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Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)franzófijben Unatomen und in Deutfbland von Goethe am Ausgang des
18. Jahrhundert gefdaffen worden ift, fien lange Zeit hindurch tatfáchlid)
eine Neujhöpfung zu fein.
Sie war es aud) infofern, als ihre Schöpfer nicht
bewußt an ältere Verkfinder der Formenlebre anknüpfen konnten.
21
LU Basoa
Ww.
AA
Nachwirkungen des Pythagoras. (Die Welt der Formen.)
Vortrag am 22. Oktober 1927 in der Nürnberger Ortsgruppe des Vereines der Freunde
des hum. Gpmnafiums gehalten, von Dr. W. Lubofch, o. è. Profefior der Anatomie in
Würzburg.
Nicht die Befafjung mit den tehnijhen Fragen des Unterridtes in den
an nadgewiejen. Uber erft Clemens Bäumker bat 1917 in feiner
Münchner Rektoratsrede auch für die Gegenwart wifienschaftlich feitgeftellt,
daß die alte Formel von der alleinigen Nachwirkung des Ariftoteles in der
erakten Naturwifienichaft und von dem erft viel fpäteren MWiederauftauchen
Seinrih v. Stein und Bäumker berühren fib aud) darin, daß fie Platon grade die befondere Pflege des
erakt Mathematifhen zuerkennen, ganz im Gegenjag zu der landläufigen
richfes, die genaue grammatifde und fnntaktifhe Schulung der Gymnafiaften
Meinung, daß wir mit den verfhwommenen idealiftiich-teleologifchen Anlihten ‘Platons gar nichts anzufangen wüßten. Wud) die neuefte Platonforfhung iff zu der gleichen Cinfidt gelang.
Ariftoteles fei, jagt
Bäumker, zwar der Vater der cmpirifhen Forfchung, insbefondere der
Spflematik gewejen: aber der Mann der mafhematijd-phyfikalifden
beurteilen als das einzige Mittel, durd) das die Jugend vorbereitet wird, jene
Sorídung war aud zur Zeit der Scholaftik Platon.
einzigarfige Verbindung antiker und deuffcher Gadankenmelt, die mit dem
fhôpfte das frühe Mittelalter jeine Kennfnis
platonifhe Erkenntnistheorie und damit eben
unfere
Aufgabe,
immer
wieder Zeugnis
bumaniftiiden Bildung für unjere
abzulegen
deutiche
Kultur.
Wohl aber ift es
von
dem
Wert der
Grade
von diejem
Standpunkte aus miiffen mir aud) die Technik des bumaniftifhen Unter-
GD5RiYáREr2UTeHER
Zwar batte fon in den 70er Jahren Heinrich v. Stein eine ununterbrodene Einwirkung
Platons auf die gejamte Philofophic vom Altertum
des Platonismus falfh fei.
klaffiihen Sprachen ift die Aufgabe unferes Vereins.
2
War
dod) fogar bis vor ganz kurzer Zeit wiffenfchaftlih die Anficht berrihend,
daß Platon erft wieder mit der Renaifiance zu wirken begonnen babe,
und hat dod) dann erff wieder Schopenhauer in der Philofophie und
Johannes Müller in der Morphologie fid Piatons angenommen.
Chriftentum unfer Kulturgut ausmacht, geiftig zu erfaffen und für fi nußbar
zu madjen, wenn fie zu Männern geworden iff.
Schillers Afthetik
und Goethes Naturanfchauung kann gewiß auch außerhalb der Gnmnafien
dem einzelnen nabetreten; aber der platoniihe Boden, auf dem dieje Gedanken erwadyfen find, kann nur im bumaniftifhen Gpmnafium betreten
werden. ufgerifien und umgepflügt, zunädhft mit den groben Werkzeugen
der griechifhen Grammatik muß diefer Boden werden, damit in den höheren
Rlafien das bumaniftifbe Samenkorn hineingefät werden kann. Wie jelten
ift diefe Wusfaat nod) möglid, wenn das Leben fpäfer Gonderaufgaben
ftellt!
Schwer insbejondere find die großen
Sufammenbdnge zu erkennen, aus denen fo mancher, der jegt in unfrudtbarem Zank um kleinliche
Sragen des Lebens feine Kraft verzehrt, Erquickung und Frieden gewinner
könnte! Leichter aber werden fie wieder erkannt, wenn fie fid) an Eindrücken
und Erinnerungen der frühen Jugend entwickeln können.
Bon einem folhen großen Sujammenbang fei heute hier die Rede.
Man wird es begreiflich finden, wenn ich den Weg von meiner Sonderwifjen-
{daft aus einfdlage, der Menfchlihen und Vergleihenden Anatomie. Dic
Lehre von den Formen, die Morphologic, wie fie von einigen großen
mG
nn
ón
plafonifhe „Harmonia
mundi“
gaben
Galilei
Aus dem
Timaus
Platonismus.
Die
auch dic pothagoräif.
des
und Acpler ibre Richtung;
das Mathematifch-Pbpfikalifhe läßt fic) bis zu Lionardo hin verfolgen.
Es foll hier nicht verfolgt werden, in welcher Weile der Pfatonismus
am Ausgang des 18. Jahrhunderts wifjenfhaftlit zu der Morphologie in
Teziehung getreten iff. Wir gedenken Platons hier nur, um von ibm den
Blick zu wenden zu jener mächtigen Gejtalt, dic fic) aus der Dämmerung der
Dorzeit hinter
Platon erhebt, als Perfönlichkeit nur feftftellbar aus einigen
abgetiffenen, dunklen Sprüchen und aus feiner Wirkung als Begründer einer
madtigen Schule; ju dem Entdecker der Bedeutung der Tonintervalle, dem
Verkiinder der Sphärenmufik: zu
Do thagoras. Wenn es möglich wäre,
ju zeigen, daß wir auch heute nod) vom Potbagoráismus umwoben find, ja
miffen in ibm leben, fo wäre Bedentendes erreicht.
Das kann nur fo gefcheben, daß man nachweift, jene alte ppihagorifche
Lehre, die Weit beftehe aus Zablen, umidliege wirklid einen,
2
gela cia
+
PA
Vor
allem aber fiebt Bäumker in der Vorftellung von einem den Kosmos
durchwaltenden Zufammenklang einen der drei Grundgedanken, die dic
mitfelalterlihe Naturforjdung dem Platonismus verdanke.
Page 2
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)auc noch heute gültigen Sinn. Die neuere Forihung ftebt auf dem Standpunkte, da die Pothagorder taffächlich, nicht inmbolifh, die Welt „aus
Zahlen” zujammengejegt jein ließen; id will auf dieje Seite der Grage
nidt eingehen, fondern als Leitgedanken meines Bortrages bezeichnen:
daß das, was wit beufe Gorm nennen, wenn es {id
aud nidt völlig damit deat, dod vieles mit dem
gemeinfam hat, was Pythagoras Zahl genannt bat,
daß wir alfo die Radbwirkung des Pythagoras erkennen wollen in dem Borhandenjein und der Wirkjamkeit einer aud für uns beftebenden „Welt der
Formen”. Damit komme id zu meinem Thema. Ic merde die Darlegungen jo gliedern, daß id 1. eine kurze, der eigentlidyen Begriffsbeftimmung dienende Vorbemerkung voraus|dicke, 2. meine Zuhörer in die Welt
der Formen naturmifienidaftlid) einführen merde; dann werden wir uns
3. über die Bedeutung diefer Formen in der Welt Klarheit zu verjchaffen
juchen.
