Symbolgehalte antiker und moderner Kosmologien

Auteur
Eyselein, K.
Verschenen in
Der Altsprachliche Unterricht
Jaar
1984
Onderwerp
SYMBOLS
Taal
Deutsch
Categorie
C11 Kosmologie
Archiefnummer
2058

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nd YS ELE Evysetein K., Symbolgehalt antiker und moderner Kosmologien : AU) IN, «x | 1984 50-64. | Zur Kosmologie des platonischen Timaios (Tim. 270-4045) und ia ì Cryer LL(4 149 *% Klaus Eyselein ' vorsokratischen Kosmosvorstellungen bei den Atomisten und Empedokles. (12848 Symbolgehalte antiker und moderner Kosmologien sen Standpunkt vertraten spáter auch noch Th mittelalterlichen Denker, ebenso Kopernikus.) RER Or ed ef i lo naar ee man heute Zugang zu diese Über Entstehung und Struktur des Weltalls gab es in der Antike unterschiedliche Theorien. Während die Kosmologien der Atomisten und des Empedokles in mancher Hinsicht der heutigen Naturwissenschafi überraschend nahe stehen, erscheint das jahrhundertelang dominicrende „klassische“ Weltbild, wie es Platons Timaios repräsentiert, auf den ersten Blick als überholt und abgetan. Versucht man jedoch, die cht der Bilder und Theoreme Aa rstanden wurden) | erfassen oder vielleicht auch nur zu erahn en. Erst wenn in i diese i pi pi ni ug und . Recht die Uberlieferungen als sinnhaft =. SiRinna ic ova n ided win° a und z. T. vielleicht als fü Autoren verstehen wir also mythi sche und naturphilo a analog zum Selbstvers tändnis der heutigen Physik, Satz z gen. Hervo rzuhe kern — nicht Natur interpretieren sin ben i ur. In diesem Sinne stellen wir „Seku ndärüberl egungen“ an. » “rieur nee entspricht dem eine Metareflexion ihrer Aus riragt: in welchen Symbolen läßt sich Nat fen? sondern:: Weiche Bedeutungsgehalte liegen i in i der Wahl und s der ä wissenschaftlichen Symbole??Z.B. Z. B. wenn kosmologisc i he Gegebenhei r ten ee werden, die mehrere Lösungen impliziert das, was für ein mensc 2 Von diesem Pauschalurteil her gesehen erscheint Heisenbergs Satz, man habe heute den an vec E an Eindruck, „daß zum erstenmal im Laufe der Geschichte der Mensch auf dieser Erde nur noch sich selbst gegenübersteht“', als paradox. Spontan möchte man eine solche Behauptung viel eher auf bestimmte vorkopernikanische Weltbilder beziehen, deren menschlichemotionale Komponente für uns außer Frage steht. n mit Glei chun zulassen: was fur ein Verhiiltnis zur Wirklich. hliches Selbstverständnis? Wege zum Symbolverständnis F . . y al Symbolbildung in einig en chara en ist kteristischen Thema dieses Aufsatzes. Durch Aufwe i morphien soll im Schüler Verständnis geweckt oder minde in stens stesgeschichtliche Linien, ; für Wandlungen wie ie für fü Tendenzen ei a angebah ea ir gei Dr ir dies mögli Grundbedingungen menschliche r Existe i nz. Damiti wird zugieich oh ei heehee Natur- und Geisteswissenschafte itei edie woke fee nasialer Allgemeinb Das (scheinbar) Paradoxe an Heisenbergs Satz vermindert sich aber, wenn wir bedenken, daß moderne Kosmologie aller Rationalität zum Trotz ebenso wenig deskriptiv, d. h. Abbild von Wirklichkeit im Sinne photographischer Treue ist, wie es die Kosmologien der Antike waren bzw, für uns heute sind. In beiden Fällen stellen die Bilder und Aussagen der Denker bzw. Wissenschaftler, mit Ernst Cassirer? zu sprechen, symbolische Repräsentationen dar, deren Korrelat im Bereich absoluter Wirklichkeit uns unzugänglich ist. Symbol in diesem Sinne kann ein mythisches Bild, kann aber auch eine mathematische Gleichung sein. Cassirers weitreichender Symbolbegriff ist von einem modernen erkenntnistheoretischen Standpunkt her geprägt — der Philosoph kam aus dem Marburger Neukantianismus. Auch der moderne Physiker geht davon aus, daß seine Formeln und Modelle nicht im wörtlichen Sinne wahr sind. Antike Kosmologen dagegen waren, summarisch gesehen, von der Abbildnatur ihrer Vorstellungen überzeugt; sie glaubten, wörtlich-wahr zu sprechen. (Die- ‘ mos und modernen, z. T. auch schon (1) Vgl. Arendt, H.: Vita activa oder Vom tätigen Leben. München 1960, S. 364, Anm. 16. (2) Cassirer, E.: Philosophie der symbolischen Formen. 3 Teile und Index, WBG Darmstadt 1977 (3) Leisen, J.: Die mathematisch (Nachdruck). 4 t Ei i i dii desto mehr weichen mythische Phantasie und philosophische Spekulation der Objektivität exakter naturwissenschaftlicher Erkenntnisse, desto genauer erfassen wirdie Wirklichkeit. wie Heisenbergs andeutet, als Symbo lbildun Liri niTori a z den Physi n Die Wandlungen kosmologischer Vorstellungen im Laufe der Geschichte werden in der Regel unter der Kategorie des Fortschritts begriffen: Je näher wir der Gegenwart kommen, ' ete i a gegenüber ihren ‘ n i r Richtung A . . [7 age methodologisch bis zu einem gewissen Grade le tig ansehen diirfen. L 4 ii hinter der Oberflächenschi seinerzeit ais „wahr“ mißve eng Kosmologien als symbolische Repräsentationen der Wirklichkeit es gleichsam ei nznahme, Es müssen Wege gefunden werd en hin. = = pi Aussagen des Timaios auf mögliche Symbolgehalte hin zu befragen, so erweisen sie sich für unser menschliches Selbstverständnis als nach wie vor bedeutsam — ebenso wie vorsokratische Kosmologien und wie die Erkenntnisse moderner Naturwissenschaft. Unterschiedliche Antworten auf die Frage nach dem „Ort“ des Menschen in der Welt sollen dem Schüler Hilfe zur persönlichen Lebensorientierung leisten, ohne daß ihm eine definitive „Lösung“ geboten werden könnte. n Traditionen zu finden, so bedarf c si ts zurück, einer historischen Dista des Beh l n enger miteinande r zu ildung vor kurzem wiede wi r ausdrückli ü ch als nin Desid a bei es worden ist. „Als geistige Tätigkeit undd is ist di nn Gegenstand der Geisteswissenschaf aft“ t“ lautet eine i der 17 Thesen, dieltJ. e Lei Bonej ker ! verbinden, was ja im Si . eren Ergebnis ist die Naturwi aftlichen eeicht und Naturwissenschaftler,‚zum naturwissens i chaftli ine eee end tes? eeerun a eg n die Namen i Unterricht : ec ne inbi an steht das geschlossene, geozentrische Platon, Aristoteles, Ptolemai b allgemeinbil - Weltbild, das ' lage sind einige Passagen aus Pla tons Timai malosos ausgew è ählt, r die :e i oc i and Vielstimmigkeit platonischen Denkens fiir r eine ei Symbolinteni rprelatca fa jion besond ers lohnend schein i en. Der Vergleich zwischen dem endlic hen, kugelgestaltigen, geozentrischen Kosin der Antik i e vorgebildeten Vorstellungen darf sich nach dem bisher Gesagten nicht auf die Frage beschränken: Was sah man damals schon (im i Das Gymnasium in Rheinland-Pfaiz. a a sd. -nalurw ic Dee ea Desert nids i

