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Pots > A. vay
LAS
Carolin Schulz
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„Sin scharfsinniger Kopf aus Berlin!”
Ein unveröffentlichtes Empfehlungsschreiben fur Leopold von Buch
Alexander von Humboldt an Christoph Girtanner, Jena, den 16. April 1795
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7
Carolina Depetris
El crientalismo como episteme: Frédéric de Waldeck v las ruinas mayas
Resumen
10
10
Abstract
;
10
Origen indio de los mayas: antecedentes......
12
Filosofía de la historia y reflexión en torno a "lo OtfO"
......ssnennensenonunensnarensnsnnsnnenusensssensnnsnnnaunnn 16
Oriente como episteme
... 18
Bibliografía
.
u 22
Ottmar Ette
Réflexions européennes sur deux phases de mondialisation accélérée
cnez Cornelius de Pauw, Geora Forster, Guillaume-Thomas Ravnal et
Alexandre de Humboldt
24
Résumé
severese
Archéologie de la globalité en tant qu'archéologie de la mondialisation
.
24
sess
25
Réflexions philosophiques sur l'Amérique en tant que réflexions philosophiques .........
sur l'Europe
27
Une histoire coloniale en tant qu'histoire oubliée de l'époque coloniale...
32
Commerce mondial et histoire du monde en tant que monde en mutation ..................... 35
E
—>
Un concept de globalité au-delà de l'Autre radical
37
Une archéologie de la globalité en tant qu'histoire du mouvement
39
Eberhard Knobloch
Nomos und physis - Alexander von Humboldt
ie cont
und die Tradition antiker Denkweisen und Vorstellunaen
Abstract
45
.
Einleitung
... AS
„46
1. Humboldt und Philolaos aus Kroton (‚die Pythagoreer’)
46
2. Aristoteles vs. Philolaos: Haben oder Sein?
48
3. Humboldts Wissenschaftstheorie als Transformation des Pythagoreismus................... 50
4. Humboldts Wissenschaftspraxis
51
Epilog
53
Nachweis der Abbildungen
53
Bibliographie
54
HiN XI, 21 (2010)
ISSN: 1617-5239
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View in PDF(opens in a new window)Eberhard Knobloch
Nomos und physis Alexander von Humboldt und die Tradition
antiker Denkweisen und Vorstellungen
Abstract
Alexander von Humboldt’s world view, philosophy of
science, and scientific practice were dominated by the
notions of measure and harmony. This matter of fact
does not leave any doubt about Humboldt’s Pythagoreanism. Already the choice of the title of his Kosmos was
led by Pythagorean thought. In 1846 he explicitly wrote
to Jacobi that the whole first book is based on the idea
that the first Hellenic seeds to all further progresses of
mathematical natural knowledge are owed to the Pythagoreans and their emphasis on measure, number,
and weight. The paper consists of four parts. The first
part deals with Humboldt’s acquaintance with the fragments of the Pythagorean Philolaus. The second part
compares the Aristotelean tradition with Philolaus’s informations on Pythagoreanism. The third part relying
on the two foregoing parts explains Humboldt’s philosophy of science as a tranformation of Pythagoreanism.
The last part discusses three examples taken from Humboldt’s scientific practice in order to illustrate the results
deduced up to then.
Page 3
View in PDF(opens in a new window)Einleitung
Einleitung
Ohne die Fürsorge eines makedonischen Vaters für die
Erziehung seines Sohnes Septimius wäre es sehr viel
schwieriger, etwas über die pythagoreischen Wurzeln
des Denkens Alexander von Humboldts zu sagen: zehn
der dreiundzwanzig Fragmente, die Hermann Diels in
seine Ausgabe der Fragmente der Vorsokratiker für den
Pythagoreer Philolaos aufgenommen hat, stammen
aus der Anthologie des spätantiken Johannes Stobaios
aus dem makedonischen Stoboi für dessen Sohn (Diels
1912, Nr. 32).
An Jacobi, der ihn in mathematikhistorischen Fragen
beraten hatte, schrieb Humboldt ein Jahr nach Erscheinen des ersten Bandes seines Kosmos am 8. November
1846 (Humboldt 1987, 84):
Durch mein ganzes Buch geht der Gedanke durch,
daß der erste hellenische Keim zu allen künftigen
Fortschritten des mathematischen, strengen Naturwissens nicht in der Physik der Stoffe und Zustände der Stoffe der ionischen Schule, sondern
bei den Pythagoreern lag, die auf Zahl, Maaß, und
Gewicht zu reduciren suchten, daß diese Richtung
durch Platos Eifer für Mathematik sich vererbte in
die Alexandrinische Schule und durch diese im
Mittelalter wieder auflebte.
Er fügt entschuldigend hinzu: „Zürnen Sie nicht, Verehrter Freund, über den unbescheidenen Dogmatismus
dieser Zeilen.“
In einer Aufzeichnung Gang des mathematischen
Naturwissens schreibt er ganz ähnlich (Humboldt 1987,
155):
Ich behaupte, daß der Keim zu allen künftigen
Fortschritten der wissenschaftlichen Naturkunde
in der dorischen Pythagoreischen Schule, die alles auf Zahlenverhältnisse, auf Maaß und Gewicht
zurückführte […], gelegen sei. Er entwickelte sich
in Plato und ging durch die ganze Alexandrinische
Schule.
