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Luca Signorellis Pan
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HAUSER A :
Kunst als Sublimierung von Liebe
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132
)
ANDREAS HAUSER
Das ratselhafte Panbild von Luca Signorelli
(geb. gegen 1450, gest. 1523) gehört zu den
\AR
Werken, die nicht aufhôren, die Kunsthistoriker
herauszufordern — dies, obwohl es nur noch in
Form von Reproduktionen existiert (Fig. 1).'
1865 hatte es ein Restaurator im Estrich eines
florentinischen Palastes entdeckt und nach
Entfernung spater aufgemalter Gewander mit
jenen „nackten Göttern“ identifiziert, von denen
Frauengestalten sichtbar; mit ihnen erreich:
ablehnte, gelangte es 1873 ins Kaiser-Friedrichdie Begleitschaft Pans die Siebenzahl. Endlich
sind noch vier Kleinfiguren zu nennen:
zwischen Pan und dem zu seiner Rechten
Stehenden kann man im Hintergrund ein
Triumphtor und zwei Reiter erkennen, und im
Museum in Berlin; und in dieser Stadt wurde es
Himmel formen die Wolken zwei Figuren —
Vasari sagt, der Maler habe sie während seines
Aufenthaltes in Florenz geschaffen und Lorenzo
(de’ Medici) zum Geschenk gemacht. Da die
National Gallery in London den Kauf des Bildes
am Ende des Zweiten Weltkrieges zerstört.?
Das monumentale, vermutlich um
Lu>,
von einer Aureole umgeben und die Hérn
haben die Form einer Mondsichel. In der Rech
ten trägt der Gott den Stab der unendliche:
Wiederkehr, in der Linken eine Flöte, deren
sieben Röhren‘ die Sphärenharmonie symbolisieren.” Um Pan herum sind fünf Figuren
gruppiert, vier männliche und eine weiblich:
Links aussen sind im Mittelgrund zwei weiter
1490?
rechts aussen eine anthropomorphe Gestalt,
links einen Reiter.
entstandene Werk (1,94 x 2,57 m)* war viel-
Zu den Eigentümlichkeiten des Bildes gehört
leicht fiir die Mediceer-Villa in Careggi (Fiedas Vorhandenseins einer ganzen Anzahl
sole) bestimmt; in allegorisch-mythologischer
stabförmiger Objekte: „in etwas sperriger
Ueberhéhung stellt es das Credo des neupla-
Weise
tonischen, in Marsilio Ficino (1433-1499) und
begleitender Lineatur*.* Teils handelt es sich
Lorenzo de’ Medici (1449-1492) zentrierten
um Stöcke und Stäbe, teils um Flöten und/
Kreises dar, der in diesem neuen Arkadien seinen
oder Blasrohre.? Obwohl sie eine Art Leitmotiv
Versammlungsort hatte. Die Hauptfigur des
bilden, hat man sich mit diesen Röhren bislang
bilden [sie] eine Art von Gerüst und
Bildes ist der Naturgott Pan. Es ist ,nicht
kaum beschäftigt. Das soll hier nachgeholt
der ursprüngliche althellenische Hirtengott ... ,
werden. Man kann das Motiv nur verstehen,
weder der Erreger des panischen Entsetzens
wenn man sich zuvor mit der Identität der
noch der Schlifer in mittiglicher Stille, noch
nackten Fraugestalt und des liegenden Jünglings
der alte arkadische Bock ... , sondern der Grosse
befasst. In deren Bestimmung weicht der vor-
Pan“ der Pythagoräer, Orphiker und Stoiker,
liegende Deutungsversuch von den jüngerer
der „Lenker und Herr des Alls, dessen Leib
Arbeiten ab, im Ganzen aber bestätigt und vertie!
vom festen Fels der Erde bis zum immaterieler die Interpretation, die Herbig, Brumme:
len Geleuchte der Aetherregion emporreicht“.°
Pochat und Freedman vom Gemälde erarbeitet
Die Beine sind die eines Bocks, iiber der Schulter
haben.”
aber liegt ein gestirntes Pallium, der Kopf ist
© Scandinavian University Press 1999.
ISSN 0023-3609
Konsthistorisk Tidskrift, LXVIII, Häfte 4, 19
Página 2
Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)Who's who im Pangemälde
Niemand hat je bezweifelt, dass die zentrale
Gestalt des Bildes Pan ist. Den iibrigen Figuren
dagegen hat man im Lauf der Zeit unterschiedliche Namen und Bedeutungen zuerkannt
(Fig. 2). Als Crowe und Cavalcaselle das vor
kurzem entdeckte Werk erstmals beschrieben,
vermuteten sie im nackten Flötenspieler zur
Linken Pans Olympos. Auf ihn dürften sie
gekommen sein, weil er in der Antike als Erfinder
der Aulosmusik galt.'' Den vorn Liegenden
verstanden sie als Satyr; angesichts des Umstandes, dass er mit der nackten Frau links gleichsam
die Rohre kreuzt, dachten sie an einen musikalischen Wettstreit. In der Nymphe habe man
sich „vielleicht Echo oder Syrinx (die Personifikation der Rohrflóte) vorzustellen*.'* Dieses
Schwanken entschied Roger Fry 1902 zugunsten
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der zweiten; sie sei als Symbol des weiblichen
Prinzips in der Natur zu verstehen. Die um Pan
gruppierten männlichen Figuren fasste er als
Repräsentanten der vier Tätigkeiten des menschlichen Lebens auf; der Liegende vertrete die Liebe,
der Flötenspieler die Pflege ländlicher Künste,
der Hirte reifen Alters zur Rechten Pans die
geistige Tätigkeit, der alte Hirte rechts die kontemplative Rückerinnerung.
Mit dem Siegeszug der Ikonologie nach
dem zweiten Weltkrieg setzte eine intensivere
Auseinandersetzung mit dem (inzwischen
zerstörten) Werk ein. Den Auftakt machte
Robert Eisler 1948 mit einem Aufsatz über
Luca Signorelli ‚School of Pan‘. Zunächst bekräftigte er die alte Deutung des nackten Jünglings
als Olympos; die literarische Quelle zu dieser
Figur seien zwei Passagen in Plinius’ Natur-
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Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)energisch für Echo'®. Seiner Meinung nach liegt
Philosoph zur Rechten Pans” die höhere, auf das
Ideelle gerichtete Philosophie Platons repräsentiere.** Herbig macht durch Vergleich mit
einer Portratmedaille wahrscheinlich, dass es sich
beim jiingeren der zwei Hirten um ein Rollenbild
Signorellis Bild ein Gedicht des hellenistischen
Marsilio Ficinos, der zentralen Gestalt des Flo-
Bukolikers Moschos zugrunde, das von einem
rentiner Neuplatonismus, handelt. Auf ihn, den
geschichte, wo von Pan-Olympos-Statuengruppen die Rede ist.'* Was dagegen die Nymphe
betrifft, lehnte er die inzwischen allgemein
akzeptierte Deutung als Syrinx'? ab und votierte
ungliicklichen Reigen nicht erwiederter Liebe
Saturniker, weise der Umstand, dass die links
handelt: Pan liebt Echo, diese den Satyr, der
situierte Nymphe ,,die damals gefundene Haltwiederum die Nymphe Lyde.'” Beim Liegenden
ung der Melancholia zur Schau trägt“. In diesem
vorn würde es sich um Satyros handeln'*, bei der
Zusammenhang kommt Herbig — als erster — auf
melancholischen Gestalt links aussen um Lyde,
den seltsamen Wolkenreiter zu sprechen; er sieh
und bei der kleinen Stehfigur neben ihr um ein
in ihm den Planetengott Saturn: auch diese
Mädchen, in welches Lyde sich ihrerseits ung-
Motiv verweise auf Ficino”. Im Profil des
lücklich verliebt habe. Eisler meint, dass der alte
Olympos aber glaubt Herbig die charakteris-
Bildtitel — La Scuola del dio Pane - treffend sei'”;
tischen Züge Lorenzos ausmachen zu können.
Pan lehre seine Begleiter tatsächlich etwas. Was,
„Die Situation wäre vielleicht so zu verstehen,
könne man aus einer Rede von Dio Chrisostomos
dass Olympos-Lorenzo- als ... Liebling [Pans
erfahren. Dort singt der kynische Philosoph.
gleichzeitig mit seinem Lehrer, dem Alten von
Diogenes das Loblied auf die preiswerteste aller
Berge Marsilio als novel Plato, dem Santo Pan ....
sexuellen Tätigkeiten, die Selbstbefriedigung:
als dem Alleinherrscher auch im neuen Arkadien
hätten die Männer sie praktiziert, wäre Troja
nie erobert worden. Diese Technik habe einst
gemeinsam ... ihre Huldigung darbringen*.*
Pan Platonicus betitelt Brummer 1964 seinen
Merkur seinem Sohn Pan beigebracht, als dieser
Aufsatz iiber Signorellis Bild. Schon Herbig hatte
sich in vergeblicher Liebe zu Echo verzehrte, und
erkannt, dass die beiden im Hintergrund sichtder Naturgott habe dann das Verfahren den
baren Reiter — cin wilder mit einem Rappen, ein
Schäfern vermittelr.?? Eben von dieser Lektion
beherrschter mit einem Schimmel — mit dem
handelt nach Eisler Signorellis Bild.”
bekannten Seelengleichnis des Phaidros zusam-
In seinem vier Jahre jüngeren Aufsatz Alcuni
menhangen.” Brummer zeigt, dass die Beziehung
dei ignudi identifiziert auch Herbig die beiden
des Bildes zu diesem Dialog, in welchem am
Aktgestalten als Echo und Olympos. Im liegen-
Ende Sokrates den Pan anruft, noch viel enger
den, mit Weinlaub gegiirteten Jüngling sieht er
ist; er macht wahrscheinlich, dass mit der bukoaber nicht Satyros, sondern eine dionysische
lischen Landschaftsszenerie eben diejenige
Gestalt. Seiner Meinung nach repräsentiert diese
gemeint ist, wo der beriihmte Dialog statt-
Figur (zusammen mit Echo) das, was der Allgott
gefunden hat. Sokrates suchte diesen von
Pan iiberwindet, nämlich das Erd- und Triebhafte.
Nymphen bewohnten und vom Göttlichen
Vergeblich versuche der Liegende mit seinen
erfüllten Ort auf, weil er ihn in einen Zustand
Tönen „in die himmlischen Regionen zu dringen,
der Bessenheit geraten und in Dithyramben
wo der lichte Jüngling am Ohr der Gottheit
sprechen liess.” Eben diesen furor thematisiert
musiziert“: des „dumpferen Gesellen ‚Lied von
nach Brummer Signorelli in seinem Bild; der
der Erde‘ wird schon vom irdischen Echo
Hirt, der die Züge Ficinos trägt, sei als „göttabgefangen“**. Den bejahrten Hirten rechts
lich inspirierter Philosoph“ zu verstehen, und
vergleicht er mit antiken Diogenes-Statuen; die
der Flétenspieler als reiner, vom Göttliche:
Figur gehöre ebenfalls zum Bereich des Niederen;
erfüllter Jingling.* In Marsilio Ficinos Phaidros
sie stehe für das „schwerfällige dingliche Denken“
Kommentar findet Brummer sodann die Bemerder Kyniker und der Peripatetiker, während der
kung, dass bei der Verwandlung eines Ortes in
ähnlich gewandete und ausgeriistete Hirteneine Stätte des Göttlichen Dionysos Dithyram-
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Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)Fig. 2. Who's who im Pan-Gemälde (vgl. Anm. 1)
Crowe &
Fry
Welliver
Brummer
Pochat
Cox-Rea-
Freedman
1902
Eisler
1948
Herbig
Cav. 1871
1952
1961
1964
1967
rick 1982
1985
Pan
Pan
Pan
Pan
(Lorenzo?)
