Nachwirkungen des Pythagoras

Auteur
Lubosch, W.
Publié dans
Bayreuther Blatter
Année
1929
Sujet
REVIEW
Langue
Deutsch
Catégorie
C7 Philosophie
Numéro d'archive
217

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franzófijben Unatomen und in Deutfbland von Goethe am Ausgang des 18. Jahrhundert gefdaffen worden ift, fien lange Zeit hindurch tatfáchlid) eine Neujhöpfung zu fein. Sie war es aud) infofern, als ihre Schöpfer nicht bewußt an ältere Verkfinder der Formenlebre anknüpfen konnten. 21 LU Basoa Ww. AA Nachwirkungen des Pythagoras. (Die Welt der Formen.) Vortrag am 22. Oktober 1927 in der Nürnberger Ortsgruppe des Vereines der Freunde des hum. Gpmnafiums gehalten, von Dr. W. Lubofch, o. è. Profefior der Anatomie in Würzburg. Nicht die Befafjung mit den tehnijhen Fragen des Unterridtes in den an nadgewiejen. Uber erft Clemens Bäumker bat 1917 in feiner Münchner Rektoratsrede auch für die Gegenwart wifienschaftlich feitgeftellt, daß die alte Formel von der alleinigen Nachwirkung des Ariftoteles in der erakten Naturwifienichaft und von dem erft viel fpäteren MWiederauftauchen Seinrih v. Stein und Bäumker berühren fib aud) darin, daß fie Platon grade die befondere Pflege des erakt Mathematifhen zuerkennen, ganz im Gegenjag zu der landläufigen richfes, die genaue grammatifde und fnntaktifhe Schulung der Gymnafiaften Meinung, daß wir mit den verfhwommenen idealiftiich-teleologifchen Anlihten ‘Platons gar nichts anzufangen wüßten. Wud) die neuefte Platonforfhung iff zu der gleichen Cinfidt gelang. Ariftoteles fei, jagt Bäumker, zwar der Vater der cmpirifhen Forfchung, insbefondere der Spflematik gewejen: aber der Mann der mafhematijd-phyfikalifden beurteilen als das einzige Mittel, durd) das die Jugend vorbereitet wird, jene Sorídung war aud zur Zeit der Scholaftik Platon. einzigarfige Verbindung antiker und deuffcher Gadankenmelt, die mit dem fhôpfte das frühe Mittelalter jeine Kennfnis platonifhe Erkenntnistheorie und damit eben unfere Aufgabe, immer wieder Zeugnis bumaniftiiden Bildung für unjere abzulegen deutiche Kultur. Wohl aber ift es von dem Wert der Grade von diejem Standpunkte aus miiffen mir aud) die Technik des bumaniftifhen Unter- GD5RiYáREr2UTeHER Zwar batte fon in den 70er Jahren Heinrich v. Stein eine ununterbrodene Einwirkung Platons auf die gejamte Philofophic vom Altertum des Platonismus falfh fei. klaffiihen Sprachen ift die Aufgabe unferes Vereins. 2 War dod) fogar bis vor ganz kurzer Zeit wiffenfchaftlih die Anficht berrihend, daß Platon erft wieder mit der Renaifiance zu wirken begonnen babe, und hat dod) dann erff wieder Schopenhauer in der Philofophie und Johannes Müller in der Morphologie fid Piatons angenommen. Chriftentum unfer Kulturgut ausmacht, geiftig zu erfaffen und für fi nußbar zu madjen, wenn fie zu Männern geworden iff. Schillers Afthetik und Goethes Naturanfchauung kann gewiß auch außerhalb der Gnmnafien dem einzelnen nabetreten; aber der platoniihe Boden, auf dem dieje Gedanken erwadyfen find, kann nur im bumaniftifhen Gpmnafium betreten werden. ufgerifien und umgepflügt, zunädhft mit den groben Werkzeugen der griechifhen Grammatik muß diefer Boden werden, damit in den höheren Rlafien das bumaniftifbe Samenkorn hineingefät werden kann. Wie jelten ift diefe Wusfaat nod) möglid, wenn das Leben fpäfer Gonderaufgaben ftellt! Schwer insbejondere find die großen Sufammenbdnge zu erkennen, aus denen fo mancher, der jegt in unfrudtbarem Zank um kleinliche Sragen des Lebens feine Kraft verzehrt, Erquickung und Frieden gewinner könnte! Leichter aber werden fie wieder erkannt, wenn fie fid) an Eindrücken und Erinnerungen der frühen Jugend entwickeln können. Bon einem folhen großen Sujammenbang fei heute hier die Rede. Man wird es begreiflich finden, wenn ich den Weg von meiner Sonderwifjen- {daft aus einfdlage, der Menfchlihen und Vergleihenden Anatomie. Dic Lehre von den Formen, die Morphologic, wie fie von einigen großen mG nn ón plafonifhe „Harmonia mundi“ gaben Galilei Aus dem Timaus Platonismus. Die auch dic pothagoräif. des und Acpler ibre Richtung; das Mathematifch-Pbpfikalifhe läßt fic) bis zu Lionardo hin verfolgen. Es foll hier nicht verfolgt werden, in welcher Weile der Pfatonismus am Ausgang des 18. Jahrhunderts wifjenfhaftlit zu der Morphologie in Teziehung getreten iff. Wir gedenken Platons hier nur, um von ibm den Blick zu wenden zu jener mächtigen Gejtalt, dic fic) aus der Dämmerung der Dorzeit hinter Platon erhebt, als Perfönlichkeit nur feftftellbar aus einigen abgetiffenen, dunklen Sprüchen und aus feiner Wirkung als Begründer einer madtigen Schule; ju dem Entdecker der Bedeutung der Tonintervalle, dem Verkiinder der Sphärenmufik: zu Do thagoras. Wenn es möglich wäre, ju zeigen, daß wir auch heute nod) vom Potbagoráismus umwoben find, ja miffen in ibm leben, fo wäre Bedentendes erreicht. Das kann nur fo gefcheben, daß man nachweift, jene alte ppihagorifche Lehre, die Weit beftehe aus Zablen, umidliege wirklid einen, 2 gela cia + PA Vor allem aber fiebt Bäumker in der Vorftellung von einem den Kosmos durchwaltenden Zufammenklang einen der drei Grundgedanken, die dic mitfelalterlihe Naturforjdung dem Platonismus verdanke.

