
vorde
nt sich
der Brust erklärt. Es schei
unter
n
Falte
die
wären
trägt,
la, der an jeder Seite
verlängert,
EN, Medea, 952»
23» 1°
steil
Perser die Spitze der ‘Tiara
, Epenc
182 Nach H. Thic
ier, nur die Brust hedec!
196r,
151 Xenophon, Aneb. Ig,
1965, 120-
Medea des Dreifigurenrelief:
43
von Götze, RM. 1938, 24%. Über die
159 Der Ausdruck stammt
g der Perser, 19334 57+
150 4, Schoppa. Die Darstellun a: E.
Arte Ans. IV,
he Tracht der Mede
448 Gesten und Gebärden,
. jede Finzelhe
schaftig mit dem Dreifuss
älteren Peliade: ausder Kontrastwirkung zu der
strenge Melonenfrisur,
Iadender Haarschopf gegen
ne gegen Steilfalten,
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Entlaltun
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der Schwestern gegentrennt, steht ihr die Gruppe
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dessen Falten dem vorgeherabfallende Ependytes,
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der schwer
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die Armel der Kante:
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die
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ihrer Mütze,
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Medea driickt gesammelten,
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die Hängefalten des
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Das hierdurch entstandene,
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welche durch
Seite 20
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)eng zusammengerückt. Curtius tadelt die Härte der
Überschneidung (Anm. 161). Man muss sie linienmässig werten um der Überlegtheit der Gruppenkörper und im Kopf der einen Figur formal auf den
der anderen Figur bezogen. Die Mittelfigur scheint
den Bewegungsdrang der Randligur zu übernchbildung gerecht zu werden. Dass der Künstler
men, und diesen entfaltend auf Medea hinzuführen.
diese Einstellung vom Betrachter fordert, hat er
durch die Reliefbehandlung angedeutet. Beide
Figuren sind in cine einzige Relicfschicht hineingezwungen; die sich überschneidenden Arme befinden sich nebeneinander statt hintereinander.
Diese Reliefbehandlung entspricht der des Bassacfricses158,
Aus der Paionios geläufigen Umformung der natürlichen Gestalt zu einem Liniengebilde geht auch
die Auffassung der Gruppenbildung hervor. Das
Verfahren von „Teilen und Fügen” dehnt sich auf
die Gruppe aus. Hierin verrät sich Paionios’ nordgriechische Abstammung!§4, Nicht nur die Figur,
Der Eindruck wird durch die Linie verstärkt, welche den Schultern der beiden Mädchen entlang
in den vorgestreckten Arm der Mittelfigur ausläuft,
Diese Linie hat eine ungeheuere Ausdruckskraft;
pulse der verschiedenen Figuren treten in eine
unmittelbare Beziehung zu einander, weil dic
äusseren Formen einander angeglichen sind. Der
sie ist wohl als die wichtigste Linie der ganzen
Komposition zu bezeichnen, Die labile Haltung
der zögernden Peliade wurde schon als eine magische Gezogenheit gedeutet. Verbindet man
diesen Ausdruck mit dem der Schulter-Armlinie
der Gruppe, dann scheint die schräge Haltung der
Peliade wie die letzte Folge und gleichsam die Erfüllung desselben Ausdruckswillens.
Das Ausdrucksmittel ist aber so kühn und einmalig,
dass man sich allgemein gesträubt hat, es anzuerkennen. Man hat sich mit der Vermutung geholfen, der
Kopist habe durch ein Verschen die ganze Gruppe
schief aul die Tafel gebracht (Anm. 143). Die Berliner Replik, wo dieser Fehler nicht begangen wäre,
schien diese Vermutung zu bestätigen (Abb. 35).
Fin genauer Vergleich der beiden Kopien enthüllt
aber die Täuschung im Ausgangspunkt der Theorie.
Es sind nicht die gleichen Haltungen, die in der Replik Lateran schief, und in der Berliner Kopie richtig auf die Tafel gebracht sind. Die längst beachtete
Normalisierung der ungewöhnlichen Proportion
der älteren Peliade ist nicht der einzige Unterschied, der die Berliner Replik von der anderen
trennt. Wichtiger ist die völlige Erschlaffung der
Bewegungsimpulse und die Trübung der Bewe-
Zusammenhang in der Einzelfigur ist geringer, der
gungssuggestion der Linie,
überfigürliche Zusammenhang aber viel stärker
als in attischen Gruppen. Aus dem Hassacfricse sei
nur ein einziges Beispiel dieser eigentümlichen
Ausdruckssprache herausgegriffen: die Gruppe von
Es sei ein Detail als verdeutlichendes Beispiel dieser Unzulänglichkcit des Kopisten herausgegriffenDer zurückgesetzte Unterschenkel der jüngeren
Peliade entwickelt keine Stosskralt; die ausdrucksmässig wichtigen — den Unterschenkel überquerenden - Falten sind unterdrückt.
Auf gleiche Art ist die „magisch-gezogene” Schulter-Armlinie ihrer Bewegungssuggestion beraubt.
Die linke Schulter der Randfigur, wo der Bewegungsstrom anfangen soll, wird vom Arm hinuntergezogen, der vorgestreckte Arm der Mittelfigur ist zu schlaffund geknickt, um den Bewegungsstrom weiterzuführen. Die Vorderansicht des
stützenden Handgelenkes der älteren Peliade erschwert den Anschluss der zwei Schulterlinien.
sondern auch die Gruppe erscheint wie ein Liniengebilde, in dem die ornamentale Gesetzmässigkeit
eine visuelle Einheitlichkeit erzeugt.
Diese Auffassung kennzeichnet die Gruppenbildung
des Peliadenrelicfs. Der Oberarm der Mittelfigur
und die Schwertscheide der älteren Schwester
bilden eine ungebrochene Linie. Dadurch entsteht
ein fünfstrahliger Stern mit dem Ellbogen der
älteren Peliade als Mittelpunkt. Die Wiederholung
der Kurven und die Parallelität der gerade geführten Linien sind ebensoviele Mittel, die Gruppe
als lineare Einheit wirken zu lassen. Der Sinn der
Wirkung erschöpft sich aber nicht im formalen
Wohlklang. Die verselbstindigten Bewegungsim-
Amazone und Grieche der Platte 537,2, 3 (gl.
Anm, 142). Ihr Bein gibt seinem rohen Niedertreten nach, sein Blick erwidert den ihrigen.
So ist bei den gleichgerichteten Peliaden der Bewegungsstoss im zurückgesetzten Bein, im Ober152 Zu vergleichen sind z.R, die Gruppen 532,3,4 (Anm. 62),
$28,3,4 (Kenner, Taf. 9 und RABesch. 1961, 28, Abb. 41) und
520,3,4 (Kenner, Taf. ı).
184 Vgl, für Beispiele: BABesch. 1061, 34 f., wo diese Art von
Gruppenbildung mit „Ke
on” angedeutet wird. Die Rezeichnung „Teilen und Fügen” verdient aber den Vorzug, weil
sie sich auch auf die Einzelligur anwenden list,
44
Nicht nur die Ausdruckskraft der Linie, sondern
auch die des Körperrhythmus wird in der Berliner
Kopie erheblich geschwächt. Vom Bewegungsimpuls des Oberkörpers der jüngeren Peliade ist
kaum etwas zu verspüren. Es kann nicht Wunder
nehmen, dass ihre Beschäftigung mit dem Dreifuss
unverstanden geblieben ist und dieser deshalb gerade aul den Beinen steht (vgl. Anm. 140).
Soll wirklich dieses erschlaffte und getrübte Abbild
dem Original näher stehen als die Kopie Lateran?
Es ist kaum anzunehmen. Dann hätte der Verfertiger der Kopie Lateran die individuellen Ausdrucksmittel des Paionios — die verselbständigten
Bewegungsimpulse und die Bewegungssupgestion
der Linie - ohne Vorbild in seine Kopie hineingebracht.
Es
sicht
vielmehr aus,
als
ob
der
Berliner
Kopist die ihm nicht geläuligen Ausdrucksmittel
des Originals entweder gar nicht aulnahm oder
doch abschwächte. Die schräge Haltung der Peliade
nische Verhältnis von Figuren und Umrahmung
empfunden haben, sondern als ein gelungenes
Mittel, den Rahmen ausdrucksmässig in die Darstellung mit einzubeziehen. Die gleiche Auffassung
kennzeichnet ja seine Komposition: er spielt das
Moment des statischen Gleichgewichtes an, nur
um es zu durchbrechen.
Dies ist auch im Bassacfries seine Methode, der
Komposition einen bewegten Zug aufzuzwingen. In
der Platte 539 ist die Amazone aus der Achse gerückt, die sich aus den antithetischen Seitengruppen ergibU55. Der rechte Kentaur der dreifigurigen Kaineusgruppe der Platte 530 durchbricht
dic antithetische Ausgewogenheit der Plerdekörper (Abb. 3)258.
Die Bewegung der Figur wird durch die Unausgeglichenheit, die sie in die Komposition hineinbringt,
nachdrücklich als eine sich eben vallziehende
gekennzeichnet. Der Eindruck des impulsiven
Aufwallens, den die Bewegungen der Paioniosfiguwire ein Beispiel des letzteren Verfahrens, denn
ren an sich schon hervorrufen, wird dadurch noch
schräg ist sie noch immer, wie namentlich in den
Steilfalten erkennbar ist. Er muss diese Schräge im
verstärkt. Aul diese Weise versucht Paionios anzudeuten, dass die Gestalten auf einen von aussen her
Original vorgefunden haben, denn eine Bedeutung
aufsie wirkenden Reiz reagieren, oder dass sie diese
Wirkung auf ihr Gegenüber erzielen, bisweilen solegt er ihr nicht bei. Auch ist er nicht empfindlich
lür die ornamentale Gesetzmässigkeit der Gruppenbildung, die in der Replik Lateran cine grosse Rolle
spielt. Hier sind die Steillalten nicht nur dem vorgesetzten Bein der jiingeren Schwester parallel
geführt, sondern auch den Zickzackfalten zwischen
ihren Beinen und dem auffällig geschlossenen Aussenumriss des gebeugten Beines der Randfigur.
Diese ornamentale Angleichung der Linien ist
wiederum ein Stilmerkmal des Paionios, das der
Berliner Kopist verunklärt hat. Der Verfertiger der
Replik Lateran dagegen hat ollenbar schr genau
kopiert. Wir können nicht umhin, die Schräge der
ganzen Gruppe für das Original vorauszusetzen.
gar beides zu gleicher Zeit.
Die Motivuntersuchung des Bassaefrieses lehrt,
dass alle übernommenen Motive in diesem Sinne
umgewandelt sindi57, Wir haben noch nicht untersucht, welche Motive Paionios in den früheren
literarischen und bildlichen Darstellungen vorfand,
die er benützen konnte. Es hat sich aber schon
herausgestellt, dass er dem Mythos eine Situation
abgewonnen hat, die jenem oben umschriebenen
Ausdrucksbedürfnis entgegenkommt ($. 40). Hierdurch unterscheidet das Peliadenrelief
sich von den
anderen Dreifigurenreliels, die sich mit autonomen,
in sich geschlossenen Gestalten belassen.
Dessen Künstler, der an der linken Seite des Re-
Das Peliadenrelief nimmt in stilistischer, in komliefs Umriss der Figur und Bildrahmen zusammenfallen lässt, hat sich nicht gescheut, die Schrage der
Peliadengruppe durch die Abweichung von der
tektonischen Umrahmung zu betonen. lin derartig
atektonisches Empfinden hebt nun vollends das
Peliadenrelief aus der Reihe der vier Dreifigurenreliefs heraus.
positorischer und in motivischer Beziehung eine
Ausnahmestellung ein, die auf Paionios als dessen
Urheber führt.
Im Hesperidenrelief klingt das Motiv der linken
Randfigur an, die auf die rechte durch den Blick zu
wirken versucht. Das Ergebnis der Wirkung kommt
55 Kenner, Taf. 23, BABesch, 1959, 30, Abb. zo und BABesch.
1966, 24, Abb. 11, dazu S. 24.
Zusammenfassung.
Paionios mag allerdings die Schrägstellung der
Gruppe nicht als cinen Verstoss gegen das tekto-
.
156 J. Charbonneaux, La wulpr. gr. class, Il, 72, geht bei der
Behauptung, hier sei ein statisches Gleichgewicht dargestellt,
von Kaineus aus.
157 Vgl. BABesch, 1961, 60.
Seite 21
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)wenigstens an einen einzigen Künstler, der nicht
loren. Wir besitzen einzelne Fragmente, weiter
näher bestimmt werden kann.
die kurze Zusammenlassung des Inhalts durch einen
späten Schriftstellert%® und schliesslich die bildlichen Nachklänge.
Aus der Zusammenfassung des Inhalts geht hervor,
dass Medea in der Tragödie des Euripides durch die
Widderprobe die Peliaden von ihrer Verjüngungsmacht überzeugte. Ob sie nachher noch die Mädchen überreden musste, ist weder der Zusammenfassung des Inhalts noch den Fragmenten zu entnehmen!®,
Die bildlichen Darstellungen haben entweder dic
Widderprobe zum Gegenstande oder die Vorbereitungen zum Schlachten des greisen Vaters!, Auch
Von denjenigen, welche die stilistische Verwandtschalt von Peliade und Prokne ablehnten, ist an
erster Stelle Carpenter zu nennen. Fr hob die abweichende Gewandbchandlung und die labile
Haltung der Peliade hervor!#, Der zweite Gelehrte, der sich entschieden — diesmal aus kompositionellen Gründen — gegen Schraders These
wandte, ist I. Curtiust®!, Nur das Eurydikcreliel
Abb. 37. Aura, Thermenmuseum, Rom.
aber nicht zum Ausdruck. Die statische Komposition gestattet nicht, über die Darstellung der
Spannung hinauszukommen. Deshalb konnte dieses
Relief im idyllisierenden Sinne gedeutet werden.
Die Freiheit van der attischen Tradition unterschcidet Paionios von seinen attischen Kollegen,
mit welchen er fiir die skulpturale Dekoration des
Monumentes zusammenarbeitete.
Die bisherige stilistische Beurteilu ng.
In der bisherigen stilistischen Beurteilung des Peliadenreliefs bildete der attische Stil der anderen
Reliefs immer den Ausgangspunkt. Uber die Kennzeichen eines eigenen Stiles im Peliadenrelief wurde
entweder hinweggesehen oder sie wurden als
fehlerhafte Abweichungen bloss negativ gewertet.
Veranlasst durch die motivische Verwandtschaft
hat H. Schrader die Prokne-Statue des Alkamencs
auch in stilistischer Hinsicht der älteren Peliade an
die Seite gestellti58. $. Karusu betrachtete die Abweichung beider Figuren vom polykletischen Kontrapost als eine positive Übereinstimmunglö®,
Wenige Gelchrten widersetzten sich der Zuschreibung von allen Reliefs an Alkamenes, oder
15% Phidias, von.
AM. insafss, 78.
46
schien ihm des Alkamenes würdig zu seinl®2, B,
Schlörb teilt dagegen dic vier Reliefs in zwei
Gruppen 483, K. Schefold ebenso, aber in zwei
anderelst,
Ein gewichtiger Verfechter der Stileinheit der vier
Dreihgurenreliefs ist H. Gétze!85, Seine Argumente überzeugen, soweit es sich um dic architektonische Einheit handelt'es. Aber seine Argumente fur die stilistische Verwandtschaft des Peliadenreliefs mit den anderen Reliefs sind anfechtbar. Die Faltenlinien unter der Brust!6? kommen
tatsächlich sowohl bei der älteren Peliade als bei
lässt sich aus ihnen folgern, dass Furipides schon
die dem Entgegenschicben des Dreifusses durch
die jüngere Schwester entspricht: die Kräuter
werden sofort ihre verjüngende Macht dem Wasser
mitteilen!?3. Aber die zögernde Schwester bezaubert sie mit ihrem Blick.
