Zum Ursprung des Wortes 'Philosophie'

Auteur
Riedweg, C.
Verschenen in
Antike Literatur in neuer Deutung
Jaar
2004
Onderwerp
ORIGIN
Taal
Deutsch
Categorie
C7 Filosofie
Archiefnummer
3442

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Zona oder Pythagoras von Samos als Wortschópfer CHRISTOPH RIEDWEG ‘Philosophie’ ist vielleicht eine der erfolgreichsten Wortschépfungen der griechisch-rémischen Antike. Dariiber, was auf der Inhaltsseite unter diesem sprachlichen Zeichen zu verstehen ist, diirften die Meinungen heute stark auseinandergehen — in dem 1995 erschienenen Oxford Companion to Philosophy wird von Anthony Quinton als knappste konsensfähige Definition “Denken über Denken” vorgeschlagen.’ Auf der Ausdrucksseite, als Lautgebilde oder ‘signifiant’, hat ‘Philosophie’ jedenfalls in fast alle Kultursprachen Eingang gefunden: von einer “Globalisierung der Philosophie und des Philosophie-Begriffs” spricht Wilhelm Halbfaß im Historischen Wörterbuch der Philosophie.” Bei einem so einfluBreichen Wort ist es im Grunde selbstverständlich, daß seiner Herkunft È, seit langem besondere Aufmerksamkeit geschenkt wird. Die antiken Zeugnisse verweisen einhellig auf Pythagoras von Samos: Es i Lo heißt, er sei der erste gewesen, der sich als @iAdco@os — als einen, dem die fd copia, die Weisheit, besonders lieb ist’ — bezeichngt,habe. Vom zeitlichen An"satz her eignet dieser Zuweisung durchaus eine gewisse Plausibilität. Pythagoras * lebte wohl von ca. 570 bis ca. 480 v. Chr. Während die Wortfamilie gıA000pog, À i grocogia, pihocopeiv, pilocopixôçs in der ältesten griechischen Literatur noch nicht belegt ist, begegnet sie erstmals bei einem etwas jüngeren Zeitgenossen des Pythagoras, Heraklit von Ephesos, dessen Zeugnis allerdings ebenso wie das des Eleaten Zenon nicht unumstritten ist (darauf wird zuriickzukommen sein). Der nächste Beleg findet sich bei Herodot, der das Verb piAocogeiv im ye ANTIKE us ' Quinton (1995: 666): “The shortest definition, and it is quite a good one, is that philosophy is D ZI. under thinking about thinking.” ? HalbfaB (1989: 867). > Zum ursprünglichen Verständnis und zur Wortbildung s. unten.

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Zusammenhang mit dem ‘weisen’ Solon schon ganz selbstverstindlich verwendie Frage in seiner Monographie über Herakleides Pontikos 1980 neu aufgerollt hat, zum Schluß, daß sich die meisten Elemente von Herakleides’ Erzählung in det. Weitere Stellen bei den Sophisten Antiphon, Prodikos und Gorgias sowie bei Thukydides und in den hippokratischen Schriften deuten darauf hin, daB das Wort im intellektuellen Diskurs der zweiten Hälfte des 5. Jh. v. Chr. bereits seinen festen Platz hatte.‘ 149 erheblich frühere Zeit zuriickverfolgen lassen.” Neben Monique Dixsaut (1985: 45-51), Michaela Sassi (1988: 578-579) und Theodor Ebert (2001: 429-431)'° hat sich in jüngster Zeit auch Leonid Zhmud (1997: 290-292) positiv geäußert, nicht so schlecht ins Bild der Uberlieferung zu passen. Gleichwohl wird der dessen Ausführungen freilich etwas summarisch bleiben und, da er der insgesamt verworrenen Pythagorasüberlieferung nicht immer kritisch genug gegen- Wert dieser nicht vor dem 4. Jh. v. Chr. belegten Nachricht in der modernen übersteht, allgemein gewissen Vorbehalten unterliegen.'! Forschung nach wie vor sehr unterschiedlich beurteilt, wobei die Bereitschaft, Der Versuch, die antike Überlieferung im Lichte der Forschung der letzten Jahre neu zu lesen und sie vor allem auf ihren historischen Gehalt hin zu befra- Eine Wortprägung durch Pythagoras scheint auf den ersten Blick also gar einen älteren Kern anzuerkennen, in den letzten Jahren eher gestiegen ist, ohne über “Ursprung und Kreislauf des philosophischen Lebensideals” (1960 = 1928) gen, bedarf angesichts der Bedeutung des Wortes kaum ausführlicher Begründung. Ein Vorgehen in drei Schritten scheint angezeigt: Im Anschluß an die Rekonstruktion des Herakleidestextes (I.) sind zunächst die fiktiven und die die platonisch-aristotelische Formung der antiken Hauptquelle, einer Schrift des möglicherweise akademisch-peripatetischen Elemente der Erzählung zu erörtern indessen die skeptische Einschätzung ganz zu verdrangen. Diese wurde wesentlich durch Werner Jaeger bestimmt, der in seiner vielbeachteten Abhandlung Herakleides Pontikos, herausstellte.” Seine These hat in Walter Burkert einen mächtigen Fürsprecher gefunden,° der Jaegers Argumentation in einem 1960 im tal senso sia necessariamente sospetta”). Vgl. ferner Gladigow (1965: 26-27, optimistischer: 30), Brisson (1990: 55-58) und Brisson-Segonds (1996: 166), Sier (1997: 87-88), Lurje (2002: 225226 Anm. 13), Staab (2002: 287-288 Anm. 716); differenziert Wehrli (1972 = 1961: 221 Anm. 9): Burkerts Nachweis, daß “die Ausdeutung des Wortes Philosoph platonisch bedingt sei”, gelte Hermes publizierten Artikel um zahlreiche neue Aspekte bereicherte.’ Es ist gewiß dem Einfluß dieses Artikels zuzuschreiben, daß die negative Sicht in ein Standardwerk wie das Historische Wörterbuch der Philosophie eingegangen ist “nicht für den Vergleich der philosophischen Bewpia mit derjenigen des von Ehrgeiz und Gewinnsucht freien Festbesuchers”; umgekehrt (ravrjyupız-Vergleich vielleicht nicht alt, P1A000pos jedoch schon) mit Joly (s. oben Anm. 7) de Vogel (1966: 99-102); vgl. de Vogel (1970a: 7- und auch von Gelehrten wie Pierre Hadot oder Michael Frede ohne weiteres als gegeben betrachtet wird.® Auf der anderen Seite kam Hans B. Gottschalk, der 8) und (19706: 70-71). Gottschalk (1980: 23-36, vgl. 113) (einzig bei der Tendenz “to exalt the contemplative life to the * Stellen bei Malingrey (1961: 39-46). exclusion of practical activity” macht er eine Einschränkung [30-31]; doch ist der Zusatz “to the Jaeger hielt insbesondere die in der Überlieferung mit der Woriprigung aufs engste verbundene exclusion of practical activity” wirklich berechtigt? Die Haltung des wißbegierigen Betrachtens Vorstellung eines ganz der philosophischen Betrachtung gewidmeten Lebens (Bios Bewpntixds) der Welt steht jedenfalls auch beim Herodoteischen Solon in keinem unüberbrückbaren Gegenfür eine Schöpfung Platons (vgl. unten). : satz zu seiner praktischen Betätigung [1.29-30, s. unten]; Vg).auBerdem für eine Verbindung der Auch viele andere Forscher schlossen sich Jaeger an; vgl. u.a. Rathmann (1933: 24-27), Festubeiden Tätigkeiten, wie sie auch für Archytas charakteristisch war, Pl. Tim. 20a Uber Timaios). gière (1967 = 1950: 18) (allerdings mit gewichtigen Einschränkungen in der Fortsetzung) und Vgl.im übrigen schon Cameron (1938: u.a. 30): “Heracleides (...]in the supposed conversation (1971 = 1958: 118-119), Wehrli (1969: 89), Rausch (1982: 72). Kritik an Jaeger u.a. bei Cameron (1938: 29-36), Joly (1956: 24-28), Morrison (1958: 208), Müller (1960), Guthrie (1962: 164- 3 with Leon was continuing a tradition of Pythagoras well established in the fifth century.” Während Ebert (1994: 12 Anm. 14) es noch für wahrscheinlich hielt, daß Pythagoras dem Wort 166, vgl. 204-205), Eriksen (1974: 11-14); vgl. auch Mondolfo (1938: bes. 123-124), Redlow zumindest “einen neuen, emphatischen Sinn gegeben hat”, begnügt er sich im neuen Aufsatz (1966: 48-49). damit, Herakleides’ Erzählung als Zeugnis dafür zu sehen, “that there were followers of this man Burkert richtete sich hauptsächlich gegen Joly (1956), der übrigens lediglich die Wortprägung who liked to call themselves ‘philosophers’” (2001: 431). Pythagoras selbst zuschreibt (den Vergleich des Lebens mit einem Fest führt er auf einen Schüler Vgl. im übrigen auch noch Lesz! (1988: 202) (“Le testimonianze antiche [...] possono contenere zurück: 33; vgl. auch Joly 1994 = 1970: 21-22 und 31), und gegen Morrison (1958: 207-209). un nocciolo antico”), Cerri (1999: 34-35) (allerdings uninformiert über die Forschungsdis- ® Kranz (1989: 573), Hadot (1995: 35 mit Anm. 1), Frede (1996: 42-43). Auch die ausführlichere kussion), Rutherford (2000: 141) (über den Festvergleich und die Unterscheidung dreier Biot: “it Erörterung von Centrone (1996: 93-98) ist unter Burkerts Einfluß auf einen skeptischen Ton gemay even be as early as Pythagoras himself”); vorsichtig positiv schon Chroust (1964) (vgl. 432: stimmt, wobei im Fazit eine positivere Beurieilung zwar anklingt, jedoch wegen der problemati- “there exists no compelling reason or evidence which would deny Pythagoras the distinction of schen communis opinio, Pythagoras habe nichts geschrieben, sogleich wieder zurückgenommen having coined or used for the first time the term ‘philosopher,’ although the substantial meaning wird (97: “Resta possibile che al termine ‘filosofia’ sia stato dato per la prima volta da Pitagora of this term, as it was used by Pythagoras, differs considerably from that which, for instance, un risalto particolare, ma l'assenza di opere scritte rende evidente come qualsiasi attribuzione in Plato attributes to it”).

