Die pythagoreische Lehre vom Leeren

Auteur
Offner, M.
Publié dans
Abhandlungen Altertums-Wissenschaft
Année
1891
Sujet
PYTHAGORAS
Langue
Deutsch
Catégorie
C7 Philosophie
Numéro d'archive
325

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M. Offner, Die pythagoreische Lehre vom Leeren. Sonder- OFFENER A . =w a Y Die pythagoreische Lehre vom Leeren, A , von Max Offner in München. von vornherein als überflüssig. Unsere nächste Aufgabe wird es sein, die Angaben zu sammeln, erst in zweiter Linie kann ein Versuch gemacht werden. sie nach leitenden Gesichtspunkten möglichst zu ordnen und even- Daranf folgt v. Christ dargebracht. leaf gori München 1891, Beck. 11 S. gr. ». eine Entgegnung des Aristoteles, wahrscheinlieh nach de caelo 1. e. Y. p. 279a 11. Ganz ähnlich ist ein weiteres, unter sich übereinstimmendes In seinem unlingst (1888) erschienenen Grundrifs der ,.Geschichte der alten Philosophie“ vertritt Windelband wieder die Ansicht, dafs die pythagoreische Lehre das Unbegrenzie und den leeren Raum identifiziert habe. Die Thatsache, dafs cin so gewiegter Forscher, wie Windelband, an der älteren, von Zeller bekämpften Ansicht festhält, legt immerhin den Gedanken nahe, dafs die Frage trotz Zellers eingehender Erörterung keineswegs, wie von manchen Seiten geglaubt wird, zu einem endgülligen, andere Auffassungen nicht mehr duldenden Abschluß gelangl ist. Und eine erneute Durchprüfung erscheint sonach jedenfalls nicht wiss., Angabenpaar, den nämlichen Sammelwerken entnommen cf. Diels Lp. 338a und hb: nämlich Stob. Ecl. 1. 18%: of <ezro add. Diels> MHedayógor Exros sivar rod xogpor xevov els 6 dvarriò 6 xionoz vai ‘of und Ps.-Plut. Plac. phil. IL 9: of pér ano Hrdayégor éxros ¿ive TOP xoonor xevor sis fi ere © xaonos xai ÊE ab. Diese pseudo-plutarchische Stelle hat nach Diels LL p. 623 dem Pseudo-Galentts vorgelegen im 52. $ seine r Histor. philus.:ore Paros Ef et Tor x00/104 els y dveanvedv bor x00/0Y zu ts uv, Wozu sich ans dem Nachfolgenden leich! xerov ergänzt, sowie aus der AER” Vorlage of Hvdayógeror oder el «70 Heduydger. In der nämlichen Schrift findet sich noch eine andere Notiz ähnlichen Inhaltes: § 30: of «xo Hudaydgar xaì of gear miivies néyor Iérorvos Èv (sie!) r@ xó0ue xeror efrar Léyerar (Diels p. 616). was teilweise auf tuell zu einem Ganzen zu kombinieren. Die erste Stelle, welche für unsere Frage von Bedeutung ist. Ps.-Plut. Place. phil.1.18 (Diels p. 315 £.) zurückgeht. aber nicht eben findet sich Arist. Phys. IV. e. 6. p. 213 b 22 ff. und Jantet: er dEpacar xai ol Tvayógeros xevor xed Erreioreren abra (cod, (i, abro teidiger des Leeren angeführt werden, gerade keinen empfehlenden al. codd.) rÿ ofgar@ éx Tod czreigov TPENURLO; (rrvedua Tenne- Beleg für die Genauigkeit und Zuveilässigkeit des Berichlerstatters. ’Agroror&äys dé. heifst es nämlich einige Zeilen weiter unten, 7ovor © dtogites tds poets, OS Úrros TOU xEYOR ymorouoù Tivos Tur Gubror Eva xévor Ew Tod road, dor GretTreir eis ro Tor usgaror. Erdoder yao eva Tumor zrigivor. yao xevor diogitecy tiv géo aórov.?) tare der aristotelischen Physik br ingen. mann; ganz streicht das Wort _Chaignet) we dvasvéorrí xal TO XE- Epekig xai diogioews' xaì Tor Elva medrov èv taîs dorduors. To Daran schliefst sich Stob. Eel. I. 18.' (Diels: Doxogr. Gr. p. 316 b 14 1f.):. "Agiororeing év rerdero Dvoixiis dxgodoews yedger sel yat dé par. ol Hudayógeros xevov xai erevorévar aco 19 oronr@ dx rod ameigov rvevparos ws dvarrréovie. “Ev dè 19 rent Tis HvSayopor gidocopias rete rodyeı TOY pér over ov ein Eva, érreroiyeoda déx rob dmreigon xodvar TE xei avoir xai TO xEVOY 5 drogitsı Éxdorwr tas xugus del (= Ps.-Plut. Plac. phil. J. 18). 3) Es dürfte sich empfehlen, in diesem Passus lediglich «<4 wieder einzusetzen gegen das von den meisten Erklürern festgehaltene ayo, im übrigen aber mit Zeller, Prantl! nnd Bekker sinus: zu belassen; ich würde dann folgendermafsen übersetzen: Es hehaupten aber die Pyth., dafs ein Leeres existiere und dals es hereintrete in das Weltsystem, das gleichsam seinen Atem hole aus dem unendlichen Hauche, und zwar das Leere, welches trennt die Nuturen bezw. Zahlen = die einzelnen Dinge. deren Wesen eben durch die Zahlen bestimmt ist, ja ganz in den Zahlen aufgeht, sonderlich beweiskráftig ist; abgesehen davon. denn der gleiche Paragraph liefert, dafs die grorxoí in ihrer Gessuntheit als Ver- Hiezu kommen noch die Nachrichten, welche die KommenZunächst Themist. I. p. 284. 2 ff. (ed. Spengel): duo yg obron ris Séoews rod xeroî rednoi, Y mageordgtat rois ownage «tro (verweist auf die Atomisten Y. EW] ariana id póen—eimenad abro —TEg éxov TOY odgavor, ds medrEgOY er porro TAY doyaiwv TIVÉS, però dé radra oi regi Zivwra ror Kirtiéu und 1. p. 285. 26 ff: rasryv yao xui ol ITodayégerot aitéav (se. tati diaegerv TR Tyre) 1% zero meosridénor, odx old bras abro xci etonvetadau Aéyovres bro tod marròs Enden meoixeyvucrur (wofür zweifellos zu schreiben ist Tepireyruévor) xt), Simplicius p. 648. 20 ff. ad 213 b 22 ff. bringt ferner eine Stelle aus einer Schrifl des Porplyrius : quororov di of Atyorres rs tod xoosor zero Grreyés di daobtizzorit: 10 nay und zuvor seine eigene Bemerkung: ¿Zo ro xoonor. breg dior Ure romos ner otx dv en. atrò de xud” avrò byécryxe. Schliefslich wären noch

