Der unterirdische Sakralraum

Autor
Hertwig, O.
Erschienen in
Uber geometrische Gestaltsgrundlagen von Kultbauten des VI Jahrhundert v. Chr. Zu Paestum
Jahr
1968
Thema
PAESTUM
Sprache
Deutsch
Kategorie
C8 Geschichte und Archäologie
Archivnummer
4311

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Volltext anzeigen5 Seiten

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Mi Wen gerond U. DRITTES KAPITEL DER UNTERIRDISCHE SAKRALRAUM VL | alin udn x Auf Plan 5 und 6 ist Schnitt und Grundriß des neuentdeckten unterirdischen Raumes rätselhaft sakraler Bedeutung dargestellt, in dem an den Längswänden honiggefüllte Bronzekrüge und eine schwarzfigurige Vase standen, und in dessen Mitte ein aus Quadern aufgesetzter Block mit fünf darübergelegten Eisenstäben und Resten von Holz, goldgesticktem Gewebe und Flechtwerk gefunden wurde. Bei der Untersuchung seiner Abmessungsverhältnisse (Grundfläche 305 zu 249 cm groß) zeigte sich, daB die Linge der Diagonale der ganzen Fläche 3,94 m, die Lange der Diagonale eines Viertels der Grundfläche also 197 cm = 6 Dor. Fuß beträgt. Die Fünfteilung brachte hier wieder etwas Neues: Schlägt man den Kreis um diese SechsfuB-Länge so schneidet er den Mittelpunkt des Raumes und die zu diesem Viertel gehörenden Raumecke. Die Lote auf die SechsfuB-Strecke, gefällt von diesen zwei Punkten, treffen je einen der beiden mittleren Fünftelteilpunkte. Das GrundriBrechteck war also in der Begrenzung des LAB Sockelverlaufs im umgekehrten Verfahren durch die Schnittpunkte dieser zwei über den 0 mittleren Fünftelteilpunkten errichteten Senkrechten mit dem umschriebenen Kreis in einem Viertel seiner Gesamtfläche bestimmt worden. Die Innengliederung des Raumes setzt mit den Kreisschlägen um 4 und C durch 2 N) und D an. Deren Scheitel P und P’ bestimmen den Innenkreis um M, dessen Schnitt- 3 punkte S,-S, mit den vier Grundkreisen die Seitenfluchten des steinernen Mittelblocks ÿ ci festlegen. Deren Schnittpunkte mit 7, A/ bzw. 7, M geben die Ecken F, bzw. F des Blocks 9 an. y € Die Tangenten an die durch 7, bzw. F, um S3 bzw. S, geschlagenen Kreise bestimmen die Wandfluchten 2,5 cm hinter den Sockelfluchten. Zieht man sodann durch die Achsenschnittpunkte G und G’ des Mittelkreises die Verbindungslinien nach 4 und C, so formt sich seltsamerweise aus ihnen und ihren Schnittpunkten mit dem Mittelkreis gleichsam wie von selbst ein Secksstern. Die vier Ecken E'‚-E', desselben bestimmten vielleicht, über die Mittelstützung der fünf Eisenstäbe des Quaderblocks hinausgreifend die vier Eckstützen eines ca. 2,20/1,35 m großen Doppellagers, das hier nach den völlig zerfallenen Resten von Holz, Wolle und Goldgeflecht gestanden haben mochte. Die EinmeiBelungen bei E's una s konnten der Lagerschwelle dieser Stützen Unverschieblichkeit geben. Die geometrische Entwicklung des Querschnitts ist auf Plan 5 dargestellt: Dessen Ausgangsgrundlage, das Rechteck der Stirnwandfläche kommt auf die gleiche eigenartige Weise zustande wie das des Grundrisses, also gleichfalls durch den um die fünfgeteilte Sechsfußstrecke geschlagenen „Thaleskreis‘‘. Während aber das Rechteck der Sockelfluchten im Grundrif von den Senkrechten über den mittleren Fünftel-Teilpunkten in deren Schnittpunkten mit diesem Kreis bestimmt erscheint, werden die beiden zum Rechteck der halben Stirnwandfidche führenden beiden Winkelscheitel A und B von den Senkrechten über den Teilpunkten eines mittig gelegten Sechstels auf dem Kreisumfang festgelegt. Das gab die Verbreiterung der Rechteckseite, die nötig war, um die Wandflucht 4 Hertwig, Paestum da Can un

