DAS UNSTERBLICHKEITSKONZEPT DES »PYTHAGOREAN INSTITUTE OF PHILOSOPHICAL STUDIES FOR THE IMMORTALITY OF MAN«

Author
Puchta, H.
Published in
INTERJEKTE
Year
2018
Subject
IMMORTALITY
Language
Deutsch
Category
C12 Religion
Archive number
8745

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DAS UNSTERBLICHKEITSKONZEPT DES »PYTHAGOREAN INSTITUTE OF PHILOSOPHICAL STUDIES FOR THE IMMORTALITY OF MAN« Hannes Puchta Die Kryonik leistet bekanntlich das Versprechen, dass der Tod für die Eingefrorenen in naher Zukunft nur ein Warten bzw. Schlafen und somit lediglich ein Arretieren der Lebenszeit gewesen sein wird. Die zeitliche Struktur, die der Argumentation der Kryoniker dabei zugrunde liegt, ist in der Tat intrikat: Denn die in den Programmen verschiedener kryonischer Institute häufig anzutreffende euphemistische Formulierung, durch den Einfrierungsprozess sei der Tod nunmehr nur noch ein Schlafen, Warten oder Pausieren, argumentiert im Wesentlichen im Modus des Futurs II. Das Einfrieren wird Schlafen, Warten oder Pausieren gewesen sein, erst dann jedoch, wenn sich die Hoffnung auf eine technische Reanimierung der Verstorbenen in der Zukunft erfüllt. Wer den eigenen Körper den Kryonikern übereignet, schließt so einen Pakt mit der Zukunft, den diese erst noch gegenzeichnen muss.1 Im Gegensatz zu KrioRus, dem nach eigenen Aussagen ersten Kryonikinstitut Eurasiens,2 und seinem US-amerikanischem Pendant, dem von Robert Ettinger gegründeten Cryonic Institute,3 handelt es sich bei der Unsterblichkeitsagenda der Immortalisten des 1997 auf der griechischen Insel Gavdos gegründeten Pythagorean Institute of Philosophical Studies for the Immortality of Man (PIFEAA) nicht um den Versuch, Unsterblichkeit auf technischem Wege zu erringen, sondern im Rückgang auf antike Unsterblichkeitsmodelle eine Neubestimmung des Homo immortalis zu bewirken. Zwar sind die meisten Mitglieder des 1 Vgl. dazu auch Benjamin Bühler: »Versprechen«, in: ders./ Stefan Willer (Hg.): Futurologien. Ordnungen des Zukunftswissens, Paderborn 2016, S. 39–50. 2 Damit wirbt zumindest der einleitende Text auf der Startseite, vgl. http://kriorus.ru/en (aufgerufen am 17.12. 2017). 3 Zur Gründungsgeschichte des CI vgl. o. A.: »Our History. A brief timeline of moments that shaped our company«, http:// www.cryonics.org/ci-landing/history-timeline/ (aufgerufen am 20.12.2017). 57 PIFEAA ebenfalls Wissenschaftler,4 das Wissen jedoch, dem sich diese Gruppe verschrieben hat, steht weder im Dienste einer wie auch immer gearteten Entgrenzung der Lebenszeit mit technischen Mitteln noch zielt dieses Wissen darauf ab, die Transformation des Menschen im Zeichen der Optimierungsarbeit des human enhancement soweit voranzutreiben, dass dieser in der Lage wäre, sich als sterbliche Spezies quasi selbst zu überleben. Vielmehr handelt es sich bei den Immortalisten von Gavdos und ihrem PIFEAA um eine Gruppe von vornehmlich Physikern, die der Versuch vereint, auf Gavdos etwas zu praktizieren, was sich in Anlehnung an Zygmunt Bauman wohl am treffendsten als alternative Lebensstrategie der Unsterblichkeit bezeichnen lässt.5 Die Alternative, die das PIFEAA dem gegenwärtigen Unsterblichkeitsdiskurs entgegensetzt, wendet sich dabei in erster Linie gegen eine seiner Meinung nach reduktionistische Verkürzung der Todesproblematik, wie sie in den Einzelwissenschaften durch eine Segmentierung des nur in seiner ganzen Auswirkung auf das Leben zu begreifenden Phänomenkomplexes Tod erfolgt. Der menschliche Tod komme dabei nicht als Erlöschen eines singulären Sinnsystems in den Blick, sondern werde als Irreversibilität einer punk4 Informationen über die einzelnen Mitglieder sind kaum zugänglich. Vom Gründer der Gruppe, Andrej Drozdov, ist jedoch bekannt, dass er als Liquidator in Tschernobyl eingesetzt wurde, somit also zu den Ersten gehörte, die nach dem Unfall im Kraftwerk zur Beseitigung des radioaktiven Mülls eingesetzt wurden und enormer Strahlenbelastung ausgesetzt waren. Wie sehr dieses Ereignis auf seine Vorstellung vom Tode bzw. dessen Überwindung eingewirkt haben mag, deutet sich im Dokumentarfilm The Immortals of Gavdos, Regie: Yiorgos Moustakis/Nikolas Labot, GR 2013 an. Ein kurzer Abriss über die Tätigkeiten der Gruppe und ihrer Mitglieder findet sich auch in Manfred Ertel: »Die Unsterblichen. Warum sich eine Gruppe Wissenschaftler auf der Insel Gavdos auf griechische Götter beruft«, in: Der Spiegel 27 (2014), S. 89. 5 Vgl. Zygmunt Bauman: Tod, Unsterblichkeit und andere Lebensstrategien, Frankfurt a. M. 1994.

