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I. DIE WURZELN DER BUCHSTABENMYSTIK
$ 1. IHRE BEIDEN TYPEN
Der amerikanische Philosoph William James schreibt (Die religiöse Erfahrung, übersetzt von Wobbermin, Leipzig 1907, 359): „Die
ersten Anfänge mystischer Erfahrung haben wir da vor uns, wo einem
Menschen plötzlich die tiefere Bedeutung eines bekannten Wortes oder
Satzes aufgeht.“ In diesem Buch soll verfolgt werden, wie Teile von
Wörtern, die Buchstaben, Menschen in dieser Weise als Sinnbild erschienen sind.
Unter die „Verschiedenheiten religiöser Erfahrung“ ordnen sich die
bier behandelten Formen so ein: auf der einen Seite liegt zugrunde das
Staunen und Erschaudern des primitiren Menschen vor dem Bild und
vor dem Schriftbild im besondern, durch das das Verblüffende zuwege
gebracht wird, daß die Worte Entfernter reden, als spräche ein Geist.!)
Das führt zu magischer Nutzung. Es gibt ganz frühe, rein magische
ABC-Denkmäler. Für den Analphabeten bildet die Kunst des Schreibens leicht ein unheimliches Mysterium, und derer wird ea im
griechischen und römischen Altertum stets viele gegeben haben. Was
der Mensch an „Bildung“ damals besitzen mußte, war beträchtlich
weniger als bei uns, und infolgedessen wurden auch die Anfangsgründe
nicht als etwas Selbstverständliches gering geachtet. Das Schreiben war
für viele eine gewichtige feierliche Handlung.
Auf der andern Seite liegt Universismus vor, ein nachrationalistischer Glaube an eins Symbolhaftigkeit der ganzen Welt. Alles ist
Chiffre, Sinnbild, Zeichen, Spiegel, Allegorie, alles steht mit allem in
geheimuisvoller Beziehung. Der klassische Ort für diese Art, die Welt
anzuschauen, ist China, wo auch die ausgebildetste Schriftsymbolik besteht.?) Aber auch in unserm abendländischen Kulturkreis ist diese Einstellung nicht selten. Astronomie wird zu Astrologie, Mineralien, Pflanzen, Tiere bedeuten bestimmte Begriffe in den spätantiken und mittelalterlichen Lapidarien und Bestiarien, Texte haben für die Auslegung
mehrfachen Sinn, zu dem man nur den Schlüssel besitzen muß. Die
Buchstaben ‚selbst stehen in Beziehung zum Sternenhimmel, ihre For1) Matthias Mieses, Die Gesetze der Schriftgeschichte, Wien und Leipzig
1918 5.494 ff., ein gedankenreiches, für vieles hier Behandelte wichtiges Buch.
Vgl. jedoch unten 8.10.
2) J. J. de Groot, Universismus, Berlin 1918 8,348. Max Weber, Ges. Aufsätze zur Religionssoziologie, Tübingen 1920 I S. 481.
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Diese Musterung der Traditionen über die Herkunft der Buchstaben
hat wohl gezeigt, daß im griechischen Altertum den Schriftzeichen an
sich noch keine Weihe innewohnen konnte wegen ihres göttlichen Ursprungs. Den besaßen sie nicht in dem Sinn, wie man es im Orient
glaubte. Es hat keinen antiken Gott gegeben, dessen Funktionen mit
der Schreibkunst wesentlich zusammenhängen — Potmos als schreibender Schicksalsgott bei Pindar Nem. 6, 7 steht vereinzelt — und was
ein Heros erfunden hatte, war deshalb noch nicht heilig. Dieser
Glaube scheidet also als Quelle für griechische Alphabetmystik und
-magie aus.