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naturwissenschaftlichen Sinne) „richtig“, was sah man „falsch“? Die für uns wichtigere Frage lautet: Welche Bedeutungsgehalte lassen sich — auch im scheinbar Falschen — erkennen oder doch intuitiv erspüren? Da bei einem solchen Deutungsansatz die Gefahr allzu subjektiver Sehweise auf der Hand liegt, ist es geboten, einige die Interpretation leitende Gesichtspunkte vorweg herauszustellen. Deutung geschieht nach verschiedenen Kategorien, zielt verschiedene Ebenen an und versucht, die gewonnenen Einzelmomente sinnvoll aufeinander zu beziehen. So sagt C. F v, Weizsäcker, kosmogonische Mythen erzählten „im selben Atem“ die Geschichte der Natur wie die Geschichte der Seele.‘ Damit unterscheidet er zwei fundamentale Aspekte: den naturphilosophischen und den anthropologischen. Daß durch derartige kategoriale Aufgliederungen Mythen und, so darf man ergänzen, mythosähnliche Darstellungen zunächst „zerschnitten“ werden, hebt v. Weizsäcker ausdrücklich hervor. Es stellt sich uns also immer wieder das Problem, wie nach der Analyse („Zerschneidung“) das als Ganzes Konzipierte auch wieder als Ganzes, als eine Sinngestalt gesehen werden kann. Symbole entstehen, leben, verblassen wieder... — es sind historische, für uns oft fremdartige Phänomene, für deren Verständnis es in der Regel eingehender Kenntnisse des jeweiligen gesamtgeschichtlichen Zusammenhangs bedarf. Andererseits ist nicht zu leugnen, daß viele Denk- und Bildmotive über Jahrhunderte hin in gleicher oder ähnlicher Form bestehen oder häufig wiederkehren und somit aufanthropologische Strukturen hinweisen, die als relativ konstant gelten können. C. G. Jung interpretiert in tiefenpsychologischer Perspektive solche Erscheinungen als transindividuelle Manifestationen des „Kollektiven Unbewußten“ („Archetypen“). Wir dürfen uns demnach durchaus ermutigt fühlen, ein gewisses Vertrauen in unser Einfühlungsvermögen zu setzen, auch dann, wenn wir auf eine lückenlose Klärung soziokultureller Zusammenhänge verzichten (müssen). Das gilt erst recht, wenn uns, wie im Timaios, die Texte selbst ausdrückliche Hinweise dazu geben. Eine allgemeine hermeneutische Wegmarkierung kann man der Forderung Paul Ricoeurs® entnehmen: Beides müsse bei der Interpretation zur Geltung kommen, der „Wille zum Zweifel“ wie der „Wille zum Horchen““. Ein solches von Distanz und Kritik begleitetes Einfühlen ermögliche es, „die Idole zu töten und auf die Symbole zu horchen“.’ Es hängt mit der „Fundierung der Symbole in leiblich-seelischen Grundbefindlichkeiten des Menschen“? zusammen, daß ihre Botschaften nur bedingt und aspektweise in rationale Sprache übersetzbar sind. C. G. Jung steht in bedeutendergeistesgeschichtlicher Tradition, wenn er schreibt: „Ein Zeichen ist immer weniger gehaltvoll als der Begriff, für den es steht, während ein Symbol immer mehr enthält, als man auf den ersten Blick erkennen kann: Im (4) v. Weizsäcker, C. F.: Die Tragweise der Wissenschaft. Erster Band. Stuttgart 1976. S. bes. Zweite Vorlesung: Kosmogonische Mythen, S. 20-37. (Zit. v. Weizsäcker). Durchweg wichtig für unseren Zusammenhang auch v. Weizsäcker, C. F.: Voraussetzungen des naturwissenschaftlichen Denkens. Herderbücherei 45 (1972). (5) Vel. Bollnow, O. F.: Paul Ricoeur und die Probleme der Hermeneutik, in:Zeitschrift für philosophische Forschung, Bd. 30, 1976, S. 167 ff. gleichen Sinne bezeichnet Jung an anderer Stelle das Symbol als „eine unbekannte, schwer erkennbare und in allerletzter Linie nie ganz bestimmbare Größe“. Auch wenn symbolträchtige Bilder und Vorgänge in späteren, von ihren Ursprungsorten abgelegenen und durch Rezeptionsprozesse mitgeformten Stadien auftauchen, trifft dies nicht minder zu. Unser Hauptinteresse gilt Bild- bzw. Raumphänomenen: Geschlossenheit, Kugelgestalt, Geozentrik, und Vorstellungen, die dazu in Kontrast stehen. Eskomme, sagt P Ricoeur, zuerst darauf an, „den objektiv erfaßbaren Eigensinn“ eines Phänomens zu verstehen, ehe man nach der in jener „Erstbedeutung“* mitenthaltenen „Zweitbedeutung“ (sc. nach dem Symbolgehalt) fragen kònne.!® Wir versuchen also einen Weg einzuschlagen, der vom Sehen des Sinnlich-Gestalthaften zum Vernehmen des Sinnes führt, 3 Gliederung der Unterrichtsreihe Die Reihe beginnt mit der Behandlung einiger wesentlicher Aspekte der Timaios-Kosmogonie, wobei deren Eigenart durch Kontrastierung mit modernen naturwissenschaftlichen Ansätzen möglichst deutlich hervortreten soll. Es folgen Überlegungen zu den Atomisten und zu Empedokles, die heutiger Sicht in vielem näher stehen als Platon. Damit wird ein Weg gebahnt zu neuzeitlichen Kosmologien und zugleich zu einem menschlichen Weltund Selbstverständnis, wie es sich in besonders krasser, erschütternder Form bei Albert Camus ausspricht. Nun erst, auf der Basis relativ breiter historischer Information, wird die Frage nach möglichen zeitenthobenen humanen Gehalten des „klassischen“ geozentrischen Weltbilds, aber auch der „Gegenbilder“ aufgeworfen. Am Schluß der Reihe soll keine „Lösung“ stehen, kein weltanschauliches oder etwa psychohygienisches Rezept, sondern die offene Frage: Was kann mir helfen zu einer eigenen, begründeten, aber immer revidierbaren Daseinsorientierung? 4 Zur Kosmogonie des platonischen Timaios (Tim. 27c-40d5) Textgrundlage für das Weltbild des Timaios ist die Partie Tim. 27c-40d5. Innerhalb dieser Partie sind entsprechend den zu behandelnden Fragen Schwerpunkte zu setzen, wobei jeweils kleinere, u. U. nur aus wenigen Sätzen bestehende Ausschnitte im Urtext gelesen werden. Anderes kann nur in Übersetzung gelesen oder vom Lehrer referiert werden. Die komplizierten Erörterungen über die Proportion (3168-3204) und die (Welt-)Seele (34b10-37c5) können ohne Schaden beiseite bleiben." Platons Kosmogonie enthält Elemente, die dem Schüler aus früherer Platonlektüre im allgemeinen bekannt sind. So in erster Linie die Unterscheidung von ideellem Sein (oùaia) und materiellem Werden (yéveoic), der auf erkenntnistheoretischer Ebene die Polarität von Erkenntnis und Glauben bzw. von (erkannter) Wahrheit und Wahrscheinlichkeit entspricht. Von dieser Grundposition aus nimmt Platon das Bestehen zweier Kosmoi an: eines ewig seienden und eines entstandenen — ideelles Urbild und materielles Abbild. Dem- (7) Deutsche Termini nach Bollow (s. Anm. 5), S. 177 £. (7) Bollnow (s. Anm. 5), S. 179. (8) So formuliert von Peter Biehl, zit. bei Heumann, J.: Symbol — Sprache der Religion. Stuttgart 1983, S. 8. (9) Jung, C. G.: Zugang zum UnbewuBtsein, in: Jung u. a.: Der Mensch und seine Symbole. Olten und Freiburg i. Br. ?1979, S. 55. 52 (10) „Der Erstsinn erschließt also erst den tieferen Sinn, ja bringt ihn eigentlich erst hervor.“ Bolinow - im Sinne Ricoeurs — (s. Anm. 5), S. 175, (11) Genauere Hinweise, insbesondere auf die Abgrenzung der im Unterricht zu lesenden Partien, sind angesichts der unterschiedlichen Verhältnisse „vor Ort“ kaum möglich.

