Seche Philosophen uber philosophische Esoterik

Auteur
Szlezak, T.A.
Publié dans
Zeitschrift fur Philosophische Forschung
Année
2003
Sujet
ESOTERISM
Langue
Deutsch
Catégorie
C7 Philosophie
Numéro d'archive
6592

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Szlezak, Thomas Alexander, Zeitschrift für philosophische Forschung, 57,2003, 74- 3." L FAse sen - ‘ote Deo à,

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Author(s): Thomas Alexander Szlezák Source: Zeitschrift für philosophische Forschung, Bd. 57, H. 1 (Jan. - Mar., 2003), pp. 74-93 Published by: Vittorio Klostermann GmbH Stable URL: http://www.jstor.org/stable/20485133 Accessed: 27/04/2010 07:42 Your use of the JSTOR archive indicates your acceptance of JSTOR's Terms and Conditions of Use, available at http://www.jstor.org/page/info/about/policies/terms.jsp. JSTOR's Terms and Conditions of Use provides, in part, that unless you have obtained prior permission, you may not download an entire issue of a journal or multiple copies of articles, and you may use content in the JSTOR archive only for your personal, non-commercial use. Please contact the publisher regarding any further use of this work. Publisher contact information may be obtained at http://www.jstor.org/action/showPublisher?publisherCode=vittklos. Each copy of any part of a JSTOR transmission must contain the same copyright notice that appears on the screen or printed page of such transmission. JSTOR is a not-for-profit service that helps scholars, researchers, and students discover, use, and build upon a wide range of content in a trusted digital archive. We use information technology and tools to increase productivity and facilitate new forms of scholarship. For more information about JSTOR, please contact support@jstor.org. Vittorio Klostermann GmbH is collaborating with JSTOR to digitize, preserve and extend access to Zeitschrift für philosophische Forschung. http://www.jstor.org

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ThomasAlexander Szlezdk, Tuibingen Die vollstandigeMitteilung und schnelleVerbreitung von neu gewonne nen Erkenntnissen ist eine Forderung aus dem Geist der Aufklhrung: fundiertesWissen gleich welcher Art ist ein Gut, auf das alleMenschen Anspruch haben. Das Zuriickhalten vonWissen und Einsichten ware so betrachtet ein aktivesHandein gegen dasWohl derMenschheit, dem sich der Philosoph als Philosoph verpflichtet fiihlenmug. Eventuelle Nach teile und Risiken der Schrift alsKommunikationsmittel konnen demge geniiber - bei dieserGrundhaltung - kein grog3esGewicht haben. Die geschilderte Einstellung zur philosophischen Kommunikation ist uns so selbstverstandlich,dag3sieweiterer Begriindung nicht zu bediirfen scheint. Im Folgenden sollen einigeTexte besprochenwerden, die zeigen, dag3auch nach dem Sieg derAufklirung noch iiberdie prinzipielleMbg lichkeit, die philosophische Kommunikation bewugt zu beschranken, re flektiertwurde. Dies geschahmeist, abernicht ausschlieg3lich,imZusam menhang der Beschaftigung mit Platon. Deshalb mug die Haltung des Stifters des abendlandischen Philosophiebegriffs auch hier mitbedacht werden. Trotz desAbstands der Zeiten ist seine Stellungnahme auch heu te noch die wohl wichtigste. Jedenfallsaber ist sie die differenzierteste. (I)Wittgenstein Philosophische Schriften sind nicht notwendig unterschiedslos an alle Menschen gerichtet, nicht einmal an alleGebildeten oder an alle intel lektuellNeugierigen. LudwigWittgenstein dachte fir seine ,,Philosophi schen Bemerkungen" (erschienen I964) an eine anders definierte Leser schaft. In einer friiheren Fassung desVorwortes aus dem Jahr I930 lesen wir: T i Dieses Buch ist fir diejenigen geschrieben, die dem Geist, in dem es geschrieben ist, freundlich gegenuberstehen. Dieser Geist ist, * Geringf?gig der Tagung ver?nderter International Text eines Vortrags, Society der zuerst for the Classical am 27.7.1998 Tradition ZeitschriftfurphilosophischeForschung,Band 57 (2003), I (ISCT) auf der T?binger gehalten wurde.

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glaube ich, ein anderer als der des grogen Stromes der europaischen und amerikanischenZivilisation. [...] Ich schreibe also eigentlich fur Freunde, welche inWinkeln der Welt verstreut sind.' Der Geist der europaisch-amerikanischen Zivilisation des 20. Jh.warWitt genstein ,,fremdund unsympathisch".2Die, die gemaig3 diesemGeist leben und denken,waren und sind nicht dieAdressaten seinesBuches.Wittgen stein hat eine klareVorstellung von denen, furdie er nicht schreibt: T 2 Ob ich von dem typischenwestlichen Wissenschaftler verstanden oder geschatztwerde, istmir gleichguiltig,weil er den Geist, in dem ich schreibe, doch nicht versteht.3 Der ,,typische westliche Wissenschaftler" war fur den Philosophen schwerlich ein blol3er Ignorant, auch nicht ein Mensch mit unter durchschnittlichemIntelligenzquotienten. Bildung und Intelligenz sind nicht die Kriterien, nach denen er so scharf trennt zwischen den (vielen)Gesinnungsfremden, und den (wenigen) ,,Freunden",die er er reichen will. Nun scheintWittgenstein diese ,Freunde'nicht (alle) zu kennen, sind sie doch ,,inWinkeln derWelt verstreut". So erhebt sich die Frage:wie erreichtman die unbekannten ,Freunde',wie vermeidet man die unge liebten Sympathisanten des Geistes der europaisch-amerikanischenZivi lisation?Auch dazu hatWittgenstein sehr klareVorstellungen: T 3 [...] ist ein Buch nur furwenige geschrieben, sowird sich das eben dadurch zeigen, dai3nurwenige es verstehen. Das Buch mug auto matisch die Scheidung derer bewirken, die es verstehen, und die es nicht verstehen. [...] Es hat keinen Sinn jemandem etwas zu sagen,was er nicht versteht, auchwenn man hinzusetzt, dag3er es nicht verstehen kann. [...] Willst Du nicht, dag gewisseMenschen in ein Zimmer gehen, so hange ein Schlog vor,wozu sie keinen Schlussel haben. Aber es ist sinnlos, daruibermit ihnen zu reden, augerDu willst doch, daf3 sie das Zimmer von auf3enbewundern! 1 2 3 Eine Auswahl Vermischte Wittgenstein, Bemerkungen. von Heikki von von unter Mitarbeit Henrik Georg Hrsgg. Wright am Main 1977, 20-21. Ludwig Wittgenstein, loc. cit. 20. Wittgenstein, loc. cit. 21-22. aus dem Nachla?. Nyman, Frankfurt

