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Die Kenntnisse der alten Kulturvölker von den
gesunden und kranken Sinnesorganen auf Grund
ihrer Anschauungen von der Heilkunde
Von HANS GERLACH-Dresden
Von alters her haben wir die Anschauung, daß der Mensch
fünf Sinne besitze. In der deutschen Sprache sind die üblichen
5 Sinnesarten mit Worten bezeichnet, welche sämtlich die Vorsilbe
Ge (Gesicht, Gehör, Geruch, Geschmack, Gefiihl) besitzen. Für
einen 6. Sinn hat die deutsche Sprache kein entsprechendes Wort,
obwohl verschiedene Sinnesempfindungen — vor allem der Gleichgewichtssinn — der sein hauptsächliches Organ im Innenohr hat
und stammesgeschichtlich viel alter als das Hörorgan ist — durch
die übliche Bezeichnung von den 5 Sinnen nicht erfaßt werden.
Das ist erklarlich, da die Sprachbildung und die Uberlieferung von
5 Sinnen zeitlich sehr weit zurtickliegen, die Erkenntnis von mehr
als 5 Sinnen der neuesten Forschung angehört.
Geschichtliches Nachforschen führt uns bei der Frage nach der
Herkunft der Annahme von 5 Sinnen zu den ostasiatischen Völkern,
in deren Mittelpunkt die hochentwickelte Kultur der Chinesen
gestanden hat. Die Forschungen derselben erstreckten sich nicht
nur auf mathematische, astronomische, naturwissenschaftliche und
philosophische Dinge, auch der Heilkunde wurde großes Verständnis
entgegengebracht. Die Grundpfeiler, auf denen sich die medizinische
Wissenschaft aufbaute, sind der Philosophie der Chinesen entnommen. Die Beziehung aller Dinge auf die Fünfzahl ist in der
philosophischen Auffassung wesentlich. Diese Anschauung Jeitet
sich wahrscheinlich aus der ältesten Wissenschaft der Chinesen, der
Musik ab, die für die Tonleiter nur 5 Töne kennt. Aus 5 Elementen: Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser ist der Mensch
zusammengesetzt. Den 5 Elementen entsprechen 5 Sinnesorgane
des Menschen. 5 Haupteingeweide (Herz, Lunge, Leber, Niere, Milz)
schließt der Körper ein, denen 5 Gehilfen (Dünndarm, Dickdarm,
(S| SUDIASTII ARCH BAND ma
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View in PDF(opens in a new window)Grund ihrer Anschauungen von der Heilkunde
Author(s): Hans Gerlach
Source: Sudhoffs Archiv für Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften, Bd. 29, H.
4/5 (November 1936), pp. 271-288
Published by: Franz Steiner Verlag
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Accessed: 19/09/2013 12:19
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View in PDF(opens in a new window)Die Kenntnisse der alten Kulturvélker von den
gesunden und kranken Sinnesorganen auf Grund
ihrer Anschauungen von der Heilkunde
Von Hans GERLACH-Dresden
Von alters her haben wir die Anschauung, daB der Mensch
fünf Sinne besitze. In der deutschen Sprache sind die üblichen
5 Sinnesarten mit Worten bezeichnet, welche sämtlich die Vorsilbe
Ge (Gesicht, Gehör, Geruch, Geschmack, Gefühl) besitzen.
Für
einen 6. Sinn hat die deutsche Sprache kein entsprechendes Wort,
obwohl verschiedene Sinnesempfindungen — vor allem der Gleichgewichtssinn — der sein hauptsächliches Organ im Innenohr hat
und stammesgeschichtlich viel älter als das Hörorgan ist — durch
die übliche Bezeichnung von den 5 Sinnen nicht erfaßt werden.
Das ist erklärlich, da die Sprachbildung und die Überlieferung von
5 Sinnen zeitlich sehr weit zurückliegen, die Erkenntnis von mehr
als 5 Sinnen der neuesten Forschung angehört.
Geschichtliches Nachforschen führt uns bei der Frage nach der
Herkunft der Annahme von 5 Sinnen zu den ostasiatischen Völkern,
in deren Mittelpunkt die hochentwickelte Kultur der Chinesen
gestanden hat.
Die Forschungen derselben erstreckten sich nicht
nur auf mathematische, astronomische, naturwissenschaftliche und
philosophische Dinge, auch der Heilkunde wurde großes Verständnis
entgegengebracht. Die Grundpfeiler, auf denen sich die medizinische
Wissenschaft aufbaute,
nommen.
sind
der
Philosophie
der Chinesen
ent-
Die Beziehung aller Dinge auf die Fünfzahl ist in der
philosophischen Auffassung wesentlich.
Diese Anschauung leitet
sich wahrscheinlich aus der ältesten Wissenschaft der Chinesen, der
Musik ab, die für die Tonleiter nur 5 Töne kennt.
Aus 5 Elementen: Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser ist der Mensch
zusammengesetzt.
Den 5 Elementen entsprechen 5 Sinnesorgane
des Menschen. 5 Haupteingeweide (Herz, Lunge, Leber, Niere, Milz)
schließt der Körper ein, denen 5 Gehilfen (Dünndarm, Dickdarm,
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View in PDF(opens in a new window)Bd. 29, Heft 4 u. 5 1936
Magen, Gallenblase, Harnleiter) als Bedienung zur Seite stehen.
Mit den 5 verschiedenen Geschmacksarten (süB, sauer, salzig,
bitter und scharf) wird jedes Haupteingeweide in Beziehung geDer gesunde oder krankhafte Zustand des Herzens soll
bracht.
aus der Zunge, die Beschaffenheit der Lunge aus der Nase, die der
Leber aus den Augen (Gelbsucht), die der Niere aus den Ohren
und schlieBlich die der Milz aus dem Munde erkannt werden.
Das
Gehirn wird als Sitz aller die animalen Funktionen verrichtenden
Sinne angesehen, eine nicht hoch genug einzuschätzende Erkenntnis
für dieses Frühstadium menschlicher Überlegung.
=
Über die Kenntnisse von den Sinnesorganen, wie sie die alten
Ägypter besaßen, finden wir in ihren Papyri reichlich Angaben.
Vor allem die auf den Totenkult bezüglichen Texte offenbaren uns
erstaunliche Kenntnisse der alten Ägypter von der Anatomie des
menschlichen Körpers.
Der Glaube an ein Fortleben nach dem
Tode bedingte die Erhaltung des Körpers, in dem die Seele auch
im Jenseits sogar mit einem verjüngten Körper wieder vereinigt
war. H. Grapow schreibt darüber (Morgenland, Über die anatomischen Kenntnisse der altägyptischen Ärzte, H. 26, S. 5):
„Der Körper aber bekam dadurch ewige Dauerhaftigkeit, daß
jeder seiner wesentlichen Teile durch ein feierliches Ritual als Glied
des Sonnengottes erklärt wurde. Für diesen Akt der ‚Vergottung‘
des Körpers war es aber nötig, jedes Glied in bestimmter Reihenfolge mit einem ebenso bestimmten Namen ausdrücklich zu nennen,
um es der Gottheit anzuempfehlen. So ist es gekommen, daß wir
schon aus sehr früher Zeit Listen der dem Ägypter wesentlichen
Körperteile haben.“
Aus
der von
GRAPOw gemachten
Zusammenstellung interessieren uns vor allem folgende anatomische Bezeichnungen, die der
Altägypter gekannt hat (Morgenland, H. 26, S. 6):
Kopf mit Gesicht und Schädel.
