DIE WAAGEBALKEN NICHT UBERSCHREITEN!

Auteur
Fischer, T.
Publié dans
Gazette Numismatique Suisse
Année
1993
Sujet
NUMBERS
Langue
Deutsch
Catégorie
B11 Monnaies
Numéro d'archive
4287

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Afficher le texte intégral2 pages

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vi iu? os, FISCHER OT : Jahrgang 43 vaas \ August 1993 Heft 171 SCHWEIZER MUNZBLATTER Gazette numismatique suisse Gazzetta numismatica svizzera Herausgegeben von der Schweizerischen Numismatischen Gesellschaft SNG) Publiée par la Société suisse de numismatique (SSN) Pubblicato dalla Società seizzera di numismatica (SSN) Redaktion: Dr. Susanne von Hoerschelmann, Basel; Benedikt Zach. lic. phil. Münzkabinett der Stadt Winterthur, Lindstrasse 8. Postfach 428, 8401 Winterthur FISCHER Thomas, « Den Waagebalken nicht überschreiten ! »: GNS 43 1993 N° 171 53-55. | The conjunction of numbers, measures, and weights, including ___.. coins, were linked by the ancients to the conceptions of equality and justice, as opposed to greediness, realizing a famous saying of Pythagoras « Don't step over the weighing beam ! » (VS 58 C 6, 22 DK). Thus the scales in themselves and also as attributes of Moneta, Aequitas and Dikaiosyne, which are found on Late Republican and Imperial Roman coins, may be due to this (Neo-)Pythagorean conception of « the beam ». [14784 «DEN WAAGEBALKEN NICHT UBERSCHREITEN!»* … RÜVTO HETP@ Kai ApıöuS Kai otabu® Sréta&ac Iheisheit Salomos 11,20 Thomas Fischer Amtsstuben und Gerichtsgebäude der Alten und der Neuen Welt schmückt bisweilen eine heroische, mehr oder weniger verhüllte [ustitia, die eine Waage schwingt. Numismatikern ist das Bild nicht fremd, da auf Münzen der Römischen Kaiserzeit eine solche Darstellung öfters erscheint; entweder handelt es sich um die Moneta, Herrin der Prägestäite, oder um die Aequitas, das heisst die «Gleichheit», eine spezifische Art von «Gerechtigkeit».! * Gewidmet ist diese Miszelle Elvira Eliza u. Vladimir Clain-Stefanelli mit den besten Grüssen und guten Wünschen. - Anne Krahn u, Meret Schmidt, M.A., vom Lehrstuhl für Alte Geschichte danke ich für freundliche Hilfe. 1 Vgl. etwa LH. Cope, NC VII 15 (1975) 1851. Hildebrecht Hommel, Symbola, 1, Hildesheim u. New York 1976, 326-328. 330. A. Wallace-Hadrill, NC 141 (198Ì) 20. u. den «Katalog Alexandrinischer Kaisermünzen … Köln» 5 (1983) 75. 84 unter DIKAIOSYNE (Nero bis Maximian) sowie MONETA (Mark Aurel bis Commodus). Zum Begriff der Aequitas s. WallaceHadrill, bes. 24£., u. T. Mayer-Maly, Kleiner Pauly 1 (1964) 97f, s.v: «fairness in making decisions, particularly judicial»; «Billigkeit … … Konkretisierung der Gerechtigkeit im Recht, v.a. materielle Richtigkeit der Fallentscheidung». Bereits 1886 nannte F. Kenner (zit. bei Wallace-Hadrill 31) Aequitas u, Moneta die «Hälften eines Ganzen». Zur lustitia des Pescennius Niger mit dem Attribut der Waage D. Nony, Mél. Ecole fr. de Rome, Ant. 94 (1982) ı. 2, 902-905. 908f.

