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A. Brueckner: Der Friedhof um Eridanos zu Athen
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Dipylon, wo die griechische Archäologische Gesellschaft, dic Agyatoloyexy Ereipia
¿y Agtvas, die Gräber der alten Hellenen vor der modernen Überbauung seit
einem halben Jahrhundert behütet hat.
DER FRIEDHOF AM ERIDANOS ZU ATHEN
Er galt im wesentlichen als auségraben; aber als ich vor zwei Jahren, unterstützt sowohl von der Berliner
Vortrag, gehalten auf der Philologenversammlung zu Graz am 1. Oktober 1909
Von AurreD BRUECKNER
i
‚Akademie wie in der allerzuvorkommendsten Weise von der griechischen Archäo| * Jögischen Gesellschaft, zusammen mit Adolf Struck an die Aufnahme eines
‘Planes. ging, hat sich gezeigt, wieviel der Aufklärung hier noch zu erwarten.
amals in zweimonatlicher Grabung mit einem Dutzend Arbeitern sich
(Mit 22 Abbildungen im Text und auf zwei Tafeln)
winnen ließ, habe ich ausführlich in einem eben erschienenen, Ihnen vor-
Hochverehrte Versammlung!
Als Alexander Conze, das Ehrenmitglied dieser Versammlung, vor einem
en Buche’) dargelegt; ich fasse Hauptsachen daraus zusammen.
Menschenalter den Frühling der Österreichischen Archäologie erweckte, hat ihn
die Wiener Akademie durch Unterstützung der Sammlung der griechischen
Grabreliefs ein breites Fundament zur Erkenntnis griechischer Kunst legen
lassen, auf dem auch die Untersuchung sicb aufbaut, von der das Präsidium
vor Ihnen zu reden vergönnt, von der auf ósterreichischem Boden zu be-
SÍ
richten eine Pflicht der Dankbarkeit erscheint. Was Conze mit seinen Schülern
und Freunden seitdem aus der Verstreutheit auf griechischem Boden und
den europäischen Museen zusammengebracht, hat er selbst bereits zu großem
Teile in der stattlichen Reihe von Bänden der ‘Attischen Grabreliefs’ dem Studium zugänglich gemacht; für die südrussischen Gebiete der griechischen Kolonisation hat vor kurzem Carl Watzinger den von Gangolf von Kieseritzky begonnenen Band im Auftrag des Deutschen Archäologischen Instituts glücklich
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ZZZ O
Soviel Grabsteine aus Museumssälen und Bauernhütten lehren können, das ist beieinander..
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vollendet; für die reichen Gebiete der Inseln und Kleinasiens ist die Bedrbeitung
von Ernst Pfuhl zu erwarten.
Heiligtum der
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Piraeus
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Aber gerade je mehr das Material aus diesen abgeleiteten Quellen anAbb, 1.
schwillt, um so stärker wird das Bedürfnis, zu ihren Ursprüngen zu dringen.
“os
Lageplan, links der Friedhnf, rechts die Stadtmauer
Es genügen nicht die athenischen Grabreliefs aus den Museen allein, sondern
wir wollen ihre Verwendung auf den Gräbern ergründen.
Dafür folgern wir
aus der Geschlossenheit des antiken Hauses auf geschlossene Grabstätten der
Familie
und ibrer Hausgenossen und fragen nach der Ausdehnung der Grabstätten
und der Aufstellung der Denkmäler in ihnen.
Aus der Ordnung der
Erida os Durchlaß bot; dort traten aus zwei Toren die Heilige Straße nach
eusis und der bequeme Fahrweg zum Piräus; zur Linken der Straßen lag,
Stadt schließen wir auf geordnete Austeilung der Familiengrabstätten vor den
Toren und fragen, wie weit waltete darüber die Stadtgemeinde, wie weit geschah die
Gründung der Friedhöfe von Sondergemeinschaften
und Vereinen.
Wir wissen, Athen war eine fromme Stadt, und darum fragen wir, wieviel des
Glaubens ist an den Ruhestätten dieser cleusinischen Mysten zum Ausdrucke
gekommen.
