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* Zum Verständnis
* Zur Person
* Die Pythagoreer
* Wirkungen der Pythagoreer
* Zur Ethik
* Zur Zahlenmystik
* Zu den geraden und ungeraden Zahlen
* Zur Eins
* Zur Drei
* Zur Vier und den Quadratzahlen
* Zur Sechs und den Vollkommenen Zahlen
* Zur Sieben
* Zur Zehn
PAsuLs FASGCRDI.CH 2023
* Zur Vierundzwanzig
* Zu den irrationalen Zahlen und den Körpern
* Zum Satz des Pythagoras
* Zu den Pythagoreischen Zahlen
* Zu den Pythagoreischen Tafeln
* Zur Musik
* verwendete Literatur
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"Die Zahl ist das Wesen aller Dinge" (Pythagoras), so stand es in der Weser-Kurier-Ausgabe
des 3.August 1991 zu lesen. Wer war er nun, dieser antike Kybernetiker? - Pythagoras war
ein griechischer Philosoph aus Samos, der um 570 v.Chr. geboren wurde . Er starb um
497/496 v.Chr. in Metapont. Pythagoras wanderte 532/531 v.Chr. nach Unteritalien aus und
gründete in Kroton den Bund der Pythagoreer mit religiösen, wissenschaftlichen, politischen
und ethischen Zielen. Seine nur mündlich vorgetragenen Lehrmeinungen umfassten u.a.
mystischpriesterliche Weisheit. Die Entdeckung bestimmter rationaler Zahlenverhältnisse in
der Natur führte Pythagoras zu der Lehre, dass das Wesen der Wirklichkeit die Zahl sei. Die
Aussage des ihm zugeschriebenen "Satz des Pythagoras" war für Einzelfälle schon vor
seiner Zeit bekannt - soweit nach Brockhaus.
Zum Verständnis: Es muss vorab erwähnt werden, dass den Griechen eine Unterscheidung
zwischen geistiger und körperlicher Arbeit fremd war. Das Studium der damaligen
Wissenschaften galt als Vergnügen des freien Mannes und nicht als Arbeit. Gerade die
Mathematik galt als Selbstzweck und stand bei den Griechen im Zentrum aller
Wissenschaften. Geometrische Konstruktionen wurden einfach in den Sand gemalt und
später ausgewischt. Nach E.Schneider war es Plato (427 - 347 v.Chr.), der noch streng
darauf bedacht war, dass nicht die Würde der Geometrie verletzt wird, indem man sie durch
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Inhalt
"Die Zahl ist das Wesen aller Dinge" (Pythagoras), so stand es in der
Weser-Kurier-Ausgabe des 3.August 1991 zu lesen. Wer war er nun,
dieser antike Kybernetiker? - Pythagoras war ein griechischer Philosoph
aus Samos, der um 570 v.Chr. geboren wurde . Er starb um 497/496
v.Chr. in Metapont. Pythagoras wanderte 532/531 v.Chr. nach Unteritalien
aus und gründete in Kroton den Bund der Pythagoreer mit religiösen,
wissenschaftlichen, politischen und ethischen Zielen. Seine nur mündlich
vorgetragenen Lehrmeinungen umfassten u.a. mystischpriesterliche
Weisheit. Die Entdeckung bestimmter rationaler Zahlenverhältnisse in der
Natur führte Pythagoras zu der Lehre, dass das Wesen der Wirklichkeit
die Zahl sei. Die Aussage des ihm zugeschriebenen "Satz des
Pythagoras" war für Einzelfälle schon vor seiner Zeit bekannt - soweit
nach Brockhaus.
* Zum Verständnis
* Zur Person
* Die Pythagoreer
* Wirkungen der Pythagoreer
* Zur Ethik
* Zur Zahlenmystik
* Zu den geraden und ungeraden Zahlen
* Zur Eins
* Zur Drei
* Zur Vier und den Quadratzahlen
* Zur Sechs und den Vollkommenen Zahlen Zum Verständnis: Es muss vorab erwähnt werden, dass den Griechen
eine Unterscheidung zwischen geistiger und körperlicher Arbeit fremd war.
* Zur Sieben
Das Studium der damaligen Wissenschaften galt als Vergnügen des freien
* Zur Zehn
Mannes und nicht als Arbeit. Gerade die Mathematik galt als Selbstzweck
* Zur Vierundzwanzig
und stand bei den Griechen im Zentrum aller Wissenschaften.
* Zu den irrationalen Zahlen und den Körpern Geometrische Konstruktionen wurden einfach in den Sand gemalt und
später ausgewischt. Nach E.Schneider war es Plato (427 - 347 v.Chr.), der
* Zum Satz des Pythagoras
noch streng darauf bedacht war, dass nicht die Würde der Geometrie
* Zu den Pythagoreischen Zahlen
verletzt wird, indem man sie durch Anwendungen vom Unkörperlichen und
* Zu den Pythagoreischen Tafeln
Intellektuellen zum Körperlichen herabsinken lässt. Euklid (365 - 300 v.Chr.)
