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ARCHIV
FUR RELIGIONSWISSENSCHAFT
UNTER MITWIRKUNG VON
H. OLDENBERG - C. BEZOLD - K.TH. PREUSS
IN VERBINDUNG MIT L. DEUBNER
HERAUSGEGEBEN VON
RICHARD WUNSCH
ACHTZEHNTER BAND
MIT EINEM BILDNIS SOWIE EINER TAFEL
UND 3 ABBILDUNGEN IM TEXT
,
41
Anltv Àh
elaMs wy'ss
DRUCK UND VERLAG VON B. G. TEUBNER IN LEIPZIG 1915
Página 2
Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)Von W. Bousset in Göttingen
Ein namentlich durch seine Dämonentheorie interessant:
Quellenstiick hat uns Porphyrius de abstinentia IL 36—43 a
bewahrt.
Er zitiert hier zunächst eine Geheimlehre offenb
orphischer Herkunft (& re gnoiv 6 HeoAdyog) und fährt d
fort: guol dè tà uèv Ada eboroua xeloto: à 0° ody av Tia
tovixóv vives Eömuoolsvoav, Teure
dveutontov raparidévi
volg edévvérous unvvev tà mooueluevo Aéyovor dè 0e.
In seinem
Werke über die orientalischen Religionen i
rômischen Reich? hat Cumont die Aufmerksamkeit auf di
merkwiirdigen Ausführungen gelenkt. Er ist der Meinung, d
diese Quelle Anschauungen orientalischer,
speziell
eranisch
Herkunft enthalte; er urteilt geradezu, „daß man mit Hilfe d
mazdäischen Bücher beinahe einen Kommentar dazu schrei
könne“.
Er legt besonders den Finger auf den starken Du
lismus®,
der in diesem Fragment der Dämonologie herrse
Nicht nur daß eine scharfe Grenzscheide zwischen den gu
1 Vgl. die Parallele bei Plutarch de def. orac. c. 14 in dem Vo
des Kleombrotos über die Dämonologie:
zee) uèv odv cov uvorıxar,
ois tds peyloras éupdosis xal duxpdceis Außsiv lore vis weg) dad
dIndelas „edoroud wor xslcdo (zu den uvorixd vgl. Hippolyt, Refut.
Duncker 136, 23ff.: &nroöcı dè
odx
darò róv youpay ¿lid ual to
and Tor Uvotixdr).
? Autorisierte deutsche Ausgabe von Gehrich 1910, S. 307—309.
® Nebenbei mache ich noch aufmerksam auf die hier angedeutete D;
teilung der Welt II 37:
(7) puyy) Byovon uèv cò rough didoratov
abtoxivntoy
Cumont ist geneigt,
éx
gdcswg.
diese allerdings w
verbreitete Anschauung (unter Berufung auf Hippolyt Refut. IV 8, M
vgl. auch V7 p. 136. 31, 132. 71) auf orientalische Einflüsse zurü
zuführen.
Vgl. in diesem Archiv IX 331 (Iupiter summus exsuperanti:
mus); Astrology a. Religion 1912, Lecture II p. 36 ff.
Página 3
Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)und den bösen Dämonen angenommen wird: es erscheint die
Welt der bösen Dämonen sogar als ein organisches Reich, an
dessen Spitze eine moosoróo«w Oüvaus! (c. 42), ein moosorós
(c. 41) steht.
Dieses Reich des Bösen rivalisiert und kämpft
mit der guten Gottheit: Boúvlovro yde sivar Deol zul 7) xgosordos avrôv
ddvaurg doxsiv Dedo elvaı è ueyıorog.
Das
alles ist auf rein hellenischem Boden tatsächlich unerhört.
Mit dem gewöhnlichen Scharfblick hat Cumont die meisten
der
zu
diesen
des
Porphyrius
dämonologischen
sich
Ausführungen
findenden Parallelen
der
Quelle
zusammengestellt.
Vor allem kommt hier eine Stelle des Arnobius in Betracht,
in der dieser ausdrücklich auf die Lehre der magi als seine
Quelle verweist?: magi suis in accitionibus memorant antitheos
Saepius obstrepere pro accitis, esse autem hos quosdam materüs ex
crassioribus spiritus?, qui deos se fingant, nesciosque mendaciis et
simulationibus ludant.
Dem Arnobius folgt sein Schiiler Lactanz: Nox quam pravo illi antitheo dicimus attributam (Inst.
Div. II 9, 13).
In diese Reihe gehört natürlich auch Pseudo(?)-
lamblichus de mysteriis III 31, 15 hinein: daluovas movnoods
oùs dy xælodouv (sc. die Chaldäer!) ¿vridé¿ovg.*
1 Vgl. dazu die frühere Schrift des Porphyrius rep) ris dx róv Royimy
guocopias bei Eusebius Pr. Ev. IV 22, 15.
pis
als Oberhaupt der Dämonen.
Hier erscheint Pluto-Sara-
Cumont a. a. 0. vermutet; hier eine
Annäherung zwischen Ahriman-Hades (Plutarch de Is. Os. 46) und Sarapis-Pluto.
Vgl. noch (Iamblichus) de myster. III 30 ro» uéyav myeuôva
tay daudvov.
2 Adv. nationes IV 12; vgl. II 62: quod magi spondent.
3 Dazu genaue Parallelen bei Porphyrius c. 38: doar di apuyal tod
Guvexovs nvsduarog (materiis
ex crassioribus
spiritus)
0%
xoaroücır,
GA ds To nord zal xearodyrat, dı’abro rovro &yovrai te xa pegovraı Mav
abro d al puyol daiwoves piv xad abral, xanosoyol
d° dv eluóros
Aéyowro. — Über die Lügen und Betrügereien der Dämonen c. 40. —
Genaueres s. unten S. 158.
4 Cumont vergleicht noch Heliodors Aethiopica (IV 7 p. 105, 27
Becker): ¿vrideós vis Youxev ¿umodifer viv ed.
|
Ferner Wessely
Denkschr. der Wiener Akademie 42, Museum Britannic. XXI y. 702: æéwypor
por roy dindivo» Acxinmodr diga rivdg &vridéov whavodaiuovos.
Página 4
Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)Arnobius (und Lactanz) aber scheinen mit dieser seltsa
Dämonologie wiederum auf Labeo zurückzugehen.
Denn
finden wir die markante und auf hellenistischem Boden zi
lich unerhörte Entgegensetzung von guten und bösen Got
(vgl. die antithei des Arnobius) wieder.
Augustin, der sich
civit. VIII 13 wesentlich mit der Dämonologie des Labeo
schäftigt, hebt das Unplatonische dieser Anschauung stark
vor: Hoc si ita est — nam de diis quid aliud decet eredere (
daß sie ihrem Wesen nach gut seien) — illa profecto va
tur opinio, qua nonnulli putant deos malos sacris placandos
ne laedant, bonos! autem ut adiuvent invocandos.
Und kurz
nach folgt dann der offene Angriff gegen Labeo: qui
numina mala victimis cruentis atque huiusmodi supplicati
placari existimat, bona vero ludis et talibus quasi ad laetitiam
tinentibus rebus.
seiner
Zu diesem Satz des Labeo — wenigstens
ersten Hälfte — findet sich,
wie wiederum Cu
richtig gesehen hat, eine Parallele in der bei Porphyrius r
seiner Quelle ausführlich entwickelten Theorie, daß alle bluti
Opfer den Dämonen und nicht den Göttern? dargebracht
den, und daß die Götter nicht durch ¿upvza (Opferung le
der Wesen) geehrt werden dürften.?
1 Neben der Entgegensetzung der dei boni et mali findet sich
Labeo der Terminus dei laevi (Arnobius IV 5, VII 19).
Man hat
wohl mit Recht (Kahl Philologus, Supplement V 783) einen Anklang
etruskische Theorien gefunden. — Es ist sehr wohl möglich, daß
Etruskisches und Orientalisches hier begegnete (vgl. die bei Arno
als Autoritäten angerufenen Magi oben S. 135).
3 Freilich ist hier nun wieder ein Unterschied zwischen Göttern
Dämonen gemacht.
Doch vgl. dazu Augustin de civ. IX 1: Sed ¿li (d
wohl Labeo), qui deos quosdam bonos, quosdam malos esse dixerunt,
mones quoque appellaverunt nomine deorum, quamquam et deos, sed ri
nomine daemonum.
® R. Heinze Xenokrates 121 hält es freilich für ausgemacht, d
der betreffenden Quelle die Zuspitzung des Ganzen auf die Empfe
unblutiger Opfer erst von Porphyrius herrühre. Diese These dürfte
Cumont stark erschüttert sein.
Cumont sucht die Ausführungen des
phyrius mit der Tatsache in Verbindung zu bringen, daß die mazdüil
Página 5
Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)So postuliert denn Cumont für diese spezifisch orientalisch
anmutende Dämonologie bei den „Platonikern“ des Porphyrius,
Cornelius Labeo, Arnobius, Iamblichus eine gemeinsame Quelle
eranischen Charakters und vermutet als diese Quelle eine unter
dem Namen des Magiers Ostanes seit dem 2. Jahrhundert unserer
Zeitrechnung nachweisbare Schrift.!
Ich möchte diese Kombinationen in dem vorliegenden Aufsatz noch weiter verstärken, einmal durch eine Auseinandersetzung mit anderen Urteilen, die über des Porphyrius Quelle
und namentlich über Cornelius Labeo im Umlauf sind (1),
dann aber durch Beibringung neuen und, wie ich glaube, entscheidenden Materials (11). Über den Magier Ostanes und die
Herkunft des Begriffes &yye4os handelt ein Anhang (III).
>
Auf die
I
dämonologischen Anschauungen des Porphyrius
oder seiner Quelle in de abstinentia II 36-—43 ist man natürlich seit langem aufmerksam geworden. R. Heinze hat sich in
seinen grundlegenden Untersuchungen iiber Xenokrates auch
über die Dämonenlehre des Porphyrius
geäußert?
Zu
sehr
beschäftigt mit der Suche nach den Spuren des Xenokrates hat
er sich bei dem eigentümlichen ungriechischen Dualismus der
hier vorgetragenen Anschauungen wenig aufgehalten,
obwohl
er zugibt, daß etwaiges altplatonisches Gut nur unter der Hülle
zweifacher Bearbeitung hindurchschimmere (S. 122). — Stärker
hat Pohlenz3 das Fremdartige jener Ausführungen gegenüber
Religion allmählich von blutigen zu unblutigen Opfern übergegangen sei,
und denkt an Einflüsse des Mithraskultus.
! So behielte Plutarch doch vielleicht zu einem Teile wenigstens
Recht, wenn er den Kleombrotos a. a.0. c.10 p. 415 A sagen läßt: sire
udyov av neo) Zogodoren» 6 Adyos obrós dorm, site Oodxios dm” ’Oggéos (Orphische Vermittlung ist ja nicht ausgeschlossen) si’ Alyóxrios
7) Dedytos.
2 Xenokrates 1892, S. 119.
3 Vom Zorn Gottes, u zur Rel. u. Lit. d. A. u. N. Test. XII
1909, S. 144 ff.
Página 6
Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)aller griechischen Dämonologie empfunden. Er rechnet
nur mit christlichen Einflüssen und behandelt die An
ungen des Porphyrius unter der Überschrift: Einwirkung
christlichen Anschauungen auf die Heiden (S. 143f.).
schließt hauptsächlich auf jüdischen Einfluß! (einmal auch
jüdisch-christliches Dogma, 729, 1).
Aber er verweist
auf die persische Religionswelt: „Nach dem Vorgang der
ser und Inder faßt er die bösen Dämonen unter einem O
haupt zusammen.“ — In seiner Untersuchung der Dämono
des Cornelius Labeo und deren Verhältnis zu der des Po:
rius erwägt Kahl? einen möglichen Einfluß eranischer
gionsanschauungen unter Hinweis auf Plutarchs berühmte
legung (de Iside Os. 46), geht dann aber über dies Pr
mit den Worten hinweg: „Näher auf die iranische Reli
einzugehen, liegt für uns keine Veranlassung vor.“
An das alles soll nur nebenbei erinnert werden.
Ta
lich bedroht aber wird Cumonts Annahme von einer ge
samen für das Fragment bei Porphyrius und für Arn
Labeo anzunehmenden (eranischen) Quelle durch die ne
Labeo-Forschungen von Kahl? und Niggetiet.®
Kahl so
wie Niggetiet sind nämlich der Meinung, Cornelius Labeo
in den von ihm entwickelten und hier in Betracht komme
Anschauungen von den Neuplatonikern, vor allem von Porph
selbst (nach Niggetiet sogar teilweise unter Vermittlung
lamblichus) abhängig.
