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Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)Gyburg Radke
Die Theorie der Zahl
im Platonismus
Ein systematisches Lehrbuch
TEILII
DIE WISSENSCHAFT VON DER ZAHL …
208
I
THESE UND METHODISCHE PRINZIPIEN dre 208
1
Die Methode des Mit-‘sich--Aufhebens (TUVAVAIPEIV) unse 209
Anmerkung: DieMöglichkeiten begrifflicher Implikation ................... 215
2
21
2.2
221
Welche Funktion hat die Behandlung ,disziplinfremder‘
Gegenstände in einer Wissenschaft...
econ„222
Prinzipien und Gegenstände in der platonischen
Wissenschaftstheorie.….….............
erven 222
Die Funktion der Behandlung nicht-arithmetischer Gegenständein
der Arithmmetik
inner
Der Textbefund...:..
Perret
2.2.2
Systematische Begriindungen..
2.23
Erkenntnis- und wissenschaftstheoretische Grundlagen
:
3
Zur Funktion der ‚musiktheoretischen‘ Passagen in der Arithmetik.......230
4
Gliederung von Teil H.ten
nn 232
Ergánzung: Nikomachos, Kommentare zur Arithmetik des
Nikomachos und Weitere'neuplafonische Quellen... 234
A.Francke Verlag Tübingen und Basel
Seite 2
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)aAADLE E.
Teil II: Die Wissenschaft von der Zahl
Lac
Teil II
I
Die Wissenschaft von der Zahl
These und methodische Prinzipien
Die zu Beginn aufgeworfene Frage, was der einende Gesichtspunkt der
scheinbar disparaten und verschiedenen Disziplinen zugehörigen Gegenstände ist, die Nikomachos in seiner Arithmetik behandelt, ist ein zentrales
Problem nicht nur für die Interpretation und Beurteilung dieser Schrift des
Nikomachos, sondern ebenso auch dann, wenn man erkennen will, was das
gedankliche und erkenntnisbegriindende Prinzip antik-platonischer mathematischer Wissenschaft überhaupt und was das methodische Spezifikum
dieser Wissenschaftsauffassung und Wissenschaftspraxis ist, das den Anspruch Platons an die Mathematik, unmittelbar vorbereitend fiir das Erreichen des höchsten begrifflich-konkreten Wissens zu sein, zu erfüllen verspricht.
Diese Frage wird sich erst dann beantworten lassen, wenn man nicht nur
einfach feststellt, daf? in den vier Hauptteilen der Arithmetik nacheinander
vier verschiedene Gegenstände behandelt werden, nämlich vier Gegenstände, die von Nikomachos und von den platonischen Mathematikern
überhaupt den Disziplinen Arithmetik, Musik und Geometrie zugewiesen
werden, sondern untersucht werden muß, in welchem begrifflichen Verhältnis diese verschiedenen Gegenstände zueinander stehen, wie sie voneinander abhängen, was ihnen gemeinsam ist und was sie unterscheidet. Das
Ziel dieser Untersuchungen ist die Ermittlung einer eindeutigen Begriffshierarchie, aus der ersichtlich wird, welche Begriffe sachliche und logische
Priorität gegenüber anderen haben, und folglich (in einer noch näher zu
bestimmenden Weise) diese implizieren, und welche Wissenschaft welcher
anderen oder welchen anderen gegenüber die Stellung eines Prinzips hat.
Auf der Grundlage einer solchen begrifflichen Ordnung wird sich zeigen, daß es sich bei dem Übergang von dem ersten zum zweiten Hauptteil
in der Arithmetik des Nikomachos, also bei dem Übergang von der
Unterscheidung zwischen den verschiedenen Arten von geraden und ungeraden Zahlen zu der Dihairese der möglichen Verhältnisse, in denen zwei
(oder mehrere) Zahlen zueinander gedacht werden können, richt um einen
Bruch oder Neuanfang handelt, nachdem das in der Arithmetik angestrebte
Ziel der Ermittlung des spezifischen Wesens dessen, was Zahl als solche ist,
bereits erreicht ist. Denn das hieße ja, daß drei Viertel der Schrift bloße Addenda oder Appendices wären, die über den Gegenstandsbereich der
Arithmetik hinausgehen und vielleicht einen Ausblick geben sollen auf das,
was aus den Erkenntnissen der Arithmetik in den anderen mathematischen
Wissenschaften abgeleitet werden kann, was also das in dem ‚eigentlichen
arithmetischen Teil’ ermittelte Wissen über die ‚Zahl für sich selbst‘ zur
Wissenschaft der Musik oder Geometrie beiträgt.
Ein solcher Hinweis auf die Prinzipienfunktion der Arithmetik gegenüber
den anderen Wissenschaften - die ihr zudem gegenüber allen nachgeordneten Wissenschaften zukommt und nicht nur gegenüber den ihr unmittelbar folgenden - kann aber kaum als Erklärung für diese ‚Ausweitung‘ des
Gegenstandsbereichs hinreichend sein. Denn die Betonung dieser Priorität
gehört zu den in allen mathematiktheoretischen Schriften der platonischen
Antike wiederholten Topoi und wird in keinem Fall zur Begründung für die
Konstruktion einer alles umfassenden einheitlichen Wissenschaft, die sich
auf alles anwenden läßt - ein Ziel, das die Neuzeit durch die Entwicklung
einer allgemeinen Methodenlehre, von Algebra und analytischer Geometrie,
zu erreichen versucht hat -, verwendet. Sondern sie dient im Gegenteil regelmäßig zur Begründung dafür, die Gegenstandsbereiche der einzelnen
Wissenschaften in ganz bestimmter Weise voneinander abzugrenzen.
1
Die Methode des Mit-sich-Aufhebens (cuvavaipriv)
Die Tatsache, daß in der platonischen Wissenschaftssystematik eine eindeutige hierarchische Vor- und Nachordnung der einzelnen Disziplinen gemäß
der Priorität oder Sekundarität ihrer Gegenstände angenommen und begründet wird, in der das, was früher ist, gegenüber dem Nachgeordneten
die Funktion eines Prinzips, das das Spätere in sich vorwegnimmt, hat,
impliziert nicht cine Aufweichung der Disziplingrenzen, sondern beruht auf
der strikten Finhaltung der Tätigkeitsfelder, die dem mit der jeweiligen
Disziplin befaßten Wissenschaftler von dem Gegenstand vorgegeben werden.
Der Arithmetiker hat es mit den Gegenständen der Arithmetik zu tun,
der Geometer mit den Gegenständen der Geometrie, der Musiktheoretiker
mit den Gegenständen der Musiktheorie, der Astronom mit den Gegenständen der Astronomie.
So ist auch der Arzt ausschließlich mit den Gegenständen der Arztkunst
befaßt, auch wenn die Arztkunst z.B. gegenüber der Kochkunst Vorrang hat
und in diese sozusagen, sofern sie dieser die Kriterien und Prinzipien vorgibt, ‚hineinreicht‘. Denn der Arzt muß ein Wissen haben von dem Zustand,
in dem sich alle Teile des menschlichen Körpers in einem harmonischen
Verhältnis zueinander befinden und in dem die verschiedenen körperlichen
Organe ‚in wechselseitiger Philia (=Freundschaft) die für sie spezifische
Funktion zum Wohl des Ganzen ausüben. Aus diesem Wissen folgt, daß der
Arzt auch weiß, was für den Körper und dessen Harmonie zuträglich ist
und was ihm abträglich ist. Dieses Wissen gibt ihm die Kompetenz zu entscheiden, welche Art von Nahrung der einzelne Mensch zu sich nehmen
muß, um die Gesundheit seines Körpers (wieder-)herzustellen bzw. zu erhalten, und er wird aus dieser Kompetenz heraus dem Koch Richtlinien für
dessen Tätigkeit an die Hand geben können bzw. müssen, etwa in der
Weise, daß er die Vorgabe macht, dieser bestimmte Patient bedürfe solcher
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Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)1. Die Methode des ,Mit-sich-Aufhebens'
Nahrung, bei der das Trockene zu dem Kalten in diesem oder jenem bestimmten Verhältnis steht, was - wie der Arzt weiß - bei bestimmten, z.B.
Arithmetik gemäfs der Priorität ihres Gegenstands, d.i. der Zahl, sofern sie
selbst für sich betrachtet wird, Vorrang und die Stellung eines Prinzips geeiweißhaltigen Lebensmitteln wie Hülsenfrüchten o.ä. der Fall ist.
Die Zusammenstellung der Lebensmittel und deren Zubereitung im einzelnen gemäß der Eigentümlichkeit und dem eigentümlichen Geschmack
ist macht sie dieser doch nicht deren eigentümlichen Kompetenzbereich
210
dieser Lebensmittel und das Wissen um die Art und Weise, wie aus verschiedenen Lebensmitteln eine harmonisch schmeckende Mahlzeit werden
kann und welche Zutaten sich wie am besten vertragen und ergänzen usw,
gehört in den Kompetenzbereich des Kochs. Zu entscheiden, ob das nach
dem Kriterium des Angenehmen und für den Geschmackssinn Lustvollen
Zusammengestellte für diesen oder jenen Menschen in dieser oder jener
Situation das für seine Gesundheit Zuträglichste, also das für den ganzen
Körper Beste, ist, allerdings obliegt dem Arzt und der Koch wird sich in der
Ausübung seiner Tätigkeit dessen Kriterien unterordnen, ohne daß der Arzt
ihn damit in seiner Kunst behinderte oder in dieser selbst ein Mitspracherecht beanspruchte.
Ebenso verhält es sich auch mit den höchsten wissenschaftlichen
Disziplinen, den Wissenschaften des Quadriviums. Auch wenn die
284 Für den hier zu erläuternden Sachverhalt kommt es nicht auf den Unterschied an, daß
es sich bei Arithrnetik und Geometrie beide Male um Arten des Wissens bzw. um zwei
Wissenschaften im eigentlichen Sinn des Wortes handelt, während - wie Platon im
Dialog Gorgias darlegt, aus welchem das Beispiel mit dem Verhältnis von Arztkunst
und Kochkunst stammt - nur die Arztkunst im eigentlichen Begriffssinn eine Wissen-
211
genüber der Geometrie hat, deren Gegenstand die kontinuierliche Größe
streitig, sondern sie ist - in analoger Weise wie die Arztkunst im Verhältnis
zur Kochkunst - allgemeiner als die Geometrie.
Allgemeiner ist die Arztkunst, weil sie über ein Auswahlkriterium verfügt, um zwischen dem (zunächst und nur scheinbar) Angenehmen, das
aber nicht förderlich für die Gesundheit des Körpers ist, und dem wirklich
Angenehmen, das zum dauerhaften Wohl des Ganzen beiträgt, unterscheiden zu können, weil sie ein allgemeines Wissen davon hat, was für den
menschlichen Körper gut ist. Dieses Gute für das Ganze ist umfassender
und allgemeiner und enthält mehr Unterschiede als das momentan Angenehme, das demgegenüber ein stärker eingeschränkter Aspekt an solchen
Gütern, die dem körperlichen Wohl zuträglich sind, ist. Denn der Koch berücksichtigt nur die Unterschiede, die der Geschmackssinn zu erfassen in
der Lage ist, und bewirkt daher auch nur die für den Geschmackssinn spezifische Lust. Wenn der Arzt hingegen das, was für den ganzen Körper und
den ganzen Menschen das Angenehmste ist, zu erreichen sucht, dann muß
er in seine Überlegungen nicht nur die vom Geschmackssinn erfaßbaren
Unterschiede einbeziehen, sondern auch alles andere, was in bezug auf den
Körper unterschieden werden kann. Dazu gehören die von den anderen
Verhältnis zwischen Philosophie (bzw. dem Wissen von dem Gerechten) und Rhetorik
(Grg.465c2-3; 500a4-b5 usw.). Auch die Rhetorik wird in diesem Kontext als eine Erfah-
Sinnen erkennbaren Unterschiede ebenso wie auch die Unterschiede, die
erst in der ‚Zusammenschau’ mehrerer Unterschiede erkannt werden können - entweder mehrerer Unterschiede, die von ein und demselben Sinn
erfaßt werden (das leistet in der Terminologie der Aristotelischen Psychologie die Wahrnehmung des Gemeinsamen (aïoÔnoic rôv Koıvav)), z.B. mehrere Hörwahrnehmungen in der zeitlichen Aufeinanderfolge, oder mehrerer
Unterschiede, die von verschiedenen Sinnen erkannt werden (das leistet die
‚gemeinsame Wahrnehmung’ (der sensus communis bzw. die KOT)
aïoûnois)), z.B. die Verbindung der Sehwahrnehmung ,gelb’ mit der Geschmackswahrnehmung ‚süß‘. Dieser Begriff des Guten wird daher allgerungskunst und als bloßes Abbild wirklichen Wissens und Schmeichelkunst, d.h. als
eine Ferligkeit, die auf dem Wissen um das Angenchme und Unangenehme, nicht aber
das Gute und Schlechte, beruht, bezeichnet (Grg.462c3; 463b1; c7; d1-2 usw.). Auf diese
dere Kompetenz. Auf diesen Unterschied aber soll es bei der Verwendung dieses Beispiels für eine erste Erläuterung des Verhältnisses zwischen übergeordneter und unschaft (Techné, réxvn) ist, die Rechenschaft ablegen kann über das, was die Ursache
der Bestimmtheit eines jeden ihrer Gegenstände ist, während die Kochkunst nur ein
‚Abbild‘ eines solchen Wissens ist. Sie ist deshalb eigentlich nur cine gewisse erworbene Fertigkeit (tu reipiav Grg.465a3), weil sie sich nur auf das versteht, was angenehm (und unangenehm) für den Körper ist, nicht aber ein begründetes Wissen davon
hat, was wirklich gut und zuträglich ist. Doch auch im Gorgias spricht Platon der Kochkunst damit nicht vollkomunen die Potenz ab, eine Form des Wissens und eine Techne
zu sein; denn er verwendet das Beispiel Arztkunst - Kochkunst ja als Vergleich für das
Weise wird ihre Abhängigkeit in bezug auf die Beurteilung des Guten (und Schlechten) und ihr untergeordneter Rang von dem wahren Wissen des Philosophen betont.
Wenn der Rhetor (oder der Koch) behauptet beurteilen zu können, was für die Seele
(bzw. den Körper) eines Menschen wirklich zuträglich und nicht nur angenehm ist,
dann weist Platon ihm nach, daß der Rhetorik (und der Kochkunst) dieser ‚Weitblick‘
und diese das Ganze betreffende Kompetenz nicht zukommt, sondern daß ihr Blick auf
das (momentan) Angenehme beschränkt ist. Dieses aber vermag sie durchaus zu beurteilen und ist auf diesem Gebiet tatsächlich kompetent, so wie der Koch wirklich
kompetent ist in der Frage, was für den Geschmackssinn das Angenehme ist. Der Arzt
kennt das wirklich für den ganzen Körper Gute und kann unter dem, was (momentan)
angenehm ist, zwischen dem unterscheiden, was davon auch wirklich gut und zuträglich ist, und dem, was diese Qualität nicht hat. Die Arztkunst hat also eine umfassen-
235
tergeordneter Wissenschaft ankommen.
