Hierokles bei Theophylaktos

Auteur
Praechter, K.
Publié dans
Hermes
Année
1912
Sujet
THEOPHYLACTUS
Langue
Deutsch
Catégorie
B7 Hiéroclès
Numéro d'archive
5236

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Der Neuplatoniker Hierokles ist durch den Nachweis, daß die ethischen Fragmente bei Stobaios nicht ihm, sondern dem Stoiker gehören, aus dem lange zu Unrecht behaupteten Besitze seines Namensvetters vertrieben worden. Er sitzt aber an einer andern Stelle noch unbehelligt auf fremdem Eigentum, und es ist Zeit, daß er auch da verjagt werde. LAN? PRAE 523& PAX CATER IK, Theophylaktos Simokattes schließt seinen Arddoyos zeoi diapoor qvandy änopnudıwy nal EruAdoewv adr@y mit einem dem Gesprächsleiter in den Mund gelegten Bekenntnis, das bescheiden und ehrlich klingt, in Wirklichkeit aber von beidem das Gegenteil ist (p. 27 Boiss.). Er will den Stoff seiner Sammlung aus einer ganzen Reihe zum Teil sehr alter Quellenschriftsteller zusammengetragen haben: où ydo tots Anuoxeitov operepioopat xovovs oùd0Ë thy “Aguototélovs eixdeiav Euavıd nenidyopuar odÔë u Aunodvenow thy tod IlAdıwvos, où tov "IaußAyov dotepdvotoy xatalirouu, où Iloéxlov, où l'alyvòv tobe èv Eruoti;un xopwoús, où Ilwtivor, où Zwriwva, oùx 'AÂéEavògov, où Ocd- ¢oactoy thy ths yrdoews Bdiartav, où Bor, oùx Aihvavór, où tov ns éruormuns nlodror tov IMovtapyor, oùx “Aufewva, oùx “Tupodowov N Aaudoxıov i) tov Tipayévous (so die Ausgaben, die Handschriften AB [s. über diese Boiss. p. 165] Tiuoxléovs) Tepoxdéa. Da der Vatersname für die Identificirung des Hierokles keine Handhabe bietet, miissen wir uns nach anderen Indicien umsehen. Da fällt zunächst auf, daß Hierokles am Ende der ganzen Reihe steht und an Damaskios unmittelbar angeschlossen ist. Das war ohne Zweifel der Grund, weshalb Zeller, Philos. d. Gr. II 24 S. 812 Anm. 3, ohne weiteres annahm, es handle sich um den Neuplatoniker. Widersprochen hat ihm meines Wissens niemand. Das Argument mag in der Tat gelten, solange ihm kein stärkeres

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Der Neuplatoniker Hierokles ist durch den Nachweis, daß die ethischen Fragmente bei Stobaios nicht ihm, sondern dem Stoiker gehören, aus dem lange zu Unrecht behaupteten Besitze seines Namensvetters vertrieben worden. Er sitzt aber an einer andern Stelle noch unbehelligt auf fremdem Eigentum, und es ist Zeit, daß er auch da verjagt werde. Theophylaktos Simokattes schließt seinen Arádoyos megi diapoowy quoix®y ánoonuárov xal EnıkVoewv attmy mit einem dem Gesprächsleiter in den Mund gelegten Bekenntnis, das bescheiden und ehrlich klingt, in Wirklichkeit aber von beidem das Gegenteil ist (p. 27 Boiss.). einer ganzen Reihe Er zum will den Teil sehr Stoff seiner Sammlung aus alter Quellenschriftsteller zusammengetragen haben: où ydo tods Anuoxoítov operspioouaı rróvovs odds tiy "Apuototélovs evxlerav Euaviò nepiäyouar OVOÉ tt Awmnodutjow tay Tod lllárovos, où tov "Iaußkıyov dotepdvwtoy xatadizouu, où Ilodxrhov, où TaAnvov toùs Ev éruotijug xouwots, où IlAwtivov, ob Lwtiwva, oùx *AséEavdgor, où Geöœoactoy thy tis yrocews