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SA OFITT Ta
Jesus und Pythagoras
aus! Ich beuge mich vor ihm, als der göttlichen Offenbarung des höchsten Prinzips der Sittlichkeit.»
Hier beantwortete GOETHE also unsere Frage, welchen Platz er
Jesus in seiner am 8. August 1782 erwahnten «von Gott eingesetzten
A ASI A .
SAAS
Jesus und Pythagoras
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erstrebten eine Verbindung mit der Gottheit, die diese innere Freiheit
gegenüber dem Eigentum und den Giitern dieser Welt zur Folge hatte
und sie zu jedem Opfer befähigte.
Wenn Lukas hier das Ideal der Neupythagoreer aufgreift, so bewegt
Aristokratie» zuweisen würde.
er sich in der Richtung, die Jesus gewiesen hat. Man möchte vermuten,
Eine sachgemäße Analyse muß aber jene geheimnisvolle Entfaltung
einer geistigen Wahrnehmung miteinbeziehen, die die Liebesempfindaß irgendein unbekanntes Wort Jesu im Hintergrund steht.
So müssen wir folgende Fragen zu beantworten suchen:
Hat Jesus möglicherweise irgendwann einmal auf PYTHAGORAS Bezug genommen? Sind ihm Pythagoreer auf seinen Wanderungen im
Heideniand begegnet? Müssen wir verlorengegangene Gespräche Jesu
mit den Jüngern des PYTHAGORAS annehmen? Können wir in erhaldung mit dem Symbolwort «Gold» erfaßt und in den religiösen Erfahrungsbereich einer «Verklärung» hineinführt.
IV. JESUS UND PYTHAGORAS
Die Perikope über die «Gütergemeinschaft», Apg. 4,32-37 beginnt
mit einer schlagwortartigen, unbiblischen Formel: «sie hatten alles gemeinsam». Dieses panta koina ist dem Neuen Testament ganz fremd,
kommt auch im Alten Testament nicht vor, geschweige denn in den
Worten Jesu, so daß wir annehmen müssen, daß Lukas diese Wendung
in einer bestimmten missionarischen Absicht gewählt hat. Sie war im
Hellenismus geläufig. Sie kommt in den zum Teil utopischen Theorien
des PLATON und ARISTOTELES vor, wurde aber vor allem im Neupythagoreismus für den Lebensbund der Jünger des Philosophen eine gestaltende Wirklichkeit. Der gebildete Leser der Apostelgeschichte wurde
bei dieser Wendung sofort an die Neupythagoreer erinnert. Lukas
wollte sagen: Was dort vorgebildet sich abzeichnet und geahnt wird,
wird in der Bruderliebe der christlichen Gemeinde Wirklichkeit. Mit
Scharfblick erkannte Lukas in dieser damals neu aufbrechenden Bewegung, die nicht nur zu neuen philosophischen Vorstellungen, sondern
zu Gemeinschaftsbildungen führte, eine Verheißung, die nur in der
christlichen Gemeinde ihre Erfüllung finden konnte. Tatsächlich hat
sich später der Neupythagoreismus als Konkurrent gegenüber dem
tenen Herrenantworten Anspielungen vermuten? Ist es z. B. erlaubt,
von dem Gott, der alle unsere Haare gezählt hat (Mt 10,30), eine Linie
zur Philosophie des PYTHAGORAS zu ziehen, in der die Zahl als Urgrund allen Seins, als Prinzip der Welt erscheint? Hier wollen wir mit
unseren Untersuchungen einsetzen:
* 1. Das christliche Ideal
Hildebrecht HOMMEL hat in seinem bedeutsamen und erhellenden
Aufsatz «Delphisch-sokratische und neutestamentliche Moral»®® - in
Weiterführung seines Aufsatzes «Herrenworte im Lichte sokratischer
Überlieferung»? Aspekte aufgezeigt, die nicht nur von grundsätzlicher
Bedeutung sind, sondern darüber hinaus offenkundig neue Beziehungen zwischen Jesus und der damaligen hellenistischen Umwelt aufzeigen. So werden Aussprüche der Bergpredigt, nämlich Mt 5,29-30, mit
Auffassungen der delphisch-sokratischen Moral, von XENOPHON mitgeteilt, konfrontiert. Diesen Worten Jesu von der unbedingten Nachfolge, die selbst die größten Opfer und Verzichte fordern kann, werden
entsprechende Ausführungen des SOKRATES bei XENOPHON®® gegenübergestellt. Dies ist für die Exegese der Bergpredigt umso wichtiger,
als die genannten Verse den Zusammenhang stören und wie erratische
aufstrebenden Christentum gefühlt, und er suchte durch Idealisierung
des Apollonios von Tyana die christliche Verkündigung zu überbieten.