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von Max Offner in München. In seinem unlängst (1888) erschienenen Grundrifs der ,,Geschichte der alten Philosophie“ vertritt Windelband wieder die Ansicht, dafs die pythagoreische Lehre das Unbegrenzte und den leeren Raum identifiziert habe. Die Thatsache, dafs ein so gewiegter Forscher, wie Windelband, an der älteren, von Zeller bekämpften Ansicht festhält, legt immerhin den Gedanken nahe, daß die Frage trotz Zellers eingehender Erörterung keineswegs, wie von manchen Seiten geglaubt wird, zu einem endgültigen, andere Auffassungen nicht mehr duldenden Abschlufs gelangt ist. Und eine erneute Durchprüfung erscheint sonach jedenfalls nicht von vornherein als überflüssig. Unsere nächste Aufgabe wird es sein, die Angaben zu sammeln, erst in zweiter Linie kann ein Versuch gemacht werden, sie nach leitenden Gesichtspunkten möglichst zu ordnen und eventuell zu einem Ganzen zu kombinieren. Die erste Stelle, welche für unsere Frage von Bedeutung ist, findet sich Arist. Phys. IV. c. 6. p. 213 b 22 ff. und lautet: eivas d'ëpaoav xai ol Mvdayogevor xevòv xai Ènevorévar adrÿ (cod.G, aöró al. codd.) zg ovgavg &x tod Gneigou nveiuaros (nveüpa Tennemann; ganz streicht das Wort Chaignet) ws dvarrvéovre xai zò xevov droger vas pices, ws Övros tov xEvod Xwpiouod Tivos Tv dpelijs xai droplaews: xai soir’ sivas npürov by vois dgıduois. zò yao xevov diopilew tv grow adròv.!) Daran schliefst sich Stob. Ecl. I. 18.1 (Diels: Doxogr. Gr. p. 316 b 14 ff.): ’Agvororédns &v zerderp Dvorxijs depodoews yoager ‚eivar dE paow of IIvdayógevor xevov xai énecorévar adrò tH oùgavÿ dx tod drelgov mvevpatos ws dvanvéove. "Ev dè tH mei vis Hv9ayógov prhoooptas nowt yodpes tov pév ovgavov sivas Eva, énevodyecdac d'êx tod aneigov ygóvov ve xal von xai to xevov 5 dope. éxcorwy Tas yweas dei (= Ps.-Plut. Plac. phil. I. 18). *) Es dürfte sich empfehlen, in diesem Passus lediglich aèté wieder einzusatzen gegen das von den meisten Erklärern festgehaltene odtp, im übrigen aber mit Zeller, Prantl nnd Bekker svsdpatoc zu belassen; ich würde dann folgendermafsen übersetzen: Es behaupten aber die Pyth., dafs ein Leeres existiere und dafs es hereintrete in das Weltsystem, das gleichsam seinen Atem hole aus dem unendlichen Hauche, und zwar das Leere, welches trennt die Naturen bezw. Zahlen = die einzelnen Dinge, deren Wesen eben durch die Zahlen bestimmt ist, ja ganz in den Zahlen aufgeht.

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Darauf folgt eine Entgegnung des Aristoteles, wahrscheinlich nach de caelo I. c. 9. p. 279a 11. Ganz ähnlich ist ein weiteres, unter sich übereinstimmendes Angabenpaar, den nämlichen Sammelwerken entnommen cf. Diels 1 1. p. 338a und b: nämlich Stob. Ecl. I. 184: of <dzo add. Diels> Hv3ayógov Exros eivac Tod xóopov xevov els 6 dvanvei 6 xóopos xai & od und Ps.-Plut. Plac. phil. II. 9: of uèv dao MvSaydgov éxros elvae tod xóomov xevow els & dvanvei 6 xóouos xul &E od. Diese pseudo-plutarchische Stelle hat nach Diels 1. 1. p. 623 dem Pseudo-Galenus vorgelegen im 52. § seiner Histor. philos.: * * * éxros sivas Tod xdopov eis à avanyeiv tov xdopov xai && od, wozu sich aus dem Nachfolgenden leicht xevòv ergänzt, sowie aus der Vorlage of Hv$ayögeıoı oder of anno HvSayógov. In der nämlichen Schrift findet sich noch eine andere Notiz ähnlichen Inhaltes: 8 30: of ano Mvdaydgov xai ol pvauxoì navres uexgı IIAdrwvos Ev (sic!) tq xdopp xevov eivaı Aéyovauv (Diels p. 616), was teilweise auf Ps.-Plut. Plac. phil.I. 18 (Diels p. 315 f.) zurückgeht, aber nicht eben sonderlich beweiskräftig ist; denn der gleiche Paragraph liefert, abgesehen davon, dafs die gvotxoé in ihrer Gesamtheit als Verteidiger des Leeren angeführt werden, gerade keinen empfehlenden Beleg für die Genauigkeit und Zuverlässigkeit des Berichterstatters. ’Agıoror&ing dè, heifst es nämlich einige Zeilen weiter unten, zocoörov elvar xevov ew tov oveavod, dos dvanveiv eis avro Tov odoavóv. Evdodev yap sivas tónov Trügıvor. Hiezu kommen noch die Nachrichten, welche die Kommentare der aristotelischen Physik bringen. Zunächst Themist. I. p. 284. 2 ff. (ed. Spengel): dio yag odrou rijs Séoews Tod xevod Todno, | mageondeda voïs owpaow adró (verweist auf die Atomisten u. Ss. w.) — — 7 xeymgsouévov xal dJpéov eve, Kad” adro mregıExov Tov oögavóv, os mgóregor uèv govro zûv dgyalov tivés, perd dè raöra of regi Zivova tov Kurreéa und I. p. 285. 26 ff.: cavrny yag xaì of Ilv9ayópevort aitiav (sc. rod dımgeiv ta nedypata) 1ÿ xev meoctedéacy, ovx old Saws adrò xai elsnveiodau AEyovres Uno tod zravròs Ewodev negsxerouévov (wofür zweifellos zu schreiben ist zreguxeyvjuévov) xt. Simplicius p. 648. 20 ff. ad 213 b 22 ff. bringt ferner eine Stelle aus einer Schrift des Porphyrius: xwgorov dè of Afyovres &w Tod xdopov xevór ovvexès dé dnodeinovtes to na&v und zuvor seine eigene Bemerkung: &w zoö xóouov, Seg dijlov Ore tom0g uèv ovx dv ein, avro dè xa9” ado vyéoryxe. Schliefslich wären noch