Válarrav, où B&lov, oùx Ailavôy, où tov tHS Eruorhuns nAodrov tov IMovtagyor, oùx “AuBowra, tov Tiuayévovs (so die AusAauäoxov oùx "Iufodcov gaben, die Handschriften AB [s. über diese Boiss. p. 165] Tıuoxhéovs) Teporxdéa. Da der Vatersname für die Identificirung des Hierokles keine Handhabe bietet, müssen wir uns nach anderen Indicien umsehen. Da fällt zunächst auf, daß Hierokles am Ende der ganzen Reihe steht und an Damaskios unmittelbar angeschlossen ist. Das war ohne Zweifel der Grund, weshalb Zeller, Philos. d. Gr. II 24 S. 812 Anm. 3, ohne weiteres annahm, es handle sich um den Neuplatoniker. Widersprochen hat ihm meines Wissens niemand. Das Argument mag in der Tat gelten, solange ihm kein stärkeres

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Gegenargument entgegengestellt wird. Immerhin ist gleich zu sagen, dafs auf die Reihenfolge wenig Verla6 ist. Platon steht ja hinter Aristoteles; Plutarch, Galen und Aelian, deren gegenseitiges chronologisches Verhältnis selbst wieder gestört ist, folgen auf lamblichos und Proklos, diese gehen dem Plotin voraus, der durch Galen von ihnen getrennt wird; Theophrast, den man unmittelbar hinter Aristoteles vermuten würde, ist durch eine ganze Reihe von Autoren, u. a. die Neuplatoniker Iamblichos und Proklos, von ihm geschieden. Um auf sichereren Boden zu kommen, werfen wir einen Blick auf das Autorenverzeichnis in seinem Verhältnis zum Inhalte der Schrift. Diese behandelt eine kleine Anzahl naturgeschichtlicher Paradoxa in der Art, daß jeweilen von dem einen der beiden Mitunterredner das Problem genannt, von dem andern gelöst wird. Suchen wir in diesen Lösungen nach principiellen Gesichtspunkten, so treten uns deren u.a. zwei entgegen, die ich der folgenden Untersuchung wegen herausheben muß. Einmal die auf göttlicher Fürsorge beruhende ovundadea und ovvéoyera innerhalb des Bereiches der Erde, um derenwillen die Luft für Ton, Licht und Geruch durchdringlich ist, um so eine Fernwirkung eines Gegenstandes auf einen andern zu ermöglichen (p. 11 Boiss.). Zweitens das Verhalten der Tiere, die sich des zu ihrer Erhaltung Dienlichen bewußt sind und demgemäß verfahren: so kennen die krummklauigen Tiere den Wert ihrer Klauen für ihre Wehr, der Hase die Bedeutung seiner schnellen Füße, der Hirsch seines Geweihs (p.18). Damit stellt sich unsere Schrift zu der von S. 0. Dickerman?) im Zusammenhange behandelten Litteratur über die zweckmäßige Organisation der Tiere?). Leider fehlt uns eine Untersuchung über das Verhältnis Theophylakts zu der sonstigen antiken Paradoxographie, insbesondere zu den in seinem Schriftstellerkataloge p. 27 genannten Autoren. Die wenigen Nachweise bei Boissonade sind unzureichend. Das Eine wird man wohl im voraus sagen dürfen, daß man nicht die Angabe des Verfassers, er habe alle diese Schriftsteller für seine magere 1) De argumentis quibusdam apud Xenophontem, Platonem, Aristotelem obviis e structura hominis et animalium petitis, Halis Sax. 1909 (Dissert.) p. 53 ff. 2) Für zweckdienliches Verhalten von Pflanzen und Tieren vgl. auch Theophylaktos p. 11 (11); 14 (9f).

