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Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)| Hurxmien Voar.
Vogt, H.: Haben die alten Inder den Pythagoreischen Lehrm
Y
cn
satz und das Irrationale gekannt? Bibl. math. 7 ("06/07) S. 6—23.
Die Inder haben in einer Zeit, für die griechischer Einflu8 noch
nicht in Frage kommt, den Pythagoreischen Lehrsatz allgemein auf-
VWOMGAT.Loveo
gestellt, ihn aber nur durch unvollständige Induktion begründe
t. Sie
haben einen vorzüglichen Näherungswest für W2, dessen Fehler nur.
Haben die alten Inder den Pythagoreischen Lehrsatz
und das Irrationale gekannt?
Griechen von den Indern gelernt haben? Können sie speziell den Pythagoreischen Lehrsatz und das Irrationale aus indischen Quellen geschöpft
liuterung des Araszamma-Sulba-Sutra, 1) einer der drei Aufzeichnungen der
geometrischen, kultischen Zwecken dienenden Konstruktionsmethoden der Inder, hat einen Umschwung in der Wertung der ältesten
ältesten
M. Caxror
Alter der griechischen überlegen erkannt. Die Blütezeit des Opferkults,
an den sie geknüpft ist, schließt das 12. vorchristliche Jahrhundert ein;
ein Beispiel eines Pythagoreischen Dreiecks (15, 36, 39) ist aus dem
8. Jahrhundert überliefert; die Sılbasutren werden nicht später als in das
5. oder 4. vorchristliche Jahrhundert gesetzt.*) Alsu die Griechen sind
bestimmt nicht, wie man bisher angenommen hatte, die Lehrmeister der
Können nun umgekehrt, was zeitlich nieht unmöglich "wäre, die
Die in den Jahren 1901 und 1902 erfolgte Verüffentlichung und Er-
Geometrie herbeigeführt, dem
ihnen neue, philologische Argumente hinzu.!) Er bestätigt und stützi
seine Schlüsse, geht aber auch in wesentlichen Punkten über ihn hinaus
in dem, was er den alten Indern zu- und den Griechen abspricht.
Die altindische Geometrie ist jetzt ihrer Art nach als selbständig, an
Inder gewesen.
Von Heinrich Voor in Breslau.
indischen
-
7
im
Archiv
haben?
Diese Frage will ich im folgenden durch Untersuchung der Grenzen
des altindischen geometrischen Wissens zu beantworten suchen.
der
Mathematik und Physik (83, 1905, 5. 63—72) Ausdruck gegeben hat.
Gerade CANTOR hatte 30 Jahre lang durch sein großes Ansehen den
I
alten Inder’ den Pythagoreischen Lehrsatz gekannt?
Glauben an die Abhängigkeit der indischen Geometrie von der griechischen
Haben die
aufrecht erhalten.
Apasramnd-Sulba-Suira cap. I, 4 und 5 lauten:
1. „Die Diagonale eines Rechtecks bringt beides hervor, was die
längere und die kürzere Seite desselben, jede für sich, hervor-
Er hatte sich seine Ansicht gebildet im Gegensatz
gegen die von Tinnaur aufgestellte Schätzung der indischen Geometrie
als eines selbständigen und uralten Ausflusses indischer Geistesart. Timpavr
hatte das Bavoxarara-Sulvasutra mit Übersetzung und Kommentar herausbringen.“
2. „Die Diagonale eines Quadrats bringt eine doppelt so große Fläche
gegeben?) und aus allen drei Sulbasuiren, deren Verfasser BAUDHAYANA,
APASTANPA, KATvayanA heißen, einen vergleichenden, sehr eingehenden
*
Auszug höchst planvoll und durchsichtig zusammengestellt, 3) mit fortlaufendem Kommentar versehen und sein Urteil über das Alter und die
_
|
i
ct
Birk veröffentlicht das Apasrawsa-Sulba-Sutra vollständig in Übersetzung,°) führt die innerlichen Gründe THimaurs weiter aus und fügt
2) The Pandit, a monthly journal of the Bonares college devoted to
Sanskrit litorature (Benares), 9-10, 1875.
3) Journal of the asiatic society of Bengal (Calcutta), 44:1, 1875.
4) vox Semmouvxn, Prrrauorss und die Inder (Leipzig 1884).
5) a. a. 0, 56.
Gültigkeit dieser Sätze haben die Inder besessen?
Waren es empirische ~
Regeln, von deren Gründen und deren Gültigkeitsbereich
man keine
Kenntnis besitzt, oder offenbart sich in ihnen ein auf Gründen der Ansehauung oder des Denkens beruhendes, den Umfang der Gültigkeit nach
o.
1) Armenr Bîrk, Das Arisra
SulbaursSutra; Zeitschrift der Deutschen
Morgenlándischen Gesellschaft 55, 1901, S. 543—591; 56, 1902, S. 327--391
a
Aber vertiefen wir die Frage: Welchen.Grad von Einsicht in die
Weder Tamsatr noch der viel weiter gehende von ScuroEDER4)
erst BURK beschieden.
è
zu bejahen.
Selbständigkeit der Geometrie der Inder aus inneren Gründen hergeleitet.
drangen mit ihren Ansichten durch: den Umschwung herbeizuführen war
hervor.“
Wer diese beiden Sütze liest, wird nicht anstehen, die obige Frage :
a
+SPEO
\
LÌ
dem Umfange der Erkenntnisgründe abgrenzendes Wissen?
Satz 2 ist selbst ein Einzelfull.
Er ist vollständig erkennbar aus
einer Figur wie der bekannten aus dem PLarToxisehen Dialog Afrxex, wa
4 (Juadrate zu einem großen Quadrate zusammengesehohen sind und in
jedem Einzelquadrat diejenige Diagonale gezogen ist, welche nicht nach
1) a. 0. 0,63
2) Bin, a. a. O., 55, 8. 544, 558, 556, 551.
Seite 2
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)Hetsuicn Vour.
der Mitte der ganzen Figur läuft. Birk macht es durchaus wahrseheinlich,
duB auch für die Inder die Anschauung dieser F igur ohne logische De-
Interesse zu erklären ist, daß sie die schmäleren Gnonomen für 6, 8, 10;
duktion die volle Einsicht in die Bezichung zwischen Quadrat über der
DaB die Inder nicht noch andere, tiefer gehende Begriindungen
für ihren Rechteckssatz besaßen, scheint mir zweifellos aus Baranarana-
10, 24, 25; 9, 12, 15, 16, 30, 34 übersahen.
Seite und Quadrat tiber der Diagonnle geliefert hat.