Im Schädelkasten liegt
unter den beiden Scheitelbeinen das von der Hirnhaut umhüllte
Gehirn (vgl. auch DE Lint, Arch. Gesch. d. Med. Bd. 25, H. 4, 1932).
Am Kopf sind 7 Höhlen für Augen, Ohren, Nasenlöcher und
Mund. Das Ohr mit Innenohr (gemeint ist der Gehörgang) und
Ohrläppchen.
Das Auge, das in seiner Höhlung an einer
Wurzel festgewachsen ist, zeigt das Schwarze und Weiße sowie
die Pupille und ist mit Braue und Wimperhaaren versehen.
Die Nase, die sich aus den Vertiefungen des Gesichts erhebt,
ist durch die Nasenscheidewand ausgezeichnet, welche die Nasenhöhle in zwei Nasenmuscheln mit den Nasenlöchern scheidet.
Unter dem Auge nach dem Ohr hin liegt das Jochschläfenbein,
in das der Unterkiefer eingelenkt ist, der mit dem Oberkiefer zu-
Page 5
View in PDF(opens in a new window)sammen den Mund bildet, an dem Ober- und Unterlippe, die
an Wurzeln sitzenden Zahne und die Zunge unterschieden werden.
Eine andere Stelle, wo von den 7 Offnungen im Kopfe gesprochen wird, befindet sich im Papyrus EBERS in einer Beschwörung,
um eine Stinknase zu heilen: ,,Beriihre den Schädel, bestreiche mit
Kalk, gib dem Kranken 7 Öffnungen im Kopf. Der Pap. EBERS
übermittelt uns das einzige bisher genauer bekannte Gebiet der altagyptischen Anatomie, die GefaBlehre.
In dem Geheimbuch des
Arztes (Pap. EBERS 94) erhalten wir Kenntnis vom Herzen und
seinen ,,Gängen‘ = „metu“.
Neben der Gefäßversorgung des
übrigen Körpers werden hier auch die Gefäße des Auges, der Nase
und der Ohren angeführt: „Es sind 4 Gefäße in den beiden Nasenlöchern, wovon 2 Schleim und 2 Blut geben.“
Ferner: „Es sind
4 Gefäße zu des Menschen 2 Ohren und zwar 2 zur rechten und
2 zur linken Seite.
Lebenshauch geht in das rechte Ohr, Todeshauch in das linke.“
Unter dem Lebenshauch ist das belebende
Pneuma, der Sauerstoff, unter Todeshauch das tödliche Pneuma,
die Kohlensäure, zu verstehen.
Ebenso werden 4 Gefäße für die
Augen, den Mund und andere Organe genannt.
Daß die Ägypter wenigstens 4 — vielleicht auch nur 4 Sinnesorgane (Gesicht, Gehör, Geruch, Geschmack) kannten, geht aus
folgender Textstelle (Prisse 4, 3ff.) hervor, welche die Beschwerden
des Alters schildert (vgl. Grapow, Morgenland, H. 26, S. 6):
Denn am Ende des Lebens sind die Augen klein, die Ohren
taub..... der Mund schweigt und kann nicht mehr sprechen, das
Herz ist vergeBlich und kann sich nicht mehr an gestern erinnern.....
jedes Geschmacksvermögen ist dahingegangen ..... die Nase ist
verstopft und kann nicht mehr riechen. .... die Arme sind schwach,
die Beine haben aufgehört dem Herzen zu folgen, das müde geworden ist.
Nach Ansicht des ägyptischen Arztes bestehen zwischen Auge
und Ohr enge Beziehungen. Die Blindheit versuchte man durch
Eingießungen eines Mittels ins Ohr (EBERS 57, 19) zu heilen,
andererseits glaubte man, daß Taubheit ‚durch Gefäße zur Wurzel
des Auges‘ entstünden (EBERS 99, 14) (vgl. GrAPow, Morgenland,
H. 26, S. 21).
Reichhaltig sind vor allem die Papyri in Hinsicht auf ihren
therapeutischen Inhalt.
Mittel gegen Ohrenkrankheiten — gegen
die „Schwere des Ohres‘‘ und gegen ,,Unreinheit‘ des Ohres —
werden in Pap. BruGscH (Spalte 23, Zeile 6 u. 12) erwähnt. Im
Pap. EBERS werden als Heilmittel gegen Schwerhörigkeit ein Ge18% AGM XXIX
Page 6
View in PDF(opens in a new window)misch von Eisenoxyd, Mistelschleim und Harz angegeben, gegen
übelriechenden Ohrenfluß wird empfohlen eine Einträuflung ins Ohr
von einem aus Gänseschmalz und Kuhrahm bestehenden Gemisch,
nachdem das Gänseschmalz vorher mit Weihrauch (= Salpeterdämpfen) versehen wurde.
Den Krankheiten der Augen, die als wertvollstes Sinnesorgan
im Zustande der Erkrankung schon durch ihre nach außen hin
sichtbaren Veränderungen die ägyptischen Ärzte, unter denen es
sogar Fachaugenárztel) gegeben haben soll, ganz besonders interessierten, wird im Pap. EBERS ein breiter Raum gewidmet.
Das
Triefauge oder die chronische Körnerkrankheit wurde durch ein
Gemisch von Grünspan (essigsaures Kupfer), Myrrhen, Zwiebeln,
Gazellenkot, Öl usw. behandelt. Gegen Bindehautkatarrhe wurden
Natron (Salpeter) und Weihrauch verordnet. Andere Mittel werden
zum Vertreiben des Kügelchens im Auge, gemeint ist das Gerstenkorn, oder des Steins in dem Auge, dem Hagelkorn, angegeben.
Ferner ist die Rede vom Vertreiben des Blutes in den Augen und
der weißen
Narbe
der
Hornhaut
(HIRSCHBERG,
Geschichte
der
Augenheilkunde).
Auf einer
ebenfalls
bedeutenden
und
vor allem
Entwicklungsstufe steht die
Inder.
Hervorheben möchten wir, daß wir hier im Gegensatz zu
mongolischer
und
semitischer
Heilkunde
sittlich
hohen
Frühkultur
erstmalig
Volks- und Kulturentwicklung begegnen.
der alten
arischer
Die Deutung der
Lebensvorgänge und vor allem die uns interessierende Anschauung
von den Sinnesorganen wurzelt nicht in anatomischen oder physiologischen Betrachtungen, sondern leitet sich aus einem
kühner philosophischer Annahmen ab.
System
Diese Philosopheme, wie sie
hauptsächlich in dem großen Nationalepos der Inder, dem Mahabhärata, zum Ausdruck gelangen, dienten später zum Ausbau ärztlicher Lehren, besonders in der Caraka- und Susruta-Samhit2?).
