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631
Súnftes Sud.
Gefchicte der Griedhifchen Weltiveisheit ¿luis
fhen der fiebenzigften und achtzigften
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Olympiade.
SII
fÆmpedoËles, Unaragoras, Demokrit, Seno undMelifus,
Moses: die blúbendfien Griechifchen Städte in
Afien durd) Sittenverderbniß und miederbolte
Bebeerungen, und die mädtigjtien Staaten in Grofgriehenland durd) die Austottungen oder Vertreibungen
der Pyrbagoreifchen
Gefellfchaften unheilbare Wunden
empangen hatten; fo fonntedoch
ber Gaame wiffenfchafte
liche: aa der an fo vielen Enden ausgefireut
war, nicht auf elumal erflicft, und der forfchende Geift,
der in fo mandjen Gegenden rege geworden war, nicht
Das Sdwerdt
ouf einmal unterdrückt werben,
der Perfer Gatte in Afien eben fo wenig allgemein, und
mit gleicher Graufamfeit gewürat , . als die Zerrüttungen
und Aufrühre, die aus den Vertilgungender Pythagoreer
entftanden, dem ganzen Griechifchen Stalicn und Sici«
lien in gleihem Manage verderblih gemorden waren,
Unter ben Afiatifchen Pflanzftädten büßten viele, befonRt 4
,
Mei NERS ,C.
ders
Page 2
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Finfte Bud.
ders diejenigen, die am Sellefpont und fchwarzen Meere
gelegen waren, außer ihrer Unabbängigfeit, ober einem.
alten Herrn, deffen Milde ihnen ihre Knechtfchaft erträgs
lid) gemacht hatte, faft nichts weber an Bürgern, nod)
an ihren alten Redhten und Sazungen ein; und felbftin
diejenigen , welche die Nache des erziienten Siegers ganje
lid) umgeworfen Batte,
Éebrte mit wieberhergeftellter
Ruhe ein großer Theil ihres ehemaligen Handels und
Gewerbes, und mit diefen Keichthümer und öffentliche
Gtückfeligfeit zurück. Aud) die Großgriechifchen Städte,
nachdem fie alle Uebel erduldet haften, welche der Ver:
luft ihrer Daupter, und die hieraus erfolgte Gefeslofigfeit,
nur Bervorbringen fonnte, gewannen mit dem Frieden und
der bürgerlichen Ordnung, welche fie aus den Handen dw
Adhder empfingen, zwar nidit alle, aber dod) viele ven
ben Kräften wieder, die ifnen wilde Srietradht gerawe
hatte.
Die Gicilianifhen Städte befonders erreichen
in dem Zeitalter, gu welchem id) jezo fortgehe, unter der
Herefhaftvon Tyrannen, oder vielmehr durd) die Defices
bungen und Tugenden von Männern,
die mwenigjeng
eben fo Baterland tiehend als ehrgeizig,
und für das
Wohl derer, die fie fich unterworfen hatten, nicht menia
ger, als für die Befeftigung ihrer eigenen Gewalt befsrgt
waren, ben höchften Gipfel von Macht, Anfeben, Wohl:
babenheit und Aufklärung, den fie jemals erftiegen haben,
Unter folchen Umftänden mûre es eine Abweichung ber
Natur von ihren eigenen Gefezen gewefen, wenn der
Scyaz von Kenntniffen, den glüclichere Vorfahren ers
worben harten, von den forglofen Nadfommen gang mi:
ren vernachläffige worden: man muß vielmehr erwarten,
daß die legtern das, was ihre Väter ihnen Binterlaffen
Hate
Page 3
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Batten, nod) zu vermehren gefud)t Haben.
Gn dem gan»
gen Umfange von Griechenland, mie es (id) von feinem
urfprünglichen Size nad, Often und Welten ausgebreitet
Batte, blieben nad) allen den gewaltfamen Umwálzungen,
von denen ich geredet babe, nod) immer viele blühende
Städte übrig, und in diefen Städten wurden nod) ime
mer Männer gebobren, weldje Natur und Glid mit»
eben den Gaben und Vortheilen zur Bereicherung und
Vervolifommung von Wiffenfchaften ausrúfteren, womit
bende, die älteften Gonifer und Pythagoreer zur ErfinDung derfelben befchenft haften.
Sole Männer waren.
Empedofles von Agrigent, Anaragoras von Klazomene,
Demofrit von Abdera, Zeno von Elea, und endlich Mes
liffus von Samos *), deren Verdienfte id) im gegenware
tigen Abfchnitte unterfuchen werde,
Cie waren alle Zeit« genofjen von einander, und unimtfelbare Nachfolger des
Pythagoras, Lenophanes, Seufipp, Heraklie und Dar»
menides. Man fann fie daher als das dritte, oder viele
mehr als das vierte Gefchlecht von Naturforfchern anfes
ben, die in Griechenland aufftanden.
Die Namen ip»
ter Baterfiade zeigen, daß die Weltweisheit noch immer
in eben den Gegenden vermeilte, in welchen fie guerft
mar geboren, oder mohin fie sundd)ft mar verpflanzt
worden,
Sn der Gefchichte diefer Männer hat man nod)
eben fo fehr, als in der Gefchichte ihrer Worgänger, Urs
face darüber zu Elagen, daß aud) nicht die Werke eines
einzigen gerettet worden, daß der übrig gebliebenen Frag:
mente nut wenige, und diefe wenigen Fragmente mei«
fteus
*) Siehe erfte Beylage am Ende des Abfchnitts.
Page 4
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Sünftes Buch, -
fieng dunfel, und in-einer Menge von Schriftftellern,
von denen fie auf ganz verfchiedene Arten gedeutet were
ben, zerftreuet find, Bag man ferner auch ihnen Geban.
fen und Gchriften untergefchoben bat, und dafi enblid
die ehren und Erfindungen, die ihnen zugefchrieben were
ven, fido eben fo fehr, als die Nachrichten und Sagen
Go wahr aber diefet
aus ältern Zeiten widerfprechen.
ift; fo muß man doch zugleich geftehen, wenn man fi
anders nicht die Ehre, größere Schwierigkeiten, als
man mirfiich zu befämpfen Hatte, überwunden zu haben
anmafien wiff, daß man in den Ueberbleibfeln aus dies
fem Zeitalter viel feiditer, als in den Erzählungen aus
frühern Perioden bas Wahre vom Falfcyen unterfcheiden,
und daf man aud) aus ben Bruchfiücten, die zu uns ges
kommen find, die Verdienfte eines jeden Denfers, und
den Zuffand der Wiffenfchaften viel zuverläffiger beurtheilen Fann, als ich in den vorhergehenden Büchern zu thun
im Stande war, wiewohl man aud) in dem gegenmartie
gen noch nichts vofiffänbiges erwarten fann,
Wenn man die prächtigften Lobfpriiche liek, mele
che die grôfiten Männer Roms und Griechenlandes dem
Anaragoras und deffen Zeitgenoffen ercheile haben +),
und
al
4) Sch will nur die wichtigften diefer Lobfpriiche anführen.
Som Anagagoras fagt Cicero: de or, I. 34, At hune
(Periclem) non clamator aliquis ad clepfydram latrare
docuerat, fed ut accepimus, Clazomenius ille Anaxagoras, vir fummus in maximarum rerum fcientia,
Sertus nennt ibn Toy Quomorarav Avatayogay
(VU, 90. adverf. Math.) Vom Empedofles fingt Lucrez
in folgenden Verfen, ungeachtet er die Grundfäze def:
felben ividerfegte:
4
Page 5
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)und alshann zu ungewöhnfihen Erwartungen geftimme
nachforfdit,
um wie viel diefe Weleweife die Grangen
der menfchlichen Erfenntniß nad) allen Seiten bin erwei»
tert haben; fo erffannt man, wenn man bemerft, daß
die erhabenften Geiffer fo geringe Forlgdnge im Felde
der MWiffenfchaften gemacht, und fid uni fo menige
Schritte mehr als ihre Vorläufer den Geheimniffen der
Natur und der Wahrheit gendbert haben, Nod immer,
“féeint es, als wen der menflide Gelft mehr gebichtet
und
Quorum Acragantinus cumprimis Empedocles eft:
Infola quem Triquetris terrarum geflit in oris:
Quae cum magna modis multis miranda videtur
Gentibus humanis regia,
vifendaque fertur,
Rebus opima bonis, multa munita virum vi:
Nil tamen hoc habuiffe viro praeclarius in fe,
Nee fanêtum magis, & mirum, carumque videtur.
Carmina quin etiam divini peétoris ejus
Vociferantur, & exponunt praeclara repertas
Ut vix humana videatur Nirpe creatua,
I, 717 &c. v,
Eben fo fehr wurde Demofrit vom Atiftotefes utrd Cis
cero bewundert. Arift. de gen, & corr, L, I, c. 2.
bras de raga Te emrmongs meer sderos Bdess
STESNCEV, eto Anpoxerre gros d some juev meee
Tor ov Deovrioay, 1 n de ev TH TOS sc DE CE. È
Cic, Ac, Quacft, IV, 23.
Quid loquar de Democrito?
quem cum co conferre poffumus non modo ingenii
magnitudine, fed etiam animi?
diri,
Haec loquor de univerfis,
quo nou profiteatur,
univería?
qui ita aufus fit orNihil excipit,
de
Quid enim effe poteft extra
quis hunc philofophum
non
anteponit
€leanchi, Chryfippo, reliquisque inferioris actatis
È
qui mihi cum illo collati,
quinta claffis videntur,
Die vortheilbaften Urtheile des Alten über den Jena
werde ich in der folgenden Note anführen,
Page 6
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Simftes Buch
und gefabelt, alsnachgedadht und ernftlic) geforfcht hatte,
Mod) immer teifft man unter den Mepnungen der meifeften Männer gegen eine einzige wichtige Wahrheit und
Beobachtung zehn grunblofe Vermurhungen und augenfeintihe Ungereimtgeiten an,
Und endlich ift die
Summe ihrer Gedanfen nod) immer fo Flein, daß ein
einziger nicht einma! vielfaffender Kopf die Elemente aller
Wiffenfchaften ohne Müheumfpannen fonnte, Die Ger
fcidhte derfelben beweift unmiderfpred)lid), daß die ge:
wöhnfiche Schilderung der Pothagoreifchen Philofophie
eitel Teäumerey, und der Glaube an die Verpflangung
aller Wiffenfchaften aus Aegupten und Afien nad) Grie.
henland eine ungegründete Erdichtung fey.
Ungeachtet aber die Weltweifen, die zwifchen der
fiebenzigften und adhtzigften Olympiade blühten, nicht viel
weiter als diejenigen, deren Fußftapfen fie folgten, vorviffen; fo unterfchieden fie fid) dod) von den feztern auf
mehrere vortheilhafte Arten, die man nicht überfehen oder
verfdweigen darf, wenn man ihnen Gerechtigkeit wieder»
fahren faffen will.
Eie fingen dod) an, die Natur ge:
naner zu beobadjten, und ihre Rafonnements mehr auf
Erfahrungen zu gründen, als ihre Väter gethan hatten.
Gie richteten ihre Aufmerffamfeit auf eine ungleid) gröfiere Anzahl von Gegenftänden, als diefe, und ihr Ges
ficgtsfreis erweiterte fi, wenn fie auch gleich nicht ime
mer fanden, was fie fuchten. ie erhoben fich, oder
vielmehr Unaragoras allein, bem aud) die beyden erftern
Berbienfte faft ganz allein eigenthimlid) find, von der
Erde und über die Himmel, in weldjen man Schönheit,
Drdnung und Regelmafigfeit wahrzunehmen anfing , zu
bem unbegreiflichen Urheber und Regierer des Ganzen,
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Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Gefidte der Griechifhen Weltrvcisheit, 637
deffen Majeftát man bis dahin eben fo fehr, als die
Bortrefflihfeit feiner Werfe verfanne hatte. — Eben
fo groß,
ober auch größer, als irgend eins ber jest
erwähnten Verdienfte, iff die Ausbildung, welche die
Profe, und befonders die philofephifche Sprad)e der
Griedhen durch die Arbeiten der Weltweifen diefes Zeite
alters (den Empebofles ausgenommen) erbielt.
Wir
find groar nach dem Verlufte ihrer und ihrer Vorganger
Werke nicht mehr im Etande zu beflimmen, wie viel ein
jeder ¿ne Bereicherung und Berfchônerung feiner Mutter.
forache bengetragen babe; allein wir Fönnen doch immer
aus den gúnftigen Urtheilen,
die gültige Richter über
die Schreibart des Demofrit und Beno gefálle haben *),
niche
$) Die Schreibart oder Sprache bes Demofrit tourde mit
der Stimme des Inpiter verglichen. Vil, 265. Sext,
adv, Mathem,
Cicero urtheilt folgender Geftale über
fie: Quamobrem fi ornate locutus eft, ficut fertue
& mibi videtur, pbyficus ille Democritus, inaterieg
illa fuit phyficl, de qua dixit: ornatus vero ipfe
verborum, oratoris putandus eft, de orat 1. 11, und
in orator, cap. 20. Itaque video vifum effe nonnule
lis, Platonis & Democriti locutionem, etfi abfit
a verfu, temen, quod incitatius feratur, de clarii.
mis verborum Juminibus utatur, potius poema pu=
tandum, quem comicorum poëtarum &e. Vom Ze
no heißt es begin Apulejus CApul, I p. 306. Ed, Colvii) item Zenonem illum antiquum Velia oriundum,
qui primus omnium di&ionem folertiflimo artificio
ambifariam diffolueret.
Csclbf die Sepreibare des
Anaragoras beurrheile Diogenes, aber gewiß nach ei
nem andern, wie er (lets zu tun pflegt, auf folgens
de giinftige Art:
apfaunevos srw
TE cuyyeaue
Mares, oes 1] desc no peyadoPeoros deus
yeupavoy, IL 9
Page 8
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Günftes Buch,
nicht weniger aus den Sragmenten des Araragoras und
Melifius fließen, daß die beyden erfisrn Meifter in der
Kunftzu {ereiben waren, und daf die fescern alle die gefuch»
ten und fdywerfalligen Verzierungen verachteten, rodurch
ihre febrer ihre Gedanken öfter verdunfelt oder verfegrt
als erhoben hatten, und durd) deren unmdfigen Gebraud)
die ihnen folgende Sophiften zwar die Bewunderung ih»
rer Zeitgenoffen, aber den Tadel befferer und aufgeflärs
terer Nahfommen verdienten. — Bey mürbe and) nod)
die Dialefrif, deren Erfindung Ariftoteles dem Zeno zus
fAreißt *), unter den wichtigen Endecfungen der erjten
Hälfte des fünften Jahrhunderts vor Chrifti Geburt auf:
zählen,
wenn man nicht diefe verberbliche,
und in ver
Folge nur zu fehr geliebte und blühende Kunft vielmehr
für eine Ausartung oder einen fdhädlichen Auswud)s, als
für eine Erweiterung der Philofophie halten müfte,
Wenn die Wiffenfhaften in bem Beitranme, ben
diefer Ab(Aynite umfaßt, einen viel grdfern Sprung ges
macht hörten, als wir finden, daß fie wirflid gemacht
haben; fo würde man fid) darüber nicht wundern Finnen,
weil die Geyden größten Männer, die darinn hervorges
bracht wurden, ganz wider die Mufter der. ältern Weifer
Griechenlandes, fic) Sffentlicyen Gefchäften entzogen, und
fo gar ihre Hiustidhen ‚Angelegenheiten vernachläffigten,
oder doch ihren Freunden übeigähen #*), um deffo unges
gree.
En
*) Sext. VIL 7
##) Siehe Bayl, Art, Anaxagore Not. A. bef. Cie. Tules
Quaeft, V, circa fnem. Quid ergo aut Homero ad des
leGationem animi & ea
cd aut cuiquam dodia
defis,
Page 9
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Gefhichte
der Griecbifthen Weltweisheit.
förter und ununterbrochener der Erforfchung der Babre
Heit obliegen zu fonnen, Empedofles und Meliffus hin
gegen wandten einen Theil ihrer Zeit und Kräfte im
Dienfte ihrer Vaterflädte an; und Zeno, ungeachtet er
der erfte eigeneliche Weltweife in Griechenland war, der
öffenelic) lebrte, und fid feinen Unterricht bezahlen fief,
verlor fein geben unter den edlen Beftrebungen, feine Mic.
bürger von einem Unterdrücker zu befreyen, der die Allein
berrfchaft in Elea an fich geriffen batte.
MachoenFende Lefer werden in der Gefdhidhte dice
fer Weltweifen, wie in einer jeden andern, auf Rachfet
flogen, die ihnen eben fo unaufldstich fepn werden, als
fie es mir find. Bald werden fie darüber erftaunen,
daß eben der Mann, der die fehmwerfien Wahrheiten
glücklich) endecfte,
und die feinften Beobadtungen ohne
Benfpiel und Vorbild anftellte, in Frrehiimer fallen fonnte,
die alle gefunde Vernunft empôren, indem fie wider die
gemeinften Erfahrungen und alle Analogie der Natur
fireiten, Bald wird es ihnen unerfldrlich (deinen, daß
Männer, wie Demofrit, Meliffus und Zeno, folche
Meynungen, dergletdjen ihre erften Grundfäge waren,
nod) immer nad) der Offenbarung der Wahrheit durch
den Anaragoras vertheidigen, und Benfall und Schüler
Endlich werden fie nicht begreifen fons
finden fonnten.
nen, wie es zuging, daß in der Weltweisheit Verberbs
niB
defuiffe unquam arbittamur?
beret, Anaxagoras,
An ni ita res fe has
aut hic ipfe Democritus,
agros
& patrimonia fua reliquiffent, huic difcendi quacrendique divinae deleótationi toto fe animo de:
diffent?
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Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)nif und Ausartung fo fhnell auf ihre Kindheit und Gue
gend folgten, und fidh fehon.da einftellten, als fie erft
einige wenige reife und heilfame Früchte für den Geift und
noch faft gar feine für das Herz der Menfchen getragen
Batre,
|
Der erfte unter den Weltweifen,
von denen id
reden werde, if Empedofles, der zwar einige Sabr (pas
ter als Anaragoras gebobren wurde, aber fic früher
Die tiefe Ehrfurcht gegen
als Schrififteller zeigte.
den Pythagoras, welche der Agrigentifche Weltweife
nicht nur in feinen Werken äußerte, fondern aud) durd)
Nadabmung im eben und Handeln ausbrücte, feine
mit einigen Pythagoreern, bie damals noch
Befannefchaft
über alle große Städte Staliens und Giciliens zerfireuf
waren, und die Vertheidigung mehrerer Gáje, die den
Freunden und Machfolgern joes Samifchen Philofophen
eigenthiimlich waren, wurden vermuthlid) die Beranlaf
fungen der falfchen Sagen, daß Empedofles ein Ver»
trauter des Pythagoras gemefen, und in feinen Bund
aufgenommen, aber wegen der untrenen oder leichtfinni«
gen Ausbreitung gerviffer Geheimniffe als ein unwiirdiges
Empedofles
Mitglied Herausgeworfen worden fey *).
blibte gerade in dem glánzendfien Zeitpuncte feiner Vas
terftadt, nicht lange nachher, als die Agrigentiner ihre
Zyrannen vertrieben, und die größten Werfe der Kunft
errichtet Batten **).
Er war nicht weniger als Pythagoe
rag
*) Diog. VII, 95.
ve) Man fehe das, was ich über den Zuftand der Cicilifhen
Städte am Ende des dritten Capirels des dritten Buche
gefagt habe.
Eine nene Beftàtigung meiner Bemere
kung
Page 11
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)ras ein Feind der Unterbrüdung, ober einer befhimpfen«
den] Ungleichheit *).
Er züchtigte diejenigen, die fid)'
felbft oder andere übermütbiger oder niederträchtiger Weife
gu erheben fucten: fehlug fogar die KónigsFrone aus, die
man ifm anbot, und vermochte die Agrigentiner dahin,
daß fie (und hierinn verließ er die Grundfäze des Mufters,
das er fid) gue Madyahmung vorgefegt hatte) den regierene
den Rath von saufenden aufhoben, und eine Demokratie
(che Verfaffung einführten,, nad) welder bamals die Cine
wohner aller Griedjifchen Städte firebten **),
Diefes
Eifers für bürgerliche Gleichheit ungeachtet unterfchied
fid) Empedofles im Aeußern eben fo febr, oder noch mehr
als Pythagoras von feinen Zeitgenoffen.
Er Eleidete fich *
nice
fung ift der Sprud, den man dem Œmpebofles jus
fcreibt: daß die Agrigentiner mohllebten, als menti
fie an jedem folgenden Tage fterben müßten: und bins *
gegen Gebäude aufführten, als wenn fie nie zu feben
aufhören würden. ap, Diog, 63. f.
*) Pros d autor nou AgisoreAne ereuSegoy eyes
YEVOH, HOE TAOYS LEXNS LAACTELOY,
EF Ye THY
Boeosrescey cura didopevyy FAENTHTATO, (ada
mee Raves ev ros Bees eure À8YE) Tay diroantec (beffer ssoTyTæ) ÖnAovors They ayannoas
Diog, 63. f.
È
*) Yoegor d 6 EuzedonAne nou To Tay Xıhımy
aderisce HOTEAUTE CUVESWS ETS ETN TEIL. WE
8 Kovov NY Toy MARTY, ada nou Toy To dyporizo Oeovevrav. Diog. 66. f Eumederäns
E TES Te TeWTES Tay mohtav UBeiCoYTcs uo
dia@eesvras (vielliiht die @Iesgovras) Tee ro
etedeyEus dec, Plut. adv, Col, A. 628,
Page 12
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Finftes Dud).'
nicht bloß veinlid), fondern pradtig, und trug Gerwdn:
der und Shmud, die man damals als Zeichen der fönigfie
chen Wide, oder einer göttlichen Heiligfeit anfah.