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Geldstucke der späten Republik und der trihen Kaiserzeit zeigen manchmal eine Waage oder eine Hand, die ein solches Gerat im Gleichgewicht hält. Bereits den Griechen war ein derartger Zusammenhang von Münze und Gewicht vertraut, wie ihn che gemeinsamen Wertbezeichnungen «Obol», «Drachme» oder «Stater» nahelegen. Felix Heinimann verdanken wir eine Studie, die das feste Begriflsteld «Münze», «Gewicht». «Mass» sowie «Zahl» näher erörtert.’ Es wird schon für das 5. Jahrhundert v.Chr. sicher bezeugt. Die Anfänge sucht der Basler Gelehrte im Bereich der Sophistik. was allerdings unglaubwürdig ist: Nicht nur «die Zahl an sich», sondern auch die zeitgenössische Heilkunst. die durch so « rfolgreiche Ärzte wie Demokedes. Alkmaion und andere, die aus Kroton stammen. hervortrat, deutet auf Pythagoras hin. den rätselhaften Schamanen, Weisen und Lehrer einer höheren Gelehrsamkeit.’ Die Vermutung lässt sich erhärten. Wenn metaphorisch «Zahl, «Gewicht und «rechtes; Mass» derart eng mit dem «Gleichen» und dem «Gerechten» verknüpfi sind, wie es Heinimann aufzeigt. entspricht dies genau der Maxime und der intensiven politischen Tatigkett des Pythagoras. der wohl zu Beginn des 3. Jahrhunderts v.Chr., aus Kroton vertrieben, in Metapont verstarb. Wir können noch einen Schritt weitergehen. Mehrfach überliefertist ein Wort baw, Akusma des Meisters: «Nicht über den Waagebalken steigen») veder N° POLICE ay her A M Irene vom Nichteniehr-habenwolle auschtucklch uud unautteibar verbunden wird Delbst wenns unsere Zeugnisse erst aus der späteren Kaiserzeit stammen, als, wie wir herten, das Bild der Moneta, der Aequitas und der Dikaiosyne, die jeweils eine Waage halten, als gängige Münze galt und über Pythagoras damals so manches berichtet wurde, was keineswegs mehr authentisch war, bleibt die wortwörtliche Übereinstimmung mit dem Ausspruch, dergleichsam «mathematisch» und konkret auf die Gleichheit sowie die Gerechtigkeit bezogen wurde, bestehen. Nach Aristosenos (2. Hälfte des +. Jahrhunderts v.Chr; soll Pythagoras bei den Griechen Mass und Gewicht eingeführt haben? - ein Bezug zu unserem anscheinend schr bekannten vor Beginn Akusma wäre möglich, ist aber wegen der äusserst trümmerhaften Überlieferung der Kaiserzeit nicht mehr überprüfbar. Zumindest für den Neupythagoreismus, der spätestens im Verlauf des 1. Jahrhunderts v.Chr. in Rom und andernorts aufkam. lässt sich also das Bild der Waage zwanglos auf den «klassischen» Topos von «Zahl». «Gewicht», «Mass» und «Münze» beziehen: indeed. metaphorical dispensation afjusuce was intended. Diesist der entscheidende «pythagoreische» Punkt, denn als «Mass», «Gewicht» und «Münzen waren Moneta, Aequitas sowie Annona schon lange Drillingsschwestern, und zwar «von Anfang an? Ist es ein Zufall, dass gerade zur Zeit des Nigidius Figulus das universale Symbol der Waage auftauchte, das die Gestalt der genuin römischen [ustitia ‘mit Zepter und Opferschale: immer mehr überprägte, das für «die Gerechtigkeit», «die Gleichheit» und «das rechte Mass» überhaupt stand - also für eine «angemessene» Harmonie aus gegensätzlichen Kräften, wie es em erätselhafter Prthagareer» selbst am Himmel für einen zukünftigen Weltenherrscher nicht bite centicher aufzeigen können val Suen. Div. Aug. 945: Oksayians Geburt am 25. September. das heisst enahe der Wager sowie der Tag- und Nachtegleiches. und das genau in dieser metaphorischen Bedeutung bis heute nachwirkt? PD Dr. Thomas Fischer Ruhr-Universität Bochum Fakultät Jür Geschichtstetssenschafl D-14780 Bochum Aureus u. Denar des Metellus Pius Scipio sowie Denar des AT. Gordius Rufus -+7-46 v.Chr.: Syd. 976 + ù € 1047. Crawford, RRC: 460/12. 