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KARraxuLaKow W. W., Die ersten griechischen Philosophen über die Rolle
Sy der Sprache in der Erkenntnis [Empédocle] ; ef. Philosophie.
:
KARAKULAKOW W. W., Die ersten griechischen Philosophen über die Rolle
der Sprache in der Erkenntnis: Altertum NVH-18% 204-215. | Les premières
réflexions sur la langue remontent aux pythagoriciens, mais c'est Heéraclite.
et après lui Parménide, Empédocle et Anaxagore qui se sont intéressés at"
relations existant entre la langue, la réalité et la connaissance,
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Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)2 Ebenda 25.
1 Ders., Anti-Dühring 168.
das Wissen des Namens ist somit gleichbedeutend mit der Erkenntnis des betreffenden Gegenstandes. Diese Konzeption liegt der ganzen Wortmagie zugrunde, die bei den der Urgesellschaft angehörenden Völkern von großem Eindenkt mit dem durch ihn benannten Gegenstand. Ding und Phänomen, als
seinem Bestandteil, als etwas, das demzufolge Auskunft über sein Wesen erteilt;
1.
Eine der wichtigsten Fragen der Erkenntnistheorie in der frühen griechischen
Philosophie war die Frage nach der Rolle der Sprache in der Erkenntnis. Sie
trat in zwei Aspekten auf: einmal) als Frage nach den Wechselbeziehungen
zwischen Ding, Denken und Wort und das andere Mal als Frage danach, ob die
objektive Realität durch die Rede zum Ausdruck gebracht werden kann. Der
erste dieser Aspekte reicht biszuden Anschauungen zurück, die dem traditionellen
mythologischen Weltbild eigen sind, der zweite regte erstmalig die ältesten
Philosophen zum Nachdenken an. Am klarsten dargelegt: finden wir diese beiden
gegensätzlichen Standpunkte — den materialistischen, dialektischen und den
idealistischen, metaphysischen — von Heraklit und Parmenides.
In dem mythologischen Weltbild gilt die Hauptaufmerksamkeit nicht der
Sprache als Ganzer, sondern dem Namen, den man sich organisch verbunden
Von WLADIMIR W. KARAKULAROW
Die ersten griechischen Philosophen
über die Rolle der Sprache in der Erkenntnis
für unser Spezialgebiet, die Altertumswissenschaft, hat. Möge der 150. Geburtstag dieses großen deutschen Sohnes dazu angetan sein, noch intensiver als bisher
auf der Grundlage des Marxismus-Leninismus unser Spezialgebiet zum Nutzen
unserer sozialistischen Deutschen Demokratischen Republik und damit im
Sinne von Friedrich Engels zu erforschen, zu lehren und zu verbreiten!
Verdienste einzugehen, die der Mitbegründer des Marxismus, Friedrich Engels,
kämpfen war, daß diese einander bekämpfenden Klassen der Gesellschaft jedesmal Erzeugnisse sind der Produktions- und Verkehrsverhältnisse, mit Einem
Wort: der ökonomischen Verhältnisse ihrer Epoche; daß also die jedesmalige
ökonomische Struktur der Gesellschaft die reale Grundlage bildet, aus der der
gesamte Überbau der rechtlichen und politischen Einrichtungen sowie der religiösen, philosophischen und sonstigen Vorstellungsweise eines jeden geschichtlichen Zeitabschnittes in letzter Instanz zu erklären sind.‘'?
Es ist unmöglich, im Rahmen dieses Aufsatzes noch näher auf all die großen
3. Es ‚zeigte sich, daß alle bisherige Geschichte die Geschichte von Klassennotwendig wie allgemein ancrkannt war. In diesem Sinne sind wir berechtigt
zu sagen: Ohne antike Sklaverei kein moderner Sozialismus.
“1
204
I* Diese Meinung gerade
spiegelt
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sichh in der Erzählung
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g des
des Historikers
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KE Herodot (2, 2)
wonach der âgyp) wider,
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gische Pharao Psammetich ein Experiment’ veranstaltet haben soll, um zu klären, welches
das Älteste volk it:
ur lies zwei neugehorene Kinder so aufziehen, daß sie keinen sprachlichen Umgang mit Erwachsenen hatten,
und
erwartete von den Kindern, daß sie dann in der „ältesten“ Sprache zu reden anfangen würden.
stand gegen die neuen Strömungen mußte schließlich zwangsläufig eine organibis dahin noch niemand zu zweifeln gewagt hatte, zu verteidigen, und der Widerzum Konflikt mit den religiös-mythologischen Vorstellungen. Den Platz des
religiés-mythologischen Weltbildes nahmen die Philosophie und die Wissenschaft ein. die anfangs auf das engste miteinander verbunden waren. Die milesischen Philosophen stellten sich die Aufgabe, eine rationelle Erklärung der
Erscheinungen der Natur zu geben, wobei sie von den ihr eigenen Gesetzmäßigkeiten und von ihrer inneren Entwicklung ausgingen. Zusammen mit den
anderen Phänomenen der Wirklichkeit wurde auch, als ein durchaus naturgemäßer Prozeß, die Sprache betrachtet!. Der Ansturm der milesischen Philosophen in ihrer Heimat Ionien gegen die traditionelle Ideologie zog weite Kreise:
Infolge des regen Handels und Verkehrs und anderer lebhafter Beziehungen, von
denen auch die entlegensten Winkel der griechischen Welt erfaßt wurden, ließ
sich ein Übergreifen dieser revolutionären Ideen auf das griechische Festland
und nach dem westlichen Mittelmeergebiet (Groß-Griechenland), sozial-ökonomisch und kulturell rückständigeren Gebieten, wo nach wie vor die tradionellen religiös-mythologischen Anschauungen herrschten, nicht vermeiden.
Jetzt ergab sich allerdings die Notwendigkeit, diese Anschauungen, an denen
angesammelte progressive Wissen führte, obwohl es noch recht bescheiden war,
von Hesiod bezeugten Etymologisierung; sie ist ein Versuch, das Wesen eines
Dinges oder Phänomens durch die Analyse des Namens, der das Wesen widerspiegelt, zu verstehen und zu erkennen, und fand vor allem auf Eigennamen,
hauptsächlich auf Götter- und Heroennamen Anwendung.
Der Zusammenbruch der Gentilordnung und das Aufkommen der Sklavenhalter-Klassengesellschaft in den griechischen Poleis im Ergebnis der Revolutionen des 7. und 6. Jahrhunderts v. u. Z. wurden von tiefgreifenden fortschrittlichen Veränderungen auf dem Gebiet der Ideologie begleitet und brachten
das Gebäude der traditionellen Anschauungen ins Wanken: Das zu jener Zeit
den ältesten Zeiten weitverbreiteten, schon in den Homerischen Gedichten und
Priester.