* Zur Musik
war es schließlich, der rund 200 Jahre nach Pythagoras das erste
geometrische Lehrbuch "Elemente" schrieb und damit förmlich einen Bann
* verwendete Literatur
durchbrach. Erst Archimedes (287 - 212 v.Chr.) handelte als Mathematiker
und Ingenieur entscheidend anders und wendete die Mathematik praktisch an.
Bis zu Pythagoras war es üblich, sich als Gelehrter, als einen "Weisen" ("sophos"), zu bezeichnen. Pythagoras war der
erste seiner Zunft, der das anmaßend fand und sich bescheidender einen "philosophos", also einen "Freund oder auch
Liebhaber der Weisheit", nannte. Zu seiner Zeit und in deren Folge trug ein Philosoph des alten Griechenland seine Lehren
mündlich vor, er dozierte und ließ selbst selten Diskussionen darüber zu. Kam es zu solchen über die Lehre des
Pythagoras, führte die Redewendung "autos epha" , "er hat es selbst gesagt", dazu, dass diesem Argument nicht
widersprochen werden durfte. Schriftliche Aufzeichnungen existieren aus dieser Zeit und gerade von Pythagoras daher
nicht. Es ist im übrigen schwer zu sagen, welche Erkenntnisse ihm selbst und welche seinen Anhängern zu verdanken sind,
da sie alles ihrem Meister zuschrieben.
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Zur Person: Um die Person des "Pythagoras" hatten sich seit dem Altertum viele Legenden gebildet. Es ist folglich schwer
zwischen Dichtung und Wahrheit zu unterscheiden. Ich möchte im folgenden jedoch auch Legenden nicht ganz unerwähnt
lassen, um die Persönlichkeit des Pythagoras und das Lehrgebäude der Pythagoreer besser darstellen zu können.
In der Tat wurde Pythagoras um 570, andere Quellen sagen um 580 v.Chr., auf der Insel Samos in Griechenland geboren.
Er war Sohn des Goldschmieds Mnesarchos und hatte das Glück eines guten Lehrmeisters und Förderers, des
Pherekydes. Nach dessen Tod lebte Pythagoras geraume Zeit in Ägypten und beschäftigte sich mit den dortigen
Wissenschaften, der Mathematik und den Mysterien. Man muss hierzu wissen, dass die Ägypter zur damaligen Zeit,
zumindest in der Mathematik, im Gegensatz zum mathematisch unterentwickelten Abendland weltführend waren. Nach dem
Aufenthalt in Ägypten folgten weitere ausgedehnte Reisen, u.a. zu den Persern und Phöniziern, wo Pythagoras seine
Studien abrundete.
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Die Pythagoreer: Nach der Rückkehr auf seine Heimatinsel Samos unterrichtete Pythagoras den Sohn des Tyrannen
Polykrates. Ob nun sein Wissensdurst, Unstimmigkeiten mit Polykrates oder andere Beweggründe Pythagoras dazu
veranlassten, seine Heimat zu verlassen, ist schwer nachzuvollziehen. Fest steht, dass er als Vierzigjähriger, um 532/ 531
v.Chr., nach Unteritalien in den antiken Ort Kroton übersiedelte. Dort, dem heutigen Crotone in Kalabrien, kam Pythagoras
den Einwohnern sehr gelegen und unterrichtete anfangs die Jugend in griechischer Weisheit. Er benutzte seine
Lehrtätigkeit aber dazu, sich eine getreue Anhängerschaft heranzuziehen, was schließlich in der Gründung einer "Schule"
mündete. Man darf sich darunter nicht eine Bildungsinstitution im heutigen Sinn vorstellen. Der Begriff der "Sekte" passt
wohl eher. Die unmittelbaren "Schüler" und Anhänger seines religiösen und politischen Bundes bezeichnet man noch heute
als die "Pythagoreer". Sie lebten, zumindest zu Anfang, wahrscheinlich klosterartig in einer Gütergemeinschaft und fühlten
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sich als eine geistige Elite, die über ein "Geheimwissen" verfügte. Laut L. de Crescenzo gehörte es auch zu ihren Riten,
sich bei Sonnenaufgang stets drei Fragen zustellen:
a) "Was habe ich Schlechtes getan?";
b) "Was habe ich Gutes getan?";
c) "Was habe ich versäumt zu tun?".
Danach mussten sie folgenden Satz aussprechen: "Ich schwöre es auf jenen, der unserer Seele die göttliche tetraktys
offenbart hat". Mit "tetraktys" war die den Pythagoreern heilige Zahl Zehn gemeint.