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der Vollständigkeit halber beizuziehen zwei Stellen aus dem Kommentar des Philoponus II. p. 610. 10 ff., 613. 23 ff. und p. 615. 21 ff. wovon indes nur die letzte einen einigermafsen erwähnenswerten Gedanken bietet: iaws zo &&w tod odpavoö Arseıpov tt xevòv ÿrrotuéuevor, voöro avro xai nvedpa èxddovv, ws &x magaddriov Tod avroÿ xai xevoö xai srvebuaros, derselbe Gedanke, der später noch einmal p. 701. 19 f. gestreift wird. Es ist klar, dafs allen diesen Stellen nicht die gleiche Be- deutung beigemessen werden kann; vielmehr wird sich ihr Wert bestimmen nach dem Mass der Ubereinstimmung mit unserer ersten und verlässigsten Quelle, den Berichten des Aristoteles. Dasselbe gilt hinsichtlich des zweiten Begriffes, der hier in Betracht kommt, des Begriffes äxesgov. Schon anderweitig erfahren wir, dafs der Gegensatz von Endlich und Unendlich im pythagoreischen Denken eine wichtige Rolle spielte; in allen Tafeln der Gegensatzpaare finden wir dieses Paar wieder, während andere häufig wechseln.!) Von diesem ärreıgov, welches sich in der pythagoreischen Doktrin nie als ein Qualitativ-Unbestimmtes, sondern immer seiner Etymologie gemäss als rein Quantitativ-Unbegrenztes, als reine unendliche Ausdehnung darstellt,*) erfahren wir, dafs es aufserhalb des Weltalls, jenseits des den Kosmos umschliefsenden Feuerkreises seinen Sitz habe.*) Es ist ferner eine Substanz, odeia, nicht Prädikat eines andersartigen, allenfalls materiellen Substrates.*) So erscheint es als völlig unkörperliche, aber dennoch räumliche Substanzialität; sein Wesen ist reine Ausdehnung als solche.®) +) Vgl. Arist. Metaphys. I. c. 5 p. 9868 17 ff.; nicht jedoch XIV. c. 6 p. 1098b 11 ff., weil eben hier überhaupt keine Aufzählung gegeben werden soll; dasu Themist. I. p. 211 und Philop. I. p. 360. 22 ff.; ferner über diesen einen Gegensatz Philol. frg. bei Stob. Ecl. I. 10'* und dazu Plat. Phileb. 16 C und 23 C; über das Ganze vgl. Zeller: I. 8. 325 ff. *) Vgl. Bäumker: Das Problem der Materie in der griechischen Philosophie. Münster 1890. S. 39; Zeller: I 8. 352; Stölsle: Die Lehre vom Unendlichen bei Aristoteles. Augsburg. 1882. 9. 5. *) Arist. Phys. IV. c. 4. p. 208a 6/7; vgl. Zeller: I. 8. 404 u. Anmerkung 8. *) Arist. Met. I. c. 5. p. 987a 18; Phys. III. c. 4. p. 208a 4/5 und III, c. 5. p. 204a 83 f. *) Vgl. Sch wegler: Komment. z. Metaph. d. Arist. p. 53 f. und Arist. Phys. IIL c. 4. p. 2034 16 ff, wo es im Gegensatz zu den Pythagoreern von den Atomisten heinst: brouêtaaw étépav avd pdow tp areipw, während für die Pythagoreer ärsıpov und dxsipp eva: zusammenfälit; Biumker a. n. 0. 8. 38.

