Volltext anzeigen29 Seiten
Seite 1
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)rcknarat
Waerden, B.L. van der & J.J.Bu
feln I
Ta
Das Astronomische System der Persischen
28
In: Centarus, 13 - 1969 - Pe 1IMI AERDE SE vd
var A
°
Das:
B. L. VAN DER WAERDEN: Das
(3) J. J. BURCKHARDT und
| (1968).
p.
/3,
Ask
Tafeln 1. Centaurus
Seite 2
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)Tafeln I
J. J. BURCKHARDT und B. L. VAN DER WAERDEN*
1. Die Horoskope des Mäshalläh
Einer freundlichen Mitteilung von E. S. Kennedy (American University,
Beirut) verdanken wir die Kenntnis von 16 Horoskopen, die in einem
Manuskript des Astrologen Ibn Hibintä: München cod. arab. 852, Al
Mughni fi al-Nujüm enthalten sind. Ibn Hibintä teilt uns mit, dass die
Horoskope aus einem Buch des Mäshalläh stammen und von diesem mit
Hilfe des persischen Tafelwerkes Zij-i Shah berechnet wurden. Mäshalläh
oder Masha ’Alläh oder Messahala war ein bekannter Astrologe, der
unter dem Kalifen al-Mansür (754-775) lebte und unter al-Ma’mün
(813-833) gestorben ist. Die Horoskope sind immer für den Anfang eines
Sonnenjahres gerechnet, d.h. für den Augenblick, an dem die Sonne die
mittlere (oder vielleicht auch die wahre) Länge Null hat. Dieser Augenblick, den die Araber tahwil nennen, fällt ungefähr mit dem Frühlingsäquinoktium zusammen. Die Mitteilung, dass die Horoskope nach dem
Zij-i Shäh berechnet sind, wird wohl stimmen, denn andere Tafelwerke
gab es zur Zeit des Mäshalläh noch kaum.
In der Tabelle 1 geben wir zuerst die Nummern der Horoskope in
chronologischer Reihenfolge,
dann
die
Reihenfolge im Manuskript,
dann in der Übersetzung von Kennedy! die Beschreibung des Jahres,
für das das betreffende Horoskop berechnet wurde, schliesslich die
julianische Jahreszahl. Die Jahreszahlen der neueren Horoskope (6-16)
wurden von Kennedy bestimmt, die der älteren (1-5) von uns. Die
Datierungen werden sich durch den Erfolg unserer Rechnungen von
selbst rechtfertigen.
Unser Problem ist: die Konstanten der Tafel und die Rechenmethode,
nach der die Horoskope berechnet sind, zu bestimmen.
Mathematisches Institut, Universität Zürich,
Centaurus 1968: vol. 13, ar. 1: pp. 1-28
CENTAURUS, VOL, XIII
Seite 3
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)Tabelle 1
Jahreszahlen
( Chron)
on ts.
Beschreibung des Jahres bezw. des Ereignisses
1
1
The shift from the air to the water triplicity which
2
10
The conjunction of the year of the Deluge, the second
3
1]
The eighth conjunction of the middle conjunction
indicated the Deluge.
as
— 3320
of the middle conjunction beginning with 1 above.
— 3300
in which the birth of Christ occurred, in the fire
triplicity.
— 45
4
12
The conjunction following that of 11
above, the
small conjunction indicating the birth of Christ.
—25
5
13
The year of Christ’s birth.
—12
6
14
The conjunction of the shift to the Qirdn al-Millah,
the equinox of 571 A.D.
571
7
15
The fourth conjunction of the Qiran al-Millah.
630
8
16
The fifth conjunction of the Qirän al-Millah.
650
9
2
The conjunction which indicated the rise of the
“Abbasid dynasty, the rahwil of 749 A.D. This was
the tenth conjunction of the middle conjunction,
known as Qirán al-Millah, in the water triplicity.
10
3
The shift from the water to the fire triplicity of 809
11
4
The second conjunction of the middle conjunction
12
5
The third conjunction of the set beginning with 3
13
6
The fourth conjunction of the set beginning with 3
14
7
The fifth conjunction of the set beginning with 3
15
8
The sixth conjunction of the set beginning with 3
16
9
The seventh conjunction of the set beginning with
A.D.
beginning with 3 above.
above.
above.
above.
above.
3 above.
749
809
829
848
868
888
908
928
Die Horoskope 11-16 gehören nicht mehr in die Zeit des Mäshalläh, aber er kann sie
ja für die Zukunft berechnet haben.
In der Tabelle 2 geben wir die Längen der Planeten von Saturn bis Merkur, des Mondes
und des aufsteigenden Mondknotens nach dem Text so, wie sie uns von E. S. Kennedy
mitgeteilt wurden. Die letzte Kolonne enthält den Aszendenden oder Horoskop, d.h. den
am Horizont aufgehenden Grad der Ekliptik.
Seite 4
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)Tabelle 2
Die Horoskope
Nr.j
1
2
Jahr
Sa
¡-3320 | 211,56
|[—3300
Ju
Ma
Ve
192;39 | 207;17
retr.
retr.
retr.
86;0
74:36
49;49
Me
356;16 | 333;24
Mo
Kn
As
53;13
98
259
179;30
71
1334
retr.
1;2
333;22
retr.
3
—45 | 249;9
238;18 | 310;49 | 315;29
9
|
4
—25
115;24 | 110
-
-
| 153
44
4;59
82;44
18,26
91:10 | 217;13
1202
2:30 | 331
288
-
—12 | 286;28 | 152;30
81;22
26313
-
10,37
-
91
-
198
retr.
6
571 | 216513 | 214526
retr.
7
630 | 214;30 } 203;4
8
650
92;2
72315
2316
retr.
83;7
retr.
275
349
82;40
41523
11;13
4:40 | 136;17
-
10
retr.
9
749 | 229
retr.
10
di
216;8
349
47;6
retr.
357,12 | 323;5
809 | 240+x | 239;32 | 323;45 | 346;10 | 349
829 | 126
-
235
retr.
115;44 | 122;7
45:30 | 334
16;39 | 118;18
93
148;18
91
120 ;30
40:12 | 341;22 | 155;43
83
124;28
retr.
12
848 | 335,55 | 341
218;12
retr.
13
868 | 250;18
retr.
| 229;17
47;34 | 332;5
336;59 | 283;12 | 128,9
179;39
retr.
14
838 | 122;56 | 108;20
43,32
| 334;27
32;0
28
228
15
908 | 345;28 | 334534 | 3505,45
?
| 352,37
| 345345
68;22
-
263
16
928 | 252;1
|
| 349;14 | 329,22
-
98
retr.
| 252;11 | 28:13
37,46
Unser Vorgehen ist folgendes. Wir stellen zunächst Hypothesen über
die Konstanten und Rechenmethoden auf, die uns auf Grund von
Mitteilungen über die persischen Tafeln und die Methoden der Perser
plausibel erscheinen. Wo die Mitteilungen uns im Stich lassen, ziehen wir
verwandte Tafeln wie die des Al-Khwärizmi heran oder wir setzen vorläufige Werte für die Konstanten ein. Sodann berechnen wir die Längen,
wie sie auf Grund dieser Hypothesen sein sollten, und vergleichen die
Seite 5
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)berechneten Längen mit denen des Textes. Schliesslich überlegen wir uns,
wie man durch Anderung der Konstanten oder der Rechenmethoden die
Übereinstimmung verbessern könnte.
2. Die Perser und ihre Tafeln
Um zu vernüftigen Hypothesen über die Rechenmethode und die
Konstanten des Zij-i Shah zu kommen, müssen wir zunächst einmal zusammenstellen, was über die persischen Rechenmethoden und Tafeln
bekannt ist.
Wie Birüni uns in seinem Masudischen Kanon? mitteilt, hat Khosro
Anüshirvän im Jahre 556 einer Versammlung von Astronomen den
Auftrag gegeben, den Zij Shahriyärän, gennant al-Shäh zu korrigieren.
Man kann daraus schliessen, dass es damals schon einen älteren Zij
Shahriyärän gab, aber für die Zwecke unserer Untersuchung können wir
dieses ältere Tafelwerk beiseite lassen, da Mäshalläh dieses um 556 schon
veraltete Werk zweihundert Jahre später wohl nicht benutzt haben wird.