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Anstandigerweise, hange ein Schlof3 vor die Tiire, das nur denen auffallt, die es offnen kbnnen, und den andern nicht.4 Der Wille zumAusschlug bestimmter Leser ist furWittgenstein offenbar legitim. KeinWort davon, dag3das Fiir-sich-bleiben-Wollen desAutors und seiner ,Freunde' in irgendeinerWeise unphilosophisch oder gar un ethisch ware. Es hatte ja ,,keinenSinn", den Verstandnislosen ,,etwaszu sagen,was (sie) nicht versteh(en)". Statt Skrupel zu nahrenwegen des ge wollten Ausschlusses, gibtWittgenstein imGegenteil sogar einMittel an, durch das derAusschlu3 erreichtwerden kann. Er glaubt an dieM6glich keit einer automatischenScheidung der ,Freunde' und der Gesinnungs fremden durch das Buch selbst.Von direkter zumetaphorischer Sprache wechselnd, empfiehltWittgenstein ein ,,Schlog"vorzuhangen, das die ei nen sehen k6nnen, die anderen aber nicht. BeiWittgensteins Mittel, den Ausschlug derVerstandnislosen zu errei chen, kann es sich nicht um das Phanomen des pers6nlichen Stils han deln, der sich den AufRerungeneinesAutors ohne dessen bewug3tesZutun aufpragt,weil er zur Form seinesDenkens gehort. Der Imperativ ,,hange ein Schlog3vor dieTure"weist eher darauf, daBhier etwas bewugt zu voll bringen ist, zumal an das ,,SchloB"ganz bestimmte Anforderungen ge stellt sind.Auch sonstwerden jamit dem Imperativnicht Dinge verlangt, die sich von selbst ergeben, sondern solche, die auch unterbleiben kon nen. Mit seinerMetapher vom ,,SchloB"an der ,,TUre"des ,,Zimmers" verlangtWittgenstein vom philosophischen Autor, dag er seinen (berech tigten)Willen zumAusschluB bestimmter Leser unter bewuBterNutzung nicht naher genannter darstellerischerMoglichkeiten verwirklicht. Auch wenn derAusschlug der Gesinnungsfremden furWittgenstein moralisch offenbar inOrdnung ist, unterliegen die Grunde des Aus schlusses doch der moralischen Wertung: ,,anstandigerweise" solle der Autor ein ,,Schlofg"anbringen, das die Ausgeschlossenen gar nicht erst wahrnehmen. An den ,,Anstand"appelliertWittgenstein, weil er offen bar derAnsicht ist, der einzige Grund, mit den Ausgeschlossenen uber das ,,Schlofg"(und dasVerschlossene) zu reden, k6nne nur derWunsch nach Bewunderung sein.Der Ruf nach ,,anstandigem"Verschweigen der Tatsache desAusschlusses will also dem moralischen Fehler der Eitelkeit wehren. Es durfte klar sein:wenn es andere, respektableGrunde fur das Reden uber das ,,Schlog"geben sollte, dann ware auchWittgensteins Ur teiluber die vermeintliche ,,Unanstandigkeit"solchen Redens hinfallig. Wittgenstein, loe. cit. 23.

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Diese bisher anWittgenstein beschriebeneHaltung, die bestimmt ist durch - die Oberzeugung, dag bestimmte Einsichten nur von bestimmten Menschen erfagt werden konnen, die dem selben Geist verpflichtet sindwie derAutor und daher als ,,Freunde"eingeschatztwerden, fer ner durch - denWillen, andereRezipienten als die ,,Freunde"auszuschlieBen,sowie - den Glauben, daB derAutor Mittel undWege zurVerfuigunghat, die senWillen zu verwirklichen, schlieglich auch durch - das Postulat, daB dieMotive dessen, der bestimmte Rezipienten aus schlieBgen will, moralisch ,,anstandig"zu sein haben, wollen wir im Folgenden als die ,,esoterische"Haltung bezeichnen. Wollte man die einzelnen Punkte, die diese Haltung ausmachen, in haltlich anders fassen, so wiirde das auf andere Formen von Esoterik fuhren.Wurde man sie radikalanders beurteilen alsWittgenstein es tut, sowiirde das zu einer anderenWertung, unterUmstanden zu einer volli genAblehnung von Esoterik fuihren. (2)Kant Wittgensteins Uberlegungen sind freivon politischen Obertonen5. Das ist nicht selbstverstandlich: Immanuel Kants spate Schrift ,,Von einem neuerdings erhobenen vornehmen Ton in der Philosophie" zeigt, daf3es von jehernahe lag,philosophische Esoterik auch im politischen Kontext zu sehen. Gleich zu Beginn der Schrift erwahnt Kant ,,dieLogen alter und neuer Zeit" unter den Gruppen, bei denen ,,derNamen der Philoso phie [...] inNachfrage gekommen" sei;von ihremGeheimnis wollen uns die Logen ,,mifgunstigerweise nichts aussagen"6. Imweiteren Fortgang 5 von der Abgesehen Bemerkung, und amerikanischen Zivilisation Zeit" 6 Doch haben diese geh?ren. Problem der ?Scheidung" Namen der Philosophie gensteins T 4: Der alter und neuer Zeiten nem). phie, 1796, A 387. zum auch unsympathischen und ?der Faschismus Erscheinungen von Freunden ist, [...], sind Adepten sie uns mi?g?nstigerweise I. Kant, Von einem chem da? nichts neuerdings in Geist der europ?ischen unserer der Sozialismus des 20. Jh.s nicht und Au?enstehenden Nachfrage eines Geheimnisses direkt mit Witt zu tun. [...]. Die Logen gekommen von wel durch Tradition, aussagen wollen (philosophus Ton erhobenen vornehmen per initiatio in der Philoso

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seinerAbwehr der ,,Schwarmerei"in der Philosophie polemisiert Kant dann gegen ,,Platoden Briefsteller", den er jedochmit ,,Platodem Aka demiker" ,,nicht gern vermengen" mochte7 - was doch wohl bedeuten soil, dag er den 7. Brief nicht fur echt hielt. Kant zitiert eine zeitgenossi scheAuslegung von Epist. 7, 342 a-e, wo die vier Erkenntnismittel und OVTWV ?XaGTOV)in eine Reihe das jeweils zu erkennende ,Seiende' (TI1V gebracht werden; dann erwahnt er - immer noch zitierend - den An spruch, ,,denGegenstand selbst und seinwahres Sein" - also das,was der 342 d2, e2) nennt - erkennend zu erfas Brief ,dasFiinfte' (TonJT'tE5TOV, sen; der letzteTeil des Zitats und Kants Kommentar dazu lautet: T T [...]; von welchem man gleichwohl nicht redenkonne, weil man so fort seiner Unwissenheit uberfuhrt werden wiirde, am wenigsten zum Volk: weil jederVersuch dieserArt schon gefaihrlichseinwiir de, teils dadurch, daf diese hohenWahrheiten einer plumpen Ver achtung ausgesetzt, teils [washier das einzigeVerniinftige ist], dagR die Seele zu leerenHoffnungen und zum eitelnWahn derKenntnis grogerGeheimnisse gespanntwerden diirfte.<< Wer sieht hier nicht den Mystagogen, der nicht blof3 fur sich schwarmt, sondern zugleich Klubbist ist und, indem er zu seinen Adepten, imGegensatz von dem Volke (worunter alleUneingewei hete verstanden werden) spricht,mit seiner vorgeblichen Philoso phie vornehm tut!8 Die SpracheKants verratdeutlich, was ihm hiermigfallt. ,,Mifgiinstiger weise" verbergen die ,,Logen"ihr ,,Geheimnis"vor uns, der schwarmeri sche ,,Mystagoge" ist zugleich ,,Klubbist",hat also politische Absichten bei verschworerischerGesinnung, die ihn dasVolk insgesamt als ,,unein weswegen ein Sprechen zum Volk fur ihn geweiht" geringschatzen lau3t, nicht in Frage kommt. Statt dessen wendet er sich an seine ,,Adepten", jedoch nur, um vor ihnen ,,mit seiner vorgeblichen Philosophie vornehm (zu) tun". Die Haltung, die Kant dem 7. Brief beilegt, ist also - in heutiger Spra che - undemokratisch, aufllarungsfeindlich und derArbeit des Begriffs abhold. Den Brief selbst analysiertKant nicht. So fragt er z. B. nicht, was die Wittgensteins entsprechen) nach An ,,Adepten" ( die den ,,Freunden" 7 8 Kant, loc. cit. A 408. Kant, loc. cit. A 408-409.

