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ASMA
Die Entwiclung der Afironomie bei den
Griechen bis Anaragoras und Empedofles,
in befonderem Wnfhlug an Theophraft.
Bon
MN. Sartorins.
Zweite Hälfte.
5. Heraftit.
Wir find in ben Abfchnitten 2—4 den Epuren aftronomifder
Boríchung bei ben drei erfien Generationen ber jonifdyen Whyfiologie
nachgegangen.
Go fnapp und dürftig auch die Nadys
richten und überliefert find, fo genügten fie doch, um und einen
alígemeinen Ueberbli über die Entwidlung zu bilden.
erfannten einen
fletigen Fortfdritt,
daß gwifden ber Zeit,
Wir
und wenn wir bebenfen,
ta Thales wohl nod) die homerifche
Weltanfiht vorfand, und ben weitreichenden Kenntniffen eines
Unagimene8, weldje viefe in den Stank fegten, bereits Liber
bie großartigen und beftedienten Hypotheien feined Lehrers ein
Urtheil qu fallen, nur ungefähr ein Sabrhuntert liegt (die ganze
Cvode umfaßt etwa das 6. Jahrhuntert v. Chr.), fo fann es
nicht fehlen, tag wir nicht ten eiftungen jener Männer unjere
ungetheilte Bewunderung zolfen joliten.
Um fo mehr überrafcht ter Almjchlag,
eintreten fehen.
Poyfiotogic,
Kegel
welchen wir jegt
Man pflegt an Die drei Häupter der jonifchen
mit weichen wir und oben beichäftigten, in ber
ten Gphelier Heraftit
anzuidiliefien,
cine Reihenfolge,
welde wir hier auch beibehalten wollen, ba ja fowohl räumlich
è
Milet und Ephefus cinanter benachhart fine als aud) zeitlidy
Heraflit hinter Anagimened unmittelbar Folgt: feine Blütheseit
if am
wahricheinlicyften um 500 anzufegen.
Gbenjo in ber
hylogoiftifden Art, die Natur gu erflären, Reht er ten Grüberen
Beltidye. f. Phllel. u. pbiL Aritit, ss. Band,
1
vel Let pena
Kt FOR
Par SIATE
Pri loGo PASOE, Kit ue RI
Pos a
Pagina 2
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Griechen bis Anaxagoras und Empedotles,
in befonderem Anfchluf an Theophraft,
Bon
NM. Sartorius.
Zweite Hälfte.
5. Heraflit.
Mir find in den Abfchnitten 2—4 den Spuren aftronomifher
Sorfdung bei den drei erften Generationen ber jonifchen Phyfios
logie
nachgegangen.
So fnapp und dürftig aud die Nad)s
richten und überliefert find, fo genügten fte doch, um uns einen
allgemeinen Ueberblif über die Entwidlung zu bilden,
erfannten einen
fletigen Bortfchritt,
daß zwifchen ber Zeit,
Wir
und wenn wir bebenfen,
ba Thales wohl nod die Komerifche
MWeltanfiht vorfand, und den weitreichenden Renntniffen eines
Anarimened, welde diefen in ben Stand fegten, bereitö über
die großartigen und beftechenden Hypothefen feines Lehrers ein
Urtheil zu fallen, nur ungefähr ein Jahrhundert liegt (die ganze
Epoche umfaßt etwa das 6. Jahrhundert v. Ebr.), fo fann es
nicht fehlen, baß wir nicht den Leiftungen jener Männer unfere
ungetheilte Bewunderung zollen follten.
Um fo mehr überraft der Umfdlag,
eintreten feben.
Phyfiologie,
Regel
welchen wir jebt
Dan pflegt an die drei Häupter der fonifchen
mit welchen wir und oben befchäftigten, in der
den Ephefter Heraflit
anzufchließen,
eine Reihenfolge,
welche wir bier aud) beibehalten wollen, ba ja fomobl räumlich
Milet und Ephefus einander benachbart find als aud zeitlich
Heraflit hinter Anarimened unmittelbar folgt: feine Blüthezeit
it am wabrfdeintidften um 500 anzufegen, Ebenfo in ber
bylogoiftifchen Art, bie Natur zu erklären, fleht er ben Brüßeren
Beitiär. Shilo. u. vpi Sritit, ss. Band,
RO I LE
Pagina 3
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)nabe.
Grade
auf
unferm Gebiete aber werden mir zugleid
aud) den durdygreifenden Unterfchieb, in welchem er fic) gegen
jene befindet, ftarf bervortreten feben,
Aus bem Urftoffe, fo lehrte Heraflit, bildet fid wie in
einem
gewaltigen SKreislaufe
binge.
Auf dem Wege nad) unten geht bas Feuer in Luft,
die Manidfaltigfeit
ber Einzelbiefe in Waffer, biefes in Erde über; dann febrt der Stoff auf
bem Wege nad oben aus der Geftalt der Erde fiufenmeife in
ben Zuftand bes Waffers, dann der Luft, aulebt bes Feuers
zurüd (Diog. L. IX, 9. Aet. I, 3, 11).
Das AU ift daher in fi
abgefchloffen, begrenzt, die Welt ift eine (Diog. L. IX, 8. Aet. II, 1).
Die Erde befindet fid zu unterft, da hier der Weg abwärts fid
nad
aufwärts
aurüdmenbets
wie fie im Uebrigen vorgeftellt
werden müffe, ließ er unentfchiedben (Diog. L. IX, 11), und aud
über die Befhaffenbeit des umfaffenden Sirmaments enthielt er
fich jeder beftimmten Behauptung.*)
Aus der Erde erheben fidi
Dünfte und ebenfo aus dem Waffer;
jene find bunfel und bes
wirken burd ihr Mebergewicht Nadt und Winter; biefe, von
glangender Natur, haben am Tage und im Sommer bie Obers
hand (Diog. L. IX, 9).
Von ben legteren nährt fi audy das
Feuer
bie Himmelsfirper dachte fidi
ber Oeftirne;
nämlich
Heraflit als boble Schalen, in deren uns zugefehrter Vertiefung
fit die leuchtenden Dünfte anfammeln.**)
Am weiteften ent:
fernt find bie Sterne, weshalb fte weder belles Licht noch Wärme
verbreiten; in größerer Nähe, aber noch in der reinen Luft be:
findet
fic)
bereit8
bie tribe Utmofphare über der Erde (Diog. L. IX, 10,
bie Sonne;
bes Mondes Licht
fchmäcdht
*) Diog. L. IX, 9: zo Sè mepiéyov ¿noiór dorev, ov Önloi.
dagegen
Dem fcheint
Aet, 11, 11 Zapuertôns, Hoaxkeıro; .. mugevoy slvas tov ovgavoy zu wider:
fprechen. Doc tft múgsvos wohl nur in dem Sinne zu veriteben, daß aud
der Himmel aus Feuer fich gebildet babe, vgl. Clemens strom. V, 599 D:
dvrauss yao Abyss, Sts mig ... dé dépos teénetae elg vyeor .., de dè
Tovtov audıs ylveras y} xa) ovpavòs xal tà dunspusyoueva,,
##) Diog. L. IX, 9. Aet. IT, 13 dagegen nennt bie heraklitifchen Seftirne
zulnuara muods, eine Abweichung, die fich jedoch aus den Notizen über die
Befbaffenbeit von Sonne und Mond wohl hinreichend forrigirt.
Pagina 4
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)val. Hippol. I, 4).
Mondes
fowie
3
Die Verfinfterungen der Sonne und bes
die Phafen bes .legteren entftehen burd Wms
brebung refp. allmähliches Umwenden der Schale, fobaf und
die
dunkle Seite augefebrt wird. *)
Die Sonne und ebenfo
wohl aud der Mond und die Planeten ändern ihre Bahn, weil
nicht biefelben Streden auf bie Dauer vermögend find, ihnen
ihre Nahrung zu gewähren (Aristot. meteor. II, 2. 355a 1).
Man fühlt fogleich, daß zwifchen Heraflit und den Früheren
ein fcharfer Kontraft befteht.
banad geftrebt,
Diefe hatten mit allen Kräften
bie Natur, befonder8 aber ben Bau bes Melts
als zu erforfchen; ihr Ziel war es, auf diefem Gebiete zu feften
Borftellungen zu gelangen, und fo zeigten uns felbft nod) bie
furzen Nachrichten, bie wir überfommen haben, eine beftimmte,
flare Sefammtauffaffung, ein deutliches Bild.
Heraflit.
Diogened Laertiu8 bemerkt,
Ganz anders
daß berfelbe die Ent:
ftehung der Dinge aus bem Feuer durch Verdichtung und Vers
dúnnung
in
feiner Weife
(Diog. L. IX, 8).
beftimmt
auseinander
gefegt habe
Zmei andere Galle, wo er denfelben Mangel
ríigt, haben wir bereits erwähnt.
(Es fann alfo nicht auffallen,
wenn wir aud) über bad Verbleiben der Sonne (und der andern
Geftirne) nad ihrem Untergange im Weften nicht weiter unters
richtet werden. **)
Ueberbaupt ift es demnach wohl nicht zweifels
haft, daß Heraflit dad Weltgebaude im Einzelnen gar nicht ers
*) Weber die Sonne Aet. 11, 22 und 24. Diog. L. IX, 10;
über den
Mond Aet. 11, 27 und 28. Diog. L. a.a.D. Teichmüller (neue Stud. 11, 224 ff.)
weift die Annahme eigentliher Kähne und dtefe Verwendung berfelben zu
einer mechanifhen Erklärung für die Geftalt der Sonne und des Mondes
und für ihre Berfinflerungen zurüd; er flebt in den Gagen nur eine theofogifche Metapher, welche Heraklit aus Aegypten entlebnt babe. Sicher und
ausgemacht ift died jedenfalls nicht.
**) Diog. L. IX, 11.
Dem gegenüber finden wir beftimmte Auslaffungen
bet Plato de rep. VI, 498 A, Alexand. 3. d. St. S. 93, Procl. in Tim. 334D
und schol. ad Plat. remp. VI, 498
A, von denen indeß Die erfteren der
letsteren widerfprechen. Am Ende tónnte alfo der Verfud) Zeller’s (Bd. 1°,
622 Anm. 2), beides zu verfnüpfen, überflüffig feyn und Diogenes mit feiner
Nachricht Recht haben.