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(II.), ehe versucht werden soll, vorplatonische Züge der Anekdote zu ermitteln 151 (9) Pythagoram autem respondisse similem sibi videri vitam hominum et (m.).” mercatum eum qui haberetur maxumo ludorum apparatu totius Graeciae celebritate;” nam ut illic” alii corporibus exercitatis gloriam et nobilitatem coronae peterent,” alii emendi aut vendendi quaestu et lucro ducerentur,” esset I. Herakleides’ Erzählung ist nur fragmentarisch erhalten. Für die philologische autem quoddam genus eorum, idque vel maxime ingenuum,” qui nec plausum nec Rekonstruktion ist vom ausführlichen Bericht Ciceros.auszugehen, der im 5. lucrum quaererent, sed visendi causa venirent studioseque perspicerent quid Buch seiner Tusculanen im Anschluß an den eindrücklichen Hymnus auf die ageretur et quo modo,” item nos” quasi in mercatus quandam celebritatem ex Philosophie als vitae dux! die irrige Annahme zu entkräften sucht, es handle urbe aliqua sic in hanc vitam ex alia vita et natura profectos” alios gloriae sersich bei dieser wundervollen Kraft um etwas Neues: einzig der Name sei jung, vire, alios pecuniae;” raros esse quosdam” qui ceteris omnibus pro nihilo habiund diejenigen, die ihr ganzes Streben auf die Betrachtung der Dinge verlegt hätten, seien früher ‘Weise’ genannt worden (Tusc. 5.8-9 = fr. 88 Wehrli): '* similem sibi videri vitam hominum et mercatum eum qui haberetur maxumo ludorum apparatu [...] idque eorum nomen usque ad Pythagorae manavit aetatem, quem, ut scribit totius Graeciae celebritate: vgl. xai tov Blov éoucévar ravnydpet (Sosikrates apud Diog. Laert. auditor Platonis Ponticus Heraclides, vir doctus in primis, Phliuntem ferunt ve- 8.8) und goxtvan yáp Éqn thy eis rdv Blov sv dydpórov répobov tH ini 1ùç navnybpeıs árovrtóvn öniAgp (lambl. VPyth. 58) sowie dog eig neydaAnv tivó zaviyupıv eis tov Biov Kai eig tov obpxavta xóouov éncyovca. (sc. h pboıc) (Longin De subl. 35.2), ferner unten Anm. nisse eumque cum Leonte, principe Phliasiorum, docte et copiose disseruisse quaedam." cuius ingenium et eloquentiam cum admiratus esset Leon, quaesivisse 27. ex eo'* qua maxime arte confideret; at illum artem quidem se scire nullam, sed nam ut illic: &xeige i yap (lambl. VPyth. 58). alii [...] alii: vel. pèv oi [...] gi Sè (Sosikrates apud Diog. Laert. 8.8) und @AAos Kat’ £Adov esse philosophum. admiratum Leontem novitatem nominis'“ quaesivisse'” quinam xpeiav dpucveitar bzw. pév 6 [...] è Sè (lambl. VPyth. 58). alii corporibus exercitatis gloriam et nobilitatem coronae peterent: vgl. è Sè G6Enç Évexa Enıder&önevog fixer Thy popnv tod gozos (Iambl. VPyrh. 58). essent philosophi, et quid inter eos et reliquos interesset.'* alii emendi aut vendendi quaestu et lucro ducerentur: vgl. uëv 6 yonuatiopod te Kai xépSovc '2 Zusammenfassung einer Vorgängerversion der folgenden Ausführungen in Riedweg (2002: 120Freude, diese Untersuchung dem verehrten Basler Kollegen Joachim Latacz zu widmen, der es yápiv anepnoAijoar tov póptov Eneryönevog (Iambi. VPyth. 58) bzw. où Sè noAAoi tiv dvOpdnwv ol pèv dyngdpevor oi Sè xwAngovtes (Epiktet 2.14.23). esset autem quoddam genus eorum idque vel maxime ingenuum: tati Sì voi tpitov eldoc ai 16 immer so vorzüglich verstanden hat und versteht, die Aktualität antiker Texte und Reflexionen ye ¿Aevdeprórarov (lambl. VPyrh. 58). aufzuzeigen und auch über den engeren Fachkreis hinaus zu vermitteln. visendi causa venirent studioseque perspicerent quid ageretur et quo modo: vgl. cuvaArCopevov 128); vgl. auch Neue Zürcher Zeitung, 2./3. Februar 2002 (Nr. 27): 80. — Es ist mir eine große 3 Tusc. 5.5: O vitae philosophia dux, o virtutis indagatrix expultrixque vitiorum! quid non modo nos, sed omnino vita hominum sine te esse potuisset? tu urbis peperisti, tu dissipatos homines in societatem vitae convocasti [...] ad te confugimus, a te opem petimus, tibi nos, utantea magna ex te sic nunc penitus totosque tradimus etc. * eumque cum Leonte, principe Phliasiorum, {...] disseruisse: vgl. &v Eıxvavı 5odeyóuevos Atovn 19 Lixveviov tupévvo fi Phiagiwv, cad pnoiv "HparAeibng d Movruég (Diog. Laert. 1.12 = Herakl. fr. 87 Wehrli). 'S quaesivisse ex eo: vgl. ¿pomdévta bro Aéovtos Tod Bitagiav tupavvov tig ein (Sosikrates fr. ténwv Géac Évexa Kai Snpriovpynuatov Kadav rai dpetiic Epywv (lambl. VPyrh. 58) und oi ji épréuevor Kod Olav sfic novnyópens, nic tobro rivera Kal did ti Kai tives ol tuévres thy Av govhyupw Kai éxi tive (Epiktet 2.14.23; vgl. 2.14.25, 2.14.28 und 4.1.105-106), ferner [...] dsonep eis &yüva iepôv, Ep” Pedoacbar tà yvóneva (Synesios Provid. 2.8.3) und &guxvoüvF1 404 [...] mpdc tás rovnyóper ol pév totopiac Everev tüv te &AAwVv Deapárov Kal tav dyóvov (Dio Chrys. Or. 77.5 von Amim). "38 item nos: oútos Si Kav tH Bip (Iambl. VPyth. 58) bzw. oùrax rai évOa5' Ev tH ravnyopei toœûtn (Epiktet 2.14.24). 17, FHG 4, 503 = Diog. Laert. 8.8) und xat& thy Mudayópov ardrpioi, iv ele vois év quasi in mercatus quandam celebritatem ex urbe aliqua sic in hanc vitam ex alia vita et natura MArtvtr ruvdavonévors tig goti Kai tivos Evexa yéyove (lambl. Protr. p. 4.10-12 Pistelli = profectos: vgl. dxnodnpias SÈ tuyyavew has dei | tobg C@vtas, naviyupiv bonep eis tiva | 37.13-14 des Places), apewevous Ex tod Gavatov Kai tod oxdtoug | eig thy SratpiPiyy eig to ids te 1008" 6 Si | 18 novitatem nominis: vgl, Aéyerou Sè Mudayópas npotos piAdcogov tavtov npooayopedoat, où öpünev (Alexis fr. 222.10-14 K.-A.; 222.17 [...] navnyupicas fô1ot' armAfev oïxade) (ähnlich kawod póvov óvónaros bráplacs, «MAR Kai npàyua oixeiov rpoexdidaoxov zpnoipws Men, fr. 871.1-2 K.-A.). Zu in hanc vitam [...] profectos vgl. auch toútov (sc. Bewpias tis (lambl. VPyth. 58). pÜaeus) Évera napeAnAußevar sic tov Biov (lambl. Protr. p. 51 Pistelli) und thy eis tov Biov 1? quaesivisse: vgl. oben zu quaesivisse ex eo. !! quid inter eos et reliquos interesset: vgl. oxeddv yap taîg cywyaic Sragépew toba pèv avOpanovg tav Bnpicwv [...], robs dt praogogpove tv tuyovtmy (Iambl. VPyrh. 44). av avOpanov napodov (Iambl. VPyrh. 58). 2 alios gloriae servire, alios pecuniae: vgl. 1066 pèv yap xondtov Kai tpugîig aipeî nößog, todc Sè apyfig Kai hyepoviasTuepos prdoverriar te SoEopaveic Katéxovor (lambl. VPyth. 58).

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153 tis” rerum naturam studiose intuerentur; hos se appellare sapientiae studiosos" che Weise: desgleichen seien wir, wie zur Festversammlung eines Jahrmarkts aus (id est enim philosophos); et ut illic liberalissimum esset spectare nihil sibi adeiner Stadt, so in dieses Leben aus einem anderen Leben und einer [anderen] quirentem, sic in vita longe omnibus studiis contemplationem rerum cognitio- Natur” aufgebrochen und würden nun teils dem Ruhm, teils dem Geld dienen; nemque praestare.” nur einige wenige gebe es, die von allem übrigen nichts hielten und [einzig] das [...] und diese Bezeichnung für sie hielt sich bis in die Zeit des Pythagoras. Von ihm wird — wie der Platonhörer Herakleides Pontikos, ein außerordentlich gebildeter Mann, schreibt — berichtet, er sei nach Phleius gekommen und habe sich mit Leon, dem Herrscher der Phleiasier, über etliche Dinge gelehrt und redegewandt Wesen der Dinge wißbegierig betrachteten. Diese nenne er ‘nach Weisheit Strebende’ (das heißt nämlich ‘Philo-sophen’). Und wie dort das Zusehen, ohne sich etwas zu erwerben, das Vornehmste sei, so überrage im Leben die Betrachtung und Erforschung der Dinge alle [anderen] Betätigungen bei weitem. unterhalten. Da Leon seine Intelligenz und Beredtheit bewunderte, habe er ihn Eine farbenfrohe, eindrucksvolle Schilderung. Als Vergleichspunkt dienen Hegefragt, auf welche Kunstfertigkeit er sein Selbstvertrauen denn insbesondere rakleides dabei wohl nicht irgendwelche Spiele, sondern diejenigen von Olymstütze. Er aber [habe erwidert], er verstehe sich auf keine Kunst, sondern sei pia, die panhellenischen Spiele xat' ¿Eoxñv.* ‘Philo-soph’. Aus Verwunderung über die neue Bezeichnung habe Leon gefragt, Wie eng sich Cicero an den originalen Wortlaut hält, zeigen insbesondere die was denn Philosophen seien und welcher Unterschied zwischen ihnen und den vielen wörtlichen Übereinstimmungen mit einer leicht abgeänderten und um die übrigen Menschen bestehe. Begegnung mit Leon gekürzten Fassung in lamblichs Vita Pythagorica 58, der (9) Pythagoras aber habe geantwortet, das Leben der Menschen scheine ihm vermutlich über ein verlorenes Zwischenglied ebenfalls aus Herakleides jenem Markt ähnlich, der im Rahmen der glänzendsten Spiele unter festlicher schöpft.”° Die Entsprechungen dieses und weiterer griechischer Texte mit Cicero Beteiligung ganz Griechenlands abgehalten werde. Denn wie dort die einen mit sind oben in den Fußnoten verzeichnet.” ihren trainierten Körpern nach Ruhm und Ehre des Siegeskranzes strebten, andere Über das Werk, aus dem die Episode stammt, und über den ursprünglichen durch die Aussicht auf profitable Kauf- und Verkaufsgeschäfte angezogen wür- Kontext schweigt Cicero. Wenigstens für den Werktitel hilft hier ein späteres den, es aber auch einen Typus von Menschen gebe (und dies sei unstreitig der griechisches Zeugnis weiter, welches allerdings wieder eigene Probleme aufvornehmste), die weder Applaus noch Profit suchten, sondern um des Schauens wirft (Diog. Laert. 1.12 = Herakleides fr. 87 Wehrli): willen kämen und wißbegierig sich genau ansähen, was sich zutrage und auf welpuocopiav SÈ rp@tog wvôuace MvOaydpacg kai éavtdv pulócopov, Ev Lixvovi SiaAeyopevog Akovrı TO Likvoviwv tupdvv@ À PAieraciov, kadd. 2” raros esse quosdam: dhiyou Sé nvéc eiouv (Epiktet 2.14.23; vgl. 2.14.25). gnaw "Hpaxkeiöng 6 Movtixos év tH Mepi ig vou: undéva yep elvaı copdv % ceteris omnibus pro nihilo habitis: vgl. ds 1@v GAdov ye navrov obdevös &Eiov Ovroiv (Arist: [avOpwrov}” GAX’ ñ Beóv. a, Protr. fr. 11 Ross = 19 Düring = fr. 73.58 Gigon = Iambl. Protr. 9 p. 51.15 Pistelli = 81.19-20 des Places, in einer vergleichbaren Episode, allerdings mit Anaxagoras anstelle des Pythagoras). a 3 Del studiosos: vgl. eiAxpwéatatov Se elvor todtov avOpanov tporov, tov dnodeEdpevov thy tov % Eine Anspielung auf die Seelenwanderung. * Dies zumindest legt die superlativische Diktion maxumo ludorum apparatu totius Graeciae KaAAiotwv Bempiav, Sv Kai xpocovopatew orddcogov und tiv tod cbunavtos odpavod celebritate nahe; in cinigen Brechungen der Geschichte wird entsprechend verdeutlicht (lambl. raros esse quosdam qui [...] rerum naturam studiose intuerentur; hos se appellare sapientiae Béav (lambl. VPyth. 58 und 59), ferner gavtòv Sè Bewpdv Épaoxev elvar tic phoeus Kai Tob- VPyth. 44; Val. Max. 8.7 Ext. 2, wo unmittelbar davor ad Olympicum certamen descendit steht; tov Évexa napeAnAvévat eig tov Biov (Iambl. Protr. p. 51.9-10 Pistelli = 81.14-15 des Places) vgl. Epiktet 4.1.106). Vgl. auch Dougan (1934: II 209, ad loc.): “the periphrasis is probably inund npogayopever tods tiv tOv puoixüv Bempiav ackodvras pulogégous (Ammonios In tended, not to provide an equivalent for ravniyupıc, but to avoid the mention of the particular Porph. isag. p. 9.20 Busse), Greek festival which Cic. found specified in his authority for the story”; anders Gottschalk ut illic liberalissimum esset spectare nihil sibi adquirentem, sic in vita longe omnibus studiis (1980: 25). contemplationem rerum cognitionemque praestare: vgl. &onep yup cig 'OXvpriav ario Evexa tis Déas aroSnuodpev, xai ei undiv péAAor nAelov an’ avtfig EceaBar (adri yap i Bempia % Vgl. Burkert (1960: 160-161 Anm. 5). Knapper Hinweis auf die Wortprägung im übrigen auch in kpeitrov roMóv toni xpnuätuv) [...], obt@ Kai thy Pewpiav tod ravrós npotuuntéov navrov * Gegenüberstellung der beiden Hauptquellen bei Joly (1956: 43-44); die wichtigeren Parallelen tav Soxovvtev eivai xpnoipov (Arist. Protr. fr. 12 Ross = 44 During = fr. 73.63 Gigon = lambl. Protr. 9 p. 53.19-26 Pistelli = 83.19-27 des Places). lambl. VPyrh. 44, 159 und 162. führt Joly (1956: 47) auf, einige Ergänzungen dazu bei Burkert (1960: 160 Anm. 5). ” Secl. Cobet.

