Zum griechischen Roman

Author
Boll, F.
Published in
Philologus
Year
1907
Subject
ANTONIUS
Language
Deutsch
Category
C6 Language & literature
Archive number
5619

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Boll, F. ' In: Philologus, LXVI (N.F.Bd.XX) 1907 Pe L — 15 Bels: ast D Bell, y Bor, Zum gr jechischen en u Aland . (907), Pr 9. lbpoles fapl=/S Roman. 0 In « Philologus »» N.S. XX

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Lychnopolis. Lukian gibt in der Einleitung seiner ‘Wahren Geschichte’ dem Leser die Versicherung, daß zwar alles darin erlogen sei, aber nicht das Geringste ganz frei erfunden: jeder Zug habe sein Gegenbild bei alten Dichtern und Erzählern und Philosophen, und der kundige Leser werde ohne weiteres in jedem Fall erkennen, worauf er ziele. Wie selten freilich wir noch in der Lage sind, eine bestimmte Quelle für diese tollen Possen nachzuweisen, ist aus itohde's klassischem Buch zu entnehmen. So mag es nicht ganz unwillkommen sein, wenr einmal wieder für eine Kleinigkeit das duaprupov odosy delo des Lukian sich bestätigt. Der Erzähler der wahren Geschichte hat nicht lange nach Antritt seiner Forschungsreise das Unglück, von einem großen Wirbelwind mit seinem ganzen Schiff in die Wolken getragen zu werden; Phaethon er landet am Monde, wo er den Krieg zwischen und Endymion mitmacht und auch sonst viel Wunderbares sieht: dann tritt er die Heimreise an, die dich: an der Sonne vorbei durch den Tierkreis geht. Nach einer weiteren Fahrt von einer Nacht und einem Tag kommen sie nach Lychnopolis hinab (c. 29), in die merkwürdige Stadt, deren Bewohnerschaft aus lauter Lichtern (Avyvet) besteht, reichen und armen, nämlich großen und kleinen, herumrennen und wenn die auf dem Markt und am Hafen beim Appell fehlen, wegen Fahnenflucht hingerichtet, sic ausgelöscht werden. Lukian hat die Freude, auch sein eigene: d. h. Hauslämpchen anzutreffen, das ihm treulich berichtet, wie es Philologus LXVI (N. F. XX), 1.

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F. Boll, zu Hause steht. Für diesen Märchenzug hat Rohde manche Parallelen von ‘Lebenslichtern’ notiert (Griech. Roman S. 195f.). Aber am nächsten liegt es wohl an Aristophanes Frieden zu denken (v. 832 ff.), wo Trygaios nach der Himmelfahrt auf dem Mistkäfer von seinem wißbegierigen Knecht gefragt wird, ob es wahr sei, daß wir Sterne werden, wenn wir gestorben sind, und ihm dann auch versichert, die Otatpéyovtes dotépes ot xaópevar téovotv seien solche, die — als arme Seelen vermutlich — bei einem reichen Stern zu Tisch geladen waren und nun über den nächtlichen Himmel heimstolpern müssen, mit ihrem Lichtlein in der Laterne. Es sind natürlich Sternschnuppen, bei Lukian wie bei Aristophanes: wo Aristoteles (Meteorol. I 4) für die xaópevar pAdyes und Grabéovtes dotépes eine Erklärung sucht, zieht er 20Xva zum Vergleich heran, und dnooßesdjvat steht in ähnlicher Erörterung bei ihm I 7, wie bei Lukian oßeoy Ava. — Unmittelbare Anlehnung an Aristophanes ist es bei Lukian, wenn unter diesen nept#éovres Abyvo: Arme und Reiche unterschieden und wenn auch hier die fremden Gäste (die freilich nicht zuzugreifen wagen) zur Mahlzeit geladen werden *). Der gewissenhafte Erzähler hat nicht versäumt, die Lage von Lychnopolis genau anzugeben: die Stadt liegt schon viel tiefer als der Tierkreis, in der Luft zwischen Pleiaden und Hyaden, keine ganze Tagfahrt über Wolkenkukuksheim, das sich dann noch drei Tagfahrten über der Erde befindet, also — da man vom Zodiacus bis Lychnopolis nur eine Nacht und einen Tag fährt — dreimal soweit von der Erde entfernt ist als Lychnopolis vom Zodiaeus. In bester Ordnung ist es, daß Lychnopolis petagd Tod TMeıdöwv xal tod Yadov dEpog liegt: die Gvétrovtes oder dtadéovtes dotépec bewegen sich ja in der hôheren Luftschicht, unter der Gestirnregion (vgl. Aristoteles a. a. O. I 4; oder die Placita bei Diels, Doxogr. p. 366 f.). Warum liegt nun freilich die Stadt der Aöxvor gerade *) In Ledergerbers Dissertation (Freib. i. Schw. 1905), die man wohl als Repertorium der älteren Beobachtungen über das Thema ‘Lukian und die alte Komödie’ benützen darf, finde ich nichts von dieser Aristophanesreminiscenz bei Lukian erwähnt.