Pagina 5
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)forfdjen wollte.
Ganzen,
gegen
Gr entwidelt und nur feine Auffaffung des
eingebenbere. Unterfuchungen richtete
Orundfaß: zoAvuadin voov où didaoxe.
fi fein
Signififant ift in
biefem Sinne fein Wort: „Die Sonne ift fo groß, als wir fie
feben”, beffen Bedeutung noch Hlarer wird, wenn wir ed ume
febren: „wir feben ja, wie groß bie Sonne ift”, — wozu alfo,
fónnen wir ergänzen, bebarf ed weiterer Meffung
? *)
Das Hauptftreben des Heraflit galt nicht der Naturerfennts
nif;
feine
pbhyfttalifdyen Sage
haben
eine
ethifde Tendenz.
Ariftoteled folgert aus feiner Auffaffung der Sonne, daß, wie
die Flamme nur ber Fontinuirliche. Proceß einer Umivandlung
ift, bemnad feinen Augenblid diefelbe bleibt, fo aud bie Sonne
nicht an jedem Tage einmal, fondern ununterbrochen fidy erneuere
(meteor. II, 2. 355a 9),
eine Ronfequenz,
von der aud) fdon
Andere angemerkt haben, ‚daß fie Heraflit mit Freuten acceptirt
haben
würde.
Gfeihfam
wie
Serlichter
ziehen
alfo
feine
Himmeldförper durch die Luft, brennend, wo fie Nahrung zum
Brennen finden.
Mit foldyen Borausfepungen ift exakte,
pirifhe Wiffenfchaft
nicht vereinbar;
em:
von biefem Standpunt;
aus that er aber ganz recht daran, daß er ethifche Mächte, bie
Erinnyen, zu Hüterinnen einfegte, damit bie Sonne ihr Maß
nicht überfchreite (fragm. 34 Mullach).
Wir haben bemnad bei
Heraklit weber einen Fortfdritt, nod) aud) nur einen Rüdichritt
der aftronomifchen Renntnifle, fondern ein gänzliches, bewußtes
Abfpringen von diefem Gebiete zu verzeichnen. **)
*) Diog. L. IX, 7. È #2 ¿ore 10 péyedos, 5005 palveras.
Rah
Aet, II, 21 hätte Heraflit die Breite der Sonne auf einen Fuf angegeben. Könnte
diefe Nachricht nicht auf einer mißverftändlichen Auslegung des wahren Wusds
fprud8 beruhen? Diels (Doxogr. S. 221) fhließt aus der metrifchen Form (e2 eos
modes ayPownedov), daß wir darin ein Fragment aus einer Verfificirung
des SHeraklitifchen Gebdantens durch einen Stoifer befigen. „Nam Heracliti
sui patroni ut effata in vulgus magis efferrent, versibus illi incluserunt,“
If
diefe Bermuthung von Diels ‚richtig, fo wäre damit nur dem Mißverftändniß
ein hohes Alter ermiefen.
*¥) Ebenfo unumwunden urtbellt über Scrat Teidhmilller, neue
Stud. I, S. 4.
Pagina 6
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)6. Bythagoras,
Wir befaßten und bisber lediglich mit den Hauptvertretern
ber jonifchen Bhyftologie und führten die Mufterung berfelben
ohne Unterbredung in einem Zuge zu Ende.
nicht ohne Abfidyt.
CS geichah dies
Konnte doch manches Einzelne nicht durd
unzweifelhafte Zeugniffe
belegt
werden,
und aud) zu freieren
Kombinationen mußten wir hin und wieder übergehen.
Das
Gefammtbilb. ber Aftronomie bei den Soniern follte nun durd)
feinen naturgemäßen Totaleindrud aud) für diejenigen Züge bie
Bürgichaft übernehmen, welche wir eigenmächtig entwarfen, indem
und unfere Gemwährömänner entweder zweifeln und fchwanfen,
ober wohl gar im Stich ließen.
rreichten wir diefen 3med?
Sn biefem Falle wäre einem Thales, Aragimander und Anarimened
unfere vollfte Hochadhtung
Sortfchritte ausfihrlidy nad.
gefichert;
wir
wiefen ihre
Doch dürfen wir und aud einer
andern Ginficht nicht verfchließen:
im Grunde wird bod bas
eigentliche Arbeitsfeld ber Aftronomie von jenen Männern nod)
nicht recht intenfiv behandelt, und zwar — wie alébald eine
leuchtet — einfach infolge bed Umftandes,
nicht recht abgegrenzt war.
daß es nod) gar
Ueber bie Zahl der Planeten fehlte
noch jeder Auffchluß.
Halten wir nun daran feft, wie rátbfelbaft erfcheint dann
bie pythagoreifde Aftronomie, fo wie fie gewöhnlich dargeftellt
wird.
Lieft man 3. B. die Ausführungen bei Zeller, Philof. b.
Gr. 14, ©. 381
— 398,
fo wird Jedermann
in
bem bafelbft
gefchilberten Eyfteme allerdings „einen merkwürdigen Fortfchritt
der Sternfunde”, aber zugleich einen völlig überrafchenden und
in feinem Werben und Entftehen durchaus unvermittelten, daher
in ber Reihenfolge ber Entwidlung unbegreifbaren Fortfdritt
erkennen. Wir fehen da plóglid) bie Erde aus dem Centrum
des Kosmos herausverfegt, fehen, daß die Planeten nad) ihrer
Zahl und ihren Bewegungen befannt find, daß auch {don über
ihre Abftande Hypothefen aufgeftellt werden u.f.m.
Gemäß
bem allgemeinen Stand der aftronomifden Wiffenfdyaft in jenen
Zeiten, wie wir ihn eben fennen lernten, müffen wir von vorn-
Pagina 7
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)herein an ber Richtigkeit folder Ausführungen zweifeln.
Wie
auffällig jener Bortfchritt fey, geftand fid) auch Zeller felbft ein,
und fo erklärt er denn, biefes Gyftem fey daher, fo wie e8
vorliege, bad Werk verfchiedener Männer und Zeiten (a. a. D.
S.441); aud fehle eS nicht ganz an Spuren, welde biefen
Hergang fenngeihneten;
fhen Syftem
ale
doch fónne man von dem pythagoreieinem
Ganzen fpredjen, da
wiffenfchaftliden
allgemeiner
und
geichidhtlichen
Gründe wegen wenigftends
bie Grundgedanken deffelben mit voller Wahrfcheinlicykeit auf
Pythagoras felbft zurüczuführen feyen (baf. S, 442, 444),
Gentralfeuer und
Das
die Sphärentheorie fey fon früh von ben
Bythagoreern gelehrt worben, wenn aud die Erdbewegung, bie
Gegenerbe und die Zehnzahl der freifenden Sphären wabriheins
lid) jüngeren Urfprung8 fenen (S. A45
— 446).
Was biefe
legte Bemerfung anlangt, fo ift die darin angebeutete Scheidung
zwifchen Wits und Jungpythagoreifdem an und für fid) nicht
glúdlid
ausgefallen.
Welche Vorftelung follen die früheren
PBythagoreer von den fosmifden Erfcheinungen gehabt haben,
wenn fie die Erde qué der dem Gentralfeuer zugewiefenen Mitte
wegrüdten,
ohne
ihr
gleichwohl
eine Bewegung
um
biefen
Mittelpunkt beizulegen?
Meberhaupt aber gilt es,
die Scheidung nicht nad fubs
jeftivem Grmeffen vorzunehmen, fonbern an der Hand unferer
Quellen jene Spuren von Berfhiebenbeiten innerhalb der pythas
goreifhen Schule fcharf zu firiren und aus ihnen den bat:
beftand zu fonftatiren.
Bahnbrechend in biefer Hinfiht vors
gegangen zu fenn ift das große Verdienft von Th. H. Martin
in feinen Abhandlungen: Hypothese astron. de Pythagore, ent:
halten im Bulletino di bibliografia e di storia delle scienze
matematiche
e fisiche,
publ. da
Roma 1872, ©. 99—126, und:
laus, daf. ©. 1927—157,
B. Boncompagni,
tomo V,
Hypothése astron. de Philo-
Nad Martin erweift fic) die ältere
pythagoreifdye Rosmographie von ber jüngern als grundver(dieden.
Daf eine fharfe Scheidung nothwendig fey, ergiebt fic) auch aus
den theophrafteifchen Trümmern.
$8 wird darin nicht fchlechthin
Pagina 8
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)von Pythagoras oder ben Pythagoreern in ungetheilter Gefammtbeit gefprochen, fonbern merflid) zwifchen Einzelnen oder eingelnen
Gruppen,
‘Bythagorad, Ulfmaon, Hifetas, PBhilolaus,
uéy etc. unterfchieden.
revés
So werben 3. B. bei Aet. III, 1 drei vers
fhiebene Anfichten von ‘Bythagoreern über die Milchftraße aufs
gezählt.
Wir wollen nun verfuden,
dem Beifpiele Martin’s
folgend die Angaben bei ben Kompilatoren bes Theophraft über
die
einzelnen
halten
und
pythagoreifhen Kosmographieen
bie Spuren
der
älteren
auseinander zu
Anfchauung
zufammenzuftellen.
Pythagoras foll guerft die Benennung xéouos gebraudit
haben wegen der in der Welt ausgeprägten Ordnung, und ¿war
dachte er fid) den xoauos al8 Einheit (Aet. II, 1).
deffelben
fey
die
einer Kugel (Diog. L. VII, 19).
Die Geftalt
An diefer
Kugel unterfdied er mit Thales fünf Zonen (Aet. 11,12).
feben
wir
zugleich) den Fortícritt,
Shales hinaus machte.
Sept
welchen Pythagoras über
ES heißt nämlid a.a.D.,
daß er
zuerft die fdyráge Lage bed Thierfreifes erfannt habe.*) Offenbar
alfo batte Thale8 nur beobachtet, daß bie beiden Wendetreife
die
Abweichungen
nad)
Norden
und
Süden
bin
begrenzen.
