Apollon, der Hellene

Autor
Bethe, E.
Publicado en
Festschrift Jacob Wackernagel
Año
1923
Tema
APOLLO
Idioma
Deutsch
Categoría
C12 Religión
Número de archivo
4252

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Berne =. J 14 Bethe, Apollon der Bellene. £ | | z FEST SO RAT— Don Erich Bethe. Nad unfern gemeinjamen Bafler Jahren hat uns, verehrier Sreund, nod) einmal Homer in Ihrem gaftliden Haufe zu Göttingen 1911 zufammene geführt. Das waren fröhliche Pfingfttage voll von Anregungen, Boffnungen, Gewißheiten. Wie maren wir Beide damals dod nod jo jung! Schien es uns dod) felbftverjtändlid, daß unfere von veridiebenen Seiten erreichte Überzeugung, die Ilias fei erft in Attita um 600 vollendet, fid allen Urteils: fähigen alsbald mitteilen müffe. Rafch lehrte uns Erfahrung, was fo Diele Ihon vor uns lernen mußten und Ungezählte nady uns immer neu wieder werden lernen müffen, daß Dorurteile aud in der Wiffenfdaft nicht rafdy wie Grafer unter jüdliher Sonne verdorren, fondern langfam nur eingehen wie alte Eichen. Aber ift aud die Jugend dahin dem Sechzigjährigen wie dem Siebziger, defto fefter geworden ijt uns der Glaube, daß unferer Thefe die Sutunft gehört — es müßten denn Abfallhaufen felbft Sinn und Ordnung wie die Ilias befommen, oder dem Kleinafiaten die Sonne über dem Meer aufgehen wie W 227 Q 13 und in jeder Elegie Solons ein Dugend Attigismen nadygewiejen werden. Aber nicht von Homer will id) zu Ihnen an Ihrem Seiertage reden, fondern von einem anderen Vorurteil, das, erft zwanzig Jahre alt, fih hoffentlich rafder befeitigen läßt. Homer fpielt dabei freilich eine ent: Iheidende Rolle. U. von Wilamowi hat es 1903 in einem feiner elegans teften Aufjage (hermes XXX VII 575) aufgeltellt mit fo fuggeitiver Wire fung, daß es fait allgemein, fo {deint es — Eduard Meyer, Gefd. d. Alt. 12, 2, 639 und WD. Aly, ‘Der Tretifche Apollofult’ 1908 haben wideriprodjen —, aufgenommen ift und oft genug fon als geficherte Tatfadje hingejtellt wird. Ih fann mid) nicht genug darüber wundern. Sehe id) dod) heute noch tlarer als bamals, wo id) eine lebhafte und dod) den Kern nicht treffende Polemit niedergefchrieben, verftändigerweije aber wie mandjes nicht gedrudt hatte, auf wie [wachen Süßen feine Thefe [teht, daß Apollon, ein Barbarens gott, aus Kleinafien, wo ihn die Grieden erft tennen gelernt, ins Mutterland eingeführt fei. Drei Gründe führt er für fie an. 1) Apollon fei Gott und Helfer der Troer, und die find ihm Barbaren. 2) Die ganze tleinaftatijde Küfte fei befebt von Apollon-Heiligtümern, meift Orafelftätten, als fie in unfern Gefidhistreis trete. 3) Delphi habe fi Apoll erft erobert, in Athen fei er fpater Antömmling, fremde Gottheiten habe er fih affimiliert und fremde Sete wie Karneen und Thargelien fid angeeignet. Gewi gab es an der Küfte Kleinafiens Apollon«Kulte in fpät erft von Griechen befiedelten Städten, wie im Intifchen Patara (Herodot I 182), und ’) Jane Ellen Garrijon’s Auffay über den Urjprung des Apollon-Kultes (John Ralands Librarq 1916) ijt dem Deutfdjen natürlich unzugänglich geblieben. = Bethe, Apollon ber Hellene. 