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auc noch heute gültigen Sinn. Die neuere Forihung ftebt auf dem Standpunkte, da die Pothagorder taffächlich, nicht inmbolifh, die Welt „aus Zahlen” zujammengejegt jein ließen; id will auf dieje Seite der Grage nidt eingehen, fondern als Leitgedanken meines Bortrages bezeichnen: daß das, was wit beufe Gorm nennen, wenn es {id aud nidt völlig damit deat, dod vieles mit dem gemeinfam hat, was Pythagoras Zahl genannt bat, daß wir alfo die Radbwirkung des Pythagoras erkennen wollen in dem Borhandenjein und der Wirkjamkeit einer aud für uns beftebenden „Welt der Formen”. Damit komme id zu meinem Thema. Ic merde die Darlegungen jo gliedern, daß id 1. eine kurze, der eigentlidyen Begriffsbeftimmung dienende Vorbemerkung voraus|dicke, 2. meine Zuhörer in die Welt der Formen naturmifienidaftlid) einführen merde; dann werden wir uns 3. über die Bedeutung diefer Formen in der Welt Klarheit zu verjchaffen juchen. 1 Jeder Unbefangene wird auf die rage, was das Leben jei, wohl antworten: Leben ift Bewegung. In der Lat iff die Bewegung jo febr das Merkmal des Lebendigen, daB das Bemegungsloje uns fof zu fein jheint.— Dader mit ift gefagt, daß — — weil Bewegung eine Beränderung ijt — der in ihn der naive Ginn in der Veränderung den Vorgang fiebt, ber: Welt vor allem feffelt. Das ift nicht nur fo dem einzeinen Wejen gegenü Es ift aud) fo dem Ganzen der Welt gegenüber; ihre raftloje Veränderung, | n und Erjütteder Wechfel der Tage, ‚Jahreszeiten, Jahre; ihre Umwálzunge del. Begriff Belt” verbin Menfbengeift mit dem ungen mh es, bie der , daß die Es gehört {don ein befinnlider Geift dazu, etwas dabei zu finden ung, den ‚Ordn die n fonder Alten nicht, wie wir in der Welt das ,Walten” die ja te, efhic Schmuck wahmahmen. Nicht anders iff es in der Melta in der vom Gefcheben ihren Namen hat. Wir heutigen Menjden jeben , aljo aus Geldicte das ewige Werden. Aus Kriegen und Revolutionen rum it wiede jeßt; den Gefchehen, {ceint uns die Weltgeidhidte zufammenge es dabei merkwürdig, dag die Alten in der Gejcdidte mebt das „Wiljen diefe ganze Arf der jaben. Dies liegt in dem Wort .Diftoria”. Uns fdeinteinzige „Wifjenicaft Betrachtung einer Veränderung, eines Werdens, die fragen. Eine zu fein. Alle Wifjenfchaften [deinen nad) dem Warum zuden Yifienfhaft, die nicht nad) dem Warum fragt, Icheint es auf erffen Blick ftebt eine ifd; denn jener Betradtung i a biefer Schein iftin triiger der Welt nicht nur ein Gefdeben, eine Berar nicht zu geben. andere gegenüber; es gibt ift und änderung, fondern es gibt Vieles, was gegeben und unwandelbar delUnwan Dies deshalb durch die Frage Warum nidt erfaßt werden kann. bare wollen und können wir mit dem Ausdruk Gorm bezeichnen. Die “„gormen” bilden eine Welt für fid) und es ift von großem Wert, fid) einmal in dieje Welt der Formen” zu verfenken. werden, daß diefen .Gormenin der Welt” eine jehr große Bedeutung zukommt, ja wenn man fchließlid am Ende der Betrachtung angelangt ift, wird man fid) jagen, daß die Formen vielleicht das Widhtigite in der Welt. und im Menfchenleben find, wichtiger und bedeuffamer als ihr Werden und ergeben. 2. Wenn wir von der „Welt der formen” handeln wollen, jo wird es lehrreicy fein, uns zundobft ihr Gegenteil, die Welt der Veränderung bis in die meifeften Zufammenbánge klar zu maden. Gerade durò Unterfuhung des Gegenteils jhärft man fid ja den Blick für den eigentlihen Gegenftand. Gehen wir von dem Gedanken unjerer Einleitung aus und verjuchen wir näher zu bezeichnen, mas eine „Veränderung, ein Gejdreben”, ein «Botgang” ift. (Es handelt fid) dabei, wie uns die Philojophen belehren, ffäts darum, daß zwei Zuftände fo mit einander verbunden find, daß der Eintritt des einen notwendig den Eintritt des anderen zur Folge bat; fo aljo, wenn ein mit erplofiven Subftanzen erfüllter und mit offenem Licht betretener Raum (dies ift der eine Suftand) fim entzündet (der nad) Ausgleich der hemifhen Spannung entftandene zweite Zuftand). So einfad) dieje Erkenntnis zu fein fcheint, jo fhmierig iff fie off im Einzelnen zu gewinnen. Man denke an ein erfundenes Beifpiel wie diefes, dak bei Glatfeis ein Bahnzug außerhalb des Bahniteiges halte; ein älterer Mann mit briidigen Knoden entfteige einem der legten Wagen und falle die hohe Stufe hinab, gleite aus und bredye ein Bein. (Marbe Gleichf. d. Welt 1916/1919.) Es wäre ganz ausfichtslos bier irgend eine Einzelheit als Urfache des Ungliicksfalles zu bezeichnen. Wiffenjchaftlid nennt man daher aud) Urjache: die Gefamtbeit aller Bedingungen, die einen Suftand móglid machen. Diejenige Bedingung, die hinzukommen muß, um das Ganze in Bewegung zu verfegen, iff die auslöfende Uriache. Ganz ähnlich liegen die Dinge bei der Betrachtung der Veränderungen der Weltgeihichte. Jedermann weiß, wie dornig die Frage nach der Urfache eines Krieges ift, oder nach der Urfahe von Revolutionen. Gewif find die Dinge nidt von felbft plôblid da; aber die gefamfen Umftände, die dazu geführt haben, daß nun wirklid der erfte Schuß fällt, find meift fchwer, oder garnicht überihaubar. Jjt es nun ebenjo bei jedem Ereignis unferes eigenen Lebens? Wer wollte in feinem eigenen Leben eine beffimmte Tat auf eine beftimmte Urfadje zurückführen? à. al, ah A mn + Nur Toren und Kurzfichtige könnten das: denn für uns alle liegen die Urfachen dafür, daß wir jo und nicht anders in einer beftimmten Lage handeln, ganz im Dunkeln; Charakter, Her- | 4 Be Man wird dann inne

