Afficher le texte intégral31 pages
Page 1
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)AI13 nd GC LAW 00 wa
4
|
|
Neue
en + eo
71
eee,
——EOSpRe—REmaroEomRe.
VI,
Erftes
Sententiola Vetuftiffimorum quorundam Poétarum Gnemicorum opera. Praefatus eft C. G.
wig Xa
Seid.
|
v culuylas,
Tas Aapıras Mecors "Aya pryvos ndlsy
Dio Chryfoft,
Heyne. Continetur in hoc volumine Pytha- |
tatem le&io| goreorum Aureum carmen.vfumVarie
Scholarum edi-.
nis notasque adjecit, in
dit E. G. Glandorf. Lipfiae 1776. 144 Seiten
in 8vo.
,da~NtameDvieO
Eueowr
Leipzig,
-
in der Wepgandfchen Duh
handlung:
Page 2
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)da
un
or
qu
um
or
im
if
ft
tu
Ve
a
of
ti
en
nt
Se
1192
IT
Te‘
rum Gnomicorum opera. Pracfatus eft €. G.
Heyne. Continetur in hoc volumine Pythagoreorum Aureum carmen. Varietatem le&tionis notasque adjecit, in vfum Scholarum edidit E. G. Glandorf. Lipfiae 1776. 144 Seiten
in 8vo.
fere
€, if ung ein angenchmes Gefchaften, Gedunich
=
Refer mit dem Herausgeber der golden
te, als einem jungen Gelehrten befant zu machen,
der durch Gpracdfentnis, Gelebrfamfeit und
fritifhen Unterfuchungegeift fich vor vielen ans
dern auszeichnet, und in Wnfehung der Zufunft
die günftigften Ermarfungen von fih erregt.
Wir find billig genug, die Güte der gegenmarti:
gen Schrift nicht darnach zu beftimmen, ob
ihe B. in feinen Meinungen allenthalben mit
den unfrigen übereinftimt; fondern ihren Werth
allein nach dem Maafe von Gelebrfamfeit und
Talenten zu fepázen, die Hr. G. unferm Urtheil
nad, felbjt ba, wo er von uns abgeht, argo
wandt hat.
Hr. Hofrath Heyne hat der Arbeit feines
ehemaligen Schülers eine lefenswürdige Vorrede
vorgefest, in welcher ev über den Mugen der Altes
ften Lehrdichter der Griechen, und über die
Schwierigkeiten. ihrer Bearbeitung vortreftiche
Bemerkungen mittheilt. Die Sprüche.der alte
fien
Page 3
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)VI. Sententiofa Vetuft
Gnomic, quorundam
fen Boléslehre der Grie
chen find nicht, wie die
Marimen und Reflerione
n unfrer Zeit, mit gros
fem Aufwande von Scha
rffinn erfunden, nicht
foizig zugefchnitten und gefe
párft, und noch viel
teniger Eünftlich oder
auffallend cingefleidet:
fie
enthalten mizliche und beil
fame Lebensregeln in
einer Fraftigen aber einfäl
tigen Sprache ausgez
dridt.
Die Dichter jener Zeit hatt
en nicht
die Ybficht, durch neue Entd
ecungen zu glänzen,
oder gelehrte Lefer zu am
ufiren: fie begnüater
fic) damit, wenig gebildete
Menfchen durch fags
liche Wahrheiten zu beffern,
die diefen eben fo
angemeffen waren,
fheinen.
als fie
ung
jest alltäglich
Kenner des Altertbum8 febr
en bey der
Lefung diefer Erftlinge Griehi
fcher Weisheit mit
Vergnigen in folche Zeitalter zurück,
wo die
menfhliche Natur freylich noch nich
t febr veredelt
aber auch noch nicht übertüncht
und entfràftet
war,
in welchen Sitten eben fo
wenig Freund»
fhaft und Liebe fo herzlich und
warm, als Eúnftz
liche und mübfam gefuchte Vergniig
unge
n felter
waren.
Aus den Gnomikern fest man fic
h felbft
allmählich dag Fdeal einer Unfehuld
sseit sufamz
men,
das
vollffändiger
und
tichtiger
als
die
Schilderungen fpäterer Seiten if
.
Man nimt
aber auch zugleich in ibnen mit Verg
nügen wahr,
daß die Menfchen zu allen Zeiten,
in den entfernfeften wie in den unfrigen, denfel
bigen Unbefone
nenbeiten, Serehiimeen und Le
idenfchaften unter
forfen waren, daß eben die Fr
agen, die nach
Sabrtaufenden noch immer un
entfchieden find,
fon damals Geifter vom erft
en Range befhäf.
figten.
Page 4
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)figten.
Go unterrichtend aber auch die Lefung
dev âlteften Lehrdichter der Griechen if, fo auf
erordentlich
fchwer iff ihre Bearbeitung.
Mar
fan für fie faft gar feine Hilfe von ihren Ha
nds
foriften erwarten;
die Gedichte felbft find in
einzelnen Verfen durch eine zahllofe
Menge ande:
rer Schriftfteller zerftreut.
Ganze Stellen und
Berfe wurden von den leztern aus dem
Gedachtniffe angeführt, und eben daher find ba
ld einige
ausgefallen, bald binsugefest, und an
dere micdetum find ihren wahren Verfaffern abgefp
rochen
Worden.
Man muß ferner, um fie recht zu
vers
fichen und auszulegen, fic felun
bdf
fei
t
n Zeitalter
vergeffen, die Klügeleyen und
Spisfindigkeiten
foäterer Jahrhunderte ausziehen,
und fic) mit
ganzer Seele in die Stellen, in die ce
ju dene
fen und ¿uempfinden der älteften Zeit
verfegen. —
Bey den Fragmenten des Theo
gnis fomt now
diefe Schwierigkeit hinzu,
von
andern
Dicdhtern
daß man febr oft Berfe
und
ganz
Snbalte in diefem Werke
verfchiedenent
cingefchaltet hat, ohne
daß man doch jedesmal im
Stande ift, das cinz
sefhobene vom Achten su
unferfcheiden.
Here
Hofer. H. behaupter da
her, daßmir jest nicht
die
Gedichte des Theognis
in ihrer erften urfpriin
ge
lichen Geftalt, fonder
n Ercerpte und Auszüg
e
eines gelehreen Manne
s aus den Werfen di
efes
Dichters haben,
Elegien
in denen
gufammengefest,
oft ganz verfchiedene
und mit Stellen au
s
Landern Dichtern verknüpft fi
nd.
|
Zu den Teztern
rechnet er vorzüglich di
ejenigen Verfe,
Wein und Liebe befungen we
in denen
rden,
Page 5
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Sn der erften Abhandlung, die Herr Glanz
dorf den goldenen Gedichten voraus gefchict hat,
handelt er von den Handfchriften des Phocylides
und der goldenen Gedichte, von den Auslegern
und den Lefeartem der verfchiedenen Ausgaben der
leztern, und fest endlich ein vollitandiges Bers
zeichnis aller Editionen der Gnomifhen Dichter
Wir
fowohl als der goldenen Gedichte hinzu,
verweilen uns nur etwas bey der Gefhichte der
Barianten in den Gnomifchen Dichtern, weil
Auszüge aus den übrigen Abfihnitten diefes Yufz
fazes ung zu weit führen würden, Die Grund»
lage aller efearten der folgenden Ausgaben find
die Editionen des Aldus, wovon die erjte 1494.
in 4. die ¿rente 1495. in Folio abgedrudt iff.
