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MISZELLEN,
Macrobius und Chalcidius als Übersetzer Platos.
Zu Platos Timaeus haben wir im Lateinischen außer dem
Bruchstück der Übersetzung Ciceros und der des Chalcidius noch
die Wiedergabe einiger Stellen durch Macrobius in seinem Kommentar zu Ciceros Somnium: Tim. p. 31 b—32 b (I 6, 29—31),
a (II 2, 15) und 39 b (I 20, 2). In meiner Abhandlung:
35 b—36
,Macrobius’ Kommentar zu Ciceros Somnium. Ein Beitrag zur
Geistesgeschichte des 5. Jahrh. n. Chr.“ !) habe ich dargelegt,
daß Chalcidius und Macrobius (beide ungefähr hundert Jahre
von einander getrennt) nicht nur von Cicero, sondern auch unter
einander ganz unabhängig sind (s. S. 242, 245, 284). Cicero und
Chalcidius schließen sich meist enger an das Original an als
Macrobius, der oft frei übersetzt oder geradezu paraphrasiert.
Hier möchte ich einige Bemerkungen zur mittleren der drei
Stellen nachtragen, um den Unterschied zwischen der Übersetzung des Macrobius und der Ciceros zu veranschaulichen:
piay dwetre td npwrov and mavrós poipav lautet bei Cicero $ 22 (Plasberg)
unam principio parlem delraxit ex lolo, bei Macrobius primam
ex omni fermento partem lulil. Doch übersetzt Macr. petà 02 tava
nahezu wörtlich mit post hoc, Cic. $ 23 mit deinde. Die griechischen Fachausdrücke hemioliam und hemiolii el epilrili el epogdot
behält Macr. bezeichnenderweise bei, Cic. übersetzt sie: $ 22
sesqueallera, $ 23 sesquealleris autem intervallis el sesquelerliis et
sesqueoclavis.
Für 560 pesétytag sagt Cicero bina media, fügt aber hinzu:
viz enim audeo dicere medielales, ein Wort, das in Macrobius'
Zeit längst eingebürgert war und von ihm daher ohne weiteres
gebraucht wird (binae medielales).
DaB Macrobius’ Übersetzung seiner Zeit angehört und nicht
etwa aus einer älteren Epoche übernommen worden ist, beweist
das spätlateinische (im Italienischen weiterlebende) adimplebal *),
1) Sitz.-Ber. d. Preuß. Akad. d. Wissenschaften, phil.-hist. Kl., 1933,
S. 232 ff.
. 3) Dieses Wort hat eine interessante Geschichte. Nach dem Thes. i. E.
taucht es zum erstenmal bei Columella XII 43 auf: casei... /rusla . .. vase
componilo: tum oplimi generis muslo adimplelo ita, ul superveniat, dann kommt
es außer bei Tertullian und Cyprian erst wieder im IV. Jhdt. vor, von da an
aber gibt es sehr viele Belege. Also zunächst ein bäuerlicher Fachausdruck,
der sich erst nach der Barbarei des III. Jhdts. in der höheren Literatur festgesetzt hat.
147
wofür Chalcidius conplebal (Plato suverAnpoöro) und conplens sagt,
Cicero $ 23 insliluil ... explere. Zu diesem adimplebal kommt
das der Umgangs-, vor allem der Komédiensprache eigentiimliche modo = nunc 1 9, 7 {quondam homines, modo cum superis
humana
luenles
quondam
homines,
=
Hesiod,
Werke
und Tage
123
émyithover:
122 tot pëv Galuovés slot modo-luentes) ?)
und
tusum (II 5, 25) = deorsum 4).
Im Traum gibt Cicero bekanntlich
$ 27 f.
