Macrobius und Chalcidius als Ubersetzer Platos

Auteur
Mras, K.
Publié dans
Wiener Studien
Année
1933
Sujet
CHALCIDIUS
Langue
Deutsch
Catégorie
B9 Somnium Scipionis
Numéro d'archive
1197

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2 u à + | Y ya? - ta È FR Toast 48 ae 2 ! 7 * MISZELLEN, Macrobius und Chalcidius als Übersetzer Platos. Zu Platos Timaeus haben wir im Lateinischen außer dem Bruchstück der Übersetzung Ciceros und der des Chalcidius noch die Wiedergabe einiger Stellen durch Macrobius in seinem Kommentar zu Ciceros Somnium: Tim. p. 31 b—32 b (I 6, 29—31), a (II 2, 15) und 39 b (I 20, 2). In meiner Abhandlung: 35 b—36 ,Macrobius’ Kommentar zu Ciceros Somnium. Ein Beitrag zur Geistesgeschichte des 5. Jahrh. n. Chr.“ !) habe ich dargelegt, daß Chalcidius und Macrobius (beide ungefähr hundert Jahre von einander getrennt) nicht nur von Cicero, sondern auch unter einander ganz unabhängig sind (s. S. 242, 245, 284). Cicero und Chalcidius schließen sich meist enger an das Original an als Macrobius, der oft frei übersetzt oder geradezu paraphrasiert. Hier möchte ich einige Bemerkungen zur mittleren der drei Stellen nachtragen, um den Unterschied zwischen der Übersetzung des Macrobius und der Ciceros zu veranschaulichen: piay dwetre td npwrov and mavrós poipav lautet bei Cicero $ 22 (Plasberg) unam principio parlem delraxit ex lolo, bei Macrobius primam ex omni fermento partem lulil. Doch übersetzt Macr. petà 02 tava nahezu wörtlich mit post hoc, Cic. $ 23 mit deinde. Die griechischen Fachausdrücke hemioliam und hemiolii el epilrili el epogdot behält Macr. bezeichnenderweise bei, Cic. übersetzt sie: $ 22 sesqueallera, $ 23 sesquealleris autem intervallis el sesquelerliis et sesqueoclavis. Für 560 pesétytag sagt Cicero bina media, fügt aber hinzu: viz enim audeo dicere medielales, ein Wort, das in Macrobius' Zeit längst eingebürgert war und von ihm daher ohne weiteres gebraucht wird (binae medielales). DaB Macrobius’ Übersetzung seiner Zeit angehört und nicht etwa aus einer älteren Epoche übernommen worden ist, beweist das spätlateinische (im Italienischen weiterlebende) adimplebal *), 1) Sitz.-Ber. d. Preuß. Akad. d. Wissenschaften, phil.-hist. Kl., 1933, S. 232 ff. . 3) Dieses Wort hat eine interessante Geschichte. Nach dem Thes. i. E. taucht es zum erstenmal bei Columella XII 43 auf: casei... /rusla . .. vase componilo: tum oplimi generis muslo adimplelo ita, ul superveniat, dann kommt es außer bei Tertullian und Cyprian erst wieder im IV. Jhdt. vor, von da an aber gibt es sehr viele Belege. Also zunächst ein bäuerlicher Fachausdruck, der sich erst nach der Barbarei des III. Jhdts. in der höheren Literatur festgesetzt hat. 147 wofür Chalcidius conplebal (Plato suverAnpoöro) und conplens sagt, Cicero $ 23 insliluil ... explere. Zu diesem adimplebal kommt das der Umgangs-, vor allem der Komédiensprache eigentiimliche modo = nunc 1 9, 7 {quondam homines, modo cum superis humana luenles quondam homines, = Hesiod, Werke und Tage 123 émyithover: 122 tot pëv Galuovés slot modo-luentes) ?) und tusum (II 5, 25) = deorsum 4). Im Traum gibt Cicero bekanntlich $ 27 f. (Ziegler) ‘eine Ubersetzung des Platonischen Beweises von der Unsterblichkeit der Seele (Phaedr. c. 24). Dieselbe Stelle übersetzt Chalcidius im 57. Kapitel (Wrobel) seines Timaeuskommentares. Von den beiden Übersetzungen ist im allgemeinen die Ciceros die wörtlichere. Chalcidius braucht allerdings natiirlich kein Bedenken mehr zu tragen, naSAav — xaühay 245 C mit pausam — pausam zu übersetzen (Cicero muB finem — finem sagen). Wortlicher ist auch Chale. 