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Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Die jonischen Philosophen.
und ihre Lokalisation vorhanden, aber es war nicht systematische
Wissenschaft. Diese Lehre, ihrem Wesen nach eine Gesamtheit von
populären Vorstellungen und Voraussetzungen, wie sie noch heute
jedes Volk besitzt, verhält sich zur Psychologie, etwa zu der bewufit
getriebenen Seelenlehre eines Aristoteles, wie die populäre Sternkunde
der uralten Hirtenvölker zu der wissenschaftlichen Astronomie eines
Ptolemaios. Und wie einer jeden Wissenschaft ein praktisches Wissen
ohne wissenschaftliche Prätensionen vorauszugehen pflegt, so war auch
die Seelenkunde Homeros’ nicht Wissenschaft selbst, sondern nur
Rohstoff, der bereit war durch das sichtende Denken und durch ein
*& ‘4
QE vEsz.B.
allgemeines, alles umfassendes Prinzip in das Gefüge einer einheitbd L,
lichen Weltansicht eingereiht zu werden.
3. Die jonischen Philosophen.
Viel zu wenig wissen wir, auch aus zweiter Hand, tiber die Anfänge dieser Schule. Außer einigen ganz allgemeinen Prinzipien ihrer
Weltanschauung entgeht uns beinahe all das, was sie sich über die
Seele vorgestellt haben. Nur Diogenes von Apollonia’s Seelenlehre
ist, dank Theophrastos’ Schriften, genauer bekannt.
‚ Über Thales’ (624548 v. Chr.) psychologische Ansichten wissen
seine Historiker nur wenig. Dadurch, daf er lehrt, dass der Stoff
durch sich selbst beseelt, daß alles belebt und beseelt ist, muß er zu
den Hylozoisten gerechnet werden. Dieser Ansicht huldigt auch heute
Nemesius hätte er die Seele als ein immerbewegtes oder selbsteine grofie Reihe von Naturvölkern. Die Seele hat er als das betrachtet, was die Bewegung bewirkt. Nach Plutarchos’ Plac, und
bewegtes Wesen (dois dewivnros ÿ aöroxivnvog) charakterisiert. Doch
ist dies nach Zeller eine Unterschiebung, die auf einer schlecht ver-
Unbewußten, etwas was dem Chaos der alten Kosmogonien am nächstandenen Äußerung Aristoteles’ beruht. Tertullianus behauptet, Thales
und Hippon hätten die Seele als aus Wasser bestehend bezeichnet,
Andere hingegen schreiben diese Lebre nur dem Hippon zu, einem
Arzte des 4. Jahrh. v. Chr., von dem noch später die Rede sein
wird (8. 20).
. Anaximanders (geb. gegen 610 v. Chr.) Begriff vom Universum
beschränkte sich eigentlich auf die Attribute des Unbegrenzten und
sten stand. Auch dieses war jedoch für Anaximander ebensowenig
beseelt, wie das Prinzip des Thales und das des Anaximenes. Nach
andern soll er jedoch die Seele als eine Art Luft beschrieben haben.
Überweg.)
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Für Anaximenes (+ gegen 528 v. Chr.) galt die Luft als das PrinErhaltung des Lebens sei nur durch die Luft möglich, Denn, so mag
zip des Weltalls. Dieses Prinzip ist nach ihm unbegrenzt, alles umfassend, einschließend und erhalterid. Das Atmen und mit ihm die
Er
„=...
Die jonischen Philosophen.
|
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Man höre, sagte Diogenes, wie die in den Ohren befindliche Luft
durch die äußere Luft bewegt wird und sich bisin das Gehirn fortpäanzt. Die Gefühle, die Leidenschaften und Affekte hängen von
Diogenes. ‘macht. sich seine Sache nicht leicht, er sucht nämlich
‚detaillierte ‘Darstellung die Richtigkeit seiner Theorie bis zu
onsequenzen zu beweisen. Das Riechen, sagte er, hat
Is Ursache: ‘dieLuft-.des-Gehirnes und der Gehirnblutgefässe. Ein
wisse: 'harmonisches Verhältnis muß zwischen dem Dichtigkeitsgrade
“Luft. und der Einatmung herrschen, sonst kommt kein Riechen
„zustande:-(Theophrastos, Op. cit. 39). Das Hören geschieht so, daß
wer: schreibt dem von ihm angenommenen Prinzipe Beseeltheit und
‚Intelligenz -“zu; eine Tatsache, welche auf eine Beeinflussung durch
‚anschließt, ein Hyliker, doch geht er über diese Schule hinaus, denn
mit. dér inneren Luft nicht zustande kommen.
Diogenes von Apollonia ist zwar dadurch, daß er sich Anaximenes
erkrankt. In diesem Falle nämlich kann eine Mischung jener Bilder
„aufdie Pupille, wenn diese an Entzündungen der Augenblutgefässe
es --findungen auf die genannte Weise schien ihm ganz sicher zu sein,
er. denn: umsonst, sagt er, fallen Bilder der Gegenstände der AuBenwelt
oa ‚bringen die Gesichtsempfindung hervor. Die Entstehung dieser Emp-
“fallen; diese Bilder, vermischt mit der inneren Luft des Gehirnes,
in: äußerliches Geschehnis die in den Ohren enthaltene Luft er.schüttére und diese Luft dann in das Gehirn gekinge, Das Gesicht
.
érhältseine Reize von Bildern der Aussenwelt, die auf die Pupille
oa
LS -nünft en. Wesen ankomme.
..Brust ‘verschlossen und könne nicht frei im Organismus zirkulieren
und:‚sich. mit der Luft mischen, worauf es ja doch bei einem verstand, weil bei ihm Feuchtigkeit vorherrscht, die Luft sei in der
Während der ersten Lebensjahre sei der Mensch deshalb ohne Verund nähren sich von feuchteren Lebensmitteln als der Mensch.
“anbelangt, denn sie atmen die sich von der Erde erhebende Luft ein
Die Tiere seien niedrigere Wesen als die Menschen, was das Denken
dünstungen gestört ist. Deshalb sei auch das Denken während des
Schlafes, während des Rausches gestört, aber auch dann, wenn der
Magen mit Nahrung überfüllt ist.
Ein Überwiegen von Feuchtigkeit verursache Geisteskrankheit.
zwar die trockene und warme Luft sei von der größten Wichtigkeit,
Und
… müssen, sterben sie und werden von der Vernunft verlassen.
der Mischung von Blut und Luft nach gewissen Proportionen ab. Die
Menschen und die Tiere, welche atmen, leben von der Luft. Sie ist
für sie die Seele und die Vernunft und wenn sie Luft entbehren
die Ausdrücke dig und nveöua als
Anaximenes hat manchmal
Synonyme benützt. Von der Ansicht Anaximenes’, das Prinzip des
„denn diese bedingt das Denken, während es durch feuchte Auser sich gedacht haben, wird dieses Prinzip dem Menschen vorenthalten,
so entweicht seine Seele,
Lebens sei die Luft, bis zu der Auffassung, dieses Prinzip sei belebt,
war nur ein Schritt und diesen Schritt hat der letzte Hyliker, Diogenes von Apollonia unternommen.
Nach Diogenes von Apollonia (5. Jahrh. v. Chr.) ist die Luft
nicht nur der Anfang aller Dinge, sie ist auch beseelt und vernünftig.
Unter dem Seelenprinzip des Diogenes darf man sich nach Lange
jedoch nicht schlechthin die atmosphärische Luft vorstellen, sondern
einen Vernunftstoff, der befähigt ist zu empfinden und sich kraft der
ihm verliehenen Vernunft zu bewegen. Die Seelenatome Demokritos’
hingegen bewegen sich nach mechanischen Prinzipien, sind jedoch
mit Vernunft nicht versehen.
Die Seelensubstanz entsteht teilweise aus der im menschlichen
Samen enthaltenen Luft, teilweise aber aus der im Momente der
Geburt eingeatmeten Luft, die Wärme der Seele hingegen stammt von
der Wärme der Mutter. Vor der Geburt besitzt der Mensch keine
Seele. Aber wenn das neugeborene Kind zum ersten Male Luft einatmet, wird es auch beseelt, denn die Luft verbreitet sich durch die
Blutgefässe im ganzen Organismus, so daf die Seele im ganzen Körper
Nun aber mußte auch Diogenes individuelle Unterschiede der
vorhanden ist,
Menschen zugeben. Diese Unterschiede beruhen nach ihm auf der
artigen Luft, aus welcher die Seele besteht.
verschiedenen Beschaffenheit der Seelen, bzw. auf der verschiedenIn den Placita des Pseudo-Plutarchos (IV, 7) ist zu lesen, daß
Diogenes den Sitz der Seele in den linken Herzventrikel verlegte.
Darin liegt jedoch ein Widerspruch, denn die Seele, die so sehr von
der Luft abhängig ist, dafi sie in den Organismus des Neugeborenen
Tatsächlich führt
erst mit dem ersten Atemzuge eindringt und dann im ganzen Organismus zirkuliert, könnte ja doch nicht in einem relativ kleinen KérperTheophrastos an, daf Diogenes das Hirn für den Sitz der Empfinteil, dem linken Herzventrikel, ihren Sitz haben.
gelangen die Empfindungen in die im Gehirn befindliche Luft.
dungen halte, die aus der umgebenden Luft durch die Sinnéswerkzeuge mittels Blutgefässen in jenes Zentrum gelangen, und zwar
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Die Pythagoräer.
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alles Vollkommene, welches in Bewegung gerät, unvollkommen wird,
so nimmt sie auch einen unvollkommenen Zustand an, aus welchem
welches gewisse Wesen mit Vernunft versieht.
sich noch das
den Sitz der Seele vorhanden ist. Für ihn verquickt
Anaxagoras schließen läßt. Jedenfalls ist er der erste aller Psychologen, von denen eine ausgesprochene Lehre über das Wesen und
sie in einen vollkommenen zu tibergehen trachtet. Die Unvollkommenheit nannte Pythagoras das Verlassen der Einheit. Die menschliche
und dem anderen,
Dieser jedoch sagt
Wie die Pythagoräer
die Zahl 7 und der Klugheit, der Einsicht nebst der Liebe die Zahl 8
“so wies er der Seele die Zahl 6, dem Verstand nebst der Gesundheit
alle Eigenschaften des Weltalls mit gewissen Zahlen bezeichneten,
einem Zeitgenossen des Sokrates, ausgestaltet.