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Aus diesem substratlosen Unendlichen gehen hervor und treten in die Welt ein, das Leere und der Atem, der Lebensodem in der Welt, insofern ja diese aus dem unendlichen Hauche dvanvei (aufatmet) d. h. den Atem einzieht (gegenüber &xrveiv ausatmen).!) Dann sollen vom Unendlichen, nachdem in der Mitte des xóopos das Feuer als Kern sich gebildet hatte, die nächstgelegenen Teile angezogen und durch diese Anziehung begrenzt worden sein.?) Doch weder hieraus noch aus der vorigen Angabe, dafs von ihm ein Hauch ausgehe herein in die Welt, darf man, wenn man sich die phantasievolle Art pythagoreischen Denkens vor Augen hält, die Substrat und Eigenschaft, Abztraktum und Konkretum, Form und Inhalt kaum zu trennen versteht, den Schluss®) ziehen, dals dieses Unendliche, «das in das ursprünglich vollkommen einige Endliche hereintritt und dadurch selber eine Begrenzung erleidet, materiell d. h. unendlicher Stoff ist, wie Zeller I. S. 382 annimmt und ihm folgend Stölzle a. a. O. S. 5, Emminger: D. vorsokrat. Philosophen nach d. Berichten d. Aristoteles. Würzburg. 1868 S. 27 und wiederholt Rothenbücher. Dieses also beschaffene @reıgor hat aber mit dem xevóv, so wie es in den verschiedenen Belegstellen gezeichnet ist, die wichtigsten Prädikate gemeinsam. Auch dieses Leere ist nach der Ansicht der Pythagoreer fürs erste aufserhalb des Weltalls, das ihm als ein verhältnismässig geschlossenes Ganzes gegenübersteht.*) Somit umschliefst es den Himmel oder das Weltall. Es ist ferner ein selbständig für sich Bestehendes. Dafs es nicht an einem Substrat bestehen kann, ist klar, weil es 1) Vgl. auch Stob. Ecl. I. 18.*; s. oben. *) Ariat. Met. XIV. c. 3. p. 1091a 13 ff. und auch Ps.-Plut. Plac. phil. IL 6" 8. Diels p. 3333 20, wenn man sich der entschieden sehr ansprechenden Deutung Zellere: I. S. 382 Anm. 2. anschließen will. *) Vgl. Rothenbücher: Das System der Pythagoreer nach den Angaben des Aristoteles. Berlin 1867. S. 5 f. und Bäumker a a. O. S. 35 und 45. *) Arist. Phys. IV. c. 6. p. 218b 1 und IV. c. 9. p. 216b 31 ff.; sowie die Kommentare zu p. 213b 22 f.: Them. I. p. 284 und hes, 285, 20 f.; Simpl. p. 643; Philop. p. 610, 613, 615; dann Stob. Ecl. I. 18° und I. 18°; Pa-Plut. Plac. phil. I. 18 und II. 9. — Dafs Them. I. p. 284. 1 und 8 ff. auf die Pythagoreer zu beziehen ist, obwohl sie nicht genannt sind, erhellt aus dem Gegensatz zu den Atomisten und aus der Verweisung auf Zeno von Kittion, von dem es Philop. p. 613/27 heifst, dafs er hierin dasselbe gelehrt habe, wie die Pythagoreer.

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ja die Negation jeglicher Bestimmtheit ist. Aber auch nicht insofern ist es an einem anderen, dafs dieses etwa gewissermafsen die Hülle ist, die Grenze, innerhalb deren es als Leeres, als dieses Seienden teilweise Negation existiert, wie etwa beispielsweise das Loch, das als partielle Negation eines Ausgedehnten nur an und mit diesem existiert, mit dem Aufhören dieses Ausgedehnten aber auch seinerseits zu sein aufhört — sondern es selbst ist das, was die Körperwelt, das Seiende, umschliefst, was bleiben wird, auch wenn diese nicht mehr sein wird, wie es schon war, ehe diese in die Erscheinung getreten ist. So ist es also frei, ganz für und auf sich bestehend, xa9” aùró und Xwguoröv.!) Es ist reine, substratlose Ausdehnung und sonst nichts. Uni schließlich heifst es wenigstens bei den Späteren auch vom Leeren, dafs aus ihm das Universum den Atem’ hole und ihn wieder in dasselbe zurückhauche.?) Nach der Darstellung des Aristoteles aber geht es selbst hervor aus dem Unendlichen, das aufserhalb der Welt ist, und tritt herein in das Endliche. Nun mufs aber doch, besonders für die oft so sinnliche Vorstellungsweise der Pythagoreer, dasjenige, von dem ein anderes sich abscheidet, mindestens bis zu einem gewissen Grade gleich sein demjenigen, welches sich heraustrennt. Man hat eingewendet, dafs dieser Gedankengang der pythagoreeischen Denkweise noch ganz und gar widerspreche, insoferne er eine hohe logische Entwicklung voraussetze. Für eine derartige Denkweise mülste denn freilich auch das Wasser, sowie es in ein darein gelegtes Brod eindringt, aufhören, Wasser zu sein, eine Denkoperation, die man schwerlich selbst dem unentwickeltsten Hirn zutraut. Gerade das Gegenteil ist der Fall; erst ein viel höher entwickeltes Denken bemerkt, dafs die eindringende Substanz durch die eingegangene Verbindung unter Umständen eine Veränderung erleidet; das naive Denken wird stets an der Identität festhalten. So führt uns auch die aristotelische Stelle dazu, dafs @rzreıgov und xevöv den Pythagoreern qualitativ gleich waren, ein Ergebnis, zu welchem auch Byk gelangt ist, wie vor ihm Chr. Weiss, Böckh und Ritter.?) 1) Vgl. Arist. Phys. IV. c. 9. p. 216b 81, 88; indirekt aus ib. o. 6. p. 212a 82; Them, I.p. 284; Simpl. p. 648 und ebendort Porphyrius; Philop. p. 618. *) Vgl. oben Ps.-Plut. Plac. phil. II. 9, I. 18; Stob. Eol, I. 18*; Ps.-Galen. Hist. phil. § 52 und Philop. 1. 1. *) Vgl. A. By k: Die vorsokratische Philosophie der Griechen. Leipzig 1876. L S. 114 f. u. Anm. — Chr. Weisse: Aristoteles’ Physik. Leipzig 1829. 8. 497. — Ritter: Gesch. d. pythagor. Philosophie. Hamburg 1826. 109, 117, 172 #. — BöckhS, : Philolaus etc. Berlin 1819. 8. 98.

