Pythagoras und die Musen?

Auteur
Freyer-S, B.
Publié dans
Kotinos: Festschrift fur Erika Simon
Année
1992
Sujet
FRAGMENT
Langue
Deutsch
Catégorie
B10 Fragments
Numéro d'archive
4172

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RE YER-S , 8 AA Pythagoras und die Musen? Brigitte Freyer-Schauenburg, Kiel Zu den Streufunden aus dem Stadtgebiet oder der näheren Umgebung von Tigani-Pythagoreion auf Samos, die in den frühen sicbziger Jahren vom griechischen Antikendienst geborgen werden konnten, gehört auch das Fragment, das im folgenden bekannt gemacht werden kann (Taf. 71,3-4)'. Es stammt von der rechten Seite eines Reliefs mit vereinfachter architektonischer Rahmung: die obere Leiste ist als gestufter Architrav, die seitliche als Ante mit eckig ausladendem Kapitell gebildet. Dic vergleichsweise hohe Sockelzone weist links eine etwa 2 cm hohe Einklinkung mit sauber geschnittenem rechten Winkel auf; die ursprüngliche Breite dieses Einschnitts ist nicht mehr zu ermitteln?. Umgeben ist er von einer gespitzten Fläche, die in einem sauber umgrenzten Feld den Raum über ihm und - in einem schmalen Streifen - neben ihm einnimmt. Da bei unserem Fragment als einem Weihrelief wohl kaum mit der Rasur einer Inschrift zu rechnen ist, wird dieses aufgerauhte Feld ebenso wie die rechteckige Einklinkung mit der Sockelung zusammenhängen. Vielleicht war das Relief in einen Sockel eingelassen, der etwa analog zum Votivträger des Telemachosreliefs’ auf der Oberseite mit einem breiten Querfalz versehen war, in den dic gerauhte Fläche eingriff. Auf der verlorenen Gegenscite kónnte das Relief gleichweit über diesen Sockel hinab- und hinausgeragt haben und dadurch gegen cin scitliches Verschieben aus ihm gesichert gewesen sein. Eine solche Ergänzung würde eine ursprünglich oblonge Platte ergeben; wir hätten es somit nicht mit einer Dreifigurenkomposition, sondern mit dem Rest eines vielfigurigen Reliefs zu tun. Von der Darstellung sind die beiden letzten Figuren am rechten Ende der Platte erhalten, eine dritte gleichformatige - ist durch die erhobene rechte Hand neben der Bruchfläche gesichert. Vor ihr sitzt ein bärtiger Mann auf einem gebuckelten Felsen, auf dem er sich mit durchgedrücktem linken Arm abstützt, wobei er seinen Oberkörper nach vorn wendet. Er trägt cin Himation, das links über Schulter und Arm geschlagen ist, in gedrehtem Wulst die Taille umgibt und mit seinem langen Überschlag bis zu den Hüften herabreicht, wobei die gerade Saumkante vorne auf dem Felsen aufliegt. Das ins Dreiviertelprofil gewandte Antlitz ist bis auf cinen Teil seiner rechten Seite - Stirn, Braue, Auge und Wangenansatz (Taf. 71,3) - abgesplittert. Das verriebene Haar scheint recht voll gewesen zu sein, von dem halblangen Bart sind nurmehr die schräg auf den Hals treffenden einzelnen Strähnen-Enden erhalten. Ausgeprägte Halsfalten sowie Falten um die einsinkende rechte Brustpartie charakterisieren den Sitzenden als älteren oder alten Mann. Er hat den rechten Arm vor dem Körper eng anliegend gewinkelt, die halb geöffnete Hand hält locker einen unregelmäßigen Stab, der schräg auf den Boden gestützt ist. Vor dem Felsensitz stcht ein eckiger Kasten mit kleinen Füssen und geschlossenem Deckel. Neben und über dem Kasten windet sich eine kleine Schlange empor, deren Schwanzspitze bis zum Boden herabreicht, die also nicht aus jenem gekrochen kommt (Taf. 71,4). Dem Sitzenden schließt sich rechts cine en face stehende, eng in ihren Mantel gehüllte weibliche Figur an, Ihr ins Dreiviertelprofil gewandter Kopf ist bis auf den Umriß der rechten Wange und den Kontur des Haares, das wahrscheinlich hinten zusammengenommen zu denken ist, abgebrochen. In dichter Staffelung wird ihr rechter Körperkontur von dem Bärtigen, wird ihr rechtes Bein von dem Felsen Inv. TP 600, Weißgrauer Marmor. H 525 cm. Br. Mom. D. am oberen Rand 6,3 cm. Rückseite und linke Außenkante in Spitzeisenbosse, Oberseite gezahne Athen Inst.Neg, 76/97. Ph. Zaphiropoulou Publikations-Erlaubris und die Mbghehkeit, das jetzt im Kastro-Magazin und M. aufbewahne Relicf Wigliaki danke nochmals ich für die studieren zu dürfen. J. Raeder löste mit seinem Hinweis auf das Chigi-Relief als möglich: Parallele die folgenden Überlegungen aus. Für eine solehe technische Herrichtung kenne ich keine Parallele; such J. Fabricius, die cine Dissertation ther die Aufstellung von lotenmahircliefs vorbereizct, konnte mir kein cxaktes Vergleichsstück nennen. So sind cıwa bui den u.a. von ihr genannten Reliefs E. Pfuht - H. Mobius, Dic ostgricchischen Grabreliefs | (1977) Taf. 88,559 und 11 (1979) Taf. 231, 1589 u. 244, 1667 dic Einklinkungen kleiner und nur in den vorderen Teil der Platte eingetictt, Y sgt A, Milchhöfer, Jdl 2, 1887, 23 IT. L. Beschi. ASAtene 45/46 (NS 29/30), 1967/68, 400 IT.