Der Name Zij-i Shäh ist arabisch. Das persische Original, in Pahlavi,
hiess wahrscheinlich Zik-i Shatro-ayäri. Uber das Zustandekommen
dieses Tafelwerkes gibt a/-Hashimi in seinem unpublizierten Werk “On
the reasons behind the zijes” uns genauere Auskunft.
Die folgende
Übersetzung verdanken wir E. S. Kennedy:
f95r
17
Khusro Anushirwan, when he beheld the difference between the Arkand
18
and what Ptolemy asserted, he gathered together the people learned in computation
19
and in (astrological) judgments, and he looked over these two books. He found the
Arkand to be the most accurate by observation and eyesight,
20
and judgments based on its planets more accurate. So he worked out a zij called
“The Shah” and he
21
made it in kardajas (mukardaja) with four kardajas. They were using it until the
reign of
22
Yazdigerd ibn Shahriyar ibn Khusro. He brought out a zij and he named it after the
example of
23
the Shah. He made it (in) three kardajas and called it “The Triple”. Its explanatory
text and apogees and nodes
f95v
and mean (motions) and equations correspond to those of the Arkand as to midnight
(epoch). People still work with it.
Seite 6
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)Was “three kardajas” und “four kardajas” bedeutet, darüber kônnen
wir nur Vermutungen aufstellen, aber was “Arkand” bedeutet, darüber
geben uns die arabischen Quellen Auskunft. Khandakhädyaka ıst der
Titel eines erhaltenen Werkes von Brahmagupta4, das die Araber schon
im 8. Jahrhundert übersetzten und Arkand nannten. In diesem Werk erklärt Brahmagupta Regeln zur Berechnung der Planetenpositionen, die
auf dem “Mittelnachtsystem” des Aryabhata beruhen. Auf dem gleichen
Mitternachtsystem beruht auch der alte Sürya-Siddhänta, aus dem
Varäha Mihira6 uns einen ausführlichen Auszug gibt. Der alte SüryaSiddhänta und der Khandakhädyaka stimmen in allen Einzelheiten
überein.
Die Notiz des Häshimi lehrt uns also, dass die Astronomen des Khusro
sich bei der Revision des Zij-ı Shäh nach dem Khandakhädyaka gerichtet haben. Wörtlich kann das nicht stimmen, denn Brahmagupta hat
das Werk erst 665 geschrieben, aber Aryabhata lebte um 500, ein halbes
Jahrhundert vor Khusro, und die Astronomen des Khusro können sehr
wohl sein Mitternachtsystem benutzt haben.
Al-Häshimi berichtet weiter, dass es zwei verschiedene Fassungen des
Zij-i Shäh gegeben hat, von denen eine unter Khusro und die andere
unter Yazdigerd III (632-642) geschrieben wurde. Auch die letzte Fassung
stimmte nach Al-Häshimi in vielen Punkten (Apogeen, Knoten und
mittleren Bewegungen) mit dem Arkand, also auch mit dem alten SüryaSiddhänta überein. Welche von beiden Fassungen Mäshalläh benutzt hat,
wissen wir nicht.
E. S. Kennedy hat in einer grundlegenden Arbeit, die unter ! schon
zitiert wurde, alles zusammengestellt, was wir aus arabischen Quellen
über den Zij-i Shäh wissen, und dabei viele Übereinstimmungen mit dem
Khandakhädyaka, den wir künftig kurz Khand. nennen werden, festgestellt. Sie beziehen sich auf die Apogeen und die Berechnung der
Aszendenten, der Schattenlängen und der Korrekturen von der mittleren
zur wahren Bewegung.
Was die maximalen Mittelpunktsgleichungen der Sonne und des
Mondes betrifft, wissen wir aus Al-Birüni, Rasä’il III 24: 7-11 (siehe
Fussnote 5), dass die Werte des Zij-i Shah genau mit den indischen
Werten 2°14’ und 4°56’ übereinstimmen, weil diese Werte nämlich “had
passed from India to the Persians”. Birüni bestätigt also, was wir von
Al-Háshimi schon wussten, dass der Zij-i Shah (zumindest in seinen
letzten beiden Fassungen) von der indischen Astronomie und insbe-
Seite 7
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)sondere von Mitternachtsystem des Aryabhata stark beeinflusst wurde.
Sehr bemerkenswert ist, dass Al-Birüni zuerst vom Zij-i Shah und dann
von “den Persern” spricht. “Die Perser”” bedeutet also hier dasselbe wie
“Die Autoren des Zij-i Shah”.
Dasselbe bemerken wir an anderen Stellen. In der Chronologie (Übers.
Sachau, p. 121) sagt Al-Birüni, dass “die Perser” das Jahr auf
365;15,32,30
Tagen setzen. Das entspricht einem “ Umdrehungsüberschuss” (Überschuss
der Umdrehungen des Fixsternhimmels in einem Jahr über 366 volle Umdrehungen) von 93°15’ (nämlich 0;15,32,30 mal 360°). Auch Al-Häshimi
bestätigt uns, dass dieser Wert von “den Persern und Mäsha’alläh”
benutzt wurde (Kennedy, Survey p. 147). In einer Tabelle aus dem
Escorial II Codex Arabe 927, die in Kennedy’s Survey auf p. 147 wiedergegeben ist, wird der gleiche Wert für Mäsha’alläh und den Zij-i Shah
bezeugt. Das stimmt genau zu den Mitteilungen von al-Birüni und alHashimi, wenn wir annehmen, dass diese beiden mit “den Persern” einfach die Autoren des Zij-i Shäh gemeint haben.
Diese Erkenntnis verhilft uns zu einer plausiblen Interpretation einer
anderen Stelle in der Chronologie des Birüni, die sich auf Abü Ma’shar
bezieht. Al Birüni schreibt in der Übersetzung von Sachau (p. 29), nachdem die “star-cycles” des Abu Ma‘shar zu 360 000 Jahren beschrieben hat:
This man, who is so proud of his ingenuity, had computed his star-cycles only from the
motions of the stars, as they had been fixed by the observations of the Persians.
“Die Perser” haben also nach Birüni die Planeten beobachtet und auf
Grund ihrer Beobachtungen die Bewegungen der Planeten bestimmt.
Wo haben sie diese Bewegungen schriftlich niedergelegt, so dass Abü
Ma‘shar sie benutzen konnte? Natürlich im Zij-i Shah, denn dieses
Tafelwerk enthielt selbstverständlich Tafeln für die mittleren und wahren
Bewegungen der Planeten. Die Worte des Birüni legen also die Annahme
nahe, dass Abü Ma‘shar seinen Zyklus von 360000 Jahren dem Zij-i
entnommen hat.
|
Aus dieser Annahme folgt aber, dass die Planeten nach dem Zij-i Shah
in 360 000 Jahren eine ganze Zahl von Umläufen vollführen. Ferner kann
man vermuten, dass diese Umlaufszahlen genau oder fast genau mit den
von Abii Ma'shar selbst angenommenen Umlaufszahlen übereinstimmen.
Diese sind in einem anderen Buch von Birüni? angegeben:
Seite 8
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)Saturn
Jupiter
30 352
Mars
191 402
Venus
585 199
Merkur
1494741
Mond
4812778
Apogeum des Mondes
19 365
Knoten des Mondes
19 360
7
Wie Kennedy und van der Waerden® gezeigt haben, sind die letzten
beiden Zahlen wahrscheinlich in
Apogeum
40685
Knoten
19 352
zu korrigieren. Die Zahlen für Saturn und Jupiter sind sicher korrekt.
Die für Merkur ist vielleicht um 1 zu vermindern.
In der Chronologie (p. 29) teilt Al-Birüni uns weiter mit, dass nach der
Rechnung des Abü Ma'shar alle Planeten im Jahre —3101 ganz nahe
bei 0° Aries standen. Da wir mit Birüni annehmen, dass Abú Ma'shar
bei seinen Rechnungen die von den Persern bestimmten Bewegungen zugrunde gelegt hat, und da wir “die Perser” mit den Autoren des Zij-i Shah
identifiziert haben, so folgt, dass auch nach dem Zij-i Shah die Positionen
am Anfang des Sonnenjahres
—3101
nahe bei 0° gestanden haben
miissen. Wie nahe, das wird die Rechnung schon zeigen.
