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Die Zahlensymbolik in ihren Beziehungen zur Gerechtigkeit.
jythagoras ist bekanntlich in dem
dem kabbalistischen Unfug der spätjüdischen
| Kreise der griechisch-römischen
Literatur und den Ausläufern der modernen
! Kultur des Altertums der Urheber
und seinen Anhängern sagt Aristoteles in der
Metaphysik, sie hätten das Wesen der Dinge
nicht im Feuer oder der Erde oder dem
Mystik ganz zu schweigen.
Die Tatsachen und Vorstellungen des natürlichen und geistigen Lebens, die dabei als
symbolisiert betrachtet und in den heiligen,
mystischen Zahlen verehrt wurden, sind Legion.
Wasser, sondern in den Zahlen zu erblicken
Von den Sphären des Weltalls, der Erlösung
geglaubt. Die Zahlen galten ihnen nicht als
bloße . Nummern, sondern als der Schlüssel
zur Erkenntnis der Kräfte, die die Welt im
und Auferstehung durchläuft diese Zahlenmystik des Altertums und Mittelalters alle
Stufen kirchlicher und weltlicher, himmlischer
Innersten zusammenhalten; und die Zahlen
konnten ihnen das Verständnis erschließen,
und irdischer Erkenntnis und Tradition bis
weil sich für sie die bunte Mannigfaltigkeit
des Weltalls auf Zahlen aufbaute. Nicht nur
nahm, ehe er Goliath zu beschießen begann.
Daß die Sternenweit sich in acht Sphären
gliedert, ist dem Mystiker eine tiefe Wahrherunter zu den Kieselsteinen, die David aufvon der sichtbaren, materiellen Welt glaubte
man das. Auch die sittliche Welt, das Reich
heit, die er in Andacht verehrt;
aber daß
David gerade fünf Kiesel nahm, keinen mehr
und keinen weniger, das fesselt beinahe ebenso sein Interesse. Zufail gibt es in den Zahlen
nicht.
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der ethischen Begriffe und Werte sollte in
Zahlen das Fundament und das kürzeste und
richtigste Ausdrucksmittel besitzen. So bekamen einzelne Zahlen ethische Bedeutung
und die ethischen Begriffe eine mathematische
Fassung. Die Zahlen hatten für die Pythagoreer nicht bloß gewisse Eigenschaften, sondern
Kräfte, Tugenden, einen mystischen Sinn, der
sich nurdem Denker und Eingeweihten erschloß.
Es ist merkwürdig, daß diese Zahlensymbolik der pythagoreischen Schule die folgenden Jahrhunderte aufs stärkste beeinflußt
hat. Platos Zahlenlehre hängt damit zusammen. Die Musikschriftsteller des Altertums, der alexandrinische Philosoph und Jude
Philo, die griechischen und lateinischen Kir-
Es schickt sich nicht,
daß man als
denkender Mensch nicht den tiefen Sinn erkennen sollte, der sich hier hinter der Hülle
birgt. Wo bliebe die Würde des erlösten
Christen, wenn wir nicht einmal solche kleinen
Rätsel zu lösen verständen!
Aus der Fülle jener mit Hilfe von Zahlen
symbolisierten Vorstellungskreise treten von
Anfang an besonders markant die Tugenden
hervor. Schon bei Pythagoras und seiner
Schule machte sich darin der enge Zusammenhang geltend, der zwischen seiner Zahlentheorie
und seiner Ethik bestand. Und die Rolle, die
die mittelalterliche Kirche den Tugenden zuwies, hielt in der christlichen Zahlensymbolik
chenväter, die Philosophen und Dichter, Theologen und Liturgiker, Architekten?) und Musikanten des Mittelalters huldigen der Zahlenmystik. Nicht einmal die Jurisprudenz hat
sich von ihr freigehalten.
In Justinians
Pandekten finden sich ihre Spuren?) Und
selbst ein so unbefangener Laie wie Eike von
Repgow hat sich in seinem Sachsenspiegel,
dem berühmten Rechtsbuche des XIII. Jahrh.,
zwischen bestimmten Zahlen und bestimmten
Tugenden feststellte. Zu diesen Tugenden,
mit denen sich die Zahlensymbolik von
Pythagoras bis ins späte Mittelalter beschäfdiesem Einfluß willig unterworfen;*) — von
tigt, gehört die Gerechtigkeit.
nicht nur die antike Tradition teilweise am
Leben, sondern bereicherte sie um manchen
neuen Zug, indem sie neue Verbindungen
I. Die Quadratzahlen Vier und Neun
!) Zeller, »Geschichte der griechischen Philoaophie«. I, 1. 5. Aufl. p. 389.
und ihre Wurzeln Zwei und Drei.
