Volltext anzeigen13 Seiten
Seite 1
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)2,
È:
b) Pythagoreische Arithmetik
LL. Die Anfänge der griechischen Mathematik
SER
|
a) Psephoi-Arithmetik
Steinchen (wîjgoi) gleicher Form und Größe (rund oder quadratisch) zuin der Frühzeit der griechischen Mathematik gibt es eine merkwürdige.
halb arithmetische, halb geometrische Betrachtungsweise, die Figuren aus
sammensetzt und daran arithmetische Untersuchungen anknüpft. Schon
ARISTOTELES spricht davon, daß gewisse Leute „Zahlen in die Gestalt eines
Dreiecks oder Quadrats bringen“ (Metaph.N 5, p.1092b, 11-12); die
Einheit (uovés) nennt er „Punkt ohne Position‘ (otıyun &Setos), den
Punkt umgekehrt „Einheit, die eine Position besitzt“ (koväs Séoiv Exovoa).
1 Quadratedhlen, Heteromeke und Dreieckszahlen
Heteroméken [Zahlen von der Form n (x + 1)] durch
ARISTOTELES (Phys. LIL, 4 p. 203a, 13-18) beschreibt die Entstehung der
Quadratzahlen und der
Hinzufügen von Gnomonen. ,,Gnomon‘ (Zeiger), ursprünglich der senkh) Pythagoreische Arithmetik
41
Arithmetisch bedeutet diese Erzeugungsweise, dal die Quadratzahlen
1. 8+5-3-3, 143-557. 4-4 usw.
{Heroméken)
(Quadrate)
durch Summation der ungeraden, die Heteromeken durch die Summation
der geraden aufeinander folgenden Zahlen entstehen.
1+3=2-2,
2+446=3-4,24+4. 648+ 4-5 usw.
Heteromeken und somit die Sum-
2.4.2.3.
Die Dreieckszahlen sind die Hälfte der
men der aufeinander folgenden natürlichen Zahlen:
7
hm
1
1}
6
3
Fig. 7. Droeicekszahlen
e
1:2-3(2:3), 1+2+3- pa, 142053049 (4-5) uw.
stehen, wurde soeben gezeigt. Führt man
Dies stellt sich, mit Steinchen ausgelegt,
wie in Fig. 7 dar.
Daß durch die Teilung der Heteromeken
in zwei gleiche Teile, geometrisch durch
die Zerlegung der sie versinnlichenden
Rechtecke durch eine Diagonale in zwei
gleiche Teile, die Dreieckszahlen enteine ähnliche Teilung der Quadrate durch,
so erhält man zwei aufeinander folgende Ireieckszahlen (THON Nmyrn.
p. 41-38):
z.B.
rechte Stab der Sonnenuhr (weshalb kat& yvauova auch „senkrecht zu“
bedeutet), ist geometrisch die Randfigur, die als Differenz zweier Quadrate
oder oblonger Rechtecke entsteht.
allgemein:
Le]
9
©
e
o
o
ees
o
©
e
.
ee
eee
Fig.
6.
Quadratzahlen n°
(n
Deen?
n
Heteroméke Zahlen
1
Kai oro! awpnôèv SroteAoüvrar ... (An beiden Stellen entspricht yvoyovı nicht
dem mathematischen Sinn: die Gnomone werden um die Bins bzw. um die
Zwei herutugelegt, Eins und Zwei sind aber selbst keine Guemone),
GUT ds yvopsver tüher!. yvdpovi) Tv Kat’ aùrijv efSdiv eldorroinSevtwv apTtior
ti Sepeveov
SÈ TrdvTH Gvopotwy. & tori ErepoutKwov, À BU &S maAıv oltia,... STI epi
Terpaydvous érretéAouy TH owpndov mpoBécet ... entsprechend 9,25 10, 5: TV
Dort tritt die Dyas ausdrücklich neben die Monas, während sie in den von Drers
zitierten Stellen fehlt. So 9,17: A povàs altia ..., &meiön ds yv@uoves (überl.
yvdpovt) au TreprmStpevor oi éEñs épiSuoi mrepirrot, siBorromuota aùrijs Óvres,
zu vergleichen [Iamblichi] Theologoumena Arithmeticae p.9,16-10, 9 (de Falco).
4 (n—-1)--004 3421
n n=1+2+3+4-0+(n-1)4nt
für die heteromeken Zahlen.
für die Quadratzahlen,
nz=1+2+3+--+(n-1)+n+(n- DD+---+3- 2
ordnung, “bei der man von 1 ausgehend bis zu n (dem kaumrnp, d.h. dem
Umkehrpunkt) fortschreitet und dann, wie in der antiken Rennbahn wieder
zum Ausgangspunkt zurückläuft. Man erhält so folgende Darstellung:
p. 75, 25-77, 4) erwähnte und SfavAos. d. i. „Rennbahn“, genannte Anni = + (n-l)n+ + nin +1).
=
anfängt, die Heteromeken. Dabei ergeben?sich im ersten Fall stets gleich-
44-214 8)4 (84)
mit der Eins beginnt, die Quadratzahlen erzeugt, wenn man mit der Zwei
Berücksichtigt man, daß die Dreieckszahlen die Summen der natürlichen
Zahlen darstellen, so erhält man die folgende von LamBLicuos (im Nieom.
Legt man nun sukzessive derartige Gnomone an, so werden, wenn man
gestaltete Figuren (eben Quadrate), im zweiten dagegen lauter verschieden
9
oo
e
+ 0
ee
o
o
©
©
L2
©
a
eon
Le]
-
e00
16
©
e
e
20
©
72
è
o
9
0
4
0
6
7
o
proportionierte Rechtecke, deren Seiten sich wie n zun + 1 verhalten, was
für jede Zahl » ein anderes Verhältnis darstellt.
2
3 Außer den bei DreLs-Kraxz (Fragm. d. Vorsokrat. I, 459, löff.. Pythag.
Schule B 28) zitierten bekannten Stellen (bes. Aristot. Phys. ITI, 4 p. 203a 13) ist
Mal die geraden Zahlen dar. So ist für die Pythagoreer das Ungerade das
Symbol des Einen, Sich-Cleichen, Endlichen, das (Gerade das des Vielen.
Sich-Wandelnden, Unendlichen!.
Fie man sieht, stellen die Gnomone einmal die ungeraden. das andere
Seite 2
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)IT. Die Anfange der griechischen Mathematik
hb) Pythagoretsche Arithmetik
Ein anderer arithmetischer Satz, der bei PLUTARCH von Chäronea (Quaest.
Allgemein ist in der Tat:
conviv. V, 2, 4; 1003 F) und Diornaxr (IV, 38) vorkommt, besagt, daß dus
JR BR Be ee
Achifache einer Dreieckszahl plus eins eine Quudratzahl eryiht:
I
Negre)
Ls dun 1)
1
2a
7-7 zerfällt in 4 heteromêke Zahlen 3-4 und 1,
o 0 olo © o ol
oder in 8 Dreieckszahlen 5-(3- 4) und 1.
|
o 000000
2. Summierung der Quadrate und Kuben
90000000
Schon in einem babylonischen Text, der aller-
0 000/000
Fis. s
ak
dings aus später (seleukidischer, also helleni‘stischer) Zeit stammt, aber auf ein älteres Vorbild zurückgehen dürfte, findet sich die Summe
der Quadratzahlen in der folgenden, ungewöhnlichen Form dargestellt:
1
9
92
9
wiedergegeben ist, sich aber natürlich beliebig verallgemeinern lälit. (Rekon°
struktion von J. E. HOFMANN.)
e
Das große Rechteck enthält insgesamt
(14 2n) (1+2-3+---+ n) Steine. Ein
I e
Drittel davon ist weiß, die beiden anderen
Drittel, die jedes aus den Quadraten 1-1,
2:2,3-3.,..n-n bestehen, sind schwarz.
Zerlegt man die Quadrate in ihre Gnomone,
®
0000
e
LI
e
o
9-8
I;
Fig.9
e
4
wie wir wissen,
1 248503
(1) vi (a) te
Denn das ist ja gerade die Anordnung, die sich
bei [AMBLICHOS unter dem Namen ,,Diaulos”
fand. Sachlich handelt es sich natürlich umdie
2
7
>
Drei
l n(u : 1)
Summe der beiden
Dreieckszahlen
-5.
.
.
~
1
éà
.
Da nun der Gnomon die Breite n hat, umschlielit er # - n?
8-5.
#* Einheiten.
zahlen dar, ihre Summe ist aber offenbar gleich dem Quadrat mit der Seite
1+-2+3+...+n. Damit ist der Satz bewiesen. Die erwähnten Beziehungen zu IAMBLICHos machen es sehr wahrscheinlich, daß dieser den
Beweis von ALKARAGI schon gekannt hat. Seinem ganzen Stil nach paßt er
aber in die altpythagoreische Zeit.
“a
so sieht man, daß diese, ausgesteckt, in den
3. Das „Epanthem'* des Thymaridas. (lAMBLICH. in Nicom. p. 62, 18)
Querreihen der weißen Steine wiederkehren.
(Es gibt in unserer Figur, d.h. für n — 4,
4 Gnomone zu 1.3 Gnomone zu 3,2 Cnomone
zu 5 und einen Gnomon zu 7 Steinen.)
Die Summierung der Kuben, die sich bei
den ròmischen Agrimensoren findet, ist sicher
KIDAS (etwa zu PLATONs Zeit oder etwas früher) versteht man die foluende
Lösung eines Systems simultaner linearer Gleichungen,
Es seien n + 1 Unbekannte 2, x,.,...x,und n! I bekannte Gröbien
Unter dem Namen émévSnua („Überblüte“) des Pythagoreers Tuyaa-
(ty, dz, dy... 4,78 durch die Gleichungen verbunden:
Summen ungerader Zahlen folgendermaßen dargestellt werden können:
8
+
A
Die Gnomone unserer Figur stellen also die aufeinunderfolgenden Kubikden Griechen auch bereits bekannt gewesen. Das weht auch aus einer
Bemerkung des NiKOMACHOS (FI, 20) hervor, nach der die Kuben durch
1-1.