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Als erster verwandte Pythagoras die Bezeichnung ‘Philosophie’ und [nannte] sich PAciaciov Gesagte stimmt (der Infinitiv schließt inhaltlich jedenfalls an d10- selbst einen Philosophen, als er sich in Sikyon mit Leon unterhielt, dem Tyrannen Aeyóuevos an). Doch auch unabhängig davon ist Gottschalk (1980: 25) zuzuder Sikyonier — oder der Phleiasier, wie Herakleides, der Pontiker, in seinem stimmen, wenn er feststellt, daß sich die Ergänzung schlecht in den argumenta- Werk ‘Uber die nicht [mehr] atmende Frau’ sagt. Keiner sei nämlich weise auBer tiven Duktus der Anekdote einfügt. Der Vergleichsgruppe der Philosophen, den Gott. als Beobachtern am Fest in Olympia Teilnehmenden, bleibt das erhoffte Ver- 154 Zwei Abweichungen gegenüber Cicero springen ins Auge.” Erstens ist der Ort der Unterredung nicht Phleius, sondern Sikyon. Leon wird entsprechend zunächst als Tyrann der Sikyonier eingeführt, bevor ‘oder der Phleiasier' nachgei: à Argument gegen die Echtheit des Zusatzes zu gewinnen. Im Zentrum der Schrift ‘ gende Frau offenbar für tot hielten, erkannte Empedokles (wohl aufgrund seiner einzigartigen Einsicht in das Wesen der Dinge), daß ihre Seele lediglich in Ekauf ®Aeiaciwv zu begrenzen (was im Text mit einem Gedankenstrich bzw. stase den Leib für eine Weile verlassen hatte.” Die wundersame Wiedererwekdurch Parenthese des Halbsatzes Y DAeraoiwv [...] œnvou verdeutlicht werden kung der Frau wird als triumphale Krönung des Lebenswerkes geschildert workönnte). Sicher beweisen läßt sich das nicht, eine solche Deutung erklärt jedoch Neu gegenüber Cicero ist zweitens die Erläuterung der Wortprägung durch den Zusatz ‘Denn keiner sei weise außer Gott’. Ob dieser Zusatz — er gemahnt heiten’ stand, aus den wenigen erhaltenen Fragmenten zu schließen, Empedo- “. kles von Akragas. Während die ‘Schulmediziner’ eine seit Tagen reglos daliedeszitat in diesem Zeugnis, wie schon Schwartz (1903: 752) angenommen hat,” das Schwanken am besten.” Auch aus dem größeren Zusammenhang ist mit Gottschalk (1980: 25-26) ein mit dem Doppeltitel ‘Uber die Frau, die nicht [mehr] atmet, oder Uber Krankauch in den anderen Zeugnissen, soweit sie sich dazu äußern, mit Bestimmtheit bei Herakleides vorgekommen sein. Trifft dies zu, dann ist das direkte Herakleignügen des wißbegierigen Schauens gewiß nicht verwehrt. Weshalb sollte dies È: dann bei den Philosophen, auf die der Vergleich ja zielt, der Fall sein? tragen wird. Da Cicero diesbezüglich keine Spur von Unsicherheit verrät und Phleius bzw. Leon als Tyrann der Phleiasier genannt wird, dürfte Sikyon kaum 155 ve. den sein, die direkt in die Entrückung und Vergöttlichung des naturphilosophiàn schen Thaumaturgen miindete.“ Pythagoras dürfte von Herakleides, an welcher ‘Stelle des Werks auch immer,’ als dessen Lehrmeister und Vorbild eingeführt sehr stark an Äußerungen Platons* - tatsächlich auf Herakleides zurückgeht, ist in der Forschung umstritten.* Die Frage erübrigt sich, falls das eben zu fi Philosophiehistoriker Sosikrates als Quelle nennt (fr. 17, FHG 4, 503), dessen Abhängigkeit von Herakleides unverkennbar ist. Wie Gottschalk (1980: 26) zutreffend bemerkt, sind die beschei- * Vel. auch Gottschalk (1980: 24-26). * Zustimmend Spoerri (1958: 188 Anm. 6), Gottschalk (1980: 26). e Anders Lévy (1926: 28 Anm. 1) und Joly (1956: 45-46), doch vgl. Gottschalk (1980: 25). dene Bestimmung der Philosophie und der Panegyrisvergleich bzw. die Wahl dreier Lebensfor. men “alternative ways of explaining those strange terms, philosophy and philosopher” und treten . nie zusammen auf (lediglich ersteres z.B. auch Anon. Diodori 10.10, p. 233 Thesleff; nur der 4 Engste Parallele ist Pl. Phdr. 278d Td piv copóv, & Oniôpe, xaAeîv Euorye pera elvar Soxei Panegyrisvergleich Synes. Provid. 2.8). Der platonisierende Zusatz ist nicht zuletzt in der doxo- Kai ded pdvep xpénew: 70 Se ñ pilócopov À torodróv tr yv te Gv adtH Kat apporto: Kai | graphischen Tradition verbreitet, in welche die Notiz wohl früh Aufnahme fand (vielleicht beéupedeotépws Exot (‘[Ihn — sc. den dialektisch geschulten Schriftsteller und Denker, der stets reits bei Theophrast? Vgl. allgemein Burkert 1972: 62-63): ausser Diog. Laert. 1.12 (die obige dazu imstande ist, ein von ihm schriftlich behandeltes Thema im Gespräch wesentlich zu vertie- Deutung vorausgesetzt) vgl. Clem. Alex. Strom. 4.9.1; August. Civ. 8.2 (davon abhängig Isid. fen} weise zu nennen, lieber Phaidros, scheint mir zumindest vermessen und allein für einen Gott Etym. 8.6.2; vgl. 14.6.31); August. De trin. 14.1.2. (BloBe Erwähnung der Wortprägung: Aetios angemessen; ihn aber ‘nach Weisheit strebend’ [Philo-soph] zu nennen oder etwas Âhnliches, Plac. 1.3.8; Quint. Inst. 12.1.19; Max. Tyr. 1.2a; Apuleius Apol. 4.7; Clem. Alex. Strom. 1.61.4; paßt wohl eher zu ihm und ist stimmiger’; die Verbindung zu Pythagoras’ Namengebung stellt Eus. Chron. p. 14.2-4 Helm und Praep. ev. 10.4.13; Ambros. De Abr. 2.7.37; August. Civ. explizit der neuplatonische Kommentator Hermeias, p. 264.9-13 Couvreur her); vgl. ferner PI. Lysis 218a und Symp. 204a (Apol. 23a ist ebenfalls einschlägig, vgl. Joly 1994 = 1970: 20-21), 18.37.) w Gottschalk (1980: 18-22). ausserdem auch Arist. Mer. A 2, 982b28-983a11. — Zur Bedeutung der ‘pessimistic view of phi- “ Vgl. fr. 83-86 Wehrli. losophy’ bei Platon und zu ihrer Herkunft vgl. Gladigow (1965: 93) und Gottschalk (1980: 28-29 ® Gottschalk (1980: 17 und 32) denkt an das Symposion, welches sich gemäß fr. 83 Wehrli an die und 35-36). Zhmud (1997: 290-291) betont im übrigen unter Hinweis auf Alkmaion 24 B 1 und Wiederbelebung der Frau anschloß (32: “Perhaps the guests at Empedocles' banquet also talked Philolaos 44 B 6 D.-K., “daß der Vergleich der göttlichen Weisheit mit dem beschränkten about the origin of philosophy and the contribution made by the Seven Sages and others. Pythamenschlichen Wissen auch in der pythagoreischen Tradition verankert ist”. goras would have been given a pivotal role in its development; he could have been contrasted * Für Authentizität außer Jaeger und Burkert u.a. auch Brisson (1990: 57) und Kahn (2001: 68 Anm. 12). - Der Zusatz fehlt übrigens in Diog. Laert. 8.8, wo Diogenes den späthellenistischen with the Seven Sages as the first thinker to make contemplation the central objective of his life, Thales and Anaximander being conveniently forgotten.").

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157 worden sein, der selbst genauso wie dieser zur höchsten, die Grenzen des früheren ‘Weisen’?! auch sprachlich zu markieren. Dieser Gedanke dürfte in der Menschlichen übersteigenden Vollendung gelangt war. Die bescheidene Beeinen oder anderen Form bereits bei Herakleides vorgekommen sein: Aus den stimmung der Philosophie als eines fortwährenden Bemühens um etwas letztlich Erläuterungen, die in Ciceros Tusculanen dem Beginn des expliziten Heraklei- Unerreichbares erscheint in diesem Rahmen schwer vorstellbar. Schließlich deszitats vorausgehen und teilweise sehr wohl von Herakleides angeregt sein scheute sich Empedokles, dessen Verse Herakleides bei der Abfassung als eine könnten,” wird jedenfalls deutlich, daß die Neuprägung @.Adcogoc dem älteren Quelle dienten, ja auch nicht, sich selbst als Oeög &pBpotoc zu bezeichnen,* und Begriff vopós gegenübergestellt wurde.” Überdies mag eine sprachliche Pointe, für die Pythagoreer wissen wir aus alter, durch Aristoteles bezeugter Überliefedie Ciceros Übersetzung kaum mehr erahnen läßt, im griechischen Original rung, daß sie ihren Meister ähnlich einschätzten,*” Kurzum, der entsprechende Zusatz im Prooimion des Diogenes Laertios, der offenkundig von Platon beeinflußt ist und sich daher als Hauptzeugnis für einen le darin bestanden haben, daß cogdc bzw. copia bereits in der Frage des Tyrannen |: — bei Cicero qua maxime arte confideret — vorkamTM und dann durch die neue 1. Bezeichnung P1A60090g bzw. pulocogia in der Antwort überboten wurde. akademischen Ursprung der aitiologischen Geschichte geradezu anbietet,* ist * kaum auf Herakleides zurückzuführen. Der Wert der Diogenesstelle für die Rekonstruktion seiner Schrift reduziert sich damit auf die Zusatzinformation des II. Daß die meisten antiken Zeugnisse direkt oder indirekt auf Herakleides zu- Buchtitels, die freilich als einziger Anhaltspunkt für den ursprünglichen Zurückgehen,” besagt grundsätzlich noch nichts über den historischen Wert der sammenhang von nicht geringer Bedeutung ist. Ein Motiv für die Wortbildung klingtim übrigen beim Neupythagoreer Ni- 3! Wird mit tav xpd MuBaydpou rávtov copay xadovuévov ovyxexvuéveo dvopati bei Nikomakomachos von Gerasa (1./2. Jh. n. Chr.) an, wenn er zu Beginn seiner Introducchos vielleicht auch insinuiert, daB so konfus wie der Name, den Pythagoras’ Vorläufer trugen, tio arithmetica schreibt, alle Vorläufer des Pythagoras seien ‘mit einem verauch ihre (vor-)philosophischen Bemühungen waren? Jedenfalls geht es Nikomachos an dieser Stelle hauptsächlich darum, Pythagoras als den ersten wissenschaftlichen Philosophen zu feiern. schwommenen Ausdruck “Weise” genannt worden — nicht anders als auch ein Zur Kritik an den älteren Weisen vgl. auch Anon. Diodori 10.10, p. 233 Thesleff; de Vogel Zimmermann, ein Schuster, ein Schiffskapitän und überhaupt, wer in einer (1966: 102), Gottschalk (1980: 32). Kunst oder einem Handwerk geübt war’.” Die neue Selbstbezeichnung scheint Vgl. Dimmler (1889: 246): “Wahrscheinlich stammte aus demselben Dialog aber schon einiges also einem Unbehagen über das Wort cogéc zu entspringen, welches als zu wedem Citat vorhergehende, so wahrscheinlich die Uebersicht über den Gang der Forschung, da nig trennscharf empfunden wird: Pythagoras, von seinen Anhängern als ‘Wei- . Pythagoras doch motivieren mußte, weßhalb er sich nicht wie die früheren oopög nannte.” Nicht auszuschließen ist, daß in diesem dem Fragment vorausgehenden Abschnitt Herakleidisches Geser’ par excellence verehrt, gibt sich und seiner Tätigkeit einen eigenen Namen, dankengut u. U. indirekt über Poseidonios zu Cicero gelangte (für das Zitat selber halte ich dies um, durchaus selbstbewußt, seine Sonderstellung gegenüber anderen Fachleuten angesichts von Ciceros Vertrautheit mit Herakleides für wenig wahrscheinlich; anders mit ihren beschränkten Einzelkompetenzen und nicht zuletzt gegenüber den ‚ Gerhäusser 1912: 25-27, Heinemann 1921: 1 94 Anm. 4; Theiler 1982: 11 364); vgl. Hartlich „1. (1889: 286-290). ° Vgl. auch Val. Max. 8.7 ext. 2. * Also z.B. tiva téxvnv (oder év tivi exvn) copos el; (‘auf welche Kunst verstehst du dich ‘ denn?') bzw., noch enger an Cicero anschließend, tivi (téxvq Kai) copia réno1Bac: Vel. schon * 31 B 112.4 D.-K. éyà 5° dpiv Beds Ayßporog, odkért Ovntos | nwAcdpor per roi tetuuévoc, Worep fora «tA. * S. unten; vgl. auch Gladigow (1965: 26). “ Vgl. Burkert (1960: 161-166) (162: “den (...] zum Kern des Ganzen gehörigen Satz" etc.). “Lid. -] tev mpd NvBayépov navtov copav xadovpévov cvyrexupévo dvopati,bonep Kai ' Gottschalk (1980: 23 Anm. 30), der ‘“fftivi copia: isyvpiCorto or some such phrase” vorschlug. Unsicher bleiben drei Texte, die lediglich den raviyvpic-Vergleich enthalten, ohne Pythagoras oder seine Wortprigung zu erwähnen: (1) Alexis fr. 222.8-17 K.-A. und (2) Men. fr. 871 K.-A. (dazu Zuntz 1956: 227 Anm. 3, der es für möglich hält, “that a brief dictum, ‘Life is like a fair’, was popularly current and perhaps ascribed to Pythagoras before the time of Aristotle and Hera- TEKTWV Kat oxutotôpos Kai xufepvimg Kal ar AS6 téxvnc tivos À Snprovpyiac gumerpoc. kleides and utilized by the latter as well as, quite differently and independently, by Alexis [...] Von Nikomachos beeinflußt Ammon. In Porph. isag. p. 9.7-24 Busse; Anekd. Par. 3 p- 20-21 (= and Menander"; Joly 1994 = 1970: 24-26; anders zu Alexis Burkert 1960: 165 Anm. 3); (3) Schol. in Hom, Z. 15.410) und 4 p. 414-415 (= Exc. Philosophica ©) Cramer; vgl. auch lambl. /n Arist. Protr. fr. 12 Ross (= fr. 44 During = fr. 73.63 Gigon = Iambl. Prorr. 9 p. 53 Pistelli = 83 Nicom. Arithm. intr. 5 p. 5-6 Pistelli; Boethius Mus. 2.2. des Places) (s. unten) (vgl. Gottschalk 1980: 33-35; bei der Nennung des Pythagoras p. 51 * Zu dem ursprünglich in der Tat sehr weiten Bedeutungsspektrum von copég bzw. copia vgl. u.a. Malingrey (1961: 33-38), Gladigow (1965), Gottschalk (1980: 27), Dixsaut (1985: 46-47). Pistelli = 81 des Places dürfte es sich nach den überzeugenden Ausführungen von Burkert 1960: 166-169 dagegen eher um einen Einschub lamblichs handeln; anders Joly 1970: 145-147 = 1994;