Wäre das richtig, so fiele eine H
stütze der Kombinationen Cumonts.
Man wäre dann viell
auch versucht, auf den Quellencharakter von de abstinenti
36—43 kein allzu großes Gewicht zu legen. Wir hätten
im Grunde nur neuplatonische Zeugnisse und neuplatoni
Milieu.
Und wenn natürlich damit auch die Vermut
1 Philosophie der Griechen* III 2, S. 728f.
2 W. Kahl Cornelius Labeo, Philologus Supplement V 719. (n
lich 780).
3 F. Niggetiet de Cornelio Labeone, Dissert. Münster 1908.
Página 7
Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)Abhängigkeit der Neuplatoniker von orientalischen Ideen nicht
hinfällig würde, so wäre doch diese Differenz nicht bedeutungslos für den Zeitansatz jenes Einströmens orientalischer Ideen.
Nun muß aber gegenüber der von Kahl und viel bestimmter
noch von Niggetiet behaupteten These der Einwand erhoben
werden, daß ein stringenter Beweis für diese überhaupt nicht
erbracht ist.!
1 Die obigen Ausführungen waren seit längerer Zeit niedergeschrieben, als ich durch den Herrn Herausgeber des Archivs R. Wünsch
auf die vortreffliche Arbeit von Benno Böhm De Cornelit Labeonis
aetate, Dissertation Königsberg 1913, aufmerksam gemacht wurde.
Ich bin der Meinung, daß Böhm die Frage endgültig erledigt
hat
und zwar
vor
allem
durch
den breit
angelegten Beweis,
daß
sich sämtliche Theologumena des Cornelius Labeo aus dem Milieu
der späteren Stoa (seit Posidonius) begreifen lassen, dagegen dem
Neuplatonismus gegenüber starke Differenzen zeigen. Da so die Möglichkeit bewiesen ist, daß Labeo bereits in das erste nachchristliche
Jahrhundert gehören könnte, legt Böhm (p. 66) mit Recht den Finger
auf die Tatsache, daß in einem längst als solchem anerkannten Auszug
us Sueton (de anno Romanorum, bei Macrobius Sat. I 12—16) Cornelius
Labeo zitiert wird (I 16, 26).
Alle die Kombinationen, mit denen die
Forscher diesen Tatbestand bisher zu erklären suchten, erledigen sich
jetzt durch die einfache Annahme, daß Cornelius Labeo von Sueton tatchlich zitiert
ist.
Und das ergibt als terminus ad quem für die Zeit
eos etwa das Jahr 126! — Nur in einem Punkt differiere ich von
der Untersuchung Böhms.
Ich glaube nach wie vor, daß Niggetiet darin
cht hat, daß er in den Gegnern resp. dem Gegner des Arnobius in
essen zweitem Buch den Labeo annimmt.
Böhm stützt sich bei der
blehnung dieser These (p. 62) auf die Charakterisierung „der‘ Gegner
I 13: vos vos appello, qui Mercurium, qui Platonem Pythagoramque secamini, vosque ceteros, qui estis unius mentis et per easdem vias placitorum
inceditis unitate.
Er ist der Ansicht,
daß mit diesen Wendungen nicht
in einzelner, sondern eine ganze Schule gemeint sei.
eachtenswert,
Aber es ist doch
daß Arnobius den Labeo auch in den von Böhm anerannten Zitaten im Plural einführt (11129 quidam prodidere; III 32 alii
pronuntiant; III 34 non indocti apud vos viri).
Ich kann nicht finden,
aß die oben zitierte Art der Einführung davon sich wesentlich unter-
‚scheidet, nur daß wir hier erfahren, daß ,,Labeo“ sich auf Merkur,
Plato, Pythagoras berief, und daß im zweiten Absatz ganz allgemein
von
solchen
die
Rede
ist,
die
mit
ihm
einverstanden
| wird als beliebter Schriftsteller vielfach zitiert sein).
sind
(Labeo
Die Berufung auf
Página 8
Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)Niggetiet sieht freilich nach den Ausführungen Kahls,
diese Frage übrigens mehr nebenbei behandelt, die Th
reits als entschieden an. Fragen wir, worauf er seine A
ungen vor allem stützt, so verweist er uns auf Kahls Ausfü
über die Verwandtschaft der Dämonologie bei Labeo und Po
rius. Er stellt diesen Punkt in seinem Abschnitt Arnobit
phyriique praecepta inter se comparantur allem anderen vo
25ff.) und verweilt selbst bei ihm in längeren Ausführ
Dabei wird aber von Niggetiet und Kahl übersehen,
Porphyrius sich eben fiir den ganzen Abschnitt de absti
II 36—43 ausdrücklich auf eine ihm vorliegende Quell
ruft, daß also hier die Übereinstimmung Labeos auch nich
geringste für dessen Abhängigkeit von Porphyrius und
Neuplatonismus beweisen kann.
Plato und Pythagoras und die allerdings unstoischen Anscha
die im zweiten Buch des Arnobius vorgetragen werden, sind kein
die Annahme, daß auch hier, wie im dritten, vierten und siebenten
Arnobius aus Labeo schöpfe, zu erschüttern.
So sehr auch Böhm
Recht zu geben ist, daß Labeo überall mit den Mitteln der spätere;
arbeitet, so braucht jener deshalb noch lange kein orthodoxer
zu sein,
Was Böhm selbst über die,
übrigens schwerlich aus der
(p. 48) ableitbare, Dämonologie des Labeo ausführt (vgl. p. 49: tala
magna quidem discrepantia sententiarum Labeonis oritur!), spricht
allein
deutlich
mehreren
dagegen.
Einem ,,Stoiker“,
als
dessen
Stellen der Neupythagoreer Nigidius Figulus
p- 30. 47. 59, vgl. oben
qui Platonem Pythagoramque
Autori
auftritt
sectamini
allerlei Seitensprünge zuzutrauen. (Über die von Böhm p. 64 besp
Stelle Arnob. II 62 s. u. S. 146.)
nicht überzeugt.
So bin ich an diesem Punkt vo
Deshalb habe ich mich denn auch entschlosi
obigen Ausführungen, die mir zunächst durch Böhms Arbeiten
erschienen, stehen zu lassen, einmal weil mir die beiderseitige
stimmung des Urteils, das auf ganz verschiedenen Wegen ge
wurde, nicht unwesentlich erscheint, dann aber auch, weil ich den
weis für nützlich halte, daß Böhms Hauptthese vom Alter des
auch dann nicht
erschüttert wird, wenn wir in , den“ Gegn
zweiten Buches den Arnobius Labeo sehen. — Den Nachweis al
Cornelius Labeo etwa in das Ende des ersten christlichen Jahr]
gehört, halte ich für eines der wichtigsten Daten für die Geschi
hellenistischen Synkretismus.
Página 9
Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)Daneben verweist Kahl (vgl. S. 782) zur Erhärtung seiner .
| These noch auf mancherlei Ubereinstimmungen in der theokra|stischen Theologie und in der Art und Weise der allegorischen
Göttererklärung zwischen Labeo und den Neuplatonikern. Aber
\ eine wirkliche Abhängigkeit des Labeo von Porphyrius behauptet
ler doch erst auf Grund der Ubereinstimmungen in der Dämonologie.
Und er tut recht daran.
Denn jene anderen Berührungen sind so vage und liegen auf Gebieten, auf denen seit
langem schon eine so weitverzweigte Tradition herrscht, daß
sie an und für sich nichts beweisen.
| Niggetiet kommt auch seinerseits darauf nicht wieder zurück.
¡Er sucht vielmehr die These der Abhängigkeit Labeos von
Porphyrius durch
einen neuen Beweis zu stützen.
Er hatte
im Vorhergehenden, wie mir scheint, mit gutem
Glück be-
‚wiesen, daß Arnobius sich in dem zweiten Buch seines Werkes
\(c. 13—62) nur mit einem Gegner beschäftige, und daß dieser
Gegner eben Cornelius Labeo sei.
idem
zweiten
Buche
des
Arnobius
haldaica benutzt seien.
ür
Niggetiet macht ferner von
Nachweis Krolls! Gebrauch, daß von diesem Gegner im
(also von Labeo)
die
Oracula
Dieser Beweis scheint mir wenigstens
die für uns hier in Betracht kommende Stelle zuzutreffen.
icitis, immortalis, perfecta, divina, post deum principem rerum
et post mentes geminas locum optinens
srateribus vivis.
quartum et affluens ex
Daran, daß hier eine Lehre der Oracula Challaica weitergegeben wird,
kann allerdings
kaum
gezweifelt
werden. Nun aber stützt sich Niggetiet weiter auf den von Kroll
versuchten Nachweis, daß die Lehre von dem doppelten Nus
des höchsten Gottes und damit der ersten göttlichen Trias von
den Neuplatonikern und vor allem von Porphyrius erst in das
ystem der Oracula Chaldaica eingetragen sei.
Labeo verrate
also bei Arnobius durch seinen Hinweis auf die geminae mentes
* Gu. Kroll De oraculis chaldaicis. Breslauer Philol. Abhandl. VII 1,
1894 p.60 und p. 28.
Página 10
Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)seine Abhängigkeit von einer falschen Auffassung der O
seitens der Neuplatoniker, speziell des Porphyrius.
Das
nun freilich ein vollgültiger Beweis — wenn eine Bedin
zuträfe: daß nämlich die Behauptung Krolls, des um die
cula Chaldaica so verdienten Forschers, wirklich stichhaltig
Ich glaube nämlich nicht, daß es Kroll gelungen ist,
These hier wahrscheinlich zu machen. Er muß wesentlich
diesem Grunde ein ausdrückliches Zitat aus den Oracula (P
in Timaeum 158a), in welchem es von der Weltseele (He
heißt: pero di) wargınag dravolag | puy ¿yo velo —
unecht oder der Unechtheit verdächtig erklären (p. 28).
er ferner meint (p. 14 u. 6), ‘aus Augustins Anführung
Porphyrius hinsichtlich dieses Punktes schließen zu kö
daß schon für Porphyrius selbst die Anschauung der Or
an diesem Punkt große Schwierigkeiten bereitet hätten (id í
Porphyrio summas peperisse videtur difficultates,
quas ne
quidem tollimus), so spricht das eher gegen als fiir seine
nahme, daß jene ,, Umdeutung“ der Oracula erst durch Porphy:
oder
dessen
unmittelbare
neuplatonische
Vorginger
hi
getragen sei.
Aber wie dem sein möge: die Oracula erwähnen m. E.
an anderer Stelle ausdrücklich einen dsúregos vods: dura
é&erélecce mato xal vò xaoédaxe | devréoo (Psellus 11
Kroll p. 14).
An einer dritten Stelle ist von einem Nus
Nus die Rede: vod pao vods êotuv à xdopov | teyvérns x
(Proclus in Tim. 157a, Kroll p. 13).
1 Augustin de civitate Dei X 23
Auch wird von
spricht
hier von der Lehre
Porphyrius auf Grund der Oracula: Quae autem dicat esse principia,
quam Platonicus, novimus.
Dicit enim Deum Patrem et Deum Fi
quem Graece appellat paternum intellectum vel paternam mentem; de
ritu autem sancto aut nihil aut non aperte aliquid dicit, quamvis
alium dicat horum medium non intellego.
darauf, daB
mit
diesem
Folgt der Hinweis Au;
medius (intellectus) die in Plotins’ Sys
dritter Stelle stehende Weltseele nicht gemeint sein kônne.
Auch
stin hebt also hervor, daß die Lehre, die Porphyrius hier vorträgt,
mit dem System des Meisters nicht deckt.
Página 11
Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)| Dyas, die bei dem höchsten Gott befindlich ist, geredet: duds
00% Ode xt9ntar (p. 14).
Kroll, der natürlich selbst alle
| diese Stellen überschaut und zusammentrigt, ist dennoch der
Meinung, daß es
sich nicht um drei Größen: ratio, vos,
| Öeureoog vovs handle, sondern nur um zwei, insofern der xatijo
zugleich der voüg sei, deshalb auch voüg zergıxds genannt
werde und von ihm nur der deúregos votg zu unterscheiden
‚sei.
Aber Kroll bleibt uns eigentlich die Gründe für seine
Annahme schuldig.
Was er p. 14 an Gründen für die Identität von ero und (dem ersten) voüg beibringt, das sind
moderne Reflexionen, vor allem der Satz, daB der Nus mit
dem Vater identisch sein miisse, weil er in den meisten FragImenten summi dei partes agit. Auf Grund solcher Reflexionen
aber
über ein Werk zu urteilen, das wir nur in Fragmenten
kennen, gegenüber dem einstimmigen Urteil der Neuplatoniker,
die es vollständig lasen, bleibt im höchsten Grade bedenklich.
spricht vielmehr so gut wie alles dafür, daß die Neuplatoichtig verstanden haben.?