Die Priorität der Zahl gegenüber der kontinuierlichen Größe, von der sich die Priorität
der Arithmetik gegenüber der Geometrie unmittelbar ableiten läßt, hat wissenschaftswie auch erkenntnisiheoretisch den Rang eines universalen, höchsten Prinzips. Die begrifflich vollständige und zureichende Deduktion dieses Prinzipüerungsverhältnisses
ist derart komplex und erfordert eine solche Vielzahl an Differenzierungen und Vorarbeiten, daß die hier formulierte These sich erst auf der Grundlage von und mittels aller
in diesem zweiten Teil vorgenommenen Beweisführungen und Begriffsunterscheidungen in ihrer Berechtigung wird erweisen lassen. Die Analogie mit dem Verhältnis zwischen Arztkunst und Kochkunst bietet allerdings bereits einen ersten und vorläufigen
Anhalts- und Orientierungspunkt, wie das Verhältnis zwischen Arithmetik und Geometrie schließlich wird gedacht und begründet werden können. .
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Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)1. Die Methode des ‚Mit-sich-Aufhebens’
meiner und zugleich auch konkreter bestimmt sein als der Begriff des Guten,
etwas mit sich aufhebt, hat Priorität gegenüber dem, das es mit sich aufhebt.
Die Drei ist also (sachlich und begrifflich) früher als das Dreieck. Das Dreieck ist sachlich und begrifflich später als die Zahl Drei und enthält diese in
212
an dem sich der Koch orientiert, der primär auf das achtet, was für den Geschmackssinn angenehm ist.
An diesem einfachen Beispiel kann man sich also gut klarmachen, daß
die Rede davon, der allgemeinere Begriff enthalte mehr Unterschiede in sich
und sei auch die ‚Quelle‘, aus der der weniger allgemeine (=partikulärere)
Begriff und die untergeordnete Wissenschaft ihre bestimmten Inhalte erhalten, nicht widersinnig ist, sondern auf einem einleuchtenden Gedanken
beruht. Der Blick auf den ganzen Körper ist umfassender, als wenn man nur
auf die Zunge bzw. den Geschmackssinn achtete, und alle Unterschiede, die
zu dem Geschmackssinn dazugehören, sind auch in dieser allgemeineren
Perspektive mit enthalten. So wie das Ganze mehr in sich enthält als einer
seiner Teile, so enthält in analoger Weise der allgemeinere Begriff auch mehr
Unterschiede als der partikulärere.
Dies gilt auch für das Verhältnis der Begriffe ,Zahl' und ‚Größe‘ zueinander. Der Begriff ‚Zahl’ ist allgemeiner und umfaßt mehr Unterschiede in
sich als der Begriff ‚Größe‘. - Wie das im einzelnen begrifflich begründet
werden kann und worin der Sachgrund für diesen höheren Grad an Allgemeinheit liegt, wird später# noch deutlich werden. (Ich deute im gleich
folgenden die Antwort auf diese Frage nur schon einmal an.) Dieses Prioritätsverhältnis einmal vorausgesetzt, bedeutet die Prinzipienfunktion der
Arithmetik gegenüber der Geometrie nicht, daß die Geometrie als solche
in den Tätigkeitsbereich des Arithmetikers fallen könnte oder müßte, so wie
auch die Kochkunst nicht zu den spezifischen Kompetenzen des Arztes
gehört; sondern sie bedeutet, daß die begrifflichen Unterschiede, die der
Arithmetiker erfassen und in ihrem Verhältnis untereinander explizieren
muß, die Funktion eines Kriteriums für die Bestimmung der Begriffe haben,
mit denen sich der Geometer beschäftigt.
Man kann zwar die Zahl Drei unterscheiden und in ihrer spezifischen
Bestimmtheit erfassen, ohne zuvor ein explizites Wissen über die Sache
‚Dreieck‘ erworben zu haben, umgekehrt gilt dies aber freilich nicht. Wahrend ‚Dreieck‘ seinem Begriff nach die Zahl Drei voraussetzt, kann die Zahl
Drei gedacht werden, ohne daß auf die Sache ‚Dreieck‘ rekurriert werden
müßte, Die Zahl Drei hebt daher, wenn sie aufgehoben wird, das Dreieck
mit sich zusammen auf, umgekehrt wird sie aber nicht von dem Dreieck mit
aufgehoben.
Dieses Verfahren dient im Platonismus der Ermittlung des hierarchischen Verhältnisses, in dem zwei Begriffe zueinander stehen und wird als
Methode des ‚Mit-sich-Aufhebens’ (cuvavaipeiv) bezeichnet.2## Das, was
213
sich als einen notwendigen Teil, d.h., der Begriff des Dreiecks bringt den
Begriff der Zahl Drei mit sich mit (die platonische Formulierung dieses
Sachverhalts lautet: auverrigspeiv).
Trotzdem impliziert die Zahl Drei andererseits - allerdings in anderer
Weise - das, was ein Dreieck wesentlich bestimmt (so wie das Wissen um
das für den Körper Zuträgliche auch das Wissen um das für die Zunge Angenehme impliziert): insofern nämlich, als die Zahl Drei erkannt wird als
eine bestimmte Synthese von Geradem und Ungeradem, d.i. als die Vermittlung einer Verschiedenheitsrelation durch den gemeinsamen Bezug auf
ein Identisches.2# Dies aber ist genau das, was eigentlich auch das Wesen
des Dreiecks ausmacht, nur daß diese denkbaren Möglichkeiten im Dreieck
als kontinuierliche Einheit verwirklicht sind.
Entscheidend ist hier zunächst nicht, ob diese begrifflichen Bestimmungen oder Andeutungen solcher begrifflicher Unterscheidungen im einzelnen
richtig oder verstehbar sind. Wichtig und zunächst ausreichend ist vielmehr,
daß plausibel erscheint, daß nach platonischer Auffassung begriffliche Priorität eine Prinzipienfunktion des Früheren gegenüber dem Späteren begründet und daf diese Prinzipienfunktion zwar bedeutet, daß das Frühere
die Kriterien für das Spätere enthält, die mit dem abgeleiteteren Gegenstand
befaßte Wissenschaft aber in ihrer Tätigkeit, die sie in Orientierung an diesen Kriterien ausübt, selbständig und in ihrem Recht ist, das ihr von der
vorgeordneten Wissenschaft nicht streitig gemacht wird.
Der Arithmetiker expliziert nicht die Möglichkeiten, nach denen etwas
ein Dreieck sein kann, und er unterscheidet auch nicht die spezifischen Eigenschaften, die dem Dreieck, sofern es Dreieck ist, zukommen (z.B. dessen
Prinzipienfunktion gegenüber allen zweidimensionalen Figuren und auch
gegenüber allen dreidimensionalen Körpern). Aber die Arithmetik impliziert die Möglichkeit, diese bestimmten Eigenschaften auf deren Prinzipien,
d.h, auf einfachere, allgemeinere Begriffe zurückzuführen. Gabe es diese
Möglichkeit nicht, dann gäbe es auch keinen Zusammenhang unter den
einzelnen Wissenschaften, und das bedeutet auch: es gäbe keinen Zusammenhang zwischen den einzelnen Inhalten des Wissens, das ein einzelner
Mensch erwerben und haben kann. Sein Wissen wäre dann ebenso wie die
diesem Wissen korrespondierenden Gegenstände episodenhaft wie eine
schlechte Tragödie.
Mitbringens’ (ouvemipéperv) bezeichnet (dazu Nicom.Ar.10,1-9). Das Dreieck bringt
286 S. vor allem Teil II, Kapitel VI passim.
287 S. Nicom.Ar.9,5ff. Dort findet sich auch eine Skizze der Methode des Mit-sich-Aufhebens: ebenda, 9,15-10,1.
288 Sofern das Verhältnis von Früherem und Späterem aus der entgegengesetzten Perspektive beschrieben wird, wird dieses selbe Verfahren auch als die Methode des ‚Mit-sichden Begriff ‚Drei‘ mit sich mit, d.h., es impliziert ihn als einen wesentlichen Bestandteil, aus dem es sich konstituiert, und ist daher logisch später als der Begriff ‚Drei‘.
Denn umgekehrt bringt der Begriff ‚Drei‘ nicht den Begriff ‚Dreieck‘ in derselben
Weise mit sich mit. S. dazu auch die Ausführungen im Haupttext zu dem Beispiel des
Verhältnisses, in dem die Begriffe ‚Mensch‘ und ‚Lebewesen‘ zueinander stehen.
29 Dazu s. unten Teil II, Kapitel VII.3.2.3, S. 796ff.
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Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)1. Die Methode des ‚Mit-sich-Aufhebens’
215
Anmerkung:
Prinzip zu dem
hat,
was
durch
es
begründe
t
und
bestimmt
wird,
und
dem
Verhältni N
das diese einzelnen Instanzen ihrerseits zu dem Prinzip haben vollständi
zu erklä i n
2f;; 1I1,3,427a17ff.;
ff
n
und verstehbar zu machen. Ich möchte auf die Unterscheidungen die
in diese Zu
sammenhang berücksichtigt werden müssen oder müßten, lediglich
schon einmal
hinweisen, Die hinreichende Begründung muß späteren Beweisfü
hrungen vorbehalt
d
Ph ist.de
VILS An.1,3,406
2521208. u
a16-18;
; IL1, 412b16£.;si 11,2,413b1ff;; 11,5,417b2
pa vm grundsätzliche Prämissen bereits geklärt werden konnten
®2 S. Arist.Metaph.X1,7,1072b26-27 und X1,10,1175a12.
291
290 Diese Uberlegungen erheben dabei noch nicht den Anspruch, den
Sachverhalt des
begrifflichen Implizierens und des Unterschieds zwischen dem Verhältnis
, die da
und nicht z.B. zu einem Flugzeug oder einem Stein zu machen - machen den
Inhalt dieser Sache ‚Lebewesen‘ aus. Hat man das Gemeinsame dieser möglichen Bestimmungen ermittelt, dann kann man durch Reflexion auf dieses
Gemeinsame auch die verschiedenen Arten, nach denen sich diese Grundmöglichkeit entfalten kann, ableiten. Dies geschieht im Fall des Begriffs des
Lebewesens etwa in der folgenden Weise: Leben ist, nach platonischer und
aristotelischer Auffassung, der Vollzug von Bewegungen, die ihren Grund
in sich selbst haben. Das, was allem, was Lebewesen genannt werden kann
wesentlich und gemeinsam ist, ist daher, daß es sich um Arten seelischer
Energeia handelt. Denn die Seele ist das Prinzip, das den Grund seiner Bewegungen in sich selbst hat.2%" Primäre seelische Bewegungen sind Tätigkeiten
des Unterscheidens, d.h. der Verwirklichung bestimmter Unterscheidungsvermögen.??? Wenn aber die Unterschiede, die in dem Begriff des Lebewe.
sens enthalten sind, Arten bestimmter seelischer Aktivität sind und wenn
ferner alle seelischen Tätigkeiten Akte des Unterscheidens sind oder auf
solche zurückgehen,
dann
sind
die
spezifischen
Unterschiede,
die
der
allgemeine Begriff der Sache ‚Lebewesen‘
umfaßt,
unterschiedliche
Arten
der
Betätigung ein und desselben Unterscheidungsvermögens: es sind,
in arisein Lebewesen zu einem Lebewesen macht. Alle die Unterschiede, die genau
dies leisten können, nämlich etwas zu einem von anderem unterschiedenen,
bestimmten Etwas zu machen - in diesem Fall: etwas zu einem Lebewesen
gilt, daß in diesem das erfaßt werden können und impliziert sein muß, was
zu dem, was die Sache ‚Lebewesen‘ ist, als Zusatz und Ergänzung oder
Konkretisierung der Bestimmtheit hinzu. Denn für den Begriff ‚Lebewesen‘
ßen’ hinzuträte, sondern der Begriff ‚Lebewesen‘ ist als genus proximum ja
gerade ein notwendiger und wesentlicher Bestandteil des Begriffs des Men-
Begriff des Menschen der Begriff ,Lebewesen’ nichts, was zu ihm ‚von aufolgenden Begriffsbestimmungen noch mehrfach relevant werden wird.2%
Natürlich - so muß man das eben Gesagte ergänzen - ist auch für den
Es ist vielleicht, um mögliche Einwände vorwegzunehmen, erforderlich, an
dieser Stelle eine weitere Unterscheidung zu berücksichtigen, die in den
Die Möglichkeiten begrifflicher Implikation
Damit ist freilich lediglich ein erster Ansatzpunkt genannt für die Beantschen. Allerdings nicht in der Weise, gemäß der man sagen kann, der Begriff
des Menschen bzw. die spezifische Differenz der Rationalität komme nicht
vollständig gedacht und begründet werden zu können, desto später, abgewortung der Frage nach dem Grund der Einheit einer Wissenschaft und der
Einheit der Wissenschaften insgesamt. Dieser Ansatzpunkt lautet:
Die Einheit der Wissenschaften besteht in oder beruht auf der Einheit erkennbarer Unterschiede, d.h., sie ist eine rein begriffliche Einheit. Die ,Zusammenschau’ der mathematischen Wissenschaften muß sich demzufolge
ebenso auf einer rein begrifflichen Ebene bewegen, und zwar in der Weise,
daß nach dem Implikationsverhältnis der Begriffe, mit denen es die verschiedenen Wissenschaften primär zu tun haben, gefragt wird. Je mehr (sc.
von ihm selbst verschiedene) Voraussetzungen ein Begriff haben muß, um
leiteter und zusammengesetzter ist er.
Diesen Sachverhalt kann das folgende Beispiel verdeutlichen:
Der Begriff ‚Mensch‘ setzt nicht nur den Begriff der Einheit, der Identität
usw. voraus, sondern auch den Begriff des Lebewesens. Denn etwas kann
nicht als Mensch gedacht werden, ohne daß ihm auch die Bestimmung ,Lebewesen’ zugesprochen wird. Umgekehrt setzt der Begriff ‚Lebewesen‘ zwar
auch - wie alles, was irgendwie etwas Bestimmtes ist - den Begriff der Einheit, der Bestimmtheit, der Identität usw. voraus, er setzt aber nicht den
Begriff ‚Mensch‘ voraus, sondern das, was das allgemeine Merkmal des
Lebewesenseins ist, kann für sich gedacht werden, ohne daß der spezifische
Unterschied ‚rationales sterbliches Lebewesen‘ als etwas von diesem Begriff
Verschiedenes vorausgesetzt werden müßte. Vielmehr impliziert der Begriff
‚Lebewesen‘ von sich her die Unterschiede, die diesen spezifischen Begriff
Denn: wenn ‚Lebewesen‘ (wie von den antiken Platonikern und Aristoausmachen.
telikern) bestimmt wird als ‚beseelte Substanz‘ und Seele’ als die auf bestimmte Weise zusammenstimmende Summe einer Vielheit bestimmter
Unterscheidungs- und Strebevermögen, dann kann dieser Begriff als etwas
Bestimmtes, d.h. erkennbar Unterscheidbares, nur dann gedacht werden,
wenn auch explizierbar ist, welche bestimmten Vermögen zusammen diese
seelische Einheit herstellen können. Das heißt, es muß möglich sein, allein
durch die Reflexion auf das, was ein Lebewesen als Lebewesen ist, diese
Unterschiede seelischer Potenzen herleiten bzw. nachvollziehen zu können.
Zu diesen Unterschieden zählen auch diejenigen, die für den Menschen
spezifisch sind: also vor allem die Rationalität, das Vermögen dazu, etwas
Begriffliches zu erkennen und über diese Erkenntnistätigkeiten auch reflexiv
Rechenschaft ablegen zu können. Dieser Unterschied ist demnach nicht
etwas, das zu dem Begriff des Lebewesens von außen und unabhängig von
diesem hinzukommen müßte, sondern er ist etwas, das sich aus diesem
selbst ableiten läßt, weil es eine Einschränkung dieses allgemeineren Begriffs
‚Lebewesen‘ auf eine bestimmte Art von Lebewesen ist; denn ein Lebewesen
kann ja auch nicht-rational sein, und es können andere seelische Potenzen
für es spezifisch sein.