Hier knüpft Paionios an Umwandlungen im Medeatypus an, die sich in der bildenden Kunst schon
vor ihm vollzogen hatte. In der Darstellung des
Sisyphosmalers hält Medea, die den kolchischen
Drachen einschläfert, zwar den Zauberkasten in
der Hand, aber das Entscheidende ist ihre beschwörende Gebärde (Abb. 417. Die Zauberkraft hat sich vergeistigt. Ebenso ist es in der
jüngeren Darstellung des ‘Valoskraters!** offenbar
das böse Auge von Medea, dem die sonst unüberwindliche Kraft des Riesen erliegt. Die Vasendarstellung geht vielleicht auf ein Gemälde zurück,
lurydike vor. Aber wie oben dargelegt wurde,
den Unterschied zwischen den Schwestern herausgearbeitet hat!?2,
Eine dramatische Zuspitzung bilder das Motiv der
zögernden Tochter, die nachher die Mordtat vollbringt. Leider |
sich nicht mehr entscheiden
auf wen dieser Gedanke zurückgeht, auf Euripides
oder erst auf Paionios. Jedenfalls weist nichts
darauf hin, dass Euripides der Urheber dieses Gefügt sich diese Faltenbildung in den beiden Fällen
dankens war. Wahrscheinlich war es Paionias, denn
der Zauberkraft Medea’s eine mächtigere Wirkung
als in den Vasenbildern. Seine Medea will nicht
nur den Widerstand der Peliade lähmen, sondern
sie darüber hinaus zur aktiven Tat bewegen,
Das Ringen der Peliade um die Entschcidung erhält durch die sichtbare Wirkung der Medea auf
einem verschiedenen Zusammenhang cin, der ihre
Bedeutung in cincm verschiedenen Sinne bestimmt.
das Motiv erhält. erst seinen dramatischen Effekte
sie eine dramatische Zuspitzung, die, wie die Modurch die Situation, die Paionios zum Vorwurl
In den Skizzen, durch welche Götze die Stileinheit
wählte: Medea’s Überredung der Mädchen.
Bei der Widderprobe der früheren Tragödie vollzog sich die Umstimmung der Peliaden höchstwahrscheinlich in einem abrupten Umschwung.
Die Umstimmung entzog sich demzululge dem
Blicke des Betrachters. Die Überredung rückt die
schwere Entscheidung ins volle Licht. In dieser
psychologischen Vertiefung erscheint der Mythos
im Peliadenrclief, Die Gestalt der Medea hat sich
dadurch auch verwandelt. Bei der Widderprobe
verdankte sie ihre Überlegenheit der Macht der
Zauberkräuter; bei der Überredung siegt sie durch
tivgeschichte lehrt, Paionios weder in den literarischen nach bildlichen Darstellungen des
Mythos vorgebildet fand. Hier muss cine persönwahrscheinlich machen wilhfs, hebt sich das Peliadenreliel tatsächlich nicht aus der Reihe der
anderen heraus. Aber als Grundlage der Skizzc hat
die Berliner Kopie gedient, in welcher kein einziges der ungeläufigen Stilmerkmale des Originals
hinübergerettet ist. Gerade diese weisen auf die
Hand des Paionios.
IV. Dir MoTivGESCHICHT: nes PELIADENRELIEFS.
Den Stoff hat Paionios der Erstlingstragödie des
Euripides, Die Peliaden, aus dem Jahre 455 v. Chr.
entnehmen können. Das Werk selbst ist uns verihre geistige Kralt.
Zwar hält sie noch die Zauberbüchse in der Hand,
das Paionios gekannt haben mag. Er verleiht aber
liche Konzeption vorliegen. Die Frage, welche allgemeinen Anregungen seine Auffassung des Mythos
bestimmt haben, wird durch einen Blick auf die
psychologischen Tragödien des Euripides beantwortel.
Im Jahre 431 v. Chr. brachte Euripides die Gestalt
der Medea auf die Bühne, deren Entscheidung zur
Mordtat aus cinem Ringen zwischen zwei entgegengesetzten Trieben hervorgeht. Die Haltung, mit
welcher die Medea der Bühne ihre Worte begleitete, könnte derjenigen der Peliade ähnlich
gewesen sein!”s, Paionios land hier die Gestaltung
189 Mem. Am, Ar, Rom, 1941, 63; vgl. für Carpenters Wertung
der Jabilen Haltung: S. 42. - Die Gewandbehandlung von
Alkanenes wird von B, Freyer, Jd/. 1962, 200, treffend analvsiert.
15% A, Nauck — B, Snell, Trag. Gr. Frogm., 1964, 550 1.
17% Tür die diesbezügliche Behauptung von F. Simon, Gymn.
161 Interprevasianen, 89; über Curtius’ Meinung oben S, 44.
1954, 203, vermag ich keinen Beleg zu finden.
WL Das Verzeichnis findet man bei Simon, 207 f.
172 Hierhir gebt es drei Zeugnisse: 1) Schale Vatikan, zuletzt:
82 4,a.0., 104.
WR Unrers., 63, Aum. 19.
' Griech. Kunst als religiôses Phänomen, 1959, 107.
WA RM. 1038, 236 M.
ORM. 1938, 236, Alb. 3-65 dl, 1048/40, 92 f., Abb. 1 f.
Gôtre,
AM. 1938, 205, bemerkt zurecht, dass die Peliade der
Kapie Lateran schlanker und „nnklassischer” ist.
Kopf auf die Hand
Mus. 12. 17, zuletz!
ützt, 3) Ilydria Cambridge, Fitzwilliam
Neumann, 133, Abb. 65.
173 Auf der spätarchai hen Hydria London E 163, ARV, 258,
26, hält] sie beim Dreifuss den Zauberbecher in der Hand.
171 Vgl. Anm. 23. Sie verwendet die Gebärde der Epiphanie,
imaan, Gesten und Gebärden, 13°, Abb. 64. 2) EL.
val. Neumann, 0.0.0, yr HL
5, IM. 1323, 37, überliefert der Spiegel ein ausgezeich-
: F. Gerhard, Frruskische Spiegel, V, ‘Val. 92. Nach L.
15 Volutenkrater Ruvo, Jatta 1501; ARF, 1338, 1.
178 Zu denken ist an die Verse 1042-1064, die dem Entschluss
tisches Gemälde aus der 2. Hälfte des g. Jhs. v. Chr.
Pelias
stehr eine Tochter, die
rechte Hand
von Medea vorausgehen, ihre Söhne der Braut Jasons die tödlichen Brautgeschenke überbringen zu Jassen. In den Vis, 1736+
in Überredung heben. In der Linken
hält sie das in der Scheide
steekende Schwert. Hinter ihr sitzt die sinnende Schwester, den
1250 nimmt sie nach einer letzten Zögerung das Schwert wieder
in die Hand.
Seite 22
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)Das Bestreben, den Einfluss von aussen her sichtbar
Schrägstellung der Gestalt ändert den I:ifekt völlig.
Sie muss wohl die vom Künstler beabsichtigte
Aufstellung sein.
Die Figur würde in dieser Lage für ein rechtes
Eckakroter zu stark vornüberhängen. Aber, wie
werden zu lassen, hat, wie festzustellen war,
Paionios dazu gebracht, den scitwartsgerichteten
Trieb in der Haltung der Peliade bis zur Diskongruenz mit der tektonischen Umrahmung zu
steigern.
In den späteren Nachwirkungen der Haltung der
die Rekonstruktion veranschaulicht, schafft eine
an der rechten Körperseite ausschwingende Man-
Peliade, in welchen es sich um isolierte Einzeltelpartie den erforderlichen Ausgleich. Nun wäre
figuren handelt 178, ist dieser Aspekt der magischen Gezogenhcit selbstverständlich nicht aufgenommen. Vielleicht ist die Bekanntheit mit den
späteren Gestalten an der geringen Anerkennung,
welche jener Aspekt der Peliade gefunden hat, mit
Schuld.
eine solche Partie, Curtius’ Ansicht nach, unmöglich, weil nur die Linke den Mantel emporziehe und die rechte Hand den Kolposrand
fassel8t, Im Verlaufe dieser Abhandlung wird sich
zeigen, dass die vermeintlichen Indizien anders
zu deuten sind.
Die ganze Haltung der Gestalt lässt eine Kraftanstrengung verspüren, die im Emporrecken des
F, DIE „AURA” VOM PALATIN
rechten Armes gipfelt. Das Aufwärtsziehen des
Mantels würde hierfür cin sinnvolles Motiv ab-
I. Curtius, BrBr., Denkm. Nr. 766/7, 1947; E.
Paribeni, Mus. Naz. Rom., ı953, Taf. ç, Nr. ¢, mit
der älteren Literatur.
geben. Die Deutung nimmt die Rekonstruktion
vorweg! die Gestalt wird sich im nächsten Augenblick vom Baden erheben, und schweben, wie die
von Plinius beschriebenen Aurac „velificantes sua
Höhe: 0.72-2.88 M.
Hier Abb. 37, 38 und 40-42.
Aus pentelischem Marmor.
_
Abb. 38. Aura, in der früheren Aufstellung.
des psychologischen Prozesses, dic der Prokne des
Alkamenes noch vollkommen fehlt. Hier lässt nur
die Angst des Söhnchens die Gedanken der Mutter
ahnen.
Die Peliade zeigt darüber hinaus noch einen ande
ren Ausdruck. Die Medea des Euripides kamplt
zwischen zwei gleichen Tricben, die beide in der
eigenen Seele aufwallen; die Peliade wird durch
die Wirkung cines dem ihrigen überlegenen
Willens mitgerissen. Diesem Gedanken entspricht
die Rolle der Phaidra in der im Jahre 428 v. Chr.
aufgeführten Tragödie Hippelvtos mehr als die der
Medea. Verschiedene Stellen aus der Überredungsszene dieses Werkes mögen Paionios vorgeschwebt
haben, als er die Gestalt der Peliade schuf, wie sic,
trotz des ahnungsvollen Widerstandes, mitgerissen wird, Zu denken ist an Verse, wie die der
Trophos (Vs. 469 f.):
Wen der Schicksalstrom
mitreisst wie dich, kann nicht ans Ufer schwimmen.
Oder der Phaidra (ses f.):
Lobst du mir die Sünde,
Versink ich in den Abgrund, den ich fliehe?77,
48
Die Abbildungen 38 und 40-42 sind nach Photographien des deutschen archäologischen Instituts,
Rom, hergestellt, die Abbildung 37 nach einer
Aufnahme des Gabinetto Fotografico Nazionale.
Beschreibung und Stilbestimmung.
L. Curtius kommt der grosse Verdienst zu, in der
Figur ein rechtes Eckakroter und im Sul den des
Bassaefricscs erkannt zu haben. Er geht aber von
zwei Voraussetzungen aus, die dem Verständnis
des Motives im Wege stehen.
Er bestreitet die früher angenommene Schrägstellung der Gestalt, wie sic noch in den alten Abbildungen erscheint (hier Abb. 38 und 40-42),
weil er zurecht die Deutung verwirft, aus welcher
sie hervorgegangen war: die Deutung auf cine
stiertötende Nike!”%, Die jetzige Aufstellung im
Thermenmuseum ist die von Curtius verteidigte
(Abb.
37).
Der Versuch einer Rekonstruktion
Abb. 39. Rekonstruktion der Aura,
wird sich jede linzelheit in der Haltung und in der
(Abb. 39)'% zeigt aber, dass die Gestalt in der
alten Schrägstellung schon einer erheblichen Stütze
unter dem vordersten Fuss bedarf!®, kür die
Figur in Vertikalstellung würde diese Stütze soschr
erhöht werden müssen, dass sie störend wirken
würde.
Überdies hängt in der aufrechten Stellung das
nackte Bein, wie tot, aus der Gewandmasse heraus,
was Curtius selbst bemerkt, aber dem Künstler
als Mangel anrechnet!™.
Das vorgesctzte Bein zicht den Körper auseinander,
die Falten zwischen den Beinen hängen leblos
herab. Wie eine statisch herabhängende Gewandmasse auszuschen hat, lehri die „Statue Sotheby”'88:
ihr wohnt ein Gleichgewicht inne, das den Kalten
der „Aura” fehlt. Diese sind bewegt gedacht: die
127
ch der Übersetzung von H. van Arnim in E. Staes),
Furipides, |.
Wi Viertiber handelt S. Ferri: „Sulla motivo della Peliade
maggiore nel rilievo lateranense”, Boll, d'Arte XXX, 1937,
Yan ff.
9 Curtius, BrBr., Denkm, Nr. 765/7, Text (weiter zitiert als
„Curtius”), 1. Bei ei
stiertötenden Nike ruht dic Last des
Oberkorpers inner auf dem im Kniegebogenen, unrergeschlagenen
Bein,
veste” (S. 54).
Mit vielen aus dem Bassaefriese zum Vergleich herangezogenen Figuren — wovon manche auch in
Curtius’ Darlegungen fungieren — als Leitfaden,
WO Sie ist vom jungen Bildhauer EF, Vierling, meinen Anweisungen
entsprechend, ausgeführt.
1# Die noch erhaltenen Stützen der Akruterfiguren im Louvre
(vgl. Anny. 265) haben die Form eines vinfachen Blockes, Ob
wohl die Stütze bei der Aura sich an der Aussenseite befindet,
haben wir diese Form ü nommen,
WZS, yr ye... so hängt andererseits der linke (sic) nackte
Oberschenkel wie zu einer Sektion isoliert heraus”.
Faltenbildung der Aura” erklären lassen.
Dic Haltung zeigt, dem Paioniosstil entsprechend
(gl. S. 10), nicht einen Ruhepunkt in der Bewegung, auf die Weise von Polyklet oder Myron, sondern eine den Körper mitreissende Schwingung,
die dem „Rhythmus” des Pythagoras vergleichbar
ist. Beim Kentauren des Bassaelriesses 521,3 (Anm.
9) ist diese Schwingung aus dem motivischen Zusammenhang nachzuempfinden. Der Kentaur hat
den flüchtenden Lapithen angesprungen und zu
Fall gebracht. Im dargestellten Augenblick stemmt
er sich mit dem linken Vorderhul gegen die Schulter des Lapithen um, ausholend lür den Schlag,
den Oberkörper zurückzuschwingen.
Eine ähnliche dreifache Bewegungsschlinge durchzieht die Gestalt der „Aura”. Mit dem rechten ;
streckten Bein stösst sie vor, mit dem vor setzten
Bein stemmt sie sich gegen den Boden, der Ober189 BABewh. 19üg. 11, Abb. 27 mit Anm, 105. Die Kentifizierung von Paribeni (us. Naz. Ram, Nr. 5) der Statue
Sotheby mit der stieropfernden Nike der ehemaligen Sig. Marcon! (Clara, Mus. de wulpr., 1841-1865, Taf. 547, Nr. 1230),
leuchtet ein.
Seite 23
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)aber cine Häufung von verschiedenen, selbständig
wirkenden Ausdrucksmitteln würde den Sachverhalt besser bezeichnen. Diese Linien sollen ja erst
in zweiter Instanz als Falten gelten. Auch die
zügigen Linien, welche den Bauch umrahmen,
haben kaum den Anschein von Falten bekommen.