Den Neupythagoreern ging es nicht um eine neue, philosophisch begründete Gesellschaftsordnung, sondern um den «Weg nach oben». Sie
66 Aufsatz in «Religion und Moral», hrsg. von Burkhard GLADIGOW, Düsseldorf 1976,
67 ZNW 57 (1966), 1 - 22
68 Xenophon, Erinnerungen 1,2 8 51-55
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Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)Blöcke dastehen. Wir sehen uns somit der Aufgabe gegenüber, sie in
den richtigen und ursprünglichen Zusammenhang einzuordnen.
Um ein Thema kreisen alle diese Vergleiche aus dem diesseitigen
Leben: der Verzicht auf ein Glied (Auge, Fuß, Hand und Hoden)
sichert das Leben, wobei beim Eunuchen bereits ein jenseitiges Leben
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Dies ist möglich, da uns — ebenfalts in einem «Sondergut» des Mt,
nämlich 19,10-12 — ein Wort überliefert ist, das auch im Anschluß an
ein Gespräch über Ehescheidung und Ehebruch den gleichen Gedanken, nämlich den Verzicht auf ein Glied des menschlichen Körpers um
des ewigen Lebens willen ausspricht. Es ist das Wort von den Eunuchen.
Es ist eines der rätselhaftesten Worte in den Evangelien.®? Wenn
wir aber die Worte vom Abhauen der Hand und des Fußes sowie vom
Herausreißen des Auges dazunehmen, erhält es die entsprechende
Interpretation. Wir bekommen damit ein geschlossenes Überlieferungsstück, das von einem Redaktor zerteilt und einem der Bestandteile der Bergpredigt eingeschoben wurde. Der ursprüngliche Textzusammenhang müßte dann lauten:
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in den Blickpunkt kommt; denn Eunuchen, die sich selbst entmannt
haben und auf ihre Geschlechtskraft verzichten, tun das in einem ekstatischen Zustand, um eine religiöse Vollkommenheit zu erreichen.
Damit treten diese Vergleiche in anschaulicher, ja herausfordernder
Weise in den Ernst einer bedingungslosen, zu jedem Opfer bereiten
Nachfolge des Meisters, der den Weg zum ewigen Leben zeigt.
Wie kommt Jesus dazu, in der Rede vom Eunuchen nach solch einem
ausgefallenen Vergleich zu greifen, zumal, wie HOMMEL mit Recht hervorhebt, «für alle diese Forderungen eines unerhörten Anspruchs, den
Jesus für seine Sache erhebt, uns die alttestamentlichen und rabbinischen Zeugnisse im Stich lassen»? Juden hatten vor einer Selbstverstümmelung geradezu einen Abscheu, war doch die Entmannung nach
Dt 23,1 ausdrücklich verboten: «Kein Entmannter oder Verschnittener
soll in die Gemeinde des Herrn kommen». Ihnen war auch der Zugang
Mt 19,11
Er aber sprach zu ihnen: Nicht alle fassen dies Wort, son-
19,12
Denn es gibt Eunuchen, die so aus der Mutter Leib geboren
zum Tempel und zu seinen Gottesdiensten verwehrt. Um so erstaunlisind, und es gibt Eunuchen, die von den Menschen vercher ist diese Redeweise im Munde Jesu. Diese symbolischen Bilder
schnitten wurden, und es gibt Eunuchen, die sich selbst
verschnitten haben wegen des Himmelreiches. Wer es fassen kann, der fasse es!
werden. Jesus spricht in die hellenistische Welt der Antike hinein.
dern nur die, denen es gegeben ist.
j
konnten nur vor einem heidnischen Forum verwendet und verstanden
Im Kult der phrygischen Kybele ist Attis nach einer römischen In-
5,29 Wenn aber dein rechtes Auge dich in Sünde verstrickt, so
schrift «der höchste Gott, der alle Dinge umfaßt und erhält»?®. Hypsireiß es aus und wirf es von dir; denn es ist dir besser, daß
Leib in die Hölle geworfen werde.
stos ist in Kleinasien die Bezeichnung für den Gott Israels. Dieser Gott
Attis hat sich entmannt und ist nach drei Tagen auferstanden. Bei den
Leichenfeiern des Attis (Tag des Blutes) vollzogen die Galli, die Prie-
Und wenn deine rechte Hand dich in Sünde verstrickt, so
ster des Kultes, auf dem Gipfel der Raserei angelangt, das höchste
haue sie ab und wirf sie von dir; denn es ist dir besser, daß
eines deiner Glieder verlorengehe, statt daß dein ganzer
Leib in die Hölle geworfen werde.
geworden und mit ihr vereint. An den Hilarien, den Tagen der Freuden
über das Erwachen des Gottes, erscholl der Jubelruf:
eines deiner Glieder verlorengehe, statt daß dein ganzer
5,30
Sachlich gehören hierher auch die Parallelstellen Mk 9,43-47.
