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Die Entftehung der Wiffenfdajten
Ein Vortrag
Bon Friedrid Golmfen, Berlin
Die moderne Univerfität vereinigt in ihren Raumen fo heterogene Fader
wie Medizin und Jurisprudenz, Gefdidte und Mathematit, Naturwillenjéaft und Theologie. Für unfer Bewuftfein ftehen fie fid) trob aller methodifhen Berjdiedenbeiten im einzelnen bod) eben baburd nahe, daß fie alle
Wijfenidaften find, und wir fühlen uns beredtigt, jie vereinigend unter
Crit vecht [pat ijt neben biefen andersartigen Erfenntnisformen diejenige
diefer Bezeihnung zufammenzufaffen. Daß uns dies möglid ijt, ijt feineswegs etwas Selbftverftandlides, jondern bas Ergebnis einer langen biftotijden Entwidlung, innerhalb deren die platonijde Akademie, der Peripatos
und Alexandria, die drei griedijden Bentren wiffenidaftlider Tätigkeit,
ebenfo viele Etappen darftellen. Urfpriinglid) begreift der Griede das, was
wir heute mit dem einen Worte „Wifjenfhaft‘ benennen, unter einer Reihe
verfchiedenartiger und durd weiten Zwijdentaum von einander getrennter
Begriffe. Die Ermittlung und Sammlung intereffanter ethnograpbijder,
ijt für ihniotogén; die nicht fo jehr
geogtaphijder und biltorifder Tatfaden
auf Erfenntnis von Tatbejtänden als auf deren praftiihe Verwendung abzielende Medizin ijt rézvy; die vorfofratijde Spetulation über den Kosmos
und die Dinge im Kosmos, ihren Urfprung ufw. bezeichnet er mit demfelben
Worte wie die Lebensflugheit der fieben Weifen und bas handwerflide
Können: mit dem Worte vopla. Wie viele verjdiedene Begriffe, jo viele
vegidiedene geiftige Haltungen.
auf den Plan getreten, die in ihrer Struftur unferem Willenihaftsbegriff
am nadjten fteht: die émorun. Die Stätte ihrer Entitehung ijt im Grunde
ijt um Jo mehr geboten, als wir dabei ja nidt den unbeteiligten Zufdauer
erft die platonijde Utademie. Ihren Werdeprozeh im einzelnen zu verfolgen,
Überdies find [don in diefem Entjtehungsjtadium der Wilfenfdaften eine
jpielen, jondern fid hier die Form des menidliden Bios gebildet hat, in
der aud) die Exiftenz des heutigen Wiffenfdaftlers (zum mindeften!) aufgeht.
Reihe ihrer nod) heute — oder vielmehr gerade heute wieder — aktuellen
Das §
ifttide Gymnaftum. 1951. II]
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65
Grundprobleme wie das der Rangordnung der Willenfhaften, ihres tulturellen Ginnes und Swedes, der Autarkie der wiflenjhaftliten Lebensform
u. a. jihtbar geworden und haben ihre erjte Beantwortung gefunden.
Lafjen wir zunädjit einmal unferen Blid über die nähere und fernere Umwelt, gegen die fid) die Geftalten des Sofrates und Plato abheben, jhweifen
und fragen wir, was hier von jenen Wijfensgebieten, denen die Afabemie
fpâter den Namen der émorun lonzediert hat, bereits zur Behandlung ger
langt ijt, Jo fönnen wir gunadjt, ganz allgemein, Matbematit und Natur«
wiffenfaft nennen. Fragen wir weiter nad) den fonfreten Formen,in denen
dieje hier exijtierten, und nad) den Kreijen, die fie pflegten, fo lafjen Diele ji |
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View in PDF(opens in a new window)ermaßen fdeiden: Auf der einen Geite Iteben jene eigenartigen
männer
due ne vereen Tradition in Weft griedentand, die
en
vom Tppus des Wrchytas, bei denen die alte Zahlenjpefulation und oe
en
jymbolit diefer Schule Durd) eine neue Borm empirijdverperimente et
cite
wältigung von Stonjtruftionsaufgaben abgelöjt wurde und fid die
Periode großer tednifder Leijtungen antündigte. Auf der anderen,
Politen unjidtbar werden lafjen. Diefer traditionellen Normen, die in der!
