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Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)MUSIK IN DER MEDIZIN
Beiträge zur Musiktherapie
Herausgegeben von
DR. MED. H.R. TEIRICH
unter Mitarbeit von
Eva F. BRANHAM-RUDHAYAR, Santa Monica/Calif.
Pror. C. Brescen, Salzburg - Dr.M. und Dr. F. BRUNNER-ORNE, Boston
Pror. Dr. G. Destunis und Dr. R. SEEBANDT, Berlin
Pror. Dr. R. Dreıkurs, Chicago - Dr. H. GıLtAy, Den Haag
Pror. L. R. GroTE, Glotterbad - Dr. H. Irrıng und L. BENEDICT, Los Angeles
Dr.K. König, Aberdeenshire/Schottland - Dr. P. J. Moszs, San Francisco
Dr. H. Perkı-WoLpe, Graz - Pror. Dr. I. H. Schurtz, Berlin
Pror. Dr. J. SCHUMACHER, Freiburg i. Br. : Doz. Dr. B. Stoxvıs, Leiden
Dr. H. TEirICH-LEUBE, Freiburg i. Br. - Dr.H. Teikıch, Freiburg i. Br.
Dr. W. TRÄNKLE, Mannheim - Dr. H. WEnDT, Leipzig.
Mit 8 Abbildungen
GUSTAV FISCHER VERLAG STUTTGART
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Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)im Licht ihrer naturphilosophischen Anschauungen
Von Prof. Dr. med. Dr. phil. Joserm SCHUMACHER, Freiburg i. Br.
Der Satz, daß Musik und Zahl in der Philosophie der Pythagoreer eine zentrale
Stellung einnehmen, ist nicht nur bei den Musikhistorikern eine feststehende Tatsache geworden. Daß der Pythagoreismus die Entwicklung der medizinischen Wissenschaft entscheidend beeinflußte, steht für jeden außer Zweifel, der von den verschiedenen medizinischen Theorien und ihren Wandlungen, wie sie im Corpus
Hippocraticum, bei PLaron und auch bei späteren Ärzten bis in die Neuzeit hinein
zum Ausdruck kommen, Kenntnis genommen hat. Schwieriger ist der Nachweis der
naturphilosophischen Grundlagen, auf denen die Anschauungen über die pythagoreische Heilbehandlung mit Musik beruhen. Schwieriger ist es aber auch, die einzelnen Theorien auf bestimmte Quellen zurückzuführen, da uns diese letzteren in
etwaigen literarischen Niederschlägen entweder fehlen oder nur in Gestalt erst viel
jüngerer Berichte zu Gebote stehen, die wohl viel Stoff zur negativen Kritik, aber
nur in vereinzelten Fällen die Möglichkeit zu positiver Stellung bieten. Insbesondere
erscheint die in der alten Geschichtsschreibung beliebte Zurückführung aller dieser
Theorien auf einen einzigen Urheber wegen ihrer inneren Widersprüche oft unmöglich. Wir sprechen deswegen meistens von einem älteren Pythagoreismus, der teils
von PyrHacoras selbst, teils von seinen Freunden und unmittelbaren Schülern vertreten wird.
Für unser Thema bedeutende Stellen hat uns JamsLich (de vita pythagorica
liber. Rec. Augustus Nauck, Petropoli 1884) überliefert:
«Er (Pythagoras) glaubte, daß die Musik auch für die Gesundheit von Nutzen ist,
wenn man es nur verstünde, sie in der vorteilhaften Art zu verwenden. Nicht selten
pflegte er von dieser Methode, sich zu läutern (x49poı, =Reinigung), Gebrauch zu
machen. Und tatsächlich bezeichnete er die T'herapie durch die Musik mit einem solchen Namen (x49agcıs). Zum Frühling hin verwandte er eine derartige Art von
Melodien. Er setzte in die Mitte eines Kreises von Sängern einen Leierspieler. Während seines Spieles sangen sie gemeinsam irgendwelche Heilgesänge, die sie in heitere
Stimmung brachten und der Seele Harmonie und Eurhythmie verliehen. Auch in
anderen Lagen bedienten sie sich der Musik als Heilmittel. Sie kannten besondere, sehr
heilsame Lieder gegen seelische Erregungen, gegen Schwermut und Schmerzen,
andere gegen Zornausbrüche, Groll und jegliche Verwirrung der Seele. Es sei aber
auch eine andere Art von Liederkomposition gegen die Leidenschaften erfunden
worden. Auch der Tänze bediente er sich und verwandte als Instrument die Leier,
während er die Flöte verachtete, deren weichen und orgiastischen Ton er des freien
Menschen unwürdig erachtete. Er soll sich auch ausgewählter Aussprüche Homers
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Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)und Hesıoos bedient haben, um die Seele in die richtige Verfassung zu bringen. Auch
wird erzählt, daß Pyrmacoras einmal dank der spondeischen Harmonie der Flöte
laut seiner Quellen unverändert wiedergab. JamBLIcH war nicht nur ein Kompilator,
an diesem Leiden haben die Schriftsteller seines Zeitalters wie an einem Erbübel
meistens gekrankt und dazu auch viele, die älteren Perioden angehörten als sie, sondern er zeigte auch eine kaum glaubliche Nachlässigkeit. Denn bald wiederholt er ein
die Tobsucht eines trunkenen jungen Mannes aus Taormina dämpfte, der zu nächtlicher Stunde im Begriff war, in das Haus der Freundin einzudringen und die Vorhalle anzuzünden aus Eifersucht auf den Rivalen. Unter dem Eindruck eines phrygischen Flötenspielers war er in Erregung und Wut geraten. Sehr schnell hat PyrHaGorAs dem ein Ende gemacht. Zufällig nämlich trieb er gerade Sternenkunde. Er
gebot dem Flötenspieler, in die spondeische Weise überzugehen. Und unverzüglich
kehrte der Jüngling, der in sich gegangen war, ruhig in sein Haus zurück, während
er kurz vorher die Ermahnungen des PyrHaGoras keineswegs vertrug und die Begegnung mit ihm verfluchte.
Als ein Jüngling schon das Schwert gezückt hatte gegen seinen Gastgeber AncHITos,
weil dieser in einer öffentlichen Gerichtsverhandlung den Vater des jungen Mannes
mit zum Tode verurteilt hatte, um in seiner Erregung und Wut den Richter seines
Vaters als einen Mörder zu erschlagen, da gelang es EmPEDoKLES mit einem zur
Leier gesungenen Lied, das Kummer und Groll vergessen machte, seinen Gastgeber
AncnHrtos vor dem Tode und den jungen Mann vor dem Morde zu bewahren. Man
berichtet, daß der Jüngling seit jener Nacht der am meisten von EMPEDOKLES geschätzte Bekannte wurde.