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sicht desAutors vom ,,Volk"unterscheidet, ob es nur dieVorbildung und die Intelligenz ist oder ob noch etwas anderes in Fragekommen kbnnte. Auch mit denMotiven furphilosophisches Zuriickhalten istKant schnell fertig:Mit3gunst und Eitelkeit (,,vornehm tun") erklaren alles. Bei solch knapper Exegese, oder besser:bei solchemMangel an Exegese, ist es nicht verwunderlich, dag die Haltung des Briefes pauschal verworfen wird. Und ist die Haltung verworfen, somug3 der Text selbst Platon abgespro chenwerden, denn dieser ist furKant ,,ohne seine Schuld" zum ,,Vateral ler Schwarmerei mit der Philosophie" geworden9. Ein grofgerDenker kann nun einmal nicht ,,Klubbist"sein. Mit derVerwerfung derHaltung des 7. Briefes, noch bevor siemit der Haltung der Dialoge verglichen worden ware, und mit der aus diesem Urteil resultierendenAthetese hat Kant kiinftigen Generationen vorge griffen.Doch ob ,,Klubbist"wirklich die angemesseneCharakterisierung des Verfassers des 7. Briefes ist,mug; angesichts der am originalen Text nichtausgewiesenen Aburteilung offenbleiben. (3)Schleiermacher Ganzlich unpolitisch wirken wiederum - jedenfalls auf den ersten Blick - die Gedanken Friedrich Schleiermachers zu platonischer Esoterik. Doch dieser ersteEindruck konnte tauschen: es ist denkbar, daf Schlei ermacher seine politische Tendenz dezent verschweigt - oder sollte sie ihm (quaTendenz) gar nicht bewuft geworden sein? Auffallig ist jedenfalls,daf Schleiermachers Platonbild durchaus dem mit Kants Kritik des 7. Briefes implizit gegebenen Programm entspricht: ,,Platoder Briefsteller"hatte Anstog erregt- bei Schleiermacherwird der 7. Brief gar nicht erst erwaihnt;eine radikaledamnatiomemoriae trifftden vermeintlichen ,,Klubbisten",den Kant nicht mit ,,Platodem Akademi ker"vermengen wollte. Und dasAnstoBige am ,,Klubbisten"war, dag3er nicht zum Volk sprechenwollte - Schleiermacher entwirft eine Herme neutik der Dialoge, derzufolge ,,esdem Platon fastmit Jedem gelingt", seinZiel zu erreichen (T ii). Ob es nun Kants Schrift von I796war, die auf Schleiermacher direkt wirkte, oder allgemein der Geist der europaischen Zivilisation um i8oo (derSchleiermacher gewifgnicht so ,,fremdund unsympathisch"war wie Kant, loc. cit. A 407-408.

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Wittgenstein der Geist des 20. Jahrhunderts) sei dahingestellt. Unver kennbar ist jedoch, daglSchleiermacher einen modernen Platon bietet, mit dem der von der Franzosischen Revolution gepragte feinsinnige Ro mantiker sich leicht identifizierenmochte'0. Gegen Wilhelm Gottlieb Tennemann, der Platons Selbstbeschran kung in der Schrift und seine Sicht desVerhaltnisses von Schriftlichkeit undMundlichkeit aus den Texten heraus imwesentlichen korrekt inter pretiert hattel 1,verspricht Schleiermacher eine ,,kritischeSichtung" der Begriffe,esoterisch' und,exoterisch'. T 6 Denn jeneVorstellungen von einem esoterischen und exoterischen beduirfen einer kritischen Sichtung, indem sie zu verschiedenen Zeiten auch in ganz verschiedenen Bedeutungen vorkommen.12 Doch von kritischer Begriffsklarung ist bei dieser ,Sichtung' nichts zu finden, sie bleibt in oberflachlicher Polemik steckenl3 und bringt es noch nicht einmal zu einem korrekten Referat der von Tennemann aufgefuihr tenMotive fur Platons Esoterikl4. Das Seltsamste aber ist, das Schleier macher ausgerechnetAristoteles zum Zeugen des Fehlens einermiindli chen Philosophie Platons machen mbchte: wo dieser sich auf andere Quellen als die Dialoge berufe, da komme nichts Neues zumVorschein. T 7 Vielmehr beruft er (sc.Aristoteles) sich uberallganz unbefangen und einfach auf die uns vorliegenden Schriften, und wo auch hie und da andere verlorene oder vielleicht mundliche Belehrungen angefiihrt werden, da enthalten dieseAnfuhrungen keineswegs etwas in unse renSchriften unerhortes oder ganzlich von ihnen abweichendes. 15 InWirklichkeit finden sich inAristoteles'Metaphysik, Physik, De anima und anweiteren Stellen viele wichtige Angaben, die dem Leser der Dia 10 Da? Schleiermacher einen Piaton f?r seine Zeit schuf, betonte (unter anderen Ge s.u. T14. schon Nietzsche, sichtspunkten) 11 zur von 1804. meinen Beitrag ?Schleiermachers Vgl. ?Einleitung? Platon-?bersetzung Ein mit Tiedemann und Antike und Abendland Tennemann", 43,1997, 46 Vergleich 62. 12 F. von F. Schleiermacher. in: Piatons Werke, Ersten Schleiermacher, ?Einleitung" erter Band, Theiles 13 meine Vgl. zu den den 14 Kritik fr?hen und mittleren zitiert als PSP.) AuA 43,1997 Vgl. 15 Schleiermacher, 1804 (18553), 11. in ?Piaton und die Schriftlichkeit Dialogen", (oben Anm. Einleitung Berlin-New 11), 58. (s.o. Anm. 12) 13. der Philosophie. Interpretationen York 1985, 364-370. (Im Folgen