REINHOLD MÜLLER erörtert eingehend in seinen verschiedenen Abhandlungen (Altindische Psychiatrie, Monatsschrift für Psychologie
und Neurologie Bd. 92, 1935, Natur-medizingeschichtliches aus dem
Mahabharata, Isis Nr. 65, 1935) die durchweg auf philosophischen
1) HERODOT, Musae
seu Historiarum libri
IX, Cap. 84, und JUNKER,
HERM., Die Stele des Hofarztes IrY. Zeitschr. f. ägypt. Sprache u. Altertumskunde 1927, 63.
%)
Susruta-Samhitä,
Lahore, 1929.
Editio
Bombay,
Caraka-Samhita,
Editio
Page 7
View in PDF(opens in a new window)Begriffen aufgebaute altindische Schöpfungsgeschichte: Der unerschienene (avyakta) Gott Brahman erzeugt das große Selbst
(mahant-Atman), welches auch der Einsicht entspricht. Dieses
erzeugt den Ich-Macher oder Ahamkara. Nach den altindischen
Lehren entwickelt diese Dreiheit (Brahman-mahant-Ahamkara) als
Strahlen nebeneinander zwei Gruppenreihen, die der 5 Sinne und
die der 5 mahäbhütas = „Elemente“ (vgl. R. MOLLER). Die Sinne
und die Elemente sind gegenseitig abhängig: Gehör-Raum, GefühlWind, Gesicht-Feuer, Geschmack-Wasser, Geruch-Erde. Den 5 Erkenntnissinnen (Gehör, Gefühl, Gesicht, Geschmack, Geruch) werden
die 5 Tatsinne (Sprechen, Greifen, Zeugen, Entleeren, Gehen) gegenübergestellt. In einer Erweiterung der Lehre wird auch von einem
6. Sinn (manas = Geist) gesprochen, dem als Erkenntnissinn der
Tatsinn ,,Kraft‘ gegenübergestellt wird. Als Urstoffe oder Grundsäfte des Körpers gelten Luft, Galle und Schleim (Lehre von den
dosa’s), von denen jede Gruppe 5 Unterarten besitzt. Aus den
Urstoffen entspringen 7 andere Kräfte (dhatu) des Körpers: Saft,
Blut, Fleisch, Fett, Knochen, Mark und Samen, wie wir es bei
PLATO und den Hippokratikern ähnlich wiederfinden. Krankheit
wird als Störung der Grundsäfte, Gesundheit als normaler Zustand
oder GleichmáBigkeit der dosa’s angesehen (vgl. JoLLY, Medizin in
BÜHLER-KIELHORN, Grundriß der Indo-arischen Philologie und
Altertumskunde 3. Bd.). Ferner unterschied man 6 Arten des Geschmackes (Lehre von den rasa’s): Süß, sauer, bitter, salzig, scharf
und zusammenziehend. Zu den Grundsäften des Körpers stehen die
rasa’s in einem bestimmten Verhältnis. Positiv auf den Schleim
wirken süß, sauer, salzig; negativ bitter, scharf, zusammenziehend.
Positiv auf die Galle wirken sauer, salzig, scharf; negativ die
3 anderen Arten. Positiv auf die Luft wirken bitter, scharf, zusammenziehend; negativ die 3 übrigen rasa’s. (Vgl. Esser, Studien
zur Geschichte der Medizin, Heft 19, die Ophthalmologie des
Bhavaprakasa). Diese Grundanschauung über die Urstoffe des
Körpers und ihre Beziehung zu den Geschmacksarten ist ausschlaggebend für die Therapie der alten Inder. Wenn ein Medikament
oder ein Naturprodukt die Eigenschaften der dosa’s oder rasa’s
besitzt, so hat es die Wirkung dieser Kräfte.
Hervorragend ausgebaut war das Wissen und Können verschiedener chirurgischer Eingriffe, von denen wir hier nur die ungemein originelleindisch-arische Lippen-, Nasen- und Ohrenplastik aus der Haut des Gesichtes erwähnen. Die anatomischen
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View in PDF(opens in a new window)Kenntnisse der indischen Medizin zur Zeit des SUSRUTA werden in
dem Kapitel Sa’rirast’hana der Susruta-Samhitä besonders zum
Ausdruck gebracht. Es werden 360 Knochen, 500 Muskeln, 210 Gelenke, 700 Gefäße, 900 Sehnen und Nerven aufgezählt. Den 5 Sinnestätigkeiten: Gefühl, Geschmack, Geruch, Gesicht, Gehör entsprechen
ebensoviele Sinneswerkzeuge,
nämlich die Haut, die Zunge,
Nase, die Augen und die Ohren.
die
Hierzu kommen noch die 5 Werkzeuge der Tat: Hände, Füße, After, Genitalien und Zunge.
Wie
überall sich die empirischen Kenntnisse mit philosophischen Gedanken in der indischen Medizin verquicken, so auch bei einer
Angabe (SusRUTA 3, 1), wo von 11 Sinnen gesprochen wird.
Gemeint sind hier die bekannten 5 Wahrnehmungssinne, die schon
obenerwähnten 5 Tatsinne und der innere Sinn.
SUSRUTA bringt in seinem Werke sogar eine einheitlich und
systematisch aufgebaute Augenheilkunde (im 6. Buch uttara-tantra
Kap. 1—19, übersetzt von
Esser,
Studien zur Geschichte
der
Medizin, Heft 22). Weitere Kapitel desselben Buches (Kap. 20—26)
handeln vom Ohr, von der Nase, vom Katarrh, vom Kopfe.
Aus der Seele (purusa), die ohne Anfang und Ende, ewig und
allgegenwártig ist, geht nach altindischer Lehre alle Seelentätigkeit
und
jede
Sinneswahrnehmung hervor.
Nur unter
Führung des
Geistes oder des inneren Sinnes können die übrigen Sinne die ihnen
zugänglichen Objekte erfassen.
Statt
physiologischer klarer
Erkenntnisse müssen wir in der altindischen Medizin für die Erklärung
der
Sinnesvorgänge ein ideenreiches,
philosophisches
Gedankengebäude bewundern.
Auch der sumerischen Medizin des Zweistromlandes und
der aus ihr hervorgehenden Kultur und der Heilkunde der babylonisch-assyrischen Reiche soll hier gedacht werden.
Es ist
selbstverständlich, daß wir nur Bruckstücke von der Heilkunde
dieses alten Kulturvolkes und gar von Kenntnissen der Sinnesorgane berichten können: Der belebte Körper besteht aus Seele
und Leib.
Herz,
Der Sitz des Verstandes ist wie bei den Ägyptern das
das Zentralorgan für das
Belebende ist die
Leber.
Das
Zentrum für den Willen ist das Ohr.
Das Ohr scheint von den Sinnesorganen an erster Stelle gewürdigt worden zu sein.
Dies geht aus einer späteren Tafel der
Bibliothek von Niniveh hervor (Geburtsweissagung aus der Zeit
des Königs NARAMSIN — 3750 (?) v.Chr. — K 5988 und 10244),
auf der es heißt:
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View in PDF(opens in a new window)Wenn eine Frau ein Kind gebiert, das Löwenohren hat, so wird
ein starker König im Lande sein. Wenn eine Frau ein Kind gebiert,
dem das rechte Ohr fehlt, so werden die Tage des Fürsten lang sein.
