Antike Lichttheorien

Author
Haas, A.E.
Published in
Archiv fur Geschichte der Philosophie
Year
1907
Subject
LIGHT
Language
Deutsch
Category
C1 General
Archive number
3397

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Aeon Fur GES Aue dar RA. 20 way TAK Mens nu - er DP. Bue _2%6 XIV. Antike Lichttheorien. Von Arthur Erich Haas. Einleitung. Unter den verschiedenen Zweigen der antiken Physik hat sich die Optik am frühesten zu entwickeln begonnen. Die groBartige Fülle interessanter und teilweise so geheimnisvoller Lichterscheinungen, die sich am Himmel und in Spiegeln dem Auge des Beobachters darbot, die wunderbare Tatsache des Sehens und der Farbenempfindungen überhaupt mußten Phantasie so reich begabten Volkes, das Denken eines mit wie es die Griechen waren, schon frühe mächtig anregen, die auffallende Gesetzmäßigkeit der Ausbreitung und der Rellexion der Strahlen schon den ältesten Mathematikern eine Menge dankbarer Aufgaben liefern. Als eine streng umgrenzte, selbständige Wissenschaft die Alten die Optik freilich nie gekannt. haben Sie befand sich im Gefolge zahlreicher Nachbarwissenschaften, deren Vertreter von ihrem Standpunkte aus die optischen Probleme behandelten. philosophen interessierte es, wie die Wirkung Die Naturzwischen wahrgenommenem Objekte und empfindendem Subjekte zu erklären sei, die Psychologen beschäftigte der Vorgang der Wahrnehmung selbst, die Mediziner die Rolle, die beim Sehakte dem Auge zufällt: die Farbenlehre entwickelte sich ziemlich unabhängig von der übrigen Optik. Mit den Erscheinungen der Ausbreitung des Lichtes und der Spiegelung befaßten sich vor allem die Mathematiker,’) mit !) Nur Namen diesen Teil belegt zu haben. der Optik scheint In den Auszügen man im Altertum aus Geminus mit diesem wird ausdrück-

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Arthur Erich Haas. Einleitung. Unter den verschiedenen Zweigen der antikon Physik hat sich die Optik am frühesten zu entwickeln begonnen. Die groBartige Fiille interessanter und teilweise so geheimnisvoller Lichterscheinungen, die sich am Himmel und in Spiegeln dem Auge des Beobachters darbot, die wunderbare Tatsache des Sehens und der Farbenempfindungen überhaupt muBten das Denken eines mit Phantasie so reich begabten Volkes, wie es die Griechen waren, schon frühe mächtig anregen, die auffallende GesetzmäBigkeit der Ausbreitung und der Reflexion der Strahlen schon den ältesten Mathematikern eine Menge dankbarer Aufgaben liefern. Als eine streng umgrenzte, selbständige Wissenschaft haben die Alten die Optik freilich nie gekannt. Sie befand sich im Gefolge zahlreicher Nachbarwissenschaften, deren Vertreter von ihrem Standpunkte aus die optischen Probleme behandelten. Die Naturphilosophen interessierte es, wie die Wirkung zwischen wahrgenommenem Objekte und empfindendem Subjekte zu erklären sei, die Psychologen beschäftigte der Vorgang der Wahrnehmung selbst, die Mediziner die Rolle, die beim Sehakte dem Auge zufällt; die Farbenlehre entwickelte sich ziemlich unabhängig von der übrigen Optik. Mit den Erscheinungen der Ausbreitung des Lichtes und der Spiegelung befaßten sich vor allem die Mathematiker,') mit 1) Nur diesen Teil der Optik scheint man im Altertum mit diesem Namen belegt zu haben. In den Auszügen aus Geminus wird ausdrück-

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Arthur Erich Haas, der Perspektivik neben diesen auch die Maler. Die Gesetze der Schattenbildung wurden von den Astronomen im Anschlusse an die Betrachtung der Sonnen- und Mondesfinsternisse behandelt, ferner das Phänomen der atmosphärischen Refraktion. Den Erscheinungen des Regenbogens, der Nebensonnen und der Mondhöfe schenkten die Meteorologen ihre Aufmerksamkeit, die eigentümliche Linsenwirkung des Bergkristalls erwähnten die Mineralogen, und mancherlei optische Kuriositäten, wie Beispiele für außerordentliche Gesichtsschärfe, die Fähigkeit, bei Nacht zu sehen, eigentümliche Farbenwirkungen, die angeblich durch Spiegel bewirkte Verbrennung der feindlichen Flotte durch Archimedes*) u, a. befinden sich allenthalben in der antiken und byzantinischen Literatur verstreut. So hängt denn auch die Geschichte der antiken Optik auf das engste mit der der Nachbarwissenschaften Blütezeit der griechischen Philosophie zusammen. fallen In die die Spekulationen über das Wesen des Lichtes und der Gesichtsempfindung, an denen sich namentlich Pythagoras (ca. 580—500), Heraklit von Ephesus (ca. 535—475), Anaxagoras aus Klazomenae (ca. 500—430) und sein Zeitgenosse Diogenes von Apollonia, Empedokles von Agrigent, (490—430), Leukipp (um 450), Demokrit von Abdera (ca, 470— 370), Archytas von Tarent (ca, 430—365), Platon (427—347), Heraklides von Heraklea (um 350 v. Chr.) und Aristoteles (384— 322) beteiligten. An sie knüpften später die Peripatetiker Straton von Lampsakus (um 270 v. Chr.), dessen Schüler Aristarch, Theophrast von Eresus (um 250 v. Chr.), dann Epikur (341—270), dessen Anhänger Hieronymus und T. Lucretius Carus (96—54), die Stoiker lich die Frage nach bezeichnet. dem Wesen des Lichtes als nicht zur Optik gehôrig (Bei Schöne, Damianos S. 24,7: o5te guatohoyet $ dr.) Als Teile der Optik gibt Geminus die Optik im engeren Sinne an, die Katoptrik, das ist die Lehre von der Zurückwerfung der Strahlen, Skenographie genannte Perspektivik. und die von ihm Unter Dioptrik verstanden die Alten die Lehre vom Nivellieren. 2) Diese vermeintliche Tatsache hat namentlich im 18. Jahrhundert eine außerordentlich große Zahl von Untersuchungen hervorgerufen. Das gleiche gilt auch von dem angeblichen Einglase des Kaisers Nero, mit dem sich neben sehr vielen Fachschriftstellern antiquarischen Inbalts bekanntlich auch Lessing in seinen Briefen beschäftigt hat. Meinungsverschiedenheiten der Gelehrten bestehen bei beiden Problemen noch heute fort,

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Zenon (um 300), Chrysippus (282—209), Apollodorus, Sphairos, L. Annaeus Seneca (2—66 n. Chr.) und andere an. Mit der Anatomie des Auges beschäftigten sich schon die älteren Mediziner, namentlich Alkmaion von Kroton (6. Jabrh. v. Chr.) die Hippokratiker, Kallisthenes, ein Hirer des Aristoteles, und Herophilus (um 300 y. Chr.).*) der Mathematik, Mit dem großartigen Aufschwunge den Euklid (um 300 v. Chr.) und Archimedes (287— 212) herbeiführten, begann auch die Entwicklung der geometrischen Optik, als deren Vorläufer eine zuerst von Agatharch, dann von Demokrit und Anaxagoras ausgebildete und auf die > Bühnenmalerei angewandte Perspektivik gelten kann.*) Euklid und Archimedes haben selbst viel über Optik gearbeitet.*) Werk Ein über Brennspiegel (rspt rupstwv) verfaßte Apollonius von Perga®) (um 200 v. Chr.), über Katoptrik schrieb auch Heron von - Alexandria (1. Jahrh. v. Chr.?), der auch der Erfinder zahlreicher aus Spiegeln zusammengesetzter Apparate ist. Unter den Astronomen haben sich besonders Hipparch von Nicäa (um 150 v. Chr.), Kleomedes (um 50 n. Chr.), namentlich aber Claudius Ptolemaeus (70—147), wohl der bedeutendste Vertreter der antiken Optik überhaupt, mit den Problemen dieser Wissenschaft befaßt. Aus dem späten Altertum sind besonders die die Physiologie des Sehens betreffenden Arbeiten des Arztes Claudius Galenus (2. Jahrh. n. Chr.), die mehr philosophischen Untersuchungen des 2) Chaleidius, e. 246. 4) Vitruv, de architectura, Vorrede zum 7. Buche. 3) Von Archimedes erwähnt Apuleius in seiner Apologie (c. 15) bei Besprechung der Spiegelwirkungen, daß er viele derartige Erscheinungen in einem umfangreichen Werke (volumine ingenti) behandelt habe. Ein Beweis aus diesem Werke hat sich in den Scholien zu Euklids Katoptrik erhalten (ed. Heiberg Nr. 7). Die von Gongava aus dem Arabischen übersetzte Abhandlung „De speculis comburentibus wird dem Archimedes nur fälschlich zugeschrieben. Daß ihn Klügel (in den Zusätzen zu Priestleys Geschichte der Optik) zum Verfasser einer optischen Schrift über die „Brechung des Kreises“ macht, hat wohl in einem Druckfehler seinen Grund, da Fabricius (in der Bibliotheca Graeca, B, IV, 8.549) als lateinischen Titel der Schrift rept spatponolac „de fractione (anstatt factione) circuli* angibt, 5) Sie wird im fragmentum mathematicum Bobbiense erwähnt (Hermes Bd. 16 und Zeitschrift für Mathematik und Physik Bd. 28),