Realität des ftaatliden und privaten Lebens nidt mehr exiftierten, bemühts%
fid) Sofrates erneut mit den Mitteln des Adyog zu vergewiffern. Gein:
diadéyeobar [udte dieje dgerai, die ehemals unproblematijde Orientierungs«:
punite des Handelns gewejen waren, jebt aber unter einem Gewirr etbifd
wertwidriger Tendenzen und gerjetender Theorien begraben lagen, zu tlären,
au erfaffen und bem Athener erneut in ihrer untompliziecten Einfachheit und
Berbindlidfeit zum Bewußtjein zu bringen. Diele Situation der doeral
|
5°
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Erfenntnis in den Löfungsverfuchen eine Rolle jpielte; die Politeia hat die
beiden Momente: das Forfden nad dem Wejen der ägeral und die Ülberté gore einer Tugend ihr Thema war unt das Element bes Wifjens und der
eine Einheit feien, und in der Politeia findet diefe Erfenntnis ihre reifite und
durchgebildetfte Ausprägung in der Betonung, daß die philofopbijde
Bübrerjdidt eben auf Grund ihres Wiffens um das dyaddr
jeder ftaatliden Aftion und jeder politifden Wertverwirtlidung bie Wege weifen foll. In den frühen Dialogen finden fid jene
beiden fofratifden Motive nur infofern 3ufammen, als bie Frage nad) dem
gerade burd das Moment des Wiffens, dbasihnen allen inbâriere,
Aufgabe wurde, des Lehrers Wert und Wirken in zunädft nur
äußerlid anderer Gorm weiterzuführen. Man tann jene beiden Züge
des Gofratesbilbes in feinen früheren Dialogen nebeneinander verfolgen
und findet fie aud) nod in folden Werten wieder, die bereits den Ginn und
intmanenten Sdeengebalt der fotratijden Eey£ıs auf ihren pofitiven, aus[predybar theoretijden Ausdrud zu bringen fuden. Wir begegnen auf der einen
Seite in Dialogen wie dem Lades, Charmides, Euthyphron der fotratijden Frage nad dem Wefen der âoerat; wir jeben bei diefem
Suden jene dperal zum bôditen und widtigiten Gegenftande menfchlichen Erfennens und gleichzeitig aufs neue zu tidtunggebenden Normen des menfd
lichen Handelns, d.h. eben zu Ideen werden; wir finden ÍdlieBLid die Antwort
auf jene Stage in der Politeiawo, die politijden Tugenden inbaltlid) genau bes
ftimmt und ihr Verhältnis zueinander im Aufbau des Staates eindeutig fixiert
wird. Wir erkennen in denjelben Werten aber aud die Nadwirtungen
der fofratifhen Fdentifilation von doeth und Enioryun, :
denn die Dialoge, die nad dem Wefen der doer fragen, enden alle in einer
Anzahl von Definitionen, die den Begriff der Eniorium oder bes Adyos
in
fid enthalten; der Protagoras Klingt aus in dem Gedanten, dak die Tugenden
die Denterijde Energie Platos entzündet hat, als es nad) Sotrates’ Lode feine.
mit dem Willen um das, was zu wagen und nicht zu wagen ijt, die Geredtig=
feit mit dem Wiljen um bas, was geredt ijt.
Dieje beiden Momente, jenes Fragen und diefe Überzeugung, find glei»
zeitig die beiden Motive, an benen fid mehr als an irgendwelchen anderen:
in der Frage, die das Grundmotiv feines ganzen Gorjdens, Prüfens und
in Softates’ Frage nad) dem Ti Eart d.h. nad dem Wejen der doeraf, alfo
fonımt im jofratijden Witten auf zweifade Weije zum Ausdrud: cinerfeits
finden wir Gopbiften und ben Gopbijten nahe jtehende Mathemati Wi von
me
der Art eines Bryfon und Antiphon. Was wir von ihnen hören, lag
* Widerlegens bildete, andererjeits in der nicht minder fundamentalen Über:
zeugung, da die dperal Enioränarjeien, dak etwa die Tapferkeit identifd fei
daß ihnen der Ginn für den begriffliden Charatter ber Mathematit vol
zu je:
mangelt; die Art, wie der eine von ihnen die Quadratur des Kreifes
wältigen glaubte, zeigt bas zur Geniige: ausgehend von bem einem Rrelje
einbefdyriebenen Quadrate tonjtruierte er im gleiden Rreife einbejdrie ene
reguläre Udjt- und Gedgebnede ujw., bis er [hlieplid) gu einem regulären m
jagen wir — n-Ed gelangte, beffen Geiten in der gezeichneten Figur (!!) me
der Kreisperipherie zujammenfielen; damit glaubte er bem Problem gered
geworben zu fein. Uus gleidem Geilte ftammt Protagoras Theotie, af die
Tangente den Kreis in mehr als einem Puntte beriihre, weil Teine nod fo
große Verfeinerung der Zeichnung (1) ein wirtlid nur punttuelles Berü ven
auftande bringen finnte. Go fehen wir hier, wie eine rabitale Emangipation ver
eiodnoıs (jinnlihe Wahrnehmung) felbjt bas, was an renier, un ie
grifflider Klarheit don gewonnen war, wieder in ÿrage itellte. Man wir?
faum annehmen dürfen, daß die Mafjen arithmetifder, geometrilcher un
aftronomijder Erudition, die Hippias zu einem Beltandteile feiner ai es
madte, nad) Mafgabe ftrengerer Methoden organijiert waren. ‚Die N njammlung des matbematifden Wiffensitoffes in feinem Gedddtnis un in
feinem Unterridts{pitem war eine Art Retorbleiftung; aber Bedeutung be
fie nidt für die Gefdidjte der mathematifden Methoden, fondern Ir ie
Geldidte der Enzyllopädifierung und Tednifierung des Bilbungsmaler es
or
Über die Naturwiffenfdaften genügt für unfere Swede ein furges
oder vielmehr eine furge Erinnerung an Platons Phaidon: yo wo i
Spekulation fid zu teleologijder Betradtungsweife erhob, wa dieje weit
davon entfernt, alle Deutungen der cinzelnen naturwijfenjdaftlidjen Bhänomene zu durddringen; faufalmedjanijde Erflärungsweile blieb überwiegen ,
dem etwas wurde.
man fragte nad) bem Stoff, aus dem etwas wurde, nit nad) bem Swede,
“ Maden wir nun den Schritt hinüber in ben Bereid) ber großen und in
des
ihrem Wejen einheitlichen geiftigen Bewegung, bie in Gofrates ihren us
gangspuntt hat, jo fieht man auf den erjten Blid, daß hier bie Kontinui rs
mit allen jenen Arten der copia und zra{devaus zunädjlt einmal völlig ab
bricht, und bak lid) hier aus einer ganz anderen Wurzel neue Hormen un
eine neuartige Teleologie ber Wiffenfdaft entfaltet.