Seine Mitbürger verehrten in ihm nicht nur den Wieder
Berftefler, Barer und Befchüger ihrer Frenheit, den alle
gemeinen Wohlthäter, der fein großes Vermsgen zur
Verbefferung der Stadt, oder zur Ausftattung armer
Mitbúrgerinnen anwandte , den berühmten Dichter, den
mádcicen Rebner *), den großen erfahrnen Arzt, fone
dern fie berounderten in Ihm auch (und bier fimmte das
ganze übrige Sicitien bey) den Vertrauten der Götter,
den Vorfteher und MWeißager der Zukunft, endlid) den
toundertbátigen Befdwsrer, der den fauf der Natur
hemmen, und felbft dem Tode gebieten Éônne **),
Empedofles (dried nicht, wie Pherefydes, Herae
Élit, und vielleicht auch Unarimander und $eufipp vor ihm
getban haften, in Profe, fondern in Verfen, zum Ves
meife, wie leicht und natürlich es damals feinen mußte,
feine Gedanken in gebundener, und wie fchwer und une
natürs
#) Pacs de Iarubos ev Fois Bross, ors Koes soereos y
nou entwe cesses,
Togyiay yay Toy AgoyTivoy
cure yevesdeu padatar, adas Ümegexoyre ev
A, Kole TEXVAY &mohcAcrorTe. ap. Diog,
EATOE
5g. VIII. vide Arift, teftimonium 1. 57.
ex) Man {che Diog. I. è. & f. 59. 60. 61. 70.73. Seine
Caren und Wunder werden vom Diogenes nad) dem Ses
roflides Dontifus und Timais in einer abgefhmadten
Legenden Sprache erzählt. Viel glaublicher als Timais
(Diog, 60.) exsagít es Plutarch, wie Cinpedoffes cine
gewiffe Gegend in Sicilion, die gefährlichen Seuchen
SP war, gefund gemacht babe, adv, Color,
Page 13
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)natürlich in ungebundener Node auszubrücen,
Er Hine
terließ Gedichte von gang verfihiedenem Gnhalte*), von
denen zwar feines unverflümmelt, aber dod) mehr Bruc)«
Rüde, als von irgend einem andern alten phifofopbifder
Dichter, zu uns gefommen find,
Das ganze Griechi«
fee Ulterthum fegte den Empedofles den größten Did)term
an die Seite**), und Ariftoteles urtheilte, daß infeinen
Werfen ein Homerifcher Geif— webe, und daß er befon»
ders in Anfehung der Bilderfpradye und aller ührigen Vers
gierungen der Poefie wenige feines Gleichen, und vielleiche
Feinen über fid) habe. Allein eben biefe Zierrachen, an
denen feine üppige Einbildungsfraft nur zu fruchtbar war,
und die er nicht immer nach den Gefesen der dichterifchen
Sparfamfeit austheilte, raubten feinen Werfen einen
Vorzug,
- der den diteften und größten Dichter Griedyene
fandes zugleich zum leid)teften und angiehendften Schrifte
fteller felbft für Anfänger madt: ich meyne die KRiarheie
und bie nirgends aufhaltende und vermirrende Helligkeis
des Homerifchen Gefangs.
Er reder oft eine fo eigen.
thümlidhe Sprache, und braudyt fo Fühne Bilder und fo
i
Ss 2
*) Man
fehe
das
Versciónig
dunfle
derfelben
beym
Diogenes
57. 58,
*%) Ey de ro meer momrav Pros (Agısorerns) ort
nou Opegsos6 EuredenAns, nu demos eg Tuy
Denaw yeyove, KETWDOgINIS TE Y y ue TS An
Avis TOIS Mees TOTES ETITEVY UT: Yewmevos
Diog. 57. f. Theophraft urtheilte, daß er ein Nachahs
mer des Parmenides gervefen fey, und feine Manier
gu erreichen gefuch: babe ©. $5. Sermippus glaubte foe
gar,
daß er mit dem Keropbanes befannt gerejen
fey, und feiner Art zu didhten fi gu nähern bemühen
babe, 56. -
Page 14
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)dunkle Allegorien,
daß die größten Kunftrichter und
Spradhverftandige nicht felten ihren Scharffinn vergebens
an denfelben verfucht, oder fie dod) auf die verfthiedenfte
Art ausgelegt haben.
Uebrigens aber Elingen die längern Fragmente, diewir noch haben, fo voll und fo präch»
tig, und haben einen fo reichen Wohllaut, dergleichen
man nur in den beften Gefängen des Homer, und außer
diefem in feinem andern Griechifchen Did)ter antrift.
So fehr aber aud) Empedofles den Eenophanes,
Parmenides, und deren Zeitgenoffen an dichterifchem Feuer,
und vielleicht an Mannigfaltigkeit von Kenntniffen über
troffen haben mag; fo wenig war er ihnen als Zorfcher
und Ausfeger der Natur und feiner felbft überlegen.
Seine Gedanfen flritten zwar nicht fo offenbar mit den
Zeugniffen der Sinne, als dieder erften Eleatifer; allein
fie waren nicht weniger falfd),
und nod) mehr mit Wir
derfprüchen angefüllt,
Empedofles nahm zuerft vier unwandelbare Ele
mente, Feuer, Waffer, Erde und Luft, als den Urftoff
an, austweldjem alle Dinge hervorgebracht worden, und
Er
in welchen alle Dinge zurückkehren würden *)
e
fäugnete,
#) Die Beweisftellen für diefen Abfchnite finder man in meiner Hit, do&, de vero deo p, 354. cine einzige wide
tige, námlid) das Zeugniß des Pintarch beym Enfebins
ausgenommen in Praep, Ev. 1, 8.
Wenn Plutard)
den Einpedskles nicht unrecht verftanden bat; fo glaubte
diefer, daß die vier ewigen Elemente urfprünglid mit
einander vermifd)t, und ohne alle Bewegung waren,
daf aber Bewegung in der Folge daher entftanden fey,
voeil das Fener mit iberiviegender Kraft auf die-übrigen
So ver:
Grundforper zu wirken angefangen Babe.
ftebe
Page 15
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)lâugnete,
sole alle übrige Griehifche Weltweife,
bie
mehr als eine leidende Grundurfadje behaupteten, eigente
liche Entftehung und wirflichen Untergang.
Was man
Entftehung nenne, fey Zufammenfezung von Theilen, die
vorher fdhon da gervefen, und eben fo Untergang oder Tob
Auflöfung
von Theilen,
die bisher vereinigte waren,
Nichts alfo werde gebohren oder zerftört, fondern alles
toerde nur vermandelt*).
Die wirfenden Urfachen, oder
die Gefege und lebendigen Kräfte, durd) und nad) mele
chen alles aus den vier Hauptgattungen von Grundförpern
hervorgebracht, oder darinn zurüickgetrieben merde, belegte
er mit denfelbigen Namen, mit welchen fie Seraflit bes
lege batte; nur Éebrte er oder kaufchte er ihre Gefchäfte
und Wirffamfeit um. Er erklärte nämlich die Freund:
febaft oder Siebe für diejenige Kraft, die alle Wefen aus
den verfchiedenen Elementen zufammenfüge, und die
Seindfhaft hingegen für die Urfache der Auflöfung der
Dinge in
den Urfloff,
aus
welchem fie entftanden
feyen,
Ss 3
fiehe ich wenigftens' folgende
THY
Unter
Motte
des ‘Piutard :
de eoxav THs suwnosws cvpBarei
zo TE
TE TUNNHEVOH sete Tov aero, errildgiaeivTos TS Tues.
Aus diefem Chaotifihen Zuftande der
Clemente habe fig, Dachte Empedofíes ferner, die
Lufe zuerft abgefondert oder Servorgemidelt, und fido
um die übrige Maffe Freisformig box verbreitet,
Sad)
der Luft fey das Feuer Hervorgefommen, uno durch die
Kälte dev erftern in die Hohe gervieben werden,
*) Arift, de Gen, & Corrupt, I, 1, ¡€ Empedoclis fragment.
ap. Plut, adv, Colotem X, p. 523: 579. 580.
Page 16
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Finftes Bud,
Unter biefen erffen Hauptgedanfen des Empebos
Fle3 ift Feiner, den er nicht felbft burch mehrere entgegene
gefeste Ausfprüche aufgehoben Harte,
Er redete bisweis
Jen nicht nur von den Elementen, als von wandelbaren
Maturen *), fondern wanfte auch in ihrer Zahl. Denn
bald fabe er bas Feuer als das eine, und Waffer, Erde
und $uft als das ¿mente Element an, aus welchen alles
entfprungen fey; bald brachte ev gar alle Clemente aufein
gewiffes Eins, oder eine ‘gewiffe Einheit zurúcf, deren
Wefen und Eigenfchaften er niemals anzugeben oder zu
beftimmen fuchte **).
Eben fo unbefländig war er in
feinen Behauptungen über die roirfenden Urfachen oder
Kräfte. fe ftimmte er dem Heraflic bey, welcher fagte,
daß die Feindfehafe oder Swietradye die Schöpferinn, md
die
_
=) Man febe Befonders die Fragmente des Empedoffes beym
Simplicius fol. 34. I. in Phyf, Aufe, Ariftot, Sd
führe nur das fürzefte an: ors de ess And HET
Bere, fast Simplicius dyAce Aeyor,
Fy de pages newrescı TER AOMEVOIO UR OI.
Koy POwves ess une, xoy atera ev pe
ee
cons.
$3) Man fehe Emped, Frag. ap. Arift, VUI, 1. Phyf &
ibi Arift. ferner de Gen.
& corrupt, IL 1. EuzedeHANS MEY BY EIKE EVAYT
ICE AEVEYy HOY Eos T%
Dawopevee,
Key Weos CGUTOL
ŒUTES,
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ye 8 Prow éregor eÈ Érege yweadoy TY sol
qesav edev, cee TUDO FEITE EX TETOV, ciuos
d drav aweayayı ev év Thy rara Quaw,
TINAY TE VEIMES, EM TE ÉVOS Yryverdoy Trey
Eraser.
Mon fehe auc) Met, B. d. p, 44,
Page 17
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)die Eintracht die Zerftöhrerinn aller Dinge fey *.' An
andern Stellen fab er die Freundfcyaft feibft als ein Ctee
ment an, das aus der Einheit entjtanden fey, und gab
die Feindfchaft für die einzige Kraft aus, die diefer Eins
Beit ihren Urfprung nicht zu verdanfen babe.
Zufezt era
Elärteerin einem abermaligen Widerfpruche mit fic) felbft,
daß aud die Feindfchaft aus der Einheit entflanden fey,
und nannte bald bas Grice, bald die Norhwendigfeit,
bald die Natur als thätige Krafte, wodurch eben fowohl
als durd) Freundfchaft und Feindfchaft unzählige Körper
¿ufammenfezt und aufgelöft, und die ividtiaften Erfcheia
‚nungen und Veränderungen in der ganzen Welt erzeugt
wurden,
Unger ben ältern Weltwetfen iF nicht feiche jemand,
von dem man wenigere Mepnungen über die allgemeinften
Cigenfebaften der Dinge und über die Natur himmtiftger
Körper angeführt hätte, oder deffen Meyrungen weniger
befolgt worden waren, ais die des Empedofles, Er fos
wohl als Unapagoras fâugneten zwar mit den älteften
Cteatifern das Dafeyn eines feeren Raums, allein fie
fagten bende nichts von den Urfachen der verfibiebenen
Dichtighcit oder focferbeis, und der verfchicdenen Jeiche
tigfeit oder Schwere von Körpern bey gleicher Dafa
und Umfange **). - Er tadelte den Æenophanes in den
bitterfien Ausbrücen, daß er die Erde vefimegen fiir ns
berveglid) gehalten habe, weil fie ing Unenblidhe eingersurgele
Ss 4
fn,
*) Die Beweisftelen für diefen, und die folgenden Sie
findet man in meiner hit, dog, de vero dea FN
Arift, IV, 2, de Coclo,
Page 18
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Fünftes Buch.
fen, und brachte für den Saz,
den Lenophanes feinem
Urtheile nach fo (chlecht bewies, einen andern Grundvor,
der nicht weniger feltfam und eingebildet war,
Er glaubte
nämlich, daß die erftaunlich fdynelle Bewegung des Hime
mels, der die Erde umgebe oder umfaffe, ben Fall
oder die Ummälzung der Erde eben fo bindere, mie das
Ausfließen des Waffers durch das (nelle Herumfchwins
gen eines Reffels zurückgehalten werde *), den Himmel
felbft bielt er für eine dhrnftallene fefte Maffe,
Sonne nicht für Feuer,
und die
fondern für einen Abglanz des
göttlichen $id)ts **), oder li ben Kückfchein einer andern
Sonne, die derjenigen, bie wir fähen, entgegengefeze
fey, und die Räume der Himmel mit hellem Glange eta
fülle **),
Errebete von zmoen Halbfugeln, die fic) bee
ftändig um die Erde bewegten: einer feurigen oder lichte
vollen, und einer andern, die grofitentheils
aus fuft, und
aus einem fleinen Zufaze von Feuer beftehe. Dicfe
leztere nannte er Macht, und hielt fie für einen dem
Monde ähnlichen Körper, der feiner Mennung nach aus der
vom Feuer verlaffenen Suft gleichfam gufammengefroren
fey, und fein Sicht von der Sonne empfange+).
Ues
ber die Natur des Sichts und bes Sehens drückte er fic)
Vismeilen bee
nicht immer auf biefelbige Art aus,
bauptete er, daß das dicht, was uns die äußern Gegene
ftände fichtbar made, aus den Augen wie aus Feuer:
Quel:
*) IL, 13. de Coelo,
4%) Stob, p. 53. Plutarch, de Pyth, or, VII 575. id, 2.
wee) de Plac. II. 20. Stob. Ecl. Phyf. p. 56,
+) Plutarch, ap, Euf, Prap, Ev. 1, 8.
Page 19
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Gefhidite der Griechifdyen Meltiweidheit. 649
Quellen ausfliefe *).
An andern Stellen hingegen be:
fehrieb er bas Licht, als eine von der Sebfraft gänzlich
ver(chiedene feurige Subftanz, die fid) in den Räumen
aroifchen Himmel und Erde verbreiten Pinne, ohne daB
mir fie wahrnähmen**). Sch febe nicht ein, wie er mit
diefen unter einander fireitenden Ausfprüchen einen dritten
vereinigte, den uns Plato aufbehalten bat ***), Diefem
Weltweifen zufolge lehrte Empedoffes, daß fic) von allen
Gegenftänden gewiffe Theile ablöften, und daß fid) wie.
derum in allen Körpern Deffnungen fänden, in und dure)
welche
Ss 5
*) So verftehe ich wenigftens folgende Stelle beym Ariftos
teles (de fenfu & fenfibili c. 2.) ers esye TERYy
xa darse EumedorAns Puoi, voy ev To Tina
Yeygamray xoy cuveBeeive To oguv eÉsovros wazreg
sn Anumrneos TE Puros, diari 8 Koy ev To xwTe Ewew cov y orfiss In dem Fragment des Empedofles felbft aber, mas Aviftoteles anführt, fdeint die
andere Meynung beftätigt zu werden.
38) Arift, II, 7. de Anim, Key ge oeSas EurredorAns,
ed es Tis coos ETws eienrev, os Degonevs TE
Dares, ney Yıyvouevs more peratv Tus yns voy
“Te megiegortos, nos de Aevdavras.
#x*) Plat, in Meno p, 336. exe (fragt Sofrates) Aeyere
amoeeous Tivas ray ovrav nare EurredonAcce5
_ Dodge e Cantwortet Menon) — xay zroges
sis ES oy di wv otk cemcegony Toeevovray; —
mau Ye. — Koy TOY oorroeeowv ras mer cceuor
Tey eviols Tov Togav, Tes de eAurras y pelas
EWOY3 — 854 TOUTE. — Bnav ney oli uotdess
TI, — SYwye. — ex T8ETOY de auves, ori AeJo, en Iuvdwgos. e51 Ye Neo arroggon sy
para oer auuuereos ny œiodnTos.
Page 20
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Súnftes Buch.
welche fie eitt-und ausgehen fönnten,
Mach diefen Be:
griffen evflárte er bas Gefen felbft und den Anblif oder
die Unterfcheidung von Farben, als das Eindringen gee
wiffer von äußern Objecten abfließender Theile, die den
Deffnungen des Auges enrfprächen, und zugleich wahrnebmlic) waren, — Eben fo falfh, und feinen erften
Grundfazen niche weniger widerfprechend war die Mey:
nung, daß das Wafer ein Gemifche, oder ein Gubegriff
alter Arten von Gaften und Gefchmads fey, die wegen
ihrer Feinheit oder Verbiinnung unmerflich wären, unddaß
daher die Säfte und Salze aller Pflanzen und Früchte
aus verfajiedenen Theilen des Waffers abgefondert mir:
den *), Diefer Gedanfe pañte nur in das Spftem des
Anazagoras, der die vier Elemente nicht für die einfachften
Drincipien der Körper, fondern für Mifchungen aus une
zähfigen Somoiomerien hielt.
Empedofles arg:
ältere Weltweife,
übrige
alle
als
wenig,
fo
eben
wohnte
einen über alle Gedanfen erhabenen mächtigen, weifen
rind gütigen Ürheber der Welt, fondern er lief alle Götter
gleich, Menfchen und Thieren, aus ewigen Grundférpern
durch blinde Kräfte, deren Natur er eben fo wenig, als
ihre Art zu wirken erklärte, zufammengefezt und wieder
auf
=) Sierilber fehe man die Betrachtungen des Ariftoteles de
Gener. & Corrupt, Li. Sch will hier noch Eurz ein
paar Ausipriide des Cmpedotles anführen, die benm
Ariftoteles in feinen perewecrcyimers fiehen.
Cr
nannte (IL 3.) das Meer den Schweiß der Erde: reche
gut, fast Ariftoteles, für einen Dichter, aber ganz un:
vertandfih für einen - Naturforidher,
Empedotles
gionbte ferner CU. 8.) daß der Blix aus dem Feuer
entftehe, was die Wolten aus den Sonnenfivabien
tanınıleten.
Page 21
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)e Weltweisheit.
der Griechifhen
Gefchicht
aufgelöft werben *),
Bon diefem allgemeinen Sefese
der Entfiehung nahm er nicht einmal das ¡luftige oder geiftige Wefen aus**), wovon er, wie die Pythagoreer von
ihrem göftlichen Feuer,
und Heraflit von der göttlichen
uns umgebenden suff,
glaubte, daß es die Urfache des
febens, Empfindens und Denkens aller Naturen, und
die Urquelle aller Götter, Dämonen und Seelen fey. Er
Hielt die Götter zwar für größere Maffen oder Theile des
geiftigen Wefens, als die Seelen der Menfhen, Thiere
und Gemächfe; übrigens aber glanbte er dod), daß fie
mit den leztern verwandt, und von nleicher Natur feyen***),
Er fadelte mitdem Lenophanes den allgemeinen Serehum
feines Volks, welches fic) die Götter in menfchenäßnlicher
Geo
=
%) Man fehe Hit, do&, de vero deo. p.'357.
Die widhtigs
ften Zeugniffe ftehen beym Arift. de, Gen, & corrupt,
II, 7. Metaph, ß. d. p. 43.
3) Man fehe Sext,
VIL 127.
f.
(die Stelle felbjt habe id
in meiner Hi, doc. p. 358. abgeftrichen) und Ame
monii Comment, in Arift, Lib, regs Eouavercts jp.
94. dix Tauro 6 Axgayayrwos Topos errıgpamibev res meo Sewv as avSewmoedoy ovrws.
Togo Tous
Foros
Aryonevas pudes, enn
YHYE FEMNYEPEVWS HEY TEL HTOM@VOS,
8 YY AUTO FROS EXOS O Aoyos,
Tov Teorrov,
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de Toy &uxo Tee Te Sas raros dràws
amoPeuvoucvos , 8Te yee avdpopen EDO Ob»
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HENAO
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KEY
ATANWTWY
ye
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made æircerw, +8 modes, e Doce Vevey 8 un.
de Aaiere, ox Den lee, ney cen
cParos exrurroy usrov, Deovrirs #07 poy ATAN
Ta xcereicogre Domos.
88) Sext, I. c,
Page 22
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Sinftes Bud.
Geftalt badte,
ftimmfe aber darinn mit ben Griechen
überein, daB er mehrere Claffen übermenfchlicher Wefen,
nämlich Götter und Dämonen annahm, weldye legtere
er von Ben erftern durd) geringere Worzüge und befonders
durch Feblbarfeit oder Siinbbarfeit unterfhieb.
Er
war allem BVermuthen nad) unter den Griechen der erfte,
der diefe Begriffe von den Dämonen vortrug, der ferner
febrte, daß folhe Damonen um gewiffer Vergehungen
willen auf die Erde ober in die Materie geworfen*), und
purd) ein ewiges Gefez des Verhangniffes oder einen uns
abänberlichen Nathfhluß der Götter gezwungen würden,
wabrend eines beftimmten faft unermeßlichen Zeitraums
alfe Arten von Körpern zu beleben **),
Er fagte ferner
wabrícheintid) guerft, daß die Seelen der Menfchen felbft
gefallene Dämonen feyen, die (chon ein befferes Seben gee
lebe Hatten, und nad) der Wustwanderung aus dem menfdhe
lichen Scibe noch viele Prüfungen und Wanderungen durchs
gehen und vollenden müßten, bis fie fic) zu ihrer urfprüng«
lien verlornen Seligfeit wieder empor heben Fönnten,
Von ihm rührt enblid) allem Anfehen nad) der Gedanfe
her, ben die mittlern Pythagoreer und Plato, und aus
dem
#) Man fehe Plot, Ennead p. 468. u. Plut, de If. &
Of. ap. Steph, Poef. phil, 24, & 28, ibique aliud
fragment. ex cod.
#*) Er felbft fagte von fid):
Hdy ye HOT eyo YEVOMNY HBCATE Kogos TE
Qupvos T omvos TE, Hey av ars ERomes
1x us ap. Diog. VIII. 78,
Andere Stellen ap Sext. IX, 128. 120, Arift. Rhet, I.
13. die man beym Stephanus p. 24. I. e, beyfammen
finbet,
Page 23
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)dem Plato nachher alle neuere Platonifer annahmen, daß
unfer serbredjlide Seib ein Grab der Geele, unfer irdie
fes Seben ein Zuftand der Prüfung, ober vielmehr ein
geiftlicher Tod, und der Tod des Körpers, oder die gänze
liche Ablöfung der Geele von aller Materie der Anfang
eines neuen £ebens, und gleichfap die Wiedergeburt eines
lange verrolefenen Dámons fey *),
Mit diefen Gedanken des Empedofles über die
Abftammung menfchlicher Seelen find feine Behauptune
gen über ihre Natur und ihre wefentlidhften Kräfte entres
der ganz unvereinbar, oder dod) fo wenig zufammenhängend, daß man fehwerlich die feinen Faden entdecfen
wird, modurd) fie in bem Kopfe ihres Erfinders zufam«
men gefponnen waren.
Er glaubte nad) einem Grund«
fase, der faft allen ältern Naturforfchern gemein war,
und nad) weldem nur gleiche Dinge einander erfennen
und anziehen follten: daß die Seele der Menfdjen aus als
len
*) Auf ibn giele Plato,
wenn er in feinem Gorgias fagt:
(p. 320. Ed, Baf. Gr.) & vag For Deupado «y,
es werridgs Ann ev Tos de Meyes, Asyav, Tis
d osdev, es To Cav per est sardavew, to wardove de Civ; ros mers tw ovri 1905 TeSvaper.
OSE NON TE EYwye neu Nuss Toy coOPwY, ws
yuy nes TE Dv Mer. Kas To per CU Esty Hay
anne. THs de Puyns Te Tw by di es eu pss esos
Tuy Koves ov olor «vue
eo cu nour nerammlev
uvm Kets HATW. 204 TETO Kee TIS puudodoywy
nourpos ame, sows Sinedos vis, y IrwAızos,
Fagayay rw cvoucers, de To mıIavav seu Tes
sito, WVOMATE mov. ic. Man fehe nod) Frage.
Empedoclis ap, Hieroclem in carmen aureum p, 186,
Ed, Needh.