Die Vorstellung von der untrennbaren, organischen Verbindung des Namens
mit dem durch ihn benannten Gegenstand bildet auch die Grundlage einer scit
heimen Namen war in einem bestimmten MaBe die Quelle für die Macht der
eine bestimmte Gruppe von Erscheinungen und Gegenständen völlig andere
Benennungen gibt als in der Sprache der Sterblichen: das Wissen dieser geerklärt, die nur den Priestern und Eingeweihten bekannt ist und in der es für
Trager verleiht, wird dic bereits in den Homerischen Gedichten vorhandene
Gegenüberstellung der „Sprache der Menschen“ und der „Sprache der Götter“
fluB war: Die Macht der Zauberspriiche, der Beschwörungen usw. beruhte auf
205
dem Glauben daran, daB die über dem Namen vollzogenen verschiedenen Verrichtungen sich gleicherweise an dem mit ihm benannten Ding widerspiegelten.
Mit dem Glauben daran, daB das Wissen des Namens die. Macht über seinen
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Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)* A. Pagliaro, Nuovi saggi di critica semantica, Messina/Florenz 195
6-57; Procli Diadochi in Platonis
Cratylum commentaria, ed. G. Pasquali, Leipzig 1908, 16, $, 5-7; vgl. E. Hoffmann, Die Sprache und die
archaische Logik, Tübingen 1925, 8 u. 22-23; IL. Steinthal, Geschichte der Sprachwissenschaft bei den Griechen
und Römern 1, Berlin 1890, 157 — 165.
* Jamblichi de vita Pythagorica liber, ex rec. A. Nauck, Petersburg 1884,
> W.1. Lenin, Philosophische Hefte, in: Werke 38, Berlin 1964, 235.
* Ebenáa 237.
die Beziehungen zwischen dem Namen und dem damit benannten Ding untersucht werden, spiegele die Ansicht der Pythagoreer über die Rolle der Sprache
Wir haben allen Grund zu vermuten, der Abschnitt der Aroool Adyoı, worin
Wörter, mit denen Begriffe, die sich auf den religiösen Glauben und auf religiöse
Anschauungen beziehen, benannt wurden.
sind ,,Abbilder’* der Dinge)‘, und sie stehen selbstverständlich nach einer Zahl,
die bei den Pythagoreern das Denken (vönsıg) und gleichzeitig auch den
Gegenstand des Denkens (vontör) verkörpert. Der mit ihren Wurzeln tief in die
Frühzeit hinabreichenden Etymologisierung zollten die Pythagoreer ihren
Tribut: allerdings etymologisierten sie in der Hauptsache Götternamen und
ihrer „Natur“ Benennungen beilegt (die Benennungen. dydAuara, eixdvec,
weiseste sei die Zahl und der Weisheit nach an zweiter Stelle folge der, der den
Dingen die Namen gegeben hat®. Unter dem Onomatotheten verstehen die
Pythagoreer hier die Seele (wvyrj), die die sinnlich wahrnehmbare Realität erkennt und den Gegenständen der sinnlich wahrnehmbaren Welt entsprechend
deckers, Namengebers) in den Akusmen erwähnt, wo behauptet wird, das Aller-
Auf den zwiespältigen Charakter des Pythagoreismus wies Lenin hin, als er
von der Primitivität der Ideen und der Philosophie der Pythagoreer sprach! und
davon, daß in der pythagoreischen Philosophie „eine Verknüpfung von Ansätzen,
wissenschaftlichen Denkens und Phantasie à la Religion, Mythologie“? zu beobachten sei.
:
Bezeichnenderweise streiften die Pythagoreer die Fragen nach der Sprache
bloß in Texten mit ihren religiös-mythologischen und magischen Vorstellungen.
So wird die typisch mythologische Gestalt des ,,Onomatotheten‘‘ (Erstentausübten.
gewöhnlich nicht durch Dauerhaftigkeit aus. Diese Unvereinbarkeit des Pythagoreismus und der Religion wird auch von der Geschichte des Pythagoreismus
selber bestätigt. Schon zu Beginn des 5, Jahrhunderts v. u. Z. entstanden innerhalb der pythagoreischen Schule zwei Gruppierungen: die Akusmatiker mit
ihrem Bestreben, der fest gegliederten pythagoreischen Gemeinde einen ausschließlich religiösen Charakter zu bewahren, und die Mathematiker, Gelehrte,
die sich über die Forderung, alle wissenschaftlichen Forschungen geheimzuhalten,
hinwegsetzten und ihre wissenschaftliche Beschäftigung in aller Öffentlichkeit
die ‚Freundschaft‘ zwischen der Wissenschaft und der Religion zeichnet sich
in der Erkenntnis wider!. In diesem Abschnitt, in dem die Richtigkeit der
.
* Ammonii in Aristot. de Interpretatione commentarius, ed. A. Busse, Berlin 1897, 34 u. 26.
4 17,8. 7-8.
> * S. Luria, Merops: anrnunoï odmectscnnol mbican (Die Geschichte des antiken gesellschaftlichen
Denkens), Moskau/Leningrad 1929, 271.
.
1 dicool Adyor 5, 11-14.
.
* 1. M. Tronski, Ha ncropuu anruanoro AsnkosnanHa (Aus der Geschichte der antiken Sprachwissenschaft),
in: Coperckoe aabrtosnaiie 2, Leningrad 1936, 28.
der Rolle der Sprache im Erkenntnisprozeß werden von dem materialistischen,
spontan-dialektischen Charakter seiner Philosophie bestimmt.
Die antiken Quellen legen davon Zeugnis ab, daß bezüglich der Wechselbeziehungen zwischen Namen und Gegenstand Heraklit und die Herakliteer an
der póoer-Theorie („von Natur“) festhielten, d.h., sie glaubten, die Benennung
der Dinge bringe ihr Wesen zum Ausdruck: Proklost berichtet, der Herakliteer
Kratylos habe die Namen als Kopien von Originalen, die die Gegenstände waren,
betrachtet, und Ammonios®, daß die Namen für Heraklit und seine Anhänger
vollkommene Widerspiegelungen (ähnlich wie Spiegel) waren. Aber diese Zeugnisse beziehen sich ja nur auf die Ansichten der Herakliteer, insbesondere des
Kratylos, und nicht direkt auf die Heraklits: gerade bei ihm erscheint die uns
interessierende Frage in zwei Aspekten: als Frage nach der Möglichkeit, mit
Hilfe der Rede die objektive Wirklichkeit auszudrücken, und als Frage nach dem
Charakter der Wechselbeziehungen zwischen dem einzelnen Wort (Namen) und
dem von ihm benannten Gegenstand.