Pan
Pan
Pan
Pan
(Lorenzo)
Pan
Pan
(Lorenzo?)
Echo oder
Syrinx
Echo
Echo
(Simonetta
Vespucci)
Kalliope
Kalliope
Fiorenza
Reife
Syrinx
Satyr
Liebe
Satyros
Dionys.
Wesen
Dionysos
Dionysos
Olympos?
Ländliche
Künste
Olympos
Olympos/
Daphnis
(Lorenzo)
Hirte
Olympos?
(Giuliano
Daphnis?
de’ Medici) (Lorenzo)
Hirte
Plaroniker
(Ficino)
Inspirierter
(Cosimo
de’ Medici)
Syrinx?
Geistestatigkeit
Hirte
Hirte
Philosoph
Merkur
Eros
Jugend
Personifi-
Daphnis
(Lorenzo?)
Hirte
Mannes-
Hirte
Philosoph
alter
Inspirierter
Philosoph
(Ficino)
(Ficino)
Kontemp.
Hauser
misero"
Alters-
Hirte
schwiche
misero"
Desillu-
Echo?
Hirte
Peripatekation
tiker
Landschaft
Melancolia
Urania
Urania
Madchen
Kastalische
Nymphe
Poesia
Erwartung
Vita activa Virtus und
Volupras
Virtus und
Voluptas
Virtus und
Voluptas
Virtus und
Voluptas
Virtus und
Voluptas
Reiter:
Zephyr?
Reiter:
Fliegende
Reiter:
Fliegende
Riickerinnerung
Lyde
Kyniker?
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10
11
TA
Reiter:
Saturn
Reiter-
Greif:
Zukunft
Reiter:
Untergang
nee
Seele
Seele
Mann:
Mann:
Hermes
Zephyr
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Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)bos und seine Musen-Nymphen gegenwärtig
mit dem Flótenspieler sei der von den Verseien; der erste bringe den Geist zum Fliegen,
schwörern getétete Giuliano, mit der Nackten
die zweiten verliehen ihm Poesie.” Dies führt
dessen schon zuvor verstarbene Geliebte Simoihn zu einer originellen Um- und Neudeutung
netta Vespucci, mitdem Mann hinter der Nymphe
der unten und links befindlichen Figuren: der
Cosimo (il Vecchio) gemeint.* Er erzähle Pan
Liegende ist für ihn Dionysos in seiner Funktion
(der in seiner Eigenschaft als Patron der Geals Ekstase-Vermittler; mit der melancholischen
setzgeber interessiere) vom traurigen Schicksal
Nymphe und der vermeintlichen Echo aber seien
der jungen Leute und von den verlorenen
zwei Musen gemeint: Urania, die Muse der Kon-
Hoffnungen auf eine Grossmachtstellung der
templation, und Kalliope, die Muse der philo-
Medici.” Auch Janet Cox-Rearick (1982) ist
sophischen Inspiration.** Brummer weist darauf
iiberzeugt, dass das Bild in erster Linie ein po
hin, dass die zweite oft als eine Figur dargestellt
litisches Programmstiick sei; wie beim (etw
ist, die in ein langes Horn bläst”.
gleichaltrigen) Portikus-Fries der Villa Poggio
Brummer bezieht sich hier auf die Darstellung
Caiano gehe es um eine allegorische Darstelluny
Kalliopes in den ferraresischen Tarocchi. Götz
von Lorenzos Herrschaft. Mit dem thronenden
Pochar fand dann 1967 weitere Gemeinsamkeiten
Pan sei niemand anders als der Fürst selber
mit diesen Karten. Er entdeckte, dass der alte
gemeint, und die venusartige Nymphe sei — wic
Hirte rechts dem „Misero“ entspricht, jener
die Flora in Botticellis Primaverabild - eine Per
Figur, welche in der vom Tarokspiel formierten
sonifikation von Florenz.‘ Die drei musizie-
»Himmelsleiter* den untersten Platz einnimmt.”
renden Figuren und die schlafende Nymphe
Im nackten Jüngling zur Rechten Pans sieht Pochat
charakterisierten Pan-Lorenzo als Garanten von
wie Brummer einen Repräsentanten von elo-
Harmonie und Frieden.“
quenter Poesie und Musik, aber er meint, dass es
sich nicht um Olympos, sondern um Merkur
Pan, Amor und Syrinx
handle, und zwar in dessen Funktion als Gott
« der wahren Rede und des prüfenden Intellekts
Vergessen wir für eine Weile die Deutungen des
und als Mystagoge. Die Röhre, die er — wie der
Bildes und fragen wir uns, was wir sagen
Tarok-Merkur — mit der Linken an den Mund
würden, wenn wir eine junge Frau dargestellt
halte, sei Flöte und magischer Caduceus in
sähen, die mit der Linken einen auffallend
einem.” In diesem Zusammenhang kommt
langgestreckten, röhrenförmigen Gegenstand ans
Pochat auch auf die Wolke rechts oben zu
Gesicht führt und die sich in der Nähe eines
sprechen: er glaubt in ihr einen weiteren Merkur
Pan befindet, der in der Linken eine orgelpfei-
“mit magischem Stab ausmachen zu können. Den
fenförmige Syrinx hält. Wahrscheinlich würden
Wolkenreiter links versteht er dagegen als den
wir die Frau als die Nymphe Syrinx der Ovid-
Wind Zephyr. Wie in Botticellis Primavera gehe
schen Metamorphosen bezeichnen - sie hat ja mit
es im Bild um den neuplatonischen Kreislauf von
langen Rohren (denen des Schilfes) und mit Flöemanatio — conversio — remeatio: „was als Atem
tenspiel zu tun. Wie man weiss, entzog sie sich
der Leidenschaft zur Erde herabfährt, kehrt im
der Umarmung des verliebten Pans, in dem sie
Geist der Kontemplation wieder zum Himmel
sich in Schilf verwandelte. Als der Verfolger
zurück“.
seufzte, erzeugte der Wind im Röhricht einen
Einen ganz anderen Deutungsweg als Brumzart-klagenden Ton. Diese „neue Kunst“ brachte
mer und Pochat hatte 1961 Warman Welliver
Pan auf die Idee, aus den Rohren eine Flöte zu
eingeschlagen. Er versteht das Bild nämlich als
fertigen; dem Instrument gab er den Namen de:
politische Allegorie im Gewand einer „gemalten
geliebten Nymphe.* Was für triftige Argument
Ekloge“, als „pastorale Klage für die Tragödie
sind es, die dazu geführt haben, die so nahe
der Pazziverschwórung und deren Folgen*.” Das
liegende Identifikation der weiblichen Aktgestalt
Szenario ist für ihn ein elysiumsartiges Jenseits;
mit der tönenden Schilfnymphe auszuschliessen?
Página 6
Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)Es wire, meint Eisler, unlogisch, wenn der Maler
fikation des tönenen Schilfes respektive der
gleichzeitig die Nymphe Syrinx (als eine noch
sNaturmusik“*) vor uns haben, dass diese aber
nicht in Schilf verwandelte) und die aus dem
mit Zügen der Kalliope ausgestattet ist; es soll
Schilf gefertigte Flöte zeigen würde. Ueberdies
uns so bedeutet werden, dass die Tätigkeit der
sei nie die Rede davon, dass die Nymphe Flöte
Nymphe zu etwas Erhabenem führen wird. Und
gespielt habe, und wenn der Maler sie hätte
die melancholische Nymphe ganz links? Sie
darstellen wollen, hätte er sie gewiss als Flichende
gleicht im seelischen Habitus und mit dem nach
gestaltet.*” Aehnlich argumentiert Herbig; die
links geneigten Haupt dem Pan, nur scheint bei
Frau könne „niemand anders als Echo“ sein; die
ihr die Melancholie schwerer: sie stützt den Kopf
„bekanntere andere Geliebte Pans, das Schilfrohrauf den Arm und hat die Augen gesenkt. Vielleicht haben wir in dieser Nebenfigur die Person
mädchen Syrinx“, sei ja „längst verwandelt”.*
Um die Stichhaltigkeit dieser Argumente zu
vor uns, die man einst in der vorn stehenden
beurteilen, muss man sehen, zu welcher Gattung
Nackten sehen wollte, nämlich Echo.” Im
das Bild gehört. Darüber herrscht seit langem
homerischen Hymnus auf Pan kontrastiert ihre
Einmut: die Struktur des Bildes ist die einer Sacra
ferne Klage mit dem heiteren Treiben Pans und
Conversazione”; mehrmals hat man auf die
der Nymphen. Der Text gilt als erster, wo sie als
Verwandtschaft mit dem von Signorelli selbst
personifizierte auftritt; aber was sie personifigeschaffenen Altarbild im Museo del Duomo
ziert, ist gleichsam das Unpersönliche: sie steht
von Perugia hingewiesen. Bei diesem Bildtypus
für die Natur in ihrer Eigenschaft als subjekthandelt es sich bekanntlich um ein aus der realen
und namen-, bewusst- und kórperloses.* „Die
Zeit herausgehobenes, ideales Beisammensein
Tochter von Luft und Rede bin ich“, lässt Ausoheiliger Gestalten; was sie verbindet, ist rein
nius sie sagen, „ die Mutter von blindem Urteil,
geistiger Natur. Niemand käme es beim genanneine Stimme ohne Geist*.* Zu dieser ihrer Anlage
ten Altarbild in den Sinn, das Nebeneinander
passt, dass sie (als zerstückelte) in den Schoss
von Figuren, die aus unterschiedlichen Zeiten
der Erde zuriickkehrt? oder versteinert”?. Eine
stammen, für „unlogisch“ zu halten. Man sieht:
solche Figur würde gut in den Kontext des
es geht nicht an, die nackte Frau deshalb nicht
orphischen Pan passen, wo es um die Spannung
als Syrinx gelten zu lassen, weil die Panflöte
zwischen zwischen schwer-blinder Natur und
schon fertig sei. Und ebenso problematisch ist
Himmlischem und um den Gegensatz von Naturdas Argument, Signorelli hätte die Syrinx als
produkt (Schilf-*Musik“) und Kunst (Flöten-
Fliehende gegeben, wenn er sie hätte darstellen
musik) geht .*
wollen. Für den Typus der Sacra Conversazione
Akzeptiert man die Identifizierung der weibist gerade charakteristisch, dass die Beteiligten
lichen Aktgestalt als Syrinx, ergibt sich auch für
auf die wichtigen Geschehnisse ihres Lebens nur
die Gestalt des liegenden Jünglings eine alternamit Attributen oder symbolischen Gesten Bezug
tive Deutungsmöglichkeit. Wir meinen, dass es
nehmen.
sich um die dritte Figur der Pan-Syrinx-Geschichte
Nun mag es zwar keine zwingenden Gründe
handelt, um Amor. Bei Ovid findet man ihn
gegen die Deutung der Nackten als Syrinx geben,
nicht, wohl aber beim Vergil-Kommentator
dagegen gibt es gute Gründe für diejenige als
Servius. „Von den Dichtern“, sagt er, „wird [Pan]
Kalliope: die für die Nymphe verwendete Formel
als mit Amor kämpfender und von diesem
erinnert tatsächlich an die tubablasende Muse,
besiegter gegeben, was als Illustration des Sinnund wie bei dieser geht es auch im vorliegenden
spruches zu verstehen ist, dass ‚die Liebe alles
Zusammenhang um Inspiration und göttliche
besiegt‘“.°* Boccaccio teilt zusätzlich mit, dass
Harmonie. Andererseits handelt es sich bei der
Pan es gewesen sei, der den Streit vom Zaun
Röhre der Nymphe eben nicht um eine Tuba,
gebrochen habe.* Eben mit dieser Provokation
ja, nicht einmal um eine richtige Flöte.“ Wir
seitens Pans hängt die Geschichte mit Syrinx
meinen, dass wir zwar eine Syrinx (als Personizusammen; der Sieger bestrafte den Unterlegenen
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Fig. 3. „Libellus“: Pan siegt über Amor. Original: Rom, Biblioteca Apostolica Vaticana, Ms Reg. Lat.