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totelischer Formulierung, Arten der Energeia des Nous
(Arist.Metaph.X1,7,
1.072b26-27).
sen es der
Folglich wird man dann wissen, welche Arten von Lebewe
in welcher
blickt,
drauf
man
wenn
kann,
geben
nach
hkeit
sachlichen Möglic
chieden
Unters
.
können
werden
Weise Akte des Unterscheidens ausgeführt
einen
um
sich
es
wenn
und
mtes,
Bestim
wird aber immer etwas, d.h. etwas
und unerfaßt
etwas
h
wirklic
der
,
handelt
ngsakt
cheidu
Unters
gelungenen
diesen Unterterscheidet, dann wird sich die Bestimmtheit dieses Aktes auf
Arten des
welche
ln,
ermitte
dann
kann
schied zurückführen lassen. Man
n durchhkeite
Möglic
n
egende
grundl
die
man
wenn
gibt,
Unterscheidens es
d.h., wenn
kann,
sein
mt
bestim
Etwas
ein
als
etwas
denen
gemäß
denkt,
reflektiert.
man auf die verschiedenen Möglichkeiten des Seins überhaupt
mt nur das ist,
Wenn Sein aber immer bestimmtes Sein meint und bestim
was als Bestimmtes auch denkend erfaßbar, d.i.
unterscheidbar, ist, dann
her Tätigwird man schließlich dadurch die Arten auch des Vollzugs seelisc
egengrundl
die
auf
it
ksamke
Aufmer
die
man
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von
n
Denke
dem
die
richtet,
chiede
Unters
lichen
begriff
und
en
den Kriteri
thin unmöglich ist.
ihm selbst her zukommen und ohne die Denken schlech
t, Gleichheit,
edenhei
Verschi
t,
Identitä
,
Solche Unterschiede sind Einheit
Ungleichheit, Ganzes, Teil, Zahl, Größe usw.
von BeAus diesen Grundmöglichkeiten und ersten Voraussetzungen
mögGrund
die
auch
sich
uieren
stimmtheit und Unterschiedensein konstit
chied
Unters
erste
der
ist
diesen
Unter
ät:
Aktivit
nder
lichkeiten unterscheide
Unterschied
(jedenfalls der erste in diesem Zusammenhang relevante) der
hied, ob etwas als
zwischen Allgemeinem und Einzelnem,2% also der Untersc
dessen
etwas für sich denkbar ist oder ob es als etwas gedacht werden muß,
Etwas
diesem
von
etwas
an
mtheit
Bestim
eine
mtheit
e
Bestim
heidbar
untersc
der
gemäß
ng
cheidu
Unters
selbst Verschiedenem ist. Denn dies ist eine
gemäß
auch
wie
theit,
Bestimm
der)
it
(Reinhe
der
Einheit, wie auch gemäß
cheiden
der Identität usw. Wenn man aber Einzelnes und Allgemeines unters
als
kann,
werden
t
kann und wenn etwas Einzelnes immer insofern erkann
m
ist,
iedene
Versch
einen
Allgem
diesem
etwas Allgemeines an etwas von
heidann ergeben sich die folgenden drei Grundmöglichkeiten des Untersc
an und
m
solche
als
einem
Allgem
etwas
n
von
cheide
Unters
das
erstens
dens:
für sich, zweitens das Unterscheiden von etwas Allgemeinem an einem
t)
Einzelding (d.h. eines Allgemeinen in einer (durch ein Materiesubstra
nem,
Einzel
etwas
n
von
cheide
Unters
das
s
dritten
und
Form)
ierten
kontrah
sofern es eine Instanz eines bestimmten Allgemeinen ist.2%
Aus diesen Grundmöglichkeiten seelischer Unterscheidungsaktivität lassen sich dann wiederum weitere Arten ableiten, in denen diese Grundmöglichkeiten verwirklicht werden können, und so wird man durch Kombinanach
tion und weitere Dihairese dieser begrifflichen Unterschiede nach und
293 S, dazu auch oben 5. 54ff. und unten Kapitel VI passim.
294 Dazu s. auch unten S. 561ff.
217
die Fülle der denkbaren Möglichkeiten ermitteln können, gemäß denen
etwas als Lebewesen, d.h. als eine unterscheidende Substanz, bestimmt sein
kann.
Wenn man also sagt, der Begriff ‚Lebewesen‘ impliziere in prinzipienhafter Weise bereits alle die Unterschiede, die auf der Ebene der Arten der
Lebewesen deren artbildende Differenz ausmachen, dann meint die Rede
davon, daß diese Artunterschiede nichts sind, was von außen hinzutritt, daf
der allgemeinere Begriff ‚Lebewesen‘ diesen Artbegriffen gegenüber Priorität hat und diese als Artbegriffe überhaupt erst konstituiert.
Anders ist es, wenn man das umgekehrte Verhältnis betrachtet: zu dem
Begriff ‚Mensch‘ (=,animal rationale mortale’) gehört als das genus proximum
wesentlich der Begriff ‚Lebewesen‘; er ist wesenskonstituierender Teil des
Begriffs des Menschen und kommt insofern natürlich auch nicht von außen
oder als entbehrlicher Zusatz hinzu. Dennoch ist der Begriff ‚Lebewesen‘
nicht in derselben Weise Implikat des Begriffs ‚Mensch‘, wie der Begriff
Mensch’ und der Begriff ‚Hund’ usw. Implikate des Begriffs ‚Lebewesen‘
sind. Denn ein implikatives und in dem erläuterten Sinn prinzipienhaftes
Verhältnis kann es nur da geben, wo der implizierte Begriff von geringerem
Umfang ist (“weniger Unterschiede enthält) als der Begriff, der ihn impliziert. Das ‚heißt: der implizierte Begriff ist weniger allgemein in dem genannten Sinn, dafs er weniger denkmögliche Unterschiede in sich (proleptisch, d.h.: vorwegnehmend) umfaßt. Dieses proleptische Umfassen heißt von
dem weniger allgemeinen Begriff aus betrachtet, daß die Bestimmtheit und
Denkbarkeit des allgemeineren Begriffs vorausgesetzt werden können muß
damit er überhaupt gedacht werden kann. Der implizierte Begriff steht also
immer in einem logischen (und, wenn man unter Ontologie die Lehre von
der Bestimmtheit dessen, was unterschieden werden kann, begreift, auch
ontologischen) Abhängigkeitsverhältnis von dem Begriff, dessen Implikat er
ist. Der Begriff ‚Lebewesen‘ enthält in sich der Möglichkeit nach neben den
spezifischen Differenzen des Begriffs ‚Mensch’ noch eine Fülle weiterer Unterschiede, die mit der Sache ‚Mensch‘ überhaupt nichts zu tun haben und
die z.T. den Spezifika des Menschseins sogar direkt widersprechen: so ist es
auch eine denkbare Möglichkeit, daß es Substanzen gibt, deren seelische
Energeini ausschließlich gebundene Formen der Unterscheidungsaktivität?®
sind, also beispielsweise gibt es die Möglichkeit, daß es so etwas wie eine
Amöbe geben kann, also ein Lebewesen, das nur in wahrnehmender Weise,
und zwar nur mit dem Tastsinn unterscheiden kann; oder es gibt die Möglichkeit, daß es so etwas wie ein Pferd gibt, also ein Lebewesen, das zwar
über die bloßen Wahrnehmungsvermögen hinaus auch noch über Erinnetungsvermògen, Vorstellungsvermögen (und ein ‚meinendes’ Vermögen zu
Schlußfolgerungen, das die gegenständliche Funktion von etwas erkennt
das dabei aber ganz auf die Ebene des Partikulären, d.h. einzelner Vorstel.
lungen, beschränkt ist) verfügt, das aber nicht im eigentlichen Sinn, d.h. in
295 Dazu s. oben S. 183ff.
Seite 7
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)1. Die Methode des ,
ipien
218
über das Unterschiedene Rechenfreier Reflexion und mit der Fahigkeit,
das also nicht-rational ist. Alle
schaft abzulegen, rational tätig sein kann,
prochen
als Prädikate zuges
diese spezifischen Unterschiede, die Tieren
hen zum Menschen macht,
Mensc
den
was
dem,
mit
werden können, haben
Begriffs ‚Mensch‘ gehört,
was also zu den substantiellen Bestandteilen des
agen die Materie diesozus
nur
sind
de
nichts zu tun (bzw. diese Unterschie
ch aus diesem auch
folgli
sich
lassen
und
it?%)
mmthe
ser eigentlichen Besti
m) ableiten. Hier
nicht (zumindest nicht direkt und ausschließlich aus diese
schiede, die
Unter
mmten
besti
die
ist es eben nicht so, daß die Reflexion auf
ch‘ zu denken, auch von
man machen mu, um so etwas wie ‚Mens
sich
szugehen, zu all den Unselbst her und ohne über die Sache ‚Mensch‘ hinau
chkeiten die Sache ‚LeMögli
terschieden führen könnte, die als begriffliche
er als Unterschiede
inand
nache
al
ration
bewesen’ ausmachen und die auch
Menschen zum
den
was
Das,
n.
könne
n
werde
dacht
dieser Sache durch
die zu den Un, ist gegenüber der Fülle an Möglichkeiten,
Menschen macht
Lebewesen machen, weterschieden gehören, die ein Lebewesen zu einem
in sich (und d.h.: aus
de
schie
Unter
er
wenig
t
niger bestimmt, d.h.: umfaß
n nicht alle Unterschiede
Reflexion auf diese sachlichen Unterschied könne
‚Mensch‘ ist ein im VerSache
des Lebewesenseins abgeleitet werden). Die
schränkter (in scholastieinge
Maß
em
höher
in
‘
gleich zur Sache ‚Lebewesen
Begriff ‚Lebewesen! ist
scher Terminologie ,kontrahierter’) Sachverhalt. Der
t nicht von außen
komm
und
dem Begriff ‚Mensch‘ also insofern wesentlich
ren bedarf, um
meine
Alige
des
immer
meine
hinzu, als das weniger Allge
Daß der Begriff
n.
könne
zu
n
tuiere
konsti
Etwas
mmte
besti
sich als dieses
ist also kein Implikati’ im Begriff des Menschen enthalten ist,
‚Lebewesen
onsverhältnis, sondern bedeutet eine Abhängigkeit
des Prinzipüerten vom
vorgeordneten Prinzip.
ach ein Zeichen
Die höhere Komplexität des Begriffs ‚Mensch‘ ist demn
Fall (=der
mmten
besti
einen
auf
ung
für den höheren Grad der Einschränk
‚Konkretheit’ im scholastischen Wortsinn), und
der höhere Grad an Einfachen für einen höheren
heit und an Allgemeinheit im Unterschied dazu Zeich
iert sind und an
impliz
de
schie
Grad an Bestimmtheit, dafür, daß mehr Unter
werden können.
den
schie
unter
‘
wesen
‚Lebe
t
diesem einsehbaren Sachverhal
flichen Unterschiede,
Analog verhält es sich bei dem Verhältnis der begrif
der Gegenstand des
die
denen,
zu
hat,
tun
mit denen es der Arithmetiker zu
nach der kurzen
auch
man
kann
das
Größe,
und
Geometers sind. Zahl
voraussetzen (es
Skizze im vorangegangenen Kapitel (S. 210ff.) schon einmal
ert werden),
erläut
und
ndet
begrü
wird aber auch im Laufe der Arbeit weiter
t, dh,
Einhei
einer
zu
it
Vielhe
einer
se
Synthe
der
n
sind verschiedene Forme
r Instanz einer Sache zu dieser
296 Dazu s. unten 5. 606ff. (zum Verhältnis von primäre
en derselben Sache anderer-
Instanz
Sache selbst einerseits und zu den abgeleiteten
seits).
Mit-sich-Aufhebens’
219
mit diesen Begriffen bezeichnet man auf je unterschiedliche Weise zusammengesetzte Einheiten.
Zahl ist ‚diskret geeinte Vielheit und ‚Größe‘ ‚kontinuierlich geeinte
Vielheit‘. In einer vorläufigen Bestimmung kann man den höheren Grad an
Einfachheit und Allgemeinheit der Zahl gegenüber der Größe so umschreiben, daß man sagt, die Zahl sei ihrem Begriff nach die Synthese von Einheiten zu einer neuen übergeordneten Einheit schlechthin, während die Größe
diese Grundmöglichkeiten, die in der Zahl angelegt und vorgegeben sind
voraussetzt und als Dimensionalität verwirklicht:2?
|
Eine Linie mit Anfang und Ende setzt die Môglichkeit der Synthese
zweier voneinander verschiedener Einheiten voraus, weil es, ohne daß zwei
Terme aufeinander bezogen werden, auch kein ,Dazwischen’ geben kann
das als Linie unterschieden werden kann; oder, um ein weiteres Beispiel zu
nennen: das Dreieck setzt die Möglichkeit der Synthese einer einfachen Einheit mit einer zusammengesetzten Einheit voraus und verwirklicht diese
allgemeine Möglichkeit (so wie die Linie) als ein ,Dazwischen’, wobei das
‚Dazwischen‘ dadurch entsteht, daß die Synthese der Einheit mit der zusammengesetzten Einheit als ein Aufeinanderbezogensein gedacht wird
durch welches sich zwischen den Termen der Relation eine Mitte’ bildet
|
So wie mit dem spezifischen Unterschied ,rational’ zu dem Begriff
‚Mensch‘ gegenüber dem generischen Begriff ‚Lebewesen‘ etwas hinzukommt, das eine in dem generischen Begriff angelegte Möglichkeit expliziert, kommt also auch bei dem Begriff der Größe gegenüber dem Begriff der
Zahl etwas hinzu, nämlich die Dimensionalität.
Diese Beschreibung ist zwar an sich noch nicht genug differenziert, aber
dem Prinzip nach dürfte die Analogie zu dem erläuterten Verhältnis, in dem
die Begriffe ‚Mensch‘ und ‚Lebewesen‘ zueinander stehen, verstehbar sein:
der Begriff der Größe ist komplexer, was nicht ein Mehr an Bestimmtheit
bedeutet, sondern der Begriff der Zahl impliziert in sich die verschiedenen
Möglichkeiten der Synthese einer Vielheit zu einer Einheit, er nimmt daher
in sich auch die Unterschiede vorweg, die in den Gegenständen mit denen
es der Geometer zu tun hat, in explizierter Form vorliegen. Der Ausdruck
‚impliziert‘ meint, daß man Zahl nicht als etwas Bestimmtes denken könnte
wenn nicht aus dem Begriff ‚bestimmte Syntheseform einer Vielheit diskreter Einheiten zu einer neuen Einheit‘ diese einzelnen Formen, nach denen
297 Als Dimensionalität verwirklicht werden die allgemeinen Synthesemôglichkeiten, die
in den verschiedenen Arten von Zahlen das erste Mal verwirklicht werden dadurch
dal von der spezifischen Einheit und Bestimmtheit der einzelnen Teile des geeinten
Ganzen abgesehen (oder: teilweise abgesehen) wird und der Blick auf die Einheit der
vie pelt als ganzer gerichtet wird, Insofern kann man sagen, dafi die kontinuierliche
rie e im Verhältnis zur diskreten Vielheit eine in geringerem Maß von Einheit durcha Vieliit ist, bzw. eine geeinte Vielheit, bei der das (materiale) Moment der
a Beer er der Einheit mehr an Eigengewicht bekommt: s. unten zu der ,gei
ielheit als Prinzip der Abnahme von verwirklichter Einheit und Bestimmtheit und als Prinzip von Partikularität: S. 579ff. und S. 792ff.