Die gesamte Schule des PyrHacoras vollführte die sogenannte Komposition, das
sogenannte Liedersingen und das Schlagen von Instrumenten, indem sie mit irgendwelchen passenden Liedern die Zustände der Seele in nützlicher Weise in die gegenteiligen Affekte überführte. Wenn sich abends Schüler des Prrmacoras zur Ruhe
begaben, reinigten sie ihre Gedanken von den Wirrnissen und dem lärmenden Getöse des Tages durch irgendwelche Gesänge und besonders geartete Lieder und
verschafften sich auf Grund dieser Maßnahme einen ruhigen Schlaf mit wenigen
und angenehmen Träumen. Wenn sie sich von ihrer Lagerstätte erhoben, dann befreiten sie sich durch besonders geartete Lieder und Melodien von Trägheit und
Schlaftrunkenheit. Bisweilen heilten sie auch durch Singen ohne Worte Nöte,
Krankheiten und Leiden, indem sie diese besangen, und es ist wahrscheinlich, daß
von hier aus die Bezeichnung ‚Zaubergesang‘ in allgemeine Geltung gekommen ist.
So machte Pyruacoras die Formung von Charakter und Lebensführung der Menschen durch die Musik sehr fruchtbar» ($ 110-114).
Auf die Kritik an der Glaubwürdigkeit dieser Ansprüche soll hier nicht näher eingegangen werden. Sie ist an anderer Stelle dargelegt worden (Schumacher, J.,
Antike Medizin, Berlin 1940, S. 34 f£.). Ich stimme aber überein mit den Gedankengängen des obengenannten Herausgebers der vita pythagorica, der in seiner Vorrede schreibt:
«Da viele Schriftsteller vieles überliefert haben über Prruacoras und die pythagoreischen Philosophen, so ist doch der allerergiebigste Zeuge JamBLıcH in dem
Buche, das wir, gestützt vor allen Dingen auf die Florentiner Handschrift, an zahlreichen Stellen verbessert und bereinigt, vorlegen. Der Verfasser des Werkes, der
im Beginn des vierten nachchristlichen Jahrhunderts lebte, hat alles das für seine
eigenen Zwecke verwandt, was er an Berichten älterer Schriftsteller über Prruacoras
vorfand und hat dabei jenes Verfahren eingeschlagen, daß er meistenteils den Wort-
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und dieselben Dinge, ein und dieselben Worte, zwei oder gar dreimal, bald behauptet er, daß etwas von ihm erwähnt worden ist, was überhaupt nicht erwähnt
wurde, bald stopft er zusammen aus verschiedenen Quellen das, was miteinander
nicht in Einklang gebracht werden kann. Wenn wir nicht umhin können, JaMBLICH
als einen sehr minderwertigen Schriftsteller, der kaum das Mittelmaß erreicht, zu beurteilen, so wird doch sein kleines Buch, eben durch den Umstand besonders empfohlen, daß es sehr viel aus älteren Quellen, die keineswegs verächtlich sind, enthält,
was uns versagt wäre. JAmBLICH hat vieles Unglaubliche über PyrmuAaGoras überliefert, viel Widersinniges. Aber er hat auch sehr kostbare Reste von gewissen peripatetischen Philosophen und Geschichtsschreibern erhalten, und wir müssen sein
Buch um so höher einschätzen, je sklavischer er den Kompilator spielt und lieber
fremde als seine eigenen Schätze vorlegt.»
Wir kommen mit diesen Betrachtungen in die Zeit, die man mit Recht die Periode
der Zeugung und der Geburt der medizinischen Wissenschaft genannt hat. Es ist die
Zeit der Denker der griechischen Frühantike. Die Zeit, in der nicht nur die Geburtsstunde der wissenschaftlichen Medizin zu suchen ist, sondern der Beginn des abendländischen wissenschaftlichen Denkens überhaupt.
Überblickt man die Gesamtheit der Ergebnisse des Forschens aus zweieinhalb
Jahrtausenden, die seitdem vergangen sind, dann möchte man es wohl ohne weiteres als selbstverständlich annehmen, daß die Medizin am Ende dieser langen Zeitspanne mit der an ihrem Anfang stehenden in keiner Weise verglichen werden
kann. Und es ist schon richtig, wenn man von der medizinischen Wissenschaft zur
Zeit der griechischen Frühantike sagt, daß sie sowohl hinsichtlich der Krankheitslehre wie auch im Hinblick auf die Therapie in den Kinderschuhen steckte. Ja, ich
möchte sagen: Wir Heutigen können uns die Medizin jener Zeit gar nicht primitiv
genug vorstellen!
Denken wir doch nur einmal daran, daß der Arzt von damals sozusagen gar keine
Ahnung hatte von der Lage der Organe und noch weniger von ihrer Bedeutung; daß
man die Lunge zum Beispiel als ein schaumiges, feuchtes Etwas ansah, daß man annahm, die Arterien seien immer blutleer. Solche Beispiele, die sich noch um viele
vermehren ließen, machen es uns schwer, eine derartige Medizin als wissenschaftlich
zu bezeichnen. Und doch gebraucht auch der große ParAczısus einmal den Ausdruck: «Wann hat die Heilkunde höher gestanden als da HırpokrATEs war?» Und
es gibt nicht wenige, gerade unter den großen Ärzten der Jetztzeit, die im Hinblick
auf jene ärztlichen Denker der griechischen Frühantike sagen: «Wir seien seitdem
nicht reicher, sondern in mancher Beziehung ärmer geworden.»
Woher kommen, so wird man doch fragen müssen, diese Widersprüche?
Wenn man die tiefen Fragestellungen gerade der allerletzten Zeit mit den Fragestellungen der Alten vergleicht, dann erkennt man mit Staunen, daß sich zwischen
beiden viele Berührungsflächen ergeben. Das gilt auch im Hinblick auf die Themen,
mit denen sich dieses Buch beschäftigt. Man kann geneigt sein, die Ansichten der
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Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)zip des abendländischen, wissenschaftlichen Denkens? Vor allem aber: Was haben
sie mit der Medizin zu tun?
damaligen Zeit als die einzig mögliche Antwort auf die antiken Fragestellungen
anzusehen! Ich möchte noch weitergehen und sagen: Die beste Einführung in die
moderne Problematik der Medizin stellt das Studium der so primitiven Medizin der
Für ihr Verständnis ist es erstens notwendig, sich des Unterschiedes bewußt zu
werden, den diese neue Art des Denkens gegenüber der bis dahin üblichen hatte. Es
Alten dar. Ja, dieses Studium enthält entweder den einzigen oder aber den einzigartigen Schlüssel für das Verständnis der inneren Entwicklung der Ansichten über
ist zweitens notwendig, die Sätze näher zu interpretieren, die ARISTOTELES, der
jenen Denkern noch viel näher stand als wir, in diesem Zusammenhang selbst geäußert hat.
Gesundheit, Krankheit und Heilung, und zwar in allen folgenden Perioden bis auf
die heutige Zeit.