Vig. 3 10
“ig.
und — (nr — 1)n, die ein Quadrat n? ergibt.
Diese Formel ergibt sich aus nachstehender Figur 4. die hier für x = 4
r
Man umgibt die 1 mit sukzessiven Gnomonen von den Breiten 2, 3,...,n.
1
+248... np? EE
En ®
beweisen:
(In der Figur 10 ist n= 3.)
Der Gnomon von der Breite 3 hat z. B. die Länge
1+2+3+2+1=9=3:3 Allgemein ist,
o O 0/0 0 00
|
WF,
auch sonst oft griechischer Methoden bedient, auf figuralem Wege wie folut
0000000
|
Fe
El 2,
8 ee
Das läßt sich nach AL-KARAGI, einem arabischen Matlematiker des
10.--11. Jahrhunderts (val. seine „Al Fakhri” genannte Algebra), der sich
1).
Auch dies läßt sich leicht aus einer gfgoi-Figur veransebaulichen:
ooololo oo
43
27-7492 11,
64
13 15417
-19...
Denn daraus ergibt sich:
134 272.33) 4° -1-:-3:.5.7-9-11:1983:25
-(102,345.
17
19
10?
Dann sind die Unbekannten gegeben durch:
a)
m tee
(a,
ci da
CUS
l4)
») —
iii&
n — ]
En de
xy
uier,
Ne NE:
Seite 3
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)II. Die Anfänge der gricchischen Mathematik
b) Pythagoreische Arithmetik
Diese Lösung läßt sich durch folgende wñoci-Figur (11) leicht gewinnen,
in der n = 4 genommen ist:
den Eindruck gewinnt, es habe um jene Zeit (etwa um 400) bereits arithmetische „Elemente“ gegeben.
Aber dieser entwickelteren Zahlentheorie, die die fundamentale Methode
45
Ganze horizontale Zeilen
der Auffindung des größten gemeinsamen Teilers (.,Euklidisches TeilerVerfahren‘) schon besessen haben muß, ging eine primitivere voraus, die
won,
En ay
2 oo ‘ol eee
we By
U
sich im wesentlichen auf die „Lehre vom Geraden und Ungeraden“ beschränkt haben dürfte. Diese Lehre wird von PLATON öfter erwähnt, undzwar
300 où LÌ
Us Wy
® <> By = Ay
Weiße Steine + Schwarze Steine =
1882998090
08
ee
A,
Le = Ag
+ 0000000
xx
ima
50 Ooie e
vie
w+ ays à,
Fig. 11
s
als etwas ganz Bekanntes, vielleicht schon zum Schulunterricht Gehöriges;
sie wird von ihm als &piSunTun (ëmiornun), als „Zahlentheorie“, bezeichnet, im Gegensatz zur Aoy1oTikn, der bloßen Rechentechnik.
Die Theorie der geraden und ungeraden Zahlen geht zweifellos auf die
pythagoreische Arithmetik zurück. Sie hat einen späten Niederschlag gefunden in den Sätzen IX, 21—34 der ‚Elemente‘, wozu auch noch der Satz
über die vollkommenen Zahlen IX, 36 innerlich gehört, wie wir noch zeigen
Die x ersten Steine sind in allen Zeilen bis auf die erste weiß, die darauf
folgenden schwarz: in def ersten Zeile sind alle Steine schwarz.
Schwarze Steine: x
2, gi
yo By
à.
Weiße Steine; (5-1) a,
Alle Steine zusammen: a, @, + A, -- Uy + (ls.
Die weißen Steine sind alle Steine außer den schwarzen Steinen. Das bedeutet, wenn wir statt 5 allgemein n setzen:
werden. Es gibt aber auch vereinzelte ältere Überlieferungen, im Fragment
B2 des Epicharm, B5 des PHILOLAOS, in PLATOXS „Parmenides“ (143 de),
bei ARISTOTELES, Met. M 8, 1084, a4 usw.
Der eigentlichen Lehre vom Geraden und Ungeraden sollen einige Bemerkungen über die pythagoreischen arithmetischen Grundvorstellungen
überhaupt vorausgeschickt werden, da diese für die mathematische Denkweise des pythagoreischen Kreises sehr charakteristisch sind.
Die Eins wurde in frühgriechischer Zeit nicht als Zahl angesehen. Noch
EUKLID definiert (El. VII, def. 1, 2) die Zahl (&p19uòs) als „Menge von
Einheiten‘ (uovddev TASS), die Eins selbst dagegen als ,,das, wonach
jedes Ding eines genannt wird“. Ähnlich soll THALES die Zahl als, ‚Gefüge von
n-N)z=sa 1 Asta,
tee HAS.
2
3
Einheiten“ (uovdSeav oúorrpa), der Stoiker CHRYSIPPOS dagegen (im
Das ist aber die oben angegebene Formel.
Die Methode der yijpoi-Figuren ist noch maucher anderer Anwendungen
zeichnet haben (IAMBLICHOS in Nicom. p. 11, 2-10), analog der eudoxischen
Definition der Zahl als „begrenzte Menge‘ (mAñScs wpiouévov TAMBLICHOS
fähig, von denen wir noch einige in Verbindung mit pythagoreischen
3. Jahrhundert vor Christus) die Eins als die ,,Einermenge" (TA 905 Ev) be-
1. Allgemeines
1. c. p. 10. 17), nicht ohne übrigens auf Widerspruch zu stoßen. Von einigen
Pythagoreern wurde die Eins als die Grenze zwischen den ganzen Zahlen
und den (echten) Brüchen angesehen. Auch die Zwei wurde mitunter nicht
als Zahl erachtet. ([IAMBLICHOS], Theologumena arithmeticae p. 9, 1ff. [de
Falco].) Das hängt mit der Unterscheidung und Definition der geraden und
ungeraden Zahlen zusammen. Andererseits finden wir bei EUKLID mitunter
(EL IX, 21-34) keinen Unterschied gemacht zwischen der Eins und den
anderen Zahlen.
Die griechische Zahlentheorie muß schon am Ende des 5. Jahrhunderts
ungerade und gerade (äpTioi kal Tepioooi), zugleich mit einem Dritten, dem
eine beträchtliche Höhe erreicht gehabt haben, obwohl sie ihre abschlieBende
strenge Begründung, wie sie uns heute im VIL—IN. Buch der euklidischen
„Elemente“ vorliegt, wohl erst im 4. Jahrhundert, vielleicht durch THEÂTET,
erhielt. Das geht daraus hervor "daß ArcnyTas (einer der letzten Pythagoreer, ein älterer Zeitgenosse PLATOXS) einen in der Musiktheorie vorkommenden zahlentheoretischen Satz beweist (Fragm. d. Vorsokr. [Diels],
der beiden ersten entstehe. Von jeder der beiden Arten gebe es viele Formen.
NIKOMACHOS (arith. 17, 3-4) gibt verschiedene (angeblich) alte Definitionen der geraden und ungeraden Zahl.
1. Eine gerade Zahl kann durch dieselbe Operation in die größten (an
Ausdehnung) und kleinsten (an Zahl) Teile geteilt werden (nämlich in zwei
zahlentheoretischen Betrachtungen kennenlernen werden, denen wir uns
jetzt zuwenden.
B) Die Lehre vom Geraden und Ungeraden (Primitive Zahlentheorie)
ARCHYTAS À 19 — Bortnics. de mus. TTT, 11), indem er sich auf einfachere,
schon als bekannt vorausvesetzte arithmetische Sätze stützt, so daß man
Ein Fragment des PaiLoLaos (B5) sagt, es gebe zwei Arten von Zahlen,
Gerad-Ungeraden (&prTiomepirrôv), das aus einer ,,Mischung“ (Synthese)
Hälften); während die ungerade Zahl nur in zwei ungleiche Teile geteilt
werden kann.
Seite 4
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)b) Pythagoreische Arithmetik
TI. Die Anfiinge der qricchischen Mathematri:
2. Eine gerade Zuhl kann sowohl in zwei gleiche als auch in zwei ungleiche
Teile geteilt werden (außer der ursprünglichen Zweiheit, die nur in zwei
vleiche Teile teilbar ist), aber ihre Teile müssen. wie sie auch zerlegt wird.
von gleicher Art sein (d.h. beide gerade oder beide ungerade); während eine
ungerade Zahl in jedem Fall in zwei ungleiche Teile, auch der Art nach,
zerfällt.
Die Parenthese über die „ursprüngliche Zweiheit‘‘ deutet: darauf hin, daß
die Zwei früher nicht zu den Zahlen gerechnet wurde und hier noch, nachdem
der Sprachgebrauch sichgewandelt hatte, binzugelügt wurde. PLATON jedoch
spricht schon von der Zwei als gerader Zahl (Parm. I43e).
Die Bedeutung des Ausdrucks ,,gerad-ungerade‘ bei PHILOLAOS (B 5) ist
nicht mit Sicherheit festzustellen. Es kann die Eins gemeint sein, die ja nach
den obigen Definitionen weder gerade noch ungerade ist, aber als Ursprung
der geraden wie der ungeraden Zahlen gewissermaßen als potentiell gerade
und ungerade angesehen werden kann.
Es kann aber auch folgende Einteilung der Zahlen gemeint sein:
1. Gerade Zahlen, die lediglich in gerude Faktoren zerlegt werden können.
(EURLID nennt sie &pridkis &prıoı uövov, „nur gerademal gerade”) Es sind
die Potenzen von zwei, „die von der Zwei aus verdoppelten Zahlen“ (ci
amo SudSes SttAcoralenevoi).