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Drittes Kapitel hinter die Sockelflucht zurücktreten zu lassen. Die vom mittleren Fiinftel ausgehenden Senkrechten aber bestimmten auf der einen Seite die Vorsprungsstärke des die Längswände begrenzenden Bandgesimses, auf der anderen Seite in den Schnittpunkten mit den beiden senkrechten Ebenen, welche seitlich den Mittelblock begrenzten, die Höhe des Wandsockels. (Diese Ebenen waren im GrundriB durch die beiden schon erwähnten Spurfluchten S,S, und Ss Sg festgelegt.) Die beiden fünfgeteilten SechsfuBstrecken fügten sich, indem die von ihnen bestimmten Hälfterechtecke der Stirnwand zusammengesetzt wurden, zum Dreieck zusammen. Die verbindende Horizontale durch ihre Mittelpunkte 44, u. M’, wurde nun ebenfalls fünfgeteilt und mit der so erhaltenen Teilungseinheit wiederum ein 6/5/6 Dreieck darüber aufgebaut, zu dessen Spitze #7, die an den Stirnwänden giebelartig ansteigenden Bandgesimse hinaufgezogen wurden. Der Kreisschlag um My, durch diese Dreieckspitze bestimmte in den Tangenten parallel zu dieser Steigungslinie die Höhe des begrenzenden Bandgesimses, mit ihr zugleich das Satteldachprofil der Decke. Auch hier also nochmals neue, erfindungsreiche Variationen des geometrischen Ausdrucks der beiden Zahlen fiinf und sechs bei enger Verwandtschaft der in Grund- und AufriB gehandhabten Methoden, aber auch in ganz offenkundig engster Verwandtschaft mit den an der Basilika festgestellten Zusammenhängen. Freilich aber auch in starkem Gegensatz zu dem überreichen Schmuck, der dort an der Basilika vielleicht über all ihre Absonderlichkeiten hatte bestechend wegtäuschen sollen, hier nur die rein von geometrischer Vollkommenheit bestimmte Raumgestaltung ohne jede dekorative Zutat (wie etwa bei etruskischen Gräbern), die auf den glatt geweiBten Flächen diese Reinheit nur hätte verwirren können. Eine kurze Zwischenbilanz dürfte hier am Platz sein: 1. In beiden Bauwerken hat sich ein vollkommenes Bestimmtsein in Ordnung wie Begrenzung aller Bauteile durch ein in sich geschlossenes, von den Zahlen Fünf und Sechs selbst wieder bestimmtes geometrisches System offenbart, bei der Basilika noch ergänzt durch stereometrische Mittel. Mit größter Wahrscheinlichkeit kann angenommen werden, daß der ursprüngliche Plan aufgegeben wurde, um diese Geometrie einflechten zu können. 2. Mit diesem geometrischen Bestimmtsein aller Bauteile waren zugleich auch all die in ihnen steckenden Abnormitäten geometrisch bestimmt. Kein Baumeister hätte solche durchweg unverständliche Abnormitäten ohne ganz besonderen Grund angeordnet. Als Grund für ihre Anordnung kann aber in jedem dieser Fälle nur gefunden werden, daß sie unvermeidlich waren, wenn die Einheit des großen Geometriezusammenhangs zustande kommen sollte. 3. Mit diesem alles erfassenden Geometriezusammenhang war jene eingangs postulierte Vorbedingung für die Möglichkeit harmonischer Wirkungen durch geometrische Bindung in Kunstwerken erfüllt. Tatsächlich wirkt die einzige an dem Bau intakte Gestaltung, die Säule, stark beeindruckend, wenn auch, wie oben betont, ihre harmonisierende = zusammenbindende Bedeutung im Gesamteindruck wegen Zerstörung der Korrespondenzglieder mitzerstört worden ist. | 4. Ganz unwahrscheinlich ist es dagegen, daB dieses Durchdringen der ganzen Planung mit Geometrie nur den Zweck hatte, eine harmonische Wirkung in die Baugestaltung zu bringen, daB also ein solches rein ästhetisches Ziel zu dem keinesfalls leicht gewesenen EntschluB zur durchgreifenden Planänderung geführt haben sollte. Noch konnte damals kein derart auf geometrischer Grundlage geplanter Tempel in GroBgriechenland gestanden haben, der als Beispiel für die mit Geometrie verbundene Wirkung auf das Gefühl hätte dienen können.

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Der unterirdische Sakralraum Noch weniger konnten demnach Gedanken und Erkenntnisse darüber schon gewonnen gewesen sein, die ja nur auf praktischer Erfahrung hätten aufgebaut gewesen sein können. Wenn dann vollends diese zu harmonischem Zusammenstimmen führende Grundlage in der zur Ausführung gekommenen Planung etwas derart gegen jedes primitive Gefühl für Zusammenstimmung Verstoßendes diktierte, wie jene vor die Portale gesetzten Säulen, so erschiene es widersinnig, wenn man annehmen wolite, diese Geometriegrundlage sei harmonischen Zusammenstimmens halber gewählt worden. Es müssen also doch wohl ganz andere Gründe gewesen sein, welche der in dem zweiten Plan steckenden, seine Gestaltung bestimmenden Geometrie die hohe, zur Planänderung führende Bedeutung gegeben hatten.