Ganz allgemein, ohne Bezug auf eine einzelne Zahl, betrachteten die Pythagoreer die
| Quadratzahl, den «gsguos Jeans Taog, als
%) Schröder, »Dtsch. Rechtsgeschichter, 5. Aufl. | Symbol der Gerechtigkeit. Sie bezeichneten
N) Mile, »L’ar religieux du Xille siöcie en
France.«e Nouv. ed. 1902. p. 27f.
®) Franz Hoffmann, »Zeitschr. f. Rechtsgeschichte.«e XI, p. 340; XII, p. 180.
sie auch als ro ayıımsnordog, um damit die
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Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)_ CHRISTLICHE KUNST
HERAUSGEGEBEN
Professor Dr. ALEXANDER SCHNUÜTGEN,
DOMKAPITULAR IN KÖLN
1908. -3>= XXL JAHRGANG. ->= 1908.
DÜSSELDORF
DRUCK UND VERLAG VON L. SCHWANN.
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=
ythagoras ist bekanntlich in dem
dem kabbalistischen Unfug der spätjüdischen
| Kreise der griechisch-römischen
Literatur und den Ausläufern der modernen
Mystik ganz zu schweigen.
Mi Kultur des Altertums der Urheber
der Zahlensymbolik.!) Von ihm
und seinen Anhängern sagt Aristoteles in der
Metaphysik, sie hätten das Wesen der Dinge
nicht im Feuer oder der Erde oder dem
Wasser, sondern in den Zahlen zu erblicken
geglaubt. Die Zahlen galten ihnen nicht als
bloße.
Nummern, sondern als der Schlüssel
Die Tatsachen und Vorstellungen des natürlichen und geistigen Lebens, die dabeı als
symbolisiert betrachtet und in den heiligen,
mystischen Zahlen verehrt wurden, sind Legion.
Von den Sphären des Weltalls, der Erlösung
und Auferstehung durchläuft diese Zahlenmystik des Altertums und Mittelalters alle
Stufen kirchlicher und weltlicher, himmlischer
zur Erkenntnis der Kräfte, die die Welt ım
Innersten zusammenhalten; und die Zahlen
und irdischer Erkenntnis und Tradition bis
konnten ihnen das Verständnis erschließen,
herunter zu den Kieselsteinen, die David aufweil sich für sie die bunte Mannigfaltigkeit
nahm, ehe er Goliath zu beschießen begann.
Daß die Sternenwelt sich in acht Sphären
gliedert, ist dem Mystiker eine tiefe Wahrdes Weltalls auf Zahlen aufbaute. Nicht nur
von der sichtbaren, materiellen Welt glaubte
man das. Auch die sittliche Welt, das Reich ' heit, die er in Andacht verehrt; aber daß
der ethischen Begriffe und Werte solite in David gerade fünf Kiesel nahm, keinen mehr
Zahlen das Fundament und das kürzeste und und keinen weniger, das fesselt beinahe ebenrichtigste Ausdrucksmittel besitzen. So be- so sein Interesse. Zufall gibt es in den Zahlen
kamen einzeine Zahlen ethische Bedeutung nicht. Es schickt sich nicht, daß man als
und die ethischen Begriffe eine mathematische denkender Mensch nicht den tiefen Sinn erFassung. Die Zahlen hatten für die Pytha- kennen sollte, der sich hier hinter der Hülle
goreer nicht bloßgewisse Eigenschaften, sondern | birgt. Wo bliebe die Würde des erlösten
Kräfte, Tugenden, einen mystischen Sinn, der Christen, wenn wir nicht einmal solche kleinen
sich nurdem Denker und Eingeweihten erschloß. Rätsel zu lösen verständen!
Es ist merkwürdig, daß diese Zahlen- |!
Aus der Fülle jener mit Hilfe von Zahlen
symbolik der pythagoreischen Schule die fol- symbolisierten Vorstellungskreise treten von
genden Jahrhunderte aufs stärkste beeinflußt Anfang an besonders markant die Tugenden
hat. Platos Zahlenlehre hängt damit zu- hervor. Schon bei Pythagoras und seiner
sammen. Die Musikschriftsteller des Alter- Schule machte sich darin der enge Zusammentums, der alexandrinische Philosoph und Jude hang geltend, der zwischen seiner Zahlentheorie
Philo, die griechischen und lateinischen Kir- und seiner Ethik bestand. Und die Rolle, die
chenväter, die Philosophen und Dichter, Theo- die mittelalterliche Kirche den Tugenden zulogen und Liturgiker, Architekten?) und Musi- wies, hielt in der christlichen Zahlensymbolik
kanten des Mittelalters huldigen der Zahlen- nicht nur die antike Tradition teilweise am
mystik. Nicht einmal die Jurisprudenz hat Leben, sondern bereicherte sie um manchen
sich von ihr freigehalten.
In Justinians neuen Zug, indem sie neue Verbindungen
Pandekten finden sich ihre Spuren) Und zwischen bestimmten Zahlen und bestimmten
selbst ein so unbefangener Laie wie Eike von Tugenden feststellte. Zu diesen Tugenden,
Repgow hat sich in seinem Sachsenspiegel, mit denen sich die Zahlensymbolik von
dem berühmten Rechtsbuche des XIII. Jahrh., Pythagoras bis ins späte Mittelalter beschäfdiesem Einfluß willig unterworfen;*) — von tigt, gehört die Gerechtigkeit.