1290, Fol. 3r. Foto aus: H. Liebeschütz, Fulgentius Metaforalis, Leipzig-Berlin 1926, Tf. XX.
damit, dass er ihn in eine Nymphe verliebt
jener um 1420 erstellten Abschrift des Libellus,
machte”, von der keine Gegenliebe zu erwarten
die im Codex Reginensis 1290 des Vatikans
war— wie wir von Ovid wissen, eiferte sie nämlich
enthalten ist, hat diese Beschreibung präzise
derjungfräulichen Diana nach.” Pan tritt also in
umgesetzt: Ausgestattet mit seinen verschiedenen
dieser Ueberlieferung zusammen mit Amor auf,
Attributen steht Pan breitbeinig da und serzt
wobei die beiden die Rollen von Sieger und
seinen Hornfuss auf das Bein des am Boden
Besiegtem spielen. Später machte nun die Geliegenden Gegners (Fig. 3). Seltsamerweise hat
schichte eine merkwürdige Verwandlung durch.
dieser die Gestalt eines Ménchs, aber es kann
Der Autor des Libellus de Imaginibus Deorum
keinen Zweifel geben, dass Amor gemeint ist.
verwendet in der Beschreibung des Streites
Ein triumphierender Pan iiber einem liegenbeinahe dieselben Wendungen wie Servius — aber
den Mann — genau diese Konstellation haben wir
er verkehrt das Verhältnis der beiden Kämpfer ins
in Signorellis Panbild vor uns. Wenn wir das
Gegenteil: „Cum Amore vero pingebatur luctam
Bild flachig lesen, erkennen wir, dass der Naturhabuisse, qui ab ipso Pan[e] victus erat“ (er wurde
gott seinen Hornfuss auf den am Boden Ausals einer dargestellt, der mit Amor einen Streit
hatte, wobei er [der Liebesgott] von ihm, Pan,
gestreckren setzt und gleichsam seinen Stab auf
besiegt wurde). Der Sinnspruch von der alles
besiegenden Liebe und auch die Liebe zu
Syrinx sind weggelassen, dafiir ist folgender
dass mit dem Liegenden Amor gemeint ist.‘
Satz zugefügt: „Ideoque idem Amor iuxta eum
in Petrarcas
quasi ad terram prostractus iacebat“ (Und deshalb lag der Amor bei ihm da, beinahe gänzlich
als schöner Jüngling, und die hellen, langen
auf den Boden niedergeworfen). Der Illustrator
Beschreibung, die Apuleius vom Eros gibt. Was
dessen Kopf stemmt. Wir schliessen daraus,
Die Erscheinung der Figur fügt sich in diese
Deutung; in der Dichtung des Mittelalters“ und
Trionfi erscheint der Liebesgott
Haare erinnern an die (von Boccaccio referierte)
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Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)rede funitarrameno
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Fig. 4 und 5. Trionfo d'Amore - Trionfo della Pudicizia. Original: Paris, Bibliothèque de l'Arsénal, Ms 5066. Foto
aus: Prince d’Essling, Eugène Müntz, Pétrarque ... Lillustration de ses écrits, Paris 1902, p. 235.
man vermisst, sind die Flügel — aber es wird sich
ein Grund für ihr Fehlen finden. Und was weiter
befremdet sind die Weinblätter. Aber es ist
denkbar, dass der Maler dem Liebesgort ein
dionysisches Symbol „geliehen“ hat. Wie sich
zeigen wird, sind die Reben im vorliegenden
Zusammenhang durchaus passend: sie charakterisieren die in den Lenden lokalisierte Sexua-
Diogenes empfohlene Praxis. Wir brauchen
indessen gar nicht so weit zu suchen; die Antwort
auf unsere Frage findet sich in der SyrinxGeschichte selber. Wie erinnerlich hatte die
Verwandlung der Nymphe in Schilf zur Folge,
dass Pan die Panflöte erfand — „ad solacium
amoris“, wie Servius sagt: zum Liebestrost. In
der Formulierung ist die Vorstellung enthalten,
i
das Musikspiel stelle einen Ersatz für die
Die entscheidende Frage ist nun, welchen
Sinn es haben kann, den Kampf zwischen Amor
und Pan so darzustellen, dass nicht der erste,
verhinderte körperliche Liebe dar. Fasst man den
lität als etwas bacchisch-rauschhaftes.
Liebesgort als Repräsentanten der fleischlichen
Liebe auf, kann man sagen, Pan habe ihn besiegt.
Es geht hier um einen Vorgang, den man heute
sondern der zweite als Sieger erscheint? Folgt
man Eislers Deutung, wonach Signorellis Pan
als Sublimierung bezeichnen würde: aus Liebe
derjenige des Dio Chrisostomus sei, der die
zu einer Frau wird Liebe zum Göttlichen. In
Liebeskrankheit durch die Selbstbefriedigung
überwunden hat, wäre eine Erklärung gegeben:
einem gewissen Sinn symbolisiert der Liegende
die unterdrückte voluptas von Pan selber. Eben
Pan triumphiert insofern über den Liebesgott,
als er nicht mehr auf Frauen angewiesen ist.‘
in diesem Sinn scheint der Zeichner des Libellus
das Pan-Amor-Gleichnis aufgefasst zu haben:
Aber Signorellis Pan ist nicht eine listig-
Pan macht bei ihm die voluptas zu einem
komische, sondern eine „tragisch“-erhabene
Gestalt; es gibt keinerlei Hinweis auf die von
Wesen.
Mönch, also zu einem sexuell abstinenten
Página 9
Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)Als Repräsentant sublimierter Liebe hat Signorellis Pan eine ähnliche Funktion wie die
Pudicizia in Petrarcas trionfi: er triumphiert über
Amor, der eben noch iiber die in sinnlicher
sich zwischen Pan und den beiden Männern
Leidenschaft Befangenen triumphierte (Fig. 4 _ ereignet. Der alte Bildtitel „Schule des Pan“
_ und 5).
suggeriert, dass die (geistige) Aktion von der
zentralen zu den flankierenden Figuren verlaufe,
Entfaltung von Pans himmlischen
Eigenschaften
Signorellis Pan ist, wie man stets bemerkt hat,
aber die Anschauung zeigt, dass das Gegenteil
der Fall ist. Unserer Ansicht nach fungieren
die beiden Stehenden als „Aerzte“ (und insofern
haben sie tatsächlich etwas mit Merkur gemein):
von Schwermut erfüllt. Offensichtlich bezahlt
sie haben die gefährliche Melancholie ins Positive
‘er den Verzicht auf die kérperliche Liebe mit
zu wenden. Das tun sie, indem sie der schwer-
Melancholie. Mit dem Vorhandensein dieses
blütigen Natur (verkörpert durch Pan) ihre göttgefährlichen Komplexes hängt unserer Meinung
lichen Aspekte zum Bewusstsein bringen. Wenn
nach die Tatigkeit der zwei Begleiter Pans —
der Philosoph und Arzt die rechte Handfläche
des Hirten mit den Ziigen des Philosophen und
vor das Gesicht Pans hält, kann man das in dem
Arztes Ficino und des Flétenspielers mit dem
Sinn verstehen, dass er das vom Gott ausstrahlen-
Profil Lorenzos— zusammen. Im zweiten hat man
de Licht auf diesen zurückwirft und ihm so hilft,
Merkur erkennen wollen. Von Merkur wire aber
seine aetherisch-feurigen Kräfte voll zu entfalten
im Zusammenhang mit Pan ein reiferes Alter
(Fig. 6). Man denkt an den Pan in Giovanni
zu erwarten, ist er doch der Vater des Gottes.
Bellinis Orpheusbild der National Gallery
Allenfalls darf man sagen, der Jiingling spiele
(Fig. 7): unter Anleitung einer Nymphe hält de
die Flöte auf merkurische Weise. Im Uebrigen
Naturgott sich ein Objekt (eine Muschel?) vo,
dürfte aber mit ihm Pans Flötenschüler Daphnis,
das Gesicht, als wolle er in einen Spiegel schauen.“
der Erfinder der bukolischen Dichtung, gemeint
Was den Jüngling berrifft, so möchte man
sein.” Wer er auch sei — entscheidend ist, was
zunächst annehmen, er wolle mit seinem Flö-
Página 10
Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)tenspiel die Melancholie des Gottes lindern,
ähnlich wie David mit seinem Harfenspiel
diejenige Sauls. Aber die Sache ist komplexer.
Es fällt auf, dass sich die Flöte vor einer Wolke
befindet, die links eine kleine Mondsichel bilder
259
als Dudelsack benutzt (Fig. 10). Es gibt indessen
eine Darstellung, wo ein ganz ähnlicher Körperbereich wie beim Pan Signorellis Ziel einer
Blasakrion wird: Dürers , Traum des Doktors“
(Fig. 9).”° Ein Teufel bläst hier einem Schlafenden
(oder diese enthüllt). Man hat den Eindruck,
die Sichel sei der Flöte aufgepflanzt. Andereretwas „hinters Ohr“.’”' Offensichtlich will er
durch Zufuhr von Luft unziichtige Phantasien
seits formieren die Hörner Pans eine grosse
Mondsichel. Es ist wahrscheinlich, dass hier ein
(nämlich das Bild einer Venus) erzeugen. Wenn
(wie wir glauben) auch Signorellis Jiingling mit
Zusammenhang besteht. Die Meinung dürfte
seinem Blasrohr einem Mann Luft zuführen
sein, dass der Jüngling mit seinem „lunaren“
will, dann natiirlich nicht zur Erzeugung von
Spiel den Naturgott dazu bringt, seine lunaren
etwas Niedrigem, sondern von etwas Hohem” —
Kräfte zum Leuchten zu bringen.
eben des mondförmigen „Nimbus“.”
Aber damitsind immer noch nichtalle Aspekte
des Flötenmotivs erfasst. Pochat hat entdeckt,
dass der Flétende im Bild einen Verwandten hat,
Spiritualisierung der Sexualität
nämlich die Wolkengestalt rechts oben: wie der
Wenden wir uns nun den merkwürdigen Röhren
Jüngling scheint auch sie eine Röhre an den
zu, mit welchen Syrinx und Amor hantieren.
Mund zu halten. Pochat ist in diesem Zusam-
Verlängert man das Rohr der Nymphe nach
menhang Botticellis Primaverabild in den Sinn
beiden Seiten, erhält man eine Linie, die von
gekommen. Merkwürdigerweise verknüpft er
den Wolkenbläser mit einer Figur, die sich auf
der entgegengesetzten Bildseite befindet, nämlich
mit dem in den Wolken rührenden Merkur.