Vielmehr sind sie unmittelbare Träger der aufsteigenden Bewegung. Sic münden in die Falten
des Kolpos, in welchen der verselbständigte Bewegungsimpuls des Oberkörpers sich auswirkt,
Dieser Ausdruck der Falten ist bei der Amazone
der Friesplatte 533,2 vorgebildet (Abb. 43)!49,
Auch hier entstehen die Falten durch die rückwärtsgerichtete Schwingung des Oberkörpers.
Auch hier leiten Linie ‚ welche den Bauch umrahmen, aul sie hin. Sie sind aber bei der Aura”
kühner gebildet und stärker betont. So wird die
Spannung, die im Körper aufsteigt, anschaulich,
ein Phänomen, das sich ebenfalls bei der schon
von Curtius zum Vergleich herangezogenen Lapithin 524,129 beobachten lässt.
Bei beiden Figuren ist die Linie, als Ausdruck der
aufsteigenden Spannung, der Körperhaltung kongrucnt, Bei der Lapithin entlädt sich die Spannung
Abb. 40. Linke Seitenansicht der Aura.
in den ausgestreckten Armen. Auch die Haltune
der „Aura” lässt eine Armgebärde vermuten, in
körper übernimmt und steigert mit einem eigenen
Impuls die Bewegung nach rückwärts.
Die Linienmuster in der Faltenbildung,
welche die
Diese I orderung erfüllt die Annahme von Curtius,
die rechte Hand hebe den Kolpos, keineswegs.
Körperbewegung verdentlichen, sind mit einer
winzigen Ausnaline im Bassaelriesc zu belegen.
Der Ge gendruck, den das vo; esctzte Bein vom
Boden erfährt, kommt in den am Beinansatz
gestauten Faltenzügen zum Ausdruck, wie bei
welcher sich die Spannung zu entladen scheint.
oberhalb des Hauptes emporzog, dann würden die
im Körper wirkenden Kräfte eine Erfüllung, und
die am Körper aufsteigenden Valtenlinien eine Fortsetzung finden. Die Suggestion der aufstcigenden
Bewegung in Verbindung mit dem Impuls in den
Beinen würde beim Betrachter den Eindruck hervorrulen, die Gestalt hebe nicht nur den Mantel,
sondern auch sich selbst in die Luft empor.
Der Eindruck, den Curtius von der „Aura” empfängt, dass sie „aus den Fugen” gehe und „sich
selbst zersprengen zu wollen” scheinr!%2, beruht
auf seiner eigenen Ergänzung, welche die den
ganzen Körper durchzichende Spannung sich nicht
in einer sinnvollen Erfüllung entladen lässt. Den
erhaltenen Spuren des Mantels folgend, werden
wir an den Punkt gelangen, wo Curtius den Hinweis auf das Heben des Mantels mit der rechten
Hand übersicht.
Die rechte Seitenansicht zeigt, dass der Mantel
in ganzer Höhe abgebrochen ist (Abb. 42).
Nichts steht also der Annahme im Wege, dass hier
der Mantel sich ehemals noch weiter fortsetzte. In
der linken Seitenansicht ist der Rand des Mantels
erhalten (Abb. 40). Hinter den Falten des Chitons,
die sich in diejenigen des Kolpos und die des
unteren Chitons trennen lassen, wird der Mantel
Abb. 41. Rückenansicht der Aura.
mit seinen vielen laltenzügen sichtbar, die wie
durch den ausschwingenden Mantel ändert, ver-
Curtius richtig bemerkt!®,
von der linken Hand
ausgehen müssen.
sucht die Rekonstruktion anschaulich zu machen.
Wahrscheinlich war in der Vorderansicht erkennbar, dass der Mantel sich hinter dem Rücken in
zwei Schichten aufteilte. Diesen Zug hat die Rekon-
Ausserdem steht der noch verbliebene Rest des
rechten Armes zu dieser Vermutung im Widerspruch: der Oberarm muss ehemals emporgestreckt
gewesen sein.
Deshalb muss sich der Kolposrand aus eigener
Kraft emporgeschw ungen haben. Dies ist durchaus
anti, womit er sich das Verständnis für die dem
denkbar, dalür steht das Beispiel der Amazone
533,2 (Abb. 43) cin. Die emporschwingende
Bruchrand nahe Valtenbildung verbaut, nämlich
cine halbelliptische Senkung im Stoff, die nur
In der Rückcnansicht wird klar, dass der Mantel in
zwei Schichten gefaltet ist, deren jede durch den
Gegendruck des Windes überschlägt (Abb. 41).
struktion wenigstens andeuten wollen.
Curtius nimmt hier zu Unrecht drei Schichten
zwar höhcr als die Linke, denn die oberste Mantelschicht steigt empor. Curtius hält die Hängefalte
für den Rand der von ihm zu Unrecht vorausgesetzten dritten Stoffschicht. Dieser Irrtum versysteme eine „Auflösung durch Unterteilungen”!ss,
Kolpospartie der „Aura” lässt sich in der rechten
Seitenansicht (Abb. 42) und in der Abbildung von
Paribenit® genau analysieren. Der vordere Überschlag ist rückwärts gezogen und schlägt wieder
nach vorne über. Dessen Rand begleitet den Körperumriss . Hinter ihm erscheint der hintere Uberfall, der sich emporringelt. Die Faltenbildung erklärt sich also ohne Einwirkung der Hand.
Die Vertolgung des Mantelverlaufs hat uns die Gestalt umschreiten lassen. Dic Scitenansichten und
die Rückenansicht sind aber einer eingehenderen
Betrachtung wert. Sie erginzen die aus der Vorderansicht erschlossene dreifache Bewegungsschlinge.
In der rechten Seitenansicht kommt die vorwärts
und aufwärts gerichtete Bewegung zum Ausdruck
(Abb. 42), in der linken Seitenansicht dic Bewegung vorwärts und rückwärts (Abb. 40), in der
Rückenansicht diejenige rückwärts und aufwärts
hindert ihn zu erkennen, dass auch die rechte Hand
(Abb. 41).
Nehmen wir an, dass die rechte Hand den Mantel
den Mantel lasst. Wie grundsätzlich sich die Figur
"® Kenner, Taf, 20; BABesch. 1463, 81, Abb. 27.
188 Vgl. Ann. 155.
Mi Kenner, Tal, 115 BABesch. 1961, 14, Abb. 21 und BAResch,
18 Nach Phot. d. Brit, Mus.
128. x. Dem entspricht seine Auffassung der „richtungslos
56, Abb. 43 Curtius, 16,
12 4,a.0., Taf. 5, dazu Text zu Nr. 5.
13 6, 5,
1915, 4 und 5.
der
Amazone
540,415.
Einige
dieser
Falten
schwingen sich zum Knie, wie bei der Amazone
539,38, andere prallen mit den vom zurückgesetzten Bein vorausschwingenden Fallen keiltörmig zusammen, wic bei der Amazone g41,3187,
Die aufwärtsgestauten Falten auf dem vorgesetzten
Oberschenkel der „Aura” bilden cin neues Ausdrucksmittel für die aufwärtssteigende Kraft, die
das Bein dem Gegendruck des Bodens entlehnt.
Curtius empfindet im Nebeneinander der l'alten-
1965, Jo, Abb. 26,
BS, fg.
189 Kenner, Tal. 3 ; BABesch 1959, 8, Abb. 6 und RABesch, 1965,
entstehen kann, wenn der Stell zwischen zwei
Stützen entspannt herabhängt. Dies bedeutet, dass
auch die rechte Hand den Mantel heben muss, und
Bei der Betrachtung der verschiedenen Ansichten
fällt auf, dass jede sich als einheitliche Fläche dem
geführten Faltenzüge”,
Auge darbietet. Dieser Stilisierung entspricht die
vorherrschende Rolle der Linie. Die Linie hat eine
doppelte Funktion. Erstens regt sie das Auge des
Seite 24
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)führung der „Aura” und des Bassacfrieses auf eine
Auflösungserscheinung des attischen Stiles der
Jahrhundertwende.
In Curtius’ Beurteilung spielt die wichtigste Rolle
das „manieristische Aufteilungsprinzip”, welches
vor allem in der harten Körperzäsur zum Ausdruck
kommti%. Aber diese lässt sich als Aullösungserscheinung der Jahrhundertwende nicht erklären.
Sie tritt schon viel früher auf (S. 18) und entstammt einem anderen Bereich als dem der attischen Kunst, nämlich der Nachfolge des Stiles von
Pythagoras ($. 13). Die von Pythagoras noch halb
unbewusst angewendete Verselbständigung der
Teilbewegungen wird hier als bewusstes Formprinzip vorgetragen. Die Wechselwirkung der
Teile auf einander, welche die Bewegung aulhebt,
wird absichtlich vermieden. Dalür offenbart sich
die organische ersetzt (S. 11).
Die ornamentale Einheit wirkt besonders stark in
der geschlossenen linken Seitenansicht, die neben
der Vorderansicht am meisten dem Blick des Betrachters zugänglich war (Abb. 45). Die lalten des
vorderen
Uberschlags,
die
unter
der
Brust
vorausschwingen, verlaufen den Falten des hinteren
Uberschlags genau parallel. Der untere Rand des
hinteren Überschlags gleicht sich der Richtung der
auf dem Oberschenkel aufwärts gestauten Falten
an.
„Aura” noch zeichnerisch flach.
Die plastische
Auflockerung erweist die „Aura” als jüngeres Werk
zu gewaltsam erscheint, ist auf ihre Funktion als
tung der „Aura”.
Akroterfigur berechnet. Merkwürdigerweise grill
der Kunstler auf die Falten mit dem spitzen Rücken
seiner l'rühzeit zurück. Aber beim Kopenhagener
Ausdruckskraft der Linie, welche aus der pythaerzeugt (5. 10). Zweitens bildet sich aus allen Linien zusammen die ornamentale | inheit, welche
Zeitbestimmung.
Die Art, wie bei der Amazone des Bassacfrieses
533,2 (Abb. 43) die Falten den Rand des Überschlags auflockern, ist gemessen an derjenigen der
kein Verständnis entgegenbringen konnte, offen-
Völlig ungewürdigt bleibt in dieser Deutung die
der Körper mit seinen eigenen plastischen Mitteln
Erfüllung des dem Paionios innewohnenden Bestrebens: die Bewegung in cin Liniengebilde zu
bannen.
bart sich in seiner oben zitierten Deutung der Halziehender Prozess. Dass Curtius dieser Auflassung
Betrachters zur Bewegungsvorstellung an, welche
Vorderansicht aus. Die anderen Ansichten lassen
nur einen jeweils wechselnden Ausschnitt sichtbar
werden, Die „Aura” bringt die vollkommenste
und teilt sie der Stilstufe der Statuette von Venedig zu, die um 415 v. Chr. auf die des Bassaefrieses folgt (S. 37).
Die Licht- und Schattenwirkung, die bei der Auf
stellung in Augenhöhe und im Muscumsraum fast
die Bewegung als unabgeschlossener, sich cben voll-
Abb. 42. Rechte Seitenansicht der Aura.
voll zur Geltung, aber bei der „Aura” wirken sich
alle aufeinanderfolgenden Bewegungsimpulse in der
goreischen Bewegungsauffassung hervorkommt.
Die Linie, welche die den Körper durchzichende
Bewegung begleitet, soll das Auge des Betrachters mitreissen.
Abb. 43. Friesplatte 533,2: Amazone,
Mädchen (Abb. 7) sind diese Falten durch breite,
glatte Flächen, bei der „Aura” durch enge, ticle Kanäle getrennt. In jeder Beziehung stellt sich dieses
Deshalb ist die Wirkung
Werk als Extrem dar, von dem der Weg zurück
dieses wichtigsten Prinzips des Paionios ganz van
der Aufnahmefähigkeit des Betrachters abhängig.
Die Aura stellt wohl das extremste Erzeugnis dieser
Auffassung dar. Nie hat Paionios mit der Linie
einen kühneren Ausdruck erzielt. Noch nie trachtete die Linie der Masse derart ihre Schwere zu
nehmen, dass die Gestalt sich vom Boden zu crheben scheint.
Drei [liegende Gestalten hat Paionios uns hinterdie einzig mögliche Weiterentwicklung scheint.
Der Weg zurück ist in seinen folgenden Werken,
die dem Erechtheionlries gleichzeitig sein müssen,
eingeschlagen (S. 57). Die „Aura” ist demgemäss
wohl zwischen 415 und 416 v. Chr. anzusetzen.
Ein Eckakroter des Bassactempels?
Curtius stützte die Vermutung, die „Aura” sei das
den endgültigen Einbau der Platten in den ‘Tempel
zu überwachen. Fs ist wenig wahrscheinlich, dass
er etwa 5 Jahre später aus Athen zurückberufen
wurde, die „Aura” für den Bassaetempel zu schaffen. Das Akroter muss wohl einen anderen Tempel
geschmiickt haben.
Andere stilistischen Vergleiche.
Das Original der „Statue Sotheby”, das von Picard
als Gegenstück zur Aura” vorgeschlagen wurde
kalen I inien in sich aufzunehmen. Die das nackte
Bein umrahmenden Falten wachsen mit dem Bein
tend herankam (Anm. 35), die Nike, die im abwärtsgerichteten Hug sich der Tragkralt ihrer
Schwingen überlässt und dann die „Aura”,
die sich in grösster Kraftanstrengung emporschwingt.
Mit der Kühnheit des Motives steigert sich die
Zweidimensionalität der Gestaltung. Den Flug des
Apollon muss man sich aus drei Ansichten zuzu einer linienmässigen Einheit zusammen.
verträgt sich schwer mit der von Curtius aus der
Stilgleichheit gezogenen Folgerung.
Die rohe Verkürzung der Friesplatten zwingt uns
(Anm. 183), und somit ein linkes Eckakroter sein
müsste, scheint vielmehr auch ein rechtes Eckakroter gewesen zu sein. Die für ein linkes Akroter
erforderliche Stütze unter dem vordersten Fuss
würde ein kaum annehmliches Ausmass erhalten.
Überdies weicht der Stil wohl zu schr ab. Er
scheint nach Grossgriechenland zu weisen. Die
Falten zeigen eine attische Stilrichtung — etwa die
des Balustradenmeisters B (S. 41) - in geometrischer Erstarrung (vgl. $. 23).
sammenlesen, die schräg vorwärtsgerichtete Bc-
Vor allem Paribeni hat die ornamentale Finheitlichkeit gewürdigt. Dieses positive Stilprinzip
bildet das stärkste Argument gegen Curtius’ Rückanzunehmen, dass der Meister unmittelbar nach
S. Karusu hat die „Aura” zu einem Werk des
wegung der Nike kommt erst in der Seitenansicht
Fertigstellung des Frieses den Ort verliess, ohne
Agorakritos in Beziehung gesetzt: dem von ihr ent-
WES, 9; zum Aulteilungsgedanken von Curtius vgl. oben S. 49.
1% 5. 9. Er erinisst den Zeitabstand auch aus dem Unterschied
von der Amazone 433,2.