1 In dem Zitat Psellus 1144a: 6 ratio sxvrdy Foracev | odd’ &v
1 Ovvduer vosg& xAeicas ¿gov mög (Kroll p.12), das ich hier als eine
mmerhin erwägenswerte und interessante Parallele zum Neuen Testa-
Ment (Phil. 2, 6ff.) noch anführe, wird die duvauıs vosed, wie es der
Anonymus Taurinensis IX 1 will (also doch gegen Kroll) auf den ersten
us zu beziehen sein, so daß dann hier eine deutliche Scheidung zwiicht mit Kroll p. 13 künstlich reflektieren:
ergo potestas ipsius patris
st neque ut alter deus ab eo separanda. — Es handelt sich vielmehr
rade der Annäherung zu ihm stehen.
* Zu meiner Freude kommt Cumont in einem ganz
ammenhang
(La cosmogonie Manichéenne
1908
p. 34)
anderen Zuzu
demselben
eho, daß Kroll in seinem Mißtrauen gegen die neuplatonische Beichterstattung zu weit gegangen sei. Er ist geneigt, die gesamte Lehre
on der göttlichen Hebdomas, die Kroll den Orakeln abstreitet, diesen
vieder zuzusprechen.
Página 12
Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)Ist dem aber so, so fällt die ganze Schlußfolgerung Ni
tiets tiber den Haufen. Ja wir finden sogar in der ausd
lichen Anerkennung der mentes geminae in den Oracul
Cornelius Labeo jetzt einen Beweis fiir die Richtigkeit
gegen die Rekonstruktion der Oracula von seiten Krolls
diesem Punkte erhobenen Bedenken. Ein unabhängiger
tritt nunmehr in Labeo den Neuplatonikern zur Seite
bestätigt ihre Auffassung.*
Denn noch weniger ist es Niggetiet gelungen, auf dem
biet der eschatologischen Ausfiihrungen Labeos irgendw
durchschlagende Gründe für seine Abhängigkeit speziell
den Lehren des Porphyrius beizubringen. Was er hier,
stützt auf Mitteilungen Augustins, über eine Ermäßigung
Lehre von der Seelenwanderung bei Porphyrius und über
hier aus sich ergebende Möglichkeiten der Verwand
zwischen dem Gegner im zweiten Buch des Arnobius (
und Porphyrius beibringt, muß er selbst in der Anme
(p. 31,1 in Anlaß der Untersuchungen Maus, Religionsphilos
Kaiser Julians S. 9f.) als gänzlich unsicher hinstellen.
was übrig bleibt, sind Berührungen und Parallelen allgemei
Art, welche bei den vielfach verschlungenen eschatologi
Traditionen unserer Zeit gar keine Beweiskraft haben.
Es wird also mit dem von Niggetiet so lebhaft bekäm
(cf. p.35) Urteil von Buresch sein Bewenden haben?: ,
Beweis für die Ansetzung der Schriftstellerei Labeos zwis
260 und 295 ist von Kahl... keineswegs erbracht wo;
1 Durch Böhms Nachweis des Alters des Cornelius Labeo (é
ad quem 126) erhöht sieh die Wichtigkeit dieser ganzen Frage. Il
nelius Labeo von den Oracula Chaldaica wirklich abhängig, so
diese in das erste christliche Jahrhundert.
Ich sehe vorderhand
erheblichen Grund gegen die Möglichkeit dieser
Umdati. rung.
hat die Oracula richtig in die Umgebung der christlichen Gno
der hermetischen Literatur eingestellt (p.70).
Aber das hindert
frühere Datierung nicht.
Denn die Bewegung der ,,Gnosis* ist ebe
als man früher annahm.
2 Klaros, Leipzig 1894 S. 44, 1
Página 13
Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)145
denn diese Ansetzung fußt in der Tat auf nichts weiter als
auf der mehr denn fragwürdigen Annahme von Beziehungen
zum Neuplatonismus.“
Daß mit alledem auch die Vermutungen Niggetiets über eine
Abhängigkeit des Cornelius Labeo gar von Iamblichus und die
weitere Annahme, daß für die wichtigen Ausführungen des
Macrobius, Saturnal. 1 17—23, Labeo der Mittelsmann zwischen
Tamblichus und Macrobius gewesen sei — hinfällig werden,
braucht in diesem Zusammenhang nicht weiter ausgeführt zu
werden.
Es mag nur noch darauf hingewiesen werden, daB
Niggetiet mit der von ihm konstruierten Reihenfolge: Porphyrius, lamblichus, Cornelius Labeo, Arnobius auch mit der Chronologie zum mindesten einigermaßen ins Gedringe kommen
muß, wenn wir bedenken, daß Iamblichus zur Zeit Konstantins? lebte und des Arnobius Schüler Lactanz
schon um das
Jahr 330 starb.
Der „Gegner“ des Armobius, sei es Cornelius Labeo, sei es
ein anderer, ist demnach kein Neuplatoniker oder auch ein von
dem
Einfluß
der
neuplatonischen Schule
berührter Literat.
Für den, der weiter nach den Quellen für die Ausführungen,
die
Arnobius
in
seinem
zweiten Buch voraussetzt,
suchen
möchte, geben übrigens gleich die Einleitungsworte, mit denen
Arnobius die Auseinandersetzung mit seinem Gegner beginnt,
einen vortrefflichen Fingerzeig.
Er beginnt (II 13): vos vos
appello, qui Mercurium, Platonem Pythagoramque sectamini,
vosque ceteros, qui estis unius mentis et per easdem vias placitorum inceditis unitate.
Es scheint mir außerordentlich wahrscheinlich, daß der Gegner des Arnobius sich auf hermetische
Schriften irgendwelcher Art berufen und
deren Ausführung
weitergegeben habe. Damit wiirde es vortrefflich stimmen, daB
der charakteristischste und hervorstechendste Zug der von Arnobius bekämpften Seelenlehre und Eschatologie, die Annahme,
1 Zeller Gesch. d. griech. Philosoph.* III 2, 737 setzt seinen Tod um
Archiv f. Religionswissenschaft XVIII
Página 14
Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)daB die Seelen bei ihrer Herabkunft in diese Welt aus den
einzelnen Planetensphären ihre bösen Eigenschaften auf die
Welt hinabbringen!, zu den Grundlehren
der
markantesten
Partien des uns bekannten Corpus Hermeticum? gehören.
Es bedarf aber auch dieser Punkt noch einer etwas weiteren
Ausführung.
Man ist nämlich seit langem auf die auffälligen
Parallelen aufmerksam geworden, welche zwischen den eben
genannten Stellen des Arnobius und den Ausführungen des
Vergilscholiasten Servius (namentlich zum VI. Buch v. 127,
1 Vgl. Arnobius II 16: at dum ad corpora labimur et properamus
humana, ex mundanis circulis secuntur nos causae,
simus et pessimi, cupiditatibus et iracundia ferveamus;
quibus mali
Il 28: quo sint
ordine a deo patre discretae (sc. animae), ad infima haec mundi quanam
ratione pervenerint, quas ex quibus circulis qualitates, dum in haec
loca labuntur, attraxerint.
Dem wiirden dann die Stellen II 15, 62 entBei dieser Gelegenheit
sprechen, die vom Aufstieg der Seelen handeln.
möchte ich noch kurz auf die Ausführungen Böhms (a.a.0. p.64f.) über
II 62 hinweisen.
Es handelt sich hier um drei Sätze, die man bisher
auf Labeo zurückführte.
Der dritte dieser Sätze (die etrurische Lehre
von der Verwandlung der Seelen in Götter durch Darbringung von
Opfern) ist anerkannt labeonisch.
Der erste Satz (eingeführt durch die
Wendung quod ab sciolis nonnullis et plurimum sibi adrogantibus dicitur
8.0.8. 139) über die Himmelsreise der Seele zur aula dei wird von Boh
als möglicherweise labeonisch zugestanden, weil posidonianisch (obwohl
doch schon die Erwähnung der aula dei über Posidonius hinausgeht).
Der mittlere Satz, in welchem mit Berufung auf die Lehre der Magier
von Mächten die Rede ist, welche die Seelenreise hindern und deshalb
durch Gebete günstig gestimmt werden müssen, erregt sein Bedenken,
weil er im Widerspruch mit Satz 1 stehe und schon Beziehungen (wie
Böhm richtig erkennt) zur „Gnosis“ habe.
Ich kann aber nicht nur
keinen unlöslichen
Sätze
Widerspruch
der beiden
erkennen,
sondern
empfinde auch innerhalb des ersten Satzes die Worte deo esse se gnai
nec fati obnoxios legibus als spezifisch gnostisch (Kroll S. 60 ziel
ganz mit Recht die Oracula Chaldaica heran).
Außerdem erinnert die
Erwähnung der magi an die oben zitierte Stelle Arnob IV 12 mit d
Erwähnung der antithei, die dem Labeo durchaus zuzutrauen war.
Di
alles gehört in das Milieu hinein, das durch die Namen Hermes (Merkur)
Plato, Pythagoras (Nigidius Figulus) umschrieben ist.
2 Vgl. Kap. 1 (Poimandres)
$ 24—26, Kap. 13 (Prophetenweihe
Página 15
Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)439, 713f. u. 6. vgl. auch zum XI. Buch v. 51) und in Macrobius’ Kommentar in Somnium Scipionis (namentlich I 11 u. 12)!
sich finden.
Indem man aber regelmäßig die Parallelen im
Corpus Hermeticum übersah, ist man bei der Nachforschung
der gemeinsamen Quelle jener drei Autoren und ihrer Eigenart
auf
Irrwege
geraten.
So
wollte bekanntlich
in Betracht
seinerzeit
Schmekel?
sämtliche
kommende Ausführungen,
namentlich
bei Arnobius und Servius, auf Varro und damit
indirekt auf Posidonius zurückführen. Diese These Schmekels
ist mittlerweile von den verschiedensten
gewiesen.
Seiten her zurück-
Und man ist jetzt wohl mit gutem Recht geneigt,
die betreffenden Ausführungen aus Cornelius Labeo abzuleiten.
Namentlich Niggetiet hat mit durchschlagenden Gründen die
Vermutungen Schmekels widerlegt und als gemeinsame Quelle
Cornelius Labeo wahrscheinlich gemacht.
vermutet nun wiederum
von neuplatonischen
Immo hic
Aber viel zu rasch
Niggetiet die Abhängigkeit Labeos
Spekulationen
auch in diesem
Punkte.
de nullo nisi Porphyrio et eius discipulis cogitari
licet (p. 78). — Aber die Behauptung Niggetiets: sed hoc loco
Uli circula significantur, quos philosophorum Graecorum primum
Porphyrium docuisse
constat,
entbehrt jeglicher Begriindung,
man müßte denn das Wort „Philosoph“ außerordentlich pressen
und einengen.
auf
Sie erledigt sich durch den einfachen Hinweis
das Corpus Hermeticum (Traktat I und XIII)?
Nun
könnte ja vielleicht Niggetiet trotz Reitzensteins Arbeiten vielleicht noch die alte These von der Abhängigkeit der hermetischen
Schriften
von den Neuplatonikern von neuem
nehmen und aufrecht erhalten.
auf-
Aber auch das würde ihm in
der hier behandelten Frage wenig nützen.
Denn ich habe be-
1 Vgl. die Zusammenstellung der wesentlich in Betracht kommenden
Stellen in meinen Hauptproblemen der Gnosis S. 361ff.
? Mittlere Stoa 8. 104 ff.
® Ich denke, die Untersuchung über die hermetische Lehre von der
Planetenreise der Seele und ihre weitverzweigte Überlieferung noch einmal im Zusammenhang aufzunehmen.
Página 16
Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)reits in meinen „Hauptproblemen der Gnosis“ S. 365 darauf
aufmerksam gemacht, daB sich deutliche Spuren der Lehre von
den ,,Kleidern“, welche die Seele in den Planetensphären erhalt, in der Blütezeit der christlichen Gnosis nachweisen
lassen.
Ich erinnere hier nur im Voriibergehen an die Lehre von
den rgoceoriuara und den xvetuara . .. xooenornuéva rh
4oyixf dy der Basilidianer (Clemens Stromat. 11 20, 112), an
die Lehre Valentins von den bösen Geistern, welche des Menschen Seele zu einem deyuóvov xoeroveyríouov machen (ib. 11
20, 114); an das Werk des Sohnes des Basilides regi rooomvovs
vuyÿs (ib. II 20, 113), an die langen Ausführungen in der Pistis
Sophia c. 111 und 131—133 über das an die Seele angeheftete
éveluisov xavevuo und die Rolle, welche die fünf großen Archonten der Heimarmene bei diesem Vorgang spielen, endlich
an den Ausspruch des Bardesanes (Ephraem. Hymn. 53 p. 553E)
daB der Mensch ,,eine Seele von den Sieben“ habe.
