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View in PDF(opens in a new window)DAS UNSTERBLICHKEITSKONZEPT
DES »PYTHAGOREAN INSTITUTE OF
PHILOSOPHICAL STUDIES FOR THE
IMMORTALITY OF MAN«
Hannes Puchta
Die Kryonik leistet bekanntlich das Versprechen, dass
der Tod für die Eingefrorenen in naher Zukunft nur ein
Warten bzw. Schlafen und somit lediglich ein Arretieren der Lebenszeit gewesen sein wird. Die zeitliche
Struktur, die der Argumentation der Kryoniker dabei
zugrunde liegt, ist in der Tat intrikat: Denn die in den
Programmen verschiedener kryonischer Institute
häufig anzutreffende euphemistische Formulierung,
durch den Einfrierungsprozess sei der Tod nunmehr
nur noch ein Schlafen, Warten oder Pausieren,
argumentiert im Wesentlichen im Modus des Futurs
II. Das Einfrieren wird Schlafen, Warten oder Pausieren gewesen sein, erst dann jedoch, wenn sich
die Hoffnung auf eine technische Reanimierung der
Verstorbenen in der Zukunft erfüllt. Wer den eigenen
Körper den Kryonikern übereignet, schließt so einen
Pakt mit der Zukunft, den diese erst noch gegenzeichnen muss.1
Im Gegensatz zu KrioRus, dem nach eigenen Aussagen ersten Kryonikinstitut Eurasiens,2 und seinem
US-amerikanischem Pendant, dem von Robert Ettinger gegründeten Cryonic Institute,3 handelt es sich
bei der Unsterblichkeitsagenda der Immortalisten des
1997 auf der griechischen Insel Gavdos gegründeten
Pythagorean Institute of Philosophical Studies for the
Immortality of Man (PIFEAA) nicht um den Versuch,
Unsterblichkeit auf technischem Wege zu erringen,
sondern im Rückgang auf antike Unsterblichkeitsmodelle eine Neubestimmung des Homo immortalis
zu bewirken. Zwar sind die meisten Mitglieder des
1
Vgl. dazu auch Benjamin Bühler: »Versprechen«, in: ders./
Stefan Willer (Hg.): Futurologien. Ordnungen des Zukunftswissens, Paderborn 2016, S. 39–50.
2
Damit wirbt zumindest der einleitende Text auf der Startseite, vgl. http://kriorus.ru/en (aufgerufen am 17.12. 2017).
3
Zur Gründungsgeschichte des CI vgl. o. A.: »Our History. A
brief timeline of moments that shaped our company«, http://
www.cryonics.org/ci-landing/history-timeline/ (aufgerufen
am 20.12.2017).
57
PIFEAA ebenfalls Wissenschaftler,4 das Wissen jedoch, dem sich diese Gruppe verschrieben hat, steht
weder im Dienste einer wie auch immer gearteten
Entgrenzung der Lebenszeit mit technischen Mitteln
noch zielt dieses Wissen darauf ab, die Transformation des Menschen im Zeichen der Optimierungsarbeit des human enhancement soweit voranzutreiben,
dass dieser in der Lage wäre, sich als sterbliche
Spezies quasi selbst zu überleben. Vielmehr handelt
es sich bei den Immortalisten von Gavdos und ihrem
PIFEAA um eine Gruppe von vornehmlich Physikern,
die der Versuch vereint, auf Gavdos etwas zu praktizieren, was sich in Anlehnung an Zygmunt Bauman
wohl am treffendsten als alternative Lebensstrategie
der Unsterblichkeit bezeichnen lässt.5
Die Alternative, die das PIFEAA dem gegenwärtigen
Unsterblichkeitsdiskurs entgegensetzt, wendet sich
dabei in erster Linie gegen eine seiner Meinung nach
reduktionistische Verkürzung der Todesproblematik, wie sie in den Einzelwissenschaften durch eine
Segmentierung des nur in seiner ganzen Auswirkung
auf das Leben zu begreifenden Phänomenkomplexes
Tod erfolgt. Der menschliche Tod komme dabei nicht
als Erlöschen eines singulären Sinnsystems in den
Blick, sondern werde als Irreversibilität einer punk4
Informationen über die einzelnen Mitglieder sind kaum
zugänglich. Vom Gründer der Gruppe, Andrej Drozdov, ist
jedoch bekannt, dass er als Liquidator in Tschernobyl eingesetzt wurde, somit also zu den Ersten gehörte, die nach
dem Unfall im Kraftwerk zur Beseitigung des radioaktiven
Mülls eingesetzt wurden und enormer Strahlenbelastung
ausgesetzt waren. Wie sehr dieses Ereignis auf seine
Vorstellung vom Tode bzw. dessen Überwindung eingewirkt
haben mag, deutet sich im Dokumentarfilm The Immortals
of Gavdos, Regie: Yiorgos Moustakis/Nikolas Labot, GR
2013 an. Ein kurzer Abriss über die Tätigkeiten der Gruppe
und ihrer Mitglieder findet sich auch in Manfred Ertel: »Die
Unsterblichen. Warum sich eine Gruppe Wissenschaftler
auf der Insel Gavdos auf griechische Götter beruft«, in: Der
Spiegel 27 (2014), S. 89.
5
Vgl. Zygmunt Bauman: Tod, Unsterblichkeit und andere
Lebensstrategien, Frankfurt a. M. 1994.
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tuellen Störung mit vernetzten Anschlussproblemen
zu einem Gegenstand der jeweiligen (medizinischen)
Einzeldisziplinen. Der antiszientistische Reflex
des PIFEAA richtet sich gegen ebendiese (natur-)
wissenschaftliche Modellierung von Unsterblichkeit.
