Die heiligen Zahlen und die Symbolik der Katakomben

Author
Keller, L.
Published in
Monatshefte der Comenius-Gesellschaft
Year
1906
Subject
NUMBERS
Language
Deutsch
Category
C12 Religion
Archive number
1193

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Vic 5 val REMERA Heft I. Schriftleitung: | Dr. Ludwig Keller Berlin - Charlottenburg SEE HET Verlag: | Weldmannsche Buchhandlung Berlin S.W. Berlinerstrasse 22 Zimmerstrasse M. Die Monatshefte der C. G. erscheinen im Januar, Marz, Mai, Septbr. und November. Die Mitglieder erhalten die Hefte gegen ihre Jahresbeiträge. Bezugspreis im Buchhandel und bei der Post M. 10,—. Einzelne Hefte M. 2—. Nachdruck ohne Erlaubnis untersagt. Die heiligen Zahlen und die Symbolik der Katakomben. Von Ludwig Keller. Gottes schöpferische Kraft, die sich im All offenbart und mit eins ist, Plato — zunächst diesem in hat sich — so lehrten Pythagoras und eine Zahl unendliche unkörperlicher Kräfte ergossen, die als Werkzeuge Gottes und als ewige Vorbilder, Muster und Maße der Dinge selbstbewußt und selbsttitiz mitgewirkt haben, die aber als erschaffene Wesen der göttlichen Vollkommenheit nicht teilhaftig geworden sind. Durch diese heiligen göttlichen Wesenheiten hat Gott, der Bildner und Baumeister der Welt, den Dingen Gestalt, Maß und Form geyvben und sie sind es, die auf Gottes Veranlassung und unter seiner Leitung beherrschen. zu einer Welt nach seinem selbsttitigen das Leben nnd das Werden in der Zeit Nach dex höchsten Baumeisters Plan ist das All des Gleichmaßes Plan wird Kräfte zur es und durch der Schönheit die von Vollkommenheit ihm geworden; erschaffenen geleitet. Diese heiligen Wesen gehören in unzähligen Stufen dem Geiste Gottes an, in dem sie sie sich entstrimen Monatshefte der C. G. dem 1200. zu einer Geiste ewigen Einheit zusammenfassen; des höchsten Bildners à

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Heft 2. Gedanken dem Geiste der erschaffenen Wesen und wie die Strahlen dem ewigen Lichte, von dem alle Weltkörper das Licht empfangen und erhalten. Vielgestaltig wie die Eigenschaften dieser Hilfskräfte waren die Namen und Bezeichnungen, unter denen sie in mehr oder weniger vergeistigter Gestalt in der Geschichte dieser Glaubenswelt und in den kultischen Ausprägungen derselben erscheinen. Der Gegensatz, in der diese Lehre von Anbeginn zu den übrigen Kulten stand, die den Begriff des einen Gottes nicht kannten und an dem Opferkult festhielten, den jene verwarfen — dieser Gegensatz, sage ich, hat von jeher die Kultvereine des Humanismus gezwungen, ihre Ideen und Formen zu verschleiern, und dieses Streben nach Verschleierung und Verhüllung ist auch in den Namen und Formen, die man gewählt hat, deutlich erkennbar; vor allem war fast überall eine mehrfache Ausdeutung und eine doppelsinnige Anwendung, die man aus bestimmtem Grunde brauchte, in Übung. Plato und die Platoniker, die in ihren Akademien sich Genossenschaften mit sakralen Formen geschaffen hatten, pflegten, wenn sie jene unkörperlichen Wesen zu bezeichnen wünschten, von den Formen (Ideai) zu sprechen). Wir wissen aus Platos Phaedrus, wie er in der Anschauung und der Vereinigung mit Gott das Ziel alles menschlichen Strebens erkannte, wie ihm aber die im Eros verkörperte „Form“ (Idee) der Liebe gleichsam der Mittler zwischen den Menschen und dem Ewigen war, die er als Führer zu dem allmächtigen Bildner des Alls betrachtet und verehrt wissen wollte. Außer und neben dem Eros aber, der in allerlei symbolischen Darstellungen versinnbildlicht wurde, gab es andere göttliche Werkzeuge oder „Formen“, und indem Plato einen Dienst des Apollo und der Musen (auch die Weisheit war eine Muse) organisierte — es war eine offensichtliche Verschleierung und Anpassung an überlieferte Vorstellungen — schuf er eine Genossenschaft, wie man sie bedurfte, wenn man vor den Gesetzen des Staats die Rechte einer Korporation gewinnen wollte. Von da an kommen die Namen Museion?) und Akademie in gleichem Sinne vor. 1) Näheres bei Ludwig Keller, die Akademieu der Platoniker im Altertum. Berlin, Weidmannsche Buchhandlung, 1899. 2) Über den Namen Museum im Sinne von Akademie (Thiasos, Kultgemeinschaft, Schola u. s. w.) vergl. M.H. der C.G.

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Während in diesem Lehrsystem die göttlichen Wesenheiten mehr als Vorbilder, Muster und Formen betrachtet wurden, betonte das System, das wir unter dem Namen der Stoa kennen, mehr den Charakter jener göttlichen Werkzeuge als Vernunftkräfte und gebrauchte zu ihrer Bezeichnung das Wort Logos oder Logoi. Diese Philosophie lehrte das Vorhandensein solcher Vernunftkräfte in unendlichen Abstufungen, die sich in der Gottheit selbst zu einer Zentralidee, dem Logos im engeren Sinne, zu einer Einheit zusammenfassen. Man weiß, daß die gleichen Gedanken das Kennzeichen der gewaltigen Geistesbewegung sind, die im Anschluß an altchristliche Überzeugungen sich im sogenannten Neuplatonismus und seinen sakralen Genossenschaften fortgepflanzt hat. In anderen „Systemen“ — der Name Systema kommt sehr frühzeitig vor, um die verschiedenen Lehrarten zu bezeichnen, die sich unter dem Einfluß einzelner großer Führer oder nationaler Besonderheiten innerhalb der Kultvereine des Humanismus gebildet hatten — waren für die gleichen Vorstellungen andere Namen üblich. In den Organisationen, die sich im Unterschied von den Anhängern der Sophia als Vertreter der Gnosis bezeichnen — im Grunde deuten beide Worte auf den Begriff der Weisheit hin, die allen als Ziel vorschwebte — sprach man anstatt von „Formen“ und von „Vernunftkräften“ einfach von den Äonen oder den Aoniden, d. h. „den Ewigen“, und dachte sich darunter dieselben aus Gott entströmten selbstbewußten Kräfte, die nach seinem Plane an dem Werden und der Entwickelung der Welt arbeiten. Was die Platoniker Museion oder Akademie und die Stoiker eine Säulenhalle (Stoa, Portikus) nannten, das bezeichneten die Anhänger der Gnosis gern als Haus der Ewigen (Oikos aionios), sachlich dasselbe meinend und aussprechend, was der Name Museion sagte, da das Wort Aoniden bekanntlich identisch ist mit dem Namen Musen. Aber schon längst, ehe diese Systeme entstanden, hatte Pythagoras die gleichen Anschauungen seinen Schülern in einer eigenartigen Form zu vermitteln gesucht. Er hatte sich dabei eigner Vorstellungen und eigner philosophischer Kunstausdrücke bedient, die, so befremdend sie uns heute scheinen und so miBverständlich sie sind, doch einen "tiefen, wohldurchdachten Sinn haben. Pythagoras nannte jene selbsttätigen und selbstbewußten Hilfskräfte

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Heft 2 Zahlen oder Maße (Metra) und lehrte, daß der große Bildner des Alls sich dieser heiligen Zahlen für die Herstellung des ewigen Gleichmaßes und der Harmonie der Sphären bedient habe. Nach Pythagoras sind es die Zahlen, auf denen die Gliederung und der Aufbau des Kosmos beruht: auf den Verhältnissen der Zahl beruht der Organismus der Welt und dessen ewige Form. Aber diese Verhältnisse zeigen nicht nur die Grundgesetze des Weltenbaues und die Grundsätze des allmächtigen Baumeisters, sondern sie sind die Darstellung der göttlichen Eigenschaften selbst. In der Harmonie der Sphären zeigt sich ein treues Abbild der Vollkommenheit ihres Schöpfers, Regierers und Erhalters. Und in der Tat beruht wenigstens die Harmonie der Töne, die wir messen und abwägen können, in allen Melodien ebenso wie die Gesetze der Schönheit auf den Verhältnissen der Zahl. Sind nicht vielleicht die gleichen Verhältnisse die ewige Grundlage des ganzen gewaltigen Baues des Alls, den wir mehr ahnen als erfassen können? Sind aber die Zahlen gleichsam die Normen aller Wesenheiten, so eignen sie sich zugleich auch vorzüglich als Sinnbilder jener göttlichen selbstbewußten Kräfte, deren sich der große Baumeister für die Schöpfung des Alls und dessen harmonische Gestaltung bedient hat und bedient. Wenn man die diesem Lehrer der Menschheit vorschwebenden abstrakten Gedanken für kultische Zwecke brauchbar machen wollte, so mußte man sie dem Bewußtsein minder denkgeübter Menschen durch Bilder und Zeichen näher bringen. Für die Gewinnung solcher Sinnbilder und Lehrzeichen eigneten sich Begriff und Wert der Zahlen recht wohl, zumal wenn man davon ausging, daß der Gottesbegriff, wie er diesen Systemen vorschwebte, am wirksamsten durch ein Bild, das aus der Baukunst hergenommen war, vergegenwärtigt werde. Wenn man sich Gott als den Erbauer des Alls und das Weltall gleichsam als ein Bauwerk oder einen Tempel dachte, so waren Zahlen und Maße die Grundlage, nach denen der Plan entworfen war, und bis zur Ausgestaltung des Gedankens im obigen Sinn war nur ein kleiner Schritt. Nicht als ob dies das einzige Bild gewesen sei, unter dem man die abstrakten Gedanken den geistig Unmündigen nahe bringen konnte: es gab auch andere Bilder. Gott war nicht nur der Baumeister, er war auch der Vater des Alls und