Uns scheint aber die Wolkenfigur viel eher dem
Windgott zu entsprechen, der von rechts herabfliegt und und mit seinem Luftstrah! die Nymphe
Chloris befruchter (Fig. 8). Ueblicherweise
werden die Winde als in den Bildecken plazierte,
oft mit Wolken kombinierte blasende Köpfe
dargestellt. Es ist deshalb wahrscheinlich, dass
die ins Rohr blasende Wolkengestalt im Panbild
als der lebensspendende Zephyr gemeint ist. Das
wiederum bedeutet, dass es dem (ebenfalls in ein
Rohr blasenden) Jüngling um die Erzeugung
nicht bloss von Tönen, sondern auch eines Luftstromes geht. Stellt man sich die aus der Röhre
tretende Luft als Linie vor, ergibt sich der Eindruck, der Flötende ziele auf eine unterhalb des
linken Ohres situierte Stelle von Pans Hals, als
wolle er dem Gort Luft einblasen. Eben dies tur
die Nymphe in Correggios „philostratischem“
Panbild des Louvre. Allerdings zielt sie mit
ihrem Rohr auf eine geignetere Stelle, nämlich
auf das Ohr (also auf eine Oeffnung). Das
gleiche gilt für jenen in einer deutschen Karikatur dargestellten Teufel, der einen Mönchskopf
Página 11
Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)ihrer Nase zum Sexus Amors führt. Vollzieht
den Trés Riches Heures. Die erste stellt einen
man dieselbe Operation mit dem Rohr Amors,
Mann dar, der einen Hund als Dudelsack benutzt
hat man eine Linie vor sich, die vom Mund
— er bläst in den Schwanz hinein, worauf aus
des Liegenden zum schattigen Bereich hinter
dem Maul des Tieres Töne erschallen (Fig. 11).”
dem Ohr des Philosophen fiihrt, wobei sie den
Die zweite zeigt die Hölle, wie sie in der Vision
wilden Reiter mit dem Rappen „durchquert“.
von Turndale geschildert wird: Satan ist riicklings
Gleich links vom Nacken des Philosophen beauf ein Bett glühender Kohlen gekettet und stésst
findet sich der geflügelte weisse Wolkenreiter.
aus seinem Maul eine Feuersäule mit verbrann-
Verlängert man Amors Rohr nach rückwärts,
ten Seelen aus. Zwei Hilfsteufel treten grosse
gelangt man zu der am Boden liegenden, halb
Blasbälge. Diese sind alle auf den gleichen Punkt
geöffneten Hand. Die Rechte und die Linke
gerichtet: auf eine Stelle unterhalb vom Hintern
vollziehen einen Gestus, die ans Stossen eines
Satans (Fig. 12). Offenbar fungiert der Liegenc
Spiesses erinnert.” Was geht hier vor?
als lebender Herd; durch die Oeffnung, w
Um das zu verstehen wollen wir zunächst
üblicherweise Luft entweicht, dringt solche nun
zwei Buchillustrationen zum Vergleich beiziehen,
in den Körper ein, entfacht das körperinterne
eine karikatural-komische von Jean Pucelle und
Feuer und schleudert es aus dem Maul heraus.
eine anspruchsvolle von Jean de Limbourg, aus
Unserer Ansicht nach tut Syrinx mit ihrem
Rohr und dem liegenden Mann etwas gan
Aehnliches wie die Teufel mit den Blasbälger.
und dem liegenden Satan und wie der Dudelsackspieler mit Schwanz und Körper des Hundes,
nur zielt sie dabei auf die Umwandlung von
etwas Niedrigem in etwas Hohes — nämlich:
aus fleischlicher soll geistige Liebesenergie werden, fähig, einen himmlisch-weissen Wolkenreiter zu generieren (Fig. 13). Folgende Ueberlegungen führen unszu dieser These. Wie erwähnt
hat die Röhren-Linie ihren Ausgangspunkt in der
Nase. Das aber ist beim menschlichen Körper der
Ein- und Austrittsort des Pneumas.” Dass das
männliche Genital als „Eingang“ für Luft dienen
soll, erscheint dagegen fürs erste unglaubhaft,
assoziiert man dieses Organ doch mit Flüssigkeit.
Aber die damalige Zeit sah das differenzierter.
Man erklärte sich die Tatsache, dass der Samen
gleichsam „erbrochen“ werde, mit dem Wirken
von körperinternen Pneumastóssen.”* Ferner
war man überzeugt, dass zwischen dem Samen
einerseits, dem Kopf und der geistigen Tätigkeit
andererseits ein enger Zusammenhang bestehe.
Albertus Magnus berichtet, dass man bei einem
Mönch, der nach exzessiver geschlechtlicher
Aktivität gestorben war, ein extrem reduziert:
Hirn und zerstörte Augen gefunden habe.”? Un:
Marsilio Ficino bezeichnet in den Drei Büchern
Fig. 9. Albrecht Diirer, Der Traum des Doktors. Foto aus:
The illustrated Bartsch, hg. von Walter L. Strauss, Bd. 10,
über das Leben den „Venereus coitus“ als ersten
New York 1980, p. 68.
Feind des Gelehrten, weil er den Spiritus auf-
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Fig. 10. Deutsche Karikatur, Teufel mit MönchskopfDudelsack. Foto aus: Eduard Fuchs, ///ustrierte
Sittengeschichte, Frankfurt a.M. 1985, Bd. 2, p. 30.
brauche (vor allem denjenigen feinerer Art); mit
Fig. 11. Französische Drölerie: Hund-Dudelsack
(Umzeichnung). Randzeichnung von Jean Pucelle im
Stundenbuch der Jeanne d’Evreux. Original: New York,
Metropolitan Museum. Umzeichnung nach Abbildung
in: Emanuel Winternitz, Musical Instruments and their
Symbolism in Western Art, London 1967, Tafel 62, Fig. f.
gutem Grund hätten die Alten die Musen und
Minerva für Jungfrauen gehalten.*
stellation prägnanter zu bezeichnen als der
Sieht man all diese Vorstellungen und Bilder
freudianische der „Sublimierung“. Eine Rückim Zusammenhang, kann man von Signorellis
projektion? Wohl kaum; der neue Begriffs-
Darstellung sagen: indem die Nymphe ihr
Schlauch fasst in diesem Fall alten (nämlich
Pneuma-Blasrohr auf das Geschlecht Amors
neuplatonischen) Wein.*
richtet, drängt sie den Liebessaft, der hier in
Was aus Amors Mund tritt, ist also vergeistigter
rauschhaft-bacchischer Manier entspringen will,
Liebesstoff. Wie der niedere, wird auch er mit
in den Körper zurück. Damit aber nötigt sie den
einer Röhre kanalisiert, aber nun mit einer
Mann, den befruchtenden Stoffaus einer höheren
himmelwärts grichteten. Mit dieser Röhre bläst
Körperöffnung als derjenigen des Genitals und
der Liegende durch den schwarzen Reiter
in geistigerer Form als in der von Sperma
„hindurch“®*: er nutzt die in diesem enthaltene
auszuscheiden — nämlich aus dem Mund, in der
Kraft dazu, aus dem Philosophen ein weisses
Form von Pneuma.* Und vielleicht auch in der
Wolkenross herauszutreiben. Während bei Dürer
von Blicken. Wenn Amor sehend ist, ist das ja
ein Teufel auf den Nacken eines Mannes zufliegt,
keineswegs selbstverständlich; in der Seinsweise
ist es hier so, dass an derselben Stelle erwas
als Repräsentant triebhafter Sexualität ist er
ausfliegt, und zwar etwas Gótrtliches.** Man
üblicherweise blind.” Statt dass die Sexualität
wird einwenden, dass sich die Wolke in Wirkdas Geistige schwächt, wird sie hier zu dessen
lichkeit ja auf einer ganz anderen Bildebene
Energiequelle. Kein Terminus vermag diese Konbefinde. Das ist richtig — die Wolke dient eben
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Fig. 12. Jean de Limbourg, Die Hölle (Ausschnitt). Original: Chantilly, Musée Condé. Foto aus: Millard Meiss,
French Painting in the time ofJean de Berry, Tafelband, Nr. 581.
bloss als Metapher für etwas, das gar nicht sichtbar
in Ferrara geschaffenen Tarokspiels entnommen
ist. Dass der Wolkenreiter zum Philosophen
haben.” Dieses enthält vier Karten mit Reiter-
(respektive dem saturnischen Ficino) gehôrt, hat
Darstellungen. Einer der Reiter — der mit
schon Herbig gesehen. Er hielt den Reiter für
„Natanabo“ beschriftete — ist als geflügelter
Saturn, der mit flatternder Standarte dahinreite.*
Mit Saturn hat die Erscheinung insofern zu tun,
Chronos gebildet und sitzt auf einem weissen
als sich beim Melancholiker die Körpermaterie
und das eines beherrschten Reiters — hat Sigzusammenzieht und so das Geistige ausscheidet.*”
norelli als Muster für die beiden Kleinfiguren
Beim dreieckigen Gebilde am Rücken des Reiters
beim Triumphbogen benutzt.?!
Pferd. Zwei weitere der Bilder — das eines wilden
handelt es sich aber nicht um eine Standarte,
Mit dem Seelenreiter vollendet sich ein
sondern — wie Freedman gesehen hat — um einen
Kreislauf, der sich — der Stab Pans zeigt es an —
Flügel. Mit Recht sagt sie, die Wolkengestalt sei
stets wiederholt. Wenn der himmlische Geist
als Metapher für die Seele zu verstehen, die sich
sich rechts mit der Zephyr-Wolkenfigur in die
in Momenten der Ekstase aus dem Körperge-
Erde ergiesst, wenn er in der Mitte die irdische
fängnis befreit und zu den Sternen empor-
Liebe verwandelt, dann kehrt er links mit dem
schwingt.°® Offensichtlich hat Signorelli die von
Wolkenreiter zum Himmel zuriick. Wir verste-
Plato verwendeten Metaphern eines geflügelten
hen jetzt auch, weshalb der liegende Amor
Pferdegespanns und einer geflügelten Seele” zum
keine Flügel hat. Vom Liebesgott heisst es im
Bild eines geflügelten Reiters kombiniert. Die
Phaidros: „Ihn nun nennen die Menschen für-
Idee dazu dürfte er den Bildern eines eben damals
wahr den geflügelten Eros/ Götter aber Pteros,
Página 14
Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)Fig. 13. Panbild: Sublimierung der Liebe
weg'n des flügelerzeugenden Zwanges”.” Eben
in dieser Funktion als Pteros, als „Flügler“,
erscheint er in Signorellis Bild.
nimmt. Wir glauben, in dieser Figur einen Stellvertreter des Bildbetrachters erkennen zu dürfen.