Das Geheimnis dieser — auf den ersten Blick — scheinbaren Widersprüche liegt
Über das Denken der Menschheit vor der Zeit der Naturphilosophie und außerhalb von ihr haben wir nicht allzu viele Zeugnisse. Immerhin können wir uns ein
Bild davon machen, wenn wir sagen, daß es allem Anschein nach — wenigstens im
darin, daß diese Denker nicht einfach am Beginn einer neuen Weise des Forschens
standen, sondern daß sie dem neuen Denken Begründung, Antrieb und Ziel gegeben
Lande der Griechen — nicht allzu verschieden war von jenem Denken, das wir bei
heutigen primitiven Völkern antreffen. Ich will es in diesem Zusammenhang nicht
unterlassen, darauf hinzuweisen, daß bei den Chinesen und Ägyptern und anderen
Völkern schon gewisse Anklänge an die Sätze der griechischen Denker bestanden
haben. Was sie konzipierten, waren die Prinzipien eines neuen Denkens. Das Wort
Prinzip hat man dabei in der ganzen Doppeldeutigkeit zu nehmen, die ihm zukommen kann, nämlich als Beginn und als beherrschende Kraft des Denkens und Forschens. Die Prinzipien der Alten wurden auch das Beherrschende, wurden das, was
nicht nur dem Sein als Formendes und Gestaltendes, sondern auch dem Erkennen zuhaben, ohne aber jene scharfe Formulierung und jene Fruchtbarkeit aufzuweisen,
die den Griechen eignet.
In dieser vorwissenschaftlichen Zeit sah man das bunte Allerlei der Natur mit all
grunde lag. Und hier liegt die einzigartige Bedeutung der Prinzipien der Alten.
Sie gaben die Begründung! Auch dieses Wort in seiner zweifachen Bedeutung geseinen Verschiedenheiten und Eigenheiten so, wie die Sinne es darbieten. Man nahm
nommen: Sie setzten den Beginn und zugleich den Grund, auf dem das neue Geschaft verständlich zu machen. Die Schwierigkeit liegt in mancherlei Faktoren.
Erstens in der — ich möchte sagen — Unmöglichkeit, sich in die Anschauungsweise
der Zeit vor dem Beginn der wissenschaftlichen Medizin hineinzudenken. Zweitens
in der Tatsache, daß wir heute anders denken. Es ist für den Menschen fast nichts
schwerer, als sich selbst gleichsam außerhalb seiner selbst zu stellen und in fremden
Anschauungsweisen zu denken. Die dritte Schwierigkeit - und das ist scheinbar die
kleinste, in Wirklichkeit aber die größte — besteht darin, daß die Anschauungsweise
der Alten scheinbar, und dieses scheinbar ist zu betonen, so leicht verständlich ist.
Man sieht hierin überhaupt keine Probleme. Man bemüht sich gar nicht weiter
darum, in die Tiefe zu gehen. Derjenige aber, der meint, mit dem Verständnis der
Alten so leicht fertig werden zu können, wird niemals dahin gelangen einzusehen,
inwiefern die naturphilosophischen bzw. kosmologischen und vorlogischen Überlegungen dieser Denker etwas zu tun haben könnten mit wissenschaftlicher Medizin.
Wir wissen, daß der Hauptsatz, den ArısTOTELES von THALEs, dem ersten Denker
dieser Art, berichtet, dem Sinne nach lautet: Das Prinzip aller Dinge sei das Wasser.
Ein Satz, den man auch ausdrücken könnte: Alle Dinge seien im Grunde Wasser.
In ähnlicher Weise berichtet ArıstoTEL£s in der Kritik seiner Vorgänger: ANAxI-
MENES und später DIOGENES von ApoLLonta hätten den Satz aufgestellt: Alle Dinge
seien Luft. ANAxIMANDER habe behauptet: Das Prinzip aller Dinge sei das Apeiron,
das Unbestimmte. HERAKLIT sei der Auffassung, das Prinzip aller Dinge sei das
Feuer. PrruaGoras sagte, das Wesen der Dinge sei die Zahl.
Was fangen wir nun mit solchen Sätzen an? Was ist an diesen Behauptungen von
so bewundernswerter Größe? Was an ihnen gibt uns Anlaß, uns heute noch damit zu
beschäftigen? Inwiefern beruht in ihnen nicht nur der Beginn, sondern auch das Prines als solches eben hin. Die große Konzeption der neuen Denker aber bestand in dem
nern
bäude aufgerichtet werden konnte.
Es ist nun nicht leicht, das Denken dieser Begründer der medizinischen Wissen-
$
Axiom: Dasjenige, was wir als Vielheit sehen oder das, was uns die Sinne als eine
Vielheit zeigen, ist in Wirklichkeit eine Einheit! Die Stoffe, die wir als verschiedenartig voneinander unterscheiden, sind in Wirklichkeit nur die wechselnden Formen
ein und desselben Urstoffes.
Wir verspüren sofort etwas von der Großartigkeit dieser Konzeption! Denken
wir doch daran, wie die moderne Chemie auf diesem Grundgedanken von der Einheitlichkeit des Stoffes beruht. Wir denken sofort an die Behauptung, derProur zum
ersten Male Ausdruck gab, daß die Atome aller Elemente aus Wasserstoffatomen
aufgebaut seien. Ja, selbst an die modernsten naturwissenschaftlichen Theorien können wir erinnert werden. Es kann allerdings auch nicht mehr sein als eine Erinnerung. Es muß nämlich als durchaus abwegig bezeichnet werden, wenn die Behauptung aufgestellt wird, daß die Alten gleich im Anfang alle Annahmen der späteren
Wissenschaften gleichsam schon vorweggenommen hätten! In Wirklichkeit sind die
neuen Thesen auf durchaus anderen Wegen gefunden worden. Mit dem Gesagten
soll nur angedeutet werden, wie mit der neuen Art des Denkens, die sich in den obigen Sätzen: «Alles ist Wasser, alles ist Luft, alles ist Zahl» usw., offenbart, tatsächlich
die Grundlage gegeben war für eine Art des Forschens und Sehens, die wir wissenschaftlich nennen. In Wirklichkeit nämlich war die Weise, wie die griechischen Naturphilosophen die Welt sahen, eine von der modernen durchaus verschiedene. Wer
diesen Unterschied nicht sieht, verfälscht und verkennt das Denken der Alten. Gerade hier ist ein Punkt, wo die Gefahren offenbar werden, von denen ich eben
sprach: Die Gefahr nämlich, entweder aus modernen Begriffen zu deuten oder alles
zu sehr zu vereinfachen. Beides aber würde dazu führen, seine Rolle in der Weiterentwicklung der Wissenschaften im allgemeinen und der Medizin im besonderen zu
übersehen. Insbesondere würden aber die Beziehungen zur heutigen Problematik
verkannt.