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unter Pleiaden und Hyaden, also unter dem Sternbild des Stiers? Man könnte denken, daß die Gegend genannt sei, aus der besonders viele Sternschnuppen kommen; aber Perseiden- und Leonidenschwarm ließen da doch zunächst die Einführung anderer Regionen am Himmel erwarten, wenn auch in Stier- und Oriongegend wie an vielen andern Punkten des Sternhimmels der Sternschnuppenfall nicht fehlt. Ich vermute, daß hier ein anderes Motiv hereinspielt. In den in meiner Sphaera gedruckten Sternbilderlisten stehen zum Zeichen des Widders folgende Angaben (vgl. S. 218f.): zum 1. Dekan (1. bis 10. Grad) bei Teukros-Rhetorios © xuvoxépakog 6 T& AbyYvagyepwv; im andern nach Teukros benannten Text zum 20. Grad des Widders 6 t& Abxva péowv mit dem Beisatz, daß unter diesem Sternbild xavéyAanto: oder Aaunaödpror geboren zu werden pflegen. Die Pleiaden gehören nach der zweiten Version des Teukros zum 1.—3. Grad des Stiers, die Hyaden zum 4.—7.: somit ist der Lampenträger hier nur 10—15 Grad von Pleiaden und Hyaden entfernt. Daß dergleichen kleine Verschiebungen hier nichts bedeuten, weiß, wer sich mit diesen Texten befaßt hat: schon der ebenfalls 10 Grad betragende Abstand zwischen den Angaben in der ersten und zweiten unter Teukros Namen gehenden Version beweist das, und bei Firmicus ist der Lychnus (so die richtige Lesart?) statt Cygnus in der Aldina, vgl. Sphaera S. 400) sogar zwischen Fische und Widder gestellt, zwischen Anfang und Ende des Zodiacus, wo der große Ring zusammengreift. Und wenn noch em Zweifel bliebe, so würde er durch die gewichtige Autorität des Ptolemaios niedergeschlagen: in seiner Tetrabiblos I 9 heißt der 2) Das beweist die hinzugefügte Deutung: Lychnus quoque ad huius signi pertinet partem. quicunque igitur hoc oriente sidere nati fuerint, metallorum inventores erunt, qui latentes auri et argenti vepas ac ceterarum specierum sollertibus inquisitionibus persequuntur; hi quoque monetarii efficiuntur. si vero hoc sidus in occasu fuerit inventum et Mars in ipso loco fuerit vel in diametro vel quadrato, hi aut incensa domo conflagrabunt aut publica iudicis sententia flammis ultrieibus cremabuntur, Für den Untergang ergibt sich, wie man sieht, die Deutung von selber; beim Aufgang bringt das Sternbild des Aúxvoc Bergund Münzarbeiter hervor, wobei man sowohl an Grubenlichter (Plin. N. H. XXXIII 70 cuniculis per magna spatia actis cavantur montes lucernarum ad lumina) wie an das Flüssigmachen des Metalls durch Feuer denken darf.

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F. Boll, Aldebaran, der helle Stern der Hyaden, Aapnaötas, der Fackelträger ®). Lukian bringt also die Lychnopolis gerade da an, wo nach der Sphaera barbarica die;Aúyvot hingehören. Es ist in diesem Fall sicher ägyptische Sphäre, um die es sich handelt: die Aegypter “) bezeichnen gern die Sterne als Lampen (ebd. S. 217), und der Kynokephale, der bei Teukros die Lichter trägt, weist deutlich in die gleiche Richtung. Man wird fragen, ob nicht auch einiges andere aus dieser Quelle stammt, da doch die ganze Geschichte vom 9. Kapitel bis zum 29. in den Sternen spielt. Manches passt nicht übel: aber nicht viel läßt sich wirklich nachweisen. Von den Hilfstruppen des Sonnenherrschers stammen die Kuvoßadavor, wie Lukian selber sagt, vom Seirios oder großen Hund (c. 16). daher sind sie dvöpes xuvorpóownot. Einen xuvonpöowrss togebwv gibt es zwar auch in den Sternen (Sphaera S. 262). aber der Gedanke liegt im Zusammenhang von Lukians Text ohnehin sehr nahe. Noch weniger haben die Kuvasdkavsı (und die UtpovdobdAave: c. 13) mit den aus Badotat wohl #) Auch bei Aba Ma'sar, dem großen arabischen Astronomen des 9. Jahrhunderts, der den Teukros durch persische Vermittlung ins Arabische übersetzt hat, kommen gerade zum 1. Dekan des Stiers zwei Lampen vor: sie sitzen auf der Schulter des Orion, sprechen mit ibm und rufen ihn bei seinem Namen (Sphaera 8.501), gerade wie die %öxvor beim Lukian sprechen können und ihr Archon ihre Namen aufruft. Der arabische Text ist bald wortgetreu identisch mit Teukros, bald gegen unsere griechische Ueberlieferung stark erweitert: ich möchte daher hier nichts weiter folgern. Auch hab’ ich den Verdacht, daß die zwei Lampen erst auf dem Weg über das Persische und Arabische aus zwei Sperbern (iépaxec) geworden seien, die beim Kopf des Ösiris sitzen und sprechen und in der Nacht wachen, nach dem Londoner Zauberpapyrus n. CXXII (Vol. I p. 119) v. 100 Gvéorx Daïuov ody el Saipwy IE To ola zv Sho isoduwy iv node Kepakhy tod ‘Ooipeus hohobvrwv zal &ypunvobviwv. Identificierung des Sternbildes Orion mit Osiris habe ich Sphaera S. 164 ff. nachgewiesen. Die im Londoner Papyrus unmittelbar darnach beschriebene und abgebildete Dämonengestalt, um die Mitte gegürtet, die in der Rechten ein Schwert, in der Linken ein Scepter trägt, ist offenbar Orion—Osiris: gerade so ist die Figur bei Vettius Valens beschrieben (a. a. O. 8. 167). — In einem andern großen Zauberpapyrus London CXXI v. 240 (ib. p. 92) stehen an der sonst gleichlautenden Stelle ıß" tépauec statt do in CXXIL und Oöpavos statt "Ooipewg; das erstere ist wohl Verschreibung, das letztere scheint für die, Sphaera S. 254 mitgeteilte Vermutung von Sayce zu sprechen, daß das babylonische Sternbild Tammuz = Orion ist: denn der dem Tammuz gleiche Adonis heit bei Teukros auch Odcavéc. “) Auch die Genesis thut das, I 16 u, ö, vgl. Gunkel, Schöpfung und Chaos S, 125. |

