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View in PDF(opens in a new window)"Anax chainÂ?s HadrianA%s" [Greek] Kornemann, E Klio; Jan 1, 1907; 7, Periodicals Archive Online pg. 278
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278
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Avaë naivos Adoıavog.
Von E. Kornemann.
Die Giessener Papyrussammlung') enthält unter Inventar-Nr. 20 ein
höchst merkwürdiges Stück, das ich hier vor dem Erscheinen der Gesamtpublikation mitteilen möchte. Der Papyrus (s. die Tafel) hat eine Grösse
von 13>< 11 cm.
Er ist einseitig und zwar auf dem Recto beschrieben.
Die Schrift ist von geübter Schreiberhand geschrieben, nur an einzelnen
Stellen ?) mit Worttrennung, die im folgenden Text durch grössere Spatien
kenntlich gemacht sind.
Der Text lautet:
donarı Levrondlor
ovvarvareiiag
dort Toatar[ cr)
Tjxo oo, © Ôùulel,
oùx dyvwotos Doißog Fedg dvaxra xavoy “Adguavoy dyyeillov],
Gt navıa doöÂa [dt] doerijv x[ai]
nargòs thynv Heoù xaigovres.
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toryagoty Idvortes tag éotias
dvdntwuev yéhwou Kal uéHats taig dnd zeivns tag Wvyds
duévres yvuvaolav te addeiuuacı, OY ndvraov yoornyor TÙ
eds tov xÓgiov edoefès Tod otgaınyod
<<xai») prhóriuóv TE tO nçùs
[roy dior] oder [Ouds].
|
„Auf weissrossig bespanntem Wagen eben mit Traianus
emporgestiegen komm’ ich, nicht unbekannt Gott Phoebus, Dir, o Volk,
zu künden als neuen Herrn Hadrianus,
dem alles freudig untertan sei ob seiner Tüchtigkeit
und des Glückes des vergöttlichten Vaters.
Drum denn lasst uns also zum Opfer
die Herde anzünden, Jauchzen und
berauschendem Trank vom Quell die
1) Die Sammlung befindet sich im Museum des Oberhessischen Geschichtsvereins,
das durch die offene Hand eines stets bereiten Férderers der Wissenschaft auch diesen
Schatz erworben hat. Ich méchte das erste Stick nicht hinausgehen lassen, ohne
ihm nochmals meinen herzlichsten Dank auszusprechen.
2) Auffällig sind die Lücken innerhalb einzelner Worte: Z. 5 do err, Z. 6
mated ç, 2. 7 éori a.
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View in PDF(opens in a new window)"AvaÈ nawvds ‘Adoiavos.
Von E. Kornemann.
Die Giessener Papyrussammlung ‘) enthält unter Inventar-Nr. 20 ein
höchst merkwiirdiges Stück, das ich hier vor dem Erscheinen der Gesamtpublikation mitteilen möchte. Der Papyrus (s. die Tafel) hat eine Grösse
von 13x 11 cm. Er ist einseitig und zwar auf dem Recto beschrieben.
Die Schrift ist von geübter Schreiberhand geschrieben, nur an einzelnen
Stellen ?) mit Worttrennung, die im folgenden Text durch grössere Spatien
kenntlich gemacht sind.
Der Text lautet:
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|
douati AevnonoAvı dor Toaravdi]
ovvavareiias fijxo co, © Önulel,
oùx diyvwotos DoiBos veds dvaxra xavoy "Adoravòv dyyéli[ ov],
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[tov önuov] oder [duds].
„Auf weissrossig bespanntem Wagen eben mit Traianus
emporgestiegen komm’ ich, nicht unbekannt Gott Phoebus, Dir, o Volk,
zu künden als neuen Herrn Hadrianus,
5
dem alles freudig untertan sei ob seiner Tüchtigkeit
und des Glückes des vergöttlichten Vaters.
Drum denn lasst uns also zum Opfer
die Herde anzünden, Jauchzen und
berauschendem Trank vom Quell die
1) Die Sammlung befindet sich im Museum des Oberhessischen Geschichtsvereins,
das durch die offene Hand eines stets bereiten Förderers der Wissenschaft auch diesen
Schatz erworben hat. Ich möchte das erste Stück nicht hinausgehen lassen, ohne
ihm nochmals meinen herzlichsten Dank auszusprechen.
2) Auffällig sind die Lücken innerhalb einzelner Worte: Z. 5 de etyv, Z. 6
natoò ¢, Z. 7 ¿ori ac.
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View in PDF(opens in a new window)Papyrus Gissensis No. 20.
Zu Kornemann, Avaë xacvdc ‘Adouarvdc
Klio VII 2 8. 278.
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View in PDF(opens in a new window)“Ava& xawös Aôgpravós.
Herzen hingeben, sowie dem Salbenduft der
Gymnasien, lauter Dingen, die wir verdanken
des Strategen ehrerbietigem Sinn für den
Herrn und seiner Liebe zum Volke (bezw. zu Euch)“.
Die einzelnen Zeilen umfassen zwischen 20 und 28, im Durchschnitt also 24 Buchstaben.
An vier Stellen (Z. 3/4, 8/9, 10/11, 12/8) sind die Schlussworte auf zwei Zeilen
verteilt, aber nur an der letzten Stelle (Z. 12/8) wäre, im Falle die Wortteilung nicht
erfolgt wäre, das Buchstabenmaximum pro Zeile (28) überschritten worden.
Z. 1 stand zunächst Asveonwıwı und das erste © ist dann in o verbessert worden.
2. 2 ist w vor éjufe] auffällig geschrieben; offenbar hat der Schreiber zweimal
angesetzt.
Z. 5 sind nach doüha etwa zwei Buchstaben verloren gegangen, deren Ergänzung
Schwierigkeit bereitet. Am ehesten ist wohl eine Präposition hier ausgefallen, etwa
dé], wovon die folgenden Accusative abhängig sind. Denn die letzteren mit yargovtec in Verbindung zu bringen, geht wohl nicht an.
Z. 6 sind die letzten drei Buchstaben von yaœoovtec sehr schwer zu lesen. Am
besten erhalten ist das Sigma am Ende der Zeile, ziemlich deutlich auch z, während
e zweifelhaft genannt werden muss. Ist die Lesung richtig, so fragt sich, wie das
Wort grammatisch zu beziehen ist.