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Arthur Erich Haas, Peripatetikers Alexander von Aphrodisias (um 200 n, Chr.) und seines Schülers Sosigenes, der Neuplatoniker Plotinus (204—243) und dessen Schiilers Porphyrius, sowie des Priscianus, die geometrischoptischen Schriften des Damianus von Larissa, des Theon (um 400) und des berühmten Baumeisters Anthemius von Byzanz (um 530) hervorzuheben. Bei der Vielseitigkeit, die den Werken der Alten eigen war, ist wohl anzunehmen, daB die optischen Untersuchungen der angeführten Gelehrten in ihren Schriften vielfach zerstreut waren, andererseits aber auch optische Abhandlungen nur einzelne Bücher großer physikalischer Werke bildeten. So wissen wir z. B., daß sowohl Epikur als auch Chrysippus”) die Optik in dem zweiten Buche ihrer Werke über die Natur (rspl póssws) behandelten. Aus diesem Grunde vermögen uns die namentlich bei Diogenes von Laörte angeführten Titel der physikalischen Schriften der Alten kein genügendes Bild ihrer Tätigkeit auf optischem Gebiete zu geben. Erhalten haben sich von Werken rein optischen Inhalts Euklids Optik samt einer Einleitung Theons und seine nur in späterer Fassung überlieferte Katoptrik, Herons Katoptrik in einer lateinischen Übersetzung unter dem Namen „Ptolemaei liber de speculis“, ein großer Teil der bis vor wenige Jahrzehnte für verloren gehaltenen Optik des Clandius,2tolemacus, die wir ebenfalls nur in einer lateinischen Übersetzung besitzen, die selbst wieder nach einer arabischen angefertigt wurde (opticorum sermones quinque), die Optik des Damianos (xepdlata tüv ürtmav Üroécewv) und einige Bruchstücke aus Anthemios, die in Westermanns „Paradoxographen* zusammengestellt sind; Aristoteles und die beiden vom ferner die Farbenlehre des Sehen handelnden Bücher des Plotin.*) 7) Diogenes Laértins, VII, 157. 5) Die Untersuchungen des Kleomedes über Strahlenbrechung befinden sich im vorletzten Kapitel seiner „Theorie der Kreisbewegung der Himmelskörper“ (auxhen Dempla persibpuy). Bruchstücke aus verlorenen optischen Werken sind das schon früher erwähnte fragmentum mathematicum Bobbiense, das aus der Zeit des Anthemius stammen dürfte, und ein Papyrus kurzen Inhalts, S. 465). den Mariette in Sarrakah fund (Comptes rendus, Bd, 11,

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349 Von anderen optischen Schriften des Altertums sind uns nur noch einige Titel bekannt. Hierher gehören außer den schon erwähnten Werken des Archimedes und des Apollonius eines des Aristoteles (drtıxöv),’) ferner auf die Theorie des Sehens bezügliche Abhandlungen des Theophrast (nept òbews, in vier Büchern), '°) des Straton (mept ôvews), ‘*) des Epikur (repl tod 6päv)‘*) des Zenon (rept dfews)**) und des Sosigenes (repl dvews); '*) einige Schriften, die sich vielleicht mit der Theorie der Abbilder und deren Widerlegung befaßten, von Demokrit (rept elöwAou à repl rpovoins), '*) des Theophrast (repi töv elöhAwv),!*) des Epikur (repl elöwiwv),'”) und des Heraklides (xepl elöwAwv);'*) Farbenlehren von Demokrit (repl ypoöv),'®) Theophrast (repl av tas ypóas petaBadAdvtwy) 7°) Straton (repì Ypwpdtwv)’') und von Galen (rept ypwudtwv); 7%) eine perspektivische Abhandlung des Demokrit (dxtivoypagta).**) Werke über die Sinnesempfindung, in denen wohl die Theorie des Sehens 9) Diogenes Laërtius, V, 26. Klügel stellt im Anschluß an Nunnes, der eine alte lateinische Übersetzung einer Lebensbeschreibung des Aristoteles herausgab, die irrtümliche Behauptung auf, Aristoteles habe in diesem Werke gelehrt, daß der Sehstrahlenkegel sechseckig sei (s. Schneider, eclogae physicae, II, S. 234). Eine Optik des Aristoteles, und zwar ein Buch über die Spiegel, wird auch in dem Mathematikerverzeichnisse im Fihrist des Ibn Abi Jakub an Nadim erwähnt (Deutsch von H. Suter in der Zeitschrift für Mathematik und Physik, Bd. 37). Ferner * ‘’en dort die Polemik des Alexander von Aphrodisias gegen die verschiedenen Tbeorien des Sehens sowie ein Kommentar angeführt, den ein Theophroditos (?) zu einer Abhandlung des Aristoteles über den Regenbogen und die Mondhöfe (offenbar ist ein Abschnitt aus der Meteorologie gemeint) vertaßt haben soll. 10) Diogenes Laërtius, V, 49. M) ib. V, 59. 12) ib. X, 28. 13) ib. VII, 4. 14) Themistius, de anima S. 61, 23 (ed. Heinze). 15) Diog. L. IX, 47. 16) Diogenes Laértius V, 43. 17) ib. X, 28. 18) ib. V, 87. 19) ib. IX, 48. 20) ib. V, 44. 21) ib. V, 59. 32) de plac. Hipp. et. Plat., VI. *3) Diog. L. IX, 48.

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Die Quellen für das geschichtliche Studium dieses Problems bilden in erster Linie die erhaltenen Abhandlungen derjenigen Denker, die selbständig darüber urteilten. Hieher gehören vor allem Platons Timaios (neben einigen minder bedeutenden Stellen in anderen Dialogen), des Aristoteles Schrift über die Seele (repì «omg II, 7), über die Sinneswahrnehmung und die wahrnehmbaren Gegenstände (rep alodíczos xat alsdnro5), Epikurs erster Brief an Herodot (bei Diogenes Laërtius X, 35—83), die in Herculaneum aufgefundenen Überreste des zweiten Buches seiner Physik (nepi gésews 8"), das vierte Buch des Lehrgedichtes „Über das Wesen der Dinge“ (de rerum natura) des T. Lucretius Carus, zwei Bücher aus den Enneaden des Plotin, und zwar das dritte Buch der psychologischen Probleme oder „über das Sehen“ (nept Quyñs droptüv pfrov à sept Öbems; IV. Enn., 5.) und das Buch „Über das Sehen oder den Grund der scheinbaren Verkleinerung entfernter Gegenstände“ (repl öpdasws Y ms 72 róbio pixpà paíverar; II. Enn., 8); ferner die erhaltenen geometrisch-optischen Schriften des Euklid, Heron, Ptolemaeus und Damianos, schließlich das Proömium der Heronischen Pneumatik, das einiges aus der Stratonischen Lichttheorie enthält. Die aus dem Altertum erhaltenen Schriften optischen Inhalts reichen selbstverständlich nicht aus, um ein vollständiges Bild der antiken Lichttheorien zu geben. Manche Denker, die eigenartige Ansichten hierüber aufstellten und vertraten, wie Demokrit, Chrysipp und Straton haben uns überhaupt keine eigenen Werke hinterlassen. Bei ihnen sind wir vor allem auf die Nachrichten angewiesen, die sich in doxographischen polemisierenden und und biographischen kommentierenden Darstellungen, Schriften finden. in Unter diesen kommen hier vor allem in Betracht: Theophrasts Bruchstück über die Sinnesempfindung und die wahrnehmbaren Gegenstände (rept aistyjsews xai alsdrrov), eine geschichtliche Darstellung der Lehre von den Sinnesempfindungen bis auf Platon, die Placita des Aétius (2. Jahrh. n. Chr.), die wir in den Fassungen Pseudoplutarchs, des Johannes von Stoboi (um 500 n. Chr.) und des Pseudogalen (Repl pihocógos loropias) besitzen, die Placita des Arius Didymus (1. Jahrh. y. Chr,), die sich ebenfalls bei Stobaeus finden, die in

