Die Entwicklung der Astronomie bei den Griechen bis Anaxagoras und Empedokles 2

Autor
Sartorius, M.A.
Erschienen in
Zeitschrift fur Philosophie und philosophische Kritik
Jahr
1883
Thema
HISTORY
Sprache
Deutsch
Kategorie
C5 Astronomy
Archivnummer
4211

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Volltext anzeigen29 Seiten

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ABBA ASMA Die Entwiclung der Afironomie bei den Griechen bis Anaragoras und Empedofles, in befonderem Wnfhlug an Theophraft. Bon MN. Sartorins. Zweite Hälfte. 5. Heraftit. Wir find in ben Abfchnitten 2—4 den Epuren aftronomifder Boríchung bei ben drei erfien Generationen ber jonifdyen Whyfiologie nachgegangen. Go fnapp und dürftig auch die Nadys richten und überliefert find, fo genügten fie doch, um und einen alígemeinen Ueberbli über die Entwidlung zu bilden. erfannten einen fletigen Fortfdritt, daß gwifden ber Zeit, Wir und wenn wir bebenfen, ta Thales wohl nod) die homerifche Weltanfiht vorfand, und ben weitreichenden Kenntniffen eines Unagimene8, weldje viefe in den Stank fegten, bereits Liber bie großartigen und beftedienten Hypotheien feined Lehrers ein Urtheil qu fallen, nur ungefähr ein Sabrhuntert liegt (die ganze Cvode umfaßt etwa das 6. Jahrhuntert v. Chr.), fo fann es nicht fehlen, tag wir nicht ten eiftungen jener Männer unjere ungetheilte Bewunderung zolfen joliten. Um fo mehr überrafcht ter Almjchlag, eintreten fehen. Poyfiotogic, Kegel welchen wir jegt Man pflegt an Die drei Häupter der jonifchen mit weichen wir und oben beichäftigten, in ber ten Gphelier Heraftit anzuidiliefien, cine Reihenfolge, welde wir hier auch beibehalten wollen, ba ja fowohl räumlich è Milet und Ephefus cinanter benachhart fine als aud) zeitlidy Heraflit hinter Anagimened unmittelbar Folgt: feine Blütheseit if am wahricheinlicyften um 500 anzufegen. Gbenjo in ber hylogoiftifden Art, die Natur gu erflären, Reht er ten Grüberen Beltidye. f. Phllel. u. pbiL Aritit, ss. Band, 1 vel Let pena Kt FOR Par SIATE Pri loGo PASOE, Kit ue RI Pos a

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Griechen bis Anaxagoras und Empedotles, in befonderem Anfchluf an Theophraft, Bon NM. Sartorius. Zweite Hälfte. 5. Heraflit. Mir find in den Abfchnitten 2—4 den Spuren aftronomifher Sorfdung bei den drei erften Generationen ber jonifchen Phyfios logie nachgegangen. So fnapp und dürftig aud die Nad)s richten und überliefert find, fo genügten fte doch, um uns einen allgemeinen Ueberblif über die Entwidlung zu bilden, erfannten einen fletigen Bortfchritt, daß zwifchen ber Zeit, Wir und wenn wir bebenfen, ba Thales wohl nod die Komerifche MWeltanfiht vorfand, und den weitreichenden Renntniffen eines Anarimened, welde diefen in ben Stand fegten, bereitö über die großartigen und beftechenden Hypothefen feines Lehrers ein Urtheil zu fallen, nur ungefähr ein Jahrhundert liegt (die ganze Epoche umfaßt etwa das 6. Jahrhundert v. Ebr.), fo fann es nicht fehlen, baß wir nicht den Leiftungen jener Männer unfere ungetheilte Bewunderung zollen follten. Um fo mehr überraft der Umfdlag, eintreten feben. Phyfiologie, Regel welchen wir jebt Dan pflegt an die drei Häupter der fonifchen mit welchen wir und oben befchäftigten, in der den Ephefter Heraflit anzufchließen, eine Reihenfolge, welche wir bier aud) beibehalten wollen, ba ja fomobl räumlich Milet und Ephefus einander benachbart find als aud zeitlich Heraflit hinter Anarimened unmittelbar folgt: feine Blüthezeit it am wabrfdeintidften um 500 anzufegen, Ebenfo in ber bylogoiftifchen Art, bie Natur zu erklären, fleht er ben Brüßeren Beitiär. Shilo. u. vpi Sritit, ss. Band, RO I LE

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nabe. Grade auf unferm Gebiete aber werden mir zugleid aud) den durdygreifenden Unterfchieb, in welchem er fic) gegen jene befindet, ftarf bervortreten feben, Aus bem Urftoffe, fo lehrte Heraflit, bildet fid wie in einem gewaltigen SKreislaufe binge. Auf dem Wege nad) unten geht bas Feuer in Luft, die Manidfaltigfeit ber Einzelbiefe in Waffer, biefes in Erde über; dann febrt der Stoff auf bem Wege nad oben aus der Geftalt der Erde fiufenmeife in ben Zuftand bes Waffers, dann der Luft, aulebt bes Feuers zurüd (Diog. L. IX, 9. Aet. I, 3, 11). Das AU ift daher in fi abgefchloffen, begrenzt, die Welt ift eine (Diog. L. IX, 8. Aet. II, 1). Die Erde befindet fid zu unterft, da hier der Weg abwärts fid nad aufwärts aurüdmenbets wie fie im Uebrigen vorgeftellt werden müffe, ließ er unentfchiedben (Diog. L. IX, 11), und aud über die Befhaffenbeit des umfaffenden Sirmaments enthielt er fich jeder beftimmten Behauptung.*) Aus der Erde erheben fidi Dünfte und ebenfo aus dem Waffer; jene find bunfel und bes wirken burd ihr Mebergewicht Nadt und Winter; biefe, von glangender Natur, haben am Tage und im Sommer bie Obers hand (Diog. L. IX, 9). Von ben legteren nährt fi audy das Feuer bie Himmelsfirper dachte fidi ber Oeftirne; nämlich Heraflit als boble Schalen, in deren uns zugefehrter Vertiefung fit die leuchtenden Dünfte anfammeln.**) Am weiteften ent: fernt find bie Sterne, weshalb fte weder belles Licht noch Wärme verbreiten; in größerer Nähe, aber noch in der reinen Luft be: findet fic) bereit8 bie tribe Utmofphare über der Erde (Diog. L. IX, 10, bie Sonne; bes Mondes Licht fchmäcdht *) Diog. L. IX, 9: zo Sè mepiéyov ¿noiór dorev, ov Önloi. dagegen Dem fcheint Aet, 11, 11 Zapuertôns, Hoaxkeıro; .. mugevoy slvas tov ovgavoy zu wider: fprechen. Doc tft múgsvos wohl nur in dem Sinne zu veriteben, daß aud der Himmel aus Feuer fich gebildet babe, vgl. Clemens strom. V, 599 D: dvrauss yao Abyss, Sts mig ... dé dépos teénetae elg vyeor .., de dè Tovtov audıs ylveras y} xa) ovpavòs xal tà dunspusyoueva,, ##) Diog. L. IX, 9. Aet. IT, 13 dagegen nennt bie heraklitifchen Seftirne zulnuara muods, eine Abweichung, die fich jedoch aus den Notizen über die Befbaffenbeit von Sonne und Mond wohl hinreichend forrigirt.

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val. Hippol. I, 4). Mondes fowie 3 Die Verfinfterungen der Sonne und bes die Phafen bes .legteren entftehen burd Wms brebung refp. allmähliches Umwenden der Schale, fobaf und die dunkle Seite augefebrt wird. *) Die Sonne und ebenfo wohl aud der Mond und die Planeten ändern ihre Bahn, weil nicht biefelben Streden auf bie Dauer vermögend find, ihnen ihre Nahrung zu gewähren (Aristot. meteor. II, 2. 355a 1). Man fühlt fogleich, daß zwifchen Heraflit und den Früheren ein fcharfer Kontraft befteht. banad geftrebt, Diefe hatten mit allen Kräften bie Natur, befonder8 aber ben Bau bes Melts als zu erforfchen; ihr Ziel war es, auf diefem Gebiete zu feften Borftellungen zu gelangen, und fo zeigten uns felbft nod) bie furzen Nachrichten, bie wir überfommen haben, eine beftimmte, flare Sefammtauffaffung, ein deutliches Bild. Heraflit. Diogened Laertiu8 bemerkt, Ganz anders daß berfelbe die Ent: ftehung der Dinge aus bem Feuer durch Verdichtung und Vers dúnnung in feiner Weife (Diog. L. IX, 8). beftimmt auseinander gefegt habe Zmei andere Galle, wo er denfelben Mangel ríigt, haben wir bereits erwähnt. (Es fann alfo nicht auffallen, wenn wir aud) über bad Verbleiben der Sonne (und der andern Geftirne) nad ihrem Untergange im Weften nicht weiter unters richtet werden. **) Ueberbaupt ift es demnach wohl nicht zweifels haft, daß Heraflit dad Weltgebaude im Einzelnen gar nicht ers *) Weber die Sonne Aet. 11, 22 und 24. Diog. L. IX, 10; über den Mond Aet. 11, 27 und 28. Diog. L. a.a.D. Teichmüller (neue Stud. 11, 224 ff.) weift die Annahme eigentliher Kähne und dtefe Verwendung berfelben zu einer mechanifhen Erklärung für die Geftalt der Sonne und des Mondes und für ihre Berfinflerungen zurüd; er flebt in den Gagen nur eine theofogifche Metapher, welche Heraklit aus Aegypten entlebnt babe. Sicher und ausgemacht ift died jedenfalls nicht. **) Diog. L. IX, 11. Dem gegenüber finden wir beftimmte Auslaffungen bet Plato de rep. VI, 498 A, Alexand. 3. d. St. S. 93, Procl. in Tim. 334D und schol. ad Plat. remp. VI, 498 A, von denen indeß Die erfteren der letsteren widerfprechen. Am Ende tónnte alfo der Verfud) Zeller’s (Bd. 1°, 622 Anm. 2), beides zu verfnüpfen, überflüffig feyn und Diogenes mit feiner Nachricht Recht haben.