Page 24
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Finftes Bud,
und Grundurfachen, alfo aus Feuer, Suft,
fen Efementen
Waffe, Erde, Sreundfthaft und Feindfcaft zufammen«
gefest feyen, weil fie fonft die aus ihnen gemifchten oder
durch fie Gervorgebradjten Dinge nicht erkennen und wahrnegmen fonnten*), Er hielt Empfinden und Denfen für
eincrley Veränderung oder Kraftäußerung der Seele
und Empfindungsvermögen und Verftand für eine und
eben diefelbe Kraft **),
des,
Er fagte mit dem Parmeni«
daß unfere Vernunft oder Verftand von ben verfejiedenen Zuftänden des Körpers abhänge, und mitbem
extern verändert werde; verwarfaber dennod) alle Kennt:
niffe, die wir durd) die Sinne erlangen, als friglichen
Stein, und nahm die Vernunft als die einzige Nichtes
rinn und Prüferian von Wahrheit und Freehuman, oder
ev ließ die Empfindungen der äußern Sinne nur alsdenn
für richtige Abbrücde der Natur äußerer Gegenftände
gelten, wenn die Vernunft über fie gleichfam die Auffiche
geführt, und fie gereinige, oder vor Berfälfhungen bes
wahre hätte ***).
Biel
#) Nady dem Cicero glanbte er, daß das Wefen der Seele
im Blute enthalten fey. Tufe, Quaeft, I, 9, Animum
effe cordi fuffufum fanguinem, ben fo Plut, ap. Euf,
1.8. To de HYEMOVIKOY , BTE ey xeDAAN, BTE ev
Swecus, ce ev cuori.
oSey Cfest er Binzu)
nad oT CY MEROS TR CwpLELTOS TAeov N TALE
CHOGMEVOY TO CM, ETC KOT Exesvo Tewreey TES AYÍCOAES.
##) de Anim Ill. 3, Metaph. p. 62.
###) Sexe VIL 121-125- Ez war eine bloße roifführliche Ange
fegung feiner Meynung über die Name der Seele,
weno
Page 25
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)“Viel úbereinftimimender mit feinen übrigen Gee
banfen , waren feine Ausfprüche über die Schieffale der
abgefchiedenen Seelen,
Weil das gegenmártige deben
ihm nur ein fleiner Wfchnitt der langen Prüfungszeit zu
feyn fehlen, zu welchem die gefallenen Geifter verurtheilt
worden; fo muffe er behaupten, ‚daß die Seclen der
Menfchen nach der Trennung von ihren Körpern nod) in
die Seiber von vielen andern Gefthôpfen einwanderten,
Er glaubte daher, daß fie nicht nur Thiere, fondern aud)
Pflanzen und Gewächfe beleben würden, melche leztere
ihm eben fowohl Empfindungen und Denffraft zu befizen
fcienen, als Menfchen und Thiere, und die er defwegen
aud) für eben fo gefchictt bielt, Behaufungen unfterblicher
Seelen zu feyn.
Mad) der Vollendung aller diefer
Wanderungen und der ganglidyen Ablegung aller Unarten
und Gebrechen unferer Natur würden wir, fehmeichelte
fid) Empedofles, in die Gefellfhaft, und an den Tifc)
der Götter anfyenommen werden, und von allen Bee
fhwerden und Befimmerniffen, die uns während der
Verbindung der Seelen mit fterblichen $eibern gedrückt
Hatten,
vollfommen befrent werden *),
ffellung nad),
Geiner Bore
waren die Freunde der Geligen eben fo |
finntid), als die Seelen felbft Förperlich und zufammen>
gefest waren,
.
7
Benn
wenn man ihm eben fo viel Kriteria andihrere, als
ex Deftandtheile der Seele annahm. Mean jehe Sexe,
VII
121.
*) Adavares ao Guest, sv Te recmecess
Eovres andgesov ager APRO) atrages.
ape, Steph, p, a8,
Page 26
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Wenn man allein nach den Ueberbleibfelnbes Em.
pedofles [hließt; fo bat er die Thiere und Gewadyfe forge
faltiger unterfudit und umftändlicher abgehandelt, als
den Menfchen und die himmlifdyen Körper, Allein auch
diefe feine Mennungen über die Entftehung aller Thiere
und Gerwächfe, über Zeugung und Fortpflanzung, und
andere merfmirdige Eigenfchaften derfelben find nod) ims
mer ben Begriffen des gemeinen Mannes, und der ältes
ften Dichter unter allen Völkern ähnlich, und fie enthale
ten nur einen einzigen oder einige richtige Gebanfen, die
aber vielleid)e mehr Vermuthungen, als genaue Beobac)«
tungen waren.
Empedofles fab das Ohngefähr ober das Glück
als die einzige oder dod) hauptfächlihe Schöpferinn aller
Pflanzen und Thiere, befonders der fegtern an), Er
glaubte, daß das Ohngefähr unzählige unglücliche Vere
fudhe und Zufammenfegungen gemacht habe, bis es foldhe
hiereund Gefchöpfe hervorgebracht, die fortdauren, und
andern ihnen ähnlichen Wefen das Dafeyn geben Fönnten.
Er tebete von Ungeheuern allerley Art, die vor der Ente
ftehung vollfommner biere vorhergegangen feyen, von '
Menfchen mit doppelten Gliedern und Gefidhtern, oder
von Monftris, in weldyen Theile aus menfeblichen und
|
andern
%) Phyf. Arift. IL 4. nou To pogio Toy Cowy cerro Tu
ns yeverdo Ta Asa Daciy, vide & de Part.
Anim, I, 1. & Empéd, frag. ap. Simpl. in Phyf. Arift.
£. 36.6. weldes Fragment Simplicius auf eine fonderbare
Art anslegt. Cenforin fagt: e. 4. primo membra fingula
ex terra quali praegnante paflim edita, deinde coiiffe,
& effeciffe folidi hominis matcriam, igni fimul &
humore permixtam,
Page 27
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)andern thierifchen Körpern vereinigt gewefen *),
hm
fchienen aber nicht bloB ganze Gefchlechter von empfinden.
den Maturen, fondern auch einzelne Theile derfelben durch
bloße Qufaile} entftanden zu feyn, Go leitete er bie Aba
fase und Gelenfe des Nudgrades **) aus Brüchen ab,
die gere Bildung deffelben von Ohngefähr entítanden
feyen. . Unf eine ähnliche Art erflarte er die Höhlen des
Dauch8 und der Eingeweide aus gewaltfamen Durd)s
brüdyen des Wafers durd) den Seib, da er eben gebildes
worden, und die Nafentider aus heftigen Strömen und
Bewegungen der $uft, die fic) an gewiffen Theilen des
Gefichts Defnungen gemadt babe.
Nur bisweilen,
fagt Ariftoteles +), nannte er von der Wahrheit und >
Cre
*)
IAA per
euPirrgoowre uu œuQisegve
Ques: [22
Beysvy, avdgomewge, Ta d eumanıy eZavos»
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Avdeopun, Baneove peprypera Ty psy uz"
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Ta de yuvaınoDım oxisgoss noenpaevee YVICIS.
Emped. ap. Acl. de nat, animal, Lib, XVI, c, 29.
2%) De part. Anim. TT. pe 3.
D Evaxs de TE ŒUTIH 464 EprredoxAis TEUTITTEI,
ŒYOUEVOS UT wurns TIS MATES, ue THY
„ ETIAY wmv Quow ceveeyneeCevey Dover Toy
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cies,
010Y
038Y
De Part. anim, I, 1.p.8.
œmodes
TI
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Das Fragment, worauf Arie
feoteles am Ende diefer Stelle zielt, freht de Anim, 1,5
&
YAL OWS
By EXCITE sore TETOV
Exasoy,
AR doo tivi zo owece:, nosdareo Puoi
o Eumedoräns To 0587.
Page 28
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Funfte Bu,
Erfahrung gegrungen, nicht das Glück oder das Ohngesfähr, fondern eine gmefmäfige Mirchung und Verhälte
nif der Elemente, als die Urfache des Urfprungs und der
eigenthümlichen Natur von Thieren und ihren Gliede
maapen.
-
Diefen Gedanfen des Empedofles über die Ente
fteBung der Thiere find die von der Zeugung und ‘Forte
Er behauptete,
Pflangung derfelben genau entipredyend,
daß weder der Vater allein, nod) aud) die Mutter allein
den ganzen Stoff des Fünftigen Menfchen hergebe oder
enthalte*); denn menn diefes mare, warum Weiber alge
dann nicht ohne die Hilfe oder Vermifchung mit Mäns
nern Kindern erzeugten? Seiner Mennung nad), würden
die Beftandrheile des Embryo fomobl aus dem Körper
ber Mutter, als des Vaters gefammlec und zufammen«
gefezt, und die Gliebmaafien enthielten die Form des
einen oder des andern Gefchlechts, je nadydem die Grunds
Tage derfelben entweder vom Vater oder von der Mutter
berrühre.e
Das Gefdplede und die Zeugungstheile von
Kindern oder Jungen würden, glaubte er, allein durch
die
7 de q Joy emmeos ev eosecyois pouvoirs re duo
Tov 04T0w pogiwr ANKE vasidos cestyAnS Tescapa
d'iQuisoio. Tad ossa Nevo yevovto.
8) De Gen, Anim. A, cap. 57 p. 177. 178. Pros yag ev
TO copes Kees ev To Ines csov cupBoAov ever,
cho d' an ederegs amıma
Ax dora
pehewy Quoss, 1 ev ev avdeos. diari yep av
ra Onheo 8% EVENE eÈ avrwv, ENTER AMO ray
Tos TE AMELXETAS, How EXE VTrodognr; vide
etiam Lib, A. a.
Page 29
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)die Wärme oder Kälte der Mutter beftimmt *).
Falle.
nämlich der Saame in einen warmen heißen Schoß, fo
enejtehe ein mannliches,
weibliches Gefchöpf.
und im. gegengefesten Falle ein
Die Wärme und Kälte der Mute
ter aber richte fic) wiederum nad) der Eleinern oder grö«
fern Entfernung der Zeit des Benfchlafs von der monate
lichen Reinigung.
Er wollte nämlich bemerkt haben,
daf bas andere Gefchleht um defto mehr ober weniger
begierig nad) dem “Benfdlafe fey, je fürser oder länger
es fen, daß es die periodifche Veranderung feiner Natur
úberftanden habe. — Maulefel hielt er deBroegen für une
fruchebar und unfähig zur Zengung, weil ihr fliffigee
oder weicher Gaame fid) durch die Bermifhung verhärte,
wie Eifen, wenn es mit Zinn zufammengefchmoljen werde.
Den Grund, den er von diefer Erfcheinung angab, mar
eben fo feltfam, als der Xusfpruch, daß die Mild) der
Säugthiere verborbenes Blut fey**). Die Verhärtung
des Saamens von Maufthieren entftehe nämlid) daher,
ba die dichten Theile des männlichen Gaamens genau
in Zwifchenräume des weiblichen pafiten, und eben dae
durch einen feften Körper bildeten.
Glücticher beobadye
tete und riet) er $), menn er gegen den Parmenides bee
bauptete, daß das männliche Gefchledt feuriger ober
Tta
È
wärmer
*) A. «. p. 269.
Anders aber falfé ftellt Cenforin die
Meyuung des Empedofles vor c.
6.
de die Nat,
Su eben diefem Capitel werden nod andere Muthmae
Bungen diefes Weltweifen angeführt,
die ih nicht mim
derhole, weil ich nicht gewiß bin, ob fie Acht find‘
*®) De Gener, Anim, p. 299. Lib, A.
+) De parts Anim, B. CA B. P. 21,
Page 30
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Fünftes Buch,
als das weibliche fey, und daß in unfern und ans
wärmer
dern thierifhen Körpern das Blut fid) herum, oder viel»
@elbff aber die
mehr auf und niedermarts bewege *).
Erklärung diefes Phänomens zeigt, daß Empedofles
ganz falfche Vorftellungen davon gehabt, und nicht for
wohl beobachtet,
als vermuthet babe.
Er hielt die
Adern für durdjlöcherte Gefäße und Schläuche, die nicht
ganz mit Blut ausgefüllt wären, und deren Deffaungen
zwar Fleiner als die Partifeln des Bluts, aber tod) arö-
Ger als die Suftebeildien feyen.
nun dringe die fufe herein,
Durd) diefe Deffnungen
wenn bas Blut fid) nieder»
parts bewege, und daher entfiche das Einathmen: burd)
„eben diefe Deffnungen aber merde die Euft wieder herausa
getrieben, wenn das Blut in die obern Theile des Köre _
pers zurüc® trete, und eben dadurd) merde das Aushaus
hen verurfacht.
Unter
allen feltfamen Behauptungen der Altern
Weltweifen ift vielleicht Feine, deren Weranlaffungen
fic) weniger erratben laffen,
mehr auffallend fepn wird,
und die den meiften Sefern
als die Mennung,
die dem
Empedofles mit feinen größten Zeitgenoffen gemein war,
und die alfo ohne die richrigern Renntniffe fpäterer Sabre
hunderte febr mabrftheinlich feyn mußte, daß nämlidy
alle Pflanzen und Gemwächle der Erde nicht bloß lebende
und empfindende Gefchôpfe feyen,
fondern daß fie Ber
gierden und Verabfcheuungen, und felbft Vernunft und
Verftand, furz alle die Vorzüge befafen, “von denen es
fyeine, daß man fie von jeher als dem Menfohen eigens
thimlidy
®) De refpir, c, 3.
Page 31
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)thimlic hätte anfeben miffenTM), Aufgeflärten Bôlfern
ift es fdyon faft unbegreiflih, wie man nur jemals der
Menfhen mit den übrigen Thieren, die ibm am ähnlidye
ften find, Gabe verwechfeln, ind diefen menfchenähnliche Epradye und Denffrafe zueignen Eönnen. Um
“mie viel befremdender alfo muß es feyn, daß die
größten Naturforfcher, die (on mehrere Gejclechrer
von Weltweifen vor fid) Hatten, und in dem Zeitalter
der Vollendung fait aller Rünfte, oder doch nahe daran lebs
ten, daß dieje die unterfdeidenden Vortrefflichfeiten ihrer
eigenen Natur fo febr haben verfennen, oder Welen,
die um fo viele Stuffen unter ihnen ftanden, fo
fehr haben erhöhen Fönnen, daff fie diefelben, als
mit, fic) felbit gleichartige Gefcrspfe betrachteten,
Diefer Frethum war nid)t eine nothwendige Folge eines
andern: daß nämlid ein gemiffes belebendes oder geiftiges
Wefen durd) das ganze Univerfum ausgebreitet fey; denn
Demofvit läugnete das Dafepn einer foldjen Kraft oder
Subitanz, und glaubte nichts deffo weniger an das Em»
pfindungsvermögen und die Vernunft von Pflanzen und
Gemächfen.
Die Pythagoreer, Platonifer und Stoifer
hingegen gaben zwar einen alles Durchdringenden und ume
faffenden Aether oder Geele zu; allein fie verwechfelten
defimegen nicht wefentlid) verficbene Gattungen von
daß
Man muß alfo immer geftehen,
Dingen,
es
>
Tag;
*) Arift, de Plant, Lt.
Ayalayogas pev ev nos Epredonne, emdupia Teure. rende Acy80,
eo over Docs TE Kos Aura, nee ndeo Des
daBeBessvren: — — — ¿de Arx£uyoens,
xo o Ajpougitos, noso Eumederäns,
uo YUI yew eımoy va Cure.
uc vav
Page 32
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)es größtentheils unerflarlicy bleibt,
auf melden Wegen
man auf den Gedanken von denfelbigen Vorsiigen der
Menfhen,
Thiere und Gewadhfe
gekommen fey, oder
ous welchen Gründen man ihn angenommen babe.
Nicht weniger räthfelhaft it es, daß Empetofles
die Pflanzen und Gewadfe nad) andern Gefezen, als
Menfden und Thiere, hervorgebracht glaubte. An
‘fate da er bey der Entfichung der leztern und ihrer Theile
das Gli als die Auffeherinn nannte, gab er eine bile
bende und erfaltende Natur als die Schöpferinn und
Pflegerinn der erftern an *), Feuer und Erde fdhienen
ihm der Stoff zu feyn, aus welchen die Natur Pflanzen
und Gewächfe zubereite, und woturd) fieihnen Wachsthum
und Gedenen gebe, indem die Erde nach natürlichen Gefezen
die Wurzeln forttreibe, und bas Feuer den Stamm,
die Blätter, Blithen und Srüchte hervorbringe. — Auch
:
dicfe
©) Arift.do Anim. I, EymedovAns d & uadws esprxe
Tere reooridess Tv avenow upßeuve Tous Qurois KOTO ev eilgueyor, die To rav ya ETW
Depende mero Quoi. ceva de dice ro Tue ae
Tas.
—
Diefe Stelle commentirt Pbilopon fo:
LIT IOOT OE Epmredoxece 8 HAAS EITCVFL THY Y
rs ev Tas envois Yweoden. eAeye ya aueo Qc To Qurev. TE pev ev ÉXUTO TULOS HATO
KAudes ems ro œvo aukovros. ns de Yue Tas ev
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qae nes yn averide THY curia ras auEnceos.
To EY ya ETI TO ŒVO TES uAudes cute as cv
Qogor. Tav de ynv ems To HAT Tees eidas , cos met
To Pogoy.
SH fann die Seite wicht anzeigen, weil
in der Benezianifchen Ausgete des Commentars des
Philoyenns weder Seiten noch Wlätter beinerkt find.
Page 33
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)biefe Gonderbarfeit, bey weniger edlen Gefihöpfen eine
Höhere wirkende Urfache,
als ben vollfommnern voraugs
äufegen, audh diefe war dem Empebofles night gang alleit
elgenthümlid. Denn es gab mehrere Weltweifen, mele
che die Entftehung der ganien Welt und aller himmlifchen
Körper aus dem bloßen Ohngefähr oder Zufall erflärem
gu Fönnen glaubten, und zugleid) geitanden, daß man
mit eben diefem Zufall'und Ihngefähr bey der Erflärung
bes Urfprungs der Thiere und Gemdchfe nid)t ausridysen
finne, fondern daß man eine nad) Abfichten, ober doch
nad) feften unverdnderlichen Gefezen wirkende Natur ane
.
nehmen mäffe +).
Der Gedanfe von ber Gleichartigleit ber Whiere,
Bewächfe und Pflanzen war. im Empedofles fo herrfdyend,
daß er ihn gu einer gewaltfamen Veränderung des Sprache
gebraud)s
Tt 4
‘
9) Arift, Aufe, Phy(. IL 4.
Benve T8
0€,
Esos de Tives, OF #4 Te
YOU THY KOT MELODY TTAVTWY AITIRI-
Tas TO NVTOMATOY.
MO TLUTOMLTE Yo Yıyveads Daci nv divnv Kos THY nio,
THY diego
YO Kees VATASNTATAYV EIS TAVTHV Tav TOI
ro rav. (Dies behaupteten Demofrit und Leufipp.)
Kes para taro ye euro Saupocos wfıov, Ar
Yovras, TO prev Coos neu Toe Dura ame Tune
Mare emo MATE Yıyverdan, aA gro Pues,
YEY, NTE TOIST
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O Ti ETUXEY EX TE OTEQUATOS Ense Yıyveran,
EA EX MEY TE Toisdı FACE,
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endenzos) Toy de Secvoy LA TH Detorega Toy
Oaveewy ano TE RUFIUATE V:vec Jeu. TERUTAY
Os cenrscey pendejas seme
Tuy Qurey.
div Tay Low vee
Page 34
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Súnftes Buch.
. gebrauchs veranlaßte, indem er Ausbrüde, die man nur
von Thieren und ihren Kräften braudt, auf Pflanzen
und Gewadfe übertrug. Er nannte den Scamenderjelben Eyer, und fie felbft cnergebajrend*).
Barte
nod) nicht ausgemachfene Pflanzen und Bäume befegre er
mit dem Namen von Zungen, und fagte, daß fie nod)
nicht zeugen fónnten, weil fie erft in ihrem reifiten Alter
Saamen erbiciten**),
Er glaubte, daß die Gewadhfe
der Erde fid) dadurd) am meiften von deu übrigen Thies
ren unterfdjieden, daß in, ihnen beyde Gefeslechter vere
mifcht oder verbunden wären: ‘eine Beobadjtung, die
Ariftoteles an einem Orte billigte, und an einem andern
Orte als vnrichtig verwarf ***),
Ein Zeitgenoß des Empedofles war Anaragoras,
beffen Namen Liebhaber der Weisheit nie anders, als
mit einer gewiffen Ehrfurcht denfen und nennen folla
ten. Sm ganzen Griedyifchen WAlterthum wird man nue
wenige finden, die ihm an ächter, ungefünftelter, wena
á
gleid)
9) Do Gener, Anim, Ari, A, cap. ult,
Ker8roxAws
Aeyes EuzedoxAns TONTAS. Era 0 worone pate
Ke derdoca Tewrov esses. TO de yap Gov, HUY=
pos esiv. e,
Er fagte auch, daß die Blatter an den
Pflanzen und Bäumen chen das feyen,
was die Haare
an den Menfchen, die Federn an den Vögeln, und die
Schuppen an den Fifchen find. Meteor. A. c. 9.
Tauree reryes nou Puma, xc o1wvay TEL
Buyer y
Kees Aewides yıyora 5731 sıßagosı Medea»
46) Arift. de Plant, I, 2, it. de Gener, Anim. p. 196. A,
mes) Arift, de Gen, Anim, H, p. 196, de Plant, 1. 2,
Page 35
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Gefchichte der Griechifchen WeltiveisSeit.
gleid) nur ftiller Größe der Seele, an wahrer natürlicher
Güte des Herzens, an Erhabendeit über die Borurtbeile
feines Bolfs, und an brennendem Eifer für die Exfor;
fchung der Wahrheit, gleich gefommen wären, und vielleicht feinen, der ibn übertroffen hätte *), Sein Durit
nad) neuen und nüzlichen Renntnfien war fo groß, Daß
er in eine unabläffige Erforfung der Natur, nad eine
freye unabhängige Mufe feine bôdfte Grickjeligheit
feste**), und alle die Vortheile und Ebrenficilen vere
achtete, die ihm feine edle Geburt, fein großes Vermsgen, feine feltenen Gaben, und feine vertraute Bekannt.
Er
fchaft mit dem Perifles hätten verfchaffen finnen.
verließ feine Vaterftade nicht lange nachher, als dos Eu
topäifche Griechentand fic felbft, und feine Pfianzfädte
in Afien vom Joche der Perfer befrent hatte.
Athen
noählte er mahrfcheinlich befmwegen zu feinem Aufenthalte,
weil diefe Stadt: eben damals die größten Helden und
* Gtaatsmänner befaf, die fie je hervorgebracht hat, und
weil fie nad) ihren glorreichen Siegen über die Feinde
des Griechifchen Namens der Mittelpunce des Handels,
des Reidthums und der Rünfle, und der Sammelplaz
aller weifer oder außerordentlicher Männer wurde, die
“aus allen Gegenden dahin zufammen famen, Anarago:
ras fuchte aber nicht fowohl, wie viele andere, zu glänTs
gen,
*) Die Facta und MNachridhtens von welchen diefe Lobiprite
che das Nefultat find, findet man in den Noten zum
Artikel Anaragoras in Baylens Woerterbud.
#F) Man febe;Arift. Eudem. I, 4: und Clem, Alex, Strom. II,
P- 416. Try Sewescey Daven ra Bie Telos sive
neu THY TO TAUTHS eAsudegran.