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aller Wesen und seine Hülfskräfte, auch die Menschenseelen, waren seine Kinder und alle diese Kinder waren die Glieder einer einzigen groBen Familie im höchsten Sinne dieses Wortes. Und ferner: Gott war der Vater, aber er war auch der Urquell, aus dem sich wie die Ströme und Flußläufe aus dem Erdinneren, so aus dem ewigen All die wirkenden, selbsttätigen Kräfte in die Welt gleichsam ergieBen und hervorbrechen. Und nicht nur der ewige Baumeister, der allmächtige Vater und der Urquell aller Lebensströme, sondern auch der Erzeuger und Spender alles Lichts war Gott. Und so gleicht er der Sonne, alle selbstbewußten oder unbewußten Kräfte gleichen Weltkörpern, die aus dem Schoße der Sonne erwachsen sind, oder den Strahlen und dem Lichte, die von der Sonne ausgehen und die, obwohl sie durch sich selbst leuchten, doch zum. ewigen Licht gehören und ohne dasselbe nicht gedacht werden können. So mannigfach mithin auch die Möglichkeiten waren, um den Glaubensinhalt dieser Lehre für kultische Zwecke zu verwerten, so schienen doch die heiligen Zahlen und deren symbolische Darstellung besonders wirksam; jedenfalls kehrt die Hindeutung auf den Begriff der Zahl, auf die Einheit wie die Vielheit, in der Kultsprache des Platonismus und des ältesten Christentums, wie wir dieselbe aus den Latomien und Loggien oder den sogen. Katakomben kennen, besonders häufig wieder; ja sie durchdringt und beherrscht die sakralen Formen dieser Genossenschaften in auffälliger Weise. Insbesondere ruht das ganze Gebäude dieser Kultformen auf drei heiligen Säulen, den Ideen und Urbegriffen der Weisheit, der Stärke und der Schönheit, die als heilige Kräfte versinnbildlicht und vorgestellt werden. Überhaupt ist die Betonung der Einheit und des Alls und der Alleinheit im Sinne der Alleinslehre für diese kultische Zeichensprache charakteristisch. Der Hinweis auf das All, das durch den geschlossenen Kreis, das Lehrzeichen der Einheit dargestellt wird, kehrt überall wieder, und indem dieser geschlossene Kreis in der Zeichensprache oft eine Anzahl konzentrische Kreise in sich enthält. wird die hier vorschwebende Idee der Einheit und der Vielheit und deren gegenseitiges Verhältnis zur Anschauung gebracht. So bezeichnet der Kreis zugleich das Weltall, das übersinnliche Weltganze und die Persönlichkeit Gottes, die im ganzen wirksam ist und die in und durch andere selbst-

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Kelter, Heft 2. bewußte Wesen höherer und niederer Ordnung die Harmonie der Welt bewirkt. Daneben aber erscheinen die geometrischen Figuren des Kreises und der Kreise, zumal wenn sie nicht als konzentrische, sondern als nebeneinander angeordnete Kugeln dargestellt werden, als Sinnbilder der Weltkugeln, nämlich der Sonne, der Erde, des Mondes und der Planeten, die in der heiligen Drei- oder der heiligen Dreimaldrei-Zahl symbolisiert zu werden pflegen. Überhaupt ist unverkennbar, daß diese Sinnbilder mit astronomischen Vorstellungen vielfach auf das engste zusammenhängen. Die Äonen des Lichtes versinnbildlichen in ihrer Abstufung die Gliederung der Äonenwelt überhaupt und so erscheint die Sonne als Sinnbild der höchsten Weisheit und Erkenntnis. Und waren nicht diese wunderbaren Körper, die im Äther des Kosmos strahlten, ebenso Träger selbsttätiger Hülfskräfte Gottes wie die Körper der Menschen, deren Selbstbewußtsein uns täglich entgegentritt? Bildliche Darstellungen der kultischen Formen und Zeichen, wie sie in den Akademien und Museen der antiken Welt üblich waren, sind uns in einigen berühmten Mosaikgemälden erhalten, die im 19. Jahrhundert zu Sarsina und Torre Annunziata gefunden worden sind. Die Untersuchung, die wir über diese Gemälde im Jahre 1898 veröffentlicht haben"), hat die starke Verwendung der heiligen Zahlen, zumal der Drei- und der Siebenzahl in den vorliegenden symbolischen Darstellungen klar ergeben. Drei Säulen, drei Lichter, sieben Männer, sieben in einander liegende Ringe (Kreise), sieben Türme u. s. w., das Dreieck und Rechteck beherrschen die Darstellung. Weit reicher als über die Symbolik der antiken Akademien fließen unsere Quellen über die sakrale Zeichensprache und die Lehrzeichen der Latomien und Loggien der sog. Katakomben?), und hier kehrt der Hinweis auf die heiligen Zahlen an unzähligen Stellen und in den mannigfaltigsten Verwendungen und Formen wieder. 1) Ludw. Keller, die Akademien der Platoniker im Altertum, nebst Beiträgen zur Geschichte des Platonismus in den christlichen Zeiten. MCG 1898. S. 269 ff. 3) Vgl. Ludw. Keller, Latomien und Loggien in alter Zeit. zur Geschichte der Katakomben. Berlin, Weidmann 1906. Beiträge

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Genau ebenso wie in den Akademien stehen die Drei-Zahl, sowie die Dreimaldrei- und die Sieben-Zahl bei den symbolischen Darstellungen im Vordergrunde; und so mannigfach auch die Gestalten sind, die hier symbolische Verwendung finden, — Säulen, Berge, Felsen, Türme, Bäume, Blumen, Tiere, Sterne u.s. w. kehren wieder — so erscheinen diese Gestalten doch in immer wiederkehrenden Zahlen, d. h. es erscheinen drei Säulen, drei Berge, drei Türme, drei Bäume, drei Palmen, drei Tauben, drei Rosen, drei Lilien oder sieben Männer, sieben Schafe, sieben Sterne, sieben GefäBe, oft ohne und oft mit Beigaben, welche die Symbole erläutern und ergänzen. Mithin sind nicht in erster Linie die Gestalten, sondern die Zahlen als die heiligen Lehrzeichen (Symbole) zu betrachten. Diese Tatsache, daB es sich nicht um die Bilder beliebiger Erdendinge, sondern um die symbolisierten Aonen und göttlichen Wesen oder die ,Zahlen“ handelt, an die die Erbauer und Besitzer der unterirdischen Felsentempel glaubten, wird bestätigt durch den Umstand, daß vielfach an der Stelle von Menschen, Tieren, Blumen, Bergen u. s. w. einfache mathematische oder geometrische Figuren, Punkte und Linien, Halbkreise oder Kreise sichtbar sind, die sich in regelmäßigen Wiederholungen auf die heiligen Zahlen zurückführen lassen. Unter den einfachen und zusammengesetzten geometrischen Figuren nimmt der Kreis eine besondere Stellung ein. Wo der Kreis allein oder in Verbindung mit Punkten und Linien erscheint, deutet er, wie bemerkt, auf die Einheit und das All und auf den heiligen Begriff der allesumfassenden Gottheit hin. Dies wird schon äußerlich dadurch gekennzeichnet, daß der Kreis in seiner Umfassung sehr oft symbolische Hinweise auf die Einzelwesen der Weltdinge enthält. Es trägt für die Beurteilung dieser Zeichensprache nicht viel aus, ob und inwieweit die einfachen mathematischen Figuren zum Zwecke der Verschleierung der kultischen Formen gebraucht worden sind und ob deren Ersetzung durch Bilder aller Art in Zeiten und unter Verhältnissen erfolgt ist, wo eine freiere Bewegung und eine teilweise Entschleierung möglich war. Sicher ist, daß ‚die symbolischen Bilder von Menschen, Tieren, Pflanzen usw. uns insofern einen klareren Einblick in die Gedankenwelt der Kultvereine des Humanismus gestatten, als sie auf gewisse „Ideen“ und wirkende göttliche Kräfte deutlich hinweisen: Die Liebe

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Heft 2, und die Demut, die Treue und die Verschwiegenheit, und andere Tugenden treten neben der Weisheit in den Vordergrund. Das hohe Lied von der Macht des Geistes über die Sinnenwelt. und die Sinnlichkeit, von der Gelassenheit (Demut), der Reinheit, der Erlösung und der Vollendung tritt uns hier in tausendfachen Sinnbildern entgegen. Die Verwendung mathematischer und geometrischer Zeichen geht von dem Gebrauche der einfachsten Formen, den Punkten und den Linien aus, doch mit der Maßgabe, daß beide, die Punkte wie die Linien, in allen Fällen, wo dies möglich war, durch den Gebrauch von Säulen ersetzt oder ergänzt wurden. Die Säulen kommen daher für die Symbolik der Kulträume ganz besonders in Betracht. In allen Fällen, wo uns auf Bildern und Zeichnungen Punkte und Linien begegnen, treten bei plastischer Darstellung der Gedanken und Symbole die Säulen uns entgegen. Sie bilden das Grundelement der kultischen Ausgestaltung der Akademien und Museen und rechtfertigen daher die Namen Säulenhalle, Stoa, Portikus und Loggia, die überall neben den sonstigen Bezeichnungen des „Oikos aionios“ u. s. w. vorkommen. Wie der Kreis das All und die ewige oder himmlische Einheit des Alls und die Gottheit symbolisiert, so kennzeichnet die Einzahl, die einfache Linie, der Stab oder das Zepter dasirdische Abbild der Macht, die herrschende, leitende, stützende und schützende Gewalt der zur Freiheit gelangten Persönlichkeit auf Erden. Mit großer Zähigkeit hat sich gerade das Symbol des Stabes als Zepter-Stab und als Zeichen der Herrschaft in allerlei Umbildungen und Umdeutungen — so begegnet sehr frühzeitig das Stabkreuz und das Schwert als Zeichen des irdischen Abbildes der Herrschaft — durch die Jahrhunderte erhalten; doch ist die Erinnerung daran nie ganz verloren gegangen, daß der Stab stets nur die mitgeteilte oder von Gott verliehene, nicht aber die Urkraft bedeutete’). Ebenso oft wie die Hinweise auf die Einzahl kehren in den Latomien die Hindeutungen auf die heilige Zweizahl (die Hagia Dyas) meist in folgenden Gestalten wieder: . | 1) Uber die Symbolik der Einzahl siehe den Artikel ,Stab“ bei F. X. Kraus, Realencyklopädie der christlichen Altertümer II, 776 f.