Die Lefearten in beyden weichen fo febr von eine
ander ab, daß Aldus nothwendig verfchiedene
Handfehriften dabey gebraucht haben muß. Eben
diefer Gelehrte gab nachher noch die goldene
Gedichte zugleich mit des Laskaris Buche de
o&o particulis orationis heraus, ohne das Jahr
des Drucks anzuzeigen, und dructe fie endlich
zum vierten male in 4: 1512. ab, aber wieder fo,
daß er wenigfteng bey der leztern andere Hands
foriften, als bey den vorhergehenden, vor fich ges
“Habt haben mug, Die erfte Ausgabe von 1494.
hat Hr. ©. nicht ge fehen, er hat aber die beyden
Legtern mit der in $ von 1495. verglichen umd
gefunden, daß die dritte, in welcher das Dru
jahr nicht angezeigt, mit der Alteften in 4. QUES
genauefte übereinftimme, wenn anders die fpas
tern Herausgeber, die diefer auf das genaujte
gefolgt
Page 6
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)gefolgt zu fenn vorgeben, gewiffenbaft su Werke
pop | gegangen find.
Bis auf die Yusgabe des Kame303 | rarius
1@
(Bafel 1557.) blieben die Gnomiféhen
Dichter unverändert;
diefer befferte manches
put | wahrfcheinlih nad) Handfchriften, weil er zu bes
by
fcheiden war,
ohne deren Anfeben fid) an den
Ge
Werken der Alten zu vergreifen.
jot
faftallernahfolgenden Yusgaben der Gnomifchen
IE = Dichter wurde die von
Das Mufter
Heinrich
Stephanus
sx)
(1566.), der, Wenner von der gervöhnlichen LeSart
Un
abgeht, sröftentheils dem Stobäusfolgt. Hr.
E.
hs
zahlt S. 19. die Editionen auf, die mit der Stephac
nifchen übereinftimmen,
fin.
Rex
mu
Lunterius gab die goldenin Gedichte zuerft
1583: zu
| und
die
Paris mit den Hierofles herans.
Er
nachfolgenden Herausgeber,
auf
ge | Nordham,
wagten
e8 nicht,
biéden Dichter aus
bé | dem Kommentator ju verbeffern:
der leztre ver:
Do
glich Orfordifche Handfehriften,
pit
nad) Anleitung des Hierof[e8 die Worte des Gee
46
dichts, wenn die gewöhnlichen Lesarten
ihm fein
2)
und veränderte
Gentige thaten.
a
Wir gehen jest sum ¿tuenten Auffaje des
Herausgebers fort, und faffen juerft dasjen
ige
A
zufammen, mas er in den zwölf erften Abfchnit-
9
ten Über das Mlterthum der
pt
fagt.
6
goldenen Gedichte
Man Fonte (fagt Hr. ©.) leicht auf den Ger
st
danfen fommen, als wenn das Gedicht cvft in
febr fpäten Zeiten, vielleicht in den erften Anfáne
gen der Hlerandrinifhen Philofophie ware gemacht
Wore
Page 7
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)fworden,
feil
weder
Plato
nod
Sfokrates
noch Ariftoteles, die mit den Alteften Dichtern
febr genau befant waren, nirgend etwas daraus
anführen, und Plutarch , der etrva 130 Jahr nad)
Chrifti Geburt lebte, der erfte Grichifhe Schrift.
ficller iff, der dicfes Gedichts erwähnt.
Allein
Diefer Argwohn gegen das Alterthum des Gedihts muf nothwendig verfchwinden, fobald man
Gedentt, daß alle Schrifrfteller des siventen Fabre
Hunderts, Galen, Plutach, Diogenes, Klee
mens bon diefem Gedichte als einem alten Werke
teden,
ober doch bas WAlterthum deffelbigen niez
mals bezweifeln.
Das Gedicht felbft trägt úbers
dem gar nicht zu verfennende Spuren feines ads
ten alten Adels an fich;
Sprache, Wortfügung
und Gedanken find von denen der neuern Meran
driner fo febr entfernt, daß man nothwendig cinen grofen Zeitraum sivifchen der Geburt diefes
Gedichts und dem Zeitalter derverdorbenen
Brie
ifhen Weltweisheit und Sprache annehmen
muß.
Wenn aber die Alerandrinifepen Philofoz
phen ihre Grundfäze aus dem goldnen Gedichte
ebleifeten, oder die Stellen Daraus belegten; fo
thaten fie eg nicht, weil fi zwifchen den Lehren
der goldenen Gedichte und ihres Syftems eine
oirkliche VehnlichFeit fand, fonderg teil fie bey=
de mit einander übereinzuftimmen zwangen, und
das, twas in jenen nicht da war, durch gemalte
fame Yuslegungenbineinbracdhten. Hr. ©. meint,
daß diefe Maferey, ihe Syftem in dem goldenen
Gedichte wieder zu finden, eine reiche Quelle vie
fer ihrer eigenthiinlichen Srethimer geworden
Page 8
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)feno. —
77
Das gänzlihe Srillfehweigen des Plaz
Pot | to und Ariftoteles in Anfehung diefes Gedichts,
pur
was am allermeiften wider fein bobes Wlterthum
ug
zu zeigen feheint, [Aft fich ohne Nachtheil des Ges
bis | dichts am beften auf folgende Art erklären. —
iG | Die Pythagoreifche Schule, aus welcher das Ger
did
Dicht entftanden feyn fol, ging nicht lange nad)
HE
dem Tode ihres Stifters in Stalien unter:
495
scrftreuten Glieder des zerftörten Bundes fiohen
ni
ins eigentliche Griechenland, und mit ihnen ente
HR
franden ganze Haufen von Marftfcehreyern,
dis
übernatürlihe Kräfte zu Defizen, übernatürliche
Be
né
Mirkungen hervorjubringen vorgaben, zu aller
bicfen den Namen des Pythagoras mifbrauchten,
nis
und fic) felbft fowol als alles was Pythagorifeh
die
die
bid | Dies, bey vernünftigen Perfonen lächerlich mache
mor | fem.
Ohne die Vorausfezung
folder Gauklee
ar
und Betrüger, die fich für Achte Schüler des Pyz
dy
thagoras ausgaben,
ler
ie Dem Pythagoras felbft und feinen Nachfolbp
gern von
fpätern Gchriftftellern fo viele Betriiz
bp
getenen,
bon
jot
waren,
Hatten angedichtet werden Fonnen, —
láft es fic) nicht erklären,
denen fie doch fehr weit entferne
Socrates trug vorzüglich vieles dazıt bey, diefer
Leuten die verdiente Verachtung suzuzieben: und
mie leicht fonte es ben einer fo alígemeinen Gee
ringfchásung der angeblichen Pythagoreer und ie
| zer Werke gefchehen, daß auch einige ächte Mrbet| ten der wahren Schüler des Samiers unverdient
vernachläßigt wurden, und in Bergeffenheit gétiethen.