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Sammlung verwertet, für bare Münze zu nehmen hat. Er hat offenbar aus einem größeren Werke einen dürftigen Auszug veranstaltet, die dort angeführten Quellen aber vollständig oder doch jedenfalls in weiterem Umfange als es seinen Excerpten entsprach herübergenommen. Man darf also weder erwarten, jeden der angeführten Autoren, soweit sie uns erhalten sind, in der Sammlung mit einer Angabe vertreten zu finden, noch auch, wenn das nicht der Fall ist, zu der Annahme greifen, der betreffende Name sei völlig willkürlich und nur um die Liste zu vergrößern hinzugesetzt. Er wird vielmehr in der Quelle gestanden haben, also zu dem Gesamtstoffe in Beziehung stehen. Sehen wir uns nun die Liste etwas näher an. Mehrere unter den Genannten sind uns als Verfasser von Werken neoi davuaotwr oder mit ähnlichen Titeln wohl bekannt. Es sind Sotion (vgl. Paradoxogr. ed. Westermann p. XLIXf.), Alexander (aus Myndos, vgl. Wellmann, d. Z. XXVI, 1891, S. 480 ff.), Bolos (vgl. Diels, Vorsokr. 1? S. 440, 4f.; 466, 24f.) und Damaskios (vgl. Paradox. ed. Westerm. p. XXIX). Auch bei Aristoteles ist zunächst gewiß an die im Corpus Aristotelieum stehende Schrift zeot davuaoiov dxovopdtwmy gedacht, wiewohl er auch mit anderen Werken in Betracht kommt. Demokrit bzw. Pseudodemokrit gehört ebenfalls zu den Mirabilienautoren (vgl. Diels, Vorsokr. I? S. 440ff.). Auch den Namen Theophrast, Plutarch und Aelian wird man sich nicht wundern im Zusammenhange mit naturgeschichtlichen Problemen zu begegnen. Anders bei Platon. Daß Theophylakt Platon etwas verdankt, ist zwar gewiß. Auch er hat seiner rhetorisirenden Tendenz getreu die bei den Rhetoren beliebte Phaidrosstelle (p. 230 BC) von der weitkronigen Platane, dem Keuschlamm und den Cikaden sich nicht entgehen lassen (p. 12 [11]; 21 [11. 12]). Aber es ist nicht wahrscheinlich, daß Platon nur deswegen im Kataloge eine Stelle gefunden haben sollte. Auch hier muß man nach Beziehungen in der Problematik selbst fragen. Nun findet. sich unter Theophylakts Paradoxa nichts, was er aus Platon entnommen haben könnte. Wenn Platon die Dichtigkeit des Stahls (Tim. 59 B) und die lähmende Wirkung der Krampfroche (Meno 80 À C) erwähnt, so geschieht es ohne alle Rücksicht auf die von dem Paradoxographen (p. 6ff., 10ff.) hervorgekehrten Probleme und ihre Lösungen, und wenn wirklich Theoph. p. 11 [7] 5 uayrÿus jr nai ‘Hoaxdetar Aldor qaci eine Reminiscenz an Plat. Io 533 D ér

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tH Mido iv Evoniôns mèr pmayvijur vôuacer of dè moddot ‘HoaxÂetav sein sollte, so würde es sich hier wieder nur um eine formale Entlehnung handeln, da sich von dem Problem bei Platon keine Spur findet. Aber auch Theophylakts Gewährsmann kann aus Platon keine eigentlichen Paradoxa gesammelt haben, denn dafür ist Platon keine Fundgrube. Wohl aber könnte er den Philosophen wegen der Naturconstruction im Timaios als Schriftsteller über naturwissenschaftliche äropnuara xaì Avosıs in einem weiteren Sinne betrachtet haben. Noch näher aber liegt etwas anderes. Platon erörtert im Protagoras 320 E f. in einer längeren Ausführung die Ausrüstung der Tiere mit dem zu ihrem Schutze und zur Erhaltung der Gattung Notwendigen. Dieses Thema ist, wie die von Dickerman a. a. O. verarbeitete Litteratur zeigt, viel behandelt worden, und es ist natürlich, daß dabei auch die Protagorasstelle als klassische Stütze der Theorie von der Zweckmäßigkeit der Organisation der Tiere Beachtung fand. In welcher Weise sie in paradoxographischem Zusammenhange verwendet werden konnte, läßt Theophylakt p.13 (s. o. S.118) erkennen!). Nun