Volledige tekst tonen6 pagina's
Pagina 1
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)In: Oberdeutsche Zeitschrift für Volkskunde,
3 a 1929 ~ p. 32 - 42
-Diefe Paralleten find auffallend. Sie {eben aber unter pren Be-
>T
52.6
Von Luife Kröger, Kiel.
+. |
KROGER,
ATA
Seit undenklichen Seiten find die Handlinien cines der delicbteften
Mittel gewefen, einen Blick in die Zukunft zu fun.
Die Handlefekunft oder Chiromanfie haf fid zu verfchiedenen Zeiten
febr verfchiedener Wertfhätung erfreut. Ihren Urfprung führt fie auf
keinen Geringeren als Ariftoteles zurüd. Schon Plinius' madi ihm
den Vorwurf, dah er an Chiromantie geglaubt babe, und Gefmann berichtet in feinem Katechismus der Handlefckunjt, dal; Ariffotefes auf
einem dem Hermes geweihten Alfar cine mit goldenen Bud)ffaben cinacichriebene dhiromantifde Offenbarung gefunden und fic Alexander dem
qwifden Länge der Handlinien und der Lebensdauer. Aber das iff keine
pos
~~ <=
-
2 Sum Schluß babe ich noch meinen herzlichen Dank an Herrn Leopold Dar
ansjufprechen, der mir bercifwilligil und ohne mid perjönlich zu kennen, die
beiden Krippenbilder zur Verfiiqung ffellie. “Nicht minder bin id Herrn Lage.
Altertum und Mittelalter haben, wie die Neuzeit, Handlefekunft geo
1 Nut. hist. 11, 273.
2 rr. tk Cox tavopiiiv A 15 p. 4930 52: monda rev N, 49 p. 8961 37;
xpoBaAnpatoy NNN
10 p. 9610 33, ef. Ariflot. Cray. 281 - + Boje, Ariftol. pseudepigraphus p. 984; Plinlus: N. 11, 31, 275,
trieben. Ob aber zwifchen ihnen irgend ein Sufammenbang befteht oder
ob die heutige Chiromantie, wie eine andere Überlieferung will", tatfächlid)
im 15. Jahrhundert von Zigeunern nad) Europa gebracht wurde, entzog fic
ber Beurteilung, folange von anfiker Chiromantie nichts Greifbares beannf mar.
Das dnderfe fic) jedoch, als mein fehr verehrfer Lehrer Profeffor
Franz Voll im Catalogus codicum astrologoum Graecorum VII Codd.
German. ein unbezweifelbar anfik-heidnifhes ,,Prognoffikon aus den
Handlinien” vorlegfe. Boll regte mid an, dem ganzen diromantifden
Problem nachzugehen.
eMi+ns
dem Herausgeber der Revue de Provence, gu Dank verpflidlet für die liebenswitrdige Überlaffung der beiden Clidiós (Pistadiié und Darbietung des Limmdens in Les Baux). Das Neproduktionsrecht für die übrigen Bilder ift vom Verfaffer felbft erworben.
Reid) entwickelt iff die Handlefekunft des fpáten Mittelalters und der
Renaiffance. Auch fie nimmt die berühmteften Autoritäten für fid in Unfptuch, 3.8. Hermes (= Hermes Trismegiftos), Pythagoras, Zophirus,
Hellenus, Pfolemaeus, Ariftofeles, Avizenna, Rafis (= Razi abu Behr
Muhammed ben Jakarjja), Mafernus (= Firmicus Maternus), Conffantinus
Africanus, Sulfa, Cacfar. Aus den hier herangezogenen fafeinifchen Abhandlungen feien erwähnt Alberfus Magnus, Averroes, Johannes Hifpalenfis.
OGrofen mitgefeilt babe. Die ganze Gefchidte ift fo fypiich helleniftifeh —ınan
denke an Euhemeros —, daß. man den Gedanken an eine hier vorliegende
antike Überlieferung fewer abweifen kann. Dic bekannten Rachichlagewerke von Steinfchneider und Wiiflenfeld, die Handfchriften-Rataloge, foweit
id) fie kenne, verzeichnen jedod) keine „Chiromantia Flermae”. Ariftoteles
felbft ijt, wenn man die cinfdlägigen Stellen? genau befrachfet, kaum als
Chiromant in Anfprud zu nehmen. Er findet gwar einen Zujammenhang
33
größeren Länge der Strecke vom Nabel bis nad) unten als bis zur Bruff
auf Kurzlebigkeit fchlicht. Auch die übrigen von Suidas* angeführten
großen Chiromanten des Altertums Gellenos, Eumolpos, Artemidor bleiben
vollftändig dunkel. Daf Arfemidbor eine Chiromantie gefchrieben habe,
fheinf bei feiner im Lraumbuch* ausgefprochenen generellen Verurfeilung
aller Pofbagoreer, Phyfiognomiker .... Handbefhauer (yemonxóro) ufw.
