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Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Die Pythagorecs,
STER, ein
Punkte, su werden sie zu einem größenlosen Nichts, das auch zusamn
gesetzt keine positive Größe ergibt (‚Nichts kann an Größe gewin \42 o
25
+ „Was war, war immer und wird immer sein" heißt es in den
n erhaltenen Fragmenten ganz im Sinne des Parmenides.
Das
durch Hinzufügung von dem, was keine Größe besitzt“). Denken wir
Ez
Sesende muß ewig und unvergänglich sein, sonst wäre es aus dem Nichts
sie uns selbst als ausgedehnt, so wird das Viele zusammengesetzt ein
unendlich Großes ergeben. Nach dem zweiten Argument sind die Dinge,
wenn sie viele sind, zugleich endlich und unendlich an Zahl. Sie sind
endlich an Zuhl, denn sie müssen genau so viele sein, als sie sind, weder
HE
si
(>
entstanden oder würde in das Nichts vergehen, es muß unveränderlich
sein, denn alle Veränderung ist auch ein Entstehen und Vergehen, was
Melissos ausdrücklich auch auf die „Ordnung“ im Sein bezieht. Anders
mehr noch weniger. Sie müssen unendlich sein, denn sie werden immer
gegeneinander ubgegrenzt und damit durch andere Dinge getrennt sein,
ee
fy
daB das Seiende unendlich sei — wire es begrenzt, so wiirde es Anfang
und Ende haben und vom Nichts begrenzt sein, was räumlich so wenig
die selbst wieder gegen die benachbarten Dinge abgegrenzt sind.
In
ea
einem dritten Beweis scheint Zenon argumentiert zu haben: Alles ist im
Has tirule
wie zeitlich denkbar ist. Ausfiihrlich begriindet Melissos, daB die Welt
der wahrgenommenen Dinge, in der es ,,Erde und Wasser, Luft und
als Parmenides, der dem Seienden Kugelgestalt zuschrieb, lehrt Melissos,
Eisen, Gold und Feuer‘ gibt, in der ein Ding lebendig ist und ein anderes
Raum — also ist auch der Ruum in einem Raum — und so fort ins
4
Unendliche.
ay
tot, eines schwarz und das andere weiß, bloßer Sinnenschein sein muß:
a
wir glauben richtig zu sehen und zu hören, aber der Umstand, daß das
\
Die Argumente gegen die Realität der Bewegung hat uns Aristoteles
selbst erhalten. Am bekanntesten ist die amüsant zugespitzte Geschichte
i
Gesehene, Gehörte, Wahrgenommene in ständiger Veränderung sich bevon Achill und der Schildkrötg: Achill kann, wenn er der Schildkröte
rg
findet, daß das Lebendige stirbt und das Warme kalt oder das Harte
einen Vorsprung gegeben hat, sie im Wettlauf nie einholen, denn in der
Zeit, die er braucht, um die der Schildkröte vorgegebene Strecke zurückzulegen, ist die Schildkröte um ein wenn auch viel kleineres Stück
weitergekrochen, während Achill wieder dies Stück zurücklegt, ist sie
FAQ
Bi
Ga
ist
weich wird, kann uns beweisen, daß wir eben doch nicht das „Richtige“
wahrnehmen, daß die Dinge nicht sind, was sie zu sein scheinen,
Der Einfluß, den die eleatische Schule auf die Folgezeit geübt hat,
ist ein nachhaltiger und starker. Die Schärfe und Konsequenz ihrer
abermals ein wenn auch noch kleineres Stück vorangekommen — und
5%
Begriffsbildung bleibt vorbildlich, die Schwierigkeiten aber, die sich
so fort ins Unendliche. -Der Kern des Arguments ist kürzer in dem
‘i
gerade aus dieser Begriffsbildung für eine fruchtbare Physik ergaben,
anderen bloßgelegt: Du kannst nie an das Ende einer Rennbahn gelangen,
ca
enthielten Probleme, die gebieterisch eine Lésung verlangten. Ehe wir
denn Du mußt von der gegebenen Strecke erst die Hälfte, von dieser
FI
uns aber der von den Eleaten beeinflußten Philosophie des 5. Jahrhunderts
zuerst wieder die Halfte usw. in infinitum zurücklegen — wie sollte man
in einer endlichen Zeit eine unendliche Anzahl von Strecken zurúcklegen? Drittens: ‚Der fliegende Pfeil ruht‘, denn er ist in jedem Augensà
#8
et.
