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98
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DIE LITERARISCHE FORM DER SPATANTIKEN oa
PHILOSOPHENROMANE
ANTON PRIESSNIG / INGOLSTADT
Seit Friedrich Leo unterscheidet man hinsichtlich des formalen Aufbaus drei biographische Schemata, nämlich die Anordnung in zeitlicher
Reihenfolge, in sachlichen Rubriken oder in Tugendkategorien. Bei
den Wundertäterlegenden oder -romanen sind daneben auch drei Typen
inhaltlicher Stoffgestaltung bedeutungsroll, nämlich die kunstlose, volkstimliche Aretalogie, die Abhandlung im biographischen Rahmen, die
Biographie natürlichen und tibernatirlichen Fortschreitens. Bisher untersuchte ich bezüglich ihres nicht ganz einfachen literarischen Charakters
und ihrer biographischen Formen die griechischen christlichen Heiligenlegenden (Múnnerstadt 1924) und die Patriarchenbiographien Philons
von Alexandrien (Monateschrift f. Wissenschaft n. Geschichte des Judentame, Breslau 1929). Jetzt will ich die neupythagoreischen und neuplatonischen Philosophenromane behandeln.
PHILOSTRATOS, LEBEN DES APOLLONIOS VON TYANA
Tú és zb» Tvavéa ’Arollavıov, von Philostratos vor 217 verfaßt,
A. Allmähliche Entwicklung des Apollonios zum wundertätigen Phisophen (Bch. I-II).
Ia) Jugend: 4 Wunder bei der Geburt, Bch. I cc. 4—6 = 1 4—6;
b) Pythagoreische Lehrzeit in Aga: Asketische Entwicklung I 7, 8,
13, 14; Anfänge übernatürlicher Fähigkeiten I 8,9; 12, 15.
Il. Große Bildungsreise bis nach Indien zur philosophischen Vervollkommnung (I 18—III Ende): Förderung durch Araber (1 20) und
die Magier (126). Als Frucht gründlicher Unterweisungen erreicht er
bei den indischen Brahmanen die wissenschaftliche Geistesvollendung
(TI 18—37, 41-49). — Noch sind die Wunder nicht häufig (I 19, 20,
22, 23, 34 u. 37); doch führen dem Ap. seine indischen Lehrer eine Fülle
von Mirakeln vor: 16 Naturwunder (III 13—16, 27), sieben Weissagungen
(UI 12, 16, 21—24, 50), sechs Heilungen (III 38—40).
B. Apollonios als vollkommener Philosoph im Glanze höchsten Ansehens und im Vollbesitz übernatürlicher Kraft, Bch.IV—V1: Seine Rundreise zu allen Küsten des gesamten Mittelmeeres gestaltet sich zu einer
endlosen Huldigungsfahrt. Überall tritt er als Reformator im Sinne des
Neupythagoreismus und der Neusophistik auf ‚z.B.
V1 2, 5, 9 (Ionien),
19 (Athen), 31—33 (Sparta). In VI 5—22 überführt er die überall aufs
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A. Prießnig: Die literarische Form der spätantiken Philosophenromane
25
der Schilderung der Glanzperiode (B), endlich die Vorführung des sittlichen und übernatürlichen Héhepunktes in C.
Freilich ist es der schriftstellerischen Kunst des Philostratos nicht
ganz gelungen, die Spuren der ursprünglichen volkstümlichen Legenden
zu tilgen. Schon die Form der Vita als Reiseerzählung erinnert allen
sehr an die so beliebte Reisearetalogie: 1 18—III Mesopotamien und
Iran, Indien, IV 1 Kleinasien, 17 Athen, 39 Rom, V 1 Spanien, 11 Sizilien, 18 Griechenland, 24 Ägypten, VI Äthiopien, VI 37 Sardes,
41 Hellespont, VII Italien, VIII 15 Hellas und 24 Kleinasien. In echt aretalogischer Weise überschüttet uns Philostratos mit einer wahren Überfülle von Exkursen, die groBenteils fabelhafte Wunderberichte von fernen
Landen, viel seltener wirkliche wissenschaftliche Belehrungen enthalten
(in den Büchern II—IMI allein 29 Exkurse in 100 Kapiteln!). Die einförmigen Wunderhäufungen in B erinnern wiederum an eine andere
aretalogische Gattung, die religiösen Wunderaretalogien. Die Eigentimlichkeiten einer dritten aretalogischen Spielart, der religiösen Predigtaretalogie, treffen wir vielfach in den Reden der Vita. Nicht weniger
als 70 Reden sind förmliche aretalogische Exkurse, Denn sie wollen in
erster Linie irgendwelche Aufklärungen über Wissensgebiete, z. B. Naturgeschichte, Kunstästhetik, Mythologie liefern, weniger den Helden charakterisieren; zudem sind sie ziemlich breit wiedergegeben, während in
der echten, strengen Biographie lediglich kurze Apophthegmen erlaubt
sind. Wir sehen also hier jene drei Elemente (Reisen, Wunder, Predigten)
beisammen, aus deren Vereinigung die Missionsaretalogie ensteht.