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nur verschriebenen BaAaviotrat im ersten Teukrostext (ebd. S. 251 f.) zu thun. Die Sterne onto tiy Kannadoxtav, deren Hilfstruppen ausbleiben, können an die astrologische Geographie erinnern, die bet Nechepso und Petosiris Kappadokien unter die zwölf Hauptländer stellte; aber es liegt jedenfalls noch etwas anderes zu Grunde, vielleicht eine Anspielung auf irgend ein historisches Ereignis, wo die Kappadokier im kritischen Augenblick ausblieben (als treulos waren sie ja im Altertum verrufen, vgl. Ptolem. Tetrab. IT 5, wornach sie und die Syrer und Kommagener das tovypdyv nai émBovAevttxdy auszeichnet). Auch die ‘Inroyépavor lassen sich in der Schlacht nicht sehen: da die KuvoßaAavor nach dem Sternbild des Hundes benannt sind, so kénnte man bei ihnen an das des Kranichs denken (ebd. 259). Wenn die Esel statt der o@ArıyE den Schlachtruf erheben, so hat der Sternenhimmel deren in gewöhnlicher griechischer Fassung zwei (im Krebs), nach der Sphaera barbariea noch einen dritten (ebd. 5. 295): indes läßt sich hier ganz bestimmt sagen, daß der Verfasser an die Esel im Krebs gedacht hat, denn sie hat ja nach Eratosthenes Katasterismen (Robert p. 92) gerade ihr wirksames Geschrei in der Gigantomachie an den Himmel versetzt’). Deutlich Sphaera barbarica haben wir dagegen bei den Neperoxevraupeı, deren Führer der Schütze im Tierkreis ist (c. 18). Sie sind (ihr Führer natürlich auch) & Innwy mriepwröy nal avdownwv ovyxelpevot. Geflügelt ist nicht der Schütze-Kentaur des griechischen Tierkreises, wohl aber der des orientalischen, wie babylonische Grenzsteine und die ägyptischen Himmelsbilder von Dendera beweisen: und zwar sind die Flügel immer an den Pferdeleibern angewachsen, nicht am Menschenrumpf (Abbildungen ebd. S. 189 u. Taf. I—IV, auch in Roschers Lexikon II 1055). So sind noch ein paar nur eben mögliche, aber doch auch eine sichere Beziehung zur Sphaera barbarica ans Licht gekommen. Wo hat nun Lukian diese Dinge her? Wäre irgend daran zu denken, daß er astronomische Originalquellen benützt habe, so würde neben Teukros, der ihm zeitlich vor5) Sonst könnte man auch an die aesopische Fabel vom Esel und Löwen denken (Halm 259).

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F. Boll, angeht (1. Jahrh. n. Chr.), vor allem Asklepiades von Myrlea, der Zeitgenosse des Pompeius in Betracht kommen: denn auch in dem dürftigen Exzerpt aus dessen Xpatpa BapBapınn (ebd. S. 543 ff.) ist 6 T& Abyva pEpwv unter den Sternbildern genannt und bedeutet astrologisch Öxdovytat. Doch es wird niemand ernstlich daran zweifeln, daß Lukian diese Kuriositäten schon in dem von ihm hier parodierten Reiseroman gefunden hat. Rohde hat (S. 192, 4) für die Schilderung der Erlebnisse auf dem Mond 19 ff. die "Anıora Ste OobAny des Antonius Diogenes als Quelle vermutet. Schon Photios (p. 111b 35, $ 13 nach Hercher) hatte diesen Roman als eine der Vorlagen des Lukian bezeichnet (xat yap tod mept aAnd@v Ömynparov Aovxavo al TOD mepi petapoppwcewy Aovxiou ny nai pila Eoınev efvat todtc). Wenn man sich nach dem knappen Auszug des Photios und den Citaten bei Porphyrios ein Bild zu machen sucht, was Lukian etwa aus den “Amora haben könnte, so bieten sich in der That gerade diese bei ihm ziemlich ausgedehnten Partien über Sonne und Mond fast einzig dar. Astronomische Merkwürdigkeiten waren an zwei Stellen des Romans untergebracht. Einmal erzählte dergleichen Derkyllis Bruder Mantinias (p. 110a 10, § 5), à ToA& mantels nai TOADV dmototétwy eanatwv mept TE avipmmoug nai Erepa Cha mept te aùròv HAtov nal cedyvyy nai pute Kal vhoous pakor EEnynte adt nxatactas ÜAnv dpdrovoy mapeoxs puvoroiiag Anayyeiieıv botepov tH Aetvin. Bei den œuté ließe sich etwa an die Traubenmädchen (I 8), bei den vñoot an die Inseln der Seligen, der Gottlosen, der Träume, der Kalypso denken: doch bleibt das freilich unsicher °) und für uns auch ohne Bedeutung. Wichtiger ist, daß dmota von Sonne und Mond bei Diogenes erzählt wurden. Die andere Stelle, wo Astronomisches in größerem Umfang vorkam, war Buch 24, wo Deinias mit Karmanes und Meniskos (nomen et omen) über Thule hinaus nach Norden zieht und solche Wunderdinge erlebt, & umndeis wite (detv Eon pte dnodonı, dk pnôë pavtactats dveturmoato: Kal TO HÉVIWY dntotótarov Ste ropevönevor pds Boppâv Ent ce VV de Ext Tuva yijv xaba*) Rohde hat wenigstens II 29 ff. (Insel der Gottlosen) auf Antonius zurückgeführt.