Es herrschte das Führerprinzip, dessen erste Person zu seinen Lebzeiten Pythagoras war. Dieser lehrte jeden Abend in
Form einer Vorlesung seiner Zuhörerschaft, die durchaus von weither angereist kam. Nach L. de Crescenzo begann er
stets seine Reden mit dem Satz: "Nein, bei der Luft, die ich atme, nein, bei dem Wasser, das ich trinke, ich gestatte keinen
Widerspruch zu dem, was ich sage". Dieser Satz lässt deutliche Rückschlüsse auf das Demokratieverständnis des
Pythagoras zu. Interessanterweise verbarg er sich bei seinen Vorträgen stets hinter einem Vorhang. Nur wenige bekamen
ihn direkt zu Gesicht. Seinen Anhängern war dieses Erlebnis erst nach Abschluss der vorgeschriebenen fünf Studienjahre,
die unter Wahrung strikten Schweigens abliefen, vergönnt. Entsprechend ranken sich um sein Aussehen und seine
Erscheinung viele Legenden.
Der große Pythagoras teilte seine Zuhörer gewöhnlich in zwei Kategorien ein: die "Mathematiker" waren jene, die das Recht
hatten, Wissen, "mathematha", zu erwerben. Die andere Gruppe, die "Akusmatiker", durften nur zuhören. So wundert es
nicht, dass die Pythagoreer, wie alle esoterischen Bünde, auch ihre eigene, nur den Eingeweihen verständliche Sprache
hatten. Sie bestand u.a. aus Zahlencodes und Symbolen. So sollte verhindert werden, dass ihr Geheimnisse an Unwürdige
gelangte. Zu den Erkennungszeichen der Pythagoreer untereinander gehörten z.B. das Pentagramm und der Satz "Bleib
gesund" (Bild 1).
Bild 1
Das Pentagramm
Die Pythagoreer machten sich durch ihre grundsätzlich aristokratisch-konservative politische Einstellung viele Feinde. Sie
bildeten bald einen Staat im Staate und versuchten anscheinend ihre Lehre jedem aufzudrängen. So verwundert es auch
nicht, dass die Philosophie der Pythagoreer im 5. und 4. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung in Unteritalien und
Griechenland einen großen Einfluss ausübte. Jedoch wurde nicht jeder in ihren Bund aufgenommen, sondern nur
diejenigen, die man als würdig erachtete. Bei ihrer Aufnahme mussten sie mehrere Dinge geloben: Gehorsam,
Verschwiegenheit, Enthaltsamkeit, Bescheidenheit und kein Tier zu töten, das den Menschen nicht angreift, u.a.m. Männer
und Frauen fanden Eingang in den Bund der Pythagoreer. Es sei nebenbei erwähnt, dass die im pythagoreischen Sinn
gebildete Frau lange als der höchste Frauentypus galt, den die Griechen je hervorgebracht hatten.
Auf Grund des Selbstverständnisses der Pythagoreer kam es dann auch, dass sie um um 497/496 v.Chr. in ihrem
damaligen Haupthaus, das des Athleten Milon, eingeschlossen und verbrannt wurden. Nur wenigen gelang die Flucht, unter
ihnen ihrem Meister Pythagoras. Nach L. de Crescenzo berichtet Dikäarchos: "Der Philosoph sei in den Musentempel von
Metapont geflüchtet, nachdem er aber dann nicht mehr habe leben wollen, habe er das Essen verweigert und sei des
Hungers gestorben". Pythagoras wäre danach etwas älter als 73 Jahre geworden. - Als politischer Bund und Mittelpunkt
einer aristokratischen Partei sollen sich die Pythagoreer in Unteritalien noch bis in die Mitte des vierten vorchristlichen
Jahrhunderts gehalten haben. Die damalige Demokratiebewegung sprengte den Bund letztlich auseinander.
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Zur Ethik: Die geistigen Vorstellungen der Pythagoreer stehen in einem Spannungsfeld, gebildet aus einem grundlegenden
Ordnungsprinzip, magischen Vorstellungen, einer harmonischen Lebensführung sowie der Musik. - Die Lehre von der
Seelenwanderung war eine ihrer esoterischen Basen. Pythagoras selbst behauptete offenbar, dass dieses sein viertes
menschliches Leben war. Laut L. de Crescenzo war seine Seele zwischen diesen Reinkarnationen in zahlreiche Tierarten
und sogar in einige Pflanzen weitergewandert. Die Pythagoreer waren folglich strenge Vegetarier, da im Tier die Seelen
verstorbener Menschen weiterlebten. Merkwürdigerweise verboten ihnen ihre Diätvorschriften aber auch Bohnen, weil ihr
Genuss dumm machen soll, soweit nach E.Schneider. Diese Vorschrift für den Essensplan ging aber wohl eher auf eine
Laune ihres Meisters zurück, der in seiner Kindheit schlechte Erfahrungen mit der Hülsenfrucht gemacht haben muss.
Begründet in der Vorstellung der Wiedergeburt war den Pythagoreern die Vorstellung von der Vergeltung der Taten wichtig.
Ihre Annahme war, dass man im nächsten Leben für seine derzeitigen Taten bestraft oder belohnt wurde. Bestraft
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bedeutete ein Wandern der unsterbliche Seele in eine niedere Spezies, also z.B. eine Pflanze, einen Hund oder ein
Schwein. Belohnt bedeutete eine Seelenwanderung in einen anderen menschlichen Körper, der im damaligen Verständnis
sozial höher stand, also in einen Kaufmann, Athleten oder Zuschauer. Der Tod ist für die Pythagoreer somit ein Ende, aber
auch ein neuer Anfang. Die Parallelen zu fernöstlichen Philosophien und Religionen sind eindeutig zu erkennen und von
Pythagoras von dort offensichtlich übernommen worden. Wegen der Vorstellung der Seelenwanderung ist Pythagoras in
Griechenland damals sehr belächelt worden.