Der Ausdruck “Die Perser” kommt noch einmal bei Ibn al Qifti vor,
der schreibt9:
Er (AI-Khwärizmi) stützte sich in seinen Tafeln auf die mittleren Oerter des Sindhind,
wich aber von ihm ab in den Gleichungen (der Planeten) und in der Schiefe (der Ekliptik).
Er setzte seine Gleichungen fest nach der Methode der Perser und die Deklination der
Sonne nach der Methode des Ptolemaios.
Die “Gleichungen” sind die Korrekturen von der mittleren zur wahren
Länge der Planeten. In jedem Tafelwerk ist eine Methode angegeben,
diese Gleichungen zu berechnen. Die “Methode der Perser” stand selbstverständlich in dem Tafelwerk der Perser, eben dem Zij-i Shah. Also ist
die Hypothese gerechtfertigt, dass im Zij-i Shäh dieselbe Methode zur
Berechnung der Gleichungen gelehrt wurde wie in den erhaltenen Tafeln
des Al-Khwärizmi. Die Methode ist in der Edition Neugebauers!® und in
Seite 9
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)einer Abhandlung von van der Waerden!! genau erklärt; wir werden sie
im Abschnitt 5 noch einmal erläutern. Eine ganz ähnliche Methode findet
man im Khand. und in anderen indischen Werken; auch diese werden wir
im Abschnitt 5 erklären. Die zur Erklärung nôtigen Begriffe aus der
griechischen Astronomie sollen im Abschnitt 4 erörtert werden.
3. Hypothesen
Die Ausführungen des vorigen Abschnittes legen folgende Hypothesen
nahe:
Erste Hypothese. Die Umlaufszahlen der Planeten in 360000 Jahren sind
ganze Zahlen, und zwar nehmen wir vorläufig folgende Werte an:
Saturn
12 214
Jupiter
30 352
Mars
191 402
Venus
585 199
Merkur
1494751
Mond
4812778
Apogeum des Mondes
40 685
Knoten des Mondes
19 352
Die Rechnung wird zeigen, dass einige von diesen Umlaufszahlen ein
wenig geändert werden müssen, um eine genaue Übereinstimmung zu erhalten.
Zweite Hypothese. Am Anfang des Sonnenjahres —3101, wenn die
mittlere Länge der Sonne Null ist, sind die mittleren Längen der Planeten
und des Mondes fast Null. Zunächst werden wir sie genau gleich Null
setzen. Die Rechnung wird zeigen, dass zumindest bei Saturn und dem
Monde Korrekturen anzubringen sind.
Dritte Hypothese. Zur Berechnung der Korrekturen von der mittleren zur
wahren Länge sind die gleichen Methoden anzuwenden wie in den Tafeln von
Al-Khwarizimi.
Zur Anwendung dieser Methode braucht man zwei Tafeln: eine fiir die
Mittelpunktsgleichung oder erste Korrektur und eine fiir die zweite Korrektur, die von der Elongation zur mittleren Sonne abhängt. Beide Korrekturen sind nach bekannten trigonometrischen Formeln zu berechnen,
sobald man ihre Maxima kennt. Die Maxima des Zij-i Shah wurden von
Seite 10
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)E. S. Kennedy! bestimmt und in Kennedy’s Table 2 (p. 256) zusammengestellt. Die aus verschiedenen Quellen gewonnenen Ergebnisse in den
Kolonnen 1, 2 und 3 dieser Tafeln stimmen fast iiberein.
Da es für unsere Rechnungen auf 1 bis 2 Bogenminuten Unterschied
nicht ankommt, haben wir uns in allen Zweifelsfällen für die Werte des
Mäshalläh entschieden. Wir nehmen also an:
Vierte Hypothese. Die maximalen Korrekturen sind die in Tabelle 3
angegebenen.
Tabelle 3
$e
Maximale Gleichungen
Erste
Zweite
Korrektur
Korrektur
Sonne.............,...
2°13°
Mond...........,.....
4°56’
Saturn......,.........
8°37’
5°44’
Jupiter........... Loue
5° 6’
10°52’
Mars............,.....
11°12’
40°31’
Venus.............,...
2°13’
47°11
Merkur................
4° 0’
21°30’
Wir brauchen weiter die Apogeen. Die Werte fiir die oberen Planeten
und die Sonne kénnen Kennedy’s Table 3 (1, p. 257) entnommen werden.
Für Venus und Merkur sind die Apogeen des Zij-i Shah nicht überliefert,
aber wenn wir Kap. 10 des Khwärizmi und den Khand. heranziehen,
kônnen wir trotzdem eine plausible Hypothese aufstellen. Zunächst
stellen wir die tiberlieferten Werte zusammen:
Tabelle 4
Apogeen
Lu
ni
n
Shäh Zij | Khwärizmi
Khand.
alter S S
Sonne...........
80°
77°55
80°
Saturn..........
240°
244°55’
240°
Jupiter..........
160°
172°32’
160°
MarS...........
115*
128°24’
110°
Venus...........
8115"
80°
Merkur.........
Seite 11
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)Bei Saturn haben wir zwischen Khwärizmi und dem Khand. eine
Differenz von 4°55’, die wohl durch die Berücksichtigung der Präzession
zu erklären ist. Der Shah Zij stimmt mit dem Khand. überein. Bei Merkur
finden wir fast dieselbe Differenz, nämlich 4°54’. Wir wollen auch hier
annehmen, dass der Shah mit dem Khand. iibereinstimmt.
Fiir Venus nimmt der Khand. dasselbe Apogeum an wie fiir die Sonne.
Der Shah nimmt fiir die Sonne das gleiche Apogeum an wie der Khand.
Die Annahme liegt also auf der Hand, dass der Shäh auch für Venus das
gleiche Apogeum annahm, nämlich 80°. Bemerkenswert ist, dass auch die
maximale Mittelpunktsgleichung nach dem Shah Zij für die Sonne und
Venus denselben Wert hat, nämlich 2°13’. Wenn aber die Apogeen und
Mittelpunktsgleichungen übereinstimmen, so bedeutet das, dass der exzentrische Kreis, den die Sonne um die Erde beschreibt, genau zusammenfällt mit dem Exzenter, auf dem der Epizykel der Venus läuft.
Da es nur auf die relativen Bewegungen ankommt, kann man die
Sonne ebenso gut als stillstehend annehmen, wie Aristarchos von Samos
und Aryabhata, der Urheber des Systems des Khand. es getan haben.
Man erhält dann die folgende Formulierung: Venus läuft auf einem
konzentrischen Kreis um die Sonne, die Erde aber auf einem exzentrischen.
Wir nehmen also an:
Fünfte Hypothese. Die Apogeen der Sonne und der fünf Planeten von
Saturn bis Merkur liegen bei
80°,
240°,
160°,
115°,
80°,
220°.
Das Apogeum des Mondes ist nicht fest. Für seine Umlaufszahl in
360000 Jahren haben wir schon eine Hypothese gemacht. Die Lage im
Jahr —3101 nehmen wir so an, wie im Khand., nämlich bei 90°. Den
Knoten nehmen wir bei 180° an, wie im Khand. Also:
Sechste Hypothese. Am Anfang des Sonnenjahres —3101 lag das Apogeum des Mondes bei 90°, der Knoten bei 180°.
Schliesslich müssen wir uns noch entscheiden, ob die Rechnung für
den Augenblick gemacht werden soll, wo die mittlere Länge der Sonne,
oder für den, wo die wahre Länge der Sonne Null ist. Da nach dem
Khand. die mittlere Länge der Sonne am Anfang des Sonnenjahres —
3101,
der Epoche des Systems, Null gesetzt wurde, entscheiden wir uns zunächst
für die einfachere Hypothese:
Siebente Hypothese. Die Horoskope sind für den Augenblick gerechnet,
wo die mittlere Länge der Sonne Null ist.
Seite 12
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)4. Die Epizykelhypothese und die mittleren Längen
Wir haben angenommen, dass die wahren Längen der Planeten aus den
mittleren Längen nach der “Methode der Perser” zu berechnen sind, d.h.
nach der Methode, die in der Gebrauchsanweisung der Tafeln des AlKhwärizmil® erklärt wird. Eine etwas kompliziertere Methode, die von
den indischen Astronomen immer angewandt wird, nennen wir “Methode
der Inder”. Beide Methoden sollen im nächsten Abschnitt erklärt werden.