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kunft, Elternhaus find alles Dinge, die in das Erempel mit eingeben, Dinge, die famtlid außerhalb defjen liegen, was wir für gewöhnlich mit dem Morte Urjache erfaffen wollen. | _ Die Wiffenfchaft beftrebt fid daher, in alien folhen Fragen móglichít vollftändig die Bedingungen feftzuftellen, die einen Suftand als jolhen bejtimmen; in der Frage der Rriegsurjahen alfo berauszubekommen, welder Brandftoff überall angebáuft war, meld)e Mittel den Brand zu verhindern, angewendet worden find und durch welche Anldfie der Zufiand: Frieden in den Suftand: Krieg übergeführt worden ift. Die Frage, von der all folche Unterfuchungen ausgehen miifjen, ift die Frage nad) dem Warum. Gie ift bier nod) einfacher Natur. Sie wird viel verwickelter und gelangt bald an die Grenzen, wo wifjenfhaftlibe Erfafjung möglidy ift, wenn wir nad) dem Zufammenhange zweier oder mehrer Ereigniffe fragen. Man vergegenwiittige fid) die vielfachen einzeinen Urjachenreihen, die in Europa und außerhalb Europas abgelaufen find, bis fie den weltgeididiliden Kampf der legten 15 Jahre entzünden konnten. Betrachtet man die Sade ganz gründlich, jo gelangt man zu der Einficht, daß alle Ereignifie in der Welt, ja im Univerjum mif einander im Zufammenbang, und viele von diejen nach vielen Geiten bin in urfächlihen Beziehungen zu einander fteben. (Es gibt nicht nur eine Kette der Urjadjen für jedes einzelne Ereignis, fondern es jtehen alle dieje Ketten aud) miteinander in neßartiger Verknüpfung, wie es in fieffter Erfafiung Schopenhauer gelehrt bat in jeiner Abhandlung über die [cheinbarc Abfichtlichkeit im Schickfale des Einzelnen. Die Notwendigkeit eines Einzeljhickjals fteht in unauflösbarem 3ujammenbang mit dem Schickjal der ganzen Welt. Hier liegt aud die tieffte Quelle des Aberglaubens, indem man von der an fic) ganz richtigen Vorffellung ausgebt, dab, wofern man nur irgend einen Knotenpunkt diejes Rees packe und fei er auch ein ganz geringfügiger Gegenftand, man von ihm aus auch auf die Urfachenkette des eigenen Lebensablaufes kommen müfje. Genauer bat dies ebenfalls Schopenhauer in dem joeben erwähnten fieffinnigen Auffag ausgeführt. Aber fon Goethe bat vor Schopenhauer von Schiller über die Berechtigung des aftrologifhen Motivs im Wallenftein befragt Abnlihes (Briefwechfel, Brief v. 8. 12. 1798) ausgeführt. Dies ungeheure, unbeimlid-gefpenftifhe lebendige Neg nun, in das wir alle verftrickt find, das von jedem Knotenpunkt aus jeden Augenblick weiter wädjlt und fid) fo durch die Zeiten fchlingt, ift das Sinnbild des Werdens. Jft das aber nun aud der eigentliche Sinn des menjdliden Lebens, ein Atom, das in diefes Nek verftridit ift, zu fein? Rann das überhaupt ein Sinn fein? Liegt der Wert unferer menfchlihen Natur in diefen Wellenbewegungen, die der Sturm des Schickfals auf dem Meere erzeugt? Wir möchten mit der Dichterin rufen: „Urewige Schöpfung, halte doch ein, Genug des Werdens, lag mid) fein!” a FSC Gunn nn me Ber die Pbilofophie Platons und Schopenhauers kennt, weiß, aus der Tiefe welder Überzeugung beraus die Dichterin dicjen Klageruf ausitrömt. Aber auch für die Kenner jener Philofophie wird es wichtig fein, fic) darüber klar 3u werden, daß es 3unddft gar keiner Philofopbie bedürfe, daß es vielmehr von fdlidten Zatlachen der Erfahrung ausgebend möglich ift, in das Reich defien, was ift, einzudringen; denn dies Reid) des Geienden ift nichts anderes, als eben die Formenwelt, mit der fic) diefer Teil meiner Darlegungen nun weiter befaffen will. Damit entfernen wir uns 3unddft von den Pbilofopben, um unjere eigenen Bahnen zu geben und uns ihnen erft am Ende unjeres Weges wieder anzufchliegen. Wir werden dabei ftufenmeife vorgeben, um die Gejamtbeit all der Beziehungen zu iiberfeben, die nicht duch ein Warum erfaßbar, die aljo aud) nicht in jenes Wek des Merdens Wir beginnen mit der Mathematik, wenden uns dann zu vermoben find. den in der anorganischen Natur fefffiellbaren Beziehungen, weiterhin zu denen der organifhen Natur, um fchließlid den Verhältnifien beim Menjcen eine befondere Betrachtung angedeihen zu fafien. Wir erinnern uns an jene bekannten „Örundfäße” der Euklidiichen Geometrie, etmwa denen, daß es 3wifchen zwei Punkten nur eine einzige gradlinige Berbindung gebe, die zugleich die kürzefte Entfernung zwifchen diefen Punkten daritellt; oder an den Sag, dah, wenn zwei Größen einer dritten gleich find, fic aud) unter fid) gleich find. Diefe Regeln heißen desbalb Grund fage, weil fie nur dadurd) bewiejen werden können, daß das Gegenteil als unmóglid) nadgemiefen wird. Auf die Frage, warum das fo ift, ift aljo bier die Antwort möglih: Weil es fo ift; eine Antwort, die 3. B. auf die Frage, warum eine Erplofion ftattgefunden babe, gan; und gar unftatthaft wäre. Hier haben wir alfo eine Tatfadhe des Seins vor uns, des urfachlofen Geins; und do baut fid) auf diejem Grundfat die gefamte Euklidifde und mit anderen Vorausfegungen überhaupt jede Geometrie auf. Daß die Winkel in einem Dreieck zwei Rechte, im Parallelogramm vier Rechte betragen, dic Radien in einem Kreife alle gleicy lang find; das Dejen der Rongruenz — und Ahnlihkeitsfäge — dies Alles beruht auf ihnen, genan fo wie alle höhere Abftraktion der mathematiihen Wiflenihaft. Nicht anders liegt es in der Lehre von den Körpern. Auch bier ift die Tatjace, dak ein Würfel von 2 Zentimeter Seitenlänge 8 Kubikzentimeter Inhalt bat, und daß man den Inhalt einer Kugel erhält, wenn man den Würfel des Kugelradius mit einem beftimmfen Grude multipliziert, nidt durch bältnis hervorgerufen, alfo aud) nicht burd ein ein urfählihes Berfolches zurückzuführen. Schließlich iff die gejamte Rechenkunft nebft ihren meifeften Abftraktionen, wie fie fid in der Algebra finden, doch nichts anderes, als die Entwicklung aus der Sablenreibe heraus, deren Zuverläffigkeit auf der nicht weiterhin erweisbaren Tatfache beruht, daß 1 und 1 = 2 Diefe wenigen, in der Philofophic ift. der Mathematik eingehend

