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Schlangenbeschwörung
und Pythagoras
verbindend ...
Der Komponist York Höller—
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Die Partitur von Pli selon pli liegt
aufgeschlagen auf dem Schreibtisch.
Gerade habe er wieder darin gelesen
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und erkenne immer mehr, daß dies
ein Meisterwerk Boulez’ sei: prágnant, gestalthaft. Lose verstreut auf
dem Deckel seines Flügels Schallplatten, die er sich in letzter Zeit angehört
hat: Stockhausen, Zeitmaße und
Kontakte (ein für meine Entwicklung
ausschlaggebendes
Werk),
Alban
Bergs Wozzeck, Bartöks Blaubart.
Vorne, noch ungeöffnet: Ravels
L'enfant et les sortileges, daneben die
Taschenpartitur. Was er, der zur Zeit
wohl beste Instrumentationstechniker unter den jüngeren deutschen
Komponisten, sich von Ravel erwarte? Er istfür mich nach wie vor der
große Klangingenieur des zwanzigsten
Jahrhunderts, Debussy der Klangchemiker. Von beiden glaube ich für meine
Oper noch eine Menge lernen zu können. Und Wagner? Natürlich auch
Wagner! Er eilt ans Klavier, wo ein
Klavierauszug des Parsifal bereitliegt, und spielt daraus zwanzig, dreiBig Takte. Später: Wagners kühnste
Stockhausen und Boulez — führt das
Gespräch zu seinem Lehrer Bernd
Alois Zimmermann, dessen Dialoge
wir uns dann noch anhören: „das“
Orchesterwerk der letzten beiden
Jahrzehnte — keine Note zuviel, jede
notwendig. Ich frage am nächsten Tag
nach
seinen
neuesten
Arbeiten,
möchte auch etwas hören, da ich das
bisherige Schaffen bereits im wesentlichen kenne. Mit sichtlicher Freude
führt er mir das Tonband zu seinem
im November in Metz zur Uraufführung anstehenden Klanggedicht
Traumspiel (nach Strindberg) vor —
mit dem Überraschungseffekt, daß
schon dieser „Ausschnitt“ des Werkes
(losgelöst von dem bei der Aufführung hinzukommenden Orchester
und Gesang) eine eigene Schönheit
ausstrahlt, jenem urtümlichen Reiz
vergleichbar, der einem von Orche-
Sterproben her bekannt ist, wenn, um
ein erlebtes Beispiel zu nennen, im
Sacre tiefe Streicher und Pauken den
Schlußteil allein ausführen.
Harmonien sind ja so oft das Ergebnis
Leiden am Klang
eines von der Vokalität ausgehender
polyphonen Prozesses, nicht anders
als bei Bach und doch so verschieden
von Berlioz, wo Melodik und Harmonik bei weitem nicht so zwingend zur
Mit dem Problem der ästhetischen
Tragfähigkeit einer gesonderten Region der Partitur (hier des Tonband-
Deckung kommen. Über Beethoven,
Teils) sind wir allerdings schon bald
Webern, Messiaen, Nono, Bartök,
am Kern seiner kompositorischen
Bemühungen, nämlich beim Pro-
Strawinsky
blem der Synthese von instrumen-
—
und
immer wieder
talem und elektronisch erzeugten
Klang.
York Holler, Jahrgang 1944, fällt in
eine Komponistengeneration, die wie
keine zuvor, auch nicht die Generation um Stockhausen, in jungen Jahren schon über ein solch entwickeltes
Klangpotential verfiigt, daB sich auf
elektronischem Wege buchstäblich
jeder Klang herstellen läßt. Was in
den frühen fünfziger Jahren erhebliche Mühe und Zeitaufwand erforderte, gelingt heute dank einer weit
fortgeschrittenen Technik mitunter
in wenigen Minuten. Wovon Edgard
Varèse, der geistige Wegbereiter der
elektronischen Musik, den größten
Teil seines Lebens nur träumen
konnte (so daß er es erst im Alter
von 75 Jahren zu seiner ersten —
und einzigen — elektronischen Komposition brachte), gehört mittlerweile
— etwa im Pariser IRCAM, wo Höller seit Jahren arbeitet — zum alltäglichen Handwerk, zur selbstverständlichen praktischen Ausstattung jedes
mit den Mitteln der Elektronik arbeitenden Komponisten. (Olivier Messiaen, der selbst noch nicht auf dern
Sektor der elektronischen Musik tilig gewesen ist, hält sie heute für die
wichtigste Errungenschaft der Neuen
Musik überhaupt.)