Am nächsten liegt es, das Partizip noch zum
Vorhergehenden zu ziehen; dann haben wir die Inkonzinnität navr« Jodie — yaioovreg in Kauf zu nehmen. Oder aber mit yeigovres und nicht erst mit roıyagodr
beginnt der neue Satz *), dann stehen aber zwei Partizipien ya/oorvtes — 9tovreg asyndetisch und höchst unschön neben einander. Ich bin auf den Rat von W. Schmid den
ersten Weg gegangen, zumal neben yé/.wor im nächsten Satz yalgovreg überflüssig wäre.
Z. 13 stand ursprünglich zat im Text, das aber ausgestrichen und durch ein hinter
gılörıuov übergeschriebenes te (kaum noch leserlich) ?) ersetzt worden ist, offenbar
mit Rücksicht auf den Rhythmus.
Z. 14 ist höchstens noch zur Hälfte beschrieben gewesen. Die Ergänzung nedc
[cov dquor] ergibt sich aus dem Gegensatz zu noög Tv zvgtov in Z. 12°) und aus der
Anrede des Gottes in Z. 2, endlich auch aus dem vorhergehenden giddtiuov. Didotite, „dieses Lieblingswort des Hellenismus“, bedeutet allgemein „Betätigung des
Gemeinsinnes“#). Auf Inschriften ist die Hervorhebung der eèoéfeux (meist allerdings
gegen die Götter?) und gleichzeitig der gitotiuia noòg tov dijuov sehr häufig®). Die
Ergänzung noös [buêc] ist ein Vorschlag meines Freundes P.M. Meyer und ergibt
sich aus seiner Auffassung des ganzen Dokumentes ?).
1) Toryegoty steht in der Kowr, wie mich W.
Schmid belehrt, nicht nur an
erster, sondern auch an zweiter Stelle, z. B. in den ersten 18 Büchern des Polybios
unter 29 Fällen zehnmal, ebenso bei Philo Alex. leg. all. III § 219, Galen Ser. min. II
p. 83. 23 (Ausg. von Müller), Urk. hadrianischer Zeit BGU. 140 Z. 20, Inschrift von
Oinoanda 45 III 13/4 Bull. Corr, Hell. XXI 1897, p. 387. 442, Pap. Oxyr. 1. 124 2.7 (8.
Jahrh.), an fünfter Stelle bei Philodemos de musica p. 83 17/8 (Ausgabe von Kemke).
2) Dieses te entdeckte mein Mitarbeiter Dr. iur. Eger in Giessen, dem ich
auch für sonstige Unterstützung zu Dank verpflichtet bin.
3) Die gleiche Gegenüberstellung von Herrscher und Volk auf der Inschrift Dittenberger Or. gr. inser. I 49 aus Ptolemais (Zeit des Ptolemaios III Euergetes):
Aylalve gov Toö te BacılEwcxaitfienökencg.
4) K. Buresch, Aus Lydien 8. 19 f.
5) Edo&ßsıw gegenüber dem Kaiser (Commodus): Dittenberger a. a. O. II 509. 5.
6) Vgl. Dittenberger Syll. II? 521. 46; 606. 20; 635. 19; 636. 20; 649. 28; 650. 46;
651. 9; 727. 22; Or. gr. inser. I 352. 23. — 7) Darüber unten S. 287 f.
Page 5
View in PDF(opens in a new window)E. Kornemann,
Die Sprache der Aufzeichnung ist entsprechend dem Inhalt voll von
poetischen Wendungen. Stellenweise glaubt man Verse vor sich zu haben.
In Wirklichkeit ist es rhythmische Prosa, in der durch die Spatien bezw.
(in Z. 2. 4. 6) durchs Zeilenende die einzelnen xöÂa geschieden sind.
Inhaltlich zerfällt der Text in zwei Abschnitte:
I. Z. 1—6: die frohe Botschaft des Gottes,
Il. Z. 7—14: die Aufforderung zur Feier des verkündeten Ereignisses.
I. Phoebus Apollo ist, so erzählt er, auf dem Sonnenwagen mit Traian
zum Himmel gefahren *) und verkündet selbst die Thronbesteigung Hadrians,
des „neuen Herrn“. Der Todestag Traians ist nach der offiziellen Version
der 10. August 1172), der dies imperii Hadrians, d.h. der Tag, an dem er
nach Empfang der Todesnachricht in Antiocheia durch die Legionen des
syrischen Heeres zum Kaiser ausgerufen wurde, der 11. August). Hier
kommt es aber nicht auf den Todestag Traians an, sondern auf den Tag
seiner Konsekration, die etwas später in Rom durch den Senat erfolgte.
Das Datum dieses Ereignisses lässt sich nach der vita Hadriani, die
hier (5, 5 ff.) streng chronologisch nach der besten Quelle, dem Werk des
tüchtigen Anonymus*), berichtet, annähernd bestimmen. Sub primis imperii
diebus schreibt der Gardepräfekt und Kaisermacher Acilius Attianus, noch
von Selinus aus), einen Brief an Hadrian, worin er zu scharfem Vorgehen gegenüber einer Anzahl verdächtiger Persönlichkeiten auffordert.
Hadrian leistet dieser Aufforderung keine Folge, sondern ersetzt nur den
Lusius Quietus, den führenden Mann unter den Generälen des alten Regimes,
sofort durch Marcius Turbo. Dann erst erfolgt die Reise des neuen Machthabers nach Selinus ad inspiciendas reliquias Traiani und die Anordnung, dass
die Gebeine des Vorgängers von Attianus, Plotina und Matidia nach Rom
überführt würden. Nachdem deren Einschiffung erfolgt ist, kehrt Hadrian
nach Antiocheia zurück.
Von hier sendet er an den Senat ein Schreiben,
worin er für Traian um die divini honores bittet, seine Ausrufung zum
Kaiser (praepropere!) durch die Truppen anzeigt und zugleich um die Bestätigung nachsucht ®). Der Senat bewilligt alles, was verlangt wird, ja er
1) Eine Himmelfahrt auf dem &oue Aevzönwrov auch auf dem Relief der Ara zu Ehren
des Augustus im Vatikan, abgebildet bei Raoul Rochette, Mon. ined. Taf. LXIX Nr. 1, darnach Gardthausen, Augustus II 3 S. 874; vgl. auch Jordan, Ann. dell’ Inst. 1862 p. 305,
Gerhard-Platner, Beschr. d. Stadt Rom II S. 141 Nr. 55, CIL VI 876 = Dessau I 88.