Endlich können wir unser Werk auch teilweise als eine philosophischreligiöse Belehrungsbiographie erklären. Merkmal derselben ist die straffe
Konzentration der ausgesprochenen Ideen und Tendenzen in wenigen
großen Reden, die durch einheitlichen, systematischen Aufbau wissenschaftlichen Abhandlungen gleichen. Solche rhetorische Meisterleistungen
sind die Rednerwettkämpfe zwischen Euphrates, Dion und Apollonios
über die Monarchie (V 33—35) sowie zwischen Thespesion und Ap.
über die beste Philosophie (VI 10—11 — 8 Seiten), endlich die sorgfaltig
stilisierte Apologie des Ap. vor Domitian (VIII 7 = 25 Seiten). Freilich
sonst wählte Philostratos lieber den bequemeren aretalogischen Weg, einzelne Punkte zwanglos und unsystematisch in verstreuten Reden zu behandeln.
FORMALE GLIEDERUNG
In formaler Hinsicht war für Philostratos Vorbild das peripatetisch-plutarchische Schema mit zeitlicher Anordnung der Taten und der zahlreichen
kurzen, charakterisierenden Aussprüche. An das erzählende Enkomion erinnert neben der Tendenz zur Verherrlichung des Ap. die Synkrisis (VIL2,3).
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g VON IAMBLICHOS
BIOGRAPHIE DES PYTHAGORA
lich aus Chalkis
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Lebensgeschichte
theologische Belehrungsbiographie. Für sie ist die
27
bloß eine literarische Einkleidungsform um das eigentliche Thema, die
Aufklärung über die pythagoreische Philosophie, weniger trocken und
gelehrt erscheinen zu lassen; denn die philosophische Abhandlung umfaßt in BIb und JI über ein Viertel der Vita.
Ein übernatürlicher Aufstieg ist nur bis zur Lebenshöhe, und zwar
bloß in groben Umrissen gezeichnet. Es werden gerühmt: in A göttlieber Ursprung ($$ 5—8); in BI sechs Mirakel ($$ 36, 60—62, 63);
auch einige Wunder in II (§§ 65, 91—93); in B IIIa werden nicht weniger
als 18 persönliche Wunder aneinandergereiht, von denen allerdings fünf
schon früher erzählt worden sind (§§ 134—136, 141—143); darauf
folgen in B IIle wieder drei Wunder. Leider fehlen gerade beim Lebensende des Philosophen Wunder, welche dessen so traurige Begleitumstände
ausgleichen könnten. lamblich ließ sich eben bei der Anordnung der
Wunder lediglich von rein rhetorischen Gesichtspunkten leiten. Darum
stellt er genau so wie Philon von Alexandreia in seiner Biographie
des Abraham die wunderbegleitete Frömmigkeit als die erhabenste Tugend
wirksam an die Spitze der Charakteristik Die Freundschaft als die
typisch pythagoreische Tugend (vgl. $ 229) erhielt die ebenfalls auszeichnende Stellung fast am Schlusse. Den Mannesmut des Philosophen
vor dem Tyrannen Phalaris reiht lamblich als das drittletzte Glied ein.
Diese wunderbegleitete Episode bildet so eine trostbergende Vorbereitung
des Lesers auf die traurigen SchluBkapitel.
Durch dieses ruhmvolle
Gegenstück erscheint die letzte unselige Verfolgung weniger als ein
hoffnungsloser, unwürdiger Rückschritt. Freilich die höchst ungeschickte
Einschtebung der nichtssagenden Nachträge in IIl
g, die am störendsten
wirkt, läßt sich durch nichts rechtfertigen.