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Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Die höchste der Wissenschaften aber fragt nach der ersten Ursache, auf die die andoch eine Art Raum, also nicht Materie, aus der etwas werden kann: eine für uns
fast unvorstellbare Vorstellung. Er ist dennoch etwas Rezeptives, etwas Empfäng
es
insofern
und
wenn
etwas,
liches, etwas Aufnehmendes. Dieses Nicht-S eiende wird
am Sein teilnimmt. Anders ausgedrückt: wenn es von einer E orm durchdrungen wird,
der das Sein allein zukommt. Diese Form heißt bei PraTon die /dee. Sie ist das ein-Seiende.
i
deren sich zurückführen lassen. Und eben diese ist die den der Dinge, die causa
substantialis, die Substanz, der Urstoff.
Wenn ich sage, daß anstatt des Namens Substanz andere den Begriff der Form
haben, daß diese wiederum nichts anderes ist als die Zahl, der Arithmos der
PYTHAGOREER und die /dee Prarons, und daß bei Arısrorsıss selbst anstatt des
Namens Substanz oder Form der Ausdruck Psyche gebraucht wurde, was wiederum
gleichbedeutend ist mit Leben, dann wird ohne weiteres klar, wie vieles auch von
7
encore war es der Nous, der Geist, der die Dinge bildete. Dieser Nous
formte die Materie. Bei Herakıır war es der Logos oder — was bei ihm dasselbe
den gleichzeitigen oder späteren medizinischen Doktrinen bis hinauf zum modernen Vitalismus mit diesem alten Begriff der Substanz in innigster Verknüpfung
au
ist — das Feuer.
die aus der Form
Materie,
die
nur
nicht
Arche
die
war
en
JonIERN
sogenannt
den
Bei
gebildet wurde, sondern auch die Kraft, durch deren Wirken die Dinge und ihre
steht.
Dieses Substanz-Denken ist seit den Konzeptionen der griechischen Frühantike
Form gestaltet wurden.
Eine Zwischenstellung nehmen die PYTHAGOREER ein. Bei ihnen gab der Arithmos,
das Charakteristikum des abendländischen Denkens geworden.
Aber folgende Unterschiede seien beachtet: Substanz war im Denken des Mittelalters und der Neuzeit mehr eine Abstraktion. Sie wurde also durch das Abziehen
die Zahl, dem Nichts, das heißt der Materie, das Sein. Die Zahl war das formende
und gestaltende Prinzip. Die Zahl durchdrang und bildete die Materie. Dabei müssen
des Sinnlich-Wahrnehmbaren vermittels der Funktion des Verstandes gewonnen.
Es war ein Absehen von allem Qualitativen.
Im Denken der Frühantike dagegen war sie etwas mehr Reales, das auch den
wir das Bilden ganz wörtlich nehmen.
Gerade an Hand der Vorstellungen der PrrHAGOREER können wir am leichtesten
Qualitäten der Dinge das Sein gab. Sie war trotz der Unsichtbarkeit etwas geradezu Plastisches.
Und das ist es, was wir heute nur noch schwer nachdenken können, das wir aber
dennoch versuchen müssen, wenn wir das abendländische Denken in seinen Prinziden Sprung in das völlige Anders-Denken der damaligen Zeit mitvollziehen. Und
gerade hier vermögen wir auch am besten den Einfluß nachzuweisen, den das neue
Denken auf das Werden der Wissenschaften im allgemeinen und der Medizin im beha
sondern auszuüben vermochte.
primiung
der
Umwandl
der
Form
zweite
eine
Mit dem Pythagoreismus beginnt
Wissenschaft verstehen lernen wollen.
tiven Denkweise in eine wissenschaftliche.
Die erste Umwandlung, die wir nur angedeutet haben, vollzog sich - um es noch
pien, unser eigenes Denken und auch die tiefste Problematik unserer medizinischen
Wir sagten, daß das Substanz-Denken seit den Konzeptionen der griechischen
Frühantike zum Charakteristikum des abendländischen Denkens geworden sei.
Interessant und zugleich außerordentlich bedeutungsvoll ist für unser Versteheneinmal ins Gedächtnis zurückzurufen - in der Denkweise der Philosophen, die man
fälschlicherweise unter dem Namen «Jonische Schule» zusammenfaßte. Es sind dies
'THALES, ANAXIMANDER und ANAXIMENES.
Die Eigenart, die wir als die erste Form des Anders-Denkens bezeichnen, besteht
darin, daß sie dem Werden und Vergehen einen Urstoff zugrunde legten. Dieser Urlernenwollen die Tatsache, daß die Substanz, das Hypokeimenon der Griechen, noch
einen anderen Namen hatte: den Namen Form und Idee nämlich.
Was Form ist, bzw. was sie für die Alten war, kann man nur erklären, wenn man
den Gegenbegriff von Form zugleich mit in die Betrachtung einbezieht. Der Gegenbegriff, das Korrelat zur Form, ist der Stoff. Dabei darf Stoff nicht als das gedacht
werden, als das ihn unsere Chemiker und Physiker denken. Für diese stellt er sich nur
stoff wurde Anfang und Prinzip dieses Werdens. Er wurde zugleich auch der Stoff,
aus dem alles wurde und in den hinein alles wieder verging. Die Größe ihrer Tat
kann in zwei Sätzen ausgedrückt werden: Mit der Einheit des Prinzips war der Einheitsgedanke gegeben, in dem die eine Voraussetzung aller Wissenschaft gesehen
als eine andere Weise der Kraft, als ein Kraftfeld dar. Stoff im Sinne des Arısrowerden darf. Aber auch das zweite Prinzip aller Wissenschaft, die immanente Gesetzlichkeit, war gegeben, denn die Einheit des Prinzips, gemäß dem alles Werden
und Vergehen vor sich geht, war nur eine andere Fassung des Gedankens, daß allem
TELES war das, woraus etwas wurde, wenn die Form ihm zukam.
Als Beispiel könnte man den ungefügen, unbehauenen Marmorblock nehmen, aus
dem die Statue wird, wenn der Künstler die Form hineinbringt. Aber damit kommen
Geschehen eine immanente Gesetzlichkeit zugrunde liegt.
Der Mangel dieser ersten Form des neuen Denkens war begründet in seiner Einheitwir nicht zum wirklichen Verstehen. Der Stoff ist bei ArısToTELEs träge, formlos,
leblos. Er ist aber nicht absolut formlos. Er hat schon irgendeine Form, auch bevor
der Künstler ihn gestaltet. Er ist aber nur relativ formlos, das heißt im Verhältnis zu
dem höheren Sein, das er durch das Empfangen einer höheren Form erhält, wenn der
Künstler ihm die Form, die Idee gibt, die ihm vorschwebt.
PraTon war der Lehrer des ARISTOTELES, also nur eine Generation älter. Aber er
war dem ursprünglichen Denken eine ganze Stufe näher! Für Praron ist der Stoff
lichkeit. Man könnte sie - allerdings nicht ganz zutreffend - mit einem modernen
Wort als «materiellen Monismus» bezeichnen. Sie hätte in ihrer Folgerung zu einer
rein mechanistischen Schau der Welt führen müssen.
Das ausgezeichnete Merkmal des Pythagoreismus ist die Durchführung der Trennung des Stofflichen und Geistigen, die Trennung ihres Verhältnisses zueinander und
die Trennung ihres Einwirkens aufeinander.