!) Zeller, »Geschichte der griechischen Philosophie«, I, 1. 5. Aufl. p. 389
f.
#) Mäle, »L'art religieux du XlIlle siöcle en
France.«e Nouv. &d. 1902. p. 27£.
) Franz Hoffmann, »Zeitschr. f. Rechtsgeschichte.«e XI, p. 340; XII, p. 180.
I. Die Quadratzahlen Vier und Neun
und ihre Wurzeln Zwei und Drei.
Ganz allgemein, ohne Bezug auf eine einzelne Zahl, betrachteten die Pythagoreer die
Quadratzahl, den gs Iuos lsanıc Ioog,
als
Symbol der Gerechtigkeit. Sie bezeichneten
%) Schröder, »Dtsch. Rechtsgeschichter, 5. Aufl.
ı sie auch als 10 avyısnanordog, um damit die
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der Geometrie genau wie in der Arithmetik
längst nicht so einfach, so wesentlich. Ohne
Zweifel aber spielen bei der Wahl der Vier
die Hauptrolle rein zahlenmäßige Erwägungen:
4=2.2=2+2=(Ii+1)+(l+1) Das
Gleichgewicht in der Handhabung der Gerechtigkeit, das zur Wahl der Wage als Attribut der Gerechtigkeit in Kunst und Dichtung
Gleichheit von Tat und Rechtsfolge, den
Gedanken der Vergeltung zum Ausdruck
zu bringen. Die Mitteilungen, die wir darüber
Aristoteles’ nikomachischer Ethik und der
Schrift „Magna Moralia“ verdanken, werden
von Alexander Aphrodisiensis in seinem
Kommentar zu Aristoteles’ Metaphysik bestätigt.
mit beigetragen hatte, wurde von den Pytha-
Zwei Quadratzahlen sind es aber ganz
goreern in der Vier erblickt. Die Vier galt
ihnen als gleichgeartete und darum als ge|
rechte Zahl.’)
Völlig unter der Einwirkung dieser pythaEins, als Quadrat seiner selbst aufgefaßt, hat
nicht die Kraft, sich von seinem Ausgangs- goreischen Lehre von der Symbolisierung der
punkt Eins zu entfernen. Zwei und Drei
Gerechtigkeit durch bestimmte Zahlen steht
dagegen sind dazu imstande, wenn sie ins
Philo von Alexandrien.®) Aus seinen Schrif(Quadrat erhoben werden. Und so sind Vier ten kommt hauptsächlich eine Stelle seines
und Neun die ersten selbständigen Quadrat- Buches von der Erschaffung der Welt ın
zahlen der kleinsten geraden und der klein- | Betracht. Genau aus denselben Gründen,
sten ungeraden Zahl, die sich durch Poten- | die die Pythagoreer geltend gemacht hatten,
zierung über sich selbst erheben kann.
bezeichnet er die Vier als „uergov dıxauoaerng
Die Zahl Vier ist möglicherweise ursprüng- xai dadınıog“. Und sehr charakteristisch ıst
lich von den Pythagoreern allein zur Sym- | es, daß er unmittelbar daneben betont, daß
bolisierung der Gerechtigkeit benutzt, und die die Neun zwar aus der Drei als deren Quadrat
Zahl Neun erst später von ihnen derselben hervorgehe, daß aber die Drei um sich
ÖflenEhre gewürdigt worden. Jedenfalls spielt in selbst vermehrt nur Sechs ergebe
der späteren Literatur in dieser Hinsicht bar betrachtet er die Neun nicht als Maß
dauernd die Vier eine ungleich größere Rolle der Gerechtigkeit und Gleichheit. Aber ihre
als die Neun. Der Grund liegt darin, daß Erwähnung an dieser Stelle weist auf die
die Vier nicht bloß gleich zweimal zwei, pythagoreische Lehre der älteren Zeit zurück,
sondern auch gleich zwei plus zwei ist, wäh- die zuweilen neben der Vier auch die Neun
rend sich die Neun als ungerade Zahl nicht als Symbol der Gerechtigkeit betrachtet hatte.
in zwei ganzzahlige Hälften zerteilen läßt, und
Es ist interessant, diese mystische Aufdrei plus drei nur sechs, aber nicht neun er- fassung der Vierzahl in der nachchristlichen
gibt. Mit besonderer Vorliebe nahm man Literatur weiter zu verfolgen. Ein Traktat,
diejenige Zahl zum Sinnbild der Gerechtig- der fälschlich dem Ambrosius zugeschrieben
wird, in Wahrheit jüngeren Ursprungs ist und
heit, deren Wurzel, zu sich selbst addiert und
mit sich selbst multipliziert, beidemal dieselbe den Titel „De XLII mansionibus filiorum Dei“
Zahl ergab. Daneben erfreute sich die Zahl führt,?) stellt durchaus im Sinn der PythaKen tn eehllerrer rrenn uan
speziell, dıe dabei vor allen andern für die
Pythagoreische Zahlensymbolik in Betracht
kommen: die Zahl Vier und die Zahl Neun.