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Pythagoras und die Musen? 325 überschnitten. Das linke, schräg übergekreuzte Bein zeichnet sich deutlich unter dem Gewand ab, belegt ist”. Sodann die Art des Sitzens: cs ist kein repräsentatives Thronen, sondern eine desgleichen die geschlossene rechte Hand vor dem Schoß, die in das Gewand greift. Der linke Arm ist Haltung, was zumindest eine Deutung auf Asklepios wohl ausschließt"‘. Zu keiner angewinkelt, die Hand umfaßt einen zylindrischen Gegenstand. Unter dem Manzini treten die paßt die Art, wie der Stab umfaßt und gehalten wird: der Sitzende hat ihn weder chi den Chitonfal hervor; die Sohle der Sandale ist plastisch angegeben. Die gesamte Oberfläche ist mit dickem Sinter behaftet, wodurch Details ZT. schwer erkennbar sind. In dem blockhaften Umriß und der gedrungenen Statur erinnert die stehende Frau an frühhellenistische Werke wie die Statue der Nikeso aus Priene‘, wobei sic in vielen Zügen noch unmittelbar in der Tradition des späten 4. Jhs. steht. Das in diesem Zeitraum entstandene Motiv der verhüllten Hand, die in das Himation greift, ist bei ihr in vereinfachter Form vorgeführt; der Duktus der von der Hand zusammengezogenen Falten ist linear. Das sich wie isoliert unter dem Mantel abzcichnende, übergeschlagene Bein läßt sich von Darstellungen wie der der Hygieia auf dem Weihrelicffragment Athen, NM 2557° ableiten. In den gleichen Zeitraum weist dic Wiedergabe des Bärtigen. Seine linke, flach auf den Felssitz gestützte Hand ist im Gelenk rechtwinklig gewinkelt, der aufgestützte Arm fest durchgedrückt, die Schulter dadurch energisch nach oben seschihen - ‚eine Ausprägung des Aufstützmotivs, die erst nach der Mitte des 4, Jhs. v.Chr. aufkam’ und “a frühen Hellenismus in der Tyche von Antiochia eine ihrer berühmtesten Ausprägungen erfuhr. Sie ist bei unserem Sitzenden in besonderer Intensität dargestellt - die linke Armkugel wólbt sich unter dem Druck cher lässige der beiden Gottheiten repräsentativ aufgestellt, noch stützt er sich auf ihn, sondern hält ihn nur locker am oberen Ende, während das untere schräg auf den Boden trifft, Der Stab ist also kein Zeichen der Würde, kein Szepter (gegen ein solches spricht auch seine unregelmäßige Form), und er ist auch nicht die kräftige Stütze, die Asklepios zukäme. Ferner läßt sich der eckige Kasten nicht mit Zeus Meilichios verbinden, und auch auf Weihrcliefs für Asklepios findet nicht er, sondern die runde Cista Verwendung”. Die weibliche Figur rechts ließe sich zwar im Verein mit beiden Gottheiten jeweils benennen - auf Meter bzw. Hera Meilichia als Begleiterin des Zeus", auf Hygicia als die des Asklepios - aber mit keiner der Genannten läßt sich das Attribut in ihrer linken Hand verbinden. Die dritte Figur links schließlich, die nach Ausweis ihrer Hand gleichformatig und somit gleichrangig, also keine könnte nur in Verbindung mit Asklepios erklärt werden, und zwar als weiteres Adorantenfigur war, Mitglied seiner Familie. Da wir also auf diesem Weg für unser Fragment keine überzeugende Deutung finden können, gehen wir das Problem von einer anderen Seite an - nämlich von der stehenden Frau aus. Der zylindrische Gegenstand in ihrer Linken ist