im Zusammenhang zuwenden, miissen wir cine philosophische Schule
besprechen, deren Anfänge weit in das Altertum hinaufgehen und die
sich auf der anderen Seite länger als irgendeine der vorsokratischen
blick an einem bestimmten Punkt, an einem bestimmten Punkt sich
ie
befinden heißt ruhen, ruht aber der Pfeil in jedem Augenblick seines
Rea
Fluges, so ruht er auch im Ganzen seiner Bahn, Das vierte Argument
Bee
Schulen lebendig erweist: die Schule der Pythagoreer.
stützt sich auf die Relativität der Bewegung. Bewegt sich eine Anzahl
Ba
a
Die Person des Pythagoras selbst ist in späterer Zeit so stark von
entgegengesetzter Richtung bewegter Punkte vorbei, so legt sie in der
gleichen Zeit eine kleinere und größere Strecke zurück, wir müssen ihr
ES
ES
der Sage umwoben worden, daß es nur schwer möglich ist, historisch
Sicheres über ihn, seine Lehre und sein Leben auszumachen. Schon
von Punkten zugleich aneiner Anzahl ruhender und einer Anzahl in
gleichzeitig verschiedene Geschwindigkeiten beilegen, je nach der Punktreihe, auf die wir vergleichend ihre Bewegung beziehen.
Sinn und Ziel gieser scharfsinnigen — namentlich im 17. und 18.
ae
1]
peg
Jahrhundert
das philosophische Nachdenken immer wieder beschäftigenden
(sce
das Seiende als Vieles und bewegt denken, wir uns in einen Widerstreit
GEL
Antinomieen ist bei Zenon natürlich nur der, zu zeigen, daß, wenn wir
, verwickeln, also das Seiende nur Eines und unbewegt sein kann.
Der dritte Vertreter der eleatischen Schule ist Melissos aus Samos,
derselbe Melissos, der im Jahre 440 die uthenische Flotte vor Samos
4. Die Pythagoreer.
Aristoteles spricht ausschlieBlich von einer Philosophie der Pythagoreer,
auch ihm haben also schon offenbar weder Schriften noch zuverlässige
Nachrichten über cin Lehrsystem des Pythagoras selbst vorgelegen. Wir
wissen, daB Pythagoras aus Samos stammte, daB er jung nach Unteria
italien«auswanderte und daß er"älter als Heraklit und Xenophanes war,
iS
des 6. Jahrhunderts über Griechenland sich ausbreitenden orphischen
er
bewegung wesentlich beeinflu8t war. Die Orphiker waren eine
ne
die ihn beide erwähnen. Ferner steht fest, daB er von der seit der Mitte
m. Dienst des thrazischen Dionysos geweihte Religionsgemeinschaft, die
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auch allerhand theogonische und verwandte Gesänge zugeschrieben wurden.
Das wichtigste und eigentümlichste Bestandstück der orphischen Lehre
war der Glaube an die Seelenwanderung, an den Kreislauf der Wiedergeburten, die die abgeschiedene Seele in Menschen- und Tierleibern durchzumachen hat.
Wie dieser Glaube entstanden ist, läßt sich historisch
nicht mehr ermitteln, daB er, wie Herodot meint, aus Agypten stammt,
ist nicht gut môglich, da die Agypter selbst den Seclenwanderungsglauben
nicht gehabt haben, Pythagoras war offenbar ein Anhänger der Lehre,
es ist uns eine Stelle bei Xenophanes erhalten, an der sich dieser spöttisch
äußert, Pythagoras habe im Heulen eines Hundes die Stimme eines verstorbenen Freundes zu erkennen geglaubt. Die religiösen Vorschriften
und Riten der orphischen Gemeinschaft waren vielfach durch die Lehre
von der Seelenwanderung bedingt, so das Verbot des Fleischgenusses,
dus sich aus der Verwandischaft von Menschen und Tieren ergab, und
alle die Riten und Übungen, die letzten Endes die Erlösung vom ,,Rade
der
Geburt“ zum Ziele hatten. Dieselben Dinge finden wir in der
Gemeinschaft der Pythagoreer, die sich so anfangs ausgesproc hen als
religiöser Orden gibt. Dieser Orden spielte jedoch zugleich eine politische
Rolle, insbesondere in der Stadt Kroton in Unteritalien hatten die
Pythagoreer eine Zeitlang die politische Herrschuft in Tlinden, bis sie
durch eine blutige Revolution vernichtet wurden. Die dem Blutbad Entronnenen flohen nach Theben in Böotien, wo wir als älteren Zeitgenossen
des Sokrates einen Philolaos sowie Lysis, den Lehrer des Epaminondas,
von einem Kreise von Schülern umgeben finden. Später kehrten eine
Reihe von Pythagoreern (Archytas von Taras) wieder nach Unteritalien
PSOaeclLMSAOCEsTAfISLeiTasAPGItarglheLsakEPetsNACxzeotRTIOPiSa+Ehera:r2,È-=l
War die pythugoreische Gemeinschaft wie gesagt von Haus aus ein
Gesellschaft "getrieben wurden, von Anfang an auch Wissenschaft und
Kunst, genauer
vor
allem
Mathematik und die Musik.