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ITVpOeEeRnl RSAeTre MILpAasti örterten Cinfibfen in das Mejen diefer geheimnisvolien Wifjenichaft wären bier dem Laien in die Erinnerung zu rufen, zugleich mit jenem bedeutfamen, wenn auch gelegentlich beftrittenen Worte Kants, daß jede Wilfenfchaft nur jo viel Wahrheit in fid) fchließe, als fie Mathematik enthalte. Man könnte dies an den widtigften Problemen der Naturwifjenihaft namweijen, müßte dabei aber febr in Tiefe gehen und viel Sonderkenntnifje norausfegen. Wir dürfen davon Abftand nehmen; denn es läßt fic in der Tat in den oben erwábnten Einzelwiljenichaften außerordentlich viel diefes rein Mathematifchen nad)weijen, das fid den Sinnen unmittelbar darftellt. Beginnen wir mit den anorganijden Wiffenfcaften, jo drängt fid uns in der Form der Kriftalle das unmittelbar Hierbergebórige auf. Daß die Alaunkriftalle in ihrer Mutterlauge als Oktaeder erzeugt werden, ift jo unverbrüchlich, dah fic ‘aud nad) Verlegungen nur in diefer Gorm ihre Zeile neu erzeugen, und jeder Rriftall fo in feiner Weile. Ein ähnliches Veifpiel liefert uns die Struktur der hemifchen Verbindungen, die unter Umftänden ganz verjhiedene Körper SHeAEcN LNeAoSn oY. PETER d9 e [is St es nun im Organifchen anders? Da allem Organifden Materizlles zu Grunde liegt, fo gilt das Gejagte nafiirlic) auch für alles Organifhe. Wir kommen darauf zurück. Uber da gibt es viel gröbere Merkmale, die allzu leidyt überfehen werden, grade weil fie jo alltäglich find. Wenn die neuere Naturwmiffenfdaft die Formen der Bewádfe und Tiere als eine Anpafjung an thre Lebensweife, als „zweckmäßig” erklärt, fo ift fie, mie das fon oft betont worden iff, nur infofern im Recbt, als fie Ausgeftaltung und Um2eftalfung gegebener Organifationsmerkmale berückfichfigt. Ein Balfifd mag fit nod) fo febr dem Leben im Wafjer angepaßt haben: er Meibt dod) ftets ein Gaugetier mit deffen unverftörbaren Formmerkmalen. An den Pflanzen mag fid) der Stengel nod) fo febr den Lebensbedingungen rer Trockenheit burd Wafferanffpeicherung anpaffen: er bleibt doch fräts als nn te Rt ehe i n nn m > DU Stengel nad)meisbar. Und warum einige Stengel kantig, andere glaft find, ift wiederum nicht zu jagen. Die Blätter find durd jablreidhe Einrichtungen der Lichtaufnahme, der Waflerverdunftung dem Ablaufen des Wafiers, dem Schuß gegen Schädlinge angepaßt; dabei kann man fragen Warum? Aber warum es nierenförmige, fingerfórmige, gefiederte, gezackte Blätter gibt; warum überhaupt ein Kaftanienblatt ein Kaftanienblatt, ein Lindenblatt cin Cindenblatt ift, dafür iff wiederum nur die oben für die Geometrie gefundene Olntworf bereit: weil es fo ift. Denken wir nod) an Weiteres: an die Unordnung und Stellung der Blätter am Stengel, wie fie oft paarmeije oder kreuzweis oder [piralartig fteben; denken mir an dic Arten des Bliitenflandes; vor allem, um die Bedeutung des urjadlofen Prinzips einzufeben an die Gültigkeit beffimmter Zahlen verhäftniffe.e. Ganze Gruppen von Pflanzen gibt es, in denen dic Zahl 3 den Aufbau beberridt (Liliengewädje). Andere werden ebenjo von der Vierzabl beberricht. Wieder bei anderen herrjdt die Fünfzahl. Man weiß aud, daf nad) den äußeren Merkmalen der Staubgefähe, insbejondere nad) ihrer Zahl, Linné einft fein bekanntes Spftem aufgeftellt bat. Alle Meifter der Snftematik batten den tiefen Blick darftellen können, wenn fid) in der Struktur die Lagerung auch nur eines Moleküls verändert. Wir willen weder, warum dieje Struktur jo ijt, nod) warum fie fid bei der Einwirkung verfdiedener Körper auf einander in gefegmäßiger Meije herausbildct. Wir nennen dieje bejondere Einwirkung der Körper aufeinander ihre Wahlvermandtichaft; das periodifche Spftem der Elemente die Latface, da Schwefel und Eifen zwei, Koblenftoff aber vier Atome des Wafferftoffes an fib binden können, ift jo wenig, wie der Winkeljag der Dreiecke urfählicy erklärbar. Und doch beruht auf diejer Tatjache die ganze Welt der Erfcheinung der Organifhen Chemie. Man bat neuerdings mif feineren Methoden und auf Grund von fheoretifchen Erwägungen ganz tiefe Einblicke in das Wefen des Feinbaues der Rriffalle und des Geinbaues der Materie überhaupt erhalten, die nichts anderes find als ungeheure Ausbreitung unferer Gormkenniniffe und Gormenerkenntniffe ins Gebiet des unvorftellbar Kleinen. Hiernad ift in der Tat die Materie — wenn aud) bewegte Form, fo doch mindeftens and zunähft Form. 23 + ieee für die Form. Wir wiffen nun bereits, auf was es ankommt; wir können daher mehr zufammenfaffend von der großen Fülle der einjchlägigen Tatfacen berichten, die wir bei den Tieren und beim Menichen vorfinden. Jn der Äußeren Geftalt ift zunädft die Größe hervorzuheben, die für jede Tierart im Durhibnitt eine ganz beftimmte iff. Von diefer Größe hängt vielerlei Anderes ab, 3. B. die Art des Materials, aus dem die feften Teile des Es gelingt zwar, die Größe der Tiere und des Körpers gebaut find. iRTGSas Menfchen durd gute oder jchlechte Ernährung zu fieigern oder binabzudrücken. Aber im großen und ganzen ift fie ein erblid) feftes, unveräußerliches Merkmal. Zur äußeren Form der Tiere gehört ihr Bau nad) einem Symmetrieplan; fie find ftrablig oder fpiegelbildlid in zwei Hälften gegliedert. lle Tiere, nicht nur die Pflanzen, zeigen polare Anordnung, die den gejamten Körperbau ebenfalls in hohem Maße beherricht. Alle Zeile des tierifchen Körpers ffeben zu einander in einem ganz beftimmten 3ablenverbáltnis, das wir als Proportion, Kanon bezeichnen. Diejer Kanon iff zwar für jedes einzelne Dejen typifd ausgebildet, geftattet aber doch eine Berallgemeinerung wenigftens für einzelne Raffen und Arten, fodaB man 4. D. ohne wefentliche grundjäglihe Fehler befürchten zu müfien, aus einigen wenigen Shelettfticken den ganzen Körper wieder berftellen kann, eine Tatfache, dic auerft von Cuvier erkannt worden ift. Diefer Kanon feft fid) nun auch, wie wit heute wifjen, bis in die feineren und feinften Berhältniffe des Körpers hinein fort; jo wird 3. B. der Feinbau der elementaren Zeile des Körpers, der Zellen, davon durchaus beherridt, worauf wir hier nidi näher eingehen wollen.