zweifelsfrei eine Schriftrolle, die sie in gängiger Weise mit festem Griff umfaßt". Sie ist durch diese eindeutig als Muse charakterisiert. Barháuptig und eng in den Mantel energisch nach oben, die nackte linke Schlüsselbeinpartie ist stark angespannt. In der schräg zum Grund gehüllt, entspricht sie einem im späteren 4. und früheren 3. Jh. v.Chr. geläufigen gerichteteten, frontalen Breitung erinnern die beiden Gestalten an Weihreliefs des späten 4. Jhs. v.Chr. wie etwa das Relief Melchett, auf dem Asklepios und Hygieia in cinem vergleichbaren Verhältnis zum Körperhaltung mit dem übergeschlagenen Bein läßt sie sich mit der dritten Muse von rechts auf dem klassizistischen Relief Chigi” vergleichen. Die erhobene Hand neben der Bruchkante unseres Fragments läßt sich bei dieser Deutung zu einer weiteren Muse ergänzen, die den Sitzenden mit einem (ehemals gemalten) Kranz bekränzte. Die Anwesenheit von nur zwei Musen ware für cin Relief frühhellenistischer Zeit ungewöhnlich, so daß sich links wahrscheinlich noch sieben weitere anschlossen??, Auch von der Darstellung her wird somit die Ergänzung des Reliefs zu einer langrechtecki gen Platte (in der Art des oben genannten Reliefs Chigi) wahrscheinlich, so wie wir dies eingangs schon aus der technischen Herrichtung erschließen zu können glaubten. Reliefgrund stehen, sich vergleichbar dem Betrachter zuwenden”. | Der provinziell verhärtete Stil, in dem unser Relief gearbeitet ist, findet sich auf Samos etwa in dem Weihrelief für Hermes Chthonios (?) wieder’, dessen Adoranten ähnlich eckig in ihren Bewegungen sind wie die Figuren unseres Fragments. Gemeinsam ist den beiden Reliefs auch, daß sie typologisch nicht in der Tradition spätklassischer attischer Vorbilder stehen', sondern - und sei es auch in provinzieller Manier - cigenstandige Inhalte ausdrücken. Schon aus diesem Grunde überrascht cs nicht, daB sich unser Fragment einer spontanen Deutung entzieht, Der sitzende Bärtige in Verbindung mit einer Schlange neben ihm und der Frau zu seiner Linken läßt zunächst alternativ an zwei Gottheiten denken, deren Verehrung auf Samos auch anderweitig belegt ist: Zeus Meilichios'? oder Asklepios”. Gegen beide Deutungen aber sprechen mehrere Punkte. Dies gilt zunächst für den als Sitz dienenden Felsen, der bislang nur für Zeus Meilichios'*, nicht aber für Asklepios Musentypus”. In ihrer In diesen Zusammenhang paßt nun auch der kleine Kasten am Boden, nämlich als Behälter für Buchrollen. Etwa gleichformatig und von gleicher Form (eckig, mit flachem Deckel, in ganzer Höhe abgesetzten Beinen und kurzen Füßen) begegnen uns solche Rollenkästen auf attischen Vasenbildern des 5. Shs. v.Chr.”. Im Bereich der Reliefkunst kann auf das oben schon erwähnte böotische Grabrelief Athen, NM. 817* oder auch an das Grabrelief aus Grottaferrata” erinnert werden. Derartige Rollenkästen gehören dann auch zum Ambiente von Darstellungen von Weisen * Berlin Mus. R Hom, Stchend iche Gewand (1931) 24 ff, Taf. 8,1. L. Alscher, Griechische Plastik IV (1957) 26 €. Abb. 4, A. Linfert, Kunstzentren hellenistischer Zeit (1976) 24 [. 5 vgl. Hom 2.0. 18 zu Taf. 14,1; Linfert 2.0. 