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forfdjen wollte. Ganzen, gegen Gr entwidelt und nur feine Auffaffung des eingebenbere. Unterfuchungen richtete Orundfaß: zoAvuadin voov où didaoxe. fi fein Signififant ift in biefem Sinne fein Wort: „Die Sonne ift fo groß, als wir fie feben”, beffen Bedeutung noch Hlarer wird, wenn wir ed ume febren: „wir feben ja, wie groß bie Sonne ift”, — wozu alfo, fónnen wir ergänzen, bebarf ed weiterer Meffung ? *) Das Hauptftreben des Heraflit galt nicht der Naturerfennts nif; feine pbhyfttalifdyen Sage haben eine ethifde Tendenz. Ariftoteled folgert aus feiner Auffaffung der Sonne, daß, wie die Flamme nur ber Fontinuirliche. Proceß einer Umivandlung ift, bemnad feinen Augenblid diefelbe bleibt, fo aud bie Sonne nicht an jedem Tage einmal, fondern ununterbrochen fidy erneuere (meteor. II, 2. 355a 9), eine Ronfequenz, von der aud) fdon Andere angemerkt haben, ‚daß fie Heraflit mit Freuten acceptirt haben würde. Gfeihfam wie Serlichter ziehen alfo feine Himmeldförper durch die Luft, brennend, wo fie Nahrung zum Brennen finden. Mit foldyen Borausfepungen ift exakte, pirifhe Wiffenfchaft nicht vereinbar; em: von biefem Standpunt; aus that er aber ganz recht daran, daß er ethifche Mächte, bie Erinnyen, zu Hüterinnen einfegte, damit bie Sonne ihr Maß nicht überfchreite (fragm. 34 Mullach). Wir haben bemnad bei Heraklit weber einen Fortfdritt, nod) aud) nur einen Rüdichritt der aftronomifchen Renntnifle, fondern ein gänzliches, bewußtes Abfpringen von diefem Gebiete zu verzeichnen. **) *) Diog. L. IX, 7. È #2 ¿ore 10 péyedos, 5005 palveras. Rah Aet, II, 21 hätte Heraflit die Breite der Sonne auf einen Fuf angegeben. Könnte diefe Nachricht nicht auf einer mißverftändlichen Auslegung des wahren Wusds fprud8 beruhen? Diels (Doxogr. S. 221) fhließt aus der metrifchen Form (e2 eos modes ayPownedov), daß wir darin ein Fragment aus einer Verfificirung des SHeraklitifchen Gebdantens durch einen Stoifer befigen. „Nam Heracliti sui patroni ut effata in vulgus magis efferrent, versibus illi incluserunt,“ If diefe Bermuthung von Diels ‚richtig, fo wäre damit nur dem Mißverftändniß ein hohes Alter ermiefen. *¥) Ebenfo unumwunden urtbellt über Scrat Teidhmilller, neue Stud. I, S. 4.

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6. Bythagoras, Wir befaßten und bisber lediglich mit den Hauptvertretern ber jonifchen Bhyftologie und führten die Mufterung berfelben ohne Unterbredung in einem Zuge zu Ende. nicht ohne Abfidyt. CS geichah dies Konnte doch manches Einzelne nicht durd unzweifelhafte Zeugniffe belegt werden, und aud) zu freieren Kombinationen mußten wir hin und wieder übergehen. Das Gefammtbilb. ber Aftronomie bei den Soniern follte nun durd) feinen naturgemäßen Totaleindrud aud) für diejenigen Züge bie Bürgichaft übernehmen, welche wir eigenmächtig entwarfen, indem und unfere Gemwährömänner entweder zweifeln und fchwanfen, ober wohl gar im Stich ließen. rreichten wir diefen 3med? Sn biefem Falle wäre einem Thales, Aragimander und Anarimened unfere vollfte Hochadhtung Sortfchritte ausfihrlidy nad. gefichert; wir wiefen ihre Doch dürfen wir und aud einer andern Ginficht nicht verfchließen: im Grunde wird bod bas eigentliche Arbeitsfeld ber Aftronomie von jenen Männern nod) nicht recht intenfiv behandelt, und zwar — wie alébald eine leuchtet — einfach infolge bed Umftandes, nicht recht abgegrenzt war. daß es nod) gar Ueber bie Zahl der Planeten fehlte noch jeder Auffchluß. Halten wir nun daran feft, wie rátbfelbaft erfcheint dann bie pythagoreifde Aftronomie, fo wie fie gewöhnlich dargeftellt wird. Lieft man 3. B. die Ausführungen bei Zeller, Philof. b. Gr. 14, ©. 381 — 398, fo wird Jedermann in bem bafelbft gefchilberten Eyfteme allerdings „einen merkwürdigen Fortfchritt der Sternfunde”, aber zugleich einen völlig überrafchenden und in feinem Werben und Entftehen durchaus unvermittelten, daher in ber Reihenfolge ber Entwidlung unbegreifbaren Fortfdritt erkennen. Wir fehen da plóglid) bie Erde aus dem Centrum des Kosmos herausverfegt, fehen, daß die Planeten nad) ihrer Zahl und ihren Bewegungen befannt find, daß auch {don über ihre Abftande Hypothefen aufgeftellt werden u.f.m. Gemäß bem allgemeinen Stand der aftronomifden Wiffenfdyaft in jenen Zeiten, wie wir ihn eben fennen lernten, müffen wir von vorn-

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herein an ber Richtigkeit folder Ausführungen zweifeln. Wie auffällig jener Bortfchritt fey, geftand fid) auch Zeller felbft ein, und fo erklärt er denn, biefes Gyftem fey daher, fo wie e8 vorliege, bad Werk verfchiedener Männer und Zeiten (a. a. D. S.441); aud fehle eS nicht ganz an Spuren, welde biefen Hergang fenngeihneten; fhen Syftem ale doch fónne man von dem pythagoreieinem Ganzen fpredjen, da wiffenfchaftliden allgemeiner und geichidhtlichen Gründe wegen wenigftends bie Grundgedanken deffelben mit voller Wahrfcheinlicykeit auf Pythagoras felbft zurüczuführen feyen (baf. S, 442, 444), Gentralfeuer und Das die Sphärentheorie fey fon früh von ben Bythagoreern gelehrt worben, wenn aud die Erdbewegung, bie Gegenerbe und die Zehnzahl der freifenden Sphären wabriheins lid) jüngeren Urfprung8 fenen (S. A45 — 446). Was biefe legte Bemerfung anlangt, fo ift die darin angebeutete Scheidung zwifchen Wits und Jungpythagoreifdem an und für fid) nicht glúdlid ausgefallen. Welche Vorftelung follen die früheren PBythagoreer von den fosmifden Erfcheinungen gehabt haben, wenn fie die Erde qué der dem Gentralfeuer zugewiefenen Mitte wegrüdten, ohne ihr gleichwohl eine Bewegung um biefen Mittelpunkt beizulegen? Meberhaupt aber gilt es, die Scheidung nicht nad fubs jeftivem Grmeffen vorzunehmen, fonbern an der Hand unferer Quellen jene Spuren von Berfhiebenbeiten innerhalb der pythas goreifhen Schule fcharf zu firiren und aus ihnen den bat: beftand zu fonftatiren. Bahnbrechend in biefer Hinfiht vors gegangen zu fenn ift das große Verdienft von Th. H. Martin in feinen Abhandlungen: Hypothese astron. de Pythagore, ent: halten im Bulletino di bibliografia e di storia delle scienze matematiche e fisiche, publ. da Roma 1872, ©. 99—126, und: laus, daf. ©. 1927—157, B. Boncompagni, tomo V, Hypothése astron. de Philo- Nad Martin erweift fic) die ältere pythagoreifdye Rosmographie von ber jüngern als grundver(dieden. Daf eine fharfe Scheidung nothwendig fey, ergiebt fic) auch aus den theophrafteifchen Trümmern. $8 wird darin nicht fchlechthin

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von Pythagoras oder ben Pythagoreern in ungetheilter Gefammtbeit gefprochen, fonbern merflid) zwifchen Einzelnen oder eingelnen Gruppen, ‘Bythagorad, Ulfmaon, Hifetas, PBhilolaus, uéy etc. unterfchieden. revés So werben 3. B. bei Aet. III, 1 drei vers fhiebene Anfichten von ‘Bythagoreern über die Milchftraße aufs gezählt. Wir wollen nun verfuden, dem Beifpiele Martin’s folgend die Angaben bei ben Kompilatoren bes Theophraft über die einzelnen halten und pythagoreifhen Kosmographieen bie Spuren der älteren auseinander zu Anfchauung zufammenzuftellen. Pythagoras foll guerft die Benennung xéouos gebraudit haben wegen der in der Welt ausgeprägten Ordnung, und ¿war dachte er fid) den xoauos al8 Einheit (Aet. II, 1). deffelben fey die einer Kugel (Diog. L. VII, 19). Die Geftalt An diefer Kugel unterfdied er mit Thales fünf Zonen (Aet. 11,12). feben wir zugleich) den Fortícritt, Shales hinaus machte. Sept welchen Pythagoras über ES heißt nämlid a.a.D., daß er zuerft die fdyráge Lage bed Thierfreifes erfannt habe.*) Offenbar alfo batte Thale8 nur beobachtet, daß bie beiden Wendetreife die Abweichungen nad) Norden und Süden bin begrenzen. Pythagoras dagegen bemerkte, daß bie Sonne innerhalb diefer Zone am Fixfternbimmel eine fchrägliegende, gefchloffene Kreiós bahn durdjlaufe; er entbedte alfo nicht bloß die Schiefe des Ibierfreife8, fondern den Thierfreis felbft, und aud) den Meri: bian, welcher bie Gfliptif und bie Paralelfreife fenfrecht trifft und mithin burd die Solftitialpunfte geht, fonnte demnach erft Pythagoras ziehen. **) *) Bon den Anfpriichen, welche der fpäter lebende Chter Denopides auf biefe Entdedung machte, dürfen wir füglih abfeben; der Streit mag vielleicht dadurch entftanden feyn, daß die Pythagoreer ihr Wiffen nicht auSbreiteten. **) Ueber das Verhältnig von Thales gu Pythagoras kann kein Zweifel obwalten. Offen dagegen bleibt die Frage bezüglich des Anaximander. Seine Raäbdertbeorie läßt die Annahme, er babe die Entdedung des Pythagoras gefannt, zu, aber fie involvirt diefe Senntnif keineswegs als eine noths wendige Borausfegung.