5. 125, 7 f. nam si ex aliquo (gignuntur) ~ D ei yap Ex tov dpyn Yiyvorto (quod gignerelur aliunde Cic.); 10—12 quippe inilio sepullo neque ipsum ex aliquo reparabilur nec quicquam ex eo ~ D apxüs yao dî dnohouévns obte abt) note Ex tov Exelvng yevjoetat (nam principium obte dio ¿E easlinclum nec ipsum ab alto renascelur nec ex se aliud ereabil Cic.); 23 f. Quod cum ila sil ~ E & & ¿ore tolta obtws Eyov (quae si est una ex omnibus Cic.). Aber die geringere Genauigkeit des Chalcidius liegt an folgenden Stellen zutage: 125, 10 carel eliam morle m nai dotápdopow ats Aydyan elvar (nec occidit quidem umquam Cic.); 16 labefaclum consistere => E oupreco5oav otijvat (Cic. wörtlicher concidal ... el consislal); 20 animae menlisque inmorlalilas revelala esl ~ E puxñs odalay te xal Adyoy Tobtoy avtdy tte Akywy odx aloyuveltar (quis est quí hane naluram animis esse tribulam negel? Cic.); 126, 1 f. proplereaque posilam extra ortus inlerilusque necessilalem = 246 A EE dvdyanc ayévmrév te xal dbdvatoy duyh dv ely (neque nala cerle est el aelerna est Cic.). Einiges in dieser Übersetzung des Chalcidius ist sogar eher als Paraphrase zu bezeichnen, wie ich a. a. O. 5. 274 gezeigt habe. Interessant ist, daB für dpyi Cicero principium, Chalcidius inilium sagt, für yéveaw (d. h. die belebte, 3) Aus modo wurde in süditalienischen Dialekten (heute noch z. B. auf Capri) mò für ora, adesso. Von modo = nune wurde im Spätlatein modernus gebildet, nach hodiernus { hodie. 4} Aus iusum wurde im Altitalienischen giuso, wie aus susum suso, daraus im Neuitalienischen giù — su (das Adverb),

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MISZELLEN. MISZELLEN. organische Welt) Cic. nalura, Chalc. geniluram, ein erst im spairiremem frangi. Im Texte schließt sich nach Mai und Naber teren Latein erscheinendes Wort. Graz. KARL MRAS. an: Tur... (seplem versus perierunl') armalo .. el .. remis vero.. perieril *), Ich vermochte zu lesen: Turris|valistissalis armata fa|cile hostes coercet’ cu(m) | (navis ornala) remis Zu Fronto S. 194, Z. 21 ff. (Naber). Im längeren fiir unsere Kenntnis des Decurionats lehrreichen Schreiben an Arrius Anloninus (Ad amicos 11 7), einen Verwandten des Antoninus Pius, setzt sich Fronto als palronus vel precalor für Volumnius Serenus aus der Kolonie Concordia in Venetien lebhaft ein. Arrius Anloninus, der vor dem Jahre 169 der erste iuridicus per Italiam regionis Transpadanae war !), hatte Bedenken getragen, den genannten Volumnius Serenus, der 45 Jahre decurio und Stadtschreiber (scriba) der Gemeinde gewesen war, damit verbundene Funktionen versehen | und Beitrage gezahlt hatte, nach dessen Relegation in seine frühere Stellung wiedereinzusetzen. Fronto macht (S. 194, Z. 21 ff.) fiir ihn unter anderem geltend: Non idem dedecus est homini solitario ignominia feriri, quantum dedecus esi plena liberis ac nepolibus domo infamia