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Unter sonstigen Werken, in denen beiläufig einiges über die Theorie des Sehens gesagt wird, seien hier nur erwähnt: Zwei Briefe Ciceros (ad Atticum II, 3; ad familiares XV, 16), Senecas physikalische Untersuchungen (quaestiones naturales II, 8, 2), Plutarchs Tischgespräche (suunostaxk rpoBkfuara), namentlich zwei Kapitel, in denen die Fragen erörtert werden, warum die Greise die Buchstaben aus der Ferne besser sehen und warum die Träume im Spätherbst am unzuverlässigsten sind (I, 8; VIII, 10), die „attischen Nächte“ des Aulus Gellius (um 150 n. Chr.; noctes Atticae, V, 16), die Apologie des Apuleius (um 150 n. Chr.; c. 15), die „Pyrrhoneischen Grundzüge“ des Skeptikers Sextus Empiricus (Moppóvero: ózoturóses; III, 51), die Schrift des Claudius Galenus über die Lehren des Hippokrates und des Platon (nept doyuatwy *Irroxpázoos xat [hdzwvos; B. VII), die Saturnalien des Neuplatonikers Macrobius (am 400 n. Chr.; VII, 14), die Metaphrase des Priscianus zu der Schrift Theophrasts rep} alsd7josws; unter den Werken der Kirchenväter die Schrift des Lactantius (um 300) über die Schépfung Gottes (de opificio Dei; c. 8), die Schrift über den Bau des Menschen des Bischofs Gregorius von Nyssa (4. Jahrh.; mepl xataoxeo7s dvSpero; S. 151, Migne) und sein Kommentar zum hohen Liede (pia els tà douara riv doudruv; S. 834, Migne), das Buch über die Natur des Menschen des Bischofs Nemesius von Emesa (um 400; mepl picews dviporov, c. 7); das Realwörterbuch des Bischofs Isidorus von Hispala (7. Jahrh.; Originum s. etymologicarum Il. XX; XI, 1); die Schrift eines sonst unbekannten Ménches Meletius über den Bau des Menschen (rep xatasxeujs dvdpiunou; S. 1176-1177, Migne), ?*) I. Die Theorie der Sehstrahlen. Als erste soll unter den verschiedenen Lichttheorien diejenige behandelt werden, die sich durch ihre Einfachheit am besten fiir S. 180, 25—133, 3 (wo Hegemonikon, die stoische Bezeichnung des seelischen Zentralorganes als das ,gescheno Objekt“ übersetzt wird); S. 133, 4—8; in denen ganz kurz nur auf eine 5. 184, 32—36. %) Stellen aus anderen Werken, bestimmte Theorie des Sehens hingewiesen wird, sind in den betreffenden Abschnitten angeführt.

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einer Laterne verglich, Alkmaion, der es aus Feuer bestehen ließ, Plato, die Stoiker u. a.; doch verbanden alle diese Denker mit der Vorstellung der Augenstrablen noch die einer Wirkung des Objektes oder des dazwischen liegenden Mediums, während es doch als das Wesentliche der hier zu besprechenden Theorie angeselien werden muß, daß nach ihr die Gesichtsempfindung nur durch die Sehstrahlen „ohne jede Beihilfe von außen“ zustande kommt — sine ullo foris amminieulo, wie sich Apuleius bei Erwähnung der Ansicht des Archytas ausdriickt.**) Weit mehr als bei den Philosophen vom Fache fand die Sehstrahlentheorie ihre Anhänger im Kreise der Vertreter der mathematischen Wissenschaften, die sich durchwegs zu ihr bekennen. Am schärfsten spricht sie Hipparch, der berühmte alexandrinische Astronom (?), aus, der von den Augen entsandte Strahlen mit ihren Enden wie mit Händen die Körper der Außenwelt betasten und die Wirkung zu uns zurückkehren läßt. **) Euklid spricht diese Ansicht zwar nicht so deutlich aus; daß für ihn aber die Sehstrahlen jedesfalls mehr sind als bloß geometrische Linien zwischen Pupille und Gegenstand,*) geht namentlich aus der Einleitung hervor, die Theon zur Euklidischen Optik schrieb und in der er den großen Mathematiker sogar mehrere Gründe für die Richtigkeit der Sehstrahlentheorie vortragen läßt. Auch aus der ganzen Art der Konstruktionen erhellt es, die sich in manchen Fällen, so namentlich bei der Entwerfang der Spiegelbilder, viel einfacher gestalten ließen, wenn Euklid die Strahlen statt des Weges vom Auge zum Gegenstande den umgekehrten nehmen ließe. Auch der dritte der Optik vorausgeschickte Erfahrungssatz spricht deutlich dafür, demzufolge nur die Gegenstände gesehen werden, auf die Strahlen auffallen, die anderen dagegen nicht. M4) Sehr unsichere Nachrichten schreiben ähnliche Ansichten noch dem Parmenides (Aëtius, IV, 13), einigen Akademikern (ib.) und — dies wohl gewiß irrtümlich — den Peripatetikern (Chalcidius c. 238) zu. Auch was bei Aétius, IV, 14 über die Erklärung der Spiegelwirkungen durch die Pythagoreer gesagt wird, dürfte auf ein Mißverständnis ihrer Behauptung zurückzuführen sein, daß die heiße Ausdünstang von allen sichtbaren Gegenständen zurückgedrängt werde. 35) Aötius, IV, 13; Nemesius, de nat. hom. cap. 7. 3) Wie dies Hirschberg behauptet.

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Die Geschwindigkeit der Sehstrahlen wird als außerordentlich, ja unbegrenzt groß angenommen, und als Beweis hiefür von Heron (c. 2) und Damian (c. 13) angegeben, daß wir sofort den Himmel sehen, wenn wir die geschlossenen und gegen ihn gerichteten Augen öffnen. Die Sehstrahlen treten in Gestalt eines Kegels aus dem Auge, der nach Ptolemaeus und Damianus (c. 5) von rechtwinkliger Öffnung ist; seine Spitze liegt innerhalb der Pupille.‘') Daß er eine kreisfórmige Öffnung hat, beweist Damian (c. 11) ebenfalls vom teleologischen Standpunkte aus, da in diesem Falle seine Basis das meiste fassen könne. Denn unter allen ebenen Figuren gleichen Umfangs hat ja der Kreis den größten Inhalt. Die Frage, ob die Sehstrahlen von einander durch Zwischenräume getrennt werden, wird von Euklid und Ptolemaeus verschieden beantwortet. Während sie dieser verneint, bejaht sie jener aufs entschiedenste und führt als Beweis für die Existenz der Zwischenräume an, daß man oft eine auf dem Fußboden liegende kleine Nadel oder manche Buchstaben in einem Buche nicht sehe, auch wenn man in die richtige Gegend blicke.**) Am besten sehen wir in der Achse des Kegels, namentlich dort, wo die Strahlen beider Augen zusammenfallen. **) Das rechte sendet die Strahlen mehr nach links und umgekehrt. *) Damit ein Körper deutlich erblickt werde, muß er nach Ptolemaeus**) imstande sein, den Sehstrahl festzuhalten, d. h. er muß hell, und zwar entweder selbst leuchtend oder von einem anderen Körper bestrahlt und körperhaft sein. wir nur farbig, wesentlichste wie denn Bestandteil Die Dinge sehen überhaupt die Farbenempfindung der der Gesichtswahrnehmung ist. Die Spiegelung erklärt sich daraus, daß manche Körper ein Eindringen der Sehstrahlen verhindern und sie daher zurückwerfen. Es ist gesetzes kennen wir noch die des Euklid, der es aus einem anderen, ganz dasselbe sagenden, aber komplizierteren Erfabrungssatz ableitet (Katoptrik,$ 1) und die des Archimedes (Scholien zu Euklids Katoptrik, ed. Heiberg, n. 7). #) Damianus e. 11. 45) Theons Einleitung zur Optik. 45) Damianus, c. 9; auch Plutarch, quaest. conv., I, 8. M) Nemesius, de nat. hom., €. 7, 4) ed. Govi (Turin 1885), 8. 8.

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strahlen abgeleiteten Gesetze ohne weiteres auch auf Sonnenstrahlen angewendet, ohne daß die Berechtigung eines derartigen Verfahrens auch nur irgendwie begründet oder erwähnt wird. Auch in den erhaltenen Bruchstücken des Anthemius ist nur von Sonnenstrahlen die Rede. Ptolemaeus hat den Zusammenhang zwischen Licht und Sehstrahlen wohl am ausführlichsten behandelt und zwar, wie aus den ersten Worten des zweiten Buches zu ersehen leider verloren gegangenen ersten. vielleicht, die bei Damianus wiederkehren. aus dem Leuchten der Augen, ist, in dem Seine Anschauungen sind es Dieser beweist zwar daß die Sehstrahlen auch Licht seien, hält es aber trotzdem für notwendig, weitläufig zu zeigen,**) daß Sonnen- und Augenstrahlen denselben Gesetzen gehorchen: daß sich auch jene zeitlos ausbreiten, daß für sie dieselben Stoffe durchsichtig und undurchdringlich sind wie für die Sehstrahlen, daß beide die Färbung von Gegenständen annehmen, die sie durchdringen oder von denen sie zurückgeworfen werden, und daß auf beide das Reflexionsgesetz in derselben Weise Anwendung findet. Das letzte beweist Damianus damit, daß die Sonne auch in ihrem Spiegelbilde leuchtend sei. Die Beweisgründe, die die Anhänger der Sehstrahlentheorie für deren Richtigkeit vorbrachten, bezogen sich zum größten Teile auf die Natur des menschlichen Auges. Daß dieses in seinem Innern Feuer enthalte, suchte Alkmaion durch die Tatsache zu erweisen, daß aus dem geschlagenen oder bewegten Auge Feuer herausspriihe. '*) Eine wesentliche Stütze bildete für die Hypothese der Sehstrahlen der Hinweis auf Nachttiere, die auch in der Finsternis zu sehen vermögen — eine Fähigkeit, die auch manchen Menschen und von späteren Schriftstellern namentlich dem Kaiser Tiberius zugeschrieben wurde.*%) Auch in der Gestalt der Augen erblickte man eine Bestätigung der Theorie. Euklid und Damianus®') 49) c, 13. 49) Theoprast, de sensu, $ 26; Aristoteles, de sensu, c. 2. 50) Damian, e. 2; Sueton, Tib. 68; Plinius, hist. nat. XI, 54; Dio Cassius B. 57, c,2. Daß einige Lebewesen ein feines Licht aus ihren Augen strömen lassen, erwähnen u, a. auch Plutarch, quaest. conv. I, 8, 4; Sextus Empiricus, Pyrrh. Hyp. I, 14, 45; Plotin, 4. Enn., V., 7. 51) Jener in Theons Einleitung, dieser in e. 1. Archiv für Geschichte der Philosophie,