Aber auch in der Vorderansicht, wo der dynamische
Aspekt sich stärker geltend macht, wirkt die ornamentale Einheitlichkeit (Abb. 38). Der Kolposrand lockert sich, um die aufsteigenden verti-
52
lassen: den Apollon, der wie durch die Lult schreirechte Eckakroter des Bassactempels, auf den
Beweis, dass sie vom Meister stammt, der den
Fries entwarf, Auch er halt die „Aura” für ein
jüngeres Werk!96. Aber die in dieser Abhandlung
entwickelte These, dass wir aus derselben Schaffensperiode des Meisters ein sicherlich in Athen
entstandenes Werk besitzen (das Peliadenreliel),
deckten Mittelakroter aus Rhamnus, in welchem
der Raub der Oreithyia durch Borcas dargestellt
Seite 25
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)einer
verkleinerten,
schematisierenden
geht auch aus der Beschreibung van Kari
44-46, S. 184. - S. 195, Daticru
54
aus den Zentren
gur hervor
wand über der Gürtung wiede
werden”,
?00 Alscher, Griech, Plastik, I, Taf. 4°; Dohrn, Art. Plastik, Tat.
XX; J.F. Crome, Die Skulpturen des Asklepiostempels von Lpidauros, 1454, Taf, LML; F. Brommer, AM.
rna, srl.
DINO.
Arse Greca I, 5n3,
wee es bei dem mit solch festem Stand beinahe uny
Gewoge der Falten" (5. 183).
™ Im Test zu BrBr., Derk. N 766/7, Abb. 8-11; 8,
5.
1® Dies
Et AM, 1962, R
v. Chr,
bleibt: die Bewegung des Unterkörpers wirkt der
des Oberkörpers entgegen. Davon zeugen die
Falten über der Gürtung?®,
hinausweist und sic mitzureissen s
int, wie bei
Paionios, sondern eine Kraft, die auf sie beschränkt
ist frei von den Bindungen der Fläche, ihr fehlt die
klare Konturierung.
Dadurch ändert sich auch der Charakter des
Fluges, Die Beweglichkeit des Oberkörpers erzeugt jetzt nicht cine Kraft, die über die Figur
liert?2, unterscheiden die epidaurische Akroterfigur von der „Aura”: die Gestalr lebt im Raum, sie
stellt sich im Stile ganz auf die Seite des Agorakritos. Im Original dieses Werkes könnte das
linke Eckakroter des Tempels in Rhamnus vermutet werden.
Die von Paionios in der „Aura" geschaffene Unterscheidung des Fluges der menschlichen Gestalt von
dem der V ögel - nämlich durch die Beweglichkeit
in der Körpermitte — ist im westlichen Mittelakroter des Asklepiostempels in Epidauros200
weiter entwickelt. Alscher betont die Verwandtschaft mit der „Aura”®l, Aber die Kennzeichen
der jüngeren Stilstufe, welche Dohrn formu-
Curtius zum Vergleich mit der „Aura” heranzieht!®,
römischen Kopie überlieferte Seitenakroter, das
Das
ist? Auch hier sind die Falten zwar leidenschaltlich bewegt, aber die Kraftquelle ist i
diesem Falle stoflliches Figenleben, dessen Bewegung nicht der des Korpers entspricht!%
und sich keinem ordnenden Zwang fügt. Als
Werke verschiedener Hand könnten jenes Mittelakroter und die „Aura” wohl den gleichen
Giebel geschmückt haben, Eine gewisse, aber
nicht unüberwindliche Schwierigkeit bildet der
Zeitunderschied von mindestens to Jahren.
vorgeschlagene Frklärung der Haltung als Ansatz
hl ber
208 Roll, Com, requ, 153, Anm, 11,
209 FHS, XIN, 1803, 131. kr erinnerte dabei an die Aurac, welche
die Insel cl
gen umschweben,
XXV, 1,5. 167 f.
Skyphos Sydney 53.30: A. D. Treadall, Charives, 1967, Tat.
gal des
Ak. 1923, 45 G.B, Montana:
Aufste
abschweben, Dahrr
Crome, Epidauros, 22, empfinder
im Jahre 1893 vorschlug®®. Überdies kann Curtius’ Deutung unseres Eckakroters auf cine Aura
jetzt besser begründet werden. Sie scheint noch an
Wahrscheinlichkeit zu gewinnen durch dic oben
stalten als Aurae anzusprechen, wie schon J. Six
Durch das Vasenbild wird es nun möglich sich
die ,Aurac velificantes sua veste” wie die Nereiden
aus Xanthos vorzustellen und auch diese Ge-
Münzen von Kamarina,
Flügel oder sie tragendes geflügeltes Tier für ausgeschlossen®%8, Deshalb dachte er sich die „Aurae
velificantes sua veste” von einem Vogel getragen, in
Analogic mit der Nymphe auf einem Schwan der
eines neuen Namens und den „Aurac velificantes
sua veste”, die Plinius im Porticus von Octavia
sah?"7, die Möglichkeit einer neuen Gestalt.
G.E. Rizzo, dem das Vasenbild noch nicht bekannt
sein konnte, hielt die Darstellung einer Aura ohne
herausgestellt, dass die neuattischen Bildverbinden. F. Hauser dachte im Jahr 1906 bei der
hauer für ihre locker komponierten Darstellungen
oft Vorlagen aus verschiedenen Zeiten mit einander
sich
Erst durch die Untersuchungen von W. Fuchs hat
des photographischen Archivs des Museums im
Vatikan, die Abbildung 44 nach einer Aufnahme
des Gabinetto Fotografico Nazionale hergestellt.
98, 2a.
Hier Abb. 47.
Die Abbildungen 45 und 47 sind nach Aulnahmen
Hier Abb. 44.
3. Barock umgewandelte Kopie auf dem spätNlavischen Altar, Ny Carlsberg Glyptothek 745,
Kopenhagen: BrBr., Denkm. Nr, 599, Text, Abb.
8; Buchs, Vorbilder, 97, ı c.
Il. Die 2. Tänzerin.
Nur eine Kopie, und zwar auf der Basis Lateran:
BrBr., Denkm, Nr. 599 BC links; Fuchs, Vorbilder,
mus. Rom, Inv. 126377: Fuchs, Vorbilder, 97, 1 b.
CA rechts; Fuchs, Vor
Hier Abb. 45.
2. Kopic auf dem Grabaltar Mentana, Thermen-
Museum Lateran, Rom: BrBr., Denkm. Nr. 599
1. Kopie auf einer dreiscitigen Basis im ehemaligen
1. Die ı. Tänzerin.
nd die rechte H
|
55
212 Aryballos Louvre MNB 11103 ARWE, 1314,14; Pfuhl, Afu7.,
links).
1973, Abb. 542 (die erste
Mantel vom Oberkörper wegreisst
i
Yorbilder, 97; ders. in Helbig, Führer! 1,772, Ne. os: neee +
it der binken Hand einen Mantelden Mante öffnet, wobei :
Se auch Fuchs, Vorbilder, 97.
mitgerissen von der vorwärtsstossenden Kraft: er
rückwärtsziehende Kraft nicht mehr wirkt, scheint
schreitenden Gestalt finden wir als Tanzligur
beim Meidiasmaler?2. Bei unserer ‘Vinzerin ist
ein Gegensatz von Antrieb und Hemmung zu beobachten. Die Arme spannen den Mantel rückwärts, während die gestreckt schräge Körperhaltung eine Kralibetätigung verrät, welche den
Widerstand überwinden zu wollen scheint. Dieser
Eindruck wird von der vorwirtsstussenden Kopfbewegung verstärkt. Die Kopie Mentana hat diese
Bewegungen von Körper und Kopf ihrer Ausdruckskraft beraubt (Abb. 44), sie ist nur in der
Kopie Lateran erhalten.
À
Der Gegensatz zwischen vor rts- und rückwärtsgerichtetem Drang verdichtet sich in den beiden
sich durchkreuzenden Diagonalen der Spannfalten
und des Rückenumrisses. Gerade im Knotenpunkt
befindet sich die rechte Hand. Der frei von dieser
Hand herabfallende Mantelzipfel, auf welchen die
kann nur entstehen, wenn beide Hände ihn rückwarts ziehen. Die rückwärts bewegten Arme einer
G. DIE VORBILDER VON ZWEI
FRÜHNEUATTISCHEN FIGUREN
deutet den Abstand an, welcher das Ausdrucksbedürfnis des Paionios von dem der ionischen Kunst
trennt und ihn zur Übernahme der Ausdrucksformen der Pythagorasschule bewog.
im Lateran, weitaus die treueste?0. Obwohl die
I. Die ı. TÄNZERIN.
Beschreibung und Stilbestimmung.
Von den Kopien, welche es von dieser Figur gibt,
ist ohne Zweifel diejenige auf der Basis, ehemals
einheitliche Vorlage aus dem 4. Jh. v. Chr. Fuchs
hat die beiden oben genannten Figuren herausgehoben und ihre Vorbilder demselben Meister aus
dem späten 5. Jh. v. Chr. zugeschrieben.
Veröffentlichung der frühneuattischen Lateranbasis (in BrBr., Denkm. Nr. 699) noch an eine
Ecke mit dem linken Arm und der Mantelpartie
fehlt, müssen wir von ihr ausgehen (Abb. 45).
Die Gebärde der Arme ist nur aus dieser Kopie
richtig zu deuten. Hier ist der Faltenwulst um die
Körpermitte straf gespannt. Auch zeichnen sich
neben dem Körper Spannfalten ab, die zur erhobenen Hand führen. Die bisher vorgeschlagene
Deutung der Öffnung des Mantels. trifft also
nicht ganz das Richtige. Jene Spannung im Mantel
welches Curtius’ Deutung eine sichere Basis gibt.
Es legt den Typus einer Aura fest: ein llügelloses
Mädchen mit einem vom Wind geblähten Gewand
wird inschriflich Aura benannt2%.
Zwar hat die Aura sich hier auf einen Felsen zur
Rast gesetzt, aber die Raststelle inmitten der
Wellen setzt den Flug voraus. Dieses Vasenbild
gibt den Nereiden aus Xanthos die Möglichkeit
zwischen ist ein italiotisches Vasenbild aufgetaucht,
Mit der Deutung auf eine Aura har Curtius wohl
das Richtige getroffen. Sein Ausgangspunkt — di
Mädchen des Astragal von Sotades®5 - ist allerdings nicht einwandfrei, da diese Mädchen auch
als Wolken gedeutet werden können. Aber in-
Deurung.
Zeit aber Bestimmtheit der flächenhaft gerichteten
Bewegung verloren
der Funktion als Eckakroter. Vom Tempel aus wird
die Aura herabschweben. Dem Charakter einer
Windgôttin gemäss, taucht sie nicht jäh hinab,
sondern schwingt sich erst von der Giebelecke
empor,
Von den Nereiden aus Xanthos unterscheidet sie
sich durch den zur Darstellung gewählten Moment
des Fluges. Sie befindet sich nicht schon in einem
mühelosen Schwebezustand, sondern ihre Körperschwere muss erst durch eine Kraftbetätigung überwunden werden. Der Unterschied in der Auffassung
zum Huge.
Diese Vorstellung verträgt sich ausgezeichnet mit
der Bewegung im Raum gewonnen, zu gleicher
Die Gestalt gibt sich selbst eine wirbelnde Bewegung, die weder eindeutig aufwärts noch abwärts
führt20t, Im Vergleich mit der „Aura”, ist Freiheit
Seite 26
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)Schattenwirkung hervorgehoben. Der Stil des
Erechtheionfrieses bedeutet den gleichen Einschnitt in der Entwicklung der attischen Kunst
(vgl. S. 36). Ollenbar lässt Paionios sich durch die
Zeitströmung tragen. Wir müssen das Original
der Tänzerin nach 409 v. Chr. entstanden denken.
Andere Vergleiche.
Fuchs hat zwei Figuren zum Vergleich herangezogen?!!, die allerdings in einem entgegengesetzten
Verhältnis zur betrachteten Gestalt stehen. Es sind
eine Balustradenike vom „Master B" (Abb. 463215,
und die Lapithin des Bassaefrieses 530,5 (Abb,
3). Die Bassaefigur zeigt, genau so wie die
Tänzerin Lateran, verschiedene gegeneinander abgchobene Bewegungsimpulse, die jeder durch dic
Faltenlinien veranschaulicht werden (S. 11). Die
Gliederung des Körpers entspricht der des Gewandes.
Bei der Balustradenike ist diese Entsprechung absichtlich durchbrochen. Die Trennung der Beine
wird durch den Mantel verschleiert statt hervorgehoben, und zwar in doppelter Beziehung: erstens
durch den Mantelzipfel, der zwischen den Beinen
herabfällt, zweitens durch den Mantelwulst, der
sich um die Kérpermitte legt. Gerade die Stelle,
wo sich die Beine vom Körper trennen — sie wird
Abb. 44 und 45. Tänzerin, Thermenmus. und ehemals Lateran, Rom.
entrollt sich und folgt der Richtung des vorgesetzten Beines. Diese Faltenbewegung ist zu erklären aus der Art, wie der Mantelrand gefasst
wird, nämlich nicht an der Eckc, sondern aneiner
Stelle, die etwas mehr zurückliegt, so dass der
Zipfel wieder überschlägr.
In der Kopie Mentana ist diese Partie falsch verstanden, aber in der Lateranenser Replik wirkt sie
klar und eindeutig. Leider lässt diese Kopie uns für
die Falten in Kniehöhe im Stich. Eine spätere Überarbeitung hat diese Stelle, die wahrscheinlich beschädigt war, verunklärt18, Die Kopie Mentana
zeigt, dass es sich um cine sich gabelnde Falte
handelt, die sich wieder in einer mit spitzem Rücken
vereinheitlicht. In dieser Kopie zeichnet sich auch
der senkrechte Mantelrand klarer von den Chitonfalten ab, welche ihm parallel verlaufen. Der Fckbommel ist noch sichtbar.
Andererseits ist für das Gewand am vorgesetzten
Bein die Kopic Lateran wieder heranzuziehen. Hier
geht eine Einzelfalte vom Knie aus, welche die
22 Die Überarbeitung wurde schon van Hauser, BeBr. 500, 4,
festgestellt.
56
Bewegung veranschaulicht und zugleich den Unterdurch die Peplosfalten nachdrücklich als solche
schenkel umschreibt. Der Stoll, den diese Valte
braucht, um sich beim Freiwerden vom Bein
gekennzeichnet —, wird vom Mantel umschlossen.
Auch die Thoraxgrenze wird zu gleicher Zeit beplastisch
tont und verunklärt.
erheben
zu
können,
wird
von
oben
weggezogen. Die daraus entstehende Zugfalte betont den Limriss des Oberschenkels. Ihr parallel
verläuft der sich entrollende Mantelzipfel zwischen
den Beinen.
Diese mühsame Analyse der zwei Kopien ergibt
ein einheitliches Bild des Stiles: sich gegeneinander abhebende Bewegungsimpulse, veranschaulicht von den Faltenlinien, die zugleich die Körperumrisse betonen, ein streng ornamentales Liniensystem, in welches die ganze Erscheinung übersetzt ist, dies alles führt auf Paionios, als den
Schöpfer des Originals. Die Bewegungsschwingung,
|
Suchen wir die anderen Kennzeichen des Paioniosstiles wiederzufinden, dann stossen wir auf dicselbe
Verneinung. An einigen Stellen erscheint der
Körperumriss, geht sonst aber völlig im Gewand unter. Jede Gelegenheit, eine ornamentale
Angleichung der Linien herzustellen, wird absichtlich ungenutzt gelassen. Dafür lebt sich das Gewand
in einer rauschenden Selbstherrlichkeit aus.