Seite 8
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)1. Die Methode des ,Mit-sich-Aufhebens'
die Synthesen bestimmt sind, ableitbar und erkennbar wären. Die ‚hinzuzu
tretenden’ Unterschiede dürfen demnach nicht etwas sein, das von außen
allgemeinedem
in
miissen
es
sondern
hinzutritt,
Begriff
en
dem allgemeiner
ren Begriff implizierte und daraus explizierbare Möglichkeiten sein. Um
noch einmal das Beispiel des Verhältnisses von Arzt- und Kochkunst zu
bemühen: das, was für den Geschmackssinn angenehm ist, kommt nicht von
außen zu dem hinzu, was für den ganzen Körper angenehm ist, sondern ist
eine in diesem allgemeineren Begriff implizierte Möglichkeit und ein Teil
dieses umfassenderen Begriffs des Guten.
Ein Beispiel für die Anwendung der Methode des ‚Mit-sich-Aufhebens’ bei
Nikomachos
Als Beispiel, wie solche und ähnliche begriffliche Probleme bei Nikomachos,
der ja eine Einführung in die Wissenschaft der Arithmetik schreibt und nicht
eine wissenschaftstheoretische Erörterung darüber, was Arithmetik als Wissenschaft eigentlich ist, behandelt werden bzw. in den einzelnen Untersuchungen impliziert sind, sollen einige Überlegungen zu der Stelle angestellt
werden, an der Nikomachos selbst von der Prinzipienfunktion der Arithmetik gegenüber der Geometrie spricht und aus dieser begründet, warum der
dritte Teil seiner Schrift, d.i. der Teil, der die sog. figurierten Zahlen zum
Thema hat, auch seine Berechtigung als Teil innerhalb der Disziplin der
Arithmetik haben kann oder (sc. im Sinn der didaktischen Anlage der
Arithmetik) haben muß.
Zu Beginn seines ‚geometrischen Teils‘ (Buch II, Kapitel VI) beruft sich
Nikomachos ausdrücklich auf die Prinzipienrolle der Arithmetik, die die
von ihr abgeleiteten Wissenschaften zugleich mit sich aufhebe; d.h., er rekurriert noch einmal auf das, was er in der Einleitung über das Verhältnis
der Quadriviums-Wissenschaften untereinander gesagt hatte (Nicom.Ar.83,711). Nun enthält dieser Rückgriff auf die Wissenschaftseinteilung aber zum
einen bereits selbst eine Einschränkung des Umfangs des zu behandelnden
,Geometrischen’, und zum anderen betont er gleich zu Beginn dieses Teils,
daß die spezifische Funktion der folgenden Betrachtungen eine muriwoi
sei, d.h., daß die Betrachtung der ‚geometrischen‘ Gegenstände in diesem
Rahmen nur verweisenden und veranschaulichenden Charakter habe, genauso wie man bei der Verwendung von konventionell festgelegten Zahlzeichen mit dieser Art der Verschriftlichung auf die Zahlen nur verweise (Nicom.Ar.83,12-83,3). Auf diese Unterscheidung zwischen dem eigentlichen
Erkenntnisgegenstand und solchen Gegenständen, die als Hilfsmittel für
diese primär intendierte Erkenntnis aufgefaßt werden, wird im folgenden
noch häufiger zurückzukommen sein.
Zunächst zu der Art der Einschränkung:
„Elementarer aber wird es (ie. das kontinuierliche Quantum] in der Arithmetik,
die sozusagen die Mutter und prinzipienhafter als jene [sc. die Geometrie] ist,
aufgefaßt <und behandelt>. Wir erinnern uns nämlich daran, daß sie sich uns vor
221
kurzem als eine solche erwiesen hat, die einerseits die anderen Wissenschaften
mit sich zusammen aufhebt, andererseits selbst aber nicht mit jenen aufgehoben
wird und die einerseits in jenen notwendigerweise impliziert sein muß, diese andererseits aber nicht in sich <als ihre Voraussetzung> enthält.”
|
,
N
omepparikarepov
dt TTpoomapadanßavera iv TH dBu brav untpì
Kai ApXEyovwripa éxeivnng: EN ij yap, STI po Boaxtos TOUT huv
ipawn Suvavampolca Liv Tas GAAag EmoTtnnas faut, ou cuvavampouuevn
de EKelvars, Kai £umalıv auvemipsponivm Hiv Ékelvals àvayxaiux, où
ouvemipépouca dì autac faut. (Nicom.Ar.83,5-11)
Das heißt: N ur unter dem Aspekt, unter dem das Kontinuierliche in dem
Diskreten sein Prinzip hat, kann das Kontinuierliche Gegenstand der Arithmetik sein.
Es bedarf hier einer Präzisierung, wie die Dihairese des ‚bestimmt Seienden’ (ov)
in diskret und kontinuierlich aufzufassen ist: Es handelt sich bei dieser Einteilung in
die ,Arten des Seins’ nicht im eigentlichen Sinn um die Benennung der Differenzen
eines abstrakten Genosbegriffs; denn das hieße, daß das év in genau derselben Weise
von der diskreten Vielheit wie auch von der kontinuierlichen Größe ausgesagt werden können müßte?” und daß das eine nicht als Art unter das andere fallen bzw. zu
dem anderen in irgendeinem Abhängigkeitsverhältnis stehen dürfte. Aus dem, was
sich in der Deduktion der Begriffe noch zeigen wird, und auch aus der Bestimmun
des Verhältnisses der Wissenschaften bei Nikomachos läßt sich aber ersehen daf
ihnen das ov in je unterschiedlicher Weise, nämlich primär und sekundär (mpétwe
Kai Öevrepuc) zukommt, daß es sich also nicht um eine synonyme Aussageweise
handelt, um ein Verhältnis von gemeinsamer Gattung und spezifischen Differenzen,
sondern um ein Verhältnis des mpòg tv kai a@ évdc, also um ein Verhältnis zwischen
mehreren Instanzen, die ihre Bestimmtheit aus ein und demselben Prinzip ableiten
aber von diesem Prinzip in graduell verschiedener Weise einen ‚Teil‘ von dessen
Bestimmtheit und Einheit verwirklichen.
„Es ist unsinnig <anzunelunen>, ‚Substanz‘ bezeichne dasselbe in bezug auf das,
was im primären Sinn seiend ist, wie in bezug auf das, was später ist. Denn es
gibt keine gemeinsame Gattung für das Frühere und Spätere.”
ATOTOV TO AUTO anualvav Tv ovciay imi re TÔv TPWTWGS Bvrwv Kal TOV
UOTEPWY OUK OVTOG YEVOUG Kolvol, 3 Ev ofcG TOTo TPOTEPOV
5
UOTEDOY.
Kaliv
(Plot. V1,1,1,26-28)
ove
i
„<und die Substanz wird> nicht wie etwas [sc. abstrakt] Gemeinsames von allen
[sc. von intelligibler Substanz, Form, Materie und Kompositum] <ausgesagt>,
sondern wie etwas, was sich van einem Einen herleitet [=was sich gemeinsam auf
ein Eines bezieht]”
OUX ws Koivov kara mavTwY, GAN’ de ag’ Evöc. (Plot.VI,1,3,3-4)299
as aber bedeutet das für die Art und Weise, wie die wissenschaftliche
ntersuchung vorzugehen hat, insbesondere dann, wenn sich das Erkennt-
®# S. dazu Plot.VI,2,1,21ff., 2 passim; 9,20-22 und Procl.in Ti.(1),242,5ff.: Plotin und Proklos
begründen an den genannten Stellen mit analogen Argumenten, warum das Seiende
nicht die (abstrakte) Gattung sein kann, die von dem intelligiblen und dem wahr-
2 nehmbaren Sein synonym prädiziert werden kann.
Dazu s. auch Arist.Metaph. V114,1030a29ff.; Alex. Aphr.in Metaph.474,24ff, °
Seite 9
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)2. ‚Disziplinfremde’ Gegenstände
nicht auf die des
nisinteresse primar auf die Erkenntnis des Prinzips, und
das Kontinuierliauch:
chos
Nikoma
rt
formulie
so
Prinzipiierten richtet (und
‚prinzipienhaftik
Arithme
die
sofern
et,
betracht
tik
Arithme
der
in
wird
che
ter’ (apxeyovwrtipa) ist als die Geometrie)?
2
Welche Funktion hat die Behandlung ‚disziplinfremder’
2.1
Prinzipien und Gegenstände in der platonischen
Wissenschaftstheorie
der Arithmetik behandelt werden, noch dafür, daß Gegenstände der Arithmetik im Rahmen der Geometrie für sich selbst untersucht werden.
Und noch ein weiteres Argument läßt sich vorbringen, warum die soebe
zitierte Passage bei Nikomachos keine Begründung dafür sein kann und sein
will, daß der spezifische Gegenstandsbereich der Arithmetik verlassen
Gegenstände in einer Wissenschaft
Man muß, folgt man der antik-platonischen Wissenschaftstheorie, bei der
iBestimmung dessen, womit sich eine Wissenschaft beschäftigt, untersche
aft,
Wissensch
dieser
nd
sgegensta
Erkenntni
den zwischen dem spezifischen
also den bestimmten Gegenständen, deren Wesensbestimmung und deren
wesentliche Akzidenzien diese Wissenschaft ermitteln und in ihrem besonderen Zusammenhang erschließen soll, und den Prinzipien, die diesen
223
Gegenständen und der Erkenntnis dieser Gegenstände unmittelbar vorausgesetzt sind. Letztere gehören in diese jeweilige Wissenschaft nur insofern, als
sie Prinzipien sind, und werden nur berücksichtigt, soweit sie zur Erkenntnis der eigentlichen Wissensgegenstände erforderlich sind. Eine umfassende
Erkenntnis dessen, was ihr Wesen, wenn man es fiir sich betrachtet, ausmacht, ist nicht angestrebt, sondern tibersteigt die vorausgesetzten Disziplingrenzen.
Der Gegenstand der Arztkunst z.B. ist die Gesundheit des menschlichen
Körpers. Sofern diese in der von der Seele hergestellten Harmonie zwischen
den verschiedenen körperlichen Substanzen und Organen besteht und insofern die Seele Prinzip des Körpers ist, muß sich der Arzt auch mit der
menschlichen Seele befassen. Aber diese wird nur in den Hinsichten sein
Gegenstand sein, in denen die Seele auf Körperliches bezogen und für den
Körper leitend ist und ihn beeinflußt.
Sofern sie z.B. primär eine rationale Seele ist und auf das begriffliche Erfassen für sich erkennbarer sachlicher Unterschiede gerichtet ist und sofern
sie selbst wieder nicht absolut primär und voraussetzungslos, sondern etwas
Prinzipiiertes (sc. nach platonischer Auffassung: von dem göttlichen Intellekt) ist und in der Hinwendung zu ihrem Prinzip ihre eigene Wesensvervollkommnung findet (usw.), gehört sie hingegen nicht in den Gegenstandsbereich, mit dem sich der Arzt, sofern er Arzt ist, zu befassen hat;
diese Kompetenz wird er an den, der auf diesem Gebiet ein Wissen hat,
abgeben müssen und, wenn er etwas von seiner eigenen Kunst versteht und
weiß, was er durch diese Kunst weiß und was er nicht weiß, auch abgeben
wollen.
Analog kann die Tatsache, daß die Arithmetik Prinzip der Geometrie ist,
weder der Grund dafür sein, daß Gegenstände der Geometrie im Rahmen
wird
Denn eine solche Begründung, die als Ziel der Untersuchung entweder eine
Wesensbestimmung des aus einem Prinzip Hergeleiteten (in diesem Fall: der
Geometrie), insofern es etwas Abgeleitetes ist, angibt oder eine Wesenserk
lä
rung des Prinzips (in diesem Fall: der Arithmetik) aus seinem Bezug zu
dem
von ihm Prinzipiierten anstrebt, ist unzureichend. Im ersten
Fall ware sic
keine Rechtfertigung für die Aufnahme eines geometrischen Gegenstan
ds in
eine arithmetische Schrift, sondern eher umgekehrt dafür warum s ezifisch
Arithmetisches von dem Geometer behandelt werden muß. Im zwei ten Fall
wäre sie in der Sache falsch. Denn einem Prinzip kommt, sofern es für sich
betrachtet in seinem Wesen bestimmt werden soll, kein Verhältnis zu dem
von ihm Prinzipiierten 2.3 Es handelt sich bei der Relation zwischen
Prinzip und Prinzipiiertem nämlich nicht um eine wechselseitige
Relation diese kann es (zumindest in dem hier relevanten Sinn) nur zwischen ein
der Gleichgeordnetem, auf einer Ebene Stehendem geben -, sondern ledig.
lich dem Prinzipiierten kommt es als von ihm aussagbares Prädikat
zu in
einem Abhängigkeitsverhältnis zu seinem Prinzip zu stehen, dem
Pri zip
selber aber nicht. Theologisch formuliert: das Prinzip bedarf seiner Schöp.
fungen nicht; d.h., der Bezug auf das Prinzipiierte kann nicht substantiel
ler
wesenskonstituierender Bestandteil der Sache selbst sein,
und also können
.
Ergebnisse dieses Bezugs auch nicht den ‚Aufstieg‘
Na
;
geo
der geometrisc
hen Ge
Je
8
x
genstände in die Arithmetik rechtfertigen. 391
300 on
i een
a den beiden unterschiedlichen Möglichkeiten der
ihre
Salice
,
<urrierendenvon Relation
eon (RC
(=Relation zwischen
zwis
gleichgeordneten
eleichgeor
Gegenständen,
ä
die
i
n
nlich
n einem
n gemeinsam vorgeordneten Prinzi
rinzip her ableiten)
i
und
‘ Labnaneigen Do (Chelation eines (einzelnen) Gegenstands
zu seinem Precip)
pri
.
.
301
m.912,11-12; Theol.
eol. Plat {IL4,15,14-20; 111,24,85,1-7
5
und s. dazu unten S.
réa nthrs sofern es Prinzip ist, seinem primären
Sein nach äoxeros ist
1h.
einem
hängigkeits-)Verhältnis zu ctwas ih In gegenüber Späteren
.
stel
eine Stellee aus dem Nikomachos-Kon
-Kommentar des Philoponas:
i
Doe ,,D
br, y was Ziel
i
dex
Strebens ist,A (ro &peröv)) wewendet das, was nach
ihm streb
eet
caf f seh
si
os Ziel
n;
des
si
»
selbst
aber wendet
é es nicht aufi
uf jene hin;
i deshalb ist die Form
rin da:
dag,s, um
tm <dessen>
cessor
will
iSich
Fone
anderes Bb, und die Materie das, was um eines
<anderen> willen ist Die
also erder Natur nach früher. . Und auferdem gilt:: <selb:
t> wenn die
ie Form,
die
aneeiner Materie ist,A zu dem gehört,
ché % was in
i 1 Relation
on zu
zu etwas
etwas ist,
ist, weili es einen
Bezu
i n Bezug
a mar aiepa a an der sie ist], dann ist aber
doch die Idee, von der sie abgeleitet
t,
prin
hat keinen Bezug zu der Materie.” +5 Sè
i
Eper
cig tauTt
ke ‘giiueva, aùrò & tis Ekelva ouk emioTpegeran, did&perov
Da lv Roc of were Bi
vn vera mov, quer Apa mpórspov TÒ eidoc. Kai Aus:
el
Kal
TS Évudov dl os
Maida 6 os NES nv
Any, arr ouv n) idea, & fig waphKra, TPWTN
pos THY VAnv. (Phlp.in Niclpon 2.5-8); s. außerdem
Plot. VL8,20,28ff.;
Seite 10
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)2. ‚Disziplinfremde‘ Gegenstände
Arithmetik Untersuchungen über geWarum also finden sich dann in der
s eines Prinzips, der der Arithmetik
ometrische Gegenstände, wenn der Statu
nicht hinreichend ist, um diesen
gegentiber der Geometrie zukommt, allein
Textbefund zu erklären?
scher Gegenstände in
2.2
Die Funktion der Behandlung nicht-arithmeti
der Arithmetik
2.2.1
Der Textbefund
können, warum bei NikomaDie Lésung dieser Aporie, nicht angeben zu
Arithmetik aufgenommen
chos scheinbar disziplinfremde Gegenstände in die
erten Zahlen behanfiguri
die
denen
in
gen,
werden, findet man in den Passa
Aspekte beachtet und zur
delt werden, wenn man insbesondere zwei
Kenntnis nimmt:
achos den Teil,
Der erste Aspekt ist die Art und Weise, wie Nikom
(1.)