Pythagoras dagegen bemerkte, daß bie Sonne innerhalb diefer
Zone am Fixfternbimmel eine fchrägliegende, gefchloffene Kreiós
bahn durdjlaufe;
er entbedte alfo nicht bloß die Schiefe des
Ibierfreife8, fondern den Thierfreis felbft, und aud) den Meri:
bian, welcher bie Gfliptif und bie Paralelfreife fenfrecht trifft
und mithin burd die Solftitialpunfte
geht, fonnte demnach erft
Pythagoras ziehen. **)
*) Bon den Anfpriichen, welche der fpäter lebende Chter Denopides
auf biefe Entdedung machte, dürfen wir füglih abfeben; der Streit mag
vielleicht dadurch entftanden feyn, daß die Pythagoreer ihr Wiffen nicht
auSbreiteten.
**) Ueber das Verhältnig von Thales gu Pythagoras kann kein Zweifel
obwalten.
Offen dagegen bleibt die Frage bezüglich des Anaximander.
Seine
Raäbdertbeorie läßt die Annahme, er babe die Entdedung des Pythagoras
gefannt, zu, aber fie involvirt diefe Senntnif keineswegs als eine noths
wendige Borausfegung.
Pagina 9
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Unbedingt aufzugeben find die lanbláufigen Anftchten, welde
die Erde bei Pythagoras betreffen.
AL Ausgangspunkt für
unfere Unterfuchung empfiehlt fich Aet. III, 13 (wept xıyjaews
vhs).
ale
Hier heißt e8: of pév dido péveev tr yv, worauf
Ausnahmen
biefer
allgemeinen
Anfidyt
erwähnt
werden
@iidiaos 6 Ilvdayopeios, “Houxieldng 6 ITovtixos zufammen
mit “Expartog 6 IlvSayoosios
und Anuöxgıros.
Demnad
bürfen wir vorläufig annehmen, daß die ‘Bythagoreer vor Philos
fau8 die Erde vielleicht ebenfalls rubend, alfo auch im Welt:
centrum befindlich fic) vorftellten.
Und biefe Vermuthung bes
ftätigt fid) durchaus,
Musdritlid)
wird überliefert,
daß Pythagoras
bie Erbe
analog ber Kugel ded Weltald in finf Zonen abgetheilt babe,
von denen er die mittlere deaxexoavuévy nannte und fammt den
beiden polaren für unbewohnt, die dazwilchenliegenden dagegen
für gemäßigt und bewohnt bielt.*)
Mithin dachte er fich die
Erde ald Kugel und ringsum (innerhalb der beiden gemäßigten
Zonen) bewohnt, folglich als Centraltórper.**)
Ganz im Sinne
biefes geocentrifchen Syftems lebrte denn aud) Pythagoras bie
Drehung des Firmaments von Often nad Weften (Aet. 11,10);
in diametralem Gegenfag hierzu nahm Bhilolaus befanntlich ein
Kreifen der Erde von Weften nad Often um das Centralfeuer
an (Aet. II, 13).
Das find wenige, aber gewichtige und gradezu entfcheidende
Nacdjrichten, um den radikalen Unterfchied zwifchen beiden außer
*) Aet. 111,14.
Ueber den Sinn der verdorbenen Stelle fiebe Diels
S. 379, Anm.
**) Diog. L. VII, 25.26 péony (nepséyes 6 xoguos) tiv yay, xal avtny
opaspossdi xal nepsosxovuéynr. elvas de xal avtencdas’ xal ta nuiv xatw
éxslvos vo.
Hier ift der lepte Theil von nemosxovusrnv an nur eine
weitere Ausführung der eben citirten Stelle bel Uetius, alfo durd Theophraft
gefihert. (Bal. aud) bezüglih des ¿vw xdtw die vom xoouos handelnde
Nachricht Act. 11,10.) Aus diefem lebten Theil aber tft der erfte (cpacgoesdy,
ton») nur eine unmittelbare Konfequenz, alfo ebenfalls nicht gu bezweifeln. —
GS liege fi überhaupt durch zahlreiche Parallelen erweifen, daB Diogenes
feine Notizen über die Phuyfif des Pythagoras aus guten Quellen fchöpfte
und fih von Theophraft nicht entfernt.
Pagina 10
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)allen Zweifel
fonderen
zu
fielen.
Umftandes,
9
Auch gefdehe Bier nod eined bes
unfere Quellen
betreffend,
Erwähnung.
Wenden wir und ndmlid) nunmehr zu den bie Erde behandeln»
ben Kapiteln bei Aetius, fo finden wir allerdings ben Botha:
gorad
grade da nicht angeführt,
liebften finden möthten.
bafelbft
die
wo wir feinen Namen am
Sehen wir aber genauer zu, fo find
Ausprüde
überhaupt
Außerfi
allgemein gehalten,
namlid) II, 8 x. yc: Gars xal of an’ avrod play elvas
thy yiv, — Ill, 9 x. oxijparos yc: Galÿñs xai of Srwixol
xal of anavr» opaupoudÿ thy yÿr, — II, 10 x. Péoews
yiis’ où
haben
and
wir
Oalew
jebod)
799
wohl
yav
nur
pionv.
bem
Diefe Allgemeinheit
ungenauen
Œrgcerptor
bes
Aetius, Pfeudo-PBlutardy, auf den wir hierbei allein angewiefen
find, fchuld zu geben.
Schreibt doch berfelbe eben fo allgemein
Il, 1 x. xoouou° Qaiÿç xal of adn” avrov Fu tov xó0uov,
wo ber genauere Stobäuß (ecl. I, 22 S.496) anführt Garge,
Illv9ayópas, ‘EunedoxAÿç, "Exqavros u.f.w. Eva roy xdopov.
Schade, daß für jene Kapitel die Parallelftellen bei Stobäus
verloren find und und nicht mehr zur DVergleichung zu Gebote
ftehen.
Nur
ein Punkt erregt Bedenken und Schwierigkeit:
wir
fefen bei Diog. L. VIII, 48 zovrov (Pythagoras) 6 Dafwgivós
prom .. tov oveavdy no@rov óvoudoa: xéouov. xal Tr viv
ospoyyvanr" dg de Geópoacrós, Ilupuevidnv‘ ws dì Zqvor,
“Hotodov, val. IX, 21 nedtog EBarmenides) trav y7v andpyve
opargoedy xa) dy ulow xeioda .. xa? & péuyntou xal
Osópoacros
dy
zweifeln,
und Diogenes recht berichte, ob nicht er felbft
ob
Toig Dvormois etc.
Wir
miffen
durchaus
oder fein Gewahramann, ein Epitomator bed Theophraft, das
nowtov
falfdlid)
eingefchoben
babe.
Auch
bie Parallelftelle
fhwmädt diefen Zweifel nicht, fondern erhöht ihn vielmehr nur;
benn
daß
nad Theophraft erft Parmenides die Erde in bie
Weltmitte verfegt haben follte, ift unmöglich.
Merkwürbig if,
daß auch bei Aet. III, 11 behauptet wird, Ilapuevidns nowtos
aQwowe Tÿs yg Tove olxovuévovs
Tönovg Und Taig dual
Pagina 11
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Covos taig Toonıxais, wo dad nomros ebenfalld der Angabe
IU, 14 über Pythagoras widerftreitet.
menibe8 der Mann,
Vielleidyt war alfo ‘Pars
welder die ben PBythagoreern lange bes
fannten Thatfaden erfimals veröffentlichte und weitern Kreifen
mittheilte.
Nunmehr fragt es fi) nod),
Phänomene,
welhe swifden
wie weit ‘Bythagorad bie
Erde
und
Himmel
ftattfinden,
gefannt und auf welche Weife er fie erflärt babe, — mit andern
Worten, wads Pythagoras von ben Planeten wußte und wie
er fi ihren Lauf dachte.
Hinreidyend verbürgt ift eS, daß er
bie Ortöveränderung berfelben am Firfternhimmel von Weften
nad) Often beobadytet babe.
Ausprüdlich überliefert wird biefe
Kenntniß zwar nur von „den Mathematifern” und unter ihnen
namentlid von Altmáo (Aet. II, 16).
Indeß if ja diefer lebtere
nicht
felbft
viel
Tropen
jünger,
der
(Aet. II, 23).
und Pythagoras
Sonne
richtig
durdy
erklärte
bie Schiefe
fon
bie
bed 3obiafus
Die Geftalt der Sonne nahm er wohl fphärifch
an (Aet. II, 22) und ebenfo wahrfcheinlich die des Monde und
der übrigen Geftirne.*)
Die Sonnenfinfterniffe ereignen fi) ins
folge des Bortretend bes Mondes (Aet. Il, 24).
hielt Pythagoras
Den legteren -
für einen feldartigen Körper;**)
fein Licht
fommt ihm von der Sonne zu (Aet. II, 28. Diog. L. VIII, 27),
mithin ändern fich bie Phafen je nad ber Stellung au derfelben,
und bie Verfinfterungen erfolgen burd das Dagwifdyentreten der
Erde. ***)
St {don bas Bisherige zum Theil ungewig, fo läßt uns
im Mebrigen Theophraft gänzlich im Stich, befonders rüdfidtlid
ber vielfach als Kernpunft pythagoreifder Aftronomie betrachteten
Sphârenbarmonie.
F5
Aud Martin fteht hierin nod) merflid) unter
*) Aet. Hy 14
— Stob.: of uèy alloı oyaspızovg avtouvs (rovs dottoas),
Plut.: of Srw-xol apaspexovg tods aotéoas xadanep Tor xocpor xal Fleoy
xal oednyny.
**) Aet, II, 25;
nerewdes cua (Theodoret IV, 23) tft Hier jedenfalls
bas Richtige.
***) Aet. II, 29, wo unter den wadnuatixol wahrfcheinlih aud Bythagoras zu verfiehen ift.
Pagina 12
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)dem Banne bergebradten Srrthum8.
Er weift zwar eingehend
nad), daß Pythagoras nicht zehn Himmelsforper um das Centrum
freifen ließ;
und in ber That wird aud) bei Theophraft ders
gleichen lediglich von Philolaus gemeldet (Aet. IL, 7). Dann
aber erklärt fit Martin felbft dahin, daß bei Pythagoras adt
folche Maffen die Erde im Centrum tönend umfdwingen, nämlid)
außer den fünf Planeten nod) Sonne, Mond und die Fixftern:
fphare (a.a.0.S.110ff.).