ergibt sich auch der Grund für Galens Aufnahme in den Katalog. Auch er hat in der Schrift xeot yoeias uogiwy über die planvolle Einrichtung des tierischen Organismus gehandelt?). Dabei stimmt er mit Theophylakt p. 13 noch insbesondere darin überein, daß er die Wahrnehmung hervorhebt, die das Tier von seiner Organisation und den durch diese dargebotenen Waffen besitzt. Vgl. Galen de usu part. 1,3 p. 4, 23ff. Helmr.: alodnoıw yao adv wor adidaxtoy Eysı Tv TE tijs Eavrod wvzijs dvvduemv nal Tv Ev tois uooiois bnegoy@v. Theophylakt p. 13: got alodnoıs xai trois ahoyou Cao, Loddueates, wad’ iy ris îdias owrnolas (durch den Gebrauch der dazu bestimmten Körperteile) daedijpact thy didyrwow. Unter den Neuplatonikern Plotin, Iamblichos und Proklos bedarf es fiir die beiden letzteren wieder keines langen Besinnens, weshalb ihre Namen auf der Liste zu finden sind. In lamblichs Leben des Pythagoras spielen Wundererzählungen eine ziemliche Rolle, auch Proklos’ Commentare zur Republik und zum Timaios weisen manches Derartige auf, und auch an das, was Proklos nach 1) Auch andere Platonstellen zeigen den gleichen ätiologischen Rationalismus; vgl. z. B. Tim. 91 E. 2) Vgl. die Stellen in Dickermans Index scriptorum s. v. Galenus.

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Marinos’ Biographie von Wundern, die seine eigene Person betrafen, erzählt haben muß), ließe sich denken. Freilich handelt es sich bei Iamblichos und Proklos nicht um Mirabilien im üblichen Sinne, d. h. um naturgeschichtliche Merkwiirdigkeiten, sondern um nach gewöhnlichem Verstande übernatürliche Wundererscheinungen. Aber auch diese riicken nach der eigentiimlichen Auffassung des Neuplatonismus doch wieder in den Kreis wissenschaftlicher Problematik, da auch die anscheinend auf völlig freiem Eingreifen höherer Gewalten ‘beruhenden Vorgänge von Gesetz und Ordnung beherrscht und in gewissem Sinne natürlich sein sollen, so daß auch hier die Frage nach der Verursachung gestellt werden kann ?). Aber auch ganz abgesehen von dieser in der neuplatonischen Lehre gelegenen Vermittlung zeigen beispielsweise die erhaltenen Mirabiliensammlungen des Apollonios (Westermann S. 103 ff.) und des Phlegon von Tralles (ebenda S. 117ff.), daß man es keineswegs vermied, an bestimmte Personen sich knüpfende Erzählungen wunderbarer Begebenheiten mit naturgeschichtlichen Paradoxa in einer und derselben Schrift zu vereinigen. Eher könnten hinsichtlich Plotins Zweifel entstehen. Mit der Erzählung von Wundergeschichten gibt er sich nicht ab. Aber um so eifriger bemüht er sich, den Boden principieller Anschauungen zu schützen, aus dem jene Wundergeschichten ihre Nahrung ziehen. Magische Zusammenhänge, beruhend auf der alles umspannenden ovunddeia, lassen auch das Wunderbarste als möglich erscheinen). Wir sahen oben S. 118, daß auch Theophylakt von der Sympathie als Erklärungsmittel Gebrauch macht. Er tut das in einer recht nüchternen Weise, die noch kaum an die neuplatonische Verwendung der auch von den Stoikern vertretenen Sympathielehre erinnert. Aber man kann sich doch von hier aus vorstellen, wie willkommen die magische Sympathie Plotins den Erzählern geheimnisvoller Begebenheiten sein mochte. Bleiben von der Liste außer Hierokles noch Ambron und Imbrasios. Beide Namen sind als Schriftstellernamen überhaupt nicht bekannt. Sie verdanken ihre Existenz an dieser Stelle nur einem augenscheinlichen Versehen. ’Iufodotos mit vorangehendem "Aufow — man braucht nur darauf aufmerksam zu machen und 1) Vgl. Zeller, Phil. d. Gr. 111 2* S. 844 Anm. 1. 2) Vgl. Zeller a. a. O. 8. 755f. 3) Vgl. Zeller a. a. O. S. 682ff.