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Unbedingt aufzugeben find die lanbláufigen Anftchten, welde die Erde bei Pythagoras betreffen. AL Ausgangspunkt für unfere Unterfuchung empfiehlt fich Aet. III, 13 (wept xıyjaews vhs). ale Hier heißt e8: of pév dido péveev tr yv, worauf Ausnahmen biefer allgemeinen Anfidyt erwähnt werden @iidiaos 6 Ilvdayopeios, “Houxieldng 6 ITovtixos zufammen mit “Expartog 6 IlvSayoosios und Anuöxgıros. Demnad bürfen wir vorläufig annehmen, daß die ‘Bythagoreer vor Philos fau8 die Erde vielleicht ebenfalls rubend, alfo auch im Welt: centrum befindlich fic) vorftellten. Und biefe Vermuthung bes ftätigt fid) durchaus, Musdritlid) wird überliefert, daß Pythagoras bie Erbe analog ber Kugel ded Weltald in finf Zonen abgetheilt babe, von denen er die mittlere deaxexoavuévy nannte und fammt den beiden polaren für unbewohnt, die dazwilchenliegenden dagegen für gemäßigt und bewohnt bielt.*) Mithin dachte er fich die Erde ald Kugel und ringsum (innerhalb der beiden gemäßigten Zonen) bewohnt, folglich als Centraltórper.**) Ganz im Sinne biefes geocentrifchen Syftems lebrte denn aud) Pythagoras bie Drehung des Firmaments von Often nad Weften (Aet. 11,10); in diametralem Gegenfag hierzu nahm Bhilolaus befanntlich ein Kreifen der Erde von Weften nad Often um das Centralfeuer an (Aet. II, 13). Das find wenige, aber gewichtige und gradezu entfcheidende Nacdjrichten, um den radikalen Unterfchied zwifchen beiden außer *) Aet. 111,14. Ueber den Sinn der verdorbenen Stelle fiebe Diels S. 379, Anm. **) Diog. L. VII, 25.26 péony (nepséyes 6 xoguos) tiv yay, xal avtny opaspossdi xal nepsosxovuéynr. elvas de xal avtencdas’ xal ta nuiv xatw éxslvos vo. Hier ift der lepte Theil von nemosxovusrnv an nur eine weitere Ausführung der eben citirten Stelle bel Uetius, alfo durd Theophraft gefihert. (Bal. aud) bezüglih des ¿vw xdtw die vom xoouos handelnde Nachricht Act. 11,10.) Aus diefem lebten Theil aber tft der erfte (cpacgoesdy, ton») nur eine unmittelbare Konfequenz, alfo ebenfalls nicht gu bezweifeln. — GS liege fi überhaupt durch zahlreiche Parallelen erweifen, daB Diogenes feine Notizen über die Phuyfif des Pythagoras aus guten Quellen fchöpfte und fih von Theophraft nicht entfernt.

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allen Zweifel fonderen zu fielen. Umftandes, 9 Auch gefdehe Bier nod eined bes unfere Quellen betreffend, Erwähnung. Wenden wir und ndmlid) nunmehr zu den bie Erde behandeln» ben Kapiteln bei Aetius, fo finden wir allerdings ben Botha: gorad grade da nicht angeführt, liebften finden möthten. bafelbft die wo wir feinen Namen am Sehen wir aber genauer zu, fo find Ausprüde überhaupt Außerfi allgemein gehalten, namlid) II, 8 x. yc: Gars xal of an’ avrod play elvas thy yiv, — Ill, 9 x. oxijparos yc: Galÿñs xai of Srwixol xal of anavr» opaupoudÿ thy yÿr, — II, 10 x. Péoews yiis’ où haben and wir Oalew jebod) 799 wohl yav nur pionv. bem Diefe Allgemeinheit ungenauen Œrgcerptor bes Aetius, Pfeudo-PBlutardy, auf den wir hierbei allein angewiefen find, fchuld zu geben. Schreibt doch berfelbe eben fo allgemein Il, 1 x. xoouou° Qaiÿç xal of adn” avrov Fu tov xó0uov, wo ber genauere Stobäuß (ecl. I, 22 S.496) anführt Garge, Illv9ayópas, ‘EunedoxAÿç, "Exqavros u.f.w. Eva roy xdopov. Schade, daß für jene Kapitel die Parallelftellen bei Stobäus verloren find und und nicht mehr zur DVergleichung zu Gebote ftehen. Nur ein Punkt erregt Bedenken und Schwierigkeit: wir fefen bei Diog. L. VIII, 48 zovrov (Pythagoras) 6 Dafwgivós prom .. tov oveavdy no@rov óvoudoa: xéouov. xal Tr viv ospoyyvanr" dg de Geópoacrós, Ilupuevidnv‘ ws dì Zqvor, “Hotodov, val. IX, 21 nedtog EBarmenides) trav y7v andpyve opargoedy xa) dy ulow xeioda .. xa? & péuyntou xal Osópoacros dy zweifeln, und Diogenes recht berichte, ob nicht er felbft ob Toig Dvormois etc. Wir miffen durchaus oder fein Gewahramann, ein Epitomator bed Theophraft, das nowtov falfdlid) eingefchoben babe. Auch bie Parallelftelle fhwmädt diefen Zweifel nicht, fondern erhöht ihn vielmehr nur; benn daß nad Theophraft erft Parmenides die Erde in bie Weltmitte verfegt haben follte, ift unmöglich. Merkwürbig if, daß auch bei Aet. III, 11 behauptet wird, Ilapuevidns nowtos aQwowe Tÿs yg Tove olxovuévovs Tönovg Und Taig dual

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Covos taig Toonıxais, wo dad nomros ebenfalld der Angabe IU, 14 über Pythagoras widerftreitet. menibe8 der Mann, Vielleidyt war alfo ‘Pars welder die ben PBythagoreern lange bes fannten Thatfaden erfimals veröffentlichte und weitern Kreifen mittheilte. Nunmehr fragt es fi) nod), Phänomene, welhe swifden wie weit ‘Bythagorad bie Erde und Himmel ftattfinden, gefannt und auf welche Weife er fie erflärt babe, — mit andern Worten, wads Pythagoras von ben Planeten wußte und wie er fi ihren Lauf dachte. Hinreidyend verbürgt ift eS, daß er bie Ortöveränderung berfelben am Firfternhimmel von Weften nad) Often beobadytet babe. Ausprüdlich überliefert wird biefe Kenntniß zwar nur von „den Mathematifern” und unter ihnen namentlid von Altmáo (Aet. II, 16). Indeß if ja diefer lebtere nicht felbft viel Tropen jünger, der (Aet. II, 23). und Pythagoras Sonne richtig durdy erklärte bie Schiefe fon bie bed 3obiafus Die Geftalt der Sonne nahm er wohl fphärifch an (Aet. II, 22) und ebenfo wahrfcheinlich die des Monde und der übrigen Geftirne.*) Die Sonnenfinfterniffe ereignen fi) ins folge des Bortretend bes Mondes (Aet. Il, 24). hielt Pythagoras Den legteren - für einen feldartigen Körper;**) fein Licht fommt ihm von der Sonne zu (Aet. II, 28. Diog. L. VIII, 27), mithin ändern fich bie Phafen je nad ber Stellung au derfelben, und bie Verfinfterungen erfolgen burd das Dagwifdyentreten der Erde. ***) St {don bas Bisherige zum Theil ungewig, fo läßt uns im Mebrigen Theophraft gänzlich im Stich, befonders rüdfidtlid ber vielfach als Kernpunft pythagoreifder Aftronomie betrachteten Sphârenbarmonie. F5 Aud Martin fteht hierin nod) merflid) unter *) Aet. Hy 14 — Stob.: of uèy alloı oyaspızovg avtouvs (rovs dottoas), Plut.: of Srw-xol apaspexovg tods aotéoas xadanep Tor xocpor xal Fleoy xal oednyny. **) Aet, II, 25; nerewdes cua (Theodoret IV, 23) tft Hier jedenfalls bas Richtige. ***) Aet. II, 29, wo unter den wadnuatixol wahrfcheinlih aud Bythagoras zu verfiehen ift.