Der „Misero“ ist symmetrisch zur nackten
Syrinx gebaut; die beiden formen eine weite, in
Aufstieg zum inspirierten Sehen
Noch haben wir gar nicht vom alten Hirten
gesprochen. Diese von der Materie niedergebeugte, schwer auf dem Stock lastende” und
ganz auf passives Schauen sich beschränkende
der Pan-Amor-Gruppe zentrierte Figuren-
Klammer. In diese ist eine zweite, höherstehende
Klammer eingeschrieben, gebildet wiederum
aus einer Hirten- und einer Aktfigur. Hier auf
der höheren Ebene ist der Hirte nicht mehr
passiv, sondern aktiv, und er befindet sich nicht
Gestalt ist insofern als eine des Beginns charakterisiert, als sie sich unterhalb des in die Welt
einbrechenden Zephyrwolke befindet (was noch
gendlicher Schönheit aber ist nicht mehr
deutlicher wird, wenn man den Mann in
er steht jetzt rechts. Möglicherweise sind mit
mehr rechts, sondern links. Der Vertreter juweiblichen, sondern männlichen Geschlechts und
Gedanken aufrichtet). Pochat hat in ihr den
diesen zwei pyramidal ineinander gefügten,
„Misero“ erkannt, der in der „Himmelsleiter“ des
chiastisch organisierten Paaren zwei Stufen der
grossen Tarokspiels die unterste Position ein-
Bildwahrnehmung thematisiert. Die erste ist
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AAA AAA
Página 15
Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)auf die weibliche, die zweite auf die mannliche
Mir der auf den Rücken gestützten Hand
Aktschénheir orientiert. Im platonischen Sinn
ist die zweite die höhere, weil der Eros hier von
nimmt der Jüngling den „misero“ gleichsam bei
der Nase. Folgt der Betrachter dieser Aufforder Funktion der Reproduktion abgelöst ist. Bei
derung, verlässter den Status eines passiv Staunen-
Plato (und bei Ficino) hat der schöne Knabe
den und steigt er zur Position des zweiten Hirten
die Funktion eines Spiegels; im liebenden Anauf, gewinnt er als Gegenüber einen idealischen
blick der jugendlichen Schönheit erinnert sich
Jüngling, einen ,sublimierten? Amor — so wie
die im Körper gefangene Seele an die Schönheit
des Himmels, und dieses Bewusstseins lässt ihre
einst Sokrates den Phaidros als Dialogpartner
hatte. In solcher Gesellschaft kann er die in der
panischen Natur (und auch im materiellen
Bild) enthaltenen himmlischen Aspekte entfalten;
und wenn er das tut, fliegt seine Seele empor wie
verkümmerten Schwingen wieder wachsen.” In
einem narzistischen Prozess wird die Liebe zum
Motor des Seelenfluges.
Mit der nach links orientierten Profil- und
ein Wolkenreiter.
Randfigur des „Misero“ gelangt der (in der Regel
Trifft es zu, dass im Bild der Philosoph und
als männlich imaginierte) Betrachter zunächst
der Poet in Szene gesetzt sind wie die Dialogauf die gegenüberliegende Bildseite, zur Syrinx
partner des Phaidros und dass der Betrachter
und zur ganz links aussen situierten Melanüber die Schau der physischen zu der der
choliefigur.?° Aber die Lektiirebewegung finder
geistigen Schönheit geführt wird, dann ist derhier nicht ihre Erfüllung; die Nymphe leiter
mit ihrem Blasrohr einen Prozess ein, der zur
jenige, der vor allen verdient, ein „novel
Plato“ geheissen zu werden, der unsichtbare
Bildmitte und von dort nach oben führt. Und
Regisseur der Veranstaltung — der Maler.
dies nun nicht nur in dem Sinn, dass sie Amor
dazu bringt, seine Liebeskraft zum Kopf des
weisen Hirten hinaufzubefördern. Man beachte,
Anmerkungen
wie der Liebesgott und der nackte Jüngling
Mein grosser Dank für Unterstützung und Anregungen geht an
zusammenkomponiert sind — bei flächiger
meine Frau Sonia Hauser-Andrade.
Lektüre ergibt sich der Eindruck, der erste hebe
. Zu Beginn eine Liste (mit Abkürzungen) der im en
den zweiten mit dem Knie empor. Links finder
Brummer 1964= Hans Henrik Brummer, „Pan Platonicus“ ,
sich eine ähnliche Konstellation: die kleine
Consthistorisk tidskrift, 33, Stockholm 1964, pp. 55-67. —
Cox-Rearick 1982 = Janet Cox-Rearick, , Themes of time
and rule at Poggio a Caiano: the portico frieze of Lorenzo
il magnifico“, Mitteilungen des kunsthistorischen Institutes
in Florenz, 26, 1982, pp. 167-210 (zum Panbild: pp. 195-
nackte Frauenfigur scheint aus dem entblössten
linken Knie der Sitzenden ,herauszuwachsen*.”
Syrinx aber benutzt ihren Stab gleichsam dazu,
die Stehende von der Sitzenden „abzutrennen“.
Vermutlich haben wir das so zu verstehen,
dass aus der melancholischen, bloss zur Nachahmung fähigen Natur (Echo) etwas Hohes,
»Musisches*% herausgeholt wird (was auch erklären würde, weshalb sich gerade an dieser Stelle
mehrfach zitierten Literatur:
202). — Crowe/Cavalcaselle 1871 = J.A. Crowe und G.B.
Cavalcaselle, Geschichte der italienischen Malerei. Deutsche
Originalausgabe, besorgt von Max Jordan, 5 Bde, Leipzig
1871 (zum Panbild: Bd. 4, pp. 5-6). — Dussler 1927 =
Luitpold Dussler, Signorelli. Des Meisters Gemälde (Klassiker der Kunst in Gesamtausgaben, 34), Stuttgart/ Berlin/
Leipzig 1927 (zum Panbild: pp. 202-203). — Eisler 1948 =
Robert Eisler, „Luca Signorelli’s ‚School of Pan", Gazette
des Beaux Arts, 33, 1948, pp. 77-92. — Freedman 1985 =
das Signaturentäfelchen des Künstlers befindet).
Luba Freedman, „Once more Luca Signorelli’s ‚Pan deus
Arcadiac'“, Konsthistorisk Tidskrift, 54, 1985, pp. 152-159.
Und auf analoge Weise können wir auch das
— Fry 1902 = Roger Fry, „The Symbolism of Signorelli's
Verhältnis von Amor und Daphnis auffassen:
‚School of PanTM, The Monthly Review, 5, 1902, pp. 110-
nachdem das Triebhaft-Fleischliche niedergeworfen und das Semen in den Körper zurückgeblasen ist, kann Eros in Gestalt bukolischer
Liebesdichtung und -musik „auferstehen“. Das
klagend bewusstlose Tönen des Schilfes ist damit
zum kunstvoll-lunaren Flötenspiel geworden.
114. — Harvey 1975 = E. Ruth Harvey, The Inward wits.
Psychological Theory in the Middle Ages and the Renaissance,
London 1975. — Herbig 1952 = Reinhard Herbig, „Alcuni
dei ignudi", Rinascimento. Rivista dell’ Istituto nazionale di
studi sul rinascimento, 3. Jg., Florenz 1952, pp. 3-23. —
Liebeschütz 1926 = Hans Liebeschütz, Fulgentius Metaforalis. Ein Beitrag zur Geschichte der antiken Mythologie im
Mittelalter (Studien der Bibliothek Warburg IV), Leipzig/
Berlin 1926. — Lücke 1874 = H. Lücke, „Die neuen Erwer-
Página 16
Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)bungen der Berliner Gemäldegalerie", Beiblatt zur Zeitschrift
für bildende Kunst, 9. Jahrgang, 1874, pp. 410-417. —
Pochat 1967 = Götz Pochat, „Luca Signorelli’s ,Pan'
and the so-called ‚Tarocchi di Mantegna”, Konsthistorisk
Tidskrift, 36, Stockholm 1967, pp. 92-105. — Saxl 1927 =
Fritz Saxl, Antike Götter in der Spätrenaissance. Ein
Freskenzyklus und ein Discorso des Jacopo Zucchi (Studien
der Bibliothek Warburg 8), Leipzig/Berlin 1927 (zum Panbild: pp. 21-25). — Vischer 1879 = Robert Vischer, Luca
Signorelli und die italienische Renaissance. Eine kunsthistorische Monographie, Leipzig 1879 (zum Panbild:
pp. 239-241). — Welliver 1961 = Warman Welliver,
„Signorelli’s Court of Pan“, The Art Quarterly, 24, 1961,
pp. 334-345. — Wernicke 1897/1909 = Konrad Wernicke,
Art. „Pan“, Ausführliches Lexikon der griechischen und
römischen Mythologie, hg. von W. H. Roscher (Roschers
Mythologisches Lexikon), 1897-1909, Bd. 3, col. 1347-1481.
. Zur jüngeren Geschichte des Bildes: Maud Cruttwell, Luca
Signorelli, London 1899, pp. 41-43; sowie Eisler 1948,
P. 78, Anm. 2 und 3. — Giorgio Vasari, Le vite de’ pit
eccelenti pittori scultori e architettori [nelle redazioni del
1550e 1568], hg. von Rosanna Bettarini und Paola Barocchi,
Florenz 1971, Bd. 3, p. 636.
. Ein Ueberblick über die verschiedenen Datierungshypothesen findet sich in: Gloria Kury, The Early Work ofLuca
Signorelli: 1465-1490, New York/London 1978,
p. 350-353. — Wichtig vor allem: Max Seidel, “Signorelli
um 1490“, Jahrbuch der Berliner Museen, 26, 1984,
pp. 181-256, v.a. pp. 252-255.
. Die Figuren waren annähernd lebensgross. Vgl. Hans Posse
(Bearbeiter), Königliche Museen zu Berlin. Die Gemäldegalerie
des Kaiser-Friedrich-Museums. Vollständiger beschreibender
Katalog, Berlin 1909, pp. 74-75: „Dunkles Rotbraun in der
Färbung der Figuren und Felsen und schwärzliches Grün
der Bäume stehen gegen den tiefblauen Himmel mit
rosafarbenem Horizont. Die graugrüne Modellierung der
Körper tritt besonders in den heller gehaltenen Figuren
neben hellroten Lichtern hervor. Grauer Boden und blaugrüner Rasen, der nach der Ferne zu gelblicher wird“. Das
Bildarchiv preussischer Kulturbesitz (Berlin) besitzt eine
alte Farbfotografie.
. Herbig 1952, pp. 9-10.
anu . Dass es sich um sieben Rohre handelt, ist nach der Reproduktion nicht mit hundertprozentiger Sicherheit auszumachen; die dem Bild zugrundeliegenden Texte (vgl.
folgende Anm.) legen es aber nahe.
. Als mégliche Quellen der Pan-Figur haben Liicke 1874,
Fry 1902, Eisler 1948, Brummer 1964 und Freedman 1985
erkannt: Plato, Xratylos, 408d; Cornutus, Theologiae graecae
compendium c. 27; Servius’ Kommentar zu Vergils Bucolica
Il, 31; Macrobius Sarurnalia 1, 22; Eusebius Praeparationes
evangelicae libri V, 13, 2 und 17,6; Boccaccio Genealogia
deorum gentilium libri 1, 4; Petrarca Africa III, 194ff. (diese
Texte haben Eisler 1948, P. 80 und v.a. Herbig 1952, P. 1922— mit Ausnahme desjenigen von Eusebius — abgedruckt).
Als wichtig fiir die geistige Bedeutung der Panfigur hat man
genannt: die 11. orphische Hymne, Platons Phaidros;
Gedichte von Sannazzaro, Polizian, Naldo Naldi, Lorenzo
de Medici. — Zur Deutung Pans in Philosophie und Literatur vgl. auch: John Mulryan, „Literary and Philosophical
Interpretations of the Myth of Pan from the Classical
Period through the Seventeenth Century”, Acta Conventus
Neo-Latini Turonensis (Troisième congrès international
d'études néo-latines, Tours), hg. von Jean-Claude Margolin, Paris 1980, pp. 209-218.
+ Herbig 1952, p. 7.
. Insgesamt sind es acht; wenn man den Ewigkeitsstab Pans
wegzählt, sieben. Vielleicht soll auf die Sphärenharmonie
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angespielt werden, in deren Symbolik öfters Sieben (tönende
Planeten) und Acht (Oktav) kombiniert sind.
. Herbig 1952, Brummer 1964, Pochat 1967, Freedman
1985. Was die zentrale Panfigur berrifft, so haben sie
Herbig und vorallem Brummer auf gültige Weise gedeutet;
wir verweisen deshalb auf ihre Beiträge.
il.
M. Wegner, Art. „Olympos“, Real-Enzyklopädie der
klassischen Altertumswissenschaft, 18, 1939, col. 321-324.