Paionios scheint für einen solchen Phantasiereichtum nicht unempfindlich gewesen zu sein. Finige
launenhafte Elemente der Gewandanordnung der
Balustradenike erscheinen in der Tänzerin Lateran
die er an der Aura erprobt hat, verwendet er jetzt
als Tanzmotiv.
als Staffage seiner abstrakten Formenwelt, nämlich
Gemessen an den drei varher betrachteten Werken
des Paionios, fällt die Beruhigung und die Schlicht-
Beinen und der Mantelbausch, der auf den Oberheit in der ganzen Frscheinung auf. Der Gegensatz
zwischen den hervorspringenden Falten und dem
glatten Gewand wird weniger durch Licht- und
die sich entrollende Faltenwelle zwischen den
21 Vorbilder, a8.
215 Nach Phat. d. deutsch, arch. Inst, Rom.
per, Tat. Vil.
Carpenter, Para-
216 Beide Werke sind etwas älter als die Tänzerin. Vel. für die
Datierung dev Balustrade S. 37.
Abb. 46. Nike der Balustrade.
arm herablällt. Paionios lässt aber diese spielerischen Akzente in einen Gegensatz zu den straffgezogenen Falten treten, mit welchen der Mantel bei
seiner Figur sich um den Körper spannt. Auch
lagert der Mantel sich jetzt an der einzigen Stelle,
die für Paionios akzeptierbar ist: die, welche der
Körperfuge entspricht. So sind sowohl die Form
als die Bewegung von Körper und Gewand mit
einander im Einklang.
Ex bedeutet, gemessen an der Bassaefigur, einen
grossen Gewinn, dass der Ausdruckswille nicht
mehr so unverhüllt zu Tage tritt, sondern reizvollen Gewandmotiven verbunden ist. Die Abwendung von der Abstraktheit ollenbart sich auch
in Paionios’ Verzicht auf die unnaturalistische
Methode seiner Nike- und Frieszeit, zugleich der
Form und der Bewegung der Beine gerecht zu werden ($. 12). Bei der Lapithin (Abb. 3) heben sich
beim Umriss des vorgesetzten Beines die doppelgratigen Falten in höherem Relief, während der
Stoll zwischen den Falten sich dem Beine anschmiegt. Paionios vergegenwärtigte sich damals
noch nicht, dass für jede Finzelfalte die hierfür
Seite 27
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)Die Profilansicht endet beim oberen Mantelrand,
der vom linken Ellbogen und rechten Unterarm
stralf gespannt wird. Vom Oberkörper ist noch
genug erhalten, um klar werden zu lassen, dass
dieser sich mit scharfer Zäsur in die Rückenansicht
dreht und rückwärts beugt. Der Übergang von der
Profil- in die Rückenansicht liegt sehr hoch: er
gibt der Gestalt die unausgeglichene Proportion
eines langen Unter- und kurzen Oberkörpers,
welche die Vorbedingung für die exzentrische Bewegung bildet.
Der ganze Unterkörper gibt sich der vorwärtsstossenden Bewegung hin, die der Oberkörper mit
grosser Anstrengung bändigt. Die Spannung, welche
Abb. 47. Tänzerin, chemals Lateran,
benötigte Stofffülle irgendwoher weggezogen werden muss, wie dies beim vorgesetzten Unterschender „wie eine Klinge”? gespannte Körper gerade
noch erträgt, entlädt sich im Aufriss zwischen dem
in sich zurückrollenden Chitonhausch und den aufwärtsgezogenen Spannfalten des Mantels.
Die Beziehung zwischen den beiden Gewandpartien
drängt sich durch die Flächenhaftigkeit der Anlage
dem Auge auf, Diese ist beim vorausschwingenden
Chitonbausch sehr kühn durchgeführt. Obwohl die
Reine sich in verschiedenen Reliefschichten befinden, werden die von ihnen ausgehenden Falten
in eine Fläche hineingezwungen und von einer
kel der Balustradenike (Abb. 46) tatsächlich geeinzigen muschellörmigen Falte umschlossen. Die
sich höher befindenden Falten wiederholen das
schehen ist. Die Tänzerin lateran zeigt, dass er
Kreismotiv.
sich hierüber klar geworden ist.
:
Er fand eine neue Lösung, die auch den Umriss des
Oberschenkels zur Geltung kommen lässt. Obwohl
die Prinzipien seines Stiles noch genau dieselben
Dem geöffneten Umriss des Gewandes an der
Vorderseite steht die gleichmässig parallele Schwinund noch immer sehr unattisch sind, lässt sich aus
solchen Fortschritten seine Aulgeschlossenheit für
die Anregungen der attischen Kunst ablesen.
IL Dur 2. TÄNZERIN.
Beschreibung und Srilbestimmung.
Diese Tänzerin ist nur in der Kopie Lateran erhalten.
Sie bildet das regenstück zur ı, Tänzerin. Auch
bei der 2. 1 änzerin vollzichen die Arme eine
geht von der linken Hand aus, welche wohl den
Mantel hält. Der unterste, von zwei Doppelfalten
begrenzte Ziplel bildet das Ende des Mantels, der
Mänade Nr. 612 einer Metope vom Bassactempel
den
erst um den ganzen Körper herumgeschlagen ist.
Die ornamentale Angleichung der Linien, die sowohl die Anordnung der voraus- als die der zurückschwingenden Gewandpartien für sich begelten219. Sie zeigt die gleiche, durch die Mantelanordnung angedeutete Verlagerung des Kraftzentrums nach oben, die gleiche, wie eine Klinge gespannte Körperhaltung und die gleiche Fntladung
der Spannung in den vor- und zurückschwingenden Faltenlinien.
schwingt, macht demzulolge keine aus der Körperhaltung nur erahnbare Spannung sichtbar, sondern
zeigt den Widerhall der Körperbewegung in einem
der Rückseite gegenüber.
Sie entstammen dem Mantel. Der oberste Zipfel
stimmt, stellt
auch die
Beziehung der Beiden
die ı. Tänzerin, sondern hält in einer schnellen
übersetzt, in welchem die Körperformen sich durch
Bewegung inne, auf welche der vorausschwingende
die Betonung ihrer Umrisse klar abzeichnen. Wir
haben eine Gestalt vor uns, wie sie nur von Paiofaltet sich nicht breit vor dem Grund, sondern
nios entworlen sein kann.
erscheint zum grössten Teil in reinem Profil.
217 Tuchs, Vorbilder, 48.
58
Tänzerin gemahnt an die vines Diskobolen, che-
Die Tänzerin eines neuattischen Reliefs in Delphi
Falzeigt auch die vor- und zurückschwingenden
Geten, aber hier entsprechen sie sich genau: das
gung in Faltenlinien ollenbart sich Paionios’ persönlicher Formwille, während der ornamentale
Ordnungssinn auf seine herkunftbedingte Veranlagung zurückzuführen ist.
Als eine Vorstule der 2. Tänzerin könnte die
gung der Falten an
Gestalt setzt nicht zur Vorwärtsbewegung an, wie
Chitonhausch schliessen lässt. Der Körper ent-
Den Körperrhythmus hat Pythagoras an athletischen Motiven entwickelt. Die Haltung der
wand in der vorgestreckten Hand steigert keineswegs die Spannung.
Die Thvrsosschwingerin des Kallimachos ladet aber
223 Der Ruck des
zu einem Vergleich ein (Abb. 48322.
der Arme
ingen
Ausschw
das
und
Oberkörpers
könnten das Vorbild für die Bewegung der Figur
des Paionios abgegeben haben. Aber bei der Minade
des Kallimachos hält sich die Spannung zwischen
untereinander her: der vorausschwingende Chitonbausch findet seine antithetische Entsprechung in
der untersten Mantelfalte. Überdies bewegen die
Unterarme sich in ungefähr paralleler Richtung.
Dic Spannung de» Körpers wird in ein Liniengebilde
Gegenbewegung, dic durch den straffgerogenen
Mantel vereinheitlicht und betont wird. Aber die
Abb, 48. Kopie nach Kallimachos, Florenz.
mals in Lenningen, der von G. Hafner überzeugend
auf Pythagoras zurückgeführt worden ist, In
der Übersetzung der exzentrischen Körperbewe-
Andere Vergleiche.
Die zum Vergleich herangezogenen attischen
Werke bieten nichts derartiges. Der vorausschwingende Chitonbausch kommt zwar bei Fi
guren des Meidiasmalers vor, hier entsteht er aber
durch die Drehung der Gestalt um ihre Achse220,
218 BABesch. 19464, 013, Abb. ç mit Arm. to.
#19 BABesch, voer, 4, Abb. 4.
Bewegungen des Oberund
Unterkürpers
innerhalb der Grenzen der Darstellbarkeit. Das
Gewand, das vom Körper her voraus- und
zurücktische Lub wie die
220 Fuchs, 98: qe. . atmel dieselbe art
Louvre-Aryballos”.
Tinzerinnen der Karlsruher Hydria oder de:
8) kommen zw. e
der Hadria Karlsruhe (vg). Anm.
Auf
G. Becatti,
wingt:
voraussch
Gewand
Tinzerinnen vor, deren
Aryballos im Louvre
Meidias, 1947, Taf. XX 3-4. Auf dem
.
kommen keine genau vergleichbare Figuren vor.
Ver21 RCH. 1965, 1m, Abb, à (J- Ducat und W. Fuchs). Der die
Parallele
gleich (5. 2e) dient allerdings nur dazu, eine
Tänzerin in Delphi zu hnden, nicht umgekehrt.
fir
|
: Fuchs, Vorbilder,
222 Relief Florenz. — Die Thyrsosschwingerin
26,2. Die
80, Typus 78,1. Die Chimairoktonos: 74, Typus
Lympanistria: 79, Typus 27,1.
Seite 28
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)Differenzierung spürbar ist, die der abstrakten Ein-
Unterschied zwischen ihren Methoden, die Körentweder
timairaktonos, 8. 17, Abb. 24, gestellt.
60
Arte Antica, IV, 1961, sv, Kallimachss,
224 Diese Auffassung van K. O. Müller, wird von Fi
Schweitzer, 212, Anim. 36, zitiert. Zuletzt L. Guerrini, Fac.
geg
BA In BABesch. 1961, 16, Abb. 23 ist das Detail einer Bassaefigur
Einer dritten Auffassung vom Verhältnis zwischen
Gewand und Körper begegneten wir bei den
Balustradeniken vom „Master B”, Bei ihnen ist das
Gewand von einem Eigenleben bescelt, das in
einer jeweils wechselnden Bezichung zum Körper
Ergänzung des Körpers.
durch die unterschiedliche Relicfhöhe oder durch
die Umrahmung (S. 11).
Das Zusammentallen der Körper- und Gewandlinien gibt den Figuren des Paionios, im Gegensatz
zu denen des Kallimachos, die lincare Abstraktheit.
Andererseits ist die ausdrucksmässige Beziehung
zwischen Körper und Gewand bei Paionios so eng,
wie es nur einer als Finheit konzipierten Verbindung möglich ist. Bei Kallimachos wirkt das Gewand wie eine in andere Stofflichkeit übertragene
nen die Körperumrisse hervorheben,
Hier stören die Körperumrisse die durch die Bewegung bestimmte Faltenführung nie, umgekehrt
sind sie aber von ihr abhängig. Nur die lalten könkommen bei den Figuren des Paionios nicht vor.
heisst jemand, der „das Kneten” versteht, „welches
nicht viel Masse übrig lässt”,
Die beiden beschriebenen Methoden des Kallimachos, dem Körperumriss gerecht zu werden,
der Spitzname „Katatexitechnos” Ausdruck, das
verfolgen. Andererseits lässt Kallimachos, gleichsam um die stoffliche Substanz des hauchdünnen
Gewandes zu demonstrieren, cs bisweilen auf
einem Körperteil aufliegen, wodurch der Faltenlauf unterbrochen wird. Sehr auffällig geschieht
dies beim zurückgesetzten Unterschenkel der
Chimairoktonos?23,
Das völlig durchsichtige, trotzdem stofllich empfundene Gewand ist die Spezialität des Kallimachos. Seiner eigenen Zufriedenheit hierüber,
beziehungsweise Lob und Tadel von Anderen, gibt
von den Falten, durch das Gewand hindurch zu
perumrisse hervorzuheben. Bei den Mänaden des
Kallimachos sind die Körperumrisse, unabhängig
225 BABesch. 1965, 65, Anm, 101-104.
40,4; Ch. Picard, L'Érechtheion, Taf. 58.
Höhe 0.37 M.
Hier Abb. 49.
I, Weiblicher Oberkörper, Akr. Nr. 284.
Casson, Cat., 175; Fowler, Erechtheum, 258, Taf.
43, 58; Picard, Erechtheion, Taf. 57.
Höhe 0.13 M.
Hier Abb. so.
IT. Figur einer Aphrodite, Akr. Nr. 1077,
R. Schöne, Griech. Reliefs, 1872, 7, Taf. Ill, 18;’
Casson, Car. Acr. Mus., 1921, 214; H. N. Fowler
in J. M. Paton, The Erechtheum, 1927, 247, Taf.
I. Weiblicher Torso, Akr. Nr. 2825.
L. Pallat, AD. Il 3, 1898, 8, Taf. 31,4; Ders., Jdl.
1937, Beil. I: Rekonstruktion des Frieses; S.
FRIESE
H, DREI FIGUREN DER ERECHTHEION-
Paionios von einander trennt. Die motivische
Übereinstimmung der Thyrsosschwingerin und der
2. Tänzerin Lateran erleichtert das Erfassen des
Unterschiedes. Auf welche Scite der Bassaefries
sich stellt, kann nicht zweifelhaft sein.
zusammen, der die Stile von Kallimachos und
stellung des Paionios fehlt.
Dieser Unterschied zwischen dem Stil des Kallimachos und dem des Paionios offenbarte sich
schon in der Gegenüberstellung der Aphrodite
Fréjus und der Statuette in Venedig ($. 34). Die
wahrscheinlich von Paionios’ Apollonstatue übernommene ornamentale Gewandbehandlung wurde
für Kallimachos das Mittel um das Gewand gegen
den Körper, der seine sinnlichen Reize behielt,
abzuheben. Von dieser Auffassung zeugen auch
noch Kallimachos’ Mänaden, obwohl das stilisierte
Gewand jetzt seine Starrheit abgelegt hat.
Die an Paionios gemahnende Form dieser bewegten
Falten ist wohl der Grund, weshalb die Bassaeskulpturen oft Kallimachos zugeschrieben werden. Der
bisweilen bemerkte Unterschied wird auf Rechnung der ausführenden Gesellen gesctzt??®. Der
Unterschied fällt aber völlig mit demjenigen
Dieser Unterschied zwischen den Eiguren des
Paionios und des Kallimachos entspricht dem
dar, sondern als zweitönige Harmonie.
treten kann (S. 41 und 57). Eine solche Aullassung
ist der des Kallimachos in der Hinsicht verwandt,
dass zwischen Körper und Gewand eine stoffliche
flüssigeren Element. Körper und Gewand bieten
sich dem Auge des Betrachters nicht als Finheit
litre der Rekonstruktion
soll die
232 L'Érechtheton, 44; Manuel, 1, 1939, 754+ Überdies
Athena „pterophoros” sein,
61
, Parthe283 Vgl. die Rekonstruktion dieser Statue: Brommer
nangiebel, Taf. 41. 1.