Die allgemeine Sittenverwilderung und die Entfeffelung des menfchlichen
Egoismus, bie der Zeit des Peloponnelijden Krieges nad) der moralijden
Seite hin ihr Gepräge gibt, hatten die fittliden Grundideen, auf denen bas
Gefüge des attijden noAıs-Staates tubte, Zundamentalwerte wie bie de,
bie dexaoodyn, die âvôpeia in ihrer Exiltenz erjdüttert und dem Auge
Page 3
View in PDF(opens in a new window)zeugung, VAY VIE LEUJL Ettjupe DURING ent ZOEN Jel, We VEL dien VILE
iter
\ophijd wertvollen Elemente und die polemijde Uuseinan
derfekun
g
m
i
Art und Weije, wie man diefe Wiffenfdaften früher betrieb ers
no.
dort in jebr engem Rontatt miteinander. Wn der landldufigen
Geometri
e
wird gerügt, dag fie au febr in der Befhäftigung mit Ronftruftionsaufgaben,
;
e mehr ber reäsıg als der yraoıg dienen, aufgehe; Uftronomie und mufie
| ie platonijde Wiffenidaft hier zeigt und wie wir fi
hin verfolgen fünnen, entipricht
fie
völlig
dem
phitofoph
ifejen
fa
b
over ri jagen wir tubig — ber Erfenntnistheorie Platos, die als
Objett
hter tienntnis nur Die
Ideen,
nidt
die
Eingeldin
ge
anerkennt
.
Die
Struttur
des platonijden Wiljensbegriffes und die Form ber unter Platos Leitung
be
triebenen Wilfenihaften
find
ein
und
dasfelbe,
und
es
ijt
bedauerli
d,
wenn
nod) immer wieder Berfude gemadt werden, das eine ohne das andere
u
‚So wie fid)
falijdje Harmonienlehre finden Platos Tadel, weil fie fid) zu jebr an bi
ne pet empirijden Wahrnehmung halten.
zeption der piÂdoopo: pölaxes (die in einer Perjon der Erfenntnis und der
Berwirtlidung des erfannten dyaddy leben) zufammengeldlofjen.
Diefen peAdcopor—nodirixoi hat Plato nun in der Politeia Den Weg zum
wahren Wiffen um die dyada, deren Berwirtlidung ihnen obliegen foll, genau vorgefdrieben. Und diefer Weg zur &miornun, den er hier theoretijd) entwirft, ijt im Lebrbetriebe der Utademie — die ja jenen Stand der wabren,
philojophifden Polititer heranbilden wollte — zur Wirklihleit geworden.
Hier bildet fid nunmehr ein Syjtem, ja geradezu eine Hierardie der Wilfenichaften. Shre Spie oder, wie Plato jagt, das Gefims ihres Aufbaus bleibt
die Erkenntnis der dperal und des âyadóv. Gie vollzieht jid im dialeftijden
Aufitieg des Geijtes von den einzelnen icbijden und unvollfommenen Er:
fdeinungsformen des Guten zur reinen ldéa tod ayadod, von der alles ein»
ide vollgültiger Wilfenfdaftlidteit; die Enzyflopädifierung des Mate:
nung (Td£ıs), der Grenze (zéoac) und ber formbeftimmenden Kraft.
69
Dant
formtes it, jo liegen aud) im Begriffe des dyaddy die Qualitäten der
Ordgehört, daß das Gute für fie etwas Geformtes, das Schlechte etwas Ungeria 5 wird burd) feine organijd-logijde Ordnung
erfegt.
Nicht
abitraft-f
toffs
li hes. Wiljen ohne unmittelbare Beziehung
zur
menfdlid
en
Perfon
wird
vergels Jondern eines, Das zum neuen Aufbau
des
politijde
n
—
d.
h.
für den
eben: menfdliden — Dafeins, zu feiner neuen Gundierung
aus den
täften des Adyos beiträgt. Bei den Deutungen naturwiffen[daftlider Phänomene — die Naturwiffenfdaft hat freilich erft etwa ein Sabhrzehnt nad) der
Politeia überhaupt in der afabemifden Eriorijun Einla gefunden — inter»
efjiert lid) die platonijde Wilfenfhaft erft in letter
Linie
für
Die
ftofflichmedanifden Urjaden; vielmehr fragt fie, welden Sinn jebes Ding
in ber
„guten Weltordnung und dem tonfequent auf das dyaûóv und doorov
Hingielenden Schöpfungsplane gehabt Hat. Aber wie es nun einmal
zu
den
nicht weiter ableitbaren und begründbaren Aprioris grichifher Auffafju
ng
licht bas entgegengejette Extrem
zu
jener
porplato
nijden
Unterwei
fung
in
den gleigen Lehrgegenftänden,
von
ber
wir
eingangs
[praden:
Sn
ihre
Ziel:
Jebungen mijdt lid) Tein Gebdante an unmittelbar „praftifche“, technische
" Anwendungsmoglidfeiten; ihre Methode fudt
bie
finnlic}anfdjauli
djen
Waltoren
weht und mehr auszuimerzen oder verzichtet, wo ihr das nicht gelingt
auf die
würdigen. Theorie und Praxis der platonijden énortrjun find in jeder Sir
zelne Gute nur eine Uusftrablung ijt. Aber als erzieherifche Mittel, die das
Auge der Seele zu jener Fdeenerfenntnis befähigen follen, werden die mathematifhen Forjdungszweige: die Mathematit, die Geometrie, die Stereometrie, die Uftronomie in das Bildungsprogramm biejer puÂdaopor aufge
nommen; denn Plato weiß, bah aud der Mathematiker nidt das rinzelne
Dreied, den einzelnen Winkel ujw. zum Gegenitande feiner Forihung hat,
jondern ein babinterftlebendes Allgemeineres, Jdeenhafteres,
von dem jenes eingelne Dreied und jener eingelne Wintel, an dem der Matheihrer vermag das platonijde dyoddy aud) — in einer Meile, die fid
hier
we näher ausführen läßt — ben gejamten Bereid der mathematijden
iffen{daften, in der Gorm, die fie jet in der Ulademie angenontmen hatten
au burdbringen
und
zu
Durdwalt
en.