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Das Unsterblichkeitskonzept des »Pythagorean Institute of Philosophical Studies for the Immortality of Men« tuellen Störung mit vernetzten Anschlussproblemen zu einem Gegenstand der jeweiligen (medizinischen) Einzeldisziplinen. Der antiszientistische Reflex des PIFEAA richtet sich gegen ebendiese (natur-) wissenschaftliche Modellierung von Unsterblichkeit. Sein Alternativprogramm ist indes freilich keine kohärente Systemphilosophie der Unsterblichkeit. Vielmehr verhält es sich mit den Texten des PIFEAA so, wie mit den Fragmenten derjenigen Vorsokratiker, auf die sich die Immortalisten mehrheitlich beziehen: Sie basieren auf einer Amalgamierung unterschiedlicher Episteme, die zwar einzelne Lebensbereiche erhellen, aber nur durch eine nachträgliche Konstruktionsleistung zu einer einheitlichen Schule mit kohärentem Programm zusammengefasst werden können. Bereits der Ort, den die Immortalisten für ihre Unternehmung auserkoren haben, sagt einiges über ihre Ambitionen aus: So wählte man die Insel Gavdos, die dem Regionalbezirk Charnia und gemeinsam mit diesem der Region Kreta angehört, gerade deshalb aus, weil hier die Wiege der europäischen Kultur läge, deren Unabhängigkeit eng mit einer seit 1.000 Jahren nahezu unverändert gebliebenen Lebensweise zusammenhänge.6 Höchster Ausdruck dieser Antike sei der »Europäische Mensch«,7 der in einem Text der Gruppe anlässlich des auf der Insel abgehaltenen Symposiums »Unsterblichkeit als Lebensstil« 2013 wie folgt beschrieben wird: »[W]ir haben den göttlichen Ursprung des Menschen gesucht. Wir fanden heraus, dass der Ursprung außerhalb der Zeit in den tiefsten Wurzeln der Idee des Europäischen Menschen liegt. Er liegt der antiken kretischen Welt zugrunde, wo sich als erstes auf dem Kontinent der Versuch ereignete, eine ganzheitliche lokale Zivilisation Sterblicher und Unsterblicher zu schaffen.«8 6 Ebd.: »Независимость Крита основана на образе жизни, который, по сути, не меняется на протяжении тысячелетий.« (»Die Unabhängigkeit Kretas basiert auf einer Lebensführung, die sich ihrem Wesen nach im Verlaufe von 1.000 Jahren nicht geändert hat.«) Hier und im Folgenden meine Übersetzung, H. P. Die Webseite des PIFEAA bietet auch eine englische Sprachversion, die zuweilen aber in Inhalt und Umfang von den muttersprachlichen russischen Texten abweicht. 7 Großschreibung im Original: o. A.: »Simpozium 2013«, https://pifea.org/symposium-2013/rus/ (aufgerufen am 17.12.2017). 8 »Simpozium 2013« (Anm. 7): »[…] мы искали божественный источник Человека. Мы обнаружили, что источник находится вне времени в глубочайших корнях идеи Европейского Человека. Он лежит в основе древнего критского мира, где состоялась первая на континенте попытка сотворить целостную локальную цивилизацию смертных и бессмертных.« INTERJEKTE 12 / 2018 Die Umrisse jenes »Europäischen Menschen«, auf den die Immortalisten in ihrem Text über die Unsterblichkeit als Lebensstil verweisen, wird zwar im Text selbst nicht weiter nachgezeichnet, die Stoßrichtung dieses Konstrukts ist dennoch klar. Der ›Europäische Mensch‹ stellt einen Gegenentwurf zu den totalitären Visionen vom Neuen Menschen9 dar, der seinerseits als visionäres Konstrukt nie nur ›neuer‹ Mensch, sondern immer auch Verkörperung eines gesellschaftspolitischen Entwurfs und damit eine Projektion der Zukunft auf den Leib ist. Es ist genau dieser futurologische Index, gegen den sich die Bezeichnung ›Europäischer Mensch‹ in ihrer Betonung des Ursprünglichen abzuheben scheint. Pointierter lässt sich dieser Antagonismus auch als Gegenüberstellung zweier Visionen, der des ›alten‹ und des ›neuen‹ Menschen akzentuieren. Somit könnte man das PIFEAA im Sinne Foucaults als quasiarchäologische Unternehmung fassen, die darauf abhebt, eine antike Anthropologie zu (re)konstruieren, die ihrerseits einen alternativen Zugang zur Sterblichkeit des Menschen gewährleistet. Allerdings greift eine solche Deutung zu kurz, weil das Konzept des Europäischen Menschen in den online publizierten Texten der Immortalisten von Gavdos nur eine schwach konturierte Andeutung bleibt, bei deren Ausgestaltung die Konstruktion gegenüber der Rekonstruktion überwiegt und mit einem geradezu eurozentristischen Pathos der Ursprünglichkeit einhergeht. Vielmehr liegt der Konvergenzpunkt dieser beiden Vorstellungen vom Menschen in der Figur des Homo immortalis. Doch im Gegensatz zur futurologischen Ausrichtung des Neuen Menschen markiert das Attribut ›europäisch‹ die Zugehörigkeit zu einer Art ›europäischen Überlieferungsgeschehens‹ und basiert somit nicht auf einem radikalen Bruch mit überkommenen Anthropologien, sondern nimmt die entgegengesetzte Bewegung auf dem Zeitstrahl, die Rückbesinnung, zum Ausgangspunkt für eine Neujus9 Vgl. dazu das Kapitel »Wissenschaftlich-technische und normative Grundlagen des neuen Menschen«, in: Richard Saage: Philosophische Anthropologie und der technisch aufgerüstete Mensch. Annäherungen an Strukturprobleme des biologischen Zeitalters, Bochum 2011, S. 133–149, sowie für einen kulturgeschichtlichen Abriss der Konzepte des Neuen Menschen bzw. der Neuen Menschheit in der russischen Moderne, die gerade für die mehrheitlich aus Russland und der Ukraine stammenden Immortalisten von Gavdos als Anreize für ihren Gegenentwurf gedient haben dürften, Michael Hagemeister: »›Unser Körper muss unser Werk sein.‹ Beherrschung der Natur und Überwindung des Todes in russischen Projekten des frühen 20. Jahrhunderts«, in: ders./Boris Groys: Die Neue Menschheit. Biopolitische Utopien in Russland zu Beginn des 20. Jahrhunderts, Frankfurt a. M. 2005, S. 19–67.