Wir wissen auch, das andere Lebenselement Athens,
die Philosophie, hat seit dem Ausgange des IV. Jahrb. durch die Luxusgesetze des Demetrios von Phaleron die Üppigkeit der Friedhofspracht mit Erfolg bekämpft,
und fragen, wie stellt sich zu dieser Überlieferung der Befund. Auf diese
Fragen den Boden zu prüfen bietet sich — so scheint es bislang — nur an
einer
Stelle
Athens und
Attikas
die
Möglichkeit,
im
Friedhof
nahe
dem
“ibm zur rechten Seite der Eridanos, an 100 m vor dem Tore eine Brücke, über
welche die Heilige Straße das rechte Ufer des Eridanos gewann; im Innern
eines ‘jetzt verschütteten Bogens die flachen Bogenlinien der Gräberterrassen,
die:
bis zur Höhe der südlichen Grenzmauer um 10 m anstiegen. Davor erhob
): Der Friedhof am Eridanos bei der Hagia Triada zu Athen.
olf Struck
untersucht
d'Gerhard-Stiftung der
von
Alfred
Brueckner.
Königl. Preußischen
m''und 78 Textabbildungen,
Mit
Unter Mitwirkung
Unterstützung
aus der
Akademie der Wissenschaften.
Berlin, Georg Reimer 1909,
1218.
4%
30 Mk
Dazu
er:Erlaubnis der Verlagsbuchhandlung ist hier eine Reihe von Abbildungen in kleinerem
babe entlehnt.
Page 2
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)sich eine kleine Kuppe an der Stelle der Kapelle der Mag. Triada. Von ihr
südlich ist der Hauptweg der Gräberanlage auf eine Strecke von 100 m klar;
radial zu ihm verläuft ein Querweg, der bisher nur einseitig untersucht ist.
Eine Ansicht zeigt die Ruinen beim Austritt aus dem Heiligen Tore (Taf. 12),
Das Gesichtsfeld ist begrenzt durch den niedern Rücken davor, der nach N abfällt. Hinter den Bäumen rechts schimmert die kleine Kuppe der Hag. Triada,
Zwischen ihr und der Höhe mit der Wächterbude führte der Hauptweg von
der Heiligen Straße links abgabelnd hinaus. Ihm folgen wir, um zu dem
weißen Fleck nahe der Mitte des Bildes zu kommen, zu zwei Fhrengribern, welche
Abb. 3. Grabmal des Pythagoras, vor
der Grabung 1907. Nach Conzv,
Attische Grabruliofs COXCUIA, 14408
Abb.4.
Grabmäler des Pythagoras und der korkyriischon
Gesundten nach der Grabung 1907
beide das Volk fiir bundesgenössische Würdentrüger zuniichst dem Tore angelegt
hat.
Das erste (Abb. 3) für Pythagoras, Proxenos von Selymbria, noch aus
altertiimlicher Zeit; so wie im Bilde erschien das Mal bis vor zwei Jahren.
Wir suchten den Wegboden davor (Abb, 4), fanden ihn drei Stufen tiefer durch
Prellsteine gesichert und enthüllten damit die schlichte Würde dieses einzigen
Grabmales, das aus der Epoche der Stiftung des delisch-attischen Bundes auf
uns gekommen.
Auch die Stele zweier kerkyräischen Gesandten daneben, die
gegen 373 hier bestattet worden sind, ist jetzt bis zur Tiefe des Weggrundes
ihrer Zeit gesäubert, durch die Feinheit ihrer Profilierung ein für die Entwicklung der Formen charakteristisches Gegenstück.
Wir verfolgen die Flucht dieser Stelen und gelangen 40 m davon auf eine
Page 3
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Heftt1940.Jahrbücher,Neue
AmetenBachringer,vonPhotographieNachWesten,vonHauptwugDer&.Ab.107GrabunAitdheernnazcuhDEerxiildeaynsosderaGmraFbrmiaeldh7o.fAbbD,erPruckner,Alfred
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Ecke des Hauptweges und eine Flucht von privaten Grabmälern an ihm (Taf. I 5).
Diese gliedert sich in die Fronten von vier Bezirken. Zuvorderst an der Ecke
8 m lang und ebenso tief die Stätte der Geschwister des Ritters Dexileos, der
zwanzigjährig bei Korinth 394 gefallen ist.