53 f. mit Anm. 151. € Svoronos 651 Nr. 397 Taf. 171. H. Süsserott, Griechische Plastik des 4. Jhs. (1938) 119 Taf. 22,2, LIMC V 558 Nr. 29 Taf. 383 (Croissant), È A. Kaltenhä H kliche Gestaltung im Pädagogin) auf dem im Ictzten Jahrh ff, 333 gis 30. W. Schitd-Xenidou, Boioti attischen icriel G lief (1938) 10 f, Ähnlich ctwa stützt sich die Dichterin er di icf Athen, NM. 817 (G. Rodenwatdt, Jul 28, 1913, ® T. Dohm, Die Tyche von Antiochia (1960). LH Griechische Weihrelicfs (1960) 69 Abb, 38, LIMC Y Nr. 144 Taf. 391 (Croissant). 1 R Hom, Samos XII (1972) 6. 128 f. Ne. 103 Taf. 67. E. Mitropoulou, Deities and Heroes in the Form of Snakes (1977) 178 ff. Nr. 92. | rielmchr in das ausgehende 1. Drittel des 4. Jhs. v.Chr. gehören wird) und demnächst Verf. in Samos XIII "2 preuner, AM 49. 1924, 42 Nr. 9. 13 W Wei i ner epi E. Fabricius, Fabrici AM 9,9, 1894, ? 256 Nr, u: Asklepiosstatue durch C, Nermus Karpos:x E. : P. Herrmann, AM 75, 1960, 1169 erra cise Weihung an Asklepios handcit es sich m.E. auch bei dem spätklassischen Weihrelicf Inv. | 51 aus dem Heraion (M. Schede, 2. Vorl.Bericht, 1929, 24 f. Abb. 19; LIMC IV 689, Hera 258 [Kossatz-Deissmann]). Vgl. such dea von E. Berger aus der i Askicpios-Torso, der vielleicht aus den Thermen der antiken Hauptstadt stammt (Antike Kunstwerke Sammlung Ludwig II}, Skutpturen {1990} 206 Beil. 22.2). Li vgl. Korfu, Mus. 352 (Lippoid 413; Hausmann 3.0. [oben Anm, 9), 91. 94 Abb. 57, Mitropoulou 2.0. [oben Anm. 10}, 136 f. Nr. 27). Sig Wegener, Funktion und Bedeutung landschaftlicher El in der griechischen Reliefk (1985) 115 ff. 19 Zeus Meilichios ist dagegen bisweilen recht lässig sitzend dargestellt worden: Athen, Agora Mus. S 593: Hausmann Abb. 58; Mitropoulou 2.0. 121 f. Nr.12 Abb, 54. Grab- und Weihrelicfs [1972] 70 (. Nr. 82) auf ihrem Schemel auf. LL vgl. Hom 2.0. $ f. {wobei der Kopf Nr. 106 b Beil. 2 nicht in das letzte Viertel, und Philosophen*, Lassen sich in diesem Umkreis nun auch der Stab des Bartigen erklären und die Art, wie dieser ihn hält? In seiner halblangen und leicht unregelmäßig gewachsenen Form erinnert jener unmittelbar an den 2.0. 95 ff. !7 E Bielefeld, Wiss.Zeitschr, der Univ. Greifswald 1, 1951/2, 25 8. '® M.P. Nilsson, Geschichte der griechischen Religion I (1955) 412. H. Möbius, Studia Varia (1967) 118. !° Th. Birt, Die Buchrolle in der Kunst (1907, Nachdruck 1976) 44 f. = Vgl. etwa die mittlere Muse auf der Platte Athen, NM. 216, der Basis von Mantinca (Lippoid 238 Taf. 85,2; BrBr 468) oder dic wohl als Muse zu deutende Frau auf dem Weihrelicf Rom, Mus. Nuovo 1409 (D. Mustilli, Il Museo Mussolini [1939] 86 Nr.? Taf 50,206, Helbig” 1721 [v.Steuben)). * Siena, Mus.Arch. L Guerini, ArchC1 41, 1989, 22 1. Abb. 21 (2.0. 1 IT. zur Geschichte und Literatur des Stücks). = vp). M. Wegner, Die Musensarkophage (ASR V3, 1966, 93) gegen dic Annahme cines k ischen Dreivereins Übergangsstufe zwischen der Urmuse und dem aus neuen Musen bestehenden Musenchor. von Musen als 3 Bin 2.0. 248 ff. E. Brümmer, Jdl 100, 1985, 101 ff. Abb. L2b. 29a-c. À s oben Anm. 7. 5 Pruhl-Môbivs 2.0. {oben Anm. 2) 1 15 € Nr56 Taf.14, vgl. Verf., Gymnasium 85, 1979, 262. Ich beabsichtige nich wie vor, dieses Werk einmal ausführlicher einzugehen. % K Gaiser, Das Philosophenmosaik in Neupel (1980) 11.