1
Jeder Unbefangene wird auf die rage, was das Leben jei, wohl antworten: Leben ift Bewegung. In der Lat iff die Bewegung jo febr das Merkmal des Lebendigen, daB das Bemegungsloje uns fof zu fein jheint.— Dader
mit ift gefagt, daß — — weil Bewegung eine Beränderung ijt —
der
in
ihn
der
naive Ginn in der Veränderung den Vorgang fiebt,
ber:
Welt vor allem feffelt. Das ift nicht nur fo dem einzeinen Wejen gegenü
Es ift aud) fo dem Ganzen der Welt gegenüber; ihre raftloje Veränderung, |
n und Erjütteder Wechfel der Tage, ‚Jahreszeiten, Jahre; ihre Umwálzunge
del.
Begriff Belt” verbin
Menfbengeift mit dem
ungen mh es, bie der
, daß die
Es gehört {don ein befinnlider Geift dazu, etwas dabei zu finden
ung, den
‚Ordn
die
n
fonder
Alten nicht, wie wir in der Welt das ,Walten”
die ja
te,
efhic
Schmuck wahmahmen. Nicht anders iff es in der Melta
in der
vom Gefcheben ihren Namen hat. Wir heutigen Menjden jeben
, aljo aus
Geldicte das ewige Werden. Aus Kriegen und Revolutionen
rum it
wiede
jeßt;
den Gefchehen, {ceint uns die Weltgeidhidte zufammenge
es dabei merkwürdig, dag die Alten in der Gejcdidte mebt das „Wiljen
diefe ganze Arf der
jaben. Dies liegt in dem Wort .Diftoria”. Uns fdeinteinzige
„Wifjenicaft
Betrachtung einer Veränderung, eines Werdens, die
fragen. Eine
zu fein. Alle Wifjenfchaften [deinen nad) dem Warum zuden
Yifienfhaft, die nicht nad) dem Warum fragt, Icheint es auf erffen Blick
ftebt eine
ifd; denn jener Betradtung
i a biefer Schein iftin triiger
der Welt nicht nur ein Gefdeben, eine Berar nicht zu geben.
andere gegenüber; es gibt
ift und
änderung, fondern es gibt Vieles, was gegeben und unwandelbar
delUnwan
Dies
deshalb durch die Frage Warum nidt erfaßt werden kann.
bare wollen und können wir mit dem Ausdruk Gorm bezeichnen.
Die
“„gormen” bilden eine Welt für fid) und es ift von großem Wert, fid) einmal in dieje Welt der
Formen” zu verfenken.
werden, daß diefen .Gormenin der Welt” eine jehr große Bedeutung
zukommt, ja wenn man fchließlid am Ende der Betrachtung angelangt ift,
wird man fid) jagen, daß die Formen vielleicht das Widhtigite in der Welt.
und im Menfchenleben find, wichtiger und bedeuffamer als ihr Werden und
ergeben.
2.
Wenn wir von der „Welt der formen” handeln wollen, jo wird es
lehrreicy fein, uns zundobft ihr Gegenteil, die Welt der Veränderung bis in
die meifeften Zufammenbánge klar zu maden. Gerade durò Unterfuhung
des Gegenteils jhärft man fid ja den Blick für den eigentlihen Gegenftand. Gehen wir von dem Gedanken unjerer Einleitung aus und verjuchen
wir näher zu bezeichnen, mas eine „Veränderung, ein Gejdreben”, ein
«Botgang” ift. (Es handelt fid) dabei, wie uns die Philojophen belehren,
ffäts darum, daß zwei Zuftände fo mit einander verbunden find, daß der
Eintritt des einen notwendig den Eintritt des anderen zur Folge bat; fo aljo,
wenn ein mit erplofiven Subftanzen erfüllter und mit offenem Licht betretener Raum (dies ift der eine Suftand) fim entzündet (der nad) Ausgleich
der hemifhen Spannung entftandene zweite Zuftand). So einfad) dieje Erkenntnis zu fein fcheint, jo fhmierig iff fie off im Einzelnen zu gewinnen.
Man denke an ein erfundenes Beifpiel wie diefes, dak bei Glatfeis ein
Bahnzug außerhalb des Bahniteiges halte; ein älterer Mann mit briidigen
Knoden entfteige einem der legten Wagen und falle die hohe Stufe hinab,
gleite aus und bredye ein Bein. (Marbe Gleichf. d. Welt 1916/1919.) Es
wäre ganz ausfichtslos bier irgend eine Einzelheit als Urfache des Ungliicksfalles zu bezeichnen. Wiffenjchaftlid nennt man daher aud) Urjache: die Gefamtbeit aller Bedingungen, die einen Suftand móglid machen. Diejenige
Bedingung, die hinzukommen muß, um das Ganze in Bewegung zu verfegen,
iff die auslöfende Uriache.
Ganz ähnlich liegen die Dinge bei der Betrachtung der Veränderungen
der Weltgeihichte. Jedermann weiß, wie dornig die Frage nach der Urfache
eines Krieges ift, oder nach der Urfahe von Revolutionen. Gewif find die
Dinge nidt von felbft plôblid da; aber die gefamfen Umftände, die dazu
geführt haben, daß nun wirklid der erfte Schuß fällt, find meift fchwer,
oder garnicht überihaubar. Jjt es nun ebenjo bei jedem Ereignis unferes
eigenen Lebens? Wer wollte in feinem eigenen Leben eine beffimmte Tat
auf eine beftimmte Urfadje zurückführen?
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al,
ah
A
mn
+
Nur Toren und Kurzfichtige
könnten das: denn für uns alle liegen die Urfachen dafür, daß wir jo und nicht
anders in einer beftimmten Lage handeln, ganz im Dunkeln; Charakter, Her-
| 4
Be
Man wird dann inne
Page 3
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)kunft, Elternhaus find alles Dinge, die in das Erempel mit eingeben, Dinge,
die famtlid außerhalb defjen liegen, was wir für gewöhnlich mit dem Morte
Urjache erfaffen wollen.
|
_ Die Wiffenfchaft beftrebt fid daher, in alien folhen Fragen móglichít
vollftändig die Bedingungen feftzuftellen, die einen Suftand als jolhen bejtimmen; in der Frage der Rriegsurjahen alfo berauszubekommen, welder
Brandftoff überall angebáuft war, meld)e Mittel den Brand zu verhindern,
angewendet worden find und durch welche Anldfie der Zufiand: Frieden in
den Suftand: Krieg übergeführt worden ift. Die Frage, von der all folche
Unterfuchungen ausgehen miifjen, ift die Frage nad) dem Warum. Gie ift
bier nod) einfacher Natur. Sie wird viel verwickelter und gelangt bald an
die Grenzen, wo wifjenfhaftlibe Erfafjung möglidy ift, wenn wir nad) dem
Zufammenhange zweier oder mehrer Ereigniffe fragen.