2, Ungerade Zahlen, die lediglich in ungerade Faktoren zerfallen.
3. Gerad-ungerade Zahlen, die sowohl gerade als auch ungerade Faktoren
enthalten, das sind diejenigen geraden Zahlen, die nicht Potenzen von zwei
sind (ARISTOTELES Met. M 8, 1084a 4).
Später unterscheiden die Neupythagoreer (NikomMacHos arith, 18,4;
19,1: 110,1) (angeblich auf Grund alter Quellen) unter (3) noch zwei
verschiedene Gruppen.
3a. Die Zahlen, deren Hälfte ungerade ist. Sie können (vielleicht auf verschiedene Weise) in einen geraden und einen ungeraden Faktor zerfallen,
sind also „lediglich gerademal ungerade“ (äprióxis Trepıocoi ubvov nach
Evrup). NIKOMACHOS nennt sie „gerademal ungerade‘ (&pTiomrépioooi).
3b. Die Zahlen, die eine gerade Hälfte haben, aber keine Zweierpotenzen
sind. Sie können sowohl in zwei gerade als auch in einen geraden und
einen ungeraden Faktor zerlegt werden. Bei EuxLID heißen sie ,,gerademal
gerade und gerademal ungerade“ (&priókis &prioi Kai Apriäkıs Tepiooci),
bei NIKOMACHOS ,,ungerademal gerade“ (repiooäprioi), eine Bezeichnung,
die einen willkürlichen Eindruck macht. (Vielleicht eigentlich repioodkis
üpriarıs prior?)
Die Primzahlen (mpisrtor &piSuoi) werden zuerst in einem erhaltenen
Fragment des SPEusrppos, das aber bis auf PHILOLAOS zurückgeht, erwähnt (PHILoLaos A 13 [Diels]: Theolog. Arithm. [Ast] p.62). Sie sollen von
THYMARIDAS „geradlinig' (ed9uypaupıxoi) genannt worden sein, weil sie
nieht in Form eines Rechtecks figuriert werden können, sondern nur als
eine Punktreihe sich darstellen lassen. Der Primzahlbegriff wird auch im
Satz über die geraden vollkommenen Zahlen (EvgLID, EL IN. 36) verwendet {sn
HOT
47
Unter Primzahlen werden oft nur dic ungeraden Primzahlen verstanden
während der Zwei eine Sonderstellung eingeräumt wird. Sie heißt etwa bei
TuEox von Smyrna ,,quasi-ungerade’ (Tepiocosıötjs), da sie nicht durch
2 teilbar ist. Doch nennen ARISTOTELES (Top. © 2: p. 157 a 39) und Prknm
die Zwei eine Primzahl.
Auch der Begriff der relativ primen Zahlen muß schon alt sein, da er z.B.
für die Definition eines unkürzbaren Bruchs notwendig ist, der spätestens
am Ende des 5. ‚Jahrhunderts bekannt ist.
Bemerkenswert sind ferner die Begriffe der „vollkommenen“ und der
„befreundeten‘‘ Zahlen.
Follkommen heißt eine Zahl, die der Summe ihrer echten Teiler (ein
schließlich der Eins) gleich ist, wiez.B.6-
1 : % + 3,98-
- 14, 496 =1+-2:4+8-+ 16-31 - 62 + 124
142: 43
248 (Rukui El. VIL,
def.2
Befroundet heißen dagegen zwei Zahlen, wenn jede der Sunune der
(echten) Teiler (einschließlich der Eins) der anderen gleich ist, wie z.B.
220 =
I:
rd 71
+ 142
und
254-1.
P2445
0
11.
20
22 + 44 + 55 -- 110 (LAMBLICHOSim Nicom. p. 35, 1-7).
Ob es unger ade vollkommene Zahlen gibt, ist bis heute nicht bekannt; für
gerade vollkommene Zahlen gab EUKLID eine Konstruktion (EI. IX, 36),
die nach IAmBLIcHOS, der freilich keinen Beweis dafür bringt, alle geraden
vollkommenen Zahlen liefert. Erst EuLER hat diese Tatsache bewiesen; der
Beweis läßt sich indessen auch mit rein antiken Mitteln führen. Der euklidische Satz ist die Krönung des merkwürdigen Schlußabschnitts des
IX. Buchs der ‚Elemente‘ (21-34), der die alte „pythagoreische“ Lehre
vom Geraden und Ungeraden, allerdings nicht mehr in ganz reiner Form,
enthält; nach antikem Brauch wird er als Nachtrag am Ende der viel weiter
gehenden arithmetischen Bücher gebracht, offenbar infolge seines historischen Interesses. Da diese kleine Theorie ein einfaches, leicht verständliches Beispiel griechischen mathematischen Denkens darstellt, sei sie hier
kurz skizziert:
3, Die Lehre vom Geraden und Ungeraden
im IX. Buch der euklidischen ‚Elemente
Die Theorie beginnt mit folgenden Definitionen:
1. Eine gerade Zahl ist eine in zwei gleiche Teile teilbare.
2. Eine ungerade Zahl eine solche, die nicht in zwei gleiche Teile geteilt
werden kann, oder eine solche, die sich von einer geraden um eine Einheit.
unterscheidet.
3. Gerademal gerade heißt eine Zahl, die durch eine gerade Zahl geteilt eine
gerade Zahl ergibt.
4. Gerademal ungerade eine solche, die durch eine gerade Zahl geteilt eine
ungerade ergibt.
5, Ungerademal ungerade eine solche. die durch eine ungerade Zahl geteilt
eine ungerade ergibt,
Seite 5
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)IT. Die Anfänge der aviechischen Mathematik
b) Pythagoreische Arithmetik
Dann folgen einige ganz einfache Sätze.
49
Denn es sei die ungerade Zahl « prim zu c. Wäre nun « nicht prim zu 2e,
Satz 21. Wenn beliebig viele gerade Zahlen addiert werden, wird die Summe
gerade sein.
Denn jede einzelne Zahl hat eine Hälfte, ihre Summe also auch, nämlich
so hätten « und 2c einen gemeinsamen Teiler d. Da u ungerade ist, müßte d
es auch sein, also, da es 2c teilt, nach Satz 30 auch c teilen; « und ¢ hätten
also gegen die Voraussetzung einen gemeinsamen Teiler.
die Summe der Hälften der einzelnen Zahlen.
Sutz 22. Wenn beliebig viele ungerade Zahlen addiert werden, ihre Anzahl
aber gerade ist, ist ihre Summe gerade.
Denn wenn man von jeder von ihnen die Einheit wegnimunt, bleibt je eine
gerade Zuhl übrig (Def. 2). Die Anzahl der weggenommenen Einheiten ist
gerade. Also ist nach Satz 21 die Summe der ursprünglichen Zahlen gerade.
Satz 23. Wenn die Anzahl der ungeraden Zahlen ungerade ist, ist ihre Summe
|
ungerade.
Sat: 32. Die ans 2 durch (fortgesetzte) Verdoppelung erhaltenen Zahlen
(d.lı. die Potenzen von 2) sind lediglich gerademal gerade.
Denn, daß alle diese Zahlen gerademal gerade sind. ist aus ihrer Ent-
Denn zieht man von der letzten Zahl die Einheit ab, so ist der Rest
gerade. Die übrigen Zahlen sind eine gerade Anzahl, ihre Summe also nach
Satz 22 gerade. Sie ergibt demnach zum Rest addiert eine gerade Zahl
(Satz 21), daher nach Wiederhinzufügung der Einheit eine ungerade (Def. 2).
Ganz ähnlich lassen sich die folgenden Sätze 24-27 beweisen:
Satz 24. Wenn eine gerade Zahl von einer geraden abgezogen wird. ist. der
Rest gerade.
Satz 25. Wenn eine gerade Zahl von einer ungeraden abgezogen wird, ist
der Rest ungerade.
Satz 26. Wenn eine ungerade Zahl von einer ungeraden abgezogen wird,
ist der Rest gerade.
Satz 27. Wenn eine ungerade Zahl von einer geraden abgezogen wird, ist der
Rest ungerade.
Es folgen nun etwas schwierigere und bedeutungsvollere Sätze, die den
eigentlichen Kern der Theorie bilden.
Satz 28. Eine ungerade Zahl (a) mit einer geraden (b) multipliziert ergibt
eine gerade Zahl.
Denn wenn a mit 5 multipliziert c ergibt, so besteht c aus so vielen
gleichen Zahlen b als u Einheiten enthält; b ist aber gerade, c daher die
Summe einer Anzahl von geraden Zahlen, also nach Satz 21 gerade.
stehung klar. Sie haben aber auch keinen ungeraden Teiler. Denn alle ungeraden Zahlen sind prim zur Zwei, also nach Satz 31 prim zu allen daraus
durch fortgesetzte Verdoppelung entstandenen Zahlen.
(Der euklidische Beweis ist hier verwickelter und geht auf früher von ihm
bewiesene Sätze der allgemeinen Zahlentheorie zurück. Er kann daher keinen
Bestandteil der alten Lehre gebildet haben.)
Satz 33. Wenn eine Zahl eine ungerade Hälfte hat, ist sie lediglich gerademal
ungerade.
Denn, daf sie gerademal ungerade ist. ist offenbar. Wenn sie aber auch
gerademal gerade sein köunte, mübte sie von einer geraden Zahl nach einer
veraden gemessen werden; es wäre also auch ihre Hälfte durch eine gerade
Zahl teilbar, gegen die Voraussetzung. (Der letzte Schluss läßt sich leicht an
einer wfoot-Figur veranschaulichen.)