Eine neue Religionsbildung kann mit einer neuen Schriftbildung
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I. Die Wurzeln der Buchstabenmystik
u
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Hand in Hand gehen. Die alte Religion bewahrt treu die ehrwürdige
Schrift aus der Zeit der Stiftung, die neue sagt sich von der bisher als
83. Die Buchstaben zugleich die Zahlen u. die Musiknoten. Pythagoreisches
11
$ 3. DIE BUCHSTABEN ZUGLEICH DIE ZAHLEN UND DIE
MUSIKNOTEN. — PYTHAGOREISCHES
Die Buchstaben waren für die Griechen zugleich die Zahlen. Das
war eine griechische Erfindung, die im 8. Jahrh. von Milet ausging (vgl.
Larfeld, Griechische Epigraphik? 1914 8.294 #.). Sämtliche phoinikischen,
hebräischen, syrischen, aramäischen, arabischen usw. Inschriften kennen
nur sog. natürliche Zahlzeichen (I II Il! Iilt), allenfalls Zeichen für 5 und
10, die aber auch keine Buchstaben sind. Die Überlieferung der hebräischen Bibel verrät Benutzung von Buchstaben für Zahlen‘), aber das ist
offenbar spät eingedrungen. Die ältesten semitischen Fälle von Zahlbuchstaben sind die auch nach Münzfuß und Kunststil hellenisierenden
Hasmoniermünzen; sie dienen dort zur Bezeichnung der Regierungsjahre.
kanonisch geltenden los und hält sich an die Schrift des gegenwärtigen
des Hohepriesters Simon (138—135 v. Chr.). Man hat aber auch mit
Lebens, um später wieder selber diese als tabu zu achten und zu bewahren. „Das hebräische Alphabet veränderte sich seit der Kanvnisieden Buchstaben a&—o als 1—24 numeriert, ebenso wie wir es mit unsern Buchstaben tun. Beispiele sind die in Olympia zur Auslosung
der Kämpfer gebrauchten Täfelchen (Lukian Hermotimos 39), Theatermarken (J. Friedländer, Hermes 9 (1875) S. 251 ff. Svoronos, IIegl vor
eisıınelov tüv ’Aoreiov, Journal International d’Archeologie numismatique 1 (1898) S.45—120; 3 (1900) 8. 197—235; 319—349), Numerierung von Gesimsblöcken an Bauten (Karapanos, Dodone et ses ruines
68f. pl. 34—40; thessalische Inschriften bei Lolling, Athen. Mitt. 7
(1882) 8,69. Gesimsblöcke des Altars zu Pergamon, Robert, Hermes 18
(1883) 8.466. Puchstein SBB 1888 8.1238. Eisler, Weltenmantel
und Himmelszelt, Nachtrag), der Sektionen des Heliastengerichtshofes
in Athen (Lipsius, Das attische. Recht und Rechtsverfahren I (1905)
rung des ATlichen Schrifttums fast gar nicht, die Araber hatten in den
Jahrhunderten vor dem Islam mit überraschender Schnelligkeit das
übernommene aramäische Alphabet verändert. Vom Beginn des Islam
veränderte sich die arabische Buchschrift trotz der verschiedenen Variationen sehr wenig.“ Lidzbarski SBB 1916 8. 1221f. zur Erläuterung
dafür, daß Mani eine Kursive schrieb. Schriftbildung und -veränderung
kann mit Religionsbildung Hand in Hand gehen, aber sie muß nicht.
Dies behauptet Mieses a. a. O., bleibt aber 9.83, 241f. für die altgriechische Schriftentwieklung den Beweis schuldig.
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S. 140f.), von Äckern („casae literarum“, Inschrift von Halesa, IG XIV
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fabul. 277, 31: Palamedes 11, Simonides on&Y, Epicharmos 9%. Tacitus ann. II 14:
Simonides hat alle übrigen zu den alten 16 hinzuerfunden. Irenaeus adv. haer. I
15, 4 Manucei: Kadmos hat 16 gebracht, dann haben die Griechen Aspiraten und
Doppelkonsonanten dazuerfunden, zuletzt soll Palamedes die langen Vokale hinsugetan haben. Theodosios von Alexandria sg! yaxuperızns p. 1 Göttling: Palamedes 16, Kadmos von Milet #97, Simonides no, später sind dazu gekommen t£#.