Bedenkt man, was HANKEL, THinavt und Birk überzeugend betonen
Sulba-Sutra!) hervorzugehen. BAUDHAYANA, der von den drei Sutraverfassern am meisten Sinn für Begründung hat, der ungenaue, von den
andern überlieferte Methoden nicht hat und sennue Methoden bevorzugt,
und was ein Blick in die Sulbasutren bestätigt, „das Vorwiegen der or
mittelbaren Anschauung in der Entwickelung der Geometrie der Inder,
welches einen so merkwürdigen Gegensatz bildet gegen die durch Begriffe
der somit wohl am meisten mathematisch von den Dreien denkt, und den
Tıupaur?) nennt ,entitled to the first place by a clearer and more extensive treatment of the topics in question“, fügt allein von thnen an den
Rechteckssatz die Bemerkung: „This is seen in those oblongs the sides
of which are three and four, twelve and five, fifteen and eight, seven and
twenty-four, twelve and thirty-five, fifteen and thirty-six.“
- Cantor’) nennt dies „den Pythagoreischen Lehrsatz, erläutert an
Zahlenbeispielen“. Dem Wortlaut nach ist es mehr als eine „Erläuterung“;
es ist, wenn man auch nach Birk in den Sulhasutren einen Beweis nicht
suchen darf,4) eben das, was Ravbilarana als Beweis" für den vorantvermittelte Konstruktion der Sätze bei den Griechen“; ') nimmt man
hinzu
daß die Sulbasutren und die ihnen dienende Geometrie rein srl
Zwecke verfolgen, so wird man die Gedankengänge, die zur Auffindung
des Satzes vom Quadrat über der Rechtecksdiagonale geführt haben, sich
ganz empirisch und anschaulich denken müssen.
Es dürfte deshalb der
Birksche Rekonstruktionsversuch, welcher in ausgiebiger Weise dus Umlegen von Gnomonen um ein vorhandenes Quadrat mit ganzzahliger Seite
benutzt, auf allgemeine Zustimmung rechnen.?)
So können die Tudor in
Verbindung init der vorher erkannten Eigenschaft der Quadratdiasonale
und der vielleicht schon vorher bekannten Rechtwinkligkeit des Prrelenks
gehenden Lehrsatz zu gehen hat.
Das ist anch die Auffassung Tua!rs Im Anschluß «n die Parallelstelle APASTAMBAS: „So many coymizalie measurements of the vedi (Altar)
exist“,5) sagt er:5} „In this manner Aiasrampa turns the Pythagorean
3. 4, 5 empirisch auf einen Zusammenhang zwischen der Rechiwinkligkeit
gewisser
ganzzahliger Dreiecke
und
der Tatsache
gekommen
sein,
daß
gerade in diesen Dreiecken das Quadrat über einer Seite gleich
der Summe
Diagonale 39 gehen will, ein systematisches Verfahren im ganzen nicht 8,
triangles known to him to a practical use, but after all BAUDHAYANA'S
way of mentioning these triangles as proving his proposition about the
diagonal of an oblong is more judicious. It was no practical want which
could have given the impulse to such a research — for right angles could
be drawn as soon as one of the „vijneva“?) oblongs (for instance that
of 3, 4, 5) was known — but the want of some proof which might
establisha firm conviction of the truth of the proposition“ __ —
gegebenen noch 6, 8, 10; 9, 12, 15; 10, 24, 26; 20, 21, 29; 18, 24, 30:
(auf einige mehr oder weniger kommt es nicht an) hat die indische Bemetrischen und abzáhlenden Methode ist Vollständigkeit keineswegs
verhinaus führen können.
leuchend, daB
Rechteckesutz trennen, in dem er bei allgemeiner Auffassung doch enthalten
ist, hat wohl seine Urenche darin, daß die Erkenntuisgriinde für beide
Siitze gunz verschieden waren, daß also für den Rechteckssatz kein allssemeiner Auschauungsbeweis vorlag wie für den Quadratsatz.
der Quadrate über den beiden andern ist.
m aes 8
In den Sulbasutren finden sich
solche Dreiecks- resp. Rechteckszahlen angeführt, nämlich
= iM si 4 13; 8, 15, 17; 12, 16, 20; 7, 24, 25; 15, 20, 25; 12, 35,
Wie wenig systematisch das Auffinden dieser Rechtecke erfolgt ist
läßt sich auch daraus ersehen, daß, wenn man bis zur größten banwiaten
sondern, 15. ganzzahlige Rechtecke liefern würde, nämlich außer den fut.
Wir sehen: Über gewisse Einzelfälle von ganzzahligen Rechtecken’
16, 30, 84; 21, 28, 35. Gerade nach der von Bürk rekonstruierten geotrachtung nicht hinausgeführt und hat ihrer Natur nach nieht darüber
bürgt und Übersehen mancher Fälle wohl möglich. Auch ist sehr ein-
Auch der Umstand, daß die Sutren den Quadratsatz stets von dem
die alten Inder Gnomonen vou der Breite 6 (fiir 18, 24
30), von der Breite 7 (für 21, 28, 35), von der Breite 8 (für 20, 21 29)
nieht erkannten, da sie eben nur bis zur Breite 5 (für 15, 20, 25) ‘fortschritten.
Auffällig dagegen und nur durch unsystematisches Verfahren
und das rein praktische, nicht auf theoretische Vollständigkeit
gerichtete
——__
Tit
D Haxkrr, Zur Geschichte der Mathematik im Alterthum und Mittelalter, S. 220.
2 Bin, a. a. O. 55, $. 560-575. — Canton, a. a, O. 3. 67-69.
a
i Tumacı, Journal $. 24%. — 2. Journal S. 228.
3° Canton, Geschichte der Mathem. 1°, S. 598 (= 1°, $. 544).
4) Binn, a. a. U. 55, 1901, S. 555. — 5) Vergl. Brux, a. a. O, 66, 1902, 8. 841.
6) Journal, $, 288. --- 7) „erkeunbare".
Seite 3
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)Hrumica Vocr.
Nun könnte man meinen, die Inder haben den Rechteckssatz zwar
Der wahre Wert des Pythagoreischen Lehrsatzes bei den Indern ist
der eines an einigen Hinzelfiillen glücklich erratenen Zusammenhanges.
formell allgemein ausgesprochen, inhaltlich aber darunter nur die bekannten
ganzzahligen Fülle begriffen.
Das aber ist bestimmt nicht der Fall. Zwar werden zur Konstruktion
des rechten Winkels nur die ganzzahligen Rechtecke benutzt, aber ApaSTAMPA fügt an die Aufzählung dieser Möglichkeiten die schon oben
zitierte Bemerkung (cap. V, 6) „so viele erkennbare Konstruktionen der
vedi (Altäre) gibt es“, d. h. so viele ganzzahlige Rechtecke sind vorhanden
und können zur Konstruktion rechtwinkliger Altäre benutzt werden. Es
Wenn sie diesen Zusammenhang als allgemein gültig aussprechen und
verwerten, so dürfen wir uns dadurch über die Tragweite ihrer Erkenninie
nicht täuschen lassen: wir erkennen daran nur, daß die alten Inder.
mögen wir ihrem intuitiven Spürsinn mit SCHOPENHAUER, Hanke. und
a4
4
LE
von SCHROEDER jede Bewunderung zollen, doch vom Wesen des geometrischen Denkens und Erkennens sehr weit entfernt waren.
liegt hierin erstens das Eingeständnis, daß der Verfasser mehr ganzzahlige
Rechtecke nicht kennt, und zweitens setzt die Einschränkung der Brauchbarkeit des Rechteckssatzes zu. Konstruktionen auf die „erkennbaren“ Rechtecke die Annahme voraus, daß der Satz auch für „nicht erkennbare“ Rechtecke“, d. h. Rechtecke mit nicht ganzzahligen Seiten und Diagonalen gilt.