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Hannes Puchta tierung des Menschen. Handelt es sich demnach um die Gegenüberstellung von revisionistischer (Rück-) Besinnung und vorwärtsgewandter Optimierungsarbeit, so mag sich zwar die Verweisrichtung auf dem Zeitstrahl unterscheiden – die mit den Attributen ›neu‹ und ›europäisch‹ versehenen anthropologischen Entwürfe bleiben jedoch insofern miteinander verbunden, als sie in ihrem beständigen Streben nach Entgrenzung der Lebenszeit bis hin zur Unsterblichkeit ihre Fundierung in utopischen Ideen nicht verbergen können. Denn nicht nur das Ideologem des Neuen Menschen, sondern auch der Europäische Mensch der Immortalisten von Gavdos fußt auf einem umfassenden, die gegenwärtigen Konturen des Menschen übersteigenden anthropologischen Entwurf. Nur ist dieser im Falle der PIFEAA nicht an die Zukunft, sondern an die Insel Gavdos als Mnemotop einer antiken Unsterblichkeitsanthropologie gebunden. Die Bemühungen der Immortalisten richten sich dabei in erster Linie darauf, aus den Fragmenten der Vorsokratiker eine Anthropologie zu (re-)konstruieren, innerhalb deren der Tod kein integraler Bestandteil der Bestimmung des Menschen ist. Im Zentrum steht dabei die pythagoreische Arithmetik, aus der ein Modell für die Lesbarkeit der Welt extrapoliert wird. Durch ihre Aktualisierung soll dem Unsterblichkeitsdiskurs verlorengegangenes Wissen über die Konstruktionsprinzipien der Welt als Ganzes zugeführt werden.10 Die emphatische Betonung von Ganzheitlichkeit (celostnost’)11 bzw. eines ganzheitlichen Ansatzes (celostnyj podchod) steht im Mittelpunkt aller programmatischen Texte des PIFEAA. Bereits die Art und Weise, wie das nach Pythagoras benannte Institut sein Unsterblichkeits-Symposium 2013 veranstaltete, hebt sich deutlich von den üblichen Erwartungen an Konferenzen ab und gibt zu erkennen, dass ›Ganzheitlichkeit‹ von den Teilnehmern nicht nur als theoretisches Konstrukt, sondern vielmehr im Sinne einer konkreten Handlungsagenda begriffen wird, die auf die »Errichtung einer Welt ausgerichtet ist, so zum Beispiel auf dem Gebiet der Insel während des Symposiums«.12 Die »Errichtung einer Welt«, zu der die Auswahl der Gäste ebenso beiträgt wie das – für die Dauer, in der 10 Vgl. o. A.: »Vorlesung 1. Pythagoreische Arithmetik. Die Regeln zur Erschaffung von Welten«, https://pifea.org/ arithmetics/lecture1/de/ (aufgerufen am 17.12.2017). 11 »Simpozium« (Anm. 7): »Как философская Школа мы утверждаем целостный подход к образу жизни.« (»Als philosophische Schule bekräftigen wir eine ganzheitliche Herangehensweise an die Lebensführung.«) 12 »Simpozium« (Anm. 7): »[Целостный подход обозначает, что всё, что мы делаем,] направлено на создание мира, например, в пределах острова в течение Симпозиума.« 59 diese Welt Bestand hat – Gesagte13 und Gefühlte, umfasst somit alle sinnlichen Komponenten der erlebten Zeit14 und zeigt deutlich, dass die Bezeichnung ›Symposium‹ für diese Form der Zusammenkunft tatsächlich viel eher an die ursprüngliche Bedeutung dieses Wortes als Trinkgelage oder festliches Zusammenkommen anknüpft, als dass damit ein streng wissenschaftlicher Meinungsaustausch bezeichnet wäre. Die Symposien, die auf Gavdos abgehalten werden, sind demnach nicht als wissenschaftliche Konferenzen zum Problem der Unsterblichkeit zu verstehen, sondern als performanceähnlicher Erfahrungsraum,15 der der zeitlich begrenzten Errichtung einer Welt dient und als solcher selbst bereits ein gelebtes Stück Unsterblichkeitserfahrung darstellt. Die Teilnahme am Symposium stiftet neue Formen der Sinnlichkeit und damit des gemeinschaftlichen Erlebens bzw. des Erlebens von Gemeinschaft. Thema und Vollzug des Symposiums werden dabei eins, sodass sich die Grenzen zwischen Kunst und Wissenschaft in einem Akt der Synthese allmählich auflösen.16 13 Es wird dabei ausdrücklich auf die schöpferische Kraft des Wortes verwiesen; vgl. ebd.: »Реализационная сила слова столь велика, что речью мы в значительной степени определяем возможность бессмертия человека.« (»Die Realisierungskraft des Wortes ist derart enorm, dass wir durch das gesprochene Wort die Möglichkeit der Unsterblichkeit des Menschen in entscheidendem Maße festlegen.