Die Ansichten Heraklits — eines ,,Begriinders der Dialektik‘ (Lenin) — von
2.
Aicooi A6yoı dargelegten Ansichten als pythagoreisch im weitesten Sinne des
Wortes ansprechen muß®. Hinsichtlich des von uns zitierten Abschnittes ist zu
sagen, daß die darin enthaltenen Ansichten von der Rolle der Sprache in der
Erkenntnis keiner anderen Philosophenschule als der pythagoreischen zugeordnet werden können.
Die pythagoreische Schule versucht faktisch also, unter den neuen Bedingungen gerade jene Ansichten zu verteidigen und zu festigen, denen durch den
Rationalismus der milesischen Philosophen ein Schlag versetzt worden war.
Schon S. Luria bemerkte, daß man die im konservativen Teil des Traktates
der Verstand). In dieser Überlegung kommt gleichzeitig die mythologische Auffassung von der Unzulässigkeit irgendwelcher Veränderungen an den Wörtern
zum Ausdruck. die der ganzen Wortmagie zugrunde liegen, sowie die Argumentation von Zahlen und rhythmischen Elementen der Sprache?.
tueés — Käse; cdxos — der Schild, oaxéç — ein außerhalb der Stadt gelegener Platz) und der Umstellung von Buchstaben (ôvos — der Esel, v60ç —
auch bei so geringfügigen Veränderungen wie der Verschiebung der Betonung
(TIaöros — Glaukos, yAavxós — hellblau: Edrdos — Xanthos, Eavdös —
dunkelgelb), Unterschieden in der Länge und Kürze der Vokale (Túgoc — Tyros
wenn irgendwelche Bestandteile hinzugeführt oder abgetrennt werden, sondern
sinnlose Anhäufung von Lauten (Buchstaben) verwandelt, und zwar nicht nur,
Namen „von Natur“ verteidigt wird, weist der unbekannte Autor darauf hin,
daß das Wort aufhört, es selber zu sein, und sich in ein anderes Wort oder in eine
sierte Form erhalten. Eine solche Bewegung zur Verteidigung der traditionellen
Ideologie und, aller Wahrscheinlichkeit nach. eine direkte Reaktion auf die
milesische Philosophie war der Pythagoreismus.
Bei der Verteidigung der traditionellen Ideologie konnte man jedoch keineswegs mehr die heranreifende Wissenschaft ignorieren, sondern mußte W ege und
Mittel suchen, um sie zur Stärkung der religiösen Dogmen auszunutzen. Aber
207
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auf den Wortaspekt des Terminus stfitzten und ihu mit „Wort“ übersetzten.
* So gingen beispielsweise F. Lassalle, G. Burnet, G. Thomson und einige andere Wissenschaftler vor, die sich
Pagliaro, Saggi di critica semantica, Messina, Florenz 1953, 138, Anm. 7.
Denken und die das Denken ausdrückende Rede. Vgl. M. I. Mandes, Dnearbr, Odessa 1011, 105 —106, und À,
Denken, das nicht mit Worten ausgedrückt wird, gemacht; folglich ist der Wortaspekt von Logos gleichzeitig das
Unerprobten, so oft sie sich erproben an solehen Worten und Werken, wie ich sie erörtere, nach seiner Natur ein
jegliches zerlegend und erklärend, wie es sich verhält. Den anderen Menschen aber bleibt unbewußt, was sie nach
dem Erwachen tun, so wie sie das Bewußtsein verlieren für das, was sie im Schlafe tun.“ Soweit Diels, die von mir
.
vorgeschlagene Übersetzung wird weiter unten im Text geboten.
2 Auf die symmetrische Struktur des Fragmentes hat schon B. Snell, Die Sprache Heraklits, Termes 61, 1926,
366, Anm. 1, hingewiesen.
3 Die Frage danach, welchen Sinn Heraklit dieser Antithese beilegte, wird weiter unten ausführlich behandelt
werden.
» Bei Heraklit ist noch kein Unterschied zwischen dem Denken, das mit Worten ausgedrückt wird, und dem
ihn vernommen, noch sobald sie ihn vernominen, Denn geschieht auch alles nach diesem Sinn, so gleichen sie doch
14
Das Altertum, Bd. 16, H.4
behandelnden Bruchstückes auf jene Bedeutung des Verbums zeigdw einzugehen, die als Antithese in Beziehung
zu äneıpoı gestellt wurde. Soweit uns bekannt ist, schenkten diesem Umstand von allen Heraklit-Forschern lediglich Walzer und Pagliaro Beachtung.
und die Antithes“ verwandelt sich in ein reines Wortspiel. Deshalb ist es erforderlich, bei der Übersetzung des zu
tE. Hoffmann, a, 0.2-4;6,
? Sextus Empiricus, Adversus mathematicos 7, 182 = Fr. B 1 (Die Numerierung der Fragmente der Vorsokratiker wird nach der 7. Auflage von H. Diels u. W. Kranz, Die Fragmente der Vorsokratiker, Berlin 1954,
gegeben): „Für der Lehre Sinn aber, wie er hier vorliegt, gewinnen die Menschen nie ein Verständnis, weder che sie
* A. Pagliaro, a. O. 140.
3 Fr. B10; 51; 57; 62; 67; 88 u. a.
* Die Übersetzung der Fragmente, soweit sie von Diels abweicht, stammt jeweils von mir.