Aber dieses virtuell grenzenlose Material hat noch seine Tücken und is‘,
da noch relativ jung und gleichsain
ohne „Geschichte“, in besonderen
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Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)aBe träge, ja sperrig. Der Computer
liefert von sich aus nichts. Man muß
es ihm mühsam abringen. Was es für
Höller bedeutet, am Computer zu
| arbeiten, ihm das gewünschte Ergebnis abzuringen, erläutern Probleme,
die ihn schon vor mehr als zehn
Jahren bei der Herstellung eines fiir
seine elektronische Musik Horizont
benötigten Klanges beschäftigten:
Ich hörte in meinem inneren Ohr einen
runden, weichen, vibrierenden Klang,
der immer deutlicher eine violette
Farbe annahm. Mit dieser Vorstellung
also ging ich ins Studio, ohne aber die
_leiseste Ahnung, wie ich sie verwirklichen sollte. So versuchte ich mein Heil
zunächst einmal in den fünf vorhandenen Sinusgeneraioren, wobei ich rein
nach Gehör immer neue Kombinationen zusammenstellte. Nach einigen
Stunden fand ich dann einen Klang,
der immerhin in die Richtung wies, die
- ich suchte. Aber als ich die Gemische
dann am nächsten Morgen wieder
hörte, war ich maßlos enttäuscht, weil
mit sofort klar wurde, daß dies nicht
der violette Klang war, der sich unerbittlich in meiner Vorstellung eingenistet hatte.
Rund, weich, vibrierend, violett, rein
nach Gehör: Höller hält an der
Klang-, Vorstellung“ als Kompositum
aus persönlicher Fantasie und Erfahrung fest. Sie ist für ihn eine durchaus
reale, wenn auch keineswegs festlegbare Größe beim Komponieren, womit nur folgerichtig ist, daß er Klängen, die auf mathematisch-operationellem Wege, etwa nach den
Gesetzen von Wahrscheinlichkeitsrechnung und Spieltheorie wie bei
Xenakis,
zustandekommen,
die
Kunsttauglichkeit abspricht. Er beruft sich dabei bemerkenswerterweise
nicht auf die Unzulanglichkeit derartiger Klänge als solcher — denn das
ware tatsächlich ein rutschiges Feld
mit verlockenden Fallen, etwa um
die Frage der ,,Natur‘ des Klanges.
Er setzt dagegen auBer auf die Elektronik auf den Klangvorrat des herkömmlichen Instrumentariums, einen Vorrat, der nach seiner Meinung
noch längst nicht ausgespielt hat. Der
Klang einer guten Geige stellt immer
noch — und gerade in meiner Auseinandersetzung mit Computerklängen
ist es mir klargeworden — ein Wunder
an Reichtum dar, an Differenziertheit
und Vielschichtigkeit. Ein solcher Geigenklang ist physikalisch betrachtet
unendlich kompliziert und auf elektronischem Wege kaum realisierbar. Warum sollten wir auf diesen Reichtum,
der uns durch die herkémmlichen Instrumente gegeben ist, verzichten, nur
weil er vielleicht nicht in die mathematische Rechnung paßt? Ich habe darauf noch nie eine plausible Antwort
bekommen.
In der Polarität von „nie dagewesenen“, synthetisch erzeugten Klängen
und dem historisch geprägten Reichtum herkömmlicher Klänge sieht
Höller — mitsamt den dabei im Spiel
Zeit wie die Kontra-Punkte und Gruppen von Stockhausen oder Boulez’
Marteau sans maitre nicht allein ihrer
rechnerischen Stimmigkeit wegen am
Leben geblieben sind (ein Selbstzweck, um derentwegen vieles andere
inzwischen geräuschlos der ästhetischen Anonymität anheimgefallen
ist), sondern weil in ihnen, um eine
zentrale Forderung Eimerts abzuwandeln, die Musikrechnungen mit
dem historisch geprägten Grundstoff
der Musik in
Übereinstimmung gebracht sind; listigerweise auch im
Stück von Boulez, obwohl er in seinen Kompositionen damals, wie er
später selbst betonte, absolut jede
Spur des
Überkommenen
tilgen
wollte.