Dies findet seine Unterstützung darin, daß der Rechteckssatz ganz
geläufig zur Addition und Subtraktion von Quadraten ohne Rücksicht auf
ihre Seitengrößen benutzt wird, und daß speziell die trikarani, d. h. die
Seite eines Quadrats, welches 3 Flächeneinheiten enthält, hergestellt wird
als Diagonale eines Rechtecks, dessen kürzere Seite die Einheit und dessen
längere Seite die Diagonale des Einheitsquadrates ist.
Also die alten Inder haben den Rechteckssatz ganz allgemein und ohne
>Anmoe
Il.
Haben die alten Inder das Wesen des Irrationalen erkannt; d. h.
haben sie, wenn auch nur an einer Zahl oder einem Verhältnis erkannt,
daß es durch ganze Zahlen und Brüche nicht genau ansgedriickt werden
kann?
Den Weg zur Auffindung des Irrationalen schildert CANTOR folgendermaßen:!) „Die Hypotenuse (des gleichschenklig-rechtwinkligen Dreiecks
mit der Kathete 1) wurde gemessen. Sie war griBer als eme, kleiner als
Die mannigfaltigsten Versuche mögen darauf an
zwei Liingeneinheiten.
gestellt, andere und andere Zahlenwerte für die gleichen Katheten emgesetzt worden sein, um
eine Zahl
für die
Hypotenuse
zu erhalten
Einschränkung ausgesprochen und verwendet; aber ihr Erkenntnisgrund
Vergebens.
ist kein anderer, als daß in einigen ganzzahligen Füllen Rechtwinkligkeit
und Gleichheit zwischen der Quadratsumme der Seiten und dem Quadrat
Also der erste Schritt ist: man erhält Werte, deren Ungenauigkeit man sich
der Diagonale zusammentreffen.
bewußt ist.
Hieraus wird durch unvollständige Induktion geschlossen, daß die Eigenschaft der Quadratsumme stets die
Rechtwinkligkeit zur Folge hat, und umgekehrt.
Man erhielt wahrscheinlich Zahlen, die dem gesuchten Mabe
der Hypotenuse nahe kamen; Niherungswerte von ]2 würden wir sagen.“
Cantor fährt fort: „Aber es war noch ein Riesenschritt, von der
Fruchtlosigkeit der angestellten Versuche auf die aller Versuche überhaupt
Auch die Induktion und selbst die unvollständige Induktion hat ihren
berechtigten Platz in der Geometrie, aber nur als Werkzeug
der Erfindung,
„vermuten“ sagen sollte,
nicht als endgültiger Erkenntnisgrund.
schöpferische Gedanke, durch den die Idee des Irrationalen ins Bewußtsein
Sie kann auf Wahres wie auf
zu schließen“.
Dieser zweite Schritt, in dem man aber statt „schließen“
ist gewiß der größte und der eigentliche
Falsches führen und gibt einer Einsicht keine Notwendigkeit und Allgemeinheit. Das gesteht selbst SCHOPENHAUER zu, der Feind des griechischen
diskursiven Denkens, der Freund der indischen Intuition, der stets antritt.
gerufene Eideshelfer für die Inder gegen die Griechen:!) „Diese letztere
Art der Erkenntnis ist immer nur Induktion, d. h. aus vielen Folgen, die
beschränkte.
zur Erkenntnis des Irrationalen.
auf einen, Grund deuten, wird der Grund als gewiß angenommen; da die
Fälle aber nie vollständig beisammen sein können, so ist die Wahrheit
eines Problems wohl vermuten, aber nicht sicher erkennen lassen.
hier auch nie unbedingt gewiß.
dem Wege des
Diese Art von Wahrheit allein aber hat
alle Erkenntnis durch sinnliche Anschauung und die allermeiste Erfahrung.“
Kreises für unmöglich hielt und sich systematisch auf Näherungswerte
Aber dieser zweite Schritt ist doch noch nicht der letzte
#
Die Fruchtlosigkeit noch so vieler Versuche kann die Uylésbarkeit
geliefert werden.
—
1) Scnoresñaven, Welt als Wille und Vorstellung (Werke 1, Buch 1, $ 15).
Diesen Schritt bat z. B. ARCINMELES getan, indem er auf Grund
der vorangegangenen verfehlten Versuche die genaue Rektifikation des
Probierene kann
Auf
überhaupt kein Unmöglichkeitsbeweis
Für das praktische Messen, welches, wie F. Kirin es
so es
1) Geschichte der Mathematik 1, S. 169 (= 1', S. 154).
Seite 4
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)Hemmon Voor.
glücklich ausdriickt,") dem Bereiche der „Approximationsgeometrie“ angehört, gibt es überhaupt kein Irrationules; denn jedes praktische Messen
kommt mit Erreichung der Gennuigkeitsgrenze zu abgeschlossenen MaBDas Irrationale entspringt erst auf dem Boden der ,Priizisionszahlen.
geometrie“ (wieder nach KLEIN), und der Nachweis der Unmöglichkeit
der Rationalität kann seiner Natur nach nicht anders geführt werden als
durch Abstraktionen: entweder das Messen muß unendlich fortsetzbar
gedacht werden, was es praktisch nicht ist (Schema des größten gemeinschaftlichen Teilers, Kettenbruch-Algorithmus), oder die Annahme der Rationalität muß durch indirekte Schlußweise auf einen Widerspruch mit Zahlenpores geführt werden (Pythagoreischer Nachweis der Irrationalität von
12). )
Dieser Unmiglichkeitsbeweis ist der dritte Schritt; ihn hat für
die Irrationalitit von x erst LAMBERT, für die ‘Tramarcandens erst LINDE-
MANN getan.
|
Wie einfach denkt sich hingegen Bürk die Entdeckung des Irrationalen! Er sagt:*) „Man verglich die Diagonale mit der Seite (des
Quadrats), nannte die Differenz, visesa (Unterschied) und kam nach langen
vergeblichen Versuchen zu der Überzeugung. daß sich eine genane Zahl
für die Diagonale nicht finden lasse.