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Etwas für den tierifhen Körper ungemein bedeutjanes find aud bier wieder die an ibm feffftellbaren Zahlen verbdltnifje. Die Wirbeltiere befigen zwei Augen, vier Ertremitäten, fünf Finger, cine beffimmte Anzabl von Sübnen, Schuppen, Wirbein ufw. Es gibt zwar allerlei Erklärungen dafür, wie die, daß die Vierzabl der Ertremitäten für die Unterftiigung des Körpers am günftigften jei; aber andere (wirbelloje) Tiere haben ja feds und mehr Ertremitáten? Ebenjo iff es mit der Fiinfzabl der Finger. Wir kennen bei Tieren zwar Fälle, wo deren Zahl fid) vermindert, aber kein ficheres Beifpiel einer Vermehrung, abgefeben von Wifbildungen. Die Zahl der fieben Halswirbel der Säugefiere mit ihren Rurzgedrungenen oder langen gejchmeidigen Hälfen auf irgend eine Urfache zurückzuführen, ift ganz vergeblih, während aud) bier die Abwandlung des gegebenen Berbáltnifies immerhin auf äußere urfählihe Einflüffe zurückzubeziehen fein dürfte. Sehr febrreid iff es nun, daß man auch im feineren Bau des Körpers ganz fefte Bablenverbaltniffe bat nachweilen können. Beftimmte Organe, namentlih die Sinnesorgane und das Nervenfyftem fegen fic) aus einer ganz beffimmten und ein für allemaf feften Zahl von einzelnen Sellen zufammen. Man kennt bei einigen niederen Tieren ganz genau 3. B. die Anzahl der Sellen, die das Nervenfyftem zufammenfegen. Man kennt dic Anzahl der Sinneszellen in der Neghaut und im Tonfinnesorgan. Neben diefen Zahlenverhältnifien fpielen auch bei den Tieren die feften und gegebenen Zormverhältnifie eine große Rolle, ähnlich wie bei den Blaftformen der Pflanzen.‘ Denken wir an die Haarformen des lockigen Europáers, des ftraffhaarigen Gelben und des kraushaarigen Negers, an die Form der Schuppen bei Fifhen, der Zähne bei Wirbeltieren, der Hörner, der Hufe, Krallen, Klauen, jo finden mir alles fo durchaus feft und beftimmt, daß allein aus diefen Merkmalen der Schluß auf die Befchaffenheit des ganzen Tieres móglid) wird. Schließlich würde hierher nod) gehören als wichtigjtes Merkmal, daß alle einzelnen Teile des Körpers in einer ganz beffimmfen räumlihen Wnordnung zu einander fteben. Warum das fo ift, iff wiederum nicht zu fagen. Das läßt fic) febr weit bis ins Einzelne verfolgen; beruht dod) die Möglichkeit aller ärztlihen Kunft auf der Tatfade, daß die Teile im menichlihen Körper nicht wirr durcheinander liegen, fondern bei einem Menfben fo wie bei dem anderen. Nur darum können wir im Körper an einer beftimmten Stelle auch das finden, mas wir fuchen, ja wir können nad Goethes großer Entdeckung fogar Unbekanntes an beftimmter Stelle als vorhanden erwarfen und antreffen, — ein unerhörfes Wunder, das wie der ewige Medel zwiihen Tag und Nacht, dem Menfchen nur zu gewöhnlich geworden iff, als daß er darüber ftaunte. Die Erforfchung diefer Beziehungen. wie überhaupf die Erforjdung all der genannten Tatfachen bildet den Inhalt einer großen, bedeutjamen Wiffenichaft, der Lehre von den Formen, oder wie fie Goethe genannt bat: der Morphologie. an — 2 une 25 In die Einzelheiten diejer Wifjenfchaft hier einzugeben würde bem Swed unjerer nicht für Fadleute beffimmten Darftellung jebr miderfprehen. Es mag genügen, hervorzuheben, daß von der wifienidaftliden Seite ber dic Aufgaben der Morphologie eben nur jo, wie gefcheben, zu erfafjen find. Es handelt fid) immer nur darum, das Wie der Anorgane und Organismen zu beurteilen und mit einander zu vergleichen. Dies läßt fid zwar in praktifher Hinficht nicht immer far von der Frage nad) dem Warum trennen. Grundfäglih aber handelt es fid) dabei ftäts um die Frage nad dem Bic, nad) den Formen. Cine folbe formale E€infid)t ift gegenüber der urfählihen Erkenntnis nicht etwa eine minder wertvolle, weniger wiffen{haftlide; fie befigt volle Gleichberechtigung mit ihr, wird auch genau mic das urjähhlihe Verhältnis nad) dem Sa vom Grunde erworben, nur nicht nad dem Gag vom zureidyenden Grunde des Werdens, jondern nad) dem Sag vom zureihenden Grunde des Geins, wie es Schopenhauer zuerft dargelegt bat. Diele Formenwelt befigt nun in der Welt eine jehr große Bedeutung und damit kommen wit, zurückgreifend auf das im Eingang Gefagte, zum zweiten midtigeren Teil unjerer Betrahtung. Schwer ift es, die Fülle des, Materials, das uns bei diejer Betrahtung zu Gebote ftebt, zu fibten und planmäßig zu gruppieren, aud) nur Einzelnes kann hervorgehoben werden. Dielleiht gelingt es am beften zu einem weiten Umblick ju gelangen, wenn wir den Wert der formalen Betrachtung in dreifacher Hinfiht unterfuden, nämlid a) den Wert, den fie befigt für unfere ErkenntnisvomWejen des Menfdhen und der Menfahecit, b) den Wert, den fie befigt für unfere Einfidtindas Defender Kun ft und c) den Wert, den fie befigt für eine tiefere Begründung des Wefens der Moral. Diefe drei der Betrachtung untermorfenen Gebiete decken fic ungefähr auch mit den Gebieten der Zivilifation (Menfd und Menjchheit), Kultur (Runft) und Religion (Moral), ohne daß volle Übereinftimmung bebaupfet werden und erjhöpfende Behandlung in Ausficht geftellt werden foi. da, In allen Betrahtungen menfliher Sivilifation und Gefhichte ftebt der Menfb im Mittelpunkt, als körperliches, als geiftiges Wefen, als Glied einer Gemeinjamkeit. Körperlich aber tritt uns zunächft jeder Menfdh eben infolge der oben von uns bervorgebobenen Bejonderbeiten der Formen als ein fo-feiendes Einzelmefen, ein durdhaus Einmaliges, nidt wieder zum zweiten Mal Vorhandenes entgegen. Gelbit Zwillinge, die aus demfelben Gi entitanden find, find einander frog größter Ähnlichkeit doch nicht fo ähnlib, daß fie mit einander verwechfelt werden könnten. Grade Menfden gegenüber, die wir nicht kennen, ift es wichtig, diefer Tatfad)e eingedenk zu fein. Die Menfchenkenntnis hängt ja von vielerlei Einzelheiten ab; aber der