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niemand wird zweifeln, daß für ’Zußodo:ıov herzustellen ist "4ufodgov. Das zur Correctur über dem Anfang des verschriebenen "Jußodoros angemerkte ‘Aufoo wurde als Teil eines nachgeholten Namens verstanden, zu ”Außowva ergänzt und mit dem durch den Zusammenhang verlangten oùx eingeführt. Tatsächlich bringt Ambrosius durch das ganze fünfte und die ersten sechs Kapitel des sechsten Buches seines Hexaemeron hindurch eine reiche Fiille hierhergehörigen Materials, Mirabilien im eigentlichen Sinne und Betrachtungen über die Zweckmäßigkeit des tierischen Organismus und das Wissen der Tiere von den ihnen zu ihrem Schutze gegebenen Organen (vgl. Hexaem. 6, 4,26 und oben S. 118). Dazu kommen aus anderen Schriften die Anleihen, die Ambrosius bei dem beliebtesten Tierbuche, dem Physiologus, gemacht hat!) und die — wohl in Verbindung mit den Tierkapiteln des Hexaemeron -— ihm die Ehre eintrugen, daß eine lateinische Übersetzung des Physiologus unter seinem Namen umlief, vielleicht schon in den nächsten Jahrzehnten nach seinem Tode?). Ambrosius wurde so zu einem typischen Vertreter dieser Art Litteratur, und damit wird es erklärlich, daß wir in unserer Liste ihm als einzigem Lateiner inmitten griechischer Autoren begegnen °). Für alle Schriftsteller des Kataloges bis auf Hierokles läßt sich also ihre Berechtigung, hier genannt zu werden, erweisen. Wie steht es nun in dieser Beziehung mit dem Neuplatoniker Hierokles? Erhalten ist uns von ihm ein Commentar zum Goldenen Gedicht. Von einem zweiten Werke, das zegt npovoias «at siuaguéyys xai ns tot ëp’ fuiv noòs tv Velay ijyeuoviav ovytagews betitelt wart), erhalten wir durch Photios Kenntnis, der cod. 214 über seinen Inhalt berichtet und cod. 251 Auszüge aus ihm zusammen1) Vgl. Friedr. Lauchert, Gesch. d. Physiologus, Straßburg 1889, S. 75 ff. 2) Lauchert a. a. O. S. 88f. 3) Wer an der Beriicksichtigung des Lateiners durch den byzantinischen Griechen Anstoß nehmen möchte, sei daran erinnert, daß der Maische Anonymus zepi zokiuxijs émormuns (Script. vet. nov. coll. II 571 ff.) — allerdings vielleicht 100 bis 150 Jahre vor Theophylakt — eine Vergleichung des platonischen und des ciceronischen Staates durchgeführt bat. Am allerwenigsten kann die Berücksichtigung eines Kirchenvaters Bedenken erregen. Vgl. auch L. Hahn, Philol. Suppl. X, 1907, S. 704. 4) Kürzer Phot. cod. 251 ‘Iegoxiéovs 6 xeoi zoovotas. Uber die beiden Fassungen s. A. Elter, Rhein. Mus. LXV, 1910, S. 175f.