Die Lehren des Pythagoras wurden von Philolaos von Kroten,
Seele läutert.
nichts über die Wirkung eines Teiles auf den andern, während bei
den Pythagoräern der durch ethische Vorschriften gereinigte Leib die
Individuums in Leib und Seele wie bei Homeros.
und ohne ihn und nur manchmal mit ihm. Allerdings durchgeht
sie mehrere Reinigungsphasen, für welche das asketische Leben des
Leibes die Bedingung ist.
Auch hier sehen wir demnach eine Zweiteilung des menschlichen
demnach ein vom Körper unabhängiges Wesen, existiert vor, nach
Zweiteilung des Individuums und das Wandern der Seele, Diese ist
Die Frage des Sitzes der Seele, wie ihn sich die Pythagoräer vorstellten, ist eigentlich nur auf Vermutungen begründet, Das einzig
Sichere, was man von der Psychologie dieser Schule weiß, ist die
Doch soll diese Lehre und Lokalisation nach Zeller nicht authentisch sein.
Und zwar soll die Vernunft im Gehirn sein, während der Sitz der
vegetativen und sensitiven Seele im Blute sei. Im Gehirn sei das
denkende Prinzip der Seele, während die Eingeweide die Leidenschaften und die zur Seele gerechnete Lebenskraft beherbergen.
vielfachen Wanderungen auch in das Nilland gekommen sein soll.
Die Pythagoräer verlegten den Sitz der Seele in das Gehirn. Hier
mögen die Agypter Pythagoras beeinflußt haben, der während seiner
eines und desselben Dinges,
von einander unabhängig gedacht hat, sondern als verschiedene Seiten
vorherrscht, ist der Mensch besonders vernünftig, besonders verständig
oder Begierden unterworfen,
Es ist wahrscheinlich, daß Pythagoras diese Seelenteile nicht als
auch die Tiere, nur der Mensch besitzt Vernunft und das unterscheidet ihn vom Tiere. Je nachdem nun einer dieser Teile der Seele
Seele ist nun niemals eine vollkommene Einheit, mit anderen Worten,
sie ist nie vollkommen. Sie besteht aus drei Teilen, der Vernunft,
dem Verstande und der Begierde. Verstand und Begierde besitzen
Prinzip des ganzen Weltalls mit demjenigen Prinzip, welches belebt
und sich erst später langsam lösen sollten.
Wie in einem mächtigen Knoten sind hier noch alle Lehren vereinigt,
welche die Endursache, Leben und Vernunft zu erklären versuchten
4. Die Pythagoräer.
Auch ihre Lehre kennen wir nur indirekt, denn weder das Haupt
der Schule noch seine Anhänger haben Geschriebenes hinterlassen.
Woher stammt nach ihnen die Seele? Das ganze Weltall. wird
von Seelen ausgefüllt, welche aus dem göttlichen Geiste der Welt-
Soll ein
Teils haben sie noch keinem Körper angehört, teils
haben sie schon einen solehen bewohnt, aber ihn verlassen,
seele stammen.
Mensch geboren werden, so gelangt eine Seele bei der Geburt oder
gar schon bei der Empfängnis in Gestalt eines Sonnenstäubchens in
den Leib. Ist dieser Leib rein, ohne niedere Begierde, so bleibt auch
die Seele rein und vermag ohne viele Wanderungen zur Gottheit
emporzuschweben. Ist aber der Leib durch gemeine Leidenschaften
und Triebe befleckt, so kann die Seele sich noch nicht zu Gott erheben, sondern muß noch in andere Leiber, auch solche von Tieren
wandern, bis sie einen trifft, in welchem sie ganz geläutert wird.
Hier erst entsteht die „Harmonie“, das Ziel aller pythagoräischen
Ethik, hauptsächlich durch die Musik, welche die menschlichen
Leidenschaften verfitichtigt. Jetzt, nach verschiedenen Versuchen in
anderen Leibern, ist die Läuterung eine vollkommene und nun verläßt die Seele den Leib, ihren Kerker, wie der Pythagoräer Philo-
Allerdings leugnen manche Historiker, wie Zeller, daß die
laos ihn nennt, und geht zu ewiger, unendlicher Freiheit ein.
Pythagoräer eine Weltseele gelehrt hätten, und nur spätere, platonisch
beeinflußte griechische Denker hätten der pythagoräischen Lehre den
Begriff der Weltseele zugeschoben.
Aber nach
Also Sonnenstäubehen oder das sie Bewegende wären Seelen, so
heißt es einerseits über die pythagoräische Seelenlehre.
Diogenes Laertes hätte den Pythagoräern die Seele als ein Stück
Aether gegolten. Da sie aber als das welterhaltende Prinzip die Zahl
betrachteten, so führten sie auch die Seele auf die Zahl zurück, sie
war Eins, nämlich vollkommen. Sie war selbstbeweglich. Aber wie
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Das Altertum.
Verstand (wvoös) seinen
Das Menschliche ist im Gehirn, wo der
en
jedoch im Herz
Ursprung (dexd) hat, Leben und Empfindung sind
daß Alkmaion,
os,
hrast
(Bvuòs = Begierde). Doch behauptet Theop
ein angeblicher Zeitgenosse und Schüler
Pythagoras’, als Sitz der Seele
hem alle Sinne durch
das Gehirn bezeichnet haben soll, mit welc
der Seele beschrieb er
n
Wese
Das
Gänge zusammenhängen (mögoı).
e sie áls unsterblich,
chnet
bezei
Er
als eine unablässig bewegte Zahl.
en Gestirne als unsterbebenso wie man die ‘unablassig sich bewegend
ge Werk des Alkmaion
liche, göttliche Wesen betrachtete. Das einzi
en ,stegi YPÜcews“
wurde von den alexandrinischen Bücherfreund
betitelt.
n wichtigen An-
Doch blieb Alkmaion trotz seiner für alle Zeite
Seele, dennoch ein Kind
sicht, das Gehirn sei das Zentralorgan der
e lebenden Wesen, den
seiner Zeit, indem auch er den im Weltraum
Gestirnen, eine Seele zuschrieb.
Embryo entAlkmaion glaubte, der erste Körperteil, der sich im
e
im Kopfe befindlich
wickle, sei der Kopf, wahrscheinlich weil das
gung ist und, wie
Gehirn das Prinzip der Empfindung und der Bewe
indungen geEmpf
Alle
er ausdrücklich sagt, die Vernunft enthält.
), welche aus den
langen in das Gehirn und zwar durch Kanäle (mögoı
daß unter svógot
lich,
chein
wahrs
Sinnesorganen ausgehen. Es ist nicht
ahm, mußte
vorn
onen
Sekti
er
hl
obwo
denn
Nerven zu verstehen sind,
e erkannt haben, hat
er nicht unbedingt auch die Nerven als solch
, später von den
ja auch Aristoteles, dieser scharfsinnige Beobachter
Gesichtsempfinder
r
Nerven vielleicht nur die Sehnerven als Leite
gen Sinne, sondern
dungen gekannt, aber nicht als Nerven im heuti
nur als Kanäle gewertet.
Alkmaion ware nach Theophrastos (De sensu
.
25—26) der einzige
: Denken sei
vorplatonische Philosoph gewesen, der behauptet hatte
etwas anderes als Empfinden.
wenn auch in
So wie die Hyliker suchten auch die Pythagoräer,
15
5. Die Eleaten.
Über die psychologischen Anschauungen dieser Schule wissen wir
ebenfalls viel zu wenig. Aber schon a priori wird man einen nachhaltigen Einfluß der Pythagoräer auf die Eleaten annehmen dürfen.
Tatsächlich hat ihr wichtigster Vertreter Parmenides (geb. um 540
v. Chr.) das Hin- und Herwandern der Seele so wie die Pythagoräer
angenommen. Er soll gesagt haben, daß die Gottheit die Seele bald
aus dem Sichtbaren in das Unsichtbare, bald aus dem Unsichtbaren
in das Sichtbare sende. Diese Auffassung ist noch ganz pythagoräisch.
Aus dem Unsichtbaren in das Sichtbare bedeutet wohl den Weg der
Seele aus der Weltseele in den menschlichen Körper, und die umgekehrte Ordnung ist gewiss der Tod des Menschen, nach welchem
die Seele wieder zur Weltseele zurückkehrt.
Interessant ist sein Dualismus, welcher auf seine psychologischen
Anschauungen ein charakteristisches Licht wirft. Die Sinne trügen
nur die Vernunft (Aóyog) täuscht nicht. Diese nur ist imstande ein
richtiges Urteil zu fällen, diese nur ist fähig, das Betrachtete zu erkennen. Die Sinne hingegen täuschen uns vor, als wenn die Außenwelt ein Vielfältiges und ein fortwährend Veränderliches wäre. Er
warnt vor dem Urteil der Sinne und empfiehlt, ausschließlich der
Vernunft zu vertrauen.
Seele (pouy7}) und Verstand (voög) sind bei Parmenides noch nicht
gesondert. Fühlen und Denken sind für ihn dasselbe. Liebe und
Wunsch sind die beiden Hauptprinzipien des Universums und aus ihrer
Vermischung entstehen unsere Wahrnehmungen und Gedanken. Was
in uns denkt, ist die Gesamtheit unseres Körpers. Je nachdem das
Warme oder das Kalte, das Feuer oder die Erde die übrigen Elemente
überflügeln, verändert sich der Gedanke. Herrscht das warme Element
vor, so ist auch der Gedanke besser und reiner. Auch das Gedächtnis
und das Vergessen hängen von der Mischung jener Elemente ab. Also
Vorherrschen eines dieser Elemente ist notwendig. Was aber geschieht
Weltalls. Viel zu
anderer Richtung, eine zureichende Erklarung des
als daf man über
nt,
wenig und viel zu Unsicheres ist über sie bekan
wenn keines vorherrscht und die Mischung eine gleichmäßige ist,
hierüber schweigt Parmenides. Dies ist eine Lücke, die auch seinem
hein nach ist, wie
sollten — ein Urteil fällen dürfte. Allem Ansc
beglaubigt wie die
r
siche
so
e
Lehr
schon gesagt, kein Teil ihrer
Seelenlokalisation j
eine
der
gen,
hinge
ion
Alkma
Seelenwanderung.
Auch er hatte noch nicht den Unterschied zwischen der Materie
und dem Psychischen erfaßt.