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Nachricht. Allgemeine Erwägungen sprechen dafür, daß die Geschichte wohl kalisierung in Phleius — nicht anders als die isolierte Nachricht, Pythagoras’ 158 159 weder als ganze frei erfunden noch in allen Teilen zuverlässig ist. Ersteres Ahnen stammten aus dieser Stadt! - von der dortigen Pythagoreer-Gemeinde stimmt kaum mit Herakleides’ Arbeitsweise überein, soweit sie uns aus der ausging, die alles Interesse daran haben mußte, eine alte Beziehung zwischen fragmentarischen Überlieferung noch kenntlich ist: Auch im Falle der Wiederihrem Ort und Pythagoras herzustellen. Dies ergäbe als frühest möglichen tergeburten des Pythagoras beispielsweise erfindet Herakleides nicht gänzlich frei, minus post quem für diesen Teil der Geschichte die Mitte des 5. Jh. v. Chr. Auch beim Zwiegespräch mit Leon dürfte es sich um ein fiktives Element sondern greift ältere Überlieferung — Pythagoras als Reinkarnation des Euphorbos — auf und schmückt diese weiter aus.” Auf der anderen Seite ist allein schon : der Erzählung handeln. Von einem Tyrannen Leon aus Phleius ist sonst nichts schlichten Tatsachenberichte sind, sondern stets auch eine mimetische Eigendyi. bekannt, während der Name Leon unter den (vermutlich pythagoreischen) ‘4 Adressaten der Schrift des Alkmaion von Kroton sowie in dem wohl auf AristoD: xenos zurückgehenden Katalog der Pythagoreer bei Iamblich auftaucht. Die namik entfalten.’® Die heikle Aufgabe besteht also darin, den älteren Kern der Gegenüberstellung eines großen Denkers mit einem Alleinherrscher ist zudem Geschichte soweit wie möglich aus Herakleides’ narrativem Geflecht herauszuein in der Antike verbreiteter Erzähltopos.® vom literarischen Genre her zu erwarten, daß die Dialoge dieses begabten Schriftstellers, die übrigens Cicero als wichtiges Vorbild dienten,”. keine lösen.? Skeptisch gegenüber Herakleides mag weiter die Dreiteilung der Menschen Erheblichen Zweifeln unterliegt die Lokalisierung des Gesprächs in Phleius. in Diener des Geldes, Ruhmsüchtige und Philosophen stimmen. In Platons Staat Von einem Aufenthalt des Pythagoras in dieser Stadt auf der nordöstlichen Pewerden aus den drei Seelenteilen je nachdem, ob der begehrende, der muthafte loponnes wissen die übrigen Quellen nichts zu berichten. Hingegen scheint oder der vemunftbegabte überwiegt, drei Typen von Menschen hergeleitet: der Phleius im Anschluß an die unteritalischen Aufstände gegen die Pythagoreer um ‘weisheitsliebende’, der ‘sieg-’ und der ‘gewinnliebende’ (piAdcogos, piAörvıdie Mitte des 5. Jh. oder etwas später zu einem neuen Zentrum des Pythagoreis- Koc, puhokepôñc: 581c). Wegen der engen Verknüpfung mit der Seelenlehre mus in Griechenland geworden zu sein.% Es ist daher zu vermuten, daß die Lomutet diese Reihe spezifisch platonisch an.“ Allerdings findet sich die Unterscheidung dreier Hauptziele menschlichen Glückstrebens — Geld, Ruhm und geistige Aktivität — an anderen Platonstellen auch losgelöst von seiner Psycho- 24-26). Während die knappe Anspielung auf das naviyupic-Thema in Longin De subl. 35.2 u. U. auch von Aristoteles angeregt sein könnte, berührt. sich Epiktet 2.14,23-29 in einzelnen Forlogie, und Philip Merlan hat auf feine Abweichungen zwischen Platons, Heramulierungen bemerkenswert eng mit Herakleides (ob Epiktet direkt aus dessen Dialog schöpft kleides’ und Aristoteles’ Aufzählungen der wichtigsten Lebensformen (fior) oder die Anekdote über Vermittlung z.B. des Poseidonios zu ihm gelangt ist - vgl. oben Anm. 52 hingewiesen, die den Schluß nahelegen, daß schon Platon eine ältere Einteilung - ‚muß offenbleiben). “nicht ohne Gewalt” seiner Seelenlehre angepaßt hat. In der Tat kennt bereits = Vgl. Burkert (1972: 138-141) (mit weiterer Literatur), Gottschalk (1980: 114-127). Ähnlich ‚Herodot eine vergleichbare Klassifikation, wenn er diexGriechen, die im Zuverfährt Herakleides fermer etwa in Bezug auf Empedokles, vgl. Gottschalk (1980: 17). ” Vgl: fr. 24 und 27 Wehrli; allgemein Diog. Laert. 5.86 (= fr. 22 Wehrli): péperar 5’ adrod ‚sammenhang mit dem Feldzug des Kambyses nach Ägypten kamen, in folgende ovyrpöynore xöAArard te cal prota etc.; Gottschalk (1980: 8-11). * Vgl. Diog. Laert. 5.89 (= fr. 25 Wehrli): ¿Ao 1° ev rai roıiAog te Kai Sinppévos thy «$ Diog. Laert. 8.1 Evior 5° vidv pév elvas Mappdxov tod ‘Inréoov 100 EbBüppovos tod Kkew- AgEw totì Kai-woxayayeiv ixavòg Suvdpevoc; zu Herakleides' Fabulierlust fr. 102, 111, 115 vipov Puyddog ex PAtodvros, olkeiv 5° Ev Lape tov Méppaxov, Sev Eaurov tov Mudayspav Wehrli. Atyeodaı; vgl. auch Porph. VPyth, $ = Lykos FGrHist 570 F 15 (dub.) Aéyouor yap avtòv ol pév elvou Edurov, oi Sè ®Aıdanov, oi Se Metanovtivov; vgl. auch Paus. 2.13.1. @ Alkmaion 24 B 1 D.-K. und lambl. VPyth. 267 (dort allerdings unter die Metanovtivor gerech- % Vgl. auch Bolton (1962: 174): “It is clear that any evidence about anything that can be traced to the authority of Heraclides must be treated with the greatest reserve. It is also clear that it cannot be peremptorily dismissed as sheer invention, for the elements out of which he moulded his fancies were often provided by carlier literature or tradition. The difficulty is to dinstinguish these net). elements from the peculiar twist that he has given them”; Cameron (1938: 34-35); Guthrie (1962: Es sei nur an die Begegnung zwischen Solon und Kroisos bei Herodot erinnert, auf die gleich zurückzukommen sein wird; vgl. allgemein auch Alföldi (1958). 164-165): “Heraclides wrote dialogues [...], and no doubt the conversation between Pythagoras and Leon occurred in one of these compositions which, like those of his teacher Plato, would have a moral rather than a historical purpose and could contain clements of free invention.” © Vel. Riedweg (2002: 138-139); skeptisch dagegen Prontera (1974: 18 Anm. 4); vgl. auch Centrone (1996: 140-141). _ © Vel. Jaeger (1960 = 1928: 355-356 Anm. 1). ® PI. Apol. 29de; Phd. 68bc und 82c etc.; vgl. Joly (1956: 27 und 69-104); auch Festugière (1971 = 1958: 126-128). © Merlan (1976 = 1966/67: 279-280).