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CR = V388 = 497 m SHE FUSS = 65-0325 = 4968m + Va ATR PP 4 OF Qh OF PR 4m GRUNDRISS DES UNTERIRDISCHEN HEILIGTUMS ZU PAESTUM MASSTAB A242 VERMAUERTER El PLAN 6

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MMENDEN SIEBENECKWIN B DIE DREI GESTALTBESTI NECKTEILUNG A DIE DREI GRUNDKREISE U M M„M,U.M, MIT SIEBE GRUNDDREIECK 2:5 UND KREIS 1 Als erstes mußten die beiden Mittellinien - das Meson - von Jf, aus nach Ost und West, sowie nach Std und Nord abg k den. Auf dan mit zweimal 12 FuB die Höhe des Grunddreiecks 4f,4'4 sowie mit fünfmal 12 Fuß die Basis 4°4 als Parallele zur Nord-Süd-Mittellinie, Hierauf konnte um Af, durch die Basisecken 4 und 4' der Grundkreis 1 gezogen werden, der auf der OstWest-Mittellinie 4, und Af, für Kreis 2 und 3 abschnitt, und der durch 4 und 4’ mit schon sehr guter Annäherung im Verhältnis 2:5 geteilt wird. BENECKS DIE WINKEL DES SIE is. Im dessen Z Bilde des Sicbenecks trilt nicht kel 1, II und IN, da, wie die Abb. SIEBENECKKREISE 4 UND 5 Der vorgenannte Siebenstern- DIE NÄHERUNGSWEISE SIEBEN. ECKTEILUNG DURCH DREIECK 2:5 WIRD ZUR PRAKTISCH EXAKTEN winkel bestimmt von Dund D, 6 unter Ziff. IV beschriebenen VerNach dem in Plan 3:4 geteilten Kreise4 u. 5 (Beweis hierfür lang wierig |). Hieraus zunächst in Af, u. 4f, die Mittelpunkte der durch A u. 3 bzw. A’ u. B im Verhältnis fahren konnte mit Hilfe des Halbkreises Af, Af,A Af, mit das System der fünf Sie nach Hinzunabme der Hälfte des aus dem Spitzenwin8 kel 2x” des Grunddreiecks erhültlichen Nah wertes «” für den Zentriwinkel über einer Seite des Siebenecks, ein aur noch um 0,7 Bogenminuten vorm Diese und weitere Kreise, vor allem aber jene drei Winkel legen in geschlossesem Geome- Exaktwert abweichender Wert für diesen erhalten werden. So konnte die Basis 44' auf eine Länge geig: genügender G werden; die mit praktisch bracht und das Siebenkeit zwei Siebeneckseiten Ob triesystem Grundri und Aufbau des Parthenon, fest wovon einige Beispiele im nächsten Plan zu schen sind: eck in Kreis 1 eintragen lieB. 6. ZUSAMMENWIRKEN VON UND WINKEL 3. KREIS2 UND 3 UND DEREN SIEBENECKTEJLUNG Die Kreise 2, 4 u. 5 bestimmen Um die Punkte Af, u. Af, wamit Tangenten das Rechteck ren nun durch A u. A’ bzw. B u. & die Kreise 2 u. 3 zu ziehen. M,A u, Af,A’ schließen einen Winkel ein, der in Eu das den das ganze Bauwerk umhüllenden Kubus festlegt, dazu Grundlage für die t Säulenteilung der Giebelfron bilsamt deren Eckeinrückung Kreis ı als Peripheriewinkel über AA’ halb so groß ist wie det. Winkelstrahlen bestimmen ausgehend von Siebeneckpunkten der Kreise, z. 8. der zwei Siebeneckseiten umspannende Zentriwinkel za über AA’, also gleich dem über einer Siebeneckseite ste henden Zentriwinkel « ist. Da er in Kreis 2 aber Zentriwinkel geworden ist, so ist dort die Sehne 44° gleich der Siebeneckseite, Kreis 2 wird also von AA’ im Verhältnis 1:6 geteilt und ist ebenso wie Kreis 3 durch die in Kreis ı vorge nommene Konstruktion autoh mit praktisch 1 Siebeneckteilung verschen worhei A ank pr fünf Seiten mit 4 zeigt, je zwei Seiten des Siebenecks fen. Man wird also in lau el parall el Wink drei r diese den Schenkeln je eines die den Winkeln im Sinne von Proklos g diesen die E drei f n. In der Tat haben auch diese dürfe icken erb ecks Viel s Winkel diese 1, der auch den einer Seite stehende Winkel schen GestaltWinkel, vor allem der über il an derg Haup den , formt n nster Siebe schönen t. bestimmung des Parthenon gehab sondern die über einer, drei und 5. Aan PARTHENON DES LAGEN DIE ENTWICKLUNG DER GEOMETRISCHEN i ESTALTUNGSGRUND Cı die Cellaeckpunkte C, u. und in 5, u. S, die Ecken des | Kultbildsockels, dessen Rück die Aucht mit F,F, ebenso wie des Cellsstylobats mit DD. von Winkeln der Kreise 4 und 5 festgelegt werden. Wegen Abneckspuren für die hier beWinkelstrahlen af 1 dem und a’ f’ vgl. S. 40. Van alWinkelnetz, das die Gest tung des Äußeren festlegte, gibt Tafel IV eine Probe. KREIS PLAN 7