Satz 34. Wenn eine Zahl weder eine von der Zwei aus verdoppelte ist, noch
eine ungerade Hälfte hat, so ist sie sowohl gerademal gerade als auch
gerademal ungerade.
Daß sie gerademal gerade ist, leuchtet ein; denn sie hat ja keine ungerade
Hälfte. DaB sie aber auch gerademal ungerade ist, sieht man, wenn man
die Zahl halbiert, ihre Hälfte wiederum halbiert und dies so lange fortsetzt,
bis man zu einer ungeraden Zahl (die von 1 verschieden ist!) kommt.
Würde man nämlich nicht auf eine ungerade Zahl stoßen, so stieße man
schließlich auf die Zwei. Dann aber wäre die Zahl, die forizesetzt halbiert
wurde, eine von der Zwei aus verdoppelte, was gegen die Voraussetzung ist.
Das ist im wesentlichen die „Lehre vom Geraden und Ungeraden’’. Sie
scheint sehr primitiv, gestattet aber doch verschiedene, durchaus nicht
triviale Anwendungen, von denen wir im folgenden zwei bringen.
Salz 29. Eine ungerade Zahl mit einer ungeraden multipliziert ergibt eine
ungerade Zahl.
Beweis ähnlich wie bei Satz 28 (mit Hilfe von Satz 23).
Satz 30. Wenn eine ungerade Zahl eine gerade teilt. so teilt sie auch deren
Hälfte.
Denn wenn die ungerade Zahl « die gerade g teilt, so möge sich c ergeben.
Es ist also u - c = y. Wäre nun c ungerade, so wäre nach Satz 29 g ungerade,
gegen die Voraussetzung; u teilt also g gemäß einer geraden Zahl, sie teilt
also auch ihre Hälfte.
Sutz 21. Wenn eine ungerade Zahl zu einer Zahl (relativ) prim ist, so ist sie
auch prim zur doppelten Zahl.
3. Der euklidische Satz über die vollkommenen Zahlen
Evxzip, Elemente XI, 36. Wenn von 1 beginnend durch Verdoppelung
eine Reihe von Zahlen aufgestellt wird und ihre Summe eine Primzahl
ergibt, so ist ihr Produkt mit der letzten Zahl eine vollkommene Zahl.
(Der euklidische Beweis ist nicht der ursprüngliche, sondern beruht auf
einer ganzen Anzahl von in den vorausgehenden arithmetischen Büchern
bewiesenen zahlentheoretischen Sätzen, während die Sätze IX, 21--34 keine
Verwendung finden. Es ist jedoch möglich, den Satz auf (rund der alten
Lehre vom Geraden und Ungeraden zu beweisen, deren Krönung er doch
offenbar bildet. — Bemerkenswert ist das Auftreten des Begriffes der
Primzahl.)
7136 Becker, Math. Denken
Seite 6
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)II. Die Anfänge der griechischen Mathematik
b) Pythagoreische Arithmetik
Beweis
Es seien die Zahlen 1, 2, 2°... 2"-1 vorgelegt. und ihre Summe ergebe
eine Primzahl, z.B. 1,2,4(1--2+4= 7) oder 1.2,4,8,16 (1 - 2+4
-r 8 + 16 — 31). Dann ist ihr Produkt mit der letzten Zahl 2”-1 (also in
den Beispielen: 7 -4 = 28 bzw. 31 - 16 = 496) eine vollkominene Zahl.
51
später darauf zurück. Jedenfalls scheint | 2 die erste Wurzel zu sein, deren
Irrationalität arithmetisch bewiesen wurde. Und zwar überliefern die
meisten Euklidkodizes am Ende des X. Buchs der ‚Elemente‘ als Nachtrag
einer späteren Hand einen „alten Beweis‘, der darauf hinausläuft, daß,
wenn Quadratseite und -diagonale konunensurabel wären, dieselbe Zahl
In der Tat lassen sich sämtliche Teiler der Zabl(1- 2 + 4 -...- 2
gerade und ungerade wäre. Auf einen derartigen Beweis spielt auch AnisTo-
29-2", wo 1+2+4,,,+49-12 9 eine Primzahl ist, unschwer
TELES an (Anal. prior. I, 23 p. 4la, 26-27).
Jedoch ist der in den EvELID-Handschriften überlieferte Beweis ebensoangeben. Es sind:
1,2,22.,,27-?2”°-17
zB. 1,2,4
bzw. 1.2,4,8.16
p,2p,2%p...2"-?p
2.B.7,14
bzw. 31, 62. 124, 248.
Gabe es nämlich einen ungeraden Teiler u außer p (und der Einheit), so
müßte er, nach Satz 30, auch die Hälfte von 2” 1% teilen und davon wieder
die Hälfte und so fort, bis man schließlich zur Hälfte von 2p käme, d.h. zu
p selber. Aber das ist unmöglich, denn « kann die Primzahl p nicht teilen.
Aber auch ein Teiler d, bei dessen fortgesetzter Halbierung man auf eine
ungerade Zahl u’, die von p (und 1) verschieden wäre, stieße, ist unmöglich.
Denn es wäre ja die ungerade Zahl u' als Teiler von d auch ein Teiler von
2"-1p, was unmöglich ist, wie zuvor gezeigt. Es bleiben also nur die (genügend kleinen) Zahlen übrig, die bei fortgesetzter Halbierung p oder 1
ergeben, d.h. die von 1 oder p aus verdoppelten Zahlen, wie wir sie bereits
sämtlich angeführt hatten. Denn die nächste Zahl der oberen Reihe wäre
2”, die offenbar 2”-1p nicht teilt, und die nächste Zahl der unteren Reihe
ist 2"-1p selber.
Die Summe der angeführten sämtlichen Teiler läßt sich leicht berechnen.
Es ist nämlich:
(1424 224.4 2-1) +(p+2p+2°p
= p+ pe 2p+ Bp
Die Summierung der letzten (geometrischen) Reihe ist sehr einfach, und
man braucht dazu nicht die allgemeine Summenformel für die geometrische
Reihe, die EvgLID in IX, 35 beweist. Es ist nämlich offenbar:
Man kann diese Summierung (für 1 +1 +2?
Wp
Grunde die zahlentheoretischen Fundamentalsätze von der eindeutigen
Darstellung eines Bruches durch relativ prime Zahlen voraus. Auch kann
der Beweis leicht auf andere Wurzeln übertragen werden, so daß es unverständlich bliebe, daß eine solche Übertragung nicht stattgefunden hat.
(THEODOROS von Kyrene hat, nach PLaTon [Theätet, 147dff.] die Irrationalitàt von 13, 5, ... 1% einzeln bewiesen. Da |'2 nicht erwähnt wird,
ist anzunehmen, daß für diesen Fall allein der Beweis schon früher veliefert
wurde.)
Nun ist aber in der Tat ein primitiver Beweis, der die wfjpoi-Methode
benutzt, möglich, und wir geben ihn jetzt neben dem „euklidischen an.
I. Der „euklidische“* Beweis (in freier Wiedergabe)
Es sei a:b das Verhältnis von Diagonale und Seite des Quadrats, in
kleinsten Zahlen, die demnach relativ prim zueinander sind, so daß eine von
ihnen gerade, die andere ungerade ist’. (Daß diese Darstellung des Verhältnisses immer erzielt werden kann, wird in den Elementen der Zahlentheorie bewiesen.) Es ist 2 = a?: b? oder 25? = a*. Nun ist entweder a oder
b, also entweder a? oder 6? ungerade. Ware a? ungerade, so wäre es der
geraden Zahl 25? gleich, was unmöglich ist. Ist 6 aber ungerade, so muß a
vee. 20?p = 2° p,
p+p=-2p,2p+2p-4p.4p+4p-Sp....2"-?p
wenig wie der euklidische Beweis für den Satz IX, 36 mit den primitiven
Mitteln der Lehre vom Geraden und Ungeraden geführt, sondern setzt im
2° p.
gerade, also a? durch 4 teilbar sein. -— a? ist also noch durch ? teilbar. Es ist
aber b?= sa, also wäre wiederum eine ungerade Zahl (b?) einer geraden
(3 a?) gleich, was absurd ist.
2? +...) natürlich auch
mittels einer Wfoci-Figur durchführen, worauf hier nicht mehr eingegangen
sei, ebensowenig wie auf den Beweis der Umkehrung des Satzes: Jede gerade
vollkommene Zahl läßt sich durch die euklidische Vorschrift erzeugen.
IL. Primitiver Beweis
Es sei wiederum a? = 20°, wobei jetzt a und b nicht prim zueinander zu
sein brauchen. Man denke sich die Zahl a? einmal und die Zahl b? zweimal
mit Steinchen ausgelegt. Nun teile man, sofern und solange dies möglich ist,
die Quadrate in 4 Teile, die Teilquadrate wieder in 4 Teile usw. Dies muB
4. Beweis für die Irrationalität der Quadratwurzel aus 2
Wie und wann die Inkommensurahilität der Seite und Diagonale des
Quadrats zuerst bewiesen wurde, und ob ihr vielleicht die Entdeckung der
Inkommensurabilität von Seite und Diagonale des regulären Pentagons
vorausging (wie K. v. FRITZ meint). ist noch ungeklärt. Wir kommen noch
einmal ein Ende haben. (Denn die Vierteilung geschieht durch Halbierung
der beiden Quadratseiten, vgl. den Gedankengang des Beweises von IX, 34.)
5 Es ist hinreichend, daß a und b nicht beide durch 2 teilbar sind, was durch
successive Halbierung leicht erreicht werden kann, da dadurch sich das Verhältnis @:b nicht ändert. So bleibt man ganz im Rahmen der primitiven „dyadischen‘ Arithmetik.