Im Folgenden soll deshalb vier Fragen nachgegangen
werden:
1.
Humboldt und Philolaos aus Kroton (‚die Pythagoreer’)
2.
Aristoteles vs. Philolaos: Haben oder Sein
3.
Humboldts Wissenschaftstheorie als Transformation des Pythagoreismus
4.
Humboldts Wissenschaftspraxis
HiN XI, 21 (2010)
ISSN: 1617-5239
1. Humboldt und Philolaos aus Kroton
(‚die Pythagoreer’)
Humboldt bezog seine Kenntnis über die Pythagoreer, insbesondere über Philolaos aus Kroton, vor allem
aus dem betreffenden Buch August Boeckhs aus dem
Jahre 1819, in dem Boeckh die Fragmente des Philolaos
gesammelt hatte (Boeckh 1819). Daran lässt Humboldt
durch entsprechende Bezugnahmen keinen Zweifel
(Humboldt 1845-1862 I, 62, 76).
Er hat Boeckhs Ausführungen wiederholt teilweise
wörtlich in den Kosmos oder in Briefe übernommen. So
heißt es bei Boeckh (1819, 39):
Der Geist des Pythagoreismus wird am deutlichsten im Gegensatz gegen die Ionische Philosophie
begriffen.
An Encke schreibt Humboldt Anfang 1847 (Holl 2009,
86):
All unser Naturwissen ist gegründet auf mathematisches Wissen und auf Kenntniss der Stoffe.
Das erste wurzelt durch Plato in Pythagoras, das
zweite durch die medicinisch-chemischen Araber,
durch Dioscorides der destillirte, durch Aristoteles
den Beobachter organisch ausgebildeter Stoffe in
der Physiologischen Schule der Ionier.
Im Kosmos heißt es (Humboldt 1845-1862 III,12):
In einem grellen Contraste mit den beiden Abtheilungen der ionischen Schule steht die, das Universum ebenfalls umfassende, mathematische Symbolik der Pythagoreer.
Boeckh führt aus (Boeckh 1819, 42f.):
Wir haben also bei den Pythagoreern eine Philosophie des Masses und der Harmonie, welche sich
in den Zahlen und Formen darstellt.
Daraus wird im Kosmos (Humboldt 1845-1862 II, 139):
In der mathematischen Symbolik der Pythagoreer,
in ihren Betrachtungen über Zahl und Gestalt offenbart sich dagegen eine Philosophie des Maaßes und der Harmonie. Indem die dorisch-italische
Schule überall numerische Elemente sucht, hat sie
von dieser Seite, durch eine gewisse Vorliebe für
die Zahlenverhältnisse, die sie im Raum und in
der Zeit erkennt, gleichsam den Grund zur späteren Ausbildung unserer Erfahrungswissenschaften gelegt.
Und etwas später (Humboldt 1845-1862 III, 12-13):
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View in PDF(opens in a new window)1. Humboldt und Philolaos aus Kroton (‚die Pythagoreer’)
Der Blick bleibt einseitig geheftet in der Welt sinnlich wahrnehmbarer Naturerscheinungen auf das
Gesetzliche in der Gestaltung (den fünf Grundformen), auf die Begriffe von Zahlen, Maaß, Harmonie
und Gegensätzen...die Philosophie des Maaßes
und der Harmonie hat noch spät auf die Entwickelung der Naturwissenschaften eingewirkt.
Entscheidend sind zwei Befunde:
1. Boeckhs Worte finden ihre Berechtigung in den
Fragmenten des Philolaos.
2. Humboldts eigenes Weltbild, eigene Wissenschaftstheorie, eigene Wissenschaftspraxis sind
von den beiden Begriffen Maß und Harmonie in einer Weise geprägt, die keinen Zweifel an pythagoreischen Grundpositionen lässt: Die beiden Monographien von Joost-Gaugier haben die überragende
Rolle dieser beiden pythagoreischen Kernbegriffe für das Mittelalter und die Renaissance überzeugend nachgewiesen (Joost-Gaugier 2006; 2009). Im
Folgenden soll dieser Nachweis für Humboldt geführt werden.
Bereits bei der Titelwahl Kosmos für sein Hauptwerk hat
sich Humboldt von pythagoreischem Gedankengut leiten lassen. Ausdrücklich verweist er auf Boeckhs Sammlung der ‚echten Bruchstücke’ des Philolaos, wenn er
ausführt (Humboldt 1845-1862 I, 62), Pythagoras habe
als erster das Wort für Weltordnung, Welt, Himmelsraum gebraucht, wie von den Alten einstimmig versichert werde. Als Beleg führt er zwei Philolaos-Textfragmente aus der Boeckschen Sammlung an (Boeckh 1819,
62, 90 = Diels B 6, B 17).
In den beiden von Stobaios überlieferten Fragmenten tritt freilich nur das Wort ko s, moj auf, Pythagoras
wird nicht genannt:
Durch Harmonien werden Ungleiches, Unverwandtes... im Kosmos zusammengehalten... Es
gibt nur einen Kosmos.