Man vergegenwiittige fid) die vielfachen einzeinen Urjachenreihen, die in Europa und außerhalb Europas abgelaufen find, bis fie den weltgeididiliden Kampf der legten
15 Jahre entzünden konnten.
Betrachtet man die Sade ganz gründlich, jo
gelangt man zu der Einficht, daß alle Ereignifie in der Welt, ja im Univerjum
mif einander im Zufammenbang, und viele von diejen nach vielen Geiten bin
in urfächlihen Beziehungen zu einander fteben. (Es gibt nicht nur eine Kette
der Urjadjen für jedes einzelne Ereignis, fondern es jtehen alle dieje Ketten
aud) miteinander in neßartiger Verknüpfung, wie es in fieffter Erfafiung
Schopenhauer gelehrt bat in jeiner Abhandlung über die [cheinbarc
Abfichtlichkeit im Schickfale des Einzelnen. Die Notwendigkeit eines Einzeljhickjals fteht in unauflösbarem 3ujammenbang mit dem Schickjal der ganzen
Welt. Hier liegt aud die tieffte Quelle des Aberglaubens, indem man von
der an fic) ganz richtigen Vorffellung ausgebt, dab, wofern man nur irgend
einen Knotenpunkt diejes Rees packe und fei er auch ein ganz geringfügiger
Gegenftand, man von ihm aus auch auf die Urfachenkette des eigenen Lebensablaufes kommen müfje. Genauer bat dies ebenfalls Schopenhauer in dem joeben erwähnten fieffinnigen Auffag ausgeführt. Aber fon Goethe bat vor
Schopenhauer von Schiller über die Berechtigung des aftrologifhen Motivs im
Wallenftein befragt Abnlihes (Briefwechfel, Brief v. 8. 12. 1798) ausgeführt.
Dies ungeheure, unbeimlid-gefpenftifhe lebendige Neg nun, in das wir alle
verftrickt find, das von jedem Knotenpunkt aus jeden Augenblick weiter wädjlt
und fid) fo durch die Zeiten fchlingt, ift das Sinnbild des Werdens. Jft das
aber nun aud der eigentliche Sinn des menjdliden Lebens, ein Atom, das
in diefes Nek verftridit ift, zu fein? Rann das überhaupt ein Sinn fein?
Liegt der Wert unferer menfchlihen Natur in diefen Wellenbewegungen, die
der Sturm des Schickfals auf dem Meere erzeugt?
Wir möchten mit der
Dichterin rufen:
„Urewige Schöpfung, halte doch ein,
Genug des Werdens, lag mid) fein!”
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FSC
Gunn nn me
Ber die Pbilofophie Platons und Schopenhauers kennt, weiß, aus der
Tiefe welder Überzeugung beraus die Dichterin dicjen Klageruf ausitrömt.
Aber auch für die Kenner jener Philofophie wird es wichtig fein, fic) darüber
klar 3u werden, daß es 3unddft gar keiner Philofopbie bedürfe, daß es vielmehr von fdlidten Zatlachen der Erfahrung ausgebend möglich ift, in das
Reich defien, was ift, einzudringen; denn dies Reid) des Geienden ift nichts
anderes, als eben die Formenwelt, mit der fic) diefer Teil meiner Darlegungen nun weiter befaffen will.
Damit entfernen wir uns 3unddft von den
Pbilofopben, um unjere eigenen Bahnen zu geben und uns ihnen erft am
Ende unjeres Weges wieder anzufchliegen.
Wir werden dabei ftufenmeife
vorgeben, um die Gejamtbeit all der Beziehungen zu iiberfeben, die nicht
duch ein Warum erfaßbar, die aljo aud) nicht in jenes Wek des Merdens
Wir beginnen mit der Mathematik, wenden uns dann zu
vermoben find.
den in der anorganischen Natur fefffiellbaren Beziehungen, weiterhin zu denen
der organifhen Natur, um fchließlid den Verhältnifien beim Menjcen eine
befondere Betrachtung angedeihen zu fafien.
Wir erinnern uns an jene bekannten „Örundfäße” der Euklidiichen Geometrie, etmwa denen, daß es 3wifchen zwei Punkten nur eine einzige gradlinige
Berbindung gebe, die zugleich die kürzefte Entfernung zwifchen diefen Punkten
daritellt; oder an den Sag, dah, wenn zwei Größen einer dritten gleich find,
fic aud) unter fid) gleich find.
Diefe Regeln heißen desbalb Grund
fage,
weil fie nur dadurd) bewiejen werden können, daß das Gegenteil als unmóglid) nadgemiefen wird. Auf die Frage, warum das fo ift, ift aljo bier
die Antwort möglih: Weil es fo ift; eine Antwort, die 3. B. auf die Frage,
warum eine Erplofion ftattgefunden babe, gan; und gar unftatthaft wäre.
Hier haben wir alfo eine
Tatfadhe des Seins vor uns, des urfachlofen
Geins; und do baut fid) auf diejem Grundfat die gefamte Euklidifde und
mit anderen Vorausfegungen überhaupt jede Geometrie auf.
Daß die Winkel
in einem Dreieck zwei Rechte, im Parallelogramm vier Rechte betragen, dic
Radien in einem Kreife alle gleicy lang find; das Dejen der Rongruenz —
und Ahnlihkeitsfäge — dies Alles beruht auf ihnen, genan fo wie alle höhere
Abftraktion der mathematiihen Wiflenihaft. Nicht anders liegt es in der
Lehre von den Körpern. Auch bier ift die Tatjace, dak ein Würfel von
2 Zentimeter Seitenlänge 8 Kubikzentimeter Inhalt bat, und daß man den
Inhalt einer Kugel erhält, wenn man den Würfel des Kugelradius mit
einem
beftimmfen Grude
multipliziert, nidt durch
bältnis hervorgerufen, alfo
aud) nicht burd ein
ein
urfählihes Berfolches zurückzuführen.