2) Schulz, Leben des Kaisers Hadrian S. 15, W. Weber, Die Adoption Kaiser
Hadrians, Heidelb. Diss. 1907, S. 40. — 3) Vita Hadr. 4. 7.
4) Ueber diesen Autor vgl. meine Ausführungen in Kaiser Hadrian 8. 70—120.
5) W. Weber, der zuletzt diese Dinge behandelt hat (a. a. O. S. 44), lässt den
Brief ohne hinreichenden Grund erst von Rom aus geschrieben werden; über den
streng chronologischen Bericht der Vita an dieser Stelle (abgesehen von 5. 10 am
Schluss) vgl. Schulz, a. a. O. S. 29; 35 und mein Buch Kaiser Hadrian 8. 22 f.
6) Kaiser Hadrian S. 22.4 habe ich noch gefragt, ob hier ein oder zwei Schreiben anzunehmen seien. Sicher handelt es sich um nur ein Schreiben und darauf
bezieht sich auch Cassius Dio 69. 2. 2, vgl. W. Weber $. 43.
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View in PDF(opens in a new window)Himmelfahrt
auf der Augustus-Ara des Vatikans.
Zu Kornemann, ‘Aves zawòe Adoravég
Kho VITY 8. 280 Anm. 1.
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View in PDF(opens in a new window)"Avag zamvòs Adgıavoc.
geht noch über die Forderungen Hadrians hinaus. Es verstreichen also ein
paar Tage, ehe die Fahrt nach Selinus angetreten wird, allermindestens drei
bis vier Tage (das sind die primi imperii dies), für die Reise sind dann als
Minimum ebensoviele Tage anzusetzen !). Endlich ist die Zeit in Rechnung zu
stellen, die der Brief an den Senat von Antiocheia nach Rom braucht, wofiir
Schulz etwa 1/2 Wochen annimmt?), und der Tag der entscheidenden Senatssitzung. So kommen wir mit dem Tag der Konsekration Traians auf etwa
21/2 bis 3 Wochen nach dem 11. August. Es vergehen dann nochmals mindestens 11/, Wochen, bis die Antwort des Senates bei Hadrian eintrifft.
So
können wir sagen, dass frühestens um die Mitte des September 117 die Konsekration Traians in Syrien bekannt gewesen sein wird. Damit ist annähernd
auch die Zeit bestimmt, in der unser Papyrus verfasst ist, d. h. im Anfang
des zweiten (ägyptischen) Jahrs Hadrians, frühestens im Oktober 117).
Für die Frage nach dem Orte ist der Umstand von Bedeutung, dass
in Z. 12/3 ein Stratege erwähnt wird. Daraus geht hervor, dass mit @
önule] in Z. 2 die Bevölkerung einer ägyptischen „Stadt“ *) oder eines Gaues
bezw. einer Gaumetropole angeredet wird ®). Im letzteren Falle, der, wie
sich gleich zeigen wird, allein in Betracht kommt, fragt es sich, welcher
von den ägyptischen Gauen gemeint ist. Hierfür lässt sich aus der Herkunft des Papyrus ein Anhalt gewinnen. Derselbe wurde mit einer Briefsammlung, wovon die Hälfte zuvor von Herrn Melchers für Bremen gekauft
worden ist, in Eschmunên (Hermupolis Magna) erworben), andere Stücke
derselben Herkunft sind nach Florenz gelangt und neuerdings von Vitelli,
nach dessen Angabe sie von Händlern im Faijüm gekauft wurden, herausgegeben worden ‘). Die Schreiben sind gerichtet an “Anoddwviwt otoatny@ "AnoAlwvonoleirov "Ertarwuias oder abgekürzt otgatny@ “Entaxouias, und zwar stammen die datierbaren Stücke der Giessener Samm1) Ueber die Dauer der Reise von Antiocheia nach Selinus siehe die Berechnung
von Schulz S. 15, etwas anders Weber S. 36 f.
2) A. a. 0. 8.37. — 3) Vgl. hierzu Wilcken, Ostraka I 8. 800 ff.
4) Wir wissen jetzt, dass selbst Alexandreia schon seit der Ptolemäerzeit einen
Strategen (steatyyde tig nö)ew;) gehabt hat, M. L. Strack, Archiv II S. 134 nr. 18,
Wilcken ebda. S. 335, vgl. Ostraka 1 8. 624.
5) Ajuog zur Bezeichnung der Gesamtheit der Bürger einer Gaumetropole begegnet, wenngleich selten, auch sonst in Urkunden; vor 202: P. Oxyr. III 473 (Zeit
des Antoninus Pius): [Èdoge vois tijs Auungoreing nóhewg toy ’Okvevyy|itoy kezover
zui TÔ Shum ri, dazu P. M. Meyer (Berl. phil. Wochenschr. 1904 Sp. 496), dessen
Freundlichkeit ich diese und die folgenden Stellen verdanke; nach 202: Wessely
CPHermop., Studien zur Paläogr. u. Papyrusk. V, 1905, nr. 121, P. Oxyr. I 41 Z. 19
u. 26, BGU. 884 I Z. 27.
6) Ueber die Bremer Stücke vgl. die ersten Andeutungen von Wilcken, Archiv
IV $. 163 ff.
7) Atene e Roma VII, 1904, Nr. 64/5 Sp. 120—125; dazu Wilcken, Archiv III S. 305 f.,
IV S. 163 ff.; der von Vitelli am Schlusse veröffentlichte Brief der Eudaimonis an ihren
Sohn Apollonios bezieht sich auch auf den Strategen. Das geht aus Pap. Giss. Nr. 26.
97 (Anorr.ovion tH ta) und Nr. 96 (AAivnı tie Jvyaroi, d. i. die Gemahlin des A.) hervor.