Bielmehr miiffen wir gegen jebe
beftimmte Ziffer einwenden, daß Pythagoras unmöglich die Fünfzahl der ‘Planeten fchon angenommen babe.
Bei Theophraft
fuchen wir vor Plato und Bhilolaus beftimmte Angaben darüber
vergebens, und die eine Stelle bei Aet. II, 19 toy padnuutixay
teves piv wc Illarwv, vives de uéoov navtwy roy MMor if
zu allgemein gehulten, um irgend etwas zu bewelfen.
Diels
will fogar Diog. L. VIII, 14 nourov te (Quo) Iludayópav)
“Eonepoy xal Dwoqdooy tov adrdv eineiv, $e pro: Iapuevlônc
fo forrigitt und interpretirt wiffen, als ob felbft das Anrecht
auf bie Sbentificirung von Morgen» und Abenbftern zwifchen
Bythagorad und Parmenides (dywanke (Doxogr. S. 492 Anm.b, 6).
Hierüber ließe fid) indeß nod) debattiren.*)
Aber unzweifelhaft
ift, daß ben alten jonifdjen Philofophen die Zahl ber Wandel:
flerne nod) unbefannt war.
Aud) lange nad) Pythagoras, bei
Anaxagoras und Demofrit, fehen mir bie Lófung ded großen
Problems, bie Planeten von ben Firfternen zu fonbern, nod)
wenig
gefördert (ogl. unten ©. 22),
nicht die Schwierigfeit der Sade!
nicht bewältigt haben.
Man
unterfdage nur
Aud) Pythagoras wird fie
Und gefebt, er hätte von Anbern, etwa
in Aegypten, Näheres gehört, fo müßten wir betroffen feyn, bei
Barmenibes, ber doch dem Wiffen des Bytbagoras ziemlich nahe
geftanden zu haben fcheint, fo ganz und gar nicht auf eine An:
deutung zu ftofen (Aet. II, 15).
Zum Sobluffe fey nod auf einen Umfand” bingen.efen,
welcher dem ganzen, bidher entwidelten altpythagoreifdyen Welt
*) Die Rontroverfe tónnte analog liegen wie oben ©. 9.
Pagina 13
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)foftem fi) von felbft anpaft und es baber ftúgt und zur An:
nahme empfiehlt.
In dem Kosmos des Philolaus ift eigentlich
die Dreitheilung auffallend, wonad) zuoberft der divo”, dann
ber xoouos vom Saturn herab bis zum Monde und ¿ulegt der
ovoavés fommen fol, 76 vxo tovro:s Unootinvdv te xal replyaıov péoos, dv o tà tig pidouerafódñov yevéoews (Aet. II, 7).
Man fragt: gehört bas Stúd von der Erbe bid zum Central:
feuer aud) zum ovoavos, zur Sphäre bes veränderlichen Ent:
ftehend?
Dem widerfpricht bod) die göttliche Natur des Central:
feuerd.
Im biefer Dreitheilung erfennen wir nun einen Rachflang
und Reft bes alten Syftems, bei welchem fie fid) ungefucht bar:
bietet, ba ja bei ihm bie Erde tas Centrum bildet.
Fir biefes
alte Spftem, wie wir ed eben fennen lernten, hatte bie 3us
fammenfaffung ber mittleren Region unter bem Ramen xóouos
aud) ihre leichterklärliche Bedeutung; in fie gehörten alle Sterne
mit abweichender Bewegung, deren einige man {don beobachtet
hatte,
ohne daß man aber darum ihre Zahl für abgefchloffen
und ausgemacht halten zu bürfen gewähnt hätte,
7. Xenophanes.
Reben ber fonifden Schule Rleinafiens und den Pythas
goreern Staliend
entiwidelte fih in biefem lebteren Lande bie
Philofophie ber Eleaten.
In der Aftronomie weifen fie ganz
und gar feinen Sortfritt gegenüber jenen andern dlteren ober
gleichzeitigen Borfchern
auf.
ES
gefchiebt daher lediglich im
Intereffe der Vollftánbigfeit, daß wir hier mit furzen Worten
ihrer gedenfen:
fol das Gefammtbild vom Gange der Fosmifhen Wiffenfdhaft fic wirkungsvoll barftellen und vertiefen, fo
barf fein größeres Stüd deffelben leer. gelaffen und vernadys
läfftgt werben.
Der Sianbpunft
reichen
bed Xenopbanes
charatteriftrt
fid
bin:
autein durch bie Thatfade, daß er die Erde nad unten
im Unenblihen wurzeln läßt (Aet. 111, 9).
der chronologifchen Ordnung:
Anarimander, Pythagoras;
Crinnern wir uns
voraubgegangen find Thales,
Heraflit ift alfo nicht der einzige,
Pagina 14
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)auch
nicht ber erfte,
13
welder der wichtigften fodmifden Gre
rungenfchaft jener Zeit abtrinnig wurde!
Die Erde ift mithin
nad) Xenophanes von unendlicher Ausdehnung und weber von
Luft nod) vom Himmel umfaßt (Hippol. 1, 14. Plut. strom. 4,
[Doxogr. S.580, 17]).
Der Mond ift eigentlich überflüffig,
bie Sonne dagegen dient der Entftehung und Erhaltung ber
Welt und ihrer belebten Wefen (Aet. II, 30).
Flr die ins Un:
endliche fit ausbreitende Erde mochte ed nun ratbfam erfcheinen,
nicht nur eine Sonne aufzuftelen, — gleihfam thr Wohl und
Wehe, ihre Eriftenz nicht bloß auf ein Auge zu fepen.
Aus
biefem Grunde wohl theilte Fenophane8 bie Erde in Streifen,
von denen jeder im Befig befonderer Sonnen und Monde fey.*)
Die Geftirne galten ihm als flammende Wolfen,
welde an
jedem Tage aufleben, indem fie beim Aufgange fid) entzünden,
beim Untergang verlöfchen (Aet. II, 13. Plut. strom. 4, [Doxogr.
S.580, 18]).
Selbftverftandlidy bewegen fie fi fammtlicy nicht
um bie Erbe in einer Kreisbahn, fondern über ber Ebene der
Erde hin, wobei der Schein einer Kreisbewegung nur burd den
Abftand (welcher in ber Ferne fleiner erfcheint) bewirkt wird;
ausdrüdlich bezeugt ift biefe Weife ber Bewegung freilich nur
von der Sonne (Aet. II, 24).
Aud) ber Mond ift eine feurige
Wolfe (Aet. II, 25), bemnad felbftleuchtend (Aet. II, 28), und
er erlifcht auch zur Zeit ded Neumonbes (Aet. II, 29).
gleichen
Des:
ift bie Sonne ein brennendes Gewölf feuchter Aus:
bünftungen (Aet. II, 20),
(Aet. 11, 24).
weldyes
bei
Berfinfterungen erlifcht
Xenophanes fpridt dabei aud von vollftändigen
Eflipfen, fodaß ber Tag fic) zur Nacht verbunfle, und fügt
eigenthlümlicher Meife die Erzählung hinzu, bag fogar Sonnenfinfterniffe von ber Dauer eines ganzen Monats vorfämen, wobei
ber Sonnendisfus nad) einem andern Abfchnitt der Erde fidi
entferne.
Martin traf wohl bas Rechte, alg er v ıtnuthete, **)
daß Fenophane8 burd derartige Finfterniffe feine Hypucgeis von
*) Aet. II, 24.
Die Streifen beißen xA/uara, anorouar oder Cadvar.
**) Mémoires de l’acad. des inscrtpt. et belles-lettres, 1879, XXIX, 2,
Pagina 15
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Erbüberfluthfungen babe ftiigen wollen.
Lebrte er doch, die
Erbe, ber Urftoff aller Dinge (Aet. I, 3), babe fih früher in
einem fchlammigen 3uftand befunden, wo Fefte8 und Ylüffiges
gemifcht gewefen fey, wie bie Whdriide von Wafferthieren mitten
in Steinen bewiefen.
So werde aud) die Erde vom Meere
wieder aufgelöft werden und barauf das Entftehen von neuem
ftattfinden (Hippol. I, 14).
Martin unterwirft einzelne Punkte biefes Syftems einer
näheren Rritif, um au zeigen,
que de grands philosophes
peuvent émettre en astronomie des opinions puériles ou extravagantes und daß Fenophane8 zu diefer Klaffe gehöre (a. a. D.
6.161).
GS bedarf wohl aber nicht erft eines eingehenden
Radweifes dafür, dag unferm Philofophen in Rüdiicht auf
Aftronomie ein Ehrenplag nicht gufomme.
8. Barmenibes.
Auch ‘Parmenides aus Elea,
der Schüler des Vorigen,
ermeift fit nicht als befonbers hervorragend auf fosmifdyem
Gebiete.
Ja wir verftehen eigentlid nicht recht, wie berfelbe
überhaupt neben feiner Lehre vom wahren Seyn aud) die Welt
ber Erfcheinungen beftehen laffen und behandeln fonnte, zumal
er bod) bas biefelbe vermittelnde Erfenntnißvermögen, bie finne
liche Wahrnehmung, ale trügerifch hinftellte.
nur als Infonfequenz erfcheinen,
Uns fann dies
und wir bürfen barin eine
Ronceffion an bie Zeit erbliden, deren mächtige Strömung auf
die Aftronomie bin nicht zu verfennen if.
Diefe unwiderftehlide Gewalt rif den PBarmenided auch weg von dem einfamen
Standpunft
feines Lehrers.
WBielleicht
war
es infonberbeit
puthagoreifcher Einfluß, der den fpefulativen Kopf ben Errungens
fhaften ber vorausgegangenen Generationen unterwarf (vgl. oben
S.9 und 11).
Barmentdes dachte fidy die Welt ber Erfcheinungen als eine
(Aet. II, 1), fugelfórmig und hervorgegangen aus zwei Elementen,
bem heißen, leuchtenden, leichten euer und ber falten, dunflen,
fchweren Erbe, von welchen das erftere zugleich bas bewegende,
Pagina 16
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Ichaffende, das lebtere dagegen bas leidende, ftoffliche Princip
vorftellt (Aet. I, 3 [nach Theodoret, Doxogr. ©. 284]. Diog. L.