Vier besonderen Ansehens, weil sie, um die
Summe der kleineren ganzen Zahlen Eins
plus Zwei plus Drei gleich Sechs vermehrt,
auf Zehn anwächst. Außerdem spielen hier
wie sonst in der Zahlensymbolik nicht bloß
arithmetische, sondern auch geometrische Erwägungen mit hinein. Die Zahl Vier ıst die
Zahl des Flächenquadrates: vier Seiten, vier
Ecken, vier rechte Winkel. Die Vier gibt die
Richtungen an, in denen zwei Grade, die sich
goreer die Behauptung auf: „Justitiam quaternarius insinuat.“ Die Gründe, die diesen
Satz beweisen sollen, sind zum Teil neu.
Die Vier, heißt es, schließt die vier „Maße“
8) »Theologumena arithmeticae«, ed. Ast. 1817,
p. 23. Aristides Quintilianus, »de musica« |. 3.
(Meibom, >»antiquae musicae auctores« Il, 1652
Abert, »Musikanschauung des Mittelp. 155.)
alters.e 1905. p. 22, 32.
6), »Opera», ed. Cohn u. Wendland. I. 1896,
p. 16f.: De opificio mundi 16; p. 8i: Leg. Allegor.
: 1, 23; il, 1897, p. 156f.: De plantatione 28 f.;
in diesen Beziehungen die Zahl Neun hinter IV. 1902, p. 226: De Vita Mosis II (Ill), 11.
der Vier zurücksteht. Die entsprechenden
’), Migne, »Patrologia lat.« XVIl (Ambr. II, 2).
1878. co). 12, Abert, p. 118 not 7.
Verhältnisse der Neun, Neuneck usw., sind in
schneiden, verlaufen.
Es ist klar, daß auch
Page 5
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)von Isis und Ösiris,'®) nur mit dem kleinen
des Weltalls in sich: punctum, linea, superficies und soliditas. Auf ihr beruht guten _ Unterschied, daß er nicht von der Göttin
Teils die Harmonie in der Musik. Die vier Dike, sondern von der Dike im Sinne der
Seiten des Quadrats sind notwendig gleich. Gerechtigkeit spricht. Er führt die AnschauGleichheit aber ist die Mutter der Gerechtig- ung ausdrücklich auf die pythagoreische
Schule zurück und gibt als Grund für die
keit, die selber die Führerin und Meisterin
Wahl der Drei als Symbol der Gerechtigkeit
der anderen Tugenden ıst.
Im deutschen Mittelalter ist die Zahl Vier | die Tatsache an, daß die ausgleichende Genicht mehr als Symbol der Gerechtigkeit auf- rechtigkeit (dacıng xal dixaso») die Mitte halte
gefaßt worden. Beweise fehlen bisher. Die zwischen dem angemaßten Recht des MisseVier wurde je länger je mehr als eine wesent- täters und dem gekränkten Recht des Verlich irdische Zahl aufgefaßt: vier Elemente, letzten.
Wenn gerade die Zahlen Zwei und Drei
vier Winde, vier Himmelsrichtungen, vıer
Jahres- und Tageszeiten, vier Weltalter, vier gelegentlich neben der Vier und Neun mit
Bußübungen.®) Und so ist die Zahl Vier zwar der Gerechtigkeit gleichgestellt werden, so ist
das offenbar kein Zufall. Denn das eine Mal
handelt es sich um die Wurzel der Vier, das
andere Mal um die Wurzel der Neun.
auch die Zahl der Kardinaltugenden des Menschen, zu denen die Justitia gehört. Aber Sinnbild der Gerechtigkeit scheint sie nach der
herrschenden Zahlentheorie des christlichen
Mittelalters nicht mehr gewesen zu sein. Auch
Il. Die Zahl Acht.
Wenn wir die bisher besprochenen Zahlen
als Symbole der Gerechtigkeit mit Sicherheit
die Zahl Neun?) galt damals überwiegend als
u
ET nn a ne
eine unvollkommene Zahl, die häufig mit den in den Quellen des Altertums nachweisen
neun undankbaren Aussätzigen aus dem Lukas- konnten und das Absterben der Tradition ım
evangelium (17, 17) in Verbindung gebracht Lauf des Mittelalters feststellen mußten, so
wurde.
liegt die Sache bei der Acht umgekehrt.