¿temild) unwahrfeinlid. Uber mit wie großen Namen auc immer fid)
die Handlefekunft des Altertums fchmiickte, fie iff offenbar die Mantik
der gefellfdhaftliden Unterfchicht, der kleinen Leufe geblieben, wie denn
auch Juvenals die drmlide Frau dadurch chacakferifiert, daß er fie zum
Ehirs.nanten geben läßt.
' Die einen wahren in ¡pei Vauernfum einen guten Konjervativismus,
die andern find nur Einflüffen fechnifder Art zügänglic, die ihnen ihr Beruf als Arbeife
nöfigt: beide kennen die moderne
Lebensart, ohne in
ihr etwas,
ie felbft Wefentlihes und Wofwendiges zu je
ic deshalb
ihre naive Auffaffung in religtöfen Dingen und in Giffen nicht verdrähgen kann?”
Pythagoreifches aus der Handlefekunff.
Bon Luife Kröger
eigentliche Mantik, fondern erklärt fic) aus feinen nafurwiffenfchaftithen
Anfchauungen und ift nicht anders aufzufaffen, alg wenn er aud aus der
dingungen ine Gebirgsgegend, bei uns dem modernen
Berkehr nod) abfeits; in der pos eine feif Altersher fhon du
prache unferfchiedene
und gecinte Landf Aol
aa Charakters._DEr gemeinfame Glaube, der
gerade in der Diafpora, die-ja das Gescbirge iff, in feinen Giffen den
feften Halt hat.
sj
Die Nachforfdungen in den griehifhen Handfehriffenkatafogen ergaben einige weitere Manufkripfe desfelben Prognoftikon, leider aber
kein neues Material”. Das Suchen nach môglidft alten [afeintfhen
Tralifater war ergiebiger. Grundfäblih bin ich in der Auswahl der Terfe
3 Bergl. Stephanus Thesaurus, 5. v. Xearöpavrıc. — Guidas s.v. “Ehevos,
alavımpa, Aprentdwpos. Büpoirtos — Nonnus In Gregor v. Nagzianz 72 ==
Migne P, G. XXXVI 1024,
* Onirocrit. IT 69,
Zu0DrEm
:5 Gal. VI, 582.
° 49. 3, Brand.
Observation ou popular antiquites, London, 1813,
©. 638 und U. Lehmann, Aberglaube und Hauberel, Stuttgart 1898, S, 212.
? Die nad Cal. 111 In der Verlinet Handidrift, Berolinensis 75, Studemund
n. Cubn (= Poll. 1479 = Meerm. 114) f. 21—25 enthaltene Chiromantle erwies
fid) als cine Gingerrednung zur Verednung des Ofterfeftez.
Pagina 2
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)nicht über das 15. Jahrhundert binausgegangen und babe mid) auf dle
Aufarbeitung der Beftände der Verner Stadtbibliothek, der Münchener
Hof- und Staatsbibliofhek bejchränkt, fowie zwei Wiener und eine Orforder
Handfchrift berüickfichtigt. Im Ganzen wurden auf diefe Welfe ychn alte
fateinifche, bisher nicht im Druck veröffentlichte Chiromantien ans Lib!
gezogen, dle Ich, da fle fümtlid anonym überliefert find, der Einfachheit
halber numerierte®. Die Vergleichung des griechiichen Prognofiikon und
der lateinifhen Chiromantieen ergab ein itberrafchendes Ergebuls, wofüt Ich
hoffe, {pater einmal den Beweis vorlegen zu können. Elumal gelyen die
fafeinif wie der griechifch überlieferte Traktat diefeiben konfíiluliven
Elemente. Erftens das, was id natfirlide Chiromantie nennen
möchte, alfo 3. Y. wenn das griehifche Prognoftikon die Lebenstinie
(Zoephoros) als Abbild des Körpers und des Lebensweges auffahl und
behauptet „wenn bei Jemanden die Lebenslinie nicht vollendet iff, der flirbt
“duch einen plößlihen Schlag ohne daß er es merkt”, oder „wenn dic
Lebensfinie von Querfinien zerriffen wird, foviel körperliche Unguldnglidkeiten werden den bedrángen, wie Querlinien die Lebenslinie zerreißen,
und zwar offenbaren die zerreifenden Linien an den oberen Zellen der
Lebenslinie Krankheiten des Kopfes und Gaffes, an den mittlerer. Tellen
Krankheiten an Vruff und Baud oder Riicken und Hüften, an den
unteren Zeilen der Lebenslinie (Krankheiten) an Knien und Füßen.