Schol. in Dionys. Thrac. 320, 20: Palamedes hat alle 16 Buchstaben erfunden, die
andern haben Zusätze gemacht, Kadmos Spy, Simonides no, Epicharmos $5%;
ebenda p. 185, 7: Simonides na&y, Epicharmos die Aspiraten und $, vgl. ebenda
p. 191, 30. Marius Victorinus, ars grammatica p. 1944 = Grammatici Latini VI
p. 194, 15: Kadmos 16, Simonides ££0#, Palamedes mpyp, ebenso Audacis excerpta ibid. VII p. 325,6. Suidas s. v. Palamedes: £xpy, s. v. Simonides: die
langen Vokale und die Doppelbuchstaben. Nach Serrius zu Aen. II 81 hat Palsmedes vielleicht alle erfunden, sicher aber das y. Die von ihm angefertigten
Lettern sind noch im Apollotempel zu Sikyon zu schen nach Ampelius liber
memorialis VIII 5, worsus wohl zu schließen ist, daß sich in dem Tempei des
Apollon Zroıyeios zu Sikyon ein Buchstabenorakel (vgl. darüber unten den besonderen
Abschnitt 8. 151.) beiand, Pfister, Wochenschrift f. El. Philologie 31 (1914) 477 f.
Über die relative Berechtigung dieser zdereerz s. Lenormant bei DarembergSaglio I, Paris 1873 p. 205. Mieses, Die Gesetze der Schriftgeschichte 8. 397
deutet „Simonides Melikos" als Melikertes-Baal Melkart.(!)
p. 352. Gromatici ed. Lachmann J p. 309; II p. 235, 268, 409), die Bezeichnung der Stadtquartiere von Alexandreis (Ausfeld, RM 55 (1900)
8.379, Der griechische Alexanderroman, Leipzig 1907 8.139, Weinreich,
Archiv f. Religionswiss. 19 (191619) 8. 188, Reitzenstein, Das iranische Erlösungsmysterium 8. 203), von Antinoupolis (Kübler, Antinoupolie 1914 S. 13, Wilcken, Grundzüge und Chrestomathie der Papyruskunde I (1912) 8.1, 16) der. Gesänge der homerischen Gedichte (Woisin,
De Gräecorum notis numeralibus, Diss. Kiel 1886, S. 30), der Wochentage (Boll s. v. Hebdomas, PW Sp. 2573). Auch der Alchimist Zosimos
hat die 28 Bücher seines Werkes mit Buchstaben bezeichnet?), ebenso
Mani und Aphraat die ihrigen mit den 22 Buchstaben des syrischen
1) Vernicolt, Dissertatio generalis in Vet. Vest. hebraicum ed. Bruns p. 49
bis 56. Perles, Analekten zur Textkritik des Alten Testaments 8.12. M.A. Levy,
Gesch. der jüd. Münzen. Ed. Mahler, Handbuch der jüdischen Chronologie, Leipzig 1916 8.403. Kautzsch-Gesenius, Hebräische Grammatik 8. 26. Wolig. Schultz,
Memnon 2 (1908) 8. 245 [E).
‚..% Reitzenstein, Das iranische Irlösungsmysterium 98 läßt es zweifelhaft
erscheinen, ob es eine Numerisrung war oder eine Bezeichnung jeden Buches
wit dem Anfangsbuchstaben eines Götternamens.
Dornsoiff, Das Alphabet in Mystik und Magio, 2. Anf
Pagina 3
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)1. Die Wurzeln der Buchstabeumystik
83. Die Buchstaben zugleich die Zahlen u. die Musiknoten; Pythagoreisches
Alphabets. Pachomius numerierte seine Mönchsklassen mit Buchstaben,
s. unten 9. 25 und 71.