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Zur Zahlenmystik: Den Pythagoreern galt als Erklärungsgrundlage aller Dinge, als oberstes Ordnungsprinzip, die
Mathematik, die Zahl und die Form, auf keinen Fall etwas Materielles. Vielen ihrer gebildeten Landsleute war das
unverständlich, denn Pythagoras erklärte diesen Urstoff gänzlich anders als z.B. Thales, der Wasser annahm, oder
Anaximenes, der Luft als Grundlage sah. Die Zahlen und die Mathematik bildeten für Pythagoras die Bausteine der Welt.
Pythagoras versuchte somit nicht die Welt und deren Funktionieren mit einem Urstoff, sondern mit einem Urgesetz zu
erklären. Zahlenspielereien und deren postulierte Mystik bildeten in Folge der grundlegenden Annahme somit einen
Hauptpunkt der Esoterik dieses Bundes. Die Verknüpfung von Geometrie und Zahltheorie wurde hoch entwickelt und mit
esoterischmystischen Bedeutungen belegt. Ein kleines Beispiel mag das hier verdeutlichen: Nach C.F.Endres/ A.Schimmel
war der Punkt der Eins, die Linie der Zwei, die Fläche, die ja im Dreieck erstmals erscheint, der Drei, und der von vier
Flächen umschriebene Körper der Vier zugeordnet (Bild 2). Parallelen zu heutigen geometrischen Grundvorstellungen sind
eindeutig zu sehen.
Bild 2
Punkt
Eins
Interpretation der Zahlen
Linie
Zwei
Fläche
Drei
Körper
Vier
Eins
Zwei
Drei
Vier
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Zu den geraden und ungeraden Zahlen: Gerade und ungerade Zahlen zogen ein besonderes Interesse der Pythagoreer
auf sich. Nach ihnen ist alles in zwei Kategorien eingeteilt: "Die ungeraden Zahlen sind der rechten Seite, der Grenze, dem
Männlichen, Ruhenden, Geraden, dem Licht, dem Guten und, geometrisch ausgedrückt, dem Quadrat zugeordnet" (Bild 3).
Die geraden Zahlen sind "dem Unbegrenzten, der Vielheit, der linken Seite, dem Weiblichen, Bewegten, Gekrümmten, der
Finsternis, ja dem Bösen und, in geometrischer Form, dem Rechteck" zugeordnet - soweit laut C.F.Endres und A.Schimmel.
Bild 3
1 + 3 + 5 + 7 = 16
Gerade und ungerade Zahlen
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Zur Eins: Für die Pythagoreer war die Eins eigentlich keine Zahl, eher ein Fundament aller Zahlen. Für sie hat die Zahl Eins
alle Zahlen aus dem am Anfang der Zeiten herrschenden Chaos hervorgebracht, damit auch den erwähnten Punkt, die
Linie, die Fläche und den Körper. Da die pythagoreische Zahlenmystik eine Grundlage darstellte, verwundert es nicht, dass
es in den monotheistischen Religionen nur einen Gott gibt.
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Pythagoras lehrte seinen Anhängern einen besonderen Code, den "Code des Pythagoras" oder auch "Gottesformel". Laut
Th. Waldmann ist diese transzendente Formel folgende: ∞ mal 0 = 1. Laut dem griechischen Bauingenieur Ippokratis
Dakoglou lautet die Formel jedoch: 0 plus ∞ = 1 (nach Th. Waldmann). Aus heutiger, wissenschaftlicher Sicht ist beides
mathematisch nicht wirklich interessant. Pythagoras ging es damals anscheinend darum, die unermessliche Größe Gottes
als "Zahlenspiel" beweisbar darzustellen. Er versuchte hier offensichtlich "Gott", der in seiner Lehre durch die Eins
repräsentiert wurde, mit seinem kybernetischen Weltbild zu vereinen.
Bild 4
3
Die Zahl Drei
Anfang Mitte Ende
Geburt Leben Tod
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Zur Drei: Das Christentum kennt interessanterweise schon wieder die Dreifaltigkeit. Die Drei war für die Pythagoreer die
erste Zahl, die einen Anfang, eine Mitte und ein Ende hat und jeweils nur eines davon (Bild 4). Betrachtungen mit dem
Grobablauf eines Menschenlebens nämlich, Geburt, Leben und Tod, liegen nahe. Das Dreieck war für die Pythagoreer der
"Anfang der Entstehung", denn aus dieser einfachen Fläche lassen sich alle anderen geradlinig begrenzten Flächen
zusammensetzen, ein in der Mathematik noch heute unumstrittener Lehrsatz. In der Mystik wurde das Dreieck in den
späteren Jahrhunderten deutlich belegt. Man denke an Amulette, das Auge Gottes oder moderne Dreiecksverhältnisse. Im
Hexagramm sind zwei Dreiecke innig miteinander verwoben, z.B. ein Hinweis auf das Ineinander von Makro- und
Mikrokosmos (Bild 5). Andere symbolhafte Verknüpfungen sahen die Pythagoreer in sogenannten Dreieckszahlen (z.B.: 3,
6, 10 und 15), die geometrisch angeordnet stets ein gleichseitiges Dreieck ergeben (Bild 6). - Es sei am Rande erwähnt,
dass Pythagoras auch die Erkenntnis zugeschrieben wird, dass die Summe der Winkel in einem Dreieck gleich zwei rechten
Winkeln oder - modern ausgedrückt - gleich 180 Grad ist.