15 erlieferung bei Paufanias VII 6, daß bas Heiligtum von Didyma i ster als x jonifée Einwanderung fei, wird riditiger fein als die fünftliche Antnüpfung an Delphi (Konon 33). Aber dafz diefer Barbarengott Apollon geheifen habe, er nidt vielmehr von ben Hellenen umgenannt ober wie fnatinthos in Amnflai mit ihrem Gotte Apollon verfdymolzen fei wie die Göttin von Ephefos zur Artemis wurde, das ift um fo weniger wahr: fheinlich, als im Innern von Kleinafien alte Apollon-Kulte nicht nachweisbar find. Wilamowih legt natürlid auch jelbit diefem Argument feinen Wert bei. ‘Wir ftehen vor dem Dilemma, fagt er, entweber ijt hier ein vor: griedifder Gott dem Apollon gleihgelebt, als die Griedjen binfamen, ober diefer Apollon ijt von den Grieden übernommen. Si bies lebtere fpridt der Befund der Slias.” Die Ilias fol alfo enifheiden. Die Obdnjiee, die Apollon-Kulte in Delos (£ 163) und Ismaros (1 198) fennt, v 276 ein Apollon: Seft feiern läßt, und zwar am Neumond, wenn man diefe Stelle mit 7 306 tombiniert, bleibt bei Seite. Sie ift ihm wohl als 3u jung verdadtig. Der Meinung bin aud ih. Sür unfere Ilias aber meine ich ebenfalls den Be: weis erbracht zu haben, daß fie den Gefiob benußt und ficherlich zwei Gez dichte in fid) verwoben hat, den Bittgang der Troerinnen (Z 237-311) und den Sweitampf des Euphorbos und Menelaos (P 18-70), die nicht Älter als Ende des fehlten Jahrhunderts fein fonnen (mein Homer II 303ff.). Damit wäre fon dem Derjuh, Apollons Barbarentum aus der Slias au beweifen, der Boden entzogen. Es geht nicht mehr an, zu argumentieren [don Homer jagt und mit feinem Seugnis hohes Altertum ermeifen zu wollen. Es ging das längjt nicht mehr an. War dod bie Jugend mehrerer Stüde wie der Dolonie oder der Derfe B 546-558 und der Meneitheus- Epifoden M 331-374, N 685-700 anerfannt, gerade aud von Dilamowig ftart betont. Aber über die relative Chronologie vieler anderer Stüde gehen die Meinungen weit auseinander. Dod) wie man über die Analnje der Jlias aud denten mag, zweierlei muß unbedingt anerfannt werden: bie Troer find bei Homer nicht Barbaren [hlehihin und der Götterapparat ift ein technifdjes Hilfsmittel der Dichtung, folglid find Schlüffe aus Homer auf | Lu die Nationalität der Götter unbedingt unzuläffig. Die Troer find in der Jlias durchaus ebenfo gezeichnet wie die Adaier. Sie haben biefelben Sitten, Kleider, Waffen, fie haben „aud ebenfoniel griedijdje neben ungriedijden Namen wie ihre Seinde. Sie beten zu den: jelben Göttern F 297 = 319 übe Gé ns efmeoxev 'Ayarüúv te Tpüwv Te Zed Kôbiore péyiore wal dddvarcı dEor GAAor, Ebenfo Priamos FT 308, Hettor Z 476, Afios M 164 ujw. Sie beten fogar zu Athene Z 269ff. Und die Adjaier beten zu Apoll, nicht nur den dom des Peftgottes zu fänftigen, gerade die Schwurformel B 371 = A 288 = H 132 = 97 * WACKER € NAE ; Avi Lo ß