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entsprechend definiert er den Geltungsanspruch seiner Aussagen über den materiellen Kosmos mit riotic, Adyoı eixórec, púdoc eiköc; Erkenntnis des absolut Wahren sei im Bereich raum-zeitlicher Phainomena nicht möglich. — Neu für den Schüler ist die Person des Demiurgos. Wieweit Platon ihn wörtlich-real, wieweit symbolisch-allegorisch verstan- Göttlicher Demiurg, ideelle Vorbild-Welt, Sinn und Zweck des Kosmos und seiner Teile: all das sind Motive, die, wie auch jede Form ethischer oder ästhetischer Wertung, außerhalb der Grenzen exakter Naturwissenschaft liegen. Auch ist heute die Darstellung des Kosmos in einem anschaulichen Bild weitgehend abgelöst durch die Abstraktheit mathematischer den haben mag, muB nicht ausdriicklich thematisiert werden. Wichtig fiir uns ist vor allem Formulierung. die durch den göttlichen Gestalter eingebrachte religiöse Dimension. Vorbild, Abbild und Demiurgos voraussetzend, argumentiert Platon zunächst so: Die mateapriorischen Annahmen und feststehenden Wertungen aus. Insgesamt stellen sich Platons Es bleibt zu fragen nach dem Verhältnis von Platons Aöyoı eixótec und dem, was heute Theorie bzw. Hypothese genannt wird, zumal man hier auf den ersten Blick eine Verwandtschaft vermutet. Platons Konzeption der Wahrscheinlichkeit steht im Zusammenhang mit seiner ontologisch ausgerichteten Erkenntnistheorie, wonach wahrhaft Seiendes im Prinzip für den Menschen erkennbar ist. Im Bereich raum-zeitlicher Wirklichkeit freilich sind aufgrund der Mängel sinnlicher Wahrnehmung nur wahrscheinliche Aussagen möglich. Aber auch hier ist als selbstverständlich vorausgesetzt, daß die menschliche Erfahrung an einer objektiv existierenden, dem Ich gegenüberstehenden Welt orientiert ist, wenngleich sie diese als eine Welt minderen Seinsranges nur „schattenhaft“ (Höhlengleichnis) erfassen Ausführungen gleichsam als schrittweises Nachvollziehen der Gedanken des göttlichen kann. Demiurgen dar, wobei Gegebenheiten der empirischen Wirklichkeit, wie sie auch in der Die heutige erkenntnistheoretische Position ist geprägt von Descartes’ fundamentalem Zweifel, den Hannah Arendt so charakterisiert: „Der kartesische Zweifel zweifelt nicht einfach, daß das menschliche Verstandesvermögen nicht der ganzen Wahrheit mächtig oder daß das menschliche Sinnesvermögen nicht allem Wirklichen geöffnet sei, sondern daran, daß Sichtbarkeit überhaupt ein Beweis für Wirklichkeit und daß Verstehbarkeit überhaupt ein Beweis für Wahrheit sei“! So gilt dann heute als richtige Erkenntnis, was den vom erkennenden Subjekt gesetzten methodologischen Prinzipien (Formen der Empirie, Erkenntniskategorien, Gesetzen der Logik) entspricht, was „von Experimenten bestätigt und in der wirklichen Welt anwendbar ist* (H. Arendt), wobei jede Aussage als hypothetisch, überholbar, falsifizierbar angesehen wird. (Dies genauer auszuführen wäre Aufgabe des Physikunterrichts. Unter Umständen könnte dort auch auf marxistische Ansätze eingegangen werden, die in der obigen Definition des Erkenntnisbegriffs nicht berücksichtigt rielle Welt ist das Schönste von allem Entstandenen. Der Demiurg ist die beste von allen Ursachen. Folglich muß die Welt nach etwas Vollkommenem, also nach dem ewigen, intellegiblen Vorbild (nicht nach einem materiellen) geschaffen sein (28c5 róde 5’ oùv bis 29a6 tov aitiwv). Folgerichtig ist demnach auch, daß es nur einen materiellen Kosmos gibt, nicht etwa unzählig viele (31a8 iva bis 31b3 Et’ &otaı). Deutlich zeigt sich Platons deduktives Verfahren, ein Schlußfolgern „von oben her“, von naturphilosophisch-astronomischen Tradition erörtert werden, als Bausteine in das Ensemble des spekulativen Weltgebäudes eingefügt sind. Die Ordnung des Ungeordneten (30a2 bis 30a7), die „Verwendung“ der vier Elemente Feuer, Erde, Wasser, Luft sowie der Proportion (3164 bis 33a6 p8iveiv norei) gründen im Wesen und in bestimmten Uberlegungen des Demiurgen — man sammie Ausdrücke, die auf Absicht, Überlegung usw. hinweisen — und entstammen seinem Willen, auch die materielle Welt soweit wie möglich vollkommen zu machen. Dasselbe gilt für die Geschlossenheit und Kugelgestalt des Alls, die Planetenbewegungen in sieben Kreisen (im Zusammenhang mit der ,,Zeit“), den Fixsternhimmel und die Erde als kosmisches Zentrum. Zugleich aber ist Platons Weltbild so weit an der damals beobachtbaren Wirklichkeit — d. h. zugleich auch: am „gesunden Menschenverstand“ — orientiert, daß niemand den Vorwurfeines puren Phantasiegebildes hätte erheben Daß a Naturwissenschaftler persönlich an die Existenz absoluter Wahrheit und deren können. (Als rein spekulativ wird man z. B. das Ineinanderfügen von Vernunft, Seele und Körper ansehen. Aber auch hier stützt die Empirie die Vorstellung von der Belebtheit und sind. immanenten „Logik“ der Natur.) (außerwissenschaftliche) Erfahrbarkeit glauben kann, wird damit nicht ausgeschlossen. Der Physiker Konrad Rudnicki unterscheidet zwischen einem ontologischen und einem methodologischen Materialismus. Im ersten Falle liegt eine existenzielle, weltanschauliche Grundentscheidung vor, die unter Leugnung jeden spirituellen Seins die Materie als letzte Realität betrachtet; im zweiten ein Erkenntnisgrundsatz, der, unabhängig von der jeweiligen weltanschaulichen Einstellung, im Bereich wissenschaftlichen Forschens, aber eben nur dort, gilt — nach Rudnicki für jeden Forscher verbindlich." Trotz aller (theoretisch) offenen Möglichkeiten religiösen oder philosophischen Glaubens ist die Entfremdung von Wahrheit und Wirklichkeit, das ungesicherte Stehen im offenen Raum ein wesentliches Charakteristikum der Neuzeit, das umso größere Bedeutung gewann, je mehr Bindungen (im weitesten Sinne gemeint) zerbrachen. In diesem Rahmen 5 Piatons Konzeption im Kontrast zu moderner Kosmologie Die knappe Übersicht über Platons kosmogonische Konzeption erlaubt es, einige (z. T. schon angedeutete) allgemeine Grenzlinien zur modernen Naturwissenschaft zu ziehen. Das Ineinanderwirken religiös-spekulativer und empirischer Elemente, rationalen und emotionalen Weltbezugs kann die existenzielle, ganzheitliche Teithabe am Kosmos illustrieren, die für frühere BewuBtseinsstufen charakteristisch, heutiger Naturwissenschaft gegenüber aber allomorph ist. „Während man in der Vorstellungswelt des sakralen Kosmos von einer radikalen Teilhabe an und in diesem Kosmos ausgeht, betont das wissenschaftliche Denken die distanzierte Betrachtung des Kosmos als Objekt, mit dem Ziel, diesen Kosmos in radikaler Nichtteilnahme beobachten zu können“? ist der kosmologische Aspekt nur ein Teilaspekt. (12) So der Wissenschaftshistoriker James Buchanan: Schöpfung und Kosmos. Die Symbolik der Verkündigung und der Teilhabe, in: Concilium. Internationale Zeitschrift für Theologie. 19. Jg., Heft 6/7,1983. Buchanans Satzist jedoch im Sinne des erwähnten Heisenberg-Wortes (S. 1) zu relativieren. 54 (13) Arendt (Anm. 1), S. 269. (14) Rudnicki, K.: Die Sekunde der Kosmologen. Frankfurt 1982.