Page 36
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Güuftes Buch.
gen, ober fid) zu bereichern, als feine Kenntniffe gu ver.
mehren,
und er wollte aud) lieber Männer bilden,
die
bas Diuber von Staaten gefhict zu führen wiften, als
fic) felbjt auf ein Meer wagen, das unaufbörlid von
Stürmen beunruhigt wurde, roo die größte Erfahrenheit
richt wor gefährfihen Sciffbrüchen ficherte, und auf
melchem er felbft, der in einer ftillen Muße, wie in einem
fichern Hafen zu liegen glaubte,
faft feinen Untergang
gefunden hätte.
Ungeachtet wir von den Schriften des
Anarageras *) weniger Ueberbleibfel, als von denen feie
ner Zeitgenoffen haben; fo find dod) biefe wenigen Bruch
ftúcte binreichend, uns zu überzeugen, daß er bas Geo
biet der menfdlihen Erfenatniß mehr, als irgend einer
der Maiurforftber, die zugleich mit ihre blühten, ermeie
Anarageras nahm freplid) viele falfche Ge.
tert habe.
danfen von feinen Vorgángern an: er felbft fiel auf ane
bere, die eben fo ungereimt, oder nod) lädherlicdyer wa:
ren, als die feltfamften Einbildungen der ältern Welt
weifen; allein bey allen diejen Nbweichungen von der
rechten Bahn drang er tiefer,
als irgend einer vor oder.
neben ibm, in die Geheimniffe der Natur ein, und felbft
feine Srethimer zeigen, daß er mehr und ridhfiger, als
fonft jemand vor und in feinem Zeitalter beobad)tet
habe.
Hnayas
33 oder regi Quoews
©, Aufer tem Gerke ree Dune (fal,
fol, 8. 2.) betitelt, aus welder Simplicius alle Frags
mente genommen hat, und des aus Mehrern Büchern
beftand, finde ic) nod) eines segs Pasıreses vom Ne
fian, (IV. 14. Var, bit) ein anderes eos heyweoy
vom Ariftoteles, (1. 2, de Plant) und ein drittes endlid) über die Duadratur des Cirtela vom Plntard ar
geführt. (loco ınox citando.)
Page 37
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Anaragoras befolgt eben die Ordnung, bie alle
Weltweifen vor ihm beobachtet hatten, und and) nad)
ibm beobachteten. Er fing mir den allgemeinften Unters
fuchungen über den Urftoff und die Gramdurfachen aller
Dinge und deren Entffefung an, und ging alsdenn zu
Betradtungen über die Natur und Eigenfchaften einzele
ner Theile dec Welt und einzelner Erfheinungen und Gee
Alles, was ift, fagte
genftände auf der Erde fort.
Anaragoras, war von Emigfeit, weil eben fo wenig et
was aus nichts entfichen, ais in Nichts untergeben fann *). Allein die wirflihen Dinge wären nicht
immer in foldjen Ordnungen, Sagen und Verbindungen,
als worinn wir fie jezo wahrnehmen, fondern eine unbegrányte Menge von unendlich Éleiren Grundforperdyen
fag in rohen unbewegliden KRiumpen durch einander gee
mworfen **). Ungeachtet diefe zahllofen Elemente alle die
Kräfte
#) Simpl. in Arift, Phyf, 33. fol. b. “Or, de ede yweras
made DIeigeras Toy oporomegcoy , od’ oes TavTe ess, dndos Aeyoy, TeTav desTw dio REXQIME=
yay, YWWOHE Xen, ot: Favre dev chasow
esw, BOE TFAEIW.
808 LYUSOY TAYTOY TAEIO €
var, ade zavra soe cei.
et fol. 34.b. To de
pre dos nou wro Aura en ceSws vousCgaw di
EAwves. 4 ade yae Menu Ver ede «ro AUTH. EM ET EOVTOY YCAUOTUVY CUMMIOY ETA TE
xe diamowerc. Ka Bros ay etwas xederey To
pvec dou cups
yes or, veto roue Dos diecnewsaden,
©#) Frag. Anax, ap, Simpl. fol. 33, b.
Que Xenuare
TONTO YY CTESCOC KATA TA dos ye CusKEOTX.
RO YAL TO TUIKLOY ATESCOY HY. KR TAI TOY ous
sopT UT, &dev ELONAGY HY Uzo TMINGOTYT
Page 38
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Reäfte und Eigenfchaften befafen,
die wir jego in ben
Gegenftänden der Körpermelt enrtecfen;
fo waren doch
in ihnen weder Farbe, nod) Wärme, nod) Malte, nod)
andere Befthaffenbeiren bemerkbar,
weil fie durch die
unendliche Kleinbeit und Bermifchung verGrundebeile fetbft
gleichfam verftwanden, oder fic) allen Sinnen entzogen +).
Es waren ihrer aber eden fo viele Gattungen, als
es jezo Gate
tungen ungleichartiger Körper gibt: denn wenn mannidyt
für eine jede Körperart eigene Clemente, für Gold, Knochen
und Biei) ungerfiörbare ihnen gleichartige Grundtheilhen annähme;
fo urijte man,
glaubte Anaragoras,
behaupten, daß Dinge aus nichts entffanden fepen, und
in Nichts untergingen **). Wegen diefer Gleichheit oder
Gleichartigfeit der Elemente mit den Körpern, dle aus
ihnen ¿ufammengefezt feyen, nannte er die erftern So.
moiomerien***), und lehrtezugleidy, daf bas, was man
Entflehung und Untergang, Geburt und Tod nenne,
nur Zufammenfügung oder Auftöfung von Körpern in ihre
ewigen uuveränderlichen Beftandtbeile fey +),
Die,
*) Ib, zew de atenei Doi, Toro ous E0Y=
vo», ade Xeon evdyrcs av eden. arexwnve
Jen coulis FAVTWY Kenperar, TESTE desa
vas Te Exes, nou Te Segue, nos ra buyer,
YC TE ALUTLE Koes TE CoPee8, ou Yns Todas
eveRTio, LES OTECpATaY exe ares
sde
soinotay CAndo:s.
+) Man fede rift. de cocko' MI, 3. Lucr, I, 830, de Plac,
Phil, I, 3. »tob, Eel, phyf. p. 26.
##x) Aud, modo cit.
+) Anaxag ap. Simpl. Î. e,
Anaragoras redet bieweilen ven
„einer Einheit (ro ¿y) und verftcht darunter den gan:
Page 39
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Diefen unendlichen Haufen ruhender und in cin.
ander gemifdyter Homeiomerien näberre fid) (fo fuhr
Anarago:
zen SuSequiff aller Somoiomerien, bevor fie aus einane
der gefondert, und im Korper von einer beirimmten
Are zufammen gefiige waren. Anaxag. fragmenta ap.
Simpl. fol. §. a, & 33. b. T8TOY de.gtas exovrav,
xen dones Ev esas Fo re nes TTAVTONKy 6Y
TAGLI TOS CUYLEWOMEVAIS,
TOY
Xenmesrav.
WI THEQUATH TAV
HO Mess Travroso.s
Hor AROS, Kets ideas.
exovre
Ariftoteles legt das Ey
des Anaxagoras. durch) ro oy aus, und © vftebt darune
ter die Fähigkeit der ewigen vermifchten Clemente, al:
fes aus fic) hervorbringen zu laffen. Metaph, X, 2,
p.196. An den eben angeführten Stellen fpricht Ana
Fagoras nod) von einer andern
diexorugoss,
als die:
jenige war, mwoburd die gegenwärtige Welt aus dem
ewigen Chaos hervorgebracht wurde.
Sd bin aber
nidt im Stande zu fagen, was er fic) dabey gedacht
babe. Simplicius deutere fie auf die Schöpfung einer
verftändlichen Welt. Sd) will die Hauptwozte Serjesen:
Kas &ıIewres ye cuyumaymar, nos TE M AA
Gua, 000 Wurm exer, EMAYEL, re TUS ye av.
Sorrow ewvees noes CEAMNV, Kant CA AG wITEC
moe a. Kes trav yav cures Pue ToAA«
TE KEL FAVTOIK. BV EVEINOI TH OVIVISA EvEsuctpuevos EIS THY know xeoyros. — — Dicht blog
dunkel, fondern felbit widerfprechend mit feinem Grund:
faze von der urfpringlichen Vermifchung aller Elemien»
te fheint die Bebanptung zu feyu: daß die Lufe und
der Aether die ganze Majfe der Homoiomerien vor der
Scheidung und Anordnung derfelben umfaßt hätten
und dag fie bende unendlich waren.
Kas mavrav oug
sovrov 8dev eudyAoy ny Umo CHIRÇOTHTOS. TOTO
yoo ane TE m0 une nooreryer, cuPorege
erica eovra. Ap, Simpl, fol, 33. b. Gleidy nad:
Page 40
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Anayagoras fort zu einer gewiffen Zeit ein verftändiges
Wefen, das mit denfelben ganz unvermifcht, unendlich
ausgefpannt, und nicht aus mehrern Elementen zufame
Dies verftándige Wefen übertraf
mengefezt mar *).
alle andere Naturennicht nur an Feinheit und Neinigfeit
feiner Subftenz, fondern aud) an Made und Weis:
beit.
Indem es alles vermochte und umfafite,
und
fo wohl das Vergangene und Zukünftige, als das
Gegenwärtige, fowohl dasjenige, mas aus dem Wirkliv
hen werden fonnte, als dasjenige, mas da war, ere
fannte; fing es an das Linordentlidje zu ordnen, das
Berinifhte von einander zu fondern, dem Unbemeglichen
Bewegung, unt dem wirften Gemifche von Elementen, |
Schönheit und Glanz mitzutheilen.
Das Didste wurde
vom Sofern, bas Kalte vom Warmen, das Fichte vom
Dunkeln, und das Trocfne vom Feuchten gefchjieden. Jn
biefer Abfonderung einer unendlichen Maffe rückten die
verwandten und gleichartigen Theile zufammen:
die
lodern
Ber driifte fic) Anaragoras fo aus, als wenn Luft und
Aether urfprünglich nicht alle übrige Elemente eingefhloffen Hätten, fondern bey der Anordnung der Wele
von den übrigen erft wären getrennt worden,
Koss yore 6 ang nots 0 cone amengwerdi amo TE
TEEEIEN,OVTOS, TE MONÂS.
ou TO YE TEGIEX0Y
areeoy esı To Andes. ib. Eben diefe und antic
che Stellen, an twelden Anaragoras die Luft und den
Acther unter die übrigen Homoiomerien zähle, machen
es unmöglich, nur zu errachen, wie er fid) die Subs
ftanz der gleich; der Luft und dem Aether unendlich) aus
gedehnten Gottheit vorgejtellt habe.
*) Die Deweisftellen (tejen in der Hift, do&rinae de vero
Deo p. 362. 63.
Page 41
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)focfern und leichten,
fliegen empor,
die Hellen und trocenen Elemente
und aus ihnen wurden Sonne,
bie übrigen Geftirne,
Mond,
die Suft und der Meter, oder
die Räume des Himmels gebilder,
Die dichten
feuchten, falten und dunfeln Theile hingegen fentren fich
dahin, mo die Erde ift: und aud) bier fammlete fit
gleiches zu gleichem; bas ungleidartige ¢heilte fid), und
es entftanden neue Zufammenfezungen aus Elementen,
die urfprünglich vermifcht gemefen waren *).
Aus Bol»
fen wurde Waffer, aus Waffer Erde, aus Erde Steine
abgefondert und gebildet, und burd) andere Abfonderune
gen und Sufammenfesungen von Theilen wurden Gewachfe,
Thiereund Menfdyen hervorgebracht, Nicht alfo Zufall,
oder Glad, oder Nothwendigfeir, oder vernunftlofe Nas
tur, oder blinde unerflänliche Kräfte, fondern eine alles
überfcyouende und durddringende
**) Gottheit fey die eine
alge
*) Simp), fol. 6. b, ex Theophr, Anaxag. ap, Simp). p.33.b,
Kas ras meeixwencios THs oupmaons YES ened.
TNOEV, rE FEUX MEN Try Merny. Kas mea
TOÙ ATO TE TUIEE NOZATO TMeerKYveNTcs.
EME
„de TARO TECK WEES, no MeerKeenoos Em
sareov. — — Kas ry ELIOT, Tour,
iv yuv TEC WREEL, TUTE USER, Ko 6 HAS,
zu GEANVM, Koes 0 emo, Hoi © edgeci cerronesvopevos. À de
FEEL
CWENTIS KUTN ETFOMGEV erronei
ego. KOs LIOKEIVET
EES EMO TE TE QUES To
Tux, wos «70 TE Puyes To Segpor, nous are
Te CoPees To Auumeov, ues ro TE desee Te
Eneov. e. Man fee auch fol. 38. a.
RF) Man fehe meine eben angeführte Schrift l. e. Id für
ge nod) ein Zeugniß des Plato Hinzu, weil dadurd) be.
totes
Page 42
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)sige Urfache der Bewegung, Ordnung und Schönheit
der Weit; fie allein babe aus dem Echoofe des todien
Chaos alle Theile des unermeßlichen Ganzen bervorgegogen, und fo geordnet, ‚daß nicht die geringfte Berándes
rung im Univerfo vorgebe, die fie nicht vorhergefehen
Das ganze Alterehum rief Daher
und befdhloffen babe.
aud) den Anarageras als den erjien Priefter des wahren
Gottes und als den erfien Verfúndiger des Waters und
‘
Negierers der Welt aus *),
Eine nothwendige Folge aus der Lehre bes Anoragoras von den Homoiomerien oder der Entftehung aller
Körper aus gewiffen ihnen gleichartigen Deftandeheilen
war diefe,. Daß die Gottheit zwar alles aus einander ge:
fordere, geordnet und in Bewegung gefest, aber in dem
Wefen derfelben nichts geändert, zu ihren Kräften und
Gigenfaften nichts hinzugefügt, oder Davon meggenome
Er erwähnte tager der Gottheit nur alsdenn,
men babe.
wenn er Erfchein: ingen erflére, die cr für Wirkungen der
Ordnung, Bewegung usd Schönheit von”Körperi Dile;
er fcwieg Hingegen von diejer Beltfchöpferinn, Menn er
s
“von
.
wiefen titt, daß Znaragoras fid die Gottheit ¿er
als eine reine, unvcrmifdte, aber dod) als eine Gubfans gedadyt babe, rocldye die ganze Welt durddringe:
Plat.in Cratylo p. 8°.
ero
de ro
dimctsov, © Aeyes Ayakayogus, var ewo rare, AVTOMLATOLO
"HO VT AUTOY, ich edevs PEMLYMEVOY, TFAVTA
DATI ŒUTOY 2 OT EI - TES TEXYPATA,
OL TFC
TOY 1OYTC.
|
*) Man fehe die Zeugniffe der Atp, in Hift, dof, de vero
Deo p. 253.
Page 43
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)von foldjen Phanomenen redete,
die nur aus der Natur,
dem Wefen, den innern unverlierbaren Kraften der Bee
flandebeile aller Dinge abgeleitet werden fónnten.
Diefe Urfache feines oft langen Stiflfchmeigeng
von Gott, den er dod den Herrn und Negierer aller
Dinge nannte, fdyeinen Plato und Ariffoteles nicht bee
merft zu haben *); indem bende Weltweife ihm vormare
fen, daß er die.wichrigften Veränderungen in der Natur
nicht aus den Volfommenbeiten und weifen Abfichten der
Gottheit, fondern aus dem Wefen **) des Aethers, des
Feuers, der Suft, und anderer Dinge erläutert, und
daß er den Mamen der Gottheit nur alsdann genannt
Babe, wenn er alle andere Urfachen oder Naturfràfte
unzulängfich gefunden hatte,
Diefe Befchuldigungen
würden nur alsdenn den Unaragoras treffen, wenn er
die Gortheit anfangs für die Urfache alles deffen, was
alle Dinge find und befigen, ausgegeben, und nachher die
Eigenfchaften, Kräfte und Veränderungen derfelben nicht
für
* Giehe Plat. in Phsed, p. 39.
Arift. I, 4. Metaphyf.
Avafayogw Te Yag HIXEVI MENTE TO vo
eos THY xoouoroiav.
Koes oro emoanoy , dia
TV Cor ICY BA OVAYUNS ESP, Tore ÉÂKEI ŒUTOY.
ev de rois HAAS ToT uaddoy cuTICTO Toy
Yıvousvav,
6%)
$ Y8Y.
Dies Wefen oder den ganzen
Gubeariff aller urfpringlie
chen Kräfte und Eigenfchaften'der Somoiomerien, nanne
te er Nothwendigkeit, rie felbft die Morte des Ariffo:
teles an dev Seile zeigen, wo er dem Anaragoras mit
unter diejenigen Weltweifen ft, die ihr vieles zuger
eigner hätten. Arift, 11, 8, Phyf. Aufc,.
Page 44
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Súnftes Buch.
für Wirfungen der Gortheit,
fondern des Mefens der
Dinge oder der Motbwendigfeit erkläre hätte +).
Ungeachtet Anaragoras fehr viele ungereimte Sole
gen und unanflisticye Schwierigfeiten feiner éebre von
der Entitehung aller Dinge aus gieicyartigen Beftandrbei:
fen überfehen zu haben fcheint **): fo zwangen oder verleie
teten ihn doch einige Einwürfe, die er bemerfte, zu neuen
Behauptungen,
die er wahrfcheinlich als die (taréften
Srijen feines Spftems anjah, die ihn aber, wenn Hye
porbefenerfinder anders unbefangen fenn Éônnten, hätten
feine ieblingsmeynung aufzugeben,
bewegen follen,
Weil Anaxagoras nicht läugnen Fonnte, daß die Dinge,
womit Menfchen, Thiere und Pflanzen ernährt werden,
Feine fichebare Achnlichfeit oder VWermandfehaft mit der
Natur der leztern haben, und daß befonders Durch diefele
bigen Nahrungsmittel, zum Benfpiel Brode, ganz une
gleichartige Theile des Körpers, Knochen, Bleifh,
Blut, Haare, Nägel, u. fiw. ergänzt werden, fo mufte
er fagen, daß in den Nahrungsmitteln der Menfchen
und Thiere Beftandepeile enthalten fepen,
Die den vere
#) Sondern aber Anaxagoras das, was den Someiomerien von
Œiviafeit her mefentlid und eigenthumlid war, von den
Mirtungen der Gorthelt auf fie unterfchicos fo flog
ex feinen Grundfüzen gemäß, wenn er nicht alles aus
dem lezterin erfiärte, Allein das hatte man ibm vore
werfen chunen, daß er nicht, wie Bewegung, Ord:
nung und Schönfeit, fo aud alle übrige Kräfte und
Eigenfchaften aller Naturen vor der Gottheit hervors
gebracht geglaubt Gabe,
FH) Diele Folgerungen und Schwierigkeiten findet man beym
Ariftoreles L 4. Phyf. Aufe, Lucr, L, e, und Bayle Article Anaxagore, NoteB,
Page 45
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)fehiedenen Theifen ihrer Körper, die dadurch erfest wire
den, ähnlich wären, und die man nur wegen ihrer une
vendlichen Rieinbeit niche wahrnehmen Fönnte *).
Eine
foldie Vermifdung der ungleihartigften Homviomerien
fonnte Anaragoras aber nicht bloß aufdie Nahrungsmittel
von empfindenden und lebenden Gefchöpfen einfchränfen,
wenn er fic) nicht offenbar verrathen wollte; er war alfo
genötbigt, zu behaupten, daß alles in allem fey, dag
alles aus allem abgefondert werde, und daß auch in dem
Eleinften Theile zufammengefezter Materie eine Unendlich«
Eeit wefentlich verfdjiedener Clemente eingefchioffen fey ***),
Uu 2
Doch
*) Vide Arift, Phyf. I. 4. de Gener. Anim, A, cap, v7.
p- 179.
de Plac, 1,3. Simpl. fol. 106. a. Kees desevuae
Cfagt dev leztere vom Aviftoteles) ors 8 povey vo CAcY
pry pos OCTTELCOY LVAYYA TO peyedei EYE AUTO,
LAA noti ÉMOESA) omoiomsgeiav, ones FH OAD
AYTO EXBTAY EVUTAONONTA, Ko 8
de correos
Hovey, aAAce Koes aTeiponis mer. MAA’ eis
ev Thy TosceuTHY evvoscey o AvæËæyopcs nXSevy
aygueros undev ex TE un ovros Vheo
Do ice Trev
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TOS Ywonevov, Ei Hi pi} otpueras HAAR HAT
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Uwe, mei en Udaros yn, noe ev 415 Nidos,
soci ex ADS A ue, ves TEOPas derys œur#s
Beco Peeoperns , ösov RETE, TOAAR wai VOOR
yıyeraı, coger, 030, DAefdes, veved, Pei
MESI OUXES, KOI Wee, El dra TUXdi Hei
hecoeros dee.
Lid)
ante befihutdigre daher feine Lehre mit Meche, dag fie
das nicht leifte,
wozu fie erfunden worden:
fie tl
Kame
Page 46
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Sinftes Bud.
Deh nahm Anaranoras diefe Ueberbleibfel chaotifcher
Permichunc
en nicht defimegen an,
fiir zu mad) bielt,
weil er die Gotrbeit
alle unaleichartige Elemente aus
einander zu fondern, oder Körper aus lauter gleichartigen
Elementen zufammenzufezen, fondern um feine Hnporhefe
Sn
mut der Erfahrung übereinftimmend zu machen *),
deu übrigen Gedanfen des Anaragoras über die Natur der
himmiifcyen Körper, über die wichtigften Erfdeinungen am
Him:
námlid) nod) immer eine unbegränzte Vermirrung in
der Welt übrig,
da fic doch erklären folle, wie aus
erviger Unordnung Ordnung entftanden fey.
®) Heimins in den Schriften der Berlinifchen Akademie der
Miffenkhäaften vom Sabre 1753 läugnet es fhlediter:
dings LS. 273.), daB Anaragoras alle Körper aus
Gleidartigen Theilen, Fleifd) aus Partikeln von Fleisch,
Kuochen aus Kleinen Knochen u. f. w. entffanden ge:
glanbt babe.
Eine folhe Behauptung fey zu unges
reimt, als daß ein fo großer Mann, dergleichen Anara:
goras war, darauf hätte verfallen fonnen. Wenn diefe
Art gu fließen gölte, fo wurde man, trie id fon
anderswo bemerkt habe, den größten Weltweifen des
Alrerthums den größten oder dod) einen großen Theil
ihrer Meyrunaen abfprechen müffen. Faft alle Schrift:
fteßer, dic id bisher angeführt Habe, eignen dem Anas
yagoras die Meynuno zu,
die der eben genannte Ge:
{ehrre ans dem Syftem diefes Philofophen zu vertilgen
fue, Wenn man aber aud) annehmen wollte, daß
Anaragoras nicht gefagt habe: Knodien entftünden aus
“flonen Knoden, Augen aus tleinen Augen, Eingeweis
de aus Eleinen Œingeweièeu, fondern aus Elementen,
die diefen Körpern aleichartig wären, und aus denen
fie nur allein aebilder werden fonnten; fo wärde durch
dick Austegung zwer die augenfheinfide Ungercimebeit
der Menmung des Anaragoras etwas vermindert mer:
den, allein die unbeantwortlichften Eimvürfe würden
nod) inuner ungefchwäacht bleiben.