In dem Lehrgedichte des Xenophanes (geb. um 580, + um
eben haben
ihre Psychologie — wenn sie überhaupt eine solche betri
Ausleger Theophrastos nicht entgangen ist.
von Aristound etwas wie Sinnespsychologie gelehrt haben soll, wird
teles ausgesprochen nicht als Pythagoräer erwähnt.
470 v. Chr) „eol pécews“, welches nur
in Bruchstücken erhalten
ist, benennt er die Seele mveua, also eine Art Hauch oder Luft
Jedenfalls müssen wir uns darunter eine Materie vorstellen, wenn sie
sich dieser Philosoph auch noch so subtil gedacht hat.
Pagina 5
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Herakleitos.
Das Altertum.
mehr
Auch die Eleaten vermochten die Lehre von der Seele nicht
r
Hylike
die
vorwärts zu bringen als ihre geistigen Vorfahren. Sowie
Prinzip gesucht ~
eher ein das ganze Weltall erklärendes materielles
Qualität,
hatten, sowie die Pythagoräer dasselbe Prinzip nicht in der
ten,
sondern in der Quantität aufgefunden zu haben vermein
so
17
Fur Herakleitos gab es demnach eine Art von Seelenstoffwechsel,
denn die Seele erneuere sich fortwährend und übergebe ihre Schlacken
niedrigeren Elementen.
Und diese fortwährende Veränderung der
Seele war ganz im Einklang mit dem für das ganze Weltall zu Rechte
bestehenden Prinzip, daß sich alles ändere und nie gleich bleibe, daß
um
forschten auch die Eleaten nach den Endursachen, ohne sich
alles in fortwährendem Flusse sei und nichts so werden könne, wie
es früher war,
B.
Herakleitos versetzte den Sitz der Seele wie die Juden in das Blut.
Hegel hat zwar behauptet, daß Herakleitos unter Feuer nichts
psychologische Probleme viel zu kümmern. Und selbst wenn wir sie,
wie es die alten und auch einige neuere Geschichtsschreiber, wie z.
Zeller, unter die Physiker rechnen, so bietet ihre Anthropologie
nichts Wesentliches für die Geschichte der Seelenlehre. Denn Xenophanes’ sveüua ist wahrscheinlich nur ein Überbleibsel der hylischen
Philosophie und Parmenides’ Erkenntnistheorie ist eben nur der
embryonale Anfang einer solchen. Zum Erforschen des Wesens der
Seele war eben noch nicht die Zeit gekommen.
Materielles, sondern nur ein Bild für das absolute Werden verstanden
hat. Doch wer Aristoteles’ Metaphysik genau durchliest, wird finden,
daß für Herakleitos Feuer nicht nur ein Bild, eine das bessere Verständnis bezweckende Umschreibung war. Es konnte kein Bild sein
und kein Werden bedeuten, weil das Geistige (yvdun), die subtilste
Form des Feuers, nach Herakleitos das menschliche Leben tiberdauert,
Und ein Werden ohne Materie konnten sich die Griechen gar nicht
vorstellen, wie sie sich überhaupt nichts Geistiges ohne Materie zu
6. Herakleitos.
Für Herakleitos (geb. um 540, + 480 v. Chr.) war das Allbelebende, das Prinzip des Lebens das Feuer. Demnach mußte dieses
Prinzip auch bei der Erklärung des Wesens der Seele "herangezogen
in
werden. Tatsächlich war für ihn die Seele Feuer, ewiges Feuer,
Die
n.
Mensche
des
Teil
he
unendlic
der
und
seiner reinsten Gestalt
Seele war Feuer, nämlich ein sehr feiner, lebendiger Stoff, aber ein
in
Stoff immerhin. Denn etwas Unstoffliches hätte man sich damals
Luft
der
in
ist
Griechenland kaum vorstellen können. Das Feuer
im Milieu (zegı&xov) vorhanden, es gelangt durch Atmung und durch
us.
die Sinneswerkzeuge in das Blut und beseelt so den ganzen Organism
enden
fortwähr
einer
ist
besteht,
Seele
Das Feuer, aus welchem die
denken imstande waren; dieser Satz muss festgehalten’ werden, wenn
man ihre Psychologie verstehen soll.
wii .
Aristoteles spricht von einem Philosophen namens Hippasos
(5. Jahrh. v. Chr.), der, wie Herakleitos, das Feuer als Urstoff betrachtet
und gelehrt habe, auch die Seele sei feuriger Natur. Andere zählen
ihn unter die Pythagoräer.
Durch die Annahme eines materiellen Urprinzipes gehört Herakleitos unleugbar teilweise noch zu den Hylikern. Aber auch nur
teilweise, denn dadurch, daß er ausdrücklich von der Identität
der Seele mit dem Feuer, seinem Prinzipe, sprach, zeigte er, daß
Atmen) ist es herabgesetzt und hört im Augenblicke des Todes ganz
er seine eigenen Wege gehen konnte. Es war ein ausgesprochener Monismus, der zwar an denjenigen des Diogenes von Apollonia erinnert,
aber sich dennoch von diesem unterscheidet. Denn wenn auch dieser
Hyliker der Luft Vernunft zusprach, so war dies nur eine beiläufige
Erwähnung eines Attributes des von ihm angenommenen Prinzipes,
während Herakleitos zwar die Seele ebenso aus Feuer hervorgehen ließ
wie alles Übrige im Weltall, aber diese Seele als ein Feuer besonderer
die beste und weiseste, und sie funkelt durch den Körper hindurch
alles umfassenden Philosophie, der an Klarheit und Überzeugungskraft im Altertum nur wenige gleichkommen.
Umwandlung unterworfen, denn es zieht aus der Luft immer neues
.
Feuer an sich und übergibt seine alte Kraft an die niederen Elemente
Dieses Aufnehmen neuen Feuers aus der umgebenden Luft ist am
en Zustande, während des Schlafes (verlangsamtes
im wachen
lebhaftest
auf, Erwacht der Mensch aus seinem Schlafe, so wird das Feuer in
te
ihm lebhafter und er wird wieder Herr seiner Vernunft. Die trockens
ist
hat,
erhalten
Wärme
meisten
am
Seele, nämlich diejenige, welche
Art betrachtete, Diese materielle Identität aller Dinge, die Seele mit
inbegriffen, macht seine Lehre zu einer gewaltigen, einheitlichen,
wie der Blitz durch die Wolke. Wenn aber die Seele durch Feuchdes
tigkeit beschmutzt wird, so verschwindet die Vernunft. Während
nicht,
weiß
Mensch
e
trunken
der
Führer,
ohne
Seele
die
ist
s
Rausche
wohin er gehen soll.
Trotzdem Hippokrates (etwa 450—361 v. Chr.) das medizinische
Wissen mit unendlichen Schätzen bereichert hat, bietet er für die
Lehre über die Seele nichts Sicheres. In seinen Schriften finden sich
zweierlei Ansichten über die Funktionen des Gehirnes. In einzelnen
Révész, Seelenbegriff und Seelenlokalisation.
Pagina 6
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Herakleitos.
Das Altertum.
seiner Arbeiten herrscht die uralte Ansicht vor, daf das Gehirn ein
schleimabsonderndes Organ sei. Der vom ganzen Körper abgesonderte
und im Gehirn aufgespeicherte Samen strömt nach den Hoden. Das
Gehirn sei wie eine Drüse, kalt und bröckelig. Es befreie den Kopf
von den angehäuften Säften und sende dieselben nach der Peripherie.
Außer den siebenerlei Katarrhen, die aus dem Gehirne ausgehen, kann
es noch an zwei Krankheiten leiden, je nachdem, ob die angehäufte
Flüssigkeit sauer ist oder nicht, Ist es durch die saure Anschoppung
der Flüssigkeiten gereizt, so verwirrt sich die Vernunft, das Gehim gerätin Spasmen und verursacht im ganzen Körper Krämpfe. Der Kranke
behauptet
er,
Zwerchfell.
19
der Verstand befinde sich im Herzen und dem
|
In seinem Buche über die Epilepsie („IIeoi isgjg v6cov“) behauptet
er,- diese Krankheit sei nicht göttlichen Ursprunges, sondern eine
Krankheit des Gehirnes. Dieses sei der Sitz der Wahrnehmungen,
des Verstandes, nicht aber das Zwerchfell oder Herz, in welchem die
Empfindungen zustande kommen. Mit dem Gehirne denken, sehen
und hören wir, mit ihm nehmen wir das Gute und Schlechte, das
Schöne und Häßliche, das Angenehme und Unangenehme, Lust und
ist manchmal nicht imstande zu sprechen und erstickt. Diese Art
von Krankheit nennt man Apoplexie. Im zweiten Falle ist die An-
Unlust wahr.
Die Seele, das Lebensprinzip, ist im Warmen enthalten. Damit ist
wahrscheinlich die Lebenskraft gemeint, welche nach späteren Autoren
häufung von einfacher, nicht saurer Flüssigkeit die Ursache einer
Krankheit, deren Symptome diese sind: Die Vernunft wird trübe, der
Kranke kommt und geht und sieht andere Dinge, als die Wirklichkeit
sie zeigt. Dabei lächelt er spöttisch und leidet an eigentümlichen
ihren Sitz in der tierischen Wärme hat („Ilegi cagxöv*). Ist das
Gehirn zu warm oder zu kalt, zu feucht oder zu trocken, so ist es
verwirrt, und der betreffende Mensch deliriert. Hier ist Demokritos’
Einfluß unverkennbar. Das Zwerchfell (griechisch diagedyua) sei nur
Visionen („De glandulis liber“).
durch Zufall zu diesem Namen gekommen, denn es habe gar nichts
Anderen Ortes sagt Hippokrates („De flatibus liber“), nichts trage
so sehr zur Intelligenz bei wie das Blut. Die Intelligenz habe ihren
Sitz im linken Herzventrikel und stehe dem übrigen Seelenleben vor.
Nun aber enthält, wie bekannt, dieser Herzventrikel im getöteten
mit Denken und Vernunft zu tun (poovéew ist eben das Wort für
denken, aus welchem der griechische Name des Zwerchfells gebildet ist).