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drei Gruppen unterteilt: (1) Geschäftsleute, (2) Soldaten, (3) einige, die einfach zuschätzen als alles, was nützlich zu sein scheint'.” Eine solche, von keiner 161 ‘als Betrachter des Landes’ hinfahren (oi dé tıveg kai avifig tis xópns Hentat), Nebenabsicht geleitete Existenz ist bereits kurz zuvor als die einem Freien anzu denen auch Syloson, der Bruder des Polykrates gehört habe, dessen Geschick gemessene Lebensform bezeichnet worden” — man vergleiche ut illic liberalis- Herodot in der Folge erzählt. Zeitlich noch etwas weiter zurück führt Bakchysimum esset spectare nihil sibi adquirentem in Ciceros Herakleides-Paraphrase. Eine gegenseitige Beeinflussung von Herakleides und Aristoteles ist in diesem lides, in dessen 10. Siegeslied nach Wilamowitz’ Auffassung die spätere Unterscheidung verschiedener Lebenswege — darunter Dichter und Seher als oogoi, MES. dem erotischen Genuß Ergebene und Erwerbstätige sowie Athleten — vorgebil- M: altakademisches Gedankengut tradieren.” det ist.” Punkt mit einiger Wahrscheinlichkeit auszuschließen, vielmehr dürften beide &: Zumal diese Betonung der zweckfreien Betrachtung der Welt hat Zweifel an An Diskussionen in der Akademie wiederum scheint auch der Vergleich der E der Authentizität der Nachricht genährt. Denn auf der einen Seite scheint sich Philosophen mit lernbegierigen Zuschauern bei Festen anzuknüpfen. Bereits in | à à hier ein gewisser Widerspruch zu Pythagoras’ Auftreten in Kroton zu zeigen, Platons Staat wird ein entsprechender Bezug hergestellt, der Vergleich dient dort jedoch kontrastiven Zwecken: Zwar gesteht Glaukon im Gespräch mit So- A: welches nach dem Ausweis verschiedener Zeugnisse auch eine ausgesprochen praktisch-politische Dimension hatte.” Umgekehrt wurde in Akademie und Pe- Wy krates den geradezu als ‘Theaterfreaks’ charakterisierten ‘Schau- und Hörlusti- : ripatos offenbar eifrig darüber diskutiert, welche der beiden Lebensformen übergen’ (oí te yap prAoBecpoves [...] of te yınkoor: 475d), welche sich möglichst legen sei, ein der Politik und praktischen Betätigung verschriebener Biog oder keine Dionysien entgehen lassen, ebenfalls eine gewisse Lernfreude zu, doch ein ganz auf Wissenschaft und philosophische Betrachtung gerichtetes Leben.” geht ihnen jede Bereitschaft zu einer ernsthaften dialektischen Erörterung ab, Für Jaegers skeptische Beurteilung der Anekdote spielte dieser Punkt eine und die ‘Lust am Schauen der Wahrheit’, welche die echten Philosophen ausentscheidende Rolle. Ihm galt es als erwiesen, daß “das Ideal des der Erkenntnis zeichnet (oi tig dAndetag PıAodeanovec: 475e), bleibt ihnen fremd. Ausdrücklich und im positiven Sinn vergleicht dann Aristoteles in seinem “ geweihten fio”, dem nach Ausweis unseres Fragments auch Herakleides den ‘| Vorrang gab,” “erst eine Schöpfung Platos” sei, “dessen Ethik mehrere entge- Protreptikos die philosophische Betrachtung des Alls, die allein um ihrer selbst ‚ gengesetzte Lebenstypen (fior) aufstellt und in der ‘Wahl des besten Lebens’ willen erfolgt, mit der Teilnahme an den Olympien und an den Dionysien als - gipfelt [...]. Alle Geschichten, die die älteren Philosophen zu bewussten Beken- Zuschauer: ‘Wie wir nämlich nach Olympia um eben der Schau willen reisen, : nern des Ideals des Bewpntixög Bios machen, stammen entweder unmittelbar auch wenn uns daraus kein weiterer Vorteil entspringen sollte (denn die betrachtende Teilnahme selbst ist besser als viel Geld) und [wie] wir bei den Dionysien Zuschauer sind, nicht um etwas von den Schauspielern zu bekommen, sondern auch noch etwas bezahlen, und [wie] wir zahlreiche andere Schauspiele vielem Geld vorziehen würden, so ist auch die Betrachtung des Alls höher ein- Arist. Protr. fr. 12 Ross (= fr. 44 Düring = fr. 73.63 Gigon) (= Iambl. Protr. 9 p. 53 Pistelli = 83 des Places). ip, Arist. Protr. fr. 12 Ross (= fr. 43 During) (= lambl. Protr. 9 p. 52 Pistelli = 82 des Places); vgl. auch Arist. Met. A 2, 982b19-28. ” Vel. Joly (1956: 30), Gottschalk (1980: 34-35). ” Zu Pythagoras als politischem Ratgeber und ethischem Erzicher vgl. Riedweg (2002: 26-32 und @ Hat, 3.139.1 — eine Stelle, auf die als erster Burkert (1960: 165) hingewiesen hat (“jedenfalls läßt sich nicht Platon allein als Quelle für Herakleides erweisen”). Beachtung verdient auch Hdt. 8.26, wo der Perser Tritantaichmes im Zusammenhang mit der olympischen Qewpia seiner Ver- 85-86); die beiden Aktivitáten schlicBen sich indessen nicht aus, vgl. auch oben Anm, 9, TM Die Hauptkontrahenten waren möglicherweise Dikaiarch und Theophrast (vgl. Dikaiarch fr. 33 wunderung darüber Ausdruck verleiht, daß der Kampfpreis lediglich in einem Kranz bestehe (8.26.3): “rarai, Mapôôvie, Kolovg Er’ üvöpas fyayeg poynoopgvovg huéac, ot od nepi xpnuatov rdv &yôva noredvrar, HAAG epi perio.” Mirhady, dessen Aussagekraft jetzt allerdings von Huby 2001 mit plausiblen Gründen in Zweifel yah, gezogen wird; auch die Annahme, daß Dikaiarch “den Pythagoras zum Idealbild des npaxtixds “ Bakchyl. 10.39-51; vgl. Wilamowitz (1913: 186-191). Für weitere Ansätze der späteren philoso- Biog gestaltet habe” - so noch Jaeger 1960 = 1928: 386 unter Bezug auf Rohde -, hält einer erphischen Werteklassifikation in Lyrik und vorsokratischer Philosophie vgl. Joly (1956: 12-57), neuten Überprüfung der einschlägigen Fragmente nicht stand: vgl. White 2001: 210-214). 7 Vgl. auch Heraklit fr. 44-45 Wehrli mit den Erläuterungen von Gottschalk (1980: 113-114) (zu Festugiére (1971 = 1958: 119-131). ® Vgl. auch Rausch (1982: 73-74). fr. 45 bereits Jaeger 1960 = 1928: 382-383 Anm. 3, ferner Scholz 1998: 206).

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aus der platonischen Schule, oder sie sind unter dem Einflusse des platonischen | sind die Verse, in denen Euripides diesem Ideal beredten Ausdruck verliehen Ideals in der nächsten Folgezeit entstanden”.? * 163 und es in einer Weise verherrlicht hat, welche nach Mondolfo (1938: 128-132) und Snell (1971: 93-103) Seligpreisungen auf Personen, die in Mysterien eingeweiht sind, anklingen läßt (Eur. fr. 910 N? = Incert. fab. fr. 3, p. 168 Diggle): III. Die Schwächen dieser Argumentation hat u.a. Gerhard Müller in einem Auf- 5ABıog otis tic iatopiac satz zur aristotelischen Eudaimonielehre von 1960 herausgestellt. Trotz des pre- Eoxe uaßnoıv, kären Überlieferungszustands der vorplatonischen Philosophie fehlt es in der Tat pate roluróv éxi rnuoodvnv nicht an Zeugnissen dafür, daß das Ideal eines dem Betrachten und Erforschen der Welt (Bewpia) gewidmeten Lebens, wie es in der Pythagoras-Anekdote skizziert wird, keineswegs “die Grundbegriffe der spútplatonischen Ethik und nit’ eig ddixoug npdkeig ópubv, Ar ¿Bavátov xadopúv pbcews * x6opov dyfipwv, rfi te cvvéom Metaphysik” voraussetzt — so Jaeger (1955: 100) —, sondern seit Jahrzehnten als Kai 80ev” kai Snes. charakteristisch für die Naturphilosophen angesehen wurde und gleichermaßen ihrem Selbstbild” wie der Fremdeinschätzung entsprach.” Zu Recht berühmt toîg $e totodtois odSénOt’ aicxpiv ' Epyav neA&önne mpociCer. Selig, wer Erkenntnis/Wissen % Jaeger (1960 = 1928: 350-351). Wegen der vermeintlichen “Rückübertragung dieses philosophischen Lebensideals auf Pythagoras als Stifter” hält Jaeger es für “vergebene Liebesmüh, wenigaufgrund des Nachforschens gewinnt, stens diese schöne Geschichte für den geschichtlichen Pythagoras retten zu wollen” (355). Vgl. weder auf Kränkung der Bürger auch schon Jaeger (1955 [1. Aufl. 1923]: 98) “In diesem [sc. platonischen] Forscherkreise ist das noch auf ungerechte Taten bedacht, aristotelische Lebensideal, der Qeapntixds Bios geboren, nicht in der buntbewegten Palästra des Lysis und Charmides, sondern in der xaX\üßn im abgeschiedenen Garten der Akademie”; ferner 100 zu Herakleides: “So ansprechend die Geschichte klingt, ist sie doch weder einheitlich noch original. Herakleides, der eifrigste Pythagoreer unter den Platonikern, ist sichtlich vom Protreptisondern [der dies tut] indem er die alterslose Weltordnung der unsterblichen Natur betrachtet, auf welchem Weg sie entstanden ist und woraus und wie. kos angeregt. Er verlegt die Unterscheidung der drei fior in die ferne Vergangenheit zurück. Der Solchen Menschen hängt nie Keim der Geschichte liegt in dem sich von selbst aufdrängenden Doppelsinne des Wortes ein Interesse an schändlichen Taten an. Gewpia. Der Vergleich der philosophischen Schau des Seins mit der heiligen Festschau von Olympia findet sich bereits im Protreptikos, sie steht dort in der Nihe der Geschichte von der Es erweckt den Anschein, als wolle der Tragiker in diesen Versen um Verständ- Befragung des Pythagoras. Diese beiden Elemente hat Herakleides zu einer kleinen Novelle veris für eine Lebensform werben, die von den Durchschnittsbürgern als Provokabunden und ausgeschmückt, Der Vergleich, den Aristoteles nur als Stilmittel anwendet, wird “jetzt weiter ausgestaltet zum Gleichnis der drei Biot (denn nicht alle, die nach Olympia fahren, n und Bedrohung empfunden wurde. Man hat seit langem einleuchtend 'versind Öeopot) und das Gleichnis wird dem Pythagoras selbst zugeschrieben, aúróc Epa. In Wahrutet, daß die Verse auf Anaxagoras gemünzt sind,® dessen Annahme, die heit setzt die Geschichte die Grundbegriffe der spätplatonischen Ethik und Metaphysik voraus.” jonne sei nichts anderes als ein feuriger Klumpen,®' die religiösen Gefühle wohl 7 Auf Selbstaussagen in Fragmenten des Empedokles, Anaxagoras und Demokrit konzentriert sich Müller (1960: 122-131). “der meisten Athener verletzte (die Sonne galt allgemein als Gottheit). Die Euri- Y Jaeger (1960 = 1928: 351) spielt die Zeugnisse in fragwürdiger Weise herunter: “Schon Euripipideische Umschreibung dessen, was ein Naturphilosoph wie Anaxagoras treibt des hat das stille Leben des dem politischen Getriebe entrückten Naturforschers gepriesen und in — Erkenntnisse aufgrund des eigenen Nachforschens gewinnen, die Entstehung seiner Antiope den tragischen Konflikt des musischen und des praktischen Menschen geschildert. Aber erst Plato hat den theoretischen Menschen als ethisches Problem in ‘die Philosophie eingeführt und sein Leben sittlich gerechtfertigt und verklärt, von Plato aus betrachtet, musste ® Wilamowitz : Sxy cod. die Existenz dieses Typus in der früheren Zeit entweder als eine blosse Paradoxie, als ein Kurio- » Anaxagoras 59 A 30 D.-K.; vgl. Boll (1922: 18), Festugière (1967 = 1950: 34-35), Mondolfo sum der menschlichen Natur erscheinen, welches noch jeder sittlichen Legitimation entbehrte, (1938: 129), Joly (1956: 62), Burkert (1960: 168), Müller (1960: 125-126), de Vogel (1966: 97), Picht (1969: 111-112), Kambitsis (1972: 131) (“depuis Valckenaer"); allgemein zu Anaxagoras oder man musste den älteren Vertretern dieser Art wie Thales und Anaxagoras die platonische Begründung und sittlich-pathetische Auffassung des Qeapntixds Bios nachträglich unterschieben, wie es nachweislich geschehen ist.” und Bewpia vgl. die Angaben bei Rutherford (2000: 141 Anm. 39). n * Anaxagoras 59 A 1 (= Diog. Laert. 11.8) und A 42 (= Hippol. Refut. 1.8.6).