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dem Banne bergebradten Srrthum8. Er weift zwar eingehend nad), daß Pythagoras nicht zehn Himmelsforper um das Centrum freifen ließ; und in ber That wird aud) bei Theophraft ders gleichen lediglich von Philolaus gemeldet (Aet. IL, 7). Dann aber erklärt fit Martin felbft dahin, daß bei Pythagoras adt folche Maffen die Erde im Centrum tönend umfdwingen, nämlid) außer den fünf Planeten nod) Sonne, Mond und die Fixftern: fphare (a.a.0.S.110ff.). Bielmehr miiffen wir gegen jebe beftimmte Ziffer einwenden, daß Pythagoras unmöglich die Fünfzahl der ‘Planeten fchon angenommen babe. Bei Theophraft fuchen wir vor Plato und Bhilolaus beftimmte Angaben darüber vergebens, und die eine Stelle bei Aet. II, 19 toy padnuutixay teves piv wc Illarwv, vives de uéoov navtwy roy MMor if zu allgemein gehulten, um irgend etwas zu bewelfen. Diels will fogar Diog. L. VIII, 14 nourov te (Quo) Iludayópav) “Eonepoy xal Dwoqdooy tov adrdv eineiv, $e pro: Iapuevlônc fo forrigitt und interpretirt wiffen, als ob felbft das Anrecht auf bie Sbentificirung von Morgen» und Abenbftern zwifchen Bythagorad und Parmenides (dywanke (Doxogr. S. 492 Anm.b, 6). Hierüber ließe fid) indeß nod) debattiren.*) Aber unzweifelhaft ift, daß ben alten jonifdjen Philofophen die Zahl ber Wandel: flerne nod) unbefannt war. Aud) lange nad) Pythagoras, bei Anaxagoras und Demofrit, fehen mir bie Lófung ded großen Problems, bie Planeten von ben Firfternen zu fonbern, nod) wenig gefördert (ogl. unten ©. 22), nicht die Schwierigfeit der Sade! nicht bewältigt haben. Man unterfdage nur Aud) Pythagoras wird fie Und gefebt, er hätte von Anbern, etwa in Aegypten, Näheres gehört, fo müßten wir betroffen feyn, bei Barmenibes, ber doch dem Wiffen des Bytbagoras ziemlich nahe geftanden zu haben fcheint, fo ganz und gar nicht auf eine An: deutung zu ftofen (Aet. II, 15). Zum Sobluffe fey nod auf einen Umfand” bingen.efen, welcher dem ganzen, bidher entwidelten altpythagoreifdyen Welt *) Die Rontroverfe tónnte analog liegen wie oben ©. 9.

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foftem fi) von felbft anpaft und es baber ftúgt und zur An: nahme empfiehlt. In dem Kosmos des Philolaus ift eigentlich die Dreitheilung auffallend, wonad) zuoberft der divo”, dann ber xoouos vom Saturn herab bis zum Monde und ¿ulegt der ovoavés fommen fol, 76 vxo tovro:s Unootinvdv te xal replyaıov péoos, dv o tà tig pidouerafódñov yevéoews (Aet. II, 7). Man fragt: gehört bas Stúd von der Erbe bid zum Central: feuer aud) zum ovoavos, zur Sphäre bes veränderlichen Ent: ftehend? Dem widerfpricht bod) die göttliche Natur des Central: feuerd. Im biefer Dreitheilung erfennen wir nun einen Rachflang und Reft bes alten Syftems, bei welchem fie fid) ungefucht bar: bietet, ba ja bei ihm bie Erde tas Centrum bildet. Fir biefes alte Spftem, wie wir ed eben fennen lernten, hatte bie 3us fammenfaffung ber mittleren Region unter bem Ramen xóouos aud) ihre leichterklärliche Bedeutung; in fie gehörten alle Sterne mit abweichender Bewegung, deren einige man {don beobachtet hatte, ohne daß man aber darum ihre Zahl für abgefchloffen und ausgemacht halten zu bürfen gewähnt hätte, 7. Xenophanes. Reben ber fonifden Schule Rleinafiens und den Pythas goreern Staliend entiwidelte fih in biefem lebteren Lande bie Philofophie ber Eleaten. In der Aftronomie weifen fie ganz und gar feinen Sortfritt gegenüber jenen andern dlteren ober gleichzeitigen Borfchern auf. ES gefchiebt daher lediglich im Intereffe der Vollftánbigfeit, daß wir hier mit furzen Worten ihrer gedenfen: fol das Gefammtbild vom Gange der Fosmifhen Wiffenfdhaft fic wirkungsvoll barftellen und vertiefen, fo barf fein größeres Stüd deffelben leer. gelaffen und vernadys läfftgt werben. Der Sianbpunft reichen bed Xenopbanes charatteriftrt fid bin: autein durch bie Thatfade, daß er die Erde nad unten im Unenblihen wurzeln läßt (Aet. 111, 9). der chronologifchen Ordnung: Anarimander, Pythagoras; Crinnern wir uns voraubgegangen find Thales, Heraflit ift alfo nicht der einzige,

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auch nicht ber erfte, 13 welder der wichtigften fodmifden Gre rungenfchaft jener Zeit abtrinnig wurde! Die Erde ift mithin nad) Xenophanes von unendlicher Ausdehnung und weber von Luft nod) vom Himmel umfaßt (Hippol. 1, 14. Plut. strom. 4, [Doxogr. S.580, 17]). Der Mond ift eigentlich überflüffig, bie Sonne dagegen dient der Entftehung und Erhaltung ber Welt und ihrer belebten Wefen (Aet. II, 30). Flr die ins Un: endliche fit ausbreitende Erde mochte ed nun ratbfam erfcheinen, nicht nur eine Sonne aufzuftelen, — gleihfam thr Wohl und Wehe, ihre Eriftenz nicht bloß auf ein Auge zu fepen. Aus biefem Grunde wohl theilte Fenophane8 bie Erde in Streifen, von denen jeder im Befig befonderer Sonnen und Monde fey.*) Die Geftirne galten ihm als flammende Wolfen, welde an jedem Tage aufleben, indem fie beim Aufgange fid) entzünden, beim Untergang verlöfchen (Aet. II, 13. Plut. strom. 4, [Doxogr. S.580, 18]). Selbftverftandlidy bewegen fie fi fammtlicy nicht um bie Erbe in einer Kreisbahn, fondern über ber Ebene der Erde hin, wobei der Schein einer Kreisbewegung nur burd den Abftand (welcher in ber Ferne fleiner erfcheint) bewirkt wird; ausdrüdlich bezeugt ift biefe Weife ber Bewegung freilich nur von der Sonne (Aet. II, 24). Aud) ber Mond ift eine feurige Wolfe (Aet. II, 25), bemnad felbftleuchtend (Aet. II, 28), und er erlifcht auch zur Zeit ded Neumonbes (Aet. II, 29). gleichen Des: ift bie Sonne ein brennendes Gewölf feuchter Aus: bünftungen (Aet. II, 20), (Aet. 11, 24). weldyes bei Berfinfterungen erlifcht Xenophanes fpridt dabei aud von vollftändigen Eflipfen, fodaß ber Tag fic) zur Nacht verbunfle, und fügt eigenthlümlicher Meife die Erzählung hinzu, bag fogar Sonnenfinfterniffe von ber Dauer eines ganzen Monats vorfämen, wobei ber Sonnendisfus nad) einem andern Abfchnitt der Erde fidi entferne. Martin traf wohl bas Rechte, alg er v ıtnuthete, **) daß Fenophane8 burd derartige Finfterniffe feine Hypucgeis von *) Aet. II, 24. Die Streifen beißen xA/uara, anorouar oder Cadvar. **) Mémoires de l’acad. des inscrtpt. et belles-lettres, 1879, XXIX, 2,

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Erbüberfluthfungen babe ftiigen wollen. Lebrte er doch, die Erbe, ber Urftoff aller Dinge (Aet. I, 3), babe fih früher in einem fchlammigen 3uftand befunden, wo Fefte8 und Ylüffiges gemifcht gewefen fey, wie bie Whdriide von Wafferthieren mitten in Steinen bewiefen. So werde aud) die Erde vom Meere wieder aufgelöft werden und barauf das Entftehen von neuem ftattfinden (Hippol. I, 14). Martin unterwirft einzelne Punkte biefes Syftems einer näheren Rritif, um au zeigen, que de grands philosophes peuvent émettre en astronomie des opinions puériles ou extravagantes und daß Fenophane8 zu diefer Klaffe gehöre (a. a. D. 6.161). GS bedarf wohl aber nicht erft eines eingehenden Radweifes dafür, dag unferm Philofophen in Rüdiicht auf Aftronomie ein Ehrenplag nicht gufomme. 8. Barmenibes. Auch ‘Parmenides aus Elea, der Schüler des Vorigen, ermeift fit nicht als befonbers hervorragend auf fosmifdyem Gebiete. Ja wir verftehen eigentlid nicht recht, wie berfelbe überhaupt neben feiner Lehre vom wahren Seyn aud) die Welt ber Erfcheinungen beftehen laffen und behandeln fonnte, zumal er bod) bas biefelbe vermittelnde Erfenntnißvermögen, bie finne liche Wahrnehmung, ale trügerifch hinftellte. nur als Infonfequenz erfcheinen, Uns fann dies und wir bürfen barin eine Ronceffion an bie Zeit erbliden, deren mächtige Strömung auf die Aftronomie bin nicht zu verfennen if. Diefe unwiderftehlide Gewalt rif den PBarmenided auch weg von dem einfamen Standpunft feines Lehrers. WBielleicht war es infonberbeit puthagoreifcher Einfluß, der den fpefulativen Kopf ben Errungens fhaften ber vorausgegangenen Generationen unterwarf (vgl. oben S.9 und 11). Barmentdes dachte fidy die Welt ber Erfcheinungen als eine (Aet. II, 1), fugelfórmig und hervorgegangen aus zwei Elementen, bem heißen, leuchtenden, leichten euer und ber falten, dunflen, fchweren Erbe, von welchen das erftere zugleich bas bewegende,