Daß die griechischen Buchstaben in einem kunstvollen System auch
zur Bezeichnung der Musiknoten dienten, ist bekannt. Wenn Eisler mit
einer Deutung der $. 33 ausgeschriebenen wichtigen Aristotelesstelle
über die Pythagoreer recht hat, so sind die 24 Alphabetbuchstaben unmittelbar zur Bezeichnung der 24 Aulostöne verwendet worden. Die
Stelle besagt: gleich ist der Abstand in der Buchstabenreihe von A bis 2
und vom Grundton bis zum höchsten, kürzest besaiteten (wörtlich)
auf den Auloi, dessen (fs) Zahl, Nummer (nämlich 24) gleich ist der
Totalität, Gesamtheit der Glieder des Himmels, Wenn also der höchste
Anloston die Zahl 24 trug, ist es sehr wahrscheinlich, zumal auch in
der griechischen Buchstabennotenschrift für Instrumente Spuren einer alphabetischen diatonischen Reihenfolge sichtbar sind (Riemann, Handbuch der MusikgeschichteI 8. 224.), daß die Aulostöne mit der Alphabetreihe bezeichnet wurden. Wenn das stimmt, so könnte es auch
aufklären über die Herkunft der noch bei uns seitdem 10. Jahrhundert
üblichen Tonbezeichnung mit ABCDEFG, abedefg,ab’edefg.
Daß irgendeine Verbindung unsrer Notenbezeichnung mit dieser verschollenen altpythagoreischen — wohl auf musiktheoretisch-gelehrtem
Weg — besteht, legt der Umstand besonders nahe, daß auch in unsrer
Reihe der Halbton hinter dem ersten und fünften Ton sitzt, genau wie
in der von den Pythagoreern bevorzugten dorischen Tonart. Die Zerlegung der Tonnamen nach Oktaven, die immer mit denselben 7 bzw.
8 Buchstaben bezeichnet werden, wird die Folge fortschreitender musiktheoretischer Einsicht sein. Ebenso ut kann diese Anderung aber an
mittelalterlichen Grübeleien über Oktavtöne, Wochentage, Planeten ihren
Grund haben, denn mittlerweile hatten es auch diese zu einer Bezeich-
Von der Musik her sind die Pythagoreer zur aufmerksamen Be., sehäftigung mit der Buchstabenwissenschaft, der Grammatik, gekommen.
Quintilian, instit. orat. I 10, 17 drückt dies so aus: Archytas atque
Evenus etiam subiectam grammaticen musicae putaverunt. Sie rechneten.
die Grammatik zur govaıxy. Die ungeheure Entdeckung des Pythagoras, daß die musikalische Tonhöhe von der Länge der tönenden Saite
abhänge, hat die Mitlebenden geradezu berauscht und wie kaum jemals
ein anderer naturwissenschaftlicher Fund das Denken Späterer bestimmt. Die Töne hatten sich als verkörperte Zahlen herausgestellt, die
qualitativen Unterschiede waren auf quantitative zurückgeführt. Hiermit hatte der Einheitstrieb des menschlichen Geistes ein abstrahierbares, anwendbares &, das zu einer Weltharmonik ganz anders geeignet war als die konkreten Welt&oya/ der Hylozoisten. Ich kann sagen,
alles entsteht aus dem Wasser, aus dem Unendlichen, aus der Luft. Aber
viel weiter zu kommen vermag ich damit nicht. Weiß ich aber: alles
ist Zahl, die Zahl ist das Weltprinzip, so kann ich ein System bauen. Der
tiefe Sinn der Musik z.B. ist, daß sie Klang gewordene Zahl ist. In der
Zahl hatte man jetzt einen Schlüssel; der alle Tore zu öffnen verhieß. Sie
war das Wegentlichste am Kosmos, vielleicht das Wirklichste überhaupt,
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mung durch ABCDEFG gebracht, Isidor, de harmonia Migne PL
83, 987: A terra usque ad firmamentum musica mensuratur. Ad cuius
exemplar nostra inventa affirmatur. In terra namque H (so [E]: FT), in
Luna A, in Mereurio B, in Venere (, in Sole D, in Marte E, in Jove F,
in Saturno G ponitur; profeeto mensura musicae artis invenitur (angeführt
von Kopp, Palaeographia eritica III (1829) $ 253 p. 302, vgl. Arevalos
Note zu der Stelle Isidoriana cap. 86, 3, Migne PL 81, 629 *) Nikomach.