Pallat nicht zustimmen kaan.
au
Gärren,
hierin die Figur XII, 1. E‚ Langlotz, Aphrodite in den
1953/54, 49, Anm. 33, teilt mit, dass P. de la Custe-Me
(dl. 1937, 26). Vgl. die Rekonstruktion: Jal. 1937, Beil. 1;
gearbeitet (Jdl. 1936, 130). Später gab er diesen Gedanken
rechten
Aus der Verbindung mit dem gehobenen
das Ziel
sie
dass
ung,
Vermut
die
sich
ergibt
Arm
d, das
ihrer Flucht erreicht hat, nämlich ein Kultbil
t der
sie mit der Hand fasst, Zu diesem Momen
rts geerreichten Sicherheit würde der rückwä
vor
richtete Blick passen, wobei sie den Mantel
dem
dem Gesicht hebt. Diese Deutung gibt sowohl
AD. 1 3, 8, Abb. 5.
248 mit.
So teilt H. N. Fowler in Paton, The Frechthei
"4 Trotzdem wird sie meist als Nike gedeutet, Picard gibt
auf,
nicht
Flügel
als
auch die Interpretation der Mantelspuren
vgl. Anm, 232.
230 AD, II 3, 8. Ibm schliesst sich Fowler an.
33! Er dachte sich die Figur erst mit dem Wagen zusammen ger
ist.
dargibt sich jedenfalls, dass die Gestalt sich im
aus
gestellten Augenblick nicht fortbewegt. Schon
als eiliger
diesem Grunde ist Pallats erste Deutung
wenigLauf hinfallig. Seine zweite Deutung wird
stens jenem Umstand gerecht.
egung
Weniger befricdigt Pallats Erklärung der Bew
als Fassen der Zügel. Hierfür
Armes
rechten
des
Die
,
trennen?®
zu
Gruppen
den Massen in zwei
man die Betätigung von zwei Händen ergrôsseren (I und Il} gehören zum Fries der Nord- würde
Überdies wird das Heben des Armes als
warten.
oder
halle, die kleineren (lll) zu dem der OstBewegung gekennzeichnet: der Ausane
moment
Haupthalle. Die Abbildungen 49, 5° und 52, sind
der Faltenlinien ist nicht zu verkennen.
druck
Athen
Inst.
arch.
deutschen
des
hien
Photograp
nach
Arm und
Erstens wird die Mantelpartie zwischen
hergestellt.
ausBein, wie die ausstrahlenden Falten bereugen,
divergieren die Chins
Zweite
.
gedehnt
r
einande
I. Wemiicner Torso AKR. Nr. 2825.
tonfalten von der gehobenen Schulter her.
Beschreibung und Deutung.
Finwendung gegen Pallat bezicht sich
Die Figur blickt bei vorwärtsgerichteter Bewegung Eine weitere
vermutete Gebärde der linken Hand. Sie
die
auf
en
Extremität
der
Verlust
Die
49).
(Abb.
zurück
Seit der
muss mehr Sinn haben, als Pallat ihr gibt.
ist Schuld an einer gewissen Vagheit der Deutung.
lfigur Ost G?33 hat
ongiebe
Parthen
der
ung
Schöpf
dass
festgestellt,
L. Pallat hat schon im Jahre 1898
ken des Gesichtes mit dem Mantel
die Frau den Mantel, den sie auf dem vorgestreckten das Verdec
chriebene Bedeutung: die Gestalt
festums
eine
rechten Arm trägt, mit der Linken von hinten her
sich vor einem Anblick, den sie nicht
schützt
der
aus
ist
e
Mantelparti
betrelfende
die
emporzog:
. Die Schrage der ganzen Gestalt vermehrt
Rückenfläche herausgearbeitet*”. S. Casson hat erträgt
k, dass sie sich irgend jemandem
Eindruc
den
später
Flügel
auf
Spuren
die falsche Deutung dieser
etwas zu entziehen sucht. Eine cilige
irgend
oder
die
Grund,
zurückgenommen?®®, Damit ist der
dem dargestellten Moment
scheint
ng
Bewegu
Figur als eine Nike zu betrachten, weggefallen229.
sein.
zu
en
gegang
voraus
L. Pallat, der sich eingehend mir den Erechtheionwie der Chitan von der Schulter herabfriesen befasst hat, deutete das Motiv zuerst als Die Art,
ist, kann helfen, die Deutung zu finden.
en
geglitt
einem
en
Ausschreit
weites
als
später
eiligen Lauf23%,
linke Scheinärmel des Chitons hat sich gelöst,
Wagen zu, dessen Zügel die Figur mit der Rechten Der
hält
nicht völlig: die äusserste Nestelung
aber
wagenbestei
fast. Ch. Picard denkt an eine
e Wulst unter
schwer
der
t
entsteh
h
Dadurc
noch,
gende Athena?®, aber in diesem Falle müsste
e
sten Brust, während der freigeworden
das vordere Bein mehr gehoben sein. Seine Stellung der entblös
,
in einem dicken Bausch herabsinkt. Es scheint
Stoll
Schritt.
grossen
einem
nur
entspricht
die Frau an der Schulter gepackt und
jemand
ob
als
wohl
wird
Figur
en
aufsteigend
Der Eindruck einer
sich die
sie sich dem Griff entwunden hat, wobei
durch die Betonung des rechten Beinansatzes und
lösten. Auf diese
r
Schulte
der
auf
knöpfe
Chiton
dem
durch den Mantel hervorgerufen, der auf
wird die vorangegangene, eilige Bewegung
Oberschenkel aufliegt. Aus diesen Hinweisen er- Weise
Klucht vor einem Verfolger verständlich:
die
als
der
d
Reliefgrun
1927, 239: der
236 |, M. Paton, The Erechtheum,
die jetzt zum Stillstand gekommen
Flucht,
eine
hoch.
M.
0.617
Osthalle
der
derjenige
M.,
0.633
ist
Nordhalle
Pallat, AD. Il 3, 13, Taf. 33, 17; Casson, Car., 185;
Fowler, Erechtheum, 262, Taf. 44, 78; Picard,
echtheion, Tal. 57.
Höhe 0.47 M.
Hier Abb. 52.
Die Fragmente der Erechtheionfriese sind nach
Seite 29
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)Wahrscheinlich verwehrt die fragmentarische Erhaltung des Frieses, über blosse Vermutungen hinauszukommen.
Jedenfalls ist die ,,Kréusa” eine der wenigen Fi.
guren, die zu ciner bestimmten Deutung der Situation führen und demzufolge den Schlüssel zur
Darstellung abgeben könnten. Diese Ausnahmestellung nimmt auch Ch. Picard für unsere Figur
in Anspruch®8?, doch stehen seiner Deutung auf
eine wagenbesteigende Athena ernste Bedenken
entgegen.
Stilbestimmung.
Die Möglichkeit, welche die betrachtete Erechtheionfigur bietet, die Bewegung im einzelnen zu
deuten, gibt einen Hinweis aul ihren Stil. Die
Abb. 49. Figur vom Erechtheionfries.
Bewegungsimpulse sind klar gegeneinander abgehoben und die Faltenlinien erleichtern das Verständnis. Hierin erkennen wir die Hand des Paionios,
Eine Musterung seines Repertoirs gibt viele Beispiele für den gleichen Ausdruckswillen und die
gleichen Ausdrucksmittel. Vor allem dränet sich
momentan bedingten Heben des rechten Armes als
der betonten Ruhclage des vorgesetzten Beines
einen Sinn.
Die hier vorausgesetzte Situation findet ihr Gegenbild in derjenigen, die Euripides in seiner Tragödie
fon geschildert hat. Der Chor empliehlt Kréusa, vor
dem Zorn ihres Sohnes Ion am Altar des Apollon
Schutz zu suchen. lon ruft seinen Dienern den
Befehl zu, Kréusa zu greifen, um sie von den Felsen
des Parnassos zu werfen. Aber sie erreicht rechtzeitig den asylbietenden Altar?34,
Man hat das Vasenbild einer auf dem Altar sitzenden Frau, die ihre Arme einem anstürmenden
Jüngling entgegenstreckt, zu dieser tragischen
Szenc
in
Beziehung gesetzt?33, Die vermutete
Situation, in welcher unsere Erechtheionfigur sich
befindet, kommt der tragischen Szene noch viel
näher. Nur um diese Verwandtschaft anzudeuten,
sei unsere Figur ,Krëusa” genannt. Der Mythos des
lon ist als Gegenstand der Darstellung des Erechtheionfrieses der Nordhalle vermutet worden?3%.
231 Die drei Phasen des Geschehens werden von den Versen
a % f, 1266 f. und aay best hriebe
Jinoc hoe Kassel T 43: ARV? 200,1 (Shuvalov painter);
1, Sechan, Etudes sur la tragédie grecque, 1926, 367 Ls B. Conticello, Enc, arte amica, IL, togo, s.v. Creusa.
206 Ch. Picard, Manuel, Il, 749.
62
der Vergleich mit der Nikestatue auf (Abb. 1).
Für diesen Vergleich muss man sich beide Figuren
ergänzt denken, Beide zogen mit der Linken den
Mantcl empor, so dass dessen Falten von der Hand
ausstrahlen. Bei der Nike wiederholt sich dieses
Linienmuster bei der anderen Hand, bei der
Frechtheionfigur in der Partie zwischen rechtem
Oberschenkel und Arm, die leider in unscrer
Abbildung zu sehr beschattet ist. Bei beiden Figuren öllnet sich der Mantel also zweimal mit
einem zur gleichen Seite gerichteten Linienmuster.
Dieser Richtung diagonal entgegengesetzt neigt
sich der Körper. An der gestreckten Körperseite
scheinen dic Falten vor der Kraft zu weichen, die
den Körper auseinanderdehnt: Brust und Bein
lösen sich aus dem Gewand.
Bei der ,Krüusa” ist das gestreckte Bein zwar nicht
entblösst, aber die Lalten divergieren, so dass sie
das Bein umrahmen, genau wie bei der Amazone
des Bassaefricses 5 36,4258, Die Mittelfalte setzt dic
Bauchpartie gegen das Bein ab.
Für die Seite des gebeugten Beines lässt sich die
Amazone ebenfalls vergleichen, Line andere Falte
vervollständigt die Isolicrung der Bauchpartie,
Hier schliessen sich die Linien an, welche den
237 J Êrechtheion, 44; Manuel, 733.
238 Kenner, Taf. 17 und BABesch. 1965, 99, Abb. vn.
Beinansatz betonen. Diese Dreiteilung des Unterkörpers wiederholt sich am Oberkörper.
Bei der Erechtheionfigur strahlen auch am Oberkörper dic Falten facherlérmig aus. Die jüngere
Peliade (Abb. 32) ist hierin der „Kröusa” vorausgegangen. Wahrscheinlich erfand der Künstler für
In Hinsicht auf die Haltung lässt sich noch erschliessen, dass der rechte Arm gesenkt und der
linke erhoben war. Die Hebung des linken Armes
erzeugt Falten im Peplos, die mit den oben genannten Zugfalten zusammenprallen. Den Hebungen
die Peliade den abgeglittenen Chitonsaum, unter
und Senkungen der Hautoberfläche wird keine
Rechnung getragen, im Gegensatz z.B. zum Torso
welchem der zusammengedrängte Stoffbausch heraus Chonika®*. Es geht dem Künstler um eine
vorquillt. Dann übernahm er für die ,Kréusa” diese
lincare Spannung, welche die Bewegung betont.
Faltenbildung, als er die Wirkung des Griffes der
Verfolger zum Ausdruck bringen wollte. Die von
der Schulter her auseinanderweichenden Falten-
Hierin verrät sich der Stil des Paionios. Vor allem
ist die Nikestatue zum Vergleich heranzuziehen.
Der Effekt der Erechtheionligur ist natürlich
reicher, weil das Gewand beide Brüste bedeckt.
Dem gekrempelten Rand beim Halsausschnitt ist
der Chitonsaum unter der rechten Brust der Bassacligur 537,425 an dic Seite zu stellen. Aber der
Nikestatue ausserordentlich ähnlich ist die Faltenlinien, die das Leben des Armes veranschaulichen,
verwendete er kurz vorher noch für die Aura
(Abb. 38)28.
Die „Krêusa” ist ein reifes Werk. In ihm fasste
Paionios alle Ausdrucksmittel zusammen, die er
erst allmählich ausgebildet hatte. Die Betonung der
Umrisse und die ornamentale Gesetzlichkeit des
Liniensystems — die immer wiederkehrenden
Merkmale seines Stiles — lassen keinen Zweilel
daran bestehen, dass er selbst dieses Werk geschaffen hat.
Dic Eigenständigkeit des Stiles ist von der Forschung nicht völlig unbeachtet geblieben. Casson
fühlte sich an die Tholosfiguren in Delphi crinnert%0, Mit diesen teilt Paionios tatsächlich die
Kalligraphie der Faltenlinien®#. Mehr hat aber
die „Kräusa” mit den Tholosfiguren nicht gemeinsam. Auf den Versuch von Curtius, den Bassaestil
vom Erechtheion herzuleiten, wird später eingegangen (S. 69).
IL WEIBLICHER OnERKÖRPER, AKR. Nu. 284.
S. Casson hat dieses Fragment (Abb. ge) schon aus
technischen Gründen der „Kräusa” (Abb. 49) an
die Seite gestellt?#. Die Gestalt trägt über dem
Armelchiton einen Peplos, der auf der rechten
partie über der rechten Brust (Abb. 5172.
Über die Ähnlichkeit hinaus lässt sich eine Stilentwicklung erkennen. Der Faltenverlauf ist
nicht mehr bloss abstrakt-ausdrucksmässig bedingt. Es entspringen keine Falten mehr aus dem
oberen Brustumriss, wo es die dazu notwendige
Stofllülle ja nicht gibt. Nur die eine Falte, dic auf
der Brustspitze entspringt, hat sich behauptet. Der
obere Brustumriss wird nicht mehr durch eine
abstrakte linie angedeutet. Eine entsprechende
Linie an der linken Seite wird als Falte vorgetragen.
Eine leise Oberflächenbewegung lässt die Weichheit des Stolles empfinden. Ollenbar hat die attische Stoffempfindlichkeit auf Paionios cingewirkt.
Seine Stilprinzipien haben sich aber nicht gewandelt. Die Geschicklichkeit, Gewandanordnungen
zu erfinden, die Zugfalten entstehen lassen, bewährt sich auch hier (vgl. 8. 41).
Schulter, wo die Enden geknüpft sind, sich deut-
III. Licun EINER APHRODITE, AKR. NR. 1077.
Beschreibung.
lich vom Chiton abhebt@43, Durch das einseitige
Verkniipfen der Enden entstehen Zugfalten im
Stoff, die sich zur linken Brustspitze schwingen.
Wenn die Gestalt in voller Vorderansicht steht
(Abb. 52 und in den älteren Abbildungen”),
bildet das vorgesetzte Bein ungefähr die Mitte der
28 Vgl. S. ga für die Vorgeschichte dieser Faltenbildung.
Komposition.
Die Haltung hat viel ihres Reizes verloren, da
210 4,a,0., 214.
M1 Th, Homolle, Fouilles de Delphes, IV, 1426, Taf. LVI und
LVI — Dohrn, Arc. Plastik, 31, datiert um die Mitte des 4.
Ike. v. Chr. Auf
S. 149 betont er den Unterschied von Skulpeinige, den Eindruck bestimmende Teile abgebrochen sind: die rechte Körperhälfte mit dem
turen aus dem ¢ Jh. v. Chr.
Dt AM. 1027, Beil. XVIT 3, 4; BAResch. 1963, 72, Abb, 18.
242 Car, of she Aer. Mus., 176 und 214.
243 Casson nimmt mit Unrecht an, dass der Chiron auf der
rechten Schulter mit den Enden geknüpft sei, ebenso Fowler in
Paton, The Erschcheum, 258.