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Diese Identität der beiden Begriffe erklärt auch eine Erscheinung, welche ohne dieselbe unverständlich wäre. In verschiedenen Fassungen der Gegensatztafel findet sich nie das Leere aufgezählt — trotz seiner grossen Bedeutung für die pythagoreische Kosmologie, derentwegen es mindestens ebenso gut wie die meisten anderen Gegensatzglieder hätte aufgenommen werden müssen. Und es ist auch aufgenommen, nur nicht unter dem Namen xevóv, sondern der mehr formalistischen Betrachtungsweise des Pythagoreismus entsprechend unter dem des @reıgov. Zeller freilich lehnt diese Folgerungen ab und macht gegen eine derartige Gleichsetzung besonders geltend, dafs „von dem Leeren ausgesagt werde, was streng genommen nur dem Begrenzenden, nicht dem Unbegrenzten zukomme“ (I. S. 355) und dafs, „halte man sich daran, dafs das Leere Grund der Scheidung sein soll,') es selbst auf die Seite des Begrenzenden und mithin das, was dadurch getrennt wird, auf die entgegengesetzte gestellt werden mülste.“ (I. S. 355 Anm.2.) Dagegen läfst sich indes bemerken, dafs das Leere, auch wenn es begrenzend wirkt und insofern nach einer Seite hin als begrenzt erscheint durch das Seiende, das es begrenzt, doch nach der anderen Seite hin, in das Unendliche hinaus, dem es entstammt, keine Begrenzung erfährt und somit bei Betonung des Zusammenhanges zwischen aufserund innerweltlichem Leeren immerhin als Unbegrenztes bezeichnet werden kann. Es ist ja nicht das Leere in seiner Gesamtheit, welches begrenzend wirken soll, sondern nur dasjenige Leere, welches als Teil von jenem in das Weltall hereintritt. Gerade um diesen Unterschied zu kennzeichnen, scheint diesem Leeren das ö doper beigefügt und zugleich dafür der entsprechende Namen xevov statt des minder anschaulichen é@zecgov gewählt zu sein. Auch Rothenbücher (a. a. O. S. 11) spricht sich entschieden gegen eine aus Arist. Phys. IV. c. 6. p. 213b 22 ff. deduzierte Identität von xevóv und äretgov aus. „Diese Ansicht muss falsch sein; denn gegen Aristoteles’ Angabe würde das Unendliche zum Prädikate und das Leere würde nur einen unendlichen Raum bedeuten. Ähnlich fehlt auch Böckh: Philol. S. 98, wenn er das, was außerhalb der Welt ist, zo dreıgov nennt. Denn Phys. II. c. 4. p. 203a 7 wird jenes ro nicht gelesen, der Begriff des Unendlichen wird also dort nur als Prädikat von dem *) Vgl. auch I. 8. 354 u. Anm. 2.

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ausser der Welt Befindlichen ausgesagt.“ Dem gegenüber mufs darauf hingewiesen werden, dass in der That cod. F zo äzrergov bietet. Doch abgesehen davon könnte unsere Stelle gar nicht - anders aufgefafst werden, als Böckh es thut. Sie handelt von der Auffassung des @zeıgov als Prinzip (deyí). Die Pythagoreer und Plato, beide bezeichnen es als Substanz, ovofa; in den weiteren Ansichten aber gehen sie auseinander. Plato verlegt es nur in die Dinge selbst, also innerhalb des Weltall. Wenn nun die Innerweltlichkeit als unterscheidendes Merkmal gegenüber der pythagoreischen Anschauung hingestellt ist, so ist klar, dafs die Pythagoreer das äzretgov nicht auf die Welt beschränkten, sondern ihm auch Aufserweltlichkeit zuschrieben. Der Begriff areıgov darf somit nicht „als Prädikat von dem aufser der Welt Befindlichen“ verstanden werden, sondern nur als Subjekt, dessen Prädikat nach Plato lediglich das Innerhalb-der-Welt-sein, nach den Pythagoreern auch noch das Aufserhalb-der-Welt-sein war. Und wenn ausserdem noch von Rothenbücher als Gegenbeweis vorgebracht wird, dafs das Leere bei dieser Auffassung nur den leeren Raum bedeute „gegen des Aristoteles’ Angabe“, so scheint dies doch nicht so sehr gegen des Aristoteles’ Angabe zu sein; denn Phys. II. c. 4. p. 203b 28: &ua Pet xai Fore xevòv xai Tomos Äreugos zeigt, dass Aristoteles beide Ansichten gleichstellte, was Bäumker a. a. O. S. 26 ausdrücklichst hervorhebt. Dieses dreıgov-xevov wird nun Erklärungsprinzip für eine Reihe von Erscheinungen, auf die oben schon kurz hingewiesen wurde. Aus ihm trat das Leere, welches trennt, in die endliche Welt herein bezw. in dessen erste Erscheinungsform, in den feurigen Weltkern.') Es sonderte die gvoecs der Dinge d. h. die Zahlen und ihre Örter und ward für die Dinge die Ursache ihres gegenseitigen Unterschiedes (Philop. p. 616, 1) dadurch, dafs es als Grenze zwischen die nebenander liegenden, kontinuierlich zusammenhängenden Teile hineintrat (zov épeEijs Xwgiouos tu), ihre Verbindung lösend (rgös un ovveyj navra sivas ra nçodyuara dAAmloıs Alex. ap. Simpl. p. 651, 28). Nur scheinbar widerspricht dem Arist. Phys. IV. c. 6. p. 213b 1 f.: 7 xai ef re &w tod mavsos 1) Stob. Ecl. I. 18°; Arist. Phys. IV, c. 6. p. 223L 22 f.; Arist. Met. XIV. o. 3. p. 1091a 15; XIII. c. 6. p. 1080b 20 und 31; auch XIV. « 5. p. 1092a 27 und dazu Zeller: I. S. 381. Anm. 1, 383 A. 4 u. 385 A. 1; Sobczyk: D. pyth. Syst. in s. Grundged. entw. Leipzig 1878 8. 3 u. 6; Weber: Hist. de la phil. Europ. Paris 1883. 9. ed. p. 84.