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des „Archaisch“-Fremden sollte aber dem Schüler deutlich bewußt sein, wenn in einer späkein ideelles Vorbild, es gibt nur Atome, in unendlich großer Zahl, den unendlichen Raum und die unendliche Zeit. In einem naturhaften Prozeß der Bewegung, der Mischung, Zusammenballung und Trennung entstehen unendlich viele Welten, offenbar alle nach dem gleichen Werdemuster (das aber nichts mit Platons ideenhaftem Sein zu tun hat), — und teren Unterrichtsphase nach den Gründen und etwaigen bleibenden Sinngehalten eines vergehen wieder: Anpokpitoc areipouc vò rAñdE1 toùc KÖopouc Ev aneip@ To Kev@ Kal E Die Vergleiche zwischen Platons Timaios und der modernen Position beschränkten sich zunächst auf den Aufweis einiger wichtiger Allomorphien und lenkten damit bewußt in die eingangs angedeutete Richtung: veraltet, überholt, wenn nicht gar: primitiv. Das Moment aneipwv to nAndeı tov árópov ouviotaodai pnorv. (Simplicius zu Aristoteles, De caelo; solchen Kosmosbildes zu fragen ist. Nur so wird der Schüler begreifen können, wie uns oftmals Einstellungen und Empfindungsweisen, die uns in gewissem Sinne immer noch nahe und „zugehörig“ sind, in fremdartiger Verhüllung entgegentreten — ähnlich wie es etwa in Träumen oder in der Begegnung mit Werken der Bildenden Kunst der Fall sein kann. Vorgänge, in anschaulicher Weise beschrieben — doch sind die Bilder im Vergleich zum Timaios weniger kompakt, weniger dinghaft und greifbar, weniger erfahrbarer Alltagswirk- 6 Vorsokratische Kosmosvorstellungen: Atomisten und lichkeit angenähert. Es scheint, als bleibe bei aller Gestaltung in geometrischen Formen die immer-flüchtige Bewegtheit der Atome sichtbar präsent; ebenso auch der unendliche — Empedokles im Vergleich mit modernen Positionen für die Anschauung: sehr, sehr weite — Raum. Man geht wohl auch nicht fehl, wenn man vgl. Anm, 15) eine gewisse Ähnlichkeit zu modernen Foto- und Filmaufnahmen astronomischer VorgänIm folgenden sei auf einige antike Ansätze verwiesen, die sich in entscheidenden Punkten ge konstatiert, seriöse Trickfilme durchaus eingeschlossen. von Platon abheben und heutigen kosmologischen Theorien wesentlich näher stehen, in Abertrotz beachtlicher Affinität zu moderner Kosmologie ist, auch abgesehen von Geozentrik usw., die Lehre der Atomisten Spekulation. Sie vermittelt weder „echte naturwissenschaftliche Einsicht in die Notwendigkeit eines solchen Geschehens“!”, noch löst sie sich von der ontologischen Position griechischen Denkens. Sie will wirklich stattfindende Vorgänge beschreiben und tut das, dem gedachten Sachverhalt entsprechend, in einer Sprache, die sich in den Grenzen menschlicher Raum-Zeit-Anschauung und menschlicher Bildgewissem Sinne sogar näher als Kopernikus. Es fehlte also — und das schon vor Platon — nicht an divergierenden Denkimpulsen; die autoritative Geltung „des“ antiken Weltbildes bis in die beginnende Neuzeit hinein war keineswegs selbstverständlich. Erwähnt sei zunächst die Kosmogonie der Aromisten, deren Grundzüge wir, trotz mancher bestehender Unsicherheiten im einzelnen, drei doxographischen Berichten entnehmen können." Die wesentlichen Inhalte der beiden längeren Texte werden vom Lehrer referiert werden müssen, da eine Originallektüre zu schwierig, zu zeitraubend und mit vielen für unser Thema irrelevanten Einzelheiten befrachtet wäre. Hier sind Elemente, die wir auch bei Platon finden, mit spezifisch atomistischen Ansätzen kombiniert. Diogenes Laertius (vgl. Anm. 15) berichtet: „Die Welten (k6opoı) aber entständen folgendermaßen: es bewegten sich infolge der LosreiBung aus dem Unendlichen (kat& anotopAv Ex tou Arteipou) viele Körper von Gestalten aller Art in einen großen leeren Raum (cic péya xevòv). Diese ballten sich zusammen und bewirkten so eine einzige Wirbelbewegung (Oivnv ... piav)..“ Aus diesem Wirbel heraus bilde sich eine erste kugelfórmige Zusammenballung (np@töv ti oüornpa ogaipoerdéc). „Diese umfasse in sich wie eine Haut allerlei Körper... “ Die Haut werde zunehmend dicker. In der Mitte dieser Kugelhaut formiere sich die Erde, zwischen Haut und Erde bildeten sich die auf ihren Kreisen umlaufenden Planeten. Die Übereinstimmungen mit Platon sind evident; es scheint, als könnten sich auch die Atomisten einen gewordenen Kosmos nicht anders denn als geschlossen, kugelförmig und geozentrisch vorstellen.'* Entscheidend aber sind die Unterschiede. Es gibt keinen Demiurgen, phantasie bewegt. Gleichwohl wird man die Atomisten als eines der erstaunlichsten Beispiele für spekulative Antizipationen neuzeitlicher Erkenntnisse betrachten müssen. „In diesem Sinne kann ein moderner Naturwissenschaftler sich in der Welt Leukipps und Demokrits zu Hause fühlen *!® Ein vielleicht noch eindrucksvolleres Beispiel für ein derart antizipatorisches Kosmosverständnis ist Empedokles. Mit seiner Theorie vom pulsierenden All, von Expansion und Kontraktion und einem in regelmäßigen Zeitabständen erreichten „mittleren“ Weltzustand, der z. B. auch irdisches Leben ermöglicht, steht er in überraschender Nähe zur heutigen Astrophysik. DaB das Weltall in seinem gegenwärtigen Stadium sich ausdehnt (expandiert), wird allgemein angenommen. Nicht oder noch nicht entscheidbar ist, ,ob das Universum offen oder geschlossen ist. .., ob die Expansion fiir immer weitergehen wird... oder ob es (sc. das Universum) schließlich wieder in einen überdichten Zustand zusammenbricht“° Es wird auch für möglich gehalten, daß nach der Kontraktion eine neue Expansion erfolgt. Bei Empedokles stoßen wir also auf sehr modern anmutende, jahrhundertelang verschüttet gebliebene Auffassungen, die gegen Platon-Aristoteles-Ptolemaios keine Chancen hatten. Sowohl die Atomisten als auch Empedokles kommen dem nahe, was heute das kosmolo- (15) Diogenes Laertius IX 30 ff. (= Diels 67 Al); Aetius I 4, 1 ff. (= 67 A24); Simplicius zu Aristoteles, De caelo 202, 16 ff. (= 67A21). Vgl.: Die Vorsokratiker, hrsg. v. W. Capelle. Stuttgart 1963, S. 299-302; v. Weizsäcker: Die Tragweite der Wissenschaft (s. Anm. 4), S. 59-61. (16) H. Munding weist darauf hin, daß bei den Vorsokratikern bisweilen offensichtlich „Einzelerkenntnisse und Einzelbehauptungen, in denen man in einem für uns erstaunlichen Maße konservativ ist, sozusagen im Nachtrab mitgeführt [werden], wobei sie mehr oder weniger im Sinne des Hauptgedankens uminterpretiert werden. Munding, H.: Zur Beweisführung des Empedokles, in: Hermes, 82. Bd., 1954, Heft 2, S. 132. Möglicherweise liegt hier ein solcher Fall vor, zumal die Grundzüge des klassischen“ Kosmosbildes bekanntlich lange vor Platon ausgebildet waren. 56 gische Prinzip genannt wird. Es besagt, daß jeder Punkt, jeder Ort im All „gleichberechtigt“ (17) v. Weizsäcker (Anm. 4), S. 61. (18) v. Weizsäcker, S. 61. (19) Siche auch S. 69 ff. dieses Hefts. (20) Lovell, B.: Das unendliche Weltall. Geschichte der Kosmologie von der Antike bis zur Gegenwart. München 1983, S. 184.