Es ist eine ganz eigentümliche Form des Denkens, die dem Verständnis schon
das un dv, das Nicht-Seiende. Er ist qualitätslos, unwahrnehmbar, unbegrenzt und
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Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Musik als Heilfaktor bei den Pythagoreern
einige Schwierigkeiten bereitet. Aber ihr Verstehen gibt uns auch einen tiefen Ein-
Andere Vorschriften lauten: Man solle keine Meerbarben und Schwarzschwänze
essen, keine raffiniert zubereiteten Speisen, also auch keine blähende und überreichliche Nahrung zu sich nehmen usw.
Neben diesen - ich sage mit Absicht «neben», weil wir in unserem heutigen wissenschaftlichen Denken die Gegenstände immer dann besser verstanden zu haben glaubten, wenn wir sie fein sauber nebeneinander in eine bestimmte Ordnung hingestellt
blick in die Art und Weise, wie man in der frühgriechischen Antike an die Lösung
jener Probleme heranging, die die Fragen nach Gesundheit, Krankheit und Heilung
aufwerfen, oder richtiger gesagt, wie ganz allmählich erst die Erkenntnis kam, daß
sich die Dinge, die man bis dahin einfach entweder als Tatsache hingenommen oder
aber auch gedeutet hatte, dem menschlichen Verständnis als Problem darstellen
können.
:
DioGEnEs LAERTIUS hat uns einen Bericht des SosıkrATEs erhalten. Dieser überliefert uns einen denkwürdigen Ausspruch des großen Prruacoras: Auf die Frage,
was er denn eigentlich sei, habe PrruiaGoras geantwortet: Ein Philosoph! Und — so
wird weiter berichtet - er habe das-Leben mit einer Festversammlung verglichen.
Wie nämlich zu einer solchen die einen sich einfänden als Kämpfer um den Preis, die
anderen als Händler, die Besten aber als Zuschauer, so zeigten sich im Leben die einen
als Sklavenseelen, nämlich gierig nach Ruhm und Geld, die Philosophen aber als
Forscher nach Wahrheit.
Die Bedeutung dieses Satzes muß uns zunächst noch völlig unklar bleiben. Es liegt
der Gedanke nahe, den Sinn, den dieser Satz enthält, durch die Heranziehung anderer Aussprüche und angeblicher und wirklicher Lehren des Prruacoras oder seiner
Schüler zu finden.
ARISTOTELES sagt von den PYrHAGOREERN zum Beispiel: Alles ist ihnen Harmonie
und Zahl. Srosaeus berichtet von PyrHacoras: Die Beschäftigung mit den Zahlen
soll er am meisten von allen gepflegt und in den Vordergrund gezogen haben, indem
er sie aus den Geschäften der Händler herausgeholt habe und alle Dinge den Zahlen
unterordnete.
Nehmen wir noch einmal ArısroTELes: Vor LEukıpp und DEMOKRIT beschäftigten
sich. die sogenannten PyrHAGOREER mit mathematischen Wissenschaften und brachten diese als erste voran. Nachdem sie sich ganz in diese eingelebt hatten, hielten sie
deren Archai für die Archai aller Dinge.
Ein anderes ArısroTELEs-Fragment definiert die pythagoreische Ansicht von Gesundheit und Krankheit. Es heißt: Gesundheit sei das gleichmäßige Fortbestehen des
eidos. Das ist nun ein Wort, das sowohl die sinnenhaft wahrnehmbare Gestalt wie
auch das Aussehen, die Form oder Idee im Sinne Prarons, dann aber auch einfach
Beschaffenheit bedeuten kann.
Eine andere Definition gibt Garen: Pyruacoras behauptet: Krankheiten des
Körpers treten auf, weil der Körper zu kalt oder zu warm werde; denn das zu
Warme ist es, was über das Maß hinausgeht, das zu Kalte dagegen das, was hinter
dem Maß zurückbleibt.
Nehmen wir noch einige von den Aussprüchen hinzu, die wir als die diätetische
zu bezeichnen gewohnt sind. Obschon die Diätetik der PrTHAGoREER unvergleichlich viel mehr umfaßt als etwa eine moderne Diät! Es waren Lebensvorschriften, die
für Gesunde ebenso Geltung haben sollten wie für Kranke.
Der wichtigste Ausspruch in dieser Beziehung ist wohl in folgendem Satz enthalten: Luydv um ÖneoBatvew: «Die Waage nicht überschreiten», wobei offenbar Waage
für das Gewogene steht, das immer in der Waage, das heißt im Gleichgewicht bleiben müsse.
9
haben - Vorschriften, die das Materielle betreffen, finden wir Anweisungen für eine
geistige Lebensweise bestimmter Art: Man solle sich nicht hinreißen lassen von Zorn
oder anderen Leidenschaften, man solle nicht das Feuer mit dem Schwerte schüren,
keine Ungerechtigkeiten begehen, auf Genüsse verzichten lernen, oder positiv: Man
solle sich erfreuen an den Wohlklängen der Musik.
Daß das neben, das ich eben brauchte, nicht richtig ist, sehen wir schon an der
Begründung, die DioGEnes dem angeblichen Verbot des Fleischgenusses gibt: Wie
einige sagen, habe Pyrmacoras dieses Verbot erlassen, weil auch auf Grund der
orphischen und seiner Lehre vom Fortleben der Seele in dem Tiere eine Menschenseele leben könne. Das Tier sei mit dem Menschen gleichberechtigt. Seine Tötung ein
Frevel. Er sagt dazu: In Wahrheit verbot PyrmAcoras die Fleischnahrung deshalb,
weil er die Menschen zu möglichster Genügsamkeit im Lebensunterhalt anhalten und
an eine Lebensweise gewöhnen wollte, bei der die Beschaffung der Lebensmittel
keine Sorge machte. Man solle sich deshalb mit ungekochter Nahrung und mit einfachem Wasser zufriedengeben. Das würde auch, so meinte er, den Körper zur Gesundheit, dem Geiste zur Schärfe verhelfen.
Diese Feststellung ist für unser Thema durchaus nicht nebensächlich. Vielfach vertritt man nämlich — besonders bei den Historikern — die Ansicht, daß die ganze
pythagoreische Diätetik nichts anderes gewesen sei als eine Sammlung von Tabuvorschriften, die als solche auf einem Glauben beruht, wie man ihn bei den primitiven Völkern findet.
Pyrmacoras war mehr als ein Medizinmann der Primitiven. Kaum einer hat
mehr dazu beigetragen, daß sich die Medizin zur wissenschaftlichen Heilkunde entwickelt hat. Aber wie finden wir den Zusammenhang dieser diätetischen Vorschriften mit der pythagoreischen Zahlenlehre und der Musik als Heilfaktor? Und wie den
Zusammenhang mit jenem Ausspruch des SosıkRATEs über den Philosophen als Zuschauer im großen Welttheater?