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lichen von allen Anhängern seines philosophischen Systems geteilt worden, Lucrez schließt sich völlig an ihn an; von sonstigen Vertretern der Bildertheorie werden uns noch Catius**) und Hieronymus*) genannt. Eine Änderung der Theorie schreibt Aétius dem Epikureer Timagoras zu, der an die Stelle der Bilder wieder den allgemeineren Begriff der Ausflüsse gesetzt haben soll, **) Daß indessen die epikureische Theorie des Sehens keineswegs auf die Atomistiker beschränkt blieb, ersehen wir aus den Schriften des Bischofs Gregorius von Nyssa. Er bezeichnet in seinem Kommentare zum hohen Liede*”) die Vorstellung, daß sich von den Gegenständen Bilder ablösen und in unserem Auge die Gesichtsempfindung entstehen lassen, als diejenige Meinung, die die Fachgelehrten (oí toradiz guctohoyeiv ¿morípoves) darüber hätten. Ja er teilt sie sogar selbst — so seltsam es auch erscheinen mag, daß sich ein Kirchenvater einer Ansicht der gerade von patristischer Seite so heftig bekämpften, ja verachteten epikureischen Sekte anschloß. Nur insoferne ist die ursprüngliche Ansicht bei Gregor verändert, als er wie die meisten Kirchenväter einen subjektivistischen Standpunkt hervorkehrt. Er läßt nicht die Bilder von selbst wohl vor allem den schon in der Einleitung erwähnten Irrtum Wildes, der Epikur ein „Ausströmen von Bildern aus dem Auge“ lehren ließ. In diesem Irrtum bestärkte ihn jedesfalls noch die unrichtige Deutung eines Ausdrucks im folgenden Kapitel des Aétius, in dem von den Spiegelerscheinungen die Rede ist. dort heißt, Demokrit und Epikur dadurch, Diese erklärten, wis daß die Bilder, „die von uns ausgingen* (ätıva ptpesdar de” uv), infolge der Zurückwerfung im Spiegel festgehalten würden. In diesem Zusammenhange sind selbstverständlich unter den Bildern die Abbilder unseres Körpers zu verstehen, die, falls wir uns im Spiegel betrachten, — und dies ist ja doch seine häufigste Verwendung — von ihm zurückgeworfen, in unser Auge gelangen. Wilde übersetzte dagegen dq’ fuüy „aus unseren Augen“. (Ebenso undeutlich wie Aëtius drückt sich übrigens Apuleius in seiner Apologie, c. 15 : profectae a nobis imagines). 56) Cicero, ad fam. XV, 16. #) Plutarch, quaest. conv. VIII, 10. 59) Bei Cicero, Acad. IV, 25 finden sich einige physiologische Optik betreffen. bekannt. dorus über seiner Meinungen, die die Über seine Lichttheorie ist uns jedoch nichts Auch in den erhaltenen Bruchstücken aus dem Werke des Metrodie Wahrnehmungen findet sich nichts hierher Gehöriges. 5%) Bei der Auslegung der Worte: Migue, I, S. 834D. „Deine Augen sind wie Tauben“;

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Arthur Erich Haas, in das Auge gelangen, sondern vielmehr die Seele, die in erster Linie bei allen Sinnesempfindungen tätig sei, gleichsam die Bilder der Gegenstände an sich heranziehen. °°) Den Kern der epikureischen Theorie bildet die Annahme, daß sich von der Oberfläche aller Körper in beständigem Flusse wie dünne Häutchen Abbilder*') der Körper loslösen, die, die Luft durchschwirrend, auch in unser Auge eindringen und in ihm die Gesichtsempfindung auslösen.“) Die außerordentlich zarten Bilder bestehen natürlich aus Atomen, “*) da es ja außer diesen und dem Leeren nach der Ansicht der Epikureer nichts gibt. Die Atome des Bildes sind von derselben Beschaffenheit wie die des Gegenstandes selbst. Daraus erklärt es sich, daß uns leuchtende Gegenstände und namentlich die Sonne blenden, da ihre Abbilder aus feurigen Atomen bestehen, die im Auge bei ihrem Eindringen Schmerzen verursachen;"*) daß selbst psychische Eigenschaften der Gegenstände auf die Bilder übergehen und von diesen wiedergegeben werden können, war Demokrits Ansicht.°) Die Atome der Bilder behalten die Stellung, die sie beim Verlassen des Gegenstandes ©) L, S. 151: 6 vods mpög tavróv Fazer tüv gavouévuy tà tua; kurze Bemerkungen über den Bau und die Wirkungsweise des Auges finden sich auch noch I, 294D—296 und I, 919. 61) sidwda, suvılhoss, simulacra, imagines; Catius nannte sie spectra. 2) Außer bei Epikur (in den herculanensischen Fragmenten und in seinem Briefe an Herodot) und bei Lucrez wird die Theorie der Abbilder noch kurz beschrieben bei Aëtius IV, 13—14; Psendogalen, hist. phil., 94—95; Alexander von Apbrodisias, de an. |. mant. (Bruns) S. 184—136; in. 1. de sensu (Wendland) S. 56—57; Galen, de plac. Hipp. et Plat. VII, 5; Gellius, noct. Att. Y, 16; Apuleius, Apol. c. 15; Macrobius, Sat., VII, 14; Chaleidius, e. 236: Nemesius, de nat, hom, e. 7; Meletius, de nat. hom., c. 2; ferner wird sie erwähnt bei Euklid, Opt. rec. Theonis, S. 148, 20 (Heiberg); Cicero, ad Att. II, 3: ad fam. XV, 16; de fin. bon. et mal. I, 6, 21; de nat. deor. I, 39; Seneca, quaest. nat, 1, 5,1; Plutarch, quaest. conv. I, 8; VIII, 10; de def. orae., c. 19; Sextus Empiricus, Pyrrh. Hyp., I, 51; adv. math., VII, 206; Plotin, IV. Enn, Y, 2; Geminus (bei Schöne, Damianus) S. 24; Lactantius, de opif. Dei, e. 8; Arnobius, adv. gent, II, 7; III, 18; Gregorius von Nyssa (Migue) I, 8. 151, S. 834D; Boethius, de inst. mus., I, 1; Isidorus von Hispala, Etym., XI, 1. 53) Lucrez, IV, 110f. %) Ibid., IV, 299—306. Daß uns die Sonne blendet, soll auch in der großen Fallgeschwindigkeit ihrer Abbilder seine Ursache haben. 5) Plutarch, quaest. conv. VIII, 10.

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innehatten. Sie zerstreuen sich nicht wie Rauch und Dampf, weil sie nur an der Oberfläche als flache Gebilde entstehen und nicht wie jene aus dem Innern der Körper dringen. °*) Die Bilder bewegen sich in gerader Linie nach allen Richtungen”) und durcheilen den Raum mit außerordentlicher, alle Grenzen übersteigender Geschwindigkeit. Diese erklärt sich vor allem aus der Leichtigkeit (der geringen Masse) der Bilder, für die daher nur eine geringe bewegende Kraft erforderlich ist. Überdies stellen sie ein so weitmaschiges, dünnes Gewebe dar, daß für sie der Widerstand der Luft äußerst gering ist und sie sich zwischen deren Atomen ungehindert durchbewegen können.) Die Behauptung einer zeitlosen Ausbreitung sucht Lucrez noch durch die leicht zu beobachtende Erscheinung zu begründen, daß sich die Sterne des Himmels in demselben Augenblicke in klarem Wasser abspiegeln, in dem wir dieses in das Freie bringen. °”) Trotz des geringen Widerstandes der Luft bleibt diese doch nicht ganz ohne Einfluß auf die Bilder. Daraus erklärt es sich, duß wir weder allzu nahe noch weit entfernte Gegenstände deutlich sehen können. Nach der Ansicht des Epikureers Hieronymus sind die Bilder noch ziemlich grob, wenn sie den Körper verlassen. Beim Durchgange durch die Luft werden die gröberen Teile ringsum abgebrochen und fallen ab, und nur die feineren bleiben übrig und dringen in das Auge.) Daß aber bei größerer Entfernung &) Lucrez, IV, 90-97. #7) Luerez, IV, 600-602. 59) Lucrez, IV, 176—198; Epikur, de nat. II, 1—6; Diogenes Laértius, X, 46-47. 6%) Lucrez, IV, 199—215. Eine beweisende Kraft kann man dieser Erscheinung wohl schwerlich beimessen. Denn die Sterne beginnen doch nach der Ansicht Epikurs und des Lucrez nicht erst in dem Augenblicke Bilder zu entsenden, in dem man den Wasserspiegel in das Freie bringt, sondern sie tun es ununterbrochen und ganz unabhängig davon, ob ein menschliches Auge zu deren Aufnahme bereit ist oder nicht. Es bewegen sich also an der Stelle, an die man das Wasser bringt, schon vorher Abbilder der Sterne, die dann, falls der Spiegel ihnen in den Weg gestellt wird, von diesem natürlich zurück- ‚geworfen werden. Über die Größe der Zeit aber, die die Abbilder zur Zurücklegung des Weges von den Sternen bis zu uns brauchten, gibt der Versuch gar keinen Aufschluß. 70) Plutarch, quest, conv. 1,8. Diese Theorie soll eine Erklärung der