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Während der Kreis auf die Einheit der ewigen Wesen hindeutet und die Einzahl des Punktes, der Linie oder des Stabes die leitende Einheit der irdischen Gewalt symbolisiert, stellt die Zweiheit das zerteilte, irdische Sein dar, das durch den Widerstreit der Dinge beherrscht wird und nur ein vergängliches Teilwesen ist. Sie charakterisiert gleichsam den Vorhof und die Vorstufe der Entwickelung zur Harmonie und Einheit. Sofern die beiden obigen Linien aber sich in der Form des Winkelhakens treffen, treten uns drei durch Linien verbundene Punkte entgegen, und es entsteht ein Symbol, das zugleich auf die Zweizahl wie auf die Dreizahl und auf die Entstehung der letzteren durch die erstere hinweist. In diesem heiligen Zeichen wird erkennbar, wie die zerteilte und sinnliche Natur durch die höhere Kraft der heiligen Dreizahl zur Harmonie der Kräfte und zu einer neuen Einheit geführt wird. Das Symbol der über die Materie und die Sinnlichkeit zum Siege gelangten Vernunft, das Zeichen der Erkenntnis und der Selbstbeherrschung wird sichtbar. Die überaus häufige Verwendung der heiligen Dreizahl ist ja bekannt genug; sie erscheint in den drei Punkten und in den drei Linien, denen wir in der verschiedenartigsten Zusammenstellung und Lage sowohl in den Säulen-Anordnungen wie in bildlicher Wiedergabe begegnen. Sehr eigenartig ist das folgende Lehrzeichen: Y In diesem Symbol spaltet sich die Einzahl zur Zweizahl und in ihm erscheint gleichwohl auch die Dreizahl. Aus der Einheit erwächst die Zweiheit, d. h. die Natur spaltet sich in Geist und Materie, in die sichtbare und unsichtbare Welt, in die Tat (die wirkende Kraft) und das Leiden (die empfangende Kraft), in die Notwendigkeit und die Freiheit. Aber Geist und Stoff, Tat und Leiden laufen doch wiederum zur Einheit zusammen und treffen sich in obigem Zeichen in einem Mittelpunkt, und so entsteht aus Einheit und Zweiheit die heilige

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Heft 2. Dreiheit. Das Zerteilte kehrt in der Dreiheit zu höherer Einheit zurück. Die herrschende Kraft teilt sich in Naturkraft und Geisteskraft; beide aber, Geist und Natur, wandeln sich in gegenseitiger Durchdringung zur Harmonie und zur Schönheit. So lösen sich die Gegensätze der Zweiheit in der Dreiheit zu einer neuen Harmonie auf. Schönheit, Liebe und Eintracht verkörpern sich in diesem Sinnbild des Kreuzes, das im Unterschied von anderen Kreuzesformen unter dem Namen des Gabelkreuzes bekannt geworden ist. Es ist beachtenswert, daß dieses Lehrzeichen, vielleicht in beabsichtigter Verschleierung, vielleicht auch in mehr zufälliger Umdeutung, später zu einem Buchstaben des Alphabets, nämlich zu einem Ypsilon, gemacht und unter dem Namen des Buchstabens des Pythagoras (Littera Pythagorae) bekannt geworden ist. Als solcher wird er in der antiken Literatur vielfach erwähnt!). Nicht selten erscheint die Dreizahl in der Gestalt der drei Punkte, neben und mit dem Dreieck?): VAN Aber die Punkte werden vielfach auch fortgelassen und ein geschlossenes gleichseitiges Dreieck erscheint in dieser Gestalt: ZN 1) Bei Persius (Sat. 3) heißt es: Et tibi, quae Samios deduxit littera ramos, Surgentem dextro monstravit limite vallem. Ein dem Virgil zugeschriebenes Epigramm lautet: Littera Pythagorae discrimine secta bicorni Humanae vitae spatium praeferre videtur.“ Ausonius sagt in seinem Epigramm auf die Buchstaben: Pythagorae bivium ramis patet ambiguis Y, Hieronymus (Ep. 7 ad Laetum) sagt: Sapit ut parvulus, donec ad annos sapientiae veniat, et Pythagorae littera eum perducat ad bivium. Lactantius L. VIc. 3: Dicunt humanae vitae cursum Y litterae similem: quod unusquisque hominum, cum primae adolescentiae limen attigerit et in eum locum venerit, partes ubi se via scindit in ambas haereat mutabundus ac nesciat, in quam se partem potius inclinet. 3) F. X. Kraus, Realencyklopädie Freiburg i. B. 1882/83. I, 379. christlichen Altertümer.

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Hier sind es lediglich die drei Linien, die zur Verwendung kommen und die auch in anderen ähnlichen Zeichen dem gleichen Zwecke dienen. Aber auch in weniger kennzeichnenden Gestalten kehrt der Hinweis auf die heilige Dreizahl in der Form zusammenlaufender drei Linien wieder. Wir wollen hier nur auf folgende Formen hinweisen: À A d. h. auf Formen, die eine große Ähnlichkeit mit der ältesten Gestalt des griechischen Buchstabens A zeigen, eine Ähnlichkeit, die fast zu der Annahme führen könnte, daß auch dort, wo in späterer Zeit ein klar erkennbares A in den Katakomben erscheint, für die Eingeweihten die heilige Dreizahl erkennbar war. Wenn man bedenkt, daß die Kirchenväter sehr frühzeitig das Dreieck als ein angeblich gnostisches Lehrzeichen bekämpft haben”), so erklärt es sich, daß diese ,Gnostiker“ eine Verschleierung ihres heiligen Symboles suchten. Gerade Buchstaben, die einer doppelsinnigen Deutung fähig waren, gaben zu Verhüllungen aller Art bequeme Gelegenheit; die Eingeweihten erkannten auch unter den harmlosen Hüllen sehr rasch den wahren Sinn dessen, was gemeint war und gesagt werden sollte. Sehr verwandt mit dem „pythagoräischen Buchstaben“ ist das Zeichen: das in vielfacher Verwendung in den Latomien vorkommt. Seine Form gestattete eine Angleichung an das Tau des griechischen Alphabets oder an den Hammer der Fossoren (Steinmetzen), die hier arbeiteten. kommen die drei Linien vor: Auch in folgenden Formen VAN 1) Es ist beachtenswert, daß Augustinus im 4. Jahrhundert (Contra Faustum Manichaeum XX, 6) gegen die Anwendung des Dreiecks in der christlichen Symbolik polemisiert; es sei das, sagt er, ein Lehrzeichen der Gnostiker. enn das zutrifft, so ist es auffallend, daß das Dreieck auch in Verbindung mit dem Zeichen erscheint, das man als Monogramm Christi bezeichnet und das in späteren Jabrhunderten, wie man weiB, tatsächlich als solches Monogramm benutzt worden ist.

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Heft 2. ohne daß es einstweilen möglich wäre, zu erkennen, ob und welchen besonderen Zwecken dienen sollte. die Dreizahl in dieser Gestalt Die besprochenen Lehrzeichen kehren auch in mehrfachen Wiederholungen wieder und zwar scheinen sie in dieser Gestalt zugleich als Erkennungszeichen der Mysterienkulte gedient zu haben. Besonders häufig begegnen Wiederholungen der drei Punkte und der zwei oder der drei Linien, zumal des Winkelhakens und des sogen. Alphas oder Dreiecks. Zunächst sei hier auf die Verdoppelung des Winkelhakens hingewiesen, die sich in dieser Gestalt in den Latomien findet!): XX Vielfach läßt sich erkennen, daß die Steinmetzen (Fossoren), die dies Zeichen gebrauchten, eine Anspielung auf Zirkel und Winkelmaß und ein Erkennungszeichen beabsichtigt haben. Aber der Winkelhaken erscheint auch in dreifacher Wiederholung: CAD derart, daß darin zugleich eine Anspielung auf die Zweimaldreiund die Dreimaldrei-Zahl erkennbar ist. Dabei ist beachtenswert, daß dieses Lehrzeichen der drei Winkelhaken der ältesten Form des griechischen Buchstabens Q (Omega) ebenso gleich ist, wie die Form des Dreiecks dem griechischen A. Sollte auch hier in den Zeiten, wo von mächtig emporstrebenden neuen Richtungen die Anhänger der „heiligen Säulenhallen“ als „Gnostiker“ und „Manichäer“ bekämpft wurden, eine harmlose Umdeutung versucht worden sein? Jedenfalls 1) Dies eigenartige Zeichen begegnet in den Katakomben u. a. bei De Rossi, Roma sotteranea. Tav. XLIX-L Nr. 19 und bei Roller, Les Catacombes de Rome Pl. XI, Nr. 14 und XI, Nr. 26. — Merkwürdig ist, daß das Zeichen meist ähnlich wie andere Symbole (siehe unten) in Verbindung mit dem Stabe (Schwert?) auftritt.