Beim Aufspüren des inneren Zusammenhanges dieser drei Gegenstände unseres
Nachdenkens müssen wir uns mehr denn je hüten, unsere moderne Anschauung an
die pythagoreische heranzutragen. Es ist erstaunlich, wie groß die Anzahl der T'heorien ist, die wir Heutigen uns über die sogenannte Theorie der PYTHAGOREER gemacht haben.
Bei fast allen diesen Definitionen fühlt man die Kälte des modernen abstrakten
Denkens. Ja, man sieht bei einigen ganz klar, wie PyvrHuaGoras ganz moderne Anschauungen gleichsam aufoktroyiert werden, Anschauungen, die erst einige Jahrtausende später nach ihm entstanden sind. Oder aber, wie ihm Ansichten des ArısroTELES zugrunde gelegt werden, die immerhin auch um einige Jahrhunderte jünger sind
als seine. Ein Umstand, der angesichts der überstürzt schnellen geistesgeschichtlichen
Page 8
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Entwicklung - wie sie der Frühantike eigentümlich ist - nicht ganz ohne Bedeutung
sein dürfte,
Fügt man zu der Summe zweier aufeinanderfolgender ungerader Zahlen die
nächste ungerade Zahl hinzu, so ergibt sich bei bestimmter Anordnung immer ein
Quadrat. Zum Beispiel: ı plus 3 = 4:
Also, so könnten wir den Schluß ziehen, müssen wir uns das Denken des PrruaGORAS viel einfacher vorstellen als jene Theorien über ihn aussagen? Der Schluß ist
sicher richtig. Aber nun droht wieder eine doppelte Gefahr: Die nämlich zuerst, daß
II
3
_e_ .|e
apluss = 9: ai: usw. So erhält man die Quadratzahl.
wir diese einfache Anschauungsweise eben wegen ihrer Einfachheit verstanden zu
Die Summe von geraden Zahlen ergibt immer ein Rechteck: zum Beispiel 2 plus 4
ee
haben glauben, ehe wir sie verstanden haben. Zweitens, daß wir uns das Einfache
‚6plus6 = ı2: al 2-12.
Soerhalten wir die Rechteckzahlen.
je]
ihres Denkens nicht einfach genug denken. Es mag - wie schon gesagt - sonderbar
klingen: Nichts ist dem modernen Menschen schwerer als das ganz einfache, primi-
= ER
tiv-anfängliche Denken, das er sich deshalb nur so schwer aneignen kann, weil es
auch wir vor unseren Augen Flächen und, je nach der Anordnung, auch geometrische
gleichsam das Sich-Herausstellen aus sich selber zur Voraussetzung hat. Dies ist
Körper werden. Wir haben damit eine Funktion der Zahl, an die wir mit unserer
modernen Vorstellung von Zahlenfunktionen gar nicht denken.
Versuchen wir, diese Art der Zahlendarstellung einmal nachzudenken, so sehen
aber auch der Grund, weswegen ich hier ausführlicher werde und weshalb an einem
Beispiel klar gezeigt wird, daß das Denken der Alten wirklich ein Denken sui generis, ein Denken ganz eigener Art, gewesen ist. Diese Erkenntnis ist die Voraussetzung
für das Verständnis jeder Epoche der geisteswissenschaftlichen Entwicklung der
Menschheit.
Wir kennen im allgemeinen zwei Arten, Zahlenangaben und Zahlenverhältnisse
Die große Konzeption der PyTHAGOREER bestand nun nicht etwa in der Erfindung dieser Form der Zahlenschreibung, die uralt war. Der Bericht ist im übrigen genauso eine Legende wie der von der Wahrnehmung des Pyrmacoras, daß die Tonhöhe von der Länge der Saiten abhänge. Die große Konzeption bestand darin, daß
sie erkannten: Die Dinge unserer Umgebung sind beherrscht vom Gesetz der Zahl.
auszudrücken. Die eine, die Zahlwörter, Ziffern und Buchstaben, die andere, die
In der Überspannung dieses Prinzips - die für die Zeit des Beginns des wissenschaft-
Linien und Figuren verwendet; die arithmetische also und die geometrische. Beide
Weisen stellen, wenn wir einmal recht überlegen, nicht die Zahlen und die Zahlenverhältnisse selbst dar, so sehr wir auch gewohnt sind, das anzunehmen und zu sagen.
Sie sind vielmehr jedoch nur Symbole von ihnen. Sie stellen gleichsam das Gewand
lichen Denkens charakteristisch war — gingen sie nun so weit, die Zahl zum Wesen
der Dinge überhaupt zu machen.
Wir brauchen hier nicht auf die Streitfrage einzugehen, was sie unter der Materie,
also mehr dem, woraus die Dinge entstanden, verstanden haben, ob es für sie die vier
Elemente gewesen sind oder der leere Raum oder das apeiron, das Unbestimmte des
dar, in das sie gekleidet sind.
ARISTOTELES berichtet uns nun von einer dritten, einer primitiveren Art, Zahlen
ANAXIMANDER. Es genügt für uns die Feststellung, daß für die PYTHAGOREER die
darzustellen. Sie ist einfacher und zugleich wesentlicher. Er spricht von solchen, die
Materie das empfangende Prinzip darstellt, die Zahl, der Arithmos, dagegen das
Prinzip der Formung, der Gestaltung und der Bildung. Die Formung dachten sie sich
als Harmonie, ein Wort, bei dem wir nicht so sehr und allein an unseren musikalischen
die Zahlen in ein Dreieck oder Viereck umwandeln. Es wäre uns unmöglich zu erkennen, daß damit eine andere als die geometrische gemeint sei, wenn wir nicht auch
einen Bericht von NıkomacHus besäßen, der einmal sagt, daß die gebräuchliche
Art der Zahlendarstellung nicht natürlich, sondern nach menschlicher Übereinkunft
Feld begrenzen. Man denke zum Beispiel an die weißen Punkte auf den Dominosteinen. Unsere Gedanken richten sich da zuerst auf die heilige Vierzahl, auf die
Tetrakt’ys, bei der die PrTHAGOREER schworen und die ihnen Quelle aller Dinge war.
Es war die Darstellung der heiligen Zahl Zehn:
Die Zahl besagt: ı plus 2 plus 3 plus 4 = ro. Diese bildet das Dreieck, das wiederum eine Grundform aller anderen geometrischen Figuren darstellt. Mit anderen
Worten: Die Zahl formt und bildet: Das heißt, sie macht das, was vorher ungeordnet
war, gemäß der ihr innewohnenden Geserzmäßigkeit, zu einem Geordneten, zu einem
Kosmos.
Neben dieser sogenannten Dreieckszahl, für die die Tetraktys ein Beispiel darstellt, gibt es die Quadratzahlen und die Rechteckzahlen.
un nn
zustande gekommen sei.
Die natürliche Art sei die Darstellung durch boroi, also durch Grenzsteine, die ein
Begriff Harmonie denken dürfen, obschon diese sicher mit gemeint war. Harmonia
kommt von &guörzeiv: und das bedeutet Fügen. Harmonie war also Fügung, Ineinanderpassung der Bausteine kraft und gemäß der Zahl.