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Ichaffende, das lebtere dagegen bas leidende, ftoffliche Princip vorftellt (Aet. I, 3 [nach Theodoret, Doxogr. ©. 284]. Diog. L. IX, 22. Hippol. I, 11). Umfchloffen wird fte von einer Hülle, melde feft ¡ft wie eine Mauer. Der Raum innerhalb biefes Umfreifes theilt fid) in fogenannte orepava:, bie einander ums faffen, alfo in Kugelfchalen. Die Anordnung berfelben ift nicht recht flar überliefert. Wir lefen nämlich bei Aet. II, 7: xal 70 negıdyov (scil. orepavaç) de nacas telyovg dleny ovepedr únaoxer, ig w nveddns otepary, xal TO ueoalıarov nació», neg) 5 nal nupwdns. Zeller, Philof. db. Gr. It, ©. 525, 2 dürfte hinter zaoûr richtig ergänzt haben otegeoy ünapxer; aber unter bem bas Centrum umfdliefenden nvowdes ohne Weiteres, bie bie Erde umfaffende Luft zu verftehen, bebenflid. ift bod Sehen wir davon zunädft ab, fo läßt fit das Uebrige leicht und einleuchtend fombiniren. Am beften gehen wir aus von Aet, II, 15, wonach Parmenibes bie erfte (Dd. i. oberfte) Region ber Venus zuertheilte: fie befinde fid) im Aether (unter bem Firmament). Dann folge bie Sonne und darunter bie Sterne à» tq nvowda, Greg ovgavdy xadeî, vgl. Aet. II, 11. Damit ftimmt der Anfangspaffus obiger Stelle (Aet. II, 7), welcher berichtet, daß abgefeben vom Firmament eine orepdrn .. de tov aeacod (ber Aether) und eine ovepuva 2x tov nuxvoÿ (die Erde) auseinanderzubalten feyen, zwifchen denen fici puexrol cile: Ex pwrös xal axotovs befänben. Galen (c. 50) bat alfo feine Quelle Plutard nicht recht fompilirt, wenn er aufzählt: nowtov nig, era aidloa, ueŸ Ov útpa, weF Ov Vowp; Aether und Feuer haben bet ihm ihre Orte vertaufdht. Wir fehen bemnad als Umfaffung bas fefte Firmament, unter ihm Schichten von ftufenweis abnehmender Temperatur und ¿us nebmenber Dichtigfeit, gunddhft ben Aether mit der Venus und Sonne, dann bas nvewdes oder den odpavos, dann die Luft und das Waffer, bei Aet. II, 7 ald meplyeo zufammengefaßt, endlich im Centrum bie Erbe. Die Luft fonberte fid) von der Erde ab als eine Ausdünftung berfelben (Aet. II, 7), und jene Angabe: xepl 6 (scil. ro ueoalsarov, die Erde) nugwdns geht

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alfo wohl auf bie Zeit, ale bie Luft nod) nicht fit gebilbet hatte, falls nicht etwa unter 70 peoolrarov bie Erde fammt ben neplyera zu verftehen ift. Ä Bon den gemifchten Schichten ift bie mittlere bie wichtigfle; von ihr ftammt alle Bewegung und Ordnung. oveavds und enthält die (Bir-) Sterne, maffen (Aet. 11, 13); an ihrer Sie heißt b. f. verfilzte Feuers unteren Grenze zieht fich bie Milhftraße hin, indem burd bie Mifhung bed rmvxvó» und apoudr eine mildweife Farbe fic) ergiebt (Aet. III, 1). Aus ber Mildftrafe fonberten fid Sonne und Mond ab, wobei jener ber leichte, beige, biefem ber dichte Beftandtheil zufiel.*) Die Sonne fteht etwas weiter von der Erde entfernt als die Mild. ftrafe (Aet. II, 15), den Mond dagegen werden wir und wohl etwas unterhalb biefer Schicht zu benfen haben, wenn auch nicht fehr weit von der Sonne abftehend, ba Parmenites beide an abfos Iuter Größe einander gleichfepte (Aet. IL, 26). Der Mond ift alfo ebenfalls feurig, doch ift fein Eigenlicht wegen bes bem leuchten: den Element beigemifdten bunflen Beftanodtheils fdwad, und den Hauptglanz empfängt er von ber Sonne (Aet. IL, 26 und 30). Die Erde hielt Parmenide8 für fpharifd), Centrum (Diog. L. VIII, 48. IX, 21); fie in Nube, weil fie ihr Ort fey bas an tiefer Stelle verbleibe bei dem gleichen Abftand nad allen Seiten in feiner Richtung eine befondere Anziehung empfange (Aet. 111,15). Bei der Eintheilung berfelben in bewohnte und unbewohnbare Zonen fchloß fi Parmenides wahrfcheinfich ganz bem. Pythagoras an (Aet, IH, 11 vgl. III, 14). 9, Anaragoraf. Das Leben ber Männer, telde uns bisher befchäftigten, entfällt im Allgemeinen auf das fedfte Jahrhundert, *) Aet. IT, 20. Ibre in Wäre es nicht eigentlich eine. billige Anforderung an Konformität, daß fih die Milchftraße Tugelförmig über den ganzen Himmel ausbreiten follte? Diefem Sfrupel Liebe fich inbeb leicht mit der Gypotbefe begegnen, daß der größte Theil jener Grenzfchicht fio eben zu Sonne und Mond zufammengefchlagen babe, fodaf alfo von der anfänglichen Kugelfchale nadber nur nod ein reifförmiger Streifen übrig blieb.

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ben Grundjiigen übereinftimmenben Anfichten über ben Bau des Weltals erfahren auch im fünften Sáculum nod nicht fogleich eine principielle Umgeftaltung. Anaxagoras von Klazomend ift ber erfte, welcher und in biefer Zeit entgegentritt; fest man feine Geburt mit Wahrfcheinlicyfeit in das erfte Decennium des Jahrhunderts. Befannt ift, daß diefer ‘Bhilofoph zwifchen ben beiden Ertremen bes altjonifden Hylozoismus, welder in all dem bunten Mechfel der und umgebenden Welt Abwanblungen eines veränderungsfähigen Urftoffe8 erblidte, und der Theorie ber Eleaten, welde Werden, Bewegung und Bielbeit in Abrede ftellten und nur eine rubende, ftetige Einheit wollten, einen Mittelweg anzubahnen unternahm. gelten laflen Gr acceptirte bie qualitative Unverdnderlidjfeit bed Seynd, nahm aber eine Bielbeit, eine fleinen @lemente unendliche an. Fülle folder Sämmtlid) fonftanten, unenblit einander verfchieden von bildeten fie, fo lehrte er, anfangs eine unbeftimmte Mifchung von Feuhtem und Trodnem, Warmem und Kaltem u.f.w. Erft durch den Umfchwung fonderten fid) unterfcheidbare Einzels binge aus, intem oxépuata Ahnlicher Befchaffenheit ftelenweije in größerer Menge zufammentraten und dadurdy über Die andern bie Oberhand erhielten (Bragm. A Mullady und 6 gegen Ende). Den Umfdhwung der anfangs rubenden Maffe gründete er auf ein zweites Princip, den vous, in welchem er die beiden Fabhige Erfenntnig zu haben und Bewegung hervorzubringen, feiten, verband, ohne ihn jebod) ganz immateriell aufzufaffen (Fragm. 6). Es ift nun duferft intereffant, biefem Weltentftehungsbilde zur genaueren Betrachtung etwas näher zu treten. bervorgebradte Umfchwung wird nänlich Der vom voög vorzúglid auf bie Bewegungen ber Geftirne bezogen (ebendafelbft). Dabei haben wir aber von jegigen Verbáltnifien zu abftrahiren; denn ans “fangs gefdah, fo behauptete Anaxagoras, biefe Umbrehung parallel bem Horizont in Form einer regelmäßigen Kuppel, fodaß alfo ‘Bol und Zenith gufammenftelen, mithin die Neigung des erfteren gegen Norden und aud die Sdhiefe der Bahnen der Wanbdelgeftirne nod) nicht beftanden (Diog. L. II, 9). Spindel: 8eitídye. f. Philof, u. philof. Rritil es, Band.