So begnügte man sich mit einem
Niherungswert, dem savisesa“. Und noch deutlicher:4) „Die Inder haben
im Anschluß an ihren 1. Unterfall (den Quadratsatz) für die dvikarani
=) 2) einen Niherungswert (den savisesa) aufgestellt — offenbar, nachdem
sie zuvor das Irrationale entdeckt hatten“.
|
|
In Wahrheit wird sich die Entdeckung der Irrationalität, etwa der
Diagonale des Quadrats, in den oben entwickelten 8 Schritten vollziehen:
1. Die durch Messen direkt erhaltenen oder daraus abgeleiteten Werte
werden als ungenau erkannt, 2. es taucht die Überzeugung von der Un-
Rao eines ‚genauen Wertes auf, 3. es wird der UnmöglichkeitsWow iedieeee geliefert. Wie weit sind die Inder auf diesem
für ungenau gehalten haben. Ist dies der Fall, so ist noch der Nachweis
des zweiten und dritten Schrittes erforderlich. Sollten sie aher einen
oder den andern Wert für genau gehalten haben, dann ist jede weitere
Untersuchung überflüssig; dann haben sie das Wesen der Irrationulität
bestimmt nicht erkannt.
Alle drei Sutrenverfasser geben für die Länge der Quadratdiagonale
übereinstimmend an: „Man verlängere das Maß um seinen dritten: Teil und
diesen um seinen vierten Teil weniger si dieses vierten Teils.“ Also die
Diagonale = 1 + + + 51 — ciu Seite. Der Überschuß der
Diagonale über die Seite, also die Größe 3 + 5 — Cin heiBt visesha
„Unterschied“; der ganze Ausdruck für die Diagonale heißt savisesha „mil
dem Unterschied“. Der savisesha ist eine sehr gute Annäherung an den
wahren Wert der Diagonale; er ist gleichwertig mit pe dem Sten Nüherungswert der Kettenbruchsentwickelung von 12.
Die Genauigkeit des savisesha-Wertes ist zu groß und seine Form ist
zu eigenartig, als daß er rein empirisch gefunden sein könnte. Den
wahrscheinlichen Weg der Auffindung, der beide Eigenschaften in befriedigender Weise erklärt und nicht über das geometrische Können der
Inder hinansgeht, hat Trav in folgender Weise rekonstruiert: !) Nimmt.
man an, daß die Inder auf irgend einem Wege bemerkt hatten, dab in
einem Quadrat mit der Seite 12 sich die Summe der beiden Seitenquadrate
144 + 144 = 288 d.h. das Quadrat der Diagonale nur um eine Einheit
von 289, dem Quadrat von 17, unterscheidet, daß also die Diagonale annähernd = 17 ist,2) so lag es nahe, sich die Frage vorzulegen, um
welche Größe die 17 zu verkleinern sei, damit das (Quadrat liber dieser
verkleinerten Strecke genau = 288, also um. 1 Einheit kleiner-als 289
werde Will man das Quadrat 17? = 289 nach indischer Weise um
einen Gnomon = 1 verkleinern, so muß man diesem Gnomon ‚die Breite
3 geben; denn cin solcher Gnomon besteht nahezu aus zwei Rechtecken,
Wir müssen uns vor allem hüten, unser Wissen um die Irrationalität
rückwärts auf die Inder zu übertragen: Finden wir bei den Indern Werte
für die Quadratdisgonale , die wir heute Näherungswerte nennen, so bejedes von der Fläche 17 x 51 = y Wan wird also für das Quadrat mit
falls als Niherungswerte einer nicht genau ausdrückbaren
erhalten, welche Größe, auf die Einheit als Seite reduziert, nichts anderes
haben.
ist als der savisesha | + + + $1 u: ; 84
rechtigt uns das keineswegs zu der Annahme, daß sie diese Werte ebenGröße erkannt
Wir haben zunächst zu untersuchen, ob sie diese Werte überhaup
t
der Seite 12 die gesnchte DiagonalgróBe 17 — si = 12! +4+1— si
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ntegralrechnung auf Geometrie,
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,
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3 Cawron, Geschichte der Mathematik 12, S. 170 (= 11, 8 155).
S) a
2. 0. 55, S. 557, Anm. 1. — 4) a. a. 0. 55, S. 575,
Anm. 1.
o.
—
1) Tumavt,
Journal, S. 289—241.
:
2: Vergl. die dpr) didareeos der Griechen: Fu. Hurrsen, Biblioth. Matbem.
1,, 1900, S. 8—12.
Seite 5
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)Hewmcu Voar.
beiden Reehtecke Waren die MeBmethoden und die Denkart der alten
Inder so wenig scharf, daß sie diesen Unterschied gäuzlich übersehen und
den gefundenen savisesha-Wert für genau halten konnten?
Wir müssen unterscheiden: Wenn wirklich, was wahrscheinlich, aber
Haben die Sutrenverfasser den savisesha für einen genuuen oder einen
ungeunuen Wert der Diagonale gehalten?
Eine direkte Andeutung, daß savisesha in anderem Sinne ein Zuhlenwert sei wie andere bestimmte Werte, findet sich in keiner der 3 Sutren,
So stehen bei APASTAMBA vollständig gleichberechtigt, ohne Andeutung
eines Giiltigkeitsunterschiedes hintereinander die Sätze (I, 5 und 6):
„Die Diagonale
eines Quadrats bringt eine doppelt so große Fläche
Das Quadrat dvikarani ‘die das doppelte hervorbringende.’“
hervor.
Und „man verlängere das Maß um seinen dritten Teil und diesen um
seinen vierten Teil, weniger x dieses Teils. savisesha ‘mit dem Unterschied’“.
Woran will man erkennen, daB der erste Satz eine absolute Wahrheit,
der zweite eine bewußte Annäherung ausdriickt?
Ja, wenn man für die Differenz zwischen Diagonale und Seite ein
eigenes technisches Wort visesha, „Unterschied“, und für die um diese
Differenz vergrößerte Seite ein zweites savisesha, „mit dem Unterschied“,
prägte, so deutet dies wohl positiv auf das Bewußtsein einer genauen Erkenntnis hin.
Wie
sollte man eine ungenaue Hinzufügung, deren Ersetzbarkeit durch eine bessere man sich bewußt wäre, durch einen eigenen
Namen fixieren?
pradesa in
Weiter: Nach Baupwarana!) wird
12 anguli (Fingerbreiten)
geteilt,
die Längeneinheil
1 anguli aber in 8 yaasy
(Gerstenkörner) oder auch in 84 tilas (Sesamkórner).?) Von dieser letzteren
Teilung sagt TumauT:*) „» have no doubt that the second division which
U have not elsewhere met, owns its origin to the savisesha“ In der Tat:
ist die Quadratseite 1 pradesa = 12 anguli, so ist die Diagonale nach der
savisesha-Regel = 17 anguli weniger 1 tila = 16 anguli 33 tilas, also mit
‚diesen Maßen ganzzahlig ausdrückbar.