&yy. 6 p. 87£. Jan; Boeth. de mus. I p. 20 und 27. O. Fleischer, Memnon 7 (1913) 8.13).
1) „Zweifellos steht fest, daß im 10. Jahrhundert eine Instrumentaluotierung
(für Orgel, Rotta usw.) mit den ersten Buchstaben des Alphabets im allgemeinen
Gebrauch war, und zwar zunächst nördlich der Alpen. Die ursprüngliche BeABUDETGA— cdefgah ce’ Riemann,
deutung der Tonbuchstaben war
Handbuch der Musikgeschichte I 2, Leipzig 1905 8. 106; Studien zur Geschichte
der Notenschrift, Leipzig 1878 8.24. Vielleicht trägt das oben Gesagte dazu
bei, die Lücke auszufüllen, die zwischen dem Notensystem bei Boethius (f 524),
Inst, mus. IV 14, Migne PL 68, 1277 und der musikslischen Praxis des 10. Jahrhunderts für die Musikgeschichte klaflt.
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das Symbol der Vernunft. Die schönsten Sätze darüber stehen bei Philolaos (fr. 11 Diels)*): „Kenntnisspendend ist die Natur der Zahl und
führend und lehrend für jeglichen in jeglichem, das ihm problematisch
und unverständlich ist. Denn gar nichts von den Gebilden wäre irgendeinem klar, weder ihr Zusich noch des einen zum andren, wenn nicht
die Zahl und deren Wesen wäre. Nun aber wirkt diese durch die Seele
hin in die Empfindung gestaltend alles erkennbar aus und gesellig, nach
des Gnomons Natur, gibt ihnen Leib und scheidet voneinander alle die
Glieder der Gebilde als unendlicher wie als begrenzender. ... Sehen
kann man nicht nur in den dämonischen und göttlichen Gebilden die
Natur der Zahl und ihre haltende Macht, sondern auch in allen menschlichen Werken und Worten allenthalben und hin durch alle Schöpfungen
des Bildens und hin durch die Musik.“
Fällt also die Grammatik unter die Rubrik Musik, so mußten die
Schriftzeichen die Aufmerksamkeit der Pythagoreer besonders auf sich
1) Deutsch nach Herman Schmalenbach, Das Seiende nls Objekt der Metaphysik I: die erate Konzeption der Metaphysik im abendländischen Denken.
Dissertation Jena 1909 3. 36. Viel Material dazu zuletzt bei Weinreich, Triskaidekad. Studien RGVYV XVIT (1916) S. 96f. Zur Herrschaft der Zahl in den
Önwioveyınal reyvaı wäre in der Plastik der ses» des Polyklet über die oonpezole nogimv shueros zu nennen. In der Baukunst gibt es orphische vewrsurtixd,
Diels FVS? 8. 469, 12, Philzios zeel venmomjoeug (über Priene) und eine Schrift
über Jen Bau des Heraions auf Samos von Theodoros von Samos, dem Großvater des Pythagoras, s. Eisler, Weltenmantel S. 687,8. Mit der Zahl in den
Lvägmmıxo) Adyoı ist das Versmetrum gemeint, dessen Zähl- und Meßbarkeit
in der antiken quantitierenden Weise mehr’ hervortritt ala in unsrer akzentuierenden (nach [E]: die Psephos). 8. auch Diels, Antike Technik? 117.