IX, 22. Hippol. I, 11).
Umfchloffen wird fte von einer Hülle,
melde feft ¡ft wie eine Mauer.
Der Raum innerhalb biefes
Umfreifes theilt fid) in fogenannte orepava:, bie einander ums
faffen, alfo in Kugelfchalen.
Die Anordnung berfelben ift nicht
recht flar überliefert.
Wir lefen nämlich bei Aet. II, 7: xal 70
negıdyov
(scil. orepavaç)
de
nacas
telyovg
dleny ovepedr
únaoxer, ig w nveddns otepary, xal TO ueoalıarov nació»,
neg) 5 nal nupwdns.
Zeller, Philof. db. Gr. It, ©. 525, 2
dürfte hinter zaoûr richtig ergänzt haben otegeoy ünapxer;
aber
unter
bem
bas Centrum
umfdliefenden nvowdes ohne
Weiteres, bie bie Erde umfaffende Luft zu verftehen,
bebenflid.
ift bod
Sehen wir davon zunädft ab,
fo läßt fit das
Uebrige leicht und einleuchtend fombiniren.
Am beften gehen
wir aus von Aet, II, 15, wonach Parmenibes bie erfte (Dd. i.
oberfte) Region ber Venus zuertheilte: fie befinde fid) im Aether
(unter bem Firmament).
Dann folge bie Sonne und darunter
bie Sterne à» tq nvowda, Greg ovgavdy xadeî, vgl. Aet. II, 11.
Damit ftimmt
der Anfangspaffus
obiger
Stelle
(Aet. II, 7),
welcher berichtet, daß abgefeben vom Firmament eine orepdrn ..
de tov aeacod (ber Aether) und eine ovepuva 2x tov nuxvoÿ
(die Erde) auseinanderzubalten feyen, zwifchen denen fici puexrol
cile: Ex pwrös xal axotovs befänben.
Galen (c. 50) bat alfo
feine Quelle Plutard nicht recht fompilirt, wenn er aufzählt:
nowtov nig, era aidloa, ueŸ Ov útpa, weF Ov Vowp;
Aether und Feuer haben bet ihm ihre Orte vertaufdht.
Wir
fehen bemnad als Umfaffung bas fefte Firmament, unter ihm
Schichten
von
ftufenweis
abnehmender Temperatur
und
¿us
nebmenber Dichtigfeit, gunddhft ben Aether mit der Venus und
Sonne, dann bas nvewdes oder den odpavos, dann die Luft
und das Waffer, bei Aet. II, 7 ald meplyeo zufammengefaßt,
endlich im Centrum bie Erbe.
Die Luft fonberte fid) von der
Erde ab als eine Ausdünftung berfelben (Aet. II, 7), und jene
Angabe: xepl 6 (scil. ro ueoalsarov, die Erde) nugwdns geht
Pagina 17
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)alfo wohl auf bie Zeit, ale bie Luft nod) nicht fit gebilbet
hatte, falls nicht etwa unter 70 peoolrarov bie Erde fammt
ben neplyera zu verftehen ift.
Ä
Bon den gemifchten Schichten ift bie mittlere bie wichtigfle;
von
ihr
ftammt
alle Bewegung
und Ordnung.
oveavds und enthält die (Bir-) Sterne,
maffen (Aet. 11, 13);
an
ihrer
Sie heißt
b. f. verfilzte Feuers
unteren Grenze zieht fich bie
Milhftraße hin, indem burd bie Mifhung bed rmvxvó» und
apoudr eine mildweife Farbe fic) ergiebt (Aet. III, 1).
Aus ber
Mildftrafe fonberten fid Sonne und Mond ab, wobei jener
ber leichte,
beige,
biefem ber dichte Beftandtheil zufiel.*)
Die
Sonne fteht etwas weiter von der Erde entfernt als die Mild.
ftrafe (Aet. II, 15), den Mond dagegen werden wir und wohl
etwas unterhalb biefer Schicht zu benfen haben, wenn auch nicht
fehr weit von der Sonne abftehend, ba Parmenites beide an abfos
Iuter Größe einander gleichfepte (Aet. IL, 26).
Der Mond ift alfo
ebenfalls feurig, doch ift fein Eigenlicht wegen bes bem leuchten:
den Element beigemifdten bunflen Beftanodtheils fdwad, und
den Hauptglanz empfängt er von ber Sonne (Aet. IL, 26 und 30).
Die Erde
hielt Parmenide8
für
fpharifd),
Centrum (Diog. L. VIII, 48. IX, 21);
fie
in Nube,
weil
fie
ihr Ort fey bas
an tiefer Stelle verbleibe
bei dem gleichen Abftand nad allen
Seiten in feiner Richtung eine befondere Anziehung empfange
(Aet. 111,15).
Bei der Eintheilung berfelben in bewohnte und
unbewohnbare Zonen fchloß fi Parmenides wahrfcheinfich ganz
bem. Pythagoras an (Aet, IH, 11 vgl. III, 14).
9, Anaragoraf.
Das Leben ber Männer, telde uns bisher befchäftigten,
entfällt im Allgemeinen auf das fedfte Jahrhundert,
*) Aet. IT, 20.
Ibre in
Wäre es nicht eigentlich eine. billige Anforderung an
Konformität, daß fih die Milchftraße Tugelförmig über den ganzen Himmel
ausbreiten follte? Diefem Sfrupel Liebe fich inbeb leicht mit der Gypotbefe
begegnen, daß der größte Theil jener Grenzfchicht fio eben zu Sonne und
Mond zufammengefchlagen babe, fodaf alfo von der anfänglichen Kugelfchale
nadber nur nod ein reifförmiger Streifen übrig blieb.
Pagina 18
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)ben Grundjiigen übereinftimmenben Anfichten über ben Bau des
Weltals erfahren auch im fünften Sáculum nod nicht fogleich
eine principielle Umgeftaltung.
Anaxagoras von Klazomend ift
ber erfte, welcher und in biefer Zeit entgegentritt;
fest
man
feine Geburt
mit Wahrfcheinlicyfeit in das erfte Decennium des
Jahrhunderts.
Befannt ift, daß diefer ‘Bhilofoph zwifchen ben
beiden Ertremen bes altjonifden Hylozoismus, welder in all
dem bunten Mechfel der und umgebenden Welt Abwanblungen
eines veränderungsfähigen Urftoffe8 erblidte, und der Theorie
ber Eleaten, welde Werden, Bewegung und Bielbeit in Abrede
ftellten
und
nur
eine
rubende,
ftetige Einheit
wollten, einen Mittelweg anzubahnen unternahm.
gelten
laflen
Gr acceptirte
bie qualitative Unverdnderlidjfeit bed Seynd, nahm aber eine
Bielbeit,
eine
fleinen
@lemente
unendliche
an.
Fülle
folder
Sämmtlid)
fonftanten,
unenblit
einander
verfchieden
von
bildeten fie, fo lehrte er, anfangs eine unbeftimmte Mifchung
von Feuhtem
und Trodnem,
Warmem
und Kaltem u.f.w.
Erft durch den Umfchwung fonderten fid) unterfcheidbare Einzels
binge aus, intem oxépuata Ahnlicher Befchaffenheit ftelenweije
in größerer Menge zufammentraten und dadurdy über Die andern
bie Oberhand erhielten (Bragm. A Mullady und 6 gegen Ende).
Den Umfdhwung der anfangs rubenden Maffe gründete er auf
ein zweites Princip, den vous, in welchem er die beiden Fabhige
Erfenntnig zu haben und Bewegung hervorzubringen,
feiten,
verband, ohne ihn jebod) ganz immateriell aufzufaffen (Fragm. 6).
Es ift nun duferft intereffant, biefem Weltentftehungsbilde zur
genaueren Betrachtung etwas näher zu treten.
bervorgebradte Umfchwung
wird
nänlich
Der vom voög
vorzúglid
auf bie
Bewegungen ber Geftirne bezogen (ebendafelbft). Dabei haben
wir aber von jegigen Verbáltnifien zu abftrahiren; denn ans
“fangs gefdah, fo behauptete Anaxagoras, biefe Umbrehung
parallel bem Horizont in Form einer regelmäßigen Kuppel,
fodaß alfo ‘Bol und Zenith gufammenftelen, mithin die Neigung
des erfteren gegen Norden und aud die Sdhiefe der Bahnen der
Wanbdelgeftirne nod) nicht beftanden (Diog. L. II, 9). Spindel:
8eitídye. f. Philof, u. philof. Rritil es, Band.
Pagina 19
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)formig rotirte bemnad urfprünglich alles in ungeftörten Zirfeln
um eine auf ber Erde fenfrechte Linie ale Achfe.
Lefen wir nun,
daß ber vods zuerft von einem Kleinen Bezirke aus begonnen habe
umaubreben, bie Rotation aber dann weiter fortgefchritten fey und
nod) weiter fortfchreiten werde (Bragm. 6), fo fombiniren fich die
Nachrichten von felbft zu bem Schluffe, daß die Angrifföftelle
für bie Weltvernunft der Himmels-Nordpol gemefen fey.*)
Sene Rotation führte zugleich eine Sonderung herbei, indem
fic) die fchwereren Theile mehr nad innen, die leichteren nad
außen vereinigten (Sragm. 6).
Hauptfächlich unterfcheiden fidh
vier Schichten, Aether, Luft, Waffer und Erde (Diog. L. II, 8).
Der Groforper ift flach, daher vermag thn bie Luft in ber Mitte
des xoouog freifchwebend zu tragen (Hippol. I, 8).
Trog diefer
flachen Geftalt hält fid bas Meer auf feiner Oberfläche,
weil
biefe Lage der Schwere bes Waffers entipridt (Diog. L. II, 8).
Die Gelchwindigheit der Kreisbewegung war über alle Maßen
groß (Aragm. 11);
daher rif der Wirbel Erbmaffen mit fi
fort, welche am feurigen ether glühend geworden als Geftirne
gefeben werben.**)
ALS folche Freifen fie nun von Often nad)
Weften (Aet. II, 16).