Daneben gleichlang eine Flucht
von Denkmälern, welche dem Brüderpaare Agathon und Sosikrates gehörte, die
aus ihrer Heimat Herakleia am Pontos nach aller Wahrscheinlichkeit 364 vor
der Tyrannis des Klearchos und seiner Nachfolger Zuflucht in Athen gesucht
haben. Daran stieß 11 m lang die von dem Stier überragte Stätte des Dionysios
aus dem athenischen Stadtquartier Kollytos; dieser war der Vetter des Redners
Hypereides und hat noch 345 das Amt eines Schatzmeisters der Hera in Samos
verwaltet. Zu äußerst ist von der Figur des Hundes an die über 16 m, 50 attische Fuß lange Frontmauer des Lysimachides von Acharnä zu erkennen; der
hat als erster Archon der Athener 339 die Nachricht von der Besetzung Elutens
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empfangen. Das Ganze also ist der Rest einer GriberstraBe, deren Ausbau
zwischen 394 und 317 fällt, in welchem Jahre Demetrios von Phaleron seine
Luxusgesetze gegeben hat. Die Breite des Weges und die Weiträumigkeit der
Anlage deutlich zu machen, wird eine Ansicht von dem andern Ende aus dienlich sein (Taf. I 6).
So sah der Weg seit 1863 und 70 aus. Unsere Aufgabe zur Herstellung
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des Planes war, den Wegboden zunächst aus den Unterkanten der Randmauern
$
geführt. Den Erfolg sehen Sie (Taf. 17): der Bau war nur bis zur Oberkante
der Terrasse ausgegraben, der ganze Mauersockel steckte noch im Schutte.
Auch hier erreichen die Blicke noch nicht den Grund. Denn vor der Ecke steht
4
festzustellen. Dazu wurde ein schmaler Graben an der Ecke des Dexileos hin-
‚der;Tiefe noch ein mächtiger Prellstein, welcher uns die anfängliche WegA dns der
angibt; die abgestufte Ausführung der Seitenwand lehrt, daß eine Böschung vor ihr herlief. An der langen Wegfront war nur die Hälfte bei der
“Ecko} in Quadern ausgefiihrt, so weit wie der steinerne Oberbau des Dexileos[ales darauf aufsaB; die andere Hälfte der Bezirkfront blieb in Bruchsteinen,
ie, wie ich aurions, grün überwachsen waren.
Die
Frage entsteht nun: welche Form hatte das Hauptmonument des Benae
1 sirkes, das des Dexileos?
Abzuzieben sind zunächst davon die beiden Stelen,
isdie nachträglich eingesetzt sind: zuerst die Palmettenstele mit dem Namen des
eE Epa, des Bruders des Dexileos, zu zweit die zwischen jener und dem vor-
“springenden Wandpfeiler eingeschobene Giebelstele der Melitta, der Schwester des
; "Dexileos, und ihres Gemahls. Auf die Mitte der viertelkreisfórmigen Wand da“ hinter gehört das Relief; aber es ist fraglich, ob die moderne Wiederherstellung
‘ es richtig auf den erhaltenen Rest der Wand versetzt hat. Wir fordern vielmehr, daß über dem hohen Sockel auch der Oberbau' höher herausgehoben war,
daß ferner dessen verputzte Kalksteinwand mit einem Profil gegen den Marmorarchitrav darüber abschloB, gleich den Anten, welche vor der Wand jederseits
. vorsprangen, und daß auch die zugesetzten Stelen in ihrer Höhe sich der Umi
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rabmung eingegliedert haben.