Sein Alternativprogramm ist indes freilich keine
kohärente Systemphilosophie der Unsterblichkeit.
Vielmehr verhält es sich mit den Texten des PIFEAA
so, wie mit den Fragmenten derjenigen Vorsokratiker,
auf die sich die Immortalisten mehrheitlich beziehen:
Sie basieren auf einer Amalgamierung unterschiedlicher Episteme, die zwar einzelne Lebensbereiche
erhellen, aber nur durch eine nachträgliche Konstruktionsleistung zu einer einheitlichen Schule mit
kohärentem Programm zusammengefasst werden
können. Bereits der Ort, den die Immortalisten für ihre
Unternehmung auserkoren haben, sagt einiges über
ihre Ambitionen aus: So wählte man die Insel Gavdos,
die dem Regionalbezirk Charnia und gemeinsam mit
diesem der Region Kreta angehört, gerade deshalb
aus, weil hier die Wiege der europäischen Kultur läge,
deren Unabhängigkeit eng mit einer seit 1.000 Jahren
nahezu unverändert gebliebenen Lebensweise
zusammenhänge.6 Höchster Ausdruck dieser Antike
sei der »Europäische Mensch«,7 der in einem Text
der Gruppe anlässlich des auf der Insel abgehaltenen
Symposiums »Unsterblichkeit als Lebensstil« 2013
wie folgt beschrieben wird:
»[W]ir haben den göttlichen Ursprung des Menschen
gesucht. Wir fanden heraus, dass der Ursprung
außerhalb der Zeit in den tiefsten Wurzeln der Idee
des Europäischen Menschen liegt. Er liegt der antiken
kretischen Welt zugrunde, wo sich als erstes auf dem
Kontinent der Versuch ereignete, eine ganzheitliche
lokale Zivilisation Sterblicher und Unsterblicher zu
schaffen.«8
6
Ebd.: »Независимость Крита основана на образе
жизни, который, по сути, не меняется на протяжении
тысячелетий.« (»Die Unabhängigkeit Kretas basiert auf einer Lebensführung, die sich ihrem Wesen nach im Verlaufe
von 1.000 Jahren nicht geändert hat.«) Hier und im Folgenden meine Übersetzung, H. P. Die Webseite des PIFEAA
bietet auch eine englische Sprachversion, die zuweilen aber
in Inhalt und Umfang von den muttersprachlichen russischen Texten abweicht.
7
Großschreibung im Original: o. A.: »Simpozium 2013«,
https://pifea.org/symposium-2013/rus/ (aufgerufen am
17.12.2017).
8
»Simpozium 2013« (Anm. 7): »[…] мы искали божественный источник Человека. Мы обнаружили, что источник находится вне времени в глубочайших корнях идеи
Европейского Человека. Он лежит в основе древнего
критского мира, где состоялась первая на континенте
попытка сотворить целостную локальную цивилизацию
смертных и бессмертных.«
INTERJEKTE 12 / 2018
Die Umrisse jenes »Europäischen Menschen«, auf
den die Immortalisten in ihrem Text über die Unsterblichkeit als Lebensstil verweisen, wird zwar im Text
selbst nicht weiter nachgezeichnet, die Stoßrichtung
dieses Konstrukts ist dennoch klar. Der ›Europäische
Mensch‹ stellt einen Gegenentwurf zu den totalitären
Visionen vom Neuen Menschen9 dar, der seinerseits
als visionäres Konstrukt nie nur ›neuer‹ Mensch,
sondern immer auch Verkörperung eines gesellschaftspolitischen Entwurfs und damit eine Projektion
der Zukunft auf den Leib ist. Es ist genau dieser
futurologische Index, gegen den sich die Bezeichnung ›Europäischer Mensch‹ in ihrer Betonung des
Ursprünglichen abzuheben scheint. Pointierter lässt
sich dieser Antagonismus auch als Gegenüberstellung zweier Visionen, der des ›alten‹ und des ›neuen‹
Menschen akzentuieren. Somit könnte man das
PIFEAA im Sinne Foucaults als quasiarchäologische
Unternehmung fassen, die darauf abhebt, eine antike
Anthropologie zu (re)konstruieren, die ihrerseits einen
alternativen Zugang zur Sterblichkeit des Menschen
gewährleistet.
Allerdings greift eine solche Deutung zu kurz, weil
das Konzept des Europäischen Menschen in den online publizierten Texten der Immortalisten von Gavdos
nur eine schwach konturierte Andeutung bleibt, bei
deren Ausgestaltung die Konstruktion gegenüber der
Rekonstruktion überwiegt und mit einem geradezu
eurozentristischen Pathos der Ursprünglichkeit einhergeht. Vielmehr liegt der Konvergenzpunkt dieser
beiden Vorstellungen vom Menschen in der Figur des
Homo immortalis. Doch im Gegensatz zur futurologischen Ausrichtung des Neuen Menschen markiert
das Attribut ›europäisch‹ die Zugehörigkeit zu einer
Art ›europäischen Überlieferungsgeschehens‹ und
basiert somit nicht auf einem radikalen Bruch mit
überkommenen Anthropologien, sondern nimmt die
entgegengesetzte Bewegung auf dem Zeitstrahl, die
Rückbesinnung, zum Ausgangspunkt für eine Neujus9
Vgl. dazu das Kapitel »Wissenschaftlich-technische und
normative Grundlagen des neuen Menschen«, in: Richard
Saage: Philosophische Anthropologie und der technisch
aufgerüstete Mensch. Annäherungen an Strukturprobleme
des biologischen Zeitalters, Bochum 2011, S. 133–149,
sowie für einen kulturgeschichtlichen Abriss der Konzepte
des Neuen Menschen bzw. der Neuen Menschheit in der
russischen Moderne, die gerade für die mehrheitlich aus
Russland und der Ukraine stammenden Immortalisten von
Gavdos als Anreize für ihren Gegenentwurf gedient haben
dürften, Michael Hagemeister: »›Unser Körper muss unser
Werk sein.‹ Beherrschung der Natur und Überwindung des
Todes in russischen Projekten des frühen 20. Jahrhunderts«, in: ders./Boris Groys: Die Neue Menschheit. Biopolitische Utopien in Russland zu Beginn des 20. Jahrhunderts,
Frankfurt a. M. 2005, S. 19–67.