«) 14 Ebd.: »Важно все, что происходит в это время: состав участников, то, что будет сказано, почувствовано, как мы проживем эти дни […]«. (»Alles, was in dieser Zeit geschieht, ist wichtig: die Zusammensetzung der Teilnehmer, das, was gesagt, gefühlt werden wird, wie wir diese Tage verleben […]«.) 15 Hier ist vor allem an das Orgien-Mysterien-Theater Hermann Nitschs zu denken, auch wenn Nitschs Ritualtheater auf wesentlich drastischere Weise auf eine Reinigung bzw. Freisetzung des Unbewussten abzielt und ein ›ontisches Erweckungserlebnis‹ anstrebt. Vgl. Hermann Nitsch: »Bilanz/A life review«, in: Christine Wetzlinger-Grundnig (Hg.): Hermann Nitsch. Das Gesamtkunstwerk des Orgien Mysterien Theaters und seine Disziplinen, Klagenfurt 2012, S. 11–61, hier S. 17 f.: »die abrekationsriten des o. m. [= orgien mysterien] theaters sind als psychoanalytische dramaturgie so gebaut, dass sie durch intensität, durch sinnliche elementarempfindungen in die tiefe loten, eine psychoanalytische dramaturgie lockert verdrängtes und lässt es fließen, ein exzess an intensität entsteht […]. es kommt rückhaltlose intensität zur wirkung, es wird wahrgenommen, der zuschauer (spielteilnehmer) wird hellwach, er wird aus seiner lauheit herausgenommen, er wird in einen zustand versetzt, er wird ins sein gebracht, er erfährt vehement, dass er ist.« 16 Zum Begriff der Synthese als Konzept der Deregulierung disziplinärer Grenzen zwischen Wissenschaft und Kunst in der russischen Kulturgeschichte vgl. Nadežda Grigor’eva/ Schamma Schahadat/Igor’ P. Smirnov u. a. (Hg.): Das Konzept der Synthese im russischen Denken. Künste – Medien – Diskurse. Philosophie und Literatur, München/Berlin/ Wien 2010.

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Das Unsterblichkeitskonzept des »Pythagorean Institute of Philosophical Studies for the Immortality of Men« Eine große Bedeutung in der zugleich aktionistischen und kultischen Praktik solcher Symposien kommt dabei dem Mysterienspiel zu, das innerhalb der drei Betätigungsfelder Philosophie, Theater und Spiel des PIFEAA dem Theater zugeordnet ist und als »direkte Verständigung mit der immateriellen Welt« beschrieben wird.17 Zur Durchführung eines solchen Mysterienspiels werden drei Opferpriester oder -priesterinnen ausgewählt, die als ›unsichtbare Organe‹ den Kontakt zu ebenfalls unsichtbaren Wesen im Umfeld der Anwesenden ermöglichen sollen. Der Umstand, dass der Mensch in der Kosmologie der Immortalisten auch selbst als ganzheitliches Wesen vorgestellt wird, das in sich wiederum alle Stufen der Existenz vereint,18 birgt die Möglichkeit eines solchen Kontaktes zwischen dem Menschen und anderen Entitäten. ›Entitäten‹ beschreibt dabei wohl am treffendsten die große Bandbreite der Wesen, mit denen die Anwesenden des Mysterienspiels, vermittelt durch den Priester, Kontakt aufnehmen. Denn neben realen Wesen umschließt der Kosmos der Immortalisten von Gavdos auch Fabel- und Zwitterwesen, wobei Letztere vornehmlich in Gestalt von Chimären aus der mythologischen Vorstellungswelt der klassischen Antike vertreten sind. Wie bei einer klassischen Séance steht im Mittelpunkt dieser Kulthandlung das gesprochene Wort, das der Priester als Vermittler zwischen den Menschen und den ihn umgebenden Wesen kundgibt: »Die Erfahrungen, die die Teilnehmer während des Mysterienspiels machen, drücken sie durch das gesprochene Wort aus. Wir gleichen uns dem unsterblichen Menschen an, denn der unsterbliche Mensch ist der sprechende Mensch.«19 Für diesen unsterblichen Menschen sind »Wissenschaft, Kunst, Technik, die Erforschung des Kosmos Spielzeuge«20 und damit Betätigungsfelder, die einerseits auf einen Erkenntniszuwachs im Ringen um die Unsterblichkeit abzielen, darüber hinaus aber unmittelbar in soziales Interagieren münden und so durch eine unmittelbare Überset- 17 »Simpozium« (Anm. 7): »Театр включает в себя мистерию как прямое общение с нематериальным миром.« (»Das Theater beinhaltet ein Mysterienspiel als direkte Verständigung mit der immateriellen Welt.«) 18 Ebd.: »Человеку внутренне присуще свойство целостности, в нём содержатся все уровни существования: от минералов до животной клетки.« (»Dem Menschen wohnt die Eigenschaft der Ganzheit inne, in ihm sind alle Stufen der Existenz vereint: von den Mineralen bis zur eukaryotischen Zelle.«) 19 Ebd.: »То, что испытали участники во время Мистерии, они выражают речью. Мы уподобляем себя бессмертному человеку, потому что бессмертный человек – говорящий человек.