Benn aber die Lebenslinie gefund und gerade ift und keinen Knick
aufweift, ebenfo iff dann aud) der Charakfer des Menfchen“. So aud
in der lateinifchen Chiromanfie, 3. Y. I 34, 35: „Wenn die Lebenslinie gerade und zufammenbängend ift, fo iff das ein Zeichen von langem
Leben, Kühnhelt und guter Veranlagung. Wenn fie aber ungufanmienhängend ift oder allzu kurz, ein folder, Mann oder Frau, wird nie clwas
zum erwünfdhten Ende führen.” — Ahnlih 11 55: „Wenn die Lebenslinie fid) an der Wurzel in Art eines Kreuzes ausbreitet und cin ") da lit,
fo ift das ein Zeichen eines gufen Endes nad) vorangegangener Beichte.”
Das Kreuz iff ohne Weiteres verftändlich, das O bedeutet hier den Bud)
ffaben o, der nad) Apocal. 22, 13 zum Seiden des Lebensendes werden
konnte. — Diefe Beifpiele für die natürlie Chiromantie mögen genügen,
fie ließen fic) leicht vermehren.
Das beherrfchende Prinzip fowohl der griechifch als auch der lafcinifd
überlieferten Handlefekunft iff die Aftrologie. Den Planeten find die
einzelnen Finger und Handteile als „Häufer“ zugeteilf, fodaf die Linien
Planefenverbindungen darftellen, aber aud) die Haupflinien jelbft können
einzelnen Planeten angehören, wie 3. 8. im griedifchen Prognoftikon
die Zoephoros (Lebenslinie) dem Ares. Go erklärt fid) die auf den erflen
Blick frappierende griechifche Prognofe: „Wenn die Lebenslinie fid) 3ufammengiebt (d.b. kurz iff), zeigt fie fanglebige Menfden an. Wenn Île
fih aber bis zum kleinen Ginger erftrecht . .. bedeutet es hurslebige.
Der kleine Finger iff das Haus des Hermes, alfo eine Lebenslinie bis zum
® Im folgenden beziehen fic) die Anführungen I, 11, II -ufw. auf die lat.
Zraktate,
Bon Luife Kröger
59
kleinen Ginger ffellt eine Verbindung von Ares und Hermes dar, die in
der Aftrologie ganz durchweg kurzes Leben bedeutel”. Aud) die Zuteilung
der Cebenslinie an den Verderben bringenden Kriegsgoff Ares ijt in der
affrologifen Medizin begründet, die das Blut, das auch nad antiker
Raluranfchauung der Lebensjaft ift und das Gefchlechtsglied dem Ares zuteilt und ibn dadurch juin Spender und Träger des anlmalifchen Lebens macht.
Ein dritfes grundlegendes Clement der Handlefekunft, das fid) auf den
erften Blick weniger klar heraushebt, iff die ppthagoreifche Zahlenlebre, die in ihrer Bedeutung für die Chiromantie in Folgendem näher
beleuchtet werden foll.
Aber nicht nur bauen fid das antike griechifche Prognoftikon und die
mittelalterlid) lafcinifch überlieferten Chiromantieen auf den gleichen Pringipien auf, es beftebt fogar ein liferarifcher Zufammenhang zwifchen ihnen.
Eine ferfhrififhe Unterfuchung:" erweift, daß das griechifhe Prognoffikon
mittelbar die Grundlage für atte lafeinifchen Abhandlungen iff, in VII
und X liegen fogar Uberfegungen vor, die zu einer lehrreiden Korrekfur
des griehifchen Tertes führten.
Sn den lafeinifchen Chiromanticen fefbff laffen fic) verfhiedene Grundtrakfate nacweifen, die, wenn auch nur miftelalterlidy erhalten und in
hriftlicher Zeit variiert, dod
o
ihrem Inbalfe nad) in antikheidnifche Seit binanfreichen.
uf das griechifde Prognoftikon und die Borberfagungen der lateinifchen „Urtraktale” beziehen fic) die
folgenden Ausführungen.
