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§ 1: Pythagoras
Am
Anfang der
abendländischen Bemühungen
Pythagoras.
Man hat
wirklich
Mathematiker
ein
freilich
die
von
Frage
um
die
Zahl
aufgeworfen,
ob
Pythagoras
historischer
dieser Hinsicht bloß eine Legende ist.
etwa E. Sachs!), E. Frank?) und W.
Bedeutung
oder
ob
steht
er
in
Die Altphilologen, ich darf hier
A. Heidel*) nennen, neigen im
allgemeinen zu einer recht weitgehenden Kritik, sie ziehen die historische
Bedeutung in Zweifel. Dagegen gehen die vorwiegend von der Mathematik herkommenden Forscher fast immer davon aus, daß schon geraume
Zeit
vor
Platon
fundamentale
mathematische
Entdeckungen
gemacht
worden sein müssen. Es handelt sich freilich um Sätze, die sehr schlicht
aussehen, und deshalb kann wohl nur der mit der Mäthematik Vertraute
die Bedeutung dieser Sätze würdigen. Räumt man diese mathematische
SG
onda G., Klassische Ontologie der Zahl. Pythagoras ; cf. Sciences : Mathématiques.
Martin G., Klassische Ontologie der Zahl |p. 11-59 : Pythagore,
Platon,
Aristote, Euclide, Archimtde, Plotin, Augustin] :
LXX Köln Kölner Univ.-Verl. 1956 159 p. 10 DM.
Kantstudien Erg.-Heft
“
Voraussetzung ein, dann wird man wohl auch zugeben, daß schon geraume
Zeit vor Platon in Griechenland ein großer Mathematiker gelebt haben
muß, und dann ist die Anerkennung der historischen Gestalt des Pythagoras eine naheliegende Folgerung. So hat sich Moritz Cantor in
seiner großen Geschichte der Mathematik entschieden 4). Von den heutigen Forschern darf ich etwa K. Reidemeister5), A. N. Whitehead ®), O.
Becker ?), P.-H, Michel $) und C. J. Keyser ?) nennen. Ich selbst darf mich
zu
denjenigen
rechnen,
die kritische Erwägungen nicht allein für
ausschlaggebend halten, die vielmehr auch den Wert der historischen Uberlieferung gelten lassen wollen. Es ist unzweifelhaft, daß die Überlieferung
aus den frühen Zeiten der griechischen Mathematik sehr spärlich ist. Aber
ist es wirklich richtig, durch eine gegen sich selbst kritiklose Kritik auch
diese letzten geringen Reste noch aufzulösen, und hat nicht doch F. Enriques
recht, wenn er von einem scepticisme destructif spricht? Sollte
man nicht im Gegenteil versuchen, die wenigen Reste auf das sorgsamste
auszuwerten? In der allgemeinen Beurteilung der Reste bin ich geneigt,
Neugebauer zu folgen, wenn er erwägt, die Entdeckung der fundamentalen
Sätze sehr viel früher, über tausend Jahre früher anzusetzen als die
frühesten Zeiten der griechischen Mathematik, so daß das eigentliche Verdienst der Griechen nicht in der Entdeckung, sondern in der Begründung
der Sätze zu suchen wäre 10),
Dies sind freilich allgemeine Erwägungen. Für unser Problem kommt
es gar nicht darauf an, ob die einzelnen Thesen von Pythagoras selbst,
oder ob sie von seinen Schülern entdeckt und vorgetragen worden sind.
Diese Unsicherheit kann aus der
besonderen Art des Schulzusammenhanges der Pythagoräer herrühren. Ob ein bestimmter Satz von Pythagoras oder von einem seiner Schüler stammt, scheint sehr früh ungewiß
gewesen zu sein; Aristoteles jedenfalls spricht fast immer nur von den
Pythagoräern, er vermeidet es, von Pythagoras selbst zu sprechen,