12. Crowe/Cavalcaselle 1871, p. 5. — Lücke 1874 und Vischer
1879 übernehmen diese Identifizierungen.
Fry 1902: der Aufsatz (einzelne Autoren datieren ihn auf
1901) war mir nicht zuginglich; er ist hier nach der
Besprechung C. von Fabriczys referiert: Ders., ,Mittcilungen
über neue Forschungen. Signorellis Pansbild in der Berliner Galerie“, Repertorium fiir Kunstwissenschaft, 26, 1903,
pp. 261-262. — Freedman 1985, p. 153 und 155 wird diese
Gestalten als Repräsentanten der vier Lebensalter Jugend,
reifes Mannesalter, Alter, Altersschwäche deuten. Entsprechend würden die drei Frauengestalten links für drei
Arten (stages) des weiblichen Lebens stehen. Cox-Rearick
1982, p. 198 vermutet, dass mit den vier Figuren die
Lebensalter oder die Jahreszeiten gemeint sein könnten
(das letztere schon von Fry erwogen, aber verworfen).
14. Eisler 1948, p. 82. — Plinius, Naturalis historia, XXXVI,
13.
29 u. 35.
. Frys Deutung wird z.B. von Dussler 1927, p. 203 übernommen, ebenso von Konrad Escher, in: Malerei der
Renaissance in Italien, Teil I: Die Malerei des 14, bis 16.
Jahrhunderts in Mittel- und Unteritalien (Handbuch der
Kunstwissenschaft), Berlin 1922, p. 125.
. Eisler 1948, p. 82.
. Ebd., p. 83-84. - Moschos, /dyllen, V1.
. Vischer 1879, p. 241 spricht von einem Faun.
. Ebd., p. 78: Eisler sagt, dass die italienischen Verkäufer das
Bild der National Gallery in London seinerzeit unter diesem
Titel angeboten hätten. Woher er die Angabe har, ist nicht
klar; die angegebenen Referenzen sagen nichts dergleichen.
20. Dio Chrisostomos, 6. Rede: Diogenes, oder über Tyrannei.
Vgl. Dio Chrisostom, Discourses I-X] (The Loeb Classical
Library), mit englischer Ucberserzung von J. W. Cohoon,
Bd.1, London/Cambridge (Mass.) 1932, p. 258-261.
21. Ebd., p. 84-86. Vgl. auch p. 78, Anm. 6: Eisler suggeriert,
dass die italienischen Verkäufer von diesem anstössigen
Inhalt des Werkes gewusst hätten und dass der Direktor der
National Gallery eben deshalb den Kauf abgelehnt härte —
worauf die Verkäufer bei den weiteren Transaktionen den
Originaltitel fiir sich behalten hätten. - Als ikonographisches
Vergleichsbeispiel führt Eisler ein Gemälde Luca Cambiasos
an, wo Pan sich selber befriedige und den Amor auslache,
da er nun gegen dessen Waffen gefeit sei. Aber was der Satyr
in der Hand hält, ist nicht sein Glied, sondern ein Aststiick.
— Reproduktion des Bildes und Diskussion der Autorschaft
bei: Hermann Voss, „Venus entwaffner den Cupido. Ein
unerkanntes Hauprbild des Luca Cambiaso", Monatshefte
für Kunstwissenschaft, 5, 1912, pp. 321-322, TE 70. — Was
Eislers Deutung von Signorellis Bild betrifft, so entfernt sie
sich in den zweiten Hälfte des Aufsarzes derart weit vom
Werk, dass sich ein Résumé der Argumentation nicht mehr
lohnt.
. Herbig 1952, p. 11.
. Mit Recht meint Herbig, dass „die beiden als ... äusserlich
gleichartige Erscheinungen mit einander betrachtet, einer
aus dem Gegensatz zum andern erklärt werden... müssen“
(ebd., p. 11).
24. Ebd., p. 11-12, 16-17. Herbig sicht in der Plazierung der
platonischen „über“ der peripatetischen Philosophie eine
Anspielung darauf, dass Lorenzo de’ Medici zuerst Peripateriker gewesen und dann, geführt von Ficino, zum
Página 17
Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)Platonismus aufgestiegen sei (ebd., p. 16).
25. Ebd., p. 17. — Wie Freedman 1985, p. 155 richtig gesehen
hat, hat Signorelli dieses Motiv aus Andrea Mantegnas
Wiener Sebastiansbild (vermutlich gegen 1460 gemalt)
übernommen. Vgl. dazu: Horst W. Janson, „The ‚Image
made by Chance‘ in Renaissance Thought“, in: De Artibus
opuscula XL. Essays in Honor of Erwin Panofsky, hg. von
Millard Meiss, New York 1961, Bd. 1, p. 254-266; Bd. 2,
p. 87-88 (Abb.).
26. Ebd., p. 18. Herbig paraphrasiert hier Saxl. Saxl hatte
Signorellis Bild mit einem Gedicht Lorenzo de’ Medicis in
Zusammenhanggebracht, wo dieser das Lob des Landlebens
singt und einen Hirten auftreten lässt, der die Vorteile der
Stadt rühmt, worauf dann Marsilio (Ficino) in Gestalt
eines orphischen Musikers auftritt und lehrt, dass wahre
Befriedigung gar nicht auf Erden, sondern nur in der
Kenntnis des Göttlichen gefunden werden könne. Saxl
1927, pp. 24-25; vgl. auch Brummer 1964, p. 60.
. Herbig 1952, p. 13-14; Brummer 1964, p. 57.
. Brummer 1964, pp. 61-63. In diesem Sinn auch Freedman
1993, p. 155.
. Platon, Phaidros, 238 d.
- Brummer 1964, p. 63.
- „Dionysius praestitit mentis excursum, Musae poesim, Pan
facundiam, Nymphae varietatem“. Vgl. Marsilio Ficino,
«In Convivium platonis de amore commentarium”, Kap.
39: „Officium scriptoris, Dionysius, Musae, Pan,
Nymphae”, in: Opera omnia, Reprint 1962 der Ausgabe
Basel 1576, Bd. 2, p. 1384.
32. Brummer 1964, pp. 63-64.
. Ebd., p. 67, Anm. 50.
34. Pochat 1967, p. 97. Brummer hatte diese Figur für die
Personifikation der Landschaft gehalten.
35. Pochat 1967, pp. 97-98. Pochat sagt, der Tarok-Merkur
halte den magischen Stab an den Mund; vielleicht sei dieser
in eine Flöte verwandelt. Nein: es handelt sich um die
Flöte, mit der der Gott den Argus eingeschläfert hat, und
der magische Stab ist der Caduceus, den er in der Rechten
hale.
36. Ebd., pp. 98-99. Pochat bezieht sich hier auf Edgar Winds
Deutung des Primavera-Bildes, woher auch der zitierte
Satz stammt: Edgar Wind, Pagan Mysteries in the Renaissance,
London 1958, p. 109,
37. Welliver 1961, pp. 336 u. 339.
38. Ebd., pp. 339-340. Die Identifizierung Giulianos und
Cosimos erfolgt durch Vergleich mit den Rollenporträts
der beiden Medici in Botticellis Anbetung der Uffizien
er
(chemals Santa Maria Novella).
39. Im Bild seien aber auch Anzeichen der in den 1480er Jahren
neuerwachten Hoffnung Lorenzos vorhanden; diese zeige
sich vor allem in der linken Bildseite, zum Beispiel in der
aus dem Schlaf erwachenden Nymphe und im Wolkengebilde im Himmel, das — halb Reiter, halb Greif— auf Vergils
Ankiindigung einer Zukunft anspiele, in welcher Wunder
geschähen (8. Ekloge). Ebd., p. 341.
40. Cox-Rearick 1982, p. 196. Schon Herbig 1952, pp. 17-18
hatte sich gefragt, ob hinter dem Pan ,der grosse Lorenzo
selbst verborgen“ sei; später sei ja auch dessen gleichnamiger
Enkel mit Pan gleichgesetzt worden. Cox-Rearick geht bei
ihrer Identifizierung von einer Ekloge Naldo Naldis aus,
wo Piero de’ Medici als Pan auftritt und dem Schafer Micon
(Lorenzo) die Herrschaft iiber die Weiden (Florenz)
verkiindet (pp. 196-197).
41. Ebd., p. 198. Die Autorin versteht Pan überdies als Repräsentanten des Sternzeichens Steinbock, im Sinn einer
Anspielung auf Lorenzos Horoskop (vgl. pp. 101-102).
42. Ovid, Metamorphosen, 1, 689-712. Die Rahmengeschichte
handelt von Merkur, der den Argus einschläfern will; zu
diesem Zweck erzählt er ihm die Geschichte von der —
kürzlich erfolgten — Entstehung der Flöte, auf welcher er
spielt. Vgl. auch: Herrmann und Abert, Art. „Syrinx“, RealEnzyklopädie der klassischen Altertumswissenschaft, 2. Reihe,
4, 1932, col. 1777-1779.
43. Eisler 1948, pp. 82-83.
44. Herbig 1952, p. 10.
45. Vischer 1879, p. 241: „Die ganze Komposition ist die des
Madonnen- und Heiligenbildes“; Herbig 1952, p. 14: „Es
handelt sich klar um den Typus des Andachts- oder Kultbildes im Sinne etwa der thronenden Madonna zwischen
Heiligen und anderen Beifiguren”; Brummer 1964, p. 57,
65: „Signorellis Gemälde kann als Devotionsbild beschrieben werden”; „... die Komposition in Signorellis Gemälde
folgt dem Muster der santa conversazione”. Vgl. auch
Freedman 1985, p. 157.
46. Die meisten Autoren verstehen die Röhre als Flöte, so z.
B. Eisler 1948, p. 84 und Herbig 1952, p. 11.
47. Das heisst: das Rohr figuriert als Attribut, genau so wie der
Krug bei einem Flussgott.
48. Zu Echo: Waser, Art. „Echo“, Real-Enzyklopädie für
Altertums-Wissenschaften, 5, 1905, col. 1926-1930.
49. John Hollander, The Figure of Echo. A mode ofallusion in
Milton and after, Berkeley/Los Angeles/London 1981, v.a.
pp. 6-15; Joseph Loewenstein, Responsive Readings. Versions
of Echo in Pastoral Epic, and the Jonsonian Masque, New
Haven/London 1984, v.a. pp. 10-32.
50. Ausonius, Epigramm XXXII, 1.3.
51. Longos, Daphnis und Chloe, III, 23.
52. Die Versteinerung wird bei Ovid, Metamorphosen, 111, 356401, angedeuter, bei den späten Mythographen ist sie
explizit (z.B. Mythographus Varicanus II, Nr. 207).
53. Die Deutung der Hauptfigur als Syrinx darf unserer Ansicht
nach grosse Wahrscheinlichkeit beanspruchen, die der Sitzfigur als Echo ist dagegen stark hypothetisch. Es ist daran
zu erinnern, dass mit Pan auch noch eine weitere Nymphe
verknüpft ist: Pytis. Diese verwandelte sich in eine Fichte
(Nonnos, Dionysiaca, 42, 258ff.).
