Die Continuitat der griechischen Philosophie in der Gedankenwelt der Araber

Autor
Stein, L.
Erschienen in
Archiv fur Geschichte der Philosophie
Jahr
1898
Thema
ARABIA
Sprache
Deutsch
Kategorie
C7 Philosophie
Archivnummer
5410

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Volltext anzeigen25 Seiten

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de Gruyter Reference Global - Archiv für Geschichte der Philosophie Fyn Lo Search | = ©} On, 30-01-10 17:: -. - N A >. — Simple Search Æ NAIL books and journals £This title Eris issue Archiv fir Philosophie. a 1 Substances; and Kinds of Unity ee I. Abtheilung: Dan Kaufman co Archiv für Geschichte der Philosophie. 4. Rezensionen 5. Hegei’s Hermeneutics of History Panagiotis Thanassas »>Vien he 20 Most Accessed Articies r 7 Là cA NU XI. Die Continuität der griechischen Philosophie in der Gedankenwelt der Araber. (Drittes Stück)'). Pp Von \ Vat Ludwig Stein in Bern. Unsere bisherigen Untersuchungen über die Einwirkung der griechischen Philosophie auf die Gedankenwelt der Araber galten vornehmlich den theologischen Secten der Araber’), jenen philosophischen Outsiders, deuen der Korân Ausgangs- und Endpunkt alles Denkens, mithin auch des philosophischeu, war und blieb, Solange die wisseoschaftliche Speculation im Banne dieses alle gedankliche Originalität verflachenden, jede Regung wissenschaftlicher Selbstheit niederzwingenden Autoritätsglaubens befangen blieb, war ein spechlativer Fortschritt über die Griechen hinaus nicht denkbar. Ist doch der philosophische Autoritätsglaube nichts Anderes, als der Zwillingsbruder des religiösen. Beide saugen ihre Nahrung aus der gleichen Quelle. Ist die Gedankenvarfassung eines Zoitalters % Val Archiv Rd. VIL IL 3, S. $500: Das erste Auftreten der griechischen Philosophie unter den Arabern, sowie Bd. X1, W. 3, $. BIM, über an-Nazzim, Alm-l-Hu-dail, den Neuplatonismus und Alesandrinismus in der arabischen Philosophie, endlich über die Mutakallimin (orthodoxe Thaulngen). #, Neue und wertheolie Aufschlüsse über die philosophischen Grundlagen diner thevlogiecher Secten, insbesondere der mulazilitisehen, gal, zuletzt Mo Schreiner, Beiträge zur Geschichte der thealogischen Bewegungen im Ibn, Zeitnehr. d. deutsch. morgend. Gesellschaft Lit, 52, Artur BY por (3920 un) Grarbichte de Plilvrgpbie KUH.

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Archiv für Philosophie. I. Abtheilung: Archiv fir Geschichte der Philosophie. Neue Folge. XI. Band 3. Heft. XII. Die Continuität der griechischen Philosophie in der Gedankenwelt der Araber. Von Ludwig Stein in Bern. I. Ibrahim ben Sajjar an-Nazzâm und Alexander von Aphrodisias. Der Mutazilit an-Nazzim war, wie wir friiher nachgewiesen haben’), wol der erste arabische Philosoph, der sich unmittelbar an die griechische Philosophie angelehnt hat. Die Einschränkung der göttlichen Allmacht zu Gunsten der Allgerechtigkeit und im Interesse einer Erklärung der Natur des Bösen, wie sie an-Nazzäm forderte, ist in der griechischen Philosophie nicht ohne Vorbild. Das Problem der Theodicee hat nämlich schon den Stoikern den Gedanken nahegelegt, die Natur der Gottheit dahin zu beschränken, dass es ihr unmöglich sei, das moralische Uebel von der Welt ganz fernzuhalten. In seinem Buche über die Gerechtigkeit führte Chrysipp z. B. aus, dass die Götter zwar mancher Ungerechtigkeit vorbeugen, das moralisch Böse aber ganz aufzuheben, sei ihnen weder ') Das erste Auftreten der griechischen Philosophie unter den Arabern, Archiv, Bd. VII, H. 3, S. 361. Archiv f. Geschichte d. Philosophie. XI. 3.

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vaks dpdipars 1, 10; vgl. jetzt auch A. Dyrof, 3) Carneades bei Cic. de hervor bei Plinius, Hist. Nat. IT.: praccipua solatia, ne Deum quidem ut bis dena viginti non sint. Dasselbe Emunoth Wedeoth, Einl. 8. 10, 25; IL, 4) Alexand. Aphrod. de fato arene td Écépeva mpozdiva .... obre dAndée, obre abr@v pbset zal napa vois Dents thy duthy qui 5) Vgl. Proclus in Tim. Plat. p. 322 ed. ¢