Plato bemühte fich zuerft, den Pythagorcern ihr verlornes Unfeben wieder
zu verfchaf:
Page 9
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)fen: biefem Beyfpiele folgten die übrigen Griechen und nun fieng man an, die vernachläßigten
Schäze ihrer Weisheit bervorzufuchen.
Schon
Chryfipp der Gtoifer (Gell. VI, 2.) führte in
feinem Buche von der Vorfehung einen Vers aus
dem goldenen Gedichte, als einem Gedichte der
Pythagoreer.an. Yucd Cicero (de Sen, c. XI.) und
Horaz (Satyr. IV. 133.) fcheinen darauf anzufpies
Ten,
Wenn aber Chryfipp und Cicero bon Pps
thagoreern reden, fo verftehen fiedarunter folche,
die entweder ver dem Plato oder zugleich mit ihm
lebten: denn nach ibm gab es nur noch einige
wenige, die aber bald ausftarben.
Bon
den
Pythagoreern aber,
die Zeifgenoffen des Plato
waren, Fan das goldene Gedicht wahrfcheinlich
deswegen nicht herkommen, weil es unbegreiflich
wäre, daß weder Plato noch Ariftoteles etwas
davon gehört und "angeführt haben folten.
Man muß daher annehmen, daß dies Gedicht
Lange vor dem Plato berferfigt worden fey, damit es allmablig in Vergeffenbeit gerathen, wabrend feines Lebens unter dem Wurfte anderer dere
achteten Schriften verfant, und erft nach feinem
Sode aus der Dunkelheit wieder hervorgezogen
werden fonte. Sin Gedichte felbft finder fich
nichts, was nicht mit der Würde, dem eigentlis
chen Ernfte, und der ungefhmüdten Majeftät der
übrigen Pythagoreifchen Fragmente übereinftinz
te: Keine Spur von dem feinen Artifchen Gale
was Gofrates und feine ähte Schüler zuerft in
Griechenland verfertigten: Kein Merkmal von
dem úbertriebenen Lurus in Gedanfen und Wore
tent,
Page 10
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Poetarum opera.
cur, Glandorf.
ten, womit die Griechen nach dem Plato ihren
Gefchmack verzärtelten.
Go ausgemacht aber
ind
das hohe Witerthum des Gedichts zu feyn fcheint;
ot
fo ungewiß-oder vielmehr unbefant ift der Name
bo | des Berfaffers.
Weder Lyfis,
der Unterrichot | ter des grofenEpaminondas, nod Philolaus
und
he
Archippus fonnen Verfafferdavon feyn, weil diefe
Bo
aile im Zeitalter des Plato lebten,,
und Gedichte
a
von ihnen
et
wären.
)
(S. 70-72.) aus welchen man beweift, bag diefe
dem fegtern nicht unbefant geblieben
Die Zeugniffe Griechifcher Scriftftelfer
Manner philofophifche Werke nachliefen, verdiemM
men entweder Ecinen Glauben oder fie gehen auc
h
jim
nicht auf das goldene Gedicht.
já
die Gründe (fagt endlich Hr. O. ©. 73.) womit
man diefes Gedicht dem Epicharmug, oder Ph
o-
Höchft efend find
cylides oder Pythagoras felbft zuzueignen fucht.
Fabricius glaubte, daf wenn das Gedicht von ir:
send einem Pythagoreer herrühre,
THeinlichften
dem
Empedofles
es am wahre
zugefchrieben
werden fónne, weil Dialeft und Sprach
e fowol
als Inhalt den Fragmenten diefes Dichters
febe
ähnlich wären, und einige Berfe daraus von
dem
V. der PsoRoyaperav AgiSun : als Empebofleifhe
v+Aa©àrda
angeführt werden.
Hr. 6. antwortet mit Recht,
daß die angeführten Verfe (47. u.
48. VB.) nicht
recht, und in das goldene Gedicht
eingefchoben
find, und dag die gefundene Aehnlichkeit zroifc
hen
dem Yusdrude und Dialekt der goldenen Gedichte
und der Fragmente des Empedofles zu entfernt
fey,
als daß man nöthig hatte,
auch jene fiir
ein Werk des ficilianifhen Philofophen zu halten
.
Page 11
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Bir finden. nicht allein eine nur geringe Achn=
lichkeit zwifchen den goldenen Gedichten und den
Gedichten des Empedotles, fondern auch einen
fo auferordentlichen Unterfchied in der Manier
und Einkleidung und dem Nythmus von beyden,
daß es ung nie eingefallen mare,
das erftere für
ein Werk des Y. der lestern zu halten.) Wielleicht,
fast Hr. ©. endlich,
ift das Gedicht alter als
Pythagoras und alle Pythagoreer.
Frenlid if
es noch feinem Menfchen eingefallen, zu läugnen,
daß es ein Pythagoreifches Gedicht fey: Chryfipp und Plutarch, Galen und Septus, endlich
Porphyr, Jamblich, Hierofles und Suidas fchreie
ben es alle entweder dem Pythagoras, oder meie
ftens den Pythagoreern zu,
fahen cs menigftens
als ein Gedicht an, was fie als ein Abend- und
Morgengebet in ihren Andachtsübungen sur Unterfuchung ihres Wandels und Herzens brauchten. Hr. ©, giebt daher auch zu, daf ed bee
ftándig in den Händen der Vythagoreer gemefen,
und in ihren Schulen gelefen worden fey.
Mar
könne aber zugleich wahrnehmen, daß Pythagorag es wegen feiner Treflichkeit mit mebrern ale
ten Schriften feinen Stingern empfohlen habe,
und daß es eben deswegen in fpätern Seiten ente
weder für feine eigene Arbeit, oder für die Arz
beit eines, feiner Freunde gehalten worden fey.
Schon der Ephefifhe Heraflit beseugte, daß
Pythagoras alle Altere Schriften auf das
forgfältigfte zufammengefucht, und fic) daraus
unterrichtet babe, und auch Ariftopenus fagt am
der angeführten Stelle des Diogenes, daß dies
Page 12
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)25} fer Philofoph viele moralifche Grundfaze von der
> Chemiftoflea, einer Priefterin zu Delphi, eme
pfangen babe.
Auf diefe Art Fan man am beften
die fic) widerfprechenden Schriftfteller des Alterhums mit einander vereinigen, warum mehrere
bem Pythagoras Schriften, und namentlich das
goldene Gedicht zufchreiben, andere hingegen
fehlechterdings láugnen, dag Pythagoras etwas
gefchrieben habe, Endlich wird die Vermuthung,
daf dies. Gedicht alter als Pythagoras fey,
aber von ibm aufgenommen und empfohlen wor=
den, noch durch die Zeugniffe des Guides und
Diogenes beftátigt, wovon der eine dem Pythaz
goras alle Schriften, dev andere aber dies Gee
dicht abfpricht, die aber doch bende übereinftims
mend fagen,
daß er feinen Schülern ftet& den
Wenn e alfo aus den angeführten Gründen
feabrfheinlich wird, daß das goldene Gedicht
über diefes Zeitalter des Pythagoras hinaus
fteigt; fo ift Feine Bermuthung natürlicher, als
diefe, daß es wahrfcheinlich aus den Myfterien
der Griechen ausgefloffen und genommen fey.