Boeckh hatte seine Sammlung mit den optimistischen
Worten eingeleitet (Boeckh 1819, 3):
zwanzig Fragmenten, die Diels abdruckte, hatte schon
Diels das Fragment B 21 Über die Weltseele als unecht
bezeichnet (Burkert 1962, III, 225). Burkert sprach von B
1, 2, 4-7 als Kernbestand (Burkert 1962, 225), davon, dass
B 1-7, 13, 17 nur von den Vorsokratikern her zu interpretieren ist.
Law hat 2005 gezeigt, wie auch und gerade B 9 als
echtes, von Jamblich überliefertes Fragment zu interpretieren ist und nachgewiesen, dass es zwischen dem
Philolaos, wie wir ihn aus der Exzerptenreihe des Makedoniers Stobaios aus dem 5. Jahrhundert n. Chr. kennen,
und der Kernstelle im Corpus Aristotelicum zu den Pythagoreern, dem Abschnitt in der aristotelischen Metaphysik (I, 5) nur scheinbar einen Widerspruch gibt (Law
2005, 27-53).
Anders als noch Boeckh annahm, hat Philolaos nicht
drei Bücher verfasst, sondern gegen Ende des 5. Jahrhunderts v. Chr. das älteste Buch der pythagoreischen
Philosophie Peri. fu s, ewj (Burkert 1962, 222, 256). Diesem Buch entstammen die folgenden drei Fragmente B
4, B 9, B 11, auf die um ihrer Bedeutung willen für Humboldts Wissenschaftstheorie näher eingegangen werden soll.
(1) Die Erkenntnisgrundlage
B 4 (Stobaios, Eclogae I, 21, 7b):
kai. pa,nta ga ma.n ta. gignwsko,mena avriqmo.n
e;conti\ ouv ga.r oi-o,n te ouvde.n ou;te nohqh/men ou;te
gnwsqhmen a;neu tou,tou.
Und in der Tat hat ja alles, was erkannt wird, eine
Zahl. Nicht nämlich wird etwas erfasst oder erkannt ohne diese.
Mit anderen Worten: Zahl und Erkenntnis gehören zusammen, es gibt eine Strukturähnlichkeit zwischen
Zahl und Kosmos (Law 2005, 26, 32). Das liest sich wie
Humboldts eigenes Glaubensbekenntnis, eigene Wissenschaftstheorie. Im Kosmos heißt es dazu (Humboldt
1845-1862 III, 437):
In dem labyrinthischen Gewirre der Überlieferungen über die Pythagorische Weisheit und Pythagorische Gesellschaft... haben des Philolaos
Bruchstücke sich mir immer als ein lichter Punkt
dargestellt, dessen Strahl vielleicht diese Nacht einigermaßen erhellen könnte.
Die Pythagoreer, denen Zahl die Quelle der Erkenntniß, die Wesenheit der Dinge war, wandten
ihre Zahlentheorie, die alles verschmelzende Lehre der Zahlverhältnisse auf die geometrische Betrachtung der früh erkannten 5 regelmäßigen Körper, auf die musikalischen Intervalle der Töne, ... ,
ja auf den Weltenbau selbst an.
Er habe sich überzeugt, dass kein triftiger Grund vorhanden sei, auch nur ein einziges der erhaltenen Stücke
für falsch oder verdächtig zu erklären. Dieser Optimismus wird heute nicht mehr geteilt. Von den dreiund-
Schon zu Beginn des ersten Bandes des Kosmos (Humboldt 1845-1862 I, 390f. Anm. 48) hatte Humboldt ‚unendlich’ bedauert, dass Aristoteles den großen und der
Wahrheit mehr genäherten Ansichten vom Weltbau,
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ISSN: 1617-5239
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View in PDF(opens in a new window)2. Aristoteles vs. Philolaos: Haben oder Sein
welche die älteren Pythagoreer hatten, so abhold gewesen sei.
(2) Der Erkenntniswert
Unter den Antithesen der Griechen ist diejenige von
Nomos und Physis besonders berühmt. Die Sophistik
des 5. Jahrhunderts hat diese Antithese zu Schein und
Sein umgeprägt, also in der Zeit, in der Philolaos gelebt
hat. Das ethnographisch-politische Begriffspaar wurde mit neuem Sinn erfüllt (Heinimann 1945, 110). Diese Entwicklung ist von den Spekulationen der ionischen
Physiologen nicht zu trennen. Nicht mehr dem Nomos,
dem Gesetz, durch das sich die Griechen von den Barbaren abhoben, wurde der erste Rang zugewiesen, sondern den rational erfassbaren Naturvorgängen der Physis.
Voraussetzung dafür war die Anerkennung einer unverbrüchlichen Naturgesetzlichkeit (Heinimann 1945,
125). Vor diesem Hintergrund ist das Philolaos-Textfragment B 9 zu sehen, das Jamblich überliefert (In Nicomachi arithmeticam introductionem 19, 21):
e`te,rou ga.r kairou/ diereuna/n evpi. ple,on pw/j kai.
tetragwnisqe,ntoj avpo. th/j stichdo.n evkqe,sewj tou/
avriqmou/ ouvk evla,ttona piqana. evpisumbai,nei fu,sei
kai. ouv no,mwi, w[j fhsi, pou Filo,laoj.