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Eindruck, den das Außere eines ihm unbekannten Menjchen auf den mit der feiner Erbelemente 3war wirklich ein neues, aber wegen der Unveránderlid)heit Zormenfpradhe Vertrauten macht, gibt mit Recht meiff den Ausfhlag. Die Wiffenfdaft der Phofiognomik bat diefe Seite der infuifiven Erkenntnis weiter ausgebildet. Sie follte fid) aber nicht nur auf die Öefichtszüge und den Gefihtsausdruck beziehen, jondern das Mejen des ganzen Wenjden ins eben .diefer Elemente doch ein altes ift; vor allem aber gewinnen wir dadurd die erneute Beflätigung für das, was uns der Pbilofopb als Konftanz des empirifhen Charakters bezeichnet bat, und was Goethe bekanntlich in feinen orpbifben Urmorten ausgejprochen bat. Ange fallen, Geftalt, Haltung, Bewegung, wobei am ftärkften natürlich das Dies lehrt nun ‘alfo im Gegenfag zu den Betradtungen des Eingangs, Antlig wirkt; aber aud) Hand und Fuß befigen durchaus fymbolifdhen Wert, wie es Carus in feinem fônen Werke über die Snmbolik der menfdliden daß es in der Welt nidt nur ewigen Wechjel, emiges Werden gibt, Geftalt gelehrt hat. Man bat fon feit faft hundert Jahren unter den Körperbaufypen beffimmte, fic) häufiger geuppenweis wiederholende herausgefunden und diefe als Konftitutionstppen bezeichnet. Neuerdings iff man febr genai darauf - eingegangen und bat mebre folder Tnpen in wifienfhaftlid brauchbarer Meife abgegrenzt. Dem Konftitutionstppus übergeordnet ijt der Raffentppus, der fid) ganz ausfchließlih auf morphologifhe Merkmale gründet, wie Körperproporfionen, ‘Haarfarbe, Haarform. Je weiter man in das Mejen der Raffen eindringt, defto mehr erkennt man, daß fie, wenigftens die drei Haupfiypen, unter gar keinen Umftänden etwa Erzeugniffe des Lebens, der Umwelt, der Auslefe find. Sie find vielmehr ganz fiher 3 verfchiedene, in formaler Hinfiht coordinierte Ausprägungen des Species Menjd, efwa vergleihbar den 3 vermandten Elementen Chlor, Brom und Jod. In ihren Formelementen führen fie zurück auf ähnlich fefte Elemente der Urmenfd)beit, der VBormenfchheit und der Tierwelt bis in die fernfte Vergangenheit. Die Phnfiognomik bat indes nur dadurd einen fieferen Sinn, dah wir dem Körperlichen etwas Geiftiges zuordnen und annehmen, daß die körperlich von uns als etwas Befonderes beurfeilten Individuen und Jndividuengruppen aud feelifde Befonderbeiten befigen. Dies gilt vom einzelnen Menfhen ganz gewiß, weswegen wir eben Phnfiognomik freiben, um uns einer Einficht in fremde Charaktere zu verfihern. Ganz gewiß gilt es aud für die erwähnten Konftitutionstypen, denen, wie man {con feif alters weiß, ‘aber erft feit kurzem wirklid nafurwiffenfhafflih erakt begründet hat, beftimmte „Temperamente” eigentiimlid) find; mit diefen gehen aber aud) beftimmte Charaktereigenfhaften meift Hand in Hand. Weniger fiber bewiejen, weil erakf [mer bemeisbar, aber dod) in hohem Maße wahrfcheinlid) und durò vielfache Erfahrungen beftätigf iff es, daß and den einzelnen Raffen beftimmte feelifhe Merkmale erblih anbaffen. Wir wiffen nun, daß ein großer Teil diefer körperlichen und feelifden Merkmale, die wir alfo unter die urfadlofen Formmerkmale einzureihen buben, erblid find. Wir nehmen aud an, daß der Erblibkeit irgendwie geftultete Elemente zu Grunde liegen, dur deren AUnmefenbeit, Überfragung und Nenkombinafion die Gefamtheit der Menfhbeif fib im wefenflihen gleichbleibt, während jedes neue Cinzelwefen durd die Neukombinafion — jondern im Gegenteil ein ewiges Sein und Bleiben, das in feiner Weife einen nicht minder gefpenftifchen Eindruck erweckt, als jener raftlofe Medel. Die Weltgejhichte gewinnt, fo betrachtet, auch einen anderen Sinn. Man kann allerdings aud) von äußeren Ausgängen ber zu der Auffafiung gelangen, daß, da die Menfchen fid im wejentlichen gleid bleiben, in der Gejdichte eigenflich nichts Neises gefdebe, und daß fic ftáts das felbe Bild zeige, bei dem nur die Perfonen wechjeln (Schopenhauer), Man kann aber aud) jagen, dab zunädit einmal, abgefeben von allem Übrigen, mirklid das in den Menfhengruppen (Raffen) Ge gebenc zum mindeften einen Teil der behatrliden Bedingungen der Gefhidhte darbietet, vielleiht eben grade jenes Urgefpinft, in das der Cinfdlag der einzelnen Gejdebniffe bineingemoben wird (MNornenfeil!). Diefer Einjdlag zwar liefert die bunten und trog jenem Urgemebe immer neuen Bilder, die uns bei dem Begriff Gefhihte zunädhft vor unjer geiftiges Auge freien. Hier ift die Geihichfsforihung beim Aufiuhen der Bedingungen am Werke („wie es gemefen iff”). Dem So-Seienden, formal Beharrenden wird dabei anjcheinend weniger Werf beigemefjen; Gefege und Regeln in der Gefdidte werden meift nicht anerkannt. ber es iff lebrreid), dem Gedanken eines neueren Philofophen (Simmel) zu folgen, der uns darlegt, daß fid die Gefdidte, wenn dies nur ihr cigenffes und einziges Gejchäft wäre, fejtzuftellen, „wie es gemefen fei”, ala Wiffenjchaft felbft jerftóren miiffe. Die Schladt bei Tannenberg 3. 3. fest fic fdlieflid zufammen aus unzählbaren Warfdyfhritten, Handbewegungen, Schüffen einzelner Soldaten Würde aber die Táfigkeit jedes einzelnen Soldaten in erakter Weile Gegenftand biftorijd)er Erforibung, und würde diefes Material dann bekannt gemacht, fo würde damit das hiftorifhe Ereignis jelbft aufhören, für uns faßbar zu fein. ‘Fafbar wird es uns und Wert gewinnt es für uns erff, wenn wir . nidf den Einfchlag, fondern das Urgemebe erfhauen, den Geift des Geldberrn und die Oeifter der Helden überhaupt, die, feit es eine Gefchichte gibt, als Retter in der von feindlider Ubermadt drohenden Not eigentlich ftäts dic gleihe Entfheidungsihlaht mit dem unwabhrideinlidjten Erfolg begonnen und fiegreid) fchlugen, heiße fie Marathon, Salamis oder Lechfeldfhlacdht oder Leufben oder Tannenberg. Sobald es daher die Beihichtsforihung auch als ihre Aufgabe anfiebt, in das Wefen der großen, gefhidhtlihen Perfinlibkeit Einfiht zu gewinnen