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der Weltordnung betrachten —, kann an sich ohne Schwierigkeiten auf Pythagoras und die Pythagoreer übertragen werden. Eine intensive, wenn auch nach seiner Einschätzung fruchtlose iotopin bezeugt bereits Heraklit für Pythagoras die von Sokrates und seinen Gefährten gebildete Gemeinschaft ähnlich wie die 164 (s. unten), und daB die Entstehung des Himmels und damit auch des Alls einen zentralen Platz im Denken der Pythagoreer einnahm, erfahren wir aus Aristote- 165 ppovtiompiov)* ebenfalls einige unverkennbar pythagoreische Züge. So wird Pythagoreer als “esoterischer Zirkel” gezeichnet, der ein von der “sozialen Umwelt abgesondertes Eigenleben” führt.” Ihre Lehre ist geheim und bleibt dem engsten Schülerkreis vorbehalten, die Zulassung zur Gruppe ist mit initiationsartigen Prozeduren verbunden.” Sokrates wird als adtoc, als dem Alltag entles. In der verlorenen Tragödie Antiope, der die zitierten Verse möglicherweise entstammen,® scheint Euripides den Gegensatz zwischen einem musisch-geistigen, auf die copia ausgerichteten Leben, welches Außenstehenden als ‘nutzlos’ und faul erscheint, und dem politisch-praktischen Leben anhand der thebanischen Zwillinge Amphion und Zethos thematisiert zu haben. Auf die Fragmente ihres Agons sei hier nicht näher eingegangen.“ rückter, übermenschlicher Meister auf die Bühne gebracht.” Für die Erlangung der ‘großen Weisheit’ ist ein gutes Erinnerungsvermögen conditio sine qua non, und von den Schülern wird die Bereitschaft zu einem mit zahlreichen Entsagungen verbundenen asketischen Lebensstil erwartet - auch dem ßiog Flvdayoperg, für dessen Einrichtung Pythagoras hoch verehrt wurde,” eignet ein stark asketisches Element, und der Pflege der uvñun wurde von den Pythagoreern Merkwürdigerweise wird ein weiteres, für unsere Frage signifikantes Zeugnis oft kaum beriicksichtigt:® die 423 v. Chr. uraufgeführten, heute nur in einer unvollständigen späteren Überarbeitung erhaltenen Wolken des Aristophanes. Die Lebensform der skurrilen Bewohner der ‘Denkerei’ kommt in manchen Punkten der bei Herakleides umrissenen philosophischen Existenz recht nahe. Nicht genug damit, daß Aristophanes sie im ersten Teil der Komödie mit ihren kosmologischen, naturphilosophischen und auch geometrischen Studien dem besondere Aufmerksamkeit geschenkt.” Mag sein, daß Aristophanes am Schluß TM Eine Anspielung auf die pythagoreische Seelenwanderungsiehre? So Patzer (1993: 75); vgl. Melero Bellido (1972: 85), anders Auffahrt (1999: 86). Vgl. auch Ar. Av. 1555 (Sokrates als yvxaywyög). ® Vel. u.a. Melero Bellido (1972: 83-89) (mit Angaben zu älterer Literatur), Demand (1982: 183184), Patzer (1993), Marianetti (1992: 63-75), Bowie (1998: 60-65) (er halt es für denkbar, “que le véritable Socrate passait auprés de ses contemporains pour avoir des relations avec des Pytha- “Wesen der Dinge’ (rerum natura bzw. pboıg tOv rpæyuätov#) auf den Grund gehen läßt,” er verleiht der ‘Denkerei weiser Seelen’ (94 ywvx0v copúv [...] goriciens”: 63), Auffahrt (1999: 86). * Patzer (1993: 75); vgl. schon Melero Bellido (1972: 85-86). 9! Ar. Nub, 140-143 und 250-275. Ein solches Initiationsritual steht neben Empedokles (der in der Überlieferung häufig mit Pythagoras in Verbindung gebracht wird) kaum einem Vorsokratiker besser an als Pythagoras und der von ihm begründeten Gemeinschaft, deren Lebensregeln sich gewiß nicht zufällig in manchen Punkten mit Mysterienkulten berühren (dazu Riedweg 2002: 53, 93-95). Die Frage, welchen Kult Aristophanes im Auge hatte, wird in der Forschung unter- . schiedlich beurteilt; Auffahrt (1999: 91-96) favorisierpim Anschluß an verschiedene Artikel von ® Vgl, Riedweg (2002: 105-108). # Müller loc. cit., Snell (1971: 96-97), Kambitsis (1972: 130), Slings (1991: 146-147); vgl Jouan-van Looy (1998: 271). u Simon Byl die Mysterien von Eleusis (mit eigenartiger Verharmlosung des Brandanschlags als | “theaterwirksame Erleuchtung des Phrontisterions”, welche “den verheißenen Abschluß der My- $“ Vel, Festugière (1967 = 1950: 35ff.), Joly (1956: 64-68), Snell (1971), Kambitsis (1972), Slings sterien” bringe: 94); überzeugender u.a. Marianetti (1992: 44 und 71) (“Evidently, Aristophanes" # Eine Ausnahme stellt Morrison (1958: 203, 209) dar; vgl. im übrigen auch Festugière ( 1967 = cult that was known to him, whether Eleusinian, Corybantic, Bacchic, Orphic or Pythagorean”); presentation of the ppovtiotáprov takes the form of a cult society with allusions to any mystery (1991: 141-148), Jouan-van Looy (1998: 229-232) (mit weiterer Literatur). vgl. auch Marianetti (1993) und Bonnechere (1998) (mit ausführlicher Bibliographie); angesichts 1950: 34 Anm. 1). * PI. Protag. 337d; vgl. Dissoi Logoi 8.2 (90 p. 415.19 D.-K. = p. 136.19-20 Robinson). # Hauptzielscheibe des Aristophanes sind dabei Gelehrte vom Schlag eines Anaxagoras oder seines Schülers Diogenes von Apollonia, zu dessen Lehren besonders enge Berührungen bestchen. Doch nimmt die Aristophanische Komik auch allgemeiner den Typus des Intellektuellen ins Visier, wie u.a. die Bedeutung der sophistischen Rhetorik (zur Rhetorik in der pythagoreischen Tradition vgl. Riedweg 2002: 27-30, 32-33) zumal im zweiten Teil des Stücks erkennen läßt. Vgl. auch Dover (1968: xxxv-xl) (auf die von Dover m. E. zu skeptisch beurteilte Frage des Verhältnisses der Aristophanischen Komödienfigur zum historischen Sokrates ist an dieser Stelle nicht einzugehen). der mannigfachen Bezüge zwischen Orphik und Pythagoreismus (vgl. Riedweg 2002: 74-75, 77, 87-89 u. 6.) wäre eine besondere Nähe zu orphischen Riten nicht überraschend (vgl. schon Dieterich 1893; 278-280). 92 Ar. Nub. 218-230; vgl. auch Schol. ad 223 &pijuepov adröv xadeî > avtde Aoindv tà av Gedy ppovov xai brepnpavôv tà tHv dvÖpanwv; zu Pythagoras’ übermenschlichem Status s. unten. ” Pl. Rep. 600b. Y Ar. Nub. 412-422 (zur Erinnerung auch 482-483); vgl. Melero Bellido (1972: 85-88), Marianetti (1992: 64-65) und (1993: 14-15 mit Anm. 16), Auffahrt (1999: 86); zur Bedeutung der Erinne-

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der Wolken mit dem Brandanschlag auf die Denkerei überdies auf die Zerstöbehält Bewpia zunächst aber noch die Konnotation der Ortsveränderung.'® So rung der Versammlungslokale der Pythagoreer in Unteritalien anspielt.W 167 heißt es bei Herodot, der athenische Staatsmann und ‘Weise’ Solon sei nach Kaum zu bestreiten und für die philosophiegeschichtliche Beurteilung des dem Erlaß seiner Gesetze für zehn Jahre ‘um der dewpio. willen’ verreist — oder, Herakleidesfragments von erheblichem Interesse scheint jedenfalls die Tatsache, daß im facettenreichen Bild, welches Aristophanes in der Person des Sokrates in der Übersetzung Walter Margs, ‘um zu schauen und zu lernen’ (Hdt. 1.29.1).'' Die Reise führt Solon nach Ägypten und insbesondere nach Sardeis, und der übrigen Bewohner der ‘Denkerei’ von den Intellektuellen seiner Zeit wo ihn Herodot mit dem dortigen König Kroisos zusammenbringt - ein frühes Beispiel für den auch im Herakleidesfragment faßbaren Topos der Begegnung malt, der Typus dessen, der sich ganz der erforschenden Betrachtung der Welt verschrieben hat und auf diesem Weg cogía zu erlangen sucht, schon klar faß- # bar ist und daß Aristophanes diese Lebensform in auffälliger Weise pythago- 3 und läßt ihn seine herrlichen Schätze ‘anschauen’ und nach Lust und Laune K. ‘betrachten’ (Hdt. 1.30.2 Benodpevov [...] tà navıo Kai oxewdpevov). reisch eingefärbt hat. eines Mächtigen mit einem Weisem. Der König nimmt Solon gastfreundlich auf Der Terminus Qewpia, der in der Akademie und auch von Herakleides für - Die Worte, mit denen Kroisos Solon zu Beginn des anschließenden Zwiegediese Betätigung verwendet wird, kommt zwar in den Wolken nicht vor. Doch sprächs charakterisiert, sind in unserem Zusammenhang besonders aufschlußzeigt Herodot, daß der Begriff nicht erst im 4. Jh. v. Chr. in philosophischem reich: ‘Gastfreund aus Athen — zu uns ist ja viel Kunde über dich gekommen, Kontext wichtig geworden ist. Die Wortfamilie Oewpdc/Pewpeiv/Mewpia, deren Etymologie seit der Antike unterschiedlich erklärt wird,” bezeichnet zunächst sowohl wegen deiner Klugheit (coping eivexev tic ofic) wie auch wegen deines Gesandte einer Stadt oder Gemeinde, die an einer religiösen Feier, welche in der Umherreisens (rAavng), wie du aus Liebe zum Wissen (piAooopewv) weite ; Teile der Erde bereist hast, um zu schauen und zu lernen (Bewping etvexev)’. Regel an einem fremden Ort stattfindet, teilnehmen oder zu einem Orakel pil- . Ähnlich heißt es in Hdt. 4.76.2 vom bildungshungrigen Skythen Anacharsis, er gem.” Diese Verwendung bleibt auch später üblich, so daß der Vergleich zwihabe weite Teile der Erde gesehen und dort viel Klugheit empfangen.'? Umherschen Festbesuchern, die z.B. in Olympia ja in der Tat sehr viel zu sehen bekareisen und dabei viele Dinge mit einer gesunden Neugier sehen gilt offensichtmen — außer religiösen Zeremonien und Wettkämpfen auch prächtige Bauten und WeihegabenTM -, und den ‘Betrachtern’ (Qewpoi) des als kunstvoll geordnelich als entscheidende Voraussetzung dafür, daß derjenige, der die coin betes Ganzes empfundenen Alls im Grunde jederzeit leicht möglich war. Daß sich der Begriff mit der Zeit an das gewöhnliche Wort für ‘Schau, Anschauen’ (8éa) 1 V gl. Koller (1958: 278); auch Redlow (1966: 20-21), Ker (2000: 308). Nach Rutherfords (2000: :”. anglich, mag damit zusammenhängen, daß die Festgesandtschaften für die Grie- 137) hypothetischer Rekonstruktion der Bedeutungsentwicklung wire die “special association with long-distance travel” (“journey to sanctuary culminating in sacred contemplation”) erst sechen anfänglich wohl neben Handel und Söldnertum die wichtigste Gelegenheit a kundär zu einem ursprünglichen Bedeutungskern “a spectacle of religious significance" hinzugedarstellten, um andere Städte und Länder zu sehen.” Im Unterschied zu 0éa ; ‚kommen; für andere Thesen zur Bedeutungsentwicklung (darunter Boesch 1908: 4-7) vgl. “ Rausch (1982: 37-47). Koller (1958: 281) unterstellt Herodot hier die (unbewußte?) Umdeutung einer “Reise in offi““isziellem Auftrag” (der historische Solon habe wohl “einen staatlichen Auftrag” erhalten, “als rung bei den Pythagoreern Riedweg (2002: 51). Bezüglich des Erscheinungsbildes des Sokrates ‘ Gewpéç von Athen in andere Staaten zu reisen”) in eine “Reise zu persönlicher Erfahrung und und seiner Schüler (bleich, mittellos) kann auch an die in der Mittleren Komödie verunglimpften . “Pythagoristen’ erinnert werden (vgl. Riedweg 2002: 141, 148). % Vel. Burkert (1972: 291-292 Anm. 73), Morrison (1958: 203), Melero Bellido (1972: 89), Patzer (1993: 76-77) (mit problematischer Datierung der Brandanschläge “um das Jahr 500”) etc. Erweiterung der Kenntnisse”; vgl. auch Rausch (1982: 42-47) und Ker (2000: 311-315), der zwischen “the view from Sardeis” (vgl. 312 zu 1.30.2: “Croesus’ words reveal that he thinks of Solon's theória as a type of intellectual sightseeing, in which he expects his own wealth to feature as the crowning spectacle”) und “the view from Athens” unterscheiden möchte (vgl. 316 unter % Als Vorderglied wird entweder O&o (bzw. die indogermanische Wurzel *dheyH,-: Rutherford 2000: 137; Ableitung von Véa: scheint in Philochoros FGrHist 328 F 33 vorausgesetzt, vgl. Kol- Hinweis auf Koller; die Relevanz einer Bewpia für Solons Gesetzgebung sieht Ker u.a. darin, daß ler 1958: 279 Anm. 1) oder 0e6ç vorgeschlagen (u.a. Koller 1958: 284; diese Etymologie überappears that both the frozen state of Athens during the Delos theöria and its frozen state during wog in der Antike); vgl. Chantraine s.v.; auch Rausch (1982: 13-18), Ker (2000: 308-311). * Vel. u.a. Rutherford (2000: 134-138) und (2002). % Vgl. allgemein auch Rutherford (1998: 134-135) und (2000: 138-142). ® Val. Koller (1958: 281-286); allgemein auch Rausch (1982: 9-12). während einer Qewpic oftmals Staatsgeschäfte aus religiösen Gründen zum Erliegen kamen: “It the thedria of Solon are cases of one and the same religious convention" [320; vel. 324]). ‘Ich folge Kindstrands (1981: 27-28) Deutung von &rode&önevog (vgl. 4.77.1 [...] ic "EAG Doc di pa@ntig yévorto), wiewohl die Herleitung des Partizips von &noeixvuua durch andere Hero- dotparallelen nahegelegt wird.