nolari; cuius infamiae aspergo inquinal simul mullos el dedecoral, Worte, die Mai auf der bleichen, großenteils schlecht erhaltenen Seite 304 des Ambrosianischen Palimpsests nicht aus dem Texte selbst, sondern aus der leichter lesbaren ersten oberen Randnote der zweiten Hand übernahm. Ich konnte die gleiche Fassung im Texte der ersten Spalte dieser Seite (Z. 13—21) feststellen. Die Worte plena liberis . . domo kann ein vorhergehendes bisher nicht gelesenes Sätzchen besser beleuchten: Plures habel mulos liberos, graviler ul hi acquiranl; pluris respueruni (veyl e comilib(us). In Z. 22 bis 24 folgt: Sicul non eadem clades | est in proelio unum*) | equilem obiruncarei*) et || Iriremem frangi. Dies bietet die m.” auf dem unteren Rande wenig verändert so: Non idem est in proelio unum equilem obiruncari el 1) Seine Amterlaufbahn enthält die ihm vom Gemeinderat der Stadt Concordia gewidmete Inschrift CIL V 1874. | 2) Danach hat m.! noch eq, und m.*: (egjes oder (eg)os geschrieben, dann aber wohl das Ganze weggelöscht, um in der nächsten Zeile equilem auszuschreiben. 3) -ei der m.! hat m.? in -i korrigiert. 149 denis|rudenie rudi perieril’. Wie man sieht, sind nach Tur bis armala nicht sieben Zeilen verloren, sondern nur wenig mehr als eine halbe, und weiter sind im ganzen ungefähr drei schwerer zu entziffern. In valislis für ballislis steht, wie auch sonst häufig, v für è und einfache Liquida, Vor remis sind etwa 11 Buchstaben nicht mehr lesbar; doch führen die vorhandenen Schatten sowie der Sinn am ehesten auf nuvis ornala, das mit dem vorhergehenden salis armala eine der bei Fronto und anderen Autoren (wie Apuleius und Augustin) besonders beliebten Klangfiguren bildet; sie wird durch noch ohrenfälliger reimende und assonierende Verbindungen fortgesetzt. Das modale oder kondizionale rudenie rudi geht wohl auf das rauhe, nicht gehörig gebrauchsfähige Tauwerk. Zunächst sind zwei statt acht Zeilen, wie Mai und Naber angeben, nicht mehr herstellbar. Gleich darauf folgt ein eigener Absatz mit dem Texte über die arboris felicilas, der nach Mai so lautet: Leges pleraeque poena sanciunl, ne quis felicem arborem succidal. Quaenam est arboris felicilas? rami fecundi el frugiferi, bacis el pomis onusli. Nemo cannam el harundinem, quamvis proceram, felicem dizerit. Aequiusne est arboribus honori adque lulelae poma el bacas esse, quam hominibus liberos nepolesque ? Mai hat damit die Fassung der Randbemerkung in den Text übernommen. Einen kleinen Fortschritt hat Naber erzielt, der poenam sanciveruni, ne quis arborem felicem succidissel, dann bacis pomisque und dizeril felicem bietet. Wenn er aber angibt, in der Randnote stehe puena, so ist dies dahin richtig zu stellen, daß auch hier poena geschrieben steht ; weil darin o aus / korrigiert ist, konnte es als a verlesen werden. DaB der wirkliche Frontotext auch bei Naber nicht genau entziffert vorliegt, sondern an den schwerer lesbaren Stellen der deutlicheren Randnote angepaßt ist, dürfte aus meiner Lesung hervorgehen: Leges pleraeq{ue) poenas consti|tuerunl' ne quis arbolrem felicem succidissel. | Quaenam est’ a rbos arbojri®) felicilus' arbor) 4) Mai irrig pelieril, °) Darüber: in al. (nämlich codice) arborisqlue). 5) Auf dem Rand: ial. arbos.