Im Vorausgehenden lernten wir eine Reihe von Verstößen Iamblichs
gegen die vollendete schriftstellerische Kunst kennen: 1. die Auseinanderreißung sachlich zusammengehöriger Abschnitte in BII (vgl. die Aufbauskizze); 2. die stilwidrige Vermischung des suetonianischen und panegyrischen Schemas; 3. die überflüssige Wiederholung einiger schon
früher erzählter Wunder in B Ila; 4. die Sprengung des strengen biographischen Rahmens durch die Tatsache, daß in BII und noch mehr
in der anscheinend rein persönlichen Charakteristik des Philosophen
(B II) neben Pythagoras seine Schüler gleichberechtigt berücksichtigt
sind; 5. die Durchbrechung des Aufstiege durch das Streben nach rhetorischem Effekt und nach inhaltlicher Vollständigkeit. — Dies alles
verrät sehr
lockere
Komposition.
Doch
kann
dies
nicht
leichtfertiger Flüchtigkeit geschehen sein. Die hohe Verehrung der NeuPlatoniker für Pythagoras verbot dies. Vielmehr wollte lamblich hierdurch die volkstümliche Wundertäterlegende, die Aretalogie, in ihrer
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ung
kunstlosen Eigenart nachahmen, auf die ja auch die Zusammenball
der Mirakel zu drei Gruppen hinweist.
PORPHYRIOS, LEBEN DES PYTHAGORAS
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SKIZZE DES AUFBAUS
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1—10 bzw. 11-17).
A. Abstammung und Lernjahre (cc.nshö
he.
IVs) theurgisch-mystische Wissenschaften (cc. 26—29);
I. Öffentliches Leben:
= Erzählung vom Tode (cc. 35—38).
b) unmittelbarer Verkehr mit den Gottheiten (cc. an
B. Wirksamkeit in Italien als Lebe
ien (ce. 18—22);
a) GroBartige Erfolge in Italien und Sizilcc.
b) Wundertätigkeit, sechzehn Mirakel in 23—31.3), Lebensweise
I. Privates Leben: Verkehr mit Freunden (cc. 32-3
(ce. 34—35), Opferdarbringung (c. 36).
0); Symbolik (ce. 41
III. Darstellung seiner Lehre: Ethik (ce. 37—446—5
3).
bis 42); Verbote (cc. 43—45); Metaphysik (cc. 54—5
7); Fortblühen
(ec.
Pyth.
des
Tod
C. Pythagoreerverfolgung und
ie Tugendarteau n werden
werde: dadurch zu einer Einhei
inheit verknüpft,
(e. 21), BIL (co, 24—25), in kühner Umdeutang auch schon in AI
(nach e. 3 Sipnesschärfe = Einsicht, Kraft = Tapferkeit, Schönheit —
MaBhalten, Gesundheit = Gerechtigkeit); vgl. auch die Deutung der politischen als gewissermaBen kathartische Tugenden (c. 18).
Der
FORMALER AUFBAU UND INHALTLICHE STOFFGESTALTUNG
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Vert
Der
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FORMALE GLIEDERUNG
einen zusammenhängenden und len Gli ation
Freilich treten
Formal liegt bier eine suetonianische Biographie vor.
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die erzählenden Abschnitte A, Bla und Cngmitnach
sachlichen Rubriken
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der
gegenüber den 31 Kapiteln
ist die bedeutungsfast zu stark hervor. — Höchst anerkennenswderertallmä
en philosovolle Stellung, welche hier die Schilderung ausführlichehlich
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Herv
phischen Entwicklung einnimmt, ebensohedieder ungemein peinlorbe
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des Fortblühens der Schule, durch welcgemildert wird. Man kann Einalso
druck des Lebensausganges des Pyth.
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liegt
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hen.
sprec
hier wohl von einem natürlichen AufstiegBIb kein übernatürliches
wegen der Beschränkung der Wunder auftmige, kunstlose Aretalogie è
Fortschreiten vor. BIb ist als eine langa
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Belehrungsbiographie.
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BIOGRAPHIE DES PROKLOS VON MARINOlis
in Samaria. q
Marinos sus Neapo
Tigcxlos 5 seg! eòdesporias verfaßt nach 485 von AUS
SKIZZE DES AUFB
e seelische Eigenschaften 3
A. L. Angeborene leibliche und gewöh,nlich
ce. 3 bzw. 4—5).
des Proklos (Begabung, natùrliche Ethik
philosophischen 3
ahre bis zur vollendetenlung,
IL Seine Jugend und Lernj
cc. 6—13). à
Ausbildung (in Form einer zeitlich angeordneten Erzäh
B. Beschreibung der vollkommenen philosophischen Persönlichkeit à
nach den neuplatonischen Tugenden:
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in ihnen großenteils die vier Haupttugenden sich offenbaren In B Il
der Schule (cc. 58—61).