Denn er leitet
tet:
einlei
t,
handel
n
Zahle
erten
figuri
sog.
in dem er über die
chkeit der
Mögli
der
ng
tellu
diesen Teil mit einer vergleichenden Gegenübers
n auseinGröße
r
liche
nuier
konti
n
Ableitung der verschiedenen Dimensione
Konstrukund
g
ierun
Gener
der
t
chkei
Mögli
der
mit
ander in der Geometrie
n (d.h. von Linienzahlen,
tion der verschiedenen Arten von figurierten Zahle
hen Zusammenhänge
trisc
geome
Flächenzahlen und Körperzahlen) ein. Die
als Anhaltspunkt für
und
gie
Analo
als
ich
dienen dabei ausdrücklich ledigl
Auf dicse Weise wird 1. undie Methode der Schematisierung der Zahlen.
trie und den unter der
Geome
terschieden zwischen den Gegenständen der
ständen und 2. zwiGegen
en
delnd
behan
Überschrift ‚Figurierte Zahlen‘ zu
ren mathematiprimä
(bzw.
ren
primä
und
en
tlich
eigen
schen den Zahlen im
dieser Zahlen
n
tione
senta
schen) Begriffssinn und den anschaulichen Reprä
zweiten Under
ung
Beton
die
durch
re
in bildlichen Schemata. Insbesonde
Beleg dafür
als
nicht
n
Zahle
erten
figuri
die
daß
klar,
terscheidung wird
an die
tlich
wesen
eine
sei
dienen können, die antik-platonische Mathematik
emaMath
naive
ische,
unkrit
über
gegen
Anschauung gebundene und dieser
gen
chtun
Betra
ersten
n
diese
aus
allein
schon
ehr
32 sondern es hat vielm
tik
noch
ngen
suchu
nden Unter
heraus den Anschein - wie sich in den folge
-, daß es ein wichtiges Ervielfach und durch viele Belege bestätigen wird
d zwischen rein Begriffschie
Unter
den
ist,
ft
kenntnisziel dieser Wissenscha
1; 921,33-35: „Er hat gezeigt, daß es
Proclin Prm.1179,41ff.; bes.: Proclin Prm.921,3-922,
echen, was an ihnen Anteil
zuzuspr
dem
zu
n
Relatio
eine
rn
unsinnig ist, den Urbilde
Ta
iynacı d1dovaı mpòs
hat.” wamidakey, de Aromov oxtow TO Tapade
HETEXOVTA AUTWW.
302 Zum Beispiel Helmuth Gericke, Mathematik in Antike
und Orient, Berlin 1984, 82 und
der griechischen Mathematik, 182;
142f, Ähnlich auch: Aprad Szabó, Die Entfaltung
mystik und exakte Mathematik, in:
195; 229f. Kurt von Fritz (Die Pythagoreer, Zahlen
Berlin/New York 1971, 47Grundprobleme der Geschichte der antiken Wissenschaft,
und detailliert für die
reich
ders
„beson
die
Zahlen,
rten
figurie
den
64, 50£.) sieht in
en der wil- und Bindeglied zwisch
frühen Pythagoreer bezeugt“ (51) seien, ein „Mittel
Mathematik” (50).
den Zahlenspekulation und der wissenschaftlichen
225
lichem und bildlich Vorstellbarem herausz
i
i
i
isse
schaftstheoretischen Bedeutung zu een und ER seiner wissen
(2.) Der zweite Aspekt betrifft den Gegenstand, den Nikomachos als seinen
eigentlichen Untersuchungsgegenstand in der Betrachtung der figurierten
Zahlen benennt. Denn er behandelt eben gerade nicht Geometrisches
(yewperpixa) im spezifischen Sinn. Punkt, Linie, Fläche und Körper als solche werden nicht um ihrer selbst willen, sondern lediglich als zu ergänzende
Voraussetzung dessen, was durch bildliche Veranschaulichungen beschrieben werden soll, bestimmt.
Einige weitere Bemerkungen sollen die beiden genannten Punkte kurz erläutern:
Nikomachos
|
leitet
den
folgendermaßen ein
Über gang
zu
$
den
figuriert
ahle
guierten
Zalen
„es sei also die Monas dasjenige, was die Systemstelle des Punkts einnimmt und in
gewisser Weise das Prinzip der Abstände [=der Dimensionen] und Zahlen...ist“
feta: OÙV 1) LEV nova
I
5
rs
itp
LEX) pi
an alpre (NO AREAS)
erde
Deer
und stellt Definitionen der geometrischen Gegenstände an den Anfang. Der
Grund für dieses Vorgehen ist, daß (zumindest) ein abstrakter Beri von
diesen Gegenständen die Voraussetzung dafür ist, daf? die Veranschaulichung der Syntheseweisen der Zahlen in den figurierten Zahlen die (wie
unten bewiesen werden wird?®) Instanzen der Zahlen auf der Ebene der
Vorstellung sind, überhaupt einen Erkenntnisgewinn bedeuten bzw. zur
Folge haben kann (Nicom.Ar.86f.). Denn man kann nur dann etwas aus der
Verbildlichung der spezifischen Syntheseweise der Zahl Drei als Dreie k
über die Konstitutionsweise der Zahl Drei lernen, wenn man schon etwas
über das Dreieck weiß - was auch wieder zeigt, daß die als Dreieck fi .
rierte Drei nicht sachlich und begrifflich früher ist als die Sache Dreieck
sondern die figurierte Drei setzt sowohl die Zahl Drei als auch die Sache
mreieck voraus. Das heißt aber: es werden von Nikomachos nicht Linien
. op en und Körper behandelt, sondern Linien-Zahlen, Flächen-Zahlen und
Ergebnis:
Man kann sich nicht auf die Äußerungen zur Methode der Figurierung vo
ser die Nikomachos selber vorträgt, berufen, wenn man behaupten will
dal mit dem Ubergang zu den figurierten Zahlen der Bereich der Arithme< verlassen werde. Denn diese Passagen zeugen von einem klaren Bewußtsen Soer die |Disziplingrenzen der einzelnen mathematischen Wissenschaftenees wirdaus i de ch zwischen geometrischen Figuren und Figu-
393 5, Teil II, Kapitel VL3 S. 727ff.
Seite 11
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)2. ,Disziplinfremde’ Gegenstände
2.2.2
Systematische Begriindungen
Bliebe es bei diesem textimmanenten Argument, kénnte man freilich immer
noch einwenden, daf diese andere Benennung in der Sache keinen Unterschied mache. Denn wenn die anfängliche Unterscheidung zwischen Zahl
(Diskretem) und Größe bzw. Figur (Kontinuierlichem) überhaupt einen Sinn
und ein fundamentum in re gehabt haben soll, dann ist bei einem ersten Hinsehen ein Begriff wie Linien-Zahl schon an sich eine contradictio ín adiecto.
Denn die Unterscheidung zwischen Zahl und Größe wird als Grundeinteilung, wie etwas als ein bestimmtes Seiendes bestimmt sein kann, eingeführt
|
a
(Nicom.Ar.4,13-20).3%
Ein jedes Seiende soll gemäß dieser Einteilung im Sinn einer vollständigen Disjunktion entweder Zahl (bzw. etwas, was wie eine Zahl ist) oder
Größe sein, nicht aber beides zugleich. Eine Linien-Zahl wäre dann sozusagen ein ‚hölzernes Eisen‘. Wenn figurierte Zahlen also weder das sind, was
nach der Definition bei Nikomachos Zahl im eigentlichen Begriffssinn ist,
noch das, was im eigentlichen (geometrischen) Begriffssinn kontinuierliche
Größen sind, dann besteht die einzige mögliche Lösung darin, eine weitere
Unterscheidung einzuführen.
Nikomachos bezeichnet die figurierten Zahlen als Zahlen, nämlich als Linien-Zahlen, Flächen-Zahlen usw. Die erforderliche Unterscheidung muß
demnach eine Unterscheidung an dem Begriff der Zahl sein. Das Nächstliegende ist, eine Unterscheidung zwischen dem eigentlichen Begriffssinn von
Zahlen und einem ‚figurierten Begriffssinn‘, d.h. einem Begriff von Zahlen,
der von den von Nikomachos behandelten ,figurierten Zahlen’ ausgesagt
werden kann, vorzunehmen. Die sich an diese Unterscheidung anschlie-
Bende Frage lautet dann natürlich, worin die spezifische Differenz dieses
Begriffssinns liegt und wie in diesem (abgeleiteten) Begriffssinn die beiden
sich auf der primären Ebene widersprechenden Begriffe der Figürlichkeit
und der Zahlhaftigkeit verbinden. Die Beantwortung dieser Frage - d.h. der
Frage nach den begrifflichen Zusammenhängen von Zahl, Diskretheit, Kontinuierlichkeit, Figürlichkeit, Vorstellbarkeit, Begrifflichkeit, Allgemeinheit,
Partikularität usw., wird das Thema des VI. Kapitels sein.?®
Vorläufig kann man sich aber auf ein Indiz dafür beschränken, daß figurierte Zahlen tatsächlich - wie auch immer bestimmte - Zahlen und keine
geometrischen Gegenstände sind, nämlich auf das Indiz, daß Nikomachos
auch bei der Beschreibung der Genese und Eigenschaften der figurierten
Zahlen an Termini festhält, die er zuvor bei der Abgrenzung der Gegenstände von Arithmetik und Geometrie als spezifische Differenzen verwendet
hatte. Dies gilt vor allem für den Begriff der (sc. diskreten) ‚Anhäufung‘ von
227
Einheiten (owpevong oder auch der owpeia)% der die eine Seite des
Begriffspaares oopeuong (oder auch mapaßeoıc) und aAAnAouxia (kontinujerliches ,Aneinanderhangen’) ist.307
306 Zum Beispiel Nicom.Ar.109,15; 112,17-18 und 21; 115,7 u.ö.
307 Nicom.Ar.4,13ff.;
lambin
Nic.7,13;
Simp.in
mapadecıc: Iamb.Theol.arith.4.und 21
Ph.711,15-17;
mit
dem
Gegensatz
(cwpeia als Beschreibung arithmetischer
Progression). Simplikios zitiert in seiner Kommentierung des 6. Kapitels der Categoriae,
d.h. in seiner Abhandlung über die Kategorie des mocov, die Ableitung des Unterschieds zwischen Diskretem und Kontinuierlichem aus der Entfaltung des Einen, wie
sie lamblich vorgenommen habe. In einem späteren Kapitel werde ich diesen Text im
Detail interpretieren (Kapitel VI.2.7 (ab S. 709); hier seien nur schon einmal die Grundzüge genannt: Die Konstitution der Quantität, des Quantitativen, ist das Heraustreten
des Einen in die Vielheit; daraus daf? das Eine die in ihm liegende Potenz ins Nacheinander ausfaltet und als einzelne Instanzen zur Aktualität bringt, erklärt sich die Möglichkeit von bestimmter, als Erkennbares und Begrenztes bestehender Vielheit. Die
Unterschiede, wie eine solche bestimmte Vielheit gedacht werden kann, beruhen dabei
auf den verschiedenen Arten, in denen die Rückwendung der Vielheit auf das Eine als
ihr Prinzip stattfindet, oder anders formuliert: sie erklären sich aus der Art der bestimmenden Begrenzung und Einung der von sich selbst her unbegrenzten Vielheit
durch einen Akt des Zusammenfassens und des Beziehens der einzelnen Teile dieser
Vielheit auf ein gemeinsames Zentrum; denkt man bei einer Vielheit alle Teile als aufeinander und das Ganze bezogene, so entsteht der Begriff der kontinuierlichen Viclheit
(Simp.in Cat.135,8ff.); denkt man die einzelnen Teile dieser Vielheit wiederum als für
sich bestimmte und auf sich bezogene Einheiten, so faßt man die Vielheit als diskrete
Vielheit auf: der Unterschied beruht also darauf, ob man die Selbigkeit der Teile in bezug aufeinander und in bezug auf das Ganze betrachtet oder ob man die Selbigkeit jedes einzelnen Teils betrachtet und jeden als auf sich selbst bezogen (Simp.in
Cat.135,17-25): „Und durch ihre überall gleich bleibende Identität (karà piv +nv
mravraxoû rautormra), die sowohl bei jedem einzelnen Teil als auch bei allem
<insgesamt> als ganze ist, verfertigt sie das Kontinuierliche [daher ist die schlechthin abstrakteste Kontiniierlichkeit Resultat der Ununterschiedenheit in der Vielheit, die der
‚schwächste Abglanz’ der Identität von Teilen und Ganzem ist]; durch die bei jedem einzelnen von diesen in bezug auf es selbst bestehende Identität (xarà dî tiv iQ ikacrov
auvGy mpeg faura raurörnra) [d.h. durch den Bezug auf sich selbst grenzt sich ein jedes einzelne Seiende von allem anderen als etwas Bestimmtes, mit sich Identisches und damit
von allem anderen Verschiedenes ab] und dadurch, daß sie in jedem einzelnen als ganze
ist, erzeugt sie das Diskrete. Und durch die Einheit der intelligibien [=begrifflich-allgemeinen] Quanta untereinander (Kara pèv nv iv aAANAOIG Evwor Tv vonräv
woot) sc. dadurch daß jeder einzelne begriffliche Sachverhalt eine Einheit ist] bekommt
das Kontinuierliche <von ihr seinen> Bestand, durch die <in sich differenzierte>, die
<einzelnen Formen [=intelligiblen Quanta]> voneinander in bestimmter Weise trennende Einheit (kara di Thv Staxexpinivnv aurav am’ aM rdwv Evwory) (sc. dadurch, daf! jeder einzelne begriffliche Sachverhalt eine (d.h. diese eine bestimmte, von anderem
unterschiedene) Einheit ist] aber verleiht sie dem Diskreten seinen Bestand.”
Kat xatà piv TV mavraxou TauToTHTa Kai SAny ip ixdotwyv Te TAY Hoptwy
Kal em TAVTWY TO cuvexes Amepyalsraı, KaTa dé THY ip tkacTov auTav Tpdc
taura TAUTOTITA Kai KaTa To ty ivi ikdotw dAnv eva: To Swpioyiivov
Amoysvva. kal KaTa piv Thv Ev & noi Évwoiv Tüv vonT@v mrocûv TO UVEXEG,
304 Dazu s. genaueres unten ab 5. 243.
305 S, unten zusammenfassend zu diesen Zusammenhängen z.B. Kapitel VI.2.8 und 2.9 (ab
S. 724).
kata Sì thy Siaxexpipevny altav an’ à A Au wav Td Sopiopivov VpiornTv.