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tierung des Menschen. Handelt es sich demnach um
die Gegenüberstellung von revisionistischer (Rück-)
Besinnung und vorwärtsgewandter Optimierungsarbeit, so mag sich zwar die Verweisrichtung auf dem
Zeitstrahl unterscheiden – die mit den Attributen ›neu‹
und ›europäisch‹ versehenen anthropologischen Entwürfe bleiben jedoch insofern miteinander verbunden,
als sie in ihrem beständigen Streben nach Entgrenzung der Lebenszeit bis hin zur Unsterblichkeit ihre
Fundierung in utopischen Ideen nicht verbergen
können. Denn nicht nur das Ideologem des Neuen
Menschen, sondern auch der Europäische Mensch
der Immortalisten von Gavdos fußt auf einem umfassenden, die gegenwärtigen Konturen des Menschen
übersteigenden anthropologischen Entwurf. Nur ist
dieser im Falle der PIFEAA nicht an die Zukunft, sondern an die Insel Gavdos als Mnemotop einer antiken
Unsterblichkeitsanthropologie gebunden. Die Bemühungen der Immortalisten richten sich dabei in erster
Linie darauf, aus den Fragmenten der Vorsokratiker
eine Anthropologie zu (re-)konstruieren, innerhalb
deren der Tod kein integraler Bestandteil der Bestimmung des Menschen ist. Im Zentrum steht dabei die
pythagoreische Arithmetik, aus der ein Modell für
die Lesbarkeit der Welt extrapoliert wird. Durch ihre
Aktualisierung soll dem Unsterblichkeitsdiskurs verlorengegangenes Wissen über die Konstruktionsprinzipien der Welt als Ganzes zugeführt werden.10 Die
emphatische Betonung von Ganzheitlichkeit (celostnost’)11 bzw. eines ganzheitlichen Ansatzes (celostnyj
podchod) steht im Mittelpunkt aller programmatischen
Texte des PIFEAA. Bereits die Art und Weise, wie
das nach Pythagoras benannte Institut sein Unsterblichkeits-Symposium 2013 veranstaltete, hebt sich
deutlich von den üblichen Erwartungen an Konferenzen ab und gibt zu erkennen, dass ›Ganzheitlichkeit‹
von den Teilnehmern nicht nur als theoretisches
Konstrukt, sondern vielmehr im Sinne einer konkreten
Handlungsagenda begriffen wird, die auf die »Errichtung einer Welt ausgerichtet ist, so zum Beispiel auf
dem Gebiet der Insel während des Symposiums«.12
Die »Errichtung einer Welt«, zu der die Auswahl der
Gäste ebenso beiträgt wie das – für die Dauer, in der
10 Vgl. o. A.: »Vorlesung 1. Pythagoreische Arithmetik. Die
Regeln zur Erschaffung von Welten«, https://pifea.org/
arithmetics/lecture1/de/ (aufgerufen am 17.12.2017).
11 »Simpozium« (Anm. 7): »Как философская Школа мы
утверждаем целостный подход к образу жизни.« (»Als
philosophische Schule bekräftigen wir eine ganzheitliche
Herangehensweise an die Lebensführung.«)
12 »Simpozium« (Anm. 7): »[Целостный подход обозначает,
что всё, что мы делаем,] направлено на создание мира,
например, в пределах острова в течение Симпозиума.«
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diese Welt Bestand hat – Gesagte13 und Gefühlte,
umfasst somit alle sinnlichen Komponenten der erlebten Zeit14 und zeigt deutlich, dass die Bezeichnung
›Symposium‹ für diese Form der Zusammenkunft
tatsächlich viel eher an die ursprüngliche Bedeutung
dieses Wortes als Trinkgelage oder festliches Zusammenkommen anknüpft, als dass damit ein streng wissenschaftlicher Meinungsaustausch bezeichnet wäre.
Die Symposien, die auf Gavdos abgehalten werden,
sind demnach nicht als wissenschaftliche Konferenzen zum Problem der Unsterblichkeit zu verstehen,
sondern als performanceähnlicher Erfahrungsraum,15
der der zeitlich begrenzten Errichtung einer Welt
dient und als solcher selbst bereits ein gelebtes Stück
Unsterblichkeitserfahrung darstellt. Die Teilnahme
am Symposium stiftet neue Formen der Sinnlichkeit
und damit des gemeinschaftlichen Erlebens bzw.
des Erlebens von Gemeinschaft. Thema und Vollzug
des Symposiums werden dabei eins, sodass sich die
Grenzen zwischen Kunst und Wissenschaft in einem
Akt der Synthese allmählich auflösen.16
13 Es wird dabei ausdrücklich auf die schöpferische Kraft
des Wortes verwiesen; vgl. ebd.: »Реализационная сила
слова столь велика, что речью мы в значительной степени определяем возможность бессмертия человека.«
(»Die Realisierungskraft des Wortes ist derart enorm,
dass wir durch das gesprochene Wort die Möglichkeit der
Unsterblichkeit des Menschen in entscheidendem Maße
festlegen.«)
14 Ebd.: »Важно все, что происходит в это время: состав
участников, то, что будет сказано, почувствовано, как
мы проживем эти дни […]«. (»Alles, was in dieser Zeit geschieht, ist wichtig: die Zusammensetzung der Teilnehmer,
das, was gesagt, gefühlt werden wird, wie wir diese Tage
verleben […]«.)