Die persische und die indische Methode beruhen beide auf der Epizykelhypothese. Nach dieser Hypothese bewegt sich jeder Planet P auf einem
kleinen Kreis, dem Epizykel, dessen Mittelpunkt M einen grösseren Kreis
um die Erde E beschreibt. Der Mittelpunkt C dieses Kreises fällt nicht
Mw
mit der Erde E zusammen: der Kreis ist exzentrisch. Die Verlángerung
von EC trifft den Kreis in einem Punkt A, dem Apogeum des Exzenters.
Man rechnet immer so, als ob der Exzenter und der Epizykel sich in der
Ebene der Ekliptik befinden wiirden. Das ist eine sehr gute Náherung.
Wenn M sich gleichförmig auf dem Exzenter bewegt, so ändert sich der
Winkel ACM gleichfórmig im Laufe der Zeit. Bei Ptolemaios aber ist die
Seite 13
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)Bewegung von M nicht gleichmässig. Ptolemaios nimmt auf CA einen
Ausgleichspunkt B an und lässt M sich so bewegen, dass der Winkel
x = ABM sich im Laufe der Zeit gleichförmig ändert.
Ob man nun die Komplikation des Ptolemaios annimt oder nicht,
jedenfalls gibt es eine Richtung BM (oder beim einfachen Modell CM),
die sich gleichförmig dreht. Die zu dieser Richtung gehörige Lange L
(vom Nullpunkt der Ekliptik bis zur Richtung BM gemessen) heisst die
mittlere Länge L des Planeten. Von der mittleren Länge kommt man zur
wahren, indem man zwei Korrekturen hinzufügt. Die erste Korrektur
rühr von der Exzentrizität her, die zweite Korrektur vom Epizykel. Auf
die Berechnung der Korrekturen gehen wir im nächsten Abschnitt ein.
Die Länge des Apogeums sei a, die mittlere Länge des Planeten L.
Dann ist der Winkel ABM gleich
x=L-—a.
Er ändert sich gleichförmig mit der Zeit.
Bei den drei oberen Planeten Saturn, Jupiter und Mars ist der Epizykelradius MP immer parallel zu der Richtung zur mittleren Sonne. Ist Ls die
mittlere Sonnenlänge, so ist der Winkel DMP = y gleich der Differenz
der mittleren Längen der Sonne und des Planeten
y = Ls — L.
Dieser Winkel y ist fiir die zweite Korrektur massgebend, wáhrend die
erste Korrektur in der Hauptsache vom Winkel x abhängt.
Bei den unteren Planeten Venus und Merkur ist die Richtung BM die
Richtung von der Erde zur mittleren Sonne; man hat also
L=Ls
und
x—
EL, — a.
Bei Venus hat der Exzenter, auf dem M sich bewegt, nach unseren
Hypothesen dieselbe Exzentrizität und dasselbe Apogeum wie die Sonnenbahn. Indem man eine Ahnlichkeitstransformation vornimmt, kann man
den Exzenter genau mit der Sonnenbahn zur Deckung bringen!2. Wir
nehmen also an, dass Venus sich in P befindet und die Sonne in M. Die
Richtung MP bestimmt die heliozentrische Position der Venus. Ist L’ die
mittlere heliozentrische Lange der Venus, so ist der Winkel y
y = L' — Ls.
Die gleiche Formel gilt auch fiir Merkur.
Seite 14
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)Am Anfang des Abschnittes 3 wurden Umlaufszahlen der Planeten in
360 000 Jahren angenommen. Im Falle von Venus und Merkur sind diese
Umlaufszahlen heliozentrisch gedacht. (In der Tat war Aryabhata, der
fiir Venus und Merkur fast dieselben Umlaufszahlen angibt, ein Anhanger des heliozentrischen Systems.) Gemeint ist also, dass die Richtung
MP vom Epizykelmittelpunkt zum Planeten sich in 360000 Jahren so
viele Male im Kreis dreht, wie im Abschnitt 3 angegeben ist.
Kennt man die Umlaufszahlen und die mittleren Längen der Planeten
am Anfang des Sonnenjahres —3101, so kann man die mittleren Langen
zu jeder Zeit leicht berechnen. Es sei T’ die Anzahl der Sonnenjahre, die
seit dem Anfang des Sonnenjahres —3101 verstrichen ist. In unseren
Horoskopen ist T’ stets eine ganze Zahl. Ist T die julianische Jahreszahl
des betreffenden Jahres, so ist
T= —3101 + T’.
Es sei ferner c die mittlere Lange des betreffenden Planeten am Anfang
des Sonnenjahres —3101 und b die jahrliche mittlere Bewegung. Dann ist
L=c+bT'=c+
b(T + 3101).
Alle Bewegungen und Längen werden in Graden ausgedriickt. Analog
gilt fiir Venus und Merkur
L' =c + b(T + 3101).
Für die Sonne gilt dieselbe Formel; nur ist hier c = 0 und b = 360:
Ls = 360(T + 3101).
Analoge Formeln gelten für die mittlere Länge, das Apogeum und den
Knoten des Mondes. Beim Mondknoten ist b negativ, da der Knoten
rückläufig ist.
5. Die Methode der Perser und die der Inder
Die Korrektur von der mittleren zur wahren Länge nennen wir K, die
mittlere Länge L. Dann ist also
(1)
A=L+K.
die wahre Längen des Planeten.
Die Berechnung von K nach Al-Khwärizmi beruht für jeden einzelnen
Planeten auf zwei Tafeln. Die erste Tafel gibt die erste Korrektur oder
Seite 15
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)“Mittelpunktsgleichung” f — bei Khwärizmi Examinatio centri genannt
—
als Funktion des Argumentes x. Die Tafel beruht auf der Formel
(2)
f = g sin x,
wobei g die maximale Korrektur ist. Die bei Al-Khwärizmi angegebenen
f-Werte stimmen mit der Formel (2) gut überein. Im Einzelnen ist zu
bemerken:
a) die Tafeln sind nicht genau symmetrisch bezüglich 90°,
b) bezeichnen wir die Differenz Tafelwert von Khwärizmi minus Maschinenrechnung mit A, so ist für alle Planeten an den Vielfachen von 30°
stets JA] £ 2”.
Fiir die einzelnen Planeten ist zu bemerken:
Saturn: A ist stets positiv oder Null und A < 4’
Jupiter:
A ist meist negativ oder Null, bei 70° ist |A} = 4’, sonst stets
Mars:
A ist meist negativ oder Null und |A| < 6’.
Venus:
JAI £ 2°.
|A| < 3’.
Merkur: A ist stets negativ oder Null und |A| < 5’.
Die zweite Tafel dient zur Berechnung der zweiten Korrektur, die bei
Khwärizmi Examinatio elheza heisst. Diese Korrektur wird so berechnet,
als ob der Exzenter ein Konzenter wire. Den Radius des Konzenters kann
Seite 16
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)man gleich | annehmen. Ist dann r der Epizykelradius, so sind im Dreieck
CMP zwei Seiten CM = 1 und MP = r und der eingeschlossene Winkel
CMP = 180° — y
bekannt, also kann man den Winkel z bei C ausrechnen, etwa nach der
Formel
tgz
(3)
rsiny
~
+ I COS y
Die Tafel bei Khwärizmi stimmt bei den verschiedenen Planeten
unterschiedlich. Wir bezeichnen nun wiederum mit À die Differenz des
Tafelwertes bei Khwärizmi minus die Maschinenrechnung.
Saturn:
Im allgemeinen ist [A| < 1°. Zwischen 30° und 60° ist A = —2”;
von 120° an steigt A bis zu 3’ bei 126° und fällt wieder auf 1’
bei 136°.
Jupiter:
Im allgemeinen ist |A} < 2’. Von 138° an steigt A gleichmässig
bis zu 10’ bei 165°, um sodann bis zu 180° auf 0’ abzunehmen.
Mars:
A weist verschiedene Unregelmässigkeiten auf. Von 8° mit A = 0
nimmt A ab bis zu 30° mit A = —3’, um bei 50° wieder 0’ zu sein.