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formig rotirte bemnad urfprünglich alles in ungeftörten Zirfeln um eine auf ber Erde fenfrechte Linie ale Achfe. Lefen wir nun, daß ber vods zuerft von einem Kleinen Bezirke aus begonnen habe umaubreben, bie Rotation aber dann weiter fortgefchritten fey und nod) weiter fortfchreiten werde (Bragm. 6), fo fombiniren fich die Nachrichten von felbft zu bem Schluffe, daß die Angrifföftelle für bie Weltvernunft der Himmels-Nordpol gemefen fey.*) Sene Rotation führte zugleich eine Sonderung herbei, indem fic) die fchwereren Theile mehr nad innen, die leichteren nad außen vereinigten (Sragm. 6). Hauptfächlich unterfcheiden fidh vier Schichten, Aether, Luft, Waffer und Erde (Diog. L. II, 8). Der Groforper ift flach, daher vermag thn bie Luft in ber Mitte des xoouog freifchwebend zu tragen (Hippol. I, 8). Trog diefer flachen Geftalt hält fid bas Meer auf feiner Oberfläche, weil biefe Lage der Schwere bes Waffers entipridt (Diog. L. II, 8). Die Gelchwindigheit der Kreisbewegung war über alle Maßen groß (Aragm. 11); daher rif der Wirbel Erbmaffen mit fi fort, welche am feurigen ether glühend geworden als Geftirne gefeben werben.**) ALS folche Freifen fie nun von Often nad) Weften (Aet. II, 16). Anfänglich horizontal rotirend fenfte fidi ber Himmel, und gwar von felbft, erft nachdem bereits lebenbige Wefen entftanden waren, — wahrfcheinlih zu bem 3wede, *) Um fo auffallender tft es, daß außer Martin (mémoires de l'acad. des inscript. et belles-lettres XXIX, 2 $, 176) noch niemand eine Abnlice Permuthung ausgefproden bat. Offenbar traute man derartige exakte Kennts niffe jenen frühen Zeiten überhaupt nicht gu. Dem entgegen miffen wir es vielmehr unentidieben laffen, ob Anaragoras den Pol zuerft bezeichnet babe. Dielleicht gebührt diefes Berdienft einem Früheren, am Ende fogar dem Thales fon, welder ja die Aufmerffamfeit der Griechen auf das für die damalige Schifffahrt wichtige Sternbild des Beinen Bären in der Nähe des Poles lenfte; vgl. Achilles ad Arati phaen. 1. Schol. ad Arati phaen. v. 27 und 29. Schol. ad Iliad. 18, 487. Strabo, I, 1, 6. **) Aet, II, 13. SHternad find es die feften Maffen der Geftirne felbft, welche glúbend wurden und nun leuchten. Nach Plot. Lysand. c. 12 wäre es Dagegen nur ber ether, gegen den fie antreiben und der fih um fie berum bridt (etwa wie das Waffer am Vordertheil eines Schiffes), von welchem das Licht berrübrt.

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damit einige Gegenden unbewohnbar, andere aber bemobnbar: würden, je nachdem ihr Klima fid) baburd heiß oder Fait oder gemäßigt geftaltete (Aet. II, 8). — Die größte Entfernung haben die Sterne; ift. fie bewegen fid) alfo, wo der Aether am reinften An Licht und Wärme übertreffen fie temnad) die Übrigen Himmelsförper, doch fchwädht beideß ihre große Entfernung von und (Hippol. I, 8). maffe, Ráber fteht die Sonne, eine glühende Steins größer als ber Peloponne8 (Diog. L. II, 8. Aet. II, 21. "Bol. aud) unten ©. 23). Den fleinften Abftand von der Erde hat — abgefehen von einigen bunfeln, ganz unfihtbaren Körpern, von deren Verwendung alsbald die Rede feyn wird — ber Mond (Hippol. I, 8), beffen Größe Unazagora8 jedenfalls aud) nicht gering veranfdlagte, da er ibm Ebenen, Berge und Schluchten beilegte.*) Licht; Aud diefer Himmeldkörper befigt eigenes wenigftens ift es bezeugt, daß Anaxagoras fic) feinen Zuftand glühend dachte (Aet, II, 25. Hippol. I, 8). efen wir nun aber an andern Stellen, daß der Mond von der Sonne erleuchtet werde (Aet. II, 28), fo erfeben wir daraus, daß unter dem Gigenlidt ledigli der abgewandten fey.**) Die dunflen Flede auf der andern Hälfte bezog Anaras *) Aet. 11, 25. Hälfte fdmwade Schimmer ber von ber Sonne Hippol. I, 8. ded Mondförperd au verftehen Rad) Diog. L. 11,8 gäbe es aud Häufer auf dem Monde, eine Nachricht, auf Grund deren man aud das feltíame rg. 10 auf den Mond bezogen bat. Uns muß dies gemäß der glühenden Befchaffenheit des Geftirns fraglich erfcheinen. Die Größe des lebteren fepte Anagagorad nach Plut. d. fac. in orb. luo. c. 19 der des Peloponnefes gleich; theophrafteifche Beläge fehlen uns hierfür indef. **) Olympiod. comm. in Aristot. meteor. p. 15, b erinnert zum Vergleich an den matten Schein glimmernder Kohlen. Beiläufig fey erwähnt, dah nach Plat, Crat. 409 A Anagagoras aud das Eigenlicht des Mondes von der Sonne berleltete und gleihfam eine Nachwirkung der zeitweifen Beftrablung dur Die legtere feyn ließ. — Dielleicht geht auch der Sag bei Hippol. I, 8 Ere dì oùy dpotws Jeeuè (Hed Segun!) 19 lo dà tò ywoav tyew qpuyootéoer auf den Mond. Mad dem überlieferten Texte wäre vielmehr ta Gorga alè Subjelt zu fuppliren; aber wir können die Sterne, welche doch die Hidften Regionen inne haben, alfo tm reinften Aether fic) befinden, eine ältere Umgebung haben ald tie Sonne? Um die angegebene Beziehung herguftellen, genügt es, den nächfifolgenden Sag elva: ... judy voranzufegen.

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‘gora8 auf die ungleichen Beftandtheile, aus welchen bas Geftirn gemifcht fey; die bunflen Maffen würden nämlich fchmwächer erleuchtet (Aet. IT, 30). Die Sonnenfinfterniffe tráten ein, indem zuweilen zur Zeit bes Neumonted der nicht erfeuchtete Mond die Sonne verbede, — die Verfinfterungen des Mondes, wenn die Erde zwifchen ibm und" der Sonne fich befinde oder einer jener dunklen Körper unter ihm vorüberziehe. Die Phafen ded Mondes ergäben fic) dagegen durdy feine Stellung zur Sonne, indem legtere, je näher er ihr fomme, um fo weniger feine ganze und zugefehrte Seite erleudyten fonne.*) Hieraus folgt mit Nothwendigfeit, daß Anazagoras dem Mond die Geftalt einer Kugel gab.**) Denn wäre er eine gebirgige Platte, fo ift nicht abzufehen, wie unfer Pbilofoph die wechfelnden Gr: fcheinungen beffelben auf eine fo einleuchtende Weife babe erflären fonnen, al8 von ihm rúbmend anerfannt wird. ***) Die roonal von Sonne und Mond haben ihren Grund in bem Gegendrud der Luft, weldye, von den Geftirnen felbft qu: fammengepreßt, burd die Verdichtung die Kraft dazu erhält; fie ereignen fi beim Monde öfter ald bei ber Sonne ins folge feiner Fälteren Umgebung, welde fehmwerer zu überwinden Dffenbar verftano der Autor die beiden Falta des Eigenlichtes und der Ers Ieuchtung durch die Sonne nicht zu fombiniren, daher fein Irrtum. Bergl. aud S. 22 **. *) Aet. LI, 29. Hippol. 1, 8. — Su der Annahme dunfler Körper unter dem Monde war Anaxagoras badurd veranlaßt, weil er den Erdfchatten mit der Dtildftrabe ibentificirte, vgl. unten ©. 22; jede Monpdfinfterniß nämlich, welche nicht innerhalb der Milchftraße fid) ereignete, verlangte al8s dann einen andern Grfldrungsgrund als das Awifchentreten der Erde. **) Gälfblid bezeichnet schol. ad Apoll. Rhod. 1, 498 den Mond als nloreia ywou; das Adjeftivum unridtiger Zufaß. e) Hippol. I, 8. tft fider des Scholiaften eigenmächtiger, Bgl. Plut, Nic, 23. de fac. in orb, lun. 16. Die Unebenheiten der Mondoberflide benübte alfo Anagagoras nicht zur rs tlárung der Phafen. Auch bet der Darlegung der Entftehung der dunflen Flede fheinen fie nur eine untergeordnete Rolle gefpielt zu haben, Act. IL 30. Wir miffen daher wohl annehmen, daß Anaragoras die Sdattengrengen auf der Mondkugel bei theilwelfer Beleuchtung fhärfer beobachtet und deren fiellenweis gebrochenen Verlauf durch Berge und Thäler motivirt babe.

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bie Abweichungen 21 ber Planeten von tem regel: mäßigen Kreislauf zuftande fommen, barüber fehlen und Be: richte; doch ift wohl faum zu zweifeln, daß aud Bier der Widerftand der Luft den Erklärungsgrund abgab. Die Meteors fteine find nieberfallende, abgeriffene Bruchftüde der Geftirne. **) Die Sternfchnuppen dagegen haben feinen erdartigen Kern; fie find vielmehr Nethertheile, welche bei der Bewegung der Sphäre funfenartig abfpringen und daher audy bald verlöfchen (Aet. III, 2Hippol. I, 8. Diog. L. II, 9). Eigenthümliche Vorftelungen hatte Anaxagoras über das Wefen ber Kometen und der Milchftraße. Die fpecielle Veranlaffung zur Aufftellung einer beftimmten Hypothefe über die erfteren war wohl dad Erfcheinen eines Schweiffterne von Weften her um biefelbe Zeit, ald der Meteorftein von Aegospotamoi fiel (Aristot. meteor. I, 7- ©. 344b 31). Anaragoras erflarte nun die Kometen für ein Zu: fammentreffen von zwei oder mehreren Planeten, wobei die von ihnen ausgehenden Strahlen fic) fammeln oder vereinigen.***) Der Wortlaut der und hiervon berichtenden Stellen ift an fich nicht ganz far. &8 bleibt nämlich ungewiß, ob Anaxagoras eine bloße Vereinigung der Strahlen annahm etwa entfprechend dem Ver:* hältniß der Aebren in einer Garbe, oder ob er die Verftarfung des Lichted fo zu fagen auf Spiegelreflexion bafirte.t) *) Aet. II, 23. Hippol, 1, 8, roonas Ungleich dè nowwiodas xal Hlıov al celijvny dnwdovuévovs Und tov dépos. osinvnv dè nodldms teénecFac dia 10 un Ovraoda xoureir tod wuyooù. Der legte Sa enthält offenbar nicht einen neuen, zweiten Grund für die Mondtropen, fodaß fonft der Lufts drud, oftmals aber die Kälte das Geftirn veranlaffen follte, fic gu wenden; dann würden wir ja aud) erwarten: cedivny de xal uf. w. **) Diog. L. 1, 10; vgl. Plin. hist, nat, 11 $ 149 und Aristot. meteor. 1, 7 ©. 344b 31. Die Zuthat in den beiden erften Stellen, daß Anazagora8 den Fall jenes berühmten großen Meteors von Megospotamoi vorausgefagt babe, braucht uns nicht gu betrren; fie charafterifirt nur die Sachkenntniß der Rompilatoren, +) Aet. III, 2 AvuSayogas xal Anudxectos ovrodoy aorsowy dvolv à xal nleurwy xaıa ovrauyaouôr. Diog. L, Il, 9 roùç dè xourias ourodor nhavniay ployas dquéytwr. +) Das erftere (hlaffe fich vielleicht enger an die eben citirten Notizen an; vgl. aud) Aristot, meteor, I, 6. 3, 342b 27, Alexand, Aphrod, in Aristot,

