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Pythagoras und die Pythagoreer
WUSSENG, HM
HANS WUSSING
Va 6
Mathematikgeschichte
und dann in Unteritalien einen religiösen Geheimbund gegründet haben, in
dessen Kult Mathematik, Musik und Astronomie eine Decade Rolle
spielten.
Jedenfalls sind von Angehôrigen des Bundes der Pythagoreer, dessen Existenz
unter anderem auch von ARISTOTELES bezeugt wird, bedeutende Ergebnisse
erzielt bzw. systematisiert worden, wenn auch eingebettet in Zahlenmystik
und religióse Dogmen. Zur Erkenntnis des Wahren und zum Eindringen ins
Göttliche bedürfe es der Versenkung in die wunderbaren Gesetze der Zahlenwelt, wie iiberhaupt die Zahlen das Wesen der Welt bestimmten. Und in der
Tat hat alles, was man erkennen kann, eine Zahl. Denn ohne sie läßt sich
nichts erfassen und erkennen — so schreibt der Pythagoreer PHILOLAOS (gest.
um 390 v.u.Z.). (Mit Zahl war hier, modern gesprochen, ganze positive Zahl
gemeint, wobei die | nicht als Zahl, sondern als Urgrund von allem, als „aller
Dinge Anfang“ verstanden wurde.) Die Entdeckung, daß die Harmonien der
Klänge sich in ganzzahligen Verhältnissen von Saitenlängen ausdrücken
lassen, schien jene universale Behauptung zu bestätigen.
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Geometrische Figur zum pythagoreischen Lehrsatz (Griechenland, 1955)
Antike Münze aus Samos mit einer bildlichen Darstellung des PYTHAGORAS (Griechenland, 1955)
Der Lehrsatz des PyTHAGORAS gilt geradezu als Symbol der Mathematik. Man
hat sogar erwogen, auf der Erde eine riesige Figur zum pythagoreischen Sachverhalt anzulegen, um intelligenten Wesen auf anderen Sternen anzuzeigen,
daß die Erde von Mathematik treibenden Lebewesen Hegel ist; schlieBlich
ARISTOTELES (384 bis 322 v.u.Z.). der bedeutendste Denker der Antike (Griechenland, 1978)
muB der Satz iiberall gelten.
PyTHAGORAS (San Marino, 1983)
Man darf annehmen, daß PYTHAGORAS wirklich gelebt hat, etwa von 580 bis
etwa 500 v.u.Z., geboren auf der Insel Samos, gestorben in Metapont in
das Gedicht von Friedrich ScHILLER — seine Heimat. Er soll auf Reisen die
Entkleidet man die von den Pythagoreern erzielten mathematischen Ergebnisse der mystischen Einbettung, so handelt es sich um weitreichende Resultate, die später in die Elemente des EUKLID eingegangen sind. Das sind u. a.
das Studium der Teilbarkeitsverhältnisse der ganzen Zahlen, eine Primzahltheorie, die Theorie der vollkommenen und befreundeten Zahlen, die Theorie
hochentwickelte Mathematik Agyptens und Mesopotamiens kennengélernt
von Gerade und Ungerade sowie eine Proportionenlehre. Die Pythagoreer
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Unteritalien. Doch gibt es keine authentischen zeitgenössischen Angaben über
sein Leben, sondern nur legendenartige Berichte aus sehr viel späterer Zeit.
Danach war PYTHAGORAS Sohn eines Gemmenschneiders und verließ aus Protest gegen die tyrannische Herrschaft des POLYKRATES — man erinnere sich an
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systematisierten Planimetrie und Stereometrie; vermutlich besaBen sie Kenntnis von allen fünf regulären Polyedern. Was nun den Satz des PYTHAGORAS
betrifft, so steht fest, daB dieser Sachverhalt schon weit vorher in Mesopotamien bekannt war; ebenso verhält es sich mit der Verwendung des geometrischen, des arithmetischen und des harmonischen Mittels.
Die Entwicklung der Mathematik innerhalb der pythagoreischen Schule weist
mehrere Perioden auf. Im ersten Abschnitt, von den Pythagoreern als Goldenes Zeitalter bezeichnet, wurde ein in sich geschiossenes Gebäude der Mathematik errichtet, eine auf das Studium der ganzen positiven Zahlen aufgebaute
arithmetica universalis.
.
Aber noch innerhalb der pythagoreischen Schule wurde — vermutlich durch
Hippasos von Metapont (um 450 v. u. Z.) — die niederschmetternde Entdeckung von der Existenz inkommensurabler (irrationaler) Größen gemacht,
môglicherweise am Pentagramm, dem Ordenszeichen der Pythagoreer. Damit
brach die arithmetica universalis zusammen. Der Bund erlosch auf Grund
iiuBerer, politischer Schwierigkeiten zur Mitte des 4. Jahrhunderts v. u. Z.,
erfuhr aber am Ende der Antike eine Wiederbelebung.
Literatur
[1] Lexikon bedeutender Mathematiker. — Hrsg. von S. Gottwald, H.-J. Ilgauds u.
K.-H. Schlote. — Bibliographisches Institut. — Leipzig, 1990
Physik in der Schule
Ein Blick in das Heft 9/1996
H. Joachim Schlichting: Physik — eine Perspektive der Realität. Probleme des
Physikunterrichts (1)
Gerd Riedl: Erkundungen zur Lärmproblematik - ein fächerübergreifender
Ansatz
Jürgen Becker: Spielzeug im Physikunterricht. Die Darda-Bahn, der Zauberspiegel Mirage
Ingrid Dassow: Versuche für den Physikunterricht in der Elektrotechnik und
Mechanik. Messung veränderlicher elektrischer Größen mit dem PC unter Anwendung eines Analog-Digital-Wandlers (1)
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