Page 47
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Gefchichte der Griechifchen Neltiveisheit. 677
Simmel und auf der Erde, endlidy über das Wefen der
Menfhen, Thiere und Gewächfe, find Wahrheit und
Serthum, decd) immer mit einem Uebrrgemicht des deje
tern, eben fo, wie in feinen Vermutburgen über die.
Entftehung aller Dinge vermifcht, und allem Anfehen '
nach widerfprach er fich eben fo oft, als die Schriftielier,
die ung feine Beobachtungen und Meynungen aufg: jeidye
net haben. Er fagte nichts von den Urfachen derverfitsies
denen Schwere und Seichrigfeit der Körper *), und ucbte
dagegen den Grund auf, worinn das unendliche Ganze
nicht finfe, fondern felt und unbemeulid) bleibe.
Er
fand ibn barinn, daß fich bas Univerfum felbit fige,
Feuer und Aster
oder auf fic felbft gegründet fen **).
fchienen ihm einerlen Subftanz, und die Räume der Dime
mel mit Seuerthzilchen angefiille zu fepn, als welche bey
der Weltfchöpfung und der Abfonderung aller Dinge aus
dem Chaos fid) in die Höhe gehoben hätten ***), Zugleich
aber glaubte er, daß in den Hédhften Gegenden des Als,
wohin nur die feinften und flüchtiaften Theile Hatten Bino
auffteigen Éônnen, die Sonne und übrigen Geftirne als
feurige Steine, oder glühende fteinigte Waffen berume
fdywómmen }). Spätere Schrififteller eignen ifm fogar
die Mennung zu: daß die Sterne urfpringlid) Steine
gemefen feyen, die von der Erde burd) gewilfe Wirbel
oder Sturmwinde fortgeführt, und endlid) zu Geftirnen '
Uu 3
4
Quss
®) IV. 2. de Coel,
**) Phyf, Ari. UL 5,
***) De a Hi 3. Meteor, 1, 8. u. bef. ipf,
frogm,
ap.
top .
D Man fee die Bengniffe des Plaro,
38. fol,
by
4
Xenophon und ans
dever beym Bayle Art. Anaxagore Note B.
Page 48
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Fünftes Buch,
auggebrannt worden *);
und eine noch größere Sabf von
Gefchichtfchreibern erzählt, daß er die Auslöfchung diefer
glübenben fteinigten Maffen, und den Sturz derfetben
auf unfere Erde geglaubt,
und den Wunrerftein bey
Uegos Potamos, den man nod) zu Plutarchs und Plinit
Zeiten verehrte, entroeder für das Bruchftüc eines Srerng,
oder aud) für einen ausgelofchenen bimmlifhen Körper
gehalten, und deffen Fall viele Wochen vorher verfine
bigt habe **).
Unter allen feinen Behauptungen ¿og ihm feine
andere einen bittern Tadel größerer Männer, und einen
Heftigern Haß des gemeinen Haufens zu,
als eben dies
jenige, wodurch er die Sonne und übrigen Geftirne für
gli
2) Diog, in ejus vita Lib, IL 10, 12,
und mehrerer Kirchenväter.
De Plac, phil, 11, 13,
#5) Man febe den Diogenes I e, & ibi Comment. vor allen
andern
aber
den
Plutard
im
Leben
des
Lofander,
Man Faun aber meinem Urtbeile nach mit Rech: sweis
feln, 06 Anaxagoras diefe Unacreimebeiten behauptet
und gefagt habe, ungeachtet für Ecinen andern Loberss
umfand,
und für Feine andere Mennuna dicks Melts
socifen fo viele Sengen als fir feine Meifagung des
Falls des berüchtigten Steins ben Aeros Poramos ans
geführrwerden Eonnen. Hätte Anaragevas gelebre, dag
ble Sterne von der Erde wegacriffrre Steine, und bar der
Stein bey Ncass Potames cin Stück der Sonne oder ein
erlofbenes Geitien fey; fo würden Plato und Xenophon
an den Orten, wo fie von der Mennung des Anaragos
ras über die Natur der himmlifhen Sórper, alg einer
eben fo ungereünten als gortloren Grille veden, und
Avifforcles in feinen mereerofogifhen Büchern, befens
ders da,
Eifer
too cr des Steins und feines Falls aus der
erwäßne (Meteor. I. 7.),
biefe Behauptungen dee
Anarageras nicht verfchtwiegen haber.
Page 49
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Gefchichte der Griedhifthen Wclfweiébeit. 679
glühende Steine erklärte, und fie alle ihrer Gottheit ente
fezte *). Anaragoras machte dadurd alle Unterfuchuns
gen über die Natur und Veränderungen bimmfifiher Koes
per fo verdächtig,
Pak man fi fogar feine depre über .
die Natur und Verfinfierung des Mondes bis auf die
Zeiten des Plato als ein wahres, aber auch als ein gee
fährliches Gebeimnif anvertraute **),
Er mar der
erffe ***), dee fic unterfand, öffentlich in feinen Schrife
fen den Mond nicht eine Géttinn, fondern eine Erde qu
nennen, die der unfrigen äbulich fen, und ir fiche von
Er war guerit fo gtüclich und Fübn,
der Sonne erhalte.
die Abnahme, Zunahme, und die Verfinfterungen des
Mondes aus den wahren natürlichen Urjaden zu erllä«
ren $).
Wenn aber Unaragoras die Größe der Sonne
mit dem Umfange des Peloponnes verglich, und Hingu
feste, daß die erfle viel größer, ale der legtere fey #f)3
Un 4
fo
8) Die Stellen des Xenophon,
Díato und anderer finde
man beym Bavie Art, Anaxagore Not, Ba
**) IIE. 393. in Nic, Plus.
##*) ib, p. 60, Stob Phyf. Ecl,
+) Plato in Crat, p. 87. zweifelte, 06 Anaragoras ¿nerft ges
febre Gabe, day der Mond fein Liebe van der Sonne
erhalte,
Allein ev zieeifelt nur,
weil er dem Anaragos
tas nicht günftin war.
Selbjt die Art, wie ev diefe Bes
mevéung vorträge, zeiat, dab rman fie in feinem Rcits
alter allgemein für neu schaften, und dem Unaregerat
zugeichrieben habe.
— Liebrigens ijt es merkwirrdig,
daB lezterer den Mond fir einen Körper von ganz ara
derer Natur, als die übrisen @revne gehalten habe
Aus der Erklärung
des Mens des Monde cntffand
wahrfcheinlich die ivcias Mepnung cines neueren Schrifte
fiellers, daß Anarayoras alle Sterne fir ixdifthe over
unferer Erde hnliche Körper gehalten babe. Diog, LL e.
+)
Diog,
H. 9. If, 21. de Plac, Phil,
Page 50
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Fünftes Buch,
fo war er der Wahrheit nicht näher, als wenn er die Ros
meten für Erfheinungen hielt, die aus der Vereinigung
oder Sufammeurüdung von Planeten
entflünden *).
Gliclicer war feine Vermuthung, daß die Milchftrafe
das eigentliche Sicht gewiffer Sterne fey,
welche die
Sonne nicht anblice **), oder zwifchen welchen und der
Sonne die Erde ftehe ***).
,
Seine Betrachtungen über die Erde geiqen, daß
es dent Menfchen fehwerer würde, (td) von feinem Mobn=
_fige richtige Begriffe zu machen, als über die Natur
und Bewegungen der bimmlifhen Körper wahrfcheinliche
DVermutdungen zu begen.
Er hielt die Erde mit dem
Anarimenes und Demofrit für platt +), und elaubte,
daf fie anfangs ganz fdwammigt und fumpfigt gemefen,
daß aber enblid der obere Theil, den wir bemoburen,
durch beftändige Negen zufammengeprefit und dichter ges
worden fey tt).
Sbre platte Geftalt fhien ihm der
Grund ihrer Unbeweglichfeit zu feyn; denn dadurch merde
die Suft, welche fie trage oder ihre Stúge fen, fo einges
fhloffen, dafi fie nirgends einen Ausgang finden, und
fic) der auf fie drúcfenden Saft entziehen Eönne j}}).
Die
Crt.
7
*) I 7. Meteorol,!
RX) Meteor. 1. 8.
HEX) Er glaubte, daß wir diejenigen Sterne, tuelche die Sonne
anblicte, deswegen nicht wahrnähmen, weil die Strahfen der Sonne ihren Strahlen ividerffunden,
und fie
hinderte, bis auf die Erde herabzufommen,
4) de cocl, th. 13.
tt) Il. 7, Meteorol, Arift.
+14) 11, 13 de Coel.
Dad) dem Verfaffer des Buchs von
ten Meynzingen der Ieluweifen fol Anaragoras gefagt
haben, daB dic Erde oder die Welt nach ihrer Entftebuna,
Page 51
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Erbbeben erklärte er aus einem Serabffrablen oder Herabfenfen des Aethers , der in die Höhlen der untern locern
Seite der Erde eindringe, und die Erde von unten bis
oben durd) alle ihre Gewölbe ericyüttere *).
Daß die suft ihrer Feinbeit und Unfichtbarfeit une
geachtet ein wirflidyer Körper fey, der andern Widere
fland thun fénne, fchloB er aus der Kraft, die man
anwenden múffe, um Dlafen, die mit ihr angefülié
fenen, «zufammengudrácten , und aus den Erfcheinungen
einer Maichine, die allen Griechen befannt war **).
Eine jede Bewequng der Luft nannte e: Wind***), und
erflärte ihn für eine Wirfung der Connenfirahlen, wodurd)
Den Bliz hielt
die Suft verdünnt und bewegt werde +).
er tt) für eine plözliche Ecfdyeinung einer von oben Hers
Uns
abges
und der Hervorbringung aller Thiere fic) ein wenig nad)
Mittag gefente habe, damit einine Theile derfelben bez
wobnbar, andere hingegen unbervohnbar würden (11. 8.).
Bon diefer Meynung des Anaxagoras, deren Grund
mir ein Rathfel ijt, finder fic) fein Wink im Arifto:
teles, und man muß fie alfo um defto mehr für erdich:
fet, oder für die Wirkung eines Mißverftändniffes pal:
ten, weil fie den Beweis umwirfe, den Anaragoras für
die Unbewenlichkeit der Erde vorbradte.
‘die Erde nicht fenfredt,
Denn wenn
fondern nad) einem feiefen
Winkel auf der ihe unterliegenden Luft rubte; fo würs
de die feste mehrere Deffnungen finden,
twodurd) fie
Dervordringen, und die Erde zum Ginfen bringen
konnte.
È
*) II, 7.!Meteorol Arift,
**) Phyf Arift. 1V.,6, Problemat, f. 16. p. 125.
Diefe
Beobachtungen leiteten ihn unfireitig auf die Vermu:
thang des Dienfies, den die Luft der Erde leifte.
###) Il, q, Meteor,
+) Diog. Il. 10.
tt) II. 9. Metecrol,
Page 52
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)abgeftiegenen Aethermaffe, deren Auslöfhung den Dott:
ner verurfache. Eben beGmegen alfo, weil foldje Feuer:
flumpen eher fichtbar würden, als fie erftürben oder aus»
gefofcht würden, fae man auch den Blis früber, als man
den Donner höre.
Seine Gedanfen über die Entftebung
des Hagels fann man aus' einer zu furzen Stelle des-
Ariftoteles nicht gang errathen *). Diefem Zeugniffe
nad) glaubte Anaragoras, daß Hagel alsdann entftehe,
tvenn Seuchtigfeicen in die falte obere £uft emporftiegen.
Der dunfefte und am wenigften ausgearbeitete
Theil feiner Dhilofopbie fheint feine Seelentebre gervefen
zu fen; denn über diefe widerfprechen fid) die Griechifdjen
Sorifrfteller am meiften, oder drücken fid) dod) am une
beftimmteften aus, ‘Bald redete ev fo, als wenn er das
Wefen ber Gottheit von Seele oder Weltfeele unterfchies
den Hatte: menigfiens belegte er nur die Urfache der
Ordnung, Schönheit, und Bewegung aller Dinge mit
dem Worte Verftand (ves), und von ihr fagte er es aud)
vorzüglich, daß fie mit allen übrigen Subftanzen unvermifcht fen **).
An andern Stellen hingegen brandyte er
die Wörter Verftand und Seele, als gleichgeltende Aus.
drüce, für das Principium aller Bewegung, alles Em:
pfindens und Denfens, und fagte, daß der Verftand
alles durchdringe ***), alles umfaffe und regicre +), was bes
feelt fey, und daß er fic) in allen Thieren, in Fleinen wie
in
*) L 12, Meteorol,
*®) Ar, I, 2, Plato p, 58. Anax, p, 33, fol, 2, ap. Simpl,
#**) Plat, p. 58
D fol, 33, Po 2e
Page 53
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)in qrofen, in vermorfenen, wie in ben edelften finde “).
Wenn man die Brubfiüde zufammennimmt, und mit
einem andern Zeugriffe des Plato vergleiche**); fo fann
man faum zweifeln ***), daß Anaragoras von der gôttlis
den Subitanz felbft geglaubt babe,
daß fie durch die
ganze Welt verbreitet, und allenthalben die Urfache des
Embfindens und Denfens fey +).
Allein wie er diefe
alles durchdringende und befeelende Gottheit dod) immer
noch rein und unvermifcht nennen fonnte, und welchem
befannten Körper er ihre und aller Seelen Subftanz fic) am
ahnlichften gedacht babe, wage it nicht zu beftimmen,
da er fie zwar die feinfte und geläutertfte aller Gubftangen
nennt, aber fowohl von Suft als von Aether unterfchei«
det tt). Zuverläffig faif aber ¡ft es, ba er die Seele
für eine aus Suft beftehende oder zufammengefezte Natur
gehalten habe, wie der angebliche Plutard)tt) und Theo
boret+ttt) verfichere.
MWahrfcheinlich hingegen, was eben
Diefe Manner berichten, daß er die Seelen für unvera
gánglid), den Schlaf für eine bloße Veränderung des
Kore
*) Art, I, 2, de Anim,
=
p.
53»
Rex) Mie ich an einem andern Orte gethan habe,
+) Sch nehme andy hier die Bemerkung zurück, daß Aviftos
teles in den beyden Stellen im ¿wenten Capitel feines
crficn Buchs von der Seele fic) eines iderfpruds”
fhuldig gemacht Habe. Aviftoteles ftimmt volltommen
mit fid) felófE, mit dem Plato, und mit dem ‚angeführs
ten Fragment des Anaragoras überein,
tt) Man fehe die Fragmente beym Simplicius fol, 33. 6.
adgefihrieben habe id diefe Stelle ip der bil, dodr,
de Deo,
THD IV. 3.
v, Serm, pi 545»
Page 54
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Fünftes Buch.
Körpers, nicht der Seele, und den Tod für eine Tren:
nung des denfenden Geijtes vom fterblichen Seibe gehalten
habe *).
y
Ueber die Zahl von Kräften, die er in der Geele
annahm,
miffen wir faft nichts beftimmtes, als daß er
alten Thieren **) feben, Empfindlichkeit, Begehrungsvermögen und Denffraft zugeeignet, daß er ferner die
Sreybcit der Seele behauptet, und unvermeidliches Vers
bängniß,
oder zwingende Mothmendigkeit für finnleere
Damen erklärt babe ***),
Nad dem Xriftoteles
glaubte er,
daß der Menfd) Feine andere Bors
züge vor den Thieren, als feine Hände befige +),
welche allein ihn zum vernünftigften unter allen empfine
denden Wefen machten,
Mach dem Plufard) hingegen,
der als Gefchichtfehreiber der Meynungen alter Weltmei:
fen fehr tiefunter bem Staniriten fteht, lehrte Anaragoras,
daf der Menfd) an Beobach)tungsgeift, an Umfang des
Gedachtniffes, an Runft oder Gefchiclichfeicen, endlich |
an Weisheit alle übrige Thiere, ohne alle Bergleibung
übertreffe, und daß eben diefe Worzüge es feyn, wodurd)
der Menfch alle Thiere fic unferthan made, und warum
er ihre Arbeiten und Kräfte nad) feinem Wohlgefallen
braudye tt).
Viel übereinftimmender mit feinen übrigen Grunde
fägen, als diefer lezte Ausfpruch gewefen feyn würde,
waren feine Klagen über die Schwäche und Dunkelheit
der
*) de Plac, V, 25.
*%) E, 1, de Plant, Ariftot,
WR) Alexand, de fato C. 2.
$) de Plant, I, 1, de Part, Anim, A, 1. p. 106.
tt) VI. de fortuna 373. ©.
Page 55
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)der Ginne**).
Unaragoras mufte nothwendig die.
Kenntniffe, welche die Sinne uns von den äußern Gee
genftänden geben, für jehr unzulänglich, oder gar unrid)»
tig halten, weil fie uns nichts von der unendlichen Theile
barkeit der Körper, und der unendlichen Kieinheit und
Als ein auffale
Bermifhung der Homoiomerien fagen.
lendes Benipiel der Unfähigkeit der Sinne, die wabre
Bejchaffenbeit von Körpern yu entvecten, führte er die
Beobad)tung an: daß, wenn man Feuchrigfeiten von
verjchiedenen Farben nehme, und die eine tropfenmeife in
die andere fallen faffe, man alsdenn niemals vie allmäh:
lige Verwandlung und Bermifung von Farben fo uf
fenweife, als fie fic) in der Natur erángne, bemerfen
fónne **),
Aus diefen Erfobrungen und Vorderfazen
fonnte Anaragoras allerdings fchließen,
daß die Sinne
unglaubwürdig, die Empfindungen und Vorftellungen,
die wir durch fie erhalten, erúglid) und mangelhaft, und
daß alfo der forfhende Verftand der einzige Richter und
Erforfher der Wahrheit, oder der wahren Natur der
Dinge fey. Auch Fonnte er behaupten, daß alle finnliche
Gegenfiánde,
und alfo aud) der Edjnee nicht diejenige
Garbe wirklich babe,
wenn er fagte,
die er zu haben (eine,
allein
daß der Sdynee fd)warj fey, und ¿rar
defivegen fchwarz fey,
weil er aus fhmwarzem Waffer
ente
#) Sext, adv, Mathem, VII, 90.
evSev ouev Quomoreevos Avagayoous ws acSevas deaBa dov ras
asInTas, imo aPaveorgros cutwy Quer 8
duveroy eouev xewew 7" andes, vino de mıSW UTED THs ATISIAS,
THY Togo miKecy Tov
Keopceroy sea Roy. 2.7. À,
#9) Sext, 1. Hyp. Pyrrh, 33. &
ibi Fabric, der die Seugnifje
des Cicero, Lactanz und Galen anfubre.
Page 56
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Flinfted Bud.
entftebe, ober gar daß ifm der Schnee nicht elnmal weiß
feine *); fo fagte er nicht nur etwas ungereimtes, fon:
dern and) etwas, was mit feinen eigenen Meynungen
firitt **).
So fehr Demofrit auch die Bemerkung des
Anapagorssrühmte***), daf man die unbefannten Eigen
fehaften der Dinge aus den befannten oder aus finnfichen
Erfdeinungen erflären müffe; fo war fie body mit der
Sehre von der Schwäche der Sinne nicht weniger unvers
-einbar, als gmeen Gebanfen, die Ariftoteles uns in feis
net
®) Acad. Quaeft, IV. 31. Cic,
Man fee aber doch auch
6, 33,
$) Rein Sfeptifer Hat je behauptet, und Ecin vernünftiger
Menfh, der einer foldyen Empfindung, als diejenige ift,
welche die weiße Farbe verfhaft, fähig ift, Eann es bes
Haupten, daß der Schnee ihm nicht weiß feine; und id
glaube daher, daß Cicero an der einen Stelle den Gee
danten des Anaragoras übertrieben habe, Wenn ‘der,
lezteve aber behauptete, daß der Schnee nicht weiß, fon:
dern fehwarz fey, weil ev aus Waffer entitebe; fo Eonns
te man ihn fragen, warum er glaube, daß feine Sinne
fhm die Farbe des Maffers richtiger als die des Schnees
’ annäben, und warum er unter den unzähligen Farben,
die das Maffer zu haben fheint, vor allen andern die
faywarze wähle? Man tonne ihm endlich einen Truge
fehluß entgegen fegen, der aber ganz nad) feinem Wuz
fer acbifoce if: daß nämlich alles IGaffcr, wenigitens
alles Schneewaffer weiß fey, weil es aus weißem Schnee
entfiche. Die Art, wie Hr. Heinius die Mennuna des
Anaragoras zu vedufertigen fucht, feyeint mir eben fo
feltfam, als die Meynung felbjt zu on, & qu’ ainfi
la neige peroit blanche fans Petre effe@tivement;
qui ne faut pas fe fier à cette couleur; qu'elle n’eft
utileà quoique ce foit: & que celui — la fe trompersit beaucoup, gui emploperoit la nsige 4 blanchir
des babsts,
#68) VII, 140, Sext, adv, Mathem,
Page 57
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)ner Methaphnfié aufbehalten hat, es mit der Behauptung
find, daBder Verfiand oder die Vernunft das Kriterium
der Wahrheit fey.
Anayagoras
erklärte erftlich feinen
Freunden, daß alle Dinge fo beichaffen fenen, als fie ihe
nen fehienen *), und dann glaubte er, daß es zwifchen
Seyn und Nichtfenn, oder gwifchen zween wider{pree
enden Sägen nod) ein gewiffes Micrel gebe **), Denn
wenn man etwas gutes und fdhlechtes sufammenmifche, fo
fey diefe Mifchung weder das eine noch das andere.
Unter den Gedanfen des Ancragoras über die Nas
tur und Entftebung von Wienfizen, Thieren und Pflanzen
triffé man gleich merfmitrdice VBenfpiele von feinen und
richtigen Beobachtungen,” uud von ungeheuren Vermus
thungen und Seblfciüffen an.
Erlehrte, dab Menfchen
(und wahrfcheirlic and die übrigen Thiere) aus dem
Saamen der Väter entftünden, und baf die Mutter nue
den Plas ergebe, worinn der Embryo gebildet werde ***),
A
Die
*) Arift..Mctaph, y. e. p. 63. AveZayoee de nay cerro.
Ode yua prnpoveveTay wees Tay ÉTagev Ties,
OTL TOUTA KUTOIS ESO) ToL OVTA, oi KY UroreBwoi.,
,
**) ib. y. p. 68.60 AvxËuyces, eve ri peroo
rs aymOnoeows" ore ravre Weudy. ora vee
windy, ere eyadov, ste 8x wyadey To up.
(sE adey ESTI Es Andes.
#6) de Gen. Anim, A. a. p. 269.
Cenforinus 3abft alfo
falfblid den Anaragoras unter derten auf, die geglanbe
Hatten, daß der Menih fowehl aus dem Saamen der
Rutter als des Vaters entitche,
und eben fo wenig
fann Anaxagoras acfaot Haben, daf die Kinder derjenis
gen Perfon ahnlich wirden,
Hergegeben hätte, e. 6,
die am meijten Gaamen
Page 58
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Fünftes Buch.
Die Urfade, wodurch der Saame qu einem febenden Gee
fôpfe ausgebildet werde,
fébweigen,
überging er nicht mit Still:
mie die meiften
alten
Weltweifen;
nannte er fie nicht Zufall oder Dóngefábr,
ätherifche Wärme,
aud)
fondern eine
oder eine görtliche bildende Kraft,
wodurd) der Saame organifirt, betebr, und allmablig in
ein mit allen Gliedmaßen verfehenes Gefdhipf ausuearbeie
Er hielt den Gaamen für einen Ausfluß
tet werde *),
des Marks, oder für eine Seuchtigfeit, die fid) aus dem
Mark abfondere, und der Sroff des Fleifches fowohl
als
des Fettes von Thieren fey.