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tote yap xal %) de fato cap. 30, p. 92: "Aöbvarov mots vij zheop? sbuperpov, À và dig Abo rêve yeyovtvat. Diese Wendung scheint elvar Schulbeispiel metrische Fassung des Beispiels findet sich bei Saadia (oben, Note 3), die logische bei d I, 53), aber auch bei Maimonides und Thomas von W) Vgl. Casiri, biblioth. Arab. 1, 242; Wenrich 11) Vgl. D. F. Strauss, Voltaire, Leipzig, 1870

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wie der Mutasilit Abu-l-Ht Zeitgenossen an-Nazzäms | Philosophie einlässlich beschäi auf die Heraushebung de a Continuität an. Als einen so Hälfte des neunten Jahrhunderts kern nur an-Nazzäm anzusehen, d nicht bloss, wie Abu-l-Hudail gelesen, und auf sich hat wirken lassen. dann ganz hergestellt, wenn eine direct

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18) vgl. M. Joel, ZurGenesis pu Vel Jo, Ed. Brine, tng Er Lobrreiche Beispiele dafür bei 2 Tyo gt ‘naarmate ales Baal eter,

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zuweilen, bis zur Unkenntli : etuappévy, Fatum, Theodicee, | Allwissenheit, Priidestination, side Milieu in der Sociologie u. s. w. si 25) Ebda. 8. 64. %) Ebda. S. 25. #1) Ebda, 8.31. *) In meiner Abhandlung: Antike und Occasionalismus 8. 44.

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seer.le) sers «ie Pye durchgängigen Parallelismus dad ; schehens auf. Man ersieht hieraus, dass di der Probleme, an den philosophischenE gemessen, sich mit dem gleichen Recht | historische Continuität, die hier im Ein:

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Nachdem Val. Rose diese vou Munk t : aufgedeckt hat, sah RNDruckfehler für verkannt), ‘cm tor Val Roe 3) Munk, Mélanges p. 250. 3) Abulfarag, hist. Dynast, p. 153.

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Aristoteles hervorgetreten. neben den Schriften Platons auch I #7) Renan, Averroes p. 70. 28) Hierokles sagt in seiner Schrift über die Vi sehu tios auf uns gekommen ist, Ammonios, der gewesen, welcher die Lehren des Platon und und in ihnen ein und dasselbe System erkannt rôv abtév voov), vgl. Ed. Zeller, Ammonius & Gesch. der Philos. Bd. VII, H. 8, 1894, 8.296, F

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Sprache verfassten Schriften, nicht die | eigentlich nur Al-Kindi; die anderen ara

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#) Vgl. Munk, Mélanges p.122; vgl.d Kak Demokrits über de erwâhnt : vern ne verge 5) Vgl. auch Lasswitz a. a. O. I, 137,

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Continuität d. griech. Philosophie in d. Gedankenwelt d. Araber. der Atomistik, ohne zu ahnen, dass der richtig verstandene Demokrit dem religiösen Dogma unverhältnissmässig gefährlicher ist, als der gefürchtete Aristoteles. Und so erleben wir denn unter den Arabern das belastigende Schaupiel, dass die aufklärerischen Philosophen wegen ihres Anschlusses an Aristoteles von den Mutakallimin als freigeisterisch verketzert werden, während sie selbst, die Dunkelmänner des Islâm, auf die Atomistik schwören und Demokrit gegen Aristoteles ausspielen — ein philosophiegeschichtlicher Maskenscherz, der ganz dazu angethan ist, den bei der Beschäftigung mit diesen entlegenen Problemen bald ausser Function gesetzten Arbeitseifer angenehm zu prickeln und neu zu beleben. Ein weiteres Eingehen auf die Atomistik der Mutakallimin kann ich mir an dieser Stelle um so eher ersparen, als Lasswitz in seiner vortrefflichen Geschichte der Atomistik und neuerdings Mabilleau die Bedeutung dieser Lehren für die geschichtliche Continuität in vollem Masse gewürdigt haben sn), Auf den Umstand, dass die Mutakallimin, insbesondere die Secte der Ascharija, die Frage, wie die Atome auf einander wirken können, da ein inflaxus physicus zwischen ihnen ausgeschlossen ist, ganz in demselben Sinne beantwortet haben, wie später die Occasionalisten, dass nämlich Gott jeweilen die Verbindung und Trennung der Atome durch einen freien Willensact erst herstellen müsse, habe ich bereits in meiner Abhandlung über „die antiken und mittelalterlichen Vorläufer des Occasionalismus“ einlässlich hingewiesen °°). Im Anschluss an meine Ausführungen führt nun Lasswitz aus°?), dass der Occasionalismus in Bezug auf den fortwährenden unmittelbaren Eingriff Gottes ganz in die Fussstapfen der Mutakallimin tritt, und weist auf den merkwürdigen Umstand hin, dass der Begründer des Occasionalismus, Cordemoy, von Descartes wieder zur Atomistik abfällt. Dieses Beispiel zeigt uns recht augenfällig, dass neben der historischen Continuität der Gedanken noch eine logische mit zu 57) A.a.0. I, 134—150. Mabilleau I. c. p. 331 ff. 58) Archiv für Gesch. der Philos. Bd. II, 207—224, Sonderabdruck S. 17 59) À, a. O. I, 145.

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