Anfänglich horizontal rotirend fenfte fidi
ber Himmel, und gwar von felbft, erft nachdem bereits lebenbige
Wefen
entftanden
waren, —
wahrfcheinlih zu
bem 3wede,
*) Um fo auffallender tft es, daß außer Martin (mémoires de l'acad.
des inscript. et belles-lettres XXIX, 2 $, 176) noch niemand eine Abnlice
Permuthung ausgefproden bat. Offenbar traute man derartige exakte Kennts
niffe jenen frühen Zeiten überhaupt nicht gu. Dem entgegen miffen wir es
vielmehr unentidieben laffen, ob Anaragoras den Pol zuerft bezeichnet babe.
Dielleicht gebührt diefes Berdienft einem Früheren, am Ende fogar dem Thales
fon, welder ja die Aufmerffamfeit der Griechen auf das für die damalige
Schifffahrt wichtige Sternbild des Beinen Bären in der Nähe des Poles
lenfte; vgl. Achilles ad Arati phaen. 1. Schol. ad Arati phaen. v. 27 und 29.
Schol. ad Iliad. 18, 487. Strabo, I, 1, 6.
**) Aet, II, 13.
SHternad find es die feften Maffen der Geftirne felbft,
welche glúbend wurden und nun leuchten.
Nach Plot. Lysand. c. 12 wäre es
Dagegen nur ber ether, gegen den fie antreiben und der fih um fie berum
bridt (etwa wie das Waffer am Vordertheil eines Schiffes), von welchem
das Licht berrübrt.
Pagina 20
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)damit einige Gegenden unbewohnbar,
andere aber bemobnbar:
würden, je nachdem ihr Klima fid) baburd heiß oder Fait oder
gemäßigt geftaltete (Aet. II, 8). — Die größte Entfernung haben
die Sterne;
ift.
fie bewegen fid) alfo, wo der Aether am reinften
An Licht und Wärme übertreffen fie temnad) die Übrigen
Himmelsförper, doch fchwädht beideß ihre große Entfernung von
und (Hippol. I, 8).
maffe,
Ráber fteht die Sonne, eine glühende Steins
größer als ber Peloponne8 (Diog. L. II, 8. Aet. II, 21.
"Bol. aud)
unten
©. 23).
Den
fleinften Abftand
von
der
Erde hat — abgefehen von einigen bunfeln, ganz unfihtbaren
Körpern, von deren Verwendung alsbald die Rede feyn wird —
ber Mond (Hippol. I, 8), beffen Größe Unazagora8 jedenfalls
aud) nicht gering veranfdlagte, da er ibm Ebenen, Berge und
Schluchten beilegte.*)
Licht;
Aud diefer Himmeldkörper befigt eigenes
wenigftens ift es bezeugt, daß Anaxagoras fic) feinen
Zuftand glühend dachte (Aet, II, 25. Hippol. I, 8).
efen wir
nun aber an andern Stellen, daß der Mond von der Sonne
erleuchtet werde (Aet. II, 28), fo erfeben wir daraus, daß unter
dem Gigenlidt
ledigli
der
abgewandten
fey.**)
Die dunflen Flede auf der andern Hälfte bezog Anaras
*) Aet. 11, 25.
Hälfte
fdmwade Schimmer ber von ber
Sonne
Hippol. I, 8.
ded
Mondförperd
au
verftehen
Rad) Diog. L. 11,8 gäbe es aud Häufer
auf dem Monde, eine Nachricht, auf Grund deren man aud das feltíame
rg. 10 auf den Mond bezogen bat.
Uns muß dies gemäß der glühenden
Befchaffenheit des
Geftirns fraglich erfcheinen.
Die Größe
des
lebteren
fepte Anagagorad nach Plut. d. fac. in orb. luo. c. 19 der des Peloponnefes
gleich; theophrafteifche Beläge fehlen uns hierfür indef.
**) Olympiod. comm. in Aristot. meteor. p. 15, b erinnert zum Vergleich
an den matten Schein glimmernder Kohlen.
Beiläufig fey erwähnt, dah
nach Plat, Crat. 409 A Anagagoras aud das Eigenlicht des Mondes von der
Sonne berleltete und gleihfam eine Nachwirkung der zeitweifen Beftrablung
dur Die legtere feyn ließ. — Dielleicht geht auch der Sag bei Hippol. I, 8
Ere dì oùy dpotws Jeeuè (Hed Segun!) 19 lo dà tò ywoav tyew
qpuyootéoer auf den Mond.
Mad dem überlieferten Texte wäre vielmehr
ta Gorga alè Subjelt zu fuppliren; aber wir können die Sterne, welche doch
die Hidften Regionen inne haben, alfo tm reinften Aether fic) befinden, eine
ältere Umgebung haben ald tie Sonne?
Um die angegebene Beziehung
herguftellen, genügt es, den nächfifolgenden Sag elva: ... judy voranzufegen.
Pagina 21
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)‘gora8 auf die ungleichen Beftandtheile, aus welchen bas Geftirn
gemifcht
fey;
die
bunflen Maffen würden nämlich fchmwächer
erleuchtet (Aet. IT, 30). Die Sonnenfinfterniffe tráten ein, indem
zuweilen zur Zeit bes Neumonted der nicht erfeuchtete Mond
die Sonne verbede, — die Verfinfterungen des Mondes, wenn
die Erde zwifchen ibm und" der Sonne fich befinde oder einer
jener dunklen Körper unter ihm vorüberziehe.
Die Phafen ded
Mondes ergäben fic) dagegen durdy feine Stellung zur Sonne,
indem legtere, je näher er ihr fomme, um fo weniger feine
ganze und zugefehrte Seite erleudyten fonne.*) Hieraus folgt
mit Nothwendigfeit, daß Anazagoras dem Mond die Geftalt
einer Kugel gab.**) Denn wäre er eine gebirgige Platte, fo
ift nicht abzufehen, wie unfer Pbilofoph die wechfelnden Gr:
fcheinungen
beffelben
auf eine fo
einleuchtende Weife babe
erflären fonnen, al8 von ihm rúbmend anerfannt wird. ***)
Die roonal von Sonne und Mond haben ihren Grund in
bem Gegendrud der Luft, weldye, von den Geftirnen felbft qu:
fammengepreßt, burd die Verdichtung die Kraft dazu erhält;
fie ereignen fi beim Monde öfter ald bei ber Sonne ins
folge feiner Fälteren Umgebung, welde fehmwerer zu überwinden
Dffenbar verftano der Autor die beiden Falta des Eigenlichtes und der Ers
Ieuchtung durch die Sonne nicht zu fombiniren, daher fein Irrtum. Bergl.
aud S. 22 **.
*) Aet. LI, 29. Hippol. 1, 8. — Su der Annahme dunfler Körper unter
dem Monde war Anaxagoras badurd veranlaßt, weil er den Erdfchatten
mit der Dtildftrabe ibentificirte, vgl. unten ©. 22; jede Monpdfinfterniß
nämlich, welche nicht innerhalb der Milchftraße fid) ereignete, verlangte al8s
dann einen andern Grfldrungsgrund als das Awifchentreten der Erde.
**) Gälfblid bezeichnet schol. ad Apoll. Rhod. 1, 498 den Mond als
nloreia ywou; das Adjeftivum
unridtiger Zufaß.
e) Hippol. I, 8.
tft fider des Scholiaften eigenmächtiger,
Bgl. Plut, Nic, 23. de fac. in orb, lun. 16.
Die
Unebenheiten der Mondoberflide benübte alfo Anagagoras nicht zur rs
tlárung der Phafen.
Auch bet der Darlegung der Entftehung der dunflen
Flede fheinen fie nur eine untergeordnete Rolle gefpielt zu haben, Act. IL 30.
Wir miffen daher wohl annehmen, daß Anaragoras die Sdattengrengen
auf der Mondkugel bei theilwelfer Beleuchtung fhärfer beobachtet und deren
fiellenweis gebrochenen Verlauf durch Berge und Thäler motivirt babe.
Pagina 22
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)bie Abweichungen
21
ber Planeten von tem regel:
mäßigen Kreislauf zuftande fommen, barüber fehlen und Be:
richte;
doch
ift
wohl faum zu zweifeln,
daß aud Bier der
Widerftand der Luft den Erklärungsgrund abgab.
Die Meteors
fteine find nieberfallende, abgeriffene Bruchftüde der Geftirne. **)
Die Sternfchnuppen dagegen haben feinen erdartigen Kern; fie
find vielmehr Nethertheile, welche bei der Bewegung der Sphäre
funfenartig abfpringen und daher audy bald verlöfchen (Aet. III, 2Hippol. I, 8. Diog. L. II, 9).
Eigenthümliche Vorftelungen
hatte Anaxagoras über das
Wefen ber Kometen und der Milchftraße. Die fpecielle Veranlaffung
zur Aufftellung einer beftimmten Hypothefe über die erfteren war
wohl dad Erfcheinen eines Schweiffterne von Weften her um biefelbe
Zeit, ald der Meteorftein von Aegospotamoi fiel (Aristot. meteor. I, 7-
©. 344b 31).
Anaragoras erflarte nun die Kometen für ein Zu:
fammentreffen von zwei oder mehreren Planeten, wobei die von
ihnen ausgehenden Strahlen fic) fammeln oder vereinigen.***) Der
Wortlaut der und hiervon berichtenden Stellen ift an fich nicht
ganz far.
&8 bleibt nämlich ungewiß, ob Anaxagoras eine bloße
Vereinigung der Strahlen annahm etwa entfprechend dem Ver:*
hältniß der Aebren in einer Garbe,
oder ob er die Verftarfung
des Lichted fo zu fagen auf Spiegelreflexion bafirte.t)
*) Aet. II, 23.
Hippol, 1, 8,
roonas
Ungleich
dè nowwiodas xal Hlıov al
celijvny dnwdovuévovs Und tov dépos. osinvnv dè nodldms teénecFac dia
10 un Ovraoda xoureir tod wuyooù.
