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len, und endlich in blauer sternengeschmückter Umrahmung einen
beschwingten Genius, der auf seinem Rücken eine Seele gen Himmel trägt.
Ana a.
Im Hauptraum selbst fesselt unsere Aufmerksamkeit zuerst die
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DER UNTERIRDISCHE KULTRAUM VON PORTA
MAGGIORE IN ROM
Von Hans Lietzmann
Im April 1917 ist wenige Schritte vor der Porta Maggiore von
Rom, an der linken Seite der via Prenestina erheblich unter dem
Bodenniveau ein antiker Raum entdeckt worden, der in gleichem
Maße das Interesse des Archäologen wie des Religionshistorikers
in Anspruch nimmt.')
In ca. 13 m Tiefe ist eine dreischiftige
Basilika aus Gußwerk errichtet, zu der ein schmaler langer Gang
hinabführt und die durch einen annähernd quadratischen Vorraum
betreten wird. Die Decken der Schiffe sind durch gleich hohe
Tonnengewölbe gebildet. Nach der Vollendung ist der Bau mit Erde
wieder zugedeckt worden, so daß er den Charakter einer unterirdischen Höhle bekam, die nur durch einen schmalen, mit opus
reticulatum gesicherten Schacht das Tageslicht in das Vorzimmer und
von da durch ein hoch über der Tür angebrachtes Fenster in den
Mittelraum einschlüpfen läßt. Die Basilika ist gx12 m groß und an
der Ostwand, der Tür gegenüber, mit einer halbrunden Apsis versehen. Die Seitenschiffe sind durch je 3 quadratische Pfeiler vom
Apsis: ein unter die Mauer reichendes Loch enthielt die Gebeine
eines Hundes und eines Ferkels, wohl als Bauopfer. Dagegen waren
in der Mitte der Apsis zwei Gruben für reguläre Tieropfer. Die
Rückwand zeigt deutlich die Spuren eines an sie gerückten Thronos
ohne Lehne oder eines Opfertisches. Vor allem aber zieht unsern
Blick auf sich das Bild in der Apsiswölbung. Auf einem Felsenvorsprung sehen wir Sappho, in der Linken die Leier, während ihre
Rechte das hoch
über dem Haupt sich bauschende Gewand hält,
Hinter ihr steht Eros und legt die Hand auf ihre Schulter: es ist,
als ob er die Dichterin mit sanftem Drucke vorwärts treiben wollte.
Und wirklich, mit dem rechten Fuß schreitet sie aus, tritt sie ins
Leere. Unten am Felsen branden die Wogen, um die Stürzende
aufzunehmen. Aber aus ihren Wirbeln tauchte eine Gestalt empor,
die mit den Händen ein weites Tuch wie einen Nachen darbietet:
von ihr wird Sappho weich aufgefangen und sanft hinabgeleitet
werden — so wie sie bei Ovid Heroid. 15, 179f, den Amor anruft:
„pennas suppone cadenti, Ne sim Leucadiae mortua crimen aguae“,
Denn sie will nicht in den Fluten sterben: Kein alter Schriftsteller
redet von ihrem „Todes“sprung wie die modernen Handbücher. Von
ihrer Liebe wünscht sie frei zu werden: und dazu ist ein Sprung
vom Leukadischen Felsen gut (Ptolem. Chennos bei Phot. bibl. cod.
190, p. 152a). Und daß wir uns an diesem Qefinden, bezeugt die von
des seltsamen Gebäudes: so müssen wir versuchen, aus den Bildern
links in die Bildmitte hereinragende, auf einem Felsen stehende‘
archaische Apollostatue, deren linke Hand einen Bogen trägt und
deren rechte ausgereckt der Sappho zu winken scheint, Der Apollo
Leucadius ist aus zahlreichen Zeugnissen wohl bekannt, sein Heiligtum schon bei Thucydides (HI 94, 2) erwähnt, und in augusteischer
Zeit erinnert man sich seiner gern auch als eines Zeugen der Schlacht
bei Actium (Propert, IV 10, 6g). Eine Münze der naheliegenden
Stadt Nikopolis in Epirus aus trajanischer Zeit zeigt eine Statue der
gleichen Haltung mit der Beischrift ’AméAAwv Aeuxérnc (Abb, z.B. Arch,
Ztg. 27, Taf. 23, 21). Es kann also keinem Zweifel unterliegen, daß
an Decken und Wänden Schlüsse zu ziehen.
wir hier wirklich den Leukadischen Felsen, dann
Mittelschiff getrennt.