Diese Griinde sprecheu dafiir, daB die Wand
um. ein bis zwei Quadern hôher war. Aber auf den Asian entstehen
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Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)nun kahle Flächen, die auf den Beschauer zugekehrt schwerlich ohne Krönungen geblieben sind. Sie aufzufinden, ist noch möglich; denn das Glück hat
uns mehr bewahrt. Zu dem Inventar unserer Gipsmuseen gehört die Figur
einer Sirene (Abb. 8, Athen Nat-Museum 775), die im Arm den Rest einer
Lyra trägt, nach Vogelart vornübergebeugt, des Gleichgewichts wegen den
Vogelschwanz lang abstreckend. Ihre verlorene Basis ist danach mehr lang als
breit anzunehmen, in der Form und den Maßen entsprach sie der schmalen
Oberfläche der Antenpfeiler des Dexileos. Und in der Tat ist diese Figur 1863
links von der linken Ante gefunden worden. Wie ihr Umriß wirkte, wenn man
von der Stadt herkam, zeigt die Ansicht, die nach der Aufstellung im Berliner
31
im Himmelsraum leben die Seelen der Helden, den irdischen Leib nur birgt
die attische Erde: das ist auch die Glaubenszuversicht, auf welche dieses
Monument gegründet ist. Wie es die Grabinschrift für einen fünfjährigen
Knaben ausdrückt: è xarjo ue dvéoryos fjowa ovyyeveías (IG. IIT 1460), der
Vater hat mich anfgestellt als den Familienheros, so ward Dexileos zum Heros
seiner Familie ausgesondert und erhoben: den jung der Gott als Liebling sich
Museum genommen ist (Abb. 9); aus dem Schallkasten der Leier tönt auf den
Beschauer zu ihr Spiel.
Ihr Gegenüber auf der rechten Ante vergegenwirtigt,
solange der Schutt des Weges davor noch nicht durchsucht ist, ein Grabrelief
des Berliner Museums (Nr. 755); dort wird über der Figurengruppe die leierspielende
Sirene
links
Doppeltiöte begleitet.
von
einer gleichgestalteten
Geführtin
rechts
mit der
Also hat ein Paar dieser Musen der Seligen das Bild
des kriegerischen lleros flankiert.
Diese Anhaltspunkte hat die Kopenhagener Künstlerin Frau Helvig Kinch
Abb. 10. Grabmal des Dexileos ergänzt, nach Zeiehnung von H. Kinch
im Herstellungsversuch Abb. 10 verwertet, Über den grauen Blöcken des Unterbezirkes einen Raum absondernd; vor dem attischen Himmel glänzte über der
erkoren, zum Familienheiligen zu machen, das ist der eine Grundgedanke, der
ii vielfach und in mancherlei Form von den Athenern beim Ausbau ihrer Grab-
Kalksteinwand die Krönung im reinen Weiß des Marmors; zu den Farben der
: bezirke befolgt worden ist.
baus fing die lichtere Wand die Ecke ab, so ans dem Quadrate des Familien-
Ausmalung trat das Metall der Waffen
und der Krünze auf dem Haupt des
Dexileos und der Sirenen hinzu; der Umriß des Reliefgiebels war durch bronzene Rosetten-Girlanden
oder auch aufgesteckte Sterne noch belebt.
Sinn des Ganzen angeht, so sei
Was den
an die Worte auf dem Grabe der 432 bei
54. Den andern wird die anstoßende Grabstiitte der herakleotischen Brüder mit
ihrer überragenden Stele in der Mitte lehren. Zuvor aber bitte ich, Ihre Blicke
auf eine Reihe von Denkmälern zu lenken, die auf der andern Seite des Weges
:steht, in ihr das berühmte Relief des Hegeso (Abb. 11). Daß auch diese Gruppe
: "insgesamt einer Familie angehörte, hat die Aufdeckung des Restes einer davor
sito
Potidän gefallenen Athener erinnert: aldyo uly wvyds dxedéturo, souara dè yPor,
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Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)verlaufenden Terrassenmauer erwiesen. Doch betrachten wir die Grabmäler yeprder Gräber 4 m
nauer.
ni fünf Monumenten, von denen vier noch
Auf der Stele in der Mitte lautet die Hauptinschrift zu oberst unter
den Rosetten: Koroibos von Melite.
Darunter steht nachgetragen der Sohn des
Koroibos, Kleidemides. Darauf folgt dessen Sohn, dem
Großvater gleichnamig: Kotief.
Die Reihe
nun
der
Denkmäler davor
33
bestand
aus
in situ, drei bis obenhin, das vierte,
‘gin kleines Kapellchen nahe der linken Ecke, nur zu seinem unfersten Teile
| ‘erhalten; yon dem fünften läBt sich die Taniaplatto aus dem Erdreich losgerissen
nachweisen, auch sie trug ein kleines Kapellchen. Außerdem aber sind
*
¿ooh
1868 bei der linken und der rechten Ecke die Reste zweier Akrotere gefunden,
“binder | Form marmorner Salbgefäße, Lekythen.