Mk 9,45
Und wenn dich dein Fuß zu Fall bringt, so haue ihn ab; es ist
besser für dich, als Krüppel ins Leben einzugehen, als mit
beiden Füßen in die Hölle geworfen zu werden.
69 J, SCHNEIDER: ThWNT II, 763-767, Artikel ‘eunochos’. Er schwächt 765 f Jesu
Wort ab und engt es ein, indem er annimmt, Jesus denke im dritten Fall an
Menschen, die um des Reiches Gottes willen freiwillig auf das Geschlechtsleben und die
Ehe verzichten.
Opfer: die Selbstentmannung”!. Nun war der Myste der Gottheit gleich
Habt guten Mut, ihr Eingeweihten des erlösten Gottes!
Denn es wird von den Leiden uns Erlösung 72.
70 F. CUMONT: Die orientalischen Religionen im römischen Heidentum, 1931,
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71 Die Selbstentmannung fand am 24. März statt.
72 J, SCHATTENMANN: Studien zum neutestamentlichen Prosahymnus. - München
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Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)Die mit diesem Kult verbundenen Taurobolien, eine Art Bluttaufe,
2, Das pythagoreische Ideal
haben sich im ganzen römischen Reich ausgebreitet, seit unter Kaiser
Claudius (41 - 54) die Feste der phrygischen Gottheiten offiziell mit
großem Pomp in Rom gefeiert wurden, nachdem sie sich schon lange
vorher im Orient eingebürgert hatten.
Wenn Jesus sich auf heidnischem Gebiet bewegte und Heiden sich
ihm zugesellten, so war es durchaus möglich, daß das Gespräch auf
den Attiskult kam. Sicher hat Jesus das «Plappern wie die Heiden» (Mt
5,7) aus eigener Anschauung kennengelernt.
73 Tatsächlich befand sich
Jesus, als das rätselhafte Wort von den Eunuchen fiel, im heidnischen
Bereich der Dekapolis. Mt 19,1 wird ausdrücklich vermerkt: Er machte
sich auf aus Galiläa und kam in das Gebiet des jüdischen Landes jenseits des Jordans. Er ist auf dem Weg nach Jerusalem zum Osterfest. Er
hielt sich dabei im südlichen Teil von Peräa länger auf.7# Da der Weg
durch das Jordantal nicht der gewöhnliche Festweg des galiläischen
Pilgers war, muß man für die Wahl dieses Weges eine besondere Veranlassung voraussetzen. Jesus mied jüdisches Land und begab sich auf
heidnisches Gebiet, um nicht vorzeitig seinen Gegnern in die Hände zu
fallen. Die wichtigste Stadt im Ostjordanland war Gerasa. Man führt
den Namen darauf zurück, daß hier die Veteranen Alexanders des
Großen angesiedelt worden waren. Es war eine volkreiche Stadt mit
vielen Tempeln und einer bedeutenden Nekropole. Sicher gab es dort
auch Attiskulte. Auf diesem lokalen Hintergrund müssen wir jenes befremdende Wort von den Eunuchen sehen und lesen, das einen erlösenden Hauch über die orientalischen Mysterien wehen läßt.
H. HOMMEL hat zu den anderen Sprüchen vom Abhauen der Hand
und des Fußes und vom Herausreißen des Auges die in die Augen
springenden Parallelen bei XENOPHON herangezogen und seltsame
Übereinstimmungen herausgestellt. Wir dürfen aber vielleicht noch
eine ältere Redeweise dazunehmen, die sicher auch SOKRATES gekannt hat, nämlich ein Wort, das der Neupythagoreer JAMBLICHOS in
‚seiner Vita des Pythagoras (VII, 34) mitteilt.
73 «Während ihrer Prozessionen durch Städte und Dörfer … sangen … die Scharen ...
herumziehender Galli zu phrygischer Begleitmusik ... Hymnen {in griechischer Sprache...), führten Tänze auf»: G. M. SANDERS, Art. Gallos, in: RAC 8 (984 - 1034) 1016.