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pwtatyy nÀnstov Ey&vovro ne te yevopevor tGorev à einög Fv tdeiv tov toradtyy drepBodAhy mAwopatwv mopoavanAdoavta (Photios p. 111a5,$ 9). Hier, in der Schilderung des Mondes eu und seiner Bewohner, hat sich also des Erzählers kecke Phantastik selbst übertroffen. Wie weit sich Rohde bei Lukian die Bentitzung des Antonius Diogenes von 19 an dachte, hat er nicht näher angegeben (er sagt nur [ 9#.): da aber schon I 11 die Hippogypen erscheinen, Männer auf riesigen dreiköpfigen Geiern, so muß er wohl auch dergleichen Erfindungen dem Diogenes zugetraut haben, und daß dieser mept avOpmmoug nal Erepa CG die unglaublichsten Geschichten erzählte, sagt uns ja Photios ausdrücklich. Wenn Antonius in den von ihm benützten pythagoreischen Büchern schon ganz ernsthaft die Mondbewohner als fünfzehnmal so groß wie die der Erde angenommen sah, so war der Weg zu den Riesengeiern wirklich nicht mehr weit (vgl. im allgem. Rohde S. 268, 2). Weiterhin hat Rohde speciell für I 21—26, wo die wunderbaren Eigenschaften der eigentlichen Mondbewohner beschrieben werden, die Anlehnung an Diogenes nachgewiesen („ich denke, es ist wahrscheinlich genug, daß der pythagorisierende Diogenes jene altpythagoreischen Mondfabeln zur Grundlage seines eigenen Berichtes gemacht und daß vornehmlich seine Lügen Lucian Ver. hist. I 21—26 habe parodieren wollen“). So würden nach Rohdes Meinung vermutlich die Kapitel 9—11 (Landung auf dem Mond) und 21—26 (Schilderung der Mondbewohner) auf Antonius’ Vorbild zurückgehen; unbekannter Herkunft wäre dann das Stück c. 12—20, der Krieg zwischen Sonnen- und Mondkönig, und die Heimfahrt, c. 27—29, mit dem Aufenthalt in Lychnopolis. Es lassen sich wohl auch in diesen beiden Partien, deren Zusammengehörigkeit unter sich durch die auch c. 28 f. fortdauernde Funktion der Nephelokentauroi und Hippogypoi gesichert wird, Anzeichen für eine pythagorisierende Quelle erkennen. Die beseelten Abyvor der Lampenstadt in der Luft nahe dem Tierkreis passen recht gut für einen Anhänger pythagoreischer Anschauungen, nach denen die Seelen in der Luft als Sonnenstäubchen schweben und auf Sonne und Mond wohnen (Rohde, Psyche S. 423, 4;

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F. Boll, 453) °). Auf der andern Seite aber ist auch ein Zug in dem Kampf zwischen Phaethons und Endymions Streitmacht bei Lukian ce. 16 gut pythagoreisch. Als Bundesgenossen sollen da von der Milchstraße Schleuderer erscheinen; da sie ausbleiben, so überzieht sie später der Sonnenkönig Phaethon mit Krieg und verheert ihr Land mit Feuer. Das ist offenbar eine parodistische Kombination der Phaethonsage mit dem zuletzt von Heiberg (Solens Bane, Nordisk tidsskrift for filologi, 3. raekke, XII bind, S. 97 ff.) behandelten Mythus von der alten Sonnenbahn in der Milchstraße. Beides ist altpythagoreisch, vgl. Aristoteles Meteorol. I 4 p. 345a 18 ff.: Tov pév oöv xoroupéevwy TLudayopetwy pact Tves 68dv eivat tabtyy of EV TOY exmecdyvtwy twvdg (TV) Aotpwv ward THY Aeyonévny ext Daédovtos phopdyv, of dè tov HAtov todtoy Ty xúxhov pépeoai Tote pactv: ofov obv Gtomexatotat toy tomov tobtov (nvpnoAsjoer thy xwpav sagt Lukian) 7) Tt totottoy dAÀo menovdévar nddog ond Ts pop&s adtod (zur Sache bes. Knaack Quaest. Phaethont. p. 52f.). Ich möchte noch nicht behaupten, daß der Krieg zwischen Sonne und Mond deswegen notwendig bei Antonius Diogenes vorgekommen sein müsse; es ließe sich etwa auch denken, daß gerade aus einer halb pythagoreischen, halb rationalisierenden Bemerkung des Diogenes über den Ursprung der Milchstraße der Sonnen- und Mondkrieg bei Lukian entstanden sei. Völlig Sicheres läßt sich hier nicht wohl sagen: aber die Gelehrsamkeit, die wir in der Schilderung der beiderseitigen Hilfstruppen und der Ortsbestimmung von Lychnopolis wahrgenommen haben, paßt sehr viel besser für den seltsamen Forscher, der die ‘Wunder jenseits Thule’ aus so zweifelfreien Quellen kompiliert und diese sogar genannt hat®), als für Lukian; und die pytha7) Vorsichtshalber will ich doch hinzufügen, daß ich natürlich nicht Dinias auf der Heimkehr vom Mond nach Lychnopolis kommen lassen will, denn der hat es bequemer und hilft sich mit einem bloßen Wunsch, der ihn auf die Erde, in den Heraklestempel von Tyrus, trägt. Aber toig pév &Alotç Endorw ouvénecev Honep ybEato, und auch beim Aufstieg und Aufenthalt werden sie viel merkwürdiges rechter und linker Hand gesehen haben. °) Photios p. 111 a 30, $ 11: ‘O & oöv Atoyévns 6 nai 'Avubwog tadta névra Asıyiav sicayaydy mods Könßav tepatevodpevoy duos Ypdysı Bavorive StL te ovvrdtrer mepl Tüv bnèp BobAyy Aniorwv, nai Eu tH dde PT ’Ioddpa propadds Éxoboy th Spdpata npoopwvel. Agvet DE Eavtdy bu momrig dort