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loge ,,unerh6rt"sind, u.a. Platons Bezeichnungen fur seine beiden letz ten Prinzipien, das Eine und die Unbestimmte Zweiheit, ferner die Art ihres desUnbegrenzten) Zusammenwirkens Begrenzung (fortschreitende und die Beschaffenheit der ersten Produkte der intelligiblen ,Zeugung', nicht zu vergessen die ontologische Mittelstellung dermathematischen Gegenstande, und anderesmehr.Wer wie Schleiermacher die erhebliche Mehrinformation, die wir diesen TestimonienI6 verdanken, nicht aner kennen will, erregtdenVerdacht, entweder extrem befangen zu sein, oder aber die fraglichenTexte, dieTennemann zitiert hatte, vielleicht gar nicht nachgelesen zu haben. Von unschatzbaremWert isthingegen SchleiermachersEinsicht in die Einheit von Form und Inhalt bei Platon: T 8 [...] denn wenn irgendwo, so ist in ihr (sc. der Philosophie des Pla ton) Form und Inhalt unzertrennlich, und jederSaz nur an seinem Orte und in den Verbindungen und Begranzungen, wie ihn Platon aufgestellthat, recht zu verstehen.17 Dieser Satz liege eigentlich vermuten, dag Schleiermacher sich nun daranmachen wiirde, eineMorphologie des platonischen Dialogs zu erarbeiten, die die Form inhaltsbezogen erklarenwurde, und dag er die ,,Begranzungen",mit denen Platon manche seiner Satze und Argu mentationsfolgen versah, vorfiihren und interpretieren wurde. Mit letzterem hatte Tennemann einen Anfang gemacht, worin ihm Schlei ermacher indes nur sehr z6gerlich folgtel8. Jedenfalls erkannte er nicht, da3 die von Platon immer wieder mit Bedacht an entscheidenden Wendepunkten seinerWerke angebrachten ,,Aussparungsstellen" der wichtigste Typus einer platonischen ,,Begrenzung" ist, und dag diese Stellen in ihrerGesamtheit einen uniiberhorbaren Verweis auf Platons Prinzipienlehre darstellenI9. Und statt der zu erwartendenMorphologie des Dialogs bringt Schlei ermacher nur eine Liste von ,,Kiinsten"der indirektenMitteilung, d. h. von darstellerischenKunstmitteln, mit denen Platon die Absicht verfol ge, den Leser zu Schlugfolgerungen zu bringen, die er selbstmit Absicht 16 17 Zusammengestellt chen Lehre Platons" Schleiermacher, als ?Testimonia bei Konrad Einleitung Plat?nica. Gaiser, (s.o. Anm. Quellentexte Platons ungeschriebene zur Schule und m?ndli Lehre, 19682,441-557. 12) 14. 18 AuA 43,1997 (oben Anm. 11), 58. Vgl. 19 Zu den PSP Aussparungsstellen vgl. platonischen ner: ?Piaton lesen", 92-105. 1993, Stuttgart (s.o. Anm. 13), 303-325 u. passim,

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nicht direkt ausspreche2O.Dieses Nichtaussprechen der eigentlich falli gen Folgerungen diene dem Zweck, ,,zureigenen innerenErzeugung des beabsichtigten Gedankens" anzuregen2l. Diese Zwecksetzung ist nun freilichkeine andere als die desmiindlichen Philosophierens, und Schlei ermacher ist sich dessen auch bewugt. Er spricht es aus, dag nach seiner Uberzeugung Platon mit den Dialogen T 9 doch auch den noch nicht wissenden Leserwollte zumWissen brin gen,22 - obschon Platon der Schrift diese Fahigkeit in der ,Schriftkritik' (Phai dros 275 ab, 276c, 277e-278a) eindeutig abspricht - und daf3Platon den Willen gehabt habe, die schriftliche dermiindlichen Belehrung anzuglei chen: T IODa nun ungeachtet dieserKlagen Platon von der erstenMannlich keit an bis in das spaitesteAlter so vieles geschrieben hat: so ist of fenbar, ermuss gesucht haben, auch die schriftliche Belehrung je ner besseren so ahnlich zumachen alsmoglich, und esmuss ihm damit auch gelungen sein.23 Die von Schleiermacher angenommene Angleichung des schriftlichen Dialogs an dasmiindliche Philosophieren erfolgtmittels der erwahnten ,,Kiinste"oderKunstmittel: T ii Dieses ungefaihrsind die Kiinste, durch welche es dem Platon fast mit Jedem gelingt, entweder das zu erreichen,was erwiinscht, oder wenigstens das zu vermeiden, was er ftirchtet.24 Da die ,,Kiinste"aber offenbar nicht bei allen die volle Einsicht auslosen, bewirken sie eine Scheidung der Leser: T I2 Und soware dieses die einzige Bedeutung, inwelcher man hier von einem esoterischen und exoterischen reden konnte, so namlich, dass dieses nur eine Beschaffenheit des Lesers anzeigte, jenachdem er sich zu einem wahren Horer des Inneren erhebt oder nicht.25 20 Zweimal (s.o. Anm. 21 22 23 24 25 z?hlt Schleiermacher diese ?K?nste" 12). Einleitung (s.o. Anm. 12) 16. Schleiermacher, Einleitung (s.o. Anm. 12) 16. Schleiermacher, Einleitung (s.o. Anm. 12) 15. Schleiermacher, Einleitung (s.o. Anm. 12) 16. Einleitung (s.o. Anm. 12) 16-17. Schleiermacher, Schleiermacher, auf: S. 16 und 30 seiner ?Einleitung"

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SechsPhilosophen uberphilosophische Man beachte, dagBSchleiermacher damit die ihm unliebsame Esoterik nicht aus der Beschaftigung mit Platon verbannt hat. Er hat sie lediglich verinnerlicht, in den Rezeptionsvorgang hineinverlegt und zu einer ,,Be schaffenheit"des Lesers gemacht. An die Stelle der platonischen bewugten und personlichenWahl des v vXIv tQooilxovoav,T 20) - ei geeigneten Gesprachspartners (Xac3b nerWahl, die nach Platon das Buch gerade nicht vornehmen kann (Phdr. 275 e I-3 (T I9), 276 a 6-7) - setzte Schleiermacher aus typisch neuzeitlichem Geist heraus eben doch dieWittgensteinische automati scheScheidung der Leser in zweiKlassen durch das Buch selbst. Seine Position kann daher korrekt nur als ,,textimmanente"oder ,,her meneutische Esoterik" bezeichnet werden. Die ,,pers6nlicheEsoterik", d. h. die unverkiirzteMitteilung der philosophischen Einsichten nur im miindlichen Gesprach, tastetSchleiermacher nicht an: T I3 [...] oder soll es doch auf den Platon selbst bezogenwerden, so kann man sagen, das unmittelbare Lehren sei allein sein esoterisches Handein gewesen, das Schreiben aber nur sein exoterisches.Denn bei jenem konnte er allerdings,wenn er erst hinlanglich gewisswar, die H6rer seien ihm nachWunsch gefolgt, auch seine Gedanken reinund vollstandig aussprechen, [...]26 So bestehen bei Schleiermacher ,hermeneutische'und ,pers6nliche'Eso teriknoch scheinbar friedlich nebeneinander.Doch insofern die platon widrige ,,automatische"Wahl des geeigneten Rezipienten durch die Schrift die Tendenz hat, die ,personliche'Esoterik uberflussig zumachen - dieAnnahme ist ja, dag sich alles, und gerade dasWichtigste, imMo dus der indirektenMitteilung zwischen den Zeilen sagen lal3t- hat doch die typischmoderne Abneigung gegen jedeLimitierung der philosophi schenWissensvermittlung obsiegt. (4)Nietzsche Schleiermachers textimmanente Esoterik wurde zur dominierenden Pla tonhermeneutikdes I9. und 2o. Jahrhunderts.Sie hat auch den angelsach sischenBereich erobertund bildet die Grundlage allerdort gepflegtenVari anten der Platonexegese, auchwenn viele Interpretenvon diesem ihrem 26 Schleiermacher, Einleitung (s.o. Anm.