74 G. DALMAN: Orte und Wege Jesu, 1921, 191
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JAMBLICHOS ist freilich mit Vorsicht zu zitieren, denn er lebte im
dritten nachchristlichen Jahrhundert und starb um 330. Zudem hat er
das Leben des PYTHAGORAS in bewußter Auseinandersetzung mit der
aufsteigenden christlichen Religion geschrieben, und es ist oft nicht
leicht, zwischen seiner antithetischen Tendenz und einer getreuen
Überlieferung zu unterscheiden. Aber in einem ist er sicher zuverlässig. Er übermittelt uns die fest geprägten, bekenntnisartigen symbolischen Sprüche des «Pythagoras», in denen wie in Leitsätzen dessen
Lebensanschauung zusammengefaßt war und die zunächst als Geheimlehre tradiert, dann aber als öffentliche Verkündigung von Generation
zu Generation weitergegeben wurden. So schreibt JAMBLICHOS über
PYTHAGORAS?5:
«Häufig wiederholte er nämlich allenthalben und vor allen — ob es nur
wenige oder viele waren — den Ausspruch, der dem Rat eines göttlichen Orakelspruches ähnelte, gleichsam eine knappe Zusammenfassung seiner Lehre: ‘Mit allen Mitteln verjagen und mit Feuer und
Schwert und mancherlei Vorkehrungen ringsum abschneiden (perikopteon) muß man
vom Leibe die Krankheit,
von der Seele die Unwissenheit,
vom Bauch die Verschwendungssucht,
vom Gemeinwesen die Zwietracht,
vom Hause die Uneinigkeit und zugleich
von allen die MaBlosigkeit’.
Dadurch erinnerte er immer wieder aufs liebreichste einen jeden an
die besten Lehren.»
JAMBLICHOS kommt XXXI 187 noch einmal darauf zu sprechen, wenn
er vom «allgemeinen Gebot» des PYTHAGORAS schreibt: «Man solle mit
Feuer und Schwert alles, was sich nicht ins rechte Maß fügt, beschneiden» (apokoptein wie Mk 9,43).
Er bringt änschließend Beispiele für die bedingungslose Befolgung
dieser Gebote des Meisters durch die Pythagoreer. Sie nahmen lieber
75 JAMBLICHOS: Pythagoras, hrsg., übersetzt und eingeleitet von Michael von
ALBRECHT, 1963, VII 34 und XXXI 187
Página 4
Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)den Tod in Kauf als ein Feld von Bohnen zu betreten. Den Grund hierfür dem Tyrannen Dionysios anzugeben, verweigert Timycha. Selbst
Drohungen mit der Folter konnten die schwangere Frau nicht dazubringen, das «Geheimnis» zu verraten. Im Gegenteil: «Diese Heldin
aber biß sich die Zunge ab und spuckte sie vor dem Tyrannen aus», So
war also ein Verrat schlechthin unmöglich gemacht.
Das «Abschneiden» bezieht sich also nicht nur auf die Krankheit zur
Erhaltung der Gesundheit, ist nicht nur bildlich als Anweisung für die
radikale Verwirklichung der pythagoreischen Lebensweise zu verstehen, sondern wurde um «der besten Lehren» willen — Jesus sagte, «um
des Lebens, um des Himmelreiches willen» — in aller Brutalität tatsächlich vollzogen. Auch bei PYTHAGORAS fügt sich diese Anweisung in
den «Weg nach oben», in das «der-Gottheit-folgen» primär ein, so wie
L. LEVY’® hat darauf hingewiesen, daß die Berichte über PYTHAGOwir das bereits bei dem Kybelekult festgestellt haben.
Diese katechismusartigen Merkworte (Symbole) des PYTHAGORAS —
bildhaft, einprägsam und leicht erlernbar — gingen damals von Mund
zu Mund, wie überhaupt der um die Zeitenwende aufgekommene Neupythagoreismus sich weithin ausbreitete und gerade in Palästina bekannt wurde.
RAS in Palästina verbreitet waren und zur christlichen Beschreibungsform (Jungfrauengeburt), zur Darstellung von Wundern (Stillung des
Sturmes, Fischzug mit genauer Angabe der Zahl der Fische Joh 21,11)
und zur Ausformung mancher Gleichnisse (reicher Mann und armer
Lazarus) beigetragen haben, hatte doch einst der «göttliche» PYTHAGORAS auf dem Karmelberg seinen Wohnsitz, ehe er nach Ägypten
weitersegelte.?7 Und gerade in Peräa im Ostjordanland erwuchs sicher aus einer schon lange bestehenden und aufgeblühten neupythagoreischen Schule — die großartige Gestalt des Nikomachos von Gerasa
in der römischen Provinz Arabien (um 100 n. Chr.), der als der «Euklid
der Arithmetik» in die Geschichte eingegangen ist.