Die Alteften Dichter der Griechen alle, die fi
in die Myfterien hatten einmweihen laffen,
und
unter diefen vorzüglich Orpheus, Mufaus und
Eumolpus theilten in. ihren Gefängen von der
beffern Kentniffen die fie empfangen hatten,
alle
| diejenigen dem Volfe mit, die es ertragen Fonte,
am meiften aber Grundfäze der Tugend und des
Cine: ähnliche Abe,
fittlichen Wohlverhaltens.
MAIL Bib 2B.
fiche
Page 13
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)fit hatte der D. des goldenen Gedichts, und
es fanden fich daher manche Spuren darin, aus
welchen man feben fan, daß der Dichter cin Eine
gemeibter war,
und ein Myftagog derjenigen
twerden molte), die fic) den grofen Geheimniffer
ehtiveder nicht genábert hatten, oder nicht nähern
durften.
Er redet (0. 67.) auf eine fo geheim,
nisvolle Art von der Enthaltung. gewiffer Spei
fen; daß man vermuthen muß, er babe fich
mündlich mweitläuftiger darüber erklärt.
Qwar
tràgt er die Lehre von der Gottheit nicht fo vor,
wie fie
in
den Mofferien
vorgetragen
wurde:
vielmehr redet er von den Göttern, tie die brio
gen Griechifhen Dichter,
und wie dag Volk
dachtes
alleim er führe auf eben den Sweet bin,
twohin-die Myfterien hinleiteren, nämlich auf ein
reines ,.unbeflecttes Leben, und cine dadurch be»
twirkte Annäherung zur Gottheit.
Er trägt
endlich, wie die Mpfterien, die für gute: Men-
(Hew fo troftreiche
und die für lafterhafte fo
Thredliche Lehre von Strafen und Belohnungen
in einem andern Leben vor.
Der VW. des goldes
nen Sedichts,
von
dem
unterfeidet fid) auch dadurch
Phocylides
und
andern Gnomifchen
Dichtern,. daf er nicht blos wie diefe, von Vers
brechen durch Drohungen abfchredt, fondern ju
einem fugendhaften gittergleichem
Leben durch
das Hinweifen auf múrvige Belohnungen auf
munter
Hr, G. überfieht.den Einwurf nidf,
den man ibm machen fonte,
daß nämlich kein
alter Schriftfteller bas goldene Gedicht aus den
Mofterien
ableitet,
Die
Alteften
Griechen,
anfs
Page 14
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)And anfivortet
er, die den Urfprung deffelben am beften
Mit
Mai
jwiffen Eonten,
fehmweigen entiveder ganz, oder
ihre Zeugniffe find verlohren gegangen. Andere
Ait | führen es nur flüchtig und
fo fehr im Vorbengeber
sin lan, daß fie weder Beruf noch Zeit haften, die
nD | Entftebungsart deffelbigen zu bemerken.
Die
nit
jüngften Schrifefteler
bin
nicht, woraus es gefloffen war, oder fie waren
pun
auch zu fehr von der früh und allgemein verbreiz
mor
Feten Meynung, als wenn es von einem Pythas
sup
goreer herrühre, eingenommen,
HO
m2
argwohnten"
die Quelle
Die Abwefenheit vom kühnen Unternehmen,
Gleiniffen, Whegorien und Fiktionen, die int
€Empedofles und in den Fragmenten der Eleas
911 \tifer fo häufig find, giebt feinen Beweis wider
2n6 | das Alterthum des Gedichts her, und laft allein
Hist | Nicht fehliefen, daß es in folchen Zeiten gemacht
las) | feyn müße, to der alte Dichtergeift fhon von
156 | den Griechen getwichen war.
Hr. G. hält es fir
ot | überflüßig, diefe feine Verficherung aus Grane
den ju unterftüsen.
Wäre aber auch das Gedicht von einem My
pd? | thagoreers fo dürfte man fich daran nicht ftofen,
ind | daß es nicht im dorifchen Dialekt gefchrieben ift,
M6 | der
dem’ Pythagoreer
faft
eigenthimlich war.
HG | Viele Männer in Italien und Gicilien, die niche
los | torifchen Urfprungs waren, behielten die Munde
bo | art ihrer Stifter und Vorfahren ben: und felbft
¡E | Dichter,
Die in dorifhen
Kolonien
gebohren
per | Waren, brauchten oft den Sonifhen,
wie Empedofles that.
(Wir fehen überdem nicht, mar
runt
Page 15
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)zum der Dichter, ‚wenn er. auch ein Py thagoreer
tar, nothwendig aus Groggriechentand fenn
múfte, da nach demUntergange des Bundes febe
viele Pythagoreer fich im eigentlichen Grischens
lande aufhielten, und aus dem eigentlichen Gries |
shenlande oder aus Afien gebürtig waren.)
Nachdem mir erft die ganze Hypothefe des |
Hrn. O, über das Alter ded goldenen Gedichts
mit allen ihren ungefchwächten Gründen vorges
tragen haben; fo gehen mir suerft zu den Gegen»
gründen fort, aus welchen uns diefe Dypothefe
ganz unbaltbar feint, und zeigen zu gleicher
sie
Beit die Schhwierigkeiten an, die twit gefunden
haben, die verfchiedenen Abfäze und Glieder ders
felbigen mit einander ju vereinigen.
I. Ran der Grund, aus welchem Hr. G. den
Ppthagoreerh das Gedicht abfpricht, fchmwerlich
cineitinur mittelmáfigen (charffinnigen Kunftrichs
ter Genüge thun. Das goldene Gedicht ift wahre
Theinlich nicht von einem Pythagorecr gemacht,
Cfagt Hr. ©.) weil eS weder vom Lyfis,
nod
irgend einem andern Seitgenoffen des Plato hers
ribres von’einem folchen fan es deswegen nicht
feyn, weil Plato und Ariftoteles es fonft gewiß
angeführt hätten.
Wir glauben ¿ar mit Hr. G., daß weder
Lyfis, noch irgend ein anderer Mythagoreer aus
dem Zeltalter des Plato der Verfaffer des goldea
ren Gedihts fey, wir halten diefe Vermutbung
unter andern
Gründen
auch
den Hr, Glandorf brauhe,
aus
demjenigen,
nämlich aus det
Stile
Page 16
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)NS | Stilffchweigen
des Plato undAviftoteles fir abre
ah} fócintid;
allein wir fesen in diefen Beweis bey
dot
tvcitem nicht ein fo grofes Sutrauen, als Hr. EB.
Suit
mp9
und würden ihn unter weit geringern Sedingune
gen aufgeben. Wäre nämlich für die Meinung:
god
dak
oda
oder fonft
DIR
Plato der V. des goldenen Gedichts
Lyfis,
oder Archippus,
cin
oder Philolaus,
Pythagoreifcher Zeitgenoß des
fey,
nur
mis ein einzigesgeugnis cines suverlafigenund glaubMur wilrdigen Schriftftelfere aufzubringen; fo würz
mod den win feinen Anftand. nehmen, einem folchen
HE Seugniffe zu frauen, und es folte ung gar feine
e Mühe Eoften, die Schwierigkeiten von dem Stille
ar
chrweigen des Plato fowohl, als des Ariftoteles
uo
aufsulòfen, und zugleich die Urfachen anzugeben,
inut
|tvarum dies Gedicht,
wenn es auch im Zeitalter
296 [Des erftern gemacht ware, weder von ibm no
nist feinem Schüler angeführt worden.
prix
Lund twichtige Werke
pD | Eudorus,
haben
Philolaus
und
Wie viele
nicht Ardytas
und
Timáus,
ane
und.