So besitzen wir die Elemente
Damit
hfe Hestalong, deren Schema für die 8 m lange Front lückenlos möglich ist
hört diese Familie auf. Um
12). Aus technischen Einzelheiten geht die Zeitfolge der Denkmäler berroibos, Sohn
des Kleidemides von Melite.
300 ist dann ins Feld über
den Rosetten der Name des
Sosikles von Eitea gesetzt;
schließlich zu unterst auch
dessen
Sohn Euthydemos
eingetragen.
Also sind es
nur Männer, die auf der
Stele
nacheinander
verzeichnet sind. Der Namensfolge nach waren sie verheiratet; aber ihre Frauen,
Töchter und jungen Söhne
sind nieht mit auf die Stele
gekommen;
sondern
die
bohe Stele verbleibt dem
Familienoberhaupt, sie erbt
Abb. 11.
durchgehenden,
doch
auch
dann
weiter
als Majorat.
Nach
dieser
zwar
nicht
sonst zu belegenden Sitte war also die Mutter
der Familie von der Stele ausgeschlossen; eben deshalb erhielt sie ein andersartiges Mal, das der Stele sich unterordnet und sie ergänzt; und die entstehende
Gruppe, in ihren Elementen nach der Strenge des Rechtes geschieden, vereinigt
in attischer Formenklarheit die lapidare Schlichtheit der Manneswürde mit dem
lebendigeren Reize der Frauenanmut. Das war zum Verständnis der Grabmäler der
Herakleoten vorauszuschicken.
Für die Hegeso, die Tochter des Proxenos, ergibt
sich, daß sie die Frau des Stifters der Anlage, des ältesten Koroibos, war — sein
Brautgeschenk wird sie in ihren Händen halten —; zur andern Seite der Stele hät
ein früh und unverheiratet verstorbener Enkel sein besonderes Denkmal erhalten.
Doch zurück zu den Herakleoten gegenüber (vgl. Taf.
15 und Abb. 13 links).
Die Untersuchung ist auf den Grund vor der Terrasse hinabgedrungen.
lang, 2 m hoch ist die Terrassenmauer mit Stuck verkleidet.
8 m
Sie wurde durch
eine Lage von flachen Tonziegeln abgedeckt, die an die Fundamente der Denkmiler stößt.
Die Ziegel haben ein schmales, eingefaBtes Beet getragen, wie aus
‚dem gleichartigen Befunde zweier anderer Grabbezirke klargeworden ist.
also zog sich vor den Denkmälern her.
Dies
Hinter ihnen dehnte sich der Raum
“ps Relief zeigt den überlebenden Jaton vor der Gruppe der Versee
der Korallion und neben ihr des Sosikrates. Auf der andern Seite
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reichen Junggesellen; denn nach der Inschrift trauerten mit den Freunden
gemalten Kapelle sein besonderes Mal erhalten, anscheinend nach der Errichtung
a agAthen und Samos nur seine Mutter und seine Schwestern. Was heute rechts
des kleinen Naiskos ganz rechts. So läßt hier das Glück noch die ganze Schaufront in ihrem Entstehen verfolgen und liefert uns ein Muster für die Anordnung hunderter von Monumenten, die jetzt aus dem Zusammenhang gerissen in
den Museen stehen. Über dem Ganzen herrschte die BaorAelx des Mannesstammes, verkörpert in der Stele; der Akanthos ihrer Krönung war im Einklang mit der lebenden Akanthosrabatte ihr zu Füßen. Dem Symbol der
Familieneinheit ordnen sich die Kultmale der einzelnen Glieder unter; und das
Ganze wird gerahmt von dem Gefüßpaare, das zwar von dekorativer Bestimmung dennoch symbolischer Bedeutung nicht entbehrt hat. Es sind heilige Salbund: links neben seiner ehedem ausgemalten Kapelle erscheint, sind kiimmerliche
spätere Einbauten.