Auch
darauf wäre noch in Kürze aufmerksam zu machen, daß die
Sekte, aus deren Mitte die Pistis Sophia und die ihr engverwandten
koptischen
Jeu-Bücher
stammten,
ein
besonderes
Sakrament der Beseitigung „der Bosheit der Archonten“ kannte
(II Jeu 48f.), resp. ein Mysterium der Auflösung der Siegel
und aller Banden des évrlumuor æveüua, mit welchen die Archonten es an die Seele gefesselt haben (Pistis Sophia c. 112).
Es kann gar kein Zweifel mehr sein, wir befinden uns mit
dieser Phantasie nicht auf dem genuinen Boden des Neuplatonismus,
sondern auf dem der Gnosis mit ihren Spekulation.
und Kulten, sowohl der christlich beeinflußten, als auch der w
sprünglich heidnisch-hellenistischen (Corpus Hermeticum, auc
Oracula Chaldaica s. Kroll p. 47. 61).1
1 Auch hier zeigt sich wieder die Wichtigkeit der nunmehr
lungenen genaueren Datierung Labeos.
Denn wenn Labeo (bei Arnobius)
anderseits die Lehre von der Planetenreise der Seele bereits geka
hat; so ist damit das Zentraldogma der hermetischen Schriften bis i
das erste Jahrhundert zuriickverfolgt.
Página 17
Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)So finden wir denn auch bei den Neuplatonikern von Porphyrius an nur mehr oder minder undeutliche Spuren jener uns
in den anderen besprochenen Quellen viel plastischer und ausführlicher entgegentretenden Anschauungen.
rius in
der Tat
einmal:
So sagt Porphydxodvuréov úga todg xolloÙs quiv
quróvas ... yvuvol dè xal dylraves rl ro orddıov dvaßalvousv
(de abstin.
131).
Ein anderes Mal wird bei ihm erwähnt: tod
Todorov flov i diétodos did tév ¿xro opareav pyivousvyn (Stobaeus Ekl. II 388).1
Aber überall bleibt es bei diesen kurzen
Andeutungen auf eine augenscheinlich bereits vorliegende und
ausgeprägte Lehre, die von ihm nirgends ausführlich entwickelt
wird.
Paßt
doch
auch
die
pessimistische
und
dualistische
Grundanschauung von dem bösen und lasterhaften Charakter
der Planetenmächte herzlich schlecht zu dem Geiste und dem
System der neuplatonischen Gedankenwelt.
Eine der charakteristischsten hier in Betracht kommenden Stellen findet sich
allerdings bei (Iamblichus) de myster. VIII 6: duo yde Eye
puyds,
og tadtd por tè yoduuara, à Üvdowmog, xaù y uév
gor axd tod mobrov vogtod... 1) dè &vdWoudvyn Er tio Tüv
oveavicv meorpoods, eig iy éneucéoner (!) y Deoxruxÿ puxa tovtov di) obras ¿yóvtov % uèv dnd vv xó0uov eis juts xadfrovoa vuyi tals negıddoıs GuvaxolovTet tov xdopav.
y dè
and tod vontod magovoa tig pevectoveyod xvxliosms bxEQEezEl,
nad nar’? adriiy... ylveraı...n mods todg vontods Feodg dvodos.
Aber gerade diese Stelle gibt sich nach dem Anfang als
Zitat oder Referat,
und ausdriicklich wird uns die Herkunft
desselben angegeben: dd tv ‘Hopowndy vonuctov.
Tamblichus
zitiert hier die Weisheit des Bitys (vgl. VIII 5), des Hermeneuten
und „Propheten“ hermetischer Weisheit.?
1 Vgl. Zeller Philos. d. Griechen* II 2 S.714f.
obigem verwandte
Anschauung von
dem
zveöue
— Über die
als
dem
mit
niedrigen
Seelenelement, die sich bei Porphyrius findet (s. o. die Parallele bei Arnobius), kann ebenfalls nur in größerem Zusammenhang gehandelt wer-
|
Auch sie ist hermetischen Ursprungs.
2 Vgl. Reitzenstein Poimandres S. 107 ff.
Página 18
Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)haben
hier
überall
älteres hermetisches Gut.
nicht neuplatonisches, sondern
Und aus diesem Milieu, nicht aus
Porphyrius-Jamblichus, ist Arnobius-Labeo zu erklären.
Und
wenn wir bei unseren Gewährsmännern nun noch daneben als
Autorität Pythagoras! angeführt finden, so bestätigt das nur
unser Urteil:
Hermetismus und Neupythagoreismus gehören
eng zusammen. Beide aber liegen zeitlich weit vor dem Neuplatonismus.
u
Es hat sich uns herausgestellt, daß die zwei Hauptquellen,
auf die Cumont bei seiner Untersuchung verwies, Arnobius
(Cornelius Labeo) und Porphyrius tatsächlich voneinander unabhängig sind.
Es hat sich weiter herausgestellt, daß wir es
auf dem ganzen einschlägigen Gebiet nicht mit späten Spezialmeinungen der neuplatonischen Schule zu tun haben, sondern
mit weitverbreiteten populären Anschauungen, die ihre Wurzeln
in der großen „gnostischen“ Bewegung haben und deshalb auch
mit ihrer Genesis zum mindesten in das erste christliche Jahrhundert zurückreichen.? — Von vornherein ist damit ein starker
Einschlag orientalischer Religionsvorstellungen auf dem in Betracht kommenden Gebiet wahrscheinlich geworden.
Und so nehmen wir die Frage nach
der Herkunft der
Dämonologie in dem Abschnitt Porphyrius de abstinentia II
37—43 und der parallelen Überlieferung bei Arnobius-Labeo
usw. wieder auf und wollen versuchen, Cumonts Position durch
neue und entscheidende Beweise zu verstärken.
Aber vielleicht
drängt sich zunächst noch ein Bedenken gegen Cumonts An1 Arnobius 1113: Mercurius Plato Pythagoras.
Macrobius, Somnt
Scipionis 111: qui primum Pythagoram et qui postea Platonem se
sunt.
Vgl. das
schon oben über Nigidius Figulus
als Autorität d
Labeo Bemerkte.
? Ich weise in diesem Zusammenhang noch einmal darauf hin, wi
wichtig in diesem Zusammenhang die Datierung Labeos etwa in das
erste nachchristliche Jahrhundert, wie sie Böhm gelungen ist, zu werden
verspricht,
Página 19
Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)nahme von der Herkunft dieser Anschauungen aus dem Gebiet
eranischer Religionsvorstellungen auf.
Könnte man nicht versucht sein, diese Vorstellungen aus einer Beeinflussung durch
jüdische Dämonologie
oder durch christlichen Dualismus abzuleiten, wie das in der Tat von seiten einiger Forscher (s. o.
8.138) geschehen ist? Doch sprechen apriorische Erwägungen
gegen diese Annahme zugunsten Cumonts.
Denn einmal läßt
sich darauf hinweisen, daß hier ein Dualismus vorliegt, wie er
auch innerhalb des Judentums wie des Christentums ziemlich
unerhört wäre. Die Dämonen und ihr Oberhaupt (die mg0s0T&0«
Övvauıg) treten nicht als gefallene Wesen, sondern geradezu
als Rivalen der höchsten Gottheit und der guten Götter auf:
BovAovraı ydo
sivar Deol xal y rposot@oa adróv ddvopts
doxsiv Dog sivar 6 ueyıorog (s. o. S. 135).
Auch ist der von
Cumont mehrfach nachgewiesene Ausdruck évrl9eos, dvrideos
auf jüdisch-christlichem Religionsgebiet beinahe unerhört.
Er
findet sich auf rein christlichem Gebiet, so weit mir bekannt,
nur noch bei dem Schüler des Arnobius, Lactantius (Inst. div.
TI 9, 13).
Auch ist ein EinfluB des Judentums auf ein weitverzweigtes
Uberlieferungsgebiet hellenistischer Frömmigkeit nicht sehr
wahrscheinlich.
Wahrscheinlicher ist es von vornherein, daß
dieser Einfluß von einem Volk, das eine dominierende Rolle
in der Weltgeschichte spielte, und von dessen Religion ausgegangen sei, als von dem so viel weniger bedeutenden Judentum in Palästina.
Denn das Diasporajudentum kommt hier
kaum in Betracht, da
in seiner Literatur, soweit wir sehen,
die Lehre vom Teufel und die dualistische Theologie kaum
eine Rolle spielte.
Jene Lehre wurde vielmehr im palästinensischen Judentum entwickelt, in einer Literatur, die vielfach
den Charakter des Winkelsektentums deutlich zeigt, und von
der man schwerlich annehmen darf, daß sie international wirksam geworden sei.
1 Cumont Oriental. Relig. 307 Anm, 36.
Página 20
Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)Es bleibt, soweit diese nicht schon durch die oben vor:
getragenen Bedenken wesentlich erschiittert ist, die Annahme
einer Beeinflussung von seiten des Christentums.
Hier aber erheben sich noch Bedenken chronologischer Art. Denn die vorhergehende Untersuchung hat uns bereits klar gemacht, daß es
sich hier nicht um reine neuplatonische Spekulationen handelt,
bei denen eine solche Annahme möglich wäre, daß vielmehr
die Übereinstimmung von Porphyrius resp. seinen Platonikern
einerseits und Arnobius, Cornelius Labeo andererseits auf eine
ältere Überlieferung (hermetische Tradition) zurückweist, die
wir uns im allgemeinen noch als frei von christlicher Beeinflussung zu denken haben.’
Wir können aber nunmehr
in unserer Frage noch eine
Strecke Weges weiterkommen, als Cumont gegangen ist.
E
bietet sich uns für unsere Untersuchung ein neuer Zeuge fü
das Alter und die Verbreitung jener Anschauungen,
her überhaupt noch nicht berücksichtigt wurde.
der bis
Es handel
sich hier um ein Stück der pseudoclementinischen Schriften
das in den beiden Hauptzeugen der verschollenen Grundschrift
den Homilien und den Rekognitionen, so gut erhalten ist, daß wi
die verlorene Grundschrift oft noch fast wörtlich rekonstruiere
können.
Ich meine die erste der drei von dem Apostel Petru:
in Tripolis gehaltenen Reden, die Homil. VIII—IX, Recognit. IV
vorliegt.
Diese enthält abgesehen von der mit dem Ganz
der Schrift zusammenhängenden Einleitung und dem Schl
eine apologetische Rede, die sich in ihrem Gehalt von d
übrigen Ausführungen des betreffenden Abschnittes abhebt, a
deren religionsgeschichtlich interessanten Charakter ich berei
1 Das gesamte Corpus Hermeticum, das zwar hier und da jüdis
Sangiert ist, d. h. den Einfluß der griechischen jüdischen Bibel (Sept
ginta) zeigt, ist vollkommen frei von irgendwelchen Spuren christlic!
Einflusses.
? Vgl. meine Andeutung der Rekonstruktion der gemeinsam
Quelle in der Besprechung von Waitz Pseudoklementinen, Götting. G
Anz. 1905 S. 427f.
Página 21
Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)mehrfach hingewiesen habe.
Der Inhalt dieser Rede läßt sich
sehr kurz umschreiben; sie enthält ebenfalls eine Dämonologie, eine Lehre von der Herkunft und der Entstehung der
(bösen) Dämonen, ihrer Geschichte, den Übeln und Verwirrungen, welche die Dämonen über das Menschengeschlecht gebracht haben und noch bringen, und der besten Art ihrer Bekämpfung.
Die clementinische Grundschrift ist m. E. etwa um das Jahr
200 geschrieben.!
In Homil. VIII—IX, Recognit. IV liegt aber
wiederum, wie ich nachgewiesen habe (a. a. 0.443), eine ältere
“Quelle von spezifisch judenchristlicher Tendenz zugrunde, die
starke Verwandtschaft mit den von Waitz? für die Grundschrift
als Quelle
nachgewiesenen
Knovyuare
Ilérgov
zeigt.
Wir
“haben hier also Ausführungen, die gut um ein Jahrhundert
‚älter sein können als die Schrift des Porphyrius,
Nun sind freilich diese Ausführungen, deren hellenistischheidnische Herkunft noch klarer heraustreten wird, uns nur
in mehrfacher Überarbeitung jüdischer resp, judenchristlicher
und christlicher Redaktoren erhalten.