Die chiromantifche Einteilung der Hand weicht im griechijden
Prognoftikon
etwas
von der uns geläufigen ab, die
{chon in den mittelalterlid) (ateinifchen Trakfaten durdgegedrungen iff. Siebe nebenftebende Seichnung!
Auffallend iff in erfter
Linie der Umftand, dah gerade
über die Lebenslinie keine
cinbeiflide Auffaffung beftebt.
Das fcheint ein fo [ehwerer Diffens, daß man geneigt wäre, die hier aufgeftellte
BVebauptung einer fortlaufenden Entwicklung von der griedyif
- antiken
d) zur
mittelaltertidy-modernen Handlefekunft von vorn herein in Zweifel zu ziehen.
Aber dod) mit Unrecht. Daf aber in der Tat die auf der obigen Zeichnung als * Girm. INI 160, 25 — 111 175, 11 — III 178, 29.
1° Aud) fie hoffe id, {pater verdffentliden zu können.
Pagina 3
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Jocpboros gezeichnelen Linie die
griedhifde Lebenslinic tft, gebt
aus dem „Prognoftikon” klar hervor. Es heizt dort: „Der Or: am Ende
des Seigefingers bis ‘zur Daumenwurzel iff das Mefatbenar, Eine Linte
nun, die von feiner Mitte’aus beginnt, und melffens die Chronike berührt,
aber an der Wurzel von ihr losgelöft ift, zieht fic) durd die Soblband.
Diefe [Linie] nennt man Zoephoros. Was zwifhen Ihr und der Chronike
[liegt], heißt Dreieck. Der Teil diefer beiden Linien, an dem fie fic) berühren und vereinigen, foll Synaphe heißen.” Jeder Blick In die Sand
zeigt, daß diefen Anforderungen nur die Linie enffpricht, die [pater „Media,
Tabularis“ ufw., genannt wird.
Allem Anfdein nad iff die oc.
phoros als die diltefte chiromantifche Linie anzufprechen. Eine genauere
Analyfe der einfchlägigen Terfe der griechifchen Wnatomen läßt vermuten,
daß eine gewiffe anafomifhe Theorie fowohl den Daumen (gr. Gegenhand = dvrixeip) als aud) die Finger und Fingerberge nicht zur Hand
felbft rechnete, daß für fie alfo die Hand nur eine Hauptlinie, die Zoephoros
hatte und die Anankaia (Schicfalslinie = Mensalis) und Chronike (3citlinte, die fpätere Lebenslinie) Grenzen der Sand darftellfen. Wugerdem
ift anzumerken, daß das griechifche Prognoftikon in feinen erhaltenen
Tetlen nicht vier, fondern drei Hauptlinien kennt.
Mollte man die Weisheit der Pythagoreer aus den Handlinien beraus lefen, fo bot fid als natürlihfter Anhalt der von 3oephoros
und Chronike gebildete Winkel. Hier finden wir auch im griechifden
Prognoititon die pythagoreifden Elemente. Es beiff dort: „Wenn bei
Jemanden die Zoephoros und die Chronike auseinander ffeben und heine
PBerbindungslinie zwifchen ihnen iff, ein folder wird menfhenfheu, fham108, lügnerifch fein, feine Unternehmungen nicht zu Ende bringen... .
faul und leidffinnig fein. Wenn die Linien zwar auseinanderftehen, zwi[hen ihnen aber eine Arf Querlinie iff, die keine von ihnen berührt,
fondern für fic) bleibt, fold)’ ein Menfh wird ein Weinfaufer und
Bederer fein. Wenn auf dem Thenar der Hand fid die beiden Linien
mit ihren oberen Teilen berühren, nämlich die Zoephoros und die Chronile,
dann wird ein Freier Glück haben und ein tadellofes Leben führen. Cin
Sklave aber wird freigelaffen werden .... Wenn fid) aber befagte Linien
nicht berühren, fondern den Pla zwifchen fic rein laffen, fage das Gegenteil, Wenn er ein Sklave ift, wird er nie frei werden, wenn er ein Freier
iff, wird er bedürftig fein. Wenn aber die Linien fhmale Nebenlinien, wie
ein Neg, aufwelfen, die fie berühren und umjchließen, dann wird [fo
Jemand] aus fhlechterem zu befferem Leben kommen. Am Ende feines
"ON
NUNES
ogni
tant der Drei’, Die in unferer Stelle aufgezählten Qualitäten verhatlen
fidy zu denen, die in der Theol, arith. mit der Drei verbunden werden wie
das Negative zum Pofitiven. Die Theol. arith. läßt die Tugenden, die
auf das richtige
af zurückzuführen find, und Lebensverhältniffe, die aus
einem Zufammenjchluß, einer Vereinigung bisher getrennfer Elemente befteben der Drei enffpreden. Die Chiromantie fchließt aus dem Nichtzufanmenfchließen der beiden Linien auf Fehler der Maßlofigkeit, Jfolierung,
Unbeftindigkeit'. — Innerhalb der Chiromantie felbft hat fid dann, wie
der Schluß der oben angeführten Stelle zeigt, der von Chronike und
Joepboros gebildete Winkel zur allgemein glückverheifenden Bedeutung
entwickelt. Das Glüc des Sklaven iff eben die Freiheit. Die abfchwächende
Yedeufung einer Querverbindung iff ohne Weiteres verftändfich. Übrigens
zeigt diefe Prognofe wiederum den ausgefprochenen Unterfchichts-Charakter
der Ehiromantie.