Es sei bei anderer Gelegenheit ausführlicher zu erforschen, wie auch, wenn die Zahl quadriert wird,
mit einer Anordnung Einheit für Einheit, nicht weniger Glaubwürdiges herauskommt nach Natur
und nicht nach Setzung.
Den arithmetischen Erscheinungen kommt nicht der
Schein, die Falschheit des Nomos, sondern die Wahrheit
der Physis zu (Law 2005, 41). Die Physis-Nomos-Erkenntnistheorie gilt dem wissenschaftstheoretischen Status
der Arithmetik. Die pythagoreische Rechensteinarithmetik findet ihre Rechtfertigung in diesem Status.
(3) Die Natur der Zahl
Für Humboldt wurden die ewigen, unverbrüchlichen
Naturgesetze zum Motor seines Handelns. Um so wichtiger musste für ihn die Boeckh’sche Textfassung des
Fragmentes B 11 sein.
B 11 Das Fragment beginnt mit Bemerkungen zu den
e;rga und der ouvsi,a der Zahl, den Werken und dem Wesen der Zahl. Dann heißt es:
gnwmika. ga.r a` fu,sij a` tw/ avriqmw/ kai. h`gemonika.
kai. didaskalika. tw/ avporoume,nw panto.j kai.
avgnooume,nw panti,. ouv ga.r h=j dh/lon ouvdeni. ouvde.n
HiN XI, 21 (2010)
ISSN: 1617-5239
tw/n pragma,twn ou;te auvtw/n poqV au`ta. ou;te a;llw
pro.j a;llo, eiv mh. h=j avriqmo.j kai. a` tou,tw ouvsi,a. nu/n
de. ou-toj katta.n yuca.n a`rmo,zwn aivsqh,sei pa,nta
gnwsta. kai. pota,gora avlla,loij kata. gnw,monoj
fu,sin avperga,zetai swmatw/n kai. sci,zwn tou.j
lo,gouj cwri.j e`ka,stouj tw/n pragma,twn tw/n te
avpei,rwn kai. tw/n peraino,ntwn.
Denn die Natur der Zahl ist Kenntnis spendend
und führend und lehrend für jeden, der im Zweifel für etwas ist oder in Unwissenheit. Denn nichts
von den Dingen wäre jemandem klar, weder von
ihnen zueinander noch von einem zu einem anderen, wenn nicht die Zahl wäre und deren Wesen.
Nun aber verbindet diese in Bezug auf die Seele
alles Erkennbare und miteinander Übereinstimmende nach der Natur des Gnomon und macht es
zu Körpern und trennt die Verhältnisse jedes für
sich der unbegrenzten und der begrenzten Dinge ab.
Boeckh hat statt gnwmika. nomika., „weil das Gesetzliche
vorzüglich passt“ (Boeckh 1819, 141), obwohl die Handschriften gnwmika. haben, und übersetzte sehr ungenau:
„Zahl ist das Gesetzliche in der Natur und der Grund des
Erkennbaren,...“. Humboldt muss die Boeckh’sche Lesung gefallen haben. Aber Boeckhs Begründung für die
Konjektur wurde zu Recht seitdem als unbefriedigend
angesehen. Schlimmer: Burkert wies nach, dass B 11
nicht im 5. Jahrhundert v. Chr. verfasst wurde, sondern
erst nach Platon und Aristoteles und zu B 1-7 im Widerspruch steht (Burkert 1962, 254).
2. Aristoteles vs. Philolaos: Haben
oder Sein?
Mit Blick auf Humboldts Rezeption der pythagoreischen
Zahlenauffassung ist der aristotelische Metaphysikabschnitt von größter Bedeutung (Metaphysik I,5):
VEn de. tou,toij kai. pro. tou,twn oi` kalou,menoi
Puqago,reioi tw/n maqhma,twn a`ya,menoi prw/toi tau/
ta, te proh,gagon, kai. evntrafe,ntej evn auvtoi/j ta.j
tou,twn avrca.j tw/n o;ntwn avrca.j wv|h,qhsan ei=nai
pa,ntwn. evpei. dev tou,twn oi` avriqmoi. fu,sei prw/toi,
evn de. tou,toij evdo,koun qewrei/n o`moiw,mata polla.
toi/j ou=si kai. gignome,noij, ma/llon h' evn puri. kai.
gh/| kai. u[dati, o[ti to. me.n toiondi. tw/n avriqmw/n
pa,qoj dikaiosu,nh to. de. toiondi. yuch. kai. nou/j
e[teron de. kairo.j kai. tw/n a;llwn w`j eivpei/n e[kaston
o`moi,wj, e;ti de. tw/n a`rmoniw/n evn avriqmoi/j o`rw/ntej
ta. pa,qh kai. tou.j lo,gouj\ evpei. dh. ta. me.n a;lla
toi/j avriqmoi/j evfai,neto th.n fu,sin avfwmoiw/sqai
pa/san, oi` d v avriqmoi. pa,shj th/j fu,sewj prw/toi, ta.