Schließlich iff die gejamte Rechenkunft nebft ihren meifeften Abftraktionen,
wie fie fid in der Algebra finden, doch nichts anderes, als die Entwicklung
aus der Sablenreibe heraus, deren Zuverläffigkeit auf der nicht weiterhin erweisbaren Tatfache beruht, daß 1 und 1 = 2
Diefe
wenigen,
in
der
Philofophic
ift.
der Mathematik
eingehend
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MILpAasti
örterten Cinfibfen in das Mejen diefer geheimnisvolien Wifjenichaft wären
bier dem Laien in die Erinnerung zu rufen, zugleich mit jenem bedeutfamen,
wenn auch gelegentlich beftrittenen Worte
Kants, daß jede Wilfenfchaft nur
jo viel Wahrheit
in fid) fchließe, als fie Mathematik enthalte. Man könnte
dies an den widtigften Problemen der Naturwifjenihaft namweijen, müßte
dabei aber febr in Tiefe gehen und viel Sonderkenntnifje norausfegen. Wir
dürfen davon Abftand nehmen; denn es läßt fic in der Tat in den oben erwábnten Einzelwiljenichaften außerordentlich viel diefes rein Mathematifchen
nad)weijen, das fid den Sinnen unmittelbar darftellt. Beginnen wir mit
den anorganijden Wiffenfcaften, jo drängt fid uns in der Form der
Kriftalle das unmittelbar Hierbergebórige auf. Daß die Alaunkriftalle in
ihrer Mutterlauge als Oktaeder erzeugt werden, ift jo unverbrüchlich, dah fic
‘aud nad) Verlegungen nur in diefer Gorm ihre Zeile neu erzeugen, und jeder
Rriftall fo in feiner Weile. Ein ähnliches Veifpiel liefert uns die Struktur
der hemifchen Verbindungen, die unter Umftänden ganz verjhiedene Körper
SHeAEcN LNeAoSn
oY.
PETER
d9 e [is
St es nun im Organifchen anders? Da allem Organifden Materizlles
zu Grunde liegt, fo gilt das Gejagte nafiirlic) auch für alles Organifhe.
Wir
kommen darauf zurück.
Uber da gibt es viel gröbere Merkmale, die allzu
leidyt überfehen werden, grade weil fie jo alltäglich find. Wenn die neuere
Naturwmiffenfdaft die Formen der Bewádfe und Tiere als eine Anpafjung
an thre Lebensweife, als „zweckmäßig” erklärt, fo ift fie, mie das fon oft
betont worden iff, nur infofern im Recbt, als fie Ausgeftaltung und Um2eftalfung
gegebener Organifationsmerkmale berückfichfigt.
Ein
Balfifd mag fit nod) fo febr dem Leben im Wafjer angepaßt haben: er
Meibt dod) ftets ein Gaugetier mit deffen unverftörbaren Formmerkmalen.
An den Pflanzen mag fid) der Stengel nod) fo febr den Lebensbedingungen
rer Trockenheit burd Wafferanffpeicherung anpaffen: er bleibt doch fräts als
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Stengel nad)meisbar. Und warum einige Stengel kantig, andere glaft find,
ift wiederum nicht zu jagen. Die Blätter find durd jablreidhe Einrichtungen
der Lichtaufnahme, der Waflerverdunftung dem Ablaufen des Wafiers, dem
Schuß gegen Schädlinge angepaßt; dabei kann man fragen Warum? Aber
warum es nierenförmige, fingerfórmige, gefiederte, gezackte Blätter gibt;
warum überhaupt ein Kaftanienblatt ein Kaftanienblatt, ein Lindenblatt cin
Cindenblatt ift, dafür iff wiederum nur die oben für die Geometrie gefundene
Olntworf bereit: weil es fo ift. Denken wir nod) an Weiteres: an die Unordnung und Stellung der Blätter am Stengel, wie fie oft paarmeije oder
kreuzweis oder [piralartig fteben; denken mir an dic Arten des Bliitenflandes; vor allem, um die Bedeutung des urjadlofen Prinzips einzufeben
an die Gültigkeit beffimmter Zahlen verhäftniffe.e. Ganze Gruppen von
Pflanzen gibt es, in denen dic Zahl 3 den Aufbau beberridt (Liliengewädje).
Andere werden ebenjo von der Vierzabl beberricht.
Wieder bei anderen
herrjdt die Fünfzahl. Man weiß aud, daf nad) den äußeren Merkmalen
der Staubgefähe, insbejondere nad) ihrer Zahl, Linné einft fein bekanntes
Spftem aufgeftellt bat. Alle Meifter der Snftematik batten den tiefen Blick
darftellen können, wenn fid) in der Struktur die Lagerung auch nur eines
Moleküls verändert. Wir willen weder, warum dieje Struktur jo ijt, nod)
warum fie fid bei der Einwirkung verfdiedener Körper auf einander in
gefegmäßiger Meije herausbildct. Wir nennen dieje bejondere Einwirkung
der Körper aufeinander ihre Wahlvermandtichaft; das periodifche Spftem der
Elemente die Latface, da Schwefel und Eifen zwei, Koblenftoff aber vier
Atome des Wafferftoffes an fib binden können, ift jo wenig, wie der Winkeljag der Dreiecke urfählicy erklärbar. Und doch beruht auf diejer Tatjache
die ganze Welt der Erfcheinung der Organifhen Chemie. Man bat neuerdings mif feineren Methoden und auf Grund von fheoretifchen Erwägungen
ganz tiefe Einblicke in das Wefen des Feinbaues der Rriffalle und des
Geinbaues der Materie überhaupt erhalten, die nichts anderes find als ungeheure Ausbreitung unferer Gormkenniniffe und Gormenerkenntniffe ins
Gebiet des unvorftellbar Kleinen. Hiernad ift in der Tat die Materie —
wenn aud) bewegte Form, fo doch mindeftens and zunähft Form.
23
+
ieee
für die
Form.
Wir wiffen nun bereits, auf was es ankommt; wir können daher mehr
zufammenfaffend von der großen Fülle der einjchlägigen Tatfacen berichten,
die wir bei den Tieren und beim Menichen vorfinden. Jn der Äußeren
Geftalt ift zunädft die Größe hervorzuheben, die für jede Tierart im
Durhibnitt eine ganz beftimmte iff. Von diefer Größe hängt vielerlei
Anderes ab, 3. B. die Art des Materials, aus dem die feften Teile des
Es gelingt zwar, die Größe der Tiere und des
Körpers gebaut find.
iRTGSas
Menfchen durd gute oder jchlechte Ernährung zu fieigern oder binabzudrücken.
Aber im großen und ganzen ift fie ein erblid) feftes, unveräußerliches Merkmal. Zur äußeren Form der Tiere gehört ihr Bau nad) einem Symmetrieplan; fie find ftrablig oder fpiegelbildlid in zwei Hälften gegliedert. lle
Tiere, nicht nur die Pflanzen, zeigen polare Anordnung, die den gejamten
Körperbau ebenfalls in hohem Maße beherricht. Alle Zeile des tierifchen
Körpers ffeben zu einander in einem ganz beftimmten 3ablenverbáltnis, das
wir als Proportion, Kanon bezeichnen. Diejer Kanon iff zwar für jedes
einzelne Dejen typifd ausgebildet, geftattet aber doch eine Berallgemeinerung wenigftens für einzelne Raffen und Arten, fodaB man 4. D. ohne wefentliche grundjäglihe Fehler befürchten zu müfien, aus einigen wenigen Shelettfticken den ganzen Körper wieder berftellen kann, eine Tatfache, dic auerft
von Cuvier erkannt worden ift. Diefer Kanon feft fid) nun auch, wie wit
heute wifjen, bis in die feineren und feinften Berhältniffe des Körpers hinein
fort; jo wird 3. B. der Feinbau der elementaren Zeile des Körpers, der
Zellen, davon durchaus beherridt, worauf wir hier nidi näher eingehen
wollen.