In seiner Kritik am seriellen Denken
geht es Höller vorrangig um Fragen
dieser Diskrepanz zwischen seriellem
Anspruch und seiner Ausführung;
zwischen der Idee der absoluten Verfügbarkeit über das Material und
ihren realen Erscheinungsformen,
zwischen Freiheit und Festlegung,
und bei allem um die Frage der
Eigenverantwortlichkeit des Kompoließe *).
. nisten gegenüber den von ihm gewählten und eingesetzten Materialien. Den Einbrüchen des Subjekts in
Das Ringen
den Entscheidungsprozeß spürt er
mit der Serialität
akribisch nach und stellt in einem
Befund über den Totalitätsanspruch
Daß Musik wieder einfach schön
des Serialismus fest: Aus dem Komsein will, impliziert, daß sie einmal
ponieren auf der Basis strenger Seriahäßlich gewesen sei. Daß Komponilität wird ein Arbeiten mit der Zeit.
stenkollegen die Errungenschaften
Die Zeit wird gewissermaßen mit Töder Serialität (denn sie ist wohl genen „ausgefüllt“. Damit wird die
meint, wenn man wieder zur schönen
Komposition zu existenten Neutrum,
Einfachheit zurück will) abtun, ohne
zum Gegenstand, der zwar da ist,
zu bedenken, wieviel sie den Kunstgedessen man aber nicht bedarf...
bilden der fünfziger Jahre verdanken,
Gänzliche Determination schlägt in
irritiert Höller sehr. Denn obwohl er
unvorhersehbaren Zufall um... Muselbst schon in seiner Examensarbeit
sikhören kann und darf nicht mit
von 1966 höchst angemessene Kritik
„lönehören‘ gleichgesetzt werden,
an bestimmten Teilmomenten der Seausschlaggebend ist immer die ,,Serialität geübt hat, weiß er doch um
mantik* der Töne, ihre sich jeweils
ihre Früchte.
aus dem Zusammenhang heraus erMit der Serialität ist ein neuer Hauptgebende „Bedeutung“. Dazu bedürfe
strom in das zeitgenössische Musikes notwendig einer Redundanz, eines
denken eingeflossen, der wie alle
wirklich neue Musik neue Ohren verInformationsüberschusses wie auch
einer
(beispielsweise
zentralton-)
langt, keinesfalls aber den „neuen
hierarchischen Aufbereitung der einMenschen“. Immer mehr nämlich
zelnen Parameter, damit Musik auch
stellt sich heraus, daß Werke jener
befindlichen Unwägbarkeiten — die
einzige Chance, den bestehenden
Klangbestand erfinderisch wirkungsvoll zu erweitern. Denn: Die Spannung von Vorstellung und Unansehbarem ist selber ein Lebenselement der
neuen Musik. Aber eben ein Lebenselement, keine Gleichung, die nach der
einen oder anderen Seite sich auflösen
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Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)wieder verstanden, informationstheoretisch gesprochen: apperzipiert
werden kônne. Es bedürfe, um die
Angst vor verbindlichen Zusammenhdngen, wie sie in der Aleatorik ihren
extremsten Ausdruck finde, zu überwinden, einer neuen Syntax, als deren
wichtigste Elemente er nennt: die
wörtliche und die ähnliche Wiederholung (die im Extremfall bis an die
Grenze der Unähnlichkeit heranstoßen
kann) sowie die ähnliche und die
kontrastierende Überraschung (wenn
alles Überraschung ist, gibt es keine
Überraschung mehr).
Seine Kritik an der Serialität, die
hier nur verkürzt und vereinfacht
wiedergegeben werden konnte, führt
Höller streng sachbezogen. Ästhetisch habe sie sich — soweit dies nicht
auch „die Sache“ ist — hinreichend
legitimiert. Unter den derzeit vorhandenen Bezugssystemen hält er sie
nach wie vor für das differenzierteste
und zugleich ausbaufähigste. Wie er
überhaupt gern auch in Kategorien
der Arbeit denkt,. des Herstellens,
Montierens, Zusammenschweißens.
Dem zwangsherrschaftlichen Denken jedoch im Umgang mit den Tönen widersetzt er sich entschieden:
Ich lege das Materialrepertoire fest,
aber nicht das Stück. In Einschränkung seiner früheren Ansicht, Serialität sei nur in der Arbeit am Detail
möglich, hält er sie heute mehr bezüglich der Gesamtstruktur einer Komposition für wesentlich, zumal die
serielle Theorie auf die Formproblematik nur sehr unzureichende Antworten entwickelt habe.