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Arthur Erich Haas, abermals Undeutlichkeit eintritt, hat nach Lucrez seinen Grund darin, daß die Bilder auf dem weiten Wege abgestumpft werden. ”*) Das ist auch die Ursache der bei alten Schriftstellern so oft erwähnten optischen Täuschung, daß viereckige Türme aus der Ferne betrachtet rund erscheinen. Auch Plutarch läßt in den Tischgespriichen’*) Favorinus in Erweiterung der Bildertheorie behaupten, daß im Spätherbste die Bilder in der unruhigen Luft leicht verwischt und unklar würden. Treffen die Bilder auf einen festen Körper, so ergeben sich drei Möglichkeiten. Durch Glas und andere durchsichtige Körper setzen sie ihren Weg ungehindert fort, von rauhen, wie Felsen oder Holz werden sie zerrissen, von glatten werden sie zuriickgeworfen. **) Eine Deutung des letzten Phänomens war vom epikureischen Standpunkte aus sehr schwierig, und Lucrez muß auch zu sehr gekünstelten Annahmen greifen, um zu erklären, wieso im Spiegel rechts und links vertauscht seien und warum wir uns im Spiegelbilde überhaupt von vorne und nicht von rückwärts sehen, wie es doch nach der Bildertheorie zu erwarten wäre, Das Bild wird nach der Meinung des Dichters auf der Seite, mit der es auf den Spiegel trifft, plattgedrückt, so daß die Formen auf der rückwärtigen Seite, und zwar unter Vertauschung von rechts und links, wieder zum Vorschein kommen — wie man dies auch an noch feuchten Kreidemasken beobachten könne, die man gegen einen Pfeiler werfe.?*) Ob die Bilder vor dem Stoße rückwärts platt sind, oder ob Unebenheiten ohne Einfluß auf die Beschaffenheit des neu entstehenden Bildes bleiben, wird von Lucrez nicht angegeben. Dringen die Bilder in unser Auge ein, so rufen sie die Gesichtsempfindung hervor. Bildes nicht wahrnehmen, Daß wir den Eintritt eines erklärt sich aus einzelnen der unglaublichen Weitsichtigkeit der Greise geben, die nach dem Gesagten und infolge der geringeren Kraft und größeren Reizbarkeit ihrer Augen diese weiter weg vom Gegenstande entfernen müssen als Normalsichtige. 71) Luerez, IV, 358—363; Sextus Empirius, adv. math. VII, 206. 32) VII, 10. ; 13) Luerez, IV, 145—175; V. 160 und 165 hat die Lesart ,vitrum* wohl mehr Wahrscheinlichkeit für sich als die übliche „vestem*. 14) Luerez, IV, 292—825.

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Schnelligkeit, mit der stets wieder neue Bilder an die Stelle der abgelösten treten.'*) Die Zeit, die zwischen dem Eindringen zweier aufeinanderfolgender Bilder verstreicht, ist viel zu gering, um das Gefühl einer Diskontinuität in uns entstehen zu lassen.*%) Daß wir nicht nur die Gestalt der Körper, sondern auch ihre Entfernung erkennen, rührt daher, daß jedes sich ablösende Bild erst die Luftschicht fortstößt, die sich zwischen ihm und dem Auge befindet, und diese Luft unsere Pupille leicht berührt. Ihre Menge liefert dann einen Maßstab für die Entfernung eines Gegenstandes. *?) Nicht nur die Gesichtsempfindungen, sondern auch die Vorstellungen der Phantasie, die Traumbilder und auch die Geistererscheinungen werden von den Epikureern auf die Abbilder zurückgelührt.**) Diese können sich auf dem Wege verändern und andere Formen annehmen, ja aus sich selbst entstehen. Auch können sich verschiedene zu einem einzigen Ganzen vereinigen und durch eine derartige Vermischung kommen dann die Bilder eines Zentauren oder anderer Wundergestalten zustande, welchen Bildern gewiß kein wirklicher Gegenstand, von dem sie sich abgelöst hätten, entspricht. ””) Namentlich solche Bilder, die zu schwach sind, um in das Auge zu dringen, gelangen durch die feinsten Poren in unser Inneres, und auf sie sind alle Vorstellungen unserer Einbildungskraft zurückzuführen. Auch die Gestalten, die uns im Traume erscheinen, sind 15) Epikur nennt diesen Vorgang (Diog. L. X, 48) dvravarktpwar. 15) Diogenes Luértius X, 48; Luerez, LV, 256—264. Weshalb F. Höfer (Zur Lehre von der Sinneswahrnehmung im 4. Buche des Lucrez, Programm von Seehausen, 1872) aus den Versen IV, 981. schließt, daß wir bei Spiegelbildern, und zwar nur bei diesen, die Abbilder selbst sehen, ist aus der angeführten Stelle schwer ersichtlich. Von den beiden Übersetzungen der Worte „visum reddere“; „den Gegenstand wiedergeben“ und „selbst sichtbar werden* dürfte au der betreffenden Stelle die erste riehtiger sein. #9) Luerez 1V, 244—255, Man muß also annehmen, dal) die Zeit, die das Bild zur Zurücklegung des Weges braucht, geringer ist als die Pause zwischen der Ablösung zweier aufeinander folgender Bilder. 79) Die Beseitigung der Geister- und Dämonenfureht war ebenso der besondere Zweck der Bildertheorie, wie die des Aberglaubens und der Todesangst Aufgabe der gesamten epikureischen Physik war. Luerez spricht dies besonders deutlich am Anfange dos vierten Buches aus. 79) Luerez IV, 129—140; 724—748. Diogenes Laértius X, 48.

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Arthur Erich Haas, nur Abbilder. Demokrit Daß sie sich auch zu bewegen scheinen, dadurch, daß er den Abbildern erklärte dieselben seelischen Eigenschaften zuschrieb, wie ihren Gegenständen, während Lucrez nur eine rasche Aufeinanderfolge der einzelnen Bilder (etwa wie bei einem Kinematographen) annahm. Eine so phantastische, teilweise so unwissenschaftliche Theorie, wie es die Lehre von den Abbildern, namentlich in ihrer Fassung durch Lucrez, war, konnte nur in sehr naiven Beweisgründen eine Stütze finden. Der Hinweis auf ähnliche Erscheinungen in der Natur, mit dem Lucrez die Annahme der Abbilder zu rechtfertigen suchte, *) ist wohl selbst im Altertume kaum Gegenstand eines wissenschaftlichen Streites geworden. Die Absonderung des Rauches vom Holze, der Wärme vom Feuer, die Abstreifung der Häute von neugeborenen Kälbern und von Schlangen derartige Analogien angeführt. Auch werden besonders als die Beobachtung, daß im Theater alles von der bunten Farbe aufgespannter Tücher übergossen scheint, spricht nach Lucrez für die Richtigkeit seiner Annahme. Das einzige wertvolle Argument, das die Epikureer vorzubringen wußten, war die Analogie mit den übrigen Sinnesorganen, die durchwegs Eindrücke von außen empfingen. Die Bildertheorie ist im Altertume wohl nicht minder heftig bekämpft worden als die übrigen physikalischen Lehren der epikureischen Schule, die durch ihr atomistisches System ganz vereinzelt dastand und Angriffe von allen Seiten zu ertragen hatte, Daß es Gegner gab, die in „sophistischer“ Art den Bildern Epikurs überhaupt jede Beweglichkeit absprachen, da sie eine solche nur festen Körpern zuschrieben, ist aus einer Stelle in den herkulanensischen Fragmenten*) zu schließen. In dem zweiten Buche der Naturlehre Epikurs wurden auch Einwände besprochen, die sich auf die Zusammensetzung der Bilder bezogen und sich namentlich mit der Frage beschäftigen, ob allen Bildern die gleiche Dichte zukomme und ob ihre Leichtigkeit in einem inneren Hohlraume ihre Ursache habe. Der Gedankengang der Darlegung läßt sich indessen infolge der großen Zahl und des großen Umfanges der Lücken nur schwer #) De nat. II, col. 5.