eine
Wissenschaft
und
eine
Kunst:
:
man nun einmal die Entdeckung gemacht, daß, wenn man eine Saite
um die Hälfte verkürzt, der Ton der halben Suite die Oktave des ersten
ist, wenn man ihn im Verhältnis von 2: 3 und zu 3:4 verkürzt, die
Quinte und Quarte sich ergibt, so lag es nahe, in diesen Zuhlenverhältnissen die verborgenen Beziehungen der Töne selbst zu vermuten, das
Wesen des Tones und seiner Stellung in der Tonreihe mit dem Wesen
jener Zahlen und ihrer Stellung in der Zahlenreihe zu identifizieren.
Systeme der alten
Milesier, von
denen
die
Pythagoreer unzweifelhaft Kenntnis hatten, entstanden, indem cine verhältnismäßig geringe Zahl auffallender Erfahrungen — über die Macht
und Bedeutung des Wassers oder der Luftin der Welt — verallgemeinert
und zur Grundlage einer die ganze Wirklichkeit betreffenden Behauptung
gemacht wurden, So werden wir uns nicht wundern, wenn auch die die
Aufmerksamkeit der Pythagureer so besonders erregende mathematischmusikalische Einsicht von ihnen zu einer uneingeschränkten metaphysischen
Thevrie verallgemeinert wird. Die Pythagoreer, heißt es in der historischen
Darstellung des Aristoteles, haben sich zunächst mit dem Studium der
Mathematik beschäftigt,“ in dieser heimisch geworden, »haben sie die
Prinzipien derselben zu Prinzipien des Seienden überhaupt machen zu
dürfen geglaubt. Da nun unter den Prinzipien der Mathematik der Natur
der Sache nach in erster Linie die Zahlen stehen, so glaubten sie, in den
Zahlen mancherlei Gleichnisse für das was ist und was geschieht zu finden,
und zwar hier eher als in Feuer, Erde oder Wasser. So bedeutete ihnen
eine Zahl mit bestimmten Eigenschaften die Gerechtigkeit, eine andere
Seele und Vernunft, wieder eine andere den rechten Augenblick, und so
fand sich eigentlich für alles ein Gleichnis in einer Zahl. Du sie nun
auch darauf aufmerksam wurden, daß die Verhältnisse und Gesetze der
musikalischen Harmonie sich in Zuhlen darstellen lassen, und da auch
alle anderen Erscheinungen eine natürliche ' Verwandtschaft mit den
Zahlen zeigten, die Zahlen aber das Erste in der gesamten Natur sind,
so kamen sie zu der Vorstellung, die Elemente der Zahlen seien die Elemente alles Seienden und das gesamte Weltall sei eine Harmonie und
eine Zahl. Was sich nur irgendwie an Ubereinstimmungen zwischen den
Zahlen und Harmonien einerseits und den Prozessen und Teilen des
ließ, das sammelten sie und suchten einen Zusammenhang herzustellen,
wo ihnen aber die Möglichkeit dazu entging, da scheuten sie sich auch
nicht vor künstlichen Annahmen, um nur ihr spitenmtischen Verfahren
als streng einheitlich durchgeführt erscheinen zu lassen.“
Die mathematischen Studien und das Beispiel der Abhängigkeit der
Diese beiden Zweige ihres Interesses aber
Pythagoras selbst wird die wichtige Entdeckung der Abhängigkeit der
Tonhöhe von der Länge der gestrichenen Saite zugeschrieben. Hatte
Die metaphysischen
Far
die
traten zugleich bei den “Pythagoreern in Beziehung zueinander: dem
25
Himmelsgewölbes und dem gesamten Weltenbau andererseits auftreiben
zurück.