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Pythagoras und die Musen? 327 locker und schräg gerichtet in der Rechten hält”. Ein gleichformatiger Stab wird von der Gestalt rechts Pisonenvilla im Ncapler National und eine Büste in Brüsse?*, Immerhin widerspricht das Wenige, was von unserem Relicfkopf erhalten ist (Taf. 71,3), nicht gegen eine Verbindung mit diesen außen auf dem Mosaik in der Villa Albani eindeutig als Zeigestock verwendet, als Radius”. Daß solche beiden Porträts: das noch volle Stirnhaar, das schon J. Bernoulli als das einzige kennzeichnende Merkmal Stab, den der auf Thales gedeutete Torso aus der Statuengruppe aus dem Sarapicion in Memphis ähnlich halblangen Stäbe nicht mit dem knorrigen Wanderstock gleichgesetzt werden soliten, mit dem für diesen Philosophen akzeptiert hatte”, scheint durch die gebuckelte Oberseite auch für unseren vorzugsweise die Kyniker dargestellt wurden”, legt der nur noch in Zeichnungen überlieferte Reliefkopf gesichert zu sein; der Bart ist gleichermaßen halblang und rund umgrenzt; die zerklüftete Philosophenfries aus der Casa del Centenario in Pompeji nahe”. Von dem langen Knotenstock, den der Stirn mit den stark hervortretenden Brauenwülsten, die besonders beim Neapler Kopf ausgeprägt sind”, dritte Philosoph von links im Arm hält, ist dort nämlich deutlich der nur halblange, dünnere Stab lassen sich in Resten auch an der rechten Seite unseres Reliefkopfes erkennen. unterschicden, den der siebte wiederum schräg auf den Boden stützt. Sollte es sich dabei nicht auch eher Kontrovers sind die Interpretationen der beiden im 5. Jh. v.Chr. geprägten Silbermünzen aus Abdera, um einen vergleichbaren, leicht unregelmäßig gewachsenen Zeigestock handeln als - wie vorgeschlagen - die auf der Rückseite jeweils einen bärtigen Kopf mit der Umschrift ITY8ATOPHE zeigen“. Ohne in die um die Gerte des Paidotriben”, die in der Hand eines Philosophen doch befremdlich ware? Daß es allerdings auch fließende Übergänge zwischen den beiden Formen gab, zeigt unter anderem ein Diskussion eingreifen zu wollen, sei auf ein Detail hingewiesen, in dem sich die zuletzt von D. Metzler ausführlich vertretene Deutung dieser Münzporträts als Bildnisse des samischen Philosophen” mit der Wandbild aus Ephesos, auf dem Sokrates einen halblangen, relativ dünnen Knotenstock locker in der unseres Reliefkopfes gegenseitig stützen können: zurecht hebt Metzler die fransigen Strähnen hervor, die Linken trägt”. bei jenen nicht nur aus dem Nackenhaar”, sondern auch unter dem Bart herausragen - die deutlich In jedem Fall handelt es sich bei unserem Sitzenden nicht um einen Dichter, nicht etwa um Homer, an den man wegen der ihn bekränzenden Muse zunächst denken könnte”, sondern um einen Philosophen voneinander getrennten Stege auf der Unterseite des Bartes (Taf. 71,3) könnten bei unserem Reliefkopf auf ähnliche, einzeln aus dem Bartkontur herabhängende Fransen schließen lassen. oder Weisen. Folgt man meiner Deutung des Stabes als Zeigestock, wäre er durch ihn als Astronom oder Dic aufgezeigten Ubereinstimmungen legen nahe, daB eine Art verbindlicher Ikonographie des als auf dem Gebiet der Geometrie ausgewiesener Mathematiker näher charakterisiert. Allerdings benutzt Philosophen von Samos tradiert worden ist. In unserem Zusammenhang wäre wichtig, wenn sich hierfür er seinen Stab nicht, um ein Problem zu demonstrieren oder um auf etwas hinzuweisen - im Gegenteil, auf der Insel selbst ein statuarisches Beispiel klassischer oder frühhellenistischer Zeit näher fassen ließe, die Spitze des Radius trifft nicht nur auf leeren Boden, sondern der Bärtige hat auch sein Haupt Diesbezügliche abgewandt und blickt in die Gegenrichtung. Der Zeigestock dient ihm somit nur als Attribut, ebenso wie Bronzemünzen aus dem Zeitraum von 98 - 168 n.Chr. Darstellungen des Pythagoras in ganzer Gestalt: in literarische Quellen für Samos fehlen, wohl aber zeigen