Wir können uns deshalb nicht wundern, wenn hier manches Ursprüngliche verloren gegangen ist,
wenn namentlich jener starke Dualismus
der Dämonologie des Porphyrius sich hier nicht mehr findet
und wir an Stelle dessen die sattsam bekannte jüdisch-christliche Theorie vom Engelfall, der ehelichen Vereinigung der
Engel mit den Menschentöchtern, von den Nachkommen dieser
Verbindung, den Giganten, ihrer Vernichtung durch die Flut
und der Identität der Seelen der in der Flut umgekommenen
Giganten mit den Dämonen hören.
Allein an der wesentlichen Verwandtschaft der hier vorgetragenen Theorien mit der Dämonentheorie des Porphyrius
1 Vgl. meine Rezension Götting. Gel. Anz. 1905, 434f. Waitz a. a. O.
setzt die Grundschrift um einige Dezennien später an.
neigt, mit der Datierung noch
Harnack ist geweiter hinabzugehen, doch m. E. ohne
irgendwelchen zwingenden Grund.
2 Pseudoklementinen 78 ff.
Página 22
Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)kann dennoch kein Zweifel sein, und um diese zunächst ein
herauszustellen, beginne ich sofort mit dem wichtigsten P
Nach des Porphyrius (resp. der Platoniker) Lehre erfrew
sich die Dämonen ganz besonders an blutigen Opfern.! $
wissen sich durch diese Opfer in besonders innige Beriihru
und Gemeinschaft mit den Opfernden zu versetzen: obrou
yolgovres AouBij te xvlon te, Ov” Gv adróv TO mvevuarızd
zul Omuarınov mielvera.
bf yde todto étuois xal vado
desow... xa) dvvauodiar vais éx Tüv aludrov xai oxox
«vlocıs.
Und dann folgt die Warnung: 01d ovverög Kuno
poor
edlaBydíosre toravtars yojodaı Yvolaıs, dv?
éntomdoetat modg Eavrdv tovg toLovtovg. Gmovddosı
xatalosy Tv vuyÿv mavtolos.
xadaede pao wuyî ox mu
Bevrar Oud vd abroig évéuosov 1142f. Damit ist Porphyrius zu di
Anfang seiner Ausführungen zurückgekehrt, wo er sagte 113
oldev dè 6 tig sdosBelag poovrifov, ws Heoig uty où Duvet
¿upoyov ovdév, daluoor di ¿idos fjror éyadois Y sal paso
Er führt nunmehr in obigem Zusammenhang fort, es möge j
notwendig sein, für die Gemeinschaft der Städte derarti
Wesen zu versóhnen (dmousilirreodeı), den Weisen gehe di
nichts an.
Jenen liege ja auch am Reichtum und den äuße
Gütern (deren Dasein otienbar von den Dämonen abhängig
dacht wird), der Weise aber solle nichts bitten, was diese
gewähren vermögen, sondern sich bemühen, Gott durch
Apathie der Seele gleich und jener ganzen niederen Welt
ähnlich zu werden. Noch stärker und deutlicher hat sich, off
bar ähnlichen Grundanschauungen folgend, Porphyrius in sei
früheren Schrift weoi ris éx tOV Aoylov pulocoplas au
drückt (Euseb. Praep. Ev. IV 23,3): xal rd couata rolvvv us
dnd Todrwv.
xa) yao udiıore Teig mouxis teopaig yaloo
Gurovuévor yao nuav mooolacı ua) xoookdvover tH oop
1 S. die Parallele aus Cornelius Labeo oben $. 136,
2 Hier die niedere Seite des seelischen Wesens der Diimonen.
Página 23
Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)wal did vodro al dyveiai, où did toùs Deoûs xoomyovuévos,
Ghd’ iv’ obtor dmoctHor. udhiota 03 aîuati yaloovoı sal Teig
duadaoolas, xa) &xolavover tovtav eslodvvorteg tois youpevois. Etwas weiterhin heißt es dann: of xal eig donuovg podyyous xa) pioug dvayxdfover tods dvdowmovg ésualarew did
zig Gvvanolavesns tig per” aùrév yivouevns.
Zu dem allem findet sich nun in den clementinischen Homilien die genaueste Parallele.
Auch hier heißt es, daß die
Dämonen die Gelegenheiten der Opfermahlzeiten (resp. auch der
gewöhnlichen Mahlzeiten, wie oben bei Porphyrius) benutzen,
um sich mit den Teilnehmern an diesen Mahlzeiten in leiblicher Weise zu vereinigen resp. mit den genossenen Speisen
in deren Leib zu schlüpfen, IX 9: of yao daluoves did ng
avrois dnododelong toopis EEovalav &yovrss dad tHv dustéowav
yetoóv eis ta duéreoa eslouolvovrar opera.
1X15: bs yde
oi detvol Berg toig abtHv nvedundı tods 6Tg0UHovg EnIonövtar’, ota xal aúrol tods ueralaußdvovrag tig adtHy roameins,
did ye tOV Bowtay xal roróv dvaxoudévres
adróv
10 v@, eig vo Wiov abtav ¿moxóvro foviqua (vgl. IX 14
Ende: ai Svolas arartodoL xa) ovvectidodo xslevovow, iva
avróv ras poyds ovunlvooıv).
Ja, die Clementinen entwickeln
sogar IX 10 eine ausführliche Theorie, die über das von Porphyrius Angedeutete hinübergeht und doch das Ganze dieser
merkwiirdigen Phantasie erst verständlich macht.
Danach sind
diese Dämonen leiblose avevuara, aber doch mit der Begierde
nach leiblichen Genüssen behaftet.
Deshalb: eig tà dvdodnav
elolaoıv oóuara, iva Goxeg vrovoyodvrov doydvav TULÓVTES,
ov Délovoiw dmurugsiv Ouvaroi wow, site Booróv did róv
dvdoorov
‚dolov.
dddvtmv,
site
Gvvovolag
die
tev
Éxslvov
ul-
Daher führt der Verfasser weiter fort: mods tv tev
| daıusvov
puyay i)
Evdera
xal m vnorele
où y
xaxovyia
1 Vgl. Porphyrius oben: Ovcias, dl dv Exromdoetar mods Éaurdv
Toùs torovtovs.
Página 24
Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)oixsidrazdv ¿or Boÿ9mua.! — Wir hören wiederum fast
Porphyrius sprechen: xal dud vodro al cyveict ... iv’
o
éno6t@ou.
Man muß sich schon sehr lange umschauen, um irg
welchen Analoga zu diesen grotesken Phantasien auBerhalb
Quelle des Porphyrius und der Pseudoclementinen zu be
nen? Eine annähernd analoge Vorstellung findet sich in d
Tat, und wir sind nach allem Vorhergehenden nicht mehr
staunt, wenn wiederum gerade die hermetischen Schriften di
bieten.
In dem 15. Traktat des Corpus, den so viel Altertü
liches und Interessantes enthaltenden $001 ’AoxAyauod, heißt
$ 14: xal dveyelgovor tag poyds uv sig abrodg Eyradnw
Nuov vevgors xal uveloîs xal phepl al dornolaug nai a
t@
éyxepéd@.
tò
0%
Eigentümlich
Aopixòv
péoos
Sotnuev Emırjdsiov
tis
ist hier
wvyîs
dann die Fortsetz
ddéorotov
sig drodogiv tod Feov.
av
dad
Vor denjeni
die vom Strahl gôttlicher Vernunft erleuchtet seien, versch
den die Dämonen.
Alle übrigen, und das sei die groBe Me
zahl, werden von ihnen umgetrieben (#yovra «al péoov
Dieser spezifisch dämonologische Dualismus ist in diesem Tra
bei der sonst vorherrschenden optimistisch monistischen Gr
! Vgl. noch XI 15: 7) y%e tod éxsî aiuaros &vatvpincrs xal y
oivor onovöh xal wurd xogsî tè &udPagra IVEÚUOTO ... moeopdosr
tay leyouévov ispodúrov yolexov dadvar éuxixhæcde; ferner VII
VIII 19.
— Dann die christlichen
Apologeten:
Tatian
vou£ôuevor Deol rois tivmy émuporróvres uéhecww.
Or. c. 18:
Minucius Felix,
tavius c. 27: ¿rrepentes etiam corporibus.
2 Nur kurz mag hier auf einen Zusammenhang hingewiesen wer
der vor allem
spezifisch theologisches Interesse hat.
Innerhalb di
Milieus steht bereits Paulus mit seiner Ausführung über das wow
av damovioy yivecdoa I. Kor. 10, 20.
Doch
sind
zu fragmentarisch, um hier als Beweismaterial
seine Ausfiih:
verwendet werden
können. — Und so bringt denn z. B. Lietzmann in seinem Kommentar
der Korintherstelle das Porphyriuszitat bei Eusebius (s. o.) als Parallı
Heitmüller (Art. Abendmahl,
Rel. in Gesch. u. Gegenw.) sowohl
Porphyriusstelle als auch die Parallelen aus den Clementinen.
Página 25
Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)anschauung § 3—13 um so auffallender; es scheint, als wenn
hier eine ältere Tradition übernommen ist.!
Aber von dieser Ausnahme abgesehen bleibt es beachtenswert,
daß diesen merkwürdigen Ausführungen in der gesamten hellenistischen Literatur, so weit ich zu sehen vermag, keine weiteren
Parallelen zur Seite treten.
Und die verwandten Ausführungen
gehen überdies noch weiter.
So legt Porphyrius c. 40 dar,
daß die bösen Geister die Urheber alles Unglücks in der Natur
seien (Pest, Erdbeben, Unfruchtbarkeit, Dürre), daß sie aber
ihre Urheberschaft künstlich verbergen:
toéxmovolv
te
pera
tovto ¿xd Aucavelag quis nai Duolas tHv dyabospyóv dev,
Os opyiouévovr.
In
dieser Weise suchten sie unsere Vorstellungen von den Gôttern zu verderben zu ihrem eigenen Vor_
1 Diese
beginnt etwa § 13 mit dem stark an Porphyrius’ Quelle
erinnernden Satz: dyadol xal xaxol Övreg cds puces.
Bei dieser Gelegenheit wäre auch noch auf eine weitere Verwandtschaft zwischen den
600. des Asclepius und der Quelle des Porphyrius hinzuweisen. Ich
meine die enge Beziehung, in welche hier die Dämonen zu den atmosphärischen Vorgängen
gesetzt werden,
eine Vorstellung,
die
in
der
| hellenisch - philosophischen Dämonenlehre nicht häufig ist: Goo AoxA.
§ 10: ¿vdévde Auyovrss todrov yoour tà tiv &vPQanav Epogası, tà dé
dad tov Heavy éExitarrowsva Evegyover Tvilhars xal xararyior xab renoryece
ua) perofolais wveds nai cecuoîs, Erı dè Auoïs xal wodduorg éuvvôuevor
tiv doéferav (vgl. $ 13, Text nach Reitzenstein Poimandres 352).
Dazu
vgl. Porphyrius 11 38 (von den guten Dämonen): (vouıordov) xal éx°
pelele tov &eyoutvar advro xenyparevecdat, site tuvo &pnyoivto fav,
tite xaondw dkxorerayuévoo site xal tiv Evsxa todtayv, olov dufear,
avevuéro» perglov, sbdias ... sdxeactag te dod tos Erovs. Und II 40
(von den bösen Dämonen):
zadmudeov, olov
adrol atrio yevdusvor tév megl chy yiv
howdy, &pogidr,
cercuov, adyuav nal tiv duotav. —
Vgl. Plutarch de Is. Osir. 55 (Schilderung Typhons); Clemens Alexandrinus Eklog. proph. 55.
Parallelen
zu
Hermetisches Fragm. bei Stobaeus Eklog.1 474.
der Schilderung der guten Engel bei Porphyrius in eranischer Theologie: Vohumano
der Aufseher über das Vieh, Ameretät
und Haurvatät Aufseher über
die Pflanzen
und das Wasser.
Ferner
| sind die jüdischen Vorstellungen (namentlich im Buch der Jubiläen)
| über die Elementarengel heranzuziehen (Bousset Religion d. Judentums?
1372). Parallelen in der manichäischen Theologie: Cumont, La cosmogonie.
manichéenne, Bruxelles 1908 p. 54ff.
Página 26
Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)teil xa) Gone bxodvrtes tà tOV doy dev xo0coxa
iuéregas
¿Bovilas dxolatover.
Ja es gelinge ihnen s
hinsichtlich der höchsten Gottheiten, ja selbst des éoverog Y
unsere Gedanken zu verwirren, so daß wir ihnen Böses
trauen.