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dauert die Gestalt des Q in der obigen eckigen Form, die auch gelegentlich zu zwei verschlungenen Linien CO oder OO sich gestalten, sehr lange in den Katakomben fort und erst spat erscheint die Gestalt Q. Im gewissen Sinne umfaBten das Dreieck oder das Alpha und die Dreimaldrei-Zahl des Omega in der Tat den Inbegriff der ganzen kultischen Zeichensprache und der Gedankenwelt des Bundes, und es war daher eine naheliegende Anpassung und Umdeutung, wenn man von dem A und @ sprach, um den Lehrinhalt des ganzen Systems zu bezeichnen. Seitdem dieser Lehrinhalt in bestimmten Schriften und Büchern zusammengefaßt und niedergelegt war, erscheint in Verbindung mit dem Aund 2 und gleichsam als Erläuterung des Sinnes der beiden Lehrzeichen das Bild eines Buches. Noch häufiger als der Winkelhaken findet sich das Dreieck in mannigfacher Wiederholung, z. B. in der Gestalt zweier ineinandergeschobener Dreiecke in folgender Gestalt: die außer in den christlichen Katakomben’) auch im vorchristlichen Altertum nachweisbar ist. Nach F. X. Kraus hat es in den Katakomben als Erkennungszeichen der Steinmetzen gedient’). Es ist beachtenswert, daß dies Zeichen ähnlich wie das Gahelkreuz an Pythagoras angeknüpft wird: es führt den Namen Salus Pythagorae. Auch andere Namen, wie Albenkreuz, Pentakel, Pentagramm und Drudenfuß, kommen vor; besonders oft aber begegnet die Bezeichnung Pentalpha, die offenbar auf die dadurch symbolisierte heilige Fünfzahl Bezug nimmt. Das Lehrzeichen stellt sich nämlich als eine fünffache Wiederholung des Dreiecks dar, desselben Dreiecks, das, wie wir sahen, sich sehr oft unter der Form des Alphas verbirgt. Und so u erscheint =D De Rossi, Roma Sotteranea I, 171. 3) Kraus a. O. II, 605.

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Heft 2. hier die Dreizahl in der Verbindung mit der Pentas hagia oder der heiligen Fünfzahl. Wenn man erwägt, daß der Name Salus zeitweilig ein Geheimname war für die erste Weihe, wie sie die Mysterienkulte übten, so fällt einiges Licht auf den Zweck, den man mit dem Gebrauche des Wortes Salus Pythagorae verbunden haben kann. Merkwürdig ist, daß das Zeichen: das sogenannte Salomonische Sechseck, weit seltener in den „Säulenhallen“ der ältesten Zeiten nachweisbar ist. Auch dieses Lehrzeichen stellt eine sechsfache Wiederholung des Alpha dar. Eine ganz besondere und eigenartige Betonung hat in der Zeichensprache des Bundes seit den Zeiten des Pythagoras die dreifache Wiederholung der Drei-Zahl, die heilige Dreimaldrei-Zahl gefunden und zwar werden sowohl die Punkte wie die Linien derart gebraucht, daß öfters beide geometrischen Zeichen gleichzeitig zur Verwendung kommen. Zunächst begegnen neben den drei Punkten die Dreimaldrei- Punkte in folgender einfachster Anordnung’): Die Punkte erscheinen ferner in Verbindung mit den Linien in folgender Weise’): 1) Roller, Les Catacombes de Rome etc. I, Pl. XXXV. 3) Victor Schultze, die Katakomben. Leipzig 1852, S. 330. So an den Grabkammern (Locali) der Katakombe S. Agnese an der Via Nomentana bei Rom.

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An anderen Stellen sind die neun Punkte nicht kenntlich gemacht und es erscheinen ausschlieBlich die Linien, der Hinweis auf die heilige Dreimaldrei bleibt aber klar erkennbar. Die obige Art der kreuzweisen Verbindung der neun Punkte ist aber nicht die einzige, es kommt vielmehr auch die folgende vor: Auch für diese sogenannte Crux gammata bilden die neun Pankte die Grundlage. Die häufige Verwendung dieser Kreuzform in den Katakomben ist hinreichend bekannt!) Aber die neun Punkte und die neun Linien erscheinen auch unter allerlei Verschleierungen in der Gestalt von Früchten, Blättern u. 8.w., doch so, daß die Dreimaldrei-Zahl klar erkennbar bleibt, z. B. Im ersteren Falle ist die Form der Traube, im zweiten die Form des Zweigs mit Blättern deutlich erkennbar; in beiden Fallen wird der Stab (die Einzahl) wohl nicht ohne Absicht beigefügt sein. Es ist hier wie bei allen Steigerungen der einfachen Zahlen besonders schwierig, den Gedankeninhalt der Lehrzeichen restlos zu deuten. Es scheint aber, daß die heilige Dreimaldrei-Zahl, die zugleich auf die Weltkörper unseres Planeten-Systems, wie man es damals kannte, hindeutete, ebenso) wie die Dreizahl auch zur Versinnbildlichung sittlicher Begriffe benutzt worden ist. Jedenfalls gibt die Tatsache zu denken, daß man die Dreimaldrei in allen obigen Formen und in verwandten Verschleierungen besonders zahlreich an%den Außenwänden von Grabkammern findet. Sehr häufig erscheint die Neunzahl hier in Verbindung mit. 1) Vgl Roller a. O. I, Pl. X, Nr. 31 und öfter.

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dem Lehrzeichen des Alls und der Ewigkeit etwa in der Gestalt des sogenannten Himmelsrades (Rota celestis): Die Vereinigung der zur höchsten Harmonie sittlicher Vollendung gelangten Seele mit Gott scheint hier angedeutet zu werden. Die besondere Betonung, die im System dieser Lehrzeichen die sogenannte Crux gammata oder das Swastikakreuz erfahren hat, tritt jedem Beschauer der alten Symbolik auf das klarste entgegen. Vielleicht beruht diese Betonung zugleich auf dem Umstand, daB das berühmte Zeichen ebenso einen Hinweis auf die Dreimaldrei-Zahl wie auf das merkwürdige Symbol des Gamma (s. unten) r oder des Winkelhakens in vierfacher Steigerung enthält. In dem Gamma, das, wie wir oben sahen, in seinen zwei Linien und drei Punkten die heilige Trias und Dyas vereinigt darstellt, kommt der Hinweis auf die vom göttlichen Geist erfüllte Natur zur Versinnbildlichung. Ahnlich wie die drei Punkte und wie die drei Linien in der Gestalt des Dreiecks, so erscheint nun auch das Gamma in “doppelter, dreifacher und vielfacher Steigerung. Die doppelte Steigerung erscheint in dem Zeichen: 5 das sich sehr häufig in dieser oder in der verschleierten Gestalt des Hammers (siehe unten) vorfindet. Ähnlich wie das Zeichen D, das wir kennen lernen werden, in Verbindung mit dem Stabe auftritt, so findet sich neben dem Hammer der Stab’). Es ist unsicher, ob das Zeichen: = das man schon sehr frühzeitig in den Buchstaben T umdeutete und als Hinweis auf das griechische Wort T¥ (Tata). Erde betrachtete, 1) Roller, I, PL IX, Nr. 2, 4, 5, 6, 18.

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wirklich auf den Erdenstern als Weltkörper hindeuten sollte, der durch die heilige Dreizahl als ein vom Geist der Harmonie erfülltes Wesen gekennzeichnet wurde; jedenfalls aber ist der Gebrauch des Doppel-Gamma eigenartig genug. Die Verbindung dieses Lehrzeichens mit dem Zeichen des Ewigen tritt oft und deutlich in folgenden Symbolen hervor’): 2 Die Zweizahl und ihre Steigerungen tragen, soweit sie rein als solche und ohne Hinweis auf die Dreizahl auftreten, die Signatur der durch Raum und Zeit begrenzten Welt. So erscheint die Zweimalzwei-Zahl in folgenden Lehrzeichen: d. h. in vier Punkten oder in vier Linien. Wir haben oben über die zwei Säulen gesprochen und betont, daB sie als Symbol des Vorhofes dienen, des Vorhofs der sinnlich gebundenen und begrenzten Stufe menschlicher Entwicklung. Es kommt aber auch der Gebrauch von vier Säulen vor”). Und diese vier Säulen kennzeichnen ebenso wie die vier Linien, die in der Form des Rechtecks zusammenlaufen, den begrenzten Raum der irdischen Welt mit einer eigenartigen Nebenbedeutung. In dieser Gestalt deutet die Vierzahl nämlich auf einen in sich abgeschlossenen, gegliederten Raum, nämlich auf ein umhegtes Feldstück, einen heiligen Bezirk, ein Haus oder einen Tempel. Das Zeichen: ist das Symbol der irdischen Wohn- und Offenbarungsstätte Gottes und bedeutet mithin für die Eingeweihten denselben Begriff, den die Sprache mit den Worten Arca, Heroon, Oikos aionios, Akademia, Stoa, Museion, Porticus, Solarium, Latomium oder Loggia ausdrückte, Worte, die man sämtlich gern vor den AuBenstehenden zu verhüllen und zu verschleiern und durch Zeichen zu ersetzen suchte. 1) Uber dieses sogenannte Kreuz auf dem Globus siehe Kraus, Realencyklopädie II, 232. %) Roller, Les Catacombes de Rome I, Tav, LXIII. Monatshefte der C.G. 1906.