® Gewöhnlich übersetzt man dieses Bruchstúck: „und nichtsdestuweniger sehen sie une issend (ungebildet) aus,
jedesmal, wenn sie an solche Wörter und Werke herangehen ... Aber diese Übersetzung steht in einem heftigen
Widerspruch zu der symmetrischen Struktur des Fr. 1, das sich als eine Reihe von Antithesen erweist. In dem vorliegenden Fall werden änsıgoı (unwissend, ungebildet) und xegdépero: gegenübergestellt; bei der hier zitierten
Übersetzung verschwindet die Gegenüberstellung der Begriffe, das Charakteristische für die Antithese Heraklits,
Das erklärt sich dadurch, daß die Gesetzmäßigkeit der Existenz der Welt
behandelt &rzea wie öröuara („Namen“): sie treten somit bei ihm als Benennunnicht an der Oberfläche der Dinge liegt (,,Die Natur liebt es, sich zu verbergen“,
Fr. B123; vgl. Fr. B 56), sie kann nur im Ergebnis eines langwierigen und komplizierten Verstehensprozesses der Phänomene der Realität, der der Mensch
send aus, obwohl sie (objektiv) in jenen Wörtern und Werken, welche ich darlege, Erfahrung besitzen .. .“‘ (ebenda; vgl. Fr. B 75)’. Obwohl die Menschen
Teilnehmer der objektiven Realität sind und täglich mit den Erscheinungen des
Logos zusammentreffen, sind sie weder in der Lage, ihn im Prozeß des alltäglichen Umgangs mit ihm zu erkennen, noch dann, wenn es ihnen sogar beschieden ist, seine Wortformulierung zu hören.
die Dinge, auf die sie täglich stoßen, die scheinen ihnen fremd“ (Fr. B 72).
„Aber obschon der Logos gemeinsam ist, leben die Vielen, als hätten sie eine
eigene Einsicht‘ (Fr. B 2). „(Denn) es verstehen solches viele nicht, so viele auch
darauf stoßen, noch erkennen sie es, wenn sie es lernen, (aber sie bilden es sich
ein)“ (Fr. B17). „Die anderen Menschen wissen freilich nicht, was sie im
Wachen tun; wie sie ja auch vergessen, was sie im Schlafe tun“ (Fr. B 1).
„Doch alles geschieht nach dem Logos, und nichtdestoweniger schen sie unwismit dem sie am meisten beständig verkehren, mit dem entzweien sie sich, und
schen unverständlich: Sie „verstehen ihn nicht — weder ehe sie ihn vernommen,
noch sobald sie ihn vernommen“ (Fr. B1)*. „Mit dem allbeherrschenden Logos,
muß man éxea in dem zu untersuchenden Kontext als Sprecheinheiten (Elemente) von Logos, der „Rede, als konkrete Form des Wortaspektes von Logos
auffassen, und die zu ihnen in Beziehung gesetzten Zoya („Werke“) sind Prozesse, die in der Welt in Übereinstimmung mit dem Logos verlaufen, Elemente
der objektiven Realität des Kosmos in seiner ewigen Veränderung®.
Aber der Logos bleibt ungeachtet seiner Gemeinsamkeit den meisten Menunvertretbar ist, zwischen Eros und ôvoua cin Gleichheitszeichen zu setzen. In
der Tat, wie schon Pagliaro bemerkte?, bezeichnet &zos in seiner ältesten Bedeutung, bei Homer, nicht das einzelne Wort, sondern dient zur Bezeichnung
des akustischen Momentes der Rede, des „Sprech“-Aktes; aus dem Grunde
gen der Wirklichkeit (épya), aber gleichzeitig werden sie dem Logos als Einzelmomente, herausgelést aus dem widerspriichlichen ExistenzprozeB und nur
eine seiner Seiten widerspiegelnd, gegentibergestellt’. Bin solches Verfahren
ruft selbstverständlich ernste Einwände hervor: sogar wenn man darüber hinwegsieht, daß Heraklit in diesem Falle zweckmäBiger unzweideutig von 6vduata
(,,Namen‘‘) gesprochen haben würde, handelt es sich doch darum, daß es völlig
gen der einzelnen ,.Werke auf, d.h. der Gegenstände, Dinge und Erscheinun-
Uber die Rolle der Sprache in der Erkenntnis
und Zoya (‚Werke‘) miteinander und mit dem Logos befinden. Hoffmann
ist zu untersuchen, in welchen Wechselbeziehungen sich diese éxsa (,, Wôrter“)
Logos tritt demnach bei Heraklit als einzige, ewige, gemeinsame objektive
Gesetzmäßigkeit des Bestehens der Welt auf und gleichzeitig als Wortausdruck
(Wortäquivalent) dieser gemeinsamen Gesetzmäßigkeit, als das Denken an diese
GesetzmäBigkeitt.
Deshalb ist der Terminus „Logos“ schwer zu übersetzen, und alle Versuche,
für ihn ein Wortäquivalent in den modernen Sprachen zu finden, sind nicht
nur zum Scheitern verurteilt. sondern verwirren die Frage nach dem Wesen des
Grundbegriffs der philosophischen Konzeption des großen Ephesers, für den
beide Aspekte des Logos organisch miteinander verbunden waren; sie bilden
zwei Seiten ein und desselben Begriffs: Der Logos existiert real, unabhängig davon. ob er eine Wortformulierung erhält, die sein völlig adäquater Ausdruck ist.
In dem zweiten Satz des Fragmentes 1, wo Heraklit von den „Wörtern und
Werken‘ spricht, in deren Erklärung er seine Aufgabe sieht, fällt auf, daß für
die Benennung des Wortaspektes von Logos das Wort éxea verwendet wird. Es
„weder ehe sie ihn vernommen, noch sobald sie ihn vernommen‘ (Fr. Bl). Der
und er fügt hinzu, daß er dem Verständnis der Menschen nicht zugänglich sei,
geschieht nach diesem Logos‘ (ebenda), „der Logos ist gemeinsam“ (Fr. B 2),
Um dieses Fragment richtig verstehen zu können, muß man seine gesamte
symmetrische Struktur beachten? die eine Reihe von Antithesen aufweist:
noóoder (vor) — 16 agörov (sofort danach); dreipowww — aeipdmuevod; yw
(ich) — tod dé ÄAAovs (die anderen): &yegd&vres (wachend) — eBdorres (schlafend): aber auch die tatsächliche Bedeutung verschiedener hier vorkommender
Formulierungen ist zu bedenken.