Auf py{hagoreifdhem Einfluß
beruht es, daß Handlinien
wie die Zoephoros (f. 9.) Planefen zugeteilt wurden. Yon
rein aftrologifhem Geficht3punkt ans iff das nicht denkbar. Eine Linie kann nur eine
Planeten bahn anzeigen, nicht
diefen felbft, aber die Pythagorcer weibten nicht nur den
Drcicchswinkel, fondern auch
die Dreichfcifen verfdiedenen Gottheiten". Go konnten fie auch Sandlinien
mit einer Gottbeif gleichfegen.
Die
Aftrologen
übernahmen
dann fpâter die ppthagoreifde Überlieferung.
Die lateinifche Überlieferung feilt die Hand wie obenftebende Zeichnung ein.
Procl-Euclid p. 128.
1 Man vergleiche: |
.
Chiromantie
Theol, arith
dirvi pros
pata, pos, (p. 16).
logifchen Chiromantie feben wir uns vergeblich nad) einer Erklärung um.
vf Lace
eboéPera (p. 14).
‘Aud wenn wir vorausjegen, dag — was an fic in der Chiromantie ¿u-
ATOGTENATÍS
Lebens aber wird es ibm gut gehen.” Bei der nafürlichen oder aflcotreffen kann — Soephoros und Chronike Planeten repräfenfieren, fo kann
dod) aus deren Wich fyufammentreffen keine Vorherfage abceeleitef wer‘den. Hingegen wird von pythagoreifden Gedankengängen aus alles verpuilx (p. 16). sufovita (p. 14).
robpos
ppdvnats (p. 14).
olvópAuE
peévnors (p. 14).
nat) ode
cuppociva (p. 18).
ftändlich. Es ijt die Überfragung der der Drei zugefchriebenen Krájte, auj
Die Drei If ferner das Symbol der Vollendung, wen fle fehlt, dem feblt damif
den von Soephoros und Chronike gebildeten Winkel, In der pythagoreiaud) die Fähigkeit, das Unfernommene zu Ende zu führen,
er iff ¿rpóxoros.
[chen Geometrie gilt ebenfo wie das Dreieck aud) der Winkel al Repráfen-
3 Drocl.-Eukt. p. 136,
Pagina 4
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Es enlfpreden fich alfo
Linea vitae, Lebenslinie, rechte Lint == Chronike,
Linen media, Tabularis, Inke Linie == Soephoros.