Ist es denkbar, daß man eine so
dauernde Einrichtung, wie die Unterteilung der Maßeinheit und Benennung
der Unterteile mit festen Namen, treffen sollte zu Liebe einer Ausmessung,
die man selbst für ungenau und wandelbar hält?
Man könnte einwerfen: Die oben nach Tumaur gegebene, sehr
wahrscheinliche Herleitung
des savisesha
ist tatsächlich
ungenau;
sie
setzt zwei Rechtecke von der Länge 17 und der Breite di , welche zusammen == 1 sind, gleich dem Gnomon von
der äußeren Seite 17 und
der Breite =, während tatsächlich dieser Gnomon um ein Quadrat von
der Seitenlänge si: also der Fläche sa kleiner ist als die Summe der
—
„rt. CPES
GNAEaRPErRTSI
doch nicht sicher ist, die savisesha-Regel auf dem oben nach Tuma
gekennzeichneten Wege aufgefanden worden ist, so konnte der Entdecker
sehr wohl bemerken, welche Vernachlässigung er beging; denn die genaue Auswertung eines Gnomon lag durchaus im Gesicltskreise ultindiseber
Geometrie und wurde gewohnheitsmäßig ausgeübt.
THpauT sagt:?) „but we must remember that they were interested in
geometrical truths only as far as they were of practical use, and that
they accordingly gave to them the most practical expression“. So trieb
uuch den Entdecker des savisesha gewiß nicht theoretisches, sondern
praktisches Interesse. Praktisch wur die beganzene Y ernach liesigung
siinzlich belanglos; so wurde der savisesha als strenge Tegel überliefert;
oh mit oder ohne Bewußtsein der Abweichung von der fienauigkeit, ist
nicht zu entscheiden.?) Die spüteren Geometer, welche nach dieser Regel
arbeiteten, konnten uach ihrer Denkweise und nach den Genauigkeitsgrenzen ihrer MeBmethoden gar nicht auf den Gedanken kommen, daß hier
eine Regel in anderem Sinne vorliege wie die übrigen Überlieferungen.
Die savisesha-Regel liefert bei einem Quadrat von 10 Meteru Seitenlinge die Diagonale um 5 Millimeter zu groß. Die Inder maBen auf
dem Erdhoden ihre Altäre mit eingeschlägenen I'Hicken und daran gespunnten Seilen aus; schwerlich dürfte diese Methode eine größere Genuuigkeit als allenfalls Zentimeter verbürgen. Wie sollten in ihnen
Yweifel an der Genanigkeit des suvisesha aufsteigen, deren theoretischer
|
Fehler. weit unterhalb der Grenzen ihrer Genanigkeit blieb?
Nur wenige ihrer Regeln, z. B. der Satz von der liagonale des
Quadrats, der Satz (a + 0)? = a? + 2ah + 5%, der Gnomonsatz, das
Senkrechteerrichten durch 2 gleichschenklige Dreiecke hatten einen allgemein
auschaulichen Charakter; die allermeisten, z B. wie oben nachgewiesen,
der Satz von der Diagonale des Rechtecks beruhten auf Ausmesenng in
Einzelfällen und wurden für allgemein gültig gehalten, wenn die Messung
keinen Fehler erkennen ließ. Warum sollten sie fiber suvisesha anders
denken? Wir können nicht erwarten, daß sie die fiennuigkeit dieser
Regel ausdrücklich versichern, wenn sie gar keinen (irund hatten, an ihr
zu zweifeln.
mo
y
1) a. a. O,, $. 282.
1) Tumavr, Journal, 8, 241. — 2) Pandit 9, 8. 293.
3) a. n. O., 8, 241.
2) Verrl. die unten (S. 17) zitierte Bemerkung Bünks zu der ungenaueu Ver:
grüßerung des 7'/, fachen Altara.
Seite 6
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)Hewrrcn Voor.
0,047 Quadrateinheiten, also wiederum viel mehr als der Fehler des savi-
Sehen wir an einigen Boispielen zu, was fiir Regeln die alten Inder
ir genau halten konnten! Apastamba gibt cap. Ill, 1 die Vorschrift:
„Wünscht man ein Quadrat in ein Rechteck zu verwandeln, so mache
man eine Seite so lang, wie man das Rechteck wünscht. Darauf füge
man den Rest hinzu, wie es paBt.“
seshu.
Bürk bemerkt!) hierzu: „Die Frage, wie groß der Inhalt eines
vergrößerten agni (Altars) genau, d. h. alles — auch jene Verlängerungen —
eingerechnet sei, hat unsern Sutra-Verfasser nicht beschäftigt“.
Bei dem Vorhandensein aller dieser groben Vernachlässigungen scheint
es mir unmöglich, den alten Indern und speziell den Sutraverfassern gerade
gegen den savisesha eine ganz unerhörte Feinfühligkeit zuzutrauen.
Alle drei Sutrenverfasser verwandeln ein (Quadrat in einen Kreis,
indem sie um den Mittelpunkt einen Kreis schlagen, welcher zum Radius
die halbe Seite hat, vermehrt um 4 der Differenz zwischen der halben
Diagonale und der halben Seite; also r — $ + È V2. Apasramna (III, 2)
Doch ist nicht zu übersehen, dub die drei Sutrenverfasser sich ungenauen Konstruktionen gegenüber recht verschieden verhalten: besonders
tritt der Unterschied zwischen BAUDIIAYANA und ÁPASTAMBA auch hierin
fügst dieser Regel, welche nicht schlecht, aber doch viel ungenauer als
hervor.?)
die savisesha-Regel ist (es wird x == 3,09 gesetzt), die Versicherung der
Genauigkeit bei: „Diese“ (Schnur) „gibt einen Kreis, genau. Soviel als“
BaupHAyANA vermehrt den 7}fachen Altar um 1 Einheit richtig
mit voller Wahrung der Gestalt; indem er nämlich jedes der 7 Quadrate
„hinzu“,
tlichengleichen Quadrats 4# des Kreisdurchmessers an.
sichert wiederum
für diese
APASTAMBA ver-
Quadratur (es ist 7 = 3 gesetzt!)
die
Genanigkeit (III, 3): „Die“ (Schnur) „gibt ein Quadrat, genau“ (so groß wie
der Kreis).
Eine Hauptform der indischen Altäre ist der falkenférmige oder sogenannte siebenfache: Er besteht aus 7 ganzen Quadraten, von denen 4,
zu
einem
größeren
Quadrat zusammengefügt,
den
Körper des Fulken
bilden, je ein Quadrat einen Flügel und den Schwanz; jeder Flügel aber
ist um + Längeneinheit, der Schwanz um +y Längeneinheit verlängert, so
daß zu den 7 ganzen Qnadraten noch 2 Fünftel und 1 Zehntel Einheitsquadrat, im ganzen also 4 Quadrat hinzukommt, und der ganze Altar
74 Quadrateinheiten enthält.
Es ist nun eine Fundamentalaufgabe, diesen
Altar um 1 Quadrateinbeit zu vergrößern, ohne seine Gestalt zu verändern.