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ai yép, Zed ze märep Kai "Adnvain Kai ’Amékkov führen ausfblieblit Adaier im Munde, Agamemnon, Weitor, Adill. Und dod) ijt Apollon der Schüler der Troer. Aber ijt denn das Der: hältnis anders als bei Athene? Su ihr wallfahren die Troerinnen, aber den Adjaiern hilft fie. Und Pofeidon, eifrig bemüht, bas adaiifde Schiffs» lager zu reiten, hat dod) mit Apollon dem Caomedon die Mauern Jlions gebaut (M 463), und er zerftört eiferjüdhtig die Adjaierbefeftiguug M 17 und fon Nieje in feiner Entwidelung der Homer. Poefie 104 tlug bemertt hat, bot fich diefem poetifch.technifchen Bedürfnis Apollon von felber dar, weil er, vom Troer Chrnfes gerufen, den Adjaiern die Peft jendet. Der Menis- 16 17 dichter, der dies Motiv erfand, um Adil und Agamemnon in Streit zu bringen, fonnte ja dod) gar nicht anders, als Apollon zu diejem Swede zu bemühen. Welden Gott hätte er es denn fonft tun laffen follen? Ihn dadurd) als Troergott zu darafterifieren, hat ihm ficherlid ganz fern gelegen. Kein Wort von ihm gibt zu diefer Annahme irgend Berechtigung. Er läßt rettet den Aineias vor dem Tobesitreich Adjills Y 284-339. Den Tempel Apollons auf der Burg Jlions E 446 (H 83) ertlärte Wilamowik felbit 577,1 für eine Erfindung biejes Dichters, Mit Recht: tennt ihn bod nicht jener andere Dichter, der den von Agamemnon abgemiefenen Chrujes A 38 ihn weder von Ilion tommen nod) nad) Ilion gehen. Defto natürlicher aber war, daf Ipätere Dichter, die den göttlichen Helfern der Achaier einen troifden zum Apollon von Chrnje, Killa und Tenedos beten läßt, aber nicht zum Apollon von Ilion, das er vor Augen fieht. Adills. Er ijt es, der mit Paris ihn am Stäifchen Tore erfdieht (X 359). Der homerijde Götterapparat ift recht nur 3u verftehen, wenn man die Das ijt das Einzige, was Apollon zu Gunften der Troer wirtlid tut. Möglid, Ilias als Ganges faBt, worauf fie wahrhaftig Anfprud hat. Wer das aud) nur verfudjt, fann gar nicht ihren feft gefügten Aufbau, ihre flare Dis: polition, ihre vollendete Abrundung verfennen. Und bald wird er verftehen, daß für diefen tigen Plan der Götterapparat von großer Bedeutung ijt. Su drei Sweden dient er vornehmlich: um Handlungen in Bewegung zu leben, um die ungeheure Mafje der wirren Kämpfe überjichtlich zu gliedern und jchlieglic; um Unmögliches möglid zu maden, nicht Dereinbares zu ver: einen. Die Menis Achills entfteht aus der Peft, die Apollon gejendet; Thetis erfleht Seus’ Entidluf, den Troem Sieg zu geben; die heilig befdymorenen Derträge durd) verräterijden Schuß zu brechen ftadelt Athene den Pandaros an; die Götter greifen ein, die Cöfung Hettors zu ermöglichen. Den zweiten Schlahttag leitet die Gôtterverjammlung des © ein mit dem Derbot des deus, tätlid Partei zu nehmen; im N und = wird es durd) Pofeidon und beras Lift durdbrodjen, im O mit Naddrud wiederholt, bei Beginn des dritten Schlachttages in Y aufgehoben. Aineias wird im E vor Diomedes von Aphrodite gerettet, weil er weiter gebraucht wird, im