Revers von samischen der Rollenkasten neben ihm. Die Schlange vor seinem Sitz schließlich kennzeichnet ihn als Verstorbenen. nur einem einzigen Exemplar in Mailand belegt ist der Typus des stehenden Philosophen mit der Als solcher ist er nun eben nicht in einer gelehrten Versammlung dargestellt, in der er dozierend das Umschrift LAMIQN“, während der Typus des sitzenden (mit der Umschrift TY@ATOPHE ZAMINN) Wort ergriffen hätte, sondern als zu verchrender Heros im Verein mit den Musen. in verschiedenen Varianten in rund 100 Exemplaren erhalten ist”. Der in dem letzteren Typus Dargestellte unterscheidet sich nun sowohl in der Körperhaltung als auch durch den Schemel, auf dem er Ob man nun meiner durch einen möglichen Zeigestock näher eingegrenzten Bestimmung des Sitzenden folgt oder ob man in ihm nur allgemein einen Philosophen erkennen möchte, liegt es nahc, in ihm einen der berühmtesten Söhne der Insel, nämlich Pythagoras”, zu erkennen. Inhalt und Entstehungszeit des Reliefs unterstützen eine solche Deutung. Denn die enge Verbindung, die in Unteritalien zwischen dem Kult des heroisierten Pythagoras und dem der Musen nachweisbar ist”, durchweg Platz genommen hat, von dem Bärtigen auf unserem Relief; versehen ist er mit einem kürzeren Zeigestock und/oder einem Szepter. Hinter den beiden Überlieferungen, der des Reliefs und der der Münzen, steht also kein gemeinsames Vorbild, Dieses Faktum könnte aber nur dann als Argument gegen unsere Deutung des Relicfs angeführt werden, wenn die Münzrevers wirklich auf eine örtliche Sitzstatue v.Chr.) samische Exilanten in Sizilien und Unteritalien nachweisbar sind”, die den dortigen Kult des Philosophen zurückgehen würden - was G. Richter fragend erwogen hat“. Gegen ein solches rundplastisches Vorbild spricht jedoch die Tatsache, daß Pythagoras auf den samischen Münzen ohne unmittelbar kennengelernt und mit zurückgebracht haben könnten. Das Relief ist nach unserer Datierung Ausnahme vor einer Säule mit darauf postiertem Globus erscheint. Diesem Motiv wird eher die könnte sehr wohl auch für Samos gegolten haben - zumal während der Kleruchenzeit (also von 365-321 im Zeitraum der ersten Generation der aus dem Exil heimgekehrten Samier entstanden; einer oder eine Gruppe von ihnen könnten das Relief aufgestellt haben zu Ehren des großen samischen Philosophen, der wie sie im Exil hatte leben müssen, umgeben von den Musen, denen er als Heros dort verbunden war. U du Sarapicion de Memphis (1955) 127 ff. Abb. 69 IT. G. Richter, The Portraits of kript in 4 E L thal zu diesem Thema. Ohne ihm vorzugreifen, kann hier Pythagoras-Portrits einfügt. # Balty 4.0. passim, zusammenfassend 33 zu Abb. f. bzw. 1.5 ff. 2), Bernoulli, Griechische Ikonographie | (1901) 76. » ballo) Brendel, RM SI, 1936, 45 zu 5 Abb.2. Zum Radius allgemein Brendel 4,0. 12 f. L. Curtius, Mdl 4, 1951, 21 ze Tafa. 2 vgl. etwa K. Schefold, Die Bildnisse der antiken Dichter, Redner und Denker (1943) 132 £. % Rom InstNeg, 242-246. K. Schefold, Vergessenes Pompeji (1962) 96 Taf. 120. in ein Vo: festgestellt werden, daß sich unser Reliefkopf gut in den von ihm erschlossenen ostgriechischen Überlieferungsstrang des wir J. Balty”, der nur zwei Köpfe als Bildnisse des Pythagoras gelten läßt: den Bronzekopf aus der the Greeks 1 (1965) 83 Abb.323. zum Pythagoras-Portrat von D. Mannsperger, der cine um 350 v.Chr. Er gewährte mir (reundlicherweise Einblick einfügen? Die jüngste eingehende Rezension der z.T. heftig umstrittenen Vorschläge hierzu verdanken PJ, Lauer -C. Picard, Les Statucs Prolémaiques gen Bronzeprägung von Metapont (U. Kleinin: Jamblichi de Vita Pythagorica liber ed. L. Deubner” {1975} XX) auf diesen bezieht. Läßt sich nun der Bärtige unseres Reliefs in die bisher erarbeitete Ikonographie des Pythagoras #2 vgl. Schefold 2.0. (oben Anm. 29) 100 f. S. Stucchi, (1 Ritratto di Pitagora (1950) Frontispicce. W. Schwabacher iin: Opuscula V. Festschrift K. Kerenyi (1968) 59 ff. Abb.1 f, Balty 2.0. 