54. Kommentar zu Vergils Bucolica II, 31: Servii Grammatici
qui feruntur in Vergilit Bucolica et Georgica commentarii
(Bd. 3 der Vergil-Kommentare), hg. von Georg Thilo,
Hildesheim/Zürich/New York 1986 (2. Neudruckauflage
der Ausgabe Leipzig 1887), p. 23: „... a poetis fingitur cum
Amore luctatus et ab eo victus, quia, ut legimus, omnia
vincit Amor”. — Die yatikanischen Mythographen I und II
folgen Servius wörtlich. — Es wäre abzuklären, woher diese
Ueberlieferung stammt. Eisler 1948, p. 83, Anm. 32 verweist
auf einen ‘Text, wo es Aphrodite ist, die den Pan mit
Liebesleidenschaft straft. Wernicke 1897/1909, col. 14561461 erwähnt eine antike Darstellungstradition, wo Eros
und Pan miteinander einen Ringkampf veranstalten (oft in
Gegenwart der Aphrodite). Eisler 1948, p. 82, Anm. 28
zitiert Mario Equicola, der im Libro di natura d'amore vom
Kampf Pans mit Amor (respektive zwischen Natur und
„amor innato“) spricht; dabei bezieht er sich auf Plinius
(Naturalis historia, XXXVI, 35). Dort ist aber die Rede von
einer Statuengruppe, die Pan und Olympos „luctantes“
darstellt. Gemeint ist ein Liebeskampf. Servius verwender
eben das Wort „luctatus“; möglicherweise stürzt er (oder
sein Gewährsmann) sich auf Plinius. Ob man den Liebeskampf zwischen Pan und Olympos/Daphnis als Kampf
zwischen Pan und dem Liebesgott aufgefasst hat?
55. Boccaccio, Genealogia deorum gentilium libri, 1,4 (Anfangsabschnitt). Boccaccio beruft sich nicht auf Servius, sondern
auf Theodontius, einen unbekannten Autor, dessen Werk
verloren ist.
56. Ebd.: „... victoris iussu Syringam nympham Archadem
adamasse”.
Página 18
Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)57. Nach Boccaccio hat sie vor Pan schon die Satyrn zurückgewiesen.
58. Libellus de deorum imaginibus (Cod. Var. Reg. lat. 1290),
Fol. 3 recto (vgl. Liebeschütz 1926, p. 120). — Ich danke
Felix Thürlemann für Hilfe bei der Interpretation dieser
Stelle. Auch Eisler 1948, p. 86 hat sie in dem Sinn verstanden, dass Pan — und nicht, wie es eigentlich logisch
wäre, Amor - als Sieger bezeichnet wird.
59. Ebd., Taf. XX, Abb. 32. — Wernicke 1897/1909, col. 1458
erwähnt eine antike Spiegelkapsel, wo „Eros auf den besiegt
daliegenden Pan den Fuss setzt, indem er zugleich die
Siegespalme hält“. In der Libellus-Illustration ist diese
Konstellation umgekehrt.
60. Ueberdies führt der den Liegenden unterdrückende Stab
„durch“ das Triumphtor hindurch. — Auch die beiden
Hirtenphilosophen tragen zur Unterjochung des Liegenden bei: der alte rechts schneidet ihm mit dem Stab gleichsam
den Fuss ab (so wie das links die Syrinx mit der traurigen
Nymphe tut), und der Hirte mit den Zügen Ficinos hält
seinen Stock so, dass er auf die Stirn Amors zeigt (genauer:
auf die Stelle zwischen den Augen).
61. Saxl 1927, p. 22 erwähnt zwar die Libellus-Zeichnung im
gleichen Zusammenhang wie Signorellis Panbild, aber nur
um den Unterschied zu betonen: „Ein ganz anderes als
archäologisches Interesse hat dann das Panbild des Luca
Signorelli ... entstehen lassen“.
62. Vgl. Lothar Freund, Art. „Amor, Amoretten“, Reallexion
zur deutschen Kunstgeschichte, 1, Stuttgart 1937, col. 641651; sowie: Doris Ruhe, Le dieu d’amours avec son paradis.
Untersuchungen zur Mythenbildung um Amor in Spätantike
und Mittelalter (Beiträge zur romanischen Philologie des
Mittelalters, IV), München 1974.
63. Giovanni Boccaccio, Genealogia deorum gentilium libri, IX, 4.
64. In einem quattrocentesken Geburtsteller, der den Triumph
der Liebe darstellt, erscheint zum Beispiel der von Dalila
verratene Samson als eine Gestalt mit nackten, von
Weinblattern umgürteten Lenden: unbcherrschte Sexualität
und Rausch sind verknüpft. Vgl. Madlyn Kahr, „Delilah“,
The Art Bulletin, 54, 1972, p. 283 (Abb. 2) und 286.
65. Tatsächlich meint Eisler, die humanistischen Programmentwerfer des Bildes hätten die Vorstellung von dem zur
Selbsthilfe greifenden Pan „mit der Bemerkung des
Fulgentius Metaforalis [Libellus] verknüpft, dass Pan mit
Amor gestritten und ihn besiegt habe“. Obwohl er sogar auf
die Illustration des Libellus verweist, kommt er nicht auf
die Idee, den Liegenden als Amor zu identifizieren (vgl.
Eisler 1948, p. 86 und 81, Anm. 19).
66. Anders als im Libellus (Liebeschütz 1926, p. 119 u. Abb.
29) spielt der Merkur der sogenannten Mantegna-Taroks
die Flöte mit der linken Hand. Ob damit etwas bestimmtes
gemeint ist, wissen wir nicht. Sicher hat es in Signorellis
Bild eine Bedeutung, dass der Jüngling, Syrinx, der am
Boden liegende Amor und Pan selber allesamt die Flöten
oder Blasrohre mit der Linken halten. In einer älteren
Arbeit über die Hand in der Musik heisst es, die Flötisten
der Antike seien Linkshänder gewesen; bei der Doppelflöte
habe die rechte die tiefen, die linke die hohen Töne
hervorgebracht, weshalb Herodot die erste die männliche,
die zweite die weibliche genannt habe. Ob das Wissen um
diesen Sachverhalt in Signorellis Bild eine Rolle spielt?
(Vgl. Emile Gouget, Histoire musicale de la main, Paris:
Fischbacher 1898, p. 118).
67. Vgl. Herbig 1952, p. 10 und Brummer 1964, p. 65, Anm.
8.— Wenn Signorelli sich — wie Eisler 1948, p. 82 annimmt
— auf Plinius’ Beschreibung von zwei Sratuengruppen mit
Pan und Olympus stützt (Plinius, Naturalis historia, XXXVI,
29 und 35), meint er Daphnis ohnehin mit. Pan hatte mit
Olympos nichts zu tun; von den beiden Statuengruppen
267
scheint die eine Marsyas und Olympos, die andere aber
(von der zahlreiche Abkömmlinge bekannt sind) Pan und
Daphnis dargestellt zu haben (vgl. Wernicke 1897/1909,
col. 1453-1454). — Agosti meint, Signorelli habe den
Daphnis auch in jenem verlorenen Bacchanal des Palazzo
Pandolfo Petrucci dargestellt, das Pan und Schäfer zeigte:
G. Agosti, „Precisioni su un ,Bacchanale' perduto del
Signorelli“, Prospettive, Nr. 30, 1982, p. 70-77.
68. Zu Bellinis Bild: Augusto Gentili, Da Tiziano a Tiziano.
Mito e allegoria nella cultura veneziana del Cinquecento,
Rom 21988, pp. 130-137. In Anm. 48 ist cin Ueberblick
iiber die verschiedenen Hypothesen zum Objekt in der
Hand Pans gegeben; wir schliessen uns jenen an, die in ihm
gleichzeitig Muschel und Spiegel sehen. Man vergleiche die
Haltung des in den Spiegel blickenden Orpheus im
Fussboden von San Domenico in Siena: diese Figur diirfte
Bellini fiir den Pan als Modell gedient haben. — Interessanterweise halt die Nymphe die Hand vors Geschlecht môglicherweise um anzudeuten, dass sie sich Pan sexuell
verweigert. Auch der Baumstrunk diirfte mehr sein als cin
pastorales Möbelstück.
69. Günter Bandmann, Melancholie undMusik. Ikonographische
Studien, Köln/Opladen 1960.
70. Vgl. Erwin Panofsky, „Zwei Dürerprobleme (Der sogenannte
‚Traum des Doktors und die sogenannten ‚Vier Apostel‘)“,
MünchnerJahrbuch der bildenden Kunst, Neue Folge Bd. 8),
München 1931, pp. 1-17.
71. Man denkt an Redewendungen wie „schreib Dirs hinter die
Ohren“ oder „er hat es dick hinter den Ohren“, Das
Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens (6, 1934/1935),
col. 1204 weiss keine überzeugende Erklärung für diese
Metaphern; es wird nur vage auf die „volkstümliche
Schädellehre und die alte Humoralpathologie“ verwiesen
und daran erinnert, dass das Ohr als Ein- und Austrittsort
von Seele und Dämonen galt. Wir werden auf die Frage
zurückkommen: vgl. Anm. 79. — Als eine Art Gegenstück
zu Dürers Holzschnitt berrachter Panofsky die michelangeleske Zeichnung „Il sogno“. Von dem auf den Jüngling
herabstossenden geflügelten Genius sagt er, dieser wecke
den Jiingling aus seinen Traumen ,by the sounding of a
trumpet”. Nun fällt aber auf, dass diese Trompete direkt auf
die Stirn gerichtet ist: man kann sich fragen, ob der Genius
nicht Luft in den Kopf blast, um die siindigen phantasmata
zu vertreiben. Erwin Panofsky, Studies in Iconology. Humanistic Themes in the Art of the Renaissance, (Erstausgabe
1939), New York 1967, pp. 223-224.
72. Diirer bezieht sich mit seinem Holzschnitt auf die Vorstellung, dass feuchte Dämpfe im Hirn schlechte Gedanken
erzeugen. Aber die Luft kann durchaus auch eine positive
Wirkung haben, etwa wenn sie kühl und trocken ist: dann
klärt sie die Geister und humores, reinigt die Sinn und
macht sie leicht (Harvey 1975, p. 18). Marsilio Ficino ist
bekanntlich überzeugt, dass der Mensch vom kosmischen
spiritus beeinflusst wird. Als wichtigstes Medium zu dessen
Eindringen in den Körper betrachter er zwar die Sonnenstrahlen, aber auch der Luft teilt er eine wichtige Rolle zu:
Marsilio Ficino, De vita libri tres, III, xi.
73. Das Lunare könnte im Kontext der „sublimierten Liebe“ als
Keuschheitssymbol gemeint sein. In dieser Funktion tritt
das Motiv bei der Venus des Primavera-Bildes auf; vgl.
Frank Zöllner, Borticelli. Toskanischer Frühling, München/
New York 1998, p. 49. Die Mondsichel ist das Attribut der
keuschen Diana, und mit Diana ist wiederum jene Figur
verbunden, die Pan zur Sublimierung der Triebe gezwungen
hat: Syrinx.
74. In diesem Zusammenhang ist auch daran zu erinnern, dass
der Stab Pans auf den Mund Amors „zielt“ (dies, nachdem
er den weissen Reiter „durchquert“ har).
Página 19
Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)75. Stundenbuch der Jeanne d'Evreux, illustriert von Jean
Sehens als Geistiges bewirkt. Achnliches diirfte im Panbild
Pucelle, um 1325 (New York, Metropolitan Museum). Die
Drôlerie befindet sich auf dem Blatt, das Christus vor
Pilatus zeigt. Vgl. Emanuel Winternitz, „Bagpipes for the
Lord“, Musical Instruments and their Symbolism in Western
Art, London 1967, pp. 129-136, besonders 132. —
Winternirz bildet auch Darstellungen von Dudelsäcken ab,
die anthropomorphe Ziige haben (Taf. 22).
76. Robert Hughes, Heaven and Hell in Western Art, London
1968, p. 178.
gemeint sein.