Und zum Schluß heißt es dann noch (42): zo
pevdog todroıg olxsiov. BovAoviar yao elvar Deol xel 4
sordou abtav Ovvapig doxsiv Beds elvar 6 uéyiôtos.
Dazu vergleiche man die Ausführungen Hom. IX 13: &
dè Alas évedgevdpevor où mooclaow Muiv taîg tov xaxovo
daıudvov Evdvurossıv exardpevor bg dad pèv Tv de
avróv tabra nécyovtes Ord thy TOG abTOVS Aueksı
Yvolaıs dè adrods dıalldoosıv dvvausvor. — In der chri
lichen Bearbeitung sieht es freilich so aus, als werde es hier
Dämonen zum besonderen Vorwurf gemacht, daß sie überhaupt
Menschen zum Dienst der Götter verführen.
Nach der P
lele bei Porphyrius aber ist es noch ganz deutlich, daß in
hier
bearbeiteten
wurde, daß
hellenistischen
Quelle
sie den Menschen einreden,
ihnen
vorgewo
die xodyjuata, Y
denen das menschliche Leben umgeben sei, stammten von
(doch nur Gutes bringenden) Göttern, und diese müßten d
Opferveranstaltungen versöhnt werden.
Ganz deutlich tritt di
mit den Göttern rivalisierende Bestreben der Dämonen Ho
IX 14 heraus: 269’ Ore ua toîs vooovoı Degarelas Guvrdocovo
nab oros Tolg xoonnatyuévorg Dedv ddbav dmopEpovr
ua) tovds(?) daluovas sivar Tobz mollods Aavddvovow.
folgenden
(IX 16) wird
dann
noch weiter
ausgefiihrt,
weder Weissagung noch Heilungswunder die Göttlichkeit
Dämonen erweise: où yde sl ti uavteverai, Peds doriv ... à
&osi
tig"
évloig
Sepanelag
xnooetdscoveww
wpevdds
¿or
0600690 dè obras Eysuv, obra Tb rouodro eds gor. al
lutooi laure noAlodg xal Deol oùx elclv.
GewiB sind alle diese Ausführungen der christlichen apo
getischen Beweisführung angepaßt, die darauf ausgeht zu
weisen, daß hinter allem heidnischen Gottesglauben nur
Página 27
Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)monendienst sich berge.
Aber die Parallelen des Porphyrius
machen es sehr wahrscheinlich, daB hier eine Quelle benutzt
wurde, in welcher vom polytheistischen Standpunkt aus gegenüber den Lügen und Betrügereien der Dämonen die Grenzscheide zwischen den &yadosoyol Feol und den xaxosoyol daluoves scharf gezogen wurde.
Damit sind die Parallelen aber noch keineswegs erschöpft.
Ich verweise ferner darauf, daß Porphyrius die (falsche) Magie
in engen Zusammenhang mit den bösen Dämonen bringt: did
uevror tHv Evavılov xal y aus pontsia Eutersitar.
rodrovg
yao udkıora xal toy aposoróre avróv éxtipdoww ol tà none did
Tay yonrsıöv duexeattduevor.
Die Homilien berichten von den
gefallenen Engeln (VIII 14): xa uoyslav cvvarédzatav xab
dotoovoulav édldabav (letzteres ist natürlich spezifisch jüdisch
gedacht), duvdusis te für zul Sou work dad dvdgmnlvng évvolas sbosdivaı cdvvarov... Besonders bedeutsam ist es, daß
die Clementinen erzählen, daß Gott im Anfang aus Furcht, die
Dämonen möchten sich aus Mangel an Nahrung ¿xi tiv raod
pue T@v Ev Boodv wenden und in der Not eine Entschuldigung finden, Manna vom Himmel habe regnen lassen.
noch hätten die Dämonen
Dendes Blutgenusses und der Fleischnahrung begehrt (ris tév aludrov pevoswms EyAlyovro. did nai
moearor ouox@v ¿yevcavro, VIII 15).
Darauf aber hätten sie
sich sehr bald der Menschenfresserei zugewandt (VIII 16). Dazu findet sich freilich in dem betreffenden Abschnitt bei Porphyrius keine genaue Parallele.
Aber in merkwürdiger Weise
stimmt die Anlage dieser ganzen Erzählung mit der Tendenz
des Porphyrius überein, in allem Fleischgenuß etwas Verderbliches oder gar direkt die Wirksamkeit böser Dämonen
‘sehen.
zu
Es scheint nicht unmöglich, daß er seinerseits durch
‚derartige mythische Erzählungen zu seinen Ausführungen angeregt ist. Übrigens werden wir zu diesem Zug der Erzählung
im weiteren Verlauf der Untersuchung noch eine direkte hellenistische Parallele finden.
Página 28
Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)Die Homilien charakterisieren die gefallenen Engel!
Tv toy oboavov Évouxodvroy nvevudınv ol Tv satotd
yóouwv xerowobvres &yyelot (VIIL12). Auch bei Porphyri
nehmen die bésen Dämonen die unterste Rangstufe in der Geis
welt ein. Selbst der Fall der Engel, der in den Clementinen ei
so beherrschende Rolle spielt, scheint bei Porphyrius angedeu
zu sein, wenn er sagt, daß einige von den Dämonen (wvyal) da
sie umgebende Pneuma, d.h. die niedrige Seelenmaterie (s. o.
nicht hätten beherrschen können, sondern von ihm beherrs
seien: Ov avr rodro äyovral te xal péooviar lav, Bray ai T
xvevpatog doyal te xa) ¿mmbuule viv ó9unv AdBoow (II 38)
Hellenistisch und aus jüdischen Prämissen nicht erklärbar ist
wiederum, wenn in den Clementinen den Engeln feurige Natur z
geschrieben wird (rd éx wugög ro«zevre uéln) und wenn es von
gefallenen Engeln heißt: 16 yde Badger 7 Uno vis Emidvulag
odoxe relevrijoavros adtay(?) tod aveds tiv dosfovoav ¿devo
60
dv xdro.? cuonds yeo «drol deguoîs nens NUÉVOL xaréoynvre .
où ¿vexev sig obgavodg dvelPeiv ober Edvvidnoev (VIII 1
Eine Parallele findet sich zwar in Porphyrius’ Quelle nicht, vielm
werden hier die Dämonen als unsichtbare Wesen aufgefaBt.*
1 Man beachte, daß im allgemeinen schlankweg von daiuoves
redet wird. Auch die gefallenen Engel heißen daiuoves, nicht nur i
Nachkommen, vgl. VIII 14. Es scheint, als wenn das Wort &yys4ot
Merkzeichen für das Eingreifen der jüdisch- christlichen Bearbeitung
2 Vgl. noch VIII 18 (von den Nachkommen der Dämonen) 6
vódor tH yéver Ex mvods dyytlov nal aluarog yuvarxióv.
zungen
sind um
Die Schil
so bemerkenswerter, als nach der Lehre der Clemi
tinen das Feuer sonst ein böses Element ist und im scharfen Gegen
zum
Licht
steht.
Es mag darauf hingewiesen werden,
der eranischen Religion
das
Feuer das gute
doch mögen hier auch stoische Einflüsse vorliegen.
tischen Schriften wissen etwas
von
daß gerade
Element xar’ &oyrw
i
Auch die her:
der feurigen Natur der Dämo
Doch sind die Dämonen hier bereits z. T. minderwertige Wesen und s
das wig im Gegensatz zu dem gag des Nus (X 21f. u.d.). — Das i
sonst auch im allgemeinen die Meinung der Clementinen.
3 Am ‘anderen Orte kennt Plotin Dämonen mit Feuerleibern u
Erdleibern, Proclus in Timaeum 142C. (nach Heinze Xenokrates 119).
Página 29
Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)Damit verbindet sich eine den Clementinen eigentümliche
Eschatologie. Die Homilien lehren, daB die mit dem Dämon
eng verbundene Seele nach dem Tode dem Reinigungsfeuer
(xaPdeovov ap) übergeben und darin arg gequält werde, während der Dämon sich an dem Feuer als an seinem eigenen
Element erfreue (IX 9, wiederholt IX 13).
Eine gewisse Analogie findet sich wiederum im Corpus Hermet. X 21: 6 yde
voùs Srav daluov yévytOL, mvolvov toysiv GÓMATOS tiétantar
... nal elodds sig tiv dosßeordenv puyhy alutera adriv.!
Ich hebe zum Schlu8 noch eine Stelle der Clementinen
heraus, die speziell hellenistisch und auf jiidisch-christlichem
Boden
Vuy
ganz
Y
Où
ungewöhnlich ist: Y yd0 xadólov xa. yeadns
névrov
tov
Bowtdy
duxvovuévy
xd Tís
æAslovos toopñs Ent xistov xooolnytsion, with uèv de ovyyavei Evodrar tH mvevuari, deg ¿oriv dvOoadxov puy (IX 12).
Hier soll im Zusammenhang nachgewiesen werden, daß auch
allerlei Krankheiten der Menschen nicht bloß natürliche Ursachen haben, sondern auf das daıudvov sldog zurückzuführen
seien.
Und hier finden wir nun merkwürdigerweise die bei
den späteren zum Dualismus neigenden (pythagoreischen) Platonikern (Plutarch und dessen Vorgängern, vgl. auch Numenius
von Apamea) stark betonte Theorie von der bösen Weltseele,
als deren Teil offenbar der Dämon gedacht wird, entwickelt.’
Mit alledem ist, meine ich, erwiesen, daß wir in der ersten
1 Hier liegt allerdings keine eschatologische Anschauung vor.
Vgl.
auch das Folgende: zig dè thy edceBh woyty 6 vods éufàs Ödnysi «tv
En} To Ts yvócsos pús.
2 Wenn übrigens gesagt wird,
daB
die búse Weltseele (resp. der
Dämon) ds cvyyevei ¿vovros tH avevuare, so scheint auch hier eine Inferioritàt des xvsevuo innerhalb der menschlichen Seele vorausgesetzt
8.0. S. 154,).
Der Verfasser,
Wuyr, scheint das
der einfach hinzufügt $ gor &vSçoxov
nicht mehr verstanden zu haben. — In diesem Zusammenhang merke ich auch
noch folgenden
echt
hellenistischen
in
einer jüdisch-christlichen Schrift überraschenden Satz an: 7) y&e (Wvy
7)
póBo tov vob» xinyeico de? óvelgov tag idéag (d. h. die Erscheinungen
bei Inkubationen vor dem ¿davov) émoxvione IX 15.
Archiv f. Religionswissenschaft XVIII
Página 30
Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)Tripolis-Rede des Petrus in der Grundschrift der Clementinen
ein interessantes Dokument hellenistischen Synkretismus haben,
das in enger Verwandtschaft mit Porphyrius’ de abstinentia 11
37—43 steht.
Aber es sollte ja Cumonts Behauptung, daB die Quelle des
Porphyrius vom eranischen Religionssystem beeinflußt sei, bewiesen werden — und mit dieser Parallele befinden wir
also doch wieder in der Umgebung jüdisch-christlicher Tradition.
Dennoch meine ich, daB die gemachten Beobachtungen
wesentlich geeignet sind, die Position Cumonts zu verstärken.
Denn nun kann darauf verwiesen werden, daß ich, schon lange
bevor ich die Kombinationen Cumonts kannte, von ganz andere
Seite her auf die Vermutung gedrängt wurde, daß in dem clementinischen Schriftenkreis persisches Religionsgut massenha:
verarbeitet sei, ja daß das clementinische Religionssystem geradezu in teilweisem Gegensatz wie in teilweiser Anlehnung
eranischen Dualismus entstanden sei.’
Dieser Nachweis betraf aber vor allem gerade diese ers
Rede des Petrus in Tripolis. In dieser Rede steht nämlich di
Figur Zoroasters im Mittelpunkt.
Sie wird sofort nach d
Darlegung über die Entstehung der Dämonen eingeführt al
diejenige,
welche
gionswesens
mit
Geschichte
beherrscht
feindseliger
Urheber
die
Tendenz
(IX4)?
menschlichen
Natürlich
behandelt.
des Götzendienstes
des Menschengeschlechts.
des
ist
diese
Reli
hi
Zoroaster gilt als d
und aller religiösen Verderbni
Aber in der Schilderung seiner G
stalt liegt eine in hellenistischer Überlieferung einzigarti
Kenntnis echt persischer Religionsideen vor.