Tamblich formuliert das (nach dem Referat des Simplikios an dieser Stelle: Simp.in
Cat.135,12-16) - weil er den Vorgang als Heraustreten des Einen in die Vielheit be-
Seite 12
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)ipien
2. ,Disziplinfremde’ Gegenstände
ische Grundlagen
Damit ist zumindest angedeutet, was eine figurierte Zahl sein könnte. Es ist
aber noch offen, welche besondere Funktion solche Vorstellungsbilder von
Teil If - I. Allgemeine methodische Prinz
228
Erkenntnis- und wissenschaftstheoret
hinreichende Lösung für die ApoDie eigentliche, begriffliche und sachlich
figurierten Zahlen erfordert zwei
rie bei der Bestimmung des Status der
einzeln für sich benannt und benicht
Voraussetzungen, die bisher noch
ich zunächst einmal als Thesen
die
d
un
sind
grifflich begründet worden
he Herleitung und der Beweis
vorstellen möchte. Die Begründung, begrifflic
n
d aller nachfolgenden Kapitel
nsta
en ist der Gege
Zahlen in einer mathematischen Untersuchung haben sollen. Müßte sich
eine solche nicht gerade auf das beschränken, was der zu untersuchende
Gegenstand im primären Sinn ist? Und sollte sie nicht gerade auf solche
Instanzen dieses Gegenstands verzichten, die in nur abgeleiteter und ein eschränkter Weise den Sachverhalt wiedergeben? - Um diese Frage zu bo.
antworten, bedarf es zusätzlich noch der zweiten angekündigten Vorausset
der Richtigkeit dieser Thes
dieses Lehrbuches.
zung.
1. These:
2. These:
gemäß den verschiedenen
Die platonischen Mathematiker unterscheiden
llen, Meinen, diskursives Den-
Arten des Erkennens - Wahrnehmen, Vorste
ipienhaft primären Zahlken, intellektives Erfassen - zwischen einem prinz
Zahlbegriffen. Man kann
iteten
abgele
m
begriff und verschiedenen von diese
Vielheit aus getrennten
einer
g
Einun
der
ten
chkei
Mögli
die verschiedenen
von diesen begriffliaber
Einheiten begrifflich allgemein denken; man kann
sich das in dem
und
rfen
entwe
der
gsbil
chen Möglichkeiten auch Vorstellun
jedes VorstelWeil
n.
liche
schau
veran
ch
bildli
nte
Begriff eigentlich Gemei
zu etwas
gie
Analo
g oder
lungsbild immer etwas ist, was in Anlehnun
unten S.
(s.
d
gsbil
ellun
Vorst
jedes
ist
Wahrgenommenen konstruiert wird,
nden ist.
gebu
ie
Mater
eine
an
das
nes,
Einzel
etwas
498f.) etwas Partikuläres,
dietwas
ist
ist,
rat
Subst
en
Alles aber, was an einem ihm zugrundeliegend
ein
daß
tet,
bedeu
Das
ches.
uierli
mensional Ausgedehntes, d.h. etwas Kontin
Möglichkeit der Einung
Vorstellungsbild von dem, was eine begriffliche
(zumindest nicht, insofern
einer Vielheit diskreter Einheiten ist, selbst nicht
es etwas Vorgestelltes, d.h. Partikuläres, ist309)
ein diskretes Quantum, sones ist.
dern etwas Kontinuierliches, also etwas Größenhaft
verstehen kann: eine
Das genau ist das, was man unter einer figurierten Zahl
che Repräsentatiuierli
kontin
daher
und
vorstellungshafte, d.h. partikuläre,
sagen: ein Bild
auch
kann
man
oder
it
Vielhe
en
geeint
t
onsweise einer diskre
von einer Zahl.
schreibt, und nicht den Aspekt, daß es sich dabei letztlich
um eine Denkbewegung
den Nous)
(nämlich um eine Bewegung des sich selbst denken
handelt, betont - auch
Hervorgang über
noch einmal etwas anders: sofern das Eine sich bei seinem
alles er-
Weise allem Anteil gibt und
streckt, an seiner einenden Potenz in ungeschiedener
fern dieser Hervorgang ein einer und selbiger ist,
insobringt es das Kontinuierliche ins
en Teil der Vielheit be-
Sein; sofern hingegen sich die einende Potenz auf jeden einzeln
theit ‚haltmacht‘ und diesem
zieht, d.h., sofern das Eine bei jeder einzelnen Bestimm
gibt, komunt durch diesen
Einheit
ten
bestimm
sich
für
einzelnen den Charakter einer
Hervorgang diskrete Vielheit ins Sein.
im 1. Teilkapitel aufgeführt:
308 Dazu s. ausführlich unten Kapitel VI. (die Aporien werden
ab S. 576).
229
Die bei _weitem vorherrschende Darstellungsmethode wissenschaftlicher
Gegenstande und Sachverhalte in der platonisch-aristotelischen Tradition ist
die didaktisch-anagogische Methode. Erkenntnis setzt sich nicht aus Dingen
zusammen, die man wie eine Ware handeln kann, sondern Erkenntnis ist
eine vom Erkennenden selbst zu erfüllende Aufgabe. - Das Wissen fließt
wie Platon im Symposion sagt (Smp.175d3-7), nicht einfach von dem Lehrer
auf den Schüler über, wenn dieser sich in dessen Nähe aufhält. Daher muß
sich die Vermittlung von Wissen nicht nur nach dem Gegenstand sondern
vor allem auch nach der subjektiven Beschaffenheit und Aufnahmefähigkeit
des Erkennenden richten, weil dieser aktiven Anteil an dem Wissens er erb
hat und das Erkennen nicht einfach ,erleidend’ erlebt.
“me
Menschliches Erkennen beginnt mit der Wahrnehmung. Erst dort, wo die
Unterscheidungskompetenz der Sinne nicht mehr zur widerspruchsfreien
Erkenntnis ausreicht, werden höhere Erkenntnisvermögen betätigt, deren
Erfassungsweise differenzierter und deren Erkenntnisinhalte konkreter sind
Die Differenzienung besteht darin, daß der zu erkennende Gegenstand zunet n end genauer von allem, was nicht dieser Gegenstand ist, abgegrenzt
Dies geschieht 1. dadurch, daf alle die (wahrgenommenen) Merkmale
ausgeschieden werden, die zu dieser Abgrenzung nichts beitragen, weil sie
entweder mit dem zu erkennenden Gegenstand nicht immer und nicht not
wendig verbunden sind, oder weil sie auch anderem, von dem Ge enstand
Verschiedenem zukommen. 2. geschieht die Differenzierung dadurch daf
das begriffliche Prinzip derjenigen (wahrgenommenen) Merkmale die der
Einheit und Identität des gesuchten Begriffs nicht widersprechen e ittel
und als Teil des Begriffs hinzugesetzt wird.
i
ia
kin Brkermenisgewinnung erfolgt also - nur das sollte bei dieser kurzen
en 7 È 8
et werden - nicht unmittelbar und nicht rezeptiv, sondern
ein rozef nacheinander ausgeführter Akte des Unterscheidens.
Meikdiesen Bedingungen des Fortschreitens des Erkennens orientierte
panini ae demnach die auf diesem Weg durchlaufenen Stufen mitvollen von dem jeweils betätigten Erkenntnisvermögen vollzogenen Erkenntnisakten die entsprechenden Erkenntnisgegenstände ,an-
Seite 13
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)3. Zur Funktion ,musiktheoretischer’ Passagen in der Arithmetik
tiven Erkenntnisfähigkeit
bieten’. Zu den abgeleiteten und gemäf der subjek
tuierten Gegenständen
konsti
ft
nscha
Wisse
igen
der ‚Schüler‘ in der jeweil
flichen Unterscheidungehören auch bildliche Repräsentationen von begrif
gen.
Erstes Fazit aus der Zusammenfassung der Thesen:
Arithmetik, weil sie
Die figurierten Zahlen haben deshalb einen Platz in der
2. Hilfsmittel sind
sie
weil
und
sind
n
Zahle
von
zen
1. anschauliche Instan
anagogische Wisdie
sich
beim Aufstieg zu begrifflicher Erkenntnis, derer
senschaft bedient.
sind späteren KaDer Beweis und nähere Erläuterungen dieser Thesen
piteln vorbehalten (s. Kapitel III und VI).
Ergebnis:
des NikoFür die Frage, inwiefern der ‚geometrische Teil’ in der Arithmetik
eigentlichen
zur
hat,
Gegenstand
zum
machos, der die figurierten Zahlen
Der Abschnitt
Arithmetik dazugehört, ergibt sich damit folgendes Ergebnis:
des
Berücksichtigung
unter
der
in
Stufe
eine
ist
Zahlen
figurierten
zu den
durchgeErkennens
menschlichen
Fortschreitens und der Schwächen des
was Zahl von sich
führten Vermittlung eines konkreten Begriffs von dem,
selbst her ist.
3
Zur Funktion der „musiktheoretischen’ Passagen
in der Arithmetik
Analoges läßt sich als Antwort auf die Frage sagen, welche
Funktion die
il der Arithmetik
Betrachtung der relativen Quantitäten im zweiten Hauptte
hat.
den Begriff
Ansatzpunkt für eine Antwort ist die Erkenntnis, daß man
er man
Entwed
kann.
men
bestim
der Relation auf zwei verschiedene Weisen
einer
zu
Zahl
en
einzeln
einer
die
haft,
Eigensc
eine
versteht unter ‚Relation‘
eit der
Gesamth
die
r
darunte
t
versteh
man
oder
t,
zukomm
Zahl
anderen
diese Eigenschaft
Momente, die dazugehören, damit einer einzelnen Zahl
ng ein, wie
cheidu
Unters
dieser
hinter
zukommen kann. Wiederum steht
e:
Gedank
er
einfach
kann,
machen
klar
s
Beispiel
man sich anhand eines
n
Man kann, wenn man von einer Relation spricht, z.B. von der Relatio
ten,
betrach
n
insofer
Zwei
Zahl
der Zahl Zwei zur Zahl Vier, entweder die
kann ihr
als sie in einem bestimmten Verhältnis zur Zahl Vier steht und
die Eials
h
nämlic
haft,
Eigensc
und
t
Prädika
als
n
Relatio
mte
diese bestim
genschaft, die Hälfte von Vier zu sein, zusprechen.
DieMan kann aber auch das Relationsverhältnis als Ganzes betrachten.
n zwischen
ses Ganze besteht aus den Zahlen Zwei, Vier und der Relatio
und
diesen beiden Zahlen, also aus zwei Grenzen bzw. Anfang und Ende
als
ist
hältnis
Zahlver
dieses
t:
bedeute
Das
einer diese verbindenden Mitte.
Zahl
die
auch
wie
so
Teilen,
mten
bestim
aus
Einheit
eine
um
ganzes wieder
231
Zwei eine Einheit aus bestimmten Teilen ist. Denn auch die Zahl Zwei setzt
sich aus miteinander verbundenen, d.h. miteinander in einer bestimmten
Beziehung stehenden, Finheiten zusammen. Man denkt ‚Zwei‘ als Zusammensetzung einer Einheit mit einer weiteren Einheit. Man kann also auch
bei der Zahl Zwei, wenn man sie isoliert für sich betrachtet, von einem ‚Relationsganzen’ sprechen, d.h. von einem Ganzen, das sich zusammensetzt
aus zwei Grenzen und einer diese verbindenden Mitte. Bei größeren Zahlen
wird diese Mitte entsprechend komplexer sein, für die Frage nach dem Prinzip der Konstitutionsweise ist der größere oder geringere Komplexitäts rad
aber nicht von Belang, sondern die Erkenntnis, daß jede Zahl - und über.
haupt alles, was etwas ist - zwei Grenzen (=Anfang und Ende) und ein
diese verbindende Mitte haben muß, um eine Einheit und ein Ganzes à
sein, behält auch bei komplexeren Zusammensetzungen ihre grundsätzliche
Gültigkeit. Jede Zahl muß in analoger Weise wie die Zwei als ein Ganzes aus
Teilen, nämlich aus Anfang, Mitte und Ende gedacht werden. Folglich
macht = durchaus Sinn, wenn man erkennen will, was Zahl für sich betee)
achtet ist,
ren crachtungen
au
ac
über
ü
môgliche
ögli
Relationen zwischen
i
(isoliert
Dieses Begriffsverständnis kann deutlich machen, daf? die Zahlenrelationen innere Konstitutionsbedingungen von Zahlen und nichts diesen Äußerliches sind, d.h., daß die Relationen zusammen mit den Termini ein geeintes
Ganzes bilden (nämlich: spezifisch oder individuell bestimmte Zahlen) und
È mern bei dem Übergang von dem ersten Teil der Arithmetik des Niomachos zum zweiten Teil nur ein Wechsel der Betrachtungsperspektive
vorgenommen wird. Die Perspektive schwenkt auf den Aspekt der Gleick
heit und Ungleichheit, der die Verhältnisse der Teile einer in bestimmt u
Melse geenen Vielheit untereinander und zu dem Ganzen bestimmt
und
(Zweiheit bzw. Vielheit), im Vordergrund gestanden hatten
7
ul den diese zurückgeführt werden können,
i
:
i
nierender Aspekt die Möglichkeiten der Zusammen suna von Garaden
und Ungeradem, also die Prinzipienfunktion von Monas (Einheit) und Dyas
| Auch diese neue, auf Relationen gerichtete Perspektive ist ebenso weni
cin Ausflug’ in die Musiktheorie, wie die figurierten Zahlen ein ‚Ausflug‘ in
ie Geometrie sind. Sondern sie ist ein Teil der Wesensbestimmun der 7 hl
an sich (die dann als solche auch (aber erst sekundär) eine Vorarbeit fü di
eigentliche Musiktheorie darstellt).
a
Wie diese konkret durchgeftihrt wird, ist Thema der Kapitel V und VII
von Teil II (des Kapitels über die verschiedenen Stufen von Zahlbegriffen
un des Kapitels über die Zahldefinitionen). In dem Zusammenhang mit
der
inteilung der geraden und ungeraden Zahlen wird sich das, was im
fol
genden beispielhaft ermittelt werden soll, nämlich die Rückführun auf
obersten Prinzipienpaare, in der Möglichkeit der Zurückführung der Unter.
Seite 14
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)schiede der Zahlarten auf die Dominanz von Monas bzw.
schiedenen Zahlen wiederfinden lassen.
4. Gliederung von Teil I
Dyas in den ver-
Aufgabe, die scheinbaren Übertretungen und Überschneidungen mit andeten
ren Wissenschaften im Rahmen einer Untersuchung, die einer bestimm
.
erklären
zu
ist,
t
Disziplin gewidme
Dabei zeigte sich, daß der Eindruck des Mangels an Konzentration auf
unzureiden eigentlichen Gegenstand der Arithmetik zum einen auf einen
unzureieine
auf
anderen
zum
und
nd
Gegensta
diesem
von
chenden Begriff
ungsmethode
chende Reflexion auf die angewandte Darstellungs- und Vermittl
zurückzuführen ist.
Alle Teile der Arithmetik des Nikomachos haben die ‚Zahl für sich
betrachtet‘ zum Gegenstand und ermitteln die diesem Gegenstand wesentsie
lich zukommenden begrifflichen Momente. Sie tun dies dadurch, daß
dieses
aften
Eigensch
dene
verschie
aus
iven
Perspekt
edenen
von verschi
einen Gegenstandes herausheben. Diese unterschiedlichen Perspektiven
korrespondieren unterschiedlichen Erkenntnisweisen und folgen aufeinan
den
von
ns
Erkenne
ichen
menschl
Aufstieg
der
sich
der
in
der in der Weise,
niedrigeren zu immer höheren und differenzierteren Erkenntnisweisen vollzieht.
4
Erläuterungen zur didaktisch-anagogischen
3.
weitere Untersuchungen z
In dreierlei Richtung müssen also die bisherigen Ergebnisse noch näher
erläutert und begründet werden. Dies betrifft
die Herleitung der vorausgesetzten Abgrenzung der spezifischen
1.