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wiederherstellen.") uns bekannten 369 Einwände haben sich namentlich bei zwei Schriftstellern der späteren Zeit erhalten, bei Alexander von Aphrodisias und Macrobius. Alexander *) tadelte an der epikureischen Theorie vor allem, daß sie keine genügende Erklärung dafür zu geben vermöge, wieso wir die Größe, die Entfernung und ‘die Farben des gesehenen Objektes erkennen. Man müsse entweder annehmen, daß wir Bilder nur in der Größe des Sehloches empfangen oder die Bilder zusammengerollt durch die Pupille gehen, wobei aber ihr Zusammenhang sehr verschoben werden müßte. Daß ein so zartes Bild eine oft außerordentlich große Menge Luft (die als Maßstab der Entfernung gilt) vor sich herstoßen könne, sei sehr unwahrscheinlich, wie es denn überhaupt nicht zu erklären sei, daß die Bilder im Sturme und beim Auftreffen auf harte Spiegelflichen ihren Zusammenhang bewahren. Auch sei es nicht ersichtlich, warum sie hinter dem Spiegel erscheinen, an einem bestimmten Punkte stillestehen und nicht wenigstens eine kurze Zeit noch sichtbar bleiben, wenn sich die Person, die sich im Spiegel beschaute, entfernt hat. Die Gegenstände müßten sich schließlich rasch auflösen, wenn sie unaufhörlich Abbilder nach allen Richtungen senden, und es sei schwer, zu ersehen, woher ein Ersatz kommen solle und wo überhaupt die in das Auge gedrungenen Bilder aufbewahrt werden sollen. Bei Macrobius**) kehren die Einwände wieder, die sich auf den Zusammenhang der Atome der Bilder und das farbige Sehen beziehen. Er weist ferner auf den Widerspruch zwischen der Theorie und den Spiegelerscheinungen hin und wendet sich auch gegen eine Hauptschwäche der Lehre von den Abbildern, die jedesfalls darin lag, daß sie keine hinreichende Erklärung für das Zustandekommen eines Gesichtsfeldes zu geben vermochte. hauptete nur, loslösen; Sie bedaß sich von der Oberfläche der Körper Abbilder ob dies aber auch von den einzelnen, innen gelegenen 5) Die Ergänzungen, die Rosini in seinem Kommentar liefert, scheinen sehr willkürlich zu sein. ®) De an. 1. mant., 8. 134—136 (Bruns). $) Saturnalien VII, 14.

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Arthur Erich Haas, Teilen der Körper gelte, wie es sich bei einem Aggregate von Körpern verhalte, das aus der Ferne dem Auge wie ein einziger Körper erscheine, konnte sie nicht entscheiden; ob sich ein Abbild von einem ganzen Heere loslöse, oder etwa, wie Macrobius einwendet, von jedem der tausend Soldaten ein einzelnes und dann unser Sehorgan erreiche. Macrobius hält es für ganz unverständlich, wie in dem Augenblicke, in dem wir den Blick auf eine Landschaft richten, gleich ungezählte Bilder in unser so kleines Auge eindringen sollen. Die Schwierigkeit einer Erklärung dafür, daß sich die bisweilen doch gewiß sehr großen Bilder auch durch kleine Öffnungen durchbewegen müssen, hebt auch Cicero hervor, der in einem Briefe an Atticus”) in humoristischer schildert, die lichttheoretische Fensterbaues haben können. Weise die praktische Bedeutung Untersuchungen für Fragen des Ganz besonders aber erregte seine Spottlust die Identifizierung der Phantasiebilder und der Abbilder und die Vorstellung, daß die Seele die Kraft haben sollte, Abbilder aller möglichen Gegenstände herbeizuzitieren; ob denn wohl, wenn er an die Insel Britannia denke, dann gleich ein Abbild des ganzen Landes herbeigeflogen kiime.**) Außer den bisher angeführten ist noch besonders ein Einwand Euklids bemerkenswert, der auf die mit den Vorstellungen Epikurs ganz unvereinbare Tatsache hinweist, daß sich oft ganz nahe Gegenstände unserer Wahrnehmung entziehen. Er gibt hierfür die schon früher erwähnten Beispiele der auf dem Fußboden liegenden Nadel und der Buchstaben in einem Buche an.*”) Allgemein und ohne Auf: ziihlung ihrer einzelnen Schwächen wenden sich auch Plutarch, **) Galen“) und Lactantius®°) gegen die Lehre von den Abbildern. II. Demokrits Theorie der Luftabdrücke. Mit der von den späteren Atomikern vertretenen Theorie des 5) Ad Atticum II, 3. %) Ad fam. XV, 16. #) Theons Einleitung: 55) De def. orac., e, 19. %) De plac. Hipp. et. Plat, VII, S. 6151. (Müller). %) De opif. Dei, c. 8.

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Sehens stimmt in der Grundvorstellung der Abbilder die Theorie überein, die Demokrit schuf. Obwohl älter als die Lehre Epikurs, ist sie doch jedesfalls komplizierter, andererseits aber auch unserer heutigen Auffassung insoferne näher, als Demokrit im Gegensatz zu seinem Schiller es für unmöglich hielt, daß die Abbilder der Gegenstiinde ihren Weg ungehindert durch die Luft nehmen kénnten. Er ließ daher die Abbilder nicht selbst in das Auge gelangen, sondern nur einen Abdruck (drotézwats), den sie in der Luft, wie ein Siegel im Wachse, erzeugen, und lieB auf diese Weise die Gegenstände sich im wässerigen Auge abspiegeln.”) Demokvit hält indessen die Luft keineswegs für ein zum Zustandekommen des Sehens unumgänglich notwendiges Medium, wie dies Aristoteles und die Stoiker taten; er sieht sie im Gegenteil als ein Hindernis an.*) Er meint daher, daß die Deutlichkeit der Abdrücke mit wachsender Entfernung abnehme und wir eine am Himmel kriechende Ameise sehen müßten, wenn der Zwischenraum nicht von Luft erfüllt wäre.**) Daß wir im Finstern nicht sehen, erklärte er durch die Annahme, daß die Sonne erst die Luft verdichten müsse, wenn diese die Abdrücke festhalten solle. ’*) Ob Demokrits Lehre auch später Anhänger fand, oder ob sie völlig durch die epikureische Lichttheorie verdrängt wurde, wissen wir nicht, Nur Aétius®*) berichtet mit wenigen Worten von einer teilweise ähnlichen Theorie des Aristarchos, die eine vermittelnde Stellung zwischen der Demokrits und Stratons eingenommen zu haben scheint, 2) Am ausführlichsten wird die Theorie Demokrits bei Theophrast, de sensu, $$ 50—54, und von Aristoteles, de sensu, c. 2, und de an., II, 7, dargestellt. Ferner erwähnen sie, teilweise unvollständig, Aëtius, IV, 13—14; Psendogalen, hist. phil., 94—95; Diogenes Laörtius, IX, 44; Cicero, de fin. bon, et mal., I, 6, 21; Plutarch, quaest. conv., VIII, 10; Plotin, 4. Enn., V, 3; VI, 1; Macrobius, VII, 14; Chalcidius, e. 236; Alexander von Aphrodisias, de sensu, 8. 24 (Wendland); Themistius, S. 62 (Heinze). #) Manche der alten Schriftsteller, wie Cicero, Macrobius und die Doxographen, assen deshalb seine Ansicht von einer vermittelnden Wirkung der Luft ganz unerwähnt und identifizieren die Theorien Demokrits und Epikurs völlig. %) Aristoteles, de anima, II, 7. %) Theophrast, de sensu, $ 54. %) IV, 13; auch I, 15.

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ganz außerhalb unseres Körpers vollziehen, so daß die Sinnesorgane ziemlich überflüssig erschienen. Diese Schwierigkeiten suchte zuerst Empedokles durch eine Verschmelzung der beiden Theorien zu vermindern. Er lehrte, daß das Sehen durch eine Vermischung von Sehstrahlen und Ausflüssen zustande komme und das Auge selbst, das er mit einer Laterne verglich, aus Feuer und Wasser bestehe, zu denen abwechselnd Poren führten. Da er Gleichartigkeit zwischen Empfindendem und Empfundenem annahm, meinte er, daß die weißen, hellen Ausflüsse zum Feuer, die dunkeln, schwarzen zum Wasser gelangten.””) An die empedokleische Vorstellung einer Vermischung des inneren Lichtes mit den Ausflüssen schließt sich in der Grundvorstellung die Lehre des Sehens an, die Plato aufstellte und die von den späteren Schriftstellern als die Theorie der Zusammenstrahlung oder Synaugie bezeichnet wurde.'*%) gehören außer einigen Philosophen Zu ihren Vertretern der platonischen Schule wie Alkinous, Macrobius und Chaleidius auch Plutarch und Galen, der sie allerdings in etwas veränderter Gestalt vortriigt.'*') Plato stattet ebenso wie die Anhänger der Sehstrahlentheorie die Augen mit einem inneren Lichte aus, das aus ihnen, so lange sie offen sind, unaufhörlich strahlt. Damit es aber zur Wirkung kommen könne, ist es erforderlich, daß es außerhalb des Sehorganes %) Theopbrast, de sensu, $$ 7—8; Aëtius, IV, 13—14; Plato, Menon 76 C—D; Aristoteles, de sensu, c. 2, 437b—438a; de gen. an. 779b; Alexander, in |. de sensu, 8. 20—24, 34 (Wendland). Eine ähnliche Theorie wie Empedokles soll nach Aétius auch Hestiaios aus Perinth vertreten haben, der das Produkt der Vermischung ,Strablenbild“ (zzrwveiöwAov) nannte. Er gilt als ein Schüler Platons (Diog. L., III, 46). 100) Plato selbst gebraucht den Ausdruck nicht. 101) Plato Staat äußert seine Ansicht über das Sehen im Timaios 45 A—D; 508; Menon 76D; Theätet 156D; ausführlich besprechen sie auch Theophrast, de sensu,$ 5; Alexander, de an. |. mant., S. 136—138 (Bruns); in I. de sensu, S. 21, 28, 33 (Wendland); Platons Anhänger Alkinous, c. 18; Plutarch, quaest. conv., 1, 8, 4; de def, orac., c. 47; Galen, de plac, Hipp. et Plat., VIT; Macrobius, Sat., VII, 14; Chaleidius, c. 244—248. sie Aétius, IV, 13; Pseudogalen, hist. phil. 94—95; Ferner erwähnen Apuleius, Apol., e. 15: Gellins, Noct, Att., V, 16; Plotin, 4. Enn., V, 2; Simplicius, in 1, de an., 8. 133 (Hayduck); Nemesius, de nat. hom., e. 7; Isidorus von Hispala, Etym., XI, 1, 1; Meletius, de nat. bom,, c. 2.