83. Bereits Eisler 1948, p. 90 hat im Zusammenhang mit dem
Panbild von „sublimation“ gesprochen; er ist dafür von
Welliver 1961, p. 335 scharf kritisiert worden.
84. Es mag von Bedeutung sein, dass der imaginäre Luftstrahl
nicht nur den Reiter, sondern anschliessend ein weiteres
dunkles Gebilde (wohl cin Bergmassiv) „durchquert“.
85. Einer der klassischen arabischen Medizinschriftsteller, Haly
Abbas, sagt, dass das Hirn rauch- oder dampfartige
Ueberschüsse produziere und dass diese durch die Nahtstellen der Schädelknochen entweichen, während solche
schwerer Art durch die Nase aus dem Körper treten. Harvey
. Harvey 1975, p. 15, 17.
78.
Danielle Jacquart, Claude Thomasset, Sexualité et savoir
médical au moyen age, Paris 1985, pp. 82-84, 110-111.
79. Ebd., pp. 74-78. Die (unter anderem von den Pythagoräern)
vertretene Meinung, dass das Sperma im Hirn und/oder in
den Augen entstche, erfreute sich, obwohl von anderen
Theorien konkurriert (Bildung im Blut, im ganzen
Körper), auch in der Renaissance grosser Popularität. Als
Beweis für die Entstchung des Semens im Hirn betrachteten
die Hippokratiker die Tatsache, dass die (bei gewissen
Leiden notwendige) Durchschneidung der hinter dem
Ohr situierten Venen den Patienten steril machte. Also,
folgerte man, transportieren eben diese Venen den Samen
abwärts. Mit dieser Wissensüberlieferung könnte es
zusammenhängen, dass sowohl der Flötenspieler als auch
Eros mit ihren Rohren auf eine Stelle hinter den Ohren
1975, p. 15.
86.
zur deutschen Kunstgeschichte, Heft 194), Strassburg 1916.
87. Zur Melancholie die beiden klassischen Bücher: Erwin
Panofsky, Fritz Saxl, Dürers „Melancolia I°. Eine quellenund typengeschichtliche Untersuchung, Leipzig/Berlin 1923.
— Raymond Klibansky, Erwin Panosky und Fritz Saxl,
Saturn and Melancholy. Studies in the history of natural
zielen.
80.
Marsilio Ficino, De vita libri tres, I, vii; vgl. ders., Three
Books on Life, A critical Edition and Translation by Carlo V.
Kaske and John R. Clark, Binghampton (New York), 1989,
philosophy, religion and art, London 1964.
pp. 122-123.
81. Vielleicht ist bereits das Blasen der Syrinx als Resultat eines
Umformungsvorganges gemeint. Links von Amor befindet
sich ein Stab, der wohl als am Boden liegender gemeint ist.
Da er aber eine steile Schräge bilder, neigt man dazu, ihn
flächig zu lesen. Verlängert man ihn nach links, stösst man
auf die Falre, welche den mons veneris der Syrinx begrenzt.
Genau wie beim Amor haben wir also auch hier die Konstellation, dass sowohl Sexus als Gesicht mit langen Stäben
verknüpft sind. — Zu vergleichen ist auch die MediciMadonna: wenn dort ein Hirte sein Blasrohr (oder seine
Flöte) auf den Geschlechtsbereich eines stehenden Hirten
richtet, dürfte ein ähnlicher Umformungsvorgang
angedeuter sein wie im Panbild (zum möglichen Zusammenhang dieses Bildes mit dem Pangemälde: Freedman
1985, pp. 156-158). Möglicherweise wirft diese Deutung
auch auf Tizians Bild der „Drei Lebensalter“ ein neues
Licht (vgl. Augusto Gentili, Da Tiziano a Tiziano. Mito e
allegoria nella cultura veneziana del Conquecento, Rom:
Bulzoni 21988, pp. 87-89). — Was aber bedeutet es, dass
Pan mit seinem Stab den weissen Reiter „durchneidet“ und
auf den Mund des Amors zielt? Die Meinung dürfte sein,
dass der Pan dem Pneuma Amors die Qualitäten des weissen
Rosses vermittelt.
82. Eine weitere Eigenheit stürzt die Vermutung, dass es um
eine Umformung der Blindheit ins Sehen geht. Wir haben
oben beobachtet, dass auch der Hirtenphilosoph zur Rechten
Pans seinen Stab auf den Kopf Amors richtet, und zwar auf
eine Stelle zwischen den Augen. Der auf den Boden
gestemmte Stab (auch: Lanze, Speer) fungiert im Allgemeinen als Symbol für beherrschte, d.h. in den Dienst
der Virtus gestellte Kraft (ausser man benutze ihn, wie der
alte Hirte, als „Krücke“, um den Körper darauf lasten zu
lassen). An der Stelle, auf welche der Stab zielt, kreuzen sich
nach der Vorstellung der Zeit die Sehnerven. Eben hier
fährt beim Sebastian von Mantegnas Wiener Gemälde ein
Pfeil in die Stirn des Märtyrers. Der Kontext legt bei diesem
Werk nahe, dass die Verletzung eine „Auferstehung“ des
Herbig 1952, p. 17: ,... das bizarre Wolkengebilde hinter
Marsilios Haupt... ist in seiner linken Halfte ganz deutlich
als ein Reiter mit zuriickwehender dreieckiger Standarte
geformt und gerade so gibt eine deutsche Handschriftenminiatur in Wolfenbüttel vom Ende des 15. Jahrhunderts... den alten Heidengott wieder”. In dieser Handschrift sind aber alle Planetengötter als Reiter gegeben,
wenn auch die Standarten jeweils andere Formen haben;
vgl. A. Hauber, Planetenkinderbilder und Sternbilder. Zur
Geschichte des menschlichen Glaubens und Irrens (Studien
88.
Freedman 1985, p. 155-156. Die Autorin beruft sich auf
Plotins Enneaden (1, vi, 8).
89. Platon, Phaidros, 246 a, b; 251 b, c.
90. Es ist Pochat 1967, der diese sogennannten „Sola-Busca-
Tarocchi“ in die Deutung des Panbildes einbezogen hat. —
Zu den Karten: Arthur M. Hind, Early Iralian Engraving.
A critical catalogue with complete reproduction of all prints
described, Teil 1, Bd. 1, pp. 241-247; Bd. 4, Tfn. 370-393.
21: Pochat 1967, pp. 100-101 bringt die Karten nur mit den
realen Reitern, nicht aber mit dem Wolkenreiter in
Verbindung.
92. Edgar Wind, Pagan Mysteries in the Renaissance, London
1958, p. 109,
23, Platon, Phaidros, 252 c. — Deutsch zitiert nach: Platon
Werke 111 4, Paidros, übersetzt u. kommentiert von Ernst
Heitsch, Göttingen 1993, p. 37.
94. Während beim Hirten-Philosophen zur Rechten Pans der
Stock (als ein auf den Boden „gestossener“) verhaltene
Kraft symbolisiert, steht er beim alten Hirten für Kraftlosigkeit: ohne die Krücke des Stockes würde der Mann auf
den Boden sinken.
95. Platon, Phaidros, 253 d - 256 d.
96. Wir sprechen hier nicht von der Blick-Bewegung. Nach der
Reproduktion ist nicht klar auszumachen, wohin der
„misero“ schaut; vermutlich aber zu seinem jüngeren alter
ego, dem Philosophen zur Rechten Pans.
97. Zum Motiv des entblössten linken Knies: Peter Cornelius
Claussen, „Ein freies Knie. Zum Nachleben eines antiken
Majestas-Motivs“, Wallraf-Richartz-Jahrbuch, 39, 1977,
pp. 11-27 (das entblósste Knie verweist darauf, dass Juppiter
aus dem Schenkel den Dionysos geboren hat); sowie: Iris
Marzik, „Die Allegorie der Theologie am Grabmal Sixtus’
IV“, Musagetes (Festschrift für Wolfram Prinz zu seinem 60.
Geburtstag; Frankfurter Forschungen zur Kunst Bd. 17),
hg. von Ronald G. Kecks, Berlin 1991, pp. 255-265.
98. Mit Beziehung auf die Tarokkarten und auf Giorgiones
„Fete champêtre" versteht Pochat 1967, p. 99 die kleine
Página 20
Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)weibliche Nacktfigur als Poesia. Wenn das so gemeint ist,
wire wohl eine untere Stufe von Poesie gemeint, cine
Vorstufe zu derjenigen, welche der Flötenspieler (Daphnis
269
world while aspiring to the divine). Our thesis is that
Signorelli’s mythological “Sacra Conversazione” also
= bukolische Poesie) verkörpert. An dieser Stelle mag auch
daran erinnert werden, dass Macrobius, der Pan (wie viele
andere Götter auch) als cine Figuration der Sonne versteht,
die Echo (in ihrer Eigenschaft als unkörperliche) als
Symbol der (immateriellen) Sphärenharmonie auffasst
contains a representative of what the Neoplatonists
(Saturnalia 1, 22). Andererseits gibt es eine Ueberlieferung,
wonach Pan und Echo zusammen lynx gezeugt haben, den
als Liebeszauber dienenden Wendchals (Kallimachos, frag.
100 c, 8 Sch. [Schol. Theokr. Il, 17] ). Allenfalls haben wir
ein metaphorisches Konstrukt vor uns, wo es um die Geburt
von Harmonia-Liebe-Poesia aus der erdenschweren Natur
geht.
Pan, afflicting him with an unrequited passion for
Summary
Research has established that Luca Signorelli’s puzzling
considered the motor of the apperception of God —
Love. The youth lying on the ground at the front is,
in our opinion, Eros. Initially he had triumphed over
the nymph Syrinx, but now it is the nature god that
triumphs: by substituting a divine musical instrument
(the panpipes) for the woman, he has “sublimated”
physical love. The motif used to express the idea of
sublimation is curious; with her pipe, Syrinx, symbol
of the reed (left, in the attitude of the Muse Calliope),
so transforms Cupid’s Dionysian power of love that it
can give impetus to ecstatic flights of the soul.
depiction of Pan can be interpreted as a visual programme of the (Neo)Platonic academy in Careggi
Andreas Hauser
and a tribute to Marsilio Ficino and Lorenzo de’
Sonneggstrasse 35
Medici. The picture portrays the nature god in his
8006 Ziirich
Orphic-Pythagorean guise — as an exemplification of
Switzerland
the human condition (firmly rooted in the sensual
AU
Haus
TI Luca
Signorelli's 'Pan'. Art as sublimation of love
Sie:
SO KONSTHISTORISK TIDSKRIFT, 1999, 68, 4, p 250-269
AB Research has established that Luca Signorelli's puzzling depiction of
Pan can be interpreted as a visual programme of the (Neo)Platonic
academy in Careggi and a tribute to Marsilio Ficino and Lorenzo de’
Medici. The picture portrays the nature god in his Orphic-Pythagorean
guise-as an exemplification of the human condition(firmly rooted in the
sensual world while aspiring to the divine). Our thesis is that
Signorelli's mythological “Sacra Conversazione" also contains a
representative of what the Neoplatonists considered the motor of the
apperception of God-Love. The youth lying on the ground at the front
is, in our opinion, Eros. Initially, he had triumphed over Pn,
afflicting him with an unrequited passion for the nymph Syrinx, but now
it is the nature god that triumphs: by substituting a divine musical
instrument (the panpipes) for the woman, he has "sublimated” physical
love. The motif used to express the idea of sublimation is curious:
with her pipe, Syrinx, symbol of the reed (left, in the attitude of the
Muse Calliope), so transforms Cupid's Dionysian power of love that it
can give impetus to ecstatic flight of the soul.