religiöser Verband, so gehörte doch offenbar zu den Dingen, diein der
Die Lythagorecs,
rai
vnaieaShe
Tonhöhe von derin Zahlen ausdrückbaren Saitenlänge läßt die Pythagoreer
eine Einsichtin die Bedeutung von Maß und Zalıl und macht für sie
zum erstenmalin der Geschichte der Philosophie die Mathematikin ihrer
Sicherheit und Exaktheit zum Ideal und Vorbild der Erkenntnis, das
es auf die anderen Gchiete des Wissens zu übertragen gilt. „Nichts von
Lug“ heißt es in den Fragmenten des Philolaos, „nimmt die Natur der
Zahl und die Harmonie in sich auf“. ‚Denn ihrer Natur steht der Lug
als ' unversóhnlicher Feind gegenüber, die Wahrheit ist aber dem Geschlechte der Zuhl von Haus aus angeboren." Und an anderer Stelle:
„Die Natur der Zahl ist kenntnisspendend, führend und lehrend für
: jeglichem Dinge, des ihm zweifelhaft oder unbekannt ist,
jeglichen ‘in
Page 3
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)bis Demobsit).
Denn nichts von den Dingen wäre irgendwem klar, weder
hältnis zu sich, noch zu anderen, wenn die Zahl nicht
in ihrem Verwäre und ihr Wesen.“
| Werden aber die Pythagoreer durch diese Einsicht auf_der
dien
, Seite, namentlich in ihrer Astronomie zu wirklichen Förderer
n und Begründern ‚einer mathematischen Naturwissenschaft, so verführt
sie, wie
die Beispiele des Aristoteles zeigen, auf der anderen Seite die Neigung
jedem Gegenstand und seinen Eigenschaften eine Zahl zu aubstiterieron,
zu einer ‚spielerischen Zahlensymbolik.
Was ihnen noch fehlt, ist die
Einsicht in die Grundbedingungen der Möglichkeit einer fruclitbaran
mathematisierenden Naturerkenntnis, die Einsicht, die in
voller Klarheit
erst Galilei ausspricht, duß die Zahl erst da sinnvolle Anwend
ung finden
u ke meßbure Größen vor uns haben.
re
Untersuchungen führen sie zunächst zu
einer
1
forschung der Zahlenreihe selbst, zur reinen Arithmetik, oe glee
ae
gründlichen
von der Dekade, auf der alle höheren Zahlen beruhen
— die Zehn erscheint ihnen daher als Grund- und Hauptmuß aller Dinge
(,,sie ist groß
alles vollendend, alles wirkend und Anfang und Führerin
des göttlichen,
himmlischen und menschlichen Lebens“ Philolaos), wo
sie, wie etwa bei
den Himmelskörpern, eine geschlossene Anzahl von Gegenst
änden vor
sich haben, erwarten sie, sie nach Dekaden angeordnet,
ihrer zehn vorzufinden. Neben der Dekdde steht die Tetraktys, die Vierzah
l angesichts
der Tatsache, daß die vier ersten Zahlen zusummengezähl
t die Zehn ergeben; über quadratische und ,Techteckige*, pyramidale
und kubische
Zahlen, über gerade und ungerade Zahlen stellten sie eingehe
nde Untersuchungen an.
Überall aber offenbar mit der Neigung, das,
was sie an
den Zahlen gefunden hatten, im Gebiet der Dinge
in gleicher Ordnu
und in gleichem Zusammenhang wiederzufinden.
Mi
Betrachten wir den metaph ysischen Grundsatz der Pythago
reer, daß das
Wesen der Dinge die Zahl sei, so erscheint es uns
zunächst eigentümlich, daß hier zum erstenmal scheinbar nicht ein
27
Die Pythagoreer.
materieller und räumlicher
Körper — Luft, Wasser, Feuer — sondern cin immater
ielles und unrdumliches Gebilde fiir die letzte Ursache und den
an sich wirklichen
FreLEainers:iàDdseh
x
energie
Dinge aus dem — jetzt räumlich gedachten — Unbegrenzten und Begrenzenden? Die Zahlen selbst setzen sich zusammen aus dem Geraden
und Ungeraden oder aus dem Unbegrenzten (in gleiche Teile Zerlegbaren)
‘und dem Begrenzenden (der Zweiteilung eine Grenze Setzenden, in diesem
Sinne Einheitlichen, Einfachen); in zehnfacher Vuriation gluuben die
Pythayoreer diesen elementarsten Gegensutz in der Welt wiederzufinden
(Ungerade, Gerade; Eines, Vieles; Rechtes, Linkes; Männliches, Weibliches; Ruhendes, Bewegtes; Gerades, Krummes; Licht, Finsternis; Gutes,
.