996 | dere Pythagorver, die alle Qeitgenoffen des Plato
pat | Waren, gefchrichen, ohne daf nur ein cinsiges,
boa | oder nur der Eleinfte Theil
von dem Rater der
ANS | Akademie und des Lyceums ware angeführt wore
96 | den? Wenn bende ihre Urfachen, oder Écine Ger
ps!
Iegenheit haften, fo viele und fo wichtige Merfe
756 | der mit ihnen oder Eurz vor ihnen lebenden Pye
pdr | thagoreer anzuführen; fo fonte eben diefe Um
ipa} | ftánde auch bey einem Eleinen Gedichte ihres Zeitz
glo falters eintreten. Bende hatten um defto weniger
SR | Veranlaffung, das Gedicht, wenn es auch von
einem Freunde oder Zeitgenoffen des Plato ware
verferz
Page 17
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)orundam
verfertigt worden, anzuführen,
ba es faft gar
Feine efoterifche Philofophie, tvenige den Pyth
az
gorcern eigenthümliche Grundf
ase, fondern faft
lauter befante, und den Pythagoreern
mit allen
übrigen aufgeklärten Griechen gemeinfhaf
tliche
Lehren enthielt,
Aber wenn man auch zugäbe, daß das
gol:
dene Gedicht nicht von einem Pythagoreifc
herr
Philofophen aus dem Zeitalter. des Pl
ato fens
Warum folte eS nicht die Arbeit
cines áltern oder
auch jüngern Pythagorecrs feyn könn
en? Auf
den erften Theil diefer Frage antwortet
Hr. G.
gar nicht, den andern beantwortet er gw
ar, aber
auf eine Art,
die einen fachverftandigen Lefer
unmöglich befriedigen fan.
In der That feben wir gar nicht ein, warum
Hr. G. das goldene Gedicht entweder nicht dem
Pythagoras felbft, nach einigen alten Schtiftfeiern, oder doch einem der Pythagoreer
vom
Bunde zugefchrieben hat? Das Gedicht, Chätte
Hr. ©. in diefem Falle eben fo gut, als ben der
Borausfesung, daß es lange bor dem Plato aus
den Mpfterien gefchöpft worden, fagen Eönnen,)
hat entweder
den Stifter der Schule, oder einen
feiner erfien Schäler zum Verfaffer:
Schon
Ehryfppp und andere Schriftfteller eignen es de
n
Pythagoreern zu.
Diefe Pythagoreer fónnen
nicht Zeitgenoffen des Plato gewefen feyn, weil
das Gedicht fonft diefem Philofophen nicht uns
befant geblieben wäre:
Eben fo wenig innen
folche Pythagorece darunter verftanden werden,
Page 18
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)bide die nach dem Plato Iebten, aus andern Grünmod den, die Hr. G. anfúbre, und die ich bald prúmo? fen werde.
Nothwendig alfo muß es von einem
ALK Pythagoreer herrühren, der vor dem Plato und
hors gwar lange vorher gelebt hatte.
Wenn ältere
bO | Sriftiteller dergleichen Chryfipp war, von Pre
di thagoveern reden, fo verfteben fie nur folche
Bná Darunter, die entweder vor oder zugleich mit dem
pide Plato berühmt waren.
Ungeachtet aber das
op goldene Gedicht lange vor dem Plato aus der
LK Pythagoreifehen
Schule entftanden war; fo blieb
Ey es diefem Weltweifen doch unbefant, weil nicht
pl lange nach dem Untergange der Pythagoreifchen
5D Gefellfchaft in Grosgriechenland,> eine Menge
os von Herumlaufern, die fic) für Pythagoreer
mo ausgaben, die fraurigen Nefte, diefer Schule
ga \verächtlih und lächerlich. machten.
Golde
ac | Wunder’ und Schriften machten ihre ächten
ge
Werke vergeffen, und eben diefes. Schicfal ere
ut | fuhr auch das goldene Gedicht,
Plato fuchte
wig | zwar der gefunfenen und ungerecht verläumdeten
h
1 | Pothagoreifhen Schule und ihren Dentmalern
pé | das
geraubte Anfehen wieder zu geben;
(und
È
ist | feine Bemühungen waren auch nicht ganz un?
lo | slüklih,)
allein unter vielen andern vernach-
$1 | IARigfenoderiiberfebenen Scyäzen entwifchte ibm
un | auch das goldene Gedicht.
Nur erft in fpatern
2e | Zeiten wurde es wieder gefunden, anerfant, und
poo | vom Chryfipp angeführt. —
id ||) diefe
Are feinen
HatteHr..G. auf
eigenen Grundfagen
zufolge
te
pa | taifonnirt; fo würde er das wahrfcheinlichfaus
it | feiner Hypothefe haben beybehalten, und aller
Page 19
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)mihfam erfundenen Mafchinen iberhoben feyn
Tonnen. Er hatte nicht nöthig gehabt, dic Zeugs
niffe aller Schriftftelfer, die das goldene Gedich
t
für ein Pythagoreifehes Werk halten, entweder
zu verwerfen,
oder auf eine unnatürliche Art
auszulegen, und endlich würde die grofe Schwie«
rigfeit, die aus dem GStillfehmeigen aller Schrift:
feller gegen feine jest angenommene Hypothefe |
entftebt, gar nicht su befürchten gemefen fenm.
Wir fónnen es uns auch faum überreden, daß
Hr. G. es nicht folte gefeben haben, wie man
das Gedicht mit viel geringern Schwierigkeiten
aber aus denfelbigen Gründen, aus welchen er
de
es aus den Mpfterien ableitet, einem Vorplatoz
nifhen Ppthagorser
zufchreiben
Fónnez
allein
vielleicht war eben das leichte und natürliche die
|
fer
|
empfabl.
È
Bermuthung
das
mas
fie
‘ant
‘wenigfter
Solten wir recht gerathen haben,
fo
toáre dies freylich eine Éleine Schwachheit, aber
immer eine Schtwachheit, die einen auf neue
Gedanken ausgehenden Geift vervath.
Wenn aber auch das goldene Gedicht weder
von Pythagoreern aus dem Zeitalter des Plato,
noch auch von áltern berrübren Fonte; folfe es
denn
nicht
einen
jüngern
Philofophen
diefer
Schule, der nach dem Plato und felbft nach dem
Ariftoteles gelebt hatte,
zum Berfaffer haben
tonnen?
Diefer Fall (fagt Hr. E.) it am mwenigften
|
|
;
toahrfcheinlich.
Nach
wenige Pythagoreer,
dem
Plato
lebten
und gwar von geringen
Page 20
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)me Anfehen. —
Auch verftehen Chryfipp und andere Schtifefteller, wenn fie fehlechtmeg von Pythagoreern reden, immer folche Philofophen die
fes Nabmens, die enfiveder vor, oder doch zu
den Zeiten des Plato Tehrten.