tw/n avriqmw/n stoicei/a tw/n o;ntwn stoicei/a pa,ntwn
u`pe,labon ei=nai, kai. to.n o[lon ouvrano.n a`rmoni,an
ei=nai kai. avriqmo,n\
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View in PDF(opens in a new window)2. Aristoteles vs. Philolaos: Haben oder Sein
Zu dieser Zeit, aber auch schon vorher, beschäftigten sich die so genannten Pythagoreer als erste
mit den mathemata und führten diese weiter und
glaubten, nachdem sie in diesen aufgezogen waren, dass deren Prinzipien die Prinzipien alles Seienden sind. Da nun von diesen Prinzipien die Zahlen von Natur aus das Erste sind, sie aber gerade in
diesen viele Ähnlichkeiten mit dem Seienden und
Entstehenden zu sehen vermeinten – mehr als im
Feuer, Erde oder Wasser -, weil die eine Affektion
(Wirkung) der Zahlen Gerechtigkeit, die andere
Seele und Vernunft, noch eine andere den günstigen Augenblick und ähnlich jedes der übrigen
sozusagen bedeuten, weil sie außerdem die Wirkungen und Verhältnisse der Harmonien in den
Zahlen erblickten, weil es also schien, alle anderen
Dinge glichen ihrer ganzen Natur nach den Zahlen und die Zahlen seien das Erste in der ganzen
Natur, nahmen sie an, dass die Elemente der Zahlen die Elemente aller Dinge seien und der gesamte Himmel Harmonie und Zahl sei.
Humboldt geht auf diesen Abschnitt nicht ausdrücklich
ein, hat ihn aber sicher gekannt und ist von ihm nachhaltig beeinflusst. Denn Christian Brandis, von ihm oft
zitiert und herangezogen, bringt diesen Aristotelesabschnitt in seinem Handbuch der Geschichte der Griechisch-Römischen Philosophie (Brandis 1835 I, 464).
Wenn Zahlen und Dinge gleich sind, führt dies angesichts der Nomos-Physis-Erkenntnistheorie der Arithmetik zu einer Aufwertung des Sinnlich-Wahrnehmbaren. Seit Boeckhs Sammlung wurde aber auf den
scheinbaren Widerspruch zwischen ‚Zahl haben’ (Philolaos) und ‚Zahl sein’ (Aristoteles) hingewiesen und entweder die Echtheit der Philolaos-Textfragmente bestritten oder Aristoteles des Unverständnisses für die Lehre
der Pythagoreer gescholten. Die Echtheit des PhilolaosZitates lässt sich aber vor allem mit einem Jamblich-Abschnitt belegen (De communi mathematica scientia 25 p.
78 ed. Festa/Klein, 8-21).
Nun hat schon Burkert (Burkert 1962, 247) nachgewiesen, dass ‚alles ist Zahl’ fast soviel bedeutet wie ‚alles ist seinem Wesen nach Zahl’- Law hat darüber hinaus
überzeugend gezeigt, dass e;cein im erweiterten Sinn zu
verstehen ist als ‚an-sich-haben’, ‚vorhandensein-an-etwas’ (Law 2005, 17), ‚ein sich verhalten’ (Law 2005, 19).
Humboldt formuliert zu Beginn des 3. Buches des
Kosmos (Humboldt 1845-1862 III, 12):
Die Dinge spiegeln sich in den Zahlen, welche gleichsam eine ‚nachahmende Darstellung’
(mi,mhsij) von ihnen sind. Die grenzenlose Wiederholbarkeit und Erhöhung der Zahlen ist der Charakter des Ewigen, der Unendlichkeit der Natur.
Das Wesen der Dinge kann als Zahlenverhältnisse,
HiN XI, 21 (2010)
ISSN: 1617-5239
ihre Veränderungen und Umbildungen können
als Zahlen-Combinationen erkannt werden.
Die Metaphysikstelle nennt er nicht. Offensichtlich hat
aber Aristoteles seine Nachricht über die Pythagoreer
mit Blick auf die o`moiw,mata verfasst. Aristoteles formuliert in der Metaphysik (I, 6, 987b11-12):
oi` me.n ga.r Puqago,reioi mimh,sei ta. o;nta fasi.n
ei=nai tw/n avriqmw/n, Pla,twn de. meqe,xei, tou;noma
metabalw,n. th.n me,ntoi ge me,qexin h' th.n mi,mhsin
h[tij a'n ei;h tw/n eivdw/n avfei/san evn koinw/| zhtei/n.
Die Pythagoreer nämlich sagen, die Dinge bestehen durch Nachahmung der Zahlen, Platon aber
‚durch Teilhabe’ nach Änderung des Namens. Sie
ließen freilich als gemeinsame Aufgabe zu suchen, was sie sei, die Teilhabe oder die Nachahmung.“ Platon habe also dafür meqe,xei, durch Teilhabe, gesagt, ohne dies zu erklären.
Dies ist von größtem Interesse. Beide Metaphysik-Stellen zitiert Christian August Brandis (Brandis 1835-1860 I,
443f. Anm. 2), woher Humboldt ganz offensichtlich seine Kenntnis hatte. Humboldt lässt ein Enkomion auf die
Mathematik folgen, das er in ähnlicher Form schon Ende
des 2. Buches gebracht hatte und das vom Pythagoreismus inspiriert ist. Es ist ein Zitat aus Wilhelm von Humboldts Akademierede Über die Aufgabe des Geschichtsschreibers aus dem Jahre 1822:
Es wohnt ein fesselnder, vom ganzen Altertum
gefeierter Zauber in der Anschauung mathematischer Wahrheiten, der ewigen Verhältnisse der
Zeit und des Raumes, wie sie sich in Tönen und
Zahlen und Linien offenbaren. (Humboldt 18451862 II, 394).