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« ist; weder die Erde noch die Sonne noch irgendein anderer Himmelskôrper besitzt eine Vor- Denker wie Thomas Bradwardine und Nikolaus von Kues die Frage ,utrum aliquid sit extra uns Platons Theorie von den zwei Kosmoi, einem ideellen und einem materiellen, erscheinen. Eine solche Vorstellung ist schwerlich nachfühlbar. Es sei jedoch auf den bekannten Religionsphilosophen Mircea Eliade hingewiesen, der betont, daß für das mythische Denken Dinge und Handlungen nur in dem Maße Wirklichkeit und Identität erlangen, wie sie „einer transzendenten Wirklichkeit teilhaftig sind.“ Alles Irdische sei Wiederholung, Nachvollzug, Nachahmung von „Archetypen“?”, Von der Kugelgestalt des Kosmos schreibt Platon: „Er (sc. der Demiurg) gab dem Kosmos die ihm angemessene (npénov) und ihm verwandte (ouyyevéc) Gestalt. Dem Lebewesen, das alle Lebewesen in sich fassen soll, dürfte diejenige Gestalt angemessen sein, die alle anderen Gestalten in sich faßt. Deshalb drehte er sie auch kugelfórmig (opaıpoeıöd£c), so daß der Abstand von der Mitte zu jedem Punkt der Oberfläche gleich war, kreisrund (xuxAotepéc), die volikommenste und sich selbst am meisten gleiche von allen Gestalten; denn er glaubte, das Gleiche (Syorov) sei tausendmal schöner (k&AAıov) als das Ungleiche:* (33b2- caelum“ im Sinne der Unendlichkeit (Unbegrenztheit) des Raumes beantwortet. Marsilio 33b7) Ficino, Giordano Bruno und andere nahmen diese Spekulationen auf.?? Heute glauben die Greifen wir die Unterscheidung Ricoeurs (Erstbedeutung-Zweitbedeutung, vgl. S. 53) auf und fragen wir zunáchst nach dem ,,objektiv erfaBbaren Eigensinn* des Gebildes Kugel. Damit zielen wir auf die geometrischen Eigenschaften (und können Platon folgen): Gott zugsstellung. Damit ist aber zugleich bereits in der Vorsokratik jener archimedische Punkt entdeckt, der es ermöglicht, das All von außen zu „betrachten“, mindestens aber ohne Bin> dung des Betrachters an die Erde. 7 Erdentfremdung. Unendlichkeit. Der „absurde“ Kosmos Hannah Arendt wertet die oben skizzierte „Erdentfremdung“ als das „Wahrzeichen der modernen Wissenschaft“.?! Der historische Weg hierhin ist vornehmlich durch die Entwicklung der Vorstellung vom unendlichen Raum bestimmt. Noch Kopernikus hat, ungeachtet seines heliozentrischen Weltbilds, an der Existenz des Fixsternhimmels als einer das All begrenzenden Kugel nicht gezweifelt. Aber bereits im 14. und 15. Jahrhundert hatten Fachleute sagen zu können: „Hundert Milliarden Sterne gibt es in unserer Milchstraße; mindestens ebenso viele Galaxien beherbergt der Kosmos“?? Angesichts solcher Weiten wird für uns als Menschen die (von den Physikern offen gelassene) Frage, ob das Weltall endlich oder unendlich ist, nahezu bedeutungslos. Wie erlebt sich der Mensch angesichts eines Kosmos, der immer abstrakter und absurder zu werden scheint, je weiter die Forschung voranschreitet? „Ich sehe diese grauenvollen Räume des Alls, die mich einschließen, und bin an einen Winkel dieses weiten Weltenraumes gefesselt, ohne zu wissen, weshalb ich an diesen Ort gesetzt worden bin und nicht an einen anderen... Ich sehe ringsum nur Unendlichkeiten, die mich einschließen wie ein Atom oder wie einen Schatten, der nur einen Augenblick dauert ohne Wiederkehr“ Dies , schuf die Gestalt (oxfipa) des Kosmos Ex pécou maven npòc tac teAcutac toov anéxov — jeder Punkt der Oberfläche ist vom Mittelpunkt gleich weit entfernt. Von allen Gestalten ist somit die Kugel sich selbst am meisten gleich (óporórarov aùtò éaut@). Andere Sinnbereiche, die ,Zweitbedeutung“, werden berührt, wenn Platon mit diesen geometrischen Aussagen Wertvorstellungen wie Volikommenheit, Einheit, Ganzheit, Schönheit verbindet. Die bloBe Unterscheidung von Beschreibung (des geometrischen Phänomens Kugel) und Wertung würde freilich Platons Konzeption noch nicht gerecht. Wohl hebt Platon objektiv# gegebene Merkmale der Kugelgestalt hervor; daß er sie aber dem Kosmos rinnen, weil er der Erinnerungen an eine verlorene Heimat oder der Hoffnung auf ein zuschreibt, stellt aus unserer Sicht ein Projektion dar: transindividuell zwar und durch vorplatonische Traditionen gestiitzt, aber eben doch vom Subjekt her geformt, nicht an der Wirklichkeit abgelesen. So gesehen erscheinen Bild und abstrakte Begriffe (Vollkommenheit usw.) lediglich als unterschiedliche Facetten ein und derselben geistig-emotionalen Ingelobtes Land beraubt ist... Wenn der Mensch erkennen würde, daß auch das Universum tention. lieben und leiden kann, dann wäre er versöhnt“?? Bildkorrelate der Voilkommenheit sind auch die gleichförmigen Kreisbewegungen der Planeten; in sich gerundete, sichtbar gemachte Zeit als bewegtes Abbild der unbewegten Ewigkeit: cixa 5’ éxevdes (sc. 6 Önpioupyöc) Kıynıöv tiva ai@voc romaar. (3745) schrieb bereits Pascal in seinen Pensées.” Stellvertretend für zahlreiche neuere Stimmen stehe Albert Camus: „In einem Universum, das plötzlich der Illusionen und des Lichts beraubt ist, fühlt der Mensch sich fremd. Aus diesem VerstoBensein gibt es für ihn kein Ent- 8 Sinngehalte des platonischen Kosmosbildes Den oben skizzierten Erkenntnissen und Erlebnisweisen steht die platonische Kosmologie, steht das „klassische“ antike Weltbild als Kontrastbild gegenüber. Am fremdartigsten mag . (26) Eliade, M.: Kosmos und Geschichte. rde, Reinbek 1966, S. 10. | (27) Wir neigen heute eher dazu, Neuem, Originellem Wirklichkeit und emotionale Bindekraft zuzuschreiben als kontinuierlich Überkommenem. Daneben beobachten wir freilich auch Tenden- (21) Arendt (s. Anm. 1), S. 258. (22) Nikolaus von Kues (De docta ignorantia 2, 15) spricht von einem unbegrenzten Weltall, das überall mit Sternen gefüllt sei. Einer davon sei die sich bewegende Erde. Von jedem Stern aus betrachtet sähe das All fast gleich aus. Vgl. Pedersen, O.: Der Gott des Raumes und der Zeit, in: Concilium 19 (s. Anm. 12), S. 420-425. 2) Fritzsch, H.: Vom Urknall zum Zerfall. Die Welt zwischen Anfang und Ende. München 1983, . 