Pythagoreische Grammatik

Autor
Dornseiff, M.
Publicado en
Buchstabenmystik
Año
1916
Tema
GRAMMAR
Idioma
Deutsch
Categoría
C6 Lengua y literatura
Número de archivo
6374

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Schreibkunst als Mysterium Diese — der Traditionen über die Herkuaft der Buchstaben hat wohl gezeigt, daß im griechischen Altertum den Schriftzeichen an sich noch há ine w eihe innewohnen konnte wegen ihres göttlichen Ursprungs. Den besaßen sie nieht in dem Sinn, wie man es im Orient oder im altgermanischen Norden glaubte. Es hat keinen antıken Gott yeeben, Jessen Funktionen mit der Schreibkunst wesentlich zusammenhängen, und was ein Heros erfunden hatte, war deshalb noch nicht heilig. Dieser Glaube scheidet also als Quelle für griechische Alphahetk und mys -magie aus. Für den Analphabeten bildet die Kunst des Schreibens leicht ein unheimliches Mysterium, und derer wird es in der „unschuldigen Zeit“ des Altertums (Lachmann) stets viele gegeben haben. Was der Mensch an Bildung damals besitzen mußte, war unendlich viel weniger als bei uns, und infolyedessen wurden auch die Anfangsgriinde nicht als etwas Selbstverständliches gering geachtet. Das Alphabet als Gegenstand des Wissens war im Athen des5. Jahrhunderts etwas, worüber man ernst haft reden durfte, selbst vou der tragischen Bühne herab, wie 7elqosartige Fragmente des Sophokles, Euripides, Aguthon, Theodektes!) und die später zu besprechende pouunetoroeyodie des Nallias zeigen. Das Schreiben war für viele eine gewichtige feierliche Handlung. Trotzdem war dies keine entscheidende Ursache für die Entstehung der Buchstabenmystik. Diese liegt anderswo. $2 PYTHAGOREISCHE GRAMMATIK Der Unterschied zwischen Vokalen und Nonsonanten ist unseres Wissens im 6. Jahrhundert von den Pythagoreern zuerst beubachtet worden?) Wie die Pythagoreer dazu kamen, sich ; ammatisch zu betätigen, darüber gibt eine Notiz bei Quintilian AufsehluB (instit. erat. que Evenus etiam subiectam grummatieen musiene 1 10, 17) Arehyt putaverunt. Sie rechneten die Graumatik zur uovo. Die ungeheure Entdeckung des Pythagoras, dab die musikalische memprialie VII 5, wornus wohl zu schließen ist, daB sich in dem Tempel des Apollon Lrosguos zu Sikyen ein Buchstabenorukel (vgl. darüber unten den besonderen Abecbmitt: Wefand, Plster, Wochenschrift £ kl. Philologie 31 11914) 477 f. Uber die relative Berechtigung dieser atpruura 8 Lenormant bei Daremberg Saglio I, Paris 1978 pi 205 1F 1) Enripides hat im Ogorty die artıg Iwechrieben, ebenso qoxhis di rovre Agathon ndcetizigion Buchetulen trot eee yar segotueroy Athen, X BO y. 460 f 2) Aristot Kühn; Varro bei metaph des Namens und Theodektes Pr (Athen 'Augpiapdo = fr Once yelqoy- 454 Le) xed Yaaurverxö ra poupe 117 Nanck® MV 6; Hippokr. veel ¿Bo sti Erm., m dmg | yp Gah tell, 11] 30, 2 und 18; alles bei Roscher, Hebdomadenlehren 27