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wichtiger aber als bie Entfcheidung biefer offenen Frage if für und bie Bemerfung, daß Anaragoras bemnad über bie Anzahl der Planeten wohl nod febr im Unflaren war. In der Folge: zeit aboptirte man ¿umeift ihre Fúnfzabl. Hätte unfer Philofoph aud) angenommen, daß ihrer nicht mehr wären, fo bâtte er fid) über deren Bahnen fon foweit informiren fonnen und múffen, daß er die Nichtigfeit jener Hypothefe cinfab.*) — Die Mildftrafe betrachtete er als den Schatten der Erde am Himmel; an diefer Stelle würden námlid) die Sterne nicht von der unterhalb der Erde befindlichen Sonne heftrablt.**) Aud aus biefer Theorie erfeben wir, daß wir und von ben aftro: nomifden Kenntniffen eines Vorftellungen machen dürfen. Anazagora8 feine übertriebenen Seine Auffaffung der Mildftrage bezeichnete fon Ariftoteles als unmöglich: „denn bie Sonne wechfelt ihren Ort, folglid müßte aud ber- Erdichatten fort: meteor. ed. Ven. 1527 ©. 78 und 79. Das lebtere überliefert dagegen Schol. ad Arat. phaen. 1091. *) Beigelegt wird die Kenntniß der fünf Planeten dem Anagagoras bei . Olympiodor comm. in Aristot. meteor, S.1la. Dod wer wird einem Bericht: erftatter glauben, nach beffen Ausfage jener Denker die Kometen für etn nitesfürmiges Sufammentreffen” der fünf Planeten ausgegeben hätte? **) Aet, Il, 1. Hippol. I, 8. Diog. L. 11,9. Die Sade ift feltfam genug: ein heller Erdfdatten! An dew angezogenen Stellen und aud fonft fuchen wir vergeblich einen Fingerzeig zur Ldfung des Rathfels, aus: genommen etwa Aristot. meteor. 1, 8. 345a 25 of dè neo "Av. xal Anpixgetov pdc elvas to yala léyovosy dotewy Tivav, Toy yag Hleoy uno 19y Viiv pecoueror ovy ody Ena tv dorowr. Soa pay odv megeogatas vn QUIOU, TovTwy pay où yalvsodaı To pis (zwiveodas yao Uno tv Toü nAlov axtlywy)* Saou Oaytipecttes y yi wore un oggoFas Uno Tod nitov, To 1oûtwy oixsioy pis yacır elvas tò yala, Dock aud die be: friedigt nicht: wie, fragen wir, vermag das Sonnenlicht das Eigenlicht der Sterne zu hindern? Verftärkt eS doc das Gigenlidt des Mondes. Dffenbar läßt fich diefer gegenfigliche Einfluß nur burd die Annahme erfldren, daß das Sonnenliht dem Anagagoras für kühler galt als das der Sterne, das gegen für heißer als das des Mondes Wie nämlih 3. B. faltes Wafer durch laues erwärmt, heißes dagegen durch ebendaflelbe abgekühlt wird, fo fonnte unter der angegebenen Borausfepung aud Anazagoras dem Sonnen» licht jene entgegengefetten Wirkungsweifen gufdretben. (Wir fehen Hierbei zugleich unfere Bemerkung auf ©. 19 ** beftatigt.)

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rüden, während die Milchftraße thatfachlid) ihre Lage zu den Sizfternen nicht verändert“ (meteor. a. a. D.). welche Geftalt müßte die Erde haben? nicht eben breiter Streifen; follte Und ferner: Die Milchftraße ift ein die Erde einen derartigen Schatten werfen, fo müßte fle offenbar dod) wohl felbft biefe Form haben, fodaß fie etwa einem Brett glide. In biefem Galle find aber die wechfelnden Stellungen der Milchftraße zum Horizont unbegreiflih. Denn denfen wir und die Langfeite der Erde 3. B. von Norden nad Süden gerichtet, fo erftredt fed) zwar zuweilen auch die Milchfiraße in derfelben Ridtung, manchmal aber geradezu rechtwinflig entgegengefegt von Weften nad Often. — Ariftoteles macht von feinem aftronomifchen Standpunft aus aud den Einwand, daß die Sonne größer als die Erde, ihr Abftand ja aber vielmal fleiner fey ald ber ber Virfterne von uns, fodaß alfo der Erdjchatten nur einen Fleinen Kegel bilde, welder gar nicht bis zu biefen hinanreichen fónne (Aristot, meteor. I, 8. 6.345b 1). Dod ift fonft nicht übers liefert, wie fid) Anaragoras babe; aus feiner baltiofen Hypothefe über die Entftehung der diefe Größenverhältniffe gedacht Mildftrafe fónnen wir aber offenbar umgefebrt hierfür feinen fihern Schluß ziehen. 10. Empedofles. Schlieglih möge nod) der wenig jüngere Zeitgenoffe ded Anaragoras, Empebdofles, Hier eine furge Befprechung finden. Den Brimárzuftand des Weltalls dachte fich diefer ähnlich wie Mnazagora8 gleichfam als aus eine Maffe Elementen aus fleinften ber Clemente (Elementartbeilen, (Aet. I, 13 und 17), welchen Entftehen und Vergehen fremb ift und nur räumliche Berfchiebung und verfchiedene Anordnung zufommt (Aet. II, 24). Shre bewegenden Kräfte quilla und veixog ließen daraus bie Welt entftehen, indem zuerft ber Aether fich abfonderte, dann bas Feuer, weiter die Erde, darauf bas Waffer, gleichfam von der Erde audgefchwigt (Aet. III, 16), und bie Luft (Aet. II, 6. Plut, strom. 10 [Doxogr, €. 582, 5]). - Der Kosmos febt fid

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alfo zufaminen aus Schichten der vier Elemente Erde, Wafer, Luft und Feuer (Aet. 1, 3. Diog. L. VIT, 76), welche jebod fit nicht ftreng fondern, vielmehr in einander übergreifen (Aet. II, 7). Diefe Welt ift aber nur ein geringer Theil des AUS, während die übrige Maffe im Urguftande verblieb (Aet. I, 5). Es fonnte bemnad auch mehrere Welten geben, body leugnete Empebofles deren thatfächliches Vorhbandenfeyn (Aet. II, 1). Diefer Kosmos nun ift — feltfamer Weife — eiförmig, breiter alé hoch (Aet. II, 31 vgl. 11,2). Der ibn umfchließende Himmel bildet eine fefte Hülle, indem Luft, vom Aether gleichfam gefchmolzen, fryftallartig er: bärtete (Aet. IL, 11. vgl. 11, 6. Diog. L. VIII, 77). beffelben ift mit Feuer (b.i. Licht) angefült, Eine Häffte die andere mit einer Mifdung von Luft und einem geringen Beftandtheil Feuer; fo entfteht bei der Umdrehung ber Wechfel von Tag und Nadıt (Plut. strom. 10 [Doxogr. ©. 582, 8]. Aet. II, 11). Die Rotation bed Himmeld ergab fidy burch die verfhiebene Drudvertheilung infolge ber Abfonderung bes Feuers nad ber einen Hälfte zu (Plut. a.a. O. [S.582, 10]) und bat erft fehr allmählich ihre jegt fo beträchtliche Gefchwindigfeit erreicht (Aet. V, 18). Die Sonne ift fein felbftändiger feuriger Körper, fondern nur ber Reflex der Lichthemifphare am Firmament, alfo nur ein Phas nomen wie der von einer Wafferfläche zurüdgeftrahlte Schein. *) Befremblid) möchte es und erfcheinen, daß gleichwohl die Ver: hiebung des Himmelspoled aus dem Zenith, mit welchem er anfang8 jufammenfiel, auf die Sonne zurüdgeführt wird, **) und daß bie Tropen der Sonne in einer Weife behandelt werben, al8. ob fte ein realer Körper wäre. ***) *) Plut. strom. 10. (Doxogr. S.582, 11.) Wir würden ftatt deffen Auch Aet. II, 20, wo aber nur der lebte Theil aus Theophraft genommen ift, vgl. Diels S.52f. Aet. EL, 11. Bal. Welche Kombination und Veranlaffung der Größenbeftimmung bet Aet. II, 21 toov ri yi Tor xata nv avradyevav (mkıov) au Grunde liege, bleibt unbeftimmt. **) Aet. 11,8 rod dépos eléavros tH tod nitov oouÿ Enuxli Diva 105 Goxtovg Y. f. w. ++) Aet. II, 23 uno Tis negseyodang av1òr oyalpag xwdvoperov ayes nartos evduropely xa) ¿no tur teoniay xuxlwy,