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historischenUrsprung nicht wissen oderwissen wollen27.Die einzigewirk licheAlternative zu dieser Position bildet bis heute die 1959von Hans Joa chimKramer in seinemWerk ,,Aretebei Platon undAristoteles" begriinde te,von Konrad Gaiser I963 in ,,PlatonsungeschriebeneLehre" fortgefiihrte und von G. Reale seit I984unterstiitzte sog. ,TiibingerSchule' bzw. ,Scuola di Tubinga-Milano'. Italien ist inzwischenaber lIngst nichtmehr das einzi ge Land, in dem dieAkzeptanz dieserRichtung rapidezunimmt. Vor KramersVorstog war die wichtigste Gegenposition gegen den auf Schleiermacher zuriickgehenden mainstream die positive Einschatzung der aristotelischenBerichte iuberPlatons ungeschriebene Philosophie bei Interpretenwie L. Robin, J. Stenzel, H. Gomperz, P.Wilpert, Cornelia de Vogel und SirDavid Ross28. Lange vor diesen Gelehrten hatte ein Philosoph und Philologe von Rang Schleiermachers platonische Hermeneutik einer grundsatzlichen Kritik unterzogen. Dag Nietzsches Argumente zunachst unbekannt blie ben, istnicht verwunderlich:was er in Platon-Vorlesungen zwischen I87I und I876 vortrug,wurde erstmit seinen Philologica I9I3veroffentlicht29. Dag3 sie auch danach so gut wie unbeachtet blieben, war nicht von Vor teil fur das Platonverstandnis. Mit der ihm eigenen Schonungslosigkeit benennt Nietzsche des Kai sers neue Kleider. Schleiermachers ,moderner' Platon fur das I9. Jh. ist zeitbedingt, ,,nur in einem litterarischenZeitalter moglich". Doch ist es eine ,,falsche Interpretation", die zu diesem Ansatz fiihrte. Schleierma cher verkannte die Rolle, die Platon der Schrift zugedacht hat, weil er die Existenz derAkademie nicht bedachte. 27 Ein zum Hinweise Einflu? Schleiermachers auf die eng paar vorl?ufige nachhaltigen D. habe ich lische und amerikanische die diesen Ein Frede, Piatonforschung (gegen flu? herunterspielen wollte) zusammengestellt in AuA 43,1997 (s. oben Anm. 11), 61 62. 28 L. Robin, Stenzel, des idees et des nombres 1908; J. platonicienne d'apr?s Aristote, und Gestalt bei Piaton und Aristoteles, Platons phi 1924; H. Gomperz, in: of Philo of the Seventh International System, Proceedings Congress La th?orie Zahl losophisches P. Zwei aristotelische Fr?hschriften ?ber 1931, 426-431; sophy, ed. G. Ryle, Wilpert, et La derni?re phase du Platonisme die Ideenlehre, 1949; C.J. de Vogel, l'interpr?tati on de M. Robin in: C.J. de Ross, 243-255; W.D. 1,1970, (1948), Vogel, Philosophia et la th?orie of Ideas, 1951; H.D. Plato's Theory Saffrey, Le TIeqi (f>i?ooo(j)ia? d'Aristote platonicienne 29 Fr. Nietzsche, des id?es et des nombres, Werke, Einleitung Bd. XIX, 3. Abt.: Leipzig 1913, 235-304. in das Studium Philologica, 1955,19712. der platonischen Bd. III, hrsgg. Dialoge, von O. Crusius in: Nietzsche's und W. Nestle,

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T I4 Die ganzeHypothese (sc.Schleiermachers)steht imWiderspruch zu der Erklarung im Phadrus und ist durch eine falsche Interpretation befurwortet. Plato sagt, nur furdenWissenden alsErinnerungsmit tel habe die Schrift ihreBedeutung. Deshalb solle die volikommen ste Schrift die miindliche Form der Belehrung nachahmen: um also zu erinnern, wie derWissende wissend geworden ist. >)EinSchatz von Erinnerungsmitteln fur sich und seine philosophischen Genos sen?(soll die Schrift sein.Nach Schleiermacher soll sie das zweitbeste Mittel, den nichtWissenden zumWissen zu bringen, sein.Die To talitathabe also einen eigenen gemeinsamen Lehr- und Erziehungs zweck.Aber nach Plato hat die Schrift iiberhauptnicht einen Lehr und Erziehungszweck, sondern nur einen Erinnerungszweck furden bereits Erzogenen und Belehrten. Die Erklarung der Phadrusstelle setzt die Existenz derAkademie voraus, die Schriften sind Erinne rungsmittel furdieMitglieder derAkademie. [...] Die Hypothese Schleiermachers ist nur in einem litterarischenZeit altermoglich. Wahrend Tennemann in Plato den akademischen Professormit dem System erkennt, sieht Schleiermacher in ihm den litterarischen Lehrer, der ein ideales Publikum von Lesenden hat und diesemethodisch erziehenwill: etwawie er sich in den >>Reden uber die Religiono an die Gebildeten wendet.30 Dem klarsichtigenKritiker Nietzsche entgeht es nicht, daf3Schleierma cher Platon zu seinesgleichenmacht, weil er unhistorisch denkt und im besonderen die ,,ExistenzderAkademie", und das heifgt die historische Realitat dermundlichen Lehre, nicht angemessen beriicksichtigt. Ganz Philologe, legt er den Finger auf denwunden Punkt von Schleiermachers Konzeption: die von diesem angenommene Funktion der Schrift, ,,den nichtWissenden zumWissen zu bringen", steht ,,imWiderspruch" zum Text. Ohne dieseAnnahme hatte aber die Hermeneutik der textimma nenten Esoterik nie die Chance gehabt, im Bewugtsein der Exegeten an die Stelle der platonischen ,pers6nlichen'Esoterik zu treten.Man darf die Vermutung wagen: waren Argumente wie die von Nietzsche vorgebrach ten bald nach Schleiermachers ,,Einleitung"publik geworden, sie hatten den Siegeslauf seinerPosition wohl verhindert. 30 Nietzsche, loc. cit. 239-240

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(5)Hegel Doch zu Lebzeiten erhielt SchleiermacherUnterstutzung von einem der meistgelesenen Philosophen der Zeit. Hegel schlofBsich seinem Kampf gegen Tennemann an, erklarte dessenVorstellung von Esoterik fur ,,ein faltig" und,,oberflachlich". T I5 Eine andere Schwierigkeit soll die sein:man unterscheidet exoteri sche und esoterische Philosophie. Tennemann sagt (Bd. II, S. 220): )>Platonbediente sich desselben Rechts, welches jedemDenker zu steht, von seinen Entdeckungen nur so viel, als er fur gut fand, und nur denen mitzuteilen, welchen erEmpfanglichkeit zutraute.Auch Aristoteles hatte eine esoterische und exoterische Philosophie, nur mit dem Unterschiede, daf bei diesem der Unterschied blog3 formal, bei Platon hingegen auch zugleich materialwar.<Wie ein faltig!Das sieht aus, als sei der Philosoph im Besitz seinerGedan ken wie der augerlichenDinge. Die Gedanken sind aber ganz etwas anderes.Die philosophische Idee besitzt umgekehrt denMenschen. Wenn Philosophen sich uber philosophische Gegenstande explizie ren, so miissen sie sich nach ihren Ideen richten; sie konnen sie nicht in der Tasche behalten. Sprichtman auchmit einigen aufRer lich, so ist die Idee immer darin enthalten, wenn die Sache nur In halt hat. ZurMitteilung, Ubergabe einer auI3erlichenSache gehbrt nicht viel, aber zurMitteilung der Idee geh6rt Geschicklichkeit. Sie bleibt immer etwas Esoterisches;man hat also nicht blog; das Exo terischeder Philosophen. Das sind oberflachlicheVorstellungen.31 Es ist befremdlich zu sehen, dag einAutor, der in einer Zeit der Zensur lebte, em ,,In-der-Tasche-Behalten"von Ideen aus prinzipiellenGrunden ausschliegen mochte. Man gewinnt den Eindruck, dag Hegels eigene Metapher von der ,Tasche'- eine raumlicheMetapher - seinDenken be hindert: welchen Sinn soll es haben, die ,,Mitteilung der Idee"mit der ,,Ubergabe einer auierlichen Sache" zu vergleichen, statt etwamit der Mitteilung religiosenoder politischen (z.B. konspirativen)Wissens? Dag3 es bei solchemMitteilen dieM6glichkeit des Zuruckhaltens gibt und ge ben mufg,war wohl auch furHegel selbst unstreitig.Wenn aber politisch 31 G.W.F. Hegel, ausgabe Bd. Tennemann, ?ber die Geschichte II (= Theorie-Werk der Philosophie Vorlesungen am Main stammt ausWG. 1971, 21-22. Das Zitat bei Hegel 19), Frankfurt 220. Geschichte der Philosophie, Bd. II1799,