Vom Wesen des Logos behauptet Heraklit, „es besteht ewig’ (Fr. B 1), „alles
óxóoa éyeodértes nowörw, dumoneo Órboa eddorres Exchavddvortat
pos dawéwy Exactor xai podbow Cx yer. tods dE Gidouc dvb em@novg havddver
Hal axovoartes TO zotov ywouévowv yao adrtum xaTa töv Adyov TÓvòe AreipoLoıw
Eolxacı, newdmperor val exéwr xai Epywv to.obtwr, dxolwy eyo Òupyenpar xatà
tob 6&8 Aópov Tand’ Eövros del GEdvetor ylvovtat dvPownor xal npóoder 7) dxotcat
Empirieus erhaltene Fragment | von Heraklits „De natura“:
Äußerst wichtig für die Erklärung des ersten Aspektes ist das bei Sextus
Page 5
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)B32: „Das einzige allein Weise (& TÔ
Name etymo-
Verteidiger der traditionellen Ansicht von der .,Richtigkeit’’ der Namen „von
umgekehrt jenes umschlagend ist dieses“ (Fr. B 88), ‚der Walkerschraube Weg,
Schlafende, das Junge und das Alte. Alles dieses ist umséhlagend jenes und
57), „der Weg nach oben und nach unten ist ein und derselbe’ (Fr. B 60), „ein
und dasselbe sind in uns das Lebende und das Tote, das Wachende und das
Frage, ob ein einzelnes Wort das widersprüchliche Wesen der Erscheinungen ausdrücken kann, die in sich ihre Gegensätzlichkeit einschließen, sich als eine Einheit der Gegensätze darstellen. Tatsächlich, „Tag und Nacht sind eins“ (Fr. B
diese Ansicht noch von keinem ernstlich bestritten, und es war also auch nicht
nötig, sich für sie einzusetzen. Heraklit interessierte etwas anderes, nämlich die
Natur‘ gewesen. Das ist völlig verständlich: In der Zeit des Heraklit wurde
.
.
5
14*
3 Vgl. Platon, Kratylos 396 A.
u. 151, der darin eine Behauptung Heraklits erkennen will, wonach die Namen dem Wesen der Dinge widersprechen
würden.
* Völlig mißlungen ist unserer Meinung nach die Interpretierung dieses Fragmentes bei A. Pagliaro, a. O. 142
2 J, Collart, Varron grammnairien latin, Paris 1954, 261,
einigung der Sprache, aufdecken (Fr. B 51). Wörter dieser Art gibt es in der
Sprache nicht viele, aber gerade sie körinen auf eine volle Entsprechung der
„Natur“ der Dinge und der Erscheinungen Anspruch erheben. Was nun die
anderen Wörter der Sprache anbetrifft, so muß man ihre Übereinstimmung „mit
der Natur‘ höchstwahrscheinlich als begrenzt annehmen, weil sie nur eine Seite
des Dinges oder der Erscheinung, losgelöst von der Wechselbeziehung, gleichsam
als ob sie das Wesen der Erscheinung zerstören, widerspiegeln.
widersprüchlichen Wesen und die nxadlrteonos dpuovis), „die gegenstrebige Ver-
„Wurzeln“ — ausfindig zu machen, die gleicherweise zur Bezeichnung widersprüchlicher Begriffe dienen, die Erscheinungen der Wirklichkeit in ihrem
erhaltenen Fragmente gestatten nicht die Behauptung, er sei in dieser Frage ein
nen Wortes, des Namens, mit dem durch ihn benannten Gegenstand. Aber die
Wörter betont, die das „Todesgeschick“ und den „erlosten Lohn“ bezeichnen.
All das sind Versuche, in der Sprache Wörter — wir möchten eher sagen
nicht Dionysos wäre, dem sie die Prozession veranstalten und das Lied singen
für das Schamglied (Phallos aldolorow), so wär’s ein ganz schamloses Treiben
(dvadéatata), werden die gegensätzlichen Begriffe ‚Scham — Schamlosigkeit“
auf eine Wurzel zurückgeführt; in Fr. B 25, (,,Denn) größeres Todesgeschick
(uópoc) erlost größeren Lohn (uoipa), wird die etymologische Ahnlichkeit der
die Wörter, mit denen die gegensätzlichen Begriffe „Weisheit — Meinung‘ ausgedrückt werden, auf eine Wurzel zurückzuführen: in Fr. B 15, „Denn wenn es
logisch mit dem Verbum iy („leben“) verbunden ist®, das nur einen Aspekt der
Einheit „Leben — Tod“ benennt. In Fr. B28, „(Denn) nur Meinung (Soxéorra) ist,
was der hervorragende Weise (doxtu&ratog) erkennt‘, wird der Versuch gemacht,
und wünscht nicht, sich ınit Zeus’ Namen zu benennen, weil dieser
er (der Gott) als die Verkörperung der Einheit aller Gegensätze auftritt (Fr. B 67),
den‘. Das „allein Weise‘ wünscht sich mit dem Namen „Zeus“ zu benennen, weil
coger uoüvov) will nicht und will doch mit dem Namen des Zeus benannt: werrer Etymologien Heraklits hin. In Fr.
Gegensätzlichkeit erfassen und benennen?. Darauf weist auch cine Reihe ande-
„Namen ansieht. die die Gegenstände und Erscheinungen in der Einheit der
adäquat dem objektiv bestehenden Logos (Einheit der objektiven Realität, des
Denkens und seines Wortausdruckes). In diesem Sinne steht Heraklit hinsichtlich der Sprache (der menschlichen Rede) natürlich auf der gévet-Position.
Heraklit beschäftigte auch die Frage nach der Wechselbeziehung des einzelden und zwei Seiten ein und derselben objektiven Realität, die „Rede“ ist
im Schlaf geschieht“.
Auf die Frage nach der Möglichkeit, durch die Rede die objektive Wirklichkeit auszudrücken, gibt Heraklit eine bejahende Antwort — der ontologische
und der Wort- (‚.Rede‘‘-)Aspekt des Logos sind miteinander organisch verbunnach dem Wesen, Erfahrung besitzen. Vor den anderen Menschen ist das verborgen, was sie im Wachen tun, ähnlich dem, wie sie vergessen, was mit ihnen
destoweniger sehen sie unwissend aus, obwohl sie (objektiv) in jenen Wörtern
und Werken, welche ich darlege, zerlegend ein jedes nach der Natur und deutend .
besteht. verstehen die Leute ihn nicht — weder ehe sie ihn vernommen, noch
sobald sie ihn vernommen. Doch alles geschieht nach dem Logos, und nichts-
Und so lautet das Fragment 1 in der Übersetzung: „Obwohl dieser Logos ewig
nach der Natur und deutend es nach dem Wesen“ (Fr. B 1).
des Logos zu verstehen; seine Aufgabe sieht er darin, in Entsprechung mit dem
Logos die Prozesse der objektiven Realität zu erklären, .‚zerlegend ein jedes
Heraklit ist auch einer der „besten (Menschen)‘‘, denen es gelang, das Wesen
(Menschen) ziehen das Eine allem vor: den ewigen Ruhm den vergänglichen
Dingen: die Menge sättigt sich wie das Vieh‘ (Fr. B 29).
kündet das Sprichwort: ‚Obwohl sie anwesend sind, sind sie nicht da‘ “ (Fr. B 34).