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Heft 2. Daraus erklärt sich die schon längst von vielen Forschern gemachte Beobachtung, daß eben die Vierzahl alle Maße der Tempel, ihrer Decken und ihrer Geräte, sei es in der Form des Vierecks, des Rechtecks oder des Kubus, sei es einfach oder in der Steigerung mit 3, 5, 7 u. s. w. beherrscht und durchdringt. Das Symbol der Vierzahl kommt auch in mehrfacher Steigerung in folgender Form vor: d. h. in der Form des Turmes. Und es ist bekannt, daß die Idee der Kultgenossenschaft, der Brüderschaft und des Menschheitsbundes oft gerade in dieser Gestalt bildlich dargestellt wird: es ist das Bauwerk, an dem die Bauleute der Latomien nach dem Plane des großen Baumeisters aller Welten arbeiteten. Auch das Zeichen: O scheint denselben Begriff zum Ausdruck bringen zu sollen. Es steht in Ubereinstimmung mit dem bezeichneten Sinn der Zweimalzwei-Zahl, daB die vier Linien, wenn sie in anderer Anordnung erscheinen, zugleich die vier Himmelsgegenden symbolisieren, die den Raum vierfach teilen. Der Versinnbildlichung dieser Idee dienten folgende Lehrzeichen: + X d. h. vier nach allen Richtungen ausstrahlende Linien, die die Welt bedeuten. Auch hier ist eine Umdeutung oder Anwendung des Symbols auf die Kultgemeinschaft, die dasselbe gebrauchte, erkennbar. Wie das Zeichen [__] die Einzelorganisation und der Turm eine geschlossene Mehrheit von Einzelorganisationen andeutete, so ward das sogen. griechische Kreuz gebraucht, um den auf der ganzen Erde zerstreuten Bund zu symbolisieren.

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Es war lediglich ein bestimmterer Hinweis auf das Gemeinte, gleichsam eine Erläuterung des Gedankens, wie wir sie später, als der urspriingliche Sinn sich selbst fir manche Eingeweihte zu verflüchtigen begann, oft finden, daB beide Zeichen in folgender Verbindung auftraten‘): einer Form, die später zur harmlosen Gestalt der Sanduhr umgedeutet ward. Auch einzelne charakteristische Lehrzeichen, wie das Y, findet man wohl innerhalb des Rechtecks angeordnet. Um anzudeuten, daB die Welt des Diesseits, wie sie sich im Raume darstellt, und der Bund, der die Welt umspannt, gleichsam nur ein im SchoBe des Alls ruhender Teil ist, stand folgendes viel gebrauchte Lehrzeichen der Rota celestis zur Verfügung: D So ruht die Vierzahl oder die Welt gleichsam im Innern der Gottheit, welch’ letztere jene umschließt, hält und trägt”). Das Zeichen der Vier, soweit es in vier sich rechtwinklig schneidenden Linien erscheint, wies insofern zugleich‘ über sich hinaus, als es fünf Punkte aufzeigte: und damit zugleich die heilige Fünfzahl (Pentas) darstellte. Weit weniger durchsichtig als die Symbolik der Monas, der Dyas, der Trias und der Tetraktys ist der Sinn und die Verwendung der heiligen Pentas oder der Fünfzahl. Häufiger als in der Form der fünf Linien und der fünf Winkel oder der fünf Dreiecke, wie sie z. B. im Pentagramm oder dem Pentalpha 1) Kraus a. O. II, 232. 3) Zahlreiche Nachweise des Vorkommens bei Kraus II, 232.

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Heft 2. vorkommen, erscheint die Fiinfzahl in der Form der fiinf Punkte in folgender Gestalt’): die zugleich die Grundlage der Vierzahl, wie sie im sogenannten griechisghen Kreuz erscheint, bilden. Auffallend ist, daB die heilige Fiinfzahl in einer vielfach üblichen Umdeutung durch Pflanzen symbolisiert wird, die als Pentandrien, d. h. als Fünfblätter, wie der Weinstock, die Lilie, die Rose, bekannt sind. Die Blumen aber und der Garten, in dem sie wuchsen, galten frühzeitig als Symbol der Gefilde der - Seligen oder des „besseren Landes“, in dem die durch den Tod zum Leben eingegangenen Seelen wohnen’); im Gegensatz zu dem irdischen Hause Gottes, dem mit Händen erbauten Tempel, der durch die Vierzahl des griechischen Kreuzes dargestellt ward, bezeichnete die heilige Fünfzahl die himmlischen Wohnungen der zur Vollendung gelangten Seelen, und mithin zugleich das Haus der Ewigkeit oder die „Stadt Gottes“ und das „himmlische Jerusalem“. Das Werden und Vergehen der Blumen war ein passendes Sinnbild des Kommens und Gehens, des Geborenwerdens, Sterbens und Wiedererstehens des Menschen. Jedenfalls erscheint in Verbindung und oft an Stelle der fünf Punkte das Bild der Rose in stilisierter Gestalt und es ist merkwürdig, daß gerade diese fünf Punkte oft auch neben oder auf den Armen des sog. griechischen Kreuzes nachweisbar sind®). Manch- _ mal erscheinen die fünf Punkte ebenso wie die Rosen in dreifacher Wiederholung*). Ob der Hinweis auf die Vier- und die Fünfzahl, wie sie Kreuz und Rose geben, zugleich die heilige Dreimaldrei-Zahl, die Zahl der Vollendung, hat andeuten sollen? 1) Roller I, Pl. X, Nr. 9 und öfter. 3) Kraus a. a. O. I, 170 sagt: Es gab in altchristlichen Zeiten eine Auffassung, welche sich die Seligkeit des Himmels unter dem Bilde einer blumenreichen Aue dachte, auf welcher die Heiligen wandeln. Nach Kraus a. O. galt die Pflanzenwelt in ihrem Absterben und verjüngten Wiedererwachen als Sinnbild unserer Auferstehung. 8) Vgl. Perret, Les Catacombes III, Pl. 8. (Bild auf dem Coemiterium der Priscilla.) Vgl. ferner Roller a. O. I, Pl. XVII und I, Pl. X Nr. 25. 4) Roller I, XXXV.

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Die heilige Pentas schmückte unter dem Symbol der Rosen sowohl in der antiken wie in der altchristlichen Welt die Graber der Toten, die ihrerseits wieder die Gärten der Seligen versinnbildlichten. Und die Bedeutung, die in dem Menschheitsbunde des Humanismus gerade der in der Rose dargestellten Pentas beigelegt ward, erhellt aus der Tatsache, daß ihr kultisches Hauptfest gerade an diese Sinnbilder anknüpfte. Schon in der antiken Welt wurde am Feste des heiligen Johannes das Rosenfest, der Rodismos oder die Rosalia gefeiert, bei denen sich die Teilnehmer mit Rosen schmückten und wo kultische Mahlzeiten stattfanden‘). Aber nicht nur unter der Allegorie der Rose tritt uns der Äon der heiligen Fünfzahl entgegen: in leichten Abwandlungen und in allerlei Umdeutungen in sittliche Begriffe oder in Tugenden begegnen uns neben der Rose die Lilie, der Weinstock, die Palme und der Palmenzweig (Ölzweig), der Lorbeer. Stets sind diese Blumen Sinnbilder des Sieges über das Irdische, des ewigen Friedens und der Seligkeit des Himmelsgartens, in dem die Seelen wandeln. Insbesondere ist die Rose das Lehrzeichen des Opfertodes des Märtyrers, die Lilie das Sinnbild des reinen Tugendwandels. Außerordentlich häufig erscheint der Hinweis auf die Fünfzahl auf den Grabkammern der Katakomben, hierin der DreimaldreiZahl zur Seite tretend. Neben der Rose kommen stilisierte Weinblätter, die durch Beisetzung der Trauben als solche gekennzeichnet werden, vor. Unter den bisher besprochenen Zeichen fehlt die Siebenzahl. Aber gerade diese Zahl kehrt an vielen Stellen der Latomien in zweifelloser Absichtlichkeit wieder. Dabei ist auffallend, daß die Hinweise weit seltener in der Gestalt von sieben Punkten oder sieben Linien als in der Form von sieben kleineren Kreisen oder sieben Sternen vorkommen. Wir haben in den erhaltenen Denkmälern niemals sieben Punkte gefunden, aber es scheint, daB das häufig gebrauchte Zeichen auf die Siebenzahl hindeuten soll. 1) Keller, Latomien und Loggien, S. 5. Vgl. ferner Kraus, a. O. Il, 700 ff

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Heft 2. Häufig erscheinen sieben Linien in dieser Gestalt: die alx Leiter oder MaBstab gedeutet werden. Auch die siebengliederige Syrinx, die sogenannte Pansflöte könnte man hierher zählen, und es bleibt merkwürdig, daß die unterirdischen Tempelhallen Ägyptens, die den „heiligen Hallen“ (Stoai) der Griechen entsprechen, den Namen Syrinx führen. Aber bei weitem am häufigsten begegnen sieben Kreise in folgender oder ähnlicher Anordnung und Gestalt: oo 00000 auch an Stellen, wo sieben Körbe') oder sieben Amphoren sich dargestellt finden, handelt es sich vielleicht um den Hinweis auf sieben Himmelskörper. Das wird klar, wenn an vielen anderen Stellen sieben Sterne sich abgebildet finden”). Die Kreise oder Sterne sind Hinweise auf unsterbliche, ewige überirdische Wesen. Dabei verdient es Beachtung, dafì die sieben Sterne sich durch Beifügung des strahlenden Kreises (der Sonne) oder der Krone und des Halbkreises (des Mondes) zur heiligen DreimaldreiZahl ergänzen®). Dabei werden Sonne und Mond gern in menschlichen Idealgestalten (meist Frauengestalten) veranschaulicht, mit dem Unterschied, daB die Sonne stets mit der Krone, dem Kranze oder dem strahlenden Stern versehen ist, während auf dem Haupte des Mondes meist nur das Zeichen = oder m erscheint. Die Krone und der Strahlenkranz, die auf den Kreis, das Zeichen des Alls und der Ewigkeit deuten, kennzeichnen die zeugende, wirkende und herrschende Kraft. Der Halbkreis oder die Sichel, der die 1) Roller II, Pl. LIV. 2) Roller I, Pl. XXVIII. 8) Sehr merkwürdig ist in dieser Beziehung die auf einer altchristlichen Tonlampe erhaltene bildliche Darstellung, die sich bei F. X. Kraus, Realencyklopädie etc. II, 792 findet. Vgl. auch Kraus a. O. II, 766.