Page 5
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Etwas für den tierifhen Körper ungemein bedeutjanes find aud bier
wieder die an ibm feffftellbaren Zahlen verbdltnifje.
Die Wirbeltiere befigen zwei Augen, vier Ertremitäten, fünf Finger, cine beffimmte Anzabl von
Sübnen, Schuppen, Wirbein ufw. Es gibt zwar allerlei Erklärungen dafür,
wie die, daß die Vierzabl der Ertremitäten für die Unterftiigung des Körpers
am günftigften jei; aber andere (wirbelloje) Tiere haben ja feds und mehr
Ertremitáten? Ebenjo iff es mit der Fiinfzabl der Finger. Wir kennen bei
Tieren zwar Fälle, wo deren Zahl fid) vermindert, aber kein ficheres Beifpiel
einer Vermehrung, abgefeben von Wifbildungen. Die Zahl der fieben Halswirbel der Säugefiere mit ihren Rurzgedrungenen oder langen gejchmeidigen
Hälfen auf irgend eine Urfache zurückzuführen, ift ganz vergeblih, während
aud) bier die Abwandlung des gegebenen Berbáltnifies immerhin auf äußere
urfählihe Einflüffe zurückzubeziehen fein dürfte.
Sehr febrreid iff es nun, daß man auch im feineren Bau des Körpers
ganz fefte Bablenverbaltniffe bat nachweilen können. Beftimmte Organe,
namentlih die Sinnesorgane und das Nervenfyftem fegen fic) aus einer
ganz beffimmten und ein für allemaf feften Zahl von einzelnen Sellen zufammen. Man kennt bei einigen niederen Tieren ganz genau 3. B. die Anzahl der Sellen, die das Nervenfyftem zufammenfegen. Man kennt dic
Anzahl der Sinneszellen in der Neghaut und im Tonfinnesorgan. Neben
diefen Zahlenverhältnifien fpielen auch bei den Tieren die feften und gegebenen Zormverhältnifie eine große Rolle, ähnlich wie bei den Blaftformen
der Pflanzen.‘ Denken wir an die Haarformen des lockigen Europáers, des
ftraffhaarigen Gelben und des kraushaarigen Negers, an die Form der
Schuppen bei Fifhen, der Zähne bei Wirbeltieren, der Hörner, der Hufe,
Krallen, Klauen, jo finden mir alles fo durchaus feft und beftimmt, daß allein
aus diefen Merkmalen der Schluß auf die Befchaffenheit des ganzen Tieres
móglid) wird. Schließlich würde hierher nod) gehören als wichtigjtes Merkmal, daß alle einzelnen Teile des Körpers in einer ganz beffimmfen räumlihen Wnordnung zu einander fteben. Warum das fo ift, iff wiederum nicht zu
fagen. Das läßt fic) febr weit bis ins Einzelne verfolgen; beruht dod) die
Möglichkeit aller ärztlihen Kunft auf der Tatfade, daß die Teile im menichlihen Körper nicht wirr durcheinander liegen, fondern bei einem Menfben
fo wie bei dem anderen. Nur darum können wir im Körper an einer beftimmten Stelle auch das finden, mas wir fuchen, ja wir können nad Goethes
großer Entdeckung fogar Unbekanntes an beftimmter Stelle als vorhanden
erwarfen und antreffen, — ein unerhörfes Wunder, das wie der ewige
Medel zwiihen Tag und Nacht, dem Menfchen nur zu gewöhnlich geworden iff, als daß er darüber ftaunte. Die Erforfchung diefer Beziehungen.
wie überhaupf die Erforjdung all der genannten Tatfachen bildet den Inhalt
einer großen, bedeutjamen Wiffenichaft, der Lehre von den Formen, oder
wie fie Goethe genannt bat: der Morphologie.
an
—
2
une
25
In die Einzelheiten diejer Wifjenfchaft hier einzugeben würde bem Swed
unjerer nicht für Fadleute beffimmten Darftellung jebr miderfprehen. Es
mag genügen, hervorzuheben, daß von der wifienidaftliden Seite ber dic
Aufgaben der Morphologie eben nur jo, wie gefcheben, zu erfafjen find. Es
handelt fid) immer nur darum, das Wie der Anorgane und Organismen zu
beurteilen
und mit einander zu vergleichen. Dies läßt fid zwar in praktifher Hinficht nicht immer far von der Frage nad) dem Warum trennen.
Grundfäglih aber handelt es fid) dabei ftäts um die Frage nad dem Bic,
nad) den Formen. Cine folbe formale E€infid)t ift gegenüber der urfählihen
Erkenntnis nicht etwa eine minder wertvolle, weniger wiffen{haftlide; fie befigt volle Gleichberechtigung mit ihr, wird auch genau mic
das urjähhlihe Verhältnis nad) dem Sa vom Grunde erworben, nur nicht
nad dem Gag vom zureidyenden Grunde des Werdens, jondern nad) dem
Sag vom zureihenden Grunde des Geins, wie es Schopenhauer zuerft dargelegt bat.
Diele Formenwelt befigt nun in der Welt eine jehr große Bedeutung
und damit kommen wit, zurückgreifend auf das im Eingang Gefagte, zum
zweiten midtigeren Teil unjerer Betrahtung. Schwer ift es, die Fülle des,
Materials, das uns bei diejer Betrahtung zu Gebote ftebt, zu fibten und
planmäßig zu gruppieren, aud) nur Einzelnes kann hervorgehoben werden.
Dielleiht gelingt es am beften zu einem weiten Umblick ju gelangen, wenn
wir den Wert der formalen Betrachtung in dreifacher Hinfiht unterfuden,
nämlid a) den Wert, den fie befigt für unfere ErkenntnisvomWejen
des Menfdhen und der Menfahecit, b) den Wert, den fie befigt für unfere Einfidtindas Defender Kun
ft und c) den Wert,
den fie befigt für eine tiefere Begründung des Wefens der
Moral. Diefe drei der Betrachtung untermorfenen Gebiete decken fic
ungefähr auch mit den Gebieten der Zivilifation (Menfd und Menjchheit),
Kultur (Runft) und Religion (Moral), ohne daß volle Übereinftimmung bebaupfet werden und erjhöpfende Behandlung in Ausficht geftellt werden foi.