Neben der Vier und der Neun werden
Hier haben wir zuverlässige und einwandfreie
in der Literatur des Altertums ganz vereinzelt Zeugnisse im späteren Mittelalter, im elften
auch die Zahlen Zwei und Drei als Symbol und dreizehnten Jahrhundert. Dagegen macht
der Gerechtigkeit bezeichnet.
es Schwierigkeiten, die Fäden aufzufinden,
In den „Theologumena arithmeticae“‘, die
die hier in das Altertum zurückreichen.
früher als Arbeit des Jamblichus galten, |
Marchettus von Padua schrieb im Jahre 1274
heißt es in dem Abschnitt über die Zwei, !®) : eine Schrift unter dem Titel: „Musica seu
sie werde wegen ihrer Scheidung in zwei Lucidarium in arte musicae planae“, welche
gleiche Hälften, eins plus eins, auch Dike,
1784 von Martin Gerbert in seiner Sammlung
gleichsam Diche, genannt. Der Herausgeber der „Scriptores ecclesiastici de musica sacra.
Ast weist mit Recht darauf hin, daß sıch die
sprachliche Herleitung dixasov von dfyutov
und dıxacınys von dıxasıng schon bei Aristoteles!!) findet.
Die entsprechende Behauptung bezüglich
der Drei begegnet in Plutarchs Abhandlung
8) Müller u. Mothes, »Archäol Wörterb.« II,
potissimum' veröffentlicht worden ist.) In
einem besonderen Kapitel!*) dieser Schrift
spricht
Marchettus
von
der
diapason“, von der Oktave.
„Consonantia
Er führt dabei
Äußerungen von mehreren älteren Schriftstellern an, z. B. Boethius, Remigius und auch
einem Bernardus. Er sagt: „Bernardus: pulcra symphonia diapason in octo vocıbus
pollet;, antiqui enim numerum octonarıum
1878, p. 994; Otte, »Hando« 1.* 1883, p. 488;
Barbier de Montault, »Traite d’iconographie
justitiam vocaverunt.“!; Der Bernardus, auf
chretienne« I. 1890, p. 68f.; Kraus, »Gesch. d.
christl. Kunst« Il,ı. 1807, p. 442; Menzel, »Christl. ; den sich Marchettus beruft, ist nicht etwa der
Symbolik« II, p. 524; Abert, p. 1811.
12) „Opera«, III, p 166. Firmin-Didort.
®%) Wölfflin, »Zur Zahlensymbolik«. im Archiv
13) II, p. 64 fi.
f. Jat. Lexikographie, IX. 1896. p. 333f.; Weinhold, »Die mystische Neunzahl bei den Deutschen«,
A.d.
in d. Abhandi. d. Akad. d,. Wiss. z. Berlin.
J- 1897: I. 1, p. 1-61.
10, Ed. Ast, p. 12, 16%.
11) Eth. Nic. V, 4 (»Opera«. II. 1883, p. 57).
14) „Tractatus«, VI, cap. IV, p 85.
Abert
if), Den Hinweis auf diese Stelle und damit den
M Anlaß zu dieser Untersuchung danke ich Herm Proı fessor D Kleinert.
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144
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auch | Kubikzahl (2-2:2) und das Doppelte der
dieser zu den Musiktheoretikern des Mittelkleinsten Quadratzahi. Und zugleich ist sie
alters gehört, vielmehr der Abt Bern'®) des : Anfang und Differenz der Reihe, die durch
hl.
Bernhard
von
Claırvaux,
obwohl
Klosters Reichenau, der, ursprünglich Mönch | die Quadrate der ungeraden Zahlen (1, 9,
im Kloster Prüm, 1008 seinen Posten antrat Ä 25, 49, 81 usw.) gebildet wird.
Endlich
und bis zu seinem Tod im Jahr 1048 be- steigert sie die Sieben um eins und hat dadurch, ganz abgesehen von ihren anderen
hielt. Dieser Abt, der zuweilen auch Berno
oder Bernhard genannt wird, hat einen „ToEigenschaften, große Bedeutung für die Symnarius‘ geschrieben und einen Prologus dazu. bolik erlangt. Schon in der Philosophie und
In dieser Einleitung sagt er:'!T) Die acht Töne Musiklehre des Altertums spielt sie von
der Oktave kehren, indem die Gerechtigkeit Pythagoras ab ihre Rolle. Und darüber
sozusagen es vorschreibt,!®?) mit dem achten hinaus weist in noch höheres Altertum der
Tone gleichsam zu ihrem Erzeuger zurück. rätselhafte phönizische Gott Esmun??) zurück,
Daher nannten die Alten
den „octonarlus“
der als „Achter“ zu den
schön Gerechtigkeit,!?) nicht allein wegen
jener harmonischen Beziehung, sondern auch
sieben „Kabiren“
hinzukam und wie sie als Schutzherr der
Ordnung und des Rechtes galt.
Unter diesen Umständen scheint es gänzweil er sich dergestalt in gleiche Hälften, vier
und vier, zerlegen läßt, daß man wiederum
lich verfehlt, wenn Abert??) jene Angabe Berns,
jede in zwei gleiche Hälften, zwei und zwei, | die ihm Marchettus nachsprach, die Alten
zerlegen kann.