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der Art der von den Gegenständen kommenden Ausfliisse und ihres Zusammentreffens mit den Sehstrahlen bestehen läßt, und wiederholt im übrigen manche Einwände, die er schon gegen die Sehstrahlentheorie geltend machte. Eine ziemlich selbständige Stellung nimmt gegenüber der Lehre Platons die Lichttheorie Galens ein. Sie schließt sich zwar in den wichtigsten Punkten jener Lehre an;*°*) doch fehlt trotz der ausführlichen Darstellung eine Erwähnung der Absonderungen, die von den Objekten kommen. Nur an der Annahme hält Galen fest, daß zu dem Zustandekommen des Sehens eine Einwirkung des uns umgebenden Lichtes notwendig sei.‘°') Der wesentliche Unterschied zwischen Platons und Galens Theorie ist aber der, daß dieser die Vorstellang der aus dem Auge tretenden Sehstrahlen ganz fallen ließ. Er setzte an ihre Stelle die Luft, die, durch das Sehpneuma berührt, eine Verlängerung des Auges werde. Eine vermittelnde Wirkung eines Mediums lehrte er nicht; denn die Luft beteiligt sich nach seiner Ansicht an dem Sehakte nicht als solche. Sie ist von dessen Beginn an ebenso ein Teil des Auges, wie der Sehnerv einer des Gehirnes ist.’°*) Insofern also muß Galens Lehre von der stoischen Theorie einer Anspannung der Luft durch das Sehpneuma geschieden werden, die er, obwohl sie auf den ersten Blick seiner eigenen sehr ähnlich scheint, entschieden bekämpfte. V. Die aristotelische Theorie der Vermittlung eines durchsichtigen Mediums. Wie die meisten Fragen der antiken Physik hat Aristoteles auch die nach dem Wesen des Lichtes von ganz neuen Gesichtspunkten aus behandelt und gerade dieses schwierige Problem in einer Weise zu lösen versucht, daß wir vom Standpunkte der heutigen Physik aus seiner Theorie unbedingt den Vorzug vor allen 406) Dies bezeugen auch Nemesius, de nat. hom,, c. 7, und Meletius, de nat. hom., c. 2, der allerdings die platonische Lehre ganz falsch darstellt, Galen hat seine Ansicht am ausführlichsten in dem Buche de plac. Hipp. et Plat., c. 7, niedergelegt; auf sie nimmt er auch an vielen Stellen anderer Werke, namentlich der Bücher de usu partium, Bezug. 107) ed. Müller, S. 642. 105) ed, Müller, S. 616—617, 623. Archiv für Geschichte der Philosophie,

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gleichsam aufzuhalten und den Gegenstand abzuspiegeln. Die Farbe ist ebenso das bewegende Prinzip (ævmzxév) für das aktuell Durchsichtige, wie die hell machenden Körper für das potentiell Durchsichtige. In diesem Sinne nennt wohl Alexander die Farbe gleichsam ein zweites Licht (Beórspóv st #@<) und umgekehrt Aristoteles das Licht die Farbe des Durchsichtigen. Der sekundäre Vorgang, der die Farbe dem Auge übermittelt, ist also von dem primären, dem Ubergange des potentiell Durchsichtigen in aktuell Durchsichtiges, scharf zu scheiden;''*) er ist ebenso wie dieser eine qualitative ‚Veränderung (eine anios), was namentlich die Kommentatoren des Aristoteles ausdrücklich hervorheben. Nur wenn das Objekt selbstleuchtend ist, decken sich die beiden Vorgänge, weshalb wir das Feuer auch im Dunkeln zu sehen vermögen. Die Farben sind» die eigentliche Ursache des Sightbntgy fe ioni der Kirper (altia tots owpaot tod ópasdar). sitzt, wie das Durchsichtige, kann Was keine Farbe benicht gesehen werden, '*”) Auf die Farbenempfindung als das Wesentlichste der Gesichtsempfindung führten daher auch die Aristoteliker die Wahrnehmung der räumlichen Verhältnisse -zurück.''*) Die Entfernung erkennen wir aus der Abschwächung des Farbeneindruckes, die Größe des Gegenstandes aus der so bestimmten Entfernung und dem Gesichtswinkel, die Begrenzungslinien und die Gestalt des Körpers infolge des Farbenunterschiedes zwischen ihm und seiner Umgebung, die Erhabenheiten und. Vertiefungen infolge der hierdurch bestimmten Ungleichmäßigkeit der Farbe. Für die Richtigkeit seiner Theorie wußte. Aristoteles außer den Einwänden, die er gegen die anderen Theorien geltend machte, 115) Am stärksten hebt dies Alexander; de an. |, mant. S. an 16, ‚hervor. 113) Dal es Gegenstände gibt, die nicht bei Licht, A nur im Dunkeln sichtbar sind, in dem sie, ohne ihre Farben erkennen zu lassen, glänzen und leuchten (uämlich die phosphoreszierenden Körper, unter denen Aristoteles Schwämme, Horn, das Auge, Fischköpfe nennt), kann nach Aristoteles nur ein Beweis dafür sein, dall diese Phänomene nicht in das Gebiet derieigentlichen Lichterséheinnngen gehören; eine richtige Erklärung dieser Tatsachen gab nach Themistius (S. 61) Sosigenes, ein Schüler Alexanders. 14) Alexander, de an. |. mant. 8. 146—147.

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Arthur Erich Haas, nur einen, nach unserer Ansicht ganz verfehlten, Beweisgrund anzuführen, daß wir nämlich einen auf das Auge gelegten Gegenstand nicht sehen können, weil kein das Sehen bewirkendes Medium dazwischen liege. Als Gegner des Aristoteles sind uns aus ihren Werken Galen'**) und Plotin''*) bekannt. Jener bemängelte an der peripatetischen Theorie, daß sie die Abschätzung der Distanzen durch das Auge nicht zu erklären vermöge, und ebensowenig die erscheinungen, bei deren Besprechung Aristoteles selbst zu der bequemeren Annahme der Sehstrahlen greife.''’) daß der farbige SpiegelungsPlotin meint, Körper ebensogut direkt auf die Augen einwirken könne, und die Annahme eines Mediums daher ganz überflüssig sei. Unter den Schülern des Aristoteles scheint hinsichtlich der Lichttheorie eine Spaltung eingetreten zu sein. Während Theophrast,'**) die späteren Peripatetiker und namentlich die Kommentatoren ohne eine wesentliche Veränderung an den Ansichten des Aristoteles festhielten, scheint Straton das Licht nicht so unkörperlich aufgefaßt zu haben wie jener. Er lehrte, daß sich die Farben der Objekte von diesen ablösten und auf diese Weise die Luft bis zu dem Auge farbten.'!*) Noch stärker tritt der Gegensatz zu Aristoteles in dem Proömium der heronischen Pneumatik zutage, das als ein Kompendium stratonischer Physik angesehen wird und in dem das Licht ebenso wie die Wärme als eine materielle Kraft (dövapıs cwpattxy) bezeichnet wird. Das Licht nimmt einen Raum ein und müßte daher auch das Wasser, in das es eindringt, verdrängen, wenn dieses keinen leeren 115) De plac. Hipp. et Plat. VII, S. 638 (Müller). 116) 4, Enn., V, 2. Plotins Gedanken kehren auch bei Priscianus (Kommentar zu Theophrast rept alaD¥jsews) wieder. 117) In der Meteorologie, III, 2; dasselbe geschieht auch in den aus der aristotelischen Schule stammenden „Problemen“, e. 31. 115) Wie aus dem Kommentar ersichtlich ist, den Priscianus zu Theophrasts Werke über die Sinneswahrnehmung schrieb. 19) Aëtius, IV, 18; die dröyuoı ypwpdrwy wird als die Grundvorstellung einer Theorie des Sehens auch bei Sextus. Empiricus, Pyrrb. Hyp. III, 51 angegeben.