230. (24) Zitiert nach Fritzsch (s. Anm. 23), S. 326. (25) A. Camus: Der Mythos von Sisyphus, zit. nach Fritzsch (s. Anm. 23), S. 327. SR zen des Beharrens und der Wiederholung, z. B. im Bereich von Kult und Feier, besonders deutlich in den Riten von Taufe, Hochzeit oder Begräbnis, also an Höhe- und Wendepunkten des Lebens. Die Orientierung an gewachsenen, z. T. schr alten Formen scheint manchmal auch heute noch in besonderem Maße Sinn zu verbürgen, die Bedeutung des Augenblicks offenbar zu machen und — je nach Mentalität — auch als „zaubermächtig“ erlebt zu werden. Hier zeigt sich eine — vielleicht nur schwache — Spur zu einer Art der Welterfahrung, die, entgegen dem ersten Anschein, doch auch uns nicht ganz so fremd und verschlossen ist. (28) „Objektiv“ kann aus heutiger Sicht nichts anderes bedeuten als: konsequent im Rahmen der gcometrischen Prämissen. Daß die Kugel ein „Ding an sich“ sei, wird damit nicht behauptet.

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Die als vollkommen empfundene Kugel- bzw. Kreisform war Platon in der Tradition vielfach vorgegeben, worauf im einzelnen hier nicht eingegangen werden kann. Am schärfsten hat wohl Parmenides mit seinem Gleichnis von der Kugelgestalt des — einen — Seins die Beziehung des Bildphinomens Kugel zum Bereich des wahrhaft Seienden, Substantiellen zum Ausdruck gebracht. Bei Platon aber verbürgen die „vollkommenen“ geometrischen Gestalten Sinn und wirkliches Dasein des Kosmos ebenso, wie seine Geformtheit nach dem ewigen Paradeigma sie verbürgt. Die Geschichte der Kosmologie durchzieht ein jahrhundertelanger Konflikt zwischen dem Postulat der Vollkommenheit, ins Bild übersetzt: der vollkommenen geometrischen Figuren, und den Ergebnissen der Beobachtung, die jene Vollkommenheit in Frage stellen und immer wieder den Verdacht, ja die Befürchtung nahelegen, es könne im Bau des Alls auch Unregelmäßiges, Unberechenbares und damit Minderrangiges und Gefährliches geben. Es waren in erster Linie Momente scheinbarer Willkür in den Bewegungen der Planeten, die zu immer neuen Änstrengungen führten, das empirisch Ermittelte in ein verständliches, dem Postulat der Einfachheit und Volikommenheit entsprechendes System zu bringen. Ptolemaios forderte, „daß der Astronom sich bemühen müsse zu beweisen, daß alle Himmelserscheinungen durch gleichmäßige und gleichförmige Bewegungen erzeugt werden“? In diesem Sinne waren seit Aristoteles z. T. überaus komplizierte, aber doch auf der einfachen Kreisform aufgebaute Weltbilder entstanden. Während sich Aristoteles’ System aus 55 konzentrischen „Sphären zusammensetzte, bestand das des Ptolemaios in einer Reihe zur Erde exzentrisch gelegener Kreise und ferner aus Nebenkreisen, Epizykeln, auf deren Peripherie die Himmelskörper sich mit gleichförmiger Geschwindigkeit bewegten, während der Mittelpunkt des Epizykel sich auf dem Hauptkreis ebenfalls mit gleichförmiger Geschwindigkeit fortbewegte* (S. Sambursky). — Genauere astronomische Erklärungen Die Vorstellung von der Begrenztheit und Kugelgestalt des Kosmos steht in enger Affinität zur Geozentrik, wenngleich sie, wie das Beispiel Kopernikus zeigt, nicht unlösbar daran geknüpft ist. Ihre empirische Grundlage ist die spontane Raumwahrnehmung des Menschen, der von der Erde aus Umschau hält. Doch der optische Eindruck allein legt die absolute Grenze nicht zwingend nahe. Ebenso ließe er ja aufein in unendlich e Tiefe reichendes Blau oder Dunkel schließen, das niemand erforschen kann. Auch von daher gesehen kann uns bewußt werden, daß menschlich-existenzielle Komponenten, Kräfte der Imagination an der Ausformung dieses Weltbilds mitwirkten. Die Dominanz , mit der es sich behauptete, die Angst, es könnte sich als unhaltbar erweisen, die Abwehr widersprechender Thesen — all das läßt darauf schließen, daß Menschen mit diesem allumfassenden Bild ihres Daseinsraums etwas für sie Wesentliches ausgesagt haben, mögliche rere Grundbedingungen ihrer Existenz. rweise eine oder meh- In symbolhaltigen Bildern drückt der Mensch sowohl sich selbst als auch sein Verhältnis zur „Welt“ aus: zu anderen Menschen, zu seiner näheren und weiteren Umgebung, zur Natur, zum All. Verstehen wir das Bild des Kosmos als (unbewuBt) objektivi erende Transposition des menschlichen Selbstbildes, so nähern wir uns einem Verständnis, das C. G. Jung als „subjektstufig“ bezeichnet hat. Was in Träumen, Visionen, Phantasien dem gegenübersteht, sich ihm „von außen“ zeigt, ist in dieser Sicht Teil Subjekt scheinbar seiner selbst. Im Zusammenhang seiner Interpretation kosmogonischer Mythen schreibt C. E. v. Weizsäcker: „SchlieBlich eröffnet uns die heutige Tiefenpsychologie, zumal in der Form, die sie C. G. Jung verdankt, ein ganz anderes Verständnis der Götter. Ihr ist das Bild des Gottes das im Bewußtsein faßbare Zeichen einer tieferen seelischen Wirklichkeit “22 Analog zu solcher Deutung der Götter weist Jung an vielen Stellen seines Werkes daraufhin, daß Kugel und Kreis (Mandala!) als Symbole des „Selbst“ wären Sache des Physikunterrichts. der menschlichen „Ganzheit“ verstanden werden können; Symbole also dessen, worauf derMensch Wir sollten versuchen, dem Schüler einen Eindruck von der Dramatik jenes in Zug und nach Jung angelegt ist, dynamische, wegleitende Impulse zu Gegenzug — sprich: Empirie und System — sich entfaltenden ernsten Spiels zu vermitteln, das unter dem Leitgedanken der „Rettung“ (!) stand: omZe1v tà gaıvöneva. Man will die Erscheinungen, die Erfahrungsdaten retten, das Weltbild, wenn nötig, jeweils so umformen, daß neue Beobachtungen nicht ad acta gelegt werden müssen, weil sie wider die bislang gültige Theorie sind. Hätte man sich nicht damit begnügen können, die scheinbar unregelmäBigen Bewegungsabläufe einfach Punkt für Punkt zu registrieren? Auch das wäre in gewissem Sinne ja eine „Rettung“ gewesen, Aber da machten sich unabweisbar die apriorischen Denk-(und Gefühls-)strukturen bemerkbar: die Welt muß geordnet, schön und verständlich sein. Und so bedeutete denn owLeıv tà parvóneva zugleich auch: o@Leıv ta vooupeva. Der