(Ziegler) ‘eine
Ubersetzung des Platonischen Beweises von der Unsterblichkeit
der Seele (Phaedr. c. 24). Dieselbe Stelle übersetzt Chalcidius
im 57. Kapitel (Wrobel) seines Timaeuskommentares. Von den
beiden Übersetzungen ist im allgemeinen die Ciceros die wörtlichere. Chalcidius braucht allerdings natiirlich kein Bedenken
mehr zu tragen, naSAav — xaühay 245 C mit pausam — pausam
zu übersetzen (Cicero muB finem — finem sagen). Wortlicher ist
auch Chale. 5. 125, 7 f. nam si ex aliquo (gignuntur) ~ D ei yap Ex
tov dpyn Yiyvorto (quod gignerelur aliunde Cic.); 10—12 quippe inilio
sepullo neque ipsum ex aliquo reparabilur nec quicquam ex eo ~
D apxüs yao
dî
dnohouévns obte abt) note Ex tov
Exelvng yevjoetat (nam principium
obte dio
¿E
easlinclum nec ipsum ab alto
renascelur nec ex se aliud ereabil Cic.); 23 f. Quod cum ila sil ~
E & & ¿ore tolta obtws Eyov (quae si est una ex omnibus Cic.).
Aber die geringere Genauigkeit des Chalcidius liegt an folgenden
Stellen zutage: 125,
10 carel eliam morle m nai dotápdopow
ats Aydyan elvar (nec occidit quidem umquam Cic.); 16 labefaclum
consistere => E oupreco5oav otijvat (Cic. wörtlicher concidal ...
el consislal); 20 animae menlisque inmorlalilas revelala esl ~ E
puxñs odalay te xal Adyoy Tobtoy avtdy tte Akywy odx aloyuveltar (quis
est quí hane naluram animis esse tribulam negel? Cic.); 126, 1 f.
proplereaque posilam extra ortus inlerilusque necessilalem = 246 A
EE dvdyanc ayévmrév te xal dbdvatoy duyh dv ely (neque nala cerle
est el aelerna est Cic.). Einiges in dieser Übersetzung des Chalcidius ist sogar eher als Paraphrase zu bezeichnen, wie ich a. a.
O.
5.
274 gezeigt habe.
Interessant ist, daB für dpyi Cicero
principium, Chalcidius inilium sagt, für yéveaw (d. h. die belebte,
3) Aus modo wurde in süditalienischen Dialekten (heute noch z. B. auf
Capri) mò für ora, adesso. Von modo = nune wurde im Spätlatein modernus
gebildet, nach hodiernus { hodie.
4} Aus iusum wurde im Altitalienischen giuso, wie aus susum suso,
daraus im Neuitalienischen giù
— su (das Adverb),
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MISZELLEN.
organische Welt) Cic. nalura, Chalc. geniluram, ein erst im spairiremem frangi. Im Texte schließt sich nach Mai und Naber
teren Latein erscheinendes Wort.
Graz.
KARL MRAS.
an: Tur... (seplem versus perierunl') armalo .. el .. remis vero..
perieril *), Ich vermochte zu lesen: Turris|valistissalis
armata fa|cile hostes coercet’ cu(m) | (navis ornala)
remis
Zu Fronto S. 194, Z. 21 ff. (Naber).
Im längeren fiir unsere Kenntnis des Decurionats lehrreichen Schreiben an Arrius Anloninus (Ad amicos 11 7), einen
Verwandten des Antoninus Pius, setzt sich Fronto als palronus
vel precalor für Volumnius Serenus aus der Kolonie Concordia
in Venetien lebhaft ein. Arrius Anloninus, der vor dem Jahre
169 der erste iuridicus per Italiam regionis Transpadanae war !),
hatte Bedenken getragen, den genannten Volumnius Serenus,
der 45 Jahre decurio und Stadtschreiber (scriba) der Gemeinde
gewesen war, damit verbundene Funktionen versehen | und
Beitrage gezahlt hatte, nach dessen Relegation in seine frühere
Stellung wiedereinzusetzen. Fronto macht (S. 194, Z. 21 ff.) fiir
ihn unter anderem geltend: Non idem dedecus est homini solitario
ignominia feriri, quantum dedecus esi plena liberis ac nepolibus
domo infamia nolari; cuius infamiae aspergo inquinal simul
mullos el dedecoral, Worte, die Mai auf der bleichen, großenteils schlecht erhaltenen Seite 304 des Ambrosianischen Palimpsests nicht aus dem Texte selbst, sondern aus der leichter lesbaren ersten oberen Randnote der zweiten Hand übernahm.