So
verjtehen
wir
es,
daß
Plato
feine
Mathematit in einer
Borlefun
g
vortrage
n
fonnte,
die
den
Titel
nepl
tod
adyadod trug. Das ganze Reid) der platonifchen émotun ijt fo zum
Sdaupla und Wirtungsfeld Diefes hödjften ethijden Wertes geworden. Wenn
für Plato ein dyaddr udÔnua notwendig it, um den Menfcjen zum dyaddc
au maden, d. h. zur doer
zu
erziehen,
jo
dürfen
wir
dabei
nidt
blog
an
ein
uáônua denten, das in irgendeinem Sinne „vortrefflidh” oder „wertvol
l
matifer arbeitet, nur unvollfommene finnlide Abbilber find. Die Mathematit ijt, fo gefehen, ein Reid) ideeller Gubjtangen, reiner „Bormen‘“. Sn
diefer Fpealität ihrer Objefte liegt ihr erzieheriiher Wert; denn dadurd)
gewöhnt jie das Erfenntnisorgan der Geele an die Wahrnehmung von Yoeen.
Aber eben deshalb erhebt Plato die Forderung, da fie in Forjdhung und
Unterricht aud) diefes Moment der Jbealität in den Bordergrund rüdt,
ja dak id bie ganze Wiffenjdaft in dem Sinne neu orientiert, daß nunmehr
die Ydealität ihrer Objekte ihre Form beftimme. Das hat dazu geführt, daß
die mathematijden Wiffenfhaften zunädjt einmal ihr Augenmert auf eine
logijd-ideelle Sdidytung und Ordnung ihrer Objefte untereinander idee
Das Aufdeden und Beweijen mathematijder Gadjverhalte tritt zurüd; [taf
deffen ordnen dieje morue die Gegenitände, mit denen jie es zu tun haben,
ganz analog andern Bezirken der platonijden FSdeenwelt, etwa in dem Sinne,
Dah die Linie die bôdite Idee der „Gattung“ Geometrie wird, daß fie fid
in Die beiden eiön der geraden und gebogenen Linie teilt, der Kreis der Bertreter der gebogenen, das Dreied ein Vertreter der geraden Linie wird, daß
fid Dann das Dreied wieder in die beiden zlön des gleihichenkligen und nicht
gleididentligen zerlegt, das lefjtere wieder in mehrere Arten ujw.; furzum,
man fam auf foldjem Wege zu einer erftmaligen und umfaffenden logijden
Ordnung und Gruppierung aller Gegenjtände der verfdjiedenen mathematijen émorue. Keimbaft lag eine jolde Struftur der mathematijden Wij
fensgebiete [don in den befannten Politeiaftellen VI 510c ff, VII 524e ff.
u. a., wo die Mathematif, gerade — und ausidlieBlid — weil fie Ginnder Aufnahme in das atademijdje
elemente ideeller Natur in fih enthält,
Erziehungsfpitem für wert befunden wurde. Die Ausfonderung diefer philo-
Page 4
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feine Fes
wäre, fondern es fann nur eines fein, in Dem das dyadóv Jelbjt
pare “ger
Exijtengform und Einlörperung gefunden hat, oder — um
iel n ei +
jtande aus zu jagen — in dem bas ganze wiffenidaftlide pe
zal v und ie
Sinne durdgeformt ijt. Wir erinnern uns, daß wir das
er ne je.
doer? als den hbödyften Rulturwert der Grieden bezeichnen durf
fermen jeht in diefer extremen Orientierung und Organifation
ju u,
neuen Gorm exaft logifder Wejensbeltimmung eines jegliden Dinges utile
feiner präzijen Einordnung in den Kosmos der Fdeen. Die Dialettit ijt aut
weiterhin für Plato jtets bie Serriderin im Reiche der Wiffenidaften, das.
Gefimje bes Tempels, wie es in ber Politeia hieß, geblieben. In flar gees
gliederter Golge und ununterbrodener Kontinuität fchließen jih an fie die
übrigen Wijfenidaften, denen die Afademie Heimatredt gegeben bat: zus
nädit die Writhmetif, die in ihren Objetten, den tdrperlofen Zahlen, dem
teinen förperlojen Gein der Vbee am nädhften fommt, dann die Geometrie,
[haft vom dyaddr aus die engîte Verbindung von Wijjenfdaft un
71
Gorm der platonijden Mathematit anpaften, ja bas Programm
der platonijden Politeia geradezu erjt in bie Wirklichkeit überfübrten. Sie
haben dann freilid aud redt bald jenen ftolzen Tempelbau der Wiffendaften mieber abgetragen und an Stelle jener platonijden Subordination
der Wiffenfdaften untereinander ein Nebeneinander gleidbereds
tigter Gorfdungszweige: Urithmetit, Geometrie, Stereometrie uw.