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Empfängerin des Lichtes ziert, deutet auf die empfangende und leidende Persönlichkeit, der keine ursprüngliche, zeugende Kraft innewohnt. ee Eine ganz eigenartige Stellung nimmt neben dem Kreise, den Linien und den Punkten die Figur des Halbkreises ein, wie wir sie als Abzeichen des erborgten Lichtes finden. An überaus zahlreichen Stellen begegnet in den Latomien folgendes Zeichen: in mehr oder weniger klarer Ausprägung, mit oder ohne Verbindung von Linien oder Kreisen. Neben den Kreisen, den Sinnbildern der Aonen, die im Ather als ewige Wesen thronen, erscheint die menschliche Seele — die Psyche oder Anima, die nicht mit der Vernunft oder der geläuterten Seele zusammenfällt — als geteilter Kreis. Der Dualismus von Stoff und Geist, der die Zweiheit beherrscht, wird wie durch ein Einheitsband verknüpft, durch das die Seele ein Stück und ein Teil des Ewigen wird. Wie die Sonne und ihr Bild, der strahlende Kreis, das ewige Licht symbolisiert, so ist der Halbkreis gleichsam das Lehrzeichen des erborgten Lichts oder jenes Funkens des Lichts, der in der Menschenseele schlummert. Im besondern aber bedeutet das Lehrzeichen offenbar denJenigen Menschen, der die kultischen Weihen erhalten und dadurch gleichsam symbolisch das Licht empfangen hat, und zwar scheinen dieser Unterscheidung bestimmte Zusätze zum Zeichen des Halbkreises gedient zu haben. So erscheint der Halbkreis gern in Verbindung mit dem Stab (der Monas) in folgender Weise: P L oder mit dem doppelten Gamma: oder mit der Dreizahl:

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Heft 2. so daB die Umdeutung in die Formen eines Ankers oder einer Sense sehr nahe lag. Wir haben gesehen, daß auf den Grabkammern der Katakomben gern die Dreimaldrei, die Fünf und die Sieben erscheinen, und da ist es bemerkenswert, daß eben zu diesen Lehrbildern der Fünfzahl, der Siebenzahl und der Neunzahl der Zusatz des Halbkreises am häufigsten vorkommt und zwar in folgenden und ähnlichen Abwandlungen: ader: die sämtlich auf die Fünfzahl der Punkte hinweisen. Aber auch die Hindeutung auf die heilige Siebenzahl ist sehr häufig, z. B.: Sehr deutlich wird der vorschwebende Gedanke, wenn der Halbkreis auf den Gräbern in Verbindung mit der Zahl der Vollendung, der Dreimaldrei-Zahl, in folgender oder ähnlicher Form (Rota celestis) erscheint:

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Auch der Turm, den wir oben charakterisiert haben, erscheint in Verbindung mit den Halbkreisen in folgender Art: Und ebenso das Rechteck, das Sinnbild des Tempels in folgender Weise: IC Auch das Symbol des Alls und das der Menschenseele kommen in Verbindung mit dem Zeichen des Tempels in folgenden Formen vor: Und die einzigen in den Säulenhallen der unterirdischen Gruftbauten reicher ausgeführten geometrischen Figuren zeigen eben diese Verbindung des Kreises, des griechischen Kreuzes und der Halbkreise in folgenden Gestalten:

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Heft 2. Wenn man erwägt, daß diese symbolischen Darstellungen als Grundelemente der Deckengemälde in den Tempelhallen erscheinen, so wird klar. daß hier eine beabsichtigte Hindeutung auf das Haus Gottes, in dem die Menschen im Aufschauen zum höchsten Wesen sich vereinen, vorliegt. Wir haben schon oben wiederholt auf die Umdeutungen und Verhüllungen hingewiesen, die diese einfachen geometrischen Lehrbilder im Laufe der Zeit erfahren haben. Besonders frühzeitig erscheint, wie bemerkt, eine beabsichtigte Angleichung an gewisse Buchstaben des Alphabets und es ist deutlich erkennbar, daß man allmählich aus solchen Buchstaben die Hinweise auf verabredete Erkennungsworte machte. die den Eingeweihten sagten, was gemeint war, ohne den Außenstehenden den tieferen Sinn der Sache zu verraten; so enthält die Umdeutung vielfach auch für die Mitglieder selbst eine Verdeutlichung der uralten Lehrzeichen, deren Verständnis verloren zu gehen drohte. Auf die Umschmelzung des einfachen Dreiecks in den Buchstaben A und des mehrfachen Dreiecks in das Doppel-Alpha, Pentalpha u. s. w. haben wir oben bereits hingewiesen. Merkwürdiger noch ist die frühzeitige Umdeutung des einfachen Winkelhakens in den Buchstaben Gamma (I), des dreifachen Winkelhakens (s. oben S. 72) in den Buchstaben Omega und des vierfachen Winkels in die Crux gammata. Aus dem doppelten Winkel (T) wird der Buchstabe Tau. Aus dem Zeichen der Drei-Einheit (Y) wird der Buchstabe Ypsilon. Aus dem Zeichen der Zweimalzwei-Zahl (X) wird der Buchstabe X. Es ist längst anerkannt, daß der Buchstabe Y zugleich als Anfangszeichen eines pythagoräischen Erkennungswortes, das vielleicht als Gruß gebraucht ward, nämlich des Wortes Hygieia (d. h. Salus), gedient hat. Auch kann es nicht wohl zweifelhaft sein, daß der Buchstabe T als Hindeutung auf das Wort T# (Gaia) oder Erde benutzt worden ist.’ Auch kommen die geometrischen Lehrbilder in Zusammensetzungen derart vor, so daß man mehrere Buchstaben vor sich sieht. 4) Man weiB, welche Bedeutung die I“ Mim, die Mutter Erde, in den sogenannten Mysterien von Eleusis besessen hat.

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Sie erscheinen in Verbindung mit den oben erörterten geometrischen Figuren, z. B.: X + € Ob damit ein Hinweis, auf die Aoniden in dem oben erörterten Sinne dieses Wortes beabsichtigt war, ist einstweilen nicht klar zu ersehen. Auch andere Lehrbilder nehmen die Gestalten mehrerer Buchstaben an, z. B.: Ixo die man schon längst als Zeichen des Ichthys oder des Fisches (siehe unten S. 92) gedeutet hat. Ferner wird das Lehrzeichen 2 schon in der antiken Welt, wie F. X. Kraus nachgewiesen hat, in die Buchstaben: XP umgedeutet und als Münz-Zeichen verwendet. ') Merkwürdig und bezeichnend ist, daB sich auf lateinischem Sprachgebiet die Umschmelzung der alten geometrischen Lehrzeichen in lateinische Buchstaben und in Anfangszeichen bestimmter Erkennungsworte fortsetzt. Der Buchstabe A, der auf griechischem Sprachgebiet die Eingeweihten wohl auch auf die Worte Arca oder Akakia (Unschuld) hinwies, deutet lateinisch auf Amicitia. Aus dem Winkelhaken wird der Buchstabe V, und wird auf Vivas und Virtus gedeutet. Je nach dem Zusammenhang, in welchem die Buchstaben erschienen, wuBten die Eingeweihten sehr bald, was gemeint war. Besonders merkwürdig sind die Schicksale, die das Gamma (I’) auf lateinischem Boden in späterer Zeit erlebt hat. Es scheint, ı) Kraus a. U. I, 225. Kraus meint, daß man das Wort XPYZON damit habe bezeichnen wollen.

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Heft 2. daB der Sinn des alten Zeichens immer mehr verloren ging oder immer tiefer verschleiert werden mußte. Jedenfalls verschwand die Tx Mmp, die Mutter Erde, aus der kontrollierbaren Zeichensprache; an deren Stelle aber erscheint das Wort: Gaemetria oder Geometria. Diese Umwandlung bedeutet einen wichtigen Wendepunkt in der Geschichte der alten Kultgenossenschaft. Die Umschmelzung einzelner oder mehrerer alter geometrischer Lehrzeichen in Buchstaben erstreckt sich auch auf die oben besprochene Form des Halbkreises; auch dieser wird sehr oft zum Buchstaben und zum Anfangszeichen bestimmter Worte, die innerhalb der Kultgengssenschaften in Gebrauch waren, die man aber vor Uneingeweihten ungern aussprach. So erscheint der Halbkreis C, der der älteren Form des Buchstabens £ entspricht, als Geheimzeichen für das Wort Systema, das die Brüderschaft selbst bezeichnete. Auf lateinischem Sprachgebiet wird das Zeichen C, zu C und deutet auf das Wort Collegium hin, das (ähnlich wie die Worte Coetus und Circulus) im Sinne des Wortes Systema gebraucht ward. Die Form des Halbkreises oder das C erscheint auch in vielfacher Wiederholung und Verschlingung, die vielfach wie ein ornamentaler Schmuck, aber doch in beabsichtigter Art verwandt wird. In ihrer Verbindung stellen diese verschlungenen Linien eine ‚geschlossene Kette dar. Durch diese und ähnliche Umdeutungen schuf man sich Zeichen, die man für die Zwecke der Geheimsprache neben den älteren Lehrzeichen in Gebrauch nehmen konnte und die eine dauernde Bereicherung des kultischen Sprachschatzes darstellten. Nicht nur zur bildlichen Darstellung des Ideengehaltes brauchte man Symbole; vielmehr bedurfte man auch zur Versinnbildlichung der reichgegliederten Organisation, die sich die Kultgenossenschaft geschaffen hatte, derartiger Embleme. Wir müssen hier davon absehen, die Frage dieser Organisationen zu berühren), es ist aber höchst wahrscheinlich, daß gewisse Buchstaben, die sich in Verbindung mit den Lehrzeichen finden, auf die Namen der Systeme oder örtlicher Verbände — wir wissen, daß Namen wie „Ad duas 1) Einzelnes findet sich bei L. Keller, Latomien und Loggien, S. 6.