« 20 Ebd.: »Искусство, наука, техника, исследование космоса – это игрушки для Бессмертного Человека.« INTERJEKTE 12 / 2018 zung bzw. einen Transfer der Erkenntnis aus einem Bereich der Theorie in die Lebenspraxis miteinander erst jene Ganzheitlichkeit herstellen, die eine Einsicht in die Möglichkeiten der menschlichen Unsterblichkeit erlaubt. Schöpferische Tätigkeit, spontanes Interagieren mit den anderen Teilnehmern und die Kraft des Wortes stiften Verbindungen zwischen den sichtbaren und unsichtbaren Teilnehmern einer solchen Séance und sind so »examples of immortal behavior«.21 Gerade in ihrer ambivalenten bis ablehnenden Haltung gegenüber der Wissenschaft, die zum einen zwar dem unsterblichen Menschen als ›Spielzeug‹ dient, sich gleichzeitig jedoch den beiden zu allen Zeiten gegen sie vorgebrachten Vorwürfen ausgesetzt sieht, sie verhalte sich ihren Forschungsergebnissen gegenüber moralisch indifferent, mortifiziere und zerlege ihren Gegenstand, spielt die Aufwertung instantaner sozialer, aufgrund ihrer Erlebnisfülle sozusagen ›unsterblicher‹ Momente eine entscheidende Rolle. Vor allem die Invektive gegen die Wissenschaft, sie könne auf die Frage nach dem Sinn des Menschen keine Antwort geben, rührt aus der emphatischen Betonung eines ganzheitlichen Lebensbegriffs22 her, der aber stets präreflexiv bleibt und so jene bereits beschriebene, nicht en détail artikulierbare Ganzheitserfahrung zum Ausdruck bringt, die sich gegen die Zersetzung der Lebenswelt durch die Naturwissenschaften und ihren berechnenden Umgang mit der Umwelt wendet. Als Ganzheitserfahrung ist dabei wohl die Einsicht zu verstehen, dass Unsterblichkeit nicht durch die auf das einzelne Leben bzw. den jeweiligen Körper gewendete und medizintechnisch appropriierte Perfektibilitätslehre23 errungen, sondern nur im Kollektiv als Praxis gelebt werden kann. Die Immortalisten von Gavdos wenden sich mit dieser Volte jedoch auch gegen die im 19. Jahrhundert einsetzende Segmentierung des Todes bzw. des Sterbeprozesses in und durch die Einzelwissenschaften. Wie Zygmunt Bauman in seinem Buch Tod, 21 Ankündigung des »Philosophical Symposium« zum Thema »Immortality as a way of Life«, 02.07.2013, https://pifea. org/2013/07/02/philosophical-simposium/ (aufgerufen am 04.12.2017). 22 Dieses Problem zieht sich auch durch Freya Mathews: For Love of Matter. A Contemporary Panpsychism, New York 2003. Hier werden Leben, Welt und Ganzheit bzw. »the One« als Äquivalenzbegriffe behandelt, ohne dass diese Gleichsetzung problematisiert würde; vgl. S. 45–69. 23 Zur Transformation des Perfektibilitätsgedankens der Aufklärung durch die Biologie vgl. Karen Knorr Cetina: »Beyond Enlightenment: The Rise of the Culture of Life«, in: European Communities (Hg): Modern Biology & Visions of Humanity, Brüssel 2004, S. 29–41.

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Hannes Puchta Unsterblichkeit und andere Überlebensstrategien zeigt, zeichnet sich die Verdrängung der Moderne nämlich nicht nur durch eine Verdrängung all jener Institutionen, die mit den Prozessen des Sterbens und dem Tod assoziiert werden, aus dem alltäglichen Gesellschaftsleben aus, sondern auch durch eine epistemologische Verschiebung in der Wahrnehmung des Todes selbst.24 Sterben rückt dabei zunehmend als Resultat einer Kausalattribution entlang einer Kettenreaktion von körperlichem Versagen in den Fokus, an deren Ende dann die definitive Todesursache steht. Das Sterben wird so lediglich als Versagen einzelner (Bestand-)Teile des Körpers aufgefasst, dem durch gezielte Interventionen gegen ganz spezifische Symptome Einhalt geboten werden könne, sei es auch nur in Form eines Aufschubs. Auch die Visionen einer »prothetisierte[n] Zukunft«25 im Post- und Transhumanismus zehren von der Vorstellung, dass der Mensch grundsätzlich immer schon unsterblich sei. Man müsse nur die Todesursachen – verstanden als Störungen, die einer Entfaltung der potentiellen Unsterblichkeit im Wege stehen – durch medizinisch-technische Apparate immer weiter hinauszögern, um sie schließlich ganz zu eliminieren und den Körper durch radikale technische Eingriffe bis hin zur Entkörperlichung neu konfigurieren. Gegen die Versuche, durch Prothesen und Implantate mit der Dingwelt zu konkurrieren26 oder im Prozess des mind uploading gar den vermeintlichen Makel der leiblichen Geburt27 nachträglich zu beheben, 24 Vgl. Zygmunt Bauman: Tod, Unsterblichkeit (Anm. 5), S. 227–244. Zur institutionellen und räumlichen Auslagerung des Todes vgl. Philippe Ariès: Geschichte des Todes, München 1980. 