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oder religiosVerfolgte bewug3tunvollstandige Darstellungen von ihren Glaubensuberzeugungen und Zielsetzungen geben konnen, warum dann nicht auch der Philosoph von seinen Denkwegen? Ist der religiose Mensch weniger Besitz seiner Ideen als der philosophische? Die Entlar vung der Tennemannschen Vorstellungen als ,,oberflachlich" scheint selbst nicht gerade zum Profundesten bei Hegel zu gehoren. Was bei Schleiermacher die Esoterik als ,,Beschaffenheit des Lesers" war, formuliertHegel folgendermagen: T i6 Das Esoterische ist das Spekulative, das geschrieben und gedruckt ist und doch einVerborgenes bleibt fur die, die nicht das Interesse haben, sich anzustrengen.32 Der Unterschied zwischen den kompetenten Rezipienten und den ver standnislosen ist hier geschrumpft auf denWillen bzw.Mangel desWil lens zurAnstrengung. Vielleicht ist es noch im Sinne Hegels, wenn wir frei erganzen:Anstrengung und Intelligenz befahigen zum Erfassen des Wenn abermehr und Besonderes verlangtware fur das ,,Spekulativen". Verstehen des Spekulativen, somiigte Hegel es hier sagen.Wahrend Pla ton nach Schleiermacher sein Ziel ,,fastmit Jedem" erreichte (T ii), ge lingt es nach Hegel mit jedem, der (Intelligenz und) Fleig mitbringt. Wittgenstein stellt spezifischereAnforderungen an die ,,Freunde":oben Ti. ImGegensatz zu Schleiermacher halt Hegel die dialogische Darstel lungsform nicht fur die ideale33.Seine Versicherung: ,,in seinenmiindli chen Reden verfuhr er (sc. Platon) auch systematisch"34deckt sichmit Schleiermachers Uberzeugung, in der miindlichen Lehre habe Platon ,,seineGedanken rein und vollstandig aussprechen"k6nnen (TO3).He gel geht einen Schritt weiter, indem er die systematische oder ,dogmati sche' schriftlicheDarstellung Platon selbst zuschreibt: T I7 Hatten wir noch das rein philosophische (dogmatische)Werk Pla tons,woruber Brandis geschrieben hat, das unter dem Titel Vonder PhilosophieoderVonden Ideenvon Aristoteles zitiertwird und ervor 32 33 34 Hegel, loc. cit. y6-yy. loc. cit. 20 und Hegel, loc. cit. 69. Hegel, 24. Vgl. hierzu meinen Beitrag ?Hegel ?ber Piaton. Zum Pla e Pia in: ?ber die Geschichte der Philosophie?", der ?Vorlesungen Hegel ton-Kapitel a cura tone. Atti del Gi di di internazionale (20.-23. Aprile 1998) Convegno Cagliari ancarlo Movia, Cagliari

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sich gehabt zu haben scheint, wenn er die Platonische Philosophie beschreibt, von ihr spricht, sowurden wir dann seine Philosophie in einfachererGestalt vor uns haben.35 In seinerPolemik gegenTennemann (T I5)macht Hegel ein uberraschen des Zugestandnis: ,,Sprichtman auchmit einigen aug3erlich,so istdie Idee immer darin enthalten,wenn die Sache nur Inhalthat". Es gibt also doch unterschiedlicheArten des Sprechens, auch fur den Philosophen. Unwill kiirlich fragtman weiter:wer sind die ,,einigen",zu denen etwaHegel selbst ,,dugerlich"sprechen k6nnte, wie sahe solch ,4iugerlichesSprechen" aus, und vor allem: inwelcherWeise ware die Ideedennoch darin enthalten? Hegel unterlieg3nicht nur eigene Erklarungen hierzu, er verzichtete auch darauf, diese Fragen an Platon, dessen Haltung er doch klaren mochte, zu stellen. Letzteres kbnnen wir jedoch versuchen nachzuholen. Und da zeigt sich in der Tat Erstaunliches. Platon zeigt uns in der dramatischenMi mesis seinerDialoge den Philosophen immerwieder damit beschaftigt, ,,mit einigen aufgerlichzu sprechen", und das in verschiedenenWeisen. Hegel behalt dabei insofern recht, als in allen Fallen ,,die Idee darin ent halten" ist.Aber hierwird die Frage erst interessant:wie und inwelchem Grad ist sie ,,enthalten"? Wenn Sokrates den Gesprachspartner imKreis herumfiihrt36,obwohl ihm die Losung zurVerfiigung steht, so spricht er offenbar ,4iugerlich" mit ihm, d. h. er verzichtet darauf, ihm den innerenKern der Sache klar zumachen.Denn daB dieAporien der friihenDialoge fir den Gesprachs fuhrer gar keine Aporien sind, ist eine gut begrundete und mittlerweile allgemein akzeptierteAnsicht. Oder wenn Sokrates in der Politeia erklart, er habe sehrwohl eineAnsicht uber dasWesen (das TL?(OTLV) des Guten, doch sei es nicht aussichtsreich, sie hier und jetzt zu erortern,weswegen er statt dessen nur einGleichnis uber dasGute vortragenwolle (5o6 e f), wobei notwendig vieleswegbleiben miisse (509 c5-IO), so spricht er auch hier offenbar nur ,,dugerlich"- nicht ohne klarzumachen, dag3er auch anders uber dasThema handeln konnte37.Oder wenn derGesprachsfiih 35 loc. cit. 21. Hegel betrachtet die beiden Hegel, und dieselbe selbst verfa?t Schrift, die Piaton habe. Der Verweis auf ?Brandis" Ch.A. Arisrotelis libris de ideis et de bono in PSP (s.o. Anm. Brandis, philosophia, 36 Euthyphron 186 f. Diatribe Bonn 11 bc, acad?mica 1823. 15 b. Vgl. 37 Zu den Aussparungsstellen hierzu de perditis meine der Polireia vgl. verlorenen Interpreration PSP aristotelischen (oben Anm. 13) 303-325. als ein Werke meint sive