Der legte Sa enthält offenbar
nicht einen neuen, zweiten Grund für die Mondtropen, fodaß fonft der Lufts
drud, oftmals aber die Kälte das Geftirn veranlaffen follte, fic gu wenden;
dann würden wir ja aud) erwarten: cedivny de xal uf. w.
**) Diog. L. 1, 10; vgl. Plin. hist, nat, 11 $ 149 und Aristot. meteor. 1, 7
©. 344b 31. Die Zuthat in den beiden erften Stellen, daß Anazagora8 den
Fall jenes berühmten großen Meteors von Megospotamoi vorausgefagt
babe, braucht uns nicht gu betrren; fie charafterifirt nur die Sachkenntniß
der Rompilatoren,
+) Aet. III, 2 AvuSayogas
xal Anudxectos ovrodoy aorsowy dvolv à
xal nleurwy xaıa ovrauyaouôr.
Diog. L, Il, 9 roùç dè xourias ourodor
nhavniay ployas dquéytwr.
+) Das erftere (hlaffe fich vielleicht enger an die eben citirten Notizen
an; vgl. aud) Aristot, meteor, I, 6. 3, 342b 27,
Alexand, Aphrod, in Aristot,
Pagina 23
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)wichtiger aber als bie Entfcheidung biefer offenen Frage if für
und bie Bemerfung, daß Anaragoras bemnad über bie Anzahl
der Planeten wohl nod febr im Unflaren war. In der Folge:
zeit aboptirte man ¿umeift ihre Fúnfzabl. Hätte unfer Philofoph aud) angenommen, daß ihrer nicht mehr wären, fo bâtte
er fid) über deren Bahnen fon foweit informiren fonnen und
múffen,
daß
er die Nichtigfeit jener Hypothefe cinfab.*) —
Die Mildftrafe betrachtete er als den Schatten der Erde am
Himmel; an diefer Stelle würden námlid) die Sterne nicht von
der unterhalb der Erde befindlichen Sonne heftrablt.**)
Aud
aus biefer Theorie erfeben wir, daß wir und von ben aftro:
nomifden
Kenntniffen
eines
Vorftellungen machen dürfen.
Anazagora8
feine
übertriebenen
Seine Auffaffung der Mildftrage
bezeichnete fon Ariftoteles als unmöglich:
„denn bie Sonne
wechfelt ihren Ort, folglid müßte aud ber- Erdichatten fort:
meteor. ed. Ven. 1527 ©. 78 und 79.
Das lebtere überliefert dagegen Schol.
ad Arat. phaen. 1091.
*) Beigelegt wird die Kenntniß der fünf Planeten dem Anagagoras bei
. Olympiodor comm. in Aristot. meteor, S.1la.
Dod wer wird einem Bericht:
erftatter glauben, nach beffen Ausfage jener Denker die Kometen für etn
nitesfürmiges Sufammentreffen” der fünf Planeten ausgegeben hätte?
**) Aet, Il, 1. Hippol. I, 8. Diog. L. 11,9.
Die Sade ift feltfam
genug: ein heller Erdfdatten! An dew angezogenen Stellen und aud
fonft fuchen wir vergeblich einen Fingerzeig zur Ldfung des Rathfels, aus:
genommen etwa Aristot. meteor. 1, 8. 345a 25 of dè neo "Av. xal Anpixgetov pdc elvas to yala léyovosy dotewy Tivav, Toy yag Hleoy uno 19y
Viiv pecoueror ovy ody Ena tv dorowr. Soa pay odv megeogatas vn
QUIOU, TovTwy pay où yalvsodaı To pis (zwiveodas yao Uno tv Toü
nAlov axtlywy)* Saou Oaytipecttes y yi wore un oggoFas Uno Tod
nitov, To 1oûtwy oixsioy pis yacır elvas tò yala,
Dock aud die be:
friedigt nicht: wie, fragen wir, vermag das Sonnenlicht das Eigenlicht der
Sterne zu hindern? Verftärkt eS doc das Gigenlidt des Mondes. Dffenbar
läßt fich diefer gegenfigliche Einfluß nur burd die Annahme erfldren, daß
das Sonnenliht dem Anagagoras für kühler galt als das der Sterne, das
gegen für heißer als das des Mondes
Wie nämlih 3. B. faltes Wafer
durch laues erwärmt, heißes dagegen durch ebendaflelbe abgekühlt wird, fo
fonnte unter der angegebenen Borausfepung aud Anazagoras dem Sonnen»
licht jene entgegengefetten Wirkungsweifen gufdretben. (Wir fehen Hierbei
zugleich unfere Bemerkung auf ©. 19 ** beftatigt.)
Pagina 24
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)rüden, während die Milchftraße thatfachlid) ihre Lage zu den
Sizfternen
nicht
verändert“ (meteor. a. a. D.).
welche Geftalt müßte die Erde haben?
nicht
eben
breiter Streifen;
follte
Und
ferner:
Die Milchftraße ift ein
die Erde einen derartigen
Schatten werfen, fo müßte fle offenbar dod) wohl felbft biefe
Form haben, fodaß fie etwa einem Brett glide.
In biefem
Galle find aber die wechfelnden Stellungen der Milchftraße zum
Horizont unbegreiflih.
Denn denfen wir und die Langfeite der
Erde 3. B. von Norden nad Süden gerichtet, fo erftredt fed)
zwar
zuweilen auch die Milchfiraße
in
derfelben Ridtung,
manchmal aber geradezu rechtwinflig entgegengefegt von Weften
nad Often. —
Ariftoteles
macht
von feinem aftronomifchen
Standpunft aus aud den Einwand, daß die Sonne größer als
die Erde, ihr Abftand ja aber vielmal fleiner fey ald ber ber
Virfterne von uns, fodaß alfo der Erdjchatten nur einen Fleinen
Kegel bilde, welder gar nicht bis zu biefen hinanreichen fónne
(Aristot, meteor. I, 8. 6.345b 1).
Dod ift fonft nicht übers
liefert,
wie fid) Anaragoras
babe;
aus feiner baltiofen Hypothefe über die Entftehung der
diefe Größenverhältniffe gedacht
Mildftrafe fónnen wir aber offenbar umgefebrt hierfür feinen
fihern Schluß ziehen.
10. Empedofles.
Schlieglih möge nod) der wenig jüngere Zeitgenoffe ded
Anaragoras, Empebdofles, Hier eine furge Befprechung finden.
Den Brimárzuftand des Weltalls dachte fich diefer ähnlich wie
Mnazagora8
gleichfam
als
aus
eine
Maffe
Elementen
aus
fleinften
ber Clemente
(Elementartbeilen,
(Aet. I, 13 und 17),
welchen Entftehen und Vergehen fremb ift und nur räumliche
Berfchiebung und verfchiedene Anordnung zufommt (Aet. II, 24).
Shre
bewegenden Kräfte quilla und veixog ließen daraus bie
Welt entftehen, indem zuerft ber Aether fich abfonderte, dann
bas Feuer, weiter die Erde, darauf bas Waffer, gleichfam von
der Erde audgefchwigt (Aet. III, 16), und bie Luft (Aet. II, 6.
Plut, strom. 10 [Doxogr, €. 582, 5]). - Der Kosmos febt fid
Pagina 25
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)alfo zufaminen aus Schichten der vier Elemente Erde, Wafer,
Luft und Feuer (Aet. 1, 3. Diog. L. VIT, 76), welche jebod fit
nicht ftreng fondern, vielmehr in einander übergreifen (Aet. II, 7).
Diefe Welt ift aber nur ein geringer Theil des AUS, während
die übrige Maffe im Urguftande verblieb (Aet. I, 5).
Es fonnte
bemnad auch mehrere Welten geben, body leugnete Empebofles
deren thatfächliches Vorhbandenfeyn (Aet. II, 1).
Diefer Kosmos
nun ift — feltfamer Weife — eiförmig, breiter alé hoch (Aet. II, 31
vgl. 11,2).
Der ibn umfchließende Himmel bildet eine fefte Hülle,
indem Luft, vom Aether gleichfam gefchmolzen, fryftallartig er:
bärtete (Aet. IL, 11. vgl. 11, 6. Diog. L. VIII, 77).
beffelben ift mit Feuer (b.i. Licht) angefült,
Eine Häffte
die andere mit
einer Mifdung von Luft und einem geringen Beftandtheil Feuer;
fo entfteht bei der Umdrehung ber Wechfel von Tag und Nadıt
(Plut. strom. 10 [Doxogr. ©. 582, 8]. Aet. II, 11).
Die Rotation
bed Himmeld ergab fidy burch die verfhiebene Drudvertheilung
infolge ber Abfonderung bes Feuers nad ber einen Hälfte zu
(Plut. a.a.
O. [S.582, 10]) und bat erft fehr allmählich ihre
jegt fo beträchtliche Gefchwindigfeit erreicht (Aet. V, 18).
Die
Sonne ift fein felbftändiger feuriger Körper, fondern nur ber
Reflex der Lichthemifphare am Firmament, alfo nur ein Phas
nomen wie der von einer Wafferfläche zurüdgeftrahlte Schein.
*)
Befremblid) möchte es und erfcheinen, daß gleichwohl die Ver:
hiebung des Himmelspoled aus dem Zenith, mit welchem er
anfang8 jufammenfiel, auf die Sonne zurüdgeführt wird, **)
und daß bie Tropen der Sonne in einer Weife behandelt werben,
al8. ob fte ein realer Körper wäre. ***)
*) Plut. strom. 10.
(Doxogr. S.582, 11.)
Wir würden ftatt deffen
Auch Aet. II, 20, wo aber
nur der lebte Theil aus Theophraft genommen ift, vgl. Diels S.52f.
Aet. EL, 11.
Bal.
Welche Kombination und Veranlaffung der Größenbeftimmung
bet Aet. II, 21 toov ri yi Tor xata nv avradyevav (mkıov) au Grunde
liege, bleibt unbeftimmt.
**) Aet. 11,8 rod dépos eléavros tH tod nitov oouÿ Enuxli Diva 105
Goxtovg Y. f. w.