Ich habe na
gewiesen, daß der Verfasser das echt persische Theologumeno:
vom Hvarena (dem himmlischen Glanz, der dem Herrscher un
Propheten eignet) kennt, wenn er erzählt, daß Zoroaster vo
1 Vgl. Hauptprobleme der Gnosis S. 135—154.
2 Vgl. Rec. IV 27 (29); I 80
144 f.
zu dem
ganzen Hauptprob
Página 31
Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)der höchsten Gottheit! das zig fuorislas erhalten habe. Freilich ist diese Theorie, daß Zoroaster das himmlische Hvarena
besessen habe, hier entstellt und sofort mit sagenhaften Traditionen von der Apotheose Zoroasters durch den himmlischen
Blitzstrahl, der ihn traf, verwoben.
Und so erscheint gar das
Herunterkommen des Hvarena auf Zoroaster als eine Strafe des
Dämons, der ihn durch Herabsendung des zig faordslas getôtet habe.
Ich habe aber seinerzeit nachgewiesen, daB auch
die Sagen von der Apotheose Zoroasters und der Verehrung
der verbrannten Gebeine desselben an der Stelle ¿vda 9 tod
TUQÙS xatapooà yéyovev auf echte, wenn auch zum Teil spátere
und zum Teil mißverstandene persische Tradition zurückgehen,
und daß ferner jene alte und echte Überlieferung von dem
Hvarena in anderen parallelen morgenländischen jüdisch-christlichen Überlieferungen über Nimrod-Zoroaster noch deutlicher
zutage trete (Hauptprobleme 146—151).
Auf einen Zug’, den ich damals in seiner Tragweite noch nicht
würdigte, möchte ich in diesem Zusammenhange noch aufmerksam machen.
Hom.IX 6 wird ausgeführt, daß die Perser, weil
sie sich des vom Himmel gefallenen Feuers zuerst bemächtigt
und dieses verehrt hätten, deshalb auch zuerst die Weltherrschaft bekommen hätten. Das ist bekanntlich eine echt persische
‚religiöse Idee, die wieder an Vorstellungen vom Hvarena anknüpft (Hauptprobleme 151).
Wenn der Verfasser dann fortfährt, daß danach die Babylonier das Feuer der Herrschaft gestohlen
und
dieses
verehrt hätten, daß
so
die
Herrschaft
1 Die höchste Gottheit wird hier unter Anlehnung an astrologische
Theorien und wieder in feindlicher Tendenz als „der den Weltlauf bestimmende Stern des jetzt herrschenden Bösen‘ bezeichnet, Hom. IX 4
(Hauptprobleme 145).
2 Auf die oben besprochene Theorie vom xadd&goıov zie, die eben-
| falls echt persisch ist, weise ich nur im Vorübergehen hin.
Auch auf
| die auch die Clementinen beherrschende Vorstellung vom Urmenschen
als einer an Herrlichkeit der Gottheit gleichen Gestalt kann hier nicht
| noch einmal eingegangen werden; vgl. Hom. VII 10f., Hauptprobleme 160 ff.
Página 32
Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)auch zu ihnen gekommen sei, und daß dann die Ägypter
jeweiligen übrigen weltbeherrschenden Völker an die Reihe gi
kommen seien, so haben wir hier eine noch gut erhaltene e
nische Geschichtsbetrachtung, nach welcher die übrigen Völ
den Persern die Weltherrschaft gestohlen hätten.!
So stellt es sich heraus, daß wir in dem den Ausführung
des Porphyrius de abstinentia 11 37—43 verwandten Stück Ho
VIII—IX (Recogn. IV) eine hellenistische Tradition mit nicht
verkennendem orientalisch-persischem Einschlag vor uns hab
Vielleicht ließe sich jene Überlieferung aus der jüdisch-chri
lichen Bearbeitung noch etwas deutlicher herausschälen.
werden voraussetzen dürfen, daß in dem Aufriß der ganz
Erzählung die Theorie, daß die Dämonen die Seelen der Nac
kommen der gefallenen Engel und der Menschentöchter sei
d.h. der Giganten, die in der allgemeinen Flut umkamen, sp
fisch jüdisch-christlicher Herkunft sei (vgl. Hom. VIII 15 Anf. ui
17 Ende). Wenn wir diese Ausführungen herausnehmen, wie auc
das Stück, das in dieser Anordnung von dem Verfasser d
Homilien zu stammen scheint, VIII 18—24 IX 1—2? so zei
es sich, daß die Gestalt Zoroasters (IX 3) ursprünglich im u
mittelbaren Zusammenhang stand mit der Schilderung von d
Abfall der Dämonen, ihrer Vermehrung auf Erden und di
dadurch
hervorgerufenen
Notstand
(VIII 12—17;
IX 3ff
1 Man beachte auch die charakteristische Umkehr der historisch
Reihenfolge: Perser-Babylonier.
im Altertum II, 1903, S. 212f.
.
Dazu vgl. Tiele Geschichte d. Reli
? Man beachte die Anknüpfung von IX 3 an VIII 17: aòrixe
sd0dds werd tov xoroaxlvouóv. — In den Recognitionen ist der Zusamm
hang vielleicht besser gewahrt, insofern hier das Stück Hom. VIII 18
nur eine ganz kurze Parallele hat in IV 13 A, während VIII 21—23 an
Schluß der ganzen Rede gestellt sind, und insofern hier das Ganze
eine Rede überliefert ist, also auch die Einleitung der zweiten
Hom. IX 1—2 in Wegfall kommt.
eine
große Umstellung erfolgt:
stehen.
Leider ist nun wieder in den Rec
IV 27B—31 müßten vor IV 13B
Zur Rekonstruktion der gemeinsamen Grundschrift vgl. 6
gel. Anzeigen 1905, 428f.
Página 33
Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)Sollte die Vermutung zu kühn sein, daß in der von der Grundschrift der Clementinen benutzten orientalischen Quelle erzählt
war, daß Zarathustra zur Bekämpfung der auf Erden überhand
nehmenden Dämonen gesandt sei, und daß er deren Herrschaft
beschränkt und ein goldenes Zeitalter herbeigeführt habe?
läßt sich
ein Dreifaches
zur weiteren Unterstützung
Es
dieser
Hypothese beibringen.
1. Einmal läßt sich darauf hinweisen, daß tatsächlich eine
der erschlossenen ähnliche Überlieferung in den persischen Religionsurkunden vorliegt.
Vendidad III 7 (24), vgl. Yasna IX
15 (46), wird erzählt, daß zu Zarathustras Zeit sich die Daevas
und Drujas fleischlich vermischt und die Dämonen auf Erden
sich stark vermehrt hätten, bis jener sie vertrieben habe.!
2. Ferner kommt hier eine ganz merkwürdige Parallele in der
Kéon K6ouov, jener zum hermetischen Schriftenkreis gehörigen
interessanten Schrift, in Betracht.
In dieser Schrift sind bekanntlich mehrere Quellen miteinander verwoben, deren reinliche Sonderung bis jetzt noch nicht ganz gelungen ist.
Hier
wird am Ende der langen Ausführung (p. 970) erzählt, daß gewisse
Vuyai zudeıoydeicaı?, also niedere in Gefangenschaft gehaltene
Geister, die sich in Neid gegen die am Himmel wandelnden
Götter verzehren und sich deshalb gegen die Gottheit empören,
1 Vgl. meine Religion des Judentums? S.560.
Dort auch weitere
Parallelen zur Sage vom Engelfall.
2 Stobaeus Zklog. I p. 970ff.
Im vorhergehenden schwankt die eben
aus verschiedenen Quellen zusammengewobene Erzählung zwischen zwei
Vorstellungen.
Einmal scheint es sich um die Bestrafung und die Verbannung ungehorsamer
Geister aus ihren himmlischen Höhen in
den
Kerker der niederen Welt zu handeln (p. 944, p. 958), dann wieder um
die Einkerkerung der Menschenseele in das Gefängnis des Leibes (946 bis
956).
An unserer Stelle sind offenbar ursprünglich gefallene und eingekerkerte Geister gemeint. —
Aber in dem Namen wvyai und in der
Charakterisierung der ¿vdgoros als Asımdusvor &vdemzor scheint wieder
die zweite Auffassung hineinzuspielen und so die vermittelnde Vorstellung von Menschenseelen, die augenblicklich fern vom Leibe in den
niederen Regionen umherschweben, entstanden zu sein.
Página 34
Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)die Menschen als ihre Organe gebraucht hätten; und so
Mord und BlutvergieBen und die Vergewaltigung der $
cheren durch die Stärkeren auf die Welt gebracht. Und
folgt eine höchst charakteristische Szene. Nacheinander
heben die vier Elemente Anklage, daß sie durch das go
Treiben der Menschen befleckt seien, so daß sie es
länger erdulden könnten. Namentlich ist die Klage
Es beklagt sich: dò ci
Feuers charakteristisch.
yevouévor ¿vdobrov dHEov téduyg odpxas dvayndfouatti
Das Feuer wünscht: [va xaigov waged Aoıßals dxegerijow
noo, iv’ súndeig druodg dx’ éoydoas mgomeupadı. —
erinnern wir uns der Schilderung in den Pseudoclementi
nach der der Fleischgenuß und gar die Menschenfresserei
den bösen Dämonen eingeführt seien (VIII 16). Unmit
darauf folgt auch hier die Schilderung, wie die Elemente d
dies gottlose Verhalten verunreinigt seien. Es heißt dort:
03 ti ol tov aludrov dvos Ó xadeods eno dnatderm
Puyidos: wravtels na) voofoas todg dvamvsovrag abrov
dels dxevoyagero (VIII 17). Dazu ist Kéon Kóouov p.91
Rede der Luft zu vergleichen: Solodpar © déoxota xx
TÓV vexçpor
coudrov
byvevvog oùx Eri.
dvadvudoens,
vooddng te
elul
Ebenso heißt es Hom. VIII 17, daß die
unreinigte Erde schädliche und giftbringende Tiere herv
bracht habe.
In der Kó0y Kéopov klagt die Erde: rà
Dévra déyopor.
Arıuodueı de Hon.
Und nun bittet die miBhandelte Erde, daB die héchste
heit ihr ein Ebenbild ihrer selbst hinabsenden möge: gd
Tit yij adv od ceavtdy, où yde ds yoosiv dxouévo, CavtOv
iso@v drbogorav (974).
Die Gottheit gewährt die Bitte,
nun werden Osiris und Isis auf die Erde hinabgesandt.
machen dem Blutvergießen und dem gegenseitigen Mord
Erden ein Ende!
Von
einer direkten Bekämpfung der
1 In den mit dieser Darstellung eng zusammenhängenden H;
auf Osiris und Isis, die Erman Ägyptische Religion 8.245 zus
Página 35
Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)monen ist freilich nicht mehr die Rede.
Aber es heißt doch
(978): obzor zo mequéyor dru daruóvov étlnowoy, mao? Le.
padóvres xovarais orílas éycoukav.
Wie sich die ägyptische Isis-Osiris-Legende und die aus
den Clementinen erschlossene Zarathustra-Legende zueinander
verhalten, auf welcher Seite die Abhängigkeit anzunehmen sei,
das entzieht sich freilich bei der Beschaffenheit des vorhandenen zerstreuten Materials unserer Beurteilung.
Daß hier verwandte mythische Motive vorliegen, dürfte jedoch alle Wahrscheinlichkeit für sich haben.
3. Und eine dritte beachtenswerte Parallele liegt endlich in
einem jüdischen Apokryphon, dem
sogenannten äthiopischen
Henochbuch, vor, das ja in seinem Anfang bekanntlich einen vollständigen Parallelbericht zu der in den Clementinen vorliegenden Erzählung enthält.
Hier heißt es zum Schluß der Schilderung des Engelfalls und seiner verderblichen Folgen: „Als
aber die Menschen ihnen nicht mehr gewähren konnten, wandten
sich die Riesen gegen sie und fraßen sie auf, und die Menschen begannen sich an
den Vögeln, Tieren, Reptilien und
Fischen zu versündigen (durch Fleischessen), das Fleisch voneinander aufzuessen.
Da klagte die Erde über die Ungerechten“ (c. 7). Die Anklagerede der Elemente, die wir in der
Kôon Kéouov fanden, erscheint hier als eine Anklagerede der
vier Erzengel (c. 9).
Das Gericht an den Dämonen und ihren
achkommen. wird dann freilich
ollzogen.
Andererseits
aber
von
himmlischen Mächten
erscheint
hier
im
folgenden
Henoch — und wir haben auch sonst guten Grund anzunehmen, daß die Gestalt Zarathustras die Zeichnung des jüdichen Patriarchen in der apokryphen Überlieferung beeinflußt
hat — als
Gegenpart der gefallenen Engel, der das
Strafstellt (IG. XII 6, 1 p.217, Diodor I 27) wird bemerkenswerterweise herworgehoben, daß Osiris und Isis der Menschenfresserei ein Ende gemacht
hätten.