‚ hätten die Zahl Acht Gerechtigkeit genannt,
Musikalische und arithmetische Beobach- | einfach für ein Mißverständnis erklärt; die
tungen treffen hier miteinander zusammen. Alten, das heiße die Pythagoreer, hätten wohl
Aber es scheint klar, daß Bern unter seinem
gelegentlich die Zahlen Vier und Neun, nicht
„Octonarius“ nicht die Oktave und auch nicht
aber die Acht als Gerechtigkeit aufgefaßt.
den achten Ton, sondern einfach die Zahl
Der Vorwurf, der damit dem Abte Bern geAcht versteht. Es kann keinem Zweifel macht wird, ist offenbar vorschnell erhoben.
unterliegen, daß sich jenes Zitat des Marchettus
Schon bei den Kirchenvätern finden sich
von Padua auf diesen Ausspruch Berns bezieht. Und Marchettus hat ganz richtig zu dem
Anhaltspunkte für Beziehungen zwischen der
Acht und der Gerechtigkeit. Sie äußern sich
über den mystischen Sinn der Zahl Acht
hauptsächlich bei der Erklärung des sechsten
Ausdruck „octonarius“ „numerus“ hinzugefügt.
Die Zahl Acht ist in den indoeuropäischen
Sprachen nicht bloß zahlenmäßig, sondern
auch sprachlich als Verdoppelung der Vier
Psalms, weil er der erste ist, in dessen Überschrift die Notiz „pro octava“ steht, jener
harmlose kleine Zusatz, der heute einhellig
auf die Tonart, von manchen auf den Baß
bezogen wird. Gregor von Nyssa und viele
aufzufassen;
?®) sie stellt sich, sagt Schrader,
als deutliche Dualbildung dar und scheint den
Blick in eine Zeit zu eröffnen,
der die
nur innerhalb einer Tetrade
(1—4) sprachlich ausgebildet waren.?!)
Die
Zahl Acht ist ferner die erste selbständige
rom! Lem
Er menu
*) Hauck,
ne
Grundzahlen
in
»Kirchengeschichte Deutschlands«,
1113 u.4, 1906, p. 482, 486, 493, 523, 531, 553 f.,
559, 562, €20, 967 f.
Brambach,
»Reichenauer
Sängerschule>, in den Beiheften zum Zentralblatt f.
Bibliothekswesen, I, 2. 1888, p. 15. Wetzer
und Welte, »Kirch. Lex.« IT, 1833. Sp. 446.
Gerichts, in dem die Gerechtigkeit triumphiert,
wird in der Acht symbolisiert gesehen. Manche,
wie Augustin®®) und Beda,?) weisen aus-
") Migne, Patrol. lat. CXLII. 1853, c. 1108;
cf. Gerbert, Ser. II, p. 61fl.; Abert, p. 187,
14) Quadam dictante justitia.
'®) Pulchre eumdem octonarium antiqui justitiam
vocaverunt,
©) Grimm, »Wörterbuch«, I, Sp. 164.
1) »Reallexikon der indogermanischen Altertumskunde.«e 1901, p. 967 f.
in re
bach, »Gesch.-Q.«, L.®, p. 398, IL, p 42.
ern
Watten-
Zen
Potthast, »Wegweisere, 1%, p. 154.
andere?*) sehen darin eine Anspielung auf
die Auferstehung. Die Sieben ist die Zahl
des Weltlaufs im Kreise der siebentägigen
Wochen bis zum Gericht. Mit der Acht beginnt die Welt der Erlösung, der Auferstehung.
Nicht die Gerechtigkeit, aber der Tag des
kurs
32) Duncker,
»Geschichte des Altertums«, ıt
1874, p. 277 £.
28) pn. 187.
#4) Migne, P. I. XV. 1845, col. 1649.
Ambrosius: sicut enim spei nustrae octava perfectio
est, ita octava summa virtutum est; ibid. not. c.
2) Migne, Aug. IV, 1, col. 90.
#6, Migne, Bed. IV, col, &11.
Page 7
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)als ob man die
mn a
drücklich die Ansicht ab,
ran
PFEFFER
Länge der Weltalter auf siebentausend Jahre
fest berechnen könne und darum der Acht
Tim tn
Sie wird panharmonisch genannt, „.orı loumıc
ion iodxıs npo narımv avın xatapuoodHrica
im Resultat halten sie die Gleichsetzung für
nösidr dexamosarnv yersaı." Genau wie bei
Bern von Reichenau das Anwachsen der acht
aufeinander folgenden Töne wird hier das
völlig richtig.