Tiere kein Blut.
niedergelegte Meinung, das Gehirn sei das Zentrum des Seelenlebens,
mit jener anderen, daß das Herz der Sitz der Seele sei, in unverein-
Diese Tatsache war Hippokrates nicht unbekannt
und um diese nun mit seiner oben erwähnten Aussage in Einklang
zu bringen, setzt er hinzu, daß der linke Herzventrikel zwar Luft
durch die Blutgefäße erhalte, aber seine wirkliche Nahrung ströme
ihm aus einer reinen und leuchtenden, sehr feinen Substanz zu, die
ihrerseits als Emanation des Blutes zu betrachten sei. Deshalb sei
auch der linke Ventrikel Sitz des angeborenen Feuers und der Intelligenz („De corde liber“),
Wie wir später sehen werden, ist diese Theorie, welche man Blutemanationstheorie nennen kann, dieselbe, welche Descartes, Willis,
Vieussens und mit ihnen ein Heer von Epigonen noch immer als zu
Recht bestehend angenommen haben.
In dem Werke „IIegi xagding* sagt er, die Seele sei Feuer und
besitze verschiedene Teile. Ihr Sitz sei das Herz, der Sitz des Ver-
Auch das Herz ist für das Denken und die Vernunft ohne Bedeutung.
Nun könnte man meinen, daß die im Werke über die Epilepsie
barem Widerspruche stehe. Dem ist jedoch nicht so, Denn Hippokrates sagt weiter, viele Blutgefäße des Menschen gelangen aus dem
ganzen Körper in das Gehirn, besonders aber zwei, die der Leber
und der Milz. Diese benennt er die Luftlöcher des Leibes, welche
-Luft einziehen und in das Gehirn senden. Denn eigentlich ist es die
Luft, die dem Gehirn Intelligenz verleihe. Wenn nämlich der Mensch
einatme, so kommt die eingeatmete Luftin das Gehirn und von bier
in die übrigen Körperteile, so jedoch, daß sie im Gehirn ihren aktivsten
Teil läßt, nämlich das erkennende und vernünftige Element.
Man
wird im Herzen zum Pneuma, d. h. zum Lebensgeiste umgebildet.
sieht, Hippokrates war durch Anaximenes, hauptsächlich aber durch
Diogenes von Apollonia und Herakleitos beeinflußt.
Hippokrates unterstützt seinen Standpunkt durch folgendes Räsonnement: Die eingeatmete Luft muß notwendigerweise zuerst in
das Gehirn kommen, denn ginge sie zuerst in den Körper und dann
erst in das Gehirn, so müßte sie die in ihr vorhandene Intelligenz
Die eingeatmete Luft strömt nach den Lungen und hat den Zweck,
das Herz abzukühlen. Der feinste Teil des wvsöua geht durch Mund
- im Fleische und den Blutgefäßen lassen und gelangte erwärmt und
durch die in dem Fleische und dem Blute enthaltenen Säfte verund Nase nach dem Gehirn, dem Leib und der Lunge und von dieser
durch die Blutgefäße zum Herzen, Im Buche „lege magteviav*
unreinigt in das Gebirn, so daß auf diese Art die Luft schon nicht
standes sei die linke Herzkammer.
Die Nahrung verwandelt sich in der Leber in Blut, und die Luft
mehr rein wäre.
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Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Das Altertum.
Will man noch kritischer sein und die Versöhnung der beiden
Ansichten des Hippokrates nicht gelten lassen, so kann man mit
anderen das Buch über die Epilepsie als pseudo-hippokratisch betrachten,
ein Werk, welches von manchen sehr bedeutenden Historikern. dem
Wenn wir Hippokrates hier erwähnen, so geschieht dies deshalb,
Polybios, Hippokrates’ Schwiegersohn, einem Zeitgenossen Aristoteles’ '),
zugeschrieben wird.
weil seine Seelenlehre zweifelsohne unter dem Einflusse der Lehre des
Herakleitos steht. Alles weist darauf hin, denn wie Herakleitos gilt
auch ihm die Seele als Feuer, ihr Sitz hingegen sei das Blut.
Daß nun ein so großer und unabhängiger Forscher, wie es dieser
Arzt war, sich in seiner Seelenlehre an einen anderen Denker anschließen konnte, kann uns nicht wundernehmen, wenn wir bedenken,
daß im Altertum eine Differenzierung verschiedener Wissenszweige
noch nicht so ausgesprochen war wie später, besonders aber heutzutage, Andererseits aber suchen wir im Altertum umsonst jenen
krassen, sich oft zu feindlichem Gebaren entartenden Gegensatz, der
die Wissenschaftler einer jeden Epoche entzweit hat — beileibe aber
nie die Wissenschaft. Was Hippokrates in erster Reihe interessierte,
war seine Wissenschaft, diese betrieb er mit allen seinen Kräften.
Wollte er die Welt erklärt wissen, so schloß er sich eben einer Schule
an. So kam er, der Arzt, dazu, die Seelenlehre im Sinne des Philoaus dem Rückenmark.
Empedokles. _
21
Bei dem Embryo entstehe zuerst der Kopf,
denn dieser sei der Sitz der Gedanken und Vernunft. Hippon, der
nach Theophrastos anatomische Studien gemacht haben soll, wies
auf die Wichtigkeit des Gehirnes mit Bezug auf die Empfindungen
hin, diese entstehen nämlich durch die Bewegungen der Luft, die
Klidemos hatte dieselben Ansichten wie Hippon. Doch setzte er
sich durch die Sinneswerkzeuge dem Gehirn mitteilen.
Auch Aristoteles berichtet über Hippon, daf dieser die Seele für
Wasser betrachtet hat, doch könne man ihn wegen seiner Einfalt
nicht als Philosophen betrachten (Metaph. 13). Die Seele entstehe
nach Hippon aus Samen und sei eine diesem gleichartige Feuchtigkeit.
hinzu, nicht die Sinneswerkzeuge erhalten Empfindungen, sondern
jene seien nur die Vermittler, erst das Gehirn empfinde,
Beziehung über Hippokrates hinausgegangen sind und sich Hero-
Wenn wir Hippon und Klidemos, die in gewisser Beziehung Thales
am nächsten stehen, hier erwähnen, so geschieht dies deshalb, weil
sie trotz ihrer Ansicht, die Seele sei Wasser, dem Gehirn eine wesentliche Rolle im Seelenleben zuschreiben und so eigentlich in dieser
7. Empedokles.
philos genähert haben. Kritias hingegen behauptete, die Seele sei
Blut und das Gefühl sei eine Eigenschaft der Seele.
wir später, allerdings weniger klar, bei Galenos, der in medizinischen
Dingen sich stark genug fühlt, eine eigene Meinung zu haben, in der
sophen Herakleitos anzunehmen (Lange). Dasselbe Verhältnis finden
Philosophie jedoch Eklektiker wird.
Diokles von Karystos, einer der hervorragendsten Ärzte nach
Elemente nur schwach ist, sind langsam, schwerfällig und faul, hingegen besitzen jene Menschen eine intensive Fähigkeit und unternehmen grosse Werke, bei denen sich die Elemente innig vermengen.
welches ja in den ganzen Körper gelangt. Je gleichmäßiger die
Mischung zwischen den Elementen ist, desto schärfer und eindringlicher ist der Verstand. Individuen, in welchen die Mischung der
wird, denn es ist der Hauptsitz des Lebens, Das úyeuovuòv (das
Führende) befinde sich demnach nicht ausschließlich im Kopfe oder
in der Brust oder einem besonderen Körperteile, sondern im Blute,
und ist selbst Blut, denn im Blute, besonders aber im Herzblute sei
die Mischung der Elemente die gleichmässigste, deshalb sei auch das
Blut Sitz der Vernunft und des Denkens. Durch das Blut denke man
am besten. Das Herz ist der erste Teil, welcher im Embryo gebildet
Empedokles (504—443 v. Chr.) lehrte, daß alles im Universum,
selbst die Götter, aus der Mischung der vier Elemente — Luft, Erde,
Feuer, Wasser — zusammengesetzt sei. Er blieb sich konsequent,
wenn er lehrte, die Seele bestehe aus den vier Elementen. Liebe
vereine sie und Streit trenne sie. Die Seele befindet sich im Blute
sich aufhaltenden psychischen Pneuma. Die sinnliche Wahrnehmung
Hippokrates, lehrte, die Seele habe ihren Sitz im Herzen und zwar
befinde sie sich in der blutleeren linken Herzkammer in dem dort
verlegte er in die rechte, den Verstand in die linke Hirnhemisphäre.
Philotimos, ein anderer Nachfoiger des Hippokrates, erklärt das Gehirn als ein unnützes Organ.
Hippon, ein Arzt aus Rhegion (gegen die Mitte des 4. Jahrh.
v. Chr.), betrachtete das Feuchte (dygdv) als das Prinzip des Weltalls .
Er stand demnach in seiner Ansicht in der Nähe des
und die Seele als etwas Feuchtes, das sich aus dem Samen entThales. Er kann nicht die Meinung derjenigen teilen, die da sagen,
wickelt.
daß die Seele Blut sei, denn der Same bestehe tatsächlich nicht aus
Blut und aus Samen entwickle sich die Seele. Der Same komme
) Paul Flechsig, Gehirn und Seele, 1896.
Pagina 8
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Erster Teil. Das Altertum.
Die Atomisten.
Wie sämtliche Teile aller Dinge, die sogen. daóggoat, bewege sich
auch die Seele durch die Poren oder Kanäle (mógot). Man nimmt
die Dinge der Außenwelt mittels Körperteilen wahr, die den wahrlikern, von denen-nur Diogenes von Apollonia die Seele, aber auch
22
nur als ein Attribut des Urelementes Luft erwähnt hatte. Durch
dieses Hervorheben der Seele steht Empedokles dem Herakleitos
näher, was auch durch ihre mehr zeitliche Nähe erklärt werden kann,
Doch auch durch die gleiche Annahme des Seelensitzes ähneln sich
diese beiden Denker, eine Tatsache, die möglicherweise von einer
zunehmenden Dingen gleichen. Von diesen heben sich dünne Blättchen ab und werden von den ihnen gleichartigen Körperteilen aufgenommen.
Auch für ihn, wie für Parmenides und Anaxagoras, ist Empfinden
gemeinsamen Quelle, vielleicht den Juden, hergeleitet werden kénnte.
Es ist nämlich auffallend, dass Empedokles’ Lehre vom Seelensitz
und Denken dasselbe, denn, so sagte er, die Gegenwart von zu erkennenden Gegenständen erleichtert ihr Erkennen.