165/71 atb. Bronze des Messala Potitus aus Aizanoi Zeit des Augustus: Hommel aaO. RPC 1 :1992 pp. 498.500 (das Ex. der SNG v. Autock 3342, abgeb. bei ©. Lange. MMB 29 [19849] 600, in Aukt. Auctiones, Basel, 5 [1975] Nr. 153), PNR (= pondus nummi restitutum 2 - Quadrans des Claudius: P.W. MacDowall, SM 18 (1968) 80-86. PA A, Eran, SM 19 11969) 81. CLE. King, NC VII 17 (1975) G2f. Wallace-Hadrill 29€ 35. RIC 1? (1984) pp. 118.126. °F. Heinimann,Museum Helveticum 321975, 183 196, - Zu den PNR - Quadranten des Claudius ‘vorang. Anm. gibt eine Parallelpragung mit Modius, die also in denselben Zusammenhang von «Mass», «Gewicht» u. «Zahb gehoren dürfte: vel. Wallace-Hadrill 29: «the two [sc. types] should be interpreted together». Vielleicht dienten sogar diese beiden Sorten selbst als eine Art ef Ausgteichs-:Zahkmen. ' Anders Heinimann 191: «Diese Lehre auf prthagorcische Eintlüsse zurückzuführen. besteht kein Anlass». Zu Pythagoras u. seiner Schule s. zuletzt etwa W, K. Guthrie, A History of Greek Philosophy. 1, Cambridge usw. 1962=1977, 146M Van der Waerden, RE 24 11963: 2770. Suppl. 10: 1965) SEAT Von Fritz, RE 24119651 1728. 2000. Dorrie, Kleiner Pauly 4 (1972) 126-HT. BL. van der Waerden, Die Prilagoreer, Zürich u. München 1979. Burkert u.a., Historisches Wörterbuch der Philosophie 7 1989: 1724. Eur «Waagehatken: Joch àSufov lindet sich die Variante ‘Korruptel ?; «Besen: Kehricht 1Gapovim: Plur., Mor.727 C. Diog. Laërt, Pythag. 8, 17E 110 Toov Kod Sixconov un brepBotverv:. Porph., Pythag. 42 ini nAeovertelv:. lambi.. Pyihag. 186, u.a. Zur Herkunft s. die Suda, zit. nach H. Diels/W. Kranz, Die Fragmente der Vorsokratiker, 17219 | 1951=197 ‘Ava5ipavöpog … © vewrepog iotopix yéyove be KotH tous Apraéépéou zpóvous Tob Mvrikovog xÄnBevtog [405-359 v. Chr.) : Eypuwe ZunßoAmv Mu@cyopetow En/noiv. oióv èon TO Cuyòv un OrepBatverv… u. zum Ganzen Walter Burkert, Weisheit und Wissenschaft, Nürnberg 1962, 150/1 Anın. 3, 157.160 Anm. 84. Guthrie Anm. 4, 1858 LOUT. 3 1 F2Haus Dios. Laert.. Pythag. 8, Etibei F. Wehrli, Die Schule des Aristoteles. H. 2: Aristoxenos, Basel 1945, 15.24: Kat Rp@tov eis tous “EAAnvas uérpa Ka ova8pdà Eionyrionchan (sc. TOV TuBeryópav). kad now Apiotóevog öpovaoıkög. - Heinimann (Anm. 3) 183 Anm. 3 übersicht, dass die «Erfindung der Masse u. Gewichte» durch Palamedes deren «Einführung bei den Griechen» durch Pythagoras nicht widersprechen muss. Nach dem Pythagoreer Nigidius Figulus wurde der «überaus gerechte» Mochos, cin «Orientale», der Erfinder i!) der Gewichte, unter die Sterne erhoben, wo er auf Dauer die Waage ‘tO Guyóv: hält: Gundel. RE 13, 1 :1926:123.129. 135/6, bes. 12778, vel. 131 «die Waage als die Gebieterin über Mass, Gewicht u. Werkzeug) sowie 133 (Gerechtigkeit u. Ungerechtigkeit «im Zeichen der Waagen), Wallace-Fladrill hatte Annona in seinem gelehrten, umsichügenu.anregenden Aufsatz von 1981 . Anm. Li zwar etwas vernachlässigt, aber die Unglaubwürdigkeit seiner eigenen Schlussfolgerung auf S. 36 nicht verkannt: «Galba advertised his own Acquitas — but did not restore the currency to the old standard». In diesem Fall wäre jeder weitere Appell an Aequitas wohl nachhaltig u. «pragmatisch» diskreditiert gewesen! Andererseits könnte der juristisch nicht ungebildete, auf Disziplin achtende Galba die alexandrinische Dikaiosyne Neros bewußt als Acquitas «romanisiert» haben, zumal in Altertum die pythagoreische «Philosophie» als spezifisch «italisch» galt.