Gedanke der vollkommenen Form wirkte fort, auch als die Kreisgestalt aufgegeben war. „Kepler gab den Gedanken der Kreisbahn preis, nachdem mehr als vierzig verschiedene hypothetisch angesetzte Bahnen für Mars die Übereinstimmung mit der Erfahrung nicht herbeigeführt hatten. Er versuchte eine Ellipse als Arbeitshypothese und war erschüttert von der Entdeckung, daß sie die Beobachtungen exakt beschrieb. Dann hatte er genug mathematisches Vorstellungsvermögen, um nunmehr zu glauben, eine Ellipse könne ebenso gut ein Element eines vollkommenen Systems himmliseiner vollen Selbstentfaltung. Jungs Hypothese mag gewagt erscheinen. Doch sollte man bedenken, daß er und andere Tiefenpsychologen, die seine Ansätze weiterführten, diese Deutung durch eine Fülle empirischen Materials untermauern, so daß ihr zumindest eine beachtliche Plausibilität — „eiköc“— zukommt. Die Erstellung von Dogmen lag Jung, wie er selbst immer wieder betonte, ohnehin fern. Festeres Terrain betreten wir, wenn wir jener etwas monadisch anmutenden subjektstufi weniger den inneren Seelenraum als die (tatsächliche oder ersehnte) Beziehung des Menschen zu seiner realen Welt symbolisiert sieht. In seiner auf Heideggers Zeit-Analyse (,Sein und Zeit“) aufbauend en Untersuchung „Mensch und Raum“ (Stuttgart 1963) unterscheidet O. E Bollnow zwei Raumbegrif fe: den gen Erklärung eine andere gegenüberstellen, die im Bild des Kosmos mathematischen Raum, gekennzeichnet durch Homogenität und Unendlichke it, und den erlebten Raum, den er u. a. durch folgende Bestimmungen charakteris iert: „Es gibt in ihm einen ausgezeichneten Mittelpunkt, der... durch den Ort des erlebende n Menschen im Raum gegeben ist“ (S. 17) — „Die Gegenden und Orte in ihm sind qualitativ unterschieden. Auf ihren Beziehungen baut sich eine reiche inhaltliche Gliederung des erlebten Raumes scher Bewegungen sein wie ein Kreis? (29) Megiste Syntaxis (Almagest), vgi. Lovell (s. Anm. 20), S. 24. (30) v. Weizsäcker (s. Anm. 4), S. 105. 60 (31) Vgl. auch S. 69 ff. dieses Hefts (zu Empedokles). (32) v. Weizsäcker (s. Anm. 4), S.33.

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auf, für die es im mathematischen Raum kein Analogon gibt“ (S. 17) — „Der erlebte Raum ist zunächst als ein abgeschlossener endlicher Raum gegeben und erweitert sich erst in späteren Erfahrungen zur unendlichen Weite“ (S. 18). Ergänzend zitiert Bollnow E. Minkowski’s Bestimmung des espace vécu (doppeisinnig: gelebter und er-lebter Raum): „Der Raum reduziert sich für uns nicht auf geometrische Beziehungen, die wir festsetzen, als ob wir selbst, auf die einfache Rolle neugieriger oder wissenschaftlicher Zuschauer beschränkt, uns außerhalb des Raums befänden. Wir leben und handeln im (sc. gelebten) Raum, und im Raum spielt sich ebenso sehr unser persönliches bar-kanonische Welthaus erkennbar“ (S. 853). Blochs Ausführungen über Baukunst stehen im Zusammenhang seiner Philosophie der konkreten Utopie. In einer Baukunst, die die Unbehaustheit des Menschen aufhebe, bekunde sich ein , Vor-Schein“ einer künftig möglichen, wahrhaft humanen Welt. Feste Umgrenzung und Zentrierung werden dabei zu Signalen, die im Gegensatz zur „stummen Verschlossenheit der Welt extra terram“ (S. 924) Sinn eröffnen. (Besonders eindrucksvoll Blochs Hinweise auf die Akropolis und den Markuspiatz, S. 924.) Dem alten Mythos schon ist die Vorstellung von der festen, sicheren Erde geläufig. Hesiod: „Es entstand . .. die breitbrüstige Erde, der sichere Sitz aller Wesen“ (Theog. 117). Psalm Leben ab wie das kollektive Leben der Menschheit‘? 104: „Du (Gott) bist es, der die Erde fest auf ihre Pfeiler stellte, so daß sie nimmermehr Die Raum-Erfahrung in dem von Bollnow charakterisierten Sinne gehört zu den menschwankt“. Im Timaios hat der Demiurg sie gebildet als unsere Ernährerin (rpopóv), als Wächlichen Elementarerfahrungen und reicht in die früheste Kindheit zurück. „Ich“ bin es, um den die Welt sich gruppiert, auf mich hin konzentrieren sich alle meine Eindrücke. Wie wir die innerhalb des Himmels entstanden sind (40b8-40c3). zwischen Ich und Nicht-Ich unterscheiden, so auch zwischen nahen, uns vertrauten, uns Trotz kopernikanischer Wende, archimedischem Punkt usw. bleibt die Erde, so scheint es, zugehörigen Orten und Räumen und fernen, fremden, wobei es natürlich zahllose Zwischenstufen gibt. Eine für Schüler gut faßliche Analogie stellt das Wohnen in einer mittelalterlichen Stadt dar: Marktplatz — man mag als „persönliches“ Zentrum auch das eigene Haus sehen; Kirche, Handwerksstuben, Stadtmauer usw. Analog wird man sich das Erleben des allumfassenden espace vecu „Kosmos“ vorstellen dürfen. Auch dort sind die Teile, die dort, wo nicht nach Zahl und Maß, sondern nach humaner Bedeutung gemessen wird (Forachten wir Objekte, die zehn Milliarden Lichtjahre entfernt sind. Wirtun einen Blick in die Objekte, die man um die Erde gruppiert sah oder dachte, nicht absolut fremd, sondern trotz Vergangenheit, ja an den Anfang der Welt. — Lapidar formuliert B. Freudenfeld, die koperterin und Erzeugerin (önnoupyöv) von Tag und Nacht, erste und älteste aller Gottheiten, mulierung nach Bloch), bis in die Gegenwart Mittelpunkt des Alls. Geozentrische Denkweisen gibt es auch noch in der heutigen Naturwissenschaft, selbst in der Astronomie. „Geozentrisch“ gesprochen sind scheinbar so selbstverständliche Sätze wie: Heute beobgroßer Ferne eher fast „nachbarschaftlich“ (Für das mittelalterliche Universum gilt das nikanische Wende habe „als tieferes Lebensgefühl, auch der wissenschaftlichen Eliten, wohl noch mehr als für das antike.) Erst das Ensemble all dieser wohldefinierten, sinnennie stattgefunden. Nicht aus Mangel an nachvollziehbarer Einsicht, sondern aus der unhaft vorstellbaren Dinge, deren jedes seinen festen Ort oder seine feste Bahn hatte, machte aufhebbaren Empfindung, daß menschliches Schicksal geozentrisch ist und vermutlich die Welt, in der der Mensch lebte, aus. bleibt.?” Wie empfindlich Menschen auf eine Störung ihres geozentrischen RaumbewuBtseins rea- Versuchen wir nun, den Symbolgehalt des geozentrischen Kosmos noch ein wenig weiter gieren konnten, zeigt nicht erst die beginnende Neuzeit. Plutarch berichtet in ‚De facie in aufzuschließen, indem wir den Bereich topographisch-astronomischer, ja überhaupt räumorbe lunae‘, daß ein Zeitgenosse des Aristarch von Samos es als die Pflicht der Griechen licher Phänomene bewußt verlassen. „Umkreis“, „Mitte“ u. ä. sind, wie der Sprachgebrauch bezeichnete, Aristarch der Gottlosigkeit anzuklagen, weilerden Herd des Kosmos in Bewezeigt, auch in weiterem Sinne fundamentale Begriffe zur Beschreibung menschlichen gung setze — wc KIVOUVTa Tou K6opou thy éotiav.