++) Aet. II, 23 uno Tis negseyodang av1òr oyalpag xwdvoperov ayes
nartos evduropely xa) ¿no tur teoniay xuxlwy,
Pagina 26
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)erwarten, daß die beiden Hemifpharen des hellen Feuers und
der dunflen Luft
ihre Lage änderten,
*) während die Sonne
lediglich gleihfam ale Fokus fpontan immer in ber Mitte ber
Lihthälfte fid) zeigte, alfo unweigerlid die Wendungen diefes
Refleftors mitmadhte.
In ber That verlautet bei der Erklärung
des Mechfeld von Winter und Sommer nidtés von der Sonne,
vielmehr ift dabei nur von einer BVerighiebung ber beiden Semi:
fphären bie Rede. **)
Diefer Wechfel der Jahreszeiten bedt fich
ja aber mit den Tropen ber Sonne.
Wir fónnen baber wohl
unbedenflidy obige Angabe über tie Neigung ded Kosmos dahin
forrigiren,
daß wir darin bie Sonne durd bie ganze Lichts
balbfugel
erfegen;
um
fo leichter dürfen wir dann aud) die
Notiz über bie Sonnemvenden auf fic" beruhen laffen. —
Den
bidfosformigen (Aet. 11, 27. Diog. L. VIII, 77) Mond läßt Ems
pedofled aus Luft hervorgegangen feyn, welche vom Feuer er:
griffen
und
geichmolzen,
nachher erftarrt fey wie
Hagel. ***)
MWahrfcheinlich glaubte er ferner, daß derfelbe in halb fo großer
Entfernung die Erde umfreife ale bie Sonne (Aet. II, 31, vgl.
Diel8 S.63), daher ed denn auch heißt, bie legtere übertreffe
ibn
an
wirflicher Größe (Diog. L. VIN, 77).
rleuchtet wird
der Mond yon der Sonne (Aet. II, 28. Plut. strom. 10 [Doxogr.
©. 582, 14]);
er ftrablt demnad nidt in eignem Glanze und
vermag bei feiner geringeren Entfernung vortretend bie Sonne
au
verfinftern (Aet, II, 24).
maffen,
Die übrigen Sterne find Feuer:
welche die Luft Calfo die Rachthemifphare) aus tem
zvowdes gleidfam abfing und nad
theild
außen
drüdte,
mobei fte
bem Firmament anbafteten (Gigfterne), theil® ihre freie
*) Als Urfache diefer Veränderung fünnte die in den Elementen liegende
avaywn (Aet. I, 26) eintreten.
**) Aet, MI, 8 ‘Euned. xa) of Stwixol yeudra uèr ylveodaı tov
dépog Enixpatovytog 77 muxvwoe xal eig To dvwtiow Bralouévov, Isoelav
d+ tov nupög, Stay Eis TO xatutéow Prabnran,
***) Aet, II, 25. Plut. strom. 10 (Doxogr. S. 582, 12); aud das Kryftalls
firmament bildete fich in diefer Weife.
Pagina 27
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Bewegung
bewahrten (Planeten)
(Aet. 11, 13.
Plut. strom. 10
[Doxogr. ©. 582, 7]).
Hiermit ende die Aufzählung;
Strthum
jeyn.
befangen wäre,
nicht ale ob ich in bem
nun zu einem Abfchluß gelangt zu
Vielmehr war es mit ein Ziel biefer Arbeit,
und nicht
ihr geringfted Ziel, nacaumeifen, daß die Aftronomie bei ben
Griechen
in einem beftänbigen,
fteten Sortfchreiten oder dod
wenigftens Fortftreben begriffen war, daß fid ihre Entwidlung
alé etwas Fliefende8 barftellt,
worin fic) biöfrete,
in fich abs
gefchloffene Gruppen und Perioden faft gar nicht von einander
abheben;
die Erörterung und Berichtigung bes Details follte
nur Mittel zu biefem Zwed feyn.
Unter folhen Umftänden
fann fa alfo der Baden an jeder Stelle mit gleichem Recht und
Unrecht abbreden. —
Nady den
bisherigen Borftellungen
febten
fidy
die vers
fdhiedenen Syfteme gleihfam zu einem zerflüfteten, zerriffenen
Terrain zufammen, zu einem Bilde voll Rontraften, fchreiender
Diffonanzen
und
hart
aneinander
tretender
Extreme.
Dem
gegenüber fcheint es fich einzig mit ber Wahrheit zu vertragen,
daß bei Thales zum erften Male und eine fundamentale Gr:
fenntniß entgegentrete, welche dann ben ganzen weitern Gang
der Forfdung beftimmt und beherrfcht: die Erfenntnif, daß ber
Himmel eine ganze Kugel fey.
Aus bdiefer Entdeddung ergab
fic) bie große Revolution des fodmifden Denkens, daß bie Erde
nicht vom Himmel überwölbt, fondern rundum von ibm umfaßt
angenommen wurde,
Abgefeben von Fenophane8 und Heraflit,
welche fid) von biefer allerdings fchwierigen und überrafchenden
Einficht ganz losfagten, fehen wir nun feinen Sprung, der und
ftugig machen müßte; es Elingt gleihfam ein Thema burd alle
Melobieen binburd ald gemeinfamer Afford, nichts ftort ihre
große, innere Harmonie,
Die Uebereinftimmung der einzelnen Syfteme ift evident:
fie
find
allefammt entworfen von der Grunbvorftellung aus,
daß bie Erbe das Centrum bes fugelfdrmigen Weltalls bilde,
Pagina 28
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Aber, fónnte man fragen, wo zeigt fit denn in ihnen irgend
ein Fortfchritt, ber fidy ber Mühe, ded Schweißes jener Eblen
werth erwiefe?
An diefem Punfte nun miffen wir nicht fos
wohl eine Lúde, als vielmehr eine Schranfe unferer Quellen
zugeben:
fte find eben feine aftronomifden Annalen, fie führen
uns nicht fo in alle Einzelheiten ein, daß uns biefer Hortfchritt
felbft nach feiner Senefi8 vor Augen läge,
Nur über ben Gang
beffelben im Allgemeinen fann fein Zweifel feyn.
Durd bie
Erfenntniß der unveränderlichen Stellung ber Fizfterne war gus
gleid) bie Ausfcheidung der Planeten als einer Welt für fi
gegeben.
Auf diefem Gebiet bewegte fit nun die Forfdung.
Man ermittelte allmählich, daß folder Wandelfterne nicht allzu
viel wären;
feit dem Ende ded 5. Jahrhunderts nahm man
ihrer fünf an.
Zugleich beobachtete man die Bahnen der bes
fannten und zwar felbfiverftänblid in bem Maße aufmerkfamer und
bebarrlicher, als fich die Zahl diefer Klaffe von Sternen immer
fleiner herausftellte.
Wurde doch durch die numerifche Abnahme
ber Objekte der Forfchungseifer zugleich gereizt und foncentrirt.
Sunddft
aber
galt
es,
Planeten zu orientiren,
fic) gang
im Allgemeinen über bie
Dies die Leiftung ber Forfcher von
Thales bis in die fofratifche Zeit.
Uns erfcheint fie vielleicht
geringfügig.
In Wirklichfeit
aber war grade
biefe Aufgabe
feine einfache;
man ermáge nur bas große Heer der Sterne
am bictbefäten Himmel einerfeits und andrerfeitd bie unvolls
fommnen Mittel der Beobachtung in jener Zeit.
Unb weld
fundamentale Wichtigkeit die Leiftung für den Aufbau der Aftros
nomie gehabt babe, fann nicht verfannt werden.
Durch jene
fchlichten, unfcheinbaren Beobachtungen lernte man bas Sonnen»
fyftem allmählich fennen, an deffen Erfenntniß und Berftandnif
fic) die Denker der folgenden Sabrbunberte abmúbten;*)
bas
*) Klar und deutlich aufgeftellt finden wir bas Problem des Sonnen
fuftems bei Plato, vgl. Simplic. zu Aristot. d. coel. f. 119 révwy vaotetesody
óualdv
xal
Terayuévwy
nlavwuérwy pairousva.
xwvjoewy
duacwdÿ
Ta nel Tag xeviosi 10v
Pagina 29
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Paul Hohlfeld:
Problem wurde gleidfam entwidelt und formulirt, -burd) beffen
definitive Lófung Ropernitus feinem Namen bie Unfterblichfeit
gefichert hat.
MP atbematif und Philofopbie.
Von
Dr. Paul Hoblfeld.
Das wedhfelfeitige Verhältnis von Mathematif und ‘Philo:
fophie zu unterfuchen, dürfte wohl eine an fit iwürbige und
zugleich
zeitgemäße Aufgabe
feyn,
da
ein
großer Theil ber
Mathematifer wie ber Bhilofopben über daffelbe völlig im Un:
Klaren ift, diejenigen aber, welche zu einer beftimmten Anfidt
über daffelbe gelangt find, einander vielfach mwiderfprechen.
Das wechfelfeitige Verhältniß zweier Dinge fann nur dann
mit Klarheit und Sicherheit erfannt werden, wenn vorher jeded
ber beiden Dinge an fic, abgefehen von bem anderen Dinge
und von feinem Berhdltniffe zu
legterem,
erfannt worden ift.
In unferem Falle muß alfo zunächft erfannt feyn, was Mathe:
matif an fid) und was Bhilofophie an fidh ift,
che dad Bers
hältniß von Mathematif und Bhilofophie zu einander feftgeftellt
werben fann.
Wir wollen von der Betrachtung ber Philofophie an fid
ausgehen,
weil died unferer Ueberzeugung nad bad Leichtere
und Bequemere ift.
Philofophie
oder
genauer:
reine PBhilofophie*) ift
reine
Bernunftwifienfchaft, d. 5. die Wiffenfchaft, wiefern fie aus ber
Erfenntnifquelle ber reinen Vernunft fhôpft.
Diefelbe ¡ft ents
gegengefegt der Grfahrungéwiffenfdaft
der Wiffenfdyaft,
ober
wiefern fie aus ber Erfenntnißquelle der Erfahrung, genauer:
der finnlichen oder individuellen Erfahrung, fôpft.
Als dritte
Möglichkeit bleibt nod) übrig, daß bie Wiflenfchaft aus beiden
— 440; Borlefungen über das
*) Bal. Kraufe, Erfenntniflebre S. 435
Syftem S. 18— 24.