23
derjenigen der semitischen Völker ähnelt. Hatten ja die alten Juden
gelehrt — und auch noch heute wird es gelehrt —, daf das Blut
Was die Sinne
unmittelbar, unter dem frischen Eindrucke der Dinge, erkennen, wird
die Seele enthalte. Wenn wir auch heute keinen Anlaß mehr haben,
die Philosophie der Griechen als ausschlieflich orientalischer Herkunft zu betrachten, wie es Röth („Geschichte unserer abendländileichter aufgefaßt und leichter im Gedächtnis behalten. Es ist demnach klar, so folgert er, daß das Empfinden vom Denken nicht verschieden ist.
schen Philosophie“) getan hat, so ist die Annahme nicht gänzlich zu
verwerfen, daf Empedokles die Lehre vom Sitz der Seele von den
Von diesen erkenntnistheoretischen Erwägungen ausgehend, mag
Empedokles das Blut als den Sitz der Seele betrachtet haben, Denn
Juden tibernommen hat.
wenn alles, was durch die Sinne in das Subjekt tritt, am innigsten
im Blute gemischt wird, so wird, da ja nach jener Prämisse Emp-
Natürlich ist dies nichts mehr als eine
Annahme, denn der Weg einer direkten oder indirekten Entlehnung
ist nicht bekannt, Aber selbst wenn man die Annahme einer Entlehnung aus der jüdischen Lehre zurückweisen sollte, so ist es nicht
unmöglich, daß er das Blut als den Sitz der Seele ganz originell,
ohne irgend eine Beeinflussung gelehrt habe, denn vor ihm hatte
finden und Denken dasselbe ist, auch das Empfundene und Wahrgenommene dort am besten zu Gedanken verarbeitet, wo jene Empfindungen am innigsten miteinander verbunden werden, eben im Blute.
Empedokles lehrte die Seelenwanderung, eine Lehre, die er wahrscheinlich von den Pythagoräern übernommen hat. Doch ist eine
Entlehnung von den Ägyptern durch oder ohne die Pythagoräer nicht
man viele bekannte Körper und Stoffe als den Sitz der Seele gelehrt,
nur das Blut hatte man nicht erwähnt. Da nun die hohe physiologische Bedeutung dieser Flüssigkeit bekannt war und unzählige
Erfahrungen gelehrt haben mochten, daß mit dem Blute auch das
Leben und die seelischen Tätigkeiten entflohen, so war es ganz naheausgeschlossen.
Auch er kannte noch nicht den wesentlichen Unterschied zwischen
Körper und Psyche, auch er lehrte, daß Erkennen nur so möglich
sei, daß es eine Gleichheit zwischen dem erkennenden Subjekte und
liegend, den Sitz der Seele in das Blut zu verlegen.
dem zu erkennenden Objekte gibt, auch er behauptete, Fühlen und
Denken sei dasselbe, und endlich auch er war Grieche, wenn er
sämtliche Wesen des Universums mit Vernunft und Denkfähigkeit
ausgestattet dachte.
8. Die Atomisten.
Diese monistische und materialistische Auf-
|
daß der Grund seiner Philosophie den Hylikern nahe stand. Statt
eines Urelementes hatte er eben vier angenommen. Aber durch die
Betonung dessen, daß die Seele so wie die übrigen Teile des Weltalles aus den vier Elementen besteht, entfernt er sich von den Hyatten
geistige Verwandtschaft gebracht hätte. Was unseren speziellen
Standpunkt der Seelenfrage anbelangt, so läßt es sich nicht leugnen,
m.
fassung erlitt erst mit der Erkenntnistheorie des Anaxagoras den
ersten Stoß.
Schon im Altertum war es eine der schwersten Aufgaben der
Philosophen, die Zugehörigkeit des Empedokles zu bestimmen. Kaum
ein Philosoph konnte genannt werden, mit dem man ihn nicht in
Leukippos, der Lehrer des Demokritos und der Begründer der
Atomistik, hat uns beinahe nichts hinterlassen, so daß man nur
aus den Lehren des Schülers auf die des Meisters zu folgern vermag.
Demokritos, (geb, um 460, + um 370 v. Chr.) wäre inkonsequent
gewesen, hätte er zur Erklärung der Seele nicht seine Atomtheorie
herangezogen. Da nach ihm alles aus Atomen besteht, mußte er
natürlich auch die Seele als aus Atomen zusammengesetzt betrachten.
Aber noch ein Umstand bewog ihn dazu. Die Seele ist nämlich das,
was die lebenden Wesen in Bewegung setzt. Bewegen kann aber nur
das, was selbst in Bewegung ist. Demnach mußte die Seele notwendigerweise in fortwährender Bewegung sein. Dies aber ließ sich
Pagina 9
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Die Atomisten.
Erster Teil. Das Altertum.
; aus der Beweglichkeit der Atome erklären, aus welchen eben die
| Seele zusammengesetzt war. Aber die die Seele zusammensetzenden
: Atome bewirken nicht nur Bewegung, sondern auch das Denken,
‘ denn auch das Denken ist nach Demokritos Bewegung. Die Seele
. ist demnach eine Anhäufung von Atomen und zwar der allerfeinsten
Atome, sie besteht nämlich aus Feuerteilchen und zwar befindet sich
| Atome verhindert, den Körper zu verlassen und dann werden etwa
verloren gegangene Atome ersetzt. Ist die Stockung eine augenblickliche, so entsteht nur der Scheintod, eine Ohnmacht, aus welcher der
Mensch wieder zum Leben erwachen kann.
so stirbt der Mensch.
Auf welche Weise die Dinge der Außenwelt wahrgenommen werden, erklärt Demokritos auf ähnliche Weise wie Empedokles. Gewisse
Ausdünstungen oder Emanationen heben sich von den Gegenständen
der Außenwelt ab, dringen in das beobachtende Individuum durch
die Poren ein und setzen die Atome der Seele in Bewegung.
Den Gedanken lokalisierte Demokritos im Gehim, den Zorn im
Körper, entwickelt sich, wächst, verfällt und vergeht mit ihm. Leidet
Herzen, die Begierde
in der Leber.” Das Gehirn, der Sitz der ver‘nünftigen Seele, waché
wie eine Schildwache am obersten Teile oder
eines von ihnen, so wird auch das andere in Mitleidenschaft gezogen. Nur identisch gleiche Dinge können derart voneinander
an der Veste des Körpers, welcher seiner Obhut anvertraut ist.
Dieser plastische Vergleich hat auch später anderen Psychologen geabhängen.
Die Seele war demnach nicht eine besondere Substanz, sondern
dient. Doch soll Demokritos nach Plut. Plac. IV. 4, 3 dem Herzen
den Sitz der vernünftigen Seele zugeschrieben haben, während ihr
bestand aus denselben Elementen wie das übrige Weltall. Nichts
Besonderes zeichnete sie aus als eben jene außergewöhnliche Beweglichkeit. Sie war also ein spezieller Teil der sich bewegenden Weltunvernünftiger Teil im ganzen Körper ihren Sitz haben soll. Diese
spezifische Lokalisation hatte für ihn keinen Widerspruch mit
der Lehre, daß die Atome der Seele im ganzen Körper verbreitet
materie,
.
Dem Wesen nach waren diese Seelenatome mit den Atomen der
übrigen Welt identisch, nur etwas feiner. Aber etwas Seelisches,
Geistiges hatten sie als Eigenschaft nicht aufzuweisen, wie etwa die
|
Seelenatome bewirkt nach Demokritos Empfinden und Denken.
Die Seele ergänzt sich aus der Luft, denn in dieser ist Leben,
Seele und Intelligenz in Form von allerfeinsten Atomen aufgespeichert.
Seele und Intelligenz sind für Demokritos dasselbe. Aber wie erneuert sie sich und woraus nimmt sie neuen Stoff? Offenbar aus
demjenigen Elemente, aus welchem sie selbst besteht und aus wel‚chem auch das Universum aufgebaut ist, nämlich aus den Atomen
der Luft. Also durch Atmung wird die Seele ergänzt.
Die Seelenatome sind jedoch so fein, zart und in fortwährender
Bewegung begriffen, daß die Luft sie aus dem Körper drücken
könnte. Um dieser Möglichkeit vorzubeugen, besitzt der Mensch die
Atmung. Durch das Einatmen gelangt nämlich Feuer und Seelenstoff in den Leib.
Hierdurch wird zweierlei erreicht: Die Seelenatome des Leibes werden durch die Gewalt der hereinströmenden
ne
beseelte Luft bei Diogenes von Apollonia. Aber wie kommt Empfinden
eine spezielle Lagerung der nicht empfindenden und nicht denkenden
Geschieht diese Ersetzung nicht, tritt demnach endgültige Stockung in der Atmung ein,
. zwischen zwei Körperatomen ein Seelenatom eingeschaltet. Diese
{Seelenatome sind besonders fein, glatt und abgerundet, sie sind die
‚ beweglichsten aller Atome, sie durchdringen in ihren Bewegungen
den ganzen Körper und rufen so die Lebenserscheinungen hervor.
Dieses Einssein von Körper und Seele sahen die Atomisten durch
die Wechselwirkung beider bewiesen. Die Seele entsteht mit dem
und Denken dieser rein materiellen, empfindungslosen und sich nur
nach körperlichen Prinzipien bewegenden Wesen zustande? Einfach
25
seien.
Der Gedanke hänge von einer gewissen Harmonie der Seelenbewegungen ab, zu viel Kälte oder Wärme verwirrt ihn. In diesem
Falle tritt Geistesstörung ein.
Nur wenn die der Seele durch die
Atome mitgeteilte Bewegung eine mässige Temperatur hat, ist der
Gedanke normal. Also eine gewisse harmonische Mischung von Kalt
| und Warm, eine »gäoıg bedingt ein normales Seelenleben, im ent| gegengesetzten Falle tritt Geistesstörung ein. Das, was im Menschen
| empfindet und denkt, ist ein und dasselbe, Empfindung und Denken
| haben denselben Ursprung, denn beide sind nichts anderes als
materielle Veränderung einer und derselben Seelensubstanz.
Auch Demokritos’ Verhältnis zu seinen Vorgängern war Gegenstand vielfacher wissenschaftlicher Kontroversen. Kaum eine Schule
oder einen griechischen Denker gibt es, auf den man seine Philosophie nicht bezogen hätte. Durch die Annahme seiner Atome reiht
er sich unbedingt Empedokles und hiermit indirekt den Hylikern an.