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erwarten, daß die beiden Hemifpharen des hellen Feuers und der dunflen Luft ihre Lage änderten, *) während die Sonne lediglich gleihfam ale Fokus fpontan immer in ber Mitte ber Lihthälfte fid) zeigte, alfo unweigerlid die Wendungen diefes Refleftors mitmadhte. In ber That verlautet bei der Erklärung des Mechfeld von Winter und Sommer nidtés von der Sonne, vielmehr ift dabei nur von einer BVerighiebung ber beiden Semi: fphären bie Rede. **) Diefer Wechfel der Jahreszeiten bedt fich ja aber mit den Tropen ber Sonne. Wir fónnen baber wohl unbedenflidy obige Angabe über tie Neigung ded Kosmos dahin forrigiren, daß wir darin bie Sonne durd bie ganze Lichts balbfugel erfegen; um fo leichter dürfen wir dann aud) die Notiz über bie Sonnemvenden auf fic" beruhen laffen. — Den bidfosformigen (Aet. 11, 27. Diog. L. VIII, 77) Mond läßt Ems pedofled aus Luft hervorgegangen feyn, welche vom Feuer er: griffen und geichmolzen, nachher erftarrt fey wie Hagel. ***) MWahrfcheinlich glaubte er ferner, daß derfelbe in halb fo großer Entfernung die Erde umfreife ale bie Sonne (Aet. II, 31, vgl. Diel8 S.63), daher ed denn auch heißt, bie legtere übertreffe ibn an wirflicher Größe (Diog. L. VIN, 77). rleuchtet wird der Mond yon der Sonne (Aet. II, 28. Plut. strom. 10 [Doxogr. ©. 582, 14]); er ftrablt demnad nidt in eignem Glanze und vermag bei feiner geringeren Entfernung vortretend bie Sonne au verfinftern (Aet, II, 24). maffen, Die übrigen Sterne find Feuer: welche die Luft Calfo die Rachthemifphare) aus tem zvowdes gleidfam abfing und nad theild außen drüdte, mobei fte bem Firmament anbafteten (Gigfterne), theil® ihre freie *) Als Urfache diefer Veränderung fünnte die in den Elementen liegende avaywn (Aet. I, 26) eintreten. **) Aet, MI, 8 ‘Euned. xa) of Stwixol yeudra uèr ylveodaı tov dépog Enixpatovytog 77 muxvwoe xal eig To dvwtiow Bralouévov, Isoelav d+ tov nupög, Stay Eis TO xatutéow Prabnran, ***) Aet, II, 25. Plut. strom. 10 (Doxogr. S. 582, 12); aud das Kryftalls firmament bildete fich in diefer Weife.

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Bewegung bewahrten (Planeten) (Aet. 11, 13. Plut. strom. 10 [Doxogr. ©. 582, 7]). Hiermit ende die Aufzählung; Strthum jeyn. befangen wäre, nicht ale ob ich in bem nun zu einem Abfchluß gelangt zu Vielmehr war es mit ein Ziel biefer Arbeit, und nicht ihr geringfted Ziel, nacaumeifen, daß die Aftronomie bei ben Griechen in einem beftänbigen, fteten Sortfchreiten oder dod wenigftens Fortftreben begriffen war, daß fid ihre Entwidlung alé etwas Fliefende8 barftellt, worin fic) biöfrete, in fich abs gefchloffene Gruppen und Perioden faft gar nicht von einander abheben; die Erörterung und Berichtigung bes Details follte nur Mittel zu biefem Zwed feyn. Unter folhen Umftänden fann fa alfo der Baden an jeder Stelle mit gleichem Recht und Unrecht abbreden. — Nady den bisherigen Borftellungen febten fidy die vers fdhiedenen Syfteme gleihfam zu einem zerflüfteten, zerriffenen Terrain zufammen, zu einem Bilde voll Rontraften, fchreiender Diffonanzen und hart aneinander tretender Extreme. Dem gegenüber fcheint es fich einzig mit ber Wahrheit zu vertragen, daß bei Thales zum erften Male und eine fundamentale Gr: fenntniß entgegentrete, welche dann ben ganzen weitern Gang der Forfdung beftimmt und beherrfcht: die Erfenntnif, daß ber Himmel eine ganze Kugel fey. Aus bdiefer Entdeddung ergab fic) bie große Revolution des fodmifden Denkens, daß bie Erde nicht vom Himmel überwölbt, fondern rundum von ibm umfaßt angenommen wurde, Abgefeben von Fenophane8 und Heraflit, welche fid) von biefer allerdings fchwierigen und überrafchenden Einficht ganz losfagten, fehen wir nun feinen Sprung, der und ftugig machen müßte; es Elingt gleihfam ein Thema burd alle Melobieen binburd ald gemeinfamer Afford, nichts ftort ihre große, innere Harmonie, Die Uebereinftimmung der einzelnen Syfteme ift evident: fie find allefammt entworfen von der Grunbvorftellung aus, daß bie Erbe das Centrum bes fugelfdrmigen Weltalls bilde,

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Aber, fónnte man fragen, wo zeigt fit denn in ihnen irgend ein Fortfchritt, ber fidy ber Mühe, ded Schweißes jener Eblen werth erwiefe? An diefem Punfte nun miffen wir nicht fos wohl eine Lúde, als vielmehr eine Schranfe unferer Quellen zugeben: fte find eben feine aftronomifden Annalen, fie führen uns nicht fo in alle Einzelheiten ein, daß uns biefer Hortfchritt felbft nach feiner Senefi8 vor Augen läge, Nur über ben Gang beffelben im Allgemeinen fann fein Zweifel feyn. Durd bie Erfenntniß der unveränderlichen Stellung ber Fizfterne war gus gleid) bie Ausfcheidung der Planeten als einer Welt für fi gegeben. Auf diefem Gebiet bewegte fit nun die Forfdung. Man ermittelte allmählich, daß folder Wandelfterne nicht allzu viel wären; feit dem Ende ded 5. Jahrhunderts nahm man ihrer fünf an. Zugleich beobachtete man die Bahnen der bes fannten und zwar felbfiverftänblid in bem Maße aufmerkfamer und bebarrlicher, als fich die Zahl diefer Klaffe von Sternen immer fleiner herausftellte. Wurde doch durch die numerifche Abnahme ber Objekte der Forfchungseifer zugleich gereizt und foncentrirt. Sunddft aber galt es, Planeten zu orientiren, fic) gang im Allgemeinen über bie Dies die Leiftung ber Forfcher von Thales bis in die fofratifche Zeit. Uns erfcheint fie vielleicht geringfügig. In Wirklichfeit aber war grade biefe Aufgabe feine einfache; man ermáge nur bas große Heer der Sterne am bictbefäten Himmel einerfeits und andrerfeitd bie unvolls fommnen Mittel der Beobachtung in jener Zeit. Unb weld fundamentale Wichtigkeit die Leiftung für den Aufbau der Aftros nomie gehabt babe, fann nicht verfannt werden. Durch jene fchlichten, unfcheinbaren Beobachtungen lernte man bas Sonnen» fyftem allmählich fennen, an deffen Erfenntniß und Berftandnif fic) die Denker der folgenden Sabrbunberte abmúbten;*) bas *) Klar und deutlich aufgeftellt finden wir bas Problem des Sonnen fuftems bei Plato, vgl. Simplic. zu Aristot. d. coel. f. 119 révwy vaotetesody óualdv xal Terayuévwy nlavwuérwy pairousva. xwvjoewy duacwdÿ Ta nel Tag xeviosi 10v

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Paul Hohlfeld: Problem wurde gleidfam entwidelt und formulirt, -burd) beffen definitive Lófung Ropernitus feinem Namen bie Unfterblichfeit gefichert hat. MP atbematif und Philofopbie. Von Dr. Paul Hoblfeld. Das wedhfelfeitige Verhältnis von Mathematif und ‘Philo: fophie zu unterfuchen, dürfte wohl eine an fit iwürbige und zugleich zeitgemäße Aufgabe feyn, da ein großer Theil ber Mathematifer wie ber Bhilofopben über daffelbe völlig im Un: Klaren ift, diejenigen aber, welche zu einer beftimmten Anfidt über daffelbe gelangt find, einander vielfach mwiderfprechen. Das wechfelfeitige Verhältniß zweier Dinge fann nur dann mit Klarheit und Sicherheit erfannt werden, wenn vorher jeded ber beiden Dinge an fic, abgefehen von bem anderen Dinge und von feinem Berhdltniffe zu legterem, erfannt worden ift. In unferem Falle muß alfo zunächft erfannt feyn, was Mathe: matif an fid) und was Bhilofophie an fidh ift, che dad Bers hältniß von Mathematif und Bhilofophie zu einander feftgeftellt werben fann. Wir wollen von der Betrachtung ber Philofophie an fid ausgehen, weil died unferer Ueberzeugung nad bad Leichtere und Bequemere ift. Philofophie oder genauer: reine PBhilofophie*) ift reine Bernunftwifienfchaft, d. 5. die Wiffenfchaft, wiefern fie aus ber Erfenntnifquelle ber reinen Vernunft fhôpft. Diefelbe ¡ft ents gegengefegt der Grfahrungéwiffenfdaft der Wiffenfdyaft, ober wiefern fie aus ber Erfenntnißquelle der Erfahrung, genauer: der finnlichen oder individuellen Erfahrung, fôpft. Als dritte Möglichkeit bleibt nod) übrig, daß bie Wiflenfchaft aus beiden — 440; Borlefungen über das *) Bal. Kraufe, Erfenntniflebre S. 435 Syftem S. 18— 24.