Zum Deweife berief er fid),
wie Alfmáon von Kroten, und Demofrit von Abdera
auf die Erfchépfung oder den Verluft von Marf fomobl
als von Fett und Sleifd), den alle Thiere nad) einem zu
oft wieverholten Beyfchlaf litten. Das Gefchlecht Fünftiger
biere werde, feiner Meynung nach **), vorzüglich dadurch
beftimme, ob ver nämliche Gaame von der rechten oder
linfen Seite berfomme,
Sm erften Galle merde ein
männfiches, im entgegengefesten Falle ein weibliches Ges
fhôpf gebildet,
Auch in der Bármurter habe die rechte
Seite den Vorzug, daß fie die Aufbemabrerinn manne
lier Geburten fey, da weibliche Œmbrnonen die linfe
Seite einnähmen ***), Anaragoras lehrte ferner, daß
das Haupt oder das Gehirn, als der edelfie Theil des
menfchlichen Körpers, als der Sig alter Empfindlichfeit
und
*) Cenfor, de die nat. c. 6, Anaxagoras ante omnia jus
dicavit inerefsere cerebrum, unde omnes funt fene
fus, — funt, qui aetherium colorem ineffe arbitrene
tur, qui membra difponat, Anaxagoram fecuti,
*) A. e. p. 269, de Gen, Anim.
ar) Arift, ib,
Page 59
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)und die Urquelle aller Sinne zuerft vollendet, und daß
das angefangene Thier durd) den Nabel ernährt werde *).
Diefe Beobachtungen hatte Anaragoras wahrfcheine
fic) eben der Zergliederungsfunft zu banfen, moburd er
die Monftrofirät eines Ropfs, aus weldyem der Zeichens
beuter fampon in Athen eine große Staatsveränderung
meibagte , auf natürliche Urfachen zurüickführte **),
Wenn man diefe Bemerfungen eben gelefen bats
fo muß man nothwendig erftaunen, wenn man ferner lieft,
daß der Urbeber derfelben geglaubt habe, daf die Razedurdh
das Maul gebafre, und bag Naben und Sbife fid) mie
ihren Schnäbeln vermifchten und dadurd) empfingen ***),
Miche minder feltfam , und des Anaragoras unwirdig war
der Einfall, daß die Pflanzen und Gewadhfe der Erde
wirkliche Thiere feyen, daß fie gleich den Menfchen lebten,
und daß fie eben fool Vergnügen und Schmerz ems
pfänden,
dächten,
begehrten
und verabfcheuten +).
Anaragoras ging nod) weiter als Empedofles und Dee
mofrit, indem er fagte, daß Pflanzen und Gewadhfe
gleid) allen übrigen Thieren atdmeten, oder Suft ein-und
aushauchten t+). ihre Empfindlichfeit gegen Vergnügen
und Schmerz fhloß er aus dem Ausbrechen und Abfallen
der Blatter, die er wahrfcheinlid), wie Empedofles,
mit
e) e. 6. Cenf. de die nat,
- **) Plut, in vita Pericl.
Pak) Y. 5. p. 253. Arift, de Gener, Anim,
:
- 4) de Plant. 1. 1. Arift.
44) Kein Wunder alfo, wenn er, und Diogenes eben dies
fes von allen Fifchen behaupteten. Arift, de refpirat,i
Page 60
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)mit dbnlidjen Erfcheinungen in thievifhen Körpern
Mute
verglic)*), Wenn er die Erde die gemeinfhaftliche
ter, und die Sonne den gemeinfhaftlichen Water aller
Pflanzen und Gewächfe nannte; fo flimmten diefe Bilder
mit dem Sprachgebrauch, wenigftens dem dichterifchen
Sprachgebraud) faft aller Wölfer überein **),
Ein Zeitgenoß des Anaragoras war Demofrit
von
Abdera, ein Schüler oder Freund des Seufipp. Nach
den außerorbentlichen $obfprüchen, womit die größten
Männer den Demofrie erhoben haben, follte man ihn
für eines der allgemeinften und erfinderifchften Genies bals
ten, melche Griechenland hervorgebracht hat. * Unters
fucht man Hingegen die Fragmente und Gebanfen diefes
Weltweifer unparthenifch; fo wird man ‘geneigt zu glaut«
ben, daß er in ben Zeiten des Urfprungs ber miffene
fehaftlichen Kenntniffe unter ben Griechen, nid)t aber
¿ugleid) mit dem Anaraguras gelebt, und erft nad) ifm
ges
*) ib,
.
®*) de Plant. 1, 2. Anaragoras ffellte, tie die meiften ale
ten Weltweifen, Betrachtungen über die Natur
und Vers
HAltniffe von Größen, und über die Urfachen von Krants
heiten au, welde leztere die erfien Unterfucher der
Wahrheit und Natur, als die mertwärdigiten Crfcheinungen anfehen muften. Von diefen medicinifhen aber
und geometrifchen Kenntniffen haben fid), fo viel id)
weiß, nur ¿ey Bruchftüde erhalten: die Meynung
námlid), daß die Galle die Urfad)e biziger Krankheiten
fey, CArift, de part, Anim. A. (3. p. 84 ) und dann das
Zeugniß des Plutard: da$ Anaragoras im Gefängniffe
über die Duadratur des Zirfels gefhrieben babe. enn
dicfe Madrid vihtig wäre; fo müßte die Größenfebre von Pythagoras bis auf den Anaragoras fchnelle
Foregange gemacht haben.
Page 61
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)gefdjrieben Habe.
Wenn man deu Pythagoras auss
nimmt, fo ift unter den ditern Weltweifen Feiner (und
eben biefes ift der ficherfte Beweis des allgemeinen.
Rubms, bener im ganjen Alterthumegehabe hat) welchem
man fo viele große und wunderbare Chater gugetraut und
gugeeignet, bem man aber aud) unter und neben diefen Wun=
dern fo viele NarrBeiten und ungereimte Schriften anged
dichtet hat, als dem Demofrit.
Man ließ ibn, mie
den Pythagoras, unter die entfernteften Wölker Afrifens
und Afiens reifen,
und fogar von fic felbff fagen, daß
er achtjig Sabre in fremden fánbern ¿ugebrad)t habe *).
Man machte ifn, wie den Pythagoras, mitden verborgen«
ften R:äften der Dinge befannt , und rühmte die Butta
der, die er vermöge biefer Vertraulidfei¢ mit den Ges
Heimniffen der Natur verrichtet, und die Weifagungen,
modurd) er feine Seitgenoffen in Erftaunen gefest, und
fid) felbft das Anfehen eines göttlichen Mannes erworben
Babe,
Man erzählte, daß er fein ganzes feben mit der
Unterfuchung von Kräutern, Steinen und andern natürlie
Er 2
den
#) ap. Clem, Alex, Strom, 1. p. 304. eyo de Tov var
ÉpovToy avSenrroy Y AY TRASI EVERY,
isogewy TA UNXITA.
Koy KEGNS TE Koy yes
Bhrasas esdov, za Aoyiov ayer Thesswy
eonusoc. Koy Yeoppcwy UVŸETIOS META ŒTFO=
deifios udess uo pe mocen okey, 8d of Aryue
Tray xocreopevos Agreda amroy. œuy rois
d ems
mow em ere oydwnovre ems Levys eyewnSyy.
Die Beweisftellen für die übrigen Behauptungen dicfes
Abfazes fann man im Leben des Demofrit von Brute
der, und in Baylens Wörterbuch Article Democrite
finden.
Page 62
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Fünftes Buch.
chen Körpern sugebradt, und daß er, um biefen Unters
fuchungen deffo ungeftörter nadhhängen zu fonnen, fic
von aller menfeplidjen Gefellfchafe in die Wohnungen der
Zugleich aber fagte man
Tobfen zurückgezogen Habe.
aud) (und anfangs gewiß in der Abficht, den Namen des
Demotrit zu erhöhen, und ohne zu bemerfen, daß man
etwas widerfprechendes vorbrachte) daß diefer unermüdete
Beobachter der Natur unfinnig genug gewefen fen, fic)
felbft die Augen auszureißen, mit deren Berlufte alle
Wefen, deren Kräften er nadjfpürte, fid mit emiger
Sinfternig würden bebecft haben, und daß eben diefer
fenerliche einfiedferifche Beife, der aus den Berfammlungen der Menfitjen in die ruhigen Werfftäte der tobten
MNatur'floh, fic) die Mühe gegeben habe, die Thorheiten
der Menfchen beftändigzu belachen, wie Heraklit fie follte
beweint haben. Alle diefe mit einander ftreitende Mährhen *) werden von den größten Schriftftellern der Gries
hen und Romer geglaubt, oder doch angeführt, und man
Eann es daher dem Pöbel im Zeitalter des Plinius und
Apulejus niche übel nehmen, wenn er den Demofrit für
einen
#) Zu diefen Mähren gehört and die Sage, daf die twee
gen ihres Blödfinns berüchtigten Abderiten den Demo:
frit eben defrvegen, weil er ganz anders lebte und hans
delte als fie, fur verrückt gehalten, und den Sippotras
tes gerufen hätten, um ihren Mitbürger zu heilen:
daß aber Sippofrates die Weisheit des Demofrit bald
erkannt, nnd die Krankheit, deren man ihn geargwohnt
hatte, den Abderiten vorgeworfen Sabe.
Diefe Erjába
lung verdient eben fo wenig als die Übrigen eine ernftficheWiderlegung, weil fie gleich den Briefen, die Dee
mofrit und Sivpofrates «qervedyfele haben follen, fatt
“gar nicht zu vertenmente Spuren der Erdidhtung an fit
tragen.
Page 63
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)einen der erften Diele, der úbernacúrliche oder magifche
Künfte auf feinen langwierigen Neifen gelernt, und fie
‚in gewiffen Schriften andern zum Nuzen vorgetragen
,
abe.
find
Demofrit, Beno, Meliffus, und Sippofrates
lehrende Benfpiele, Daß der Gedanke eines einzigen Welte
ordnenden und regierenden vernünftigen Wefens nicht nue
febr fever zu finden, fondern aud) fd)mer zu faffen und
gu verbreiten war, und daß er den größten Geiftern ane
Wer
fangs nicht einmal wabrícheintid) gerefen fey,
erftaunt nidjt, renner findet, daß Demofrit, der mit
den Werfen des Anaragoras befanne, und nicht allein
nicht feindfelig gegen ihn gefinnt war, fondern mehrere
feiner Gedanfen lobte und annahm, daß diefer die vom
Anaragoras verfiindigten Wahrheiten gegen die milden
grundlofen Träume des Seufipp verworfen habe?
Dee
. moftit behauptete, wie fein febrer, daß ein unenblid
ausgefpannter leerer Naum, und eine unendliche Menge
untheilbarer Gubftangen von verfchiedenen Figuren und ,
Größen die Principia oder Grundurfachen feyen, aus
welchen alle Dinge entweder durchs Shngefähr, oder
durch die emigen Gefeze der Bewegung und Nothwendige
feit, ober durch die abfichtlofen Wirkungen einer blinden Natur hervorgebradyt worden *),
Er 3
Ce eignete beyden auch
die:
#) Man fehe Diog, IX, 45. Arift. Phyf,
IL 4. Metaph, 1. 4.
Plot. ap, Euf, Praep. Evang. 1. 8, Díato hatte une
fireitig andy im zehnten Buche feiner Gefeze den
Demofrit, dem er unhold war, im Sinne, wenn
er fagre : p. 605. Edit, Baf, Gr, — — —
TUE Koy vdwe Hoy YnY Hoy wege, Luca FOTO
Page 64
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)diefelbigen Cigenfchaften zu, die Seufipp ihnen beygelege
Hatte: dem einen Fähigkeit (id) nad) allen Seiten durch«
dringen zu faffen, den andern unüberwindliche Feftigleit,
oder Undurddringlichfeit *),
Er fagte ferner mit dem
Seufipp, daß nur diefe allein wirkliche, für fic) beftehende
Dinge, bie Körper hingegen, wie ihre Eigenfchaften,
bloße Erfheinungen feyen, die aus der Zufammenfezung
von Atomen, und von Theilhen des leeren Raums ents
fune
ave moy Tuxn Dası, reyyy de adev TET @Y. noe
TX METE TOTO ŒUTOMATO YNS TE KU qNg
GENS asgwv TE Teti, die TETw Yeyovsvaa
avreAws oyray apuyav. Tuxn de Peeopevo
Ty ras duvapeos nasa Exasov, 1 EvprerloHEY AQUOTTOYTO OIKEIWS Tas, Vega Puxeos,
n Enea reos Vyex 3 Hou odon Treos au} nea
UO
TAYTA
OMOTE Ti] THY EVAVTIMI MOLTE Kot=
TA TUYNV EË avayuns avyuereaada. Tourn Kote
RATE TOUTE Erw YEYEVINKEVCA TOY TE BECLYOY
Nov, nou God av nou Pura Evurravro wey
Toro EX TETWV Yevopevov. Bde die vev Dec,
ade dia rive Seov, ade dice Term, «A 6 deJoue, Pures es TU. Texvav de vsecuy ew
TETOY Useeuv yevopevay œurnv Ivaray ex JvnTov. x. T. À.
Demofrit nahm wie alle alte Welt
teife an, dag unmöglich etwas aus nichts entfteber
fônne. Plut, adv. col, X. p. 561. und als einen Des
weis, daß nicht alles entftanden fey, führte er das
Denfpiel der Zeit an, welche gränzenlos oder ewig fey.
Arift. Phyf, Aufe, VIII. 1.
®) Crinannte den leeren Naum oft under, bie Atome der
ober ideas. p. 561. 69. X, adv. Colot, und gab Bey:
den gleiche Mealitat und Untoandelbartcit der Subjtang
Arif, & Plot, ll, ec,
Page 65
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)finden *), und mit deren Trennung auch wieder untere
Endlich ffimmte er feinem Meifter bey, wenn
gingen,
er lehrte, daß die Berfthiedenbeit der Kräfte und Eigen»
febaften von Körpern aus der verfchicdenen Geflalt, Sage,
und Ordnung der Atomen entflünden, und daß aus dies
fen Grundéërpern unzählige längft untergegangene Wel
ten zufammengemirbelt worden,
und eben fo viele in der
Bufunft nod) zufammengefezt werden würden**), Wenn
Demofrit in allen diefen Puncten vom feufipp etwas ab:
wich, fo war es in der feltfamen Einbildung , daß unter
den unendfich vielen Welten, dieaus den Atomen entflans
den wären und entftehen warden, fehr viele ***) einander
vollfommen gleiche gewefen fenen, und fern würden.
’
*) Arift,
Er 4
Sinden
Metaph, 1. 4. & Soxt, VIE, 135.
«Andes
de ev Tos zow UBGEK
GY To ATOMES EVO], Ka
nevoy. vouw Yao Duri yAuzy, eu Vow TFiKeoY,
VITTO] Segpor, out Wuxery, Youm Xeom. Eten
E, KT OU KOE KEVOY. “Tee vopuCero pev esce
ou dofaderes ta sucInta, en ess de are
aida Faure. ca Tee Ateo puovov Kee To
HEVOV.
**) Diog. 1. e.
#4) IV, Acad, quacft, Cie, 40.
Sin agis verecundius, &
me accufas, non quod tuis rationibus non affentiar,
fed quod nullis: vincam animum: cuique affentiar
deligam,
Quem potifimum?
quem? Democritum?
femper enim, ut fcitis, ftudiofus nobilitatis fui,
gcbor jam omnium veftrum convicio.
quidquam putes efle
— —
—
Ure
Tuncautinane
& alios ejusdemmodi mundos effe? & ut nos nunc fumus ad Baulos,
Puteolosque videmus, fic innumerabiles paribus inlo«
cis effe, cisdem nominibus, honoribur, rebus geftis,
*
ingeniie,
tantes,
formis,
astatibus, eisdem de rebus difpn-
Page 66
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Finftes Bud.
Sndem Demofrit diefe feiner fanbsleute mehr
als feiner felbft würbige Gedanfen mit einer Nadlaffige
Felt binwarf, als wenn eben der Zufall, den er für den
Schöpfer der Welt Hielt, fie ihm gugefiihre Harte; fo
dachte er fo wenig daran, fie zu beweifen, daß er es
vielmehr als einen Grundfaz feftfegte: daß man von dem,
twas ewig, oder was beftändig gefchehen fey, gar nicht
die Urfadhen gu wiffen verlangen miiffe.
Dies fey eben
fo facherlid), als wenn man den Anfang der Emigfeit
oder die Grangen des Unendlichen erforfchen molle *),
Ariftoteles fhreibe ihm zwar die Ehre zu, den erfien Ans
fang, Begriffe und Ausbrúcte zu erflären, gemacht zu
haben **);
er meldet aber doch zugleich, daß Demofrit
faft immer nur gefagt babe, daß etwas fey, oder wie er
fic) etwas vorftelle; niemals oder felten aber, warum
etwas fo fey, ober aus welchen Gründen er fic) Sad)en
fo und nicht anders dente ***),
Die
+) Arift, de Generat, Anim, B. S. p. 222. 8 xs de
Aeysrw — 0001 Aeysow, oT: ETWS ES YET.
kay TOUT EIVOY vonulsom RONN Eures, WOTEE
Anpoxesros o ABonestys, oF: TE prev wc Koy
amags en ES AQXN.
To
de
diari,
con.
To
de wer, comeigov. wse To ELOTAY, To ducers, exa;
vo de œmeigoy. dse To ELOTAV, Todiarı, megs
TOY TOBTOY TIVOS, To Cure» eve Pros Te
TELE OXY.
€) de part, Anim, I. Lp. 8.
++") de Gen, Anim. E. 1. p. 325, Anpoxgiros de,
è bene apes eyes, Havre aydyes ols YeyToy i Puos, 804 ME TOBTois, E UNV, CCA éve40 TIVOS 201, Re Te TEL Exasoy BeAriovos
woes.
Page 67
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)- Diefer roben und allen Gefesen der gefunden Vere
nunft zumiderlaufenden Methode entfprechen vollfonnien
alle übrige Meynungen über Gegenftände und Erfoeie
nungen der Natur, fo viel man uns deren aufbehalten
hat, Wenner auch nicht, wie Anaragoras, die Sonne
für
eine
glühende
fteinigte
Maffe
hielt *);
fo
nahm er dod) vom Weltweifen von Rlazomene wenigitens
die Erklärung der Milchftraße an **)
Die Kometen
aber Bielt er nicht bloß für Erfcheinungen, fondern für
Bimmlifhe Körper, die zu Firfternen ausgebrannt mire
den, indem fic) nad) der Verfc)windung von Kometen
oft neue Geffirne zeigten ***).
Aud) febeint er wie»
derum die Vermandelung von Firfternen in Kometen ge:
glaube zu haben $): menigftens behauptete er, daß bey
Berwandlungen oder dem Untergange von Welten und
bimmlifchen Körpern gewiffe Bruchflüde oder Theile in
unfern Dunftfreis bereingefthleudert, und eben dadurch
feltene epidemifche Krankheiten bervorgebracht wirden tt).
Er vermuthete, daß es außer den befannten Plane»
ten noch mehrere Srefterne gebe; er gab aber weber ihre
Zahl nod) ihre Namen an. Seneca, der ung diejes
berichtet, fegt hinzu,
daß zu den Seiten diefes féarf.
Er 5
fin
*) Wie Stobäus fagt, p. 56 Ecl. phyl.
tar beym Enfebius glaubte er,
Stad dem Die
daB jie urfprünairé
unfree Erde ábulid), und one allen Glanz tind
geivefen fey, Daf fie aber in der Folge fich verariii
und Fener in fih aufgenommen pase. sp. Bal, Veaep,
Evang, 1.8.
€*) Meteor. Arift, 1, 8.
#6) ib. 1. 6. p. 13.
+7) VILL 9. Plut, Sympof. p. 924,
Page 68
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Finftes Buch.
finnigften aller alten Weltweifen der fauf und die Bewer
gungen der Planeten nod) nicht bekannt oder berechnet
gewefen jeyen *).
Die Erdbeben leitete Demofrit aus der Gewalt
und den Wirfungen des Waffers, oder der Suft, oder
Er ftellte fid) die Erde
auch beyder Elemente her **),
ais einen löchyerichten, mit vielen Höhlen durchbrochenen
Körper vor, der alfo erfehürfert werben fónne, wenn
MWoffermaffen, die fid in gemiffen Höhlen gefammlet
hätten, entweder den Boden ermeichten oder burdbrächen, ober wenn der Wind große Säulen von Waffer
Hinanwerfe, oder wenn endlid) die eingefchloffene Luft,
dievon allen Seiten bincindringe, Feinen Ausgang finden
UAriftoteles vermirft diefe Crélérung des Erdbe.,
fónne.
bens eben fo wohl, als cine andere Mepnung des Der
mofrit; daß das Meer fid) vermindern, und zulezt ganz
verfchwinden werde***), Diefe Vermuthung, fagt Ari.
ftotetes, iff der Aefopifehen Erdichtung ábntid), nad)
weicher bie Charybdes durd) einen einzigen Schluck oder
Zug die Berge, burd einen ¿wenten die Gnfeln fichtbar
madte, und durd) einen dritten das ganze Meer vere
fiblingen, und alles fefte Sand troden machen wird,
Ueber die Natur der Ceele irvte er auf eine ihm
gang eigenthtimliche, ober God; nur des Scufipp feiner
ähnliche Are,
Er glaubte, daß die Seelen der Menfdjen mit dem Feuer von gleicher Natur, oder aus dens
fel:
*) VII. 3, Nat. Quaeft,
*") fl.
e. 7. Meteor, Arift, p, 61. Sence, Nat, Quaelt,
xv») Metcor, 6. c. 3. p. 43
Page 69
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)felbigen Beftandtheilen, namlich fphärifchen Atomen gus
fammengefest feyen, die wegen ihrer Kleinheit und Ges
Golde fphärlfait die größte Bemeglidfeit hätten *),
fe Grundförperchen fenen in unzähliger Menge durd)
die £uft gerftrent, welchen er eben den Namen gab, womit er den ganzen Inbegriff menfhlier Erfenninifia
Práfte**), oder richtiger,
womit er die ganze Subftanz
menfliher Seelen ausdrüdte.
Er hielt nicht, wie die
meiften Grichifhen Weltweifen, gemiffe Kräfte und
Theile der Seele, für Hohern Urfprungs oder erhabnerer
Natur, als andere; fondern fezte alle Seelen aus gleich«
attigen Elementen zufammen, und leitete ihre Fähigkeis
ten aus den urfpriinglidjen Bewegungen diefer Atomen ab,
von
*) Arift, de Anima 1, 2, ¿dy Aquoxerros ev,
Tue
xoy Fegpuor Pnow ceurny ese. UTE) Yao cou
TOY CXNAATWY, HOY eTouowv, Ta c@escocs dy.
mue voy xuxa» heyes. — Anpozesros de vo
yraQuewregus esenxey
TFETOY Éxcercgor.
cemoPavapevos
die
Fi
Wuyny pey yee ewey Tauro
voy yar. TETO de ewey Ex ray FOOT Koy cdi
eerav coparav. Kayriney de, dice Mikeopece:cey
Heu TOOKnpo. Tav de ON NACT OY EUKIWCTHT
ce
Toy, To TPeuseoesdes eyes.