Mit Empedokles und Herakleitos verbindet ihn die Lehre von der
materiellen Identität der Seele mit den übrigen von ihnen angenommenen Stoffen,
Pagina 10
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Die Sophisten.
Das Altertum.
wir, das erkennende Subjekt, und jene zu erkennenden Dinge die-
9, Anaxagoras.
Anaxagoras (geb. um 500, + um 427 v. Chr.) lehrte statt der bis‘her angenommenen Urstoffe und Urkräfte die vernünftige Weltseele,
‘den voög.
Inwiefern ihm die Seele des einzelnen Menschen als Teil
oder Widerschein dieser Weltseele galt, läßt sich aus den spärlichen
Berichten über Anaxagoras nicht ermitteln. Schon Aristoteles wirft
ihm vor, daß er den voög nur dann als Erklärung benutze, wenn
jede andere Erklärungsmöglichkeit versage.
27
Vielleicht war Anaxaselbe Natur besitzen, denn nur Gleiches’ sei imstande Gleiches zu erkennen. Anaxagoras hingegen lehrte, daß das Empfinden und Erkennen eine durch das Ding der Außenwelt verursachte Veränderung,
also ein passiver Zustand sei. (Theophrastos, De sensu, V. 27.) Nicht
das Gleiche erkenne das Gleiche, sondern im Gegenteil das Ungleiche,
das Entgegengesetzte vermögen wir zu erkennen.
Wie die meisten seiner Vorgänger suchte auch Anaxagoras nicht
die Seele und ihren Sitz.
In hartem Ringen um die Erkenntnis des
goras der erste, der die Lehre von der absoluten Immaterialität der
Seele aufstellte. (Heinze, Bericht über d. Verh. der k. 8. Gesell-
Weltalls mußte auch ihm die Seelenfrage, wenn er sie je aufgeworfen
hat, als nebensächlich gelten. Was er suchte, war die Ursache der
schaft der Wiss, 1890, S. 1.)
Bewegung in der Welt. Da er diese dem von ihm angenommenen
voög zuschrieb, so mußte er auch die Bewegungen des Menschen von
Es ist nicht wahrscheinlich, daß Anaxagoras sich die Seele als -
körperlich, etwa als Luft vorgestellt habe (Zeller).
Doch scheint
es, daß er sich den Geist als etwas in gewissen Körpern befindliches
Räumliches gedacht hat. Der Geist eines Wesens unterscheide sich
von dem eines andern nicht durch die Qualität, sondern durch das
_Maß. Aristoteles bemerkt, Anaxagoras habe Geist von Seele nicht
"unterschieden. Da aber der Geist alles ohne Ausnahme bewege, so
muß auch er es sein, der den Menschen bewegt, aber nicht von
außen, sondern innerhalb des Menschen. Der Geist muß also in dem
Menschen sein und wird so in ihm zum Bewegenden, zur Seele.
Man sieht demnach, nicht das Psychische interessiert Anaxagoras,
sondern das Prinzip des Lebens sucht er und findet es beim Menschen
sowie bei dem Tiere und der Pflanze in einem alles bewegenden
Prinzipe, eben dem voög, der Weltseele.
Anaxagoras scheint anatomischen Studien obgelegen zu sein, denn
er beobachtete die Seitenventrikel des Gehirnes und fand bei einem
einhörnigen Bocke nur eine einzige Hirnhöhle. Er soll den Seelensitz dem Gehirn zugewiesen haben, doch ist dies mit seinem philosophischen Systeme wenig vereinbar, denn dann hätte der Geist nurdas Gehirn bewegt. Da sich aber der ganze Leib bewegt, so ist die
oben erwähnte Annahme um vieles näherliegend, nämlich, daß der
Geist den ganzen Leib erfülle.
Aber es ist sicher, daß Anaxagoras die Rolle der peripherischen
Sinnesorgane und die zentralen Organe der Empfindung gekannt und
unterschieden hat, und er bezeichnet das Gehirn ausdrücklich als
den Endpunkt des Empfindungsprozesses. Das Gehirn ist der erste
Teil, der sich im Embryo bilde, denn alle Sinne endigen im Gehirn.
Sein Hauptverdienst ist, die alte materialistische Erkenntnistheorie
seiner Landsleute erschüttert zu haben. Diese hatten gelehrt, daß
die Dinge der Außenwelt nur deshalb für uns erkennbar seien, weil
diesem Prinzipe herleiten. Die Belebtheit suchte er zu erklären, nicht
die Beseeltheit.
Diese letztere war von Herakleitos viel glücklicher
betont worden als von Anaxagoras.
Wie kann Anaxagoras’ Seelenlehre in diejenigen der Griechen
eingereiht werden? Diese Frage läßt sich um so schwerer beantworten, als auch er sich gerade so wie die griechischen Denker vor
Herakleitos mit der Seelenlehre nicht eingehend befaßt hat. Mag er
auch mit Bezug auf seine Naturlehre Empedokles und Demokritos
nahe gestanden haben, wie dies Zeller behauptet, seine Seelenlehre
war viel zu wenig hervorragend, als daß man imstande wäre, diesem
Philosophen die ihm zugehörende Stellung in der Geschichte des
Denkens der Griechen mit Sicherheit anzugeben. In dieser Beziehung,
aber auch nur in dieser würde er vielleicht einen Rückschritt bedeuten, hätte seine erkenntnistheoretische Lehre ihm nicht eine Vorzugsstelle gesichert.
10. Die Sophisten.
Da die Sophisten sich weder mit naturwissenschaftlichen noch
imetaphysischen Problemen ernst befaßt haben, ist auch über die von
|ihnen vertretene Seelenlehre kaum etwas zu sagen. Es ist auch
| ganz natürlich. Bei Menschen, deren Hauptaufgabe es war am Forum
aufzutreten, sich bekannt zu machen, die Massen oder Behörden zu
‚überreden, mußte sich die Dialektik in erster Reihe entwickeln; zu
angestrengtem Forschen über die letzten Ursachen und die Geheimisse des Seelenlebens konnte keine Muße übrig bleiben. | Ja sogar
die auch bei Ungebildeten vorhandene Ehrfurcht für das ernste Studium wurde bei den Sophisten vermißt.
Machten sie sich über
Pagina 11
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Erster Teil. Das Altertum.
mathematische und astronomische Studien anderer lustig, so konnten
sie um so weniger psychologische Betrachtungen sympathisch finden.
Nur Protagoras (geb, um 480 v. Chr.) soll das von Aristoteles
zuerst erwähnte Aktualitätsprinzip vertreten haben (Diog. Laertius).
Aber auch er fühlte sich über Stubengelehrsamkeit erhaben, wie es
Zeller treffend sagt, und wenn auch Tertullianus später dem Protagoras zuschrieb, daf dieser den Sitz der Seele in die Brust verlegte,
so ist dies ebenfalls nach Zeller auf eine beiläufige Bemerkung, nicht
aber auf eine anthropologische Theorie dieses Sophisten zu beziehen.
Insoferne ist allerdings seine Bedeutung nicht zu unterschätzen,
als er, gleichsam ein Wendepunkt in der Geschichte der griechischen
Philosophie, seinen Blick von der ihn umgebenden Welt der materiellen
Dinge abwendend zuerst auf die Bedeutung des Ich hinwies. Hiemit
war freilich nur eine neue Richtung angedeutet, aber die Gegenstände
der psychologischen Forschung blieben ihm unbekannt.
11. Platon und sein Kreis.
\
\
Platon und sein Kreis.
29
Bekanntlich war Platon (geb. um 428, + 347 v. Chr.) der klassischeste Vertreter des Idealismus. Die sichtbare Welt sei Täuschung,
sie existiere nicht und sei fortwährendem Wandel unterworfen. Wirklich existieren nur die Ideen der Dinge, diese Ideen seien das Wesen
Demiurgos hat, ohne das Chaos selbst erschaffen zu haben, die Weltaller existierenden Dinge, sie seien das einzig Unveränderliche des
Veränderlichen. : So stellte Platon zwei grundverschiedene Welten auf,
welche er in keiner Weise miteinander in Beziehung zu bringen vermochte. Nur die Seele vermittelt zwischen diesen beiden Welten. Der
seele aus dem Chaos erschaffen, und zwar nahm er hiebei als Urbild
‘ die Idee des Lebewesens an. Die Seele selbst ist, wenn auch keine
: Idee, so dennoch etwas, was einer Idee ähnlich ist, ein Teil der
Weltseele, ein rein geistiges Wesen, und hat im Reiche der Natur. wesen kein Vorbild. Wenn sie demnach in einen Menschen gelangt,
. so geschieht dies, um sie für einen in ihrem früheren, vor dieser
Welt abgelaufenen Sein begangenen Fehler zu bestrafen (Timaios).
Weltseele eingenommenen Raume hat der Demiurgos das Chaos so
Woher stammt aber die materielle Wirklichkeit, deren Existenz
auch Platon nicht ganz zu ignorieren vermochte? In dem durch die
Wenn also Weltseele ein die ganze Welt bewegendes
Wäre sie Körperliches, so müßte sie
Die Idee ist nämlich etwas Ewiges,
‘hängiges, diese nur Einzelnes und an der Idee Teilnehmendes. Daß
_ die Seele etwas Gewordenes, jene ist Allgemeines, Wirkliches, Unab-
‘Idee, steht jedoch dieser nahe.
bewegt werden, aber sie wird nicht bewegt, sondern sie ist es, die
. bewegt. Ist sie nicht körperlich, so ist sie aber auch nicht ganz
aber körperlich ist sie nicht.
früher da war als die Welt selbst, so dass die Menschenseele früher
als der Körper existierte.
Die Seele befindet sich zwar im Körper um diesen zu bewegen,
Prinzip bedeutete, erhellt auch daraus, daß nach ihm die Weltseele
die Weltseele für Platon tatsächlich ein belebendes, bewegendes
tons etwas von ihrem rätselhaften Beigeschmacke entnimmt. Daß
ein Prinzip, welches den Lebenserscheinungen des Menschen vorsteht, eine Erklärung, die den so geheimnisvollen Ausführungen Pla-
Prinzip ist, so ist die der Weltseele entnommene menschliche Seele
(Knauer).
wir diese gewiss bedeutsame Stelle in Betracht, so läßt sich Platons
Nehmen
Sokrates (geb. gegen 470, + 399 v. Chr.) hat sich nicht über das
Wesen der Seele ausgesprochen und noch weniger über ihre Lokalisation, denn ein Hauptpunkt seiner Philosophie war die Erforschung
schöpfung nur in Bildern und Mythen gesprochen habe.
hineingesetzt, daß dieser sich in die vier Elemente geschieden hat,
welche dem Menschen als existierende Dinge erscheinen.