„Sie vermögen weder anzuhören noch zu erklären“ (Fr. B 19). „Die besten
Etymologien Heraklits suchen. Die Etymologisierung bei Heraklit ist nicht cin
bloßes Wortspiel, wie einige Wissenschaftler! anzunehmen geneigt sind, sondern
eine überaus ernsthafte Beschäftigung. Am bemerkenswertesten in dieser Beziehung ist das Fragment 48: „Des Bogens (B165) Name also ist Leben (Bios),
sein Werk aber Tod‘‘, wonach Heraklit ein und dasselbe Wort zur Benennung
einer Gegensätzlichkeit — des Lebens und der Waffe des Todes — dient (die
bedeutungsunterscheidende Funktion der Betonung bleibt noch unberücksichtigt). Die einzige zufriedenstellende Deutung dieses Fragmentes scheint darin
zu liegen, daß Heraklit als der „Natur der Dinge völlig entsprechend nur jene
grad und krumm, ist ein und derselbe‘ (Fr. B 59; vgl. auch 67; 76; 20; 103: 8;
10; 51; 126: 62: 115).
Die Antwort auf die Frage, ob der ,,Name‘ das widersprüchliche Wesen eines
Dinges ausdrücken, seine „Natur“ (goss) widerspiegeln kann, muB man in den
täglich begegnet, begriffen werden. „Über sehr wichtige (Dinge) werden wir
keine übereilten Schlußfolgerungen wagen‘ (Fr. B 47). „Viel Erde durchwühlen
die Goldgräber und finden wenig (Gold)‘‘ (Fr. B 22).
Aber die überwiegende Mehrzahl der Menschen gibt sich mit den unmittelbaren Angaben der Sinnesorgane zufrieden und strebt nieht danach, den Sinn
dessen zu erfassen, was da vor sich geht. „Schlechte Zeugen sind die Augen und
die Ohren bei Menschen, die eine grobe Psyche (Scele) besitzen“ (Fr. B 107).
„Diejenigen, die hörend nicht verstehen, sind wie taube Menschen: von ihnen
211
Page 6
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)„Nun sollst du alles erfahren, sowohl der wohlgerundeten Wahrheit
213
lerne die menschlichen Schein-Meinungen kennen, indem du meiner Worte
Parmenides stimmen also weder die Gegenstände und Prozesse, die ınit Namen
benannt werden, noch das Weltbild, das durch die ‚Rede‘ beschrieben ist, mit
schließlich mit dem Verstand erfaßt werden. ‚Schaue jedoch mit dem Geist,
1 Wir halten uns an die Korrektur von M. I. Mandes (&e’ @ anstatt ér &), Baecrbt, Odessa 1911, 141.
: Daher auch seine ziemlich häufige Verwendung mit den Adverbien ed „gut“ (Platon, Protagoras 310 B; Apologie des Sokrates 24 L u. a), xadös „gut, prächtig“ (Xenophon, Erinnerungen
an Sokrates
3, 3, 4) und dodd¢
„Tichtig, wahr“ (ebenda 4, 2, 26).
7
hi Die Frage danach, wie die menschliche ,, Meinung“ auf Grund des wahren Seins entstcht, übergeht Parmenides.
% A. Pagliaro, Nuovi saggi 52— 58,
nes ist, kannst du das Denken antreffen‘‘ (Fr. B 8, 35—36)!. Das Denken kann
trügliche Ordnung hörst“ (x6ouos ur èréow dnatndds Fr. B 8, 51-52). Für
Gedanke, daß Ist ist; denn nicht ohne das Seiende, in dem es als Ausgesproche-
Sein und Verstand (das Denken) sind identisch. ‚Dasselbe ist Denken und der
wie durch den Geist das Abwesende anwesend ist mit Sicherheit“ (Fr. B 4,1).
bei ihm um terminologische Dinge geht. Das Sein kann nach Parmenides ausnung der Wörter“ (xóouos énéwv) — ist trügerisch (dratnAög). „Aber von hier ab
gebrauch des Parmenides studieren, und zwar besonders in jenen Fällen, da es
Natur des einzelnen Wortes ? Zur Klärung dieser Fragen müssen wir den Wort-
Jedoch nicht bloß einzelne ..Namen“ {6véuara), auch die „Rede“ — die „Ordbeobachtet werden. Uns scheint das kein Zufall zu sein, sondern ein polemischer Ausfall gegen Heraklit, der die in der Natur verlaufenden Prozesse als eine
Realität anspricht.
den, sondern auch Erschei nungen und Prozesse, die in der Welt der „Meinung“
(Fr. B 8, 37—41: B 19) nicht nur einzelne Dinge und Gegenstände belegt. wer-
Zu beachten ist, daß mit „leeren Namen“ in den beigebrachten Beispielen
(vondlew)“ (Kr. B 8, 53).
und ist noch jetzt und wird von nun an in Zukunft wachsen und dann sein Ende
nehmen. Und für diese Dinge haben die Menschen einen Namen festgesetzt,
einen bezeichnenden für jedes (dvoua xarédert’ Enioyuov)“ (Fr. B 19). . Sie
haben nämlich ihre Ansichten dahin festgelegt, zwei Formen zu benennen
leuchtenden Farbe‘ (Fr. B 8, 34--41). „So also entstand dies nach dem Schein
schen verdankt, die nicht die ,,verlaBliche Wahrheit“ (faris dAndis — Fr. B 1.
30)’ zum Ausdruck bringt, das ist die Welt einer „trügerischen Ordnung der
Wörter“, cine Welt der „Bezeichnung“ (voudteur), eine Welt der ‚Namen‘.
„Darin wird alles bloßer Name sein (xdvt’ dvoua éotac), was die Sterblichen in
ihrer Sprache festgesetzt haben, überzeugt, es sei wahr: Werden sowohl als
Vergehen, Sein sowohl als Nichtsein, Verändern des Ortes und Wechseln der
Der Wortgebrauch wird ein anderer, sobald die Rede auf die Welt der „Meinung‘ kommt, die ihr Entstehen den unzuverlässigen Sinnesorganen der Menhat „mit Vernunft reden, sinnvoll sprechen, sachlich sprechen‘.