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rerderNomoi, der anonyme ,,Athener",zu seinen philosophisch nicht geschulten dorischen Freunden in so vagenUmschreibungen von der po litischenBildung der kunftigen Staatslenker spricht, dag man bezweifeln konnte, ob Platon hier uberhaupt noch die Ideenlehre ,,vertrete"38,so liegt das eben daran, dag3auch die letzte platonische Dialektikerfigur uiberviele Dinge bewuf3t ,,diugerlich"redet. Singular aufschlugreich ist fernerderDialog Euthydemos, in dem So krates einzelne Brocken aus derAnamnesis- und Ideenlehre sowie aus der Theorie der Dialektik einstreut, die aus dem Gang des Gesprachs nicht zu verstehen sind, gleichzeitig aber die philosophisch harmlosen Ge sprachspartnerbeschuldigt, sie hatten weiterfiihrende Einsichten bereit, die sie nur miggiinstigerweise nicht herausriickenwollten - die Ironie liegt darin, dagRSokrates den Partnern genau das vorwirft, was er selbst betreibt.39 An all diesen Stellen ist die ,,Idee",d. h. der spezifisch platonische In halt, in derWeise im aufRerlichenSprechen der jeweiligenDialektikerfi nur der sie erkennen kann, der sie aus anderen (plato gur enthalten, dagR nischen) Quellen kennt. In keinem Fallware esmbglich, dasGemeinte allein aus demWortlaut des betreffenden Passus zu rekonstruieren.Die Schleiermachersche textimmanenteEsoterik versagthier, denn diese Stel lenwollen nur erinnern, nicht den nichtWissenden zumWissen brin gen. (6) Platon Ausgehend von Hegels Bemerkungen fiber das ,,augerliche"Sprechen, sindwir nun zu einem von Hegel eigentlich nicht zugelassenenErgebnis gekommen: der platonische Dialektiker kann sehrwohl seine Ideen ,,in der Tasche behalten", und er tut es oft und macht dazu noch klar, dag er es tut.Das eben ist der Sinn der von Schleiermacher nur halb verstande nen, von Hegel nicht beachtetenAussparungsstellen.40 Dies Ergebniswar freilich zu erwarten fur den, der nicht bereit ist, be stimmte Ziige in Platons Bild von philosophischerKommunikation und 38 Nomoi Guthrie, 39 Zur 40 965 cd. Zur Diskussion A History of Greek ?ber Ideenlehre die in diesem Dialog 378-381. Philosophy, s. PSP (s.o. Anm. des Euthydemos 13) 49-65. sowie den (s.o. Anm. 11), 58 zu Schleiermachers Interpretation AuA 43,1997 Vgl. zu nannten Beitrag Hegels vgl. W.K.C. vol. V1978, (Nicht-)Behandlung der Aussparungsstellen. oben Anm.

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vom Philosophen auszublenden, nur weil sie derModerne fremd gewor den sind und so von derMehrheit der Interpreten ignoriertoder bagatel lisiertwerden. Relevant fur unserThema sind u.a. folgende Punkte: i. Zu den Eigenschaften, die Platon vom philosophos verlangt, zahlen nicht nur intellektuelleVorziige, sondern vor allem auch charakterli che (Politeia 485 b-487 a). Philosophie ist eine Lebensweise, mithin nicht ethisch indifferent, wie es intellektuelle Hochstleistungen in Spezialdisziplinen sind. Philosophie verlangt eine ,,Umwendung" der ganzen Seele (Politeia 5i8 c d, 52Ic 6). 2. Zur Ideenerkenntnis gelangt nur der innerlich ,,mit der Sache Ver wandte" (&uyYYEV;g TOVo AQ6y7aTog, Epist. 7, 344 a 2-3 (T i84')).Der Erwerb solcherErkenntnis nimmt viel Zeit inAnspruch ([WT'aXQO'VOI noXXoiO,344 b 3- vgl. den Zeitplan der philosophischen Studien Poli teia 537b ff.), dem Aufleuchten der Erkenntnis gehen neidloses Fragen und wohlwollendes Widerlegen vorauf (Epist. 344 b 5-6):die mensch licheAtmosphare ist entscheidend fur den Erfolg. Der Partner im phi losophischen Gesprach mug3Wohlwollen mitbringen und nXkog, ,Freund'sein (Gorgias487 a 3, e S) 3. Dementsprechend gibt esMenschen, die die Sache der Philosophie ,nichts angeht' (oVb?VJQOiX?EL, Phdr. 275 e 2 (T I942)).Da diese die 41 T 18 Epist. 7, 344 a2-6 nach D. Kurz 1980) Mit einem Wort: Wer der Sa (?bers, che nicht artverwandt noch gutes Ged?chtnis ist, den kann weder Lernf?higkeit je mals dazu machen sie (sc. die Verwandt entsteht (denn bei fremdartigen Haltungen schaft zur Sache<) k?nnen und dem, alle, die dem Gerechten gar nicht erst). Daher von Natur und ihm artverwandt sind [...] zuneigen jtotE oi3xe xoi3 n??yiiaxo? ?vi ?? X?yco, t?v ut] ovyyevi] oik5 ?v evu?Geta jtoir|oei?v - oooxe ovx xoov ?jt?aoi uvr|ur) tt]v aQxr|v y?g ?v ?M.oxoiai? ?^eoiv eyyiYvexai ... X8 xai x v ?Xkwv 60a xaX? \ir\ jiqoo<j>u??? eioiv xai ovyysve?? ?ixaicov was 42 T sonst sch?n ist, nicht 19 Phaidros 275 d4~e5 (?bers, nach R. Rufener 1991) Denn dieses Mi?liche, hat eben Phaidros, Auch die Schrift an sich und ist darin inWahrheit der Malerei wenn Wesen; so die Reden: ?hnlich. erwas Erzeugnisse lebendige dann schweigen sie sehr erhaben still. Genau mei du k?nntest fragst, etwas von dem, was sie sagen. Willst nen, sie verst?nden du aber ?ber das Gesagte noch etwas erfahren und stellst ihnen eine Frage, so sagen sie immer nur ein und das so treibt sich eine Rede ?berall umher, bei selbe aus. Ist sie aber einmal geschrieben, deren stehen denen, die sie verstehen, nicht, zu wem geschm?ht, zu wehren ZQ. Aeivov xai sie reden so bedarf noch ja da wie ganz ebenso wie soll und zu wem sie stets der Hilfe bei denen, sie aber die sie nichts nicht. Wird ihres Vaters. du angeht, und sie wei? sie aber beleidigt und ungerecht Denn allein vermag sie sich nicht sich zu helfen. xo?x' ?'xsi Y001^ y&Q nov, obOa??oe, y?Q ta ?xeivn? exYOva ?oxnxe \iev ob? ? vxa, xai &? a^n?ooc ?uoiov ??v ?' ?v?on xi, oeuvco? ?ooYQa^ia. Jtavu oiy?.