Asasraupa-Sulba-Sutra III, 6: „Was beim $fachen . . . von es 7fachen
verschieden ist, teile man in 7 Teile und lasse in PE purusa“(Quadrateinbeit des 7fachen Altars) ,1 Teil eingehen, weil eine Veränderung der
Gestalt” nicht schriftgemäß wäre“.
Also
es wird
die hinzuzufügende
Quadrateinheitin 7 gleiche Teile geteilt und neue Quadrate gebildet, von
denen jedes 14 Einheiten enthält. 7 solche neue Quadrate bilden den
Körper, den Stamm der Flügel und des Schwanzes für den neuen Falkenaltar und enthalten somit 8 Quadrateinheiten. Die Verlängerungen der
Flügel und des Schwanzes aber bekamen die alte Breite von } und y),
ursprünglichen Längeneinheiten.
So hleibt trotz der kultischen Vorschrift
praktisch weder die Gestalt des Falkenaltars unverändert, noch ist die
FlichengróBe genau 84 Quadrateinheiten. Die Vernachlässigung betriigt
:
in Körper, Flügeln und Selen um Finheitsquadrat vergrößert und
(an den Ecken) „verloren geht, kommt“ (an den Seiten des Quadrats)
Alle 3 Sutrenverfasser geben als Seite eines einem gegebenen Kreise
i
aAtis
Age
auf diese Weise J, der Vermehrung für die Verlängerunsen von Flügeln
und Schwanz übrig behält.)
Einen. ganz besomieren Beweis seines
kritischen Geistes gibt er, indem er die zur (¿uadrator des Kreises verwendeter 42 des Durchmessers. deren Geuatigkeit Abasiawne
Sersicher:
„the gross side of the square“ nenmi:ti vine hrivk. die i den Sulbasutren wohl einzig dastehen diirfte. Er allem gt! vu Gegensitz zu dieser
als „grob“ erkannten Quadratur des Kreises «ine genauere (uadratseite au
1
1
staz — 5 Y wi des
Durchmessers.
Wie THiBacr
überzeugend nachweist,%) ist diese Formel die Umkehrung der in allen
3 Sulbasutren enthaltenen, oben®) angegebenen Regel für Verwandlung
des Quadrats in einen Kreis; und zwar hat BAUuDHAYANA für diese Umkehrung, welche nicht anders als rechneris«h gemacht werden. konnte,
nach Fan zum Ausdruck der Quadratdiagonale. die aren team:
benutzt.
BAUDHAYANA benutzt den savisesha allein zu diesem Zeck: die
anderen Sutrenverfasser zur Herstellung von rechten Winkeln und
Quadraten, die Kommentatoren zur Berechnung von Diagonalen, ,wo
immer Diagonalen in Frage kommen“.
Verwendung des savisesha vom
Wenn TinwatT diese ausgedohntere
Standpunkt der Genanigkeit verwirft,7)
„this proceeding however, is not only useless, but positively wrong, us in
all such eases caleulation cannot vie in accuracy with geometrical construction“, so ist dem entgegenzuhalten, daß dic mit suvisesha berechnete
1) a. a. 0 55, S. 357. — 2) Vergl. $. 9. -- 3) Pandit 10, 73.
4) Pandit 10, 21; Journal, $. 254. — 5, Journal, N. 253, 254.
6) S. 16. — 7) Journal, $. 241.
Bibliotheca Matbematica. 111. Folge. VII.
Seite 7
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)Henricn Voor.
Diugonale nur um 35555 größer ist als die genaue, und der mit savisesha
an die erste Stelle sagt vox SCHROEDER:!) „Dies ist wiederum von
sekunden übertrifft. Diese durch die Rechnung verschuldeten Ü berschiisse
höchstem Interesse, denn es tritt uns hier in den Culvasttras deutlich das
Irrationale entgegen“.
18
hergestellte rechte Winkel einen genauen rechten Winkel nur um 3; Bogensind weit kleiner als die unvermeidlichen Ausführungsfehler; ihr Vorhanden-
Die CaNTOR-SCHROEDERsche Beweisführung ist nicht stichhaltig; ihr
sein wäre weder zu BAUDMAYANAS Zeit noch heute mit $iifarbrnenion
Fehler liegt darin, daß Cantor und von SCHROEDER nicht zwischen dem
Gebrauche der Worte dvikarani usw. in den Sulbasulren und in der
festzustellen. Der Grund für den sparsamen (Gebrauch des savisesha bei
BAUDITAYANA kann also nicht der von THIBAUT vermutete sein. Vielleicht
ist es der, daB die savisesha-Formel gerade zu dem Zwecke ersonnen ist,
späteren indischen mathematischen Literatur unterscheiden. Diese Verwechslung ist um so auffülliger, als ThimauT, der Gewiihrsmann beider,
die Notwendigkeit dieser Unterscheidung sehr klar und überzeugend darlegt.
zu dem BAUDHAYANA sie unentbehrlich findet, nämlich zur Umrechnung
der Zirkulatur des Quadrats in die Quadratur des Zirkels, und daß man
Die Sulbasutren gehen fast ausschließlich konstruierend und messend,
nicht rechnend vor: „Nothing in the sutras would justify the assumption
erst später darauf verfallen ist, sie auch anderen Zwecken dieastbar zu
machen. Es wäre dies eine Stütze der aus philologischen Griinden gemachten Annahme, daß BAUDHAYANA älter sei als APASTAMBA.!)
BAUDHAYANA würde damit der Erfindung der savisesha-Regel nüher
gerückt werden als die anderen Sutrenverfasser Sollte er aber, was nicht
unmöglich genannt werden kann, selbst der Erfinder der Regel sein, ja,
that they were expert in long caleulations“.?) Dadureh unterscheiden sie
sich vollständig von den späteren, 1000 his 1500 Jahre jüngeren indischen
Mathematikern, auch von ihren Kommentatoren, welehe durchaus arithmetisch denken nnd sich bemühen, die alten geometrischen Wahrheiten,
um sie sich und ihren Zeitgenossen verständlich und interessant zu
machen, ins Arithmetische zu übersetzen. „A geometrical truth interests
the later Indian mathematicians but in so far as it furnishes them with
sollte er sogar ihre Ungenauigkeit erkannt haben, wogegen allerdings die
werade bei ihm sich findende Teilung der Längeneinheit in 34 Unterteile
spricht, so hätte er zwar den ersten Schritt zur Entdeckung des Irrationalen getan; ihm aber auch den zweiten und dritten zuzuirauen, dafür
convenient examples for their arithmetical and algebraic rules; purely
geometrical constructions, as the samisa and nirhára (Addition und Subtraktion} of squares, described in the Sulvasutras, find no place in their
writings.“?)
liegt keine Spur einer Andeutung vor. Den anderen Sutrenverfassern aber
dürfen wir aus der Häufung der oben dargelegten Gründe das Bewußtsein
von der Ungenauigkeit des savisesha bestimmt absprechen.