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Zwischenraum in seinem Innern hätte, Es überträgt sich durch alle Körper wie der Schlag des Seezitterrochens.'?°) Daß die aristotelische Theorie des Lichtes von so vielen gänzlich mißverstanden wurde, hat vor allem in einigen Fehlern seinen Grund, die fast allen Darstellungen gemeinsam sind. Ihre Verfasser unterschieden nicht die beiden ganz verschiedenen Vorgänge voneinander, die im vorhergehenden als der primäre und der sekundäre bezeichnet wurden, nämlich den Übergang des Durchsichtigen aus dem Zustande potentieller in den aktueller Durchsichtigkeit und den durch die Farbe im aktuell Durchsichtigen bewirkten Vorgang. Sie unterschieden nicht, daß das Ergebnis des ersten nur das Licht als solches, die Helligkeit des Durchsichtigen sei, und erst das Ergebnis des zweiten die Gesichtsempfindung. Sie beachteten weiter nicht, daß eine xívqos keineswegs eine räumliche Bewegung sein müsse, sondern auch eine qualitative Änderung sein könne, *) daß xivnsıs und dMofwsıs in der aristotelischen Terminologie keineswegs disparate Begriffe sind, sondern dieser jenem untergeordnet ist; daß schließlich das, was Aristoteles Licht nennt, überhaupt keine xivnoıs ist, sondern das Resultat einer solchen, nämlich des Überganges von potentieller in aktuelle Durchsichtigkeit.'**) Sehr erleichtert wurden die irrigen Anschauungen der verschiedenen Autoren auch dadurch, daß kaum einer unter ihnen die antiken Kommentare zu Aristoteles und namentlich die so klare Darstellung bei Alexander (de an. |. mant., S. 141 bis 147) berücksichtigte. Am ärgsten hat unter diesen Geschichtsschreibern der Philosophie gerade der die aristotelische Lichttheorie mißverstanden, der 120) S, 24—26 (Schmidt); diese Parallele zwischen Licht und Elektrizität findet sich auch bei Plotin, 4. Enn., V, 2 und bei Chaleidius, e. 287. 131) Sonst müßte man ja annehmen, daß auch der von Aristoteles als Beispiel einer xt angeführte Übergang des Heilbaren in Gesundheit nach den Gesetzen der Mechanik erfolgen müsse. Vgl. Physik, V, 1—2; VIII, 7 260a; de coelo, IV, 3, 310b. 1%2) Dies erklärt auch Aristoteles ausdrücklich, de sensu, 446b: 1) elvar gip ti güs dor.

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Fortpflanzung ihres Abdruckes in der Luft ersetzte, ließen die Stoiker nicht die Sehstrahlen selbst zum Gegenstande gelangen, sondern’ das Auge die dazwischen liegende Luft gestalten. Ein großer Unterschied zwischen ihrer Lehre und der Demokrits bestand aber — abgesehen von der Richtung der Bewegung — darin, daß sie, wohl unter dem Einflusse aristotelischer Anschauungen, die Luft für ein unbedingt notwendiges Medium hielten, ohne das das Sehen überhaupt nicht stattfinden könnte. Ihre Ansicht über die Ausbreitung: der Strahlen durch eine Wellenbewegung des Mediums kommt unserer Auffassung noch näher, als die entsprechende des Aristoteles; ein großer Rückschritt liegt aber darin, daß sie die Strahlen wiederum den Weg vom Auge zum Gegenstande nehmen ließen. Wie bei vielen physikalischen Lehren der Stoiker läßt sich auch bei ihrer Theorie des Sehens der Ursprung bei Heraklit von Ephesus nachweisen, über dessen Meinung wir allerdings nichts Bestimmtes wissen.'**) Als Vertreter der eigentlich stoischen Lehre vom Sehen werden im Sphairos genannt.**%) besonderen Chrysippus, Apollodorus und Auch Seneca schließt sich, obwohl er nicht ausführlich über das Sehen spricht, in der Grundvorstellung den älteren Stoikern an. Das Sehen geschieht nach der Ansicht dieser Denker in der Weise, daß von dem seelischen Zentralorgane, dem Hegemonikon, das Sehpneuma (rveöpa óparióv) in die Pupille gelangt und die zwischen dieser und dem Gegenstande liegende Luft in den Zustand der Spannung (tivas, suvéveasts, intentio) versetzt.**?) Die Luft 1) Chalcidius, c. 237: At vero Heraclitus intimum motum, qui est intentio animi sive animadversio, porrigi dicit per oculorum méatus atque ita tangere tractareque visenda. 120) Aötius IV, 15; Diogenes Laörtius VII, 157. #21) Stoicorum fragmenta, coll, ab Arnim, vol. II, n.863—871. Am ausführlichsten besprechen die stoische Theorie Chalcidius, c. 237, Alexander, de an. 1. mant., S. 130—134 (Bruns); Aëtius, IV, 15; Pseudogalen, hist. phil. 963 Diogenes Laörtius, VII, 157; Galen, de sympt. caus. 1,2; de plac. Hipp. et Plat. VII, S. 642—643 (Müller). Ferner erwähnen die Annahme einer An spannung der Luft beim Sehen — teils mit, teils ohne Nennung der Stoiker — Seneca, quuest. nat. II, 8, 2; Epiktet, diss. II, 23, 3; Sextus Empiricus, Pyrrb. Hyp. 111, 51; Apuleius, Apol. Lactantius, de opif. Dei, Dei, c. 15; Gellius, noct. Att, V, 16; Plotin, 4. Enn., V, 4. Geminus (bei Schöne, Damianus) S. 24, 11

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ja doch auch im Wasser, in dem sich gar keine Luft befände, und wenn das Wasser angespannt werden könne, um wie viel eher müßte es die im Vergleiche mit ihm doch noch immer als dünn zu bezeichnende finstere Luft. Auch müßten die Strahlen in dem Kalten infolge der Zusammenziehung der Luft unwirksam werden. Ebenso stehe es im Widerspruche mit der stoischen Annahme, daß wir auch durch einen dunkeln Zwischenraum ein Licht sehen und die Sterne gerade in der Nacht, bei einer Sonnenfinsternis und aus tiefen Brunnen erblicken."”) Wenn das Sehen in einer Anstemmung des Auges gegen das Objekt vermittelst der dazwischen liegenden Luft bestehe, so sei nicht einzusehen, warum wir nicht den Gegenstand sofort undeutlich sehen, wenn wir uns, rasch zurücktretend, von ihm entfernen, Auch, daß wir in einem tiefen Brunnen zwar unser Spiegelbild erblicken, nicht aber das Wasser selbst, spreche dagegen. Es sei doch zu gekünstelt, anzunehmen, daß die Luft auf dem ersten Teile des Weges (vom Auge zum Wasserspiegel) nicht gegen das Wasser gedrückt werde, auf dem zweiten Teile des Weges (vom Wasser zu unserem Körper) dagegen unsern Körper. wohl gegen Weitere Einwände weisen auf die Undurchsichtigkeit poröser, also für die Luft doch durchlässiger Körper und ferner — in mehr allgemeiner Weise und unter Anführung der auch gegen die anderen Theorien vorgebrachten Argumente — darauf hin, daß wir nahe Gegenstände nicht sehen, daß der feine Sehkegel infolge der Anstemmung und der Reflexion leicht zerstört werden und die Spiegelerscheinungen der stoischen Theorie große Schwierigkeiten bieten müssen. VIL. Theorien einer unvermittelten psychischen Fernwirkung. In vollkommenem Gegensatz steht zu allen bisher betrachteten Theorien des Sehens die Lehre einer unvermittelten seelischen Fernwirkung, die in den letzten Jahrhunderten des Altertums, im 137) Das Sichtbarwerden der Sterne bei Sonnenfinsternissen erklärte in richtiger Weise Galen (de usu part, X, c. 3), der auf die Tatsache hinweist, daß im Sonnenlichte jede Lampe matt erscheine.

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Das Sehen ist nach der Ansicht der Neuplatoniker durch die Sympathie zu erklären, die zwischen der Seele und dem Objekte als Teilen derselben einheitlichen Welt und eines einzigen Organismus besteht. '*) Die Seele sieht — wie dies noch bestimmter Porphyrius ausdrückt — nur sich selbst in den Gegenständen, die, wie die ganze materielle Welt in ihr, als ihre Emanation enthalten ist. Die Sinnesorgane sind die Behelfe, durch die die Seele zur Einheit mit den wahrnehmbaren Gegenständen fortschreitet. Annahme irgend einer Vermittlung zwischen Die beiden — durch Strahlen, Abbilder oder Vorgänge im Medium — wird auf das entschiedenste zurückgewiesen. Befindet sich ein Medium zwischen Auge und Gegenstand, so erfährt es nie dieselbe Affektion wie das Auge (wie dies Aristoteles annahm); es bleibt von dem Sehprozesse gänzlich unbeeinflußt. Es ist nur hinderlich, indem Sympathie zwischen Objekt und Subjekt beeinträchtigt. es die Auf eine Berührung — wie dies die anderen Theorien mit Ausnahme der aristotelischen Jehrten — ist der Sehakt ebenfalls nicht zurückzuführen. Er kann nur erfolgen, wenn Sehendes und Gesehenes voneinander getrennt sind. Dies ist nach Plotins Ansicht auch der Grund, warum wir auf das Auge gelegte Gegenstände nicht sehen können. Als Medium (im weiteren Sinne) kann höchstens das Licht gelten, das aber auch nicht nötig wäre, wenn Gegenstand und Seele durch nichts die Einwirkung Hinderndes getrennt wären. Beim Sehen in die Nähe reicht das eigene Licht des Auges aus, das, vom Geiste beseelt, diesen bis zu den Gegenständen trägt. Bei größerer Entfernung ist ein äußeres, von leuchtenden Gegenständen kommendes Licht erforderlich. Dieses ist keine Eigenschaft seines Trägers, sondern dessen Wirkung nach außen (&vépyeta pds <ù Zw), die sich an anderen Körpern als Überfärbung (émypévvuas) äußert. Die scheinbare Verkleinerung entfernter Gegenstände erklärte Plotin'**) dadurch, daß bei größerer Distanz die Farben undeut- 142) Plotin, 4. Enn., Y. 143) 2, Enn., VIII.

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