Böses; Quadrat, Rechteck).
In der Kosmogonie aber wird aus dem Unbegrenzten und dem Be- !
grenzenden der leere Raum, in den das Begrenzende hineinwirkt. Das |
erste Produkt dieses Hineinwirkens ist der Punkt, der zugleich mit der
arithmetischen Einheit identifiziert wird; zwei Punkte geben die Linie,
drei die Fläche, vier den Körper; wie das Wesen des Punktes die Einheit,
so ¡st dus der Linie die Zweiheit usw.: die vier Grundzahlen drücken das
Wesen auch der geometrischen Elemente aus. Über die geometrische
hinausgehend, gewinnen dann die Zahlen bzw. ihre „Elemente“ physikalische Bedeutung: wenn durch das Zusammenwirken von Feuer und
Erde, von Licht und Finsternis die Welt entsteht, so ist. offenbar wieder
das Feuer das Begrenzende, wie wir wohl dafür auch sagen können, das
aktive, die dunkle Erde das Unbegrenzte, das passive, empfangende
|
Element.
Ihre größte wissenschaftliche Leistung ist die Astronomie der Pythagoreer, in der sie zwar offenbar auf den Anschauungen des Anaximander
ursprünglich fußten, aber. doch alle anderen vorsokratischen Naturphilosophen weit überflügelten. Zum erstenmal entfernten sie die Erde
aus dem Mittelpunkt der Welt, faBten sie als Kugel auf und schrieben
ihr eine Bewegung um das in der Mitte der Welt gelegene, uns, da wir
ihm immer die gleiche Seite zuwenden, unsichtbare Zentralfeuer zu.
Dieses Zentralfeuer umkreisen von West nach Ost zehn Körper, die an
Sphären (durchsichtige Kugeln) geheftet sind: die Gegenerde (uns wie
Plato, die metaphysische Wirklichkeit des Materiellen , um
ihm ein Ideelles
zu substituieren, ebensowenig aber materialisiert
en sie bewußtermaßen
das Zentralfeuer unsichtbar), die Erde, der Mond, die Sonne, die damals
bekannten fünf Planeten und der Fixsternhimmel. Sonnenfinsternisse
entstehen, wenn der Mond zwischen Sonne und Erde tritt, Mondfinsternisse, wenn der Schatten der Erde oder der Gegenerde auf den Mond fällt.
Da alle schnell bewegten Körper einen Ton erzeugen, so gilt dies auch
für die Gestirne, da deren Abstände vom Zentralfeuer der Distanz der
sich den Problemen der Kosmologie, der Entstehung
der Körnerwelt die
sie ebenso wie die alten Milesiér interessieren , zuwende
n, die Zahlen und
ihre „Elemente“ in körperliche Faktoren, verschiebt
sich die Frage: wie
feuer entsprechen sollte, entsteht nach der pythugoreischen Lehre eine
himmlische Musik, die Spärenharmonie, die freilich den gewöhnlichen
Sterblicheg.nicht hörbar ist. ~
Grund des Seins und Geschehens erklärt wird.
Man muB indessen bedenken, daß den alten Pythagoreern diese immate
rielle
keineswegs besonders zum Bewußtsein kam.
Natur der Zahl
Sie leugneten nicht,
wie
umgekehrt die Zahl oder leugneten ihren
ideellen Charakter.
|
Wohl aber verwandeln sich ihnen charakteristis
cherweise sobald sie
entstehen die Dinge aus den „Zahlen“? in
die andere: wie entstehen die
Töne in der Oktave analog gesetzt wurde und wiederum die Höhe der
durch die Gestirne hervorgebrachten Töne ihrer Entfernung vom Zentral-
Es wax:nicht mehr weit von der pythagoreischen Astronomie zu der
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Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Die Naturphilusophi- der „ Vorsok
sutiker" (von Uhates bis Demoke
ty.
fmpedukics,
Vorstellung einer Achsendrehung
und einer Bewegung der Erde
um die
Sonne, kurz zum kopernikanischen
System, das denn auch in der Tat
von dem Piatoniker Herakleides
von Pontus und von Aristarch
von
Samos (cc. 280 v.Chr.) gelehrt wurde.