Ihnen ist nicht
Bei Bıraskara (im 12. Jahrhundert n. Chr.) heißt der spezielle Pythagoreische Lehrsatz: „Die Quadratwurze] der Quadratsumme der Seiten
einmal jener erste Schritt gegliickt. —
Die Rolle eines handgreiflichen Beweises für die Bekanntschaft der
alten Inder mit dem Irrationalen haben im letzten Vierteljahrhundert die
ist die Diugonule”.
eines Quadratz bringt eine doppelt so groBe Fläche hervor“. (Die Diagonale)
„des Quadrats” (heißt darum seine) ,dvikarani, die das doppelte Hervor-
Worte dvikarani, trikarani usw. gespielt.
CANTOR sagt von den Sulbasuiren:*) „Die Auffindung der Seite eines
bringende” . - Das:
2, 3, 10, 40mal so großen Quadrate, als ein gegebenes ist, geschieht durch
allmähliche , sich wiederholende Anwendung des pythagoreischen Lehrtrikarani = Y3, dagakarani = Y10, catvaringakarani
= 40 usw“. 8. 581
(527) heißt es allgemein, ohne Beziehung auf die Sulbasutren: „Über die
Potenzbezeichnung hinaus hat sich aber der Inder auch noch zu einer
Bezeichnung der irrationalen Quadratwurzel
einer Zahl mit Hilfe des
Wortes karana, geschrieben ka, emporzuschwingen gewußt“.
Im Anschluß
ist -der- rein -geometrische- Ausdruck - derselben;; von :
Bıraskara algebraisch auszedrückten Tatsache: In den Sulbasutren bedeutet
dvikarani nicht 12, sondern dvikarani ist die yeometrisch konstruierte,
satzes... Dabei erscheinen Namen für V2, Y3, usw. gebildet durch Zusammepoetrang der Zahlwörter mit dem von uns früher (S. 581, 1. Aufl,
S. 527) erörterten Worte karana (Tumaur, S. 16),*) also FRONT ye,
In den Sulbasutren aber heißt es: „Die Diagonale
à
nicht die durch Messen oder Rechnen hestimmte Seite eines Quadrate mit
der Flüche 2. Jeder Zweifel ist ausgeschlossen durch die bei KATYAYANA
hinzugefügte Erklärung:?) By the expressions: karani, karani of that (of
any square) ete we mean cords. Deshalb ist Tirar ts Ausginandersetzung
unanfechthar:*) „rajja (cord = Seil) is to be supplied to karani“ und
„Ihe side of a square being called its karani, the side of a square of
VO Prrnaconas und die Inder,S. 51. — 2, Tuusact. Journal, $. 288,
1) Büux, a. a. O. 56, $. 552 (Hinweis auf BinLen).
8) Tursasct, Journal, S. 271: elite das Folgende.
2) Geschichte der Mathematik 1°, S. 599 (= 1', 8. 544).
4) Tumatt, Journal, S. 233.
8) Gemeint ist der Abdruck aus Journal of the Asiatic society, 5. 242.
5) a. a. O., à. 238.
Seite 8
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)Heineıcu Voor,
double the size was the ‘dvikarani’, the line producing the double (I
shall for convenience sake often employ the terms „side“ or „line“ instead
of ,cord*): this was therefore the name for the diagonal of a square“.
Gerade weil dvikarani eine im Quadrat durch Konstruktion hergestellte
Linie, ja das von Ecke zu Ecke gespannte Seil selbst war, deswegen
brauchte man zur Unterscheidung für das Maß derselben Linie einen
andern Ausdruck; das eben ist der oben behandelte savisesha.
Wenn nun in der späteren indischen Mathemathik „the word karani
is invariably used to denote a surd or irrational number; as the commentators explain it, that of which when the square-root is to be taken, the
root does not come ont exact“) so hat sich hier im Laufe vieler Jahrhunderte ein Bedeutungswandel vollzogen: Von der konstruiert vorliegenden
Quadratseite ging die Bezeichnung fiber auf die ausgemessene oder herechnete, und mit Verengerung des Begriffs, auf diejenige Maßzahl, welche
nicht in anderen Anwendungen, sondern allein als Maß einer Quadratseite
anftrat, d. h. als irrationale Quadratwurzel. „And“, so schließt TiunatT
seine Abhandlung, „thus we see that the same word which expressed in
later times the highly abstract idea of the surd number, originally denoted
a cord made of reeds which the adhvaryu stretched out between two wooden
poles when he wanted to please the Immortels by the perfectly symmetrical shape of their altar.“
struktion ihrer Altäre.
Mag auch ihr Wissen über das der Ägypter erheblich hinausgegangen sein, so können sie in der Geometrie als Wissenschaft die Lehrer der Griechen ebensowenig gewesen sein, wie die Ägypter:
aus dem sehr einfachen Grunde, daß beide nicht geben konnten, was sie
selbst nicht hatten. Mögen die Griechen stoffliche Anregungen, sozusagen
geometrisches Rohmaterial den Völkern des Orients entlehnt haben; nach
allem, was wir wissen, bleibt es wahr, wenn PROKLUS!) einem Griechen
nachrühmt, daß er „mv xeol aùriv pilocoplav eis oylux xaidelas
élevdéoov petéornoey, üvadev tag doyas avrijs émoxonodpenos xal dbAws
nal voEoms ta Vewoiuura duæpevvouevos", Nicht Orientalen, sondern
Griechen haben diese weltgeschichtliche Leistung vollbraeht; erst bei ihnen
finden wir die Methoden und Theoreme ,des immateriellen, abstrakten
geometrischen Forschens”, die ihnen die ganze vor ihnen und um sie herum
existierende Welt nicht hatte geben können.
Mag der Pythagoreische Lehrsatz als empirische Erfahrung zuerst
von Indern oder Ägyptern aufgestellt sein, oder mögen sich seine Anfänge
im Urwissen der Menschheit verlieren, als wissensehnäliche Tatsache ist
er griechisch ebenso wie die Erkenntnis des Irrationalen.
Wir sind meiner Ansicht nach nicht genau genug unterrichtet, um
PyTHAGORAS
selbst diese Entdeckungen
mit
Sicherheit
zuschreiben zu
künnen;?) aber in seiner Schule sind sie bestimmt gemacht worden.
Das
sehen wir daraus, daß sie zu PLATOS Zeit vorhanden waren und von PLATO
und ARISTOTELES den Pythagoreern zugeschrieben werden. —
I.