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Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)$ 4. Das Wort orasyeiov-Elementum
ziehen. Denn sie waren zugleich die Zeichen für die Zahlen und die
Musiknoten. In ihnen, in ihrer Form, ihrer Anzahl und ihren Verschiedenheiten mußte wohl manches von kosmischer Bedeutung zu finden sein.
„Die Zeit zur Mahlzeit zu gehen ist da, wenn das ororyelov zehn Fuß
ist“ ororyeiov in der Bedeutung das Stück, der Abschnitt, das Ausmaß
(nach Diels) oder, wenn arosy&a durchempfunden wird (nach Lagererantz)
die in Füßen abgemessene, abgegangene Strecke, ist da durchaus Fachwort der in Griechenland von Anaximenes begründeten Gnomonik, des
Sonnenuhrsystems (darüber Daremberg-Saglio s. v. Horologium Diels
Antike Technik?, 1920 8. 157). Das bei Aristophanes vorausgesetzte
Verfahren „Jeder sein eigner Gnomon“ ist der Niederschlag jener rasch
volkstümlich gewordenen Wissenschaft. Sie paßt übrigens gut zu der
Lehre von den Proportionen des menschlichen Körpers, wie sie die
Pythagoreer ausgebildet und der Bildhauer Polykletos angewandt hat.
Die Bestimmung der Essenszeit nach dem arurzeiov des eignen Schattens ist populärpythagoreische Deipnosophistik.
Das oroıyeiov, die gemessene Schattenlänge auf der Erde bzw. ihr
Wachsen und Kleinerwerden, ist nun lediglich die Projektion der
Sonnenhöhe bzw. des durchlaufenen Sektors der Gestirmbahn am Himmel Und eben die 12 Teile des von der Sonne durchlaufenen Tierkreises heißen. — nachweislich seit dem 2. Jahrh. y. Chr., s. unten
$ 4. DAS WORT ZTOIXEION-ELEMENTUM
Folgenreich für die antike Wertung der Buchstaben war es, daß
man sie mit dem Wort eroıysiov bezeichnet hat, Durch dieses Wort
wurden die Buchstaben der Schrift für den Griechen, der vom Namen
einer Sache aus unwillkürlich weitergehende Folgerungen zog als wir,
— die „Kritik der Sprache“ fing erst an —, in die Sphäre philosophischer und religiöser Begriffe gehoben. Für ororyeiov gibt es die beiden
Wortgeschichten von Hermann Diels, Elementum, Leipzig 1899, vgl.
Antike Technik?, Leipzig 1920 S. 159 und Lagererantz, Elementum.
Skrifter utgifna af K.Humanistiska Vetenskaps-Samfundeti Uppsala XI1,
Leipzig, Harrassowitz 1911. Was die sprachliche Ableitung betrifft, so
baut Diels auf die des Dionysios Thrax: 670:78iov kommt von 6rolgog
und bedeutet Reihenglied.!) Lagercrentz sagt: Es ist vielmehr von
orslysıv = „gehen, marschieren“ auszugehen (8.88). Zro:yso ist in der
Bedeutung gehen, marschieren ganz geläufig (8. 103). Davon ist mit
objektivisch-transitiver Verwendung der Endung -siov (3. 106) oroıgeiov
in der attischen Sprache gebildet und bedeutet:
i. das begangene Stück, der -Gang, die Strecke (so die früheste
Verwendung bei Aristophanes Eceles. 651):
2. Grund: a) Erdfläche; b) Grundlage, so bei Xenophon memor.
2,1,1; ce) Stütze, so in der Astrologie (8. 62) und im Neuen Testament
(8. 42). Die vollkommenste Analogie bietet die Bedeutungsentwicklung
des von ßelva abgeleiteten Wortes Adarg.