Bild 5
Das
Hexagramm
Bild 6
Die
Dreieckszahlen
3
6
10
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Zur Vier und den Quadratzahlen: Auch den Quadratzahlen widmeten die Pythagoreer beträchtliche Aufmerksamkeit.
Nach C.F.Endres und A.Schimmel bemerkt Aristoteles, dass für die Pythagoreer die Zahl Vier Ausdruck der Gerechtigkeit
sei, da sie ein Produkt gleicher Faktoren und die erste Quadratzahl ist. Überhaupt war den Pythagoreern die Vier die ideale
Zahl. So war der vierte Körper, der Hexaeder oder auch Kubus genannt, das Zeichen der Erde. Der Vierfüßlergang wurde
als etwas Typisches für ein Erdengeschöpf angesehen. Ein Viereck galt geometrisch als klar und übersichtlich, mystisch als
vollkommen und festgegründet.
Auf Silberplättchen eingeritzte "magische Quadrate" hatten laut den Pythagoreern therapeutische Kraft. Bei dieser
mathematischen Spielerei werden Zahlen in einem Quadrat dergestalt angeordnet, dass die Summe jeder Zeile, jeder
Spalte und jeder Diagonale gleich ist. Noch im Mittelalter und in der Renaissance waren diese Talismänner verbreitet und
sollten gegen die Pest, Cholera und Geschlechtskrankheiten schützen. So hat auch Albrecht Dürer in seinem berühmten
Kupferstich "Melancholia" ein magisches Quadrat integriert. Die mittleren Zahlen der unteren Reihe, die Zahlen 14 und 15,
bezeichnen das Entstehungsjahr des Stiches1514 (Bild 7). Es handelt sich hier um ein sogenanntes "Jupiterquadrat", da es
aus 16 Feldern besteht und die Addition sowohl der horizontalen, der vertikalen als auch der diagonalen Zahlen stets die
Summe 34 ergibt (Bild 8 + 9). Laut der Vorstellung im 16.Jahrhundert sollte ein recht angefertigtes Jupiterquadrat seinem
Besitzer Reichtum, Frieden und Eintracht bringen.
Bild 7
Kupferstich von
Albrecht Dürer
"Melancholia"
16
3
2
13
5
10
11
8
9
6
7
12
4
15
14
1
Bild 8
Interpretation A von "Melancholia"
Die horizontale, vertikale oder diagonale Addition
der Zahlen ergeben stets die Summe 34.
Bild 9
Interpretation B von "Melancholia"
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Die Summe der Eckzahlen beträgt 34.
Die Summe des Innenquadrates beträgt 34.
u.s.w.
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Zur Sechs und den Vollkommenen Zahlen: Laut späteren Berechnungen muss der oben erwähnte Reinkarnationszyklus
des Pythagoras 216 Jahre gedauert haben. Dahinter verbirgt sich die Zahl Sechs. Die Sechs mit sich selbst dreimal
multipliziert ergibt nämlich 216. Warum es gerade dreimal sein muss, ergibt sich aus den genannten Überlegungen zur Zahl
Drei. Übrigens müsste Pythagoras danach im Jahr 1810 wiedergeboren worden sein.
Die Zahl Sechs ist nach der Lehre der Pythagoreer eine "Vollkommene Zahl". Was sind die Kriterien für solche Zahlen? Der
entscheidende Ausgangspunkt ist die Teilermenge. Die Summe der sogenannten echten Teiler ergeben die Zahl selbst.
Unter der Menge der echten Teiler wiederum versteht man die Teilermenge einschließlich der Elemente eins, aber
ausschließlich der Zahl selbst. Schon Euklid hat herausgefunden, dass es so viele vollkommene Zahlen gibt, wie man
Primzahlen, die einem bestimmten Algorithmus erfüllen, kennt. Ein klassisches Beispiel hierfür ist die Zahl Sechs. Sie hat
die Teilermenge mit den Elementen 1, 2, 3 und 6. Nach obigem Algorithmus ergibt die Summe der Zahlen 1, 2 und 3 die
Zahl 6. Auch die Zahlen 28, 496 oder 8128 erfüllen die o.g. Bedingung. Die Zahl 672 ist sogar eine "doppelt Vollkommene
Zahl".