Anwachsen der Acht (=2:.2.2=2+2-+2
jenen mystischen Sinn beilegen müsse. Aber
„Potest,“ sagt Augustin, „dies
judicii octavus intelligi.“
Und ebenso Beda:
+2) auf die Gerechtigkeit zurückgeführt. Der
Ausdruck „dexusorarny yersaıv“ entspricht
Berns Worten: „quadam dictante justitia.“
„Dies judicii potest optime octava vocari.“
Auch Gregor der Große??) sieht in der Acht
den Tag des ewigen Gerichts, den „Dies
irae‘“.
Danach ist es sehr wahrscheinlich, daß
sich auch die unmittelbare Symbolisierung der
Gerechtigkeit durch die Zahl Acht tatsächlich aus der antiken Literatur nachweisen
So läßt sich bei vielen Kirchenvätern bei
der Acht eine Bezugnahme auf das jüngste
Gericht feststellen. Aber dabei bleibt oflenlassen wird.
bar eine Differenz gegenüber der Justitia, von
der Bern von Reichenau spricht. Und sein
Ausdruck „Antiqui“ geht auch offenbar auf
die alten Heiden. In der Tat finden sich
auch bei ihnen Anklänge.
Bei Hesychius®®) findet sich die rätselhafte
Bemerkung: „Sıxasoaryn n XoimsE wvorsoig.“
Andere als dıe genannten Zahlen können
fürs erste als Symbole der Gerechtigkeit nicht
angeführt werden. Die Zahl Zehn ®!) wird in der
kirchlichen Schriftstellerei des Mittelalters vielfach Sinnbild des Gesetzes mit Rücksicht auf
den Dekalog genannt, aber wohl niemals
Sinnbild der Gerechtigkeit.
Eine Beziehung zwischen der Gerechtigkeit und der Zahl als solcher findet sich am
Hildesheimer Taufbecken aus dem XIII. Jh.,
wenn dort neben der Justitia der Hexameter
hier schwerlich zu denken, wenn sich auch
allenfalls zwischen der Gerechtigkeit und dem,
was der Mensch täglich zum Leben braucht,
ein Zusammenhang ausklügeln ließe. Vielmehr liegt die Lösung des Rätsels höchstwahrscheinlich in der Zahl Acht. Die attische
zoiviE ist das Achtel des attischen &xrevg und
des römischen modius, die böotische yaivız
das Achtel des böotischen safrns, des phönizischen Saton und des lakonischen äxırsvs, ein
Maß des täglichen Lebens, an das kein Grieche
dachte, ohne daß ihm die Zahl Acht vor
Augen stand.
MET Ar
rar ar STE
TE AT A
das andere Wort goisıg mit Bezug auf den
Ausspruch des Psalmisten „Justus ut palma
florebit“ Sinn zu bringen, hat längst aufgegeben werden müssen. Die yoisıE*?) aber ist
ein griechisches Hohlmaß. Im übertragenen
Sinn wird der Ausdruck für den täglichen
Lebensunterhalt genommen. Doch daran ist
rt
Der Versuch älterer Erklärer, in diese Stelle
durch die Ersetzung des Wortes going durch
steht:
Omnia in numero, mensura el pondere pono.
Die Worte gehen zurück auf die Stelle in der
Weisheit Salomonis (11, 22), wo es heißt;
„Du hast alles geordnet mit Maß, Zahl und
Gewicht“, und damit auf einen Bibelvers, der
unter dem Einfluß der griechischen Zahlensymbolik geschrieben ist und auf die Entwicklung der christlichen Zahlensymbolik aufs
stärkste eingewirkt hat.
Endlich ist noch aus der antiken Musiktheorie des Aristides Quintilianus eine musikalische Symbolisierung der Gerechtigkeit zu
erwähnen. Er unterscheidet vier „Systeme“,
Hypason et meson, synemmenon, diezeugmenon und hyperbolaeon, und setzt sie den vier
Kardinaltugenden gleich. Das System synemmenon teilt er der Gerechtigkeit zu.
Die Erklärung bleibt zweifelhaft. Aber es
findet sich bei den „Antigqui“ eine deutlichere
Beziehung zwischen der Acht und der Geuns in diese phantastischen Vorstellungen vergangener Zeiten hineinzudenken. Hören wir
rechtigkeit in jenen „Theologumena arithmeetwa, daß die Zahl Fünf die Ehe
ticae“ bei der Erörterung der Zahl Acht. ®'
so sind wir geneigt, das für Unfug zu halten.
Wir wissen die Zahlen zu schätzen. Aber
wenn wir heute von ihrer Bedeutung sprechen,
7), Migne, Greg. II, col. 1030.
28) »Lexicon<, I. Lugd. Bat. 1746, fol., col, 994.
23) Pauly-Wissowa, »Realenzyklopädie«, III,
1899.
Sp. 2356 f.
Hultsch.
%, Ed. Ast, p. 54.
Uns modernen Menschen wird es schwer,
bedeutet,
ne ni
2) Müller-Mothes,
Augustin IV, 2, c. 1961.