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goreischen Elemente in c. 16 und 29 verklammern auch diese Partien mit dem Uebrigen. Die ganze Schilderung der Sternenregion I 9—29 wird also in wesentlichen Zügen einheitlichen Ursprungs sein. Es bedarf wohl kaum der ausdrücklichen Bemerkung, daß Lukian sich bis zum Vorbeipassieren an Wolkenkukuksheim (c. 29), wo als direkter Gewährsmann Aristophanes eintritt und genannt wird, nicht immer ausschlieBlich an seine Hauptquelle gehalten haben muß und allerlei von anderswoher, auch eigene Scherze, an passender Stelle untergebracht haben wird. Indes wenn auch die stark parodistische Färbung erst dem Lukian angehört. warum sollte man die Nachbildung einiger Verse aus Aristophanes Frieden, wie sie oben gezeigt wurde, nicht auch jemand zutrauen, der sich nach Photios nicht wegzuredendem Zeugniß so sonderbar als ‘Dichter der alten Komödie’ bezeichnet hat?) ?. xwpwdlag maratag nal St si ual dmiora wat vevd% nAdtier, AAA’ obv Eye: neel ray nÀstorwv abt podorAoyynsévtiwy &pyatotépwy paprupiag, EE dv obv xapate tadtx auyaspolosis‘ nporkrret DE nal Exdorou PrBAtov Tobe Kvöpag ot TA toradta mpoamtepyvavto, OS wH Soxetv paptuptag yypevew tH Ämora. Diese Erklärung des Antonius, deren Glaubwiirdigkeit Rohde S. 273 f. mit Recht gegen Herchers unbegründeten Angriff verteidigt hat, ist wohl offenbar Anlaß und Vorbild für Lukians Aeußerung in seiner Vorrede, I 2: Eu zv iotopounévwy Éxaotoy od% &xwpwpdnrws MPEG TVA FVNTAL THY nakady Tota te zal ovyypapswy Kal plocépwy TOAAX zepdota nai pudwoy ovyyeygawórwy, adc zal Gvopaacri av Eypapov, el ph nai adr cor En this Gvayvboewg gavetotar ZueAAov. Nachher nennt ja Lukian wirklich ein paar solche ‘Liigenschriftsteller’, Ktesias, Jambulos und als Führer und Lehrer der ganzen Sippe den homerischen Odysseus. — Daß übrigens auch schon Antonius „in der verlockenden Gesellschaft seiner ‘älteren Autoren’ in Feuer geriet und nun auch aut eigene Hand zu fabulieren und aufzuschneiden begann“, hat Rohde sicherlich zutreffend am Porphyrios gezeigt. ®) Vgl. den Wortlaut in der vorigen Anmerkung. Rohde war später geneigt, die vordem von ihm verworfene oder umgedeutete Notiz wörtlich zu nehmen (vgl. 8. 270, 1 der 2. Aufl.: ich citiere im Uebrigen nach der ersten). — Reitzensteins neuestes Buch „Hellenistische Wundererzählungen“ habe ich erst nach Abschluß dieses Aufsatzes in die Hand bekommen. Ich möchte nicht versäumen, auf seine interessanten Bemerkungen über die Aretalogie als eine „von humoristischen Elementen durchsetzte religiös-moralische Dichtung“ (S. 22) und über „die Umbildung einer religiösen oder halbreligiösen Wundererzählung ins Unterhaltende, ja Drollige“ (S. 34, vgl. auch 60) besonders hinzuweisen, die vielleicht durch das Obige eine weitere Bestätigung finden. Auf Reitzensteins Nachweis des Unterschiedes zwischen Wundererzählung (Aretalogie) und Roman (S. 84 ff.) möchte ich noch eigens aufmerksam machen, um ein Mißverständniß des allgemein gehaltenen und gemeinten Obertitels der vorliegenden zwei kleinen Aufsätze zu verhüten.