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auards Èdruw òvros ovvegoös und Porphyr. ap. Simpl. p. 648: ovvexès d'äroheinovres zò ndv. Denn hier ist lediglich der Gegensatz gegen die Atomisten betont, welche das Sein, das zäv, in unendlich viele disparate Teile zersplitterten und es erst so eine Verbindung mit dem Leeren eingehen liefsen.!) Eine sehr ansprechende Darstellung der scheidenden Wirkung des xevóv bietet Philoponus (p. 610, 10 ff.) Dafs nur durch das xevov eine Vielheit erzeugt werden konnte, war begründet in der ganz formalistischen Betrachtungsweise des Pythagoreismus, der in seiner Zahlenlehre die stofflichen Unterschiede ganz aufser Acht liefs und somit die Möglichkeit verlor, die Dinge durch ihre Qualitäten zu scheiden. So blieb ihm denn hiefür nichts anderes übrig, als der Gegensatz alles Stofflichen überhaupt, das xevov. In gleicher Lage waren die Eleaten; sie leugneten aber das xevov und damit verloren sie jedes Mittel, die Vielheit zu konstruieren. Aber nicht allein die Vielheit des Nebeneinanderliegenden bewirkt dieses Leere; auch die des Nacheinander wird durch dasselbe erzeugt. So entspringt aus jenem @reıgov-xevov die Zeit, die sich darstellt als eine Reihe nach einander auftretender Einzelerscheinungen, also bis zu einem gewissen Grade wenigstens eine Trennung in einzelne, sich ablösende Erscheinungen voraussetzt. Zeller (L S. 406) läfst zwar die Zeit aus einem anderen Grunde dem Unendlichen entstammen: „Wegen ihrer successiven Unendlichkeit wird von der Zeit gesagt, dafs sie aus dem Unbegrenzten d. h. dem unendlichen Raume komme.“ Aber in Wirklichkeit besteht keine so grosse Ähnlichkeit zwischen der Zeit und dem Unendlichen. Das azecgov erstreckt sich vom Weltkern aus nach allen Seiten hin endlos, die Zeit aber lediglich nach derjenigen der Zukunft, da ja die Pythagoreer einen zeitlichen Anfang der Welt lehrten. Es scheint also nicht sowohl eine grofse innere Verwandtschaft der Zeit mit der Unendlichkeit das gewesen zu sein, was die Pythagoreer *) Vgl. den auf Arist. Phys. IV. c. 6. ff. zurückgebenden parallelen Gegensatz zwischen dem xeywptrausvov xal &ôpoov xevóv der Pythagoreer und dem mageoxappivoy zal &ywptotoy xeviv der Atowisten bei den Kommentatoren; ». oben. — Auch hat Aristoteles dus Wort cowyñc schwerlich überall ganz streng gefafst; sonst hätte er Phys. IH. c. 3. p. 2032 22 kaum sagen können, dafs den Atomen der Atomisten in gewissem Sinne noch Kontinuität unter sich zukomme, insoferne sie auf einander wirken können durch Berührung (dpf). Ähnlich Ritter a. a. O. 8. 108; Bäumkors (I. 1.8.41 A. 3 S;hl.) Tadel des Porphyrius scheint dagegen nicht berechtigt, ja die von diesem allein gebotene Lesart dürfte gerade die richtige sein.

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zu jener Aufstellung führte, als vielmehr der fir jede Wahrnehmung der Zeit notwendige Wechsel der Erscheinungen, welcher eine Trennung in Teile, also nach ihrer Auffassung ein Leeres bezwaller Bestimmtheit Entbehrendes voraussetzte.!) Auch die Angabe, dafs die Zeit manchmal oyaiga tod megeéyovtos genannt wurde, läfst sich so verstehen. Während vorher das Nacheinander der Dinge ins Auge gefafst war, ist es jetzt das, was der menschlichen Beobachtung den Ablauf der Zeit am klarsten zum Bewulstsein brachte, die Bewegung des Sternhimmels. Wenn Aristoteles noch beisetzt: Sze & ze tq xoovp névra êori xai év ti Tod bAov ayaigg, so ist das wohl weiter nichts als sein eigener Versuch, sich die Sache zusammenzureimen; Archytas’ Definition aber: tov xg60v0v dudornua ris Tod sravròs púdews scheint, so dunkel sie ist, doch wenigstens nicht für Aristoteles’ Erklärung zu sprechen. *) Da aber der stetige Wechsel und die ununterbrochene Veränderung gerade das Merkmal des Lebens ist im Gegensatz zur wechsellosen Ruhe des Toten, so ist es nur konsequent, wenn die Pythagoreer aus dem @ztevgov-xexóv auch das Prinzip des Lebens herüberleiteten und diesem im Vergleich mit dem individuellen Lebensprozefs den Namen zvon oder nveüua gaben. Aus dieser offenbar metaphorischen Bezeichnung zu schliefsen, es sei materiell und demgemäfs auch das Unendliche, dem es entströmt, ist man keineswegs gendtigt.*) So würde es denn nicht mehr befremden, wenn schliefslich auch die Ursache der Bewegung im xevöv gesehen würde. Nahegelegt wenigstens wird der Gedanke, wenn wir wahrnehmen, dafs die Bewegung ebenso wie das Unbegrenzte, die Vielheit, die Verschiedenheit, die ja beide aus jenem entspringen, derjenigen Gegensatzreihe angehört, welche auf das Negative sich gründet, und dafs sie auch geradezu als Unterschiedlichkeit und Ungleichheit und Nichtseiendes bezeichnet wird.) Damit stimmt auch 5) Ähnlich Ritter a. a. O. 8. 178. *) Arist. Phys. IV. c. 10. p. 218a 33 f. und daza Simpl., Philop. und Them,; Ps.-Plut, Plac. phil. I. 21 = Stob. Ecl. L 8“*, s, Diels p. 318. 4 f. *) übereinstimmend Ritter a. a. O. 8. 175; Erdmann: Gesch. d. Phil. L § 32. 8; Siebeck: Untersuch. zur Phil. d. Griech. Halle 1878. 8, 79. ©) Arist, Phys. III. c. 2. p. 201b 20 ff.; Philop. L p. 360; dazu Prantl: Uebers. d. Phys. d. Arist. 8. 487. Anm. 6 und die Gegensatatafel bei Zeller: LS. 335, Byk a. à. 0.8.79, Windelband a. a. O. 8. 174 u. a.; ferner Sobcsyk a. a. 0.8. 18.