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Mehrheit stellen (Politeia494 a 4 u.o., Epist. 7, 343 e 3),mug der Dia lektikerdie (seltene) ,geeignete Seele' selbst suchen und insGespriich einbeziehen (Xac4kvVpXu'vnQornjxoUoav, Phdr. 276 e 6 =T 2043). Wahrheit hinreichend zu lehren" (ixavcb; 4. Die Schrift ist unfahig, ,,die Phdr. 276 c 9), denn sie kann auf neue Fragen keine t'kXO &L6a&aL, neueAntworten geben, kann sich gegenAngriffe nicht verteidigen und versteht sich nicht darauf, zu reden und zu schweigen, zu denen man redenoder schweigen soll (Phdr.275 d 4-e S=T i9, vgl. 276 a 6-7). S. Der Philosoph wird die h6chsten Objekte seiner Erkenntnis, da sie g6ttlicher Natur sind (Politeia 500 c 9), mit Ehrfurcht behandeln ware ein schwerer Fehler (oj 3 oOaL) - Profanierung (?xpaIkk3Lv) (Epist 7, 344 d 7-8). 6. Die Konsequenz aus all dem ist, daf der Philosoph notigenfalls - d. h. wenn es den Rezipienten an Eignung fehlt - auch schweigenwird. Er TE rai ist dazu, im Gegensatz zur Schrift, f'ahig(E'totilJTWvE'YELV nQo0;ovs; 86, Phdr. 276 a 6-7). OLyatv 7. Doch selbst vor Geeigneten ist die erforderliche langeZeit derVorbe reitung nicht zu iiberspringen:dies lehrt der Zeitplan fur die Ausbil dung der Philosophen in der Politeia, der vor dem Aufstieg zum Gip fel derDialektik eine langeReihe von Phasen derAusbildung und der Bewaihrungvorsieht. Es gibtDinge, die, vorzeitigmitgeteilt, nichts vom Gemeinten klarmachenwiirden und deswegen nicht mitgeteilt werden ist (T 2144).DiesWort &amQOQQrTa sollen.Platon nennt sie a&tQoQQrpa die genuin platonische Bezeichnung fur jenesEsoterische, das der Phi X?yeiv, ??v ?? xi eqx\ ?o^ai? (a,?v?v a>? tl (J)Qovox3vxa? a?xo?? u?vov xaux?v ?ei. ?xav ?? ajia? uaGe?v, ?'v xi anumvEi ?oiAou^voc u?v jtavxaxo? ? (b? ?' axk Jt?? ?ioyo? ouoico? Jtao? xo?? ?mouaiv, Yoa(|)f], xvXiv?E?xai Jtao' o?? ov??v jiQoor|XEi, xai ovx ?jtiaxaxai ?iyEiv o?? ?e? ye xai urj. JtXr|u^Etayu|j,?vo? ?? xai o? Xoyor xavx?v x?>v tayouiviov oi)x ?? xai ?uuvaaGai 43 T 20 xo? JtaxQO? ?ei ai)x?>. ?v ?txrj tanooonGEic ovxe ?eixai avx?? ?onGoir y?o oik' ?or)Gf)oai ?vvaxo? sich jemand eine [...] wenn (?bers, nach R. Rufener 1991) 276 e5~6 in ihr Reden der dialektischen und dann, mit Hilfe Seele ausw?hlt Kunst, Phaidros geeignete [...] pflanzt ?xav xi? xfj oiaXexxixfj x?xvfl xQi*)M'8VO??tax?ibv i^dxtiv jtooar|xouoav, cjnjxE?rj ... X,oyou?... 44 T 21 Nomoi 968 e2-5 (?bers, nach O. Apelt 1916; ND 1988) So istdenn bei richti ger Darstellung des Sachverhalts Unaussprechliches, wohl ausgesprochen te unklar bleibt. werden alles hierher aber als etwas kann, weil, wenn Geh?rige zu bezeichnen, es im Voraus zwar nicht das nicht als etwas ?berhaupt ihm Voraus schon ausgesprochen oi>x ?v ajt?QQT|xa ji?v taxG?vxa o?) Jt?vxa x? jteqL xa?xa xa>vtayouiveov. onkr?v jtoooonGevxa ?i? x? ?? ?jiQOQQnxa utj??v oik?) wird, das Gesag X?yoixo,

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losoph nicht in die Schrift bringen wird. Denn die Schrift kann nun einmal die hierfiir notwendige Vorbereitung nicht leisten: das kann nur das personliche philosophische Gesprach. Wir sehen nun die zwei Fehler des modernen Anti-Esoterimus: mit Schleiermacher (T 9-I2) glaubtman, daB die Schrift die Aufgabe und die Kraft habe, originare Einsicht zu erzeugen - nach Platon soll sie nur an schon Gewugtes erinnern.Zudem meint man, dag Eignung zur Philoso phie allein eine Frage der intellektuellen Leistung ist (vgl.Hegel T i6) Platons Konzeption der Philosophie alsLebensform isthierbei vergessen. Die beiden Fehler hangen zusammen: setze ich auf eineHermeneutik, die das Erganzen des direkt nicht Ausgesprochenen durch intelligentes Lesen fur das Entscheidende erkiart- akzeptiere ich also die Schleierma chersche textimmanente Esoterik -, so habe ich jeden Intelligenten fur philosophisch geeignet erklart und so die platonische Esoterik, die auf pers6nlicherAuswahl (?-xXoyj) der intellektuell undcharakterlichGeeig neten und auf personlicher Belehrung (tMaxi) beruht, schon abge schrieben.Ob ich sie dann noch in einem reinenLippenbekenntnis an erkenne, wie Schleiermacher es inT 13 tut, oder nicht, ist dann schon gleichgiiltig.Wenn alles in die Schrift gelangt, und sei es nur in der Form der indirektenMitteilung, so kann eswirkliche a'TQOQQrTa nicht mehr geben. Platon war der Geist des 4. Jahrhunderts v. Chr. ebenso ,,fremdund unsympathisch"wie Wittgenstein der Geist des 20. Jahrhunderts.Auch er schrieb fur ,,Freunde",denn auch erwugte, daB die entscheidenden Einsichten mehr als nur Intelligenz verlangen.Doch anders alsWittgen stein (und Schleiermacher) glaubte er nicht an die ,,automatische"Schei dung der Leserschaft durch das Buch selbst (T I9)45.Und anders alsHe gel (T IS)hielt er das Zuruckhalten von Ideen furmoglich, Schweigen unter Umstanden fur geboten. Dag er aber an den Aussparungsstellen klar sagt, dag es noch mehr und Schwierigeres gibt in seiner Philosophie - dag er also laut verkundet, dag ein ,SchloB' an der ,Tiire' eines ,Zim mers' hangt, in das die Unvorbereiteten nicht hineingehen sollen -, das verstoBt keineswegs gegen denWittgensteinschen ,,Anstand"(T 3), denn Platon redet nicht deshalb so ,,auBerlich"(Hegel,T 15)von seiner Prinzi pientheorie, weil er bewundert werden mochte, auch nicht, weil er 45 K?nnte lehren" die Schrift (?uvaxT) die Neuzeit, nicht dies ixav leisten, so w?re ? xaXnGf) ?i?a^ai, Piaton. zu hinreichend ?f?hig, die Wahrheit nur So Phdr. naiv dachte indes sie auch

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,,Klubbist"ware (Kant,T 5), sondern erstens aus Respekt fur die Sache selbst und zweitensweil es - ganzwie Wittgenstein selbst es formulierte (T 3) - ,,keinen Sinn (hat) jemandem etwas zu sagen,was er nicht ver steht".Zugleich setzt er auf einewerbende (,protreptische') Wirkung sei nes ,dufgerlichen"Sprechens von den innerstenBereichen seinerPhiloso phie. Die Suche nach einer ,geeigneten Seele' wurde ftir ihn so zu einer Hauptaufgabe - die Dialoge schildern das in immer neuen Variationen. Die Geeigneten sind in langerpersonlicher ouvomoLa, in langem ouufv, zum Zielpunkt der Dialektik hinzufiihren. Das Voraussetzungsreichste allerErkenntnis, die Theorie der Prinzipien46 ,braucht die langsteVor wirkliches apnQoQQrTov. bereitung, ist emn Ob man mit solchem Nicht-vorzeitig-Mitzuteilendem rechnet oder nicht, macht den Unterschied zwischen platonischer Esoterik und neu zeitlicherAntiesoterik aus. 46 Der ist das Vorraussetzungs/?i^ dieser Erkenntnis 511 b6-7 Gegenstand (vgl. Politeia ?m xtjv xov Jtavxo? ?ex^lv wird Piaton ic?v...). Doch u?xqi xoxj ?vxmoG?xou zu betonen, Zahl und Schwierigkeit nicht m?de, der Voraussetzungen die zu erf?llen man bevor dahin sind, gelangt.