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lauros“ oder „Ad ursum pileatum“ in Übung waren — hindeuten. So findet sich folgendes Zeichen !): (ANN Ferner entwickelten sich auch andere Umdeutungen der Punkte- und Linien-Zeichen und zwar können wir den Gebrauch zahlloser unbeseelter Naturdinge einschließlich der Pflanzen, die irgendwelche Ahnlichkeiten boten, beobachten: das Bedürfnis nach Angleichung und Verschleierung machte die Angehörigen der Geheimkulte erfinderisch. Ahnlich wie stark bedrohte Lebewesen der Tierwelt nahmen diese Verbände gleichsam die Farbe ihrer Umgebung an, um sich vor ihren Feinden zu schützen. Wir haben oben bereits auf die Säulen, die Felsen, die Berge u.s.w. hingewiesen. Noch häufiger ist die Umdeutung m Werkzeuge und menschliche Gebrauchsgegenstände aller Art, zumal in solche, wie sie bei den Erbauern der unterirdischen Tempelhallen im Gebrauch und'in Übung waren. Die Idee vom großen Baumeister aller Welten, die das ganze Lehrsystem beherrschte, zeigte auch hier den Weg und die Richtung an, die diese Werkleute und Mitarbeiter am „Tempel der Weisheit“ gehen konnten, wenn sie in ihrem Gedankenkreise bleiben wollten. Für das am meisten gebrauchte Lehrzeichen IN oder NW standen das Winkelmaß und der Zirkel zur Verfügung. Anstatt der beiden übereinanderliegenden Winkelhaken: XX deren Vorkommen in den Katakomben wir oben nachgewiesen haben, erscheint später folgendes Zeichen: Vergl. Kraus a. 0. Il, 231 und 236.

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Heft 2. und zwar kommen Zirkel und WinkelmaB schon in den Katakomben selbst unverhüllt als Symbole und Lehrzeichen oder Umschreibungen von solchen vor. Anstatt des nicht minder häufig gebrauchten Symbols: 7 erscheint in klarer Nachbildung der Hammer. Besonders merkwürdig ist, daB das eigenartige Lehrbild: P oder A schon in den alten Tempelhallen der Katakomben in der Form der Spitzhacke erscheint. Bilder von Mannern, die in der Hand den Stab, das Zeichen der leitenden Gewalt und der Herrschaft und wohl auch das Symbol der zur Freiheit und Selbstbeherrschung emporgestiegenen Persönlichkeit, führen, kommen in den Felsentempeln oft vor; noch häufiger aber begegnet der Stab mit dem Halbkreis, der wohl den gleichen Sinn mit leichten Abwandlungen wiedergebensollte. Seit den Zeiten, wo die alten Kultgenossenschaften gezwungen waren, sich in das Gewand von Bauhütten oder Steinmetzwerkstätten oder Latomien einzuhüllen, um sich noch wirksamer als bisher vor ihren Verfolgern zu schützen, machte die Umdeutung der heiligen Zahlen in harmlose Werkzeuge aller Art rasche Fortschritte. Die Gedanken und die Gegenstände der Verehrung und der Liebe, die man unverhüllt nicht darstellen konnte, wurden mit wunderbarem Geschick in einer neuen Verschleierung den Blicken der Uneingeweihten entzogen. Anstatt der Männer mit dem Stabe oder mit Halbkreis und Stab erscheinen Personen, die die Spitzhacke in den Händen führen, und allmählich sieht man Bilder von Steinmetzen mit Zirkel, Hammer, Spitzhacke, Schurzfell u. s. w. an deren Stelle treten. Es gibt zu denken, daß auf diesen, allen Forschern wohlbekannten Bildern der Fossoren, die bei der Erbauung der heiligen Hallen tätig waren, rituelle Zeichen und Symbole vorkommen,

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die mit dem Handwerk als solchem nicht das geringste zu tun haben’). ‘ Für die Siebenzahl nahm man den Maßstab, für die Vierzahl den Kubus (behauenen Stein), für die Dreizahl das Richtscheit, die Bleiwage oder die Kelle, u. s.w., u. s. w. in Gebrauch. Aber nicht nur aus dem Leben der Steinmetzen wurden die Symbole entnommen, sondern auch aus dem der Hirten und aus dem der Schiffer, Fischer, Ackerbauer u.s. w. Die heilige Sieben ward durch die Flöte dargestellt, mit welcher die Hirten ihre Schafe zu sammeln pflegten, durch die Syrinx. Das Zeichen P ward zum Hirtenstab; selbst der Milcheimer kommt vor, um gewisse Ideen anzudeuten. Aus dem Leben der Schiffer und Fischer sind die Symbole besonders zahlreich: der Anker, der Taumast, das Segel, das Schiff u. s. w. kommen vor: Auch das Pflanzenreich stand zur Verfügung: für die Fünfzahl nahm man, wie oben bemerkt, die Rose, den Wein, die Lilie. An Stelle der drei Linien (Säulen) tauchen die drei Bäume (drei Palmen) auf, die in der Form des rechten Winkels angeordnet sind. Noch merkwürdiger ist die Umwandlung, die der Halbkreis durch den Gebrauch von Tier-Symbolen erfahren hat. Als Lehrzeichen der Seele (Anima) erscheinen, wie wir sahen, die Formen Sm Oder ma In Umdeutungen dieser geometrischen Figur begegnen die Gestalten der Taube, des Fisches und des Schafes. Die Wahl von Tieren, die in Herden oder Schwärmen aufzutreten pflegen, 1) Man vergleiche das bekannte Fossoren-Bild bei Perret, Catacombes de Rome. Paris 1851. I, Pl XXX. Merkwürdig sind nicht nur die Zeichen: re ro auf dem Schurzfell, sondern auch das über die linke Schulter geschlagene weiße Tuch.

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ist wohl keine zufällige. Heft 2. Gleichsam um den Sinn der Lehrzeichen bestimmter zu umschreiben. kommen Tauben und Band, Schafe und Halbkreis sehr oft in Verbindung vor, sodaß z. B. zwei Tauben das Zeichen == an beiden Enden halten oder daß das Schaf das Zeichen P trägt, das die leitende Gewalt der Vernunft und der Weisheit symbolisiert. Auf Monumenten, Gemälden, Mosaiken, Goldgläsern u. s. w. erscheint ständig wiederkehrend das Symbol der Taube und der Tauben: die Seele darstellend, die von Friede, Freundschaft und Liebe erfüllt ist. Wie als Erläuterung des Sinnbildes stehen oft neben der Taube die Worte Pax oder. In Pace oder Anima Innocens oder Anima Simplex'). Wir haben schon erwähnt, daß der Halbkreis im Unterschied vom Kreise und vom Sonnenlicht das irdische und erborgte, gleichsam das geteilte Licht und die Lichter symbolisiert. Daher findet sich die Taube oft in Verbindung mit der Lampe oder die Lampe in Gestalt einer Taube: die Seele, die durch die Liebe, Treue und Tugend zum Licht emporgedrungen ist. Und wenn sich öfters Tauben auf den Säulen angeordnet finden, so besagt dies dasselbe, was anderwärts die Lampen auf den Säulen andeuten. Wo die Taube mit der heiligen Dreimaldrei-Zahl (in Gestalten von Früchten, Blättern u. s. w.) erscheint, da wird auf die zur Vollendung eingegangene Seele hingewiesen. Auch das Symbol des Fisches deutet auf die Seele, wenn auch mit anderen Nuancen und abweichenden Anspielungen, deren Möglichkeit man dadurch erweiterte, daß man das Bild dex Delphins hinzunahm. Es ist die Seele, die durch das Wasser die Weihen des Bundex empfangen hat: der Delphin ist daher gleichsam der Führer, Helfer und Träger der Seele auf dem Wege zur Vollkommenheit, dem „besseren Lande“ oder „den Gefilden der Seligen“: er ist das Sinnbild der hilfreichen Menschenfreundlichkeit und der edlen Menschlichkeit. die gleichsam die erste Stufe darstellt, auf der der Mensch zur Höhe der Vollendung emporsteigt. Daher nennt Athenaeus den Delphin den besten Menschenfreund und Gregor von Nyssa erkennt in ihm einen Meeresbewohner, der Eigenschaften von „Königlichem* Wert besitzt?). 1) Vergl. Kraus a. O. II, 819. 3) Vergl. Kraus a. O. I, 352 und I, 619.