Y vor Adill von Pofeidon bewahrt, weil Aineiaden nod in der Troas herrichen. Aettor, von Aias zu Tode getroffen, wird O 236ff. von Apoll geheilt, damit er in die Schiffe die Sadel werfen, Patroflos überwinden und Adjill entgegentreten tann. Die fliehenden Achnier hätte Heftor bis in die Schiffe getrieben und der wehrlofe Adill hätte es mitanjehen müffen, hätten Hera und Athene ihm nicht beigeftanden, nur durd) feinen Ruf und den göttlichen Glanz der Rigis die Troer abzufdjreden, und wäre nicht Helios früher hinabgeftiegen (£ 165 — 242). Hera, die Göttin von Argos, war die natürliche Helferin der Argeier, Athene war dem Diomedes in Salamis auf Kypros und aud fonit hie und da verbunden (Realencntl. V 820, 12; 823, 16). Sür die Troer war Aphrodite als Mutter des Aineias gegeben. Die Untriegerijdje genügte nicht. Wie Sdutgott entgegenjtellen wollten, auf Apollon gerade deshalb verfielen. Diels leicht hat fie nod ein anderer Grund dazu bewogen: Apollon war der Seind gewiß, daß die Hilfe des Gottes aud hier fpätere Zutat ijt, urfpränglid) Paris allein den Peliden überwand. Aber Apollons Hak gegen Adills Sohn Neoptolemos fieht nicht wie Dichtererfindung aus: fein Grab lag im Tempel: bezirt Delphis und die in Pindars fehlten Patan zweifellos authentijd wiedergegebene Kultlegende ftellt ihn als Seind des Gottes dar. Aber hier ift teine Sicherheit zu erlangen: bleibt doch Urfprung und Sinn diefes Kultes ebenfo untlar wie feine Derbindung mit dem Adhillesjohn des Epos. Genug, wir verftehen aus dem poetifctechnifchen Bedürfnis, warum Apollon der Troerpartei zugeteilt wurde. Damit entfällt die Berechtigung, ibn zum Nationalgott der Troer zu madjen, nun gar auf fein Barbarentum 3u fchließen. Sreilich fpiegelt unfere Ilias den feindlichen Gegenfak der Griechen und Afiaten wider. Aber erft im fiebenten Jahrhundert entjtanden, hat er nur nadträgli und oberflädlid und poetijd idädigend auf das Epos ein: gewirkt, am jhlimmften beim Todestampf des Patrotlos, wo blöder Nationalismus dem Heltor fogar den Ruhm feines Sieges genommen und damit das Motiv der Rade Adills gefährdet hat. Der Grundftod der Ilias kennt das nicht. Sein Dichter fteht über den Parteien, mit gleicher Teilnahme eines großen Herzens befingt er das Gefdhid Heftors und Adjills, der Troer und Adhaier. So ift der einzige, immerhin (deinbare Grund für Apolls Barbarentum und ftleinafiatijde Herkunft gefallen. Denn der dritte, Apollon erweife fich im Mutterlande als Eindringling, tônnte nur diskutiert werden, wenn jener fid als tragfähig erwiefen hätte. Muf doch Apollon aud) bei der früheren Annahme, daß er von den Griedjen mitgebracht fei, an den [don vor ihrer Ankunft beftehenden Burgen und Kultftätten und an den von uraltersher gefeierten Erntefeiten notwendig als Sugewanderter und Eroberer erjcheinen. Das ijt am beutlidfien in Athen. feine Stätte. In den Mauern der Akropolis hat er Da werden im Erechtheion die alten Kulte des Königshaufes, Seftigrift f. Dadernagel.