15 Hier ist vor allem an das Orgien-Mysterien-Theater Hermann Nitschs zu denken, auch wenn Nitschs Ritualtheater
auf wesentlich drastischere Weise auf eine Reinigung bzw.
Freisetzung des Unbewussten abzielt und ein ›ontisches
Erweckungserlebnis‹ anstrebt. Vgl. Hermann Nitsch: »Bilanz/A life review«, in: Christine Wetzlinger-Grundnig (Hg.):
Hermann Nitsch. Das Gesamtkunstwerk des Orgien Mysterien Theaters und seine Disziplinen, Klagenfurt 2012, S.
11–61, hier S. 17 f.: »die abrekationsriten des o. m. [= orgien
mysterien] theaters sind als psychoanalytische dramaturgie
so gebaut, dass sie durch intensität, durch sinnliche elementarempfindungen in die tiefe loten, eine psychoanalytische dramaturgie lockert verdrängtes und lässt es fließen,
ein exzess an intensität entsteht […]. es kommt rückhaltlose
intensität zur wirkung, es wird wahrgenommen, der zuschauer (spielteilnehmer) wird hellwach, er wird aus seiner
lauheit herausgenommen, er wird in einen zustand versetzt,
er wird ins sein gebracht, er erfährt vehement, dass er ist.«
16 Zum Begriff der Synthese als Konzept der Deregulierung
disziplinärer Grenzen zwischen Wissenschaft und Kunst in
der russischen Kulturgeschichte vgl. Nadežda Grigor’eva/
Schamma Schahadat/Igor’ P. Smirnov u. a. (Hg.): Das
Konzept der Synthese im russischen Denken. Künste – Medien – Diskurse. Philosophie und Literatur, München/Berlin/
Wien 2010.
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Eine große Bedeutung in der zugleich aktionistischen
und kultischen Praktik solcher Symposien kommt
dabei dem Mysterienspiel zu, das innerhalb der drei
Betätigungsfelder Philosophie, Theater und Spiel
des PIFEAA dem Theater zugeordnet ist und als
»direkte Verständigung mit der immateriellen Welt«
beschrieben wird.17 Zur Durchführung eines solchen
Mysterienspiels werden drei Opferpriester oder -priesterinnen ausgewählt, die als ›unsichtbare Organe‹ den
Kontakt zu ebenfalls unsichtbaren Wesen im Umfeld
der Anwesenden ermöglichen sollen. Der Umstand,
dass der Mensch in der Kosmologie der Immortalisten
auch selbst als ganzheitliches Wesen vorgestellt
wird, das in sich wiederum alle Stufen der Existenz
vereint,18 birgt die Möglichkeit eines solchen Kontaktes zwischen dem Menschen und anderen Entitäten.
›Entitäten‹ beschreibt dabei wohl am treffendsten die
große Bandbreite der Wesen, mit denen die Anwesenden des Mysterienspiels, vermittelt durch den Priester,
Kontakt aufnehmen. Denn neben realen Wesen
umschließt der Kosmos der Immortalisten von Gavdos
auch Fabel- und Zwitterwesen, wobei Letztere
vornehmlich in Gestalt von Chimären aus der mythologischen Vorstellungswelt der klassischen Antike
vertreten sind. Wie bei einer klassischen Séance steht
im Mittelpunkt dieser Kulthandlung das gesprochene
Wort, das der Priester als Vermittler zwischen den
Menschen und den ihn umgebenden Wesen kundgibt:
»Die Erfahrungen, die die Teilnehmer während des
Mysterienspiels machen, drücken sie durch das gesprochene Wort aus. Wir gleichen uns dem unsterblichen Menschen an, denn der unsterbliche Mensch ist
der sprechende Mensch.«19 Für diesen unsterblichen
Menschen sind »Wissenschaft, Kunst, Technik, die
Erforschung des Kosmos Spielzeuge«20 und damit
Betätigungsfelder, die einerseits auf einen Erkenntniszuwachs im Ringen um die Unsterblichkeit abzielen,
darüber hinaus aber unmittelbar in soziales Interagieren münden und so durch eine unmittelbare Überset-
17 »Simpozium« (Anm. 7): »Театр включает в себя мистерию как прямое общение с нематериальным миром.«
(»Das Theater beinhaltet ein Mysterienspiel als direkte
Verständigung mit der immateriellen Welt.«)
18 Ebd.: »Человеку внутренне присуще свойство целостности, в нём содержатся все уровни существования:
от минералов до животной клетки.« (»Dem Menschen
wohnt die Eigenschaft der Ganzheit inne, in ihm sind alle
Stufen der Existenz vereint: von den Mineralen bis zur
eukaryotischen Zelle.«)
19 Ebd.: »То, что испытали участники во время Мистерии, они выражают речью. Мы уподобляем себя
бессмертному человеку, потому что бессмертный
человек – говорящий человек.«
20 Ebd.: »Искусство, наука, техника, исследование
космоса – это игрушки для Бессмертного Человека.«
INTERJEKTE 12 / 2018
zung bzw. einen Transfer der Erkenntnis aus einem
Bereich der Theorie in die Lebenspraxis miteinander
erst jene Ganzheitlichkeit herstellen, die eine Einsicht
in die Möglichkeiten der menschlichen Unsterblichkeit
erlaubt. Schöpferische Tätigkeit, spontanes Interagieren mit den anderen Teilnehmern und die Kraft des
Wortes stiften Verbindungen zwischen den sichtbaren
und unsichtbaren Teilnehmern einer solchen Séance
und sind so »examples of immortal behavior«.21
Gerade in ihrer ambivalenten bis ablehnenden
Haltung gegenüber der Wissenschaft, die zum einen
zwar dem unsterblichen Menschen als ›Spielzeug‹
dient, sich gleichzeitig jedoch den beiden zu allen
Zeiten gegen sie vorgebrachten Vorwürfen ausgesetzt
sieht, sie verhalte sich ihren Forschungsergebnissen
gegenüber moralisch indifferent, mortifiziere und zerlege ihren Gegenstand, spielt die Aufwertung instantaner sozialer, aufgrund ihrer Erlebnisfülle sozusagen
›unsterblicher‹ Momente eine entscheidende Rolle.