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was Eudemus bei Simpl. p. 431, 13 ff. über den Ursprung der Bewegung berichtet, und die Paraphrase des Themistius. Das Wie? dieser Entstehung haben die Pythagoreer freilich hier so wenig klar gemacht, wie auch in anderen Fragen. !) Es erübrigt uns nunmehr noch als letzter, heikelster Punkt zu untersuchen, in welchem Sinne die Pythagoreer den Begriff xevóv auffafsten. Bekanntlich ist ja zu unterscheiden zwischen relativer Leerheit d. h. Nicht-erfüllt-sein von Dingen, die man erwarten würde, und absoluter Leerheit d. h. Abwesenheit eines jeglichen Seins.*) Von dieser Unterscheidung findet sich im Pythagoreismus zunächst keine Spur; aber das Wahrscheinlichste ist doch, dafs ihnen als leer galt dasjenige, was kein fest bestimmtes Sein enthielt, welch letzteres sich auch allein sinnlich wahrnehmen läfst. So mufsten ihnen die Begriffe drreıgov und xevov zusammenfallen. Ob ihnen aber das dzevgov ein Leeres in des Wortes strengster Bedeutung war d. h. der absolut leere, unendliche Raum, das läfst sich kaum entscheiden. Wenn man bedenkt, dafs den Pythagoreern als wahrhaft Seiendes nur das Begrenzte galt, das aller Unbestimmtheit Entkleidete, so wird man vielleicht nicht fehlgehen, wenn man mit Byk den Gegensatz des Vollen und Leeren nicht sowohl in der An- bezw. Abwesenheit eines Seienden überhaupt, dem Sein und dem absoluten Nichts oder Körper und leeren Raum im modernen Sinne, erkennt, sondern vielmehr in der An- bezw. Abwesenheit der bestimmenden Grenze.?) Später erst, als die Atomisten mit ihren exakteren Anschauungen aufgetreten waren, ist zweifellos eine Weiter- bezw. Umbildung der Begriffe eingetreten. Das zeigt sich deutlich an Xuthos, der einen sehr ansprechenden Beweis für die Existenz eines aufserweltlichen, absolut leeren Raumes lieferte. Jede Bewegung müsse sich in dem kontinuierlichen Weltall fortpflanzen bis an dessen Grenzen und hier müsse dann ein Wogen entstehen; dies setze aber notwendig einen leeren Raum voraus. Der An*) Arist. Met. I. c. 8 p. 990a 8; und ebensowenig erfahren wir, ob sie unter dieser allgemeinen Bewegung auch die Erscheinungen der Schwere bezw. der Leichtigkeit mitinbegriffen, oder ob sie dafür wieder eine eigene Erklärung aufstellten. Vgl. die Ausstellungen des Arist. besonders hinsichtlich dieses Punktes: Met. I. c. 8. p. 9902 12 ff.; XIV. 8. p. 1090a 33 — siehe Bäumker a. a. 0. 8. 48. *) Vgl. z. B. Descartes: Prins. d, Philos. II. 17. *) Vel Byka.a O. 8. 114 Anm.

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Friedr. Walter, Zu Tacitus. klang an die Atomisten ist offenbar.') Noch mehr steht unter der Einwirkung des Atomismus der Syrakusaner Ekphantos, ein Zeitgenosse Platos: Er war, so berichten die Quellen, der einzige Pythagoreer, welcher dasWeltall aus Atomen und dem Leeren bestehen liefs und die Monaden (Einheiten) identifizierte mit den materiellen Atomen.*) Und von Alkmaion lesen wir Stob. Ecl. I. 53 = Ps.Plut. Plac. phil. 16. s. Diels p. 406. 21 ff.: "Adxpaiwv dxovew tds Tj xev TH Évros tod wrós. voöro yag sivas ro dinyodv xard tiv Tod nveúpatos elspohiv. ndvra yap ta xoïda (Plut.: xeva) yet. So hat sich der Begriff des Leeren bei den Pythagoreern erst allmählich zu klarer Bestimmtheit herausgebildet; aber die Keime hiezu lagen schon in den Anfängen des Systems und die Identitat von Gregov und xevóv, die uns bereits in der ersten Form des Pythagoreismus begegnete, ist geblieben. 1) Arist. Phys. IV. c. 9. p. 216b 20 ff. uni dazu die Kommentare, dio indes inhaltlich nichts Neues bieten. Als Pythagoreer bezeichnet den Xuthos nur Simplicius, wäbrend Themistius blofs den Namen bringt, Philoponus aber ihn soptorhs ttc nennt. Indes spricht einerseits seine Annahme der Begrenztheit, Geschlossenheit, Kontinuität des Weltalls, anderseits die eines aufserweltlichen Leeren deutlich genug dafür, dafs die Angabe des Simplicius keineswegs eine unbegründete Vermutung desselben ist, wenn auch bis jetzt jeder weitere Beleg noch vollkommen fehlt. Vgl. damit auch den eleatischen Einflufs verratenden Beweis dea Tarentiners Archytas für die Existenz des ärsıpov nach Eudemus bei Simpl. p. 467, 26 ff.; u. Zeller: L S. 405 Anm. 1; über die Zeit s. Christ: Gesch. d. griech. Literatur 1889. 1. Aufl. 8. 323. *) Stob. Rel, I. 10.1° 6. Diels p. 286b 5 ff. : "Erpavtog Eopaxoöoos els ray TloSocyopeiwy mivtwv ta Adtaipera ouate xal 1d vevóv. tac yap Iludayopmäs powkBas obtog xpditoc dnepivato owpauxde, womit zu vergleichen Theodoret. IV. 11. {ib. annot.] und Stob. Ecl. I. 21.* s, Diele p. 330b 5 ff. Vgl. Byk a a. 0. 8, 114, A. u. 8, 138 f. München. Max Offner. Zu Tacitus, von Friedr. Walter, Gymnasiallehrer in München. Agric. 33, 14 spricht Agricola zu seinen Soldaten: equidem saepe in agmine, cum vos paludes montesve fatigarent, fortissimi euiusque voces audiebam: quando dabitur hostis? quando animus? veniunt e latebris suis extrusi etc. Für das zweifellos korrupte animus schrieb Rhenanus acies, und fand diese Vermutung als sinngemäfs allgemeinen Beifall, wenn es auch nicht gut erklärbar ist, wie sich acies zu animus verändern konnte. Der Überlieferung