Nur das Übergewicht, mit dem
Aristoteles für das geozentrische Syste
m eintrat, hat damals diese Lehre
nicht aufkommen lassen.
als Wesen der Physis zugrunde
gedacht
Als
jüngerer Mann spielte er offenbur
als
Führer der
scheint er sich hauptsächlich als religiöser Wanderprediger, Prophet und
Wundertäter betätigt zu haben und zwar im Sinn und Geist der Orphik,
von deren Seelenwanderungsglauben er wie Pythagoras einen starken
die Natur“ zeigen, mehr als die bisherigen Philosophen sich biologischmedizinischen Tatsachen zuwandte, er wirkte augenscheinlich selbst als
Arzt, und eine nicht unbedeutende Ärzteschule knüpfte an ihn an.
777 ¡Es gibt kein Entstehen von etwas, was vergänglich ist, noch ein
die die Systeme der bedeutenden
Naturphilosophen des 5. und 4. Jahrbunderts nicht denkbar gewesen wäre.
Der Begriff des substanziellen
Seins, des beharrlichen, mit sich
identischen Seienden, das ja auch
die
Milesier der bunten Vielheit der Ding
e als eigentlichen Wirklichkeitskern,
Ende
,
Sühnepriester dieser Art, dem von seiner Umgebung und wohl auch von
ihm selbst, übermenschliche Kräfte zugeschrieben wurden, Duzu kum,
daß Empedokles, wie auch die Stellen seines anderen Lehrgedichts „über
tt!
Die Geschichte der Philosophie
zeigt uns überall, daß aufgeworfe
ne
Fragen und Schwierigkeiten, ungelöste
Probleme auf die Fortentwicklung
des philosophischen Denkens einen
stärkeren Einfluß haben als glatte
,
fertige, widerspruchslose Syste
me. Als ein solcher das Denk
en reizender
Stein des Anstoßes wirkt auf die
Folgezeit die eleatische Dialektik,
ohne
zu
Dennis eine intende politische Rolle in seiner Vaterstadt, spater
Einfluß erfahren hatte, In den Resten seiner offenbar tus dieser Zeit
stammenden -Schrift „Reinigungen" (zadapuor) tritt er uns ganz als
5. Empedokies.
sequent
29
Ende dafür in vernichtendem Tode, sondern nur Vermischung ... .
Denn es kann nicht sein, daß etwas zu entstehen vermag aus dem, was
in keiner Weise existiert, und es ist unmöglich und unerhört, daß was
ist vergehen sollte, denn es wird immer sein, wohin immer man er
fährt, es:zu verschieben.“ Dieses unvergänglich und unveränder tuti
gelegt hatten, war van Parmenides
konworden:
Ein
solches
Seiendes
kann
spruchslos nur als unentstanden
und unvergänglich, als unveriinde
rlich
wider-
Seienge aber ist nun nicht unterschiedslos Eines, sondern es besteht aus
Schreiben wir aber der Sub-
(in postischer Vergótterung von Empedocles auch Zeus, Hera, ones
und Nestis [sizilische Wassergöttin] genannt). Ein bedeutsamer paie
und ewig gleichbleibend gedacht werde
n.
vier ,,Wyrzeln“, aus den vier Elementen Feuer, Luft, Wasser und Erde
stanz ganz konsequent diese
Eigenschaften, die in ihrem
Begriff liegen,
zu, so wird es unerklärlich,
wie aus ihr die Vielheit der
wechselnden
kalischer Fortschritt ist es, daß Empedokles zum erstenmal die Luft als
sichtbaren und tastbaren Dinge
hervorgehen soll, das eleatische
Sein
elementaren Stoff vom Dampf unterscheidet: er zeigt experimentell, daß
ein mit Luft gefülltes Gefäß nicht leer ist, sondern mit einem Stoff
kann nicht zum Ausgangspunk
t einer naturwissenschaftlichen
Theorie
des Weltgeschehens gemacht werd
en, sondern diese ganze sinnlich
wahrgenommene Welt kann nur
noch
ist klar,
rfen werden. Daß
tdekret nicht stehen bleiben
konnte,
So ist denn das Bestreben der
Philosophen des 5. Jahrhunderts
,
soweit sie sich in der Bahn
der ganzen bisherigen Philo
sophie bewegen,
d.h. nach einem wissenschaftlic
h begründeten, mit der Erfahrun
g und
den
das
Forderungen unseres Denkens in
Eink
Bestreben
eines
lang stehenden Weltbild suchen,
Empedokles, Anaxggoras und
Leukipp-Demokrit
darauf gerichtet, von einer
Substanz jm strengen Siune
der Eleaten aus
doch zu einer fruchtbaren und
befriedigenden Erklärung der Wirkl
ich- .
keit zu gela
ngen.