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stellt. Mehr als diese beiden Werke scheint auch das Altertum von ihm nicht besessen zu haben. Wenn Suidas s. v. Tegoxdijs nach Damaskios außer dem Commentar xai étéowv Bipliwy reo. noovoias ovyv@» gedenkt, so meint er damit nur die sieben Bücher der von Photios excerpirten Schrift. Der Commentar enthält nun gar nichts, was das Gebiet der Mirabilien auch nur streifte. Dasselbe läßt sich nach Photios’ Mitteilungen für das zweite Werk annehmen, das sich lediglich mit dem Verhältnis der göttlichen xo6voa zum freien menschlichen Willen und den Begriffen eiuaouévn, dixn, thyn u.ä. beschäftigte. Wenn in diesem Zusammenhange die Dämonen als púÂaxes und &poooı der Menschen erscheinen, so hat doch ihr Walten nicht den Charakter des Magischen und Wunderbaren, den lamblich und seine Anhänger den Beziehungen der Geister- zur Menschenwelt aufgeprägt haben. Wir haben es im Princip nur mit der alten seit Xenokrates’ Zeit verbreiteten Dämonenlehre zu tun). Danach ist der Neuplatoniker ausgeschlossen. Von den anderen Trägern des Namens?) bieten zwei Berührungspunkte mit Theophylakt. 12, 716 ff. Aus den @idiotoges eines Hierokles führt Tzetzes Chil. inmitten anderer Mirabilien die Geschichte von den Wiistenbewohnern an, die mit ihren großen Ohren ihr Gesicht und mit den emporgestreckten breiten Füßen ihren ganzen Körper beschatten®). Wir haben hier also ein eigentliches Paradoxon. Ist es schon danach wahrscheinlich, daß dieser Hierokles mit dem des Theophylaktos identisch ist, so erhöht sich die Wahrscheinlichkeit noch dadurch, daß unter den Zeugen, die Tzetzes a. a. O. 642ff. für diese und ähnliche Geschichten beibringt, sich auch Alexander und Sotion, also zwei Genossen des Hierokles in der theophylaktischen Liste, befinden. Sind wir auf der richtigen Spur, so fragt sich, was aus der Theophylaktstelle für den Verfasser der Drlicropes zu gewinnen ist. Viel ist dessen nicht. Daß er zwischen Strabon, den er citirt, einer-. Stephanos von Byzanz und Aineias von Gaza*), von denen er citirt wird, 1) Vgl. R. Heinze, Xenokrates S. 95 ff. 2) Eine Zusammenstellung findet sich bei Fabricius-Harles I p. 791 zz. 3) Dieselbe Erzählung nach Skylax von Karyanda bei Tzetzes V.629 ff. Vgl. Arist. Vögel*1553. 4) Vgl. Berl. phil. Wochenschr. 1911 Sp. 1515f. _

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andererseits lebte, ist bekannt. Die wünschenswerte Verengung dieses weiten Spielraumes ergibt sich auch aus Theophylaktos nicht. Der Name des Vaters, den wir jetzt erfahren, kann uns unter Umständen, falls neues Material an den Tag kommt, zur Identificirung von Nutzen sein. Eines aber ist jetzt schon von einem gewissen Belang. Hierokles steht bei Theophylakt unter lauter Männern, die in der griechischen Litteratur, zum wenigsten der paradoxographischen, angesehen und einflußreich waren und von deren litterarischem Charakter wir uns auch heute noch eine Vorstellung zu machen imstande sind. Er selbst ist der einzige, der für uns schwer greifbar ist und von dem wir nicht wissen, ob wir in ihm einen Periegeten, der unter brauchbaren geographischen und geschichtlichen Angaben gelegentlich auch allerlei Wunderkram vorbrachte, oder einen reinen Paradoxographen zu sehen haben. Aus der Theophylaktstelle darf man schließen, daß der Zufall ihm ungünstig gewesen ist und daß. seinem Werk innerhalb der Mirabilienlitteratur eine größere Bedeutung zukam, als man es nach Zahl und Umfang der daraus erhaltenen Fragmente?!) annehmen möchte. Der