Page 8
View in PDF(opens in a new window)E. Kornemann,
lung alle aus dem zweiten und dritten Jahr (117/8 und 118/9) der hadrianischen Regierung '). Das topographische Problem hat soeben Wilcken
auf Grund der Bremer Stücke behandelt *). Der Apollonopolites der neuen
Papyri liegt in der Thebais und ist der Gau des nördlichen Apollinopolis Parva,
das auf dem libyschen Ufer des Nils südlich vom ‘Ywndirys (Ptol. IV 31) und
gegenüber dem “Avtatomoditns (Ptol. IV 32) anzusetzen ist. Der Zusatz “Enraxouias erklärt sich aus dem Bestreben, diesen Apollonopolites von dem
gleichnamigen Gau von Apollinopolis Magna (Edfü) zu unterscheiden. Wie
Wilcken — im Gegensatz zu Vitelli — richtig gesehen hat, ist “Enrraxœuia, das schon auf einer Inschrift ptolemäischer Zeit begegnet ?), und
wohl von einem Ptolemäer durch Synoikismos von sieben Dörfern gegründet
worden ist, die Metropole des Gaues, die, wahrscheinlich bei der Errichtung
des neuen Nomos, offiziell AnöAAwvog xôls genannt wurde, ohne dass
aber der alte Name Heptakomia ganz dadurch verdrängt wurde). Der
Gau ist nämlich jungen Ursprungs; erst unsere Papyri und dann GauMünzen ebenfalls hadrianischer Zeit (aus dem 11. Jahr) °) erwähnen ihn,
während Plinius nur einen Gau dieses Namens und zwar den von Apollinopolis Magna kennt. Die Gründung fällt also etwa in die flavischtraianische Zeit, am ehesten erst unter Traian ®). Auffällig ist, dass der
Gau bei Ptolemaios nicht erwähnt wird. Die Vermutung liegt nahe, das
Fehlen durch die Benutzung einer älteren Quelle, wie auch anderswo bei
diesem Autor, zu erklären; diesen Ausweg versperrt aber die Erwähnung
des erst im Jahre 130 von Hadrian geschaffenen Avtivoitys und der ‘Avtvóov nölız IV, 5. 30, falls nicht hier eine Einarbeitung in die ältere Quelle
vorliegt. Ist das letztere nicht der Fall, so bleibt nichts anderes übrig,
als die Liste des Ptolemaios als unvollständig zu bezeichnen.
Auf keinen
1) In Betracht kommen Pap. Giss. Nr. 16 und 31 (2. Jahr des Hadrian), Nr. 8
und 9 (8. Jahr), Nr. 40 (ebenfalls aus d. 3. Jahr, erwähnt in Z. 10—12 den grossen
Steuererlass Hadrians vom Jahre 118: êxei ov 6 xtg.og fuir Adpiavòc Kaïoag Ze
Baoròs Teguavixdg Auxızös IlegYıxös txotgucey Tov Evywolov Ta Boon xadohixag di
nooyoduuaroc etc), Nr. 30 und 42 (das Jahr Hadrians ist leider nicht erhalten). Die
einzig datierbare der Vitellischen Urkunden stammt auch aus dem 2. Jahr Hadrians.
2) Archiv a. a. O. (s. 8. 281 Anm. 6). — 3) Dittenberger Or. Graec. inser. I 52.
4) Die andere Möglichkeit, die Wilcken in Erwägung zieht, dass vielleicht „eine
Ortschaft ‘Enraxwuia (zeitweise) die Metropole Apollinopolis überflügelt“ habe, kommt
wohl nicht in Betracht.
5) Wilcken spricht unter Bezugnahme auf Eckhel D. N. IV p. 106 nur von einer
Münze; bei F. Feuardent, Numismatique de l Égypte anc. II p. 331 ist noch eine zweite
publiziert, auf der Rückseite ebenfalls mit der Umschrift ENTTAK2 L.IA, aber mit
einer anderen Darstellung, nämlich einer stehenden männlichen (nicht weiblichen,
wie F. meint) Gestalt (Apollo ?), die sich mit der erhobenen Rechten auf ein Szepter
stützt und in der ausgestreckten Linken den Sperber hält.
6) Vielleicht ins 12. oder 13. Jahr dieses Kaisers (108/10), die ähnlich wie das 11. des
Hadrian (126/7) durch die Prägung von Gaumünzen ausgezeichnet sind, Eckhel D. N.
IV S. 99, Parthey, Zur Erdkunde des alten Aegypten, Abh. der Berl. Ak. 1858 8. 517,
Feuardent a. a. O. II S. 293.
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Fall ist aus der Nichterwähnung des Apollonopolites bei ihm mit Wilcken
der Schluss zu ziehen, dass „der Gau als selbständiger Verwaltungsbezirk
nur ein kurzes Dasein gehabt zu haben“ scheine. Denn auch andere Gaue,
deren Fortexistenz durch sichere Zeugnisse erwiesen wird, fehlen bei Ptolemaios*). Zudem ist P. Oxyr. III 488, falls von den Herausgebern richtig
datiert, eine Gegeninstanz *). Endlich begegnet gerade unsere “AndAdwvos
zróÂis noch in der christlichen Zeit als Bischofssitz unter dem Namen
"Anoddwvera.
Das aber ist, ähnlich wie bei den gallischen civitates*), der
1) Ptolemaios gibt für die Thebais nur die Namen von elf Gauen. In der folgenden Liste (die Nilseite nach der Lage der Metropolen) sind die bei ihm fehlenden
kursiv, die seit Plinius (s. dessen Liste von 13 Gauen H. N. V, 49; sie ist auch nicht
fehlerfrei — der Pathurites steht fälschlich neben dem Hermonthites, während in
Wirklichkeit der letztere den ersteren ersetzt hat, Gerhard, Philol. 63, 1904, S. 523
und 555 (Karte S. 522). vergessen dagegen ist der Perithebas und der Gau von Elephantine — und stammt sicher nicht aus der Reichsstatistik des Agrippa und Augustus, Cuntz, Fleckeis. Job. für klass. Phil. XVII, 1890, 8. 521) hinzugekommenen gesperrt gedruckt:
Libysche Seite:
|
Arabische Seite:
1) Lykopolites
11) Antaiopolites
2)
Hypselites
12) Panopolites
3) Apollonopolites Heptakomias | 13) Koptites
4) Aphroditopolites
14) Thebarum nomus = Diopolites (ma5) Thinites
gnus) (fehlt bei Plinius)
6) Diopolites (parvus)
15) Ombites
7) Tentyrites
16) Elephantine et Philarum nomus (fehlt
8) Hermonthites
auch bei Plinius).