hergeftellt. Aber auch jebt bewahren dieje Wiffenfchaften nod mandes Element
ihrer philofophifden Durdforidung und wollen aud jegt nod nidt in erfter
Linie Lebrfäte beweifen und Ronjtruttionsaufgaben auf exaftem Wege bes
waltigen, fondern vielmehr bie Objefte, mit denen fie es zu tun haben: bie
gaben und fid eine Zeitlang wenigftens jener extrem fpefulativen
otientierung, wie fie feine methodentheoretijde Gefekgebung mit fid bradte,
hätten gefallen lafjen, und dod führen mande Angaben unferer Überliefe
tung unverfennbar zu dem Ergebnis, dak die prominenteften Mathematifer, Leute vom Range eines Eudoxos, Theaitetos, Leodamas unter
dem Eindrud der platonijden Lehren ihre hertimmliden Urbeitsweifen auf.
lid) bie Wijfenidaften zu Platos Zeit eine folde Einfhnürung und Um:
ihrer Lebensbedingungen. So würden wir es a priori faum glauben, dap
Gleidwertigteit der Wiffenidaften untereinander empfinden wir als eine
tete, wo Urithmetijdes und Geometrijdes, Geometrijdes und Stereometrijches
incinanbergreifen, und im Timaios hat Plato die naturwijfenidaftlide Materie
unmittelbar aus den einfaditen [tereometrijden Gebilben fonjtruiert und gue
jammengefett. Ein einziges Band (deouös) hält jo alle Wiljenjhaften von
der Hodjten bis zur geringiten zufammen, und feine fonnte fid aus diefer feft
und flar gefügten Pyramide löfen, ohne da der ganze Bau 3ulammenbrad.
Wir Menden von Heute betrachten es als eine Selbftverftandlidteit, bak
jede Wifjenidaft fid — cum grano salis natirlid) — völliger methodijder
Autonomie erfreut. Der Eingelwiffenfdaftler würde es als unberedtigten
Eingriff in feine Rechte betradten, wenn die Philofophie ihm die Kategorien,
mit benen er zu arbeiten hätte, vorjreiben wollte. Mud) die prinzipielle
tart Blatos Jntereffe gerade an den Punkten innerhalb der Mathematik
haf-
Gegenftandsbereide fließen aber nicht nur aneinander an; fie gehen geradezu
ineinander über: die Forjdung der lebien zwei Jahrzehnte hat ertannt, wie
lid) an fie unmittelbar die Naturwiffenfdaft als Lehre von den Elementen,
ihrer Zufammenfegung und ihren Gdjidjalen anféliehen. Diefe verfdiedenen
wir uns mit ihr bereits im Reide des Materiell-Körperhaften befinden, Tann
deren Figuren [don immerhin ein Element der Anidauung in fich entbalten,
vi
nad) ihr die Stereometrie mit ihren bereits dreidimenfionalen Gebilden; und da
70
uens
lide Erziehungsprogramm der Politeia daritellen, weil fie in der Ronfeq
ate:
der dort ausgejprodenen Gebanten liegt. Jn der Tat hat diejes Ze
zeitig rüdwärtsblidend die verfdiedenartigen Manifeltationen des jo ral ib
efrühplatonifchen Triebes zur Eorun gu einem neuen einheitlichen u
in
wußten Ganzen zufammengefügt und für bie tontreten Willen] jaften,
ir
denen fic) Platos Zmorijun-Idee in der zweiten Periode leines Wirtens rea
fieren follte, das theoretijde Fundament gelegt. So Ideint es Durdaus finnvoll, dak Platos nädjjte große Schöpfung fid mun aud) pringipiell = oe
blem der éxorungum Gegenftand wählt. Die Trilogie der Dialoge hed et,
Sophiftes, Polititos fragt nidt mehr nad) dem th Eotı einer doer, Inn wh
nad) dem der Extorrjun. Sie wendet fid) aud nidt mehr wie etwa dasV Le ud
der Politeia gegen die fontreten Formen, in denen damals Mathemam Ni
ftiect, oder wie Der Phaidon gegen die Unguldnglichfeit der bisherigen aturs
wiffenidaft, fondern ihr erjter, polemijder, Teil hält über die eaten r in
pom Wefen der énorjun Geridt, Protagoras mit feiner Sdentifi ation
“ge
von Willen (Zriorjaun) und Wahrnehmung (aicümous) — wie fie im
pom Menfdjen als Maß aller Dinge latent vorliegt —, Demotrits ma ezialijtijde Œrtenntnistheorie, Antijthenes’ (?) Begrenzung der Erten nis
auf das einzelne Wort, werden nadeinander widerlegt. Dan Tann iden
Dialog, der für die Philofophen ja das Grundbud der platonijden te
tenntnistheorie ijt, mit gleidem Recht als die Verteidigung ber plein
MBiflenjhaftsidee gegen unzureidende Theorien det Enuoriun lejen; jo völlig
fallen für Platos Bemußtjein Wifjenfdaft und Erfenntnis aujammen.
Die Dialoge Sophiftes und Politifos bilden zu dem tein negatio-tritt en
Theatet das pofitive Romplement und geben uns Beilpiele des wahren ij
fens in der Darftellung Jeines Suftandefommens. Als Repräfentantin ber plas
tonijden &ruorúun erideint hier nicht irgendeine — mathemati}de oder ane
bere — Hadwijfenidaft, fonbern wieder die Dialektik, und gwar in threr
Wir tonnten diefe ganze Entwidlung im Anjdluk an das wiljenihaft-
“ pe
dungsweg der PAdcopor piAaxes lebtlid) ausgerichtet. Beim [pâten P
en:
in jener Berbindung von Erfennen und Aftivität das Moment des
dete
nens ein gewifjes Übergewidt erhalten und das ŒTbeoretife it Hart
jelbjtandigt; um fo mehr aber bewabrt die Welt der zu erfennenden egen:
7
ftände bies Element des dyadór als ihr Gorm- und Aufbauprinaip.