da,
In allen Betrahtungen menfliher Sivilifation und Gefhichte ftebt der
Menfb im Mittelpunkt, als körperliches, als geiftiges Wefen, als Glied
einer Gemeinjamkeit. Körperlich aber tritt uns zunächft jeder Menfdh eben
infolge der oben von uns bervorgebobenen Bejonderbeiten der Formen als
ein fo-feiendes Einzelmefen, ein durdhaus Einmaliges, nidt wieder zum
zweiten Mal Vorhandenes entgegen. Gelbit Zwillinge, die aus demfelben
Gi entitanden find, find einander frog größter Ähnlichkeit doch nicht fo ähnlib, daß fie mit einander verwechfelt werden könnten. Grade Menfden
gegenüber, die wir nicht kennen, ift es wichtig, diefer Tatfad)e eingedenk zu
fein. Die Menfchenkenntnis hängt ja von vielerlei Einzelheiten ab; aber der
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Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Eindruck, den das Außere eines ihm unbekannten Menjchen auf den mit der
feiner Erbelemente 3war wirklich ein neues, aber wegen der Unveránderlid)heit
Zormenfpradhe Vertrauten macht, gibt mit Recht meiff den Ausfhlag. Die
Wiffenfdaft der Phofiognomik bat diefe Seite der infuifiven Erkenntnis
weiter ausgebildet. Sie follte fid) aber nicht nur auf die Öefichtszüge und den
Gefihtsausdruck beziehen, jondern das Mejen des ganzen Wenjden ins
eben .diefer Elemente doch ein altes ift; vor allem aber gewinnen wir dadurd
die erneute Beflätigung für das, was uns der Pbilofopb als Konftanz des
empirifhen Charakters bezeichnet bat, und was Goethe bekanntlich in feinen
orpbifben Urmorten ausgejprochen bat.
Ange fallen, Geftalt, Haltung, Bewegung, wobei am ftärkften natürlich das
Dies lehrt nun ‘alfo im Gegenfag zu den Betradtungen des Eingangs,
Antlig wirkt; aber aud) Hand und Fuß befigen durchaus fymbolifdhen Wert,
wie es Carus in feinem fônen Werke über die Snmbolik der menfdliden
daß es in der Welt nidt nur ewigen Wechjel, emiges Werden gibt,
Geftalt gelehrt hat.
Man bat fon feit faft hundert Jahren unter den Körperbaufypen beffimmte, fic) häufiger geuppenweis wiederholende herausgefunden und diefe
als Konftitutionstppen bezeichnet. Neuerdings iff man febr genai darauf
- eingegangen und bat mebre folder Tnpen in wifienfhaftlid brauchbarer
Meife abgegrenzt. Dem Konftitutionstppus übergeordnet ijt der Raffentppus, der fid) ganz ausfchließlih auf morphologifhe Merkmale gründet, wie
Körperproporfionen, ‘Haarfarbe, Haarform. Je weiter man in das Mejen
der Raffen eindringt, defto mehr erkennt man, daß fie, wenigftens die drei
Haupfiypen, unter gar keinen Umftänden etwa Erzeugniffe des Lebens, der
Umwelt, der Auslefe find. Sie find vielmehr ganz fiher 3 verfchiedene, in
formaler Hinfiht coordinierte Ausprägungen des Species Menjd, efwa vergleihbar den 3 vermandten Elementen Chlor, Brom und Jod. In ihren
Formelementen führen fie zurück auf ähnlich fefte Elemente der Urmenfd)beit, der VBormenfchheit und der Tierwelt bis in die fernfte Vergangenheit.
Die Phnfiognomik bat indes nur dadurd einen fieferen Sinn, dah wir
dem Körperlichen etwas Geiftiges zuordnen und annehmen, daß die körperlich
von uns als etwas Befonderes beurfeilten Individuen und Jndividuengruppen aud feelifde Befonderbeiten befigen.
Dies gilt vom einzelnen
Menfhen ganz gewiß, weswegen wir eben Phnfiognomik freiben, um uns
einer Einficht in fremde Charaktere zu verfihern. Ganz gewiß gilt es aud
für die erwähnten Konftitutionstypen, denen, wie man {con feif alters weiß,
‘aber erft feit kurzem wirklid nafurwiffenfhafflih erakt begründet hat, beftimmte „Temperamente” eigentiimlid) find; mit diefen gehen aber aud) beftimmte Charaktereigenfhaften meift Hand in Hand. Weniger fiber bewiejen, weil erakf [mer bemeisbar, aber dod) in hohem Maße wahrfcheinlid) und durò vielfache Erfahrungen beftätigf iff es, daß and den einzelnen
Raffen beftimmte feelifhe Merkmale erblih anbaffen.
Wir wiffen nun, daß ein großer Teil diefer körperlichen und feelifden
Merkmale, die wir alfo unter die urfadlofen Formmerkmale einzureihen
buben, erblid find. Wir nehmen aud an, daß der Erblibkeit irgendwie geftultete Elemente zu Grunde liegen, dur deren AUnmefenbeit, Überfragung
und Nenkombinafion die Gefamtheit der Menfhbeif fib im wefenflihen
gleichbleibt, während jedes neue Cinzelwefen durd die Neukombinafion
—
jondern im Gegenteil ein ewiges
Sein und Bleiben, das in feiner Weife
einen nicht minder gefpenftifchen Eindruck erweckt, als jener raftlofe Medel.
Die Weltgejhichte gewinnt, fo betrachtet, auch einen anderen Sinn. Man
kann allerdings aud) von äußeren Ausgängen ber zu der Auffafiung gelangen,
daß, da die Menfchen fid im wejentlichen gleid bleiben, in der Gejdichte
eigenflich nichts Neises gefdebe, und daß fic ftáts das felbe Bild zeige, bei
dem nur die Perfonen wechjeln (Schopenhauer), Man kann aber aud) jagen,
dab zunädit einmal, abgefeben von allem Übrigen, mirklid das in den
Menfhengruppen (Raffen) Ge gebenc zum mindeften einen Teil der behatrliden Bedingungen der Gefhidhte darbietet, vielleiht eben grade
jenes Urgefpinft, in das der Cinfdlag der einzelnen Gejdebniffe bineingemoben wird (MNornenfeil!). Diefer Einjdlag zwar liefert die bunten und
trog jenem Urgemebe immer neuen Bilder, die uns bei dem Begriff
Gefhihte zunädhft vor unjer geiftiges Auge freien.
Hier ift die Geihichfsforihung beim Aufiuhen der Bedingungen am Werke („wie es gemefen iff”). Dem So-Seienden, formal Beharrenden wird dabei anjcheinend
weniger Werf beigemefjen; Gefege und Regeln in der Gefdidte werden
meift nicht anerkannt. ber es iff lebrreid), dem Gedanken eines neueren
Philofophen (Simmel) zu folgen, der uns darlegt, daß fid die Gefdidte,
wenn dies nur ihr cigenffes und einziges Gejchäft wäre, fejtzuftellen, „wie
es gemefen fei”, ala Wiffenjchaft felbft jerftóren miiffe. Die Schladt bei
Tannenberg 3. 3. fest fic fdlieflid zufammen aus unzählbaren Warfdyfhritten, Handbewegungen, Schüffen einzelner Soldaten Würde
aber die Táfigkeit jedes einzelnen Soldaten in erakter Weile Gegenftand
biftorijd)er Erforibung, und würde diefes Material dann bekannt gemacht,
fo würde damit das hiftorifhe Ereignis jelbft aufhören, für uns faßbar zu
fein. ‘Fafbar wird es uns und Wert gewinnt es für uns erff, wenn wir
. nidf den Einfchlag, fondern das Urgemebe erfhauen, den Geift des Geldberrn und die Oeifter der Helden überhaupt, die, feit es eine Gefchichte gibt,
als Retter in der von feindlider Ubermadt drohenden Not eigentlich ftäts dic
gleihe Entfheidungsihlaht mit dem unwabhrideinlidjten Erfolg begonnen
und fiegreid) fchlugen, heiße fie Marathon, Salamis oder Lechfeldfhlacdht oder
Leufben oder Tannenberg.