9) Latopolites
10) Apollonopolites
Es fehlen also nicht weniger als fünf Gaue, die wir aus Inschriften und Papyri sowohl
für die Zeit vor wie nach Ptolemaios kennen, weshalb es auch verfehlt ist, wenn Gerhard (a. a. O. 8. 523 A. 70 und 555) nur auf Grund der ptol. Liste das Aufgehen des Latopolites im Hermonthites behauptet, vgl. z. B. BGU. II 672 Z. 3 aus dem 6/7. Jahrh.
Gegeniiber der plinianischen Liste aus dem I. Jahrhundert liegt die Veränderung bei
Ptolemaios in dem Hinzukommen von Nr. 2 und 3, dem Hypselites und unserem
Apollonopolites, zwei Gauen in derselben Gegend. Wie im Text betont,
ist es sehr auffällig, dass Ptolemaios von diesen zwei neuen Gauen nur den Hypselites nennt. Das legt die Vermutung nahe, die auch Wilcken schon gestreift hat,
dass vielleicht der Apollonopolites an die Stelle des Aphroditopolites getreten ist.
Dieser Weg aber ist nur gangbar, wenn wirklich, wie die Numismatiker glauben, die
erhaltenen Gaumiinzen traianischer Zeit aus einem Aphroditopolites (Eckhel D. N.
IV p. 102, Feuardent IT 3536 u. 3537) auf den gleichnamigen Gau der Heptanomis
(Ptol. IV 5.28) sich beziehen; ebenso die Papyri mit Aphroditopolites, z. B. Nicole,
Rev. Arch. 1894. I 8. 65 ff., Wilcken, Archiv IIL S. 370 ff. (a. 147/8), weiter BGU. 244
7. 9 (Regierung des Gallien), 349 Z. 3 (a. 313; beide Papyri stammen aus dem Faijüm).
2) Wilcken hat diesen Pap. nicht berücksichtigt; vgl. Z. 6: "AnoAAwvonokitng,
2. 13 u. 38: ’AvrauonoAitng als Nachbargau, Z. 9/10: Atxwv nörız. Als Zeit der Urkunde geben die Herausgeber an: Late second or third century.
3) Auf diese Analogie zu den ägyptischen Nomen habe ich schon früher hingewiesen: NJbb. für das klass. Altert. III, 1899, S. 124.
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beste Beweis, dass die Gemeinde bis ans Ende der Antike ein „selbständiger
Verwaltungsbezirk“ gewesen ist !).
In diesem Axollwvonolirns und zwar in der Metropole ‘Extaxwuia
findet also statt, was unser Papyrus berichtet, und der Z. 12/8 erwähnte
Stratege ist der damals an der Spitze des Gaues stehende Apollonios unserer
Briefe und Urkunden. Nun fällt aber sofort Licht auf etwas anderes.
Doißos Heós ist der höchste Gott des Gaues, der als Apollo verehrte Sperbergott Horos der Aegypter®), der daher sehr verständlicher Weise als odx
dyvworog bezeichnet wird.
Ein paar Bemerkungen erfordern nun noch die Worte des Gaugottes, die
in Z. 5 und 6 enthalten sind. Interessant ist die Aufforderung an die Bevölkerung, dem „neuen Herrn“ freudig zu dienen. Ist das nur der vó7zos von
der dogiùj êxóvrov bezw. êdeAóvrov, wie die wahre Baotdeia in der kynischen
Philosophie definiert wird *), oder erklärt sich die Wendung vielleicht aus den
Schwierigkeiten, mit denen Hadrian im Anfang seiner Regierung zu kämpfen
hatte? Begründet wird die Aufforderung mit dem Hinweis auf die dget des
neuen und die téyn*) des gewesenen Kaisers. Virtus und fortuna aber sind
die beiden Haupteigenschaften tüchtiger Herrscher auf dem römischen Throne.
Durch die Verteilung dieser Qualitäten auf die beiden Kaiser werden sie entschieden einander nahe gebracht, in ähnlicher Weise wie durch die Uebernahme aller Ehrennamen des Traian durch Hadrian in den ersten Jahren
seiner Regierung, darunter auch des Titels Optimus = "Agıorog?) (doerú!
s. o.). Noch interessanter ist, dass durch die Worte watods Seod die
Adoption Hadrians besonders unterstrichen wird. Somit geschieht hier dasselbe wie durch die sofort geschlagenen Adoptionsmünzen, in denen aber, wie
kürzlich von Weber richtig bemerkt worden ist“), „kein Beweis für die
Adoption, eher ein Zeichen der Unsicherheit gesehen werden kann“.
II. Auf die Verkündigung der Konsekration Traians und der Thronbesteigung Hadrians folgt nun im zweiten Abschnitt Z. 7—14 der Aufruf
zur Feier des Ereignisses, und zwar soll sich die Feier zusammensetzen
1) Vgl. hierzu E. Kuhn, Verfassung des röm. Reiches ILS. 501, A. Simaika, Essai
sur la prov. Rom. d'Égypte S. 205.
2) Zur Gleichsetzung von Horos = Apollo vgl. Erman, Die aeg. Religion S. 176,
Dittenberger Or. gr. I 114 p. 194 A. 3. Wilcken, Archiv III S. 306.
3) Vgl. K. Joël, Der echte und der Xenoph. Sokrates I 1 S. 78 f. und ausser den hier
angeführten Belegen Xenoph Oec. 21. 12, Vergil Georg. IV 561 (Hinweis von W. Schmid).
4) Ueber die tiyy der Herrscher (rúyn Bactdéwe in den hellenistischen Reichen,
fortuna Augusti bei den Römern), die dann selbst wieder zur Göttin erhoben worden
ist, vgl. meine Herrscherkulte, Klio IS. 91 f. und die S. 92 A. 1 angeführte Literatur.
5) $. o.$. 282 Anm. 1: Pap. Giss. 16 und 40. Vitellia. a. O. Sp. 121 Z. 6 ff. und Z. 24:
tiv aùroxpdropog Haioagos Toaïuvoë *Adguavod [’ Aloictov EeBuotoö Tepuavızod Aaxxo[5]
Ileg81x00 Téynv, ausserdem auf Münzen, v. Rohden, Pauly-Wissowa I Sp. 499 f., Wilcken,
Archiv III S. 306.