Seite 7
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)gerades Quadrat ist, ist sie durch 4 teilbar, ihre Halfte ist also noch gerade.
Dabei sind verschiedene Falle möglich:
}. Man kommt zuerst oder gleichzeitig mit der rechten Seite auf der
linken Seite zu einer ungeraden Zahl a’. Rechts stehen dann auf jeden Fali
zwei Zahlen b’ + b’ = 2b’, also eine gerade Zahl. Das ist unmöglich.
2. Man hat links noch eine gerade Zahl a’, während rechts die Teilung
in zwei ungeraden Zahlen b’+ b” endet. Da die gerade Zahl a” links ein
fel
WM
+
+
+
b
À
Foll 7
oder
Fall 2
Fig. 12
|]
=
=
a
Fa
=
¥
a
b
T
ò
Rechts aber steht die Zahl 2b”, deren Hälfte ungerade ist. Teilt man also
beiderseits durch 2, so kommt man auf einen Widerspruch.
=
De
=
77 =
a
a
a) Die quadratische geometrische Algebra der P ythagoreer
53
Der einfachste Fall ist das Zahlentripel 3 4 5 und natürlich seine Vielfachen
681, 91215 usw. Weitere aus Babylonien und Altindien bekannte
Beispiele sind: 5 12 13, 7 2425; 8 15 17, 12 35 37; 20 21 29. Man bemerkt,
daß die beiden letzten Ziffern um 1 = 1", 2 = 2-12, 8 = 2 - 2° differieren.
Wie findet man solche pythagoreische Zahlen? Gibt es ein Verfahren, wu
sie sämtlich zu bestimmen? Die Antwort auf diese Fragen führt auf Betrachtungen, die einen Übergang von der geometrischen (yîipot-) Arithmetik
der Pythagoreer zu ihrer eigentlichen geometrischen Algebra bilden.
Aus der Lehre von den figurierten Zahlen ist der Begriff des Gnomons
bekannt. Legt man einen Gnomon um ein aus Steinchen gebildetes Quadrat,
so erhält man wiederum ein solches, wobei der Gnomon eine ungerade Zahl
von Steinen enthält. Man erhält nun offenbar drei pythagoreische Zahlen,
wenn man dafür sorgt, daß der Gnomon ein (notwendig ungerades) Quadrat
25
...
100
121
144
169
...
ist. Man braucht also nur aus der Reihe der Differenzen der Quadratzahlen
die Quadrate herauszusuchen; die ersten sind offenbar 9 und 25:
1491
+16 = 25 d.h. 3° — 42 = 5? und 25 + 144 = 169 d.h. 5°. 12%. 13°,
Bei dieser Konstruktion hat der Gnomon die Breite 1. Die allgemeine
Also: 9
Regel ist in diesem Falle die folgende. Geht man aus von n°, so ist der
Gnomon 2n + 1= m? zu setzen. Demnach ist n = = (m*-- 1) und x — 1
= mtl). Die pythagoreischen Zahlen sind also 3 (m® 1), m,
En (m2 + 1). Dabei ist m als ungerade anzunehnten.
pythagoreischen Zahlen demnach: 2m,
Fig. 13
Diese Regel wird in der Tat von PROELOS (in Euxuip p. 487, 7—21) den
1 1
n
Pythagoreern zugeschrieben (vgl. Fig. 13).
Weitere -pythagoreische Zahlen erhält
m2—1,m?+1(2.B.8=2-4,15=4°-1,
4
1
Die dem Beweisgang entsprechenden Figuren (mit Steinchen ausgelegt
zu denken) sind folgende (die schraffierten Quadrate sind ungerade, die
viergeteilten gerade); die Figuren stellen das Stadium dar, in dem eine
weitere Vierteilung unmöglich wird (vgl. Fig. 12).
III. MATHEMATIK DES 5. JAHRHUNDERTS
Diese Regel wird von ProkLos(in EtxLID
man, wenn män für den Gnomondie Breite 2
wählt. Hier ist der Gnomon 2n +4 + 2n
= 4(n + 1); er ist also ein Quadrat, wenn
n+l=m?, er selbst mithin (2m)? ist.
Dann istn = m2 —1, n + 2 = m? +1; die
a) Die quadratische geometrische Algebra der Pythagoreer
p.428,21-429, 8) dem PLaTON zugeschrieben, ist aber sicher viel älter. (Man kann sie
übrigens auch erhalten, indem man vom
Man kann diesen Gedankengang verallgemeinern, indem man für die
Breite des Gnomons eine doppelte Quadratzahl 2s° wählt. Er beträgt dann,
Quadrat mit der Seite n einen Gnomon von der Breite 1 abzieht und ihm
einen ebensolchen hinzufügt; die beiden Gnomone sind dann 2» — 1
und 2n + 1, ihre Summe 4n, welche ein Quadrat sein mul, was n — m?,
An = (2m)? ergibt, wie zuvor.)
‘
17=4°-+1).
1. Pythagoreische Zahlen (Rationale rechtwinklige Dreiecke)
Die sogenannten „pythagoreischen Zahlen“ sind Zahltripel, die die
Seitenlängen eines rechtwinkligen Dreiecks darstellen können. Nach dem
sogenannten ..pythagoreischen Lebrsatz”, der aber schon den Babyloniern
und durch diese den Indern des vorgriechischen Altertums bekannt war, ist
in jedem rechtwinkligen Dreieck die Summe der Quadrate tiber beiden
Katheten gleich dem Quadrat über der Hypotenuse. Aber nur in besonderen
Fällen lassen sich die gevenseitigen Verhältnisse der Seiten in ganzen Zahlen
ansdrüchen. nämlich wenn a? UE = et wo a. be natürliche Zahlen sind.
Seite 8
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)u) Die quadratische geometrische Algebro der l'ythagereer
=
zwischen den Quadraten n? und (n+ 28°)? gelegen, 26n- Zen + 4st
4s?(n+ 52). Er ist ein Quadrat, wenn n + 8°= m?, also n= m? — s? ist, und hat
selbst den Wert 4524? = (2em)?. Endlich ist n + 2s? = m? + s*, so daB man
Wenn man nämlich die eine Kathete des rechtwinkligen Dreiecks gleich |
setzt und dann die Bedingungen dafür sucht, daß die andere Kathete b und
die Hypotenuse c rational werden, kommt man zu der (ileichung:
auch m? und s? beide gerade oder beide ungerade, so sind m? - s? und
l=c?-P=(c+b)(c- db).
- - erhält. Sind m und s, also
die pythagoreischen Zahlen 28m, m? -- 8°, m?
m? + s? auch gerade Zahlen; man kann dann also alle drei pythagoreische
a
l
,
Zahlen durch 2 teilen und erhält auch noch sin, + (m?— 8°), > (m? + 8?)
als solche, auBerdem aber natürlich alle ganzzahligen Vielfachen (vg). Fig. 14).
Tatsächlich hat man damit bereits die allgemeinste überhaupt geltende
Regel für pythagoreische Zahlen gewonnen, wie später Euxurp (El. X, 28
Lemma) bewiesen hat. Auch dieser Beweis könnte auf ältere Zeiten zurückgehen. Der Beweis, den EuKLID auf einen Satz (II, 6) seiner geometrischen
i
Algebra stützt, ist in freier Wiedergabe etwa folgender.
Es sei uv = c?— = (c+d)(cdb), wo u=c tb, v=c--b; also
c= DI5 (utr), b= =1 (u i v). Auf daß ur ein Quadrat sei, müssen v und v
Es müssen dann c + b und c — d zwei reziproke Brüche sein, etwa p/q und
q/p (wo p,q relativ prim), so daß man hat:
cib
2s?
werden können (VIII, 20). Ihre Seiten
mögen sich wie k zu ! verhalten, also
etwa u = km- lm und v= ks: ls sein.
ons?
45%
Es ist dann ur= k?l?m?s?. Die drei
pythagoreischen Zahlen sind offenbar
Vue, b,c also klms,
5
—
U kim? — k1s?),
n?
ans?
|
(Es
sei
noch
c-b- 4,
P
bi (2 u 4.) m
2\g
p,
2pq
Man erhält damit die drei ,,pythagoreischen Zahlen‘ (u.
U. Brüche!)
1
pd
Pig
oder nach Multiplikation mit 2pg die ganzen Zahlen:
2pg,
pg,
pg.
Das ist genau die EtxLIDISche Lösung, die sich damit als notwendige
und hinreichende Bedingung für die Rationalität der drei Dreiecksseiten
erweist. EvgLips Methode ist komplizierter, weil er sich nach Art der
I (klm? + kls®).
n
q
c -3(£ + 4).Def
2
p
ET i
entweder selbst Quadrate oder wenigstens „ähnliche ebene Zahlen‘ sein,
25°
È.
woraus sich ergibt
d.h. solche, die durch ähnliche (gleich proportionierte) Rechtecke figuriert
n
55
der
Beweis
von
El. VITI, 20 nachgetragen: „Wenn zwei
Zahlen a, b multipliziert eine Quadratzahl c? ergeben, sind sie ähnliche
Fig.14
ebene Zahlen.‘ Denn wenn ab = c?,
ist a:¢ = c:b. Die kleinsten Zahlen im
Verhältnis a:c¢seien m, n und es sei a = mz,e = nz. Dann ist auch c:b= m:n
und es seic = my,b= ny. Mithin ist m y == nz oder m:z = n: y‚ a und b sind.
also ähnliche ebene Zahlen, denn m - z und 7 - y sind gleich proportionierte
Rechtecke.)
Die vorstehende Betrachtung läßt sich nach E. M. Bruins und B, L. van
DER WAERDEN? auf eine bereits babylonische Berechnung rationaler Seiten
rechtwinkliger Dreiecke zurückführen, die in einem Tabellentext ,,Plimpton 322“ enthalten ist. (O. NEUGEBAUER' denkt sich die babylonische
Betrachtung mehr nach Art der oben vorgeführten Gnomone durchgeführt.)