Vor allem die Invektive gegen die Wissenschaft, sie
könne auf die Frage nach dem Sinn des Menschen
keine Antwort geben, rührt aus der emphatischen
Betonung eines ganzheitlichen Lebensbegriffs22 her,
der aber stets präreflexiv bleibt und so jene bereits
beschriebene, nicht en détail artikulierbare Ganzheitserfahrung zum Ausdruck bringt, die sich gegen
die Zersetzung der Lebenswelt durch die Naturwissenschaften und ihren berechnenden Umgang mit
der Umwelt wendet. Als Ganzheitserfahrung ist dabei
wohl die Einsicht zu verstehen, dass Unsterblichkeit
nicht durch die auf das einzelne Leben bzw. den
jeweiligen Körper gewendete und medizintechnisch
appropriierte Perfektibilitätslehre23 errungen, sondern
nur im Kollektiv als Praxis gelebt werden kann.
Die Immortalisten von Gavdos wenden sich mit dieser
Volte jedoch auch gegen die im 19. Jahrhundert
einsetzende Segmentierung des Todes bzw. des
Sterbeprozesses in und durch die Einzelwissenschaften. Wie Zygmunt Bauman in seinem Buch Tod,
21 Ankündigung des »Philosophical Symposium« zum Thema
»Immortality as a way of Life«, 02.07.2013, https://pifea.
org/2013/07/02/philosophical-simposium/ (aufgerufen am
04.12.2017).
22 Dieses Problem zieht sich auch durch Freya Mathews: For
Love of Matter. A Contemporary Panpsychism, New York
2003. Hier werden Leben, Welt und Ganzheit bzw. »the
One« als Äquivalenzbegriffe behandelt, ohne dass diese
Gleichsetzung problematisiert würde; vgl. S. 45–69.
23 Zur Transformation des Perfektibilitätsgedankens der
Aufklärung durch die Biologie vgl. Karen Knorr Cetina:
»Beyond Enlightenment: The Rise of the Culture of Life«, in:
European Communities (Hg): Modern Biology & Visions of
Humanity, Brüssel 2004, S. 29–41.
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Unsterblichkeit und andere Überlebensstrategien
zeigt, zeichnet sich die Verdrängung der Moderne
nämlich nicht nur durch eine Verdrängung all jener
Institutionen, die mit den Prozessen des Sterbens
und dem Tod assoziiert werden, aus dem alltäglichen
Gesellschaftsleben aus, sondern auch durch eine
epistemologische Verschiebung in der Wahrnehmung
des Todes selbst.24 Sterben rückt dabei zunehmend
als Resultat einer Kausalattribution entlang einer
Kettenreaktion von körperlichem Versagen in den
Fokus, an deren Ende dann die definitive Todesursache steht. Das Sterben wird so lediglich als Versagen
einzelner (Bestand-)Teile des Körpers aufgefasst,
dem durch gezielte Interventionen gegen ganz spezifische Symptome Einhalt geboten werden könne,
sei es auch nur in Form eines Aufschubs. Auch
die Visionen einer »prothetisierte[n] Zukunft«25 im
Post- und Transhumanismus zehren von der Vorstellung, dass der Mensch grundsätzlich immer schon
unsterblich sei. Man müsse nur die Todesursachen
– verstanden als Störungen, die einer Entfaltung der
potentiellen Unsterblichkeit im Wege stehen – durch
medizinisch-technische Apparate immer weiter
hinauszögern, um sie schließlich ganz zu eliminieren
und den Körper durch radikale technische Eingriffe
bis hin zur Entkörperlichung neu konfigurieren.
Gegen die Versuche, durch Prothesen und Implantate
mit der Dingwelt zu konkurrieren26 oder im Prozess
des mind uploading gar den vermeintlichen Makel
der leiblichen Geburt27 nachträglich zu beheben,
24 Vgl. Zygmunt Bauman: Tod, Unsterblichkeit (Anm. 5), S.
227–244. Zur institutionellen und räumlichen Auslagerung
des Todes vgl. Philippe Ariès: Geschichte des Todes, München 1980.
25 So die Formulierung Oliver Deckers in seinem Aufsatz
»Prothesengötter und transhumane Versprechen«, in:
Menschenverbesserung. Transhumanismus, Frankfurt a. M.
2014, S. 69–82, hier S. 71.
26 Vgl. Günther Anders: Die Antiquiertheit des Menschen,
Bd. 1: Über die Seele im Zeitalter der zweiten industriellen
Revolution, München 51980. Für das Unbehagen, das der
Mensch aufgrund seines Unvermögens empfindet, mit den
technischen Dingen konkurrieren zu können, hat Anders
bekanntlich die Fügung »prometheische Scham« geprägt.
So sehr Anders auch versucht, eine wie auch immer geartete
positive Bestimmung des Menschen zu umgehen, bleibt eine
solche positive Bestimmung (bzw. ihre Möglichkeit) letztlich
immer das Enthymem einer Argumentation, die vom Menschen sagt: »immer weiter entfernt er sich von sich selbst;
immer weiter transzendiert er sich« (ebd., S. 38).