6) A. a. 0. 8. 41 f Im übrigen vgl. zu der Frage nach der Adoption Kaiser
Hadrian 8. 11—21.
Page 11
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aus drei Teilen: 1) Opfern, 2) Jubel und Festgelage, 3) emem gymnischen
Agon, d. h. denjenigen Bestandteilen, die wir bei Thronbesteigungs- und
Geburtstagsfeiern in der Regel finden’). Das Fest aber wird hergerichtet
und auch seine Kosten werden getragen von dem Strategen, der damit als
treuer Beamter nach oben und unten, gegen Herrscher und Volk, seine
Pflicht erfüllt. Unklar sind in diesem Abschnitt nur die Worte, mit denen
der zweite Teil des Festes angedeutet wird: uédous vais add nonvns. Was
für ein Quell ist es, an dem man sich berauschen will? Man denkt zunächst
an einen heiligen Quell, etwa im Apolloheiligtum 2), an dem die Gläubigen
1) Dass die Feier des Thronbesteigungstages der des Geburtstags eines Herrschers
er(beide wurden in der Regel monatlich, nicht nur jährlich gefeiert) ähnlich verlief,
gr.
Or.
ger
gibt sich für die hellenistische Zeit aus den Dekreten von Kanopos (Dittenber
(für
agh
Nemrud-D
vom
156 Z. 5 ff.) und Rosette (ebda. 90 Z. 46 ff.), aus der Inschrift
Antiochos I von Kommagene, Dittenberger 383 Z. 82 ff: omuatoc usy yee &nod
yevéditov Addvatov sxxoudexdtyy,
dıadnuaroc dè Adov dexctyy apiéeowoa xt).
vgl. Z. 132: év 6& yeveYAloıg fugouts), für die römische Zeit aus den arsinoitischen
XX S. 430 ft.
Tempelrechnungen vom J. 215 n. Chr. BGU. 362, dazu Wilcken, Hermes
(Thronbesteigungsfeste: vgl. frg. I 10 ff, pag. XI 15 ff., Geburtsfeiern: pag. X 9
ff.
XI8 ff, XII 8). Feiern des Tages der Thronbesteigung (ÿ tov Beate Huge =
gr.
dies imperii) werden für die hell. Zeit ausserdem erwähnt bei Dittenberger Or.
römische
die
für
8),
A.
279
S.
0.
s.
,
I 49 (aus Ptolemais, Zeit des Ptolemaios Euergetes
Nuove MeZeit: BGU. 646 zur Feier der Kaiserproklamation des Pertinax, Parthey,
morie dell’ Inst. arch. II Leipzig 1865 p. 440 anlässlich der Erhebung von Maximiin
nus’ Sohn Maximus zum Caesar (Hinweis von P. M. Meyer); Geburtstagsfeiern
der hell. Zeit: Dittenberger Or. gr. 1 222 Z. 1 (Antiochos I Soter), 339 Z. 35 (Attalidenreich), 352 Z. 33 f. u. 81 (für Ariarathes V von Kappadokien 163—130 v. Chr.).
42
vgl. auch 194 Z. 28 ff, dazu Wilcken, Archiv II S. 334, Ditt. II Add. p. 548 (v. J.
er(Theben)
nókews
tic
owtie
zum
die
v. Chr.) für eine angesehene Persönlichkeit,
klärt wird: in der römischen Kaiserzeit: Dittenberger IT 458 Z. 4. 19. 22. 52. 55 (Pro(Insel
vinz Asien für Augustus), 493 Z. 26. 50 (ebda., Antoninus Pius), IG XI 5 663
Dov.
83,
8.
53
Philologus
Wilcken,
69,
Paris.
Pap.
183),
J.
v.
Commodus
Syros, fiir
Syene
in
er
maszewski, Heidelb. Jbb. IX, 1899, 8. 159 ff. (militärische Kaisergeburtstagsfei
Verleihung des
unter Severus Alexander: 1. Oktober 232: Opfer an die di militares,
[xoucoilc],
Festzug
hau,
Truppensc
mit
Donativs, Bekrinzung der Kaiserstatuen, contio
Festmahl im Keuoapetor). Die Kaiserfeste schliessen sich naturgemäss an die GötterAnfeste an; über dyuogowiæ bei Götterfesten aller Art und solche gelegentlich des
WilA.
macht)
am
aufmerks
Herzog
R.
mich
(worauf
s
neuerding
tritts von Beamten
gar Or.
helm, Jahresh. des dst. arch. Inst. X, 1907, S. 25, bes. IG VII 2712, Dittenber
PaZeus
des
gr. U 164 Pergamon), sowie das grosse Material aus dem Heiligtum
namaros (dazu Bull. Corr. Hell. XV, 1891, 8. 179-181)
und aus Priene bei Hiller von
109, 193 ff: 111,
Gaertringen, Inschr. von Priene 108, 257 ff. 272 ff. (dtaroul otvov):
27. 3 (Pellene).
VII
Pausanias
(Tenos),
487
p.
X
Strabo
238 ff; 113, 37 ff. u. 54 #.; vgl. auch
Andros, von
Insel
der
auf
Dionysos
des
Tempel
dem
in
2) Wie die Quelle
fluere
sapore
... vint
der Mucianus bei Plinius H. N. IL 231 berichtet: fontem
aquam
in
sapore
templi,
und XXXI 16 vinum fluere, si auferatur e conspectu
transeunte, bezw. Pausanias VL 26. 2: Aéyovot db: zul “Avdoroe nage Eros oplo
Philostratus
de tod Awovboov tiv booriv 6er oivov atröuaror dx tot tegod, II S. 22 f.
Imag. 1 25. 1, vgl. Preller, Ausgew. Aufsätze S. 295
f, L. Ross, Inselreisen
Ueber andere weinähnliche Quellen s. $. 286 Anm. 1.