Diefen Gründen fegen wirfolgende Fakta ais
der Gefchichte entgegen, mit denen fie fic) fehlechterdings nicht vereinigen laffen.
Erftlich (aft es fic) nicht behaupten, daf nach
dem Plato nurnoch wenige Pythagoreer und zwar
von geringem Anfehen gelebt hätten. Die Pythagotcifhe Schule dauerte in Griechenland von dem
männlichen Alter des Plato an gerechnet Cetiva
der 98-100 Olymp.) nocheben fo lange fort, als
fie Son dem Untergange des Ordens in Gros-Griechenfand bis auf die angezeigte" Epoche fortgee
dauert hatte,
Leraflides Pontifus und Ariftor
penus , beyde Schüler des UriftoteleS gingen noch
mit Pythagoreern um (Diog. V.86, VII. 46.)
und von dem leztern fagt Diogenes ausdrücklich,
daß er die legten Pythagoreer in Griechenland ges
hört habe,
Er gibt fogat ihre Zahl, ihre Naz
men und ihr Baterland an.
Wenn alfo ein paar
Seiler des Schülers des Plato noch mebrere
Hythagoreer hörten; fo fan man nicht fagen,
daß
nad) dem leztern nurnoch wenige Pythagoreer ges
Iebt hätten.
Auch LE es fic) nicht vertheidigen, daf diefe
| Pythagoreee, die nach dem Plato lebten, unbez
Ì deufende Männer gewefen, und daher von Altern
Sohriftftellern, die von Pythagoreern reden, nie
mals gemeint worden waren.
Sin Gegentheil
waren
Page 21
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)waren.die jüngften Pythagoreer als Philofophen
und für Philofophen unter allen die merkwürdige
fen. „Sie waren frenlich. nicht mehr fo grofe Ge:
fesgeber, fo grofe Anführer, von Staaten und |
Heeren als die erften und alteften; aber fie fpez
fulirten beffer und fharffinniger als fie; ihe &y- |
fen wor voliftandiger, jufammenhangender und
begreiflicher als die Gedanken der erftern waren. |
Wenn daher Schriftfteller, die nach den lester
Pythagoreern lebten, von den Grundfäzen pythas
goreifeher Philofophen reden; fo fan man weit
eber vorausfezen, daß fie folche im Sinne haben,
die nach dem Plato und Ariftoteles als andere die
vor ihnen lebten, weil jener ihre Schriften weit
gemeiner, befanter und verftandlicher varela
ft merfwürdigen Bene
Um fid aber aus einem hich
fpiele theil von der Wichtigkeit der jüngern Pps
thagorcer als Philofophen betrachtet, theils von
dem Sage zu überzeugen, daß grofe Schriftfteller
ihre Meinungen anführen, darf man.nur die Leb=
ren der Pythagoreer die vor dem Ariftoteles lebz
c. 5,6.) sore
I..
ten und die diefer Philofoph (Mec
trägt, und wiederum die Lehren derjenigen Phys
thagoreer, von denen Septus handelt (X. 248.)
mit einander vergleichen. Von jenen fagt Arifto=
teles, daß fie Av damAwg über die Zahlen phiIofophirt hätten. Diefer ihre Erklärung bingez
gen von dem Urfprunge aller Dinge aus den Zabr
len, ift mit fo erftaunlichem Scharffinn ausgeführt, dag man fich wundert, wie man eine fo
grofe Ungereimtheit noch von einer fo feinbaren
Seite-habe vorfiellen können,
Page 22
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)IL Wenn wir aber Hr. G. aud sugaben, daß
das Gedicht, wovon die Nede ift, weder von Py-2
thagoreern, die vor dem Plato, nod) von folchen,
die mit und nad) ihm lebten,
ne:
gemacht feyn tone
wenn wir ferner zugäben, was gar nicht bee
wiefen ift, daß Pythagoras es fon vor fich gee
funden, und feiner Schönheit wegen su einem
Raz
techifinus feiner Schule gemacht habe; we
nn wir
endlich auch diefes zugeftünden, da Ni
cht Pye
thagoreet niemals etwas von diefer Entdedung
und Zueiguung fremder Güter gemerkt,
und Py=
thagoveer felbft nie etwas davon gefagt
hätten;
fo würden mir doch nicht umbin
finnen, uns
noch etwas genauer wegen der
Uvfache zu ectunz
digen, aus welcher das für Pythag
orifch gehale
| tene Gedicht in Vergeffenheit
gerathen und vont
Plato überfehen fepn folte.
Die Schaaren von
Wundermännern, die Hr.
G. über Griechenland
fchictt, und für Pythagoree
r fic ausgeben lift,
die allgemeine daraus entffche
nde Verachtung der
wahren Pythagoreer und ihrer
Philofophie, der
grofe Antheil den Sokrates an der Erniedrigu
ng
[von
beyden gehabt haben fol,
und endlid) die
Bemühungen deg Plato, ihnen wieder gufgubel
z
fen,
find lauter Borausfesungen, die in der
fhidte
Page 23
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)fhichte nicht alfein nichts für fic), -fondern alles
rider fic) haben, und fogar, wenn wir anders
cecht feben, fich felbft widerfprechen.
Hr.G . wird uns feinen alten Gefihichtfchreiz
ber und ein einziges Zeugniß beybringen können,
aus welchem: bewiefen werden fonte, daß Furz
nad) der Zerfiörung der Pothagorcifhen Gefelle
fehaften ganze Haufen von Betrügern unter dem
Namen von Pythagorcern fic) über Griechenland
verbreitet, und durch ihre falfhen Wunder und
Gaufeleyen fich felbft und die wahren Pythagoreer verächtlich gemacht haben. Noch weit weniger wird er aus irgend einer Stelle der achter
Schriften des Tenophons und Plato darzuthun
im Stande feyn, daß Sokrates fic ihren Bee
mühungen und Einflüffen widerfezt und mit glüdlichem Erfolge widerfest hätte. Kofrateg wagte
fic) als Sitten-Auffeher, zu welchem ev fich von
der Gottheit felbft beftele und bevollmadhtist
glaubte, mit feinem Tadel an alle Stände und
Hrönungen feinee Mitbürger: er grif Dema
gogen, Redner, Dichter und vorzüglich die Soz
phiften an: ev eiferte wider die Philofophen (bes
fonders den Anaragoras und Demofrif) die fic)
mit Unterfuchungen, die den menfchlichen Verfrand überftiegen, befepáftigten, und von ihren
grunblofen Grübeleyen enfiveder zum Unglauben
oder Aberglauben verführt wurden; allein in
teiner Schrift feiner grofen Schüler und Gee
fHichtfpreiber wird man nur eine Spur von cie
ner Kriegserflärung gegen wahre und falfihe Po
thagoveer, oder folhe Herumftreicher, bergleis
Page 24
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)fhe PE
anime, finden.