25 So die Formulierung Oliver Deckers in seinem Aufsatz »Prothesengötter und transhumane Versprechen«, in: Menschenverbesserung. Transhumanismus, Frankfurt a. M. 2014, S. 69–82, hier S. 71. 26 Vgl. Günther Anders: Die Antiquiertheit des Menschen, Bd. 1: Über die Seele im Zeitalter der zweiten industriellen Revolution, München 51980. Für das Unbehagen, das der Mensch aufgrund seines Unvermögens empfindet, mit den technischen Dingen konkurrieren zu können, hat Anders bekanntlich die Fügung »prometheische Scham« geprägt. So sehr Anders auch versucht, eine wie auch immer geartete positive Bestimmung des Menschen zu umgehen, bleibt eine solche positive Bestimmung (bzw. ihre Möglichkeit) letztlich immer das Enthymem einer Argumentation, die vom Menschen sagt: »immer weiter entfernt er sich von sich selbst; immer weiter transzendiert er sich« (ebd., S. 38). 27 Vgl. ebd., S. 24. Anders, dessen Buch 1956 erschien, konnte freilich noch nichts von mind uploading wissen, seine kritische, stellenweise polemische Auseinandersetzung mit dem in den 1950er Jahren diskutierten human engineering hält jedoch auch für die aktuellen Debatten um das human enhancement noch entscheidende Argumente bereit. 61 ist das PIFEAA in der Tat ein, wenn auch äußerst spekulativer, Gegenentwurf. Indem die Immortalisten von Gavdos die Vermittlungsfunktion des Menschen innerhalb einer Stufenfolge von – wenn auch in ihrer realen Existenz teilweise fragwürdigen – Wesen zum Ausgangspunkt ihrer Kosmologie machen, vertreten sie eine singuläre Position im derzeitigen Unsterblichkeitsdiskurs: Unsterblichkeit ist im Verständnis der Immortalisten von Gavdos der Name für ein Programm alternativer Lebensführung, das auf der Idee einer panpsychistischen Ethik 28 beruht. Im Gegensatz zu frühen russischen panpsychistischen Entwürfen wie denen des Raumfahrtpioniers Konstantin Ė. Ciolkovskij, der von sich selbst sagte, er sei nicht nur Materialist, sondern auch Panpsychist,29 machen die Immortalisten die panpsychistische Ausgangsthese, dass es sich bei unserer Um- und Mitwelt um eine »responsive world« handelt,30 zur Grundlage eines ethischen Appells. Ciolkovskij seinerseits ging zwar davon aus, dass auch Atome ein Gefühlsleben31 hätten und in einem unendlichen Prozess der Neuund Umformung begriffen seien, doch führte seine Annahme, die Abstufung der Empfindungsqualitäten sei lediglich von der Komplexität des Lebewesens abhängig und finde im Menschen ihre höchste Ausprägung, unweigerlich dazu, die Verfügungsgewalt Letzterer über weniger empfindungsfähige und nach seinem Verständnis unvollkommen entwickelte Lebewesen zu legitimieren.32 Was die Immortalisten als Existenzniveaus (urovni suščestvovanija) bezeichnen, ist zwar eine Unterscheidung nach der Ausprägung des Subjektivierungsgrades und damit auch eine Einteilung der Umwelt nach ihrer ›Responsivität‹, anders als Ciolkovskij ziehen sie daraus jedoch nicht den Schluss, dass aus einer solchen Skalierung auch eine Hierarchisierung der Seinswei- 28 Eine solche Position wurde zuletzt skizziert in Mathews: For Love of Matter (Anm. 22). Eine Quintessenz panpsychistischer Theorie findet sich in Thomas Nagel: »Der Panpsychismus«, übers. von Michael Gebauer/Hans-Peter Schütt, in: ders.: Letzte Fragen (1996), hg. von Michael Gebauer, Berlin/Wien 2001, S. 251–267. 29 Vgl. Konstantin Ė. Ciolkovskij: »Monizm Vselennoj« (1925), in: S[vetlana] G. Semenova/A[nastasija] G. Gačeva (Hg.): Russkij kosmizm. Antologija filosofskoj mysli, Moskau 1993, S. 264–281, hier S. 266. 30 Mathews: For Love of Matter (Anm. 22), S. 5. Ciolkovskij geht ebenfalls davon aus, dass das uns umgebende Universum ›responsiv‹ (otzyvčivyj) sei, entscheidend für seine panpsychistische Theorie ist aber eine Skalierung der Entitäten des Universums nach ihrer Fähigkeit, Empfindungen zu haben (čuvstvitel’nost’). Vgl. Ciolkovskij: »Monizm Vselennoj« (Anm. 29), S. 264 f. 31 Vgl. ebd, S. 276 f. 32 Vgl. den Beitrag von Michael Hagemeister in dieser Ausgabe.