* (Aristarch hat bekanntlich, aufbauend Daseins in der Welt: Man spricht vom „Lebenskreis“ eines Menschen und meint damit auf Heracleides Ponticus, bereits ein heliozentrisches Weltbild vertreten: Alle Planeten, neben seiner räumlichen Umwelt das mehr oder minder begrenzte Feld seiner sozialen einschließlich der Erde, kreisen um die Sonne, die ihrerseits, wie der Fixsternhimmel, un- Beziehungen und seines beruflichen und sonstigen Wirkens. Jemand kann seinen Lebensbeweglich ist.) Die metaphorische Bezeichnung éatia für die Erde weist nachdrücklich auf kreis verlassen, ihm entrissen werden, aus ihm ausbrechen. Ein Mensch kann seine „Mitte“ die menschlich-existenzielle Dimension der Raumvorstellung hin. im Beruf finden, in der Familie, in Gott, in sich selbst... Bollnows Ausführungen zum erlebten Raum können durch Dokumente etwa aus der Religionsgeschichte oder der Architektur veranschaulicht werden. So führt Mircea Eliade? eine Reihe von Glaubensvorstellungen an, „die sich auf das Prestige des Mittelpunktes' beziehen“. Eine besondere Rolle spielen dabei Tempel, Paläste, heilige Berge und Städte — Räume und Orte, die vor anderen als Bindungen, wie die zuletzt genannten Beispiele sie umschreiben, sind nun aber in hohem Maße ambivalent. Sie können, je nach den besonderen Umständen, Sicherheit und Geborgenheit, aber auch Enge, Monotonic, Starrheit, Gefangensein bedeuten. Hier zeigt sich also auch die Kehrseite des „Klassischen“ Kosmossymbols, und der Schüler wird nun umso Zentralpunkte ausgezeichnet sind. besser verstehen, weshalb von früh an — etwa bei den Atomisten — auch Gegenbilder ent- Architektonische Analogien zur imago mundi erörtert Ernst Bloch im 2. Band seines „Prinzip Hoffworfen wurden. Müssen diese für unser Empfinden zwangsläufig Bilder der Unbehaustheit nung“. Bedeutsames Beispiel: das Pantheon in Rom, „Kuppelhöhle und Himmelskuppel zugleich. und Verlassenheit sein, wie es Pascal und Camus empfanden? Wie nirgends an einem klassischen Bauwerk ist... an diesem späten das heidnisch geglaubte, sicht- (33) Minkowski, E.: Le Temps vécu. Etudes phénoménologiques et psychopathologiques. Paris 1933, S. 367, Übers. Bolinow. (34) Kap. 6, S. 54/55 von Plutarchs Moralia, Loeb Bd. 12. (35) Eliade (s. Anm. 26), Kap. 3 „Die Symbolik des ,MittelpunktesTM, S. 16-21. 62 (36) Frankfurt 1968, Kapitel „Bauen, die eine bessere Welt abbilden, architektonische Utopien“, (37) Freudenfeld, B.: Geistige Grundlagen der Technikkritik, in: Industriegesellschaft und technotogische Herausforderung. Hrsg. v. W. Schlaffke und O. Vogel. Köln 1981, S. 13 ff.

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Heimat In der Unendlichkeh? > Ou Der bekannte amerikanische Astrophysiker und begeisterte Naturphilosoph Carl Sagan schreibt: „Erst gestern haben wir den Kosmos entdeckt: Nachdem es für uns eine Jahrmillion lang nur einen einzigen Ort, die Erde, gegeben hatte, muBten wir im letzten Zehntelprozent der Menschheitsgeschichte, im Augenblick zwischen Aristarch und uns, widerstrebend erkennen, daB wir weder Mittelpunkt noch Zweck des Universums sind, sondern auf einer winzigen zerbrechlichen und gefährdeten Welt, verloren in der UnermeBlichkeit von Raum und Zeit, auf dem groBen kosmischen Ozean zwischen hundert Milliarden Galaxien und einer Milliarde Billionen Sternen dahintreiben. So haben wir uns denn tapfer aufs Meer hinausgewagt (Hervorhebung von mir) und es unserem Wesen gemäß und ganz nach unserem Geschmack gefunden. Etwas in uns erkennt den Kosmos als Heimat wieder. Denn wir sind Wesen aus Sternenasche, nach Ursprung und Evolution mit fernen kosmischen Vorgängen verquickt. So wird die Erforschung des Kosmos zur Entdeckungsreise zu unseren eigenen Ursprüngen.“?? Alle Kosmologien, welche Menschen seit den Frühphasen ihrer Geschichte entworfen haben, sind zugleich Versuche, den Ort des Menschen in der Welt zu bestimmen. Dies gilt im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Immer ist, wenn auch in symbolischer Verhüllung, Stellung genommen zur Frage nach den elementaren Bedingungen menschlicher Existenz: Wie steht es mit Freiheit und Bindung? um unser Verhältnis zur Heimat, zur Fremde, zu den Mitmenschen, zur Transzendenz? Das dominierende Weltbild der Antike weist uns nachdrücklich darauf hin, wie stark im Menschen das Bedürfnis nach Geborgenheit in einem überschaubaren Lebenskreis, nach einem festen, verläßlichen Standort verwurzelt ist. Andere Ansätze erscheinen kühner, vielleicht souveräner, realistischer; aber implizieren sie, so wird man fragen dürfen, nicht zugleich eine Überforderung des Menschen? Wenn uns der Weg zurück zum geozentrischen Weltbild schon verwehrt ist, sollten wir dann nicht wenigstens das zu retten versuchen, was es als „Zweitbedeutung“ mitbekundet? Zuverlässige Bindungen an Menschen, an Orte, Heimischsein in einem bergenden Lebenskreis? Oder müssen wir uns heute allemal „tapfer aufs Meer hinauswagen“? mehr Freiheit, mehr Mobilität gewinnen als alle früheren Generationen? Was kann uns zur Heimat werden?— Fragen, auf die der Schüler hingelenkt werden sollte, deren existenzielle Bedeutung er erfassen sollte, für die ihm aber keine verbindlichen Lösungen geboten werden können. Klaus Eyselein, Kurpfalzstr. 6, 6704 Mutterstadt. (38) Sagan, C.: Unser Kosmos. Eine Reise durch das Weltall, Mit 500 meist farbigen Abbildungen. München 1982, S. 330.