Ich gehe nicht auf die weitere Bedeutungsgeschichte nach den beiden Darstellungen ein, sondern gebe einen andern Vorschlag. Diels’
denominative Ableitung von ozoigog die Reihe, srorgeiov das Stück
oder Glied in der Reihe kann ruhig bestehen bleiben. Eine Analogie
wäre onjua das Mal, onweiov (spezieller, intensiver, x«r’ öoyrjv, begrenzter) „das Zeichen“. Für die Geschichte der Bedeutung ist dieser Streitpunkt — denominativ oder deverbativ — nicht entscheidend, vielmehr
ergibt sich das meiste aus der richtigen Auswertung der ältesten Verwendung bei Aristoph. eeeles. 652, die Eisler verdankt wird.
ool ÖL uelrosı, Brav Ösudzwour zb Grorgeior,
URROH zaparı Eml deinvor.
1) Gegen eine verwandte Ableitung hatte Bedenken Ps.-Sabas „Über die
Mysterien der griechischen Buchstaben“ od. Hebbelynek, Musson N.'S. 1 (1900)
p. 2if.: „Mon gibt den Buchstaben den Namen Elemente (sriyos!) nicht deshalb, weil sie selbst nicht mehr in Elemente zerlegbar sind (d.h, die kleinste
Schrifteinheit sind), wie die Weisen der Griechen in ihrer Hohlheit gedacht
“ haben, sondern weil in ihren Zügen sich die Form der Elemente der erachaffenen Welt findet.“
n
L Die Wurzeln der Buchstabenmystik
+=
14
15
Anm. 2 — oroıyeie. Die Tatianstelle cap. 9 oroyeincıs Ö’auroig E)
Sumoıs Av besagt „als Teilmaß (oder Schritteinteilung, Gradation)
diente den Planeten die Anbringung von Tieren (Ködıa)“. Also ist die
Bezeichnung 6rorzsfov „Teilstück, Reihenstück“ vom Sektor, vom Zwölftel des Himmelskreises auf die diese Abschnitte markierenden Gestirne
übergegangen. ')
j
Wie jede Uhrteilung setzt auch die @nomonik eine Numerierung
oder doch Bezeichnung der vom Schatten durchlaufenen Sektoren vor.
aus. Für Analphabeten bezeichnet man die — dem sumerischen Sexagesimalsystem entstanımenden — ıß’ n£ose Au£pag (Herodot 2, 109) mit
' 12 verschiedenen Tieren: die Dodekaoros, der eigentliche Endınzög zu:
xAog, Das nächste sind Zahlen oder, wo das gebräuchlich ist, Numerierung mit dem Alphabet. @rosysiov hat also von Anfang an seine astronomische Konnotation.
1) Nach Diels ist dieser Wandel der Wortbedeutung auf dem Umweg
über den grammatischen Gebrauch von sroszsiov ala Bezeichnung von „Buchstebe" erfolgt, Gegen den aus Nikomachos von Gerass belegten Satz von Diels
8. 44: „So hat an ältere Schrallen der Pythagoreer anknüpfend die neupyihagoreische ‚Schule das Alphabet an den Himmel versetzt“, sprieht noch folgendes
chronologische Argument: In einem Auszug aus Vettius Valens, dem Astrologen
aus dem 2. Jahrh, n. Chr., stebt zu lesen, daß im Gegensatz zu einem verwiekelten Verfahren des Vettius die &eyaicı die Tierkreisbilder mit je zwei Buchstaben
bezeichneten in der Anordnung AN, BE usw. bis M2. "Mit den &eyaio: sind in
der astrologischen Literetur meist „Nechepso und Petosiris“ gemeint.
Also
wahrscheinlich schon diese Begründer der griechischen Astrologie im 2. Jahrh.
v. Chr. sind durch die Tatsache, dsB eroıyero» „Buchstabe“ und „Tierkreiszeichen“ bedeuten kann, dazu bewogen worden, diese miteinander in
zu bringen (s. darüber unten 9, 84).
IN, DAS
a DPaAnBEet N
Mysten zwnd M DSG
Beziehung