Die ursprüngliche Ausdehnung der Anlage von der Ecke
. der, Herakleoten bis zur Ecke des Lysimachides erhellt aus den Fundamente,
‘das unsere Grabung 3 m unter dem Marmorsockel der Kapelle in Länge
0 a m freigelegt hat. Uber diesem ist schon um 100 v. Chr. die ganze
Torre senwand, die inzwischen im Erdreich versunken war, ausgehoben worden;
‘pie! mus ‚ursprünglich bis zur Höhe der jetzt bloBliegenden Fundamentierung
ve der”‚Kapelle gereicht haben. Zu unterst also erhob sich über dem Wege ein
1 Sockel aus großen Quadern, ähnlich aber prächtiger und länger als die Terrasse
i der Herakleoten. Die Mitte überragte hier über bläulicher Marmorbasis der
gefüße, die an die Bahre und auf die Gräber sowohl von Männern wie Frauen
gesetzt wurden — eben deshalb nicht auf gymnastische Betätigung im Leben
zu deuten; vielmehr hat die religiöse Zuversicht des Psalmisten “Herr Gott, Du
salbest mein Haupt mit Öl’ auch bei den Athenern im Leben diesseits und
jenseits des Todes bestanden und gewirkt. Es ist die Hoffnung auf Erweckung
im Elysium, die in diesem und dem meisten ornamentalen Beiwerk der attischen Friedhöfe symbolisiert ist.
Die dritte Grabstelle am Wege (Abb. 13) gehörte Dionysios von Kollytos,
—
e+r
Von der Front des Bezirkes dea Dionysios
Länge der Wand Andes wiederum “Eckkrénungen, und in der Tat ist
1863 hinter der linken Ecke eine Skulptur fortgenommen worden, die als
roter einer linken Ecke geschaffen war (Abb, 14), ein grimmiger Löwe, der
in:.Opfer gepackt hält. Auch sein Gegenstück war nicht weit davon verDas Verhältnis dieser Gruppe zu der Mitte und den Aufbau, soit.er bisher zu gewinnen, zeigt die schematische Wiederherstellung (Abb. 15).
rs.
Midex
ie
Abb
13.
Grabmul des Dinyuivs von Boliytos.
Nach Photographic von Rhomaidia
di.
links vor ihm eine zweite menschliche Figur.
Die Löwen zu den Seiten,
Erdgrund des Grabes hütend, sind Todesdämonen. Der Stier aber, der zum
Himmel emporgehoben über Dionysios iaawer Ends es anders
ctaltigo Dionysos? Sein Bild über einem nal bietet eine berühmte
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Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)A. Brueckner: Der Friedhof am Eridanos zu Athen
Pariser Gemme, wie er als Stier dahinstiirmt, die Efeuranke um den Leib,
Sagt doch auch das Epigramm der Kapelle:
Ddua uèv Evdads cov, Aiovicie, yaia xadurres,
ni
‘
DI
puyhy de &Pdvarov xorvdg Eyer taplas.
.
4
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Noch manches schöne Werk von diesem Flecken Erde wäre der Erörtei
fi
rung wert, wenn ich nicht fürchten müßte, die Geduld unseres hochverehrten
Präsidiums auf die Probe zu stellen.
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}
i
Es würde in anderer Form Gedanken
ähnlicher Richtung lehren, überall aber zu dem Ergebnisse führen, daß zum
Verständnisse dieser Denkmäler hindurchzudringen ist durch den Schleier des
Rationalismus zu den Mysterien des Glaubens, in welchen die Kunst des Friedhofs gewurzelt hat, an welche sie gebunden geblieben ist.
+4
Abb. 16.
Die Eintellung des Friedhofes im vierten vorchr. Jahrhundert
Au fn wer QP begrenzt wurde, ist während des IV. Jahrh. nach allem Bisherigen
tattet worden. Ein großer Brunnen und darumher einige Mauerzüge sind
legt. Der Raum kann also sei es bei Versammlungen dieses Vereins,
DE Yom Vereine ummauerten und angeschütteten Terrassen lagen, mit Beem Tale, dem Eridanos und der eleusinischen StraBe, zu: die Fluchtlinien
ze
Pracht der Denkmäler dieses Gottesackers vor dem Wanderer, der auf
{Heiligen Straße dem Stadttore nahte, sich ausbreitete und erhob, Keine
ofsmauer trennt diese Toten von dem Leben ihrer Stadt.
Ihm drängen
| ‚dem Stadttor planmäßig zusammen in streng gewahrter Einheitlichkeit der
So ist nur eine kurze Strecke aus dem ganzen von Adolf Struck aufgenommenen Gebiete veranschaulicht, nach dem Plan der Parzellen des IV. Jahrh.