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Zur Sieben: Die Zahl Sieben galt den Pythagoreern als das Symbol der Krise. Alles durch sieben Teilbare war den
Pythagoreern suspekt und galt ihnen von vornherein als kritisch, seien es Tage, Monate oder sonstiges. Die Volksmedizin
z.B. hat die Zahl sieben später wieder aufgegriffen.
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Zur Zehn: Die Zahl Zehn war den Pythagoreern besonders heilig, da sie die Summe aus den ersten vier, den "edelsten" der
damals bekannten natürlichen Zahlen, hervorgeht (1+ 2 + 3 + 4 = 10). War es nicht in ihrem Sinne eine Bestätigung ihrer
Vorstellungen, da man doch aus den ersten vier Zahlen ein göttliches, gleichseitiges Dreieck konstruieren konnte. Damit
wurde aus vier Einzelteilen wieder ein Ganzes (Bild 10). Für die Pythagoreer heißt das aber auch, "dass aus dem Urgrund
des Seins und der Polarität der Erscheinungen, der dreifachen Wirkung des Geistes und der Vielzahl der Materie (4
Elemente) die umfassende Zahl entsteht, in der nun auf einer höheren Ebene die Vielheit wieder zur Einheit wird: die Zehn
ist die erste Stufe zu einer neuen Vielheit, die dann wiederum mit 100 zur nächsten Stufe führt. So sind 10 und 1 für die
Pythagoreer mystisch das gleiche, wie auch 100 und 1000" - soweit C.F.Endres und A.Schimmel.
Bild 10
Das gleichseitige Dreieck
1 + 2 + 3 + 4 = 10
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Obwohl die Zahl Zehn von den Pythagoreern als allumfassende, allbegrenzende Mutter aufgefasst wurde, gab es nach
E.Schneider aber auch Probleme mit ihr. Denn, "da Erde, Sonne, Mond, die 5 Planeten und die Sphäre der Fixsterne nur
die Zahl 9 ergeben, wurde, um auf 10 zu kommen, eine Gegenerde hinzugedichtet, die zwischen der Erde und dem
Zentralfeuer um dieses kreist. Da der bewohnte Teil der Erde dem Zentralfeuer abgewandt ist, sehen wir weder dieses noch
die Gegenerde. Nur in dem Reflex an den Gestirnen nehmen wir das Zentralfeuer wahr".
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Zur Vierundzwanzig: Für die Pythagoreer ist die Zahl 24 laut C.F.Endres und A.Schimmel ein Hinweis auf die "Gesamtheit
der Glieder des Himmels; ist es doch auch die Anzahl... der musikalischen Töne: Musik als klanggewordene Zahl, Zahl als
Hinweis auf die Sphärenharmonie".
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Zu den irrationalen Zahlen und den Körpern: Laut C.F.Endres und A.Schimmel gab es im Zahlsystem der Pythagoreer
keinen Platz "für irrationale Zahlen, und die Entdeckung des Hippasus, dass die quantitative Beziehung zwischen der Seite
und der Diagonale eines Rechtecks nicht durch ganze Zahlen ausgedrückt werden kann, erschütterte das Weltbild der
Pythagoreer ebenso, wie es die Entdeckung eines fünften regelmäßigen Körpers, des Dodekaeders (gebildet aus zwölf
ebenen Flächen, z.B. Dreiecke oder Rauten), getan haben soll. In der Philosophie der Pythagoreer stellten nämlich der
Tetraeder (gebildet aus vier kongruenten, gleichseitigen Dreiecken), der Hexaeder (gebildet aus sechs kongruenten
Quadraten), der Oktaeder (gebildet aus acht kongruenten Dreiecken) sowie der Ikosaeder (gebildet aus zwanzig
kongruenten, gleichseitigen Dreiecken) die vier Elemente der physikalischen Welt dar, also Feuer, Erde, Luft und Wasser.
Die Pythagoreer halfen sich aus der Klemme, indem sie den Dodekaeder zum Zeichen des Universums machten (Bild 11).
Der Legende nach soll jedoch der Entdecker des aus 12 regelmäßigen Fünfecken bestehenden Dodekaeders ertränkt
worden sein, so sehr hat er das Weltbild der Pythagoreer durcheinandergebracht. - Platon hat sich später wieder mit diesen
regelmäßigen Körpern als "Platonische Körper" beschäftigt..