93
Die Pythagoreie
Die war zu den Zeiten des Sofrates
wenig oder gar nicht in Wehen befantz und we
nn
fie befant war; fo fonte Sofrates daß, wa
s er
nad 9. G.Bermuthung getadelt haben foll, des
:
wegen nicht tadelny weil er die Erfh
einungen,
bedcutungsvolle Träume, Snfpirativn, Vorher
s
verfündigung und Weifagung fünftiger Bege
benz
heiten eben fo ftarf glaubte, als diePytha
goreer
daran geglaubt haben follen.
enophon hatte
über alle diefe Gegenftände einerley Denfung Sa
rt
mit feinem Lehrer,
und diefer Umftand iff einer
vonden Gründen, warum wir den ange
blichen
Brief des Eenophons, auf welchen Hr. Ge fich
beruft, und worin dem Plato die Li
ebe der Te
ed-
Taosc PidoroDias des Pythagoras vorgeworfen
wird,
nicht fiir Acht halten.
Wenn aber auch
der Brief vom Zenophon und der darin
ne Zabel vom Sokrates felbjt
der Ausdrud abenthenerliche
genommen
werden,
cine Weltweisheit,
enthalte»
wares fo fonte doch
Philofophie nicht fo
tie Hr.
G.
ibm
nimes
für
die Träume, Erfcheinungen,
Wunder 1. f, tv. vertheidigte: fonder
n man müfte
abentheuerliche Weisheit durch cine den
Gofrati
Then Meinungen mehr entf
prechende Auslegung
+ | fiir eine Samlung fold
er Lehrfase halten, die
nach dem Urtheile des At
henienfifchen Weltweifen
über unfere Kräfte waren. —
iveder YOK noch zu ben
Es
waren alfo
Seiten des Sofrates Be
e
as |eriiger in Griechenland, die fich für Pyth
agoreer
musgaben,
und auch Sofrates Deftritt di
e wahren fo wenig als die falfchen
Porbagorcer,
Plato
Page 25
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)VI. Sententiofa VetuftiT. Gh
omic
, quorundam
Plato half der in Griechenland entw
eder it
Berachtung oder Vergeffenheit ge
funfenen Pythagoreifchen Philofophie nicht
wieder auf;
fondern
er frug nur etwas dazu bei,
fie auszubreiten, da
man fie vorher in Griehenlatd,
befonders in
Athen entweder gar Nicht, ‘oder nu
r wenig gefant
hatte. —.
Ware Hrn. Gy die Abhandlung de
s
Plutarchs über den Genius de
s Sofrates ben
feiner Ausarbeitung in die Hä
nde gefallen; fo
würde er aus diefer in manche Be
trachte wichtiz
gen Schrift, (bofonders” von E, 10
28 21040,
Vol, II, Ed. Stephani) feinen Se
geriffe Bermuthungen ter
fer mehr als une
der wahren Zuftand
und die Schickfale der Pythag
oreifhen Philofophie in Griechenland zu den Ze
iten des Sotrates
und Plato haben geben Ester Mus dief
er Schrift
erhellt, daß zu den Zeiten des Sokrates und Pla:
to Feine ftarte Verbindung swifthen It
alien und
dem cigentlichen Griechenlande war,
weil die Pye
thagoreer in Stalien eine lange Beit von de
mas
Metapontuin entfiohenen LHfis Niches hörten, un
d
nur von ohngefähr durd den aus Grie
chenland
nach Sicilien fhiffenden Gorgias erfuhren, da
ß
ihe theurer Ordensbruder fich in Theb
en beynt
Epaminondas aufhalte,
Man fiebt ferner baraus, dag felbft nach dem Allgemeine
n Aufitande
aller italiànifchen Staaten und Städte
gegen die
Pythagoveifchen Gefelfchaften (Etagay) fic) mu
d)
febr vicle:angefebene und reiche Mitglieder des
gerftörten Bundes it Stälien
aufgehalten,
und odiefe wiederum befonders durch den vere
tungswurdigey Ly fis viele Freunde in Gtichene
land
Page 26
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)land. erhalten hatten, daß endlich die Pythagos
reer diefer Zeiten an Weifagungen, Träume, Ets
fiheinungen, und fogar an Hervorrufung abgefohiedener Seelen glaubten, und diefer Schwär:
mereyenungeachtebnicht-das geringfte von ihrem
gtofen Anfehen werlohren..
Die Pythagoreer,
erzähle Plutard, die bisher durch, immer forte
daurendeAufftände und birgerlichellnruben waren
abgehalten worden,
ihren Bruder Lyfis in. Gries
Henland aufzufuchen, erfubren es endlich ourch
Traumgefihter,
daß ev geftorben wares
fie
fhicten daber einen jungen Mann aus ihrer Gez
fellfchaft, Theanor, mit reichen Gefhenfen nach
Theben ab, um den Epaminondas für die Sorge
falt, womit er des Ly fis bis an feinen Tod.gepflegt batte, gu belobnem, und zugleich die Refte
ibres verftorbenen Freundes nach Stalienberüber
mi
zu bringen..
Tbeanor eilte gleich nach feiner Mune
Eunft in Theben an die Nuheftätte des Lyfis,
opferte an feinem Grabe, alg an dem Grabe eis
nes Helden, und forderte. in der Finfternis. det
Rat, die abgefchiedene Seele auf, vor ihm gu
etfcheinen.
Er fab zwar Cfezt er beym Plutarch
hinzu) den entbundenen Geift nichts
allein er
glaubte, cine Stimnte su hören, die ihm zurief;
das unbewegliche nicht zu bewegen: (ra. azoto,
pan cier) für die Beftattung feines Leichnamg
‚hätten die
binterlaffene Freunde
geforgt:
und
| feine Seele fey fon in ein neues: Leben einges
‚ gangen. —
Mit allen diefen Nachrichten ift
die dur Gaufler und
den
Sokrates
bewirkte
Berachtung der Pythagoreer, und die Wiederherftel-
Page 27
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)berftelfung ihres Anfebns durch den Plato, die
Pt, Gannime, unvereinbar,
II,
Endlich fehen wir nicht recht cin,
was
Hr
Gumit dernicht genug beftiinten NedenSart fa:
gentvolle: das goldene-Gedichtfey aus den Eleufis
nifen Mynifteried ausgeflofen,:
fey aus den
heiligen Geheimniffen der Coves genominen wore
den. — > Ev will nicht; wie esifcheint, bee
haupten, daß das goldene Gedicht! urfprünglich
eine von den geheimen Schriften war,
dergleiz
chen in mehrern Myfterien + wahrfcheintlich auch
in
denen 3h
Eleufis aufbewahrt wurden,
und
daß es nur von dem: ehitgeweihten Pythagoras
allgemein‘ befant gemacht worden.