Zwischen 70° and 120° ist eine weitere Unregelmässigkeit, die
bei 105° mit A = 6’ ihr Maximum annimt. Von 120° an steigt A
bis zu 128° mit A = 8’, geht bis 132° zu A = —2’ zu einem lokalen Minimum. Von dort an wächst A bis zu A = 2' bis 138°
und nimmt sodann ab bis zu A = —21' bei 160°. Der Verlauf
bis zu 180° ist unregelmässig, die Werte sind stets negativ.
Venus:
A hat ein kleines Minimum von —2’ bei 35°, ein kleines Maximum von 3’ bei 85°. Von 116° an wächst A bis es bei 130° ein
Maximum von 7’ erreicht, fällt sodann bis zu 147° mit —6’,
steigt wieder zu einem Maximum von 8’ bei 155°, fällt zu einem
Minimum von —12’ bei 169° und beträgt bei 177° A = 12’.
A zeigt somit zwischen
150° und
180° einen sehr unregelmässigen Verlauf.
Merkur: Im Gegensatz zu Venus ist bei Merkur im allgemeinen |A| < 2’.
Nur zwischen 140° und 156° ist A = 6’.
Die durch (3) definierte Funktion nennen wir z = w(y). Die “Methode
der Perser” lässt sich nun durch folgende Formeln beschreiben:
Seite 17
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)z= y(y)
(5)
X'= x + z
(6)
f= gsinx’
(7)
- (8)
(9)
z= wy +1)
K,=z
—f
U=L+K.
À ist die wahre Länge, berechnet nach der Methode der Perser.
Die Methode der Inder ist noch etwas komplizierter. Man berechnet
zunächst z, x’ und f nach (4), (5), (6). Dann bildet man
(10)
xy =x’ —+H
(11)
fp = g sin x2
(12) °
(13)
Zo = wly + fo)
Ko = 22 — fz
(14)
ho = L+ Ko.
À ist die wahre Länge, berechnet nach der Methode der Inder.
Bei der Methode der Perser hat man zunächst die zweite Korrektur z
nach (4) zu bilden, dann die erste Korrektur f nach (6) und dann wieder
die zweite Korrektur nach (7). Man muss also dreimal eine Grösse aus
einer Korrekturtafel entnehmen. Bei der indischen Methode muss man
die Tafeln viermal benützen: zuerst die zweite nach (4), dann die erste
nach (6), dann wieder die erste nach (11) und wiederum die zweite nach
(12). Das Endergebnis unterscheidet sich nur wenig von dem der persischen Methode.
Die Methode der Inder wird unter anderem im Khand. erklärt. Nach
dem im Abschnitt 2 zitierten Zeugnis des Al-Häshimi hat die KhusroVersion des Zij-i Shäh sich in vielem nach dem Khand. gerichtet. Also
ist es möglich, dass in dieser Version die Methode der Inder benutzt
wurde. Nach al-Häshimi wurden die Tafeln mit vier kardajas gemacht!?.
Es ist möglich, dass damit die vier Korrekturglieder z, f, f, und zz gemeint
sind, die jeweils den Tafeln entnommen werden müssen. Wenn diese
Interpretation richtig ist, so müsste man die weitere Mitteilung des
Häshimi, dass die Yazdigerd-Tafeln mit drei kardajas gemacht wurden,
so deuten, dass in dieser letzten Version des Zij-i Shah die “Methode der
Perser” gelehrt wurde, Dazu stimmt wieder, dass in den Tafeln des
Khwärizmi ebenfalls diese einfachere Rechenvorschrift zugrunde gelegt
Seite 18
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)wurde. Die Annahme liegt nahe, dass Khwärizmi die letzte Edition der
Tafeln bevorzugt oder nur diese gekannt hat.
Welche Version der Tafeln Mäshalläh benutzt hat, wissen wir nicht.
Wir werden daher die Rechnungen sowohl nach der persischen wie nach
der indischen Methode durchführen und zusehen, welche Methode am
besten zu den überlieferten Planetenpositionen passt.
6. Die Datierung der Horoskope
Die Horoskope 6-16 sind alle für den Anfang eines Sonnenjahres ausgestellt, in dem eine mittlere Konjunktion von Jupiter und Saturn stattfindet. Diese mittleren Konjunktionen sind leicht auszurechnen. Ihre
julianischen Jahreszahlen sind
571,
630,
650,
749,
809,
829,
848,
868,
888,
908,
928,
wie in Tabelle 1 angegeben.
Horoskop 5 soll für das Jahr der Geburt Christi gelten. Nun sagt
Birüni in seiner Chronologie (S. 33 der Übersetzung von Sachau), dass
Jesus im 17. Jahr des Augustus geboren wurde. Dieses Jahr beginnt im
julianischen Jahr —13 und endigt im Jahr —12. Berechnet man nun die
Position von Jupiter und Saturn, etwa nach dem Khand., für den Anfang
der Sonnenjahre —13 und — 12, so sieht man, dass nur das Jahr —12 gut
zum Text passt. Andere Jahre um Christi Geburt passen gar nicht. Das
Datum des Horoskopes 5 ist also — 12.
Das Horoskop 4 bezieht sich nach dem Text auf das Jahr einer Konjunktion, die die Geburt Christi anzeigte. Das Jahr der letzten Konjunktion vor —12 ist —25, und das Jahr der unmittelbar vorangehenden Konjunktion ist —45. Also sind die Horoskope 3 und 4 auf die Jahre —45 und
— 25 zu datieren. Die Längen der Planeten stimmen gut zu dieser Datierung, wie wir noch sehen werden.
Um die ersten beiden Horoskope zu datieren, ziehen wir noch einmal
den vorzüglichen Birüni heran. Er schreibt in seiner Chronologie (S. 28
der Übersetzung von Sachau): “The astrologers ... found as the interval
between the Deluge and the beginning of the reign of Nebukadnezar
2604 years”. Die Ara des Nabonassar!3, die Al-Birüni Ara des Nebukadnezar nennt, begann
—747. Nach der Rechnung der Astrologen
würde die Flut also im Jahre —3351 stattfinden. Man findet in der Literatur auch andere Daten für die Flut, z.B. —3101 nach Abii Ma‘shar!4.
CENTAURUS, VOL. XII
Seite 19
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)Suchen wir also in dieser Gegend nach
einer Datierung der Flut, die zu
den Horoskopen 1 und 2 passt: Im Horoskop 1 stand Saturn bei 211°56’,
und im gleichen Jahr fand eine Konjunktion statt. Da Saturn sich nur
langsam bewegt, fand die Konjunktion nicht weit von 212° statt, im Anfang des Zeichens Scorpio. Das stimmt zu der Angabe des Textes, die
Konjunktion sei die erste ein einer Wasser-Triplizität. Für eine Erklärung
der vier Triplizitäten siehe die unter ! und 14 zitierten Arbeiten von
Kennedy.
Wenn man die mittleren Bewegungen des Khand. zugrunde legt, so
begann eine Wasser-Triplizität im Jahre
— 3340 mit einer mittleren Konjunktion von Jupiter und Saturn bei 331°, im Anfang der Fische. Wenn
man aber am mittleren Ort des Saturn eine negative Korrektur von etwas
mehr als einem Grad anbringt, so findet die Konjunktion nicht am Anfang der Fische, sondern am Ende des Wassermannes statt, also beginnt
die Wasser-Triplizität erst 20 Jahre später, im Jahre —3320 mit einer
Konjunktion im Anfang des Skorpions. Diese Konjunktion würde genau
zur Beschreibung des Textes passen: “The shift from the air to the water
triplicity which indicated the Deluge”. Das Datum des ersten Horoskops
wäre also —3320 und des zweiten — 3300.
Wir werden nachher sehen, dass die aufgrund unserer Hypothesen
berechneten Längen von Saturn und Jupiter für diese zwei Daten fast
genau mit den Längen des Textes übereinstimmen. Auch die anderen
Planeten stehen in der Gegend, wo sie nach dem Text stehen sollen.
Die Richtigkeit unserer Daten wird ausserdem dadurch bestätigt, dass
die Längen des Mondknotens genau stimmen, wie wir jetzt sehen werden.
7. Der Mondknoten
Nach unserer sechsten Hypothese lag der aufsteigende Knoten des
Mondes im Jahre —3101 bei 180°. Nach der ersten Hypothese wurde die
Zahl der Umläufe in 360000 Jahren zunächst als 19352 angenommen.