Wenn eine Frau ein Kind gebiert, dem beide Ohren fehlen, so bringt
es Trauer ins Land und das Land wird verkleinert. Wenn eine Frau
ein Kind gebiert, dessen rechtes Ohr zu klein ist, so wird des Mannes
Haus zerstört werden. Wenn eine Frau ein Kind gebiert, das einen
Vogelschnabel hat, so wird das Land in Frieden bleiben.
Auf Tafeln in assyrischer Schrift finden sich Texte, die vom
Löwenauge, Löwenohr, Löwenhaupt, der Augenfarbe, den Ohren,
Nase usw. des Neugeborenen handeln.
Es läßt sich nicht deuten,
ob es sich hier um phantastische Angaben oder um tatsächliche
Zeichen von Mißbildungen handelt.
Für unsere Kenntnis von der Medizin der Assyrer ist ein sogenanntes
19-Tafelwerk und
einige medizinische
Serien aus
der
Bibliothek von Niniveh von Wichtigkeit. Erkrankungen der Augen,
der Nase und der Ohren werden angegeben. Die Mittelohrentzündung
wird als Feuer im Herzen des Ohres bezeichnet (K 10453).
sondert wird
das
rechte Auge
(K 12539) und
Gedas linke Auge
(K 12897) besprochen, ebenso wie das rechte Ohr (K 6661) für sich
Erwähnung findet.
Man darf annehmen, daß die Assyrer ebenso
wie die Ägypter den beiden Ohren und wahrscheinlich auch den
beiden Augen eine verschiedene Funktion zuschrieben (v. OEFFELE,
Handb. Gesch. d. Med. von NEUBURGER u. PAGEL, 1902, I. Bd.,
S. 66, 96).
Einen ganz bedeutenden Schritt vorwärts in der Anschauung
vom Bau und der Funktion der Sinneswerkzeuge bringt uns das
alte Hellas. Die alten Heldengesänge der Ilias und Odyssee lassen
uns in das älteste Heilwesen der Griechen bereits einen Einblick
gewahren.
Die fünf üblichen Sinnesarten finden in anschaulicher
Weise darin Erwähnung (KÖRNER, OTTO, Die Sinnesempfindungen
in
Ilias und Odyssee,
Jenaer medizin-historische Beitrage
1932,
H. 15).
Aus den ersten Anfängen der Heilkunde,
der Zeit der sogenannten Tempelmedizin, sind unter den Wunderheilungen von
Epidaurus vor allem die 7 Augenwunder bekannt geworden.
Durch
marmorne
Augen-
Weihetafeln
wurden
verletzungen, Augenkrankheiten
überliefert.
DaB
sprechen die
in
auch
diese
Heilungen
von
und von Blindheit unserer Zeit
Ohrkrankheiten
geheilt
wurden,
dafür
den Tempeln von den geheilten Kranken dargebrachten Dankesgaben.
Page 10
View in PDF(opens in a new window)Vor allem lassen uns die geistvollen naturphilosophischen
Denker und auch die Arztschulen in Knidos und Kos einen
Einblick in die frühesten Vorstellungen von Sinnesphysiologie im
alten Hellas tun.
ALKMAION VON KROTON wird als erster genannt, der Tiersektionen ausfiihrte. Dabei soll er die hauptsächlichsten Sinnesnerven und ihre Endigung im Gehirn entdeckt haben.
Seine
genialste Erkenntnis bewundern wir darin, daB er das Gehirn als
Zentralorgan der Geistestatigkeit ansah.
Ferner beschreibt er, wie
ARISTOTELES (De animalibus histor. Lib. IV. Cap. 8. Ausg. DITT-
MEYER TEUBNER) angibt, daB die Ziegen durch die Ohren atmen.
Demnach stelite er fest, daß im tierischen Organismus das Ohr mit
dem Luftraum im Nasenrachen durch einen Gang in Verbindung
stehe, ein Forschungsergebnis, das erst im Mittelalter von dem
Anatomen
BARTHOLOMEO
EUSTACCHI
(1510—1574)
wieder
aufgegriffen und vervollkommnet wurde. Ferner wissen wir mit Sicherheit, daß ALKMAION durch Gehirnerschütterungen veranlaßte Sinnesstörungen
deutete.
als
Unterbrechungen
der
Leitungsbahnen im
Gehirn
Taubheit und Erblindung treten ein, weil das aus seiner
Normallage gerückte Gehirn die Wege verschließe, durch welche die
Gehör- und Gesichtseindrücke zum Zentralorgan gelangen (GomPERZ,
TH.,
Griechische Denker,
S. 119,
1903).
Eine eingehende
Untersuchung hat er den einzelnen Sinnesorganen gewidmet.
Er
befaßt sich dabei lediglich mit nur 4 Sinneswerkzeugen, dem Gesicht, Gehör, Geruch und Geschmack.
nicht.
Den Tastsinn erwähnt er
Allenthalben geht ALKMAION von der anatomischen
schaffenheit der Sinnesorgane aus.
Be-
Es war ihm bekannt, daß im
Ohr ein von Luft erfüllter Hohlraum vorhanden sei. Diesen faßt er
als Resonanzraum für den Schall auf, ,,denn alle Hohlräume tönen“.
Wenn ALKMAION hier von einem Hohlraum = xsvöv 7} xoilov (leer
oder hohl) spricht, so deuten diese Angaben sogar auf die Kenntnis
des Mittel- oder Innenohres.
An
zweiter Stelle
erwähnen
wir PYTHAGORAS.
Sein
medizinisches Wissen, das er von langen Studienreisen nach Ägypten,
Indien und Persien mit heimbrachte, fußte in den Lehren dieser
Völker.
Bekannt ist er als Vermittler ägyptisch-indischer Auffassung von dem harmonischen-gesunden Zustand des
Körpers.
Seine vielseitige Begabung, sein mathematisches Talent und sein
leidenschaftlicher Eifer für die Tonkunst ließen ihn zu einer besonderen
Entdeckung gelangen, die ihn zum
Begründer der
Page 11
View in PDF(opens in a new window)Akustik machte. Er erkannte, daß die Tonhöhe von der Lange
der schwingenden Saite abhängig sei.
Die Hörtheorie des PyTHAGoRAS steht weit hinter der Anschauung des ALKMAION. PYTHAGORAS dachte sich das Hören als
einen nach außen wirkenden Akt und nahm an, daß von der Seele
ein warmer feiner Luftstrom ausgehe.
Dem Sehvorgang legt er die Annahme zugrunde, daß aus den
Augen die dys, ein Etwas, gewissermaßen ein unsichtbares Feuer,
hervorgehe, welches die wahrzunehmenden Objekte berührt und
ihre Formen und Farben erfaßt. Wichtig ist an der pythagoreischen
Lehre der Umstand, daß die Sinnesempfindung des Sehens auf der
Tätigkeit eines feurigen Elementes, die des Hörens auf der. eines
luftförmigen Elementes beruhe.