Unfer den pytbagorelfhen Elementen der latelnifchen Chlromanticn
findet fic) gleich eingangs eine Vorberfage, die aud) heute nod) In jeder
Anwelfung der Handlefckunft anzutreffen It: „Die Linien, die fich ywilchen
den Wurzeln der Mensalis und dem Kleinen Finger befinden, bedenten
Chefdliehungen, die einem Manne (homo) bei feiner Geburt beftimmt
find" Die Linien am kleinen fünften Ginger zeigen, daß in dem
Indivlduum die Kraft der Fünf wirkfam iff. Die Fünf beftcht nun nad
ppthagoreifcher Lehre als erfte, aus einer geraden und ungeraden, welblihen und männlichen Zahl und bedeutet daher Ehe. Aber die Vorberfage gilt nur für Männer; das erhellt aus der Beifchrift zur Zeichnung
in VII, „foviel Linien Jemand bat .... foviel
Frauen wird er heiraten”,
ebenfo IX 2 u.a.D. Zudem zeigen beide Zeichnungen charakteriftifcherweife
ted fte Hände. Der Einfluß der pothagoreifhen Lehre auf die Handlejekunft befhränhé fic) nicht auf einige zufällige Einzelheiten: es ift einmal
der Derfuch unternommen worden, diefe ganze Mantik pothagoreifd zu
begründen. Wud) die große Zweiteilung, rechfs = männlid ufw.: finks =weiblich ufw. follfe überfragen werden. Das wurde auf verfchiedene Welle
verfucht. Entweder gelten für den Mann die Zeichen in der rechten Hand,
für die Frau die in der linken (wie oben), oder das für den Mann günftige
Zeichen bedeutet für die Frau Ungiinffiges und umgekehrt, fchließlich werden die Dreicchfeiten 3wifchen Mann und Frau fo verteilt, dah dem Mann
die rechfe und der Frau die linke Dreiecksfeife zugefeilt wirds. Die dritte
Seite bleibt dabei die Verlegenbeif, wie ja eine fnffematifhe Durafiihrung
des Gedankens nafurgemäß unmöglich iff. Die Einleitungen unferer Chiromantie geben in dtefer Sinfihf ziemlich verworrene Vorfdyriften, in denen
die Wnfithefen Mann: Weib
— redts: links — Sommer: Minter —
Sonnen = (und Jupiter): Mond = (und Venus) tag eine Rolle fpielen, jo in
11, V, X. Andere Chiromanten (X a. O.) lehnen diefe Zweiteilung ausdriidilid)
ab. Schon Anaragoras!? kannte diefe Kategorien, ebenfo Hippokrates'’.
Ariftofeles bekämpft diefen Glauben'", Bekannt iff er uns vor allem aus
der pythagoreifchen Tafel der Gegenfäße und der Wpologie des Ariftides'”.
Arfemidor benußt thn in feinem Traumbud?.
Eine meifere Prognofe
laufef: „Eine Frau, die mehr Zeichen zwifchen dem driffen und vierten
Ginger als zwifchen dem vierten und fünften Ginger hat, iff mehr geVI 285 und 336 — II 76 — VII 10 — VII 97 — IX 2.
15 Bergl. VI 134 — II 140.
19 Diog. Laërt. II 10,
Dergl. Seller, Phllofoph. d. Gr. II° 1013, 1.
1? Epldem. VI 21 = Y 312 Littré.
Von Lulfe Kröger o
30
eignet Anaben als Mädchen zur ‘Well zu bringen”'”. Die Vorfage findel
fd in verfchiedenen Barilationen: IL 90 verlegt das Seiden der Knabendebut in den Willelfinger felbft, VII 96 enthält beide Zeichen. Wir finden
bier die pothagorcifhe Lehre vont Partus maior (d.h. der normalen Geburt nach neun Monalen) wieder. Legl man nämlich beide Hände jue
fammen und zählt die Zwifchenräume zwifchen den Fingern, wobei 3wifhen
beiden Händen auch cin Intervall anzujepen iff, dann liegt der ficbente
zwifhen Ring und Aittelfinger der linken Hand, zählt man die Finger,
jo ijt der Ringfinger der ficbente. Lun iff aber im Partus maior der
männliche Embryo in fieben, der weibliche in feds Woden ausgebildet”.
Sieben byw. fechs find für männlich und weiblid) harakteriftische Zahlen.
YE
NY
Die pythagoreifd> cingefteliten Chiromanten haben, wie man aus den
eben befprodenen Prognofen wohl fbliefien darf, die 10 Finger bzw. die
Awifdhenrdume mit den Zahlen 1(—102) gleichgefegt. — Einfchneidender
aber wurde es, daß man auch geometrifche Figuren, den Winkel, das
Dreieck und das Diereck wiederfinden wollte. Der Winkel zwifchen Goepboros und Chronike friff in allen Händen klar hervor, die dritte Dreieckfeife fand man in einer im allgemeinen viel fhwächer, mandmal auch
garnicht ausgebildeten Linie 3wifchen dem unferen Teil der Soephoros
und Chronike, die man Basis Trianguli nannte, Daf; diefe driffe Linie
erst fpäter eingefügt iff, erhellt ohne Weiteres, obfdon alle Chiromanticen,
einfchließlih des griechifchen Prognoftikon, fo wie fie uns vorliegen, das
Dreieck kennen. Diefe dritte Linie iff in der Chiromantie nie fo red) feft
geworden, ihren Prognofen ‚haftet immer eine gewiffe Unbeffimmibeit und
Leere an. Sie dient urfprünglid nur der fonffifuierung des Dreiecks**a,
Mit der Einführung des Dreiecks als pythagoreifdes Symbol hängt
nun auch die Zunktionsänderung der chiromantifden Linien gufammen.