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Das Unsterblichkeitskonzept des »Pythagorean Institute of Philosophical Studies for the Immortality of Men« sen gefolgert werden könne. Wo Ciolkovskij jenen Lebewesen mit geringem Empfindungsvermögen das Existenzrecht abspricht und bereit ist, Pflanzen, Tiere und ›unvollkommenes‹ menschliches Leben für eine Welt ohne Leiden zu opfern,33 plädieren die Immortalisten für eine Strategie, die man mit Freya Mathews als Privilegierung des encounter gegenüber dem knowledge bezeichnen könnte. Mathews, die in ihrem Buch For Love of Matter. A Contemporary Panpsychism versucht, panpsychistische Ansätze zu aktualisieren und mit ihnen den ›cartesianischen Defekt‹ der ›westlichen Philosophie‹ zu beheben, stellt im Kapitel »The Priority of Encounter Over Knowledge« zwei kontrastierende Weltzugänge gegenüber: Während knowledge auf Beobachtung und Sammlung von Wissen beruht und somit ein Verhältnis zum Untersuchungsgegenstand bezeichnet, das aufgrund seiner klaren Subjekt-Objekt-Trennung keinen ›realen Kontakt‹ im Sinne eines encounter zulasse, sondern auf der Ebene der »noncommunicative empiriocritical investigation«34 verbleibe, wird mit encounter ein Weltzugang beschrieben, der gegen die »separation of self and world«35 anarbeitet und der Beobachtung das Sich-Einlassen mit der Umwelt als quasikommunikativen Akt entgegensetzt, da dieser Mathews zufolge dem ›Wissen‹ immer schon vorausgehe: »Knowledge is probably no more than a postscript to encounter.«36 dass er so gewaltige Fähigkeiten besitzt, verweist auf die unendliche Verantwortung der Menschen im Vergleich zu anderen Arten auf der Erde.«38 Auch wenn die Immortalisten von Gavdos in ihrer Konzeptualisierung des Todesproblems insofern eine skeptische Haltung gegenüber der biologischen bzw. medizinisch-technischen Modellierung der Unsterblichkeitsproblematik beziehen, als sie den Tod nicht über den Funktionsverlust einzelner Bestandteile des Körpers, sondern über seine physiologische Bedeutung hinaus als gesellschaftliches und das heißt auch zwischenmenschliches Phänomen wieder in den Fokus rücken, sind auch sie nicht frei vom Pathos der Idee eines Neuen Menschen. Dass in ihren Texten die Frage nach der Unsterblichkeit die Konturen einer gemeinschaftlichen Praxis bekommt, sollte nicht den Blick auf die Tatsache verstellen, dass die ›Rückbesinnung‹ der Immortalisten von Gavdos auf die antiken Wurzeln des Unsterblichkeitsglaubens in erster Linie eine geradezu mythopoietische Konstruktionsleistung darstellt, an deren Ende die schöpferische Erfindung und nicht das Auffinden einer antiken Unsterblichkeitstradition steht: Die Besinnung auf das ›Ursprüngliche‹ wird hier zum Modus der Gegenwartsbewältigung verklärt, die Vergangenheit des europäischen Homo immortalis zur Zukunft der Menschheit erklärt. Den Umstand, dass der Mensch aller Unwahrscheinlichkeit zum Trotz über ungeheure und nicht näher definierte ›Kräfte‹ verfüge, sehen die Immortalisten von Gavdos somit als Hinweis auf die Verantwortung des Menschen gegenüber der Natur. Aus dieser Sonderstellung des Menschen im Kosmos folgt nicht die Legitimation der menschlichen Verfügungsgewalt über die Natur bzw. alles Seiende, sondern im Gegenteil die Verpflichtung zu einem verantwortungsvollen Umgang37 mit Letzterem: »Vom Gesichtspunkt der Natur aus betrachtet ist der Menschen an sich ein Wunder: Er besitzt Fähigkeiten, die weit entfernt von dem sind, was die Natur hervorzubringen in der Lage ist. Allein die Tatsache, 33 Vgl. ebd. 34 Mathews: For Love of Matter (Anm. 22), S. 78. 35 Ebd., S. 88. 36 Ebd., S. 87. 37 Auch Mathews argumentiert, dass der Panpsychismus die intellektuellen Ressourcen bereithalte, um der drohenden »ecological tragedy« mit einem anderen Umweltverständnis entgegenzuwirken. Vgl. Mathews: For Love of Matter (Anm. 22), S. 4. INTERJEKTE 12 / 2018 38 »Simpozium« (Anm. 7): »С точки зрения природы, люди сами по себе чудо: они обладают способностями, которые далеки от того, что природа знает, и могла бы когда-либо родить. Сам факт того, что они обладают такой огромной силой, намекает на бесконечную ответственность людей, по сравнению с любыми другими видами на Земле.«

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ABBILDUNGSNACHWEISE Michael Hagemeister: »Der Tod ist eine der Illusionen...« Abb. 1: K.Ė. Ciolkovskij so sluchovoj truboj (K. Ė. Ciolkovskij mit Hörrohr), 1930, Bildrechte: Archiv der Russländischen Akademie der Wissenschaften (Archiv Rossijskoj akademii nauk – ARAN), f. 555. op. 2. d. 132. l. 5. Mit freundlicher Genehmigung des ARAN. Tatjana Petzer: Kybernetische Unsterblichkeit Abb. 1: Skizze o.T., aus: Nikolaj Amosov: »Zapiski iz buduščego. Knjiga pervaja: Start«, in: Nauka i žizn’ 27 (1965) 9, S. 97–120, hier S. 109. Abb. 2: 2045 Strategic Social Initiative: Avatar Project Milestones, http://2045.com/. Isabel Wünsche: Lebendigkeit in der Kunst der organischen Schule Abb. 1: Nikolaj Kul’bin mit den Teilnehmern der Dreieck-Ausstellung, St. Petersburg, 1910. Heinrich Klotz (Hg.): Matjuschin und die Leningrader Avantgarde, Ausst. Kat., ZKM Karlsruhe, Oktogon Verlag Stuttgart/ München 1991, Foto 9, S. 111. Abb. 2: Elena Guro in der Natur, ca. 1912. Foto: Michail Matjušin. Organica. New Perception of Nature in the Russian Avant-Gardism of the 20th Century / Organika. Novaja mera vosprijatja prirody chudožnikami russkogo avangarda 20 veka, Ausst. Kat., Moscow Art Centre 2001, Abb. 10, S. 32 Abb. 3: Michail Matjušin mit seinen Wurzelskulpturen vor den Bildern von Pavel Filonov in der Ersten Freien Staatlichen Kunstausstellung, 1919 im Winterpalast in Petrograd. Heinrich Klotz (Hg.): Matjuschin und die Leningrader Avantgarde, Ausst. Kat., ZKM Karlsruhe, Oktogon Verlag Stuttgart/München 1991, Foto 17, S. 116. Alfrun Kliems: Unsterblichkeit und Subversion Abb. 1, 2, 3 und 4: Filmstills aus My žijeme v Praze ... Dokumentarfilm mit Egon Bondy (1985), Regie: Tomáš Mazal/Pablo de Sax, Prag: Guerilla Records 2007, Vorspann, 0:01:58, 0:02:10, 0:48:30 und 1:04:11. Abb. 5: Filmstill aus Tma, Světlo, Tma (1989), Drehbuch und Regie: Jan Švankmajer, in: The Complete Short Films, Disk II, London: BFI 2007, 0:07:17. Abb. 6: Karel Trinkewitz: Golem, Assemblage (1992), Archiv der Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen: FSO 02-060 Kyncl. Mit freundlicher Genehmigung des Archivs der FSO.