Luft enthalten.
Das Auge soll Feuer, das Ohr
Das Auge nimmt das Licht, welches aus dem
Feuer entsteht, das Ohr die Töne der Luft wahr.
Somit wird
zwischen
Gegenstand,
Sinnesorgan und
dem wahrzunehmenden
zwischen Subjekt und Objekt eine Verwandtschaft des Wesens
gesucht.
Eingehender mit den Sinnesorganen befaßte sich
EMPEDOKLES.
Er erklärte, daß bei der Sinnesempfindung sich von den Objekten
Teilchen ablösen
und
mit
den gleichartigen
Bestandteilen der
Sinnesorgane, den sogenannten Ausflüssen (#rogeoe«i), verbinden.
Bei den Geruchs-, Geschmacks- und Schallempfindungen dringen
die Teilchen durch die Poren (= Gänge) der Organe in den Körper
hinein.
EMPEDOKLES
sagt,
„daß
das
Hören dadurch zustande
komme, daß ein Luftstrom in den Teil des Ohres stoße, der einer
Schnecke gleich, in Kreisen zusammengewunden sei und dadurch
dies innerhalb des Ohres aufgehängte Gebilde nach Art einer Glocke
erschüttert werde‘. Diese in wörtlicher Übersetzung nach PLUTARCH
(De placitis philosophorum, Übersetzung von DUBNER 1841, Buch IV,
Abschn. XVI—XIX) wiedergegebene Ansicht bringt auch in anatomischer Beziehung eine wichtige Feststellung, daß nämlich dem
EMPEDOKLES im Ohr ein
schneckenförmiger Knorpel (xoyAcddng
x6vdoos) bekannt war, den wir auf die Schnecke im Innenohr beziehen können.
Die Physiologie des Höraktes ist hier soweit erkannt, daß in einfachster Weise eine Erregung des Innenohres (?)
angenommen wird, daß also das periphere Neuron der Sinnesempfindung bereits geahnt wird.
Das Innere des Auges läßt EMPEDOKLES aus Feuer und Wasser
bestehen.
Da Gleiches durch Gleiches erkannt wird, sollen die
Page 12
View in PDF(opens in a new window)feurigen Augenbestandteile der Wahrnehmung des äuBeren Feuers
(dem Licht), die wäßrigen jener des äußeren Wassers (dem Dunkel)
dienen, wobei diese 2 Elemente als die Typen des Lichten und
Dunklen gelten.
Der Wahrnehmungsakt des Sehens soll sich so
vollziehen, daß beim Herannahen feuriger oder wäßriger, von den
Körpern ausgehende Ausflüsse Feuer- beziehentlich Wasserteilchen
aus den trichterförmigen Poren des Auges heraustreten. Die wechselseitige Anziehung alles Gleichartigen soll dieses Hervortreten veranlassen und die außerhalb des Auges, wahrscheinlich hart an seiner
Oberfläche stattfindende Berührung der von außen in die Poren
eindringenden und der von innen aus diesen hervortretenden Teilchen soll die Wahrnehmung vermitteln helfen (GomPERzZ, Griech.
Denker I. Bd., S. 189).
Die Begegnung dieser Ausflüsse also macht die Gesichtswahrnehmung.
Beim Sehen paaren sich somit ein Subjektives und ein
Objektives,
die
unter sich
identisch
sind.
In
dieser
Wechselbeziehung zwischen Subjekt und Objekt ist ein großer Schritt vorwärts in der Erkenntnis der Sinnesvorgänge getan.
Ebenso wie ALKMAION dehnt EMPEDOKLES seine physiologischen
Spekulationen nur auf die 4 Sinnesorgane Gesicht, Gehör, Geruch
und Geschmack aus.
Mit den von ihm angenommenen 4 Grundelementen des Kosmos: Wasser, Luft, Feuer und Erde versucht er
die Sinnesorgane in eine Parallele zu bringen.
nicht
rein
materiell
zu
verstehen,
sondern
Die Elemente sind
als
geistig-lebendige
Kräfte aufzufassen.
PLATO bewegt sich bei seiner Anschauung über das Zustandekommen
der
EMPEDOKLES.
Sinnesempfindungen teilweise in den
Ebenso
wie
dieser spricht
er
Bahnen des
nur von 4 Sinneswahrnehmungen, dem Geschmack, Geruch, Gehör und Gesicht. Die
Geschmacksempfindung führt
zurück.
Bei
der
PLATO
auf
Geruchsempfindung sagt
sondere Arten nicht unterscheiden lassen.
Stoffarten hat für die
Struktur.
Erzeugung von
Nur wenn gewisse
Reizungen
PLATO,
der
daß
Zunge
sich
be-
Keine der elementaren
Gerüchen eine geeignete
Stoffe befeuchtet werden -oder in
Fäulnis übergehen oder geschmolzen und verdampft werden, entsteht Geruch.
Von den Ursachen, welche das dritte menschliche
Wahrnehmungsgebiet, das Gehör, ausmachen, sagt PLATO folgendes:
Der Schall ist eine durch Luft verursachte und durch die Ohren
vermittelte Erschütterung des Gehirns und des Blutes, die sich der
Seele mitteilt.
Mit anderen Worten: Der Schall ist der Sinnesreiz
Page 13
View in PDF(opens in a new window)fiir das Ohr, die dort entstandene Sinnesempfindung wird im Gehirn
zur Wahrnehmung gebracht.
|
Am eingehendsten befaBt sich PLATO mit der Gesichtswahrnehmung.
Den Sinn des Sehens bezeichnet PLATO als einen göttlichen und bewertet ihn unter den Sinnen als den köstlichsten.
Er
sagt: Gott erfand und schenkte uns das Gesicht, damit wir am
Himmel die Kreisbahnen des Geistes erblicken und sie anwenden
auf die Umläufe in unserm eigenen Denken usw. (PLATON, TIMAIOS,
Übersetzung von APELT).
Im ,,Staate‘ sagt er: Der Schöpfer der
Sinne hat das Sehvermögen und die Möglichkeit gesehen zu werden
weitaus
am
köstlichsten
geschaffen.
Wie
EMPEDOKLES
nimmt
PLATO die sinnliche Wahrnehmung beim Sehakt als eine Wechselwirkung zwischen Subjekt und Objekt an.
PLATO nennt sie die
Mitte, in welcher die von beiden, also vom Gegenstand und vom
Auge ausgehenden entgegengesetzten Bewegungen sich begegnen.
Wichtig ist, daß PLATo die Gesichtsempfindung von der Farbe des
Objektes abhängig macht.
Ein Objekt existiert für uns nur, wenn
es durch seine Farbe wahrnehmbar wird.
ist daher für PLATO gleich
Die Gesichtsempfindung
Farbempfindung.
Ferner folgert er:
Unsere Seele nimmt aber weder das Objekt noch die Farbe an sich
wahr, sondern ein ,,Gefarbtes‘‘.
Zu Vorstellungen gelangt sie nur,
indem sie das Gefärbte vermittels ihres Denkvermögens beurteilt
(WUNDT, Zeitschr. f. rationelle Medizin 1859, 3. Reihe, VII. Bd.).