Die gricchifhe Zoephoros (= Lebenslinie) heit die linke, die Ebronike
die rechte des Dreiedis. Dom pythagoreijcden Standpunkt aus aber ift
es eine Unmöglichkeit, daf efwas, was zum „Link3”, zur Kategorie des
Nichtfeienden gehört, das Seiende, das Leben fpmbolifieren könne. Go
21 VI 276 und 323 — Il 90 — III 207 — VII 96 — X 319.
18 Animal. generat. IV 765
a 23,
2 theol, arith.
22 p, 274b ed. Y. Apt.
“a Eine genaue Durcharbeitung des griechifchen und der lafeinifhen Terte
22 Oniroc. I 42.
erweift, daf; urfprünglich eine Chiromantie
ohne Dreledr beftanden bat.
Pagina 5
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)—
--.
frat ganz folgerichtig dle rechie Linie, die Chronike, In das mt der
Lebenslinie ein. Go heißt überall in den lateinifden Traktaten und tn
jedem modernen Handbuch die den Daumenballen umfdlichende Chronike
Lebenslinie. Wie aber harakteriftifherweife keine einzige chlromantifche
p3d O er re€nr ni
ER
His
gi
SO
SA”
pe
ON
Abhandlung aus einem einheitlihen Prinzip gu erklären ff, fo lebt aud
die Soephoros, jeff „miitlere”, „linke“ ufw. Linle genannt, in ihrer
alten Funktion noch fort, fo, wenn ein Kreuz an Ihrem Ende Tod, Querlinlen Krankheiten vor dem Tode bedeuten, oder wenn (and) latelnif{d)
eine allzulange Mitfel-Linie kurzes Leben anzeigt”, Ebenfo bat aber
aud) der Winkel nad) Einführung des Drelecks nidi aufgehört, als
Symbol der Drei zu fungieren: Die fon griechifch bekannte unbeilvolle
Bedeutung des fehlenden Winkels findet fid) auch lafeinifdy?*, Sle lautet
bier tibereinftimmend auf Dummbeit und Ausfchweifung; das Indizium ift
aber einmal: „Wenn Mittel- und Lebenslinie nicht zufammenlaufen,“
das andere Mal, bei fonft gleihem Wortlaut, „wenn das Dreicc irgendwo nicht zufammenhängt.” Der Übergang vom Winkel- zum Dreiedfoftem ift hier ganz deutlich.
Das Dreieck erwies fic) als bedeutend fruchtbareres Indizlum und
hat den Winkel immer mehr in den Hinfergrund gedrängt, — Für die
nad-platonifhen Pythagoreer iff das ftarke Gervorireten der Drei, und
ihre geometrifche Entfprechung, das Dreieck bezeidonend?s, Befouders das
gleidfeifige Dreieck gilt als das widfigfte und fchönfte aller Dreiecke, [don im Timáus** und nad einer von Proclus*? an vielen Stellen
wiedergegebenen Theorie. — Wenn Philofaos® den Dreiekswinkel Goitheiten weibt, fo kann fid das nur auf das gleidfeitige Dreieck beziehen.
das für Philolaos das „Dreieck an fic)” iff. Plutard berichtet über das
kosmifhe Syftem des Petron von Himera, das aus 183 Cinjelwelten
beffand, die in einem gleichfeltigen Dreieck georónet waren”.
Die Drei, (befonders auch das gleichfeitige Dreieck) iff das Prinzip
alles Werdens. Sie ift dle erfte konkrete Zahl, die die Kräfte der Monas
und Dyas (der Ein- und Zweiheit) des Peras und Apeiron (des Begrenjten
und Unbegrenzten), das mannlide und weibliche Prinzip in fid) vereint
und als fofche das Symbol des empirifhen Seins”, der Vereinigung gefrennfer Elemente. Go zeigt auch in der Chiromanfie ein gleichjeiliges
Dreieck nur Gutes an, „ein treues, langes Leben, einen liebensiwürdigen
und umgänglichen Menfchen’“. Eine Querlinie im Dreied aber meifl
29 VI
— II 112 — III 64 usw. — s. 0.
I 113
(2 VI 111 — 1.157,
23 Bal. Joël: Sur Geldidfe der Sablenpringipien in der gr. anal
Seitfhriff ar Pbilofophie 1890/91 N. Y. 97/98.