27 Vgl. ebd., S. 24. Anders, dessen Buch 1956 erschien, konnte freilich noch nichts von mind uploading wissen, seine
kritische, stellenweise polemische Auseinandersetzung mit
dem in den 1950er Jahren diskutierten human engineering
hält jedoch auch für die aktuellen Debatten um das human
enhancement noch entscheidende Argumente bereit.
61
ist das PIFEAA in der Tat ein, wenn auch äußerst
spekulativer, Gegenentwurf. Indem die Immortalisten
von Gavdos die Vermittlungsfunktion des Menschen
innerhalb einer Stufenfolge von – wenn auch in ihrer
realen Existenz teilweise fragwürdigen – Wesen zum
Ausgangspunkt ihrer Kosmologie machen, vertreten
sie eine singuläre Position im derzeitigen Unsterblichkeitsdiskurs: Unsterblichkeit ist im Verständnis der
Immortalisten von Gavdos der Name für ein Programm alternativer Lebensführung, das auf der Idee
einer panpsychistischen Ethik 28 beruht. Im Gegensatz
zu frühen russischen panpsychistischen Entwürfen
wie denen des Raumfahrtpioniers Konstantin Ė.
Ciolkovskij, der von sich selbst sagte, er sei nicht nur
Materialist, sondern auch Panpsychist,29 machen die
Immortalisten die panpsychistische Ausgangsthese,
dass es sich bei unserer Um- und Mitwelt um eine
»responsive world« handelt,30 zur Grundlage eines
ethischen Appells. Ciolkovskij seinerseits ging zwar
davon aus, dass auch Atome ein Gefühlsleben31
hätten und in einem unendlichen Prozess der Neuund Umformung begriffen seien, doch führte seine
Annahme, die Abstufung der Empfindungsqualitäten
sei lediglich von der Komplexität des Lebewesens
abhängig und finde im Menschen ihre höchste
Ausprägung, unweigerlich dazu, die Verfügungsgewalt Letzterer über weniger empfindungsfähige und
nach seinem Verständnis unvollkommen entwickelte
Lebewesen zu legitimieren.32 Was die Immortalisten als Existenzniveaus (urovni suščestvovanija)
bezeichnen, ist zwar eine Unterscheidung nach der
Ausprägung des Subjektivierungsgrades und damit
auch eine Einteilung der Umwelt nach ihrer ›Responsivität‹, anders als Ciolkovskij ziehen sie daraus
jedoch nicht den Schluss, dass aus einer solchen
Skalierung auch eine Hierarchisierung der Seinswei-
28 Eine solche Position wurde zuletzt skizziert in Mathews: For
Love of Matter (Anm. 22). Eine Quintessenz panpsychistischer Theorie findet sich in Thomas Nagel: »Der Panpsychismus«, übers. von Michael Gebauer/Hans-Peter Schütt,
in: ders.: Letzte Fragen (1996), hg. von Michael Gebauer,
Berlin/Wien 2001, S. 251–267.
29 Vgl. Konstantin Ė. Ciolkovskij: »Monizm Vselennoj« (1925),
in: S[vetlana] G. Semenova/A[nastasija] G. Gačeva (Hg.):
Russkij kosmizm. Antologija filosofskoj mysli, Moskau 1993,
S. 264–281, hier S. 266.
30 Mathews: For Love of Matter (Anm. 22), S. 5. Ciolkovskij
geht ebenfalls davon aus, dass das uns umgebende
Universum ›responsiv‹ (otzyvčivyj) sei, entscheidend für
seine panpsychistische Theorie ist aber eine Skalierung der
Entitäten des Universums nach ihrer Fähigkeit, Empfindungen zu haben (čuvstvitel’nost’). Vgl. Ciolkovskij: »Monizm
Vselennoj« (Anm. 29), S. 264 f.
31 Vgl. ebd, S. 276 f.
32 Vgl. den Beitrag von Michael Hagemeister in dieser Ausgabe.
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sen gefolgert werden könne. Wo Ciolkovskij jenen
Lebewesen mit geringem Empfindungsvermögen
das Existenzrecht abspricht und bereit ist, Pflanzen,
Tiere und ›unvollkommenes‹ menschliches Leben
für eine Welt ohne Leiden zu opfern,33 plädieren die
Immortalisten für eine Strategie, die man mit Freya
Mathews als Privilegierung des encounter gegenüber
dem knowledge bezeichnen könnte. Mathews, die
in ihrem Buch For Love of Matter. A Contemporary
Panpsychism versucht, panpsychistische Ansätze zu
aktualisieren und mit ihnen den ›cartesianischen Defekt‹ der ›westlichen Philosophie‹ zu beheben, stellt
im Kapitel »The Priority of Encounter Over Knowledge« zwei kontrastierende Weltzugänge gegenüber:
Während knowledge auf Beobachtung und Sammlung
von Wissen beruht und somit ein Verhältnis zum
Untersuchungsgegenstand bezeichnet, das aufgrund
seiner klaren Subjekt-Objekt-Trennung keinen ›realen
Kontakt‹ im Sinne eines encounter zulasse, sondern
auf der Ebene der »noncommunicative empiriocritical
investigation«34 verbleibe, wird mit encounter ein
Weltzugang beschrieben, der gegen die »separation
of self and world«35 anarbeitet und der Beobachtung
das Sich-Einlassen mit der Umwelt als quasikommunikativen Akt entgegensetzt, da dieser Mathews
zufolge dem ›Wissen‹ immer schon vorausgehe:
»Knowledge is probably no more than a postscript to
encounter.«36
dass er so gewaltige Fähigkeiten besitzt, verweist
auf die unendliche Verantwortung der Menschen im
Vergleich zu anderen Arten auf der Erde.«38
Auch wenn die Immortalisten von Gavdos in ihrer
Konzeptualisierung des Todesproblems insofern eine
skeptische Haltung gegenüber der biologischen bzw.