Migne,
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so liegt es der flachen Auffassung des Durch- | is. Und wenn die klugen Leute von heutzutage über diese „Spielereien“ der Vergangenschnittsmenschen am nächsten, an kılometerheit gern hochmütig als über Unsinn aburteilen,
fressende Automobile oder das blaue Band
so tun wir gut, uns gelegentlich daran zu erdes Ozeans, an die Millionen des Industrieinnern, daß in ihnen Jahrhunderte hindurch
und Bankverkehrs oder an die Riesenziffern
der Statistik zu denken. Der schlichte Sinn die Kräfte der Phantasie und des Gemüts
Befriedigung fanden, und daß die Zahlender alten Zeit wußte klarer und unmittelbarer als unsere kultivierte Gegenwart den symbole ihren Urhebern selbst nur ein GleichWert zu erkennen, der in der kurzen Zahlenreihe von eins bis zehn für uns alle enthalten
nis waren und weiter nichts.
Berlin.
Ernstv. Moeller,
der Thron Salomos ın ältester Form.
(Mit Abbildung.)
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en Brixen hat sich das Bild eines ‘ der schlanken, achtseitigen Kuppel, welche
WEN alten, deutschen Münsters in seinen Ä mitten im Querschiffe auf einem vierseitigen
|
gut
noch
Unterbau mit gewölbten Einsatzwinkeln sich
15 wesentlichen Umrissen
——— eihälten. Den größten Raum und | erhebt. Die Verhältnisse sind sehr schön und
ron
die ausgezeichnetste Stelle nimmt die Domkirche ein. Ihre ursprüngliche Anlage ın
genau durchgeführt, aber die Ausführung zeigt
eine rohe und ärmliche Arbeit, nirgends ge-
Form des lateinischen Kreuzes mit später angefügtem frühgotischen Chore, der in sieben
hauene Steine, was alles auf ıhr hohes Alter,
aus der Zeit vor dem ersten Jahrtausend
schließen läßt, da das bischöfliche Münster
unter Bischof Richbert (956— 976) bereits be-
Seiten eines Zehnecks abschließt,
hat auch
der Umbau in neuerer Zeit nicht verwischt.
An der Fassade flankieren noch zwei mäch- standen hatte. [Tinckhauser, Beschreibung der
tige Glockentürme das modernisierte Haupt- Diözese Brixen I, 113.]
Die bischöfliche Kapelle wie die Tautikapelle
portal. Daran schließt sich auf der Südseite |
die ehemalige bischöfliche Wohnung, (seit | wurden bald nach der infolge einer Feuers1807 weltliches Amtsgebäude) mit der bischöf- brunst notwendigen Wiedereinweihe des Domes
lichen Kapelle, der heutigen Frauenkirche. ' an den Wänden bemalt. Einen besonders
In gleicher Lage zieht sich vom Chore und reichen Gemäldeschmuck erhielt die Taufsüdlichen Kreuzesarme des Domes der Bruder- kapelle.e Die darin erhaltenen ältesten Gehofd. h. die einstige gemeinschaftliche Wohnung mälde bedecken die oberen Flächen der vier
der Kanoniker (in südlicher Richtung) hin und Schiffswände, während die ältesten des Chores
bildet den östlichen Abschluß des Münsters. oder des Querschiffes jünger sind und überZwischen diesen genannten Gebäuden liegt haupt mit ersteren in keinem näheren Zuder Kreuzgang mit seinen gefälligen Säulen- hammenhang stehen. Leider hat man im
hallen; dessen Südseite begrenzt die Johannes- Schiffe später, wie bemerkt, für die flache
Holzdecke ein Gewölbe mit kräftigen Rippen
Taufkapelle.
Deren erste Bauanlage ist mit Ausnahme in Kreuzesform eingesetzt, mit dessen Ansätzen
des später eingesetzten gotischen Gewölbes einzelne Figuren teilweise zugedeckt, das eine
und eines aufgesetzten Turmes unversehrt auf | Fenster an der Südseite erweitert, das andere
uns gekommen. Ihr Bau ist so interessant, vermauert und überdies noch alle Gemälde
daß wir desselben kurz gedenken müssen. übertüncht!' Kam nach der Bloßlegung in
An das Schiff im länglichen Viereck schließt den letzten Jahren das Ganze einigermaßen
sich ein Querschiff an, das aber nach außen in beschädigtem Zustande zum Vorschein, so
nicht vorspringt, sondern nur durch Ecklisenen waren doch Köpfe, Hände, Gewandwaurf,
kennbar gemacht ist. Die kleine Apsisnische Farben derart erkennbar, um sich eine genaue
liegt in der Dicke, der mächtigen Ostwand Vorstellung von Inhalt und der Charakteristik
des Querschiffes, so daß sie nach außen kaum der ungemein interessanten symbolischen Gebemerkt wird. Im Aufriß tritt uns byzantinisch- ! mälde machen zu können. Sehr zu bedauern
lombardisches Element entgegen, nämlich in ; ist, daß von den vielen Inschriften nur ganz