6 B.L. van DER WAERDEN, Erwachende Wissenschaft, Basel und Stutt«art. 1946, S.125-128.
#0. Nuvoenswen, The exakt sciences in Antiquity, Kopenhagen 1951, S. 35
bis 39, 49-52,
klassischen griechischen Mathematiker auf die Betrachtung ganzer Zahlen
beschränkt; DiopHant denkt hierüber anders, denn er steht noch in altorientalischer Tradition.
2. Ubergang zur geometrischen Algebra:
Der pyihagoreische Lehrsatz
Die altindischen Geometer, die Verfasser der Sulva-Sutra, operierten
auf einem in Quadrate eingeteilten Boden, bedienten sich also eines Verfahrens, das der frühgriechischen geometrischen Arithmetik, die mit Steinchen arbeitet, gleichwertig ist. Es findet sich bei ihnen auch eine klare
Beschreibung der Bildung eines Gnomons, obwohl sie ein entsprechendes
Fachwort nicht besitzen. Im Apastamba Sülva-Sütra heißt es (TIT, 9):
„Man fügt das, was man mit der jeweiligen Verlängerung umzieht, an zwei
Seiten hinzu und an der Boke das Quadrat, welches durch die betreffende
Verlängerung hervorgebracht wird.‘
Die alten Inder und schon die Babylonier benutzten fortgesetzt den
»pythagoreischen Lehrsatz‘‘, und zwar allgemein, d.h. auch für den Fall,
daB einige Seiten der Dreiecke irrational sind, Wie ist der Satz begriindet
baw. seine Benutzung gerechtfertigt worden?
Seite 9
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)a) Die quadratische geometrische Algebra der Pythagoreer
In Indien findet man keine Begründung in antiker Zeit; in Babylonien
Ein derartiger Zerlegungsbeweis muß also in vorgriechischer Zeit in der
oder jener Form vorhanden gewesen sein. Auch Evktip bringt (EL I, 47)
einen Zerlegungsbeweis, aber von anderer Art, der von PROKLOS in seinem
gibt es in einem Keilschrifttext eine Figur (15), die zum Beweis im Sonderfall des gleichschenkligen rechtwinkligen Dreiecks dienen kann. Es ist
dieselbe, die in der berühmten Sklavenszene des platonischen Dialogs
Kommentar zur Stelle auch ausdrücklich
„Menon'* (82b—85b) den geometrischen Erörterungen des SOKRATES zuihm selbst zugeschrieben wird. Nun hat
grunde gelegt wird. Alle Seiten eines Quadrats
werden halbiert und die Teilpunkte zu einem
zweiten Quadrat verbunden, das hall so groß
ist wie das Ausgangsquadrat.
EvELID im VI. Buch (31) noch einen ganz
verschiedenen Beweis mittels Propor-
Fig.15
allgemeineren Satz, bei dem irgendwelche
zueinander ähnliche Figuren über den
Seiten eines rechtwinkligen Dreiecks ver-
„Figur des Seiles“ beschrieben, die im folgenden
glichen werden, bezieht.
wiedergegeben ist (Fig. 16, 17). Der Name der
Das Charakteristische aller dieser Beweise ist, daß das Quadrat über der Hypo-
“Ein Quadrat ist in 7-7 kleine Quadrate geteilt; ihm ist ein zweites Quadrat eingeschrieben,
dessen Ecken die Seiten des ersten Quadrats im Verhältnis 3:4 teilen.
Das eingeschriebene Quadrat entsteht durch Wegnahme von vier halben
oder zwei ganzen Rechtecken 3-4, enthält also 49 — 2-12 25 kleine
Quadrate (Fig. 16). Teilt man die Fläche des großen Quadrats in anderer
.
=4
I ie
(
Mi
)
A
7
IN
N
4
+.
12
TI
Fig. 16
tionen, der sich allerdings auf einen
In einem alten chinesischen Kalenderwerk,
dem Chou-pei Snan-chin, wird die sogenannte
Figur könnte auf die Sulva-Sutra, die „Seil.
. Regeln“, hindeuten.
PA
Fig. 17
57
tenuse durch die verlängerte Höhe auf
sie in zwei Rechtecke geteilt wird, die
einzeln den Quadraten über den Katheten
ETET
c
gleich sind. ETKLID macht in 1, 47
von Proportionen grundsätzlich keinen
Fig.
ES
Gebrauch, offenbar, um die Elemente der Geometrie von einer schwierig
zu begründenden allgemeinen, d.h. auch für irrationale Verhältnisse zeltenden
Proportionenlehre unabhängig zu machen. Die Flächengleichheit des Quadrats über AC und des Rechtecks AFGE wird z.B. durch die kongruenten
Dreiecke ABD und AEC vermittelt (Fig. 18).
Der ältere Beweis, der die Proportionenlehre naiv benutzt, geht davon
aus, daß die rechtwinkligen Dreiecke 4 BC, ACF, CBF (in denen die Winkel
bei A und B übereinstimmen) ähnlich, ihre homologen Seiten also proportioniert sind (Fig. 19).
Esist:
d.h.
. AF:AC = 4C:AB
©
40%= AF.AB
und
BF:BC = BC: AB
und
BC? = BF: AB
also 4C?+ BC? = AF-AB+ BF-AB=(AF+FB)AB= AB?
Weise (Fig. 17), doch wiederum so, daB zwei Rechtecke 3-4 abgezogen
Der euklidische Beweis in 1,47 ist offenbar eine Abwandlung dieser
Argumentation; in VI, 31 wendet EUKLID die Sache etwas anders. Ähnliche
werden, so behält man zwei Quadrate 3-3 und 4 - 4 übrig. Arithmetisch
ist dies selbstverständlich; geometrisch bedeutet es, daß das Quadrat 5 - 5
Figuren verhalten sich wie die Quadrate
ihrer linearen (homologen) Dimensionen,
über der Hypotenuse des rechtwinkligen Dreiecks mit den Seiten 3, 4, 5
flächengleich ist der Sunıme der Quadrate 3-3 und 4 - 4 über den beiden
Katheten.
Die chinesische Figur betrifft nur den speziellen Fall des Dreiecks ınit den
also, sofern sie über den Seiten von ABC
(den Hypotenusen der Dreiecke A BC, CAF,
BCF) errichtet sind, wie AB?, AC?, BC*.
Die ähnlichen Dreiecke ABC, ACF. CBF
Seiten 3, 4, 5; aber die Betrachtung gilt offenbar ganz allgemein, sowohl für
sind also auch diesen Quadraten proporrationale als auch für irrationale rechtwinklige Dreiecke, sie stellt einen ganz
allgemeinen „Zerlegungsbeweis“ für den pythazoreischen Lehrsatz dar, der
sich übrigens auch bei dem arabischen EvELID-Kommentator Anxarrizi findet. Ähnliche Figuren hat auch die spätere mittelalterliche indische Geotional, d.h. diese unterscheiden sich von
metrie.
C
F
4
8
19
Fig.
ihnen lediglich durch einen und denselben
Proportionalitätsfaktor, sagen wir m. Er ist
;
demnach AB? = m - ABC, AC? = m | ACF. BC? - m - CBF. Nun ist offen- .
bar: ABC = ACF — CBP, mithin AB? — MC?
Seite 10
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)a) Die quadratische geometrische Algebra der Pithaqureer
und konstruierte über 4D ein diesen ähnliches viertes Segment. Wie im
ersten Fall ist die Summe der kleineren Segmente gleich dem größeren
3. Lunulue Hippocratis
Segment und das aus beiden Kreisbögen AD gebildete Méndchen wird
flachengleich mit dem Trapez. Das Trapez ist leicht konstruierbar und
Simplicius in Aristot. Physica p. 60, 22-68, 32 Diels
An die letzten Betrachtungen zum pythagoreischen Lehrsatz kann
zwanglos die Quadratur der Möndchen durch Hippocrates von Chios angeschlossen werden. Denn in ihnen wurde das Prinzip verwendet, daf
ähnliche Figuren sich wie die Quadrate ihrer linearen Dimensionen verhalten. Auf diesem Grundsatz beruhen aber auch die hippokratischen
Überlegungen, die deshalb historisch besonders wichtig sind, weil sie sichin
c
dem ältesten Stück zusammenhiingender
mathematischer Theorie, das wir besitzen, dem
Bericht des ARISTOTELESsschillers Evprmos
von Rhodos über HIPPOKRATES in seiner
verlorenen „Geschichte der Geometrie“, erA
8
Fig. 20
halten haben.
Zunächst hat HIPPOKRATES nach dem eudemischen Bericht gezeigt, daß Kreise sich wie
Quadrate ihrer Durchmesser verhalten und
ähnliche Kreisteile (Sektoren und Segmente) ebenfalls. Die Quadraturen der
Möndehen werden von ihm nun einfach dadurch gewonnen, daß ähnliche
Kreissegmente über Sehnen, deren Quadratesich wiekleineganzeZahlen (2:1,
3:1,3:2) verhalten, gegeneinander ausgewogen und von einander abgezogen
werden, wobei dann die „lunulae‘ als Restfläche übrig bleiben.
So sind in der ersten Figur 20 die Segmente
Halbkreis ist.