medizinisch-technischen Modellierung der Unsterblichkeitsproblematik beziehen, als sie den Tod nicht
über den Funktionsverlust einzelner Bestandteile
des Körpers, sondern über seine physiologische
Bedeutung hinaus als gesellschaftliches und das
heißt auch zwischenmenschliches Phänomen wieder
in den Fokus rücken, sind auch sie nicht frei vom
Pathos der Idee eines Neuen Menschen. Dass in
ihren Texten die Frage nach der Unsterblichkeit die
Konturen einer gemeinschaftlichen Praxis bekommt,
sollte nicht den Blick auf die Tatsache verstellen, dass
die ›Rückbesinnung‹ der Immortalisten von Gavdos
auf die antiken Wurzeln des Unsterblichkeitsglaubens
in erster Linie eine geradezu mythopoietische Konstruktionsleistung darstellt, an deren Ende die schöpferische Erfindung und nicht das Auffinden einer
antiken Unsterblichkeitstradition steht: Die Besinnung
auf das ›Ursprüngliche‹ wird hier zum Modus der
Gegenwartsbewältigung verklärt, die Vergangenheit
des europäischen Homo immortalis zur Zukunft der
Menschheit erklärt.
Den Umstand, dass der Mensch aller Unwahrscheinlichkeit zum Trotz über ungeheure und nicht näher
definierte ›Kräfte‹ verfüge, sehen die Immortalisten
von Gavdos somit als Hinweis auf die Verantwortung
des Menschen gegenüber der Natur. Aus dieser
Sonderstellung des Menschen im Kosmos folgt
nicht die Legitimation der menschlichen Verfügungsgewalt über die Natur bzw. alles Seiende, sondern im
Gegenteil die Verpflichtung zu einem verantwortungsvollen Umgang37 mit Letzterem:
»Vom Gesichtspunkt der Natur aus betrachtet ist der
Menschen an sich ein Wunder: Er besitzt Fähigkeiten, die weit entfernt von dem sind, was die Natur
hervorzubringen in der Lage ist. Allein die Tatsache,
33 Vgl. ebd.
34 Mathews: For Love of Matter (Anm. 22), S. 78.
35 Ebd., S. 88.
36 Ebd., S. 87.
37 Auch Mathews argumentiert, dass der Panpsychismus die
intellektuellen Ressourcen bereithalte, um der drohenden
»ecological tragedy« mit einem anderen Umweltverständnis entgegenzuwirken. Vgl. Mathews: For Love of Matter
(Anm. 22), S. 4.
INTERJEKTE 12 / 2018
38 »Simpozium« (Anm. 7): »С точки зрения природы, люди
сами по себе чудо: они обладают способностями,
которые далеки от того, что природа знает, и могла бы
когда-либо родить. Сам факт того, что они обладают
такой огромной силой, намекает на бесконечную
ответственность людей, по сравнению с любыми
другими видами на Земле.«
Page 7
View in PDF(opens in a new window)ABBILDUNGSNACHWEISE
Michael Hagemeister: »Der Tod ist eine der
Illusionen...«
Abb. 1: K.Ė. Ciolkovskij so sluchovoj truboj (K. Ė.
Ciolkovskij mit Hörrohr), 1930, Bildrechte: Archiv
der Russländischen Akademie der Wissenschaften
(Archiv Rossijskoj akademii nauk – ARAN), f. 555.
op. 2. d. 132. l. 5. Mit freundlicher Genehmigung des
ARAN.
Tatjana Petzer: Kybernetische Unsterblichkeit
Abb. 1: Skizze o.T., aus: Nikolaj Amosov: »Zapiski iz
buduščego. Knjiga pervaja: Start«, in: Nauka i žizn’ 27
(1965) 9, S. 97–120, hier S. 109.
Abb. 2: 2045 Strategic Social Initiative: Avatar Project
Milestones, http://2045.com/.
Isabel Wünsche: Lebendigkeit in der Kunst der
organischen Schule
Abb. 1: Nikolaj Kul’bin mit den Teilnehmern der Dreieck-Ausstellung, St. Petersburg, 1910. Heinrich Klotz
(Hg.): Matjuschin und die Leningrader Avantgarde,
Ausst. Kat., ZKM Karlsruhe, Oktogon Verlag Stuttgart/
München 1991, Foto 9, S. 111.
Abb. 2: Elena Guro in der Natur, ca. 1912. Foto:
Michail Matjušin. Organica. New Perception of Nature
in the Russian Avant-Gardism of the 20th Century /
Organika. Novaja mera vosprijatja prirody chudožnikami russkogo avangarda 20 veka, Ausst. Kat.,
Moscow Art Centre 2001, Abb. 10, S. 32
Abb. 3: Michail Matjušin mit seinen Wurzelskulpturen
vor den Bildern von Pavel Filonov in der Ersten Freien
Staatlichen Kunstausstellung, 1919 im Winterpalast
in Petrograd. Heinrich Klotz (Hg.): Matjuschin und die
Leningrader Avantgarde, Ausst. Kat., ZKM Karlsruhe,
Oktogon Verlag Stuttgart/München 1991, Foto 17, S.
116.
Alfrun Kliems: Unsterblichkeit und Subversion
Abb. 1, 2, 3 und 4: Filmstills aus My žijeme v Praze ...
Dokumentarfilm mit Egon Bondy (1985), Regie:
Tomáš Mazal/Pablo de Sax, Prag: Guerilla Records
2007, Vorspann, 0:01:58, 0:02:10, 0:48:30 und 1:04:11.