Dabei verfallen sie alle auf
denselben Ausweg: sie
Gedanken eines unentstanden
en und unzerstörbaren,
ewigen Urstoffes fest, zerlegen
aber diesen Urstoff in eine Mchr
heit von
Teilen, durch deren verschie
dene Mischung und Trennung
, durch deren
Bewegung die Mannigfaltigkeit
der Dinge hervorgerufen wird
.
Empedokles aus Akragas (Agri
gent) in Sizilien erinnert uns
in
Auft
halten
an
angefüllt, der dem Wasser, solange er nicht entweichen kann, das Eini
ehrt.
als sinnloser Schein verwo
man bei diesem unfruchtbaren
Gewal
dem
reten und Persönlichkeit noch
stark an Männer wie Pythagoras
und
*
ai vier Dingen, die ewig, unentstanden und unvergänglich,
unveränderlich und sich gleichbleibend, also Substanzen ‚Im strengen
Sinn des Wortes sind, entsteht nun durch verschiedenartige Mischung
ynd Sonderung die Mannigfaltigkeit. der vergünglichen Gegenstände.
„Entstehen“, „Vergehen“ und „Sichverändern“ ist Mischung und Trennung der Elemente. Zugleich aber stellt nun Empedokles die weitere
Frage: wie kommt es, daB die vier Urstoffe sich wechselsweise oe
und sondern, durchdringen und fliehen, anziehen und abstoBen ? ie
"Antwort auf diese Fruge führt ihn dazu, noch zwei weitere Faktoren in
seine Welterklärung einzufügen, die er als Liebe und ‚Streit bezeichnet.
Gerade dadurch, daß der Stoff, uus dem die Dinge sich bilden, zu einem
toten, Passiven Stoff wird, mit dem etwas geschieht, ohne daß er se t
eine innere Veränderung erfährt, bedarf es einer äußeren aktiven Lee
heit, \die ‘die verschiedenen Stoffe zueinander und ue gi
und daf diese aktive Wesenheit in die Natur vermenschlichender,
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Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Die Naturphilosopbie der , Vursukratihertt (von
seelender Wendung als Liebe und Haß bezeichnet wird, ist ebenso verständlich, wie die nicht minder vermenschlichende Rede von den anziehenden und abstoßenden „Kräften“ der Körper. Freilich hat Empedocles ,,Liebe“ und ,,Streit“, dem naiven Materialismus dieser Frühzeit
entsprechend, nicht als unkörperliche Kräfte, sondern, was schon Aristoteles
kritisch bemerktet, selbst als Dinge, als Körper wie die vier anderen
gedacht. Liebe und Streit sind nun gleichzeitig in der Welt vorhanden,
aber wechselsweise hat die eine und der andere dus Übergewicht und
bestimmt die Weltentwicklung, die Richtung des Weltgeschehens, so daß
wir eine Periodizität, eine aufsteigende und ubsteigende Reihe im Weltgeschehen bekommen. Unter dem Einfluß der Liebe streben die Elemente
zueinander und bilden schließlich einen geschlossenen „Sphairos“, ein
einheitliches, kugelförmiges Sein — wir denken an das eine kugelförmige
Seiende des -Parmenides. Hat aber dieser Sphairos sich gebildet, so
macht sich mit Notwendigkeit der Streit geltend und es beginnt ein
Prozeß, der zur vollständigen Scheidung der Elemente führt, die dann,
wenn die Grenze erreicht ist, wieder in umgekehrter Entwicklung zum
Sphairos zurückgeführt werden.
In dem
Prozeß der Vereinigung und Trennung bildeten sich die
einzelnen Dinge. Nehmen wir den Trennungsprozeß (es ist umstritten,
aber doch wahrscheinlich, daß Empedokles die gegenwärtige Weltphase
als die des wachsenden Übergewichts des Streites betrachtete), so wurde
die Luft zuerst aus der Erde ausgeschieden, dann das Feuer, worauf
sich aus der zurückbleibenden Erde das Wasser (wie der Schweiß aus
dem Körper) herauspreßte. Die Luft breitete sich zu einem Kreise aus,
der dann unter dem Einfluß des hinzuströmenden Feuers zu einem
Kristallgewölbe erstarrte, das selbst aus zwei Ilemisphären sich zusammensetzt, der einen mit viel Feuer (Ilelligkeit) oder der Tages-, der anderen
mit wenig Feuer, der Nachtliemisphäre. Die verschiedene Verteilung des
Feuers und dadurch bedingte Störung des Gleichgewichts führte zu
einem Umschwung der Hemisphären (die sich in diesem Umschwung wie
eine an einer Schnur im Kreise herumgeschwungene Schale mit Wasser
unverändert erhalten) um die Erde, welche Umdrehung (und nicht die
Sonne, die nur als ein Reflexbild mit erborgtem Licht angeschen wird)
den Wechsel von Tag und Nacht erzeugt.