lifeit politijden Wirtens, und auf jie war, wie wit faben, aud) re oat
die je gedadjt worden ijt. Neben jenen anderen Wefensmerkmalen, h N
i A De
früher herausarbeiteten, ijt dies ein entideivendes Moment im
unge ä re
platonijd-atademijden Wiffenfdhaftlidteit. Die eigentlide Entfal
und der Lebensraum der dper war ja freilid) für den Grieden die
arene
Page 5
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Hin
|
als
à
tie aoe ein her Daler ua um
Heraden, Dreieden, Biereden, Winkeln ufw. int be:
4
tidi
ee loaiigen Aufbau ihre Sadjgebiete einordnen. Dies ijt die Gituation
in
er Mathematit in dem Augenblide, wo ber breibigiäprige io
batten
der Atademie feine Methodenlehre der Mathematit und naturel
— die uns als Analytica Posteriora et Büder — jdreibt.
|
odijden Befund hat er dort regiliriert.
i
En Ron He Glieder bes Beftandes an wifjenjdaftliden or
jeften ijt natürlid eine überfehbare und begrenzte Aufgabe, unl man fant
es verftehen, dak Ariftoteles damals in einer an weite Streife et ) te
binnen furgem
Shrift verfündete, die peat
i
Webt eben die ee bet bis ins lebte rationalifierten re
eine begrengte und —- unter jeder Bedingung (Arist. An. Post. bY ff Ge
endlide Anzahl wijfenidaftlider Objefte, von denen ein je ij na auf.
jidjtspuntten begrifflicher re te inten. ur pas u
l
:
im logifchen Aufriß feines wijjenidja
roan tig ie der I Konzeption der Diffenfdaft denten, bie ven ab
danfen des unendliden Prozeffes der Ertenntnis fonträrer wäre; h et Eu
feine, in welder der platonijde Wille zur Begrenzung (zum ze ees), en
ke
Streben zur flaren, gleidjam nad) allen Geiten abtajtbaren Gorm un
prinzipielle Entwertung Des äneıoov (Unendliden, Unbegrenzten) en se
mäßeren Uusdrud gefunden ee: Li tas es ijt eine extreme ormulierung
|
;
|
fein Tann.
was griedijde Wiffenjdaft
merite wae vel Köfung der Einzelwiffenjdaften aus kiter.
tropierten neinandergreifen und jener qualitativ beftimm en th oder
tonit fon der Weg auf eine Berfelbftandigung aud) in me aes
Hinfidt eingefdlagen. Sie hatten dadurd) gleidfam die Brel “ ar
aas ee
ten, ihre wilfenidaftlide Gorm nad) den Forderungen ihres
zu geftalten, und haben fid) dann im Laufe einer furgen, pn en
widlung ihrem eigenen z&Aog entjpredend geformt. Die Mathema à rut
fih wieder Dem Beweijen von Lehrjägen und der Ausführung von ed fit
tionsaufgaben 3u und bebält an platonijden Elementen nur, me fi Abe
dieje Ziele frudtbar maden läßt. St amo Same tan sr nn pew
e
Anja
ihre Begriffe und eine
ü
” a.) waren die ann
(Gleichen vom he jubtrabiert ergibt Gleichesu.
welde die zu erneuter Mündigfeit gelangten mathematijden Millenid) Ha
ne
aus jener Periode intenfivfter logifder ae ae D
philofopbijder Bereinheitlidung mit binibernabmen rua) Di
Naturwiffenfdaften, jo wie fie jetit von Ariftoteles Hand ear eite aufbau
{dütteln zunädjit die nicht naturwifjenfdaftliden, mathema iden Zuiden
"
elemente ab, mit denen fie in der platonifden Philofophie e al e
Die Materie wird nidt mehr aus regulären mathe m atijden epen u \
lebtlid aus Dreieden Tonftruiert, wie in Platos Timaios, fondern die ft
Qualitäten des Kalten, Warmen, Feudten und Trodenen, alfo per
naturwiffenfaftlite Gegebenheiten find es, aus deren Berbindung lid) be
einzelnen Objefte ertlären laffen follen. Sn der Meteorologie find es 3
72
ab-
Arten von dradvuiáaeic (Dämpfe, Diinjte), eine trodene und eine
feuchte,
alfo für griedijde Anfdhauung wirtlid ausgelproden meteorologijde Bors
ausfegungen, aus denen Urijtoteles alle Phänomene Diefer Sadiphäre
guleiten verjudt. Eine jehr welentlide Rolle fpielt ferner in ber
arijtote
lijden
Naturwiffenfdaft die Theorie der Beränderungen (griedi
jd:
Bewegungen, xiwoeis) der naturwijjenidaftliden Materie. Die fojtema
tifde
Bearbeitung diefer Theorie hatte [don in der Atademie begonne
n;
aber
für Plato waren
dieje
Dinge,
weil
fie
Die
Welt
des
Werden
s
betrafen
,
eine Ungelegenheit zweiter Ordnung, den Problemen der Philofophie
und
insbefondere der dialeft
ifden
Geinsle
bre,
bie
es
mit
ben
ewig
gleids
bleibenden Sbeen zu tun bat, burdaus inferior. Für Arijtoteles’
wijfen:
IHaftlihes Bewußtjein hat jede derartige Entwertung diefes Problemtreifes
und jeder Zweifel an jeiner pbilojopbijden Bollwertigteit feinen
Sinn verloren; nidfs gäbe es, weshalb dieje Angelegenheiten nicht im gleichen
Make
Wiffenfdhaft fein follten wie irgendein im engeren Sinne des Wortes philon Rôrfopbijdes Problem. — Die Betradtung des menfdliden und tierijde
pers ift in Arijtoteles’ Schrift „Bon den Teilen der Lebewefen“
in
ebenfo
hohem Grade von teleologijden Gejidtspunften beberridt wie jn den
ent:
[ptedjenden Wbfdnitten in Platos Timaios; aber während bei
Plato das
télos oft außerhalb des eigentlid) Phyfiologijden Bereiches lag —
jo
wird
etwa die Lage der Leber daraus erklärt, daß fie eine Art Trabant des Adyos
fei
und durd ihre Funktionen auf die Adyos=fremiden Teile des menfli
den
Rôrpets vernunftgemäben Einfluß ausüben foll (Tim. 7laff.) —, hält
fid) die
arijtotelijde Teleologie jtreng in den naturwiffenffaftliten
Grenzen und
erwägt nur, was
dem
törperl
iden
Organi
smus
als
joldem
zuträgl
id oder
abträglid ijt. Diefe Beifpiele mögen genügen. Gie zeigen, in
wie hohem
Grade bas Poftulat der Gleidberedtigung und der inneren
Gelbjtändigteit
an das
aller Forfdungsgebiete in der ariftotelijden Wiffenfdaft zur Verwirtligung gelangt
it; zweifellos repräfentiert fie damit ein Stadium größerer Annäherung
moderne Wiffenfdaftsideal als etwa bie platonij
dje
Sierard
ie
der
émortiu
as.