Das Ziel:
Expressionslogik
Was hier an wesentlich Neuem hinzugekommen ist, erläutern Kompositionen aus der letzten Zeit, in denen
nicht nur das rein Kompositionstechnische, der Materialaspekt leitend ist.
Immer mehr geht es Höller um eine
zusammenhängende
Musiksprache,
deren einzelne Elemente logisch miteinander verknüpft sind und organisch auseinander hervorgehen —
weshalb er gelegentlich von organischer Gestaltkomposition spricht —
und in der zugleich auch ein Moment
des reihenmathematisch Uneinbeziehbaren gegeben ist. Expressionslogik nennt es Höller. Im Zusammenhang mit Umbra ist von imaginären
Klanglandschaften mit ,,quasi" surrealen Dimensionen die Rede, Momenten des Mythischen. Die Darstellung
des Schattenhaften, Dunkeln, Dämonischen in der Kunst hat auf mich
seit frühester Jugend stets eine viel
stärkere Anziehungskraft ausgeübt als
die Darstellung des Hellen, Heiteren,
Erst relativ spät wurde mir anhand
von Nietzsches ,,Geburt der Tragödie
aus dem Geist der Musik“ die natür-
York Höller
Biographie
1944 in Leverkusen geboren. Vom zehnten Lebensjahr an Klavierunterricht, Unterweisung in Harmonielchre, erste kompositorische Versuche. 1960 erster öffentlicher Auftritt
als Pianist und Komponist. 1963 Abitur. 1963 Studium an der Staatlichen Musikhochschule Rheinland in Köln bei Bernd Alois Zimmermann und Joachim Blume (Komposition), Herbert Eimert (elektronische Komposition), Wolfgang von der Nahmer (Orchesterleitung). 1967 Staatsexamen Schulmusik. 1968—69 Solorepetitor am Stadttheater
Bonn unter Hans Zender. 1976 Lehrauftrag an der Staatlichen Musikhochschule
Rheinland in Köln. 1971 Zusammenarbeit mit Karlheinz Stockhausen im Elektronischen
Studio des WDR. 1974/75 Aufenthaltsstipendium für die Cité Internationale des Arts in
Paris. 1977 Kompositionsauftrag zur Eröffnung des Centre Pompidou in Paris. 1978
Kompositionsauftrag für die Eröffnung des von Pierre Boulez geleiteten Forschungsinstituts IRCAM in Paris. 1979 Förderungsstipendium der Stadt Köln. 1980/81 auf
persönliche Einladung von Pierre Boulez Realisation eines neuen Projekts bei IRCAM
in Paris. 1984/85 Stipendiat für die Villa Massimo in Rom.
Werkverzeichnis (Auswahl)
5 Stücke für Klavier (1964) — UA 1964 Köln
Diaphonie für 2 Klaviere (1965) — UA 1965 Berlin
3 Stücke für Streichquartett (1966) — UA 1966 Köln
Herr, es ist Zeit (nach
Rilke) für Sopran,
Flöte,
Harfe, Cembalo, Celesta und
Streichquartett (1966) — UA 1966 Köln
Topic für großes Orchester (1967) — UA 1970 Darmstadt
Sonate informelle für Klavier (1968) — UA 1969 Leverkusen
Sonate für Violoncello solo (1968/69) — UA 1969 Köln
Epitaph für Jan Palach für Violine und Klavier (1969) — UA 1969 Köln
Konzert für Klavier und Orchester (1970/83) — UA 1985 London
Horizont, elektronische Musik (1971/72) — UA 1972 Köln
Chroma für großes Orchester und Live-Elektronik (1972-74) — UA 1978 Berlin
Tangens für Violoncello, elektrische Gitarre, Klavier, elektrische Orgel und zwei
Synthesizer (1973) — UA Bonn 1974
Klanggitter für Violoncello, Klavier, Synthesizer und Tonband (1975/76) — UA 1977
Witten
Antiphon für Streichquartett und Tonband (1976/77) — UA 1977 Paris
Arcus für fünzehn Instrumente, Schlagzeug und Tonband (1978) — UA 1978 Paris
Mythos für dreizehn Instrumente, Schlagzeug und elektronische Klänge (1979) — UA
1981 Köln
Moments musicaux für Flöte und Klavier (1979) — unaufgeführt
Umbra für großes Orchester und Tonband (1979/80) — UA 1980 Saarbrücken
Resonance für Orchester und Computerklänge (Tonband) (1981) — UA 1982 Paris
Pas de trois für Viola, Violoncello und Kontrabaß (1982) — UA 1982 Witten
Schwarze Halbinseln für großes Orchester, vokale und elektronische Klänge (1982) —
UA 1982 Köln
Traumspiel (nach Strindberg) für Sopran, großes Orchester und elektronische Klänge
(1983) — UA 1983 Metz
Der Meister und Margarita, Oper nach dem gleichnamigen Roman von Michail Bulgakow
(1983—...) — UA Hamburg, voraussichtlich 1987/88
Auf der ersten von IRCAM, Paris, herausgegebenen Schallplatte (IRCAM — un portrait)
ist Höller mit einem Ausschnitt aus Résonance vertreten. Die Schwarzen Halbinseln
erscheinen im kommenden Jahr im Rahmen der Dokumentation des Deutschen
Musikrates zur Zeitgenössischen Musik in der Bundesrepublik. 1984 kommt außerdem
bei RCA-Erato Höllers Komposition Arcus heraus.