Rielmehr
hält er das Gedicht, fo viel wir errathen Édnnen,
für die Arbeit cines fehralten cingeweihten Dicha
fers,
der ¿mar aus dem Myfterien erhaltene
Kentniffe feinem Gedicht: einverleibte, aber dies
Gedicht nicht für die Myfterien: und deren Vor
fteber, fondern fürs ganze Volk zum allgemeinen
Unterricht verfertigte. - WolteSr. G. dies Le;
tere fagen, fo feben wir niche ein, warum erbfog
aus dem Grunde, weil ein’ Gedicht" aus dew
Myfterien entlebnte Rentniffe enthält, ein folches
Gedichtreinem Altern Pythagoreer abzufprechen
nöthig findet,
Unferm Urtheile nach fónte-c8
fehr wohl mit einander beftehen, daß cin Gedicht
in Anfehung feines Inhalts, mit den gebeimen
Lehren det Myfterien übereinftimte,
und doch
einen Pothagoreer zum Verfaffer hatte. Warcır
nicht alle alten Philofophen diefer Schule Dich:
Page 28
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)ter, und zugleich die gröften Berehrer der Myfterien? Selbft dawider aber laffen fic) noch erbebliche Einwendungen machen: daß der Inhalt
des goldenen Gedichts mit dem Inhalt der My
ferien einerley fey, und daß deswegen die Lehrem
der
erftern nur aus dem leztern
fónten.
entlebnt fey
Das goldene Gedicht ift griftentheils
moralifhen Inhalts, von den Myfterien hinges
gen iff es nod) ungewif,
ob man Regeln des
Wohlverhaltens darin vorgetragen habe, (Meis
ners phil. Schriften 3. Th. S.307.) Die Lehrer
von der Unfterblichkeit der Seele, von der Une
náberung und demyHinauffteigen zu Gott, die
das goldene Gedicht enthält, werden ¿mar im
gewiffen Zeiten in den Myfterien verfiindigt, eS
fragt fich aber noch, wenn man angefangen haz
be, diefe Grundfäze in den Myfterien vorzutras
gen, ob fie von den Myfterien in die Philofo=
phie, oder von der Philofophie der Griechen in
ihre Myfterien gekommen feyn? Wenn man aber
auch die Einerlenbeit des Inhalts der Myfterien
und des
goldenen Gedihts sugàbe;
daraus
noch
nicht,
fo folgte
daß das leztere aus bent
erftern genommen fepn müße, weil diefelbigen
Lehren auch in den Schriften und Schulen mehrer
Philofophen mitgerheilet wurden.
Nur etft alse
denn würde man mit Hrn. G. aus der Aehnlichkeit des Inhalts des Gedichts und derMyfterier
auf die Entftehung des einen aus den anderır
fepliefen fónmen, wenn man vorher bewiefer
hatte, daß das goldene Gedicht aus einem fo
boben Wlterthum abfiamme, in welchem die Leb=
KR. Phil. Bibl. 2B.
Page 29
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)ren, die es enthalte, nirgend anders woher, als
aus
ben
‚Eleufinifchen Gcheimniffen
gefchäpft
werden Éonten.
IV. Wenn nach den bisher von ung mitgetheilten Bemerkungen Hr. G. oder einer unfter
Lefer uns um unfere Meinung über den Verfafe
fer und das Alterthum des Gedichts fragen fuites
fo würden wit antworten, dag wir es nicht nur
für ein von den Pythagoreern aufgenommeneg,
fondern auch für ein von irgend einem Pythagoreer werfertigtes Werk halten.
Wenn wir auch
den Zeugniffen der neuern Platonifer und andrer
jüngern Schriftfteller gar nichts trauten, fo mire
de doch bas Anfehen der vier gröften Philofophen
und Gelehrte
des
n Aleerthums, eines Ebrofipps,
Septus, Galens und Plutarchs fo viel über uns
vermögen,
daß wir das goldene Gedicht nicht
ohne die triftigften Gründe einer Schule abfpràe
chen, dev v8 von allen zugefchrieben wird, Ueberdem liegen in dem Inhalte des Gedicht mehrere
Beweife feines pythagorifehen Urfprungs, deren
Auseinanderfesung uns aber jest
gu meit führen
würde...
Go ¿uverfichtlico und entfcheidend wir
aber auch von dem Verfaffer des Gedichts reden,
fo wenig wagen wires, den Nahmen des Dichters, oder bas Zeitalter, wenn es gemacht wore
=.AL
den, genau zu beftimmen.
Wenn wir allein auf
die Zeugniffe derjenigen Schriftfteller, die das
Gedicht anführen, zuviel fehen; fo fiheint es
nicht unwahrfcheinlich,, daf es von einem Altern
Pythagorecr, der entweder vor, oder ju dem
Bele
Page 30
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Seiten des Plato lebte,
herrühre.
99
Bergleichen
wir hingegen die Sprache des Gedichts mit der
=)
cy
fhen Dichter, und feine Lehren mit den Grundght
fügen der Pyrbagoreifhen Schule, die Ariftote=
89]
les uns aufbebalten hat;
teu
umbin, es für das Werk cines derjenigen Pythahe
Sprache dev Altern Eleatifchen und Pythagoreigoreer zu halten,
Plato lebten.
fo fónnen wir nicht
die nach dem Ariftoteles oder
Den Verfen fehlt der harmonifche
Rychmus, und dem Ausdrud die altliche Pracht,
wodurch fic)
die Fragmente eines Xenophanes,
Empedofles u. f. w. auszeichnen. Die Deutlichkeit
und Beftimtheit der Sprache fcheint ein Zeitalter,
zu verrathen, in welcher die Griechen fihon lange
philofophirt und
einen
gewiffen Vorrath von
philofophifchen Wörtern erhalten hatten,
Die
Gedanken und Lehren felbft müffen auch demjez
nigen,
der die Grundfase der altern Pythagor
Teer mit denen der
lezten
verglichen hat,
mehr
diefer als jener würdig fheinen: fie find für die
erften Pythagoreer, wo nicht zu fharffinnig und
philofopbifch, wenigftens zu nackt und allgemein
ausgedrücdt
Wir zeigen bier nur blos die Verfe
an, in welchen folche Gedanken und Ausdrüde
vorkommen, die ben fpätern Zeiten der Pythae
goreifhen Schule
weit eher,
entfprechend fcheinen,
20,
als den álteften
Diefe find B, 12. 8, 17-
B. 37.54. 55. 63-65. 69.70.
Der Raum
verbietet uns aber, cine detaillirte Prüfung dies
fer Verfe anzuftellen,
Was Hr. G. in dem übrigen Theile der Abhandlung über den Zweck des Gedichts, über die
falfde
Page 31
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)falfche Uuslegungsart des Hicrofles und Über den
Inhalt der erften Verfe fagt, ift groftentheils eben
fo wichtig gedacht, als gut
ausgedrückt,
Am
meiften aber haben ung feine Anmerkungen zum
Gedicht felbft gefallen. | Sie find von einer dope
pelten Art: in den erftern werden die Lesartem
der Handfchriften und Ausgaben, mie die Konjefturen der Herausgeber gefamlet und geprüftz
in andern Bemerkungen hingegen erklärt er die
Bedeutung einzelner Ausdrücde und den Zufams
menhang der Gedanken des Gedichte.
Er hat
in diefen eben fo viel glücklihen Scharffinn als
in jenen Rentnis der Sprache, Fleiß und Genauige
Feit beriefen.
Wir berufen uns bier nur auf die
Bemerfungen zu BV. 16. 39.47. u. 48. (die er mit
Recht für eingefchoben halt.
Was Sr. G. über
die Terganrus fügt, befriedigt nicht.) 51. 57. 66.
Nur allein den 64.8. legt. Hr. G. unferm Urtheile
nad) nicht richtig aus.
ieca ŒQuoic ift nicht die
mit der göttlichen verwandte Natur des Menfchen,
fondern die Natur des Ganzen, die nicht nur vor
den Philofophen, die darunter die gdttliche Borfebung verftehen, fondern felbft vom Epifur isea Puris genant wird,