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gerond U.
DRITTES KAPITEL
DER UNTERIRDISCHE SAKRALRAUM
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| alin udn
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Auf Plan 5 und 6 ist Schnitt und Grundriß des neuentdeckten unterirdischen Raumes rätselhaft sakraler Bedeutung dargestellt, in dem an den Längswänden honiggefüllte Bronzekrüge und eine schwarzfigurige Vase standen, und in dessen Mitte ein aus Quadern aufgesetzter Block mit fünf darübergelegten Eisenstäben und Resten von Holz, goldgesticktem
Gewebe und Flechtwerk gefunden wurde.
Bei der Untersuchung seiner Abmessungsverhältnisse (Grundfläche 305 zu 249 cm groß)
zeigte sich, daB die Linge der Diagonale der ganzen Fläche 3,94 m, die Lange der Diagonale eines Viertels der Grundfläche also 197 cm = 6 Dor. Fuß beträgt. Die Fünfteilung
brachte hier wieder etwas Neues: Schlägt man den Kreis um diese SechsfuB-Länge so
schneidet er den Mittelpunkt des Raumes und die zu diesem Viertel gehörenden Raumecke.
Die Lote auf die SechsfuB-Strecke, gefällt von diesen zwei Punkten, treffen je einen der
beiden mittleren Fünftelteilpunkte. Das GrundriBrechteck war also in der Begrenzung des
LAB
Sockelverlaufs im umgekehrten Verfahren durch die Schnittpunkte dieser zwei über den
0
mittleren Fünftelteilpunkten errichteten Senkrechten mit dem umschriebenen Kreis in
einem Viertel seiner Gesamtfläche bestimmt worden.
Die Innengliederung des Raumes setzt mit den Kreisschlägen um 4 und C durch 2
N)
und D an. Deren Scheitel P und P’ bestimmen den Innenkreis um M, dessen Schnitt-
3
punkte S,-S, mit den vier Grundkreisen die Seitenfluchten des steinernen Mittelblocks
ÿ ci festlegen. Deren Schnittpunkte mit 7, A/ bzw. 7, M geben die Ecken F, bzw. F des Blocks
9 an.
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Die Tangenten an die durch 7, bzw. F, um S3 bzw. S, geschlagenen Kreise bestimmen
die Wandfluchten 2,5 cm hinter den Sockelfluchten.
Zieht man sodann durch die Achsenschnittpunkte G und G’ des Mittelkreises die Verbindungslinien nach 4 und C, so formt sich seltsamerweise aus ihnen und ihren Schnittpunkten mit dem Mittelkreis gleichsam wie von selbst ein Secksstern. Die vier Ecken
E'‚-E', desselben bestimmten vielleicht, über die Mittelstützung der fünf Eisenstäbe des
Quaderblocks hinausgreifend die vier Eckstützen eines ca. 2,20/1,35 m großen Doppellagers, das hier nach den völlig zerfallenen Resten von Holz, Wolle und Goldgeflecht gestanden haben mochte. Die EinmeiBelungen bei E's una s konnten der Lagerschwelle dieser
Stützen Unverschieblichkeit geben.
Die geometrische Entwicklung des Querschnitts ist auf Plan 5 dargestellt: Dessen Ausgangsgrundlage, das Rechteck der Stirnwandfläche kommt auf die gleiche eigenartige
Weise zustande wie das des Grundrisses, also gleichfalls durch den um die fünfgeteilte
Sechsfußstrecke geschlagenen „Thaleskreis‘‘. Während aber das Rechteck der Sockelfluchten im Grundrif von den Senkrechten über den mittleren Fünftel-Teilpunkten in
deren Schnittpunkten mit diesem Kreis bestimmt erscheint, werden die beiden zum Rechteck der halben Stirnwandfidche führenden beiden Winkelscheitel A und B von den Senkrechten über den Teilpunkten eines mittig gelegten Sechstels auf dem Kreisumfang festgelegt. Das gab die Verbreiterung der Rechteckseite, die nötig war, um die Wandflucht
4
Hertwig, Paestum
da Can un
Page 2
View in PDF(opens in a new window)Drittes Kapitel
hinter die Sockelflucht zurücktreten zu lassen. Die vom mittleren Fiinftel ausgehenden
Senkrechten aber bestimmten auf der einen Seite die Vorsprungsstärke des die Längswände begrenzenden Bandgesimses, auf der anderen Seite in den Schnittpunkten mit den
beiden senkrechten Ebenen, welche seitlich den Mittelblock begrenzten, die Höhe des
Wandsockels. (Diese Ebenen waren im GrundriB durch die beiden schon erwähnten Spurfluchten S,S, und Ss Sg festgelegt.)