Am Anfange des Timaios sagt Platon selbst, daß er über die Weltob man
Sokrates, ob wohl im Gesicht und Gehér Wahres sei, oder
der Tugend, nicht aber die ersten Ursachen oder die Seele zu suchen
(Xenophon). Vielleicht ist es der erkenntnistheoretische Zweifel des
Weltseele vielleieht einfacher als ein das ganze Universum durchdringendes Prinzip, also einfach als ein Naturprinzip betrachten
glauben müsse, daß wir Wahres weder sehen noch hören, wie es die
Dichter behaupten (Phaidon § 25, aber auch § 65 und § 102), das
einzige psychologische Problem, an welches Sokrates denkt, wofern
dieser Zweifel, den Platon seinem Lehrer in den Mund gelegt hat,
nicht dem Grübeln des Schülers entstammt. Zwar sagt Lange’),
daß Sokrates die menschliche Vernunft von der Vernunft einer Weltseele oder Gottes nur gradweise verschieden betrachtet hätte. Wie
Auch die verschiedenen Schulen der unvollkommenen Sokratiker
immer es sei, so war dies ein Vergleich mit der Vernunft Gottes,
aber keine wirkliche Seelenlehre,
Ihre Lehre wurzelte
in verschiedenen, ihnen zeitlich vorangehenden Schulen, die Unterhaben die Seelenlehre nicht vorwärtsgebracht.
suchung ethischer Probleme aber hatten sie alle mit Sokrates gemein.
Aber wie dieser, so ließen auch jene Schulen psychologische Untersuchungen beiseite.
5 Lange, op. cit. Bd.
Pagina 12
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Platon und sein Kreis.
Das Altertum.
die Seele nicht den Wert einer Idee besitzt, folgt auch aus
der plaschon
tonischen Lehre der Präexistenz. Ware nämlich die Seele nicht
in diesem Zeitraume an Wert unter der Idee gewesen, so hätte sie
n.
nicht das Schicksal ereilt, in den menschlichen Körper zu gelange
Die Seele ist demnach ein Mittelding zwischen der urewigen Idee,
dem ,Teillosen“ und dem Körper dem ,Teïlbaren“ (Phaidon, Theai.
tetos).
aber
selbst,
sich
als
Körper
den
Die Seele bewegt also, sowohl
sie erkennt auch. Allerdings brachte Platon einen Teil des Erkennens,
nämlich die Vernunft und Wissenschaft mit dem Fixsternkreis, Vorstellungen hingegen mit dem Planetenkreis in Verbindung, eine
Lehre, die für uns in dieser Gestalt kaum verständlich ist. Wahrscheinlich verstand er nach Zeller darunter folgendes: Nur durch
gewisse, in sich zurückkehrende Bewegungen, wie sie eben bei den
Sternen zu beobachten sind, ist die Seele imstande, das Weltall zu
erkennen.
Gewisse Zahlenverhältnisse sichern die Gleichmäßigkeit
jener Bewegungen, und so erkenne die Seele das Prinzip harmonischer Ordnung zwischen Einheit und Vielheit.
Im Phaidon sagt Platon, indem er sämtliche vorsokratische Theorien zusammenfaßt, er habe sich oft gefragt, ob das Blut den Gedanken bereite, oder die Luft oder das Feuer oder keines dieser
Dinge, sondern das Gehirn, welches die Bedingung unserer Empfindungen sei, ferner ob aus den Sinnen das Gedächtnis und der Ge-
31
los, in dem Gehirne, sie kann ja auch nur im Gehirn sich befinden,
denn dieses hat die vollkommenste Gestalt, nämlich die einer Kugel.
Das Feuer der Seele begegnet sich mit dem Feuer der äußeren
Dinge, und so nimmt jene diese wahr.
Die unvernünftige Seele
stammt nicht von außen, sondern ist mit dem Körper eins, von ihm
unzertrennlich und vergeht auch mit ihm. Unter dieser Art von
Seele ist aller Wahrscheinlichkeit nach die Gesamtheit der vegetativen
Funktionen zu verstehen, das beiläufig, was man noch bis gegen die
| Mitte des 19. Jahrhunderts Lebenskraft genannt hat.
Die unvernünftige Seele besteht ihrerseits aus zwei Teilen, erstens
. dem Mut (vd duuoudés) oder dem energischen Streben. Sie ist der
Sitz des Zornes, der Herrschsucht, des Ehrgeizes, der aggressiven
: Affekte. Dieser edlere Teil der Seele hat seinen Sitz in der Brust,
‚ im Herzen, ist aber der Vernunft untergeordnet. Der zweite, weniger
. edle Teil der unvernünftigen Seele, vo émduumruxèr oder PiAogonuarov
: genannt, ist im Bauch und ist der Sitz der niederen Lüste und Begierden. Die vernünftige Seele jedoch thront, wie schon erwähnt,
‘im Gehime. Platon hatte die Vernunft in das Gehirn versetzt, um
sie so von der tierischen Seele unterscheiden zu können. Die Empfindung gehört ebenfalls zu dem émdvunrixér, doch ist unter Empfindung Lust und Unlustgefühl zu verstehen,
Von den beiden sterblichen Teilen nennt er den $vuosıönjg männliche Seele, weil sie die Wünsche, also aktive Elemente, beherbergt
Zweifelsohne ist hier Alkmaions Theorie gemeint,
und das émduuntinoy die weibliche Seele, weil sie Sitz der Empfin-
Funktionen im Gehirne kann weder dem Pythagoras, noch Demodes Rückenmarkes mit dem Sitze der höheren Seele, dem Gehirne,
in Verbindung (Timaios 75). Der oberste Teil des Rückenmarkes
; ist das Gehirn — also eine Auffassung, die der modernen nahesteht
: — und der Sitz der unsterblichen Seele, mit dem Brustteile des
Rückenmarkes ist der dvuoadÿs verbunden und mit dem Bauchteile
danke stamme.
denn eine vorplatonische Theorie über die Lokalisation der seelischen .
kritos, noch Anaxagoras, ja nicht einmal Hippokrates zugeschrieben
werden, denn obwohl dieser die höheren Funktionen des Menschen
in das Gehirn versetzt, so sah er das Prinzip der Empfindungen und
Leidenschaften in der Luft. Es bleibt demnach Alkmaion übrig,
an den Platon im Phaidon denkt, ein Gedanke, den auch Soury’)
eingehend begründet hat.
dungen und Begierden sei.
Diese beiden Seelen sind nun mit Hilfe
das Imidvunrindv.
Wenn wir uns in den Gedankengang Platons hineinversetzen, so
Nach Platon besteht die menschliche Seele aus zwei Teilen, deren
müssen wir uns das ganze zentrale Nervensystem als den Sitz der
seelischen Vorgänge mit hierarchischer Abstufung vorstellen, zu oberst
die wor) Aoyıorum, auch vontimdy benannt und die wogr) GAoyos, die
nur sinnlicher Auffassung und Begierden fähige, unvernünftige Seele.
das edelste, unsterbliche Element, dann in der Mitte das sterbliche
. Wesen und Ursprung verschieden ist. Die geistige vernünftige Seele,
- Die vernünftige Seele, auch ®siov benannt, existierte vor der Welt
und über der Welt und war zur Sühnung einer durch irgendeine in
der Vorwelt begangene Schuld in den menschlichen Körper gelangt
_ (Phaidros). Die Seele des Menschen ist, obwohl unsichtbar und raum+) Soury, Le système nerveux, 8.8.
männliche und zu unterst das sterbliche weibliche Element.
Platon stellt die beiden Seelen als in fortwährendem Kampfe
begriffen dar. Die leiblichen Begierden der unvernünftigen Seele
hätten die Tendenz den Menschen völlig zu unterjochen, wenn die vernünftige Seele nicht diese Begierden bekämpfen würde. Gelingt es
der vernünftigen Seele sich dauernd zu behaupten, so ist der Mensch
tugendhaft (Republik, Timaios).
Es gibt nur eine Tugend, die
Pagina 13
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Platon und sein Kreis.
33
jedoch in vier Haupttugenden geteilt werden kann, Diese sind: Die
unendliches Sehnen nach dem himmlischen Vaterland und die flam-
Weisheit hat ihren Sitz in der vernünftigen Seele, die Tapferkeit ist
Platon den Eros, den Vermittler zwischen Gott und Menschen, der
Weisheit, die Tapferkeit, die Mässigkeit und die Gerechtigkeit.
Die
in der Brust und gehört demnach der unvernünftigen Seele an. Der
Pvuoedijg ruft nur dann Tapferkeit hervor, wenn er von der vernünftigen Seele gelenkt wird, sonst artet er in unedlen Zorn und
blinde Wut aus. Die Mäßigung besteht aus der Besiegung der niedrigen, mit dem Tiere gemeinsamen Begierden durch die vernünftige
Seele. Die Gerechtigkeit ist der wichtigste Teil der Tugend und ist
nicht einem gewissen Teile der Seele zugeteilt, sondern entsteht nur
durch ein harmonisches Ineinanderwirken der vernünftigen und unvernünftigen Seele,
Unter den vielen Rätseln, die die Dialoge Platons seinen Lesern
offen lassen, ist auch das der Seeleneinheit. Nirgends ist diese betont,
ja nur erwähnt, im Gegenteil, alles läßt darauf schließen, daß sich
dieser Philosoph diese Frage gar nicht gestellt hat. Die Zwei- bzw.
mende Liebe zu allem Guten und Schönen.
Diese Liebe nennt
diesen letztern aus dem engen Leben in das Reich der Ideale emporschwingen läßt. Die Empfindung geschieht so, daß die Reize der Außenwelt durch
Blutgefäße in den Körper gelangen. Nerven waren ja unbekannt.