Der letzte Fall (Fig. 22) ist der schwierigste und wird auch von Hippo-
KRATES mit Hilfe einer „Einschiebung“ (veücıs) behandelt, obwohl er nur
auf eine quadratische Gleichung führt und mit Lineal und Zirkel allein
bewältigt werden könnte, wie wir noch zeigen werden. Hier wird das zu
quadrierende Möndchen aus zwei Kreisbögen gebildet, von denen der äußere
9
settee
in drei, der innere in zwei gleiche Teile
i
geteilt ist, die die ähnlichen Segmente
SÉ
ET
umschließen. Und zwar verhalten sich die
Quadrate der entsprechenden Sehnen je
/
|
eines größeren und eines kleineren Segments wie 3:?, so daß also wieder die
4
x
bf)
as
ee 6
anos
Inhalte der addierten inneren und äuBeren
Segmente sich ausgleichen. Die von den fünf Sehnen gebildete geradlinige
Figur ist dann flächengleich mit dem Möndchen. Der äußere Bogen des
Möndchens ist kleiner als der Halbkreis.
Die Konstruktion ist im einzelnen folgende: Man errichte einen Haibkreis
über AB;essei AK =FE, KC
= CB, CL senkrecht zu KB. Die Strecke EF
(so lang, daß EF?
= AK 2) werde eingeschoben. zwischen die Peripherie des
Halbkreises AB und die Gerade CL, mit der ‚„Neigung” (veUois). d.i.
Viertelkreisen abgeschnitten .Nachdem pytha-
Zielrichtung nach B. (D.h.: Es wird die Länge von EF auf einem Lineal
goreischen Satz ist AB? = AC? BC”, und
markiert und das Lineal so lange probierend bewegt, bis die beiden Marken
sE und „F“.auf der Kreisperipherie und der (Geraden CL liegen und das
AC
+ segm. BC. Da nun das ,,Môndchen‘
.
Fig.21
ebenso läßt sich unschwer zeigen, daß der äußere Bogen AJ) größer als der
AB, AC, BC einander ähnlich, nämlich von
da die Segmente sich wie die Quadrate ihrer
Sehnen verhalten, ist auch segm. AB -- segm.
A
50
(unviokos) ABC dadurch entsteht, daß vom
Dreieck ABC das Segment AB abgezogen
wird, dafür aber die Segmente AC und BC
hinzugefügt werden, sind Möndchen und
Dreieck ABC flächengleich.
Der in der zweiten Figur 21 dargestellte
Fall, in dem sich die gegeneinander gestellten
D Segmente wie 3:1 verhalten, ist gegeben, wenn
ein Trapez ABCD konstruiert ist mit drei
gleichen Seiten AB, BC, CD und der vierten,
größeren Seite AD von solcher Länge, daß ihr Quadrat der Summe der
Quadrate der übrigen Seiten gleich ist. Es ist demnach AD? — 3 4 B? oder
AD = AB V3. (Danach läßt sich AD als die doppelte Höhe eines gleichseitigen Dreiecks mit der Seite 4B sofort konstruieren.) HIPPOKRATES
umschrieb nun das Trapez mit einem Kreis mit den Segmenten
AB, BU, CD
Lineal durch den Punkt B geht.) Nun ziehe man die Parallele durch E zu AB
und die durch A und F bestimmte Gerade, die sich in G schneiden mögen.
Durch EK BG ist dann der äußere und durch EFG der innere Bogen des
Möndchens zu ziehen, das der Figur EFGBK flächengleich ist.
Daß die fünf Segmente einander ähnlich sind, gebt daraus her vor, daß die
Winkel ihrer Sehnen gegen den Radius durch einen ihrer Endpunkte gleich
sind: es sei L der Mittelpunkt des Kreises durch EK BG, der Mittelpunkt von
EFG liegt jedenfalls auf CL. KL ist also ein Radius und es müssen die
Winkel LKB und EFL (d.i. LFM) einander
gleich sein. (Sie sindin der Tat
die Komplemente der als Wechselwinkel an Parallelen gleichen Winkel
ABE
und FEG.)
Daß der Bogen EK BG kleiner als ein Halbkreis ist, wird von Hippok nates
so bewiesen:
EF? = i Ek? also EF? größer als EK?, mithin EF größer als EK.
Der Winkel EFK liegt daher im Dreieck WFK nicht der größten Seite zegenüber, ist also spitz und sein Nebenwinkel KFB infolzedessen größer als ein
Seite 11
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)pa enn vn
60
Lt. Muthematit:
5 EN? größer als EA?
listielo nidi ris
ser als 2 AFS. mithin
reds,
AFS Folglich ist der Winkel AAS
Rechter". Also jst BK? größer als? BF? oder ERF ar
EF — Ek?-
Die „Einschiebung“ der Strecke ZF zwischen Kreis und Gerade (4 führt
stumpf und das Segment ZA BG kleine
Dreieck FBC, da der Winkel FBC gemeinsam ist. Also ist EB: AB
offenher, den Punkt F zu
auf folgendes quadratische Problem: Es gert
bestimmen; denn die Verlingerung von BF geht durch E. Verbindet man
noch 4 mit E, so ist das Dreieck ABE (bei E rechtwinklig!) ähnlich dem
FBE=AR®, dh.
1% AK-FB
= BC: BF, dh. EB-BF-AB:BC 2e AK= AK? Mithin:
(EF FB)-FB=
AK? oder EF -FB-
Aufgaben. — , Flüchenunlequng"
~ FB = AK? wo AK bekannt ist. Diese quadratische Gleichung für FE
führt aber auf eine sogenannte „hrperbolische Flächenanlegung‘, ganz anulog der ..stetigen Teilung‘. (Siehe den folgenden Abschnitt.)
{
4. Lösung quudratischer
7 \2
è
Aufgabe : af
iD\
pa
un
Fig. 23
(3 ep)
El.
Fir. 23 aus (EtkLID
61
wenn man sich die Zahlen
9
4) Dir quadratische geometrische Algebra der Pythagoreer
Erläuterung
Es ist identisch:
Also, da nach der Formel der
Demnach:
ausgelegt denkt, durch
worin ju
|
sich
1
de prisi der Gnomon. Wenn die Fläche
Steinchen
Die obige Identität drückt sich geometrisch,
mit
5
q= oF
>
werden kann), so li à
q= 0 als Quadrat gegehen
Figur verwandelt
|
{ PV
prthagoreischen
Satzes erpiht (es ist in Pig IN 402
b
x
des
48-10 anzulegen,
mittels einer Konstruktion, die sich aus der euklidischen Bewei-fi:
Flächenanlegung: An eine geuehene Strecke ist ein Rechteck gleich einer
gegebenen Fläche (die in der Form eines Quadrats vorgelegt werden kann)
Die beiden anderen Fälle sind die der elliptischen und der hyperbolischen
wiederum zum Rechteck und erhält endlich das gesuchte Rechteck er
durch Verlängerung der ersten Seite b.
logrammen‘, gemäß Figur 24. ¢ liegt
in der Verlängerung der Seite a. Man
Fiz,
24
ergänzt das Rechteck be, dessen
Diagonale die Verlängerung der anderen Seite b schneidet. Man ergänzt
Satzes von den ,,Ergiinzungsparalle-
Konstruktion eines Rechtecks king
einer gegebenen Strecke c, das eine
vorgeschriebene Fläche a - b (ebenfalls
in der Form eines Rechiecks gegehen)
hat. Dies geschieht mit Hilfe des
sogenannte „Flächenanlegung” (vel. PROCLTS in ECKLip. p.418, 15-420, 12).
Die parabolische Flächenanlegung
(Evi, El. I, 42-44) besteht in der
Die Hauptmethode der griechischen geometrischen Algebra uber ist die
tischen Ergänzung“.
„Elemente: die Methode ist die der „quadra-
Diese Figur ist keine andere als die in II, 4 der
zP ‘abzieht, erhält man x.
und. wenn man davon >
pundakonstruieren.
;
Dreiceks mit den Katheten —
J
| (;; pi EN
a? sofort als Hypotenuse des recht winkligen
Quadratische Gleichungen, auch solche vom zeinischten Typus, wurden,
wie wir sahen, schon von den Babyloniern gelöst. Als ein weiteres OR
ist 0:45. 1 als Koeffizienten
diene der folgende Text (Thureau- Dangin, Revue d’Assvriologie Vol.3
p. 2-44):
„Ein Feld und seine Quadratseite addiert.
setzest du. Die Hälfte von 1 ziehst du ab: 0:30, Mit 0:30 multiplizierst du:
0:15. Zu 0:45 fügst du hinzu. Dann gibt es 1. Die Quadratwurzel ist 1. 0:30,
das du mit sich selbst multipliziert hast. ziehst du von 1 ab; dann ist 0:30
die Quadratseite.”
:
Deutung
a.
ft V
(op) 9
2, (52)
1. 5P
(in allgemeinen Fornieln)
Die Aufgabe ist: x? — 1-2 = 0:45 (vom Typus 2° —pa= g): zur Lösung
wird nacheinander gehildet:
(in Zanten)
0:15
1. 1- 3:+1- 0,30
2. (0:3012
0:3
3. 05154 0:45 - 1
Fa
>, 1- 0:30
* Dieser Beweis wurde von E.J. Drsesreritis rekonstruiert (De Elementen van
iukücdes, Groningen 1929-30, Bd, I 5.20). — Zur Emerdation des verdorbenen
echischen Textes s. 0, BECKER, Philologns Bal. 1955. 8. 313-316,
Seite 12
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)a) Die quadratische geometrische Algebra der Pythagoreer
daß das am Rechteck über der Strecke fehlende bzw. überschießende Flächenstück ein Quadrat wird. Der erste ist der „elliptische, der zweite der
1. Elliptischer
Fall (Fig. 27): Man errichte im Mittelpunkt C der Strecke AB
62
„hyperbolische‘ Fall.
Zur Lösung der Aufgabe dienen die beiden folgenden Sätze der ‚Elemente‘
(11.8 und 6):
63
das Lot CQ = b (wo q == b?} und schlage mit + p als Radius um Q den Kreis,
der CB in D schneidet; x ist dann gleich BD. — Die Möglichkeitsbedingung
(Sıomouös) ist dafür, daß è kleiner als 1 p ist.