32 mit Anm. 114 €. k icrt die bisheri D. Metzler, Porträt und Gesellschaft (1971) 270 ff. o ° 31 Schefuld 1.0, 96. Ähnlich fransiges Haar hat auch das Pythugorasbild auf dem Masaik in Antalya, vgl. Stupperich 4.0. (oben Anm. 37) 232, 3 y, Strocka, Die Wandmalerci der Hanghäuser in Ephesas (Forsch. in Ephesos VIII I, 1977) 94.96. 115 Abb. 194. Sehefold 4.0. (oben Anm. 29) 173,17. A. de Guadan - C. Lascaris, Numisma 26, 1957, 18 Abb.IV, 21. Auch in dem noch 3 Zu Relictdarstellungen von Homer und den Musen vgl. Richter a,0, (oben Anm. 27) 54 f. Abb. 117 ff. G. Richter - R. Smith, unpublizierten Münzfund aus dem samischen Heraion ist dieser Typus nicht vertreten, wie mir der Bearbeiter. H.-D. Schultz The Portraits of Ihe Grecks (1984) 147 6, Y RE XXIV (1963) 172 ff, sv. Pythagoras (v.Fritz), Der Kleine Pauly IV (1972) 1264 ff, über beide Zitate weitere Lit. 35 E. Boyancé, Le Culte des Muses che: les Philosophes Grecs (1972) 233 IT. % G. Shipley, A History of Samos 800- 188 B.C. (1987) 163 f. FI. Ch. Balty, BullMusRoy 6.Ser.48, 1976. 5 ff. Dazu kommt noch der inschriftlich b f auf cinem der 16 Randfelder des Homermosaiks in Antalya: R. Stupperich, isıMitt 32, 1982, 232. Noch nicht veröffentlicht sind die (Berlin), baieflich mitteilte. Er wies mich auch auf das besonders hohe Relief der Münzc hin, % Guadan- Lascaris 3,0. 17 ff. Abb [ell zählen rund 50 E plare von mind 10 S In, dieı inand gute Abbildungen: Schelold 2.0. 173, 18 (Aberdeen; VS Commodus); L. Forrer. The Weber Collection 111 1 (1926) 331 Nr. 6330 Tal.223 (London, BM; VS: Mamaca); BMC 390 Nr.353 Tal.37,15 (ebenda; VS: Decius). H.-D. Schultz zählt im Heraionfund 46 einschlägige Münzen sowie 8 weitere im Berliner Münzkabinett: ihm danke ich auch für die Abbildungs- Nachweise, “ Richter 2.0. (oben Anm.27) 70.

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Pythagoras und die Musen? Annahme malerischer Vorbilder wie Buchillustrationen gerecht, an die K. Schefold dachte”. W. Samos (und vielleicht auch seine spezifische Sitzhaltung) als Ubernahme aus der Ikonographie des Schwabacher schließlich erwog, daß das oder die vorliegenden Pythagorasbilder überhaupt erst für dic Orpheus zu verstehen, Damit wäre die Verbindung zwischen orphischer und pythagoreischer Lehre ein kommemorativen Münzserien geschaffen wurden”. Wenn die Münzen somit nicht auf eine vorbildhafte weiteres Mal bildlich dokumentiert und zugleich ein zusätzliches gewichtiges Indiz für die Identifizierung Sitzstatue des Philosophen in seiner Heimatstadt Samos zurückgehen, unseres Philosophen gewonnen, den ich nach Z mü die Abweich auf unserem Relief nicht gegen dessen Bezug auf Pythagoras sprechen. Unser Relief seinerseits wird schwerlich prägend auf jüngere Wiedergaben gewirkt haben, denn cs war eine lokale Weihung ohne repräsentativen Charakter”. fi g aller Argu mit Zuversicht 2 Pythagoras nennen zu kónnen glaube. Die Musenreliefs spätklassischer und hellenistischer Zeit, für die es gerade in Ostionien mehrere Belege gibt, lassen sich keinen festen Typen zuordnen”. Unser Pythagorasrelief könnte als eines der Gleichwohl bedürfen seine Eigenheiten einer Erklärung. Die merkwürdige Art, in welcher der frühesten und inhaltlich interessantesten von ihnen die Gattung sehr bereichern - wenn die Ergänzung mutmaßliche Pythagoras den oben als Radius gedeuteten Stock hält und sich zugleich von ihm abwendet, und die Deutung, die ich vorgeschlagen habe, stimmen. Sie warten darauf, von kundigerer Seite haben wir dort schon zu erklären versucht. Was aber ist mit dem Felsen, auf dem er sitzt? In der durchdacht und bestätigt (oder widerlegt) zu werden, und sind somit in Deinen Händen, liebe Erika griechischen und römischen Bildkunst dienen den Philosophen in der Regel Bank, Stuhl oder Schemel als Simon, bestens aufgehoben. Sitzgelegenheit. Wenn auch zahlenmäßig seltener, so doch durchaus