Página 36
Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)gericht zwar nicht vollzieht, aber doch ankündigt (c. 12 u. 16)
Bemerkenswert aber ist es, daß im Henochbuch in diesem Zu
sammenhang der Flutbericht, den wir als einen fremden
stand innerhalb des Berichtes der Clementinen erkannten, gi
nicht erscheint. Vielmehr finden wir in unmittelbarem Zu
sammenhang mit der Vernichtung der gefallenen Engel un
ihrer Nachkommen die Schilderung eines anbrechenden gold
nen Zeitalters (c.10, 16ff.), eine Konzeption, die in der jüdi
schen Überlieferung unerhört ist, die aber vielleicht ihr
guten Sinn bekommt, wenn wir hier eine Herübernahme a
fremden Religionsurkunden (vgl. das goldene Zeitalter zur Zei
des Zoroaster, des Osiris und der Isis) vermuten dürften.
So führt uns eine genauere Untersuchung des interessant
Stückes der Clementinen direkt in die Welt des orientalische
Synkretismus, und von einer ganz anderen Seite erscheint u
die kühne Vermutung Cumonts, daß die dualistische Dämon
logie in dem Fragment bei Porphyrius de abstinentia II 37—4
persischen Ursprungs sei, bestätigt.?
III (Anhang)
Ob die von Cumont für Porphyrius usw. statuierte Qu
gerade eine Schrift, die unter dem Namen des Ostanes® gi
sein muß, steht mir dahin.
Cumont ist, wie es scheint, a
1 Vgl. zu der Gleichung Henoch-Zoroaster meine Religion des J
tums* 8.552.
? Könnten wir annehmen, daß Cornelius Labeo (s. die Einleit
oben S. 135f.) seine Anschauung über die dei boni et mali (vgl. Arn
IV 12 antithei) aus derselben Quelle (etwa durch Vermittlung des Ni
dius Figulus) und nicht nur, was auch möglich wäre,
lichen
orientalischen Tradition geschöpft hätte,
Quelle also zum mindesten in
das erste
so
aus einer à
würden
wir j
christliche Jahrhundert vi
folgen können.
5 Ich stelle kurz die Hauptstellen der Überlieferung über Os
zusammen:
Plinius Hist. Nat. XXX 8. 11.
Apuleius Apolog. 90 (
mendas, Damigeron . .. Moses, Jannes . .. Apollobex ... Dardanus,
quicumque alius post Zoroastren et Hostanen inter magos celebratus
Página 37
Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)seine Vermutung gekommen, weil sich eine Reihe von Stellen
nachweisen lassen, in denen Ostanes als ein Gewährsmann über
die
Geisterwelt
zitiert wird.
Diese
Stellen mögen,
da sie
mit einem weiteren Problem zusammenhängen, noch kurz besprochen werden.
Minucius Felix, Octav. 26 überliefert: Magorum et eloquio et negotio primus Hostanes angelos, id est mini-
Stros et nuntios Dei, eius venerationi novit assistere.
Ähnlich
Cyprian Quod idola c. 6: Ostanes et formam Dei veri negat conspici posse et angelos veros sedi eius dicit adsistere.
Cumont
gibt (a. a. O. 308) noch mehr Material (doch ohne den Namen
des Hostanes).
Die interessanteste Stelle bringt er nicht im
Wortlaut, sondern verweist dafür auf Roscher, Hebdomadenlehre!
der griechischen Philosophen.
Wegen ihrer Wichtigkeit mag
die Stelle hierher gestellt werden.
In den Theologumena Arithmetica (42f. ed. Ast.) heißt es: BaBviwvlwy ol doxiudraror xaù
Ocrévns al Zagodtotons éyélas xvolas xalovoL tas Goto
“as opatoag... dg dpélovs xaro tà wurd xalodoiw Ev vois
isooig
Adyous
urtò xaoguatmow dè tod yduux épPaouévas
dyyélovs.
Dazu vgl. Ad. Abt. Die Apologie des Apuleius RGVV IV 2, 251). — Tertullian de anima 57 (Ostanes, Typhon, Dardanus, Damigeron, Nectabis,
Berenice). Peraten bei Hippolyt Refut.V 14, 18642 (Ostanes neben Hermes
Trismegistos, Petosiris, Berosos, Astrampsychos, Zoroastris u. a.). Pariser
Zauberpapyrus 2006ff.:
facer ’Oordveı Ilirus (vgl. Reitzenstein Poimandres 8.108) gaigsıw. Tatian Or. c. 17. 155D. Euseb. Pr, Ev. I 10, 52
(Oktateuch des Ostanes vgl. V 4, 1). Suidas s. v. &orgovouie. Alexander
von Tralles I 83 (vgl. Wessely Denkschr. der Akad. zu Wien 1888 S. 95).
Eine Spur des Namens bei den heidnischen Ssabiern: Reitzenstein Poimandres
168.
Interessante Apokalypsen
unter
dem Namen
des Ostanes (aus Berthelot La chimie au moyen äge II 309 ff., III 121) bespricht
Reitzenstein ebenda 8. 363f.
Vgl. die obskure Notiz
des Synesius in
epist. ad Dioscorum, Fabricius Biblioth. Graeca VIII 233 bei Dieterich
Kl. Schriften S.45 über die Einweihung des Democritus durch O. im
Heiligtum von Memphis; ferner C. Wessely Progr. Gymnas. Franc. Jos.
Vindob.
1886 p.4 (aus einer Wiener Handschr.):
Ostanes
scribit ad
Petesium sol vis isgäg tavrns sal Velas yeugijs (Dieterich KT. Schriften 11).
1 Abhandl. d. sächs. Ges. d. Wissensch. Bd. 24, 1906 8. 145.
Página 38
Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)Man sieht, mit dem Namen des Ostanes taucht das
blem der Herkunft des Terminus @yyedog' vor uns
Deutet der Name &pysAog überall, wo er vorkommt, auf jiidi
christlichen Einfluß oder kann er allgemeiner als orientali
synkretistisch angesprochen werden? Die Wichtigkeit
Frage liegt auf der Hand. In einem anderen Zusamme
hat z.B. Cumont selbst das Vorhandensein des bonus a
in der berühmten Vincentiusinschrift der Prätextatkatako
an der Via Appia aus einer Beeinflussung des Sabazios-Ki
durch jüdische Ideen erklárt.?
H. Achelis* hat seinerzeit aus den Grabinschriften von T
auf denen der &yysdog so häufig erwähnt wird, auf
Vorhandensein des Christentums auf griechischen Inseln s
Ben wollen.
joves
Die Oracula Chaldaica scheinen neben den
auch &yyeZo
haben‘
als
eine
besondere Klasse gekannt
Der Asclepius des Pseudo-Apuleius — also ein
Z
der hermetischen Literatur — weissagt in seiner interes
Apokalypse (24—26), daß am Ende soli nocentes angeli r
nent (c. 25, vgl. c. 37: evocantes animas daemonum vel a
rum
eas
indiderunt
imaginibus
sanctis
divinisque
my
DaB Labeo den Terminus kannte, wird uns von Augustin
drücklich bestätigt: nonnulli istorum, ut ita dixerim
larum, in quibus et Labeo est, eosdem perhibent ab aliis a
dici, quos ipsi daemones nuncupant (de civit. IX 19)$
De
sprechend heißt es bei Arnobius II 35 gegenüber dem G
nonne omnes omnino, quos esse opinatio suspicatur, dii angeli
mones aut nomine quocumque sunt alio, qualitates et ipsi sunt
1 Vgl. noch Tertullian Apolog. 23:
Magi... . habentes invi
angelorum et daemonum adsistentem sibi potestatem.
2 Comptes rendus de Acad. des Inscr. et Belles Lettres 1906, p.
3 Zischr. f. neut. Wissensch. I 87 ff.
* Kroll Oracula Chaldaica p.44f., vgl. p. 53. 60.
5 Vgl. Lactanz Instit. II 15, 8, Kóen Kéouov Stobaeus Ekl. 1
tev dogupoencdvro» (thy vuyiv) éyyéllor nal doruóvov.
* Böhm a.a. O. 8. 55 ff.
Página 39
Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)diae?
Celsus (Orig. in Celsum VII 68) nennt &pyedor, élios
deluoves, fomes, nebeneinander.
Porphyrius kennt sogar neben
den éyyslor die dexdyyelo.!*
Augustin berichtet von ihm:
quamquam ita discernat a daemonibus angelos, aeria loca esse daemonum, aetheria vel empyrea disserens angelorum (de civit. X 9,
vgl. dazu die Bemerkung
X 27 in einem ähnlichen Zusammenhang über die Chaldaei magistri des Porphyrius).*
Man sieht, es hängt an der Entscheidung über die religionsgeschichtliche Herkunft
wichtiger Einzelfragen.
der
&yysAoı
eine
ganze Reihe
R. Heinze * urteilte seinerzeit:
„Es
stünde auch nichts im Wege, daß schon vorher von griechischer Seite die Dämonen gelegentlich &pysAoı rôv dev genannt
worden wären, aber ich finde den Ausdruck weder vor Philon
noch auch später bei nicht jüdisch beeinflußten Schriftstellern.“
Immerhin stimmt doch allein die Massenhaftigkeit des Materials und die Verschiedenartigkeit seiner Herkunft bedenklich
gegen die These, daß überall jüdisch- christlicher Einfluß anzunehmen sei.
Neuerdings hat sich das Material noch bedeutend vermehrt.
Ich erinnere vor allem an die in Viminacium aufgefundene
Weihinschrift mit Dis angelis*, die Cumont dem Mithraskult
zuzuweisen geneigt ist;
an
die Inschriften von Stratonikeia
Au dplorm sa) dyadó ¿vyélo?
und Au dploro
sal delo
Gyyé198; an die Inschrift aus Ostia (im christlichen Zeitalter):
1 R Heinze Xenokrates 8.119.
? Auf die Zaubertexte sei hier
Die Indices zeigen
das
nur im Vorbeigehen hingewiesen.
massenhafte Vorkommen des Terminus.
Aber
hier kann überall jüdischer Einfluß vorliegen. Wünsch (Kleine Texte, hrsg.
von Lietzmann Nr. 84 S. 28) urteilt zum Par. Zauber-Papyrus v. 2701f.,
das Wort &yysios brauche nicht auf christlichen Einfluß (auch nicht auf
jüdischen?) hinzuweisen.
3 Xenokrates 1131.
4 Jahresbericht Instit. in Wien 1905 Beiblatt S. 6, nach Cumont a.a.0.
308 Anm. 38.
® Lebas-Waddington III 615.
* Bullet. Corr. Hellen. V, 1881, p. 182, Nr.3.
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Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)J. O. M. Angelo Heliop(olitano)!; an die Beschwörung auf ei
spezifisch heidnischen Fluchtafel:
xerayodpo “ai xarer
dvyélois xataytovlors ‘Eouÿ xacaytovia nai “Enden zero
vie, ITiovrovt xa) Köom.’
In einer ausgezeichneten und umsichtigen Untersuchung
neuerdings M. Dibelius* diese Frage aufgenommen.
Er gl
nachweisen zu können, daß der heidnische &yyedog in vi
Fallen sicher, in manchen wahrscheinlich einen ganz bestimm
nämlich chthonischen Charakter trage, d.h. daß die ¿py
ursprünglich Unterweltsboten ‚seien.
Von hier aus hält er
für wahrscheinlich, daß die Frage, ob der Terminus &yye
vom Heidentum aus dem Judentum entlehnt oder das
gekehrte der Fall sei, „zugunsten der heidnischen Originalité
beantwortet werden müsse.
Auch mir hat sich diese Wahrscheinlichkeit
mehr aufgedrängt.
mehr
Es scheint mir vor allem unwahrsc
lich zu sein, daß an so vielen und verschiedenen Stellen
flub jüdischer (christlicher) Terminologie anzunehmen wäre.
1 Corp. Inscr. Lat. XIV 24; vgl. dazu Dussaud Notes de mythol.
(Rev. archéolog. IV série I 143). — Ich erinnere im Vorübergehen an
Mal’ak-Bel von Palmyra; zum Baal Mal’ak vgl. Saussaye Lehrbuch
Rel.-Gesch.° I 366. 368.
2 Ziebarth Neue attische Fluchtafeln, Nachr. d. Gött. Ges. d. Wisse:
1899, 105ff., Nr. 24.
3 Die Geisterwelt im Glauben des Paulus 209—221. Dort noch
Material. — Vgl. noch bei Dibelius die Ausführungen über den “Evi
yslos 8.219.
Dazu Dieterich Mithrasliturgie S. 49.
(Abgeschlossen im Sommer 1913.)
Göttingen.