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Es ist beachtenswert, daß die Symbole der Taube und des Delphins allmählich durch das Lehrbild des Lammes zurückgedrängt werden, das ursprünglich wohl die Unschuld und die Reinheit der Seele bedeutet hat, dann aber seit dem vierten Jahrhundert eine ganz bestimmte Beziehung auf die Person Christi erhielt. Eine Erinnerung an die einstige Bedeutung ist vielleicht darin zu erkennen, daß das Vließ des Lammes, zu weißem Schurz und weißer Bekleidung umgestaltet, stets das Symbol der Seelenreinheit geblieben ist. Sehr häufig begegnet der doppelte Winkelhaken 7 in Verbindung sei es mit der Taube, dem Lamm oder dem Fisch; auch das griechische Kreuz kommt mit gleichen bildlichen Zusätzen und Erläuterungen vor.) Wir haben oben auf die Anwendung der Dreimaldrei, der Fünf und der Sieben auf den Grabkammern hingewiesen. In Verbindung mit diesen heiligen Zahlen werden an vielen Stellen die Tauben, die Fische und die Schafe sichtbar, gleichsam als Bild der Seele des Freundes und des Bruders, der zur Vollendung eingegangen war. Die Menschenseele, die durch die Gelassenheit oder die Demut, wie man damals sagte, zur Reinheit und zur Vereinigung mit dem Ewigen hindurchgedrungen ist, hat ein höheres Leben in sich, das durch keinen Tod vernichtet werden kann. Die Lehre von dem unendlichen Wert der Seele und von Gott und von Gottes Eingehen in die reine Menschenseele bildet den Mittelpunkt des Gedankeninhalts der Kultgenossenschaft, deren Religion durch die Lehre von den heiligen Zahlen charakterisiert wird. Weder für den Opferkult, den die Staatsreligionen übten, noch für den Glauben an die Dämonen, von dem die Massen beherrscht wurden, noch für die Idee eines heilsvermittelnden Priestertums war in diesem System Platz und nicht eine Spur solchen Aberglaubens ist in dieser Religion der Weisheit und der Tugend und in ihrer Symbolik nachweisbar. Allmählich begann auch die geometrische Figur des Kreises, des Lehrbildes der Ewigkeit, der Umdeutung und Erläuterung 1) Kraus a. O. II, 232. Monatshefte der C.G. 1906,

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Heft 2. bediirftig zu werden. Es geschah, indem man an die Stelle desselben menschliche Idealgestalten, d. h. unsterbliche Wesen, setzte. Daher kommt es, daß die sieben Sterne, die sonst durch sieben Kreise lehrbildlich dargestellt werden, unter dem Bilde von sieben menschlichen Ideal-Figuren, Männern oder Jungfrauen — meist ist das Geschlecht nicht deutlich erkennbar und es scheint darin fast ein beabsichtigter Hinweis auf die MenschenSeele zu liegen, für die es keinen Unterschied des Geschlechtes gibt — vorkommen, und daß die drei Weltkörper, die uns am nächsten stehen, als drei männliche Personen charakterisiert werden. Neben und über diesen in Gruppen auftretenden Gestalten erscheint als Einzelfigur die Idealgestalt einer menschlichen Persönlichkeit, meist als Weib, öfters auch als Mann charakterisiert, die durch Krone und Sternenmantel als königliche Herrscherin gekennzeichnet wird.) Diese Gestalt mit dem Sternenmantel ist die Liebe und die Weisheit, und es ist aus der Anordnung, in der sie unter den übrigen Lehrbildern erscheint, klar erkennbar, daß sie den Mittelpunkt des Gedankenkreises und der Kulthandlungen bildet. Gott ist die Liebe, und die Liebe ist Gott, und die Liebe’ ist der Weisheit höchster Schluß. Unter keinem anderen Sinnbild als dem der Weisheit und der Liebe, die im Strahlenkranz des ewigen Lichts als Erleuchterin und Beherrscherin des Alls gedacht wird, konnte man sich die Idee des Ewigen näher bringen als unter dem Symbol der Königin im Sternenmantel. Indem sie den Inbegriff der „Kunst“ der Steinmetzen und ihrer Latomien und das höchste Ziel des Strebens aller ihrer Jünger darstellte, ist sie in unzähligen, mehr oder weniger durchsichtigen Verhüllungen als die Königliche Jungfrau von den Dichtern besungen und von den Künstlern in Stein und Erz verewigt worden. War sie doch der Urquell, aus dem alle anderen „heiligen Zahlen“, Formen, Ideen, die Logoi und der Logos entsprungen waren und in denen sich das All zur ewigen Einheit zusammenfaßte. Dies Symbol der Frauengestalt mit der Krone, dem Kranz, dem Zepter oder der Himmelskugel und dem Stern?), bisweilen 1) Sie erscheint z. B. auf einem vielbesprochenen Goldglase ans dem Coemiterium Saturnini (Kraus II, 792). Auch Kraus deutet diese „Königin“ als das Lehrbild der ewigen Weisheit Gottes. 3) Bei Roller, Les Catayombes de Rome, Paris 1881, S. 40, erscheint die „Königin“ außer mit Krone‘und Zepter auch mit dem Lehrzeichen eines Buches. — Weitere Darstellgngen s. bei Perret, a. O. I, 69 und II, 57. A \ \ \ \ à

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auf Säulen gestützt oder in Verbindung mit dem Symbol des Turmes, den wir erwähnt haben, mit goldglänzendem Schmuck auf blauem Gewande geschmückt, war unter dem Namen der Königin — Basilissa pflegt sie auf griechischem Sprachgebiet genannt zu werden’) — oder auch der Panagia allen Eingeweihten wohl bekannt. Neben ihr erscheinen in betender Haltung oft symbolische Frauengeëtalten (Oranten), die die Menschenseelen darstellen; sie sind gleichsam die Dienerinnen der Himmelskönigin, das Urania, der siegreichen Wahrheit und der gekrénten Unschuld. Wenn in späteren Zeiten die übrigen Sinnbilder unter dem Namen Regalia, d.h. königliche Symbole, vorkommen,?) so ist dies um so auffallender, wenn man weiß, daß außer der Bezeichnung Oikos aionios der Name Oikos basilikos oder Arka basilike, d. h. das Königliche Haus, oder die Königliche Arche gebraucht wird, und daß zur Bezeichnung des Gottesreichs der einfache Name Königreich (Basilica) und zur Kennzeichnung der „heiligen Hallen“ der Name Königs-Burg vorkommt. Es war daher eine der überlieferten Bildersprache ganz angemessene Bezeichnung, wenn man die Kunst, die man übte, als die Königliche Kunst bezeichnete Man dachte sich den Herrn des Himmels und der Erde unter dem Bilde eines Königs oder einer Königin. Die Lehrzeichen, die wir bisher besprochen haben, finden sich sämtlich in den Katakomben, die, wie man weiß, zu altchristlichen Kultzwecken benutzt worden sind; eben diese Lehrzeichen sind aber bereits in Zeiten nachweisbar, wo das Christentum noch nicht in die Welt gekommen war. Die Anhänger Christi haben eine Zeit lang und zwar mehrere Jahrhunderte hindurch sich dieser Lehrbilder bedient, um ihre eigenen religiösen Bedürfnisse mit ihrer Hilfe zu befriedigen. Gleichsam als ob sich die ältesten Christen lediglich als eine neue Lehrart oder, wie man damals sagte, als ein neues „System“ innerhalb des großen Organismus gefühlt hätten, den sie mit ihren besonderen Ideen zu durchdringen bestrebt gewesen seien. Die Umdeutungen der Symbole, die im Laufe der Zeit unter dem Einfluß der neuen Bewegungen erfolgten — Alexandrien, 1) Vgl. Kaufmann, Segelkrale, Jenseitsdenkmäler der Antike und des tums. Mainz 1900, S.8 3) Krause, Kunsturkunden, 2 “Aufl. 1820/21 J, 1, S. 239.

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Keller, Die heiligen Zahlen. Heft 2. wo sich Griechentum und hellenisiertes Judentum begegneten. scheint der Mittelpunkt dieser Strömung geworden zu sein — sind ja so bekannt, daß wir darauf nicht einzugehen brauchen. Wir alle kennen den Sinn, den die uralten Zeichen des A und ©, des XP, der Arche, der Taube, des Lammes, des Fisches u. s. w. allmählich erhalten haben. Es ist sehr wahrscheinlich, daß dieser neue Sinn auch von vielen angenommen wurde, die an dem wesentlichen Inhalt der platonisch-christlichen Weisheit festhielten. Noch Justin der Märtyrer (f um 167 n. Chr.) bezeichnet Christus als den „Sokrates der Barbaren“, das Christentum mithin im gewissen Sinne als sokratische Lehre, nur daß er meint, in Christus sei der Logos persönlich in der Welt erschienen. Aber neben dieser Riehtung, die die Verwandtschaft der Lehre Christi und der uralten Weisheit des Platonismus erkannte und förderte, gab es frühzeitig — Paulus war ihr Wortführer — eine andere, die mehr den Gegensatz als die Verwandtschaft betonte und weiter auszubilden sich bemühte. Die späteren Entwicklungen sind bekannt: von der Zeit an, wo die neue christliche Staatskirche ins Leben trat und der Opferkult und der Teufelsglaube und das Priestertum wieder hergestellt wurden, entwickelte sich ein Kampf auf Leben und Tod zwischen der Kirche und dem jetzt sogenannten Gnostizismus. Die Brüderschaft sah sich genötigt, die Maske noch tiefer als früher in das Gesicht zu ziehen und aus „dem Haus der Ewigen“, der „Basilika“, den „Akademien“ und den „Museen“ wurden Werkstätten von Steinmetzen und Bauhütten, Latomien und Loggien oder harmlose Vereine und Gesellschaften aller Art. ı) Alle späteren größeren religiösen Bewegungen und Richtungen aber, die am platonischen Christentum oder dem christlichen Platonismus festhielten, gleichviel ob sie unter den Namen der Mystik, der Naturphilosophie, des Humanismus oder unter sonstigen Decknamen und Deckfarben als Gewerkschaften und Sozietäten erscheinen, haben die Lehre von den „heiligen Zahlen“ und der Zahlen-Symbolik mehr oder weniger festgehalten und in der richtig verstandenen Lehre von der ewigen Harmonie der Sphären den Schlüssel der Weisheit und der gefunden. 1) Vergl. Keller, Latomien und Loggien etc., Berlin 1906. Erkenntnis