TE Y8Y
xy
Commentar
To
über
mue.
Tosrov de emos Tov
Philopon
diefe Stelle :
fast
das
in
die
feinen
Mörter
@vapos, dveSyyn, und Teomy, swodurd) Demo:
frit die Figur, Ordnung und Lage der Atomen aude
drückte, Abderitifche Worker getvejen feyen.
#9) ib. & de refpirat, e, 1.
er Yae
To ceci FoAuw
ceduo Ed TOY TOUETOY, ci vede: ExEIOS ver
toy Wun.
Page 70
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Fünftes Buch.
von welchen er weiter feinen Grund angab,
Die Seele *)
bewege den Körper, weil und wie fie felbft Demeger merde:
und ihre Beftandrbeile feyen in einer beftándigen Vee
quae, weil diefe, vermóge ihrer Natur, nicht ruben
könnten. Bey Anfübrung diefer Meynung fann Arifto»
teles fic einer Spötterey nicht enthalten, welches ihm
fonft nur felten begegnet.
Demofrit, fagt er, bewege
Atomen, wie der
fphârifdien
ben Mienfchen durd) feine
Komiter Philipp fagte, daß Dädalus eine hölzerne Vee
nus dard) Queckfilber bemeglid) gemacht babe **),
Go wie er bie Bewegungen der Seele durch
‘rigenmadhtig angenommene Kräfte der Atomen entfichen
und auf einander folgen ließ; fo fudyte er auch die Cre
haltung und ben Untergang der Seele aus BWirfungen
von Atomen zu erklären, Die gänzlich erdichtee waren,
die man mit eben fo vielem Grunde abläugnen Fonnte,
als er fie vorausfezte, und von welchen er auch nicht eins
mal faate, daß die Natur fie hervorzubringen die Abfihe gehabt babe,
Unferm Körper, glaubte Demofrit, fey
von fphärifchen Atomen eingemebt,
Theil
ein gewiffer
welche die Geele ausmachten. Diefe Beftandtheile der
Ecele mwürden aber burd) die von allen Geiten}auf den
Körper dvicende uit bald gänzlich berausgepreft werden,
wenn nicht die in Der Atmosphare verbreiteren, der Seele
Gndem wie
verfajwifterten Xromen ihr zu Hilfe eilten,
“biefe
*) 1.3
ay ib,
de Anim, Arift,
Daf Demofeit dem
Menfchen alle Frenheit des
IRillens abforac, würde men allein fhon. aus diefen
Gain feblicien fonnen, wenn auch) nicht Cicero de fato
e, 17. es beftarigte.
Page 71
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)diefe durch das Cinathmen an uns zögen, verhinderten
fie, daß nicht die Seeientheile vom Körper abgelöft oder
berausgetrieben würden,
Auf Cine und Aushauchender
Sufe berube £eben und Tod, und der Menfh müßte no:h>
wendig fterben,
wenn die ganze Subftanz der Ceele
durch die Cinwirfungen der uns umgebenden $uft aus
dem Körper>+ Berausgedriicft und gerffrent morde *),
Wunderbar würde es feyn, daß eben der Mann, der die
Seelen der Menfchen allmählig zufammenjdywinden und
vere
—
%) de Refpir, 1, Ari.
avazvons
Anuoxgiros d', ors juev ex as
cuuamwe Ti TOS avamvescı Acyer,
Pasnav ches moler da Tay Dunn’ 8 per
Toros TETE Ye Evenu Tomos ay Tara THY Que
ow,sdev EIENREV. oAws vee Ware nou ol años
Quarxos, nou Eros 8d6Y ÚTTETA TAS TOU0UTAS
crios. Aeyes 0 ws 9 pun neu ro Deguov rœuTOY TH LOTA CANET Tay cPusgoeiday. exKeWOMEVOY BY ŒUT@Y UTO TE MeeexovTos eXAs-
Bovros, Bondescey ywec
Da ray avoemvony Draw.
ev yag TH Ceo Tory ugıuov even Tov ToigTay, ci KocAes Exesvos VEV not \VUXHV. cevoemrveoy=
TOS BY KO EITIOVTOS TE OLEROS,
GUVEICIOTA TO
ou œveeyorre ray Anh, xoAves THY EVECRY
rois Caos dueves Wuxmv. nos dix TETI ev TO
CVT VERY Le EXTIVESV EICH TO Guy Hu TO c7r0Symone.
orev Yao necTnTo regie Xov
our
Sao, nou PUKETI To Sueodey ELA 8 duVAT es ELL EW , pn
UVA eve CŒVOTIVEI y o To TE
curve Tov Favarov, rois Coors. emos yae
Toy Guvarov, zu TOY TUT THNUAT OY ELA
Te Topo os 52)CV ER Tis TE TEL EX TIS
exSanbeas.
Page 72
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Sinftes Bud:
verfliegen fieß, fi und andere mit der Hoffnung fehmeicelte, daß man dereinft wieder aufleben, oder daß alle
Theile, die vormals eine Perfon ausmadten, in
der Zukunft auf eben die Are, wie im erften Leben gue
fammengefügt werben Fónnten*). — wenn nicht eben dies
fer Mann geglaubt hatte, daß ganze und nod) dazu une
zäblige Welten einander vollfommen gleid) wären, und
gewefen feyn **),
Wenn
$) VII, 55. Plan.
RE) Id) fehe nicht ein, mit welchem Grunde Tufc. Quaeft,
I. 34. Epifur dem Demofrit vorwerfen fonnte, daß
er dem Menfchen nod) nad) dem Tode des Körpers ervis
ges Gefühl übrig laffe. Aber recht gut fann man es
ang der angeführten Stelle des Ariftoteles erklären, wos
ber die falfchen Auslegungen der Meynung des Demos
frit eneftanden feyen, nad) welden er eine Gottheie
von feuriger Subftanz behauptet, Cde Plac, 1, 7.) oder auch
die Natur, aus welcher diefe Seelen und die göttlichen
Bilder entfprüngen, für görtlihe Mefen gehalten, und
endlid) den Aromen eine gewiffe lebende Kraft zugeeigner
haben fol. de Nat. Deor, Cicer, 1, 12, Tufc, Quaeft,
1.0.18.
Demofrit nannte die fphärifchen Atomen, mele
che die Beftandtheile des Feuers wie der Seele feyen,
ves ue lux:
daher der Srrthum,
daß er einen
göttlichen ves, ein göttliches verftändiges Mefen von
feuriger Subftanz behauptet’ babe.
Er glaubte, dag
aus der Vereinigung gewiffer Atorıen Feuer, Leben und
Seelen entjtünden, daher der falfche allgemeine Saz:
- daß er allen Atomen cine gemiffe lebende Kraft jugez
férieben babe. — Enblid) fprach er von gewiffen gote.
lichen Bildern, die er wie die Seelen aus fphärifchen
Atomen entfiehen ließ, und hieraus fhlof man, dag
ev die fegtern auch für göttlich gehalten Habe,
Go ges
waltfam diefer Schluß war; fo gänzlich falfh war die
Page 73
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Wenn aber Demofrit gleich die ganze Seele aus
denfelbigen Elementen zufammenfezte, und Ausdrüce
als gleichgeltend brauchte, momit andere ganz ungleich
artige Theileund Kräfte der Seele bezeichneten; fo unter:
febied er dod) Empfindungsvermögen von Denffraft, oder
Verftand, und eignete der leztern, wenigftens an mans
chen Orten Vorzüge
gu, die er den Sinnen gänzlid) abe
fprah, Er vermarf die leztern, als ganz ungulänglid
zur Erkenntnis der Wahrheit, indent mir durch fie dase
jenige, was allein wirflid) fey, ‘bas £eere und die Ato«
men gar nicht wabrnäfmen, und nur allein Gegenftände
und Eigenfdjaften empfänden, die das nicht waren ,- was
fie fdienen.
Alle Kenntniffe, die wir durd) fie erlange
ten,'feyn bunfel, und nur biejenigen rein und ächt, die
wir unferer Bernunft und unferm Veeftande zu verdanfen
Hatten **), Jn der Behauptung diefes Vorjugs des
Vera
Defhuldiqung des Epifurers Vellejus, den Cicero fo
© viele untiditige Nachrichten, und ungegründeten Tadel
vortragen lift, dag Demofrit die Secfen der Menfchen
. für Götter angefehen habe. de Nat. Deor. I. 12.
#) Man fehe Scxt. adv. Math. VII. 135, 136. bef. aber 138. f.
ev de Tois xoevoos,
duo Hoi sive Yvacess. THY
per dies roy air ycewv, ray de dia Tus diavoses.
Gy THY MEY
010% TYS
dseevorces Yynoımv
HAT EYES
Teotucerveay ALTA To TiSoy ess ande nel
ow. Thy de dice Tay ao Insewv cxoriny ovoun Ces,
ŒOCHLBUEVOS ŒUTAS TO MECS
dimyvwow TE “AN-
Ses ches. eyes de nera Aekw. yvouns de
duo essw idics,
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oxorins dev Tot de TUMTAYTO, ous, conor, cu,
yevois, asis, 1 de yoy, ATOLEKCUPASVI |
de TAVTHYS.
Page 74
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Fünftes Buch,
‚Verftandes vor den Sinnen beharrte Demofrit eben
fo wenig, als viele andere ältere Weltweifen. Er Flagte,
daß wir im Grunde nichts richtig und zuverläffig erfennfen: daß unfere Meynungen gänzlich von den Zuftäns
den unfers Körpers abhängig fenen, und daß endtid die
Woyrheit gleichfam in einem tiefen Brunnen vergraben lies
ge, aus welchem fie durd) Feine menjchliche Kraft hers
vorgezoaen werden fonne *),
Fart alle Ueberbleibfel der Demofritifchen Maturs
Ichre enihalten Fauin gedenfbare Ungereimtheiten, und
febilocen den Zuftand dev Wiffenfchaften fury vor dem
Gofrares ehen fo lebhaft als die Denfungsarc des Mans
nes, von dem fie herrühren.
eine febre von den
Bildern zeigt vorzüglich, wie wenia er die Natur Fannte,
da er ihr nod) fo etwas andid)ten fonnte; und wenn
Œpifur in ber Folge dieje Bilder vom Demofrit ans
nobın; fo gab er dadurd) einen fichern Beneis, dag
niches fo feltfames getràumet werden fonne, was nicht
feine Berrheidiger und Bervunderer fande, und daf er
die Natur mid genauer als Demofrit erforfcht hatte,
Sestever glaubte, daß gewiffe feine Bilder (id) zu allen
Zeiten von allen Körpern, vorzüglich von thierijchen abs
(often, und tiefen nicht nur ähnlich fenn, fondern auch
ihre ganze Denfzund Gemüthsart ausdrücken, und
an fic) hätten, wenn fie anders vollftándig und unvers
fiúmo
*) Diog. IX. 137. Cicer. Ac, Quaeft. IV. 10, Sext, VII, 137,
ev de ro Tees idewy Yıyvaanes Te Xen, now,
arder ro de ra navovi, OTs erens
En Aa.
Toy. noy Tar, dhdos pev di Hoy Bros 6 Aoyos,
¿rs eren adev ıonev megs Bdevos. oN’ emiguo
sn
EncezosoW à dogs. wey eri, nouror dnhoy esey dvi
sten olov exasey Yıyywarev, ev adyAw esi.
Ariftot. Metaph, Y. €. p. 62. dio Anponerros ye Qnsw, rei dev emo @ANŸES, 1 ipy cedyrov.
Page 75
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)ftümmele blieben *). * Unverfehre aber erhielten, fiefich
am meiften in einer reinen und hellen fuft, da Hingegen
eine dicte, ungleiche, und fic) oft verándernde £uft die
Bilder auf mancherley Urt fehwache und verunftalte,
Er behauptete ferner, daß diefe Geftalten fic) um defto
häufiger ablöften, und deffo ausbrucfsvoller, und ihren
Urbildern ähnlicher würden, je feuriger und lebhafter
die Körper wären, von denen fie abflöffen. Sie feyen
ed, welche durch die feinen Deffnungen der Haut und
des Körpers durchdrängen, die Seelen der Tráumenden
berühren, und in ihnen die Gefichter aller der Gegens
ftánde hervorbrachten, die fie wirflid ju fehen glaubs
ten **), Außer diefen Simulacris, die fich von wirEs
lichen Gegenftänden trennten, nahm Demofrit noch ans
dere an, die fich von obngefábe aus den in der fuft,
oder in dem unendlichen leeren Raume herumfliegenden
Atomen bildeten.
Diefe Geftalten feyen fo wohl gute
als
#) Sext, IX. 19. Anuoxgrros de esdwrce rive Pyosv sue
menage Tos avdewres. Koy TETOY TO ev
eno ayaoreıw; ra de nuoro. evSev xo
EUXETOL evdoyay TUXEN edo Nov. emo de roule
peyodo TE nos vmeg peyedn, nes dor@Iwera
‘per, 8x c@Ixera des Teocmpouvey Te ro
peñoyra Tos avIgwmas Femespere, Koy Dwvas aQrvta. odev TETOY avrav Pavragiay
nefBovres of mars, Urrevonoav eves @soy
pndevos ame moe Tœuræ ovros Ose, Te
aePIaeroy Quai exovros & f. 42. ree de esdwhe
Ea] EY TH TERIEXOVTI umEeDuy, voy cevSear7o
sideis pogQus epovra dec, vide & Vellej. ap. Cic,
I. 12. de Nat, Deorum,
**) Sympof, VIII, 10. Plut. p. 930, 31, Edit, Reiskiî,
Page 76
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Günftes Buch.
ale bbsattig, von ungeheurer Größe und fangdaurend,
aber niche unverganglih, Sie näheren fich bisweilen
dem Menjchen, und zeigten ibm our Bewegungen
und Stimmen die Zufunft an *). bre Ericheinuns
"gen hätten in den eriten Sterblichen Begriffe von Gots
fern, oder von Wefen,
von denen fie felbft an Macht
und Wiffenfchaft fee weit übertroffen würden, bervorges
bracht **). Er bielt es aber doc) aud) für wabricheins.
tid), bag ungewöhnliche Eifcheinungen am Himmel,
wie Sonnen» und Monpfinfteraiffen oder andere furchts,
bare Phänomene der tuft, in den Menfchen den Gedanfen
von höhern mächtigern Naturen veranlagt hätten ***),
Er feloft miînfehte inbrúnftig, daß ihm niemols andere,
als wohlthätige görtliche Bilder aufitogen möchten, und
fäugnete zugleich, daß es außer ihnen noch andere uns
fterbfiche göttliche Naturen gebe.
Go feltfain es aber
klingt, daß ein Mann, der das Dafenn der Gottheit
ober der Götter läugnete, fic) vor einer Art von Ges
fpenftern oder Hirngefpinften fürchtete; fo wenig ftreis
tend war diefe Furcht mit feinem Syfteme, oder fo wes
nig fonnte ev diefe Furcht durd) Grundfize feines Sys
fiems wegräumen, Denn wenn das Ohngefähr aus den
Atos
#) Demofrit glaubte nicht bloß, daß große menfhenähts
lite Simulacra die Zukunft vorher verfündigten, fone
derti daß mat and) viele Eúnfrige Begebenheiten aus den
Eingeweiden der Thiete vorherjehen Eünne, Democritus autem cenfet, fapienter inftituiffe veteres, ut
hoftiarum immolatarum infpicerentur exta, quorum
ex habitu atque colore tum falubritatis tum peftilentine figna percipi; nonnunquam etiam, quae fit vel
fierilitatis agrorum, vel fertilitatis futura.
Cic. de
Divinat. 1. 57. Cicero rechnet daher deu Demoftit mit
unter diejenigen Philofophen, die an Divination glaubs
ten.
1.3. IL 13, ib,
we) IX, Sext. 19. 42,
won) ib. 1, 24.
Page 77
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Aromen Welten, und gute und böfe Menfchen Bervors
bringen Fonntes warum aud) nicht Wefen, die dem
Menfejen an Macht überlegen wären, und die ibm nach
ihrer verfchiedenen Gemüthsare eben fo wohl (chaden als
nügen Fonnten?
Aud) in den Unterfudungen des Demofrit über die,
Encfiehung und Fortpflanzung der Menfchen und Thiere
findet (ich faft Feine einzige richtige Beobachtung, und
von feiner Naturlebre alfo fann man mit Recht fagen,
baß fie, fo weit wir fie Éennen, aus bloßen Jerthúmern
faft ofne alle Berfegung von Wahrheit beftanden habe,
Wenn man einem Schriftfieller trauen dürfte, der aber
viel öfter falf, als wahr ersábic; fo glaubte Demos
frit, daß die Menfchen aus Waffer und einem fecters
Sch)lamme entftanden wären*). Eben biefem Gamme
let zufolge ftiminte er grat bem Anaragoras über den
Uefprung des Gaamens , aber nicht über die Bildung von!
Embryonen, und über bie Urfache ihres Gefchlechts Gen. *
Er behauptete nämlich, daf zuerft die äußern Theile, bes
fonders bas Haupt und der Baud, und dann erft die ins
nern Theile entwickelt roúrden **), und baf das Gefchleche
werdender Menfchen, fo wie die Aehnlichfeit derfelben
mit Vater oder Mutter durch die größere Kraft over
Starke des Gaamens entfchleden werde***)? Ungeheuer
Py 2
eis
#) Cenfor, e. 3.
88) De Gener, Anim, @, d. p. 216, Cenfor, e, 6. de: die
Nat,
e) A, a, de Gen, Anim. 269. 271. 272, Cenforin fagt
©. 6. daf nad dem Demofrit das Gefchlecht von Rin:
der davon abhärige, ob der Saame deg Vaters oder der
Mutter zuterft ah ben Plaz komme, wo das Kind ges
bilder werden fol. Welcher von den bepden zeugenden
Perfoneri Saánie der andern ihrem zuvorfomme, der
mache das Kind entweder ju einem Männlein oder
Weiblein.
Page 78
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Fünftes Buch.
evflarte er aus einer wiederholten Ergiegung des Saas
mens, morinn der fpätere fic) mit dem erftern vermis
fe, und daburd Aus oder Zujammenwachfen der
Embrnonen verurjache *).
Go mie er die Thiere und
ire Seelen aus einerlen Efementen mit der Menfchen
ihren entftehen ließ; fo eignete er ihnen auch diefelbigen
Zuebe und Kräfte, felbjt Vernunft und Gerftand
gu”).
Uufer diefer Behauptung finde ich nur nod)
dre) Mennungen des Demofrit über die Thiere, die aber
den eben angeführten über die Menfchen ähnlich find,
Er glaubte, daß alle blutlofe Thiere Eingeweide hätten,
die nur ihrer Kleinheit wegen unfichtbar waren; daß die
Unfruchtbarkeit der Maufefel aus einer Berderbung der
Zeugungsglieder entjtehe, die wiederum in der Ungleiche
artigfeit derer ihrer Erzeuger ihren Grund habe: daß
‘endlich jungen Thieren die Qahne defwegen ausfielen,
weil fie durch den Genuß der Mid) vor der Beit heraus,
getrieben würden 7).
Wenn
>) De Gen, Anim. A. d\ p. 283. Arift,
#) La
4) De Part. Anim, y, à. p. 58 de Gen, Anim, B. y.
233 E. 7. pi 324. Mad) dem Pofidonius war De»
motrit der Erfinder von Gewölben, der Kunft, das El:
fenbein zu poliren, und eine große fteinigte Maffe in
Smaragden zu verwandeln, Sen. Ep go, Allein diefe
Erfindungen find wahriheinlic nicht weniger erdichter,
alg die Entdefungen, die eben diefer IBeltweife dem
Anacarfis zueignete, oder als die idealifhen Schilder
rungen, die an der angezogenen Stelle aus ibm ans
y
gefither werden. Pofidonius war zwar einer der ges
lehrreften Stoifer, aber au, wie ich oben fdjon tre
gemdivo erinnert habe, einer von denen, deflen biftorifhe Nachrichten am wenigiten Glauben verdienen, und
> häufig aus Fabeln und Anrkdotenfammlungen genom
men waren.
Page 79
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Wenn man die Urcheile des Cicero Über die Vers
dienfte des Demofrit um die Größen: und Tugendiebre
mit den Fragmenten von benden vergleichts fo erjtaunt
man über das fonderbare Spiel, melches Zeit und Zus
fall mic den Werfen und dem Ruhm großer Schriftiteller
treiben.
Sn der Geomerrie nennt Cicero den Demos
frit einen Meifter, und dennod) wiffen wir von den mas
thematifchen Kenntniffen und Entdecfungen deffelben nur
diefes: daß er die Sonne nicht, wie nachher Epifur,
für fo flein, als fie uns fcheint, fondern für einen gros
fien Körper gehalten babe *).
Ueber die Tugend fins
gegen fchrieb Demofrit nad) dem Zeugniffe eben diefes gros
fen Mannes nur jehr wenig, und died wenige weder
fon, nod) in einer fichtvollen Ordnung **)
Und
grade aus biefen nachläffigffen und unbedentendften Ars
beiten des Demofrit find die melften und anc) die Geften
Gedanfen gerettet worden, die wir von ihm befizem,
Unter diefen moralifchen Fragmenten “finde ich Feins,
twas entweder um der Sprache oder des Suhalts willen
des Demofrit unvoúrvig ware.
Miele derfelben fcheis
nen mir Gefonders wegen des äftlichen und etwas frems
ben Ausdrucks eben fo acht, ale fie (chan find, Um
láugbar aber ¡ft ein Thell derfelben aus untergefchobenen
Berfen entlehnt, fo fewer es auc) ift, allgemeine
Merkmale ihrer Uechrheit ever Unächtheit anzugeben +).
Vy 3
Ein
®) Cicer, de Fin, I, 6,
Allem Vermuthen nad) glaubte
Demokrit, daß die gwifdyen dem Auge und avifhen
entfernten Gegenftänden befindliche Luft die fichtbaven
Körper verkleinere,
denn wir würden, fagte er, eine
wenn der Swifden:
Ameife am Himmel fehen Eónnen,
tanm ganz leer wäre.
De Anim, Arift, 11, 7.
##) V. 29. de Fin,
+) Sishe Beylage am Ende des A6fnirts.
Page 80
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Finfte8 Bud).
Ein Zeitgenoß der Mánner, von benen id) in dies
fem Buche geredet Babe, und ein Zuhdrer und Freund,
ober wie Plato fagt, Geliebter tes Parmenides mar Ges
ny von Elea, der weder feinen fefyrer, noch fonft jemand
unter den vorhergehenden Weitweifen: an
Größe und
Bortreflichfeit feiner Geiftesgaben, und an Adel und
Stärfe der Seele etwas nachgab, Wenn auch die Ers
äählungen von den fürchterlichen Todesarten, die er erlite
ten, und von der faft übermenfchlichen Standhaftigkeit,
womit er die unfeidlichften Martern geduldet haben foll,
übertrieben, oder von andern Männern auf ihn úbertras
gen worden find; fo fann man doch daran nicht jweifeln,
daß er nicht fein feben im Dienfte feines Waterlandes
verloren habe *),
Michts if mehr zu verwundern,
als daß ein’ Mann, der alles für feine Mitbürger aufe
auopfern Gereit war, darauf verfallen Eonnte , feine
Zeitgenoffen nicht aufklären, fondern verwirren, nicht
beffern , fondern bloß über eine eitle Runft ftaunen mas
chen zu wollen, die mehr fchädlich ale unnúge und
gleich
unwúrdig war, von Zeno ausgeüht, und bon den ebel:
ften Griechen fo febr und fo fange bewundert zu
werden **),
Er war, wo nicht der erffe Exfins
1
der
*) Die Beugniffe über den gervaltfamen Tod des Zeno fühe
ten Bayle und Bruder an.
