Pythagoras, einer oder zwei?

Auteur
Linfert, A.
Verschenen in
Archaologischer Anzeiger
Jaar
1966
Onderwerp
STATUE
Taal
Deutsch
Categorie
C8 Geschiedenis en archeologie
Archiefnummer
4325

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LINFERT, PYTHAGORAS — EINER ODER ZWEI? 495 LAN%ERT „m \ abe PYTHAGORAS — EINER ODER ZWEI? Es schien gesichert, daB Pythagoras von Rhegion und der Samier gleichen Namens eine Person seien, bis A. Rumpf! wieder die entgegengesetzte Meinung vertrat. Niemand würde die Identität von zwei mit gleichen Namen aber verschiedener Heimat in den Schriftquellen? genannten Künstlern mit Sicherheit behaupten wollen. Aber die Basis der Statue des Euthymos ist erhalten?: Sie ist von Pythagoras von Samos signiert, während Pausanias! den Kiinstler ohne Angabe der Heimat nennt. Rumpf nimmt deshalb an, Pausanias meine hier den Samier Pythagoras. Dabei ist jedoch die sonst allgemein vertretene Meinung, Pausanias kenne nur einen, den Rheginer, Pythagoras, sicher richtig. Ordnet man die Pausanias-Stellen, die den Kiinstlernamen Pythagoras enthalten, statt in der overbeckschen Reihenfolge in der des Urtextes hintereinander, so wird das deutlich. Sie folgen in kurzen Abständen am Anfang des 6. Buches (Kap. 4—ı8) aufeinander. Bei den beiden ersten genannten Werken, Leontiskos und Protolaos, nennt Pausanias den Künstler Rheginer. Kurz danach erwähnt er die problematische Statue des Euthymos®, Da kann nur wiederum der Rheginer gemeint sein, auch wenn Pausanias nicht noch einmal »Pythagoras von Rhegion« wiederholt. Schließlich durfte er annehmen, daß es sich inzwischen dem Leser eingeprägt hatte, daß Pythagoras Rheginer war. Hingegen darf man mit guten Gründen annehmen, daß Pausanias einen Pythagoras von Samos, der von dem gleichnamigen Rheginer zu unterscheiden wäre, als Samier genannt hät!e. Das um so mehr, als er gerade zwischen der Nennung der Statue des Protolaos und der des Euthymos den Leser mit besonderer Sorgfalt auf den Unterschied zwischen zwei Künstlern namens Polyklet hingewiesen hat’. Pausanias kennt also, so muß man aus dem Text schließen, keinen Pythagoras von Samos. Auch bei den vier übrigen Statuen, die er nennt, gibt er nie Samos als Heimat an, dagegen zwei weitere Male Rhegion®. Der Meister der Euthymosstatue ist also ein Pythagoras von Samos und Rhegion. Es scheint schwierig, die Diskrepanz zwischen der Pausanias-Stelle und der Inschrift zu erklären. Wäre Pausanias die von seinem Bericht abweichende Angabe der Inschrift bewußt gewesen, müßte man mit Rumpf erwarten, daß er das auch geschrieben hätte. So bleibt nur die Annahme, Pausanias habe die Signatur nicht gesehen, so wie er z.B. auch die Signatur des Antiphanes® auf der Basis der Könige von Argos in Delphi?° allem Anschein nach nicht gesehen hat. Nimmt man dasselbe auch bei der Statue des Euthymos an, so kann des Pausanias Nachricht, daß sie von dem einzigen ihm bekannten Pythagoras, nämlich dem von Rhegion, stammte, doch begründet sein: sei es, daß man ihm den Namen des Künstlers nannte, sei es, daß er selbst den Meister erkannte, da er am gleichen Ort sechs weitere Statuen von seiner Hand sehen konnte. Und nach den Schriftquellen über die Kunstart des Pythagoras dürften dessen Werke einen auffälligen, leicht erkennbaren Stil gehabt haben — so wenig es auch der Archäologie gelungen ist, diesen Stil in Monumenten zu fassen. 1 RE. XXIV 3o5ff. 5 VI 4,3; VI6, 1. 2 J. Overbeck, Die antiken Schriftquellen 333. 489—507. 1040. 8 VI 6, 4. T VI 6,2; Overbeck a. O. 1004. 3 Olympia V Nr. 144; E. Löwy, Inschriften grie- 8 VI 13,6; VI 18,1. chischer Bildhauer Nr. 23. VI 6, 4. ® J. Marcadé, Recueil des Signatures de Scuipteurs Grecs I 5.

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ANDREAS LINFERT Ebenso ist die Angabe des Plinius!* und des Diogenes Laertius!?, Pythagoras von Rhegion und Pythagoras von Samos seien zwei verschiedene Künstler, zu erklären. Denn da Pythagoras nach der Euthymos-Basis zu urteilen — vielleicht vor allem an Frühwerken — auch als Samier signiert hat, ist die Annahme, daB es zwei verschiedene Künstler waren, ganz verständlich. Vielleicht waren die Statuen, die Plinius aus dem Fortuna-Tempel in Rom selbst kannte, von Pythagoras als Samier signiert. Die alte Annahme, Pythagoras sei von Samos nach Rhegion ausgewandert, ist also weiterhin sehr wahrscheinlich. Wenn auch die meisten Samier 494 nach Zankle und nicht nach Rhegion auswanderten, gab es doch keinerlei Zwang für sie, sich ausnahmslos in Zankle anzusiedeln. Zwar scheint sich die Mehrzahl dort niedergelassen zu haben, doch mag Anaxilas von Rhegion einen anscheinend schon als Maler berühmt gewordenen Künstler in die nur gerade jenseits der Meerenge gelegte Hauptstadt seines Reiches geholt haben, so daB die Einheit der beiden Künstler namens Pythagoras weiterhin angenommen werden darf. In Rhegion mag Pythagoras bei Klearchos die Bildhauerei gelernt haben}, oder er vervollkommnete sich in dessen Werkstatt. Auch die Nachricht des Plinius, daß beide Künstler ähnlich aussahen, spricht nun für ihre Identität, wie sie Orlandini zuletzt wieder vertreten hat!4. Freiburg im Breisgau Andreas Linfert Linfert, A. Pythagoras, einer oder zwei ? Archaologischer Anzeiger. 1966, p 495-496. + La statue d'Euthymos à Olympie est signée par Pythagoras le Samien, tandis que Pausanias attribue cette même statue, au début du livre vi, à Pythagoras de Rhégion. Il s'agit donc d'un seul et même artiste. [38-06868 1 N.H. XXXIV 60. Pal. Reale di Venzia 54f. V 12; B. Forlati- 12 VIII 46. Tamaro, II Museo Archeol. del Pal. Reale di 13 Paus. VI 4,4. 1 EAA. VI 5734. I Inv. Nr. 118; H. Dütschke, Antike Bildwerke V Nr. 264; C. Anti, II Regio Museo Archeol. nel Venezia 13 Nr. 11 Abb. S. 63 unten; G. Lippold, HdArch, III 1, 197 Anm. 20. | 2 Inv. Nr. 100; Dütschke a. O. V Nr. 297; Anti a. ©. VIII 17 S. rogf.; Forlati Tamaro 21 Nr. 17 Abb. S. 62 unten.