Ein Zweifaches war damit gegeben, das für die Genese des wissenschaftlichen Denkens außerordentlich wichtig werden sollte: Erstens die Einheit, dieses Mal jedoch in
einer Weise, durch die zugleich auch die Verschiedenheit der Dinge erklärt war.
Zweitens die Gesetzmäßigkeit des Geschehens, die auf der Regelmäßigkeit, mit der
die Funktion der Zahl sich auswirkte, beruhte,
Diese Gesetzmäßigkeit war einerseits eine ontologische, eine solche also, die im
Sein und Werden der Dinge wirksam war. Andererseits war sie aber eine noetische.
Das heißt, sie wurde gleichsam ein Werkzeug des Verstandes, das es ermöglichte, so
glaubte man wenigstens, in die Dinge einzudringen und sie zu verstehen.
PyrHAcoras soll auch die Längenverhältnisse der Saiten beim Instrument durch
die Zahlen ı2, 9, 8, 6, 4, 3 ausgedrückt haben, denen die Töne c, f, g, c', g’, c’ entsprechen. Andere betrachten dieses Wissen als ein viel älteres, was auch die Beschreibung
des Achilles-Schildes durch Homer schon zu beweisen scheint. Aber auf Feststellungen solcher Art kommt es hier gar nicht an.
Das Große, das Pyruacoras fand, war die Lehre, daß die Zahl nicht nur herr-
Page 9
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)schendes Prinzip irgendwelcher Einzeldinge und Einzelvorgänge war, sondern daß sie
in einer quasi metaphysischen Auffassung alle Dinge und Vorgänge beherrschte. Und
das war das Große, was er in seiner Schau der Dinge sah, von der der eingangs zitierte
Ausspruch über PyrHaGoras zeugt: Bei der Festversammlung seien am besten die
Zuschauer. Und diese Schau macht die neue Lehre so wirklichkeitsnah, daß wir die
Richtigkeit vieler seiner Wahrnehmungen auch heute noch nur bestätigen können.
Dieses wirklichkeitsnahe Schauen wurde wenigstens zunächst ein dauerndes verifizierendes Grundprinzip, das alles im Natur- und Menschenleben erfaßte. Es ergründete dem Umfang nach ebenso das Wesen der körperlichen Dinge wie das der geistigen. Herrschaft der Zahl über die widerstrebende Materie bedeutete jeweils ebensosehr das Schön-Sein wie auch das Gut- und das Gesund-Sein. Gerade wenn wir diesen
letzteren Gedanken durchdenken, können wir die Ganzheit ihrer alles umfassenden Lehre erkennen, gerade dann gewinnen wir die Einsicht, daß aus den Sprüchen
über das Ideal des Schönen ebensosehr ihre Ansichten über Gesundheit, Krankheit
und Heilung zu erkennen sind wie aus ihrer Ethik.
Wenn wir mit dieser Erkenntnis die diätetischen Vorschriften durchgehen, fühlen
wir mit aller Deutlichkeit, wie der schon genannte Satz: Loydv u Unenßatvev, das
heißt, daß das Maß, die Zahl, all diesen Vorschriften zugrunde liegt. Die Speisen waren einfach, damit der denkende Mensch ihnen nicht mehr Zeit widme, als
ihnen zukommt, wenn er jene geistige Tätigkeit nicht vernachlässigen soll, die zur
Herstellung der Harmonie oder des Idealbildes ebenso erforderlich ist wie sein leibliches Leben. Wie sehr entsprach diese aus der Theorie der Zahl gewonnene Ansicht
der empirischen Wirklichkeit!
So konnte die Zahl tatsächlich zur Grundlage wirklichkeitsnaher Schau werden.
Die ethischen Vorschriften zur Bekämpfung der Leidenschaften dienten genau
demselben Ziel. Und wenn wir später bei Hıprokrares, ja sogar bis in die Neuzeit
hinein die Ansicht vertreten sehen, daß die Elemente des Warmen, des Trockenen,
des Kalten und des Feuchten in einem bestimmten Verhältnis zueinander stehen müßten, daß Arbeit und Schlaf, Anstrengung und Erholung einander zu entsprechen
hätten, oder wenn wir in den verschiedensten Variationen hören, daß jedwedes Übermaß schade, dann spüren wir überall den Einfluß der pythagoreischen Lehre von der
Allgewalt des göttlichen Arithmos, der Zahl.
Auch die von ihnen vertretene Lehre von Gesundheit, Krankheit und Heilung
wird so ohne weiteres einsichtig.
In zweifacher Weise wirkt sich die Zahl im leiblich-seelischen Leben aus: Erstens
durch ihre Herrschaft über die Materie überhaupt, zweitens durch das Verhältnis der
Zahl und der durch sie geformten Einzelheiten des Gesamtorganismus. Gesundheit
war ihre gemeinsame Harmonie, Krankheit ihre Störung. Aus dieser Bestimmung
der Hauptpunkte jeder medizinischen Lehre von der Zahl her ergibt sich von selbst,
warum diePyTHAGOREER den Hauptwert auf die Diaita legen mußten. Diese diente
ja der Erhaltung bzw. Wiederherstellung der Harmonie der Zahlenverhältnisse.
Folgerichtig beziehen sie diese neue Anschauungsweise auch auf das Geistige. Eine
Leidenschaft oder auch nur eine auf niedrige Dinge gerichtete Denkweise sehen sie
als ein Vorgehen an, das geeignet ist, der Materie die Oberhand über die formende
Zahl zu geben.
Musik als Heilfaktor bei den Pythagoreern
13
So erst verstehen wir, daß ihnen die Musik ganz vom Prinzip der Zahl beherrscht
ist, daß Musik ihnen zu einem der wichtigsten Heilmittel wird, um die ordnende
Zahl in den Dienst der leiblich-geistigen Gesundheit zu stellen.
Jetzt wird uns auch die Stelle aus JamsLıch, Kap. 5, $ 64, viel besser verständlich,
die hier in wörtlicher Übersetzung folgen soll: «In der Annahme, daß für die Menschen an erster Stelle die durch Sinneswahrnehmung gemachte Aufmerksamkeit stehe,
wenn einer schöne Figuren und Gestalten sähe, schöne Rhythmen und Lieder höre,
stellte er (Pyruacoras) die musikalische Erziehung mit Hilfe von Rhythmen und
Liedern an die erste Stelle. Durch sie kamen Heilungen menschlicher Charaktere und
Affekte zustande, wurde harmonischer Ausgleich der seelischen Kräfte entsprechend
ihrer anfänglichen Gestaltung bewirkt und Linderung und Heilung körperlicher und
seelischer Krankheiten von ihm erdacht. Und fürwahr, was mehr als alles dies bemerkenswert ist, er verordnete den Leuten seines Umgangs die sogenannten musikalischen Kompositionen, Tondichtungen und Instrumentenspiel und ersann sie, indem er in herrlicher Weise Mischungen von diatonischen, chromatischen und enharmonischen Liedern erdichtete, mit deren Hilfe sie leicht die seelischen Leiden, wofern
sie sich wider die Vernunft seit kurzem in ihnen bildeten und aufkeimten, in die entgegengesetzten überführten und umwandelten: Betrübnis, Zorn, Mitleid, widersinnige
Eifersucht, Furcht, alle möglichen Begierden, Animositäten, heftiges Verlangen, Hochmutsanwandlungen, Schlaffheit, Heftigkeiten. So richtete er jeden einzelnen von
diesen durch passendeLieder wie durch heilsame Arzneimischungen zur Tugend auf.»