Sobald es daher die Beihichtsforihung auch als ihre Aufgabe anfiebt,
in das Wefen der großen, gefhidhtlihen Perfinlibkeit Einfiht zu gewinnen
Page 7
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)und ihren Einfluß auf die Geftaltung der Gefcidte nadyzumeifen, fo ftebt
fie offenbar nicht mehr allein im Dienfte einer Urfachen- oder Bedingungspiffenfhaft: denn jeder große Staatsmann, jeder große Feldherr ift im Sinne
unferer obigen Darlegungen die Erjdeinung eines So-Seins, eine Ge ft alt;
der Staat, den er gründen, die Shladt, die er fdlagen will, jteht wie ein
etfdaufes Kunftwerk vor ibm. Aud die Gefchichte aljo treibt hier Formenkunde in einem ganz weiten und bedeutungsvollen Sinne.
juungen von U. Lorenz aber finden wir ganz neue und aufiblubreiche
Feftffellungen, die ihren Wert gerade für unfere Betradytung befigen.
Lorenz ift es môgli gewejen, in den mufikalifben Runftwerken (außer den
uns bekannten Gliederungen in einzelne Säge und Gaffeile) eine ganz beftimmte Urditektonik nad)j3uweijen; der Strom der Mufik fließt nicht nur in
dem Wechiel von „Einfällen” und deren Durarbeitung fort; unfere Volkslieder und Chorale gliedern fic bekanntlid) meift in paatige Wbjdnitte von
gleicher Taktzabl nebft einem ,Abgefang”. Warum das fo ift, warum gerade
. b,
Hier find wir bereits dem Punkte jebr nabe gekommen, wo mir von
der formalen Setractung Einfiht in das Dejen der Runft erlangen
können und zwar Einficht fomobl in das Mejen der Form, in der das Runftwerk erjdeint, als auch in die Beziehungen, die zwijchen dem Künftler und
jeinem Aunftwerke beftehen. Die Bedeutung des Morphologifchen für die
Erjdeinung des Aunftwerkes nun läßt fid) nirgends fiefer erfaffen, als bei
der gebeimnisvoliffen der Künfte, der Mufik, weil das durch diefe Kunft
für unfere Sinne Ausdrücbare aus der Seele des Riinjtler3 heraus ohne
Bermittlung des Verffandes für uns nur Objekt werden kann, wenn es in
bejtimmte, einfahe Zahlenverhältniffe eingeht, die mif denen der Matbematih allernidfte Vermandtidaft befigen.
Diefe Sonderart der Mufik
kannten eben bereits Pythagoras und Platon; nad) ihnen verfuchten £ e
i bnij und Schopenhauer das Geheimnis diefer Runft in Worten auszudrücen. Jn der Mufik berrihen durdyweg ganz eigentiimlide Formgefeke
und Regeln, fon dann, wenn wir ihre beiden Beftandteile betradten, Rhythmus und Melos; im Rhythmus erfheint das AUrchitektonifche nicht für das
Auge im Raum, fondern für das Ohr in der Zeit als Takt und Zeitmaß;
im Melos gefellt fid) dazu die geheimnisvolle Wirkung von Zahlenverhältniffen, wie fie in den Tonarten, Zongefchhlechtern und Tonintervalfen laut
werden.
Das eigentiimlide Wefen jeder Tonart und worauf ihre fefte
Beziehung zu feelifchen Vorgängen in Künftler und Hörer jelbft beftebt, iff
nur fcledhthin feftitellbar, nicht erklärbar.
Von den Vorgängen bei der Empfängnis des Kunjtwerkes in der Geele
des Künftlers wiffen wir zu wenig. In den hödjit verdienfivollen Unter-
Von den Zongejchlechtern kennen
wit heute fogar nur zwei, während die Griechen deren fieben feelijd verihieden empfunden haben follen. Da es fic bei diefen beiden Gejchlechfern,
Dur und Moll, einfad um den Unterjdied einer kleinen Terze handelt, alfo
um eine ganz jdlidte Zahlenbeziehung, fo ftehen wir hier vor dem völlig
Gebeimnisvollen, daß zin derarfiger Unterjdied, wenn er als Klang auffrift, die tiefften feelijen Wirkungen ausübt (Sfotde: Wie lenkt’ er ficher
den Riel! ...), und daß man nidt ohne Grund den Charakter ganzer Völker
nad) der vorherrfchenden Art ihrer Volksliederweifen alg Dur- und Moll. Völker, aud) Komponiften derart als Mofl- oder Dur-Charakter bezeichnen
dies architektonifche Verhältnis den ergreifendften Geelenregungen als Uusdruck angemeffen ift, wifjen wir nicht. Diejelbe Gliederung kehrt aber, mic
Lorenz gezeigt bat, in allen großen, mufikalifchen Kunfiwerken wieder, einfac, kombiniert, in immer größeren Berbältnifien gegeneinander geftellt
und zu Einheiten zufammengefaßt aufeinander getiirmt. Lorenz vergleicht
gerade dieje Architektonik mit der Form der Raturgegenfiánde, dem Tier,
der Pflanze, mit dem Unterfchiede nur, daß es fid um keine Gliederung im
Raume, für das Auge durch Architektonik, handele, jondern um eine Gliedetung in der Seif, für den Tonfinn, durd) Rbothmik. Das Wejentlichite if
dabei nod) nicht einmai, dab Lorenz eine jolbe Gliederung überbaupt
nad)weift, jondern da er die Empfindung für dieje, von ihm jogenanntce
Großrhythmik in der idaffenden Scele des Riinfflers nacmeijen Rann;
bereits zu einer Zeit, wo dem Zondichter dic Melodie (der „Einfall”) nod)
garnicht in beflimmter Geftaltung vorgejhwebt bat, ift dies Gefühl für dic
Taktzahlen vorhanden. So bat Beethoven einmal in feinem Ghizzenbuò
einen folchen 12 faktigen Abjchnitt notiert, ohne das Motiv, das [pater an
Wagner
diefer Stelle vorkommt, zu kennen. Berichtet wird uns auc, dag
feine Pattituren zuerft vollftändig mit Takteinteilungsftrihen verfeben hat,
in die er die Mufik dann erft fpáter eintrug, ohne nötig zu haben, die Linieneinfeilung, die er als die wefentlidfte Arbeit anfab, zu ändern. Lorenz
erklärt diefe unerhörten Tatfaden dadurd), daß er auf jenen „metapbpfijchen
Kern” des Kunftwerkes zurücweilt, den großen Augenblick der Infpiration,
in dem der Künftler „die Kraft bat, das ganze Werk in einer Sekunde von
Anfang bis zum Ende in fid) zu fehen.” Da von S diller ähnliche Jeugniffe
vorliegen, fo dürfte wohl in allen Künften darin Einheitlichkeif befteben, da
dic Geburt des Kunftwerkes ein Augenblick des plaftiihen Schens einer
Geflalt, wie fie Schiller nennt, ift. In diefem Augenblick find die Wege
denn nod) nicht gejpalten, die zur Plaftik (Raum) und zur Ahnthmik (Zeit)
führen. Die von Lorenz betonte Übereinftimmung 3wifchen dem ichaffenden
Künftler und der fhaffenden Natur ift für unfere Darlegungen ganz bejonders
wichtig, weil hierdurch bas Naturvollkommene und das Kunftjhüne nebeneinander treten, ja, als ein- und basfelbe erkannt werden
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om werden, er. minor ate:
als Erjdheinung zu det Empfindung des fchaffenden Künftlers fo verba.