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ZU DEN AUTORINNEN UND AUTOREN Michael Hagemeister ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Osteuropäische Geschichte der Ruhr-Universität Bochum. Promotion mit der Arbeit Nikolaj Fedorov: Studien zu Leben, Werk und Wirkung (München 1989). Publikationen zur russischen Philosophie und Geistesgeschichte, zum utopischen und apokalyptischen Denken in Russland sowie zu den »Protokollen der Weisen von Zion«. Herausgeber, gemeinsam mit Boris Groys, der Anthologie Die Neue Menschheit. Biopolitische Utopien in Russland zu Beginn des 20. Jahrhunderts (Frankfurt a. M. 2005). Jüngste Veröffentlichung: Die »Protokolle der Weisen von Zion« vor Gericht. Der Berner Prozess 1933–1937 und die »antisemitische Internationale« (Zürich 2017). Bojan Jović ist Direktor des Instituts für Literatur und Kunst (IKUM) Belgrad. Seine aktuellen Forschungsschwerpunkte umfassen die literarische Moderne, das Verhältnis der serbischen zur europäischen Avantgarde, Science Fiction, Utopie und Komik in der Literatur sowie die allgemeine und vergleichende Literaturtheorie. Zu seinen Publikationen zählen, in serbischer Sprache, die Monographien Der lyrische Roman im serbischen Expressionismus (Belgrad 1995), Die Geburt eines Genres: Das Aufkommen der serbischen Science-Fiction-Literatur (Belgrad 2006) und Helden moderner Zeiten: Charlie Chaplin und die europäische Avantgarde (Belgrad 2012). Alfrun Kliems ist Professorin für Westslawische Literaturen und Kulturen an der Humboldt-Universität zu Berlin. Forschungsschwerpunkte sind das Verhältnis von Stadt und Text, Urbanität in Ostmitteleuropa, Transformation der Romantik im Comic sowie die ostmitteleuropäische Exilliteratur. Mitherausgeberin u. a. der dreibändigen Reihe Lyrik des 20. Jahrhunderts in Ost-Mittel-Europa (Berlin 2006–2007) und des Bandes Spielplätze der Verweigerung. Gegenkulturen im östlichen Europa nach 1945 (Köln 2014). Autorin der Monographie Der Underground, die Wende und die Stadt. Poetiken des Urbanen in Ostmitteleuropa (Bielefeld 2015). schen Literaturen, (Wissens-)Kulturen und Künsten im internationalen Kontext. Mitherausgeberin der Bände Die Ordnung pluraler Kulturen. Figurationen europäischer Kulturgeschichte, vom Osten her gesehen (Berlin 2013) und Synergie. Kultur- und Wissensgeschichte einer Denkfigur (Paderborn 2016). Igor Polianski ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und Privatdozent am Institut für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin der Universität Ulm. Habilitation zum Thema Das Schweigen der Ärzte. Eine Kulturgeschichte der sowjetischen Medizin und ihrer Ethik (Stuttgart 2015). Publikationen zur Geschichte der Medizin und Biowissenschaften, zur Wissens- und Säkularisierungsgeschichte sowie zur deutschen und osteuropäischen Kulturgeschichte. Mitherausgeber der Bände Die Spur des Sputnik. Kulturhistorische Expeditionen ins kosmische Zeitalter (Frankfurt a. M. 2009) und Medizin im Spiegel ihrer Geschichte, Theorie und Ethik (Stuttgart 2012). Hannes Puchta studiert seit 2011 Slawische Sprachen und Literaturen und Ungarische Literatur und Kultur an der Humboldt-Universität zu Berlin. Seine Bachelorarbeit untersucht den Antagonismus von Fortschritt und modischem Wandel in der Literatur des Spätstalinismus und des Tauwetters. Seit 2015 ist er als studentischer Mitarbeiter im Projekt »Wissensgeschichte der Synergie« am Zentrum für Literaturund Kulturforschung tätig. Isabel Wünsche ist Professorin für Kunst und Kunstgeschichte an der Jacobs University Bremen. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählt die Kunst des 19. und 20 Jahrhunderts, insbesondere die klassische Moderne, die russische Avantgarde, die abstrakte Kunst und das Verhältnis von Kunst und Wissenschaft. Sie publizierte u. a. die Monographien Kunst & Leben. Michail Matjuschin und die Organische Kultur in der russischen Avantgarde (Köln 2012) und The Organic School of the Russian Avant-Garde: Nature’s Creative Principles (Farnham 2015). Herausgeberin von The Routledge Companion to Expressionism in a Transnational Context (London 2018). Tatjana Petzer ist Dilthey-Fellow der VolkswagenStiftung am Zentrum für Literatur- und Kulturforschung mit dem Projekt »Wissensgeschichte der Synergie«. Promotion mit einer Arbeit zu Geschichte als Palimpsest. Erinnerungsstrukturen in der Poetik von Danilo Kiš (Frankfurt a. M. 2006). Publikationen zu slawi-