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F. Boll, Es wäre erfreulich, wenn sich auch fir die Altersbestimmung von Lukians mutmaßlicher Quelle Antonius Diogenes aus der neuen Beobachtung etwas ergäbe. Das ist freilich nur sehr bedingt der Fall. Wie bekannt, hat Rohde 8. 254 ff. mit Hinweis auf die auch von Porphyrios bentitzten Pythagorasgeschichten den ,Romandichter in die erste Zeit des wiederbelebten Pythagoreismus, d. i. das erste Jahrhundert der christlichen Aera“ gesetzt 1): W. Schmid (im Art. Antonius Diogenes bei Wissowa I 2616) und G. Knaack (Rh. Mus. 61, 1906, S. 138) sind ihm darin gefolgt, während Ed. Schwartz (Vorträge über d. griech. Roman S. 136) aus ähnlichen Gründen dem zweiten Jahrhundert das Buch zuweist; auch W. Schmid ist neuerdings zu dieser Anschauung gekommen (Neue Jahrbücher 13, 1904, S. 469 f.). Mit aller bei der Beschaffenheit unserer Quellen gebotenen Vorsicht darf man sagen, daß die Art, wie die Sphaera barbarica berücksichtigt ist, etwas mehr in die ältere Zeit weist. Hätte der Verfasser die Sammlung des Teukros schon vor sich gehabt, so hätte er jedenfalls die Möglichkeit besessen, seine Sternenregion wesentlich reicher auszugestalten: Adonis und Aphrodite, Isis und Osiris, Hades und Styx und Fährmann, die drei Heroen und die drei Tänzer und die drei Chariten, dazu zahllose mehr oder weniger groteske Tiergestalten — dies und anderes bei Teukros hätte seme Phantasie doch wohl stärker beflügeln müssen; und daß es ihm an Neigung gefehlt habe, das Seltsame zur Geltung zu bringen, kann man gewiß nicht sagen. Was aber aus den Paranatellontenlisten des Teukros für einen. einigermaßen anschlägigen Kopf zu machen war, zeigen etwa die ‘nabatäischen’ &mota des ara10) Für mögliche Benützung des Poseidonios bei Antonius Diogenes hat Rohde S. 264, 2 auf die Geschichte vom Farbwechsel der iberischen Pferde hingewiesen; weniger sicher ist die Anlehnung an Poseidonios bei Gelegenheit der Erzählung der Oceansanwohner, daf das Meer beim Sonnenuntergang aufzische (8. 268). Die adEoperboerg von Astraios’ Augen parodieren unzweifelhaft die Lehre von Ebbe und Flut: da könnte man wieder an Poseidonios denken (vgl. H. Berger, Gesch. d. Erdkunde bei den Griechen IV 76 ff); aber hier darf man wohl direkt bis auf den Begriinder der Gezeitenkunde Pytheas zurückgehen, dessen auffallenden Reisebericht der von Antonius Diogenes doch wohl benützte (Photios 112 a 3) Antiphanes von Berga verspottet hat (Knaack, Rh. Mus, 61, 135 ff.). :

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bischen Schwindlers Ibn Wahkijja (um 904 n. Chr.) oder die beim Petrus von Abano beschriebenen 360 Gestalten (Sphaera S. 425 ff.; 434 ff). Was wir dagegen von der Sphaera barbarica bei Lukian aus dem Antonius Diogenes vor uns haben, macht den Eindruck, als ob es aus einer minder ergiebigen Quelle stamme: ungefähr so, wie wir uns Nigidius oder Asklepiades ‘barbarische Sternbilderverzeichnisse nach den Resten vorstellen dürfen. So wenig man sich also verhehlen darf, daß hier von einem festen Beweis keine Rede sein kann, so wird man doch eher geneigt sein, den Antonius vor Teukros, der etwa zu Ende des 1. Jahrh. n. Chr. gelebt haben muß, und nach Asklepiades von Myrlea zu denken: also um die Zeitenwende, vielleicht nicht gar zu fern von Nigidius, dem er nieht bloß als Pythagoreer (so Schmid bei Wissowa), sondern auch als Kenner der Geheimnisse und Mirabilia des Sternhimmels an die Seite gestellt werden kann. 2. Bardesanes und Achilleus Tatios. Der Verfasser des Romans von Kleitophon und Leukippe bringt am Schluß seine beiden Heldinnen, die Reine und die Sünderin, in die Lage, ihre Unschuld durch ein Gottesurteil zu erweisen. Die Verführerin Melite hat den gegen sie mit Grund erhobenen Vorwurf des Ehebruchs zu widerlegen; es gelingt ihr auf eine Art, die jeden an berühmte Verse in Gottfrieds Tristan über das Gottesurteil erinnert. Die tugendhafte Leukippe dagegen liefert glänzend den Beweis ihrer nach dem Vorbild anderer griechischer Romanheldinnen in aller Not siegreich. bewahrten Keuschheit (ein Motiv, über dessen dichterischen Wert sich, nebenbei bemerkt, am kräftigsten Gottfried Keller in dem Brief an H. Hettner vom 16. Sept. 1850, Bächtold II, 123, geäussert hat). Nach Rohdes Bemerkung ist hier, wie so oft, Achilleus von Heliodor angeregt worden, der ebenfalls das junge Paar zum Schlu in der Glorie einer solchen Keuschheitsprobe erstrahlen läßt (X 7 ff.). . Die besondere Art aber, wie das Gottesurteil an den zwei Frauen bei Achilleus vollzogen wird, und der Gedanke, die große Gerichtsverhandlung für jede mit einem andern