Page 12
View in PDF(opens in a new window)E. Kornemann,
des Apollo-Horos sich berauschen werden’). Aber bei dieser Auffassung
kommen die Worte bv 7 dv rw v in Zeile 11 nicht recht zur Geltung. Wenn
man sich an Wasser berauschen will, so kommt der Stratege in diesem Punkte
sehr billig weg, und es bleibt ihm eigentlich nur die Beschaffung des zu den
Opfern und Festspielen Notwendigen. So wird man zu der Vermutung gedrängt, dass ein künstlicher Quell oder Brunnen hier gemeint ist, aus dem dem
Volk ein berauschendes Getränk, Wein oder Bier’), gespendet wird, also
etwas ähnliches, wie bei den deutschen Kaiserkrönungen im Mittelalter.
Diese Vermutung wird gestützt durch den Vergleich mit anderen
Herrscher- und Götterfesten. In dem vóuog des Antiochos I von Kommagene?) heisst es Z. 146 ff: [zo]azélas uèr iegas noenoëons Soivns yeui[Clwov, xoathoas Ôë OmoAnviovs®) dpHóvov noduarog
nÂnoöv dexouevds te oùv Jeganeiaı nav 16 magarvyydvov nÂÿdos ényoouv nai nageniönuov nowy adnddavow Ëogrijs nagexétw ovvayoyais
éydwv. Aehnliches berichtet Pausanias*) von dem Fackelfeste (Aausıngıe)
zu Ehren des Dionysos in Pellene, wo nach dem Fackelzug ein Zechgelage
veranstaltet wird: zal oivov xoatijoas iordoıw dva thy nóÂw nâoav. Ebenso
folgt bei der militärischen Kaisergeburtstagsfeier in Syene unter Severus
Alexander‘) auf einen Festzug (xwuaoia) der Festschmaus (edwmyia). Wenn
wir dieses Vergleichsmaterial berücksichtigen, wird einerseits der ,berauschende Trank vom Quell“ klar”), andererseits vielleicht auch das Wort yé1) Im Altertum herrschte die Ansicht, dass man sich auch an Wasser berauschen
könne, vgl. Geoponica VII 34. 1: zov auvouivov uedderv novel nowrov Mev olvog, debtepov,
el za) napddotov Axodocı, 80 æ op. Quellen mit berauschendem Wasser befanden sich in
der Lyncestis (Theopomp bei Plinius HZ. N. TI 230 und XXXI 16, Ovid. Met. XV 330 £.,
Vitruv VII. 3. 17, Val. Max. I. 8 Ext. 18. Oribasius coll. med. V. 3. 35), in Paphlagonien
(Theophrast bei Athenaens II. 17. 42e [ed. Kaibel], Vitruv a. a. O. 20, Plinius a. a. O.),
im Gebiet von Cales (Plinius und Val. Max. a. a. O.). Dieses Material stammt aus der
besten hydrologischen Literatur der Alten, z. B. Theophrasts Werk zeoì Üdaroc, ist aber
durch die grossen Sammelbecken des Posidonios und Varro hindurchgegangen, vgl.
E. Oder Philol. Suppl. Bd. VII S. 306 A. 102 und 8. 340 ff., 359 ff, bes. S. 367—369.
2) Ueber das ägyptische Gerstenbier und die grossen Tempelbrauereien (die Vorläufer der mittelalterlichen Klosterbrauereien) vgl. Wilcken, Ostraka I 8. 369 ff. und
W. Otto, Priester und Tempel im hell, Aeg. 1 S. 298 ff.
3) Dittenberger Or. gr. inser. 1 383 (s. S. 285 Anm. 1).
4) Zu diesem Worte bemerkt Dittenberger (I p. 602 A. 44): adiectivum alibi significans id, quod sub prelo est, quid hic sibi velit non perspicio. Mit xeatijees bnoAnvıoı
sind offenbar solche gemeint, die den zur Aufnahme des Mostes unter den Keltern
stehenden Gefässen (zur Einrichtung antiker Weinkeltern vgl. Mau, Pompeji in Leben.
und Kunst S. 358 ff.) ähnlich waren. Nach Geopon. VI 1.4 war eine Eigentümlichkeit der letzteren, dass sie oben weit offen (xAarvotouor), also trogartig (vgl. Kallim.
in Dianam 166) waren. Solche Gefässe erleichterten bei Massenandrang das Ausschöpfen und Verteilen des Getränkes. — 5) VII 27. 3.
6) Pap. Paris 69 (s. 8. 285 Anm. 1). Eine zwuaota auch Nuove Memorie II p. 440.
7) Im gelobten Land der Automaten (über Weinautomaten z. B. Heron Al. de
autom. XIII) war vielleicht eine Einrichtung getroffen, dass der Trank selbsttätig den
Gefässen entströmte, worauf mit dem Worte xo#v7 angespielt wird; Pausanias VI
Page 13
View in PDF(opens in a new window)“Avag xauvòs Adguavds.
Awot; denn damit wird möglicherweise auf den Festzug angespielt, der dem
Gelage vorangeht. So besteht die Feier offenbar aus Opfern, Festzug und
Gelage, endlich einem Wettkampf im Gymnasium oder den Gymnasien !).
Und nun noch zum Schluss die Frage, was stellt das Dokument als
Ganzes dar? Darauf lässt sich schwer eine befriedigende Antwort
geben. Auszugehen ist von der berührten Tatsache, dass der Papyrus zusammen mit Briefen und Aktenstücken des Strategen Apollonios gefunden
worden ist. Darnach hat er wohl einstmals im Gau-Archiv des nördlichen Apollonopolites sich befunden. Nun wird aber derselbe Beamte
am Schlusse unseres Schriftstückes lobend erwähnt. Daraus könnte man
schliessen, dass das Schriftstück nicht direkt von ihm ausgegangen sei.
Dann käme dafür nur eine dem Strategen untergeordnete Behörde in Betracht und zwar wohl die Beamten von Heptakomia oder vielleicht noch
richtiger die Priester des Apollo-Hor-Heiligtums daselbst, da das Dokument
einen ausgesprochen hieratischen Charakter trägt. Sie wären es, die den
Gaugott zum Volke über das grosse Ereignis reden lassen und dann zur
Festfeier, die auf Veranlassung und Kosten des Strategen stattfindet, auffordern. Dabei ginge man von der Annahme aus, dass nicht der ganze Inhalt des Papyrus dem Gott in den Mund gelegt ist, sondern nur der erste
Abschnitt, während im zweiten eine Art Antwort auf die frohe Botschaft
des Gottes erfolgt mit der Einladung zur Feier.