vorhanden sind daneben kaiserzeitliche Reliefdarstellungen, die Dichter und Philosophen auch auf Naturfelsen sitzend zeigen”. Weiter als ein Vergleich mit diesen wesentlich jüngeren Denkmälern führt aber die Gegenüberstellung mit dem altbekannten Orpheusrelief aus Sparta (hier Taf. 60)", Nach nur vereinzeiten Vorschlägen, dieses Stück als Werk des 5. Jhs. v.Chr.” bzw. noch des 3. Jhs. v.Chr.” Val KOSTINSS , Keak SCART eva ATA A einzuordnen, hat sich seit längerem wohl einhellig die Meinung durchgesetzt, daß es sich bei ihm um eine provinzielle kaiserzeitliche Arbeit handelt”. Dagegen hat V.-M. Strocka in einem Kieler Vortrag die äußerst erwägenswerte These vertreten, daß das Relief aus Sparta in die Kategorie der griechischen Volkskunst gehört”. Damit gewinnt es als ein von unserem Fragment zeitlich nicht weit entferntes Vergleichsstück besonderes Interesse. Dies gilt noch verstärkt, wenn man die Deutung einbezieht, die Strocka vorgeschlagen hat: es handelt sich nach seinen Überlegungen um das Weihrelief eines Pythagoreers, auf dem Orpheus mit der Kithara und Pythagoras mit Buchrollen zusammen in felsigem Ambiente dargestellt sind. Wahrend Pythagoras auf cinem Sitzblock Platz genommen hat, sitzt Orpheus, wie es der allgemeinen Typologie in der griechischen und rémischen Kunst entspricht, auf einem gebuckelten Naturfelsen. Dabei stützt cr sich mit dem hinteren Arm in einer Weise ab, die der Haltung des Philosophen auf dem samischen Relieffragment sehr ähnlich ist. Trifft Strockas neue Deutung des Reliefs in Sparta zu, haben wir damit einen bildlichen Beleg für die enge Verbindung der pythagoreischen mit der orphischen Lehre” gewonnen, auf die schon im 5.Jh. v.Chr, Ion von Chios Bezug nahm”. Dieser Beleg entstammt der Volkskunst, der das samische Relief zwar nicht unmittelbar zugerechnet werden kann, der es in seinem provinziell verhärteten Stil aber nahe steht. Mein Vorschlag wäre daran anschließend, den Felsensitz des Philosophen auf dem Relief von 7 Schefold 2.0. 220, * Schwabacher 2.0. (oben Anm, 41) 60. Wie es sich überhaupt bei den spä i und hellenistischen M fiefs, nicht nur bei denen Ostionicns, um Einzelstücke handelt, vgl. unten S, 329 mit Anm. 59. vgl. etwa die Nebenseiten der Sarkophage Neapel, MN. 6736 (Wegner a.0. [oben Anm. 22) 29 Nr.58 Taf.138c) und Rom, Pal.Farnese (Wegner 3.0. 64 Nr.164 Taf.1380), oder die Sarkophagdeckel-Fragmente Vatikan, Mus.Chiar, Inv.2163 (P. Liverani, Musco Chiaramonti, 1989, 120 f.), Rom, Villa Albani Inv.990 (H. Cain in: Forschungen zur Villa Albani, Katalog der antiken Bildwerke 1 (hrsg. von P.Bol, 1988] 274 ff. Nr.88 Taf.163) und chem. Rom, jetzt verschollen (C. Roben, Dic antiken Sarkophagrelicfs 31, 1890, 154 Nr.141 Taf.52). Sparta Mus, M. Tod - A, Wace, A Catalogue of the Sparta Museum (1906) 135 Nr.6. S, Ferri, Historia 8, 1934, 453 ff, Abb. 1 f. Lippold 340 Anm.4. G. Steinhauer, Museum ofSparta (0.J.) 64 Nr.6. K. Schauenburg, Jdl 73, 1958, 76 Anm. 96. E.R. Panyagua, Hetmantica 18, 56, 1967, 190 f. Abb.3. C. Heymann - A. Provoost, Orpheus (1974) 33 Abb. 7. in8 Yy8 Diese mündlich von P. Gardner und A, Furtwingler geäußerte Datierung ist bei Tod-Wice a.0. 135 Anm. 1 festgehalten. Lippold 340 Anm. 4. Ausführlicher begründe: von Ferri 4.0. (oben Anm. $1). Erst nach Abschluß des Manuskripts erfuhr ich, daß V.-M. Strocka seine Überlegungen zu dem Relief in Sparta in dieser Festschrift publizieren wird (S. 276 ff. Taf. 60). Ihm verdanke ich auch lörderliche Kritik zu meinem Beitrag. 35 Das Instrument ist keine Leier, wie in den Katalogen beschrieben, sondern vine Kithara vou gerader Form mit hohem Schalikasten (vgl. M. Wegner, Das Musikleben der Griechen, 1949, 34. 206). 7 Hierzu vgl. Boyancé 1.0, (oben Anm. 35) 93 It. $ Fr.2 Dicts aus Diog.La. VINI 8; Clem.Alex., Strom I 131 p. 397 P. ? D Pinkwart, Das Relicf des Archelaos von Priene (1965) 22 f. mit Anm. 24. K. Tuchelt, AA 1972, 87 ff. bes. 100 fF.