Von den sonstigen Behandlungsarten — es waren, soviel wir wissen, nur sogenannte Naturheilmittel, die angewandt wurden - ist uns nur wenig und dieses nur
durch sehr unzuverlässige Quellen bekannt. Es kommt aber auch gar nicht darauf an,
die Einzelheiten zu kennen, die gefunden zu haben den Stolz vieler Historiker ausmacht. Es kommt vielmehr darauf an, die Auswirkung der Lehre von der Zahl
auf die Weiterentwicklung der medizinischen Wissenschaft zu erkennen.
Die Annahme von der zahlbestimmten Einwirkung gab das Mittel an die Hand,
sich in Zukunft immer mehr unabhängig zu machen von der mehr oder weniger allen
Zufälligkeiten ausgesetzten empirischen Forschung. An ihre Stelle trat das systematische, durch ein —- wenn auch durchaus einseitiges — Prinzip geleitetes Experiment.
Wir können uns heute gar nicht mehr vorstellen, wie sich das gegenüber dem bisherigen medizinischen Denken auswirken mußte. Schon der Glaube, daß man nunmehr
die Möglichkeit habe, auf sicherer Grundlage den Zustand des Kranken in seinem
Wesen zu erkennen, diesen Zustand gleichsam auf eine rechnerische Formel zu bringen und ihn durch Mittel beeinflussen zu können, die man theoretisch im voraus festlegen konnte, dies mußte die Zuversicht in die Fortschritte, die jetzt jeder Tag bringen konnte, aufs Höchste steigern. Dies mußte auch den inneren Drang steigern, das
theoretisch Vorhergesagte an der Wirklichkeit zu verifizieren. Und diese ist vielleicht noch höher einzuschätzen.
Daß sich dieses Prinzip der Zahl in Einseitigkeit und Überspitzung oft als unfruchtbar erweisen mußte, konnte dem keinen Abbruch tun. Denn auch die Feststellung der Unrichtigkeit der Voraussetzungen beruhte auf der Tatsache, daß diese
Zahlentheorie gegeben war. Und die Feststellung von Fehlern brachte die Forschung
notwendigerweise dazu, den Blick auch auf die Gebiete zu richten, in denen die Zah-
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Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)lenlehre versagte bzw. versagen mußte. Dies ist zum Beispiel auf dem Gebiete des
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Wir können tatsächlich sagen, daß hier eine Theorie gerade da am fruchtbarsten
wurde, wo sie als solche am unfruchtbarsten war.
L
2 orN
26.
Man hat die letzten fünfzig Jahre die «Periode des heroischen Forschens» genannt.
Was will man damit sagen? Nichts anderes, als daß die Forschungsergebnisse dieser
3
Zeit ein ungeheuerliches, ein geradezu heroisches Ausmaß angenommen haben. Aber
mit demselben, wenn nicht sogar mit einem größeren Recht konnte man gerade jene
erste Periode wissenschaftlichen Forschens die heroische nennen, in der PYTHAGoras,
die pythagoreische Diätetik und die Musik als Heilfaktor eine gewichtige Rolle
spielen.
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I. Die geistige Umwälzung in der modernen Psychologie
Es ist wohl kein Zufall, daß gerade in unserer Zeit die Musik immer mehr in ihrer
psychotherapeutischen Bedeutung anerkannt und praktisch verwertet wird. Denn
heute, in unserem Zeitalter, dem Zeitalter des «atomistischen Chaos», das schon
Nietzsche herannahen sah, vollzieht sich eine stille, aber stetige und mächtige Umwälzung, die man als Sieg der Seele über das sich autonom wähnende Ich bezeichnen
könnte.!
Bahnbrecher dieses Umbruchs war SIGMUND FREUD, der als erster die Macht erkannte, die dem unbewußten Seelenleben innewohnt. Eine Entdeckung, die, im
Prinzip zumindest, bereits die Entthronisierung des Ich bedeutete. Daß der Machtwahn des Ich aber auch schon vor Freup da und dort durch intuitiv begabte Menschen angefochten und in Zweifel gesetzt wurde, erhellt aus Nietzsches Zarathustra,
in dem sich ein Satz wie dieser findet: «/ch sagst du und bist stolz auf dies Wort.
Aber das Größere ist — woran du nicht glauben willst — dein Leib und seine größere
Vernunft: die sagt nicht Ich, aber tut Ich... Hinter deinen Gedanken, mein Bruder,
steht ein mächtiger Gebieter, ein unbekannter Weiser, der heißt Selbst.»
Solche Äußerungen begegnen vor FrEup jedoch nur selten: Mahnungen einsamer
Rufer in der Wüste, die ungehört verhallten.
Erst FrEup war es, der dieser Problematik sein ganzes Leben widmete und auf
Grund seiner praktischen Erfahrungen eine völlig neue Seelenlehre schuf.
Die Psychologie vor FREUD war in hohem Grade eine «Psychologie ohne Seele»
geworden. Eine Tatsache, die sie mit Stolz erfüllte. In bewunderndem Aufsehen
zur Leistung der modernen Naturwissenschaften strebte auch sie danach, eine rein
«objektive» Wissenschaft zu werden. Das heißt: sie war bemüht, von der Höhe
ihres intellektuellen «Ich-Standes» herab auch über ihr «Objekt», die Seele, Objektiv-
Gültiges auszusagen.!
Erst mit FREUD trat die Seele, zunächst nur zögernd und oft noch entstellt, wieder
ihre Rückkehr in die Psychologie an. Freup erkannte das Ich, das sich bisher als
Beherrscher der Seele fühlte, als «das arme Ding», das da zu steuern meinte, wo es
in Wahrheit von unbekannten Mächten gesteuert wurde. Ihm wurde klar, daß das
Ich mit Hilfe seiner «Über-Ich»-Instanz nur allzuoft nicht Förderer, sondern grausamer Widersacher der Seele ist?. Trotz dieser Erkenntnisse sah sich Freup aber
versucht, die Suprematie des Ich und dessen «objektive» Wissenschaft in seine neue
Seelenlehre hinüberzuretten. Das Ich, das jetzt noch schwach war, würde dereinst
seine Organisation über ein immer umfangreicheres «Es»-Gebiet ausbreiten, und
zwar so weit, bis einst alles Ich geworden ist. Und was die theoretische Seite an-