Der Fußboden ist mit kleinkörnigem schwarzweißen Mosaikpflaster bedeckt, die Wände, Pfeiler und Deckenwölbungen schmückt blendendweißer Stuck, dessen zierliche Ornamentik nur im Vorraum durch bunte Bemalung unterstützt wird. Man
fand den Raum absolut leer, vermutlich ist sein kostbarer Inhalt
schon im Altertum geraubt worden: Lanciani meint, es möchfe
manches jetzt in römischen Museen prangende Stück hierher stammen.
Auch keine Inschrift, keine Andeutung verrät uns den Zweck
Die Decke des Vorraumes zeigt Medaillons mit Mänaden, die auf Panthern reiten, dazwischen die fackelhaltende Hekate, Eroten, die Wagenrennen spie1) Einen vorläufigen Bericht gibt Gatti Notizie degli Scavi 1918, 30ff. Vgl. Cumont
Rassegna d'arte 1921, 37
ff. v. Duhn, Arch. Anzeiger 1921, 102ff.
aber auch die
Sappho vor uns haben: davon hat die Interpretation auszugehen.
Noch eine Figur bleibt zu erklären, die auf der linken Seite gegenüber Sappho sich befindet: ein Mann sitzt auf einem Felsen und stützt
mit trauernder Gebärde sein Haupt in die Hand.
Phaon kann es
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ALythische Darstellungen
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nicht sein, der doch in Sizilien weilt und im übrigen ja auch herzdem Muster des Albanireliefs, und zwar ohne den Hermes, erklären
loser Weise an dem Wohl und Wehe der Sappho gar keinen Anteil
nimmt. Eine Füllfigur? Schwerlich. Man denkt an die trauernden
Manner der Schiffbriichigen-Reliets und wird versuchen, von hier
aus eine Beziehung zur Hauptszene des Bildes zu finden, Aber was
würde, wenn nicht der Hirtenstab in der Hand des Mannes die Deusoll das Ganze?
Daß es nicht einfach zu „dekorativem Zweck“ in
die Apsis gesetzt ist, empfindet jeder Beschauer sofort. Der Künstler will durch die Sapphogeschichte etwas sagen: sie ist also eine
Allegorie. Vielleicht Befreiung der musischen Seele von den Banden
des irdischen Eros, der Liebe zum Materiellen, und ihr Hinstreben
zum apollinischen Lichtreich, das dem dvàp duovcoc (dem Trauernden)
ewig verschlossen bleibt? Dio sichere Lösung ist noch nicht gefunden.
Wir sehen uns im Hauptraum um. An den Wänden sind Rechtecke durch Zierleisten abgeteilt, in deren Mitte hellenistische Landschaften mit heiligen Bäumen, Pfeilern, Götterbildern dargestellt sind.
Von der oberen Leiste hängen jeweils an zierlichen Schleifen abwechselnd gekreuzte Flöten, Hirtenstäbe, Cistae mysticae, herab. Auf
den Rechtecken befindet sich ein Fries, der abwechselnd große auf
Postamenten stehende Gefäße (Hydrien u. 4) und Frauen mit betend
erhobenen Händen zeigt: diese Oranten sind formell und wohl auch
inhaltlich nächstverwandt mit den gleichen Figuren auf den ältesten
christlichen Katakombengemälden (Wilpert, Malereien der Katak.
Taf. 25). In den Lünetten der 4 Stirnseiten der Seitenschiffe finden
wir über den Rechtecken Opfertische mit Kränzen, Binden, Büchsen,
Schüsseln etc, darüber im Halbrund eine Frauengestalt auf Postament, die in jeder Hand zierlich eine Rose hält. Die Pfeiler sind auf
der einen Seite mit Porträtmedaillons geschmückt, von denen leider
nur eins einigermaßen gut erhalten ist; die dem Mittelschiff zugekehrte Seite trägt mythologische Bilder in rechteckiger Umrahmung:
darunter ein jugendlich schlanker Herakles, sitzend, mit schmächtiger
Keule, dem eine Hesperide mit verschleiertem Haupt die goldenen
Äpfel reicht. Auf dem Boden standen vor jedem Pfeiler Postamente,
auf denen man sich Büsten, Vasen oder andere Kunstwerke denken
wird. Die Decke des Hauptraums ist in drei Dekorationssysteme
gegliedert, die sich je um ein rechteckiges Mittelfeld gruppieren.
Das mittelste enthält eine prächtige Darstellung des von einem gefligelten Genius zum Himmel getragenen Ganymed. Daran schließen
sich an den vier Ecken Felder mit dem Raub des Palladions, Jason
holt mit Medeas Hilfe das goldene Vlies, Herakles befreit Hesione;
als vierte folgt eine Szene, die man für Orpheus und Eurydike nach
tung auf den Helena entführenden Paris nahelegte. Es ist klar, daß
diese Vereinigung von Szenen des Raubes, der Entführung, der Befreiung eine symbolische Bedeutung im Sinne des rapfus tn carlum hat.