Bild 11
Regelmäßige Körper und
ihre Bedeutung laut Pythagoras
Tetraeder
"Feuer"
Hexaeder
"Erde"
Oktaeder
"Luft"
Ikosaeder
"Wasser"
Dodekaeder "Universum"
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Zum Satz des Pythagoras: "a2 + b2 = c2" oder besser "Die Summe der Kathetenquadrate ist gleich dem
Hypotenusenquadrat". Dieser berühmte "Satz des Pythagoras" ist wohl nahezu jedem Schulabgänger bekannt (Bild 12). Die
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mathematische Aussage oder auch die daraus resultierende praktische Anwendung, die hinter diesem Lehrsatz steht, ist für
Einzelfälle durchaus schon lange vor Pythagoras bekannt gewesen. Nach M.Cantor waren die "ägyptischen Geometer"
bereits zur Zeit des Königs Amenemhat I. um 2300 v.Chr. in der Lage, aus dem Seitenverhältnis 3 : 4 : 5 ein rechtwinkliges
Dreieck zu konstruieren. Nach diesem einfachen und zugleich bekanntesten "pythagoreischen Zahlen" teilten sie eine
Schnur mit Hilfe von 12 Knoten, die stets gleichen Abstand hatten, in gleiche Teile. Dann hielten sie den 3. von dem einen
und 5. Knoten von dem anderen Ende fest und spannten das Seil über drei in den Boden einzuschlagende Holzpflöcke zu
einem rechtwinkligen Dreieck (Bild 13). - Pythagoras war vermutlich nur der erste, der den eigentlichen mathematischen
Beweis für den nach ihm benannten Lehrsatz gefunden hat. Laut Diogenes Laertius (3.Jh.n.Chr.) und Plutarch (46 - 120
n.Chr.) soll Pythagoras den Göttern aus Freude über seinen Beweis 100 Ochsen geopfert haben.
Bild 12
Der "Satz des Pythagoras"
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Zu den Pythagoreischen Zahlen: Die sogenannten "Pythagoreischen Zahlen", oder auch "Pythagoreische Tripel", stehen
im Schnittfeld von Geometrie und Zahlentheorie. Als solche Zahlen bezeichnet man natürliche Zahlen, mit deren Hilfe man
ein rechtwinkliges Dreieck praktisch konstruieren kann, ähnlich dem oben beschriebenen Verfahren der "ägyptischen
Geometer", die das Seitenverhältnis von 3 : 4 : 5 benutzten (Bild 13). Der griechische Mathematiker Diophantos von
Alexandria (um 250 n.Chr.) hat sich mit diesem mathematischen Problem befasst und einen algebraischen Algorithmus zur
Lösung gefunden. Danach gibt es unendlich viele Zahlenverhältnisse, die die Bedingungen der "Pythagoreischen Zahlen"
erfüllen, z.B. 12 : 5 : 13 oder 8 : 15 : 17.
Bild 13
Die ägyptischen Seilspanner
Eine Anwendung der
"pythagoreischen Zahlen"
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Zu den Pythagoreischen Tafeln: Es ist noch gar nicht so lange her, da hat man mit den sogenannten "Pythagoreischen
Tafeln" gearbeitet. In ihnen befinden sich in schematisierter Form alle Ergebnisse des kleinen Einmaleins. Seit dem
12.Jahrhundert werd en die "Pythagoreischen Tafeln" als Rechenhilfe bei der Multiplikation verwendet. Mathematiker
vorheriger Jahrhunderte benutzten sie zur Erläuterung zahlentheoretischer Zusammenhänge. Boethius (480 - 524) schreibt
die "Pythagoreischen Tafeln" den Pythagoreern zu.
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Zur Musik: Sehr entscheidend für das Gedankengebäude der Pythagoreer und ihrer Esoterik war die Beziehung zwischen
der Mathematik und der Musik. Sie waren wohl die ersten, die eine Harmonielehre betrieben. Sie untersuchten sehr intensiv
das Verhältnis zweier Saitenlängen bei Akkorden. Als Musikinstrument diente ihnen wahrscheinlich die antike "Lyra".
Gemäss ihrer Lehre empfinden wir laut E.Schneider "den Zusammenhang der beiden Töne als harmonisch, wenn sich das
Verhältnis der beiden Saitenlängen durch kleine ganze Zahlen ausdrücken lässt. Ist das jedoch nicht möglich, so wird der
Zusammenhang als Dissonanz empfunden", d.h., dass die Verhältnisse von 1 : 2 (Oktav), 2 : 3 (Quint) oder 3 : 4 (Quart) als
harmonisch empfunden werden. Diese Entdeckungen in der Musik leitete wohl die Pythagoreer zu der Grundannahme,
dass die Welt auf ein Harmoniefunktionsprinzip zurückzuführen ist. Gleichzeitig hatten die Pythagoreer mit diesen
grundlegenden Harmonien auch die ersten vier natürlichen Zahlen gefunden, die, wie beschrieben, eine wichtige Basis in
ihrem Ordnungsprinzip wurden. So wundert es nicht, dass die Musik im Leben der Pythagoreer, insbesondere bei ihren
Feiern, eine bedeutende Rolle spielte. Die in der Musik offenbarte Harmonie verkörperte ihnen wiederum die
mathematische Grundlage allen Seins.