Was wir besitzen, wäre
darnach vielleicht nur das Konzept) zu einer, sagen wir einmal Proklamation oder Festansage, die dann irgendwo und in irgend einer nicht mehr
näher bestimmbaren Form dem Volke bekannt gegeben wurde.
Oder aber: Alles, was der Papyrus bietet, ist dem Gotte in den Mund
gelegt und dann hat eine andere Vermutung — und dazu passt sehr gut
der offenbar auf den Vortrag berechnete Text — viel für sich, dass nämlich der Papyrus einen Teil des Programms der Feier selbst darstellt, etwa
derart, dass der Inhalt als , Prolog“ von einem als Gaugott auftretenden
Schauspieler oder Priester irgendwo gesprochen worden ist?). Gelegentlich der Geburtstagsfeier des Caracalla zu Arsinoë (a. 215) wird das 6avov
des Juppiter Capitolinus in festlichem Zuge ins Theater getragen und daselbst aufgestellt‘). Etwas ähnliches ist vielleicht auch in unserem Falle
geschehen und nach der xwuaoia des Kultbildes hat man den Gott in persona
26. 2 (Andros) gew oivov adröuearov, während an den Parallelstellen bei Plinius
von fons die Rede ist, kann nicht herangezogen werden, weil hier von einem wirklichen Quell mit nur weinähnlichem Wasser die Rede ist s. 0. 8. 285 A. 2). Koivy kann
aber bei der poetischen Fassung unseres Textes auch nur bildlich verwendet sein.
1) Die Gaumetropole Arsinoë z. B. hatte mehrere Gymnasien; denn BGU. 760
(2. Jahrh. n. Chr.) erwähnt 16 uéya yvurdoıov, vgl. Wessely, Die Stadt Arsinoë (Krokodilopolis) in griechischer Zeit, SBer. der Wiener Ak. phil.-hist. Kl. 145, 1902, Abh. IV 8. 39.
2) Dazu passt die Korrektur des Textes in Z. 13.
3) Diese Vermutung hat mir P. M. Meyer brieflich geäussert unter Hinweis
auf BGU. 362 p. X 18. — 4) BGU. 362 pag. X 18.
Page 14
View in PDF(opens in a new window)E. Kornemann, “Ava xaos “Adguands.
vor dem Volke auftreten und zur Feier der Thronbesteigung einladen lassen.
Was das Ganze nun auch darstellt, ob Festansage oder , Prolog“,
sicher ist, dass die Sache in letzter Linie ausgeht von dem Strategen,
dessen evoéBera gegenüber dem neuen Herrn ausdrücklich hervorgehoben
wird und in dessen Archiv das Stück aufbewahrt worden ist. Er hat als
oberster Beamter des Gaues naturgemäss zuerst von dem erfolgten Thronwechsel und der Apotheose Traians Kenntnis erhalten und die Feier in
die Wege geleitet. Dabei handelt er wohl nach einer Instruktion des praefectus Aegypti, wie sie uns für andere Fälle und Zeiten bezeugt ist, nämlich durch den Erlass des Vizekönigs Mantennius Sabinus an die Stadt
Alexandreia aus Anlass der Thronbesteigung des Pertinax, von dem am
6. März 193 eine Abschrift den oro(arnyois) (“Enta)vou(dv) xaì 'Agor(voitov) zugeht mit der Anordnung: navönuei [I]vo[v]ras xai edyouévous ÜNEQ TE tod Öıyvenodg adtoxoarods x[ai to]é obvsravros oixov ovegalvoplooijoa fuéças nevrenaide[ra dlogauévovs dnd tig onuleoo]» *),
und in dem von Parthey veröffentlichten Papyrus aus Memphis?), in dem
es sich um die Feier der Erhebung von Maximinus’ Sohn Maximus zum
Caesar handelt. Auch hier wird dem Strategen des Gaues (wahrscheinlich
auch vom praefectus Aeg.) mitgeteilt: yor ruucrare tas Beds nwudkeodaı.
Vielleicht dürfen wir etwas Aehnliches auch schon fúr das Jahr 117 annehmen und daran die Vermutung anschliessen, dass dem Vizekönig sofort
nach dem Bekanntwerden der Konsekration Traians die nötigen Weisungen
von Antiocheia zugegangen waren. Der Besitz Aegyptens war für jeden
im Osten ausgerufenen Herrscher — das hatte Vespasians Verhalten gezeigt — die unbedingte Voraussetzung zur Erlangung bezw. zur Behauptung der Herrschaft über Rom und Italien. Möglicherweise steht also
der Papyrus zu der grossen Politik jener Tage in Beziehung; die Konsequenz dieser Auffassung aber wäre die Annahme, dass in allen Gauen
Aegyptens in ähnlicher Weise, durch besonders grossartige von den Beamten mit Hereinziehung des kirchlichen Apparates gegebene Feste, fiir
den neuen Herrscher, dessen Thron in den ersten Monaten keineswegs
sehr fest stand, Propaganda gemacht wurde.
1) BGU. 646; vgl. dazu P. M. Meyer, Hermes 32, 1897, S. 483. Derselbe nimmt
an, dass Sabinus von Pertinax erst nach seinem Regierungsantritt zum Statthalter
von Aegypten ernannt worden ist und dass er vor seiner Ankunft in Alexandreia
den Erlass an die Alexandriner, nach seiner Ankunft daselbst die Abschrift an die
Strategen der Heptanomis richtete. Dadurch erklärt sich sehr gut, dass die Feier
“erst über zwei Monate nach dem Regierungsantritt des neuen Kaisers angeordnet wird
(vgl. aber auch Wileken, Ostr. I S. 802). Vielleicht ist es im Jahre 117 ähnlich gegangen, d. h. der Thronwechsel hat auch damals einen Personenwechsel für Aegypten
gebracht: am 5. Januar 117 war Rutilius Lupus Praefekt: BGU. 114 I, am
23. April
118 Rammius Martialis (CIG 4718 f. Dittenberger Or. gr. II 678, CIG
4713), vgl.
P. M. Meyer, Hermes 32 8. 217 £. — 2) Nuove Memorie II p. 440.