PLATO ist somit der erste gewesen, der scharf die Grenze zwischen
der Sinnlichkeit und dem Denkvorgang zog, oder der der Empfindung im Sinnesorgan die Bildung einer seelischen Vorstellung
gegenüberstellt.
Eingehend beschäftigt sich ARISTOTELES in seinem Buche ,, Über
die Seele‘ (Übersetzung von Busse 1922) mit den Sinnesorganen.
Er betont die Fünfzahl der Sinne und sagt, daß es außer den
5 Sinnen
(Gesicht,
Gehör,
keinen anderen Sinn gibt.
Geruch,
Geschmack
und
Tastsinn)
In der Stufenleiter der Sinne nimmt bei
ARISTOTELES der Tastsinn die oberste Stelle ein.
Er gilt ihm zugleich als der unentbehrlichste, der deshalb keiner Tierart fehle
und als derjenige, der im Menschen die höchste Verfeinerung erlangt
hat
— eine
Verfeinerung,
die
mit
der
Vernunftbegabung
Menschengeschlechtes aufs engste zusammenhange.
des
Im Tastsinn
erkannte ARISTOTELES einen Sammelbegriff für eine Anzahl von
Sinnen, indem er neben dem Kontrastpaare des Harten und Weichen
auch jenes des Trockenen und Feuchten, desgleichen des Warmen
Page 14
View in PDF(opens in a new window)und Kalten (Temperatursinn!) nebst einigen anderen nicht ausdrücklich namhaft gemachten darin beschlossen fand.
Über den Sehvorgang spricht sich ARISTOTELES folgendermaBen
aus (De sens., 2, 5, 438): Das Licht ist eine Bewegung, die von dem
leuchtenden Körper ausgeht und durch durchsichtige Mittel hindurch der durchsichtigen Augenfeuchtigkeit sich mitteilt, wodurch
die Wahrnehmung des leuchtenden Körpers erfolgt. Wie wir durch
das Durchsichtige sehen, so muß auch das Augeninnere durchsichtig
sein; denn die Seele oder das Organ der Seele ist nicht an der Oberfläche des Auges, sondern im Innern. ARISTOTELES nimmt an, daß
das Innere des Auges wäBrig sei. Er sagt ferner, daß das Auge aus
Feuer und Wasser zusammengesetzt sei.
satz von Licht und Dunkel.
Gegensatz die
zwei
Beide bilden den Gegen-
Licht und Dunkel aber bilden als
Grundfarben,
aus deren verschiedner Vermischung die ganze Mannigfaltigkeit der übrigen Farben hervorgehe.
Dem Licht sowohl wie auch der Farbe liegt immer eine
Bewegung zugrunde
und
diese Bewegung
ist es, durch die im
Objekt eine Farbe entsteht und durch die das Subjekt die Farbe
empfindet.
ARISTOTELES’
psychologische
Erklärung der
Sinne
ist
nach
WUNDT folgende: „ARISTOTELES teilt das Empfindbare ein in ein
solches, was einem besonderen Sinn entspricht, wie Farben, Töne,
Gerüche usw., und in solches, was allen Sinnen gemeinschaftlich
ist, wie Bewegung, Ruhe, Zahl, Gestalt, Ausdehnung. Beides nennt
er auch an und für sich empfindbar und unterscheidet davon noch
das nebenbei Empfindbare.
Das nebenbei Empfindbare ist nun
nach des ARISTOTELES Definition dasselbe, was wir jetzt als Wahrnehmen bezeichnen, er nennt es nämlich erst durch eine Schlußfolgerung mit der reinen Empfindung verknüpft, wie z. B. wenn
wir eine Farbe empfinden und daraus schließen auf das Vorhandensein einer Person oder Sache.“
Von den anatomischen Bestandteilen des äußeren Auges hatte
ARISTOTELES leidliche
Kenntnis, von den inneren Häuten nicht
(siehe Naturgeschichte der Tiere, Buch 1, Kap. 8).
Vom menschlichen Gehörorgan war ARISTOTELES außer der
Ohrmuschel und dem äußeren Gehörgang auch das Trommelfell
bekannt.
Wir konnten dies entgegen der Angabe von POLITZER in
seiner Geschichte der Ohrenheilkunde (1907,
S. 19) damit feststellen, daß ARISTOTELES in seinem Werke „Über die Seele‘ II, 8,
420a schreibt:
Page 15
View in PDF(opens in a new window)„Die Luft in den Ohren ist fest ummauert, um das Verfliegen
zu verhindern, damit man alle Unterschiede der Bewegung genau
wahrnehme. Deswegen können wir auch im Wasser hören, weil
dieses bis zu der eingeschlossenen Luft (nämlich im Ohr) nicht gelangt,
ja nicht einmal in das Ohr wegen der Windungen. Wenn jedoch
dies eintritt, so kann man nicht hören, ebenso nicht, wenn das
Trommelfell gelitten hat, wie man nicht sehen kann, wenn die
Hornhaut am Augapfel verletzt ist.“
Der erste Autor, welcher das Trommelfell als Bestandteil des
Ohres angegeben hat, ist bekanntlich HIPPOKRATES gewesen.
Die
Schriften der hippokratischen Schule, die teilweise bis zu 100 Jahren
vor ARISTOTELES Zeit geschrieben waren, waren ARISTOTELES bekannt, da er sie oft zitiert.
Um so mehr erscheint daher die Annahme berechtigt, daß ARISTOTELES Kenntnis vom Trommelfell
hatte.
In seinem Werke ,,Tiergeschichte‘
Lib. I, Kap. XI lesen
wir ferner noch die Angabe, daß im Inneren die Bildung des Ohres
der des Strombus (Kreisel oder Schneckengehäuse) gleiche.
Ferner sagt ARISTOTELES „Über die Seele“ II, 8, 420a:
„Denn die Luft selbst ist tonlos, weil sie leicht verfliegt. Wenn
sie aber daran gehindert wird, so erzeugt ihre Bewegung den Schall.
Die Luft in den Ohren aber ist fest ummauert, um das Verfliegen
zu verhindern, damit man alle Unterschiede der Bewegung genau
wahrnehme. Die Unterschiede der tönenden Dinge offenbaren sich
in dem wirklichen Ton. Der scharfe Ton (oder die Tonhöhe) bewegt
das Sinnesorgan in kurzer Zeit stark, der schwere Ton (oder die
Tontiefe) in langer Zeit schwach. Jedoch ist nicht der hohe Ton
schnell und der tiefe Ton langsam, sondern die Empfindung ist derartig (d. h. hoch oder tief), wegen der schnellen Bewegung in dem
einen und der langsamen in dem anderen Falle.“ .
Mag auch die Hörtheorie des ARISTOTELES uns in manchen
Punkten zunächst naiv und primitiv erscheinen, bei näherer Betrachtung hat sie doch manches Gewinnende.