Abb. 5: Filmstill aus Tma, Světlo, Tma (1989), Drehbuch und Regie: Jan Švankmajer, in: The Complete
Short Films, Disk II, London: BFI 2007, 0:07:17.
Abb. 6: Karel Trinkewitz: Golem, Assemblage (1992),
Archiv der Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen: FSO 02-060 Kyncl. Mit freundlicher
Genehmigung des Archivs der FSO.
Page 8
View in PDF(opens in a new window)ZU DEN AUTORINNEN UND AUTOREN
Michael Hagemeister ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Osteuropäische Geschichte
der Ruhr-Universität Bochum. Promotion mit der
Arbeit Nikolaj Fedorov: Studien zu Leben, Werk
und Wirkung (München 1989). Publikationen zur
russischen Philosophie und Geistesgeschichte,
zum utopischen und apokalyptischen Denken in
Russland sowie zu den »Protokollen der Weisen von
Zion«. Herausgeber, gemeinsam mit Boris Groys,
der Anthologie Die Neue Menschheit. Biopolitische
Utopien in Russland zu Beginn des 20. Jahrhunderts
(Frankfurt a. M. 2005). Jüngste Veröffentlichung: Die
»Protokolle der Weisen von Zion« vor Gericht. Der
Berner Prozess 1933–1937 und die »antisemitische
Internationale« (Zürich 2017).
Bojan Jović ist Direktor des Instituts für Literatur und
Kunst (IKUM) Belgrad. Seine aktuellen Forschungsschwerpunkte umfassen die literarische Moderne,
das Verhältnis der serbischen zur europäischen
Avantgarde, Science Fiction, Utopie und Komik in
der Literatur sowie die allgemeine und vergleichende
Literaturtheorie. Zu seinen Publikationen zählen, in
serbischer Sprache, die Monographien Der lyrische
Roman im serbischen Expressionismus (Belgrad
1995), Die Geburt eines Genres: Das Aufkommen der
serbischen Science-Fiction-Literatur (Belgrad 2006)
und Helden moderner Zeiten: Charlie Chaplin und die
europäische Avantgarde (Belgrad 2012).
Alfrun Kliems ist Professorin für Westslawische
Literaturen und Kulturen an der Humboldt-Universität
zu Berlin. Forschungsschwerpunkte sind das Verhältnis von Stadt und Text, Urbanität in Ostmitteleuropa,
Transformation der Romantik im Comic sowie die
ostmitteleuropäische Exilliteratur. Mitherausgeberin
u. a. der dreibändigen Reihe Lyrik des 20. Jahrhunderts in Ost-Mittel-Europa (Berlin 2006–2007) und des
Bandes Spielplätze der Verweigerung. Gegenkulturen
im östlichen Europa nach 1945 (Köln 2014). Autorin
der Monographie Der Underground, die Wende und
die Stadt. Poetiken des Urbanen in Ostmitteleuropa
(Bielefeld 2015).
schen Literaturen, (Wissens-)Kulturen und Künsten im
internationalen Kontext. Mitherausgeberin der Bände
Die Ordnung pluraler Kulturen. Figurationen europäischer Kulturgeschichte, vom Osten her gesehen
(Berlin 2013) und Synergie. Kultur- und Wissensgeschichte einer Denkfigur (Paderborn 2016).
Igor Polianski ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und
Privatdozent am Institut für Geschichte, Theorie und
Ethik der Medizin der Universität Ulm. Habilitation
zum Thema Das Schweigen der Ärzte. Eine Kulturgeschichte der sowjetischen Medizin und ihrer Ethik
(Stuttgart 2015). Publikationen zur Geschichte der
Medizin und Biowissenschaften, zur Wissens- und
Säkularisierungsgeschichte sowie zur deutschen und
osteuropäischen Kulturgeschichte. Mitherausgeber
der Bände Die Spur des Sputnik. Kulturhistorische
Expeditionen ins kosmische Zeitalter (Frankfurt a. M.
2009) und Medizin im Spiegel ihrer Geschichte, Theorie und Ethik (Stuttgart 2012).
Hannes Puchta studiert seit 2011 Slawische Sprachen und Literaturen und Ungarische Literatur und
Kultur an der Humboldt-Universität zu Berlin. Seine
Bachelorarbeit untersucht den Antagonismus von
Fortschritt und modischem Wandel in der Literatur
des Spätstalinismus und des Tauwetters. Seit 2015 ist
er als studentischer Mitarbeiter im Projekt »Wissensgeschichte der Synergie« am Zentrum für Literaturund Kulturforschung tätig.
Isabel Wünsche ist Professorin für Kunst und
Kunstgeschichte an der Jacobs University Bremen.
Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählt die Kunst
des 19. und 20 Jahrhunderts, insbesondere die
klassische Moderne, die russische Avantgarde, die
abstrakte Kunst und das Verhältnis von Kunst und
Wissenschaft. Sie publizierte u. a. die Monographien
Kunst & Leben. Michail Matjuschin und die Organische Kultur in der russischen Avantgarde (Köln 2012)
und The Organic School of the Russian Avant-Garde:
Nature’s Creative Principles (Farnham 2015). Herausgeberin von The Routledge Companion to Expressionism in a Transnational Context (London 2018).
Tatjana Petzer ist Dilthey-Fellow der VolkswagenStiftung am Zentrum für Literatur- und Kulturforschung
mit dem Projekt »Wissensgeschichte der Synergie«.
Promotion mit einer Arbeit zu Geschichte als Palimpsest. Erinnerungsstrukturen in der Poetik von Danilo
Kiš (Frankfurt a. M. 2006). Publikationen zu slawi-