zu bezeichnen. Durch B III wird das Werk zu einer philosophischen
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au
1. doetalra
nolırıxal (vorbildliches Verbalt
erhalten gegenüber Behörden
ö
und
Verfasser will das äußere und in
der auf dem Vollbesitz der Tugend beraht; daher finden sich hier zwei
aaligpreisungen (ce. 2 u. 34). Das einfachste formale Schema wäre also
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er Panegyrikus gewesen. Doch wahlte Marinos, um den
F » ceva?ta mit den wichtigen Ereignissen deutlich schildern zu können
:
exandri isch-suetonjanische Schema. Freilich erfolgt die Beschreiung der philosophischen Persönlichkeit nicht in sachlichen Rubriken
m. : den Tugendkategorien des Panegyrikus (vgl. Friedrich Leo,
00een Me
vi,
8,
265—266).
ee Le va literarischen Form, Leipzig
DIR den chronologischen (A, C) und ke
Mit
höchstem
Geschick wird
Keen
ut gemildert, Denn die Tugendgattungen sind gewissermaßen
enng oon ig ste gemäß der zeitlichen Reihenfol
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rente Yolendang ARR
INHALTLICHE STOFFGESTALTUNG
ugendarten sind deutlich in einem Aufstieg
on„oberen und höchsten Stufen angeordnet (vgl. Fer3
von
ni
sia. en za BII, III und IVb).
Das sittlich-geistige Forta col em übernatürlichen begleitet und
fortgesetzt. Schon
Fi er
edad
wird Proklos durch vier passive Wunder ausgezeichnet
und III (cc. 20 bzw. 23) je einmal. Beim thenrgiochen
wird er durch sieben Mirakel begnadet, in IVb
fast durch
Page 5
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)die, gleiche Zabl noch höherer Wunder, die überdies durch ungemein
* ausführliche Erzählung noch besonders hervorgehoben werden. Sein
Tod ist ala Krönung des Ganzen ebenfalls durch drei Wunder verberrlicht. Freilich erscheinen so BIV und C als eine Wunderaretalogie,
die beinahe ein Viertel des Werkes umfaßt.
VERGLEICH DER SPATANTIKEN PHILOSOPHENROMANE MIT DEN
CHRISTLICHEN HEILIGENLEGENDEN
Der formale Aufbau ist mithin in den spätantiken Philosophenromanen ebenso wie in den Patriarchenbiographien Philons von Alexandreia vielseitig, abwechslungsreich und daher für den literarischen
Charakter bedeutungsvoll, während die christlichen Heiligenlegenden in
der Form ziemlich eintönig Plutarchs Schema folgen. Ein Hauptvorzug
der Apolloniosvita ist die Vorführung der allmählichen Entwicklung
und mühevollen Vervollkommnung des Gefeierten, während die Heiligenlegenden die Entwicklungsperiode nur kurz andeuten (mit Ausnahme
der Legenden des Symeon Stylites nach 459 und des Symeon Salos
nach 619). Die Reisen werden nur noch in der Melanialegende nach
440 ähnlich kunstvoll wie im Apolloniosroman mit der Entwicklung
verknüpft. In den Viten des Hilarion und Aberkios dienen sie bloß
zur aretalogischen Verherrlichung. Auch innerhalb der Hauptperiode
bis zum Lebensende weist der Apolloniosroman eine bewundernswerte
Steigerung auf; in den älteren Mönchsleben folgt hingegen auf eine
glanzvolle Höheperiode mit ruhigem Greisenalter und einsamem Tode
ein störender Rückschritt, dessen Überwindung der Hagiographie erst
allmählich gelang.
Freilich bot der Verlauf des Lebens des Apollonios mit dem Martyrium einen besonders günstigen Vorwurf. Und
doch hätte die panegyrische Form nach Art der Proklosvita des Marinos durch den Verzicht auf die zeitliche Reihenfolge es leicht ermöglicht, auch im Leben des Mönches bequem einen Aufstieg nachzuweisen.
Wie sehr such die suetonianischen Rubriken hierfür geeignet gewesen
wären, beweist uns Philons Mosesbiographie, die uns den Helden in
immer höheren Stufen als Volksführer, Gesetzgeber, Hohenpriester und -
Propheten darstellt. Sogar vom rein biographischen Standpunkt wäre
die häufigere Verwendung des suetonianischen und panegyrischen Schemas
in der Hagiographie segensreich gewesen; denn ersteres hätte davor
bewahrt, Kirchenfürsten und -schriftsteller lediglich als Asketen und
Thaumsturgen nach der Mönchsschablone erscheinen zu lassen; die panegyrische Charakteristik hätte gezwungen, auch die allgemein menschlichen Eigenschaften vorzuführen.