(Abb. 16) aus zwanzig nachzuweisenden Familienbezirken nur I—III. Auch die
zwanzig waren von der ganzen Anlage nur ein Teil.
angeht,
so
ist anzunehmen,
daß
sie im
Jahre 394
Was ihre Begründung
unter
planmäßiger Terrassierung des Geländes geschehen ist, nicht seitens des Staates, dessen Für-
Grandlinien zu einer Darstellung des regen und frommen Gemeinsinnes ihrer
firgerschaft. In diesem Streben haben die Athener auch an den Grübern ge#hwelgt, in diesem Streben haben sie sich verblutet.
Noch ein Ergebnis möchte ich vornehmlich den Herren Museumsvorständen
jelegen dürfen.
Sämtliche Grabmonumente dieses Friedhofs waren von der
ler zu sehen.
Wieviel das ausmacht, bitte ich an der Nebeneinandersorge sich auf die Ehrengräber näher dem Tore beschränkte, nicht auch von
ellangi älterer und neuerer, freilich noch nicht tief genug genommener Aufeiner Phyle oder einem Demos, sondern nach aller Wahrscheinlichkeit von einem
nahmen zu prüfen. Links die alte, rechts die neue Aufnahme. Links
(Abb. 17 a, b) fällt der Blick auf die unausgearbeitete Fläche des Bodens,
der zahlreichen Kultvereine.
Im Kerne der bogenförmigen Anlage, die von der
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Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)rechts wirkt nur sein Umriß. Das scheinbare Tänzeln des Kriegers links wird
rechts zum festen Auftreten. Die Figur löst sich mehr von dem Hintergrund,
ihr Hals erscheint freier, die ganze Gestalt wird gestreckter, idealer. Ein
zweites Beispiel (Taf. II 18 a, b): auch hier wieder rechts die größere Freiheit
der Figur von dem Grunde; links sieht man bis in den Grund der Falten
hinein, rechts gruppieren sie sich; der links so häßlich lange Zipfel des Mantels
über dem Stuhlkasten wird erst in der Ansicht rechts gerechtfertigt, da man
sieht, wie er aufliegt.
Abb. 17.
ren
Endlich das letzte Bild (Taf. Il 19 a, b), der Abschied f':
Abb.18
Athen, Nat-Mus. 761
Conze, Girabreliefs XXXIV 73
Abb. 18.
Athen, Nat-Mus. 717: Vonze, Grabreliofs LXXN 322
Relief den Aristonautes, Athen, Nat.-Mus. 738; Conze, Grabrelicfs CCXLV 1151
der Tochter von ihren Eltern.
In der alten Aufnahme links hat die Sitzende
fast einen schielenden Blick.
Rechts verliert der Kopf die steife Haltung; er
neigt sich etwas zur linken Schulter, und damit werden die Sitzende und der
Stehende einander ähnlich in der stillbewegten Haltung, und beider Blicke, des
Vaters und der Mutter, ruhen voll auf dem Antlitz ihres Kindes.
schließt sich bei tieferem Augenpunkt besser zusammen.
Die Gruppe
Je mehr man hinabgeht, um so mehr löst sich der Kopf des Mädchens vom Grunde.
Sah man
gerade darauf,
sieht man
so blieb seine ganze rechte Gesichtshälfte verdeckt;
von unten, so wirkt auch sein schönes Oval, das der Künstler eben deshalb bis
auf den Grund ausgeärbeitet hat.
Je tiefer wir in dieses Gebiet attischer Kunst, attischen Lebens, attischen
Nene Jahrbücher.
Loft H
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Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)È @laubens eindringen, um so überlegter und gesetzmäßiger, um so menschlicher
‘and schöner stellt es sich dar. So wird es von allgemeinem Interesse sein, daß
eben jetzt dio “doyaodoyixi) 'Eraupfa mit der völligen und gründlichen Auf‘deckung dieser Ehrenstätte der Athener beginnen will. Der Mitarbeit an den
griechischen Grabreliefs der Wiener Akademie danke ich, daß ich auf den
Wünsch der griechischen Archäologischen Gesellschaft seitens des Kgl. preubi_. gehen Unterrichtsministeriums und der mir vorgesetzten Behörden beurlaubt
„der auf ein Jahr berechneten Unternehmung meine Dienste widmen darf.