Die beiden fünfgeteilten SechsfuBstrecken fügten sich, indem die von ihnen bestimmten
Hälfterechtecke der Stirnwand zusammengesetzt wurden, zum Dreieck zusammen. Die
verbindende Horizontale durch ihre Mittelpunkte 44, u. M’, wurde nun ebenfalls fünfgeteilt und mit der so erhaltenen Teilungseinheit wiederum ein 6/5/6 Dreieck darüber aufgebaut, zu dessen Spitze #7, die an den Stirnwänden giebelartig ansteigenden Bandgesimse
hinaufgezogen wurden. Der Kreisschlag um My, durch diese Dreieckspitze bestimmte in
den Tangenten parallel zu dieser Steigungslinie die Höhe des begrenzenden Bandgesimses,
mit ihr zugleich das Satteldachprofil der Decke.
Auch hier also nochmals neue, erfindungsreiche Variationen des geometrischen Ausdrucks der beiden Zahlen fiinf und sechs bei enger Verwandtschaft der in Grund- und AufriB gehandhabten Methoden, aber auch in ganz offenkundig engster Verwandtschaft mit
den an der Basilika festgestellten Zusammenhängen.
Freilich aber auch in starkem Gegensatz zu dem überreichen Schmuck, der dort an der
Basilika vielleicht über all ihre Absonderlichkeiten hatte bestechend wegtäuschen sollen,
hier nur die rein von geometrischer Vollkommenheit bestimmte Raumgestaltung ohne jede
dekorative Zutat (wie etwa bei etruskischen Gräbern), die auf den glatt geweiBten Flächen
diese Reinheit nur hätte verwirren können.
Eine kurze Zwischenbilanz dürfte hier am Platz sein:
1. In beiden Bauwerken hat sich ein vollkommenes Bestimmtsein in Ordnung wie Begrenzung aller Bauteile durch ein in sich geschlossenes, von den Zahlen Fünf und Sechs
selbst wieder bestimmtes geometrisches System offenbart, bei der Basilika noch ergänzt
durch stereometrische Mittel. Mit größter Wahrscheinlichkeit kann angenommen werden,
daß der ursprüngliche Plan aufgegeben wurde, um diese Geometrie einflechten zu können.
2. Mit diesem geometrischen Bestimmtsein aller Bauteile waren zugleich auch all die in
ihnen steckenden Abnormitäten geometrisch bestimmt. Kein Baumeister hätte solche
durchweg unverständliche Abnormitäten ohne ganz besonderen Grund angeordnet. Als
Grund für ihre Anordnung kann aber in jedem dieser Fälle nur gefunden werden, daß sie
unvermeidlich waren, wenn die Einheit des großen Geometriezusammenhangs zustande
kommen sollte.
3. Mit diesem alles erfassenden Geometriezusammenhang war jene eingangs postulierte
Vorbedingung für die Möglichkeit harmonischer Wirkungen durch geometrische Bindung
in Kunstwerken erfüllt. Tatsächlich wirkt die einzige an dem Bau intakte Gestaltung, die
Säule, stark beeindruckend, wenn auch, wie oben betont, ihre harmonisierende = zusammenbindende Bedeutung im Gesamteindruck wegen Zerstörung der Korrespondenzglieder
mitzerstört worden ist.
|
4. Ganz unwahrscheinlich ist es dagegen, daB dieses Durchdringen der ganzen Planung
mit Geometrie nur den Zweck hatte, eine harmonische Wirkung in die Baugestaltung zu
bringen, daB also ein solches rein ästhetisches Ziel zu dem keinesfalls leicht gewesenen EntschluB zur durchgreifenden Planänderung geführt haben sollte.
Noch konnte damals kein derart auf geometrischer Grundlage geplanter Tempel in
GroBgriechenland gestanden haben, der als Beispiel für die mit Geometrie verbundene
Wirkung auf das Gefühl hätte dienen können.
Page 3
View in PDF(opens in a new window)Der unterirdische Sakralraum
Noch weniger konnten demnach Gedanken und Erkenntnisse darüber schon gewonnen
gewesen sein, die ja nur auf praktischer Erfahrung hätten aufgebaut gewesen sein können.
Wenn dann vollends diese zu harmonischem Zusammenstimmen führende Grundlage in
der zur Ausführung gekommenen Planung etwas derart gegen jedes primitive Gefühl für
Zusammenstimmung Verstoßendes diktierte, wie jene vor die Portale gesetzten Säulen, so
erschiene es widersinnig, wenn man annehmen wolite, diese Geometriegrundlage sei harmonischen Zusammenstimmens halber gewählt worden.
Es müssen also doch wohl ganz andere Gründe gewesen sein, welche der in dem zweiten
Plan steckenden, seine Gestaltung bestimmenden Geometrie die hohe, zur Planänderung
führende Bedeutung gegeben hatten.
Page 4
View in PDF(opens in a new window)CR = V388 = 497 m
SHE FUSS = 65-0325 = 4968m
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GRUNDRISS DES UNTERIRDISCHEN HEILIGTUMS ZU PAESTUM
MASSTAB A242
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PLAN 6
Page 5
View in PDF(opens in a new window)MMENDEN SIEBENECKWIN
B DIE DREI GESTALTBESTI
NECKTEILUNG
A DIE DREI GRUNDKREISE U M M„M,U.M, MIT SIEBE
GRUNDDREIECK 2:5 UND KREIS 1
Als erstes mußten die beiden Mittellinien - das Meson - von Jf, aus nach Ost und West, sowie nach Std
und Nord abg
k
den.