Es wohnt ein fesselnder, vom ganzen Altertum gefeierter Zauber den einfachen Verhältnissen der
Zeit und des Raumes inne, wie sie sich in Tönen,
Zahlen und Linien offenbaren. (Humboldt 18451862 III, 13).
Bei Wilhelm von Humboldt heißt es (Humboldt, Wilhelm von 1822, 11):
Es liegt aber auch ein fesselnder Zauber in der
blossen Anschauung der mathematischen Wahrheiten, der ewigen Verhältnisse des Raumes und
der Zeit, sie mögen sich nun an Tönen, Zahlen
oder Linien offenbaren. Ihre Betrachtung gewährt
durch sich selbst eine ewig neue Befriedigung in
der Entwicklung immer neuer Verhältnisse.
Kein Zweifel: Auch der ältere Bruder hat sich dem Zauber des pythagoreischen Gedankengutes nicht entziehen können.
Page 7
View in PDF(opens in a new window)3. Humboldts Wissenschaftstheorie als Transformation des Pythagoreismus
3. Humboldts Wissenschaftstheorie
als Transformation des Pythagoreismus
Die pythagoreischen Kernbegriffe Gesetz, Harmonie,
Natur, Ordnung, Zahl und die damit verknüpften Kerngedanken finden sich als Kernbegriffe der humboldtschen Wissenschaftstheorie wieder. Humboldt spricht
seine Transformation pythagoreischen Gedankenguts
selbst an (Humboldt 1845-1862 I, 82):
Bei allem Beweglichen und Veränderlichen im Raume sind mittlere Zahlenwerthe der letzte Zweck, ja
der Ausdruck physischer Gesetze ... so treten wiederum, wie einst in der italischen Schule, doch in
erweitertem Sinne, die einzigen in unsrer Schrift
übrig gebliebenen und weit verbreiteten hieroglyphischen Zeichen, die Zahlen, als Mächte des
Kosmos auf.
Die Bestimmung des Menschen sei, den Geist der Natur zu ergreifen (Humboldt 1845-1862 I, 6), welcher unter der Decke der Erscheinungen verhüllt liege. Ideen,
das heißt Einsicht in den Geist der Natur, müssen das
Beobachten und Sammeln vernunftgemäß leiten (Humboldt 1845-1862 I, 34). Dieser Geist zeigt sich in den Naturgesetzen, die der Mensch nach Maß- und Zahlenverhältnissen kennen muss, um auf die Natur einzuwirken
(Humboldt 1845-1862 I, 36).
Deshalb bereiten das Messen und Auffinden numerischer Verhältnisse zur Kenntnis der Weltgesetze vor
(Humboldt 1845-1862 I, 19). Zahlen und Gesetze, die
die Ordnung in Natur und Welt offenbaren, gehören
zusammen, auch sprachgeschichtlich. Im lateinischen
Wort ‚numerus’, Zahl, steckt die Wurzel nem = zählen,
ordnen. Es ist dieselbe Wurzel, die im griechischen Verb
ne,mein = ordnen, verteilen steckt, von dem das griechische Substantiv no,moj, Gesetz, abgeleitet ist (Tropfke
1980, 122).
Wenn Zahlen und Dinge (der Natur) wesensgleich
sind, kann man nur über Zahlen in das Wesen der Dinge
eindringen. Hieraus ergibt sich Humboldts überragendes Interesse an numerischen Ergebnissen, die mittels
der Methode der Mittelwerte zu empirischen Gesetzen
führen. Dies hat Humboldt immer wieder betont. Ja, der
Zweck einer physischen Weltbeschreibung seien numerische Resultate (Humboldt 1845-1862 III, 488). Hieraus
ergibt sich, dass Zahlen und Dingen der Natur gleiche
Attribute zukommen: ewig und unendlich, wie wir es im
Kosmos nachlasen (Humboldt 1845-1862 II, 394; III, 12).
So spricht Humboldt von den ewigen Bahnen der
Planeten (Humboldt 1845-1862 III, 16), den ewig ������
leuchtenden Wolkenhüllen des Sonnenkörpers (Humboldt
1845-1862 III, 104), dem ewigen Kreislauf der Stoffe
HiN XI, 21 (2010)
ISSN: 1617-5239
(Humboldt 1845-1862 III, 626), dem ewigen Kreislauf
der Elemente (Humboldt 1845-1862 IV, 12), dem ewigen
Haushalt der Natur (Humboldt 1845-1862 IV, 232), dem
ewig wirkenden vulkanischen Urquell (Humboldt 18451862 IV, 261), dem ewig bewegten Luftkreis (Atmosphäre) (Humboldt 1845-1862 IV, 459) usf.