Außerfte Umjidt und jdarfite Prüfung bei der Anfegung der fundam
entalen Sypothefen eines Gadgebietes, fonfequente Erkläru
ng aller Einzel
probleme aus ihnen, Anwendung fämtlider Dialettijder Mittel
bei der
Wägung der mögliden oder von anderer Seite aufgeitellten
Erflärungen,
en“ —
fein Bedenken — allerdings aud) nidt mehr als biefes „tein Bedenk
von feiten der Erfahrung: fo etwa ließe fid bie methobdijde
Formation der
tiven
arijtotelijden Naturwiffenfdaft daratterifteren.
Die Rolle bes Gpetula
ift gegenüber der platonijden Willenfhaft wefentlid) gemilde
rt, aber nidts
wäre verfehrter, als den extrem begriff
lid-log
ijden
Charatt
er
folder
Werte
wie der Meteorologie und der Büder über
Entfteh
en
und
Vergeh
en
zu
verfennen. ragt man nidjt mit rein inhaltl
idem
jouteref
fe
nad)
ihren
Ergebnijlen, Jondern beadtet vielmehr ihren fpezififchen Gormdaratter
, fo darf
tion und
man fie als eine Auseinanderfegung gwifden Tradi
Methode bezeichnen. Die atiftotelijde Naturwi
ffenfha
ft
verfügt
über
das
ganze Gedantenmaterial der vorfofratijden Spefula
tion;
fie
weiß
die Anfdauungen der verfdiedenen Denter gegeneinander abzumägen
und auszu-
Page 6
View in PDF(opens in a new window)ielen; fie fudt darüber hinaus dieje Gedanfenmafjen mit den naturwiffen-
LUE, Sn utiioen Motiven der platonijdjen Sdeenphilofophie i ae
feitiger frudjtbarer Rritit zufammenzuführen und bat [alieblic) im den oer.
ausgearbeiteten Rategorien[yjtem, den Methoden bes logijden al m oen
um
fabrens und manderlei Differenzierungen (wie das Begriffspaar
Potenz (Sdvapie und évégyera] eine it) logifdje Jnitrumente von gans Bek
attiger Schärfe und unabläffig bobrender Eindringlidteit gur Han if De
jen fo verfdiedenartigen, mit [ynthetifdem EN an
Ze dr
mengefügten Elementen bejteht naturgemäß eine [tarte
enfer
die jene Form fpefulativer Apodiftit, die bei den vorfofratijden
dominierte, von vornherein ausihließt und eine geiftige orm von
im Protreptifos gefagt, dak es der Adyos Öuakextindg lei, ber alle
uses‘ 1
gangandersartiger Struftur erzeugt: denterijde Bewä ‚a vg
und Durddringung des tradierten Gedantenmateria 5 en
Gewinnung des eigenen Standpunttes aus logijd)-dialettijder wir be: ae
aufgeftellten oder aller erdentbaren Theorien. Nidt umjonit pat geil ‘ 5
Geinslebre, d. h. der Glaube an die Berwirtlidung Der „gorm n on °
neoì púoewg erzeuge. Diefe Dialettit ijt bier nun freilid) night mehr ie zi
Plato eine felbjtändige Wifjenfdaft, die bas Gein au ihrem cel ande
bat und alle anderen uaduura an Wert hinter fid lift. Gie if in n N
nod Methode, aber aud als foldje ein univerfelles Organ der Kri it tie
Argumentation und ein überindividueller Garant der Wahrheit. =o. pa
bier zum zweiten Male mitgeholfen, Wiffen|daft zu negrünben. mbr en
einigt fid) eben jenes Berantwortungsgefühl gegenüber der Tra à ion un
der ungeheuer erweiterte Überblid über die Miglidteiten, um ber on] que
ten Durchführung eines eigenen, einheitliden Crrtaran gs? ss
aipes — bie an fid nidjts prinzipiell Neues ijt — einen Un er au von ns
her nie erreidter Dichte und Beltigteit au fier turz, um ihr cinen ganz
a
rad von Willenichaftlichkeit zu geben.