Gegenstände der einzelnen Disziplinen,
o
uf
die
Antwort auf die Frage, ob es sich bei diese
m Gegenstand um etwas Be ‘ffi.
wichtiger, oder sogar der entscheidende Schlüs
platonischen Mathematiktheorie ist. Wenn aber
sel zum Verstä Imis der
in der
senschaft und Wissenschaftstheorie nicht nur das,
en ee nach ist, sondern auch
abgeleitete
tet werder À
|
n muß
druck des Überwiegens des Monadischen ist, während das Disjunkte auf einen größeren Anteil des Dyadischen schließen läßt.
lat : isch n vie
was ine Sache theo
Instanzen betrach.
eine Begriffsbestimmung des Gegenstand
ungen zur Methode der Darstellung des
Erkenntnis
s ‚Zahl‘ mit
in der platonischen Wissenschaftstheorie
und -praxis beginnen: dies
nen tile stdieselling der anagogisch
en Methode in ihren verschiedeErkennen an Verhältnis zu dem,
was erkannt wird (also zu dem
schiedenen moglichen Ertan
wie en) erforder [ral
en ver
(zur {nagogik - am Beispiel der Einheit des te
s per
N Aapite I
Ze itn orn tend einen Beweis
dafür zu erbringen, daß es sich bei
Zaten [n pr en Sinn tatsächlich um
etwas Begriffliches, Allgemeines
und Malen
ara
Adres, d.h auch: nicht um subjektive, abstra
kte
gewonnene) Begriffe handelt [Teil
Daran wird sich
chee ce NiBe anzuschließen haben,
um was für eine Art des BegriffliVerhältnis diver eine Be
der Zahl handelt und in welchem
instanzen steht [Teil IL, Kapitel V (Zha
n ecelteien Begriffen and
vatin
mn „orisetzung des unter (3.) Ermittelten
309 Damit ebenfalls zu erklären ist die Unterscheidung zwischen kontinuierlichen und
nicht stetigen Analogiereihen: so ließe sich zeigen, daß die Möglichkeit der Verknüpfung zweier Terme über eine einzige Mitte - ie. eine kontinuierliche Analogie - Ausbi
ches oder um etwas (bloß subjektiv) Vorgestelltes handel
t. Die bish ae
vorgetragene These besagte, daß Zahl an und für sich etwas
Be jffich ol
und daß die Erkenntnis dieser begrifflichen Natur der
Zahl Außerd. m ein
It Kapitel IV ang panna Beerpo
Gliederung von Teil II
Methode
chungen letztlich verweisen maten, name sar aie Frege Was tee
n
Gegenstand ‚Zahl‘ eigentlich?’
Res
lesen
Diese letzte ist die alles entscheidende Frage,
und sie erfordert zu il
Beantwortung eine Eingrenzung des Status dieses Gegen
standes dh ine
der Arithmetik
spunkt diebehandelten Gegenstände und Themen folgen könnte. Ausgang
Mathemacher
platonis
n
Traditio
gesamte
ser Überlegungen war die für die
einzelnen
der
ände
Gegenst
der
ung
Abgrenz
exakte
gende
tiktheorie grundle
vor der
mathematischen Disziplinen. Hält man an dieser fest, steht man
2.
und zu de
Frage, welche Schlußfolgerungen aus dieser Besti
mmung der M t de für
die Einheit der Arithmetik gezogen werden können
, und BOT
eee fi
Zusammenfassung:
agen werIm vorangegangenen konnten erste Indizien dafür zusammengetr
den, welchen Prinzipien die Auswahl und Reihenfolge der in
233
Parken 6
die grundsätzliche
ischen der Allgemeinheit des primären Begrif
fs und der
et del ren Begriffe
sowie der Zusammenhang zwischen
den
ari
nuierlichkeit bzw. Vorstellbarkeit referi
ert und mi
hare een
Zahlen ein besonders wichtiges Beispiel
vorgeführt
werden,
Zaho
ll 6, und dh. auch: bildlich-figürlich
e, also ‚kontinuierliche
sind und ane i zene Eisen’, d.h. nichts in und
an sich Widersprüchliches
tonisc
hen hatespe pee Funktion abgeleitete
Za a er el [Teil
Zahlinstanzen in der pla-
IL Kapitel VI (Vorstellbarkeit von
Seite 15
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)pien
Ergänzung: Nikomachos und andere neuplatonische Quellen
Teil II - I. Allgemeine methodische Prinzi
suchungen gezogen
kann die Quintessenz aus all diesen Unter
(5.)
retation des ersten
Interp
eine
für
ze
werden, indem versucht wird, 1. Ansät
2. in einer Art
legen; indem
Hauptteils der Arithmetik des Nikomachos vorzu
den Kapiteln zur Anagogik,
zu
Bezug
den
wird,
cht
versu
Zusammenfassung
herzustellen,
egriffen
zum primären Zahlbegriff und den abgeleiteten Zahlb
über das Verhältnis der
3. insgesamt zu einem abschließenden Ergebnis
tik, zu kommen, 4. ein
Dialek
zur
d.h.
ophie,
Philos
n
Mathematik zur Erste
ntnisvermögen, verErken
Resümee über den Zusammenhang zwischen
tnis- und VermittErkenn
nen
hiede
schiedenen Begriffsebenen und versc
alle diese verschießlich
schlie
5.
und
n
ziehe
zu
lungsarten von Erkenntnis
Vielheit zurückund
t
denen Aspekte auf den Crundunterschied von Einhei
tion und primärer Begriffl.
zuführen [Teil II, Kapitel VII (Mathematische Defini
den Erartes
den
zu
sätze
gebnissen aus Teil I, in dem verschiedene Forschungsan
der
lung
Darstel
htigte
beabsic
die
liberales diskutiert wurden, folgern, daß
der
in
ms
ssyste
schaft
Wissen
schen
platoni
des
begrifflichen Grundlagen
weiteren Vorgehens aus
Insgesamt kann man für die Methode des
, mit dem
finden können
Sekundärliteratur keinen ,Gesprachspartner’ wird
cheidungen und
eine direkte Auseinandersetzung der vorgestellten Unters
e moderne Forgesamt
die
nahezu
Denn
Begründungen stattfinden könnte.
Zumindest gibt
zurück.
ndig
vollstä
fast
Gebiet
diesem
auf
sich
schung hält
es (soweit ich sehe) keinen zusammenhängenden
Versuch einer systematilichen Grundlagen
schen Rekonstruktion bzw. Zusammenfassung der begriff
ystems.
chaftss
dieses Wissens
schließen soll,
Das folgende versteht sich als ein Beitrag, der diese Lücke
mit antiken
Dialog
dem
in
hend
weitge
h
Versuc
Daraus folgt aber, daß dieser
ikern aus
Theoret
von
gen
tierun
Kommen
und
n
erunge
Erläut
Texten und mit
expliohne
und
selber
n
der platonisch-aristotelischen Wissenschaftstraditio
durchung
Forsch
en
modern
genden
vorlie
zite Auseinandersetzung mit der
geführt werden muß.
des
Ergänzung: Nikomachos, Kommentare zur Arithmetik
n
Quelle
he
tonisc
neupla
e
weiter
und
achos
Nikom
die für diese
Die wichtigsten Informationen über die Texte und Theoretiker,
cksartig zuüberbli
hier
Art der Interpretation relevant sein werden, sollen
sammengestellt werden. Der Anspruch ist dabei
weder, einen Überblick
vollständige
über alle wesentlichen biographischen Informationen und eine
berliefernicht-ü
Auflistung und Zusammenfassung aller überlieferten und
lediglich
werden
es
n
sonder
ten Werke der genannten Autoren zu bieten,
The„Die
Thema
das
auf
Blick
mit
die
n,
gehobe
die Aspekte an ihnen heraus
keine
auch
ich
habe
dem
Außer
sind.
t
relevan
ismus“
Platon
im
Zahl
orie der
gen abgege‚objektive‘ Darstellung angestrebt, sondern habe auch Wertun
tungen
Behaup
bloße
und
aft
thesenh
nur
ben, die an dieser Stelle freilich
der
nntnis
Textke
und
n
Studie
che
gründli
auf
jedoch
die
,
bleiben müssen
erwähnen Schriften und ein auf dieser Grundlage gebildetes
235
kritisches U
te muro gehen und von deren fundamentum in
re man sich, wie ich hoffe,
auch
bei der Lektüre dieser Arbeit wird überzeugen können
|
7
Nikomachos von Gerasa
Jebte vermutlich um 100 n.Chr. Außer der in dieser
Arbeit i
i
„Eintihrung in die Arithmetik” (=Arithmetik) Ana
r cave) del
vondnetmi anderem auferdem noch eine musiktheoretische Schrift
(ein
‚Hand en Nien (appovixoy éyxeiptdiov) erhalte
n. Mit beiden
eu
machos ausdrücklich in die (neu)pythagoreische und
pl2 epezifiaches x mn ane vermittelt in seinen mathem
atischen Traktaten
en Ken
se die als Basiswissen für das Verständnis der
lente rem und
auch für weiterführende (pythagoreische) manicht dahingehend agen fungieren (s. Nicom.Ar.104
,1 4). Das darf aber
when Ken mi verstanden werden, daß die
vermittelten mathematieigenen inhaltlÈichen Anepruch uni ye wien
selen, sonder
ee
n
nes x ohne
in
i
Ameri enthait sowohl das einfache begriffliche
Pundament in Gian eh
Hem TA auch die begrifflichen Prinzipien,
die die ganze Wisseneae
]
eke en enden. Das, was Nikomachos bietet,
ist sowohl ein
h eine dialektisch vollendete Mathematik
Nur
äÈ
sich, wieso die Arithmetik des Nikomachos selber
prise n mentare und einer bis in das
wieder Gegenstend ne |
hohe Mittelalter reichenden
racine a ne us und der Kommentierung dieses
Textes werden
ad ‘ ” sac he, daß ein Text kommen
tiert wird, bedeute
t - zuherrscht, der Text
de
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S
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aesbion) ens n seiner ganzen Bedeutung
erst (durch ne Ver
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den Blementarunter
richt aber pesca
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venean polchen Schriften orientiert Sich ja
an de aes wana tenes
eicht verständlich sein kann.
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Theon von Smyrna
lebteTat
in hadria
der
nis er Zeit,
ae anisch
i also zu Beginn
i
des 2. Jahrhunderts n.Chr. Bereits
ea
ne «in gen von ihm erhaltenen Werks, die
„Darstellung der maten von Nutzen sind ände, soweit sie zur Lektüre der platon
ischen SchrifPlatonem utilium,i rà LES er
ba
I Vathem
ATIKO
Xprimiatica
pua sicrn Ce
T
o e
a) went seine Zugehörigkeit zum
Platonismas und.ie Ver.
‘ho a
Ue seiner Schrift mit dem der
Arithmetik des NikomaPeroni srundie at Artihnnelik besteh
t aber darin, daß Theon einen
ten des Oe genden egriffe und Gegen
stände aller vier Wissenschafviums bieten wollte. Wegen einer kompli
zierteren Überliefe-
Seite 16
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)Ergänzung: Nikomachos und andere neuplatonisc
he Quellen
der (urspriinglirungssituation ist in bezug auf die Expositio die Frage nach
ndige Ausvollstä
der
nach
und
chen bzw. intendierten) Einheit des Werks
in bezug
als
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führung dieses Untern
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Theon
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tik.
auf die Arithme
méglider
t
Vielhei
die
und
Nikomachos darum, den Grad an Komplexitat
matheder
hkeiten
smöglic
iierung
Instanz
chen Zusammensetzungen und
dominieren in
matischen Sachverhalte deutlich werden zu lassen. Daher
allem nimmt
vor
und
seiner Schrift auch musiktheoretische Ausführungen
ein.
Raum
n
größte
weitem
die Behandlung der Astronomie den bei
lamblich
ist ein Schüler des Plotinschülers und -herausgebers Porphyrios
und lebte
mit
vermutlich von 240/50 bis 325/26 n.Chr. Die Gemeinsamkeit
Nikomawie
chos besteht darin, daß auch lamblich ebenso zur (neu-)pythagoreischen
man
wenn
bereits,
sich
ergibt
Dies
gehört.
zur (neu-)platonischen Tradition
sich - übrisich einen Überblick über seine Schriften verschafft, unter denen
Pythagoras
des
gens wie bei Nikomachos auch - eine Lebensbeschreibung
grundPoliteia
der
Buch
7.
im
findet und eine Darstellung der von Platon
de
Titel:
amigen
gleichn
dem
(mit
scientia
tica
gelegten communis mathema
émoTnpng),
ixiys
pabqpat
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TAG
mepì
,
scientia
atica
mathem
i
commun
ten Werkes sind,
die zwei Teile eines ursprünglich in zehn Biichern angeleg
upt biedas cine Einführung in das (pythagoreische) Philosophieren tiberha
wichtigen
allen
zu
gen
tierun
Kommen
seine
sind
n
erhalte
Nicht
e
310
ten wollt
(im neuplatonischen Curriculum, das von ihm kanonisch festgelegt wurde,
über die
zu lesenden) Platonischen Dialogen”! Seine Abhandlungen
Bedeutung
große
cine
e
Theurgi
der
auch
er
daß
zeigen,
Orakel
schen
chaldäi
en
beimaß, auf jeden Fall aber die uns geläufige radikale Trennung zwisch
behanzierter
differen
ität
Rational
r
phische
Religion(spraxis) und philoso
Maß - aus
delte. Das kann man auch - wenn auch in graduell geringerem
der ebeneßen,
erschli
seinem Kommentar zur Arithmetik des Nikomachos
und der
gehörte
erk
rungsw
Einfüh
falls zu dem genannten zehnbändigen
hs
Tamblic
en
Schrift
den
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natürlich für die Nikomac
ase
Paraphr
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erkläre
eine
ist
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Kommen
Dieser
ist.
Quelle
ste
wichtig
die
der Arithmetik, die insbesondere in bezug auf die zu erschließenden begriffolichen Grundlagen und Prinzipien der einzelnen mathematischen Operati
nen hilfreiche Ergänzungen bietet.
Johannes Philoponos
war ein Schiiler des Ammonios, des bedeutendsten Oberhauptes der neuplatonischen Schule in Alexandria, und gehörte dem christlichen Glauben an.
Er lebte etwa zwischen 490 und 575 n.Chr. in Al
allem seine Kommentare zu den Pra
De anima, zu De generatione et corruptione,
s Revived.
311 S dazu Verf, Der Philosophieunterricht im Platonismus der Antike.
i
ichti
|
“Aristotelee (our und vor
mide, pini Mi mm
seine Sent die sich mit der Frage der Ewigke
it der Welt pelati
| in welchen
auch‘a wonder en des Proklos,
gegen den Philoponos sich in dieser
Shri rde Den e ert sind (, De
aeternitate mundi contra Proclum”)
ra
chriften, die sich mit einzelnen wissenschaft
lichen Disziplinen |een, met auch Philoponos so wie
Iamblich einen Kommentar ur
Ariel ee Text (neh verfaßt.
Dieser Kommentar besteh
t im Unter.