Die jährliche Bewegung wäre dann also in dezimaler Schreibweise
b= —19,352.
Der Knoten bewegt sich gleichmässig. Die Länge des Knotens im
Jahre T ist also
L = 180 — b(T + 3101).
Seite 20
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)Berechnet man nach dieser Formel die Langen des Mondknotens fiir
die Jahreszahlen der Horoskope 4 bis 16, so findet man Werte, die um
etwa 4° zu gross sind. Vermindert man die Umlaufszahl 19 352 um eine
Einheit, so wird die Ubereinstimmung erheblich besser. Die folgende
Tabelle zeigt, wie gut sie ist:
Tabelle 5
Mondknoten
Nr.
Jahr
Text
Rechnung
hg.
ift Rechg
1
— 3320
98°
97°52’
— 8"
2
— 3300
71°
70°51’
—9'
Diff.
minus Text
6
571
217°13’
43° 8°
falsch
7
630
331°
34126"
10°26’
10
809
118°18’
117°36’
— 42’
11
829
91°
90°35’
+35’
12
848
83°
82°55’
— 5
13
868
128° 9’
55°53’
falsch
14
888
28°
28°52’
+52’
8. Die Saturnldngen
Berechnet man auf Grund der Hypothesen des Abschnittes 3 die
Längen des Saturn, so findet man Werte, die systematisch um etwas mehr
als einen Grad hôher sind als die des Textes. Um Ubereinstimmung zu
erhalten, muss man die mittleren Längen des Saturn um 1 bis 14 Grad
verkleinern. Dazu gibt es zwei Möglichkeiten. Man kann erstens die
Umlaufszahl des Saturn um + verringern, wie Aryabhata es getan hat.
Diesen Vorschlag haben wir 1963 gemacht (siehe die unter 8) zitierte
Arbeit von Kennedy und van der Waerden, p. 325). Die Rechnung ergibt,
je nachdem persisch oder indisch rechnet, die in Tabelle 6 zusammengestellten Werte.
Ob man persisch oder indisch rechnet, macht bei Saturn nicht viel aus.
Bei den Horoskopen 7, 11-13 und 15 beträgt die Differenz mehrere
Grade; hier sind die Textwerte offenbar falsch. Diese grossen Differenzen
sind in der Tafel eingeklammert. Die übrigen Horoskope für die Jahre
—45 bis 928 stimmen gut: die Differenzen sind alle kleiner als 1°. Drei
Seite 21
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)Tabelle 6
Längen von Saturn berechnet für Umlaufszahl 12 214 — }
Nr.
Jahr
Text
Persisch
Diff.
Indisch
1
— 3320
211°56’
2
—3300
86°
Diff.
213° 5°
1° 9’
212°45’
49°
87°37’
1°37’
87°52’
1°52’
3
—45
249° 9”
249°10°
1’
249°16’
7’
5
—12
286°28’
286°50”
22’
287°10’
42’
6
571
216°13’
216°16’
3’
215°58’
—15’
7
630
214°30’
216°50’
(2°)
216°32’
(2°)
8
650
92° 2’
92° 7°
5’
92°24’
22’
9
749
229°
229°14’
14’
229° 3°
3°
10
809
240°
240°45’
45’
240°43’
43’
(—4°)
11
829
126°
122° 5’
(-4°)
12223"
12
848
33555"
34515"
(10°)
345° 3
(10°)
13
868
250°18’
241°17
(—9°)
241 °16
(—9°)
14
888
122°56’
12247"
—9'
123* 5/
9’
15
908
34528"
357°42’
(12°)
357°27’
(12°)
16
928
252°
252°36’
35’
252°44’
43’
1°
persisch berechnete Werte stimmen sogar sehr gut (Differenzen 1’, 3’, 5’
für —45, +571 und 650).
Die vorsintflutlichen Horoskope 1 und 2 stimmen nicht gut. Die
persisch berechneten Werte sind systematisch um 1 oder 14 Grad zu
gross. Um diesen Mangel zu beheben, versuchen wir es mit der zweiten
Möglichkeit. Statt die Umlaufszahl des Saturn zu verringern, korrigieren
wir die mittlere Länge des Saturn für das Epochenjahr —3101. Die
Wirkung dieser Korrektur ist, dass alle mittleren Längen um einen
festen Betrag, für den wir 1°12’ wählen, vermindert werden. Für das Jahr
499, d.h. für die Zeit des Aryabhata kommt diese Verminderung um
1°12’ genau auf das gleiche hinaus wie die Verringerung der Umlaufszahl
um +; denn + Umlauf oder 120° in 360 000 Jahren ist dasselbe wie 1°12’
in den 3600 Jahren von — 3101 bis +499. Für die Jahre 571 bis 928 macht
die Verringerung der Umlaufszahl um + etwas mehr aus als 1°12’, für die
Jahre von —45 bis —12 etwas weniger.
In der folgenden Tabelle 7 sind die korrigierten wahren Längen zusammengestellt. Dabei wurden die Horoskope 7, 11-13 und 15, die
grobe Fehler enthalten, weggelassen.
Seite 22
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)Tabelle 7
Längen von Saturn für Umlaufszahl 12 214 mit Korrektur C = —1°]2’
Nr.
Jahr
Text
Persisch
Diff.
Indisch
Diff.
1
— 3320
211°56’
211°52’
—4’
211°32’
—24’
2
— 3300
86°
86°11’
+11’
86°26’
+26’
3
—45
249° 9’
249° 1’
— 8’
249° 6°
—3’
5
— 12
286°28’
286°41’
+13’
287° 1’
+33
6
571
21613"
216°18”
+5
21559"
—14’
8
650
92° 2’
92°11’
+9
92°28’
+26’
9
749
229°
229°18”
+18’
229° 8°
+8’
10
809
240°
240°50’
+50’
240°49’
+49’
14
888
122°56’
122°56’
0’
123°14’
+18’
16
928
252° I’
25243"
+42’
252°51’
+50’
Jetzt sind alle Differenzen kleiner als 1°, auch die ersten beiden. Nach
der persischen Rechnung sind fast alle Differenzen etwas kleiner als nach
der indischen Rechnung, aber der Unterschied ist nicht gross. Eine persische Differenz ist 50’, aber das ist nicht als Unstimmigkeit zu werten,
weil im Text nur die ganzen Grade, nicht die Minuten angegeben sind.
Unter den 7 Fällen, in denen die Minuten angegeben sind, finden sich
6 Fälle, in denen die Differenzen nach der persischen Rechnung kleiner
als 15’ sind. In einem Fall ist die Differenz sogar exakt Null; das ist sehr
befriedigend. In den sieben Fällen, in denen die Minuten angegeben sind,
stimmt die persische Rechnung in 6 Fällen um etwa 20’ besser, in Nr. 16
um 10”. Nur in Nr. 3 ist die indische Rechnung um 5’ besser. Wir dürfen
daher als wahrscheinlich annehmen, dass die Horoskope von Saturn
nach der persischen Methode gerechnet wurden.
9. Jupiter
Berechnet man die Jupiterlängen nach der persischen Methode unter
der Annahme einer Umlaufszahl 30352 und einer mittleren Länge 0 zur
Epoche — 3101 und vergleicht sie mit den Textwerten, so erhält man die
in Tabelle 8 angegebenen Differenzen:
Seite 23
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)Tabelle 8
Jupiterlängen für Umlaufszahl 30 352
Nr.
Jahr
Text
Rechnung
persisch
Differenz
1
~ 3320
192°39’
192°20°
2
— 3300
74°36’
74°34’
-2'
3
— 45
238°18’
240° 5°
+1°47’
4
—25
11524"
11628"
+1° 4’
5
— 12
152°30’
152°51’
+21’
6
571
214°26’
214°26’
+0’
7
630
203° 4’
204° 3’
+59’
8
650
83° 7°
84°28’
+1°21”
9
749
216° 8°
217°25’
+1°17
10
809
239°32’
240°45’
+1°13’
11
829
115°44’
117° 5’
+1°21’
12
848
341°
343°18’
-+2°18°
13
868
229°17”
230*38"
+1°21’
|
14
838
108°20’
107%45"
15
908
334°34’
2°32’
16
928
252°11’
253°32°
— 19"
— 35’
falsch
+1°19
Die Rechnung nach der indischen Methode ergibt fast dasselbe. Wie
man sieht, stimmen die beiden vorsintflutlichen Horoskope gut. Von den
späteren stimmen nur drei einigermassen, nämlich die für die Jahre —12,
571 und 888. Der Wert für das Jahr 908 ist ganz falsch; wir werden ihn
künftig nicht mehr berücksichtigen. Die übrigen zeigen systematische
Differenzen von etwas mehr als einem Grad.