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F. Boll, Gottesurteil abzuschließen, scheint einer Quelle zu entstammen, die wir wenigstens im Auszug noch besitzen. Da der Thatsache, soviel ich weiß, nirgendwo gedacht wird, so nahe z. B. Rudolf Hirzel an ihr vorbeigegangen ist (Der Eid S. 200), so benütze ich die Gelegenheit auf sie hinzuweisen. Es werden zwei parallel stehende und unmittelbar nacheinander (VIII 13—14) vorgenommene Unschuldsproben bei Achilleus vorgeführt. Melite muß sich in der Ztuyèc bug genannten Quelle rechtfertigen, deren Wasser nur bis zur Mitte des Unterschenkels reicht, aber an dem Meineidigen, der in sie hineinsteigt, sofort bis zum Hals emporschwillt. Leukippe dagegen muß eine Höhle betreten, in der die Syrinx des Pan verwahrt wird; ist die Eintretende keusch, so öffnet: sich ihr von selbst wieder der hinter ihr verschlossene Bingang der Höhle (adtépata: af Spor dvehydyoav tod ormAalav, VIII 6,13 vgl. 14,1) und sie tritt mit dem Fichtenkranz auf dem Haupt heraus. Sowohl das doppelte Grundmotiv wie viele wesentliche Einzelzüge finden sich unmittelbar beisammen in dem Exzerpt, das Porphyrios in dem Buch mepi Ituyds aus einem Werk?!) des großen Gnostikers und Apologeten Bardesanes mitgeteilt hat (Stob. Ecl. I 3,56). Da läßt sich Bardesanes von Indern, die als Gesandtschaft zu Elagabal ziehen, unter anderm ausftihrlich erzählen, es gebe bei ihnen erstens einen doxmactiptoy genannten See, in den der Angeschuldigte, wenn er leugnet, nebst seinen Anklägern steigen muß; das Wasser reicht jedem nur bis zum Knie, aber der Schuldige sinkt nach wenigen Schritten bis zum Kopf ein. Zweitens aber (hier beginnt das wörtliche Citat aus Bardesanes)' gebe es, zum Urteil über die gesamte Lebensführung eines Jeden, der die Probe anstellen will, eine natürliche Höhle (ortj\atov adtépatov) auf einem der höchsten Berge ungefähr in der Mitte der Erde; vorne stehe in ihr ein selt..») Näher läßt sich der Titel und Inhalt des Buches anscheinend nicht bestimmen, weder aus Stobaeus noch aus dem zweiten langen Citat bei Porphyrios de abstin. IV 17: es kann sein, dali Bardesanes über die Inder in einem eigenen Buch sprach, aber sicher ist es nicht (vgl. auch J. Bernays, Theophrast über die Frömmigkeit S, 157 und Harnack, Gesch. d. altchristl. Litteratur II 1, 129).

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sames gewaltiges Gôtterbild ©); im dunklen Hintergrund aber finde man eine Thür, die der Prüfung diene: sie erweitere sich für den Schuldlosen von selber, während sie dem Sündhaften sich verengere und er umsonst an der Pforte sich abmühe. Hine so starke Uebereinstimmung der Grundlinien eines doppelten Motivs, wie sie hier vorliegt, wird wohl nicht Zufall sem. Auch noch ein paar weitere Einzelheiten weisen auf ein näheres Verhältnis hin. Melite wird nach der für die Probe üblichen Zeit von dem mpóeôpos des Gerichts begrüßt und aus dem Wasser geführt (Ge€:wodpevog éx tod Gdatog êbdye:); etwas überflüssig, da ihr die Quelle (rnyh cAtyy) nicht einmal bis an die Kniee reicht, aber verständlich als unbewußte Reminiscenz an Bardesanes, wo die versinkenden Schuldigen von den Brahmanen aus dem Wasser gezogen werden. Weiterhin befindet sich die Styxquelle bei Achilleus in einer Grotte (&vrpov, p. 206, 11), wo nach der aetiologischen Legende Rhodope und Euthynikos sich zusammengefunden hatten (VIII 12). Diesen Zug hat Achilleus wieder von Bardesanes übernommen; denn auch in dessen onyAatov befindet sich eine Quelle, die auch schon Apollonios von Tyana in einem Brief an die Brahmanen als Tavrdherov ôwp geheimnißvoll erwähnt haben sollte (Porphyrios bei Stob. a. a. O. p. 70,7 W.). So hat hier Achilleus das Motiv spielend gewandelt und einen Zug von Probe II auf Probe I übertragen. Ebenso deutlich spricht noch etwas anderes. Der Melite wird bei Achilleus ein Täfelchen um den Hals gehängt, worauf ihr Schwur geschrieben steht; dazu bemerkt Hirzel (a. a. O. 5. 200 Anm., vgl. auch 184,3): „Auch in indischen Gottesurteilen wurde, wie hier der Schwur, so dort die Anklage 12) Lassen hat in der mannweiblichen Statue eine Darstellung des Gottes Siwa als Ardhanäri erkannt, Ind. Altertumskunde II 351f. Gnostisches in der Schilderung hebt Hilgenfeld, Bardesanes S. 56,1 hervor. Weiteres über den sehr merkwürdigen Schmuck der Statue — ein Abbild aller Dinge im ganzen Kosmos — darf in Frau Marie Gotheins Abhandlung über ‘der Gottheit lebendiges Kleid’ erwartet werden [soeben im Arch. f. Religionswissenschaft IX erschienen]. — Lassens Uebersetzung (S. 348 f. und 364f.) hat den Sinn der ganzen Stelle in allen Hauptsachen derart verdorben, daß man schließlich seinen Augen nicht mehr traut. Gaisfords Ausgabe, die Lassen benutzt hat, ist an diesen geradezu unbegreiflichen Entstellungen unschuldig.