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Grammatik und Musik Tonhöhe von der Länge der tönenden Saite abhänge, hat die Mitlebenden geradezu berauscht und wie kaum jemals ein anderer naturwissenschaftlicher Fund das Denken Späterer bestimmt. Die Töne hatten sich als verkörperte Zahlen herausgestellt, die qualitativen Unterschiede waren auf quantitative zurückgeführt. Der tiefe Sinn der Musik war der, daß sie Klang gewordene Zahl ist. In der Zahl hatte man jetzt einen * Schlüssel, der alle Tore zu öffnen verhieß. Sie war das Wesentlichste am Kosmos, vielleicht das Wirklichste überhaupt, das Symbol der Vernunft Die schönsten Sätze darüber stehen bei Philolaos (fr. 11 Diels): Kenntnisspendend ist die Natur der Zahl und führend und lehrend für jeglichen in jeglichem, das ihm problematisch und unverständlich ist. Denu gar nichts von den Gebilden wäre irgend einem klar, weder ihr Zusich noch des einen zum andrem, wenn nicht die Zahl und deren Wesen wäre. Nun aber wirkt diese durch die Seele hin in die Empfindung gestaltend alles erkennbar aus und gesellig, nach des Gnomons Natur, gibt ihnen Leib und scheidet voneinander alle die Glieder der Gebilde als unendlicher wie als begrenzender. ... Sehen kann man nicht nur in den dämonischen und göttlichen Gebilden die Natur der Zahl und ihre haltende Macht, sondern auch in allen menschlichen Wer- . ken und Worten allenthalben und hin durch alle Schöpfungen des Bildens und hin durch die Musik.!) — Fällt also die Grammatik unter die Rubrik Musik, so mußten in der Tat die Schriftzeichen die Aufmerksamkeit der Pythagoreer besonders auf sich ziehen. Denn sie waren zugleich die Zeichen für die Zahlen und die Musiknoten. In ihnen, in ihrer Form, ihrer Anzahl und ihren Verschiedenheiten mußte wohl manches von kosmischer Bedeutung zu finden sein. Aristoteles erwähnt darüber Folgendes (Metaphys. N 6, 1095 a 20): éxel zal rd E WZ ovupwriag paoir sive zei, dti éxetrver toslz, za tadte tote (nämlich dıcreoocgor. dieterte und diereoov). te dè uvora dv sin totabra, obdty uéla to) veo I zal P ein dv Er Gyuetor (d.h. man könnte ja ebenso gut auch den Laut yo durch ein einziges Zeichen ausdrücken). el 0” Oru dixidotoy rov (¿how Exaoror &i10 0 où, wiruor 0 Ore TOY bvrov Torov Ev ey ¿xdorov Erigloere TO Giyua. OLE TOTO rola udvov é6rly, GAZ 007 On cl Gvugavla tosis, Exel ahelovs ye al Gvugovia ¿vravda d oùxéte diverte. Ebenso wie sie die Dreiheit der Doppelkonsonanten musikalisch, d. h. metaphysisch, begründet dachten, 1) Deutsch nach Herman Schmalenbach, Das Seiende als Objekt der Metaphysik I: die erste Konzeption der Metaphysik im abendlündischen Denken Dissertation Jena 1909 S. 36 ff. [Viel Material dazu zuletzt bei Weinreich, Triskaidekad. Studien RGVV XVI 1 (1916) S. 96 f.]

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Kosmische Grammatik anch die Tatsache, daB es gerade 24 Buchstaben bt (ebenda 1093 D 1): xdd Gre door ro didormue èv te rois roduuası dad rod A meds 10 2, zei dad ron Böußvxos dal ti,» atvrdrny vecrir dv et hoig, He 6 Ggududz Tous ri ovlogelele tot ovparor, So stellten sie die Ble mentargrammatik in die denkbar kosmischeten Zusammenhänge xed dou elyor Öuodoyoruere deriva: iv re rot: Cotiluois zui reis dpuowats Ads tà ron Of paved adi zul pior, zei 2003 via Gir diezdo. uno, tutta Omrcyortes Egayouotror, Dieser Satz aus Aristoteles Metaphysik (A 5, 9863) paßt nicht bloB auf die alten Pythagor eer: er erschöpft den Inhalt eines beträchtlichen Teils der europäischen Literatur bis in die Renaissance hinein An den Vokalen muBte den Pythagoreern ihre Siebenzahl?) wıehtig erscheinen. „Sowohl die Altpythagoreer nls auch der Verfasser der altionischen (nach andern [vgl. Boll, Neue Jhb. 31 (1913) 8. 137 17.] erst dem 5. Jahrhundert angehörigen) psendohippokrateischen Schrift æepi &Bdoucdeor erblickten in den sieben ionischen Vokalen (Fomjert a, gora) oder Urbuehstaben eine der ältesten und wichtigsten Manifestationen der heiligen Siebenzahl.” W. E. Roscher, Hebdomadenlehren S. 145. Dieser Hinweis anf die Bedentsamkeit der Vokale ist, wie wir unten sehen werden, nicht ungehört verhallt. $ 5. ELEMENTUM Recht folgenreich für die antike Wertung der Buchstab on war es, daß man sic mit dem Wort ororgeior bezeichnet hat. Durch dieses Wort worden die Buchstaben der Schrift für den Griechen, der vom Namen einer Sache ans unwillkürlich weitergehendo Folgerungen zog als wir, die „Kritik der Sprache“ fing erst an —, in die Sphäre philosophischer und religiöser Begritle gehoben.?) Die Wortgeschichte von ororzetow stellt sich nach den Untersn ehungen von Diels und Lagererantz folgendermaBen dar: Die Ableitung des Wortes aroryeio® von oroiyog bei Dior Thrax, worauf Diels seine Übersetzung „Reihenglied“ gründet, ist wertlos und verbindet zu niehts.”) 1) Uber die Siebenzubl Boll in PW x. + Webdomas Bd gezeigt wird, daß die Heiligkeit einer Zahl sich dann VI Sp 2552, heraushildet, wo wenn diese von ororgeior („Elementum“", Leip: Zahl in der Natur wiederholt gegeben ist, su daß der Mensch immer wieder auf me hingen onen wird 2) mg 199 The Ihelssche Bedentungagesehichte wird in entscheidenden Punkten berichtigt durch Lagererante, Elementhin, eine lexikolsgische Studie Skrifter utgıfun af K. Humanistiska Vetenskape Semfondeti Uppsala NI 1, Leipzig, Harrarsowitz 1911. rn cine verwandte Ableitung hatte auch schon Bedenken Ps -Saliaà, ‚nen der griechischen Buchstaben“, ed. Mebbelynek, Muséon N.S,