Zur Behebung dieses systematischen Fehlers stehen wieder zwei Wege
offen. Die beste Übereinstimmung erhält man, indem man + von der Umlaufszahl subtrahiert; dann werden die meisten Werte fast richtig, insbesondere die beiden vor der Sintflut, wie aus der Tabelle 9 ersichtlich ist.
Ob man persisch oder indisch rechnet, macht nicht viel aus.
Drei Differenzen sind (persisch und indisch) grösser als 1°; sie sind in
der Tabelle eingeklammert. Von den übrigen liegen die meisten unterhalb
30’. Lässt man alle Differenzen über 30’ ausser Betracht, so bleiben die
folgenden übrig:
Persisch
—14
Indisch
—6
+2
+1
—25
+9
—-10
—12
+41
—7
-5
0-6
—16
+9
—2
-9
Seite 24
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)Die indischen Werte stimmen etwas besser, aber das kann auch Zufall
sein.
Tabelle 9
Jupiterlängen für Umlaufszahl 30 352 — 4 mit Korrektur
C = 0
Nr.
Jahr
Text
Persisch
Diff,
Indisch
Diff.
— 6’
1
— 3320 °
192°39’
192°25’
— 14°
192°33’
2
— 3300
74°36’
74°38’
+2’
74°36’
0’
3
—45
238°18’15
238°58’
+40’
239° 1’
+43
4
—25
115°24’
115°25’
+1’
115°18’
— 6
5
— 12
152°30’
151°44’
— 46’
151°43’
— 47
6
571
214°26’
213° 4°
|(—1°22/
213°12’
|(—1°147
7
630
203° 4’
202°39’
— 25’
202°48
—16'
8
650
83° 7
83°16’
+9’
83°13’
+6’
9
749
216° 8’
215°58’
— 10’
216° 6’
—2'
10
809
239°32’
239°20’
—12’
239°23’
—9*
ll
829
115°44’
115°45’
+1"
115*38*
— 6’
12
848
341°
342° 5°
[(+1° 57)
342° 5°
|(+1° 5)
13
868
229°17’
229°10’
7
229°15’
—2'
14
888
10820"
10626"
ı(—1°54’)
106°19’
|(—2° 15
16
928
252°11’
252° 6°
—5’
252° 6°
— 5’
Die zweite Möglichkeit, die systematisch positiven Differenzen der
Tabelle 8 zu reduzieren, besteht darin, zu allen mittleren Längen eine
negative Konstante C, etwa —1° oder —1°12’ zu addieren, wie wir es bei
Saturn getan haben. Tut man das, so stimmen die Horoskope von —45
bis 928 ungefähr ebenso gut wie nach Tabelle 9, aber die beiden vorsintflutlichen 1 und 2 werden falsch. Für
C = —1° werden die Fehler der
beiden ersten Horoskope —1°20’ und —55’; für
C = —1°12’ werden sie
noch grösser.
Es sieht demnach so aus, als ob dem Zij-i Shah für Jupiter die gebrochene Umlaufszahl 30 352 — 4 zugrunde lag und nicht die ganze Umlaufszahl 30352, die wir früher angegeben haben (siehe Fussnote 7).
Ganz sicher kann man allerdings nicht sein, da der Schluss auf die
gebrochene Umlaufszahl nur auf den beiden ersten Horoskopen beruht.
Seite 25
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)10. Die Konjunktion von Saturn und Jupiter
Das Manuskript des Ibn Hibinta enthält ausser den Horoskopen auch
einige Orter von Saturn-Jupiter Konjunktionen. Die Jahre und Orter sind
Horoskop
Jahr
Orter
Korrigiert
1
— 3320
Scorpio
1°24’
2
— 3300
Cancer
3°40’
3
—45
Sagittarius
18°55‘
4
—25
Leo
11°20’
6
571
Scorpio
4° 2°
7
630
Scorpio
11°19’
8
650
Cancer
13°42’
Cancer
3°49’
Leo
21°20’
Scorpio
11°17’
Die Zahlen enthalten einige Fehler, die wir zuerst korrigieren miissen.
Ibn Hibintä sagt zu Anfang, dass die Verschiebung einer Konjunktion
zur nächsten 2°25’ beträgt; dazu kommen natürlich 8 Tierkreiszeichen.
Viermal 2°25’ ist 9°40’; das ist genau die Differenz zwischen den Längen
Nr. 6 und 8. Um auch die Differenzen von 1 bis 2, von 3 bis 4 und von 7
bis 8 in Ordnung zu bringen, muss man die Längen Nr. 2, 4 und 7 so
berichtigen, wie es oben angegeben wurde. Man braucht jedesmal nur
eine Ziffer zu berichtigen. Nach dieser Korrektur ist die Differenz
zwischen den Örtern der Konjunktionen der Jahre —25 und 571, die um
30 Konjunktionen auseinander liegen, 72°42’ oder 30 mal 2°25’24"”, Die
korrigierten Örter 3 bis 8 sind also ziemlich genau Glieder einer arithmethischen Reihe mit einer Differenz von etwas mehr als 2°25’.
Aus diesem regelmässigen Verlauf folgt, dass es sich um mittlere Konjunktionen handeln muss. Wahre Konjunktionen würden viel grössere
Schwankungen aufweisen.
Vergleicht man nun die Örter der Konjunktionen mit den mittleren
Längen von Saturn und Jupiter, die aus den Horoskopen für den Anfang
der Jahre —3320 bis 650 erschlossen wurden, so sieht man, dass die
beiden vorsintflutlichen Örter recht gut stimmen, dass aber die Örter der
Konjunktionen der Jahre —45 bis 650 einen systematischen Fehler von
etwas mehr als 8° aufweisen. Betrachten wir etwa die Konjunktion Nr. 6
vom Jahre 571. Die Längen von Saturn und Jupiter nach dem Horoskop
und die mittleren Längen nach unseren Rechnungen waren:
Seite 26
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)571 Länge.......
Mittlere Lange
Saturn Scorpio
6°13’,
Saturn Libra
28°36’,
Jupiter Scorpio
Jupiter Scorpio
25
4°26’
2°33’.
Die mittlere Konjunktion war also schon vorbei; sie fand im vorigen
Jahr ungefähr bei Libra 25°58’ statt. Nach dem Text sollte aber die Konjunktion im Jahre 571 in Scorpio 4°2’ statt finden. Die Diskrepanz beträgt mehr als 8°. Ahnlich verhält es sich in allen Jahren von —45 bis 650.
Die eben angegebenen mittleren Längen stimmen fast genau mit der
Theorie des Aryabhata und recht gut mit der Wirklichkeit tiberin. Die
Orter der Konjunktionen nach Mäshalläh und Ibn Hibinta sind also
eindeutig falsch.
Die beiden vorsintflutlichen Konjunktionen dagegen stimmen gut.
Nimmt man, wie wir es in unseren Rechnungen getan haben, die Länge
von Saturn am Anfang des Jahres —3101 als —1°12’ und die des Jupiter
als 0° an, so war die mittlere Konjunktion kurz vorher in Pisces 28°0'.
Setzt man wieder die Umlaufszahl von Saturn gleich 12214 und von
Jupiter gleich 30352 — 4, so ist der von Saturn zurückgelegte Weg von
einer Konjunktion zur nächsten
12214
1813817 2422533".
Rechnet man nun von Pisces 28° aus 11 Konjunktionen zuriick, so kommt
man auf Scorpio 1°19’. Würde man zur mittleren Länge von Saturn 3’
addieren, so wiirde man genau auf Scorpio 1°24’ als Ort der mittleren
Konjunktion kommen. Der Text gibt Scorpio 1°24’; das stimmt also
sehr gut.