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Friedr. Walter, Zu Tacitus. näher liegt der Vorschlag von Schöne (s. Berliner Studien f. klass. Philol. u. Archäol. Band 10. Heft 1), für quando animus zu lesen quando comminus <venient> ? „Wann werden die Britanni ein Treffen liefern?‘ In der adnotatio belegt Schöne die Phrase comminus venire durch Beispiele aus Florus und Späteren. Aber nicht comminus steckt in animus, sondern in manus, und ist demnach zu verbessern: quando in manus <venient>? Diese Frage, welche Agricola den Soldaten in den Mund legt, beantwortet er sogleich mit den Worten: veniunt (scil. in manus), ex latebris suis extrusi u.s. w. Die Korruptel erklärt sich demnach sehr einfach: Ein Abschreiber liefs, veranlafst durch das folgende veniunt, venient weg, und animus ist Konjektur fiir das infolge des Ausfalls von venient sinnlos gewordene in manus. Zum Ausdruck vgl. Tac. h. 4, 71 ut ventum in manus; ib. cap. 76 venturos in manus; ann. 2, 80 ut venere in manus; Sall. Jug. 89, 2 in manus venire; Liv. 2, 30, 12 ubi ad manum venisset hostis; ib. cap. 46, 3 pugna iam in manus, iam ad gladios venerat; Gell. 1, 11, 9 prope ad manus ventum est. Ann. 12, 63, 1 artissimo inter Europam Asiamque divortio Byzantium in extrema Europae posuere Graeci. — Während Rhenanus in extrema Europa las, vermutete Theod. Opitz in extremo Europae, und so steht in den meisten Ausgaben. Wahrscheinlich ist jedoch extrema richtig, und zwischen Europae und posuere, wo es leicht ausfallen konnte, parte einzusetzen, so dafs sich der Ausdruck ergibt: in extrema Europae parte; vgl. Agr. 12, 9 extrema Britanniae parte; dial. 8, 4 in extremis partibus terrarum; Ammian. 19, 12, 3 in Thebaidis parte extrema;. Flor. 1, 27, 3 in media Asiae parte. Hier sei wiederholt (vgl. Fleckeisens Jahrbb. 1889, S. 248) darauf hingewiesen, dafs in gar vielen Fällen, wo bisher eine Verderbnis des Tacitustextes angenommen wurde, der Fehler nicht hierin, sondern in Lückenhaftigkeit der Uberlieferung zu suchen ist; gleich im folgenden werden wir wieder ein Beispiel dieser Art kennen lernen. Hist. 4, 73 sagt Cerialis zu den Treverern: neque ego unquam facundiam exercui, et populi Romani + virtutem armis adfirmavit. Da mit dem Genitiv populi Romani nichts anzufangen war, machte Nipperdey sachlich richtig populus Romanus zum Subjekt, so dafs die Worte den passenden Sinn geben: Weder

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Friedr. Walter, Zu Tacitus. habe ich mich irgendeinmal mit der Beredsamkeit befafst, noch hat das römische Volk anders als mit den Waffen Beweise seiner Tapferkeit gegeben. — Damit ist freilich die Frage nicht erledigt, woher der Genitiv populi Romani kommt. Zu einer Erklärung desselben gelangen wir indes, wenn Germ. 29 protulit magnitudo populi Romani (= populus Romanus) ultra Rhenum ultraque veteres terminos imperii reverentiam, verglichen wird, eine Stelle, die zur Annahme berechtigt, dals oben nach populi Romani: magnitudo ausgefallen und zu lesen ist: et populi Romani magnitudo virtutem armis adprobavit. Der eigenen Persönlichkeit stellt Cerialis des römischen Volkes Hoheit wirkungsvoll gegenüber. Hist. 1, 67, 1 plus praedae ac sanguinis + p Caecina hausit. — Meiser vermutete: per Caecinam haustum, Joh. Müller schrieb: plus praedae ac sanguinis plus Caecina hausit, indem er richtig annahm, dafs sich in dem rätselhaften p ein Wort verberge, welches zur Hervorhebung von sanguinis gedient habe. Dafs hierauf in der That besonderer Nachdruck liegt, ergibt sich aus dem Schlufs des vorhergehenden Kapitels, wo die verhältnismälsige Milde des Fabius Valens, gleichfalls eines vitellianischen Feldherrn, erwähnt wird: lento deinde agmine . . ductus exercitus, ipsa itinerum spatia . . venditante duce, foedis pactionibus adversus possessores agrorum et magistratus civitatum, adeo minaciter, ut Luco (municipium id Vocontiorum est) faces admoverit, donec pecunia mitigaretur. quotiens pecuniae materia deesset, stupris et adulteriis exorabatur. sic ad Alpes perventum. Grausamer war Cäcinas Auftreten; denn plus praedae ac sanguinis insuper (so lese ich statt des korrupten p) hausit. Zum Gebrauch von insuper in der Bedeutung: dazu noch, aufserdem vgl. hist. 2, 11, 11 quinque praetoriae cohortes et equitum vexilla cum legione prima ac deforme insuper auxilium, duo milia gladiatorum; a. 12, 44, 9 ignaro et ornante insuper Mithridate.