Sch begnüge mid) damit,
folgende Morte des Cicero herzufezen, teil daraus ers
helle, daß man nicht, wie einige geglaubt haben, die
Marter, unter denen Anarard in Cypern ftarb, aus
Berfehen and vom Zeno erzählt habe.
Anaxarchum
Democritum a Cyprio tyranno excarnificatum accepis
mus; Zenonem Eleae in tormentis necatum
,
III, de
Nat. Deor. 33.
##) Sh will hier nur die wichtigften Zeugniffe über die Dias
LeËtif, oder wie Ariftoteles fie nennt, Sophiftif, arts
führen, indem ich unter dem Abfehnitte von ra
phiften
Page 81
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)der *), dod) gewiß unter den Männern, welche die Griechen
Weltweile oder Maturforjcher nannten, der erfte Schrer
und Ausúber der Kunft: alles, felbft enrgegefeste Sage
unmittelbar hinter einander zu vertheidigen und ju: bes
ftreiten die unläugbarften Wahrheiten ungewiß, und
die großren Ungereimtheiten wahrfcheinlich zu machen,
endlich andere durd) beftandige Fragen in die lächerlichs
fico Wirerjpräche zu verwickeln, oder auch durd) Fünfts
fiche und ihnen unauflösliche Trugfenläffe zu verwirren,
fic feloft hingegen durch ähnliche Sophismen unübers
windlid) machen gu fonnen **).
Er vertheidigte die
Meynung des Zenophanes und Parmenides über die Eins
heit nicht im Ernffe, fondern um feinen Scarfjinn zu
jeigen; ja ev erweiterte und übertrieb die Gedanken feis
nec Borganger, um die Behauptung berfelben tefto
er
feb) woes
phiften wieder darauf zurück formen tverde, Man fo
be alfo Moer. If. pe ts. & leg. in Helenae Encomio;
contra Sophiftas p. 327. & fq Edit. Battie, Arifotel,
Metaph. y. ß. p. 52. befonders Plat, in Parmenide
pe 139. 140. Edit. Raf Gr. Ariftoreles giebt an der
angezogenen Stelle die Unterfchiede der Gophifti— von
der Dioleftif feiner Zeit an, und aud) Plato fonderte
fie von der Kunft, richtig zu denken und zu veden, oder
gefhickt zu fragen und zu antivorten,
ezisnpn) ab. in Sophitt. p. 110.
(deasmrıny
9) Dies wollte Ariftoteles VIL 7. Sext, adv, Math, & ibi
Fabr,
Das Zeugniß des Ifofrates hingegen und die
Sefhichte der Sopbiften, die id in der Folge vortra:
gen werde, beweifen, daß fon andere vor ben Bene
eben diefe Kunft trieben,
“e) Phavorinus hatte Unredt Diog. IX. 29, wenn er den
Trugfchluß Achilles dem Parmenides zufchrieb: denn
Weiftoreles cianer ibn Uhyf Aule. VI, 44. dem Zeno
ausdrücklich gu,
Page 82
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Súnftes Buch.
fehtwerer,
aber aud) defto glovreicher zu machen *),
Unter den eigentlichen Weltweifen, in fo fern man fie
von den Sophiften unterfcheiven muß **), mar er ber
erfte vorfegliche Berderber der Weisheit, der fie von
der Bildung der Herzen und der Erforfchung der Na:
tur auf fehmwere, dürre, und unnúze Spizfindigfeiten ab:
leitete,
und anftate ihren noch fchwachen Stanım zu
nähren und zu pflegen,. ihn gefährlich zu verlegen und
zu untergraben, anfing, Wenn man ben der Zufam:
menfuchung der Spizfindigkeiten und Trugfchlüffe des
Zeno erftaunt, daß ein Geift, wie der feinige, gegen die
nur in einem Griechen gedenfbare Eitelkeit, durch feine
Teugfchlüffe andere zu quälen, ben eben fo leicht zu er»
werdenden gründlichern Ruhm, nüzliche Wiffenfchaften
zu
%) Plot: in Pericl, Asmuace de Tleesmans nos Znvavos
TS EÂEXTE,
WeKHyunrevouevs Trees Pues ws
Ilxenevsöons.
sreyxtinny de vivo, nots di evay-
FioAoyıns EIS ETOCIAY HXTOHAEBTOY efocouncaros él. worse noe TiavoPrsceasos EIENKE
die rerov
ApQorego yAwrow Te peyo aIevos 8% umeTYAOY.
Znvovos WevTav ETIANTTOLOS.
Unvidtig urtheitte eben diefer Plutard, wenn er
vom Zeno fagte:
ap. Euf. Praep, Evang, I, 8.
Zuvov de o EAcarys sdiov ev sdev e€eSero, dinmogyce de TELS TETOY ET: HAE.
#9) Sfofrates zähle den Zeno mit zu den Sophiften; allein
eben diefer vechnet aud) den Meliffus darunter: und
beyde mit eben fo vielem Grunde, als womit Aefhines
den Anaragoras und Sokrates Sophiften nannte. Man
febe Moc, Enc. Helen, IL 115, Die Altefien Sophie
ften waren alle Dialeftifer, aber nicht blog Dialeftis
fer, fondern auch Redner und Lehrer der Beredfams
keit,
Page 83
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)zu erfinden, oder zu erweitern, vertaufchte, fo muß
man auf der andern Seite nicht vergeffen, Daf felbft
unter den wunderlichften Spielwerfen des Scharffinnes
diefes Mannes fid) mehrere Srrthämer und Wahrheiten
finden, die aus feinem geringern Ropfe, als dem des
Zeno fommen fonnten.
Bedauren würde ich es, daß
ein Mann wie Zeno fich felbft fo fehr verfebrte, und
lieber andern bejchwerlid) als núglic) werden wollte,
wenn nicht alle ältere Sophiften und viele der Megas
tifchen Weltweifen gleiche Talente auf eine ähnliche Art
gemifbraud)e hätten,
Ben diefer tehrart des Zeno fann man nicht fras
gen, was er felbft geglaubt, fondern wie er gelehrt,
und Gaye vertheidigt
oder angefochten babe. Als ‘Proben
feiner Mechode will ich nicht feine Sophifinen wider die
Bewegung, die man (chon aus Baylen’s Wörterbuche
fennt, over fennen fernen fann, nicht die Trugfchlüffe,
welche Plato in feinem Parmenides *) fowobl den Zeno
als beffen Sefrer vortragen läßt, fondern feine Ausfprüs
che über die Einheit und deren Eigenjchaften anführen,
die Uriftoteles in einem befondern fleinen Yuffaze gufame
mengefaßt hat **).
Wenn etwas ift, fagte der Efeatifche Dialeftifer,
fo fann diefes unmöglich entftanden feyn: und bicfer
Sai gilt daher auch von der Gottheit, auf welche er ihn
fo gleich anwandte.
Wenn das Wirfliche entftanben
fenn follte, fo müßte es'entmeder aus etwas ifm ähnlis
chen,
fenn.
oder auch aus etwas ungleichen hervorgegangen
Das erftere läßt fich gar nicht denfen, weil fein
Grund da ift, warum ein Gleiches das andere eher ere
zeugen, als davon erzeugt werden follte, indem in dem
einen alles, wie in dem andern if.
Der andere Fall
Do 5
*) Siehe Bevlage am Ende des Abfchnitte.
#s) Do Zenone,
Page 84
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)iff eben fo wenig möglih.
Denn wenn das Ungleiche
aus dem Ungleihen entftanden fenn follre; fo müßte ents
weder dad Mächtigere aus dem Schwächern, und das
Vollfommneceaus dem Unvollfommnern, oder auch ums
gekehrt ent{tanden feyn.
Go wohl das eine ale das ans
deve ¡ft unmöglich, weil in benden Voranefezunaen ete
mas entweder aus Michts ‚entftanden, over in Nichte
verfAmwunden fenn müßte, welches wit uns gar nicht eine
mal vorftellen fonnen. us diejen Gründen muß man
alfo annehmen, daß die Gortheic ewig fen. Eben diefe
Gottheit fann nicht anders, als einzig feyn, wenn fie
anders das bollfommenfte und mächtigfte Wefen ift.
Denn man mag green oder mehrere Götter von glels
chen oder ungleichen Bortreflichfeiten annehmen; fo Hô
ren fie immer auf, Sort, die vollfommenfte und mache
tigfte Natur, zu fenn.
Denfe man fic) mehrere Gore
ter von gleicher Macht und Vollfommenpeit; fo ift feis
. mer unter ihnen das mächtigfte und befte Ween , weil
ein jeder eben fo vollfommene Naturen, als er feibft ift,
neben fich bar,
Mimme man hingegen mehrere Gotter,
von ungleicher Mache und Güte an; fo find diejenigen
Feine Gorter, ble eine mâctigere, und vollfominnere
Gubftans über fich baden.
Da,alfo nur eine einzige
Gottheit möglich if; fo muß man ferner behaupten,
daß biefe fic) felbft allenthatben gleich fey, bag fie allent,
Balben fede, höre, und die übrigen Ginne äußere;
denn fonft würde man etwas ungereimtes fagen müffen:
Daß gewiffe Theile der Gottheit die übrigen befiegten und
übereräfen, ober von ihnen befiegt und Übertroffen wiits
ven. Daraus nun, daf die Gottheit fich feibft allents
halben gleich fey, folgerte Zeno, daß fie nothwendig eis
ine phärifcge Figur haben müffe”).
Elen diefer einzige,
fic)
> Ex nannte die Gottbeit einen Sbrper, fagt Ariffotele
Page 85
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)fich frets gleiche und fphârifhe Gort, Fónne weber uns
endlich noch endlich, weder unbegranze noch begrangt
fenn, Unenolid) fey nur allein vas Nichts oder Unmirfe
liche, indem diefes weder Anfang, noch Mittel, noch
Ende, noch fonft Theile babe, Die Gorthelt, oder eins
gige Subftang fey aber weder dem Michts, nod) auch
einer Menge oder Mehrheit von Gubftanjen ähnlich,
und fónne daher nicht, mie jenes, unbegrängt, oder
wie diefes, durch andere befchränft werden. Eben fo wes
hig fonne man fie unbemweglid oder bewegt nennen.
AUnbeweglich fey nur allein das Michts, weil in biefes
Weber etwas anders fommen, noch es feibft fit) etwas ans
derm nähern fonnte.
Beweglidh Fonne die Gottheit
aber defwegen nicht fenn, weil Bewegung nicht ohne
Veränderung ftatt finde, und durch jede Beranderung
die einzige Subftonz aufhören wirde einzig zu feyn *),
Die Gottheit fey alfo (fo fchloß er endlich) ein einziges,
ewiges, (ich (feta gleiches und fphärifches Yefen, das
weder endlid) nod) unendlich, - weber unbeweglid) noch
in Bewegung fey **).
Unger
(de Zenon, ¢, 2.) Er mag nun unter Gortheit die
Melt oder etivas anders verftanden haben.
#) So muß man die dunfeln und gewiß verdorbenen Worte
des Ariftoteles verftehen, wrresgov Yao To u eıvas
muß 7reigov provoy To pan ov esos heißen. Nur mit
diefer Verbefferung ¡ft diefe Stelle und alles folgende
verftándlid).
FY Beno fhrieb als ein Junges Mann ein Werk, in weldem
er zu betveifen fucte, daf aus der Meynung: daß es
mehrere Subftanzen gebe, weit mehr Lingereimtheiten
folgten, als aus dem Grundfaze des Parmenides, den
er gegen Spötter und Widerfacher zu retten fuchte: daf
alles nur eine einzige Subftanz ansmache. Plat, in
Parra, p, 139, Simpl, in Phyf. Aufc. Acift. fol, 29.4,
Page 86
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Fiinftes Bud.
Ungeachtet aber Seno nur eine einzige Gubftang
annahm, und aud) diefer Einheit mehrere Eigenfchaften
gueignere und abfprad) *); fo befannte er doch wiederum,
daß ihre Natur ihm unerforfd;lich (ey.
Wenn er fie
aber erfennen fonntes fo würdeer, glaubte er, alles
Uebrige leicht erflären fonnen **).
Der lezte große Mann, deffen ich in diefem Buche
furg erwähnen werde, iff Melifus, der Befehlshaber
der Samifchen Flotte, und der Ueberminder der Athes
mienfer zu einer Zeit, als fie glaubten, das fie untibers
windiich wären ***), Ungeachret er ein Zeitgenoß des Seno
wears fo näherte ‘er fich doch diefem und feinem tehrer
viel weniger, alg dem Æenophanes, mit welchem er die
Unendlichfeit und Einheit der einzigen Gubjftang ohne
alle Ginfchranfung wider den Parmenides behauptete,
and alle Œntitebuna, Deränderung, Untergang und
Bewegung fehlechterdings verwarf +).
Ariftoreles vers
Binder ihm daher ftets mic dem Kenophanes, fcheint aber
gegen bende eingenommen gervefen zu fenn, weil er fie
jeichte und ungründliche Näfonnenrs nenne, da doc) die
Lergleichung der Fragmente diefer Männer mit denen
ves Parmenides lebrc, daß fie, wo nicht richtig, doc)
mit
*) Er nannte fie einen Körper, und läugnete,
daß fie ete
«mas untheilbares fen. Was zu einem Dinge hinzuges
than, es nicht vergrößere, und weggenommen, nicht
Meteor,
. vermindere, fey gar nidts twwirkliches.
B. 0. p. 45.
#5) Simpl. I, c. fol, 30. a, ex Eudemo,
Unterdeffen (aug:
nete oder bezweifelte er dod), daß alle wirkliche Dinge
fid) an einem gewiffen Orte fanden oder finden müßten.
Denn alsdenn miiffe jeder Ort wieder in einem Orte
feyn, und diefes ins Unendliche fort. Arift, Phyf, Aufe,
A. cap. 1.
+) Plut.in Pcricl, I. 640-647. adv, Col. 629, p. X,
4) Ayifl, Met I 5. Phyf L a, 3,4, IV. 6,
Page 87
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)mit fich felbft viel übereinftimmender, als der Gefegges
ber von Œlea féloffen.
@implicius ift der einzige,
der uns beträchtliche Stellen aus den Werfen des Mes
lifus *) erhalten hat, aus welchen Stellen erhellt,
daß diefer Weltweife die Lehre von einer einzigen Sub»
ftanz vielleicht deutlicher, ordentlicher, und fcheinbarer
alg irgend einer vor ibm entwickelt habe, daß er aber
durd) eben diefe Schriften nicht vieles zur wahren Auf
Elärung Oriechentandes betragen fonnte **); Weil er
das Dafeyn einer einzigen Subftanz in einer eben fo wes
nig gemilderten und eingefcehränften Bedeurung, alè Les
nophares lehrte,
fo mufte er eben wie diefer die Zeugs
niffe der Sinne verwerfen,
die er vorzüglich defwegen
für unzuverläffig hielt, weil fie uns diefelbigen Gegens
ffânde niche gu allen Zeiten auf diefelbige Art, und mit
denfelbigen Eigenfchaften zeigten $).
Machdein ich nun die Gefchidhte der ganzen alten
Philofophie der Griechen vollftändig vorgetragen habe;
fo will ich noch zum Schluffe die wichtigften Refultace
meiner biöherigen Unterfuchungen Eúrglid) unter einem
Gefichtspuncee verfammlen, um meine fefer defto mehr
in Stand zu fen, den wahren Zuftand der Wilfen,
fchaften in dem Zeitalter, wo id) jezo abbreche, beurtheis
len ju fonnen, |
Wenn man die Bemühungen der größten Geifter
Griechenlandes, von denen ich bisher geredet habe, mit
einem allgemeinen Blicke überfehaut; fo bemerkt man
guerft mic Dermunderung, daß mehr als anderthalb
Saprhumderte erfordert wurden, den wahren Schöpfer
der
*) Er führt ziwey Bücher: eines Teer Ducews Y Tees 78
ovros, fol, 15. b, und eins 22 fol, b, megs yeveccws ka PÍogas an.
#*)
Siehe Bevlage am Ende des Abfchnitts,
Siche Deylage.
Page 88
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Finftes Bud.
der Welt zu entbedfen,
Alle Weltweifen vor bem Anas
pagoras irrten mit ihren Gedanken in der ganzen Natur,
wie in einer unbefannten dúfteen Wilonif umber, ohne
irgendwo Spuren einer fehaffenden oder ordaenden Gotts
Beit gu finden, die wir jezo ihren größten, wie ihren
flein(ten Werfen eingedrucfe finden, Die Altern Wahrs
heitsforfcher nagmen entweder eine einzige oder mehrere
Grundurfachen der Dinge, und die einzige entweder uns
beweglich, oder auch in einer unaufhörlichen Bewegung
an*),
Man mochte aber einen einzigen,
oder einen
vielfachen Gruntftoff behaupten; fo ließ man daraus ents
weder durd) Glick, Zufall und Ofngefäbr, oder durch
eine mehr vorausgefezte, als erklärte felbitftändige bemes
gende Kraft, oder durd) mehrere entgegengefezre wirkende
Urfachen, die man eben deßwegen, weil man bon ihnen
Feine Nechenfchaft geben fonnte, mit dichterifchen Mas
men belegte, ober durd) eine blinde Nochreendigfeit,
oder endlich dursh eine vernunfriofe Natur, die ganze
Welt, und alle Thiere, Menjchen, und Gorter entftes
Ben **), Gelbft nachdem Unaragoras den wahren Gott
verfiindigt hatte; verfannten ihn noch immer alle feine
Geitgenoffen (den Diogenes von Apollonia ausgenoms
men, det aber doch das verftándige fchaffenbe Wefen,
niche wie Unaragoras von der Grundmarerie, aus wels
cher er alles entftanden glaubte, abfonberte,) und redes
ten gleich den erften Vonfifern von Mothwendigfci,
Glút, Natur und Wirbeln, als den Schöpfern der
Welt,
Eben fo wenig, oder nod) weniger, alè die
Macht, Güte und Weisheit des Urhebers des Ganzen,
erfannte man die Majeftät und Bortreflichfeit feiner ers
Gabenften Werfe,
Die wahre Größe, Entfernnngen
und
#) Arift. A, Met. y. à Sext, X, 310.
8%) Arift, Il, ce. Phyf, Aufe, II. q. 8 Hilt, dott, de vero
Deo p. 248. 249
Page 89
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)und Bewegungen der himmlifchen Rörper waren allen alten
Griechifihen Weltweifen gänzlich unbefannt. - Man biele
fie entweder für Fleine folide glühende Maffen, oder für
Éurybaureude feurige Erfcheinungen, die an jedem Mors
gen entfiünoen, und mit jedem Abend wieder unters
gingen,
4
~
Anaxagoras fiel zwar auf die wahren Urfachen der
Berfinfterungen der Sonne und des Mondes; aber er
argwohnte eben fo wenig, als feine Borgänger und Zeitges
noffen, die Bewegungen der Dlaneren um die Sonne
und die wahre Geftalt der Erde, auf welcher er wohnte,
Aud war er niche mehr als diefe im Grande, die länge
des Sonnetijahrd zu beftimmen, und die Zeitrechnung
der Griechen zu verbeffeen, Ueber die Lirfachen der merfz
würdigften Beränderungen der tuft, und auf der Erde
vieth man nicht glücklicher, ale Über das Wejen und vie
Kräfte der Seele
Man dachte fich die legtere als ein
gemiffes bewegendes und belebendes Wefen, das fic)
aber im Menfchen nichtmehr als in den úbrigen-Thicren,
und in den Pilanzen, oder gar in allen feblos fcheinens
den Körpern finde.
Man verwechfelte allgemeines Eins
pfindungévermigen und Denffraft, und hatte für die
derfchiedenen Neußerungen,
der fegtern eben fo wenig
Wörter erfunden, als man fie felbjt beobachtee und uns
tevíchieven hatte.
Die roben Begriffe von der Zeugung
der Denfchen und Thiere, die ich angeführr habe, geis
gen, daß iman farm anaefangen batte, die innere Œitts
richtung der thierif hen Natur mic Súlfe der Zergliedes
rungsfunit auszufpähen.
Wahre Urgneyfunde, fame
allen mit ihr verwandten,
oder von ihr abhangenden
Wilfenfihaften waren noch gar nicht, und von der
Größen» und Babienlebre nicht viel mehr, alè die erften
Unfangsarinde erfunden.
à
Die Altelten Griechifchen Weltweifen wichen faft
alle von einander ab, soeil fie nicht ter Erfahrung,
fons
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Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Finftes Bud).
fondern ihren eigenen unbewiefenen Bermuthunger folgs
ten. Unterdeffen ffimmten fie doc) ben allen diefen Wis
derfprüchen in vielen Meynungen zufammen, die nicht
nur defiwegen Aufmerffamfeit verdienen, weil fie uns
jeigen, wie man anfangs fic) felbft, und die Natur
anfah, und von welchen Grundfajen man ausging,
fondern aud), wie eingefehränft die wiffenfchaftlichen
Kenntniffe der Griechen bis über die achtzigfte Olympiade
hinaus blieben. Diefe Grundfäze nun, melde alle,
oder doch ein großer Theil der ältern Weltweifen als uns
läugbare Wahrheiten feftfesten, waren vorzüglich fols
gende: daß unmöglic) etwas aus Nichts entffebe, oder
in Nichts untergehen Fonne *), daß vie Zeit ewig fey,
daß aber alles, was in der Zeit entffanden fey, auch
wiederum merde aufgeldft werden **): daß alles in uns
aufhörlichen Berwandlungen oder in einem beftändigen
Stuffe fey ***): daß Thiere, Menfchen und Götter aus
gefühl und vernunftlofen Principits hervorgebracht wore
den: daß alle Wefen befeelt, und Pflanzen eben fowobf
als Thiere und Menfchen mit empfindenden und vere
nünftigen Seelen begabt feyen: daß es gar Feine Freys
heit der Seele gebe, fondern daß der Menfd) in allen
feinen Encfchliefungen und Handlungen durch eine ¿wins
gende unmiderftebliche Nochwendigfeic getrieben werde +) :
daß das Gleiche das Gleiche anziehe, und durchs Gleiz
che erfanne werde: daß Empfindungsvermögen von
Denffraft nicht verfchieden fen, und daß man den Zeugs
niffen der Sinne nicht trauen Fonne: endlic) daß die Ges
ftiene nur Eurzdaurende Erfcjeinungen feyn, oder daß
fie
®) I. Phyf. Arift 4. Metaph, K. 5. p. 181,
es) Phyf. Arift, VIII ı.
#£*) De Coelo I, 2, Plat. in Theaet. p. 73.
+) Cic, VI, de Fato.