Das dem Eingang zunächst liegende Mittelfeld bringt einen Diaskuren, der eine Leukippide raubt, die Körper in schöner sternförmiger
Gruppierung. Sein Kamerad mit analoger Beute gehörte vielleicht
in das leere Mittelfeld des dritten Systems nahe der Apsis? Auch
ihm sind kleinere Felder mit mythischen Szenen angeschlossen. Elektra am Grab des Vaters, von Orest begrüßt (vgl. Monum, dell'Istit.
VI 57), Chiron und Achill, Tferakles und Athena (vgl. Robert, Sarkophagreliefs ILL 1, S. 162), Opterung der Iphigenie, Kaustkänipter
(Dioskuren), Stieropfer u. a. m. Aber so naheliegend bei dem Mittelsystem die innere Gedankenverbindung war, so schwer ist es hier,
eine einheitliche Idee ausfindig zu machen und eine symbolische Deutung zu gewinnen. Nur daß der Leukippidenraub als schon von den
Sarkophagen her bekannte Todesallegorie sich ungezwungen zu der
Mittelgruppe stellt, Rings um diese Mythologie scharen sich nun
zahlreiche Felder mit heiteren Darstellungen aus Schule und Turnplatz oder komisch-grotesken Gauklern, Tänzern und Tänzerinnen bis
hin zu Pygmienszenen.
Während alle Stuckreliefs des Mittelraums in sorgfältigster Technik ausgeführt sind, herrscht in den Deckenfeldern der Seitenschiffe
eine derb improvisierende Manier, die neben zahlreichen mäßigen
Leistungen einzelne gute und sogar einen von genialem Können
zeugenden Tanz der Mänaden mit dem Haupt des Orpheus hervorgebracht hat,
Neben mythischen Motiven, darunter den Danaiden,
dem Hermes Psychopompos, Marsyas und Apollo, finden wir Darstellungen kultischer Szenen: Baumverehrung, Opfer am brennenden
Altar, Schwingen des Liknon gegen eine sitzende Gestalt. Auch hier
wird wie bei den Decken des Mittelschiffs erst die zusammenfassende
Publikation ein Bild der Anordnung ermöglichen und die Frage hervortreten lassen, ob es verbindende Gedanken gibt, welche diese
Darstellungen aneinander reihen,
Soviel aber dürfte jetzt bereits feststehen, daß der seltsame
Raum sakrale Bedeutung hatte und zu rituellen Zusammenkiinften
einer Gesellschaft hochkultivierter Menschen der Augusteischen —
andere meinen der Hadrianischen — Zeit diente. Die ‘Sekte’ huldigte einem Jenseitsglauben und suchte sich durch mystische Riten
für den raptus in caelum vorzubereiten. Daß sie ihren Glauben durch
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allegorische Interpretation antiker Mythen stützte, kann man aus den
Deckenbildern des Mittelschiffs folgern: ob diese Allegorien neben
den bildlichen Darstellungen auch
„wissenschaftlich“ in gelehrten
Predigten oder Abhandlungen oder etwa poetisch im Kultlied — man
denkt an die Analogien der Naassenerpredigt mit dem Kultlied bei
Hippolyt V — zum Ausdruck kam, muß dahingestellt bleiben. Von
all dieser inoffiziellen und doch gerade so intensiv die Menschen der
Kaiserzeit beeinflussenden Religiosität wissen wir ja erbärmlich wenig:
und es wäre nicht im geringsten verwunderlich, wenn auch nach
genauester Erforschung des Denkmals eine nähere Bestimmung
dieser Kultgemeinde nicht gelingen sollte. Die ganze Anlage stellt
sich, wie schon Lanciani (Bull. comm. 46, 1918, zo ff.) betont hat, neben
die vielleicht dem Ende des III Jahrh. angehörende Basilika des Sonnenpriesters Crepereius Rogatus (vgl. Dessau Inscr. lat. 1203) und die
dem Attiskult gewidmete Basilika Hilariana (Dessau 3992 vgl. 3540,
4171). Für unsere Erkenntnis der baugeschichtlichen Entwicklung
begrüßen wir diesen dreischiffigen, apsisgeschmückten Kultraum als
neues und relativ frühes Zeugnis für heidnische Vorläufer des christlichen Gemeindesaales. Er gehört in die Entwicklungsreihe apsidialer Kultsäle, die vom Apollotempel zu Gortyn und dem Kabirion
zu Samothrake über die römischen Tempel des Mars Ultor und der
Venus et Roma läuft und für die bedeutsamste der mannigfachen
Formen altchristlicher Kirchen maßgebend geworden ist,
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