_ Und schon vorher war als Zeitgenosse Jesu der weithin verehrte
«Meister», der Neupythagoreer Apollonios von Tyana (3 v. Chr. — 96 n.
100
76 L.LEVY: La légende de Pythagore de Gréce en Palestine, - Paris 1927; W. BURKERT:
Weisheit und Wissenschaft, Studien zu Pythagoras, Philolaos und Platon, 1962, 113 A.
77 JAMBLICHOS, Ill 14 u.15
Jesus und Pythagoras
53
Chr.), durch die antike Welt von Spanien bis Indien gereist und hatte
das pythagoreische Ideal durch Worte und Taten mit Leben erfüllt. 78
3. Schlußbemerkung
in der Sonderüberlieferung des Matthäus verständlich. Sie schließen
So erscheint es uns nicht ganz abwegig, eine unmittelbare Berührung zwischen Jesus und Neupythagoreern anzunehmen, die in jenem
Eunuchengespräch im Ostjordanland greifbare Gestalt angenommen
hätte. Diese Annahme geht freilich weit über das hinaus, was vielleicht
mittelbar durch «anonymen hellenistischen Gemeinbesitz» (HOMMEL)
von XENOPHON und PLATON in das Gedankengut der Synoptiker hineingeflossen sein mag. So erst werden uns die rätselhaften Worte Jesu
in apodiktischer Form ein vorhergegangenes Gespräch ab, zu dem
Jesus herausgefordert worden war. Jesus hat sich hier den Fragen aus
der Heidenwelt seiner Zeit gestellt. Die Worte sind bewußt in die griechische Antike hineingesprochen, und es öffnet sich uns ein Tor, das
Jesus selbst aufgestoßen hat.
Er fühlte sich zunächst nur seinem Volk verpflichtet, hatte aber von
Anfang an den Blick auf die Ökumene gerichtet. So gewiß er zum Volk
in seiner Muttersprache aramäisch redete, so gewiß wuchs er in einem
zweisprachigen Land auf. Wir müssen sogar annehmen, daß er bis zu
einem gewissen Grad des Griechischen mächtig gewesen ist. Niemals
wird uns im Neuen Testament von einem Dolmetscher berichtet. Mit
Pilatus hat er wohl Griechisch gesprochen. Die jüdischen Gegner werfen Joh 7,35 die Frage auf: Will er in die Diaspora der Griechen gehen
und die Griechen lehren? Ob nun griechisch sprechende Juden oder
wirkliche Griechen gemeint sind, auf jeden Fall hätte er ihnen nur in
griechischer Sprache das Evangelium verkündigen können. 7?
78 PHILOSTRATOS: The life of Apollonius of Tyana, with an English Translation by F.
C. CONYBEARE. - London 1912 und 1928
79 I. SCHATTENMANN, a. a. O., 42 ff. In Kapernaum brachte der Durchgangsverkehr
- 1972
am Zollamt täglich Berührungen mit Hellenisten. Man hat in den Jahren 1968
neben der Synagoge in Kapernaum eine Gruppe von Häusern gefunden, unter denen man
das traditionelle Haus des Petrus identifizieren konnte, über dem später eine oktogonale
Kirche erbaut wurde. Das Haus stammt aus dem ersten vorchristlichen Jahrhundert und
wurde später erweitert. Man hat hier 131 Inschriften gefunden, unter denen die griechischen mit 110 bei weitem die aramäischen mit 10 überbieten, auch ein Zeichen für die
hellenistische Strömung, die bis Galiläa vordrang. (Stanisiao LOFFREDA: A visit to Capharnaum, Jerusalem 1975).
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Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)HERDER mit Recht urteilt: «Der Bund seiner Schüler wäre, wenn ihm
Jesus hat selbst ein deutendes und erlösendes Wort über die eleusinischen Mysterien gesprochen, als Griechen zu ihm gekommen waren
(Joh 12,24). So geht ein Schimmer der Anerkennung in den besprochenen Rätselworten zu PYTHAGORAS und seinem Jüngerkreis, von dem
das Schicksal Dauer gegönnt hätte, vielleicht die wirksamste, wenig-
‘
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Die TAY STA
stens eine sehr reine Triebfeder zur Verbesserung der Welt geworden.
Aber auch dieser Schritt des über seine Zeit hoch erhabenen Mannes
war zu frith.»80
\S. GOELE
80 Johann Gottfried von HERDER: Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit, 13. Buch V (Meyers Klassiker-Ausgabe, Bd. 4, 142)