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und ihren Einfluß auf die Geftaltung der Gefcidte nadyzumeifen, fo ftebt fie offenbar nicht mehr allein im Dienfte einer Urfachen- oder Bedingungspiffenfhaft: denn jeder große Staatsmann, jeder große Feldherr ift im Sinne unferer obigen Darlegungen die Erjdeinung eines So-Seins, eine Ge ft alt; der Staat, den er gründen, die Shladt, die er fdlagen will, jteht wie ein etfdaufes Kunftwerk vor ibm. Aud die Gefchichte aljo treibt hier Formenkunde in einem ganz weiten und bedeutungsvollen Sinne. juungen von U. Lorenz aber finden wir ganz neue und aufiblubreiche Feftffellungen, die ihren Wert gerade für unfere Betradytung befigen. Lorenz ift es môgli gewejen, in den mufikalifben Runftwerken (außer den uns bekannten Gliederungen in einzelne Säge und Gaffeile) eine ganz beftimmte Urditektonik nad)j3uweijen; der Strom der Mufik fließt nicht nur in dem Wechiel von „Einfällen” und deren Durarbeitung fort; unfere Volkslieder und Chorale gliedern fic bekanntlid) meift in paatige Wbjdnitte von gleicher Taktzabl nebft einem ,Abgefang”. Warum das fo ift, warum gerade . b, Hier find wir bereits dem Punkte jebr nabe gekommen, wo mir von der formalen Setractung Einfiht in das Dejen der Runft erlangen können und zwar Einficht fomobl in das Mejen der Form, in der das Runftwerk erjdeint, als auch in die Beziehungen, die zwijchen dem Künftler und jeinem Aunftwerke beftehen. Die Bedeutung des Morphologifchen für die Erjdeinung des Aunftwerkes nun läßt fid) nirgends fiefer erfaffen, als bei der gebeimnisvoliffen der Künfte, der Mufik, weil das durch diefe Kunft für unfere Sinne Ausdrücbare aus der Seele des Riinjtler3 heraus ohne Bermittlung des Verffandes für uns nur Objekt werden kann, wenn es in bejtimmte, einfahe Zahlenverhältniffe eingeht, die mif denen der Matbematih allernidfte Vermandtidaft befigen. Diefe Sonderart der Mufik kannten eben bereits Pythagoras und Platon; nad) ihnen verfuchten £ e i bnij und Schopenhauer das Geheimnis diefer Runft in Worten auszudrücen. Jn der Mufik berrihen durdyweg ganz eigentiimlide Formgefeke und Regeln, fon dann, wenn wir ihre beiden Beftandteile betradten, Rhythmus und Melos; im Rhythmus erfheint das AUrchitektonifche nicht für das Auge im Raum, fondern für das Ohr in der Zeit als Takt und Zeitmaß; im Melos gefellt fid) dazu die geheimnisvolle Wirkung von Zahlenverhältniffen, wie fie in den Tonarten, Zongefchhlechtern und Tonintervalfen laut werden. Das eigentiimlide Wefen jeder Tonart und worauf ihre fefte Beziehung zu feelifchen Vorgängen in Künftler und Hörer jelbft beftebt, iff nur fcledhthin feftitellbar, nicht erklärbar. Von den Vorgängen bei der Empfängnis des Kunjtwerkes in der Geele des Künftlers wiffen wir zu wenig. In den hödjit verdienfivollen Unter- Von den Zongejchlechtern kennen wit heute fogar nur zwei, während die Griechen deren fieben feelijd verihieden empfunden haben follen. Da es fic bei diefen beiden Gejchlechfern, Dur und Moll, einfad um den Unterjdied einer kleinen Terze handelt, alfo um eine ganz jdlidte Zahlenbeziehung, fo ftehen wir hier vor dem völlig Gebeimnisvollen, daß zin derarfiger Unterjdied, wenn er als Klang auffrift, die tiefften feelijen Wirkungen ausübt (Sfotde: Wie lenkt’ er ficher den Riel! ...), und daß man nidt ohne Grund den Charakter ganzer Völker nad) der vorherrfchenden Art ihrer Volksliederweifen alg Dur- und Moll. Völker, aud) Komponiften derart als Mofl- oder Dur-Charakter bezeichnen dies architektonifche Verhältnis den ergreifendften Geelenregungen als Uusdruck angemeffen ift, wifjen wir nicht. Diejelbe Gliederung kehrt aber, mic Lorenz gezeigt bat, in allen großen, mufikalifchen Kunfiwerken wieder, einfac, kombiniert, in immer größeren Berbältnifien gegeneinander geftellt und zu Einheiten zufammengefaßt aufeinander getiirmt. Lorenz vergleicht gerade dieje Architektonik mit der Form der Raturgegenfiánde, dem Tier, der Pflanze, mit dem Unterfchiede nur, daß es fid um keine Gliederung im Raume, für das Auge durch Architektonik, handele, jondern um eine Gliedetung in der Seif, für den Tonfinn, durd) Rbothmik. Das Wejentlichite if dabei nod) nicht einmai, dab Lorenz eine jolbe Gliederung überbaupt nad)weift, jondern da er die Empfindung für dieje, von ihm jogenanntce Großrhythmik in der idaffenden Scele des Riinfflers nacmeijen Rann; bereits zu einer Zeit, wo dem Zondichter dic Melodie (der „Einfall”) nod) garnicht in beflimmter Geftaltung vorgejhwebt bat, ift dies Gefühl für dic Taktzahlen vorhanden. So bat Beethoven einmal in feinem Ghizzenbuò einen folchen 12 faktigen Abjchnitt notiert, ohne das Motiv, das [pater an Wagner diefer Stelle vorkommt, zu kennen. Berichtet wird uns auc, dag feine Pattituren zuerft vollftändig mit Takteinteilungsftrihen verfeben hat, in die er die Mufik dann erft fpáter eintrug, ohne nötig zu haben, die Linieneinfeilung, die er als die wefentlidfte Arbeit anfab, zu ändern. Lorenz erklärt diefe unerhörten Tatfaden dadurd), daß er auf jenen „metapbpfijchen Kern” des Kunftwerkes zurücweilt, den großen Augenblick der Infpiration, in dem der Künftler „die Kraft bat, das ganze Werk in einer Sekunde von Anfang bis zum Ende in fid) zu fehen.” Da von S diller ähnliche Jeugniffe vorliegen, fo dürfte wohl in allen Künften darin Einheitlichkeif befteben, da dic Geburt des Kunftwerkes ein Augenblick des plaftiihen Schens einer Geflalt, wie fie Schiller nennt, ift. In diefem Augenblick find die Wege denn nod) nicht gejpalten, die zur Plaftik (Raum) und zur Ahnthmik (Zeit) führen. Die von Lorenz betonte Übereinftimmung 3wifchen dem ichaffenden Künftler und der fhaffenden Natur ift für unfere Darlegungen ganz bejonders wichtig, weil hierdurch bas Naturvollkommene und das Kunftjhüne nebeneinander treten, ja, als ein- und basfelbe erkannt werden