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auf deffen Stelle es fteht, weiter gepflegt. Ungriechifchen, vorgriehijdjen Göttern gelten fie: Athenaia Hephaiftos Butes Kefrops, aud Pofeidons pedon aus der Lanòfdaft einführte, die {pater allgemein Cntien heißt, obs gleich ihre Bewohner Termilen hiefen, und wenn er nicht A 101. 119 den Apollon Avxnyevijs von Pandaros nennen liege. Herfunft und Bedeutung Griedjentum fteht nicht über Sweifeln. Selbjt Zeus muß fid als “Ymaros und Modeds mit zwei Altären begnügen. Der Himmelsgott gehört auf die höhe, aber in die alte Kultgemeinjdaft it er nicht aufgenommen. Apollon fibt wie “Aypavdos und Aûtw außerhalb der Burgmauer am Bange, fein Abxeov lag fogar vor der Themijtotleijden Mauer. So hat auch der alte Joniergott Aidvucos à Afvaros fein Heiligtum &v Aipvais. Sein hohes Alter bezeugt fein von allen Joniern gefeiertes Seft, die "Avdeorrpra, und das fhübt ihm vor dem Derdacht, erft mit dem orgiaftijhen Baxxos aus Thratien gefommen zu fein. Als warpüos hat Apollon einen Tempelfult am Wartt in Athen. Er war der Gott der attijden Adelsgefchlechter und feit Kleifthenes jedes echten Atheners. Sollten fie einen Kleinafiaten zu ihrem Stammoater gemadjt haben? Daß diefe Autodjthonen einen vorgriedijden urattijden Gott fid auserforen, das tönnte man glauben. Aber das ijt Apoll ja nicht. Mit Athena, Kefrops, Gephaiftos, und dem Ahnheren der Butaden hat er feine Derbindung. Alfo ift er von den Griechen mitgebradht. Wie fie gue gewandert find und mit den Alteingefeflenen fit gütlich abfanden — dafür zeugt ja das Sortbeftehen der Butaden und ihrer Kulte — fo mußten doch aud ihre Götter fic) um die alten Kuliftätten anfiedeln; nur daf Seus feinen höbentult als Gaft auf der Burg erhielt. Ehrenvoll genug ift Apollons Plat am Markt. Die Nahbarfhaft des pytpgov wird man nicht ausfpielen wollen, um Apolls Afiatentum wabrideinlid zu machen. Denn das ijt dod gewiß, dag die Athener ihr Staatsardio nicht einer jüngft zugezogenen afiatiihen Göttin anvertraut haben. Die wimp deov ift fo gut vorgriedifch wie Athene. Kretifdjemntenijde Steine bezeugen ihre Derehrung im zweiten Jahrtaufend: fie it in Griechenland fo alt wie in Kleinaften. Daß in fpäterer Seit ihr griedjijder Kult durdy Anregungen von drüben neu belebt ift, braucht darum nicht geleugnet 3u werden, Nun fönnen aud) der Kultname des "AnöAlwv, Aúkeros, Adxios und fein poetijder Beiname Avxnyevis (A 701. 119) nicht irre maden. €. Robert hat fie in Prellers Grieh. Mythologie 14 253ff. und 235f. richtig behandelt. In Argos, wo fein nad der Legende von Danaos geftiftetes Heiligtum, der Kaupitempel der Stadt (Paufanias II 19,3) ftand, in den benadybarten Epidauros Sitnon Megara und in Athen, wo der Pandionfohn Entos als Gründer galt, fit fein Kult von alters her felt. Die argivijde Kultfage leitet den Namen Adxeios vom Wolf Adxos her, und ein Wolfsbild war aud) in Delphi neben dem großen Apollon-Altar aufgeftellt (Paufanias X 14,7). Als ‘Wolfstéter’ interpretierte Sophotles Elettra 6 (rod Auxokrôvou deoö) den Namen, vortrefflid pafjend für den Schüßer der Herden. Das würde voll: tommen befriedigen, wenn nicht Homer zwei Doltsitämme diefes Namens fennte und als £ntier Pandaros aus Seleia in der Troas und Glaufos Sar: 19 diefes Dolfsnamens find zwar