Besondere Aufmerksamkeit hat Empedocles, wie es scheint, seinen
biologisch-medizinischen Interessen entsprechend, den Tier- und Pflanzenkörpern zugewandt.
Organische Wesen bilden sich unter dem Einfluß
der Liebe, die Feuer mit feuchter Erde verbindet. Dabei entstanden
zuerst einzelne Glieder: Köpfe olıne Hälse, Arme ohne Schultern , Augen
* Arist. Met. À 10, 1075b 3: „Die Liebe des Empedocles ist zugleich eine
wirkende Ursache, denn sie bringt Diuge zusammen, und eine materielle Ursache, denn sie ist ein Teil der Mischung, “
31
Auasayoras,
£hal es bis Deawhrit).
ohne Stirnen. Dann vereinigten sich diese Glieder auf alle nur môglichen
Weisen, so daB die seltsamsten Ungeheuer sich bildeten: y mt
Menschenköpfen, Wesen mit doppelten Gesichtern und dappelter rus
usw. Von diesen Wesen aber konnten nur diejenigen sich erhalten, die
eben lebensfähig waren, die anderen gingen zugrunde, so dall die heutigen
Organismen das Resultat eines „Überlebens des Tüchtigsten sind.
dringung der Elemente im einzelnen nachging, kam ‚Empedokles au
"Indem
er
der
Frage
der
Möglichkeit
det
Mischung
und
seg
seine Theorie der Poren, durch die Ausflüsse der Dinge mitcinander
ausgetauscht werden. In seiner Lehre von der Atmung und dann an
die
der sinnlichen Wahrnehmung, von denen vor allem die letztere auf
ha
hat
wird,
ommen
aufgen
Folgezeit gewirkt hat und u.a. von Plato
diese Idee der Poren biologisch verwertet. Beim Sehen gehen Ausflüsse
von dem im Innern des Auges befindlichen Feue zum geschenen Gegense
stand (der also, so könnte man wenigstens sagen, durch diese Ausflüs
vom
wieder
auch
aber
gewissermaßen vom Auge her betastet wird),
Gegenstand:ins Auge. Dabei wird beim Wahrnehmen stets das gleiche
durch des Bei — die Helligkeit draußen durch das Feuer im Auge,
“ das Dunkle:durch das Wasser im Auge — erfaßt. Erkennen, das heißt
henken (überall, wo das Erkennen vom biologisc
eizaicinn Gesichtspunkt
vom ula lemtlzwische
lor elabesteht
n Wahrnehmung und
die Neigung,
ehmen
aus analysiert wird,
Denken nur einen Unterschied des Grades, nicht det Art gelten zu waste)
ist gleichsam ein Angleichen des Subjekts (d.h. für diese Stufe ma
an das Objekt. Nicht uninteressant ist es, dap eae,
seines Körpers)
kles
dessen Lehre wir am besten unmittelbar an diejenige des Empedo
anknüpfen, Anaxagoras, von dem Gedanken ausgehend, daß nur Gegenzu wirken vermag, zu dem umgekehrten Ergebnis
sitzliches aufeinander
kommt, daß nur Gegensätzliches durch Gegensätzliches ee
werden kann (denken wir bei der Lehre des Empedokles daran, da in
Wahrnehmen hier wohl als ein Angleichen des Subjektiven an das ob
jektive, das Abbilden des letzteren durch das erstere verstanden e y
so scheint uns Anaxagoras im Wahrgenommenen das zu sehen, was das
Subjekt von “sich unterscheidet).
'
6. Anaxagoras. ; ,1°'
Anaxagoras aus Klazomenai, der nuch Aristoteles älter als Empedokles war, aber später als dieser an die Öffentlichkeit trat, ist der erste
er
Philosoph, der wohl durch Perikles, zu dessen auserlesenem Kreise
Dieser
gehórte, seinen Wohnsitz in Athen nahm (vermutlich 462—432).
Aufenthalt in der Stadt eines seinen wechselnden Sympathien und
Antipathien. nachgebenden souveränen Demos und die Freundschaft mit
1
me
LL.
Ab
BE GESOA ATEN DER
ANTWEN
PHILOSOPULE