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gehrt, diese auch wirklich erlangt. DaB Pythagoras nach der antiken Überliefe- Noch wichtiger ist die Frage, ob nicht bereits Pythagoras’ etwas jtingerer rung viel herumgekommen ist (Agypten wird dabei besonders häufig als Reiseziel genannt), sei wenigstens am Rande erwähnt.'” Im Hinblick auf die Frage einer platonisch-akademischen Prägung des Herakleidesfragments ist festzuhalten, daß Qewpia. und prdocogia schon bei Herodot aufs engste verknüpft sind: “It is not a very long step from Solon described in these words to Pythagoras 169 Zeitgenosse Heraklit das Wort giAbcogoc gekannt und, wenn ja, wie er es verwendet hat.'” Der frühchristliche Autor Clemens von Alexandrien, eine unserer Hauptquellen fur Heraklitfragmente,"° schreibt am Ende des 5. Buches seiner E; À Teppiche zur Rechtfertigung der zahlreichen Zitate, die er zuvor aus der griechiM schen Literatur angeführt hatte, um die Abhängigkeit der heidnischen Weisheit pictured by Heracleides as the g6copos and the advocate of Bewpia”, wie i von der ‘barbarischen Philosophie’ der Hebräer aufzuzeigen (22 B 35 D.-K. = fr. Alister Cameron (1938: 32) festgestellt hat. È: 7 Marcovich = fr. 9 Kahn = Clem. Alex. Strom. 5.140.6): Die Selbstverständlichkeit, mit der piAocopéwv bei Herodot bereits im Sinne der Pythagoras zugeschriebenen Haltung des aktiven Bemühens um ‘Wissen’ a xph ykp ed uádo noAAdv Yoropas prroadqous dvipac elvor xa” ‘HpdxAer| und eines Nahverhältnisses zur “Weisheit” verwendet wird,'% 148t vermuten, daß das Wort nicht erst in den Zwanzigerjahren des 5. Jh. v. Chr. - dem mutmaßlichen Publikationsdatum von Herodots Geschichtswerk — geprägt wurde, sondern schon längere Zeit in Gebrauch war. Wie eingangs erwähnt, sind die ältesten Belege, Heraklit 22 B 35 D.-K. und Zenon von Elea 29 A 2 D.-K., in ihrer Echtheit umstritten. Um mit dem zweiten zu beginnen: Die Suda schreibt dem Parmenidesschüler neben drei anderen Werken eine Schrift ‘Gegen die Philosophen’ zu.'® Ob Zenon außer dem von Platon im Parmenides benutzten Buch mit den bekannten Argumenten gegen die Möglichkeit der Bewegung und gegen die Vielheit tatsächlich weitere Schriften verfaBt hat, muB vielleicht mangels eindeutiger Zeugnisse offenbleiben,'% auch wenn Theodor Ebert (2001: 431) jetzt u.a. wieder zu Recht betont, daß Diogenes Laertios von ‘Büchern’ Zenons tov. | Männer, die Weisheit lieben, müssen nämlich gar sehr vieler Dinge kundig werden gemäß Heraklit. Über den genauen Umfang des wörtlichen Heraklitzitats gehen die Meinungen auseinander. Während Diels-Kranz, Kahn (1979: 105) und andere den ganzen - Satz mit Ausnahme von xo0' ‘HpéxAertov anerkennen,!!! betrachtet Marcovich (1978: 20-21) allein “noAA@v totopas xpñ (o qualcosa del genere)” als für Heraklit gesichert und ergänzt “ad es. dvOpórovs [...] eivar”.!'? Gegen ed púa wendet er vielleicht zu Recht ein, daß es sich um eine häufige Wortkombination des Clemens handle. Weniger triftig scheinen mir seine Gründe gegen gıAo0öove àävôpac. Daß Clemens in Strom. 1.68.3 die bei Platon u.a. im Phaidon ehrfach belegte Junktur!!? nochmals verwendet, besagt kaum etwas, da Clespricht.'” Sollte die isolierte Angabe zutreffen, wäre der Schluß, das Buch IIpòg mens dort eine weitere Stelle aus dem Phaidon bespricht, an der Sokrates im rods puhbocópovs sei gegen die Pythagoreer gerichtet gewesen, jedenfalls nahe- Hinblick auf seinen baldigen Tod Kebes tröstend darauf hinweist, daß im ‘groliegend."® Ben Hellas’ und bei den *Barbarenstámmen' durchaus noch weitere weise &yaan 13 V gl; Riedweg (2002:-20-21, 76, 82). oi &vôpeg zu finden sein müßten (78a). Auch ist es unzütreffend, daß Clemens “predilezione [...] per questa parola usata in funzione di aggettivo” habe.'"4 : 14 Gegenbegriff zu co@ég ist bei Herodot übrigens nicht anders als später bei Platon duofs (vel. mgekehrt spricht für die Authentizität von prA0o6povg ävôpas doch wohl, “Epuas. ‘EEñmoiv tv "EuxeBoxkéou, an von Elea'29 A 2 D.-K. (= Suda s.v.) &ypayev[folgende Werke): “Streitfälle', “Auslegung 1.33). Tipds tods pidoadpous, Mepi picews (‘Er verfaßte der [Werke] des Empedokles*, "Gegen die Philosophen’, ‘Uber die Natur’’). Vgl. allgemein zu Heraklits Auseinandersetzung mit Pythagoras Gladigow (1965: 22-31 und i ‘ 1% Ablehnend im Anschluß an Zeller (1919: I 1.744-745 n.) Burkert (1960: 170) und (1972: 285 Anm. 38); vgl. Caveing (1982: 134-135), Befürwortend u.a. Joly (1956: 31-32) und (1994 = "gi. auch Spoerri (1958: 187 Anm. 9): “pıA6cogog könnte ‘herakliteisch’ sein, da copós bei H. 1970: 18-19), de Vogel (1966: 98), Ebert (1994: 12 Anm. 14) und (2001: 431-432). technische Bedeutung hat”; Burkert (1960: 171 Anm. 1); mit anderer syntaktischer Deutung 7 Diog. Laert. 9.26 pépetar yoov adrod BıßAlo oAAiic ouvéoeuxs yénovta; vgl. schon Joly (1994 it seems at least likely that this title is 18 Y gl. Ebert — 431): “Given Zeno's Italian background, in Italy, and the Italian Pythagoreans seem to be = 1970: 19). evidence for a work by Zeno attacking people the most plausible candidates for these ‘philosophers’ o etc. 114-115), Riedweg (2002: 70-73). ‚Ne gi, Wiese (1963). (noAA@v totopas als Subjektsakkusativ) Lallot (1971: 17-18), Bollack-Wismann (1972: 143) : und Dixsaut (1985: 368-369). "42 Zu früherer Kritik an guócopo: üvöpeg vgl. die Angaben bei Marcovich (1978: 21). gl. Pl. Phd. 64d, 84a, 95c; Soph. 216a; Euthyd. 305c; Tim. 19e. “Stählins Wortregister (1936) führt s.v. g1A600g@og “1. Adi.” nur gerade zwei Einträge auf.

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daß sich Porphyrios in De abst. 2.49.2, wenn auch ohne Verweis auf Heraklit, rei, Gaunerei’ (22 B 129 D.-K. = fr. 17 Marcovich = fr. 25 Kahn = Diog. Laert. 170 171 ganz ähnlich ausdrückt (fr. 7a! Marcovich): Totwp yap moAA@v è Óvtos 8.6). Sollte Pythagoras tatsächlich das Wort p11ocopía geprägt und auf sich piddcogos ktA.!! Daß Porphyrios die Wendung aus Clemens geschöpft hätte, erachte ich selbst unter der Voraussetzung, daß Porphyrios einmal Christ geweangewandt haben, so bekäme diese Äußerung eine zusätzliche Pointe: Zwar erkennt Heraklit - wie sich unter Hinzunahme von B 35 und Herodot 1.30.2 sen sein sollte,'!* für wenig wahrscheinlich. wohl folgern läßt — mit der totopia dem Pythagoras auch sein piAocogeiv, sein Eine starke Stütze für die Echtheit ist die oben erörterte Charakterisierung Solons durch Kroisos bei Herodot, mit der sich dieses Heraklitfragment in der Sache eng berührt. Wie bei Herodot, so wird auch hier eine Beziehung zwischen der ‘Liebe zur Weisheit’ und dem ‘Vieler-Dinge-Ansichtig-Werden’ (dies die wörtliche Bedeutung von totwp) hergestellt. Der Philosoph hat nach Heraklit die Aufgabe, möglichst viele empirische Daten zu sammeln,!” er soll die nepi púceos iotopia — wie man laut Platon-Sokrates die copia der ionischen Naturphilosophen nannte (Phd. 96a) - intensiv betreiben. Dies reicht zwar für die (von Heraklit allen seinen Vorgängern abgesprochene''?) Erkenntnis des wahren Urgrunds der Welt, des Logos und des einen (göttlichen) oowôv, per se nicht aus (Seh- und Gehörsinn können unzuverlässige Zeugen sein''?), ist aber gleichwohl unumgängliche Voraussetzung daftir.'” Diese Haltung des Nachforschens, der iotopin, schreibt nun Heraklit in einem anderen Fragment ausgerechnet Pythagoras in herausragendem Maße zu: ‘Am meisten von allen Menschen betrieb Pythagoras, der Sohn des Mnesarchos, Erkundigung’ - allerdings ohne dadurch das erstrebte Ziel zu erreichen, im Gegenteil, wie die überraschende Fortsetzung Heraklits zeigt: ‘und aus diesen Schriften traf er eine Auswahl und schuf sich seine eigene Weisheit, Vielwissebesonders intensives Bemühen um Weisheit, zu. Doch stellt sich das Eingeständnis sogleich als bitter ironisch, ja sarkastisch heraus, denn Pythagoras’ Erkundigung beschränkte sich nach Heraklit allein auf Bücher, statt daß er (wie ergänzt werden könnte) die Beschaffenheit, die pboıg, eines jeden Dings genau betrachtete;'?! und weit davon entfernt, wirkliche copia zu erlangen - wie Pythagoras dies gewiß für sich reklamierte und seine Schüler es ihm zusprachen!? -, plagiierte er bloß diese Schriften!” und schuf sich daraus sein eigenes Scheinwissen, seine noAunadin.'?* ‘Denn Scheinbares nur erkennt der Angesehenste [und] hegt es’, wie Heraklit in einem anderen Fragment sagt, welches nach Ansicht von Marcovich und Kahn wiederum auf Pythagoras gemünzt sein könnte.!® Es deutet sich damit in den frühesten Zeugnissen ein Band zwischen der betrachtenden Erforschung der Welt, der iotopia und Qewpia, auf der einen und der besonders intensiven Beschäftigung mit copia, der giAocogia, auf der andern Seite an, welches Herakleides’ Erzählung m. E. im Kern bestätigt. Von einem Gegensatz zwischen piaocogia und cogia, wie er für die Platonische Bestimmung der pıAocopia. wichtig ist, kann dabei höchstens insofern die Rede sein, als Heraklit einen Widerspruch zwischen der Selbstdeklaration des Pythagoras und dem, was er und seine Schüler in Wirklichkeit trieben, feststellen zu È können glaubte. Fragment B 35 ließe sich dann, wie schon Joly und andere ver- "3 Vgl, auch Gladigow (1965: 28). "6Dazu Kinzig (1998). _ "?Vgl. Heraklit 22 B 55 D.-K. = fr. 5 Marcovich = fr. 14 Kahn Souv Óyig Axor} péSnorc, tata, si; mutet haben," auch als ironisch gegen die«Pythagoreer gerichtete Äußerung ero xpottuém; 22 B 101a = fr. 6 Marcovich = fr. 15 Kahn dq8aApol tüv érov éxpiféotepor péprupec. Die Daten zeigen im Grunde ähnlich wie Apollon mit seinem Orakel (22 B 93 = fr. 14 Marcovich = fr. 33 Kahn) bloB die Richtung an. "Vgl. ata puo Sioipéwv Exactov xaî ppólov dwg Exeı in Heraklit 22 B I D.-K. = fr. 1 dpuxveitar En todto Sate yıvbareıv $ 11 cody dort, n&vtov Kexapropévov; vgl. dazu Gladi- "Vel. Emp. 31 B 129.3 D.-K. ravtoiwv te padiota copiv <t'> Erıfpavog Épyav; Ion 36 B 4.3 8 Heraklit 22 B 108 D.-K. = fr. 83 Marcovich = fr, 27 Kahn óxóowv Abyovg fxovoa, obdeic gow (1965: 94). "9Vgl. Heraklit 22 B 107 D.-K. = fr. 13 Marcovich = fr. 16 Kahn; für den tieferen Rang des Wahrnehmbaren auch 22 B 54 D.-K. = fr. 9 Marcovich = fr. 80 Kahn &ppovin agavig pavepñs xpeittwv. 1% Zur ambivalenten Haltung Heraklits gegenüber der totopin vgl. Kahn (1979: 99-100, 106-107, 110); auch Marcovich (1978: 22): “La percezione sensibile e l'esperienza rimangono la condizione basilare per l'apprendimento del Logos onnipresente [...}; ma questa non è la sola condizione: altre ne sono richieste [...], fra cui l'intelligenza, cioè la facoltà di interpretare correttamente i dati dell'esperienza [...] e l'intuizione” etc. Marcovich = fr. 1 Kahn. D.-K. einep Mudayopng Erúuos [6] coppe, <ög> repi navıwv | avOpdnwv yvopag elôe rai ebépabev. "Vel, dazu Riedweg (1997: 83-84). ' Der Ausdruck auch in Heraklit 22 B 40 D.-K. = fr. 16 Marcovich = fr. 18 Kahn. Vgl. dazu ebenfalls Centrone (1996: 98-99). '®Heraklit 22 B 28a D.-K. = fr. 20 Marcovich = fr. 85 Kahn Soxéovta yap è Soxuótatos YIVÓOKEL, puldooet. "8 Joly (1956: 31) und (1994 = 1970: 18); schon Comford (1912: 186-187 Anm. 3) und (1952: 115); vgl. Spoerri (1958: 187), Gladigow (1965: 28-30), de Vogel (1966: 98), Dixsaut (1985:

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lesen: ‘Philosophische Männer’ müssen in der Tat, <wie ihr sagt>, ‘vieler Dinge chen’ zählte (4.95.2) - ein Platz, den ihm die kundig werden’, doch - so könnte man den Gedankengang ex. gr. ergänzen — gesprochen hat.'? wie kläglich bleibt ihr, die ihr für euch diese Bezeichnung Philosophen beanneuere Forschung nicht selten ab- Seine guru-artigen Seiten würden deswegen sprucht, hinter dieser Forderung zurück! 173 keineswegs verdrängt. Im Gegenteil: die Nachricht erfährt von diesem Aspekt leicht sogar eine zusätzliche Bestätigung. Wie seiner Persönlichkeit her vielangedeutet, ist es ja nicht Bescheidenheit, die den nach alter Überlieferung mit übersinnlichen Fähigkeiten Fassen wir zusammen. Fast alle antiken Zeugnisse für die Prägung des Wortes „ausgestatteten, von seinen Anhängern als Zwischenwese ‘Philosophie’ durch Pythagoras lassen sich — z.T. über Zwischenstufen — mit Gott gefeierten Charismatiker!% dazu motiviert großer Sicherheit auf die Schrift ‘Uber die nicht [mehr] atmende Frau oder Über :zu bezeichnen. Ausschlaggebend scheint vielmeh r das Bedürfn Krankheiten’ des Platonschülers Herakleides Pontikos zurückführen.'?? Gesein, die eigene überragende Klugheit und Einsich danklich fügt sich die einprägsame Anekdote in mancher Hinsicht sehr gut in die à Könnerschaften (copia) zu unterscheiden. Auch eine Abgrenzung gegen n zwischen Mensch und haben soll, sich als prA6oopoc is gewesen zu t von den vielfältigen anderen die Welt der Platonischen Akademie. Gleichwohl gibt es — auch abgesehen von der noch nicht zu dieser Höhe gelangten ‘Weisen’ unbestrittenen Tatsache, daß sich Platon u.a. nach dem Zeugnis des Aristoteles sen sein. Von der Wortbildung her meint puéao pos jedenfalls zunächst einmal keine Herabminderung im Vergleich zu Gopög, sondern vielmehr eine Steigein zentralen Punkten seiner Lehre an die Pythagoreer angeschlossen hat! — gerung: pu6copos ist derjenige, der einen besonde rs intensiven Umgang mit der copia pflegt, dem diese wirklich und über die Maßen lieb ist 3! wichtige Gründe, die gegen eine freie Erfindung der Erzählung als ganzer in Platons Schule sprechen. Verschiedene Komponenten wie die Unterscheidung dreier hauptsächlicher Ziele menschlichen Handelns, das Ideal eines ganz der Erforschung der Welt gewidmeten, von außen betrachtet ‘nutziosen’ Lebens, das Umherreisen und aufgeschlossene ‘Betrachten’ (Qewpia) als Haltung des eifrig um Wissen und ‘Weisheit’ Bemühten (prAbcogoc) können über Euripides, Aristophanes und Herodot sicher bis in die 2. Hälfte des 5. Jh. zurückverfolgt vor ihm dürfte beabsichtigt gewe- Auch die Wahl des ungewöhnlichen Ausdru cks Bewpeiv zur Beschreibung der eigenen ‘philosophischen’ Tätigkeit wird in diesem Zusammenhang besser verständlich. Das Wort, welches zunächst Orakelbefrager und offizielle Festgesandte bezeichnete und auch später seinen “sakralen Klang” bewahrte,!32 +. scheint nicht nur allgemein dem religiös en Charakter der von Pythagoras gestifteten Lebensform mit ihren zahlreichen, hauptsä werden, z.T. sogar dank Heraklit bis an Pythagoras’ Lebenszeit heran. Für Pychlich Opfer und Riten betref- | fenden Verhaltens- und Speisevorschriften!? sehr angemessen. Der thagoras selbst ausgeschlossen scheint im Grunde einzig die Lokalisierung in Phleius, die von der dort nach der Vertreibung aus Unteritalien entstandenen Ausdruck paßt insbesondere auch zur festlichen Selbstinszenie rung, durch die Pythagoras pythagoreischen Gemeinde ausgegangen sein dürfte, mithin nicht älter als ähnlich wie Empedokles'* und ebenso heutige Gurus und Sektenführer seine 450/420 v. Chr. sein kann. Umgekehrt gewinnen einige Fragmente dés Heraklit unter der Voraussetzung, daß sich Pythagoras als erster piAcco@os genannt und "© Vgl. Riedweg (2002: 99-105). e Vgl. Arist.n fr. 156 Gigon em‘(= nepi tav IIvBœyopeiuv ae f darunter die erforschende Betrachtung der Natur der Dinge verstanden hat, ein fr. 2 Ross) und lambl. VPyth. viel schärferes Profil. Pythagoras, der Samier, bekäme mit dieser für die Vorso- - *! 91Adgogog ist zunächst ein Possessivkompositum, welches kratiker allgemein charakteristischen totopin ebenfalls seinen Platz unter den in dung Cipriano (1990: 95-106); schon Burkert (1960: 172-173). seiner Bezeichnung ‘nicht der kraftloseste unter den klugen Leuten der Grie- Michaelis (1954: 318); auch Rausch (1982: worden). 12? Zu eventuellen Ausnahmen s. oben Anm. 55. "A Vel, allgemein Riedweg (2002: 152-155). Wortbil- 27, vgl. 38 etc.) betont “die zentrale Wichtigk Sakralen” bei diesem Terminus; die (volks-?)etymolo 368-369); wenig anders D.-K. ad loc. (B 35 sei vielleicht “als Meinung der noAAot angeführt” zwischen dem Ende des 6. und dem Ende des 5. Jh. v. Chr. als verbales Rektion skompositum rekategorisiert wurde; vgl. zur ionischen Naturphilosophen wieder zurück, zu denen ihn wohl auch Herodot mit 143-144; | eine Rolle gespielt haben, vgl. Rutherford (2000: ! Vel. Riedweg (2002: 52-56, 89-97). eit des gische Herleitung von 8e6ç dürfte dabei 138). '* Empedokles 31 B 112 D-K., vgl. Riedweg (1995); von men einer dewpia berichtet Favorin fr. 21 Menschi einem Auftritt des Empedokles im Rahng (= Diog. Laert. 8.53 = Empedokles 31 A 1.53 D.-K.); laut Alkidamas fr. 8 Avezzü (= Diog. Laert. 8.56 = Empedokles 31 A 1.56 D -K.) '* eiferte Empedokles der ceuvémg tod te Biov Koi 100 oxnuatog des Pythagoras nach. |

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175 Sonderstellung offenbar auch äußerlich markierte: Laut Ailian Var. hist. 12.32 templativa zwes kleidete er sich in ein weißes Gewand und trug einen goldenen Kranz — auch entwarklung IN de ge Geistesgeschichte und nicht nur in diese eingeBen Sc km tegration Sinn beweisen läßt sich das gewiß weder im einen Qewpot waren bekränzt'” -, außerdem, für Griechen ganz untypisch, Hosen.'* Was den Vergleich mit Festgesandten in Olympia anlangt,'”” sei im übrigen geprägt,'“ die durch Platons Vermittlung und Weitereenen Fai Gece deutet einiges darauf hin, daß ein extremer Skeptidaran erinnert, daß nach alter Überlieferung Olympia der Ort war, wo sich Pythagoras einst — vielleicht als Bewmpós der Stadt Kroton?'* - erhoben und den zismus in dieser Free py gez greift. Zuschauern seinen goldenen Schenkel gezeigt haben soll.'” Daß zwischen Bibliographie Olympia und Pythagoras’ unteritalischer Wirkungsstätte im 6. und frühen 5. Jh. v. Chr. besonders enge Beziehungen bestanden — keine Stadt stellte in dieser AIA, Ti Zeit so viele Olympioniken wie Kroton -, verdient in diesem Zusammenhang De Pino als Zeuge der Wahrheit und sein Gegenspiemat un artibusque (Colle ctanea Academiae Catholicae '® Erwähnung. Kurzum: daß außer der Selbstbezeichnung @iAdcogos auch die Benennung ER,E (199). “te seltsamer Priester und seine dieser Existenzweise als Bempia — ein Wort, dem der Festvergleich gewisser- (HSE), Der fn maßen eingeschrieben ist — vom charismatischen Begründer einer politisch-relini ine giösen Lebensgemeinschaft in Kroton stammen könnte, hat aufgrund seines © Überlieferung ein besonderes Interesse an der Namengebung zuschreibt - in ; Pestalozzi mr oquium Erscheinungsbilds durchaus eine gewisse Plausibilität. Pythagoras, dem die Jünger. Typisches und werent des Aristophanes”, in K. Blech, M. (1982) Studio zum Kranz bei den Boesch, P. (1908) HEGPOR. Unte Rauri cum, 6). Stuttg art und Griechen (RGVV, 38). Berlin. rsuchung zur Epangelie griec hischer Feste. einem alten Lehrspruch (&kovopa) wird als das Weiseste nächst der (für die | pythagoreische Naturphilosophie zentralen) Zahl das genannt, ‘was für die Dinge die Namen festsetzt''* — hätte dann mit ‘Philosophie’ und der vita con- "Vel. Eur. Hipp. 806-807; Blech (1982: 366), Rutherford (1998: 133): “Being a theoros was a semi-sacred condition: they wore crowns, they were regarded as under divine protection.” "Vel. auch Diog. Laert. 8.19 (dazu ist ferner $ 33 zu vergleichen) und Jambl. VPyrh. 149 (weisses Gewand; Max. Tyr. 1.10e dagegen spricht von Purpur); West (1971: 214 Anm. 1). Nach Burkert (1972: 165) verweisen die Hosen auf den skythisch-persischen Raum (vgl. auch Kingsley 1999: 14-15); West (1971: 218 Anm. 3) sieht eher eine Parallele zum Thraker Orpheus. 1*The journey to the Panhellenic athletic competitions, particularly Olympia” war nach Rutherford (2000: 137, vgl. 146) wohl “the driving paradigm” in der Bedeutungsentwicklung von Gewpia: “This prestige activity becomes the model for other forms of sacred visitation, such as consulting oracles” usw. 158 GemaB Pl. Leg. 950e sollen die Städte möglichst ihre schönsten und besten Bürger zu den pan- | Boll, F. 1922) . Vig Vag Comempiativa. pia Festrede zum zehnjährigen Stiftungsfes te ng Heinrich Lanz, am i sidelbe"82" Akademie der Wissenschaften, Stiftu ci 24. April 19202. tugy Heidelberg. Bola;J., und Wear. BE (1972). Héraclite ou la séparation. Paris. . no ton, n D. P. (102; fumes of Proconnesu s. Oxford. , Bonnechere, P. (1998: “La scene d'init | Vel. Giangiulio (1989: 99-121, 291, 303) und jetzt bes. auch Mann (2001: 164-171). Ob das Sprichwort patora téAAa mapa Kpötwva túctea (Mant. prov. 2.2) vielleicht in dieser Zeit et 480. ‘Bowie, E. L. (1998: “Le Faglia " a, parait de Socrate dans les Nuées d'Aristoph eten (Hrsg.), Le Are des anciens. Brisco, Lieede Rouen, 11 13 Janvi a ‘ose ane”, in Actes du colloque er 1995, Paris, 53-66. ar ce im Mirta. Serie, philosophie”, in J.-F. hellenischen Spielen schicken, um das Ansehen der Stadt zu mehren. 19 Vgl. dazu Burkert (1972: 142 und 159-160). iation des «Nuées» d’Aristophane Trophonios”. REG. 13t- 436- Mattéi (Hrsg.), La cune ev Grèce. Acte s du congrès de Nice, Mai 1987. Paris. — und Segonds. £ Py gg, Jambl ique. Vie de Pythagore. Paris. aufgekommen ist? #llambl, VPyrh. 82 ti 10 oopwtatov; apıduög: Sebtepov $e tò toîg rpáyuao: ta dvouate tıdenevov (‘Was ist das Weiseste? Die Zahl. Zweitens aber das, was den Dingen die Namen name-piv -giver i also gibt’ - letzteres bei Ailian Var. hist. 4.17 in maskuliner Form: 0 toîg np&yuaoı tà Ovópata “Mag daB ches gchaltsein, en wurde Ofuevog); vgl. allgemein lambl. VPyrh. 56; Delatte (1915: 281), West (1971: 216 Anm. 4): “The > -: fi ination with etymologies;. its assumption 0of | : der tradit Sumezzezaone ebenfalls in ionellen Form eines axovo pa fest-

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