Kein Zweifel: Diese Welt ist auf Dauer angelegt. Deshalb sind die in ihr geltenden Gesetze ewig (Humboldt
1845-1862 I, 6; III, 4), ein Gedanke, den Humboldt aus Laplaces Exposition du système du monde übernommen
hatte (Knobloch 2006, 36). Aber nicht nur er. Man findet
ganz ähnliche Gedanken bei einem Autor, den Humboldt besser kannte, als er im Kosmos zugeben wollte,
bei Johann Gottfried Herder. In dessen Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit heißt es 1784 im ersten Teil (Herder 1784-1791, 158):
Selbst die Zahlen Pythagoras und andrer Philosophen sind kühne Versuche, die Wissenschaft der
Dinge mit dem reinsten Begriff der menschlichen
Seele, einer deutlichgedachten Größe zu paaren ...
manchem derselben (Systeme griechischer Philosophen; EK) liegen Wahrheiten und Bemerkungen
zugrunde, die wir seitdem vielleicht nicht zum
Vorteil der Wissenschaft, aus den Augen verloren
haben.
Es ist kein Zufall, dass einer der beiden Gesprächspartner Philolaus heißt, als Herder 1787 Gott, Einige Gespräche über Spinoza’s System nebst Shaftesbury’s Naturhymnus veröffentlicht. Theophron lässt er an die
‚feste Naturwahrheit’ erinnern, „dass aller Bestand, alles
Wohlsein, ja das Wesen der Dinge selbst nur auf Maß,
Proportion und Ordnung gebaut seien und sich durch
diese allein erhalten.“ (Herder 1787, 55). Nach unwandelbaren Gesetzen seien alle Störungen der Planeten periodisch in bestimmten Grenzen enthalten (Herder 1787,
57). Philolaus spricht davon, die innere Natur der Sache
nach unwandelbaren ewigen Gesetzen zu erforschen
(Herder 1787, 67).
Auf Humboldt gewendet bedeutet dies, dass er von
der philolaischen Antithese Nomos – Physis, Gesetz –
Natur, zur Synthese Naturgesetz fortgeschritten ist. Da
sich Naturgesetze über Zahlen erschließen – fast alle
Resultate der Beobachtung seien einer Zurückführung
auf Zahlenverhältnisse fähig (Humboldt 1845-1862 III,
374) – gewinnt die Grundbedeutung von ne,mein, verteilen entscheidende Bedeutung. Humboldts überragendes Interesse an Verteilungen, Verbreitungen findet
hier ihre Erklärung. Es spiegelt sich im Titel der Programmschrift seiner Forschung De distributione geographica plantarum secundum coeli temperiem et altitudinem montium, ‚Über die geographische Verteilung
der Pflanzen gemäß dem mittleren Klima und der Höhe
der Berge’ (Humboldt 1815). Es spiegelt sich in den ungezählten Fragen nach der Verteilung der KontinentalInternationale Zeitschrift für Humboldt-Studien
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massen (Humboldt 1845-1862 I, 29), der Klimate (Humboldt 1845-1862 I, 29), der Massen (Humboldt 1845-1862
I, 57), der Materie (Humboldt 1845-1862 I, 86), von Wasser und Land auf dem Erdkörper (Humboldt 1845-1862
I, 98), der Lichtmassen der Sterne (Humboldt 1845-1862
I, 154), der Dichtigkeitsverhältnisse im Innern des Erdkörpers (Humboldt 1845-1862 I, 183), des Magnetismus oder der Vulkane auf der Erdoberfläche (Humboldt
1845-1862 I, 192, 249, 254), der klimatischen Wärme, der
Luftfeuchtigkeit (Humboldt 1845-1862 I, 335), der Organismen (Humboldt 1845-1862 I, 373), der Verbreitung
der organischen Formen nach Maßgabe der Tiefe und
Höhe (Humboldt 1845-1862 I, 369). Die relative numerische Verbreitung der Menschenstämme über den Erdkörper sei der letzte, edelste Gegenstand einer physischen Weltbeschreibung (Humboldt 1845-1862 I, 169).
Wo ordnet sich da der Begriff Harmonie ein? In
Boeckhs Philolaos hatte Humboldt die Bedeutung der
Harmonie für das pythagoreische Weltbild nachlesen können: Ungleiches, Unverwandtes, ungleich Gewordenes wird durch
die Harmonie zusammengeschlossen (Diels
1912, Frg. B 6), die so wenig wie die Zahl Trug
in sich aufnimmt (Diels 1912, Frg. B 11). Humboldt sprach, wie wir sahen, von der Philosophie des Maßes und der Harmonie (Humboldt 1845-1862 II, 139; III, 12f.).
Humboldts Harmonien offenbarten die Stabilität des
Kosmos auf Grund ewiger Gesetze, wie sie die Pythagoreer gelehrt hatten, kein statisches Weltbild, wie fälschlich ausgerechnet unter Berufung auf Kehlmann behauptet wurde (Glaubrecht 2008). Veränderungen gab
es in Humboldts Weltbild durchaus, nur standen diese
erstens insgesamt in einem notwendigen Zusammenhang (Humboldt 1845-1862 I, 37) und gefährdeten zweitens nicht den Bestand der Welt, eben weil die Kräfte
ewigen Gesetzen unterworfen sind.