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veil om werden, er. minor ate: als Erjdheinung zu det Empfindung des fchaffenden Künftlers fo verba. wie die Geftalten ber Natur zur fhöpferiihen Kraft. Diefe Geftalten . Natur, die fog. Urformen, die Goethe im Fauft aud als . : Mütter bezeichnet, nennt er in feiner Naturwiffenfdaftliden Sprache . Urpbánomene; diefe find genau das, was Platon in «Limaens” , feine Jdeen-bezeidnet bat. Es wäre dann alfo auf eine kürzefte Gorn :. gebracht, fo dag wir aud in dem vollkommenen Kunftwerk ein Urpb.i er Natur, alg Perfon indes eben diejer Perfonlibheit aud) wieder aworfen. Eine eigentümlihe Freiheit, die Greibeit vom Gefeg des Dens und Vergebens ift ja auch das tieffte Wefen aller Formen neben Unfreibeit als Erfheinung Iblecbtbin. nod einer legten Bedeutung der formalen Betrabtung der Welt nadgeb:: * vor allem das Potbagoräifhe als lebendig ur: M Gliegt and unjere Ethik aus ganz anderen Quellen mie bei den Alte: Et fo ift es dod) nicht umfonft, wenn aud nur faftend bebauptend der Grau Y nachzugehen, ob aud) unfere Ethik Beziehungen zu jenem großen Geifter. * teid) der Pptbagordifhen Formenwelt befigt? Gewiß wird für die Potbag:- ráer eine folde Beziehung beftanden haben. Aber mie fteht es für uns” Es ift doch wohl keine fchönklingende Phrafe, fondern ein Ppihagoräifck: Gedanke, den Kant am Sehluffe feiner Kritik der Praktifdhen Bernun: anspricht mit dem Vergleich 3wifchen dem moralifden Gefeg in uns nn: dem Geffirnten Himmel über uns. Die Mathematik der Aftronomie, Rott. mus, Tempo vereinigen fid) in diefer Erjheinung des Geftirnten Himmel zu dem [hönften Anblick, den der Menfch genießen kann. Hier glaubte die alten Pofbagoräer ja die Mufik der Spháren zu vernehmen. D Mir kommen zum Schluß. Was wir auszudrücken verfucht haben, läßt n Kürze fo zufammenfafien. Wir haben gezeigt, daß es in der phnfifden ein Formenreid) giebt erkennbar und anfhaubar nad) ganz bejonderen ein, nidt dem Warum fondern dem Wie erfafibar. Diefe Sormen en auch in der geiffigen Welt ein mádtiges Reid. Es gehört diefem ce an in der Ge { d i d te die Cinfidt in das Urgefpinit alles Gefchebens, lid) die Konftanz des menfdlicden Charakters, dic Konftanz der menjd)- m Rafjen, die konftante Einwirkung diefer gegebenen Größen auf die &ichte. In der Kun ft fpielt die Gorm die größte Rolle, aber nicht nur der äußeren Erfcheinung, der Architektonik und Rbhythmik des Runftkes, fondern aud) bei der Entftebung des Aunftwerkes in der Seele des filers. njden von bloßen Gattungswefen, Individuen zu Perjönlichkeiten. Die Disharmonien im Lebe: : ein göftlicher Plan Alien bewußt wäre und die Bahnen zu diefem Ziele wieje Lu boSch, 4”. | © Dadutd wäre dann aud) notwendig ein Zeitmaf beftimmt, in dem jede Sam Einzelne feine Schritte dem Siete zuzulenken hatte. Die Menfchheit würd: ‘SÉ bach hiv kim co À. Hythe pores meiffers zu einem richtigen Seitmaß angeleifet wird, um ein mufikaliihe: dia hierin dann einem Orchefter gleichen, das durch den Zaktftock des Rapell A Pay rece her aFes Form nad3ujdaffen, in der. die fhaffende Seele de: tet Rünfflers es einft erichaut bat. Der Seber, Philofoph, Menfchheitsbildne Sis wäre jener Kapellmeifter, der mif feinem Taktftok die Menjhbeit ein: ke göttlihe Symphonie verwirklichen liege. R. Wagner ift es, der dies tiej Y finnige Gleidnis ausgeiproden bat in dem von ihm beridteten mabrbai Hi de ; In der Ethik endlich führt die Borftellung eines freilid) nur Ideal erkannten Suftandes dazu, fic) diejen Zuftand als Verwirklichung t Grofthythmik zu denken, als das Ergebnis der Entwicklung der des Einzeinen und im Leben der Völker wären indes weit geringer, würde: ; fid) vielleicht fogar gar nicht finden, wenn gemeinjame Ziele bekannt wárer Poe én; weihen Gang fie ju nehmen Art die Perjönlihkeit, d. y. Freiheit und Unabhängigkeit vom Medanis- Cc, Kunftwerk in der wird nod einmal das Scepter der Seit e Gefttrne, bewegenden Menjdbeit, alfo eine Architektur in dergleiche die h pe Bewährung der Gittlipheit. Das aber iff Ihließlic an die Kant denkt, wenn er:an jener berühmten Stelle die Pflicht, unbedingte moraliihe Geleh preift und als ihren einzigen Urjprung Damit könnten wir jchließen, wenn wir nicht unferem Bornebmen getr Menfbenmelt find folde Harmonien fremd. i t ibm mobi vor die Erjdeinung einer fid) nad) einem Srofrhythmus, nomen zu erkennen hätten. mollten, in der fi . mirkfam ermeift. . ; Alles Ende am ja kommt Tempo das „Auf a wiie, RE @Benns, Harmon abotbmu Schönheit finden fid) dann {don von felber*; fo + SOEUR, 205-at--DerTat aud die klaffifhe Auffaffung, 3. Y. | “Os the 8, der ein Runflwerk dann {din nennen wollte, wenn es . obOMaeyT 5 2. B /6 - 3 Normal br, f Por Loser cs OA A . 4pra her MCT ea