217
45 Vgl, für die Abb.: Anm.
216 Nach Phot. d. Mus. Olympia.
Schöne, Gr. Beliefs, Taf MI, «8; Pallat, AD. U 3, Taf. 33, 175
C. Blümel, Zwei Strömungen, 1924, Taf. IE 3a.
Seite 30
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)Die Beziehung zur Berliner Srurue und
die Stilbestimmung.
Nach allgemeiner Ansicht ist die Erechtheionfigur
eine Nachlolgerin der von Phidias für Elis geschaffenen Aphrodite Urania, von
welcher eine
Statue in Berlin eine Vorstellung gibt (Abb. 53385.
Diese kann allerdings weder cin Werk yon Phidia 254, noch die getreue Kopie cines solchen sei
da sic cinige, fiir Phidias zu junge Züge enthält?5,
vor allem die sich gabelnden, wagerechten Mantel
falten. Am wahrscheinlichsten ist sie ein [rei nach
der phidiasischen Statue geschaflenes Original aus
dem Ende des 5. fhs. v. Chr.
Die Schwierigkcit, in der Berliner Statue dic über
nommenen, phidiasischen Fiemente gegen die des
jüngeren Künstlers abzugrenzen, bildet cin Pro
blem für sich. Der Übersichtlichkeit wegen trennen
wir es von der Untersuchung der Beziehung der
Erechtheionfigur zur Berliner Statue und stellen
diese voran. Am auffälligsten entfernt sich die
krechtheionfigur von der Berliner Statue in ihrem
Körperrhythmus. Die Gestalt lehnt sich nicht
mehr mit dem Ellbogen auf die Stütze, wie die
Berliner Göttin, sondern sie neigt den ganzen
Abb. 50. Figur vom Erechtheionfries,
Oberkörper zur Seite. Dicse Bewegung wirkt sich
aber nicht, wie dies beim Apollon des Wiener
Glockenkraters der Fall ist (Abb. 44), auf die ganze
Haltung aus. Da die Wechselwirkung zwischen den
Arm, die Stütze mit dem linken Arm und der Kopt.
Das Erhaltene bietet aber Anhaltspunkte genug,
um das Verlorene zu ergänzen.
OO
Unten an der linken Körperseite ist neben der
Gewandmassc noch ein Rest des Baumstammes
sichtbar. Wahrscheinlich stützte die Gestalt den
linken Ellbogen auf einen Baumast und vielleicht
den linken Fuss auf eine Baumwurzel®#, Diese
Haltung ist uns vom Apollon eines Glockenkraters
in Wien bekannt (Abb. 54)°"9, Die Hand hielt die
Aphrodite wahrscheinlich locker vor dem Körper,
wie der Apollon des Vasenbildes, aber in einem
etwas anderen Stand, nämlich mit dem Handrücken gegen den Körper? Darauf deutet die
#8 Alle Gelehrten nehmen den aufgestützen Ellbogen an, mit
Ausnahme von Casson, Car. der, Mus., 186, der sich den linken
Arm herabhingend denkt. Fowler in Paton, The Erechiheum,
262, schlägt als Stütze Für den Fuss eine Raumwurzel vor. Der
Wiener Krater wird von niemand herange:
219 Kunsth, Mus. 197: ; Abb. nach Phot, d.
(Maler der Ath, Hochzeit).
glatte Stelle in der Mitte des Überschlags unter-
Teilen fehlt, hat die auflockernde Tendenz freies
halb der Gürtung: hier würde der Handrücken
genau hineinpassen.
Spiel. Der obere Mantelrand macht durch seinen
Verlauf die Neigung des Oberkörpers eindringlich.
Der Mantel, der um den Unterkörper gelegt ist,
wird straff um die rechte Hüfte gezogen. Dies
Im Gegensatz zur Berliner Statue fällt der Mantel
zur rechten Hüfte hin ab, so dass der Oberkörper
lässt sich nur durch die Annahme erklären, dass der
Mantel auf dem Baumast aullag, wo der stützende
sich der Mantelhülle zu entwinden scheint.
Nicht nur die horizontale Aufteilung har sich ver-
Ellbogen ihn festdrückte. Wieder bietet der
Apollon des Vasenbildes eine Parallele.
Die rechte Hand kann also nicht mit der Gebärde
der Fntschleierung dargestellt gewesen sein*!,
vielmehr war sie in die Seite gestützt, um mit
dem abgewinkelten Arm einen Ausgleich zum
schrägen Oberkörper herzustellen. |
Durch das Zielen des Mantels halten sich auch die
auf dem linken Oberschenkel gestauten Mantel
falten in ihrer Lage. Die rechte Hand würde nicht
tief genug hinabreichen können, um sie zu halten?
ARES, 1318
250 Zu vergleichen ist die Athena des Reliels mit dem Vertrag
253 Wie Fowler, Erechtheum, annimmt. Aus demselben Grunde
muss die Ansicht von Casson, Cat, Aer. Mus, dass der Mantel auf
und der Ehrung der thrakischen Neapoliten: C. Praschniker,
Festsche. Ameling, 1928, 178, Abb, 5; Dohrn, att. Plastik, 18.
der rechten Schulter autlag, abgelehnt werden.
252 Auf diese Weise erklärt Casson die Lage der Mantelfalten.
64
stärkt, sondern auch die vertikale. Bei der Frechtheionfigur werden schon die Oberschenkel voneinander getrennt. Dic übergeschlagene Partie des
Mantels folgt bloss zum Teil der Zugkraft um die
253 Staatl. Mus. K g; Abb. nach Phot, d. Mus. - Die These der
Beziehung zwischen der [rechtheionfigur und der Berliner
Statue stammt von R. Kekule, Die griech. Skulptur”, 1977, 105.
Im folgen viele andere: L. Pallat, AfL. 1912. 186, Anm. 15
Bliimel, Kar. Skulpe. Berlin, IN, zu K 5: Langlotz, Ephem. 1437.
607, Anm. 53 ders., Phidiasprableme, 1949, 14, Anm. 2.
3: Nach F. Brommer,
Mdl. 1950, 82 ff., könnte die Berliner
Statue die von Phidias für den Demos von Melite
Aphredite Urania, nach G. Becatti, Problemi Fidract,
chatfene
1949, 241.
eine von Phidias selbst geschatfene Wiederholung seiner chryselephantinen clischen Urania s
WG Auf die jüngeren Züge weisen: Blümel, Kar. Sk, Berlin, und
Langlatz, Phidiasprobl.. 84.
a
nag ERD
Abb. st. Detail der Nike des Poionios.
herab.
rechte Hüfte herum, ein Teil Fällt vertikal
welche
Dieser erzeugt die Trennung der Beine,
eine zweite Mantelfalte vollendet.
die
Diesen die Beine trennenden Falten stellt sich
Gewandmasse an der Aussenseite des gehobenen
Bein
Beines antithetisch gegenüber. So wird das
dem
von Ealten umrahmt, deren höchste Punkt auf
scheint
Bein
Das
liegt.
enkels
Obersch
des
Ansatz
Ruhesich durch die Gewandhülle zu drängen. Die
haltung, welche das gehobene Bein der Berliner
ErechtheionStatue einnimmt, hat sich bei der
ng umfigur in eine sich eben vollziehende Bewegu
n des Untergewandelt. Nicht die tragende Funktio
das
schenkels bestimmt den lindruck, sondern
aktive Vorwärtsdrängen des ganzen Beines heischt
die Aufmerksamkeit des Betrachters.
wie dies
Auch der Oberkörper ist nicht in Ruhe —
-, obwohl
bei der Berliner Aphrodite der Fall ist
sdie Gestalt sich auf eine Stütze lehnt. Die aufwärt
Hüfte
drängende Kraft, die schon in der rechten
zu beobachten war, durchzieht den ganzen
Oberwerkörper. Die den Bauch umralimenden Linien
den von Kolposfalten verlängert. An diesen Stellen
ist nämlich der Kolpos tiefer unter dem Überausschlag herabgezogen. Dadurch entstehen hier
geprägt divergierende Linien.
Ein zweites, ausstrahlendes Linienmuster wird
von
Chitonfalten oberhalb der Gürtung gebildet. Wenn
oben zurecht vermutet wurde, dass ehemals an der
Seite 31
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)Form des Mantels geben, dessen Valtengliederung
dieser Körperrhythmus, der uns an die Statuette
präge trägt. Doch welche Faltenbewegung müssen
von Venedig gemahnt ($. 32, Abb. 26), zweitens
dessen Veranschaulichung durch die Faltenlinien,
weisen auf Paionios als den Urheber der Figur. Wir
erkennen auch sein Bedürfnis, die Umrisse zu betonen, ebenso wie die ornamentale Ordnung,
welche der Aullockerung die objektiv „schönc”
Form gibt. Sie regelt sowohl die horizontale als die
vertikale Aufteilung: die Schwingung des oberen
Mantelrandes wiederholt sich im unteren Saum;
wir für das Original voraussetzen? Die Aphrodite
Campana zeigt den Mantel von einer Falte belebt,
die sich vom gehobenen Oberschenkel zum Knie
des anderen Beines schwingt. Die Amazone von
Fphesos bestätigt den phidiasischen Charakter
einer solchen Falte.
dic Trennung der Beine führt auf die [inie hin,
welche die Bauchgegend umschreibt.
Die Figur hat mit der Berliner Statue einige ins
Auge springende Motive gemeinsam: den aulgestellten linken Luss, die nicht ausladende rechte
Hüfte, den um den Unterkörper geschlagenen Mantel, welcher die Unterschenkel frei lässt25%, und
Abb. 52. Aphrodite, Erechtheion.
Sic kann cinen Anhaltspunkt fiir die urspriingliche
strebenden Kraft der Berliner Göttin stellt die
Frechtheionligur das auseinanderstrebende Vorwärts- und Aulwärtsdrängen entgegen. Erstens
in der Berliner Statue ein nachphidiasisches Ge-
Daraus ergibt sich, dass Paionios’ Aphroditefigur
sich in der Mantelanordnung weniger stark vom
phidiasischen Vorbild entfernte als die Berliner
Statue folgern lässt. Auch den übergeschlagenen
Mantelrand, die breitere Gewandmasse an der
Aussenseite des gehobenen Beines, sogar die Zickzackfalte an dieser Stelle, scheint Paionios nach
dem Zeugnis der Aphrodite Campana vom Vorbild
übernommen zu haben.
Offenbar hat der Urheber der Berliner Statue mandie entblösste linke Schulter. Diese Züge gehen
wohl auf das phidiasische Vorbild zurück. Wir
ches geändert. Entstammen „die einander zugekönnen die Möglichkeit aber nicht ausschliessen,
dem phidiasischen Vorbild, wie
dass Paionios mehr Motive von der Statue des
Phidias übernommen hat, als die Berliner Göttin
vermuten lässt. Diese Möglichkeit wollen wir jetzt
näher untersuchen.
nimmt? Dagegen liesse sich Einiges einwenden.
Die Aphrodite Campana rrägt einen längeren Kolkehrten laltenbögen über dem Schoss” wirklich
Langlotz?! anpos mit Überschlag, genau wie die Erechtheionfigur. Auch fehlen heiden Werken „die spannungsreichen Bogenfalten am Unterschenkel”. In diesen
In wie weit ist die Berliner Statue
phidiasisch?
geometrischen Linienmustern verrät sich der
gleiche Geschmack wie in den Falten des Mantels,
Abb. 53. Stutue, Berlin.
glatten, eingetieften Stelle unterhalb des Linien-
Das Standmotiv der Berliner Statue können wir
musters der Handrücken auflag, wäre das Entfür Phidias in Anspruch nehmen, da auch seine für
Ephesos geschaffene Amazone ein ähnliches Standmotiv zeigt, nämlich: das etwas angehobene Bein,
welche auch Langlotz nicht für das Urbild vorauszusetzen scheint.
Vielleicht kermen wir den Künstler schon, zu
nicht in cin Ornament übersetzt — wie Paionios
dies tut —, sondern der ornamentale Aspekt ersetzt
den organischen. Aus derselben Auffassung komdessen Stil dies passt. Er mag derjenige gewesen
men die geometrischen |inienmuster, die bei der
stehen der ausstrahlenden Falten erklärt. Jedenfalls
ist der beabsichtigte Ausdruck nicht zu verkennen.
Durch die zwei ausstrahlenden Linienmuster hindurch scheint eine Kraft aulwirts zu steigen, deren
Wirkung in der nackten, aus dem Gewand emporstrebenden Schulter sichtbar wird? Von dem
nach unten drückenden Gewicht des Oberkörpers
der Berliner Göttin2? ist hier nichts zu spüren.
Der Chiton fällt zwar auch seitwärts über den
Gürtel tiefer herab?®®, aber er lolgt nicht der
Stoffschwere, sondern schliesst sich dem schrägen
Körperuniriss an.
Dem Ausgleich zwischen der empor- und abwärts256 Mit Unrecht nimmt Casson, Cat. der. Mus., an: „the chiton
appears to be slipping off the left breast”.
7 Vel. H. Kenner, Öfh. 1961-63, Hauptblatt, >4.
BK Pallac, 4D. IE 3, 8, und Fowler, Erechrheum, haben die Gürtung des Chitons beobachrer, im Gegensatz zu Casson, Car.
Acr. Mus.
66
von dem das gestreckte Bein die Körperlast nicht
völlig übernimmt, weil noch eine Stütze an der
Seite sie zu tragen hilft (Abb. 55)20,
In dieser Beziehung gibt also die Aphrodite Campana das Original nicht getreu wieder, da sie ein
voll ausgebildetes Standbein zeigt?®. Aber doch
scheint es möglich, diese Kopie, auf deren Wichsein, der auch die Statuen im Louvre schuf, die als
Berliner
Seitenakrotere des Bassaetempels gelten dürten?#.
Auch diese zeigen das Gewand nicht - wie dies bei
Paionios der Fall ist — in einer der Körpergliescheinen.
tigkeit Lippold hinwies?®2, für die Vorstellung des
#2 Kopien und Umbildungen, 8.
268 A.D. BS.
Originals mehr auszuwerten als Langlotz tut?63.
208 Mit Langlotz, Phidiasprobl., 85, ist anzunchmen, dass spätere
Wiederhohingen, in welchen der Mantel auch die Unterschenkel bedeckt, sich hierin vom Vorbild entfernen. Dazu gehört
auch der Aphroditetorso in Wien, den Blümel, Sar. HIL, zu K 6,
als dem Urbild vielleicht näher stehend heranzieht.
280 Nach Phot. E. Nash Nr. 671043.
#1 A, Frickenhaus,
fil. 1913, 365, Abb. 8; O. Waldhauer, Die
antiken Skulpruren der Ermitage, Il, 1936, Nr. 293, Taf. XXXVI.
Statue
den
Körperlormen
aufgelegt
weil
Auch gehören die Bandfalten mit hervorgehobenen
Rändern, die den Mantel der Berliner Göttin gliedern, zum Repertoire des Akrotermeisters. In der
der Künstler nicht von Linien, sondern von Machen
ausgeht. Deshalb wird die körperliche I:rscheinung
linken Akroterfigur erreicht er damit ein, der
Berliner Statue vergleichbares, elastisches Dehnen
derung
entsprechenden
Weise
aufgeteilt,
“64 A.a.0., 84.