Hätten die alten Inder das Wesen des Irrationalen erkannt, so diirfte
man aus diesem einen Grunde trotz mancher entgegenstehender Bedenken
ihrer Geometrie diejenige Abstraktion und Wissenschaftlichkeit nicht absprechen, ohne welche diese. Erkenntnis ganz unmöglich ist.
Mit
dem
Nachweis, daß sie diese Erkenntnis nicht besessen haben; fällt auch diese
Nötigung weg.
Die altindische Geometrie war rein praktisch und empirisch, von Ab-
Wird neuerdings allgemein zugestanden,
daB die Griechen nicht die
_ Lehrmeister der alten Inder gewesen sein können; geht aus meinen Ausführungen hervor, daß die Griechen nicht umgekehrt ihre Geometrie aus
indischer Quelle geschöpft haben können, so bleiben für den Urspr
der Geometrie drei Möglichkeiten.
;
| Die erste spricht Cantor‘aus:*) „Es le di ieGE:Diich ;
in den Zeiten, welche wir als uralte zu bezeichnen pflegen, also rund aus;
straktionen wie der Irrationalzahl weit entfernt; hat sie ja doch auch den
gesprochen jeizt vor drei bis vier Jahrtausenden, schon ein dem ganze
Pythagoreischen Lehrsatz nur an Einzelfällen probierend erkannt und mit
anbjektiver Überzeugung ansgesprochen, aber nicht auf den Rang einer
objektiv begründeten wissenschaftlichen Wahrheit zu erheben vermocht.
ganz
damaligen Kulturgebiete, ulso Vorderasien und Ägypten gemeinsames nicht
unbedeutendes mathematisches
Wissen“
(z. B
das ; rechtwinklige
Dreieck 3, 4, 5) „vorhandan gewesen sein könnte, welches sich je nach
So können die alten Inder in der Geschichte der Mathematik auf keine
der Begabung der einzelnen Völker bald nach der einen, bald nach der
andere Schätzuug Anspruch erheben, als etwa die, welehe bisher seit den
anderen Riehtung weiter entwickelte?“ Zweitens könnte in historischen
Zeiten geometrisches Wissen an verschiedenen, voneinander mungen
Zeiten der Griechen die Ägypter genossen haben.
Zwecke der Feldmessung mancherlei
geometrische
Wie die Ägypter zum
Tatsachen
empirisch
bemerkten1 und ‚praktisch verwendeten,?) so die Inder zum Zweck der Kon-
1) Pre Icasual, 8. 274.
- 2) Bie Zeugnisse bei "caon, Geschichte der Mathematik 1°, 3. 53.
1) Procis Commentaris in Ecm elem. 1. ed Faroe (Leipzig 1873), p. 65.
2) Die älteren Forscher (Zrcen, Haxxet) sind mit Recht hierinuna,
als manche Neueren.
3) Castor, Arch. der Mathem. 83, 1905, 8. 71,
Seite 9
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)Heninicn Voar.
tionale gekann
usÈ w.e 66
Stellen entstanden sein. Diese Vorstellung ist zur Zeit die unbeliebteste,
zumal bei den Erforschern des alten Orients. Aber ich meine, man hat
doch kein Recht, sie mit WinpiscR und Biirx!) als Glauben an „einen
wunderbaren Fall von priistabilierter Harmonie“ abzuweisen, zumal wenn
fo
ta nie
de Brenaplusieurs
ion dupastheoreme
démonstrat
ae(S.rome
découvertes
850): „Nous ne savons © m a
;
29 :- EOS
Lo
haben, die sie darauf in eigenem Geiste erbauten. Das ist die überlieferte,
nicht erwiesene aber auch nicht widerlegte, Vorstellung, nur daß jetzt die
Inder in Konkurrenz mit den Ägyptern treten.
t werden; der
ihrer cig> entúmlichen Form gerech
rechnerischen Ve e
rein
m
dè = a? +2ar +4? zu eine
Nachtrag.
Durch die Güte des Herrn Herausgebers dieser Zeitschrift werde ich
nach Vollendung meiner Arbeit auf einen sehr beachtenswerten Vordie
empirischen Anfänge der Geometrie, welche auf „intuition simple“ beruhen,
von der ,géométrie propre“ oder „scientifique“.
Erstere findet er bei
mehreren orientalischen. Völkern, ‘besonders bei Indern: und Ägypten; zur
wissenschaftlichen Geometrie sind erst die Griechen vorgeschritten; und
zwar war der entscheidende Schritt die Entdeckung des Irrationalen und
Inkommensurablen (S. 852): ,C'est à eux que se rattache la première
connaissapce de quantités incommensurables que nous rencontrions dans
l'histoire, et cette connaissance a provoqué ensuite les démonstrations
géométriques que nous devons aux Grecs“. Die Inder haben sich zur Idee
des Irrationalen nicht erhoben (S. 851 Ende): „Mais les Indiens ne se
sont sans doute jamais posé la question plus abstraite de savoir s'il était
en vérité absolument impossible de trouver une fraction numérique égule
è y2—1% savisesha haben sie vermutlich für genau gehalten (S. 851
Anfang): „et alors on aura pu regarder ces mesures comme exactes“.
= nn
on.
1) Bing, a. a. ©. 55, S. 575.
.
f den ZEUTHEN
EEE
a
e ae de sita
es27dürfte für die beidenteVersuch
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will diese Formel
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Eine Entscheidung zwischen diesen drei Möglichkeiten dürfte zur Zeit
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wissenschaftlich nicht zu begründen sein.
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erhalten und als Grundlage und Rohmaterial für die Geometrie benutzt
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(S. 816);
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Feldmeßkunst oder der indischen Altarbaukunst auf irgend einem Wege
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2
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“ an
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gebührend würdigt. Endlich könnten die Griechen die Regeln der ägyptischen
‘ Ich freue mich, in wesentlichen Punkten Übereinstimmung mit meinen
:
oben S. 9) sieht ZEUTHEN wie 2
endlich
stimmungen, sondern auch die Unterschiede des Inhalts und der Methoden
Anschauungen
| sieht ma an deden Rechteracken
as
„D
S,
NA
YA
HA
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BA
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rt
Die Wo
wie THIBAU
;
i
man nicht nur die, zum Teil durch den gleichen Stoff bedingten, Übereintrag aufmerksam gemacht, den ZEUTHEN unter dem Titel , Théorème de
Prruacore“; .origine de la géométrie scientifique auf dem zweiten internationalen Kongreß für Philosophie zu Genf September 1904 gehalten hat
(abgedruckt in den Comptes rendus du Congrès, Genève 1904).
+? 23
eo
WpAeLMOoNETlE
it.
agautindamder
bi pid bezu. welebe cie xaon
len alten Indern eine Recheukunst
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en und dem Zeugnis THIH
gemeinen mehr
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Acielikebni
es
her gehommen sem
t wohl nii
mit seinem Herleitungsversuche der W ahrhei