11. Mars
Auf Grund der Hypothesen aus Abschnitt 3 sind in der folgenden
Tabelle 10 die Resultate der berechneten Lángen von Mars bei einer
Umlaufszahl 191 402 zusammengestellt.
Die Horoskope 8, 11 und 15 sind ersichtlich falsch, wir lassen sie, zuSammen mit dem fehlenden 14. im folgenden weg. Bei den übrigen sehen
wir, dass sowohl bei der indischen wie bei der persischen Rechnung die
Lángen etwa 2° zu gross ausfallen. Wir haben daher die Umdrehungszahl
um 4 vermindert und die Ergebnisse der Tabelle 11 erhalten.
Seite 27
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)Tabelle 10
Marslängen für die Umlaufszahl 191 402
Nr.
Jahr
Text
Persisch
Diff.
Indisch
Diff.
1
|—3320
207;17
212;34
5;17
212;04
5;47
2
|—3300
49,49
50;24
0,35
50;03
0;14
3
—45
310;49
313;24
2:35
313;27
2:38
4
—25
110
111;34
1,34
112;04
2;04
5
—12
81:22
83:20
1,58
83;06
2,44
6
571
72315
74;18
2;03
73356
1;41
7
630
274553
—0;07
274;25
—0;35
275
8
650
74;49
— 7,51
74,28
—8;12
9
749
349
82;40
351;27
2;27
351;46
2;46
10
809
323;45
326;22
2:37
326;34
11
829
122;07
135;52
12
848
218312
221517
3;05
220;39
2;27
13
868
47;34
52:35
5;01
52313
4;39
ca. 12°
135;02
2:49
ca. 13°
14
888
-
326;55
-
327;08
-
15
908
350;45
135;03
-
136;14
_
16
928
28;13
30;32
2;19
30;25
2:12
Tabelle 11
Marslängen für die Umlaufszahl 191 402 — 4
Nr.
Jahr
Text
Persisch
Diff.
Indisch
Diff.
1
— 3320
207;17
212;57
5:40
212;26
5;09
2
|—3300
49;49
50;29
0;40
50;08
0;19
3
—45
310;49
311;49
1
311351
1;02
4
—25
110
109;22
—0;38
109348
—0;12
0;11
5
—12
81;22
81;48
0;26
81;33
6
$71
72:15
72:37
0,22
72:15
0
7
630
275
272310
— 2,50
271;41
—3;19
9
749
349
349,43
0;43
350;02
1;02
10
809
323;45
324;28
0;43
324;39
0;54
12
848
218312
214;52
—3;20
214;19
— 3,53
13
868
47,34
50;57
3,23
50;35
3;01
16
928
28313
28;52
Seite 28
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)Die Fehler bei den Horoskopen 1, 7, 12 und 13 betragen mehrere
Grade, wir lassen sie daher ausser Betracht. Bei Nr. 3 stimmen die
persische und die indische Rechnung bis auf zwei Minuten tiberein;
der Fehler beträgt 1°. Bei Nr. 9, Nr. 10 und Nr. 16 beträgt der Fehler sowohl nach persischer als nach indischer Rechnung mehr als 30’. Bei den
verbleibenden Nummern 2, 4, 5 und 6 stimmt die indische Rechnung
stets etwa 20’ besser als die persische, bei Nr. 6 ist die Differenz zwischen
Text und indischer Rechnung sogar Null.
12. Zusammenfassung der Ergebnisse für Saturn, Jupiter und Mars
Die Langen von Saturn wurden sehr wahrscheinlich mit der persischen
Umlaufszahl 12214 in 360000 Jahren und einer Verschiebung der mittleren Länge von C = —1°12’ für das Epochenjahr —3101 nach der
persischen Methode gerechnet.
Bei Jupiter und Mars miisste, um Ubereinstimmung mit der Beobachtung zu erreichen, die Umlaufszahl um einen Bruchteil 4 bzw. 4
geändert werden. Solche gebrochenen Umlaufszahlen widersprechen dem
persischen System. Indem ihr 12-faches wiederum ganzzahlig ist, führen
sie zum indischen System des Aryabhata. In diesem werden die Umlaufszahlen in einem Mahäyuga von 4 320 000 Jahren angegeben. Im Mahäyuga
finden wir für Jupiter die Umlaufszahl 364 220 des alten Sürya-Siddhänta!®
und fiir Mars 2296816. Zudem werden diese beiden Planeten mittels
der indischen Methode gerechnet.
Die Schlussfolgerung, dass Jupiter und Mars nach dem indischen
System berechnet sind, stimmt auf das beste iiberein mit der im Abschnitt
2 wiedergegebenen Mitteilung des Häshimi, nach der Khusro Anushirvan
und seine Astronomen den Arkand (= Khandakhadyaka) für sehr genau
befunden und ihre “Tafeln des Shah” entsprechend eingerichtet haben.
Die Methoden des Arkand sind selbsverständlich indische Methoden.
Wir werden in einem zweiten Teil versuchen, die mittleren Bewegungen
für Venus, Merkur und den Mond auszuwerten. Aus den Aszendenten
werden wir ferner die Jahreslänge und die geographische Breite ermitteln.
Wir danken Prof. H. P. Künzi, Direktor des Institutes für Operations
Research
der
Universität
Zürich,
und
Herrn
sorgfältige Ausführung der Maschinenrechnungen.
Constam für die
Seite 29
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)NOTES AND REFERENCES
. E. S. Kennedy, The Sasanian Astronomical Handbook Zij-i Shah. J. of the Amer.
Orient. Soc. 78, p. 259.
. Al-Birüni, Al Qänün al-Mas’üdi. Osmania Oriental Publications Bureau, HyderabadDeccan (1954-56), p. 1423.
. E. S. Kennedy, A Survey of Islamic Astronomical Tables (zu zitieren als Kennedy
Survey). Trans. Amer. Philos. Soc. 46, p. 123 (1956), Nr. 30 (p. 129).
. P. C. Sengupta, The Khandakhádyaka of Brahmagupta. Translated with introduction
etc. University of Calcutta 1934.
. Al-Birüni, On Transits (Rasa’ilul-Birüni), Amer. Univ. of Beirut Oriental Series No. 32,
p- 37 (32: 16). See also Kennedy, Survey X 214.
. Varäha Mihira, Panchasiddhäntikä ed. G. Thibaut and M. S. Dvivedi, Medica! Hall
Press, Benares 1889.
. Al Birüni, Book of Instruction in Astrology. Transl. R. R. Wright, London 1934,
p. 114. Siehe auch 8. Section 6.
. E. S. Kennedy und B. L. van der Waerden, The World-Year of the Persians, J. Amer.
Oriental Soc. 83, p. 315 (1963).
. H. Suter, Die astronomischen Tafeln des Muhammed ibn Misa al- Khwárizmi. Kgl.
Danske Vid. Selsk. Skrifter, 7. Række, hist.-fil. Afd., III, 1 (1914), S. 33.
10. O. Neugebauer, The astronomical tables of al-Khwärizmi. Hist.-filos. Skrifter Danske
Vid.-Selsk. 4, no. 2 (1962).
11. B.
L. van der Waerden: Ausgleichspunkt, “Methode der Perser” etc. Archive for
History of Exact Sciences 1, p. 107 (1961).
12, Dieser Gedankengang ist antik: er steht bei Theon von Smyrna (ed. Hiller) p. 186-187.
13. Ptolemaios, Almagest (ed. Heiberg) S. 254.
14, E. S. Kennedy, Ramifications of the World-Year Concept, Ithaca 26 VIII-2 IX 1962
(Germann, Paris) p. 26.
15. Wie uns E. S. Kennedy mitteilt, wird in arabischer Schrift aus 18’ durch Hinzufiigen
eines Punktes 58’. Betrachtet man das Weglassen dieser Punktes als Schreibfehler, so
erhält man völlige Übereinstimmung der Textes mit der persischen Rechnung.
. Siehe: B. L. van der Waerden, Vergleich der mittleren Bewegungen in der babylonischen, griechischen und indischen Astronomie. Centaurus // (1965) 1-18.
17. Zur Bedeutung des Wortes kardaja siehe: A. P. Juschkewitsch, Geschichte der Mathematik im Mittelalter (Basel 1964) S. 179 und W. Woepcke, Sur le mot kardaja...,
Nouvelles Annales de Mathematiques 13 (1854), S. 386-394.