Die Gehör- und Gesichtsempfindungen gelangen natürlich durch die
entsprechenden Sinnesorgane mittels der Blutgefäße in das Gehirn,
verbleiben aber nicht dort — war ja doch für Platon das Gehirn der
Sitz der Vernunft —, sondern verbreiten sich dann in die Leber, dem
Sitze der Empfindungen. Dies ist der wesentliche Unterschied zwischen
Platons Empfindungslehre und der seiner Vorgänger, die die Empfindungen durch das Gehirn perzipieren lassen (Timaios, 15 und Theophrastos op. cit. VI. 85).
Es ist ungemein schwer auch nur eine Idee zu finden, die in
Dreiteilung der Seele beherrscht zu sehr seine Seelenlehre, vielleicht
nahm er es für selbstverständlich, daß die Persönlichkeit durch die
vernünftige Seele hinlänglich erklärt sei. Doch bleiben hier noch
Platons sämtlichen Werken unverändert vorhanden wäre. Dies mag
zweierlei Ursachen zugeschrieben werden. Erstens schrieb er seine
Werke im Verlaufe von 50 Jahren, also innerhalb eines Zeitraumes,
unin welchem jedermann die meisten seiner Ansichten verändert, so
daß Platons Ansichten eigentlich als Entwicklungsstufen seines philofolgende von Platon nicht beantwortete Fragen offen: Da die vernünftige
Seele
eigentlich
aus
der Ideenwelt
stammt,
die
vernünftige Seele aber unleugbar Materie ist, wie entsteht aus beiden
wesensverschiedenen Dingen eine einheitliche Persönlichkeit?
Die
vernünftige Seele, sagt Platon, beherrscht und bekämpft die unvernünftige. Aber ob diese jene beeinflußt oder nicht, ob es nämlich
irgend eine Wechselwirkung gibt oder nicht, diese Frage stellt er
nicht einmal auf. Vielleicht darf man hierbei an drei Funktionen
einer und derselben Seele denken, also an das, was wir heute mit
Vermögenspsychologie bezeichnen.
Die Bildung abstrakter Begriffe konnte Platon nicht erklären, ihr
Zustandekommen betrachtete er als etwas so Außerordentliches, daß
er sie als Zusammenfassung oder Extrakt von Einzelvorstellungen
nicht zu begreifen vermochte. Deshalb konnte er nicht umhin, eine
Präexistenz der Seele anzunehmen: Die Seele habe schon vor
diesem Leben gelebt und jene allgemeine Begriffe erkannt, Wenn
ein Mensch nun einen allgemeinen Begriff kennen lernt, sei dies
sophischen Denkens zu betrachten, sind. Zweitens ist die ganze
Weltanschauung Platons eine derartige, daß eine gewisse Unsicherbeit, ein Schwanken in seinen Ansichten unvermeidlich ist, Es fehlte
ihm an einem fixen Systeme, welches eine festere Fassung ertragen
hätte, als seine Dialoge zeigen, wo er mit der größten Leichtigkeit
sich bald der einen, bald der andern Meinung seiner Genossen zugesellt.
Als sicher kann man seine „Ideen“ annehmen, wenigstens
schreibt Aristoteles ausdrücklich sie ihm zu.
Schon das Verhältnis zwischen Körper und Seele ist in Platons
Lehre nie ganz sicher zu bestimmen. Auf Grund seiner Ideenlehre
ist einmal der Körper das Unwesentliche, Nebensächliche, Störende,
ein anderes Mal hingegen gilt er als das Instrument der Seele und
als Substrat der seelischen Funktionen, bald ist er Ursache des
Schlechten, bald hilft er das Gute hervorzubringen, bald wird er mit
einem Schiffe verglichen, dessen Steuermann die Seele ist.
nichts Neues, sondern etwas, was seine Seele
Es wäre nach Zeller!) ein Irrtum, die Mythen Platons als Einschon in dem Leben vor diesem Leben erkannt hatte, es vollzieht
sich demnach in ihr eine einfache Zurückerinnerung (dyduvnou).
kleidungen von Gedanken zu betrachten. Der Philosoph teilt Mythen
dort mit, wo er ganz transzendente Dinge in wissenschaftlichem
Kleide gar nicht wiederzugeben vermag. Es waren nämlich derartige
Allerdings ist diese Zurückerinnerung dunkel und unbewußt, aber
bewußt wird sie durch das Schauen der irdischen Abbilder der
himmlischen Gestalten. In diesem Falle entsteht in der Seele ein
1) Zeller, op. cit. IL, S. 484.
Révész, Seelenbegriff und Seelenlokalisation.
für ihn durchaus
Pagina 14
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Das Altertum.
weltfremde Gegenstände zu behandeln, welche nicht anders als in
bildlieher Form dargestellt werden konnten.
Uralte, religiöse und psychologische Überlieferungen aus orphischer
Zeit einerseits, verarbeitet mit den Lehren seiner geistigen Vorfahren,
hauptsächlich aber denen Sokrates’ andererseits mögen Platons Lehre
über Ursprung, Wesen und Sitz der Seele bestimmt haben. Jeder
große Denker pfropft jedoch auf das Überlieferte ein Stück seines
eigenen Wesens auf und so entstand die platonische Seelenlehre als
ein Teil der alten Seelentheologie, aber durch Platons alles umspannende Spekulation in ein, wenn auch nicht fest umschriebenes
System fixiert. So sehr er auch auf übrigen Gebieten seinen Lehrer
nicht verleugnen kann, in der Psychologie mußte er auf vorsokratische,
ja auf vorhylische Zeiten zurückgreifen. Wie die größten Epiker,
Musiker und Maler oft ihre Motive aus dem unvergänglichen Born der
Volkskunst schöpften, so stieg auch Platon zu dem religiösen Leben
der Altvorderen seines Volkes herab, holte sich ihre einfachen Konzeptionen und formte diese unter Sokrates’ ethischer Lehre zu seiner
eigenen Seelenlehre um. Weltseele und Ideen, Chaos und Demiurgos,
Präexistenz und Wiedererkennen sind Begriffe, die er nicht ausschließlich von der gesund-naturalistischen Spekulation der Jonier :
und von den genialen, mechanischen Systemen des Herakleitos, Empedokles und Demokritos übernommen haben konnte. Ein tief religiöser Zug charakterisiert sein Wesen, ein bedeutender ethischer Einschlag, zweifelsohne das Erbe seines Lehrers, ist der Hintergrund
seines philosophischen Denkens und so erklärt sich die phänomale
Erscheinung seiner Seelenlehre aus einer zweifachen Wurzel: Volks-
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zu selbständiger Bedeutung jedoch vermochte keiner seiner Schüler
zu gelangen, mit Ausnahme des Aristoteles, der allerdings seine
| eigenen Wege ging.
Speusippos (f 339 v. Chr), der nächste Nachfolger Platons in
der Akademie, betrachtete unter unleugbar pythagoräischem Einflusse
die Seele als eine durch die Zahl harmonisch gestaltete Ausdehnung,
also gleichsam die höhere Einheit des Arithmetischen und Geometrischen. (Uberweg-Heinze). Im Gegensatz zu Platon soll er auch die
unvernünftige Seele als unsterblich angenommen haben.
Xenokrates (geb. um 396, + 314 v. Chr.) wieder betrachtete
die Seele als eine sich selbst bewegende Zahl, etwas was die Mitte
zwischen den unbewegten Ideen und den bewegten Dingen der Erscheinungswelt halt. Nach Cicero (Tuscul. I, 10, 20) leugnete Xenokrates, daß die Seele ein Körper sei und Form hätte, sondern er hat
sie als eine sich selbst bewegende Zahl betrachtet, deren Kraft, wie
dies schon früher Platons Meinung gewesen war, in der Natur die
mächtigste sei, Also ein rein geistiges Wesen sei die Seele, sie könne
vom Leibe getrennt existieren. Die Vernunft des Menschen gelange
aus einem früheren Leben in ihn, Auch der unvernünftige Teil der
Seele sei unsterblich (Zeller).
Herakleides, ein anderer Platoniker, betrachtet die Seele als
‚ein Wesen, welches aus ätherischem Stoffe besteht und schon vor der
Geburt existiert hat.
Krantor glaubt, die Seele bestehe aus den Elementen aller Dinge,
‘denn sonst wäre sie nicht imstande, die Außenwelt, die ja auch aus
‘diesen Elementen besteht, zu erkennen.
religion und Spekulation seiner Vorgänger.
Platon ist Dualist par excellence, dualistisch ist seine Auffassung
12. Aristoteles und sein Kreis.
der Welt, indem den wirklich existierenden Ideen die von diesen
nach außen projizierte, materielle Wirklichkeit gegenübersteht. Aber
dualistisch ist auch seine Psychologie, denn er nahm zweierlei Seelen
Aristoteles (384—322 v. Chr.) als Polyhistor war sich auch der
Wichtigkeit der historischen Beleuchtung wissenschaftlicher Theorien
an, eine vernünftige, die den psychischen Funktionen vorsteht, unbewußt. Er kannte sämtliche Lehren, die sich bis zu seiner Zeit mit
dem Wesen der Seele befaßt hatten. Und so bemerkt er, daß von
den Philosophen sämtliche Elemente der Natur als Seelenprinzip be-
Diese hingegen ist
kämpfen können.
trachtet wurden mit Ausnahme der Erde. Aber wenn man in Betracht zieht, sagt er, daß die Erde von einigen Philosophen wie z. B.
von Empedokles als Prinzip angesehen wird, welches alle anderen
Prinzipe in sich schließt, so könne man sagen, daß den Philosophen
kein Element entgangen wäre, welchem sie nicht das Seelenprinzip
‚zugesprochen hätten (De an. I. 2).
Die Nachfolger Platons kombinierten seine Lehre von der Seele |
mit derjenigen seiner Vorgänger, hauptsächlich der der Pythagoräer,
:
Als lebende Naturkörper bezeichnete Aristoteles solche, welche
‚das Prinzip der willktirlichen Bewegung besitzen. Da bei jeder Besterblich ist und eine unvernünftige, die nur die vegetativen Funktionen leitet. Die erstere gehört der Ideenwelt an, hat vor der Welt
gelebt und kehrt auch in die Ideenwelt zurück.
mit dem materiellen Leibe eins und untrennbar und vergeht mit ihm.
Diese beiden Seelen — und hier zeigt sich der Dualismus am ausgesprochensten — existieren nicht nur neben und für einander,
sondern bekämpfen sich, wie nur zwei heterogene Mächte sich be-
WN.
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Soe LE WJIBIS
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DER GSSLEN LOS RER SATION