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F. Boll, auf ein Blatt geschrieben und dieses vor der Prozedur den Angeklagten angeheftet, Asiatic Researches I 390, 3951). Bei Achilleus spielt die Geschichte weit weg von Indien, in Ephesos; aber ich meine, die indische Sitte hier erklärt sich nun von selber und gibt einen kleinen Zuwachs zu Porphyrios’ Auszug aus Bardesanes; und damit wird zugleich Porphyrios als Mittelquelle unwahrscheinlich. Die weiteren Motive, die Achilleus hineinverwoben hat, brauche ich hier nicht zu untersuchen; einiges Licht wird auch schon von dem Gesagten auf Achilleus kompositionelles Verfahren gefallen sein. War die Höhle einmal gegeben, so lag Pan als ihr Bewohner nicht ferne, auch ohne daf er etwa, nach bekannten stoischen Mustern als 1 n&y umgedeutet, den Allgott der indischen Höhle hätte vertreten sollen. Die Syrinx, durch die ein so abgeschmaekter Gedanke wie Pan YuordpYevos als Keuschheitsbewährer möglich wurde (der Dichter läßt sich nach seiner Art die Gelegenheit zur Pikanterie auch nicht entgehen, VIII 13), stammt wohl aus Longus "), vgl. die Erzählung des aittov bei diesem II 34 mit Achilleus VIII 6,7. Zum Schluß sei noch bemerkt, daß Bardesanes als direkte Quelle für Achilleus kaum auffallen könnte, auch wenn er als Christ dem 5. (oder gar 6.) Jahrhundert angehört haben sollte; Bardesanes’ blühende Schule in Edessa ist erst zwischen 412 und 435 unterdrückt worden, und er wurde trotz seiner Ketzerei auch von Kirchenvätern sehr geschätzt'?). Ist Achilleus dagegen ein Jahrhundert älter und Heide gewesen (Wilamowitz 15) setzt ihn rein vermutungsweise vor c. 350), so hat 13) Wie mich mein verehrter College Jolly belehrt (vgl. seine Schrift ‘Recht und Sitte’ in Bühlers Grundriß d. indoar. Philol. S. 145 f.), wurde das Blatt in Indien auf dem Kopf des Angeklagten befestigt; es galt solange mit dem Kopf unter Wasser zu bleiben, bis ein gleichzeitig abgeschossener Pfeil von einem schnellen Läufer zurückgebracht wurde. — Vgl. auch W. Hertz im Tristan, S. 598 #. 14) So schon Rohde 8. 503,1. Wernicke in Roschers Lexikon III 1 p. 1467 bezeichnet die Geschichte von Pan und Syrinx zutreffend als die witzelnde Erfindung eines müssigen Kopfes, hat aber den Longus vergessen. 15) Vgl. Jülicher bei Wissowa Realencykl. II 9. Hieronymus adv. Jov. hat die Schrift des Bardesanes, in der die Inder vorkamen, auch verwertet, aber aus Porphyrios (vgl. Schwanbeck, Megasth. fragm. p. 49 n. und dazu Bernays a, a. O. 8. 158). 16) Kultur der Gegenwart I 8 S. 188.

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seine Benützung des Christen Bardesanes, cuius etiam philosophi admirantur ingenium, an Porphyrios eine auch zeitlich nahe Parallele. Ich neige mehr zu dieser früheren Datierung; denn wenn ich nicht irre, so ist Rohdes einziger Beweis für seine späte Datierung des Achilleus hinfällig. Achilleus soll den Musaios benützt haben. Schon Christ hat in der Griech. Litteraturgeschichte* S. 849f. bemerkt, daß man das Verhältniß auch umkehren könne. Vielleicht läßt sich noch etwas bestimmteres sagen. Gerade in der Hauptstelle p. 42, 13—18, zu der Musaios v. 92—98 unzweifelhaft in irgend welcher Beziehung, als Quelle oder als Nachahmung, steht, ist mancher Zug eher dem Achilleus als dem Musaios eigentümlich, z. B. die dvatdeta, die schon Photios für Achilleus charakteristisch fand; ganz besonders aber die Wendung von der Schönheit, die Ga Tv Optakpöv eis thy buxyv xatappet. Das ist von Achilleus V 13,4 (p. 140,10 H.) ausführlich wiederholt und auf Grund einer in der Hauptsache epikureischen Optik weiter ausgeführt (7) & Tob xdAAcug Ndovi) ora TÜV Ôppdrwvy êropéouvoa Toig otépvors Eyaddınraı" ÉAxouox dE tod Epwpevou TO et wAov del évarondtre tH Tio Voxijs xatontew zal dvankdtTEL THY gopphy: dE to ndÂhovs dmoppok à apavOy axtivey End Tv Epwvxhv EAnopevy rapdlav Evanooppayilsı xdtw Tv oxdy). ‘Aroppoh kommt in diesem Sinne bei Epikureern neben etéwAov vor (Zeller III 1° p. 422 nach Timagoras Doxogr. p. 403). Wie geläufig dem Achilleus diese Vorstellung war, zeigen auch andere Stellen, z. B. VI 6,4; 7,5, wo stets das Wort éetv gebraucht wird. Hat er das also sicher nicht aus Musaios, wo gerade die charakteristische optische Begründung und Terminologie fast völlig verwischt ist, so bleibt bei der sonstigen wörtlichen Berührung der verglichenen Stellen nur das Umgekehrte übrig, also die Annahme der Benützung des Achilleus durch Musaios. Die übrigen von Rohde angeführten Stellen beweisen nichts für das Gegenteil. Würzburg. F. Boll.