der „Wahrheit“ spricht, das Substantiv A6yog gebraucht (Fr. B 8, 50) und das
zu dieser Wurzel gehörende Verbum Jéyery (Fr. B 6, 1), das mehr die Bedeutung
dar. Bemerkenswert ist, daß Parmenides, wenn er von der „Rede“ indem Gebiet
ende, das Denken darüber und der Ausdruck dieses Denkens — eivaı (é6r) —
voel» (vYönua) — Aéyew (Adyoc) — stellen sich bei Parmenides als eine feste Einheit
28). dem der erste Teil des Poems von Parmenides gewidmet ist. Also, das Sei-
Wahrheit“ (zuotós Aéyos NÖ vômua dupic dAwWeing Fr. B8,50.51.s. auch Fr. B 8,
beobachten ist. Das ist auch „die verläßliche Rede und das Denken über die
„ausgedrückt“ werden (nepariouevor ebenda), aber dieses Ausdrücken führt zur
Bestätigung dessen, daß das Sein ist. „Die Rede (rd A&yeır) und das Denken
(rò voeiv) müssen das Seiende (76 é6r) sein“ (Fr. B 6,1), weil bei einem einzigen,
ewigen. gleichartigen und unbeweglichen Sein es eigentlich keine Attribute gibt,
in ihm keine Prozesse vor sich gehen und keine qualitative Differenzierung zu
Über die Rolle der Sprache in der Erkenntnis
andererseits zur „Meinung“, welcher Art sind die Möglichkeiten, durch cine
zusammenhängende Rede die Wirklichkeit auszudrücken, und welcher Art ist die
Welcher Art ist die Funktion der Sprache in der Erkenntnistheorie des Parmenides, welcher Art ihre (der Sprache) Beziehung einerseits zu dem Sein und
„Nacht“.
Täuschungen der Empfindungen, das Ergebnis der Verflechtung zweier von den
Menschen willkürlich benannter Formen (uoppat) — des .,Lichtes‘‘ und der
Wirklichkeit nicht Formen der Existenz des einzigen Seins sind, sondern nur
unerschütterlich Herz wie auch der Sterblichen Schein-Meinungen, denen nicht
innewohnt wahre Gewißheit“ (Fr. B 1, 28—31).
Wichtig ist hier die Vorstellung, daß alle Erscheinungen der umgebenden
3—5).
unvergänglich. unveränderlich, unbeweglich, unteilbar, gleichartig, immer in
der Gegenwart existierend —, das keine Zukunft und keine Vergangenheit kennt.
Dieses Gebiet der ,,glaubwiirdigen Wahrheit (riortıs äAndrjg) ist nur mit dem
Verstand zu erfassen. Die den Menschen umgebende Wirklichkeit ist nur die
„Meinung“ (ö6£a), erzeugt durch die subjektive, trügerische Wahrnehmung des
Seins mit Hilfe der unvollkommenen Sinnesorgane, ist das Gebiet der Illusion.
,,Und es soll dich nicht vielerfahrene Gewohnheit auf diesen Weg zwingen, wal.
ten zu lassen das blicklose Auge und das dröhnende Ohr und die Zunge“ (Fr. B7,
gewisses abstrakt-materielles ‚Sein‘ (,,Das Seiende‘“ — rd &öv) an — das einzig,
Der Lehre Heraklits von der ewigen Bewegung stellte Parmenides die Lehre
von der ewigen Ruhe gegenüber. Als einzige Realität erkennt Parmenides ein
3.
Philosophie zu klären,
Anders ist die Situation für seine Nachfolger, die unter gänzlich verschiedenen
historischen Bedingungen auftraten. Wenn Heraklit sich besonders dem Problem zuwandte, ob die Sprache die objektive Wirklichkeit in ihrer stetigen Veränderung auszudrücken vermag, so rückte für die Herakliteer in ihrer Polemik
gegen Parmenides und die älteren Sophisten die Verteidigung der traditionellen
Anschauung von der .‚Richtigkeit‘‘ der Namen „von Natur‘ in den Vordergrund.
„naturgemäßen‘“ Verbindung zwischen ihnen im Lichte der Hauptthesen seiner
Auf diese Weise besteht die Aufgabe, die Heraklit sich zur Erklärung der
Beziehungen zwischen Ding und Namen gestellt hat, darin, den Charakter der
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‚von
die von
Paris 1950, 120.
bei der Behandlung der Anschau1 Vgl. A. Pagliaro, a. 0. 54; Hoffmanns Bemühen (a. O. 11) hier — wie auch muß zurückgewiesen werden, weil
ungen Heraklits — zwischen dvdyora und Erea ein Gleichheitszeichen zu setzen,bietet: Erea begegnet uns bei ParHandhabe
keine
Verfahren
solches
ein
für
Parmenides
des
der Wortgebrauch
der Wörter), wo von der „Rede“
menides nur ein einziger Mal, und zwar in dem Ausdruck xóopos éndwr (Ordnung
Weltbild zeichnet; zur Benennung der
gesprochen wird, die das von der „Meinung“ der Menschen hervorgebrachte
gebraucht.
h droua
einzelnen Dinge, Erscheinungen und Prozesse wird ausschließlic
der Sprache in der antiken
2 J, M. Tronski, a. 0. 30; ders., [Ipoösewat asııka B auTnunoli nayke (Probleme
;M.1. Mandes, a. 0. 107 —109; A. Diels,
AHTHUHbIe TCOpHH n3blKA 4 CTHAA, Leningrad 193
v
für das Klassische
Jahrbücher
Neue
in:
on,
Grie
den
bei
Philologie
der
Anfange
Die
ders,
85;
Parmenides, 18
a. 0. 12; J. Zafiropulo, L'école éleate,
Altertum, Geschichte und deutsche Litteratur 25, 1910, 7; E. Hoffmann,
seinen Sinnesorganen wahrgenommen wird, und betrachten die Empfindung
und die Wahrnehmung als Grundlage der Erkenntnis (Emped., Fr. B 89;
Anaxag., Fr. B 21a), Aber die Sinnesorgane sind keineswegs vollkommen, sie
sind schwach und nicht imstande, die objektive Wirklichkeit in ihrer ganzen
erkennen die Realität der den Menschen umgebenden Wirklichkeit an,
4.
Empedokles und Anaxagoras sind, insgesamt gesehen, Materialisten: Beide
punkt in der Sophistik erreichte.
die
der Natur‘‘ wieder, sondern werden als menschliche Festlegungen betrachtet,
r
gegenübe
Position,
dieser
Auf
zuteilt.
(r6uos)
s‘
.‚Gesetze
man der Sphäre des
igen
gleichnam
dem
in
sich
bewegt
Kratylos,
ers
Heraklite
des
n
den Ansichte
Dialog Platons ein Schüler des Parmenides, Hermogenes (384 d—e).