22 Timäus 54 B,
2 PDroclus-Eukild p. 168,15 — 213, 4,
28 Droclus-Euklió p. 107,
20 Diels: Elementum p. 64.
so Procl.-Euklid p. 166, 15.
a Procl.-Euhlid p. 166,15— theol. arith. p. 14, 16.
# Vi 66— 153 — II 128 — 11 107 DX 220,
+
Wwe
"
EP EL
u.h
Pra
Ww “Un
VRAD‘anny
43
BrDETTE
SÉRIE 448,ET EN
4
ese 31210
ay
‘=
Dot TTva duet
Base
nt
“
m=uen:i_RE
Pere
CMS
Sass tm vi
À
%
ESTsu ET re
A
:I
E
= U
€ u,
dum VI NS
:
,
Ro) =.n
TN
de “
Trad À
A ~ N Nu, N “e A
uk i
A
AA,essn NER
x ta etes
si e d
SIE
Bat
ds
À
LE +td
È
AOL
n
»
>.
x
ens
D
.
e
N hak ON ETS
la: A Nest fat ;
-o
,
’
he
ma >
A
Ÿ
y
are,
, Le
2. È
So ot eee
à UN JS ‘
ote
a wu Nei
Ly
EN A
24
“rmitxegs
Porso,
Luxn
lara.
pa fas
=
AAR San,Jd eed:
empi
|. EE A
Ta
MEE
ES
© nia | = \;
|
E
>
La
»
?
mona
PqEehaAsdeDE4tI.DCSLMZ=oplOaelAàiReIl:S2°a=s.yP4”2.nix~C“Lwpe#ywe3ld-eI
t.$Am>c“*ASaoAmySo1-@=y?2>a2A=S0+>yCS2cae<0?2E-SPaehLÈds>pTeEaAwyroTa:EPAS;ELe,Ih.SAd<a2+“eLE-sDA>jseIw.-i5s De.e,Fa2RÉ A.L.= i2YnXf5udoIb9o8n2rel51dnI-fi.s
È Hi
ua RE
HERAy
LA Cal
ezur),SMeSsANaTg,e
eUi-SArLye atgi>Yes>=2DSoIr.eT”.
Ss
Sv
=
-
+
otce,
AVTrauIfisfat
Pagina 6
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)auf Lófung des harmonlfchen Zufammenfchiuffes der Elemente bin. Cin
Clement wird übermäctig und zerftörend. Daher fagt unfere Kunft:
„Und ebenfo fagt man, wenn eine Linie das Dreieck quer durdfdyneidet
und an ihrem Ende abbiegf, nad) oben oder nach unten, bedeutet das
Sterben Im Waffer oder durch Fener: durch Feuer, wenn fie {lb nad
oben wendet, wenn nad) unten, durd Waffer”, Die Richtung der Querlinie zeigt das verderbenbringende Element an, oben das leichtere Feuer,
unten das [dwerere Waller.
Aud ein kleines Dreieck, alg Sonderzeichen am Ende der Lebenslinie fichert die Kräfte der Drei: „Wenn am Ende der Lebensline ein
kleines Dreieck iff, dann bedeutet es Wilfensdurft, Eifer, Ehrbarkelf:*.”
Eine beachfensmwerte Weiterbildung der Lehre vom Dreieck gibt folgende Prognofe: „Wenn die Menfalis zur Lebenslinie läuft und mit ihr
ein Dreieck bildet, bedeufet es Heuchelet einer folhen Perfon, die fid
Bortell und Ehre verfchafft, und in anderer Leufe Gegenwart fucht fie
mit fhönen Worten Jedem zu gefallen, in ihrer Abwefenbeit aber fticht
fie und reißt herunter,” Aud mit der Menfalis kann nämlich dle Lebenslinie ein Dreieck bilden, das iff dann aber nit das große diromantifde
Dreiek, fondern ein fozufagen erfchlichenes, das die Drei nur vortäuft,
ohne ihre Kräfte zu gewährleiften und zum Symbol des gleifjnerifchen und
binterhältigen Heuchlers ausgezeichnet paßt.
Die pothagoreifden Elemente find in unfern Chiromanfieen nur
fporadifh überliefert, Sie find mehr und mehr verdrängt von der
Aftrologie, die fich leichter in der Hand lokalifieren ließ und eine teldjere
Ausgeftaltung der Prognofen ermöglichte.
2 VI 180 — VI 179, 178 — II, 159/60 VII 42 u.a O.
272047 — M1 74 — VI 83.
3 1 64 — VI 201 — VI 223 — X 169.