Ich konnte die gleiche Fassung im Texte der ersten Spalte
dieser Seite (Z. 13—21) feststellen. Die Worte plena liberis . .
domo kann ein vorhergehendes bisher nicht gelesenes Sätzchen
besser beleuchten: Plures habel mulos liberos,
graviler ul hi acquiranl; pluris respueruni (veyl
e comilib(us). In Z. 22 bis 24 folgt: Sicul non eadem clades |
est in proelio unum*) | equilem obiruncarei*) et || Iriremem
frangi. Dies bietet die m.” auf dem unteren Rande wenig verändert so: Non idem est in proelio unum equilem obiruncari el
1) Seine Amterlaufbahn enthält die ihm vom Gemeinderat der Stadt
Concordia gewidmete Inschrift CIL V 1874.
|
2) Danach hat m.! noch eq, und m.*: (egjes oder (eg)os geschrieben,
dann aber wohl das Ganze weggelöscht, um in der nächsten Zeile equilem
auszuschreiben.
3) -ei der m.! hat m.? in -i korrigiert.
149
denis|rudenie rudi perieril’. Wie man sieht, sind
nach Tur bis armala nicht sieben Zeilen verloren, sondern nur
wenig mehr als eine halbe, und weiter sind im ganzen ungefähr
drei schwerer zu entziffern. In valislis für ballislis steht, wie
auch sonst häufig, v für è und einfache Liquida, Vor remis sind
etwa 11
Buchstaben
nicht mehr lesbar; doch führen die vorhandenen Schatten sowie der Sinn am ehesten auf nuvis ornala,
das mit dem vorhergehenden salis armala eine der bei Fronto
und anderen Autoren (wie Apuleius und Augustin) besonders
beliebten Klangfiguren bildet; sie wird durch noch ohrenfälliger
reimende und assonierende Verbindungen fortgesetzt. Das modale
oder kondizionale rudenie rudi geht wohl auf das rauhe, nicht
gehörig gebrauchsfähige Tauwerk.
Zunächst sind zwei statt acht Zeilen, wie Mai und Naber
angeben, nicht mehr herstellbar. Gleich darauf folgt ein eigener
Absatz mit dem Texte über die arboris felicilas, der nach Mai
so lautet: Leges pleraeque poena sanciunl, ne quis felicem arborem
succidal. Quaenam est arboris felicilas? rami fecundi el frugiferi,
bacis el pomis onusli. Nemo cannam el harundinem, quamvis
proceram, felicem dizerit. Aequiusne est arboribus honori adque
lulelae poma el bacas esse, quam hominibus liberos nepolesque
?
Mai hat damit die Fassung der Randbemerkung in den Text
übernommen. Einen kleinen Fortschritt hat Naber erzielt, der
poenam sanciveruni, ne quis arborem felicem succidissel, dann bacis
pomisque und dizeril felicem bietet. Wenn er aber angibt, in
der Randnote stehe puena, so ist dies dahin richtig zu stellen,
daß auch hier poena geschrieben steht ; weil darin o aus / korrigiert
ist, konnte es als a verlesen werden. DaB der wirkliche Frontotext auch bei Naber nicht genau entziffert vorliegt, sondern
an den schwerer lesbaren Stellen der deutlicheren Randnote
angepaßt ist, dürfte aus meiner Lesung hervorgehen: Leges
pleraeq{ue) poenas
consti|tuerunl' ne quis arbolrem felicem
succidissel. | Quaenam est’ a rbos arbojri®) felicilus' arbor)
4) Mai irrig pelieril,
°) Darüber: in al. (nämlich codice) arborisqlue).
5) Auf dem Rand: ial. arbos.