zweite Hierokles, der — freilich mit geringerer. Wahrscheinlichkeit — für den Schriftstellerkatalog des Theophylaktos in Betracht kommt, ist der Stoiker. Wie Galen, Aelian, Ambrosius und Theophylakt selbst handelt er von dem richtigen Gebrauche, den die Tiere von den geeigneten Organen zu Schutz.und Angriff machen und der in der Selbstwahrnehmung der Tiere wurzelt?). Mit den Belegen, die er dafür in reichem Maße gibt, greift er teilweise unmittelbar ins Gebiet der Mirabilienlitteratur; man vergleiche z. B. die Angaben über die zruds (col. 2, 12ff.), die ihr Gift wie ein Geschoß weithin gegen den Feind schleudert, über die donis 1) Müller, Fragm. hist. Graec. IV 8.430. Nachzutragen ist das Fragment bei Aineias von Gaza. S. 123 Anm. 4. 2) Hierokles, Ethische Elementarlehre, bearb. von A. v. Arnim (Berliner Klassikert. H. IV), Berlin 1906, S. 9 Col. 1, 37ff: oùx dyvontéoy du zò Cor eds dua Tr yersodar aloddvetar Eavrod. 8.11 Col. 1, 51 ff: ta Era no@rov piv ueobv Tv idlwy aloddverau. tavtni dè zal ta mèr aınva tijs tov arveobyov weds tO intaodaı napaorevijs xänınösidınros Avuraußaverar, tov dì gepoalor Exaotov Tv Eavrod peor nal dti Eger zal zoos ty Eye yostav. Col. 2,1ff. dıö agr alors tod alodaveodaı 70 Cor änav Eavrod 4 tOv usody xai T@v Eoywv Önèo dv êdóön tà uéon ovvaicûnots" Oevtéoa di dti oddi T@v mods äuvvar nagaoxevaodérror adtois avaro di)tws Sidxertat, Folgen Beispiele. Vgl. Theophyl. p. 13 (4ff.) u. oben S. 118.

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(col. 3, 2ff.), die in Rücksicht auf die schwächere Beschaffenheit ihres Schwanzteiles bei der Verfolgung rückwärts in ihre Höhle kriecht, um den schwächern Teil zuerst in Sicherheit zu bringen und durch den stärkeren zu decken, über den Ichneumon (col. 8, 27 ff.), der sich mit einem Schlammpanzer rüstet (vgl. u. a. Physiol. 26), über den Biber (col. 3, 10ff.), der von Jägern verfolgt sich die Hoden, um deren willen er gejagt wird, abbeißt (so u.a. Physiol. 23) usw.t). Möglich ist der Stoiker also ohne Zweifel. Gleichwohl wird man sich, wenn er mit dem Verfasser der Œuliotoges in Concurrenz tritt, für letzteren entscheiden. Daß die Nachbarschaft des Alexander und des Sotion, in der er sich bei Tzetzes befindet, eine Parallele zum Kataloge des Theophylakt bietet, wurde schon hervorgehoben. Eben diese Nachbarschaft und die Gesellschaft anderer von Tzetzes V. 644 ff. aufgezählter Mirabilienautoren wie auch der Titel DiAioroges legen die Annahme nahe, daß dieser Hierokles für Mirabiliensucher eher in Frage kam als der Stoiker. der in seiner “Hdixy otovyeimois nur nebenher und zu anderem Zwecke auf Mirabilien einging. Die Übereinstimmung zwischen Theophylakt und dem Stoiker aber erklärt sich leicht aus der weiten Verbreitung von Erörterungen über Schutz- und Wehrmittel der Tiere und die Wahrnehmung, die die Tiere von diesen Mitteln besitzen 2). Halle a. S. + KARL PRAECHTER. 1) Daß bezüglich des Hirsches Theophylakt mit Hierokles Col. 2, 46ff. in Widerspruch steht — nach Theophylakt liegt die Stärke dieses Tieres im Geweih, nach Hierokles in den Beinen, während ihm das Geweih hinderlich ist — bereitet keine Schwierigkeit. Hierokles konnte in Theophylakts Quelle sehr wohl als einer der Gewährsmänner für diese Art Tierätiologie genannt, die Einzelheiten aber konnten ganz oder zum Teil anderen entnommen sein. 2) Diese Verbreitung ergibt sich schon aus dem, was auch uns noch an hierher gehöriger Litteratur erhalten und von Dickerman in der oben 8.118 genannten Arbeit verwertet ist.