e
ur eben thy watt ij hs in [patarijtotelijden Lebridriften wie ber
Tiergefhidte nod eine andersartige wiffenfatlide sons ae : use
drudsform gefunden hat. Dort fudt das wiffenfdaftlide Den en bie ee me
feiner Wufftellungen niht mehr beim Gedanfen, Jonbdern bei er es
feine Borausjehung ijt jebt der Enteledjiegedanfe der reifen arif ote ie à
duum. Damit ift der Kreislauf der Wiffenfdaften von ihrem pet . Don
Extrem zu dem der — zwar philofophijd begründeten, aber mihi ho
weniger — vorurteilslofen Empirie vollendet, gn det Gala ber na jen ce
blope Anhäufung des Materials, nämlid deffen geiftige an ,
Durdlaufenen Stadien find alle Formen, bie Olen aT Ee etste
nehmen Tann und die fie im Berlaufe der fpäteren europäijden ei ie
angenommen bat, prinzipiell vorweggenommen und paradigmatild) vonde
formt. Je nad) den allgemeinen Bedingungen ihrer Zeit und nad) er in De
duellen Mentalität ihrer Träger hat fie fid aud) jpäter mebr bem einen 0
dem anderen Extrem genähert. Das Bewußtjein, dab jie etmas anderes tt
DASD CAUSA
Set. CRANE wad AD
bat zufammen mit der Gewißheit ihrer fulturell-ergieberifden a eu ng
überdauert.
und ihrer Autonomie im Reide der geiftigen Werte die Zeiten
74 PS
Eds
Sahrt nad) Delphi
Mit einer Doppeltafel
Bon Ridard Bufd-Zantner, Manden
Reife burd Photis.
3u Schiff nad Delphi zu reifen,
gibt
es
zwei
Möglich
leiten;
entwed
er
von
Patras weg, an Lepanto vorbei, oder
vom
Piräus
her
durd
den
torintb
ijden
Sithmus. Stea aber, der Hafen von
Delphi,
hat
teine
regelre
djten
Molen,
und man muß dort umjtändlid) ausgebootet werden, ein Vorgan
g, bei dem
Gezeiten zu=
das Vergnügen regelmäßig nur auf feiten der Zufchauer zu fein pflegt.
Sollte
der Dampfer zudem nicht gerade febr jolid fein, hat es mit den
fällig nicht gerade feine Richtigkeit, und wird obendrein der
fonft fried=
fertige Golf von Korinth von Wind
und
Wetter
zerzauft
,
dann
ijt das Ausbooten ohnehin febr problematijd, und es fannpajjieren, daß
man bis Korinth
oder gar nad Athen weiterfahren
und
dort
womögl
id
nod
aufzahl
en
muß.
I [dlage deshalb vor, nad)
Delphi
[tets
mit
der
Bahn
zu
fahren;
mit
der Athen-Galoniti-Bahn, die
ganz
Grieche
nland
mit
mittele
uropäif
der Gez
Ídwindigfeit fentredt durdyjd
neidet.
Delphi
liegt
allerdi
ngs
nidt an Diefer
Bahn, fondern Hat feine eigene
Station
,
die
fid
Brallo
nennt, einzig ein
großes, geräumiges Gehäufe, das weit und breit einjam
auf der fladigen
Slur des Kephillostales dajteht und
nur
als
Ropfita
tion
nad)
Delphi
einigermahen Œxiftengberedtigung bat.
Bei
Ankunf
t
des
Zuges
ftehen
einige
Automobile bereit, gerdujdoolle, alterti
imlide
Wagen,
»
Poftau
tos oder
„Engag6s‘‘ genannt, eine wunderlide Unterf
deidun
g,
mit
der
der abnungs«
loje Frembde gewdhnlid) nichts anzufangen
weiß
und
folglid)
oft genug auf
bie geijdidt damit verbundenen Preisfombinationen hereinfä
llt.
Das Stationsgebäude liegt erhöht neben dem
Bahnd
amm.
Die Straße
fentt ji) fanft auf die Sohle des Tales, führt einige Minuten
durd fonniges,
gelbgebranntes Fladland, geradewegs auf die Bergwelt
zu,
die
fid
in
jdôner
Staffelung dem ganzen Blidbereid entlang hinzieht.
Der
Parnaÿ
,
der
Berg
Apolls und ber Mujen, des Raïtalifdjen Quells und
der
Heilige
n
Statte,
tagt darüber als Hüter empor. Ein [hmales Tal tut
fid
auf,
ein
Rik zwijhen der uneridütterliden Gefdloffenheit des Didterberges
und
dem etwas
höheren, benadbarten Goniagipfel, einige Gepertinen Jdneide
n in lichtem
Wei durd) die fonft [wer beftimmbare farbige Landfh
aft,
dann
nehmen
Bellen und Wälder den Weg in die Mitte und man taft hinein
in die Berg:
welt, jüdwärts dem Orafel und dem Mofterium entgeg
en...
Griedijde Landihaft? Zweifeln könnte man daran. Das
ijt zwar der
Parnaß und feine Nebenberge; aber alle fehen aus wie
die beutiden Bors
alpen im baperifden Gebiet, etwa wie die Gegend an
der Schwelle zum
Werdenfelfer Land. Krottentopf, Rijte, Bijdof find Berge
im Werdenfelfer
Land, und ihre Namen und
Forme
n
dränge
n
fid)
in
Erinne
rung,
wenn man
Hier in dieje hellenijde Bergwelt Dineinzieht. Tannen redts
und linfs am
Weg; gerfhludtete Land[daft, bodgebirgsartig. Man fühlt,
fie tonnte fig :
fogar dramatifd entwideln, vielleidt fogar fo dramatijd, dak fie
tragifder ::