wie die Geftalten ber Natur zur fhöpferiihen Kraft. Diefe Geftalten .
Natur, die fog. Urformen, die Goethe im Fauft aud als . :
Mütter bezeichnet, nennt er in feiner Naturwiffenfdaftliden Sprache .
Urpbánomene; diefe find genau das, was Platon in «Limaens” ,
feine Jdeen-bezeidnet bat. Es wäre dann alfo auf eine kürzefte Gorn :.
gebracht, fo dag wir aud in dem vollkommenen Kunftwerk ein Urpb.i
er Natur, alg Perfon indes eben diejer Perfonlibheit aud) wieder
aworfen. Eine eigentümlihe Freiheit, die Greibeit vom Gefeg des
Dens und Vergebens ift ja auch das tieffte Wefen aller Formen neben
Unfreibeit als Erfheinung Iblecbtbin.
nod einer legten Bedeutung der formalen Betrabtung der Welt nadgeb::
*
vor allem das Potbagoräifhe als lebendig ur: M
Gliegt and unjere Ethik aus ganz anderen Quellen mie bei den Alte: Et
fo ift es dod) nicht umfonft, wenn aud nur faftend bebauptend der Grau Y
nachzugehen, ob aud) unfere Ethik Beziehungen zu jenem großen Geifter. *
teid) der Pptbagordifhen Formenwelt befigt?
Gewiß wird für die Potbag:-
ráer eine folde Beziehung beftanden haben.
Aber mie fteht es für uns”
Es ift doch wohl keine fchönklingende Phrafe, fondern ein Ppihagoräifck:
Gedanke, den Kant am Sehluffe feiner Kritik der Praktifdhen Bernun:
anspricht mit dem Vergleich 3wifchen dem moralifden Gefeg in uns nn:
dem Geffirnten Himmel über uns. Die Mathematik der Aftronomie, Rott. mus, Tempo vereinigen fid) in diefer Erjheinung des Geftirnten Himmel
zu dem [hönften Anblick, den der Menfch genießen kann. Hier glaubte
die alten Pofbagoräer ja die Mufik der Spháren zu vernehmen.
D
Mir kommen zum Schluß. Was wir auszudrücken verfucht haben, läßt
n Kürze fo zufammenfafien. Wir haben gezeigt, daß es in der phnfifden
ein Formenreid) giebt erkennbar und anfhaubar nad) ganz bejonderen
ein, nidt dem Warum fondern dem Wie erfafibar. Diefe Sormen
en auch in der geiffigen Welt ein mádtiges Reid. Es gehört diefem
ce an in der Ge { d i d te die Cinfidt in das Urgefpinit alles Gefchebens,
lid) die Konftanz des menfdlicden Charakters, dic Konftanz der menjd)-
m Rafjen, die konftante Einwirkung diefer gegebenen Größen auf die
&ichte. In der Kun ft fpielt die Gorm die größte Rolle, aber nicht nur
der äußeren Erfcheinung, der Architektonik und Rbhythmik des Runftkes, fondern aud) bei der Entftebung des Aunftwerkes in der Seele des
filers.
njden von bloßen Gattungswefen, Individuen zu Perjönlichkeiten.
Die Disharmonien im Lebe: :
ein göftlicher Plan Alien bewußt wäre und die Bahnen zu diefem Ziele wieje
Lu boSch, 4”. |
©
Dadutd wäre dann aud) notwendig ein Zeitmaf beftimmt, in dem jede Sam
Einzelne feine Schritte dem Siete zuzulenken hatte. Die Menfchheit würd:
‘SÉ
bach hiv kim co À. Hythe pores
meiffers zu einem richtigen Seitmaß angeleifet wird, um ein mufikaliihe: dia
hierin dann einem Orchefter gleichen, das durch den Zaktftock des Rapell
A Pay rece her aFes
Form nad3ujdaffen, in der. die fhaffende Seele de:
tet
Rünfflers es einft erichaut bat. Der Seber, Philofoph, Menfchheitsbildne Sis
wäre jener Kapellmeifter, der mif feinem Taktftok die Menjhbeit ein: ke
göttlihe Symphonie verwirklichen liege. R. Wagner ift es, der dies tiej Y
finnige Gleidnis ausgeiproden bat in dem von ihm beridteten mabrbai Hi
de
;
In der Ethik endlich führt die Borftellung eines freilid) nur
Ideal erkannten Suftandes dazu, fic) diejen Zuftand als Verwirklichung
t Grofthythmik zu denken, als das Ergebnis der Entwicklung der
des Einzeinen und im Leben der Völker wären indes weit geringer, würde: ;
fid) vielleicht fogar gar nicht finden, wenn gemeinjame Ziele bekannt wárer
Poe
én; weihen Gang fie ju nehmen
Art die Perjönlihkeit, d. y. Freiheit und Unabhängigkeit vom Medanis-
Cc,
Kunftwerk in der
wird nod einmal das Scepter der
Seit
e Gefttrne, bewegenden Menjdbeit, alfo eine Architektur in dergleiche
die
h
pe Bewährung der Gittlipheit. Das aber iff Ihließlic
an die Kant denkt, wenn er:an jener berühmten Stelle die Pflicht,
unbedingte moraliihe Geleh preift und als ihren einzigen Urjprung
Damit könnten wir jchließen, wenn wir nicht unferem Bornebmen getr
Menfbenmelt find folde Harmonien fremd.
i
t ibm mobi vor die Erjdeinung einer fid) nad) einem Srofrhythmus,
nomen zu erkennen hätten.
mollten, in der fi
. mirkfam ermeift. .
;
Alles
Ende
am
ja
kommt
Tempo
das
„Auf
a wiie, RE
@Benns, Harmon
abotbmu
Schönheit finden fid) dann {don von felber*; fo
+ SOEUR, 205-at--DerTat aud die klaffifhe Auffaffung, 3. Y.
| “Os the 8, der ein Runflwerk dann {din nennen wollte, wenn es
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obOMaeyT
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Normal br, f Por
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