Pythagoras, der als erster die Welt "kosmos" nannte, hatte laut E.Schneider seine besondere Vorstellung von Mathematik,
Musik und Harmonie: "Erde, Sonne, Mond, die 5 Planeten und die Sphäre der Fixsterne kreisen um ein im Mittelpunkt der
Welt stehendes Zentralfeuer und tönen dabei in ewigen Harmonien. An diese brausenden Akkorde hat sich nur unser Ohr
so sehr gewöhnt, dass wir sie nicht mehr wahrnehmen können". Die Pythagoreer glaubten folglich bereits, dass sich die
Erde und alle Sterne bewegen und es einen Zentralstern gäbe. Eine gewaltige Vorwegnahme des kopernikanischen
Weltbildes steckt in dieser Philosophie. In der Tat wurde der große Astronom von den Pythagoreern maßgeblich
beeinflusst, denn in der Renaissance bemühte man sich sehr, die Lehre von der Zahlenharmonie des Weltalls, also die
dahinterstehende mathematische Ordnung, empirisch zu belegen.
Auch die mittelalterliche und noch mehr die Musik der Renaissance wandte sich den heiligen und mystischen Zahlen zu,
basierend letztlich auf den Pythagoreern. Selbst J.S.Bach (1685 - 1750) griff auf die im 17. Und frühen 18.Jahrhundert
verwendete Zahlenallegorik zurück. Nicht umsonst bezeichnete man seine späten Repräsentationswerke als weitgehend
musikalische Mathematik.
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Wirkungen der Pythagoreer: Die Pythagoreer starben praktisch in der ersten Hälfte des vierten Jahrhunderts v.Chr. als
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Sekte aus. Aber im ersten Jahrhundert v.Chr. lebte ihre Lehre im "Neupythagoreismus" wieder auf, jetzt erweitert mit
platonischen, stoischen und orientalischen Vorstellungen. Wie auch immer, die Esoterik der Pythagoreer beeinflusste
maßgeblich das griechische Geistesleben, insbesondere Plato und Aristoteles. In der islamischen Tradition gab es im 10.
Jahrhundert die "Lauteren Brüder", eine proto-ismailitische Gruppe aus Basra, die u.a. deutlich auf der Gedankenwelt der
Pythagoreer aufbaut. "Für die Lauteren Brüder ist Pythagoras ein Weiser aus Harran, und sie glaubten, dass der Prophet
der Sabäer in Harran Enoch, das ist Hermes Tristmegistos, sei, der sich besonders in den Zahlenmysterien auskannte" soweit C.F.Endres und A.Schimmel. Philo von Alexandria (13 v.Chr. - 45/50 n.Chr.) hat in seinem Werk alttestamentarische
und pythagoreische Esoterik verschmolzen und so die Grundlage für eine stark von der Zahlenmystik geprägte
Bibelauslegung geschaffen. Auch die jüdische Kabbala hat einen extrem komplizierten, zahlenmystischen Hintergrund, der
ebenfalls auf die Pythagoreer zurückgeht, hier aber in seiner kabbalistischen Eigenart stark ausgearbeitet wird.
C.F.Endres und A.Schimmel führen in ihrem Werk weiter aus: "In unserem Kulturbereich, d.h. dem jüdisch-christlichislamischen, baut die Beschäftigung mit den Zahlen und ihren Eigenheiten weitgehend auf den von den Pythagoreern
geschaffenen Grundlagen auf, wobei auch zahlreiche altorientalische Gedanken übernommen wurden". Auch die christliche
Kirche des Mittelalters befasste sich mit den mystischen Zahlendeutungen der Pythagoreer. So verwundert es nicht, dass
der Volksglaube oder die Theologie z.B. gerade und ungerade Zahlen im wesentlichen im Sinne der Pythagoreer
zahlenmystisch interpretierten oder auf dieser Grundlage fortentwickelten. "Die Vorliebe für ungerade Zahlen führte dazu,
dass rituelle Handlungen, Gebete, Beschwörungen in ungeraden Zahlen vorgenommen wurden und oft noch werden oder,
man vollzieht einen Zauber dreimal oder siebenmal und wiederholt ein Gebet oder das Amen dreimal... Auch soll immer
eine ungerade Zahl von Personen anwesend sein, wenn Magie getrieben wird. Und schenken wir nicht noch heute
vorzugsweise eine ungerade Anzahl von Blumen?"
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Literatur:
- Austeda, F.: Lexikon der Philosophie, Wien, 1988(6)
- De Crescenzo, L.: Pythagoras Superstar, in.: Geschichte der griechischen Philosophie, Die Vorsokratiker, Zürich, 1990
- Der Grosse Brockhaus, Mannheim, 1980
- Endres, F. C. / Schimmel, A.: Das Mysterium der Zahl, Zahlensymbolik im Kulturvergleich, München, 1992(2)
- Schneider, E.: Von der Null bis zur Unendlichkeit, Mathematische Plaudereien für Nichtmathematiker, Dreieich, 1987
- Störig, H.J.: Kleine Weltgeschichte der Philosophie, Frankfurt/M., 1992
- Waldmann, Th.M..: Die Gottesformel, Frankfurt/M., 2003 (siehe auch: www.gottesformel.ch )
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Der folgende Artikel wurde über weite Strecken veröffentlicht in:
Rolf Fraedrich, Die Esoterik des Pythagoras, in: Lehrmittel aktuell, 1993, Heft 1, Seite 52 - 57, Westermann Schulbuchverlag GmbH