Kommentierung en oder weniger)
kontinuierlich paraphrasierenden
Vorlesangen bey. ane 8 voll aus Auszü
gen aus einer Mitschrift der
nen
De Koa
a des Ammonios über die Arithmetik
des Nikoan Kom ni ar ietet Erläut
erungen solcher Stellen, die im Text
een weal ern en mögen
oder sonst irgendeinen Anstoß errege
n
liche Funda1mer
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ment oder auchin Habi
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Konsequenzen
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age ee ice es sich ausschließlich
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ind wenn ia A monios andelt, oder ob
Philoponos selber etwas beiträ t
Skopos dieser fa ae
enischieden werden muf&,3!? ist für den
oe ts i Unterschiede zwischen Ammen
ios enSeinem Schalen hile .
po a 5 on alten
, die beiden sicher zugeschrieben
werden können)
des Wie m ematischen
Gegenstände und ihre Einordnung
in
Kommen as 7 m pusmachen
lassen. Ich ziehe die neuplatonischen
ler Theat vena os zur Darste
llung und begrifflichen Begründun
an Neto an latonismus”
heran und verfolge damit nicht pri.
nj
en er ee an der Überlieferung
nicht erfort
en
und an der historischen
issenschaftstheorie. In dieser Perspe
rlich, den Prozeß der Entstehung
tare im Detail T achzuvollz
iehen und selber
ktive ist
der vorliegenden Kommen.
ins Zenir
trum der
Bet ac } tun gen
Proklos,
geboren am 7.2.412, gest
8
8 orben am 17.4.485, war ein Schüler
Syri
der
Ka maupt der Platonischen Akadem
ie in Athen war a
ein
ntar (u.a.) zu den beiden letzten Büch
ern der Aristotelischen M etu2 S. d az u aber Eti enne É
Evr ard, Cian Phi lopon
Le)ON, 50)n Com ental
taire sur
su Nico
COINique
(di
et t 5 ses
rapports avec
2
VI
Ammonios , in:n: R Revue
d
3
a}
T
a
313 S. aber
Era
se
ps
t zur Frage der Möglichkeit der
ermitschriften: Rainer Thiel,
310 5, insgesamt zum Aufbau dieses Werkes: Dominik O'Meara, Pythagora
Mathematics and Philosophy in Late Antiquity, Oxford 1989, bes. 30ff.
ie
237
Ammonios ‘Komment
ar
Rekonstruktion der Lehre des Ammoni
monios aus
Einleitung in Ammonios’ Leben
und Werk
erk undund in
zu r Kategor
& iensc
ns l uift, in: C ommentar
ia
aiin Aristotelem Graec a
Versiones latinae temp
d
pPoris resuscitatarum litte
rarum (< a AGL) A hg . VI on
Char
arles
les Lot
Ammonius, Co:
Ory,
i
Thiel)
2002, ,
nınentarium in
;
Ari
decem Categorias
Aristotelis (mit einer Einl. von Rainer
Seite 17
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)e Prinzipien
dem er sich mit der Kritik, die
Aristoteles an der
physik erhalten ist, in
en
vortragt, auseinandersetzt und dess
platonischen Ideen- und Zahlenlehre
nicht hoch
der platonischen Mathematik gar
Bedeutung für das Verstandnis
er gibt zur Verteidigung gegen die
genug eingeschatzt werden kann. Denn
n
und zusammenfassende Darstellunge
referierten Vorwürfe kurze Abrisse
eismus zugrundegelegten primären
zu dem im Platonismus und Pythagor
anzen.
Zahlbegriff und dessen abgeleiteten Inst
hoch geschätzten Lehrers desProklos trat nach dem Tod seines von ihm
Akademie in Athen an. Er ist zweisen Nachfolge als Schuloberhaupt der
Kommentator Platons. Von seifellos der bedeutendste Neuplatoniker und
tiv kleiner) Teil erhalten. Darunter
nem umfangreichen Werk ist nur ein (rela
entare zum platonischen Parmesind die bedeutendsten Schriften die Komm
e eine Sammlung von kommentienides, Timaios und Großen Alkibiades, sowi
dem ein Kommentar zum 1. Buch der
renden Traktaten zur Politeia, a ußer
zusammenfassende Darstellung der
Elemente Euklids und eine systematisch
Platonica#) in sechs Büchern. (Große
platonischen Theologie („Theologia
nsgeschichte hatte die Elementatio
Bedeutung in der neuzeitlichen Rezeptio
pe Zusammenfassung von an andeTheologiae, die allerdings nur eine knap
entar zum Parmenides zu nenrem Ort (vor allen anderen ist hier der Komm
stücken bieten will und in ihrem
nen) begründeten und hergeleiteten Lehr
Wert hinter den anderen erhalteninhaltlichen oder systemerschließenden
grundsätzlicher Bedeutung ist
den Schriften eingeordnet werden muß.) Von
für die Frage nach der Einheit
für die platonische Wissenschaftstheorie und
ftlichen Abhandlung besonders
einer Wissenschaft bzw. einer wissenscha
ematiktheorie und die Lehre von
der Kommentar zum Timuios; für die Math
e nach dem Verhältnis der Arithden figurierten Zahlen sowie für die Frag
ersten Buch von Euklids Elemenmetik zur Geometrie der Kommentar zum
und die erkenntnistheoretische
ten und für die begriffliche Analyse der Zahl
der höchsten Begriffe die TheTundierung der Arithmetik in der Hierarchie
ologia Platonica (v.a. die Bücher II und IV).
, die Conso
, während deren er sein bekanntestes Werk
Anicius Manlius Severinus Boethius
familie geboren und erhielt eine
wurde um 480 als Erbe einer reichen Adels
liche Ausbildung in und mit
umfassende Bildung, vor allem auch eine gründ
Plotins. Im Zuge politischer Intriden Schriften des Aristoteles, Platons und
einer gewissen Zeit unter
gen, in die er verwickelt wird, wird er 524 nach
latio philoaments des Platonismu
lung des wissenschaftstheoretischen Fund
Hausarrest
hingerichtet. Sein besonderes
sophiae („Trost der Philosophie”) verfaßte,
nischen mit der aristotelischen
Anliegen war es, die Vereinbarkeit der plato
otelischen Schriften ins LaPhilosophie zu beweisen. Sein Projekt, alle Arist
konnte er nur zu einem kleiteinische zu übersetzen und zu kommentieren,
tragung und Kommentierung
nen Teil verwirklichen (nämlich nur die Über
für die Absicht, eine Darstelder Schriften des Organon); dasselbe gilt auch
s, d.h. der
Ergänzung: Nikomachos und andere neuplatonische Quellen
.
se
O
.
7
.
o
239
klin fiir die Wissenschaftstheorie des
Platonismus
des.
in
das lateinische Mittelalter nahe zu seine
i
gesamten
Kenntate
mathematische
n Disziplinen1 der artes liberales, 2 zu verfa ssen. Erhalten sind
ù
vn ahnendie Darstellung
der
Arithmetik
(Institutio
arithone
)
und
> de
andlung der Musiktheorie (Instituti
si
ie
Institutio arithmetica
ist
weitestgehend
eine
freie,
u
“den
Ten
Die
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Übertragung der Arithmetik des Nikomachos ins Lateinische Von gr
Ber
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,
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Nikomachos im besonderen erworben hat.
|
er
Schrift des
nisse von dieser platonischen Tradition im allgemeinen und der S heit de
Simplikios
3
_
:
I
für Zitate
war zweifelsohne
els
der | bedeutend ste (und
‚wissenschaftli
‚wis:
aftlichste’)
späätanti
4
ande „ommentator. Seine Schaffenszeit liegt in der ersten
bake
rand er n ine wissenschaftlichen Kommentare sind
nicht nur phil 0.
N
ph a nose isha bedeutsam, weil sie eine der Hauptquellen
L
E 1
ntersuchungen
|
über das genaue Verhältnis
almi besti
o
und ang verso ratischer und pythagoreischer Philosophen
sind ‘son
den in nn wer en auch auf höchstem begrifflichem und
kritisch reflek
)
platonischer Lehren zu mit demselben Thema befaßten scheinbar
lesen
Maas rechenaen
aristotelischen
Positionen
angestellt. Die Philosophie des
teein ausgezeichnetes
sgezeich
Beispiel zur Wiiderlegung der
]
der nalven Autorititenglaubigkeit und des sektiererischen mors
enden
rangs
nes
ni
Neuplatoniker,
weil
die
These
der
Vereinbarkeit
von pla.
en
aristotelischen
n Lehreni bzw. . auch mit
mi bestimmten
i
vo
i-.
se enen: picatischen) Positionen nicht dogmatisch vorausgesetzt
E
ichen begrifflichen Analysen
a
erst auf eine n
‘rationale
i
i
Weise hergeleitet und
erschlossen
wird.
Simplikios
hat
n
an
gattonale
aoe ristoteles De anima und einen
wissenschaftlichen
Komm
a
ilar
zu
an Terrence Categoriae verfaßt, der auch im Mittelalter
and
Zwar
'st seit der von
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Wilhelm
k
von
Moerbeke
erbeke
im
13.
Jahrhundert
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angefer.fete iit die eee - stark rezipiert wurde.
Beide en
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setzt.
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Ss i ic] 1er kenntnissen
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nennt
Win TSC eßung des erkenntnistheoretischen
Hintergrunds
der
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Wen
re
von
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Bedeutungen,
weil
Simplikios
in differe
enter Wel ossen und Gründe der platonischen Lehre
von dem di.
Unterschied zwischen Vorstellungserkenntnissen "rationalen
n
Erkenntnisse n
und Zucinander in Beziehung
Priscianus
Lydus
war ei
.
te
war cn,
Zeltgenosse des Simplik
ios
und
gehört
wie
dieser
zu
der
G
sophen, die nach der Schliefung der Platonischen Akade
me
Seite 18
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)ChosAthen durch Justinian 529 n.Chr.** an den Hof des persischen Königs
roes emgigrierten. An Chosroes richtet sich auch eine kompendienartige
(nur in lateinischer Übersetzung überlieferte) wissenschaftstheoretische
persaSchrift mit dem Titel „Solutiones eorum de quibus dubitavit Chosroes
rum rex”. Erhalten ist ein Kommentar Priscians zur Seelenlehre, der eine
Metaphrase einer Schrift des Aristoteles-Schülers Theophrast ist.35 In seinem Werk wird der dominierende Einfluß des lamblich deutlich. Priscian
erdrtert3!6 die Probleme, die sich bei der Interpretation der aristotelischen
Seelenlehre ergeben (z.B. die Probleme im Zusammenhang mit der Frage der
Binnendifferenzierung innerhalb des Bereichs des Intelligiblen und der Abgrenzung zwischen den Hypostasen Seele und Nous und die Frage der substantiellen Unveränderlichkeit und Unsterblichkeit der rationalen Seele),
nämlich jeweils in der Weise, daß er der besonderen Akzentsetzung und
Perspektive des lamblich folgt, d.h., in der Weise, daß er die relative Defizienz und geringere Bestimmtheit, Einheit und Selbstandigkeit (usw.) der
menschlichen, partikulären Seele bzw. des intellekthaften Teils der mensch314 G, dazu ausführlich und zum Schicksal auch der anderen bedeutenden Neuplatoniker
dieser Zeit (z.B. des Simplikios): Rainer Thiel, Simplikios und das Ende der neuplatonischen Schule in Athen, (Abh. der Akademie der Wiss. u. der Literatur, Mainz), Stuttgart 1999 und Henry J. Blumenthal, 529 and its Sequel: What Happened to the Academy?, in: Byzantion 48, 1978, 369-385.
gänzung:: Nikomachos
Eredi
Ni
und andere neuplatonische
Quellen
241
lichen Seele gegenüber
3
den göttlichen
eöttli
Seelen und gegenü
selber betont. Die starke Anlehnung an
lamblich bedentet auch ds ein
der Tradition steht, die eine Übereinstin
sitchen
a
chen (ru Jp
(neu-)p
)
und Untersuch ungsmethoden
und
em Gedankengut sieht und begr
ündet.
Damaskios
(geb. ~462 n.Chr.) war ein Schüler
des Marinos der Nachfolger des Prok
los
als Oberhaupt der Akademie in Athe
n war D amaskios selber wurde
das
Rire perhaupt der Platonischen
Akademie u nd leite
te diese bis zu ihrer
Sehe ung en des Verbots
(heidnischen) philosophischen
Unterrichts
nnasian im
Jahre 529 n.Chr). Erhalten sind
von seinen
Werke Inteligiblen erdie
ersten Prinzipien“, die sich mit dem Verh
‚Überseiendem’ Prinzi
Kommentar zur ersten Hypothes
is des Parmenides aut, fat
work
owie
ein
sowie
ei umfangreic
icher Kommentar
älti
die ale
zu den Hypothesen 2 bis 9 dieses
Di
die einzigen vollständi 8 erhalten
den Interpretati one
i
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dem flatonischen Parmenides, die
wir haben und sind der and
aa mi
g
$ hohen begrifflich differenzierende
n Niveaus von großer Bedeuil
es
.
.
.
+
7
a
7
315 fernard Bossier und Carlos Steel haben unlängst die Autorschaft des Simplikios des
ihm zugeschriebenen de Anima-Kommentars in Zweifel gezogen und für eine Zuschreibung an Priscianus Lydus plädiert (Fernard Bossier u. Carlos Steel, Priscianus
Lydus en de ,In De anima’ van Pseudo(?)-Simplicius, in: Tijdschrift voor Filosofie 34,
1972, 761-882). Ilsetraut Hadot hat dagegen auf überzeugende Weise die wichtigsten
Argumente, die laut Bossier/Steel gegen eine Zuschreibung des de Anima-Kommentars an Simplikios sprechen, widerlegt bzw. die Behauptung der Notwendigkeit der
hinter diesen stehenden Annahmen zurückgewiesen (Ilsetraut Hadot, Le problème du
néoplatonism alexandrin: Hiéroclès et Simplicius, Paris 1978, 193-202 und dies,
Simplicius or Priscianus? On the Author of the Commentary on Aristotle's De anima
(CAG XI): A Methodological Study, in: Mnemosyne 55, 2002, 159-199). Für den Skopos
dieser Arbeit ist allerdings eine Entscheidung fiir die eine oder andere Seite nicht von
entscheidender Bedeutung, weil die Textbelege aus den neuplatonischen Kommenta-
) eine theologische In terpretation
des platonischen
Textes - trotzdem (oder: eigentli
ch gerade deSwegen)?!7 aber rati
onal argumentierend und wissenschaftlich
reflektiert.
NN. DAE
mn
+" NER
Per CAN
SPAT ow. SWG.
ren und Abhandlungen jeweils nur als Belege dessen, was die gemeinsame Basis aller
dieser - im einzelnen freilich unterschiedliche Akzente setzenden - Theoretiker ist, herangezogen werden. Eine Binnendifferenzierung etwaiger schulinterner Differenzen
spielt auf diesem Begriindungsniveau zunächst nur eine marginale Rolle. S. zu der
Auseinandersetzung über die Autorschaft des de Anima-Kommentars aber außer dem
Aufsatz von Bossier/Steel die kritischen Argumente von Henry J. Blumenthal, The
Psychology of (?) Simplicius’ Commentary on De Anima, in: Henry }. Blumenthal u.
Anthony C. Lloyd (Hgg.), Soul and the Structure of Being in Late Neoplatonism, Liverpool 1982, 73-75 (mit Diskussion 94-95).
316 Das zeigt Carlos Steel in einer wichligen Studie (The Changing Self. A Study on the
Soul in Later Neoplatonism: lamblichus, Damascius and Priscianus, Brüssel 1978). Steel
zieht als Quellentext allerdings auch den Simplikios zugeschriebenen Kommentar zur
Aristotelischen Psychotogie heran, als dessen Verfasser er Priscian vermutet. Zur
Problematik dieser Zuschreibung s. die vorige Anm. 316.
ee
#7 Teilk
S. ;zur
apite
Wiss
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Vilahaft
La lich
se
keit
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Ogisc! her Argumentatio
i
(und besonders 2.1.8.1))
nen unten S. 630f£ (und die