Während wir bisher
in bezug auf den Hörvorgang recht seltsame Anschauungen vorfinden, begegnen wir bei ARISTOTELES der ersten sinnig ausgebauten
Lehre der Gehörempfindung.
erkennung
der
Notwendigkeit
Bedeutsam ist sie durch ihre Aneines
Mediums
für
die
Schallempfindung, ebenso wie er ein Medium für die Licht- und anderen
Sinnesempfindungen annimmt.
Welches auch dieses Medium sei,
mag es für das Gehör die Luft, für das Auge das Licht sein, auf
jeden Fall gilt es für ARISTOTELES als unumstößliche Tatsache,
daß die in diesem Medium sich fortpflanzende Bewegung es ist,
die das Hören, Sehen usw. bewirkt. Erstaunlich ist es, daß ARISTO-
Page 16
View in PDF(opens in a new window)TELES nicht nur die Fortpflanzung des Schalles durch eine Bewegung — wir würden sagen durch Wellenbewegung — gekannt
hat, sondern, daß er bereits auf die Verschiedenheit der Sinnesempfindung von hohen und tiefen Tönen aufmerksam machte.
Auch er stellt wie PLATO der sinnlichen Empfindung die seelische
Vorstellung gegenüber. WuNDT behauptet sogar, daß ARISTOTELES
noch einen Schritt weiter als PLATO gegangen sei und den zwischen
diesen beiden Begriffen liegenden Wahrnehmungsvorgang erkannt
habe.
Mannigfache Naturkenntnisse, empirische Erfahrung und geist- |
volle Spekulation begleiten die altgriechische Naturphilosophie auf
ihrem Wege zur Lösung kosmischer und biologischer Probleme. Die
Sinnesphysiologie konnte durch sie nach modernen Begriffen selbstverständlich nicht befriedigend erklärt werden.
Vorarbeit
für
die
Entwicklung
der
Trotzdem ist ihre
Heilkunde
(vgl.
SIGERIST,
Probleme der med. Histeriographie, Arch. Gesch. d. Med. 1931,
Bd. 24, H. 1) von großem Vorteil gewesen und übte vor allem auch
in ihrer Zeit auf die Ärzteschulen in Knidos und Kos einen bedeutenden Einfluß aus.
Im
Gegensatz
zu
der
naturphilosophischen,
spekulativen
Forschungsmethode suchten die Vertreter der altgriechischen Ärzteschulen der nüchternen Naturbetrachtung zum Siege zu verhelfen.
. Als besondere Leuchte teils bekannter, teils unbekannter Ärzte tritt
uns HIPPOKRATES, der Meister von Kos, entgegen (SUDHOFF, Kurzes
Handbuch der Gesch. d. Med. 1922, S. 62).
Der Name Hippo-
KRATES ist ein zusammenfassendes Symbol geworden.
Der hippokratische Arzt hat nur eine Aufgabe, diese heiBt:
Heilen. Deshalb beschäftigt er sich nur mit dem heilungsbedürftigen, kranken Organismus. Das Studium des toten Körpers
war ihm unbekannt.
Über anatomische und physiologische Kenntnisse von den
Sinnesorganen lesen wir folgendes (HIPPOKRATES, Von den Geweben XV, Übersetzung Sack, Ausgabe 1927):
Des Menschen Gehör kommt folgendermaßen zustande:
„Der äußere Gehörgang endet an einem Knochen, der hart
und trocken wie Stein ist. Nach innen zu ist der Knochen kanalähnlich ausgehöhlt. Der Schall bricht sich an diesem harten Knochen
und hallt in dessen Höhlung an der knöchernen Wandung wieder.
Das Trommelfellhäutchen im Gehörorgan, das am harten Knochen
ausgespannt ist, ist dünn wie Spinngewebe und ist die trockenste
Page 17
View in PDF(opens in a new window)von allen Häuten des Körpers. Es gibt viele Belege dafür, daß das
trockenste auch das beste Resonanzmaterial ist, je stärker aber die
Resonanz, um so feiner auch das Gehör. Manche Naturforscher
haben behauptet, daß es das Gehirn sei, das diesen Widerhall und
das Gehör vermittelt. Das ist aber nicht gut möglich, denn erstens
ist das Gehirn selber feucht, dann sind die es einschließenden Häute
auch feucht und hart, und erst nach außen von der Dura mater
kommt der Knochen. Feuchtes gibt aber nie einen Resonanzboden'
ab, das tut nur das Trockene. Und nur die Resonanz ergibt das
Gehör.“
Der Verfasser dieser Schrift bringt die hippokratische Hörauffassung klar zum Ausdruck.
nierende Trommelfell erzeugt.
findende
Das Gehör wird durch das reso-
Das Trommelfell wird als das emp-
Sinnesorgan angesehen.
Eine Mitbeteiligung am
Hörvorgang von seiten des Gehirns, der Wahrnehmungsvorgang, wird
schroff abgelehnt.
Interessant ist die hippokratische Anschauung von der Anatomie der Nase und der Geruchswahrnehmung.
Im Buche „Von den Geweben‘ Kap. XVI heißt es: „Das
Gehirn, das selbst feucht ist, riecht das Trockene, indem es dessen
Geruch durch die Nasengänge, wenn sie trocken sind, mit der Luft
hineinzieht. Denn das Gehirn erstreckt sich bis in die Nasenhöhlen.
Sind nun die Nasenhöhlen trocken, so nimmt es den Geruch der
trockenen Substanzen am schärfsten wahr. Sind aber die Nasenhöhlen feucht, so geht das Geruchsvermögen des Gehirns verloren,
da dieses die Luft nicht mehr einziehen kann. Und wenn auf diesem
Wege das Gehirn von seiner eigenen Substanz reichliche Mengen
gegen den Gaumen, den Schlund, die Lunge und gar in die übrigen
Körperhöhlen abtropfen läßt, so merken es die Menschen und nennen
es Katarrh, weil es aus dem Kopfinnern herunterfließt.‘
Die hier zum Ausdruck gebrachte hippokratische Lehre über
die
Geruchswahrnehmung geht von der auch später noch jahrtausendlang beibehaltenen irrigen Vorstellung aus, daß das Naseninnere mit dem Gehirn direkt in Verbindung stehe.
In der Schrift
„De morbo sacro” XIX. Kap. heißt es entsprechend dieser Anschauung: „wenn der Mensch nämlich das Pneuma eingezogen hat,
so gelangt dasselbe zunächst in das Gehirn‘.
Bekannt ist dieses Kapitel durch die Anschauung von dem
HerunterflieBen, dem xuraooesiv der Gehirnfliissigkeit in die Nase
und den Rachen, woraus der Begriff des Katarrhes, eines ursprünglich
nur auf die Nase zu
beziehenden
Schleimes ‚aus dem Gehirn‘ zu verstehen ist.