4. Humboldts Wissenschaftspraxis
Naturerkenntnis erschließt sich nur über Zahlen, Messdaten. Diese pythagoreische Einsicht hat Humboldt zeit
seines Lebens praktiziert. Er setzte das pythagoreische
Weltbild in wissenschaftliche Praxis um. Weil die Zahlen das Wesen der Natur und ihrer Gesetze enthüllen,
Sein eigenes Weltbild war von diesem
harmonikalen Denken geprägt, in dem Gegensätze in einer Harmonie aufgehoben
werden. In seiner Petersburger Rede aus
dem Jahre 1829 betonte er, dass der ungleiche Kampf der Naturkräfte die Stabilität
nicht zerstört, die offensichtlichen Störungen nicht chaotisch sind, kein Chaos hervorbringen, sondern ewigen Gesetzen unterworfen sind. Die Schwankungen lassen das
gesamte System um einen mittleren Gleichgewichtszustand oszillieren (Humboldt
2009, 276).
Bereits in den Ideen zu einer Geographie
der Pflanzen hatte er 1807 erklärt, aus dem
freien Spiel dynamischer Kräfte gehe das
Gleichgewicht hervor, das unter den Perturbationen scheinbar streitender Elemente herrsche (Humboldt 1807, 71). Im Kosmos
(Humboldt 1845-1862 I, 49) spricht er von
der Harmonie der belebenden Kräfte, vom
Naturganzen, dem Gefühl der Einheit, dem
harmonischen Einklang im Kosmos (Humboldt 1845-1862 III, 94), vom harmonischen
Zusammenwirken aller Kräfte (Humboldt
1845-1862 IV, 83).
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ISSN: 1617-5239
Abbildung 1: Humboldts Messergebnisse auf seiner Überfahrt
nach Lateinamerika während der Tage 11.-14. Juli 1799
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View in PDF(opens in a new window)RATIO CUJUSCUNQUE CLASSIS VEL ORDINIS
ad totam copiam Phanerogamarum locis planis
CLASSES ET ORDINES
provenientium ;
—___————————
NATORALES.
In
Zona æquinoxiali
In
1:0
118
Zona temperata
(Cal. med. 29°.) (Cat. 10°—149.)
Agame cellulose...
. . . +
ae
Monocotyledones... . , . .
rio
poor
ADNOTATIONES.
To
Zona glaciali
(Cal. o°—1°.)
E
1 : 60
1:25
24
2:3
1:9
|Germ.-- Gallia ;;.
Cyperoides. ... .. . . . 1 .
1 : 60
i : 30
CIN
wie Fak Ke
1:15
1:12
1:10
A
ee
1 : 400
1 : 90
1:25
Glumaceæ vel tres ord. præced.
1 3x1
1:8
Siz
Labels.
4.6 0 pu
1:40
1:95
1:70
|Amer. bor.
+ Gallia --.
Ericinæ
et Rhododendra. . . .
1 : 130
1 : 100
1:25
(Amer. bor.
© Gallia -+;.
ee
die
|Amer. bor. +; Gallia
=.
Composite. . +... .-. .
1-36
1:8
i:
Rubiaceæ... . + eo. 00.0
10
1 : 60
1:80
{Gallia
= Germ. 3.
Umbelliferæ. .......
1 : 2000
1 : 30
1 : 60
| Amer. bor.- Gallia ;;.
Cracifera,
+... + « + te +
1 : 3000
1: 18
1:24
| Amer.bor. : Gallia —.
Meli:
i. d'a
x : bo
1 : 200
o
Leguminosæ. . . . « 26s
2922
1: 18
2 : 35
Euphorbiaceæ.
1:35
1 : 80
1 : 500
1:45
1 :\20
+ +
. . . . .
Amentacez exclusis Casuarin..
29
Am. bor.-; Gallia
+, Germ. =~.
E
Adjecimus differentias notabiliores quas offerunt Zone temperate horeales utriusque Continentis. In
universum minus fides habenda numeris absolutis quam rationi qua crescunt vel decrescunt numeri a polo
versus æquatorem aut ab æquatore versus polum.
Page 10
View in PDF(opens in a new window)Epilog
3. Im Kosmos stellt er für neun Städte die mittleren
Jahres- und Jahreszeittemperaturen zusammen, mit
der er die europäische Weinkultur erläutert, s. Abbildung 3.
Abbildung 3: Mittlere Temperaturen von neun europäischen Städten
Epilog
Nachweis der Abbildungen
Humboldt sprach vom Zusammenwirken aller Kräfte,
die nach ewigen Gesetzen in diesem Kosmos walten.
Dies klingt nach Goethes Faust, der erkennen wollte,
„was die Welt im Innersten zusammenhält“ (Faust I, Vs.
382f.). Doch nur die Ziele sind dieselben. Nicht faustische Magie, intuitive Schau aller ‚Wirkenskraft und Samen’ führen nach Humboldt zum Ziel. Als pythagoreisch geprägter Forscher war er überzeugt:
Abbildung 1: Humboldt 1814-1825 I, 274.
Abbildung 2: Humboldt 1815, S. XVIII.
Abbildung 3: Humboldt 1845-1862 I, 481.
Nur das, was der Berechnung und einer geometrischen Messung zu unterwerfen ist, führt uns ...
auf einen festen und sichreren Boden (Humboldt
1845-1862 I, 125).
Seine Feststellung, die dorisch-italische Schule habe
überall nach numerischen Elementen gesucht, war zugleich eine Feststellung über sich selbst (Humboldt
1845-1862 II, 139).
HiN XI, 21 (2010)
ISSN: 1617-5239
Page 11
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HiN XI, 21 (2010)
ISSN: 1617-5239