Wb BABesch. 1965, 68, Abb. 11-24 mit Anm. 1. — Der Akrotermeister und Paionios unterscheiden sich beide von Kallimachos,
der den Antagonismus zw chen dem ornamentalen und dem
+ diese
spekt absichtlich nicht aufhebt, son
zur Dilferenzierung von Gewaud und Körper verwendet. Deshalb ist
sowohl meine chemalige Identifizierung des Akrotermeisters mit Kallimachos (a.0.0., 68) als K. Schefolds Zuschreibung der Berliner Statue an Kallimachos (Freundesgabe
für R. Boehringer, 1957, 567, Anm. 61) abwegig.
des abstrakt emplundenen Stotfes.
Schlussfolgerung.
Die Aufteilung in Flächen und die ornamentale
Belebung dieser Flächen müssen wir aus dem Gewand der Berliner Statue eliminieren, um eine
Vorstellung der von Phidias für Elis geschalfenen
Aphroditestatue zu gewinnen, Dieser Statue stand
Paionios’ Erechtheionfigur, in Bezichung auf die
Seite 32
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)tenen Figuren der Erechtheionfriese unterscheidet.
In den Ercchtheionfriesen treten zwei neuc Arten
von Gewandbehandlung in Erscheinung: die erste
ist eine erstarrte Fortsetzung des Balustradestiles
Man fragt sich, welche Aphrodite mit dieser sich
einen Baum anlehnenden Göttin gemeint sein mag.
Statue, die wahrscheinlich eine sitzende
thos und die Frechtheionfigur an dasselbe Kultbild
erinnern, da die erstgenannte in der Haltung der
Entschleierung dargestellt ist, dic Erechtheionmonie einer ausgeglichenen Bewegung, anstatı der
souveränen Autarkie ein Expansionsdrang, w
her
Betrachter als Gegenüber voraussetzt.
364 Tanglotz, 4.
68
270 Ergon, 1960, ol,
360-350 v. Chr.
Gärten, »5, eine Statue des Phidias
Athen vorauszusetz
Die Deutung: 5. 28 B. Die Lekyth
269 The faurnal of the Wahers Ar: Gallers
ammt aus den Jahren
1962/03, 33, Abb. 4.
287 Langlotz, 16 A, Die an sich schon einleuchtende Vermutung
von Langlotz wird durch ein Münzbild h
folgen lässt?”®, Dies ist auf die Unklarheit des Ver-
Picard, Taf. 67.
276 Sa auch H. Speier, RM, 1932, 41.
278 AD. 1E 3, Taf. 53, 16; Picard, Tal. gx,
3, Taf. 33, 5;
274 Den Männertorso Akr, Nr. 1239: AD. II 3, Taf. 31, 175
Picard, L'Érechtheian, Taf, 69 und die Gruppe Nr. 1073: AD. I
36, M 36.
272 Nie utr. Plastik, 15.
#5 A.0.0., 222, Anm. 52.
verdeutlichen, nämlich mit der vordersten Frau
der Gruppe Nr. 107125, Dic Bewegung, die zum
Teil nach links, zum Teil nach rechts gerichtet ist,
wirkt wie ein Wirbel, dessen Gang sich nicht ver-
271 Zu vergleichen ist z.B, das Gewand um di
im Ostfries: A. H. Smith, Sculprures of the Parthenon,
Der erstgenannten Richtung — dem lortgesetzten
Balustradenstil — gehören die Paioniosfiguren auch
nicht an. In ihnen ist ja nicht der Balustradenstil,
sondern die ihm gleichzeitige Stufe des Paioniosstiles (8. 35-45) fortgesetzt. Von den Erechtheio
figuren jener Stilrichtung unterscheiden die Painniosfiguren sich durch das obengenannte Merkmal:
das Hervorbeben der Umrisse und der Bewegungsfugen durch die l'altenlinien.
Der Vergleich mit einer augenscheinlich in Paionios’ Art bewegten Figur mag den Unterschied
nennen?”#,
sich dem Zeitstil angepasst. Aber das Gewand
„birgt” den Körper nicht, da es die Umrisse und
Bewegungsfugen des Körpers hervorhcht. Als Beispiele dieser Richtung wären andere Figuren zu
flüssiger geworden, in dieser Hinsicht hat Paionios
Parthenonfriesvs zurück®%, Hiermit wendet man
sich von der im Balustradestile geläufigen Durchsichtigkeit des Gewandes ab: ein schwerflüssiges
Gewand beginnt „den Leib zu bergen”, wie T.
Dohrn es ausdrückt???, Die Parthenon-Rechnungsurkunde stellt beide Auffassungen einander gegenüber (Abb. 56).
Als Beispiele der zweiten Richtung nennt Nohrn
die beiden oben vermutungsweise dem Paionios
zugeschriebenen Figuren: die ,Kréusa" und die
Aphrodite??3, Tatsächlich ist das Gewand schwerfigur aber bestimmt nicht. Leider muss ihre Deutung also unentschieden bleiben.
Wir können der Darstellung der Lekythos nur entnehmen, dass es ausser der Aphrodite „en Kepois”
noch andere Aphroditegestalten gab, die mit der
Vegeration verbunden gedacht wurden,
286 Es ist also nicht notwendig, mi Langlotz, Aphrodite in den
Elis muss sich ja der Erinnerung des Paionios durch
seinen mindestens zehnjährigen Aufenthalt in
Olympia nachhaltig eingeprägt haben. Allerdings
muss die Absicht der Frechtheionfigur wohl gewesen sein, an ein Aphrodite-Kultbild in Athen zu
wurde, keiner Erklärung?%, Die Aphrodite von
Wenn Paionios der Schöpfer der Aphroditefigur
des Erechtheionfrieses war , bedarf der Umstand,
dass in Athen eine Statue aus Elis nachgebildet
Die Deutung.
ist es kaum möglich, dass die Aphrodite der Lekydarstellte, wie sie sich an einen Baurn lehnt. Auch
sanias keinen näheren Hinweis. Wir wissen also
nicht, ob die Kultstatue der Aphrodite die Göttin
fand er dort noch vor. Sie waren „von der Hand
eines nicht geringen Künstlers”. Leider gibt Pausanias nur aus der Überlieferung, aber die neueren
Aber in der Haltung ist der Urheber dieser Statuc
wahrscheinlich stark vom phidiasischen Vorbild
abhängig. Die Umwandlung, die Paionios hei der
Nachschöpfung der phidiasischen Statue in der
Haltung vollzogen hat, mag deshalb ungefähr mit
dem Unterschied zusammenfallen, der seine Figur
von der Berliner Statue trennt: cin stosshaftes
Vorwärts- und Aufwärtsdrängen anstatt der Hartum, das, einer Sagenversion nach, von Theseus
gestiftet worden war. Dicses Heiligtum enthielt
tatsächlich Kultbilder: von den alten wusste Pau-
Formelemente des Gewandes, gewiss viel näher,
Gestalt war?5?, Das zweite Heiligtum dieser
Göttin am Nordabhang der Akropolis war zu
klein, um ein lebensgrosses Kultbild aufzunchmen?ss,
Auf einer Lekythos in der Walters Art Gallery?s®
kommt cine sich an einen Baum lehnende Aphroditcgestalt vor, die E. Simon überzeugend als
Inhaberin des neuerdings ausgegrabenen Heiligtums am Südwestabhang der Akropolis?” deutet.
Nach Pausanias | 22,3 wurde die Aphrodite Pandemos hier gemeinsam mit Peitho verehrt. Lis war,
wie Pausanias erzählt, ein schon sehr altes Heiligberühmt
sein. Diese Göttin hatte ein Heiligtum am Ilissos
mit einem hocharchaischen pfeilerartigen Kultbild. Für dieses Heiligtum schuf Alkamenes seine
Die Aphrodite „en Kepois” kann es nicht gewesen
Baum als Stütze entstammen.
als sie der Berliner Göttin steht.
Abb. 54. Glockenkrater, Wien,
trachteten Figuren der des Faionios ist, macht den
Beweis nötig, dass er sich von den anderen erhalkönnte die Änderung der Schildkröte in einen
(S. 36), die zweite greift wieder auf den Stil des
IV, PAIONIOS UND DIE ERFECHTHEIONERISSE,
Die Annahme, dass der Stil der drei oben be-
Dieser Absicht
„Lokalhezeichnung” zu
liefern.
erinnern und so dem dargestellten Mythos eine
69
877 Nämlich die Gruppen Akr. Nr. 127) (Anm. 276) und 1073
(Anm. 274).
208 Anr. Kunst, I 1, 1038, 228 Ê.
„selbständige Weiterbildung des Stils der Erechtheionfriese” sei278, muss er die oben Paionios zuhaben.
im Auge gehabt
Ë
g
8geschriebenen Figuren
Diese vertreten aber cine Weiterentwicklung des
Bassacstiles, ; nicht dessen Ausgangspunkt.
Wenn L. Curtius annimmt, dass der Bassaestil eine
Figur des Erechtheionfrieses. Deshalb fehlt auch
die ornamental zusammenschliesscnde Gruppenbildung des Paionios (vgl. S. 44) in den heiden vom
Frechtheionfries erhaltenen Gruppen?””,
Spur, genau so wenig wie bei irgend einer anderen
übersetzt ist, findet sich hier demgemäss keine
durch die Drehung entstchen muss.
Vom ornamentalen 1 iniensystem des Paioniosstiles, in welches die körperliche Erscheinung
Gewand verdeckt, ebenso die Körperzäsur, welche
zuführen. Die Umrisse der Beine werden vom
haltnisses zwischen Gewand und Körper zurück-
Abb. 55. Kopie der Amazone des Phidias, Tivoli.
Seite 33
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)gsinschriften
h
; Aufträge
geht hervor, dass die
79
wie schon Pallat, AD. H 3, 8, bemerkt.
gen, 22,
281 Div Zahlungsinsebriften hat C. Blümel, Zwei Strömun
übersetzt.
20 Di
ver
der Reihe nach vergeben wurden, Derselbe Bildhauer
274
PU AusAus d
in der Gesellschaft von attischen Bildhauern zweiten Ranges antrelfen ($. 37). Er kämpfte olfenbar
um seinen Unterhalt, so dass ihm jeder Auftrag
willkommen war.
meisten erhaltenen Figuren bestätigt.
Es ist aber nicht das erste Mal, dass wir Paionios
|
meinen das Motiv festlegte.
Die uns durch die Zahlungsinschriften überlieferten
Namen der ausführenden Hände lassen mehr auf
einfache Steinmetzen als auf Künstler schliessen?®.
Diese Vermutung wird durch die Qualität der
genügte offenbar eine Skizze, welche im allgedekorative Arbeit aufgefassten Figurenschmuck
der Reliefhöhen?®®. Für einen derartigen, bloss als
hat??®, sich nicht bis auf Einzelheiten erstreckte.
Dagegen spricht auch schon der lockere Zusammenhang zwischen den Figuren und der Unterschied
der allgemeine Entwurf, den es zweifellos gegeben
inmitten der anderen einnchinen, beweist, dass
Die Ausnahmestellung, welche die Paioniosfiguren
2 fs fal, 1543, 124, Abb.
285 Vv
27,
19%
383 Paus, V 26, 1 und V ra, & (hierin „Thrakien”)
284 Lenk, BE. XV 1, rage, sv. Mende, 779, 60.
14
WER. Harder, Fewschr, Schweitzer,
genau unterrichtet.
Stelle hervorgeht*#, über das thrakische Mende
Da es aber galt, das Mende genau zu bestimmen,
kann Pausanias diese ungenaue Bezeichnung nicht
verwendet hahen. Fr war, wie aus einer anderen
wird?83,
Mende auf der Chalkidike als Geburtsort des Paionios betrachtet, auf Grund der Erwagung, dass die
Chalkidike bisweilen zu Thrakien gerechnet
lich „in Vhrakien” hinzufügt, wird meistens das
lichen Inschrift auf der Basis der Nikestatue?*? und
aus den Mitteilungen von Pausanias?®8 hervor.
Obwohl Pausanias das eine Mal zu Mende ausdrücker jedentalls in Mende; dics geht aus der persönlauf des Paionios zusammenzustellen. Geboren ist
gen sicheren biographischen Daten so weit, dass
der Versuch gewagt werden kann, cinen Lebens-
Die Datierungen auf Grund der stilistischen Entwicklung und die Folgerungen in Bezichung auf den
Entstchungsort einiger V Yorke ergänzen die weni-
J. LEBENSLAUF DES PAIONIOS
Abb. 56. Parchenon- Rechnungsurkunde, Paris.
8 Ausführlich hierüber: May, Ainos,
84.
der Geburtsort
Ch. Hofkes-Brukker
aetempels durch die
an den Skulpturen des Bass
Nikestatue zeitlich ungefähr festder
g
erun
Dati
ias
Pausan
des Paionios war, hat nichts gegen sich.
426 v Chr. nach Olympia
in der liegt, muss er etwa
erzählt als Besonderheit des kleinen Ortes
Nikestatue, die entweder
Die
sein.
elt
sied
umge
g rein ionisch
Nahe von Ainos, dass die Bevölkerun
v. Chr. angesetzt werden
420
oder
Chr.
v.
s dort 423
war. Dic politische Atmosphäre war damal
s Jünger als die Metopen
etwa
ja
ist
36),
.
en drangen muss (Anm
sehr unruhig. Die autochthonen Odrys
,
Fries
der
haltsam vor. und etwas älter als
rag
unter ihrem König Sitalkes unauf
verdankte er den grossen Auft
ch
inli
sche
Wahr
ihrer
Gipfel
Das Jahr 431 v. Chr. bedeutete den
Bassaetempels der Bekanntdes
en
ptur
Skul
die
für
mit
Bündnis
Agon um die
Macht, denn sie schlossen sogar ein
heit, die er durch den Sieg im
rb. Lang kann
erwa
Athen?#®,
els
temp
Zeus
des
tere
Datierung Akro
Zurückgerechnet von der vermuteten
Schöpfung der Nikestatue nicht
lich in Gross- dieser Sieg der
persönlichen
seiner Lrühwerke, die er wahrschein
gangen sein, da er ihn in der
usge
vora
um
os
Paioni
griechenland schuf (S. 23), kann
. 282). Fowa zehn Jahre
(Anm
hnt
erwä
rift
Insch
n
Mann dorthi
gewesen sein,
das Jahr 431 v. Chr. als junger
mag, er für den Bassactempel tätig
scine Wahl
ab finden wir die
ausgewandert sein. Vielleicht wurde
Chr.
v.
415
fähr
unge
von
die Er- denn
der neuen Heimat nicht nur durch
keit in Athen (S. 38). Wahr
ischen Fest- Spuren seiner Tätig
pt
abru
pia
Olym
in
lt
wägung bestimmt, dass auf dem griech
ntha
Aufe
der
war er schon scheinlich wurde
land der Krieg wütete. Vielleicht
beendet (S. 53)unterrichtet.
um
Rhegi
in
hule
orassc
Pythag
die
über
¥. Chr. strahlte noch im
Nor- Das Athen des Jahres 416
ischen
griech
dem
hen
zwisc
n
hunge
Die Bezie
kurz darauf erlöschen
der
,
iades
Alkib
des
ze
schon immer Glan
en Jahrzehntes für
den und Grossgriechenland waren
lerzt
des
ng
Anfa
im
um
sollte,
Immer regte sich
.
rege.
leben
aufzu
er
nd in enger kurze Zeit wied
tete
Seine Tätigkeit in Grossgriechenla
ige Leben. Bis 408 v. Chr. arbei
geist
das
noch
chein
wahrs
Rezichung zur Pythagorasschule wird
n. Um diese Zeit verlieren
Athe
in
noch
ides
Eurip
t
Arbei
Da dic
ios.
lich nur einige Jahre gedauert haben.
sich auch die Spuren des Paion
Die Vermutung, dass dieses Mende