19 AGM XXIX
Herabfließens des
Page 18
View in PDF(opens in a new window)SchlieBlich interessiert noch die hippokratische Ansicht
vom Sehen. Wir lesen an 3: Stelle in dem Buche ,,Von den Ge-
_
weben“ folgendes:
Das Sehvermögen ist so zu erklären: Aus den Gehirnhäuten
treten zwei Gefäßstränge durch den knöchernen Schädel zu den
beiden Augen. Durch diese Stränge werden die feinsten Teilchen
des klebrigen Gehirninhaltes durchgesiebt, die auf diese Weise an
der Peripherie des Augapfels zu einem Hautchen werden, das so
zart und diinn ist, wie sie selbst und die durchsichtige Hornhaut
bilden, die der Außenwelt zugekehrt und der Luft ausgesetzt ist
nach demselben Prinzip, wie die von uns schon anderweitig beschriebenen Grenzhäute des Körpers.
Vor der sehenden Pupille
liegen nach innen mehrere Schichten durchsichtiger Gebilde, die
genau so, wie sie, für das Licht durchgängig sind. In eben diesen
durchsichtigen Medien spiegelt sich das Licht und alles, was leuchtet
wieder. Was nicht leuchtet und nicht sich spiegelt, kann auch nicht
gesehen werden.
Ganz analog wie beim Hörvorgang das resonierende Trommelfell als das Wesentliche der Sinnesreizung angesehen wurde, so auch
beim Sehvorgang: die Reflexion des Lichtes innerhalb der durchsichtigen Gebilde des Augapfels bewirkt das Sehen. Hier wie dort
wird die Sinnesempfindung in das periphere Organ, das Ohr oder
das Auge, verlegt und die zentrale Sinneswahrnehmung im Gehirn,
wie sie
schon ALKMAION,
und
zu
Lebzeiten des HIPPOKRATES
PLATO gelehrt hatte, übergangen.
Es ist beinahe selbstverständlich, daß wir in den hippokratischen Schriften eine wissenschaftliche Auffassung über die sinnlichen Empfindungen des Gefühls und schließlich auch des Geschmacks nicht vorfinden. Das entspräche nicht dem hippokratischen
Geist. Daß aber HIPPOKRATES 5 Sinnesorgane anerkannte, können wir
mit seinen Worten in „Die Werkstätte des Arztes‘ I. Kap. belegen.
In den ersten Abschnitten seines Werkes über die ungemein hoch
empfundene ethische Auffassung des ärztlichen Berufes sagt anschließend HipPoKRATES im Kapitel ‚Über die Werkstätte des Arztes“:
„Man untersuche von Anfang an, inwieweit der Kranke mit dem
Gesunden übereinstimmt oder von ihm unterschieden ist. Man beachte sowohl das Wesentlichste, wie das Geringfügigste, man gehe
dabei von den Erscheinungen aus, die mit allen verfügbaren Mitteln
der Erkenntnis zu erfassen sind: man erfasse das Sichtbare
mit dem Auge, das Fühlbare mit dem Tastsinn, das Hörbare mit dem Ohr, überhaupt alles, was durch Gesicht,
Gefühl, Gehör, Geruch, Geschmack und ruhige Überlegung
erfaßt werden kann und alles, was durch die uns zur Verfügung
stehenden Erkenntnismittel überhaupt erkannt wird.“
Page 19
View in PDF(opens in a new window)Die hippokratischen Schriften befassen sich eingehend mit den
Krankheiten der Augen, der Ohren, der Nase, mit Geschmacksstörungen und sogar Lähmungen der Gefühlswahrnehmungen. Wir
finden bereits eine feinsinnig ausgebaute Augenheilkunde vor, die
sich nicht nur mit äußeren Augenleiden und Augenverletzungen,
sondern auch mit funktionellen Störungen beschäftigt.
Das Halbsehen bei Gehirnerkrankungen, die Tagblindheit, die Nachtblind-heit,
das Flimmern, die sogenannten fliegenden Mücken,
Kurzsichtigkeit, Alterssichtigkeit, das Schielen, ja selbst das Hin- und
Herschleudern der Augen (der Nystagmus) war dem Hippokratiker
bekannt.
Von Ohrenleiden werden besonders die akuten und chronischen
Ohreiterungen, wir würden sagen Mittelohreiterungen, genannt. Erwähnung finden hierbei Fieber, Erbrechen und Hirnerscheinungen.
Selbst die Kennzeichen der durch die Ohreiterung bedingten Hirnhautentzündung: Verengung und Trägheit der Pupillen, Nackensteifigkeit, Lichtscheu, Schlafsucht oder Schlaflosigkeit, Puls- und
Atembeschwerden werden geschildert.
Ferner werden äußere Ohrkrankheiten, Verletzungen der Ohrmuschel, Schwerhörigkeiten und
selbst durch Schädelverletzungen verursachte Taubheit beschrieben.
Bekannt war auch die Erkrankung des Gehörorgans nach Mandelentzündung.
Die Behandlung der Ohreiterungen war zusammengesetzt aus diätetischen Vorschriften (Magerdiät, Honigwasser und
Gerstenschleim), allgemeiner Behandlung (warme Umschläge, Aderlaß) und lokaler Therapie (=inträufelungen vom Mandelöl, Wasserdampfapplikation usw.).
Wenn wir unsere Betrachtungen über die Kenntnisse der alten
Kulturvólker von den Sinnesorganen mit HIPPOKRATES — dem
Großen, wie er mit Recht genannt wird — schließen, so tun wir
dies deshalb, weil wir mit HIPPOKRATES den Höhepunkt der alten
Medizin erreicht haben; einen Gipfel ärztlicher Kunstfertigkeit und
den Grundstock wissenschaftlicher Forschung.
Blicken
wir
zusammenfassend
zurück,
so
müssen
wir
mit
Anerkennung zugestehen, welch bedeutendes Wissen im Altertum
Ärzte und Philosophen auch von den
Sinnesorganen besaßen.
Unsere Zusammenstellung zeigt, wie aus einfacher Anschauungsweise heraus bereits die orientalischen Völker die Probleme der
Sinnesempfindungen antasteten und wie sie mit geistvoller Überlegung durch die Naturphilosophen Altgriechenlands zu erklären
versucht wurden.
Auf einen Gipfelpunkt führten uns die hervor-
Page 20
View in PDF(opens in a new window)ragenden Erkenntnisse eines PLATO und ARISTOTELES, die die Sinnesempfindung mit einer seelischen Vorstellung und Wahrnehmung
verbanden. Die hippokratische Schule wiederum baute, im Gegensatz zu jeder Spekulation, nur auf der eigenen Beobachtung fuBend,
trotz mangelnder eingehender anatomischer und physiologischer
Kenntnisse eine hervorragende Lehre von den erkrankten Sinnesorganen auf und entwickelte eine in vielen Fallen noch heute anzuerkennende Heilweise.
Diese erste Kenntnis von unseren Sinneswerkzeugen interessiert deshalb ganz besonders, da sie fiir die Entwicklung unserer Sonderfächer, der Augen- und Ohrenheilkunde,
bedeutsam ist, und da mit ihr die wirklichen Quellen des Stromes
unserer heutigen Fachwissenschaften entspringen.
SchlieBlich aber
beweist auch eine medizin-historische Betrachtung tiber die Kenntnisse der Sinnesorgane in ihren Uranfangen, wie sehr die Medizingeschichte wirkliche Medizin sein kann, wenn sie, wie SIGERIST sagt,
wahr ist und zum Denken und Handeln beeinflußt.