dunkel. Mit dem Wolf hat er nichts zu tun, vielleicht aber mit dem Heroennamen £nfos, der in Attila, Eubön-Böotien und Troia (£nlophron 132) erjcheint und freigebig fonjt verteilt ijt. Sollte diefer Namen etwa vorgriediicher Herkunft fein und mit ihm aud) 'AróMwv Adxeros, vielleicht aud) Auxdpe bei Delphi zufammenhängen? Und follte alfo die Deutung auf den Wolf nur Dolfsetnmologie fein? Dann würde id verftehen, dag Name, Stamm und Kult vom Mutterlande nad Troas und £ntien wie fo vieles andere übertragen ijt während der großen Dölferverfiebung feit Mitte des zweiten Jahrhunderts v. Chr. Die Bewegung geht von Hellas nad Often, nicht umgetehrt. Das befte Beijpiel gibt Bellerophon, der von Argos nad £nlien fommt. Argivifhe Herkunft haben die Heroengefchlechter von £nfien ftets hochgehalten. (Dgl. Bellerophon in der Realencntlopäbie.) Der umgefehrte Weg aber ijt unwahrfcheinlid und tein Beifpiel wüßte ich für ihn zu geben. Solglid) muß Auxnyevíis, das ausfchlieglih an der einzigen Stelle A 101. 119 auftritt, als Erfindung biefes Dichters betratet werden. Er wird damit Apollon als Sohn £nfiens haben bezeihnen wollen. Aber da er Pandaros fpredjen läßt, tonnen wir nur an Seleia, dürfen nicht an £ntien denten. Id) fürdte, daf aus biefer Homerftelle die erft [pät bezeugte Legende von Apollons Geburt in £ntien entftanben ijt. Auf höheres Alter tann fie aud) ihrem bürftigen Inhalt nad) fo wenig Anfpruch erheben wie die parallele, die Leto mit ihren eben ges borenen Kindern nad) £nfien fommen läßt. Unfer gemeinfamer Sreund und einftiger Bafler Schüler Martin P. Wilsfon ift lebhaft für die Heinafiatifche Hertunft Apolls eingetreten. Wenn er in feinen ‘Griehifdjen Seften’ von 1906 $. 102 eine Beftätigung für fie darin findet, daß in Griechenland abgefehen von Delphi Ptoion Delos Apollon fi in don beftehende Seftbraudje wie Thargelien, Karneen, Hyatinthien, Daphnephorien eingedrängt habe, fo zeigt das ja gewiß, daß er nicht zu ben altheimijden Göttern Griechenlands gehört, aber ebenfo gewiß bemeift es feine Herkunft aus Alien nicht. Ebenfowenig Gewicht tann ich feiner Thefe beimeffen, daß Apollon die auf Babylon zurädgeführte Monatsrechnung und die Beiligung des fiebenten Monatstages aus Aften mite gebradit habe (Archiv f. Religionsgefh. XIV [1911] 447, Seftjchrift der Univerfität Cund [1918] 34, Skriften utgivna av Humanistika Vetenskaps sarnfundet I £und 1920). Denn die Siebenzahl ijt bei fo vielen Döltern von Rofcher in den Abhandlungen der Sädf. Gef. d. Wijf. philog.-hift. Ki. XXI4 (1903) und XXIV1 (1904) nadygewiefen, daß Entlehnung aus Babylon für die Griechen nicht angenommen zu werden braudt. Und wenn die Ottaeteris in Babylon erft im fedyften Jahrhundert in Gebraud tam

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Antébwpoi gibt (1912) 381. Der Kult der Aarù Œuria in Phaiftos auf Kreta und die Schwurformel der Knofier und Drerer von 220 v. Chr. (Dittenberger Snlloge 13.527), dazu der Name ber fretifdyen Stadt Aarú bezeugen doch laut genug, bag hier die Göttin altbeheimatet ijt. Wilamowik’ Bemerkung: ‘auf Kreta hat dod) dasfelbe Doll vor den Hellenen gefeflen wie in Cnlien’ widerfpricht vielmehr feiner Thefe, als daß es fie befräftigte. Denn von Kreta nad) . Often, nicht umgetehrt, ijt die Wanderung gegangen. Sinden wir