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Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)‚liche Affinität der Musik zur dunkeldionysischen
Welt des Rausches
ebenso wie die urspriingliche Beziehung der bildenden Kiinste zur hell4
apollinischen Welt des Traumes bewu
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Solche AuBerungen haben manches
Mißverständnis über seine Musik
hervorgerufen. Hôller wurde unter
Ideologieverdacht gestellt, resümierte
sein Verleger. Er wurde von seiner
unmittelbaren Umgebung mit mehr
oder weniger gezieltem Mißverständnis bedacht und wehrte sich — wehrlos, wie er seinem Naturell nach ist
— mit dem Austritt aus der KGNM,
der Kölner Gesellschaft für Neue
Musik. Ich wünschte, ich wär's,
schrieb mir York Höller als Anmerkung zu einer Kritik, die ihm unbekümmerte Selbstsicherheit bescheinigte.
*
Was Hôllers Musik bedeutsam erscheinen läßt ? Sie integriert wie keine
andere Musik, und als zutiefst Eigenes, elektronisch erzeugten Klang
mit herkömmlich erzeugtem, ,,instru-*
mentalem“ Klang, ohne einem harmonistischen [deal zu huldigen, ohne
aber auch das Moment des gut Klingens (eine Hauptforderung seines
Lehrers Zimmermann) zu vernachlässigen. Sie plagt sich wie keine
andere mit der seriellen Erblast, ohne
zu einem endgültigen, abschließenden Urteil kommen zu wollen. Sie ist
in dieser Offenheit Gestaltungsästhetik im emphatischen Gegensatz zur
Gehorsamsästhetik der konsequent
angewandten Serialität. Und sie erscheint — gleichsam Schlangenbeschwörung, Orpheus, Moral und Pythagoras verbindend — als ein Grenzgebiet zwischen Licht und den dunklen
Erdkräften?). Wollte man an eine
näckigkeit in seinem Willen als Komponist ... Er ist gegenwärtig einer
der wenigen Komponisten, die meine
höchste Wertschätzung haben.
Gründe genug, um einen Jury-Text zu
zitieren, York Höllers Schaffen auch
in Zukunft mit „hartnäckigem“ Interesse zu beobachten.
Manfred Karallus
Anmerkungen
!) Theodor W. Adorno: Vers une musiqu
zeitgenössische Musik die Forderung
stellen, daß sie sich der Fesseln ihrer
Bodenständigkeit zu entledigen, sie
ihre materiellen Krücken von sich
zu werfen und sie zu überflügeln
habe, daß in ihrer Form der Stoff
verbrause, so hätte Höller diese Forderung, zumal in seinen letzten Kompositionen, kongenial erfüllt.
Als er aus seiner Position als KompoSitionslehrer an der Musikhochschule Rheinland in Köln ausschied,
empfahl ihn Karlheinz Stockhausen
mit den Worten: Er ist der begabteste
Komponist seiner Generation
in
Deutschland. Und Pierre Boulez
äußerte: Ich sage nur, daß unter den
Partituren... und den Komponisten,
die ich gesehen habe, Höller mir einer
von den besten scheint... Ich meine,
er arbeitet... und hat eine Hartinformelle, in: Quasi una Fantasia. Musikali
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2) Ernst Bloch, Uber das mathematische un
dialektische Wesen in der Musik, in: Zw
Philosophie der Musik (hrsg. von Karola
Bloch), Frankfurt am Main 1974, S. 272
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