„Wird eine Strecke AB in gleiche (durch C) und ungleiche (durch D)
eile “geteilt, so ist das aus den ungleichen Teilen gebildete Rechteck
Beweis
AD- BD zusammen mit dem Quadrat der Strecke zwischen den beiden
Die Beweise ergeben sich aus der Umbildung des gesuchten Rechtecks
über 4D in einen Gnomon, der dann zum Quadrat ergänzt wird.
c¢§-x0x8
A
À
©
È
Bxod
ES
Fig. 25
Fig. 26
Figur zu II, 5 (elliptischer Fall)
Figur zu 11,6 (hyperbolischer Fall)
pr—x=@q
pr +=
BD=-x
1
AC- CB
ap
BD:
x
Rechteck über
AD = pa j 7°
Gnomon CDE - q
Rechteck über AD = pa — 2°
(nomon C BE = q
Aus den beiden Theoremen ergiht sich leicht. die konstruktive Lösung der
Aufgahe.
A
p
D x 8
Co
x
s
do
&
2
7
(el
4
£
ri
c<
£2
6x 0
Xx
Os ist CBP Be- 0Q, d.h
mg (Lp
©
8
Lid
n
(2 pla parsa
ee
2
also
g = pr + x.
Daß diese Konstruktion die alte pythagoreische ist, wird durch die
euklidische Methode zur Lösung des Problems der stetigen Teilung (11, 11)
bewiesen. In diesem Fall ist g = p®, also b = p. Die zu lösende Gleichung ist
x? + px = poder
p(p— x)= 2°, dh.p:r=x:(p_ 2).
Die Konstruktionen, die EUKLID selbst in VI, 28, 29 gibt, sind verwickelter und behandeln allgemeinere Aufgaben, wenigstensin geometrischer
Hinsicht: er macht dabei von der allgemeinen Proportionenlehre Gebrauch,
während die geometrische Algebra des II. Buchs der ,,Elemente“ gerade den
Zweck hat, diese zu vermeiden. In den „Data (Satz 58, 59) hat EuELID
noch eine andere Darstellung des Sachverhalts gegeben, die der babylonischen Weise sehr nahe kommt. Als Beispiel diene:
Hyperbolischer
Fall (Data 59; vgl. Fig. 26): „A B wird durch C halbiert, also ist
CB gegeben. Quadrat über C Bist konstruierbar, also gegeben. Rechteck über
AD plus Quadrat über CB, die Summe gleich Quadrat über CD, ist gegeben.
x
Ne
N
DN
Also ist Quadrat über CD gegeben, mithin auch die Seite CD. Also ist auch
x = DB (als Differenz von CD und CB) gegeben.“ Die einzelnen Schritte siud
der babylonischen Rechnung ganz analog. (AB = p. Rechteck über AD :-q
BD = x).
AN
N
Aa
Fig. 27. Elliptischer Fall
2. Hyperbolischer Fall (Fig. 28): Ist g als Quadrat (b°) vegeben, so errichte
man im Punkte B der gegebenen Strecke AB = pein Lot BQ von der Länge h
und schlage um den Mittelpunkt C von AB mit CQ als Radius einen Kreis,
der AB baw. seine Verlängerung in D schneidet: BD ist dann gleich r.
Beweis
E
AC-CB= FP,
d.h. 2° q= pr.
na _
£
NE
A
—
gli
8
I
hinzugefügten Strecke BD gebildete Rechteck zusammen mit dem Quadrat
der halben Strecke BC gleich dem Quadrat aus der Summe der halben
Strecke BC und der Zusatzstrecke BD."
5
8
eine Strecke BD verlängert, so ist das aus der ganzenStrecke AB und der
3
ader
Te
11,6: „Wird eine Strecke AB in gleiche Teile durch € geteilt und um
—
Teilpunkten BD gleich dem Quadrat der halben Strecke BC."
Fig. 28. Hyperbolischer Fall
Auch die babylonischen Normalformen, auf die in späterer Zeit die quadratischen Aufgaben reduziert zu werden pflegen, ty—q, x- y = p und
= Q,% — y =p finden sichin den Sätzen 84, 85 der, Data wieder: ihre
Lösung wird auf die vorhin genannten Sitze 58, 59 zur ückgeführt.
Seite 13
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)6) Approrimationen
für irrationale Wurzeln
PP
Die geometrische Algebra des II. Buchs der „Elemente“ gestattet alle
algebraischen Operationen 1. und 2. Grades geometrisch, das bedeutet für
irgend welche durch Strecken darstellbare Größen, durchzuführen. So
für a? + b gesetzt, also ein um den kleinen Betrag (=) zu groBer Wert.
64
Das hat man sich sicher auch, nach dem Satz vom Gnomon (II, 4), geometrisch klargemacht.
stellt z.B. die parabolische Flächenanlegung eine Division dar (ab =ex
d.h. x = ab : ce). Die Verwandlung eines Rechtecks (a - 5) in ein Quadrat
Eine andere Herleitung geht von einer Mittelbildung aus. Das ist deshalb
interessant, weil sie von selbst auf alle drei einfachen Mittel führt, die nachhedeutet die Ausziehung der Quadratwurzel (ab = 2%, x =| b).
Der Grund für den systematischen Ausbau dieser geometrischen Algebra,
weisbar bei den Pythagoreern (in der Musiktheorie bei PHILOLAOS (A 24 =
Nicom. 26, 2), Arcayras (B 2 = Porphyr. in Ptolem. harm. p. 267), PLATON
deren erste Anfänge ins hohe Altertum zurückgehen (Altindien nud vielleicht
(Tim. 36a, Epin. 991a) auftreten: sie sind nach TamBLICHOS (in Nicom. p-
Babylonien!), war die Entdeckung des Jrrationalen. Darüber wird im
folgenden Abschnitt berichtet, nachdem zunächst noch einige Näherungsmethoden für Wurzeln erörtert worden sind.
NS. DAS MEREHATA
NS
DEN
en DER AT
65
118, 1939) von Pythagoras aus Babylon in Gestalt der „vollkonimensten
Proportion‘ eingeführt worden. Diese lautet:
a + b
as
E.
2ab
ass?
oder
ai
,
(a: b)
1/1
[ a (-;
1\
‚>.
b) Approximationen für irrationale Wurzeln
z.B. 12:9=8:6 oder 2:5
1. Nüherungsverfahren
für die Quadratwurzeln
uf
treten, nämlich Quint (3:2) und Quart (4:3): dennesist:2:1 = (3:2)
dl welch letzteres Beispiel die musikalischen Intervalle bezeichnet, die bei der Teilung der Oktave (2:1) auf-
Schon in babylonischer Zeit war die Näherung a = La für die Quadratwurzel aus a? + b bekannt, ebenso in Altindien und sicher auch in frithgriechischer Zeit. Später tritt die Formel bei HERON (Metric. p. 14, 22-20, 5
Schöne) auf. Sie wird schon in alter Zeit wiederholt angewandt, um die Güte
der Niherung fortgesetzt zu steigern. So wurde die indische Näheruny
(4:3).
Das erste Mittelglied der Proportion ist das arithmetische. das zweite das
„harmonische“ Mittel, in alter Zeit das reziproke (UTevavTicy. subeontrarium)
genannt, offenbar, weil es den reziproken Wert des arithmetischen Mittels
der reziproken Werte der Randterme a und 5 darstellt. Nun ist in der
„vollkommensten Proportion‘ das Produkt der Außenglieder gleich dem
der Innenglieder:
|
+t
1
‘|
rT
aus der babylonischen Approximation [2 = 75
el _
a-b
— hergeleitet
4
und diese wahrscheinlich durch folgende Uberlegung: |? liegt zwischen 1
und 2; das Einfachste ist, das arithmetische Mittel -;- zwischen 1 und ? als
(2!
4°
5
adders
2-7 oder 2
(39
.
erste Näherung zu nehmen. Nun ist =) =
Nach unserer Regel ist demnach:
5
V3
1 _ 8
1?° ME) -4=5Weiter ist:
I7\2
1
Das geometrische Mittel m von a, è. nämlich Yab, ist also auch das geo.
metrische Mittel ihres arithmetischen und harmonischen Mittels. Das bedeutet aber, daß man dem geometrischen Mittel von a, b fortsesetzt näher
kommt, wenn man wiederholt ihr arithmetisches und harmonisches Mittel
zwischen die jeweils erreichten Termini einschiebt. Das führt offenbar auf
ein Approximationsverfahren für die Quadratwurzel aus ab, und es zeigt
sich, daß dieses kein anderes ist, als das vorhin besprochene’.
2.3,
3
1
25
0,
1
©
122
17.1. 1
5) “spo
(5) m
pel
Es sei ya zu approximieren, und es werde d= ab gesetzt und zunächst
durch a, b angenähert.
1. Das arithmetische Mittel (größer als Yab) ist dann:
> (a + b) = > (e + è) = ge =p ae
Also:
wenn man d = a? + fl setzt, wie in der bekannten Formel HExons.
Demnach ist:
EEC
T_17
/12-17\_1
}2- UE 12 }
do gl
D
12 12-217 gts
2. Das harmonische Mittel (kleiner als Yab) ist:
I
8084:
2ab _ab+ab
abrd
atb “arb'
a + b
Die allgemeine Formel für diese Näherung leuchtet ein, wenn man quadriert.
ar
2
Es wird:
? Vgl. Conran MULLER, Quellen und Studien zur Geschichte der Mathematik,
Astronomie und Physik (B) II, 281ff. — O, ToEPLITZ, ibid. Il, 2561f,
7136 Becker, Math. Denken