nun aud im öftlichen Griechenland alte Leto-Kulte, fo bedürfte es ftartiter Beweife, um glauben zu machen, da fie aus dem füdweltlichen Kleinaften in der Srühzeit eingeführt feien. Solche find nicht erbracht und id fehe nicht, wos rauf fie gebaut werden fönnten. Sreilich hat fie in Cytien ein Heiligtum, ich nehme aud gern an, daÿ es alt war. Aber in Plataiai und Argos hatte fie folde aud. In Plataiat war fie zwar Altars und Tempelgenoffin der Hera, aber ihr deshalb mit Dilamowit 583,2 jede perjönliche Geltung abzufpredjen, geht doc) nidjt an, zumal fie in Argos Tempel und Kult für fih allein hat. Der muß hod) im Anfehen geftanden haben, wenn Prariteles ihr Bild zu maden beauftragt wurde und Telefilla feine Legende befungen hat. Das hat Herzog in feinem feinen Auffak Philologus LXXI (1912) 1ff. gezeigt. Indem er die von Dollgraff ausgegrabene und unter bem Drude der Wilamowißjchen Theje verlefene und unrichtig ergänzte Infdyrijt BCH XXXII (1908) 236 treffend wiederherjtellte und ertlarte, hat er zugleid das Zeugnis des Paufanias II 21,9 über das hohe Alter des Kultes befejtigt. Mad Telefilla (Apollodor Bibi. III 47) hat er die Gründung diejes Leto-Heiligtums in die mnthijde Zeit datiert: die von Leto geretteten Niobelinder Meliboia- % A Götter mitgenommen, Leto fo gut wie Miobe. Die Griechen aber brachten Apoll, und: in der neuen Heimat, wohl in Wittelgriedenland, haben fie {pat Re erft Ceto und Apoll, dann aud Artemis mütterlid verbunden. Chloris und Amyfias hätten den Tempel erbaut. Chloris hatte ein Bild Se é Zas neben Leto. Dieje griedijde Göttin ijt hier offenbar die Spätere. Ihre Wefensverwandtidaft mit Leto, die in Phaiftos Puria hief, ift tar. So ijt hinausgedrangt über die Infeln nad) Kleinafien, dorthin haben fie ihre Bie . Ih fann das nicht zugeben. es neben Marien aud in Photis: ID. Sröhner, Ardiv f. Relig.-Gejh. XV Das wirft Licht auf die böotijden Leto: und Miobe-Sagen. Dieje göttlichen Wefen find ba ebenfo alt wie in Argos. Im Mutterlande hat fid aud) hie und da ihre Erinnerung in Sage, aud Kult, aus der prachellenijden Seit gehalten. Die Mafje ihres Doltes ijt von den einmandernden Griechen vaer, eine £ntierin fei: nur dort habe fie einen bedeutenden Kult, und nur dort gebe fie theophore Namen. 21 fie der alten Inhaberin des Kultes gugefellt. Leto ijt alfo vorgriechifc, wngriehifch und [af fon in Argos, als die Griechen Chloris zubradyten. & « (Kugler Sterntunde und Sterndienft in Babel IT 1, 186 [1912]), fo it jeden: falls unmôglid, daß fie Apoll aus Afien nady Hellas mitgebradt habe. Schließlich fönnte ein Enthufiaft für ‘ex oriente lux’ fid nod verfteifen auf Apollons vermeinilid aftatijde, wahrjcheinlich in der Tat ungriedhifdje Mutter Leto. Mit ihr und Artemis ericheint er oft genug im Kult. Deshalb erklärt es Wilamowi ‘für eine zwingende Solgerung, bahh aud) fie von außen gefommen find’. Bei der Bodenftändigteit der Artemis-Kulte in Hellas fieht er fich freilich gezwungen, von der griechijdjen Artemis eine barbarijde zu fdjeiden. In Ephefos tennen wir dieje, aber dah fie nad Griechenland gefommen fei, davon leje ich nichts. Wir dürfen allo da die griechifde Artemis gelten lafjen neben dem griedhifchen Apoll, Aber bei Leto, jagt Wilamowiß, fei es ganz einleuchtend, daf fie wirklich le | 2, sett sh VREE ed