Die Schlußfolgerungen, zu denen Parmenides in der Frage nach dem Verhältten
nis des Namens zu dem mit ihm benannten Ding oder der mit ihm bezeichne
die
k,
gp-Polemi
póoet-vóu
der
von
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ihren
nahmen
Erscheinung gelangte,
Hôheihren
und
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tik
Problema
ische
philosoph
gesamte
die
Folgezeit
der
in
etwas aufzunehmen, das keine reale Existenz hat, spiegeln daher nichts
Namen, zusammen mit den Dingen und Erscheinungen der Sinneswelt aus dem
Gebiet der objektiven Wirklichkeit herausgefallen, beginnen Beziehungen zu
die traditionelle Ansicht von der „Richtigkeit“ der Namen „von Natur“.
Geschöpfe (Erzeugnisse), von der Natur geschaffen‘ (De arte 2). Die philosophische Konzeption des Parmenides richtete den ersten direkten Schlag gegen
(Tatsachen der Wirklichkeit) sind nicht Festlegungen des Gesetzes, sondern
(Tatsachen der Wirklichkeit) aus Namen gewachsen sind, und das ist nicht
möglich: denn die Namen sind Festlegungen des Gesetzes, die Gestalten aber
Gestalten
schen Traktes „De arte‘: „... Töricht ist es zu glauben, daß die
Abbar und stieß auf heftigen Widerspruch; vielleicht rührt daher die glatte
ppokratipseudo-hi
des
Verfasser
n
anonyme
den
durch
ng
Auffassu
dieser
lehnung
einstimmen und die „Dinge“ ein Produkt der Namen sind, klang äußerst sonder-
Die unerhörte Behauptung, wonach die Namen nicht mit den Dingen über-
“
solcher. die ihrer Art nach die organisierende Kraft der Welt der „Meinung
spruch zu dem, was dem Menschen der Verstand eingibt.
Die Welt; in der der Mensch lebt, die den Menschen umgebende \ Yirklichkeit
ist demnach. nicht bloß ein trügerisches Erzeugnis des menschlichen Strebens,
alles zu ,,benennen‘* — vouddeur, wie das schon von mehreren Wissenschaftlern
verinerkt wurde, sondern auch der menschlichen „Rede (xöanos éxéwy) als
der objektiven’ Wirklichkeit, der Realität übereint, sondern stehen im
214
und „Vergehen“ durch die Hellenen (td dE yéreodar zat ânóhhvadar
7
ii
elingt
die in der objektiven Wirklichkeit verlaufenden Prozesse adäquat auszudrücken.
schließen sie sich in dem Punkt an, daß es mit der menschlichen Rede
direkt; aber die von ihnen formulierten Pri nzipien der Erkenntnistheorie estatten es uns, hier nur eine bejahende Antwort zuzulassen.
u
Auf dem Gebiet der Sprach-Problematik nähern sich Empedokles und Anaxagoras dem Parmenides in der Frage nach dem Charakter der Beziehungen zwischen dem „Namen“ und dem damit bezeichneten Gegenstand, an Heraklit
Ob es möglich ist, mit der menschlichen „Rede“ die objektive Wirklichkeit
auszudrücken, zu dieser Frage äußern sich Empedokles und Anaxagoras nicht
chen, den sie bezeichnen (Fr. B 17).
ovx òodc vouilovew of "Eiinves), da sie nicht dem wirklichen Prozess ents Dreden
und „Scheidung“ (td xofveodat Fr. B 17).
|
7
MEV
Diese Fragestellung läßt natürlich nur das eine Ergebnis zu, daß die ,,Namen“
der Dinge und Erscheinungen als Festlegungen der Menschen anges rochen
werden. Das betont Empedokles, wenn er sagt, das Wort ‚Geburt‘ sei nur ein
„Name' bei den Menschen (éxi toıs dvoudberat dvdochnoıc Fr. B8), und das
Wort Tod“ benutze er nur „dem Gebrauch folgend“ (véu@ Fr. B 9). Analog ist
die Behauptung Anaxagoras’ von dem „falschen“ Gebrauch der Namen Weräx6).i
der Dingevod
sind in Wirklichke
at)
it nur eine ,, Mischung “(To ovuutoyecad
einfachen Elemente zusammen (Fr. B 45), wobei kein Ding dem anderen genau
gleicht (Fr. B12). „Entstehen, Geburt“ (16 plveodar) und „Vergehen“ (zò
und Luft entstehen, setzten sich aus den kleinsten Teilchen der verschiedenen
schaft durch das Überwiegen der Samen des einen oder andeten Elementes in
ihr bestim mt wird, d. h. durch den quantitativen Faktor (Fr.
Bl; B 11: A 44)
aber die komplizierten Stoffe wie Lebewesen und Pflanzen. die aus Erde Wasser
nung „Homoiomerien * (Fr. B 45) erhalten haben: die einfachsten Elemente, wie
beispielsweise Knochen, Fleisch, Haar, sind nur eine Mischung, deren Eigennehm ungen formt und entwickelt (Emped., Fr. B 105: vgl. Fr. A 86)
Die Gegenstände und Erscheinungen der von dem Menschen sinnlich wahr
genommenen Welt sind jedoch — obwohl sie sich als eine objektive Realität darstellen —, jedes für sich, ihrer eigenen „„Natur'* (póouc) beraubt. Bei Em edokles
sind sie alle verschiedene quantitative Verbindungen der vier Ur-Blemente der
„Wurzeln“ (@¢@pata): Erde, Wasser. Luft und Feuer (Fr. B 6: vel. Fr B 17)
Das, was die Menschen als Geburt und Tod empfinden, ist in Wirklichkeit nichts
anderes als eine Mischung (wikis) und eine Wiedervermischung der M ischung
(Ord Âhalis utyévroy — Fr. B 8) oder ihre Zerlegung in die Bestandteile (Fr. B 9)
Bei Anaxagoras besitzen qualitative Unterschiede nur die allerkleinsten mit
den Sinnesorganen des Menschen nicht wahrnehmbaren Teilchen der einfachen
Elemente, die „Samen der Dinge“ (oxépuata zonpdtor), die später die Bezeichnehmen, der sich in den Zeugnissen zurechtfindet und sie versteht (Emped
Fr. B 2,8: Anaxag., Fr. B 216), der sich auf der Grundlage der sinnlichen Wahr.
Fülle wahrzunehmen (Emped., Fr. 2), sie vermögen nicht, die ganze Wahrheit
215
zu erkennen (Anaxag., Fr. 21). Um ein richtiges Bild von der Welt zu erhalten
muß man die Zeugnisse aller Sinnesorgane auswerten und den Verstand zu Hilfe