Auf
dan
mit
zweimal 12 FuB die Höhe des Grunddreiecks 4f,4'4
sowie mit fünfmal 12 Fuß die Basis 4°4 als Parallele
zur Nord-Süd-Mittellinie,
Hierauf konnte um Af, durch die Basisecken 4 und 4'
der Grundkreis 1 gezogen werden, der auf der OstWest-Mittellinie 4, und Af, für Kreis 2 und 3 abschnitt, und der durch 4 und 4’ mit schon sehr guter
Annäherung im Verhältnis 2:5 geteilt wird.
BENECKS
DIE WINKEL DES SIE
is.
Im
dessen Z
Bilde des Sicbenecks trilt nicht
kel 1, II und IN, da, wie die Abb.
SIEBENECKKREISE 4 UND 5
Der vorgenannte Siebenstern-
DIE NÄHERUNGSWEISE SIEBEN.
ECKTEILUNG DURCH DREIECK 2:5
WIRD ZUR PRAKTISCH EXAKTEN
winkel bestimmt von Dund D,
6 unter Ziff. IV beschriebenen VerNach dem in Plan
3:4 geteilten Kreise4 u. 5 (Beweis hierfür lang wierig |). Hieraus zunächst in Af, u. 4f, die
Mittelpunkte der durch A u. 3
bzw. A’ u. B im Verhältnis
fahren konnte mit Hilfe des Halbkreises Af, Af,A Af,
mit das System der fünf Sie
nach Hinzunabme der Hälfte des aus dem Spitzenwin8
kel 2x” des Grunddreiecks erhültlichen Nah
wertes «” für den Zentriwinkel über einer Seite des
Siebenecks, ein aur noch um 0,7 Bogenminuten vorm
Diese und weitere Kreise, vor
allem aber jene drei Winkel legen in geschlossesem Geome-
Exaktwert abweichender Wert für diesen erhalten
werden. So konnte die Basis 44' auf eine Länge geig:
genügender G
werden; die mit praktisch
bracht
und das Siebenkeit zwei Siebeneckseiten Ob
triesystem Grundri und Aufbau des Parthenon, fest wovon
einige Beispiele im nächsten
Plan zu schen sind:
eck in Kreis 1 eintragen lieB.
6. ZUSAMMENWIRKEN VON
UND WINKEL
3. KREIS2 UND 3 UND DEREN
SIEBENECKTEJLUNG
Die Kreise 2, 4 u. 5 bestimmen
Um die Punkte Af, u. Af, wamit Tangenten das Rechteck
ren nun durch
A u. A’ bzw. B
u. & die Kreise 2 u. 3 zu ziehen. M,A u, Af,A’ schließen
einen Winkel ein, der in
Eu das den das ganze Bauwerk umhüllenden Kubus festlegt, dazu Grundlage für die
t
Säulenteilung der Giebelfron
bilsamt deren Eckeinrückung
Kreis ı als Peripheriewinkel
über AA’ halb so groß ist wie
det. Winkelstrahlen bestimmen ausgehend von Siebeneckpunkten der Kreise, z. 8.
der zwei Siebeneckseiten umspannende Zentriwinkel za
über AA’, also gleich dem
über einer Siebeneckseite ste
henden Zentriwinkel « ist. Da
er in Kreis 2 aber Zentriwinkel
geworden ist, so ist dort die
Sehne 44° gleich der Siebeneckseite, Kreis 2 wird also von
AA’ im Verhältnis 1:6 geteilt
und ist ebenso wie Kreis 3
durch die in Kreis ı vorge
nommene Konstruktion autoh mit praktisch
1
Siebeneckteilung verschen worhei
A
ank
pr
fünf Seiten
mit
4 zeigt, je zwei Seiten des Siebenecks
fen. Man wird also in
lau
el
parall
el
Wink
drei
r
diese
den Schenkeln je eines
die
den Winkeln im Sinne von Proklos
g
diesen die E
drei
f
n. In der Tat haben auch diese
dürfe
icken
erb
ecks
Viel
s
Winkel diese
1, der auch den
einer Seite stehende Winkel schen GestaltWinkel, vor allem der über
il an derg
Haup
den
,
formt
n
nster
Siebe
schönen
t.
bestimmung des Parthenon gehab
sondern die über einer, drei und
5.
Aan
PARTHENON
DES
LAGEN
DIE ENTWICKLUNG DER GEOMETRISCHEN i ESTALTUNGSGRUND
Cı
die Cellaeckpunkte C, u.
und in 5, u. S, die Ecken des
|
Kultbildsockels, dessen Rück
die
Aucht mit F,F, ebenso wie
des Cellsstylobats mit DD.
von Winkeln der Kreise 4 und
5 festgelegt werden. Wegen
Abneckspuren für die hier beWinkelstrahlen af
1
dem
und a’ f’ vgl